- Logbuch der Nordstern -

Im Hafen von Thorwal - 22. bis 24. Efferd, 28 n.H.

Auf nach Thorwal


Endlich ist nach den hektischen Ereignissen der Meuterei und deren erfolgreicher Beendigung wieder Ruhe auf dem Schiff eingekehrt, das unverändert bewegungslos im Golf von Prem liegt. Die Meuterer sind überwältigt und gefesselt, die Verletzten versorgt, und das Schiff wieder fest in der Hand des Kapitäns. Auch der Elf, der eigentlich der Stein des Anstoßes für die Meuterer war, ist aus seinem finsteren und engen Gefängnis befreit.

Noch bevor der Schiffkoch dazu kommt, die ohnehin schon späte und dann durch die Meuterei noch viel mehr verschobene Mittagsmahlzeit, die nun eher eine Nachmittagsmahlzeit geworden ist, auszugeben, werden die gefangenen Meuterer von der Bootsfrau Nirka und einer Reihe von Matrosen nicht gerade sanft in den Laderaum zwei geschafft, dessen Ladung man extra deswegen ein wenig umverteilt. Der durchaus geäußerte Vorschlag, einfach die große Luke zu öffnen und die Meuterer vom Oberdeck aus bis auf das Ladedeck hinunter zu stoßen, wurde dabei allerdings nicht umgesetzt, sondern unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen die Niedergänge benutzt.

Thorbens wiederholte Beteuerungen, er habe nur versucht, das Schiff vor dem Untergang zu retten, und sein wiederholtes Gerede von einer angeblichen Besessenheit, finden dabei kaum Ohren, die überhaupt zuhören, denn es hat sich klar und deutlich gezeigt, wozu so etwas führt. Jergan läßt sich in dieser Beziehung auch auf keinerlei Diskussionen ein, sondern betont mehrfach, daß er den Fall an die dafür zuständigen Stellen in Thorwal übergeben wird - da wird Thorben ja selbst sehen, wie unsinnig seine Anschuldigungen sind. Auch die Magier, die es auf dem Schiff gibt, tragen dazu bei, den abergläubischen Seeleuten klar zu machen, wie unsinnig Thorbens Vorstellungen sind, und daß dieser Elf so etwas ganz gewiß nicht getan hat.

Nach dem verspäteten Essen, bei dem kaum jemand nicht über die riskanten und aufregenden Ereignisse der Meuterei und deren Niederschlagung redet, ist es dann auch schon fast Abend, und einige winzige Wölkchen zeigen sich am Himmel, die davon künden, daß die Windstille, die nun schon nahezu den ganzen Tag gedauert hat, ein baldiges Ende finden sollte.

So ist es auch noch windstill, als die Mannschaft das Deck und die Brücke von den Spuren der Meuterei säubert. Blutlachen werden aufgewischt und die Planken solange gescheuert, bis Nirka, die in diesen Dingen sehr pinglig ist, endlich zufrieden ist. Einige Spuren bleiben jedoch erst einmal sichtbar - eine tiefe Schramme in den Planken des Brückendecks, wo Olofs Axt aufschlug, eine kleine Delle im Oberdeck, wo Babos Messer steckenblieb, und einige weitere Beschädigungen, deren Behebung erst einmal warten muß, bis sich der Zimmermann wieder wirklich gut fühlt. Dazu gehört natürlich auch die große Lücke in der vorderen Reling des Brückendecks, die er selbst erzeugt hat, und die bis auf weiteres erst einmal mit einigen Tauen versperrt ist, die man an den verbleibenden Relingresten befestigt hat.

Und noch immer kein Wind...

Tatsächlich bleibt das Schiff jedoch auch während der Nacht unbeweglich liegen. Die Segel hängen schlaff an den Masten, während die doppelte Wache - Jergan hat das aus Sicherheitsgründen so angeordnet - sich die Zeit auf der Brücke und dem Deck vertreibt, ohne daß etwas geschieht.

Erst am frühen Morgen des nächsten Tages - des 22. Efferd, als Jergan die Brückenwache von Lowanger übernimmt, bläht der erste schwache Windhauch die Segel der Karavelle aus Riva. Doch er reicht kaum aus, um dem Schiff eine nennenswerte Geschwindigkeit zu verleihen, denn nur sehr langsam bleibt die von Jarun über Bord geworfene Börse Radisars hinter der NORDSTERN zurück.

Erst am Vormittag frischt der Wind im Golf von Prem endlich auf. Die Segel der NORDSTERN füllen sich, und die Karavelle legt sich leicht auf die Steuerbordseite, während die Bugwellen rasch größer werden.

Ebenso rasch, wie die Überfahrt begonnen hat, geht sie auch zu Ende, denn weit ist es wirklich nicht, und diese etwa achtzig Meilen schafft die Karavelle bei diesem Wind in sieben Stunden. Am späten Nachmittag schließlich ist die Küste mit ihrem etwa vierzig Schritt hohen Kliff zu sehen, das von der alten königlichen Zwingfeste "Ugdalfskronir" gekrönt wird, und wenig später auch schon die Hafenanlagen der Stadt an der Bodirmündung.

Jergan selbst ist wieder an das Steuer getreten, denn diesen Hafen kennt er sehr gut, zumal die Einfahrt auch ohne Lotsen sehr leicht ist. Mit stark gerefften Segeln steuert die NORDSTERN auf die Bodirmündung zu, um dann den am Nordufer der Mündung gelegenen Handelshafen anzusteuern.

Wenig später macht das Schiff mit der Backbordseite an der Hafenmauer fest. Matrosen springen mit den Trossen auf den Kai und befestigen sie rasch an den Pollern, dann liegt die Karavelle nach der Überfahrt sicher vertäut im Thorwaler Hafen... doch zu Ende ist die Überfahrt damit noch lange nicht.

Jergan gibt von der Brücke aus sofort die Anweisung, daß auf Grund der Ereignisse auf See vorerst niemand ohne Erlaubnis das Schiff verlassen darf, bis die Lage mit den dafür Zuständigen aus der Stadt geklärt ist.

Er selbst macht sich zusammen mit Fiana zum Hafenamt auf, von wo man dann Wachen schickt, die die gefesselten Meuterer abholen. Entscheidungen werden jedoch noch keine gefällt, da die Hafenamtsvorsteherin an diesem Abend bereits gegangen ist. Der Kapitän möge am nächsten Morgen wiederkommen, so lautet die Entscheidung des Wachhabenden, der die Meuterer im Hafenamt einsperrt.

Jergan widerruft die Anweisung, daß niemand das Schiff verlassen darf, darum nicht, und so findet der übliche Wachwechsel auf der NORDSTERN statt, die ohne weiteren Kontakt zur Stadt im Hafen liegt - sehr zum Ärger derjenigen, die Bekannte oder Freunde in der Stadt haben, oder einfach nur eine der vielen Tavernen aufsuchen wollen, um von den Erlebnissen und den bestandenen Gefahren zu berichten.

Die Nacht vergeht ohne aufsehenerregende Ereignisse, und der 23. Efferd begrüßt Schiff und Stadt mit herrlichem Segelwetter, das natürlich nicht genutzt werden kann. Nach einem knappen Frühstück in der Offizierskajüte gehen Kapitän und erste Offizierin wieder zum Hafenamt, während sich Ottam auf den Weg zur Magierakademie macht - er konnte den Kapitän überzeugen, daß seine Arbeit dort wesentlich wichtiger ist als seine Anwesenheit an Bord. Dem Kapitän ist das allerdings auch recht, da er die Magierakademie für einen besseren Aufenthaltsort für Ottam hält als das Schiff - insbesondere dann, wenn er selbst nicht an Bord ist.

Nirka und Lowanger halten gemeinsam auf dem Oberdeck Wache, um darauf zu achten, daß Jergans Anweisung befolgt wird, und niemand das Schiff verläßt.



Der Vormittag des 23. Efferd vergeht, und von Jergan und Fiana ist nichts zu hören - sie müßten eigentlich schon lange zurück sein. Nirka und Lowanger machen sich darum allmählich Sorgen, und rufen darum alle, die interessiert sind, zusammen, um sich mit diesem Problem zu beschäftigen.

Die Gruppe versammelt sich, wobei sie feststellen, daß die beiden Matrosen Eilif und Frenjar fehlen. Lowanger will diese gerade suchen lassen, als ein Trupp Wachen des Hafenamtes erscheint, und das Schiff nach dem Vorzeigen eines ganz offenbar echten amtlichen Schreibens regelrecht stürmt. Sie brechen Jergans Kabine auf, ehe jemand dagegen protestieren kann, und finden dort die Leiche des Matrosen Eilif, die sie mitnehmen, ohne der Besatzung eine genaue Untersuchung zu ermöglichen - Auskünfte zu all dem gäbe es im Hafenamt. Ein Teil der Wachen bleibt auf dem Kai zurück mit der Anweisung, nichts auf das Schiff zu lassen, und keine Ladung vom Schiff zu entfernen.

Daraufhin bilden sich zwei Gruppen. Eine geht unter der Führung von Nirka zum Hafenamt, um dort zu sehen, warum Jergan und Fiana nicht zurück kommen, und was genau dort los ist. Die andere beschäftigt sich unter Lowangers Führung an Bord mit dem Mord. Hinweise, daß der verschwundene Matrose Frenjar der Täter sein könnte, finden sich rasch, und dann bricht auch diese Gruppe auf, um ihn zu finden - und damit Jergan zu entlasten, dem man den Mord sicher anhängen wird, weil der Tote in Jergans Kabine gefunden wurde, zu der nur Jergan einen Schlüssel besitzt. Lowanger bleibt dabei an Bord zurück - schließlich muß wenigstens einer der Offiziere beim Schiff bleiben.

Erst am Abend kehren beide Gruppen zurück und tauschen in kleinen Grüppchen verschiedene Erlebnisse aus, ohne irgend etwas Konkretes zu erzählen. Gelöst ist das Problem aber ganz offensichtlich noch nicht! Es wird geredet und geplant, was am nächsten Tag unternommen werden soll, um die Lösung voranzutreiben.

Am Morgen des nächsten Tages, des 24. Efferd, geht es gleich früh wieder los, um diese Pläne umzusetzen - die Rede ist von einer Magierin, die besucht werden soll, und vom Hafenamt, wo auch eine Spur aufgenommen werden soll.

Der Tag vergeht auf dem Schiff ereignislos, davon abgesehen, daß es auf einem anderen Schiff einigen Trubel gibt - aber zu weit entfernt, um genaueres zu erfahren. Irgendwann am Nachmittag kehren die ausgezogenen Passagiere und Mannschaftsangehörigen dann endlich jubelnd auf die NORDSTERN zurück - mit Jergan und Fiana in ihrer Mitte. Sie kommen an Bord, und sogleich beginnen die wilden Erzählungen über das Erlebte...



Lowanger zieht sich zurück


Als Lowanger erkennt, daß sich Jergan und Fiana inmitten der lärmenden Gruppe befinden, die direkten Weges auf die Anlegestelle der Nordstern zu marschiert, ist es, als habe man ihm gerade eine schwere Last von den Schultern genommen. Er hatte kaum ein Auge zu gemacht in den vergangenen Tagen und erst jetzt, während sich die Erleichterung über einen offensichtlich guten Ausgang der Geschehnisse einstellt, erfaßt ihn gleichermaßen auch eine schwere Müdigkeit. Er zwingt sich zur Unterdrückung dieser körperlichen Schwäche und wartet ab, bis er die Gelegenheit bekommt, seinem Kapitän und der ersten Offizierin einen vorläufigen Bericht zu erstatten. Nach diesem knappen und kurzen Gespräch zieht sich Lowanger dann in seine Kabine zurück und hält sich lieber vom allgemeinen Trubel fern.

Seine Gelenke knacken wie trockenes Holz, als er sich an seinem alten Schreibtisch niedersetzt. Mit einem leichten Seufzer stellt er fest, daß seine Papiere hier irgendwie ziemlich durcheinander geraten sind. Flüchtig überblickt er sein Geschreibsel. Gute Ideen, aber für meinen Teil recht mäßig in der Ausführung, tadelt er sich und damit wandern fünfzig und eine Seite einer losen Blattsammlung erst einmal in eines der unteren Schubfächer. Er war noch nie ein Mann der vielen Worte und so hängt er stumm weiter seinen Gedanken nach, als sein Blick schließlich an einem wunderschönen, riesigen Strauß mit bunten Blumen haften bleibt, der momentan seine Kabine ziert. Gerührt schluckt er ein paar Mal, dann lächelt er und ehrliche Freude spiegelt sich in seinen Augen wieder.

Dann denkt er an die wackeren Maenner und Frauen, Passagiere, Matrosen, Barden, Dichter und Musikanten und auch an die schiffsfremden Helfer, die alle gemeinsam Anteil daran hatten, daß Jergan wieder frei ist und alle weiterhin zuversichtlich nach vorn blicken können.

Spontan fällt ihm dazu nur ein einziges Wort ein. Er muß schmunzeln, als er es schließlich leise ausspricht, denn der Klang dieses Wortes erscheint ihm sehr unpassend für einen Mann seines Standes und Alters - und doch sagt es genau das aus, was ihn bewegt: *alleganzherzlichdankeknuddeldrueckumarm*



Jergan zurück an Bord


Jergans Hände umfassen fast liebevoll das Steuerrad der NORDSTERN, die im Hafen von Thorwal liegt. Er wußte schon immer, daß ihm dieses Schiff viel bedeutet hat, aber erst jetzt, wo durch die Meuterei und deren hinterhältige Folgen die akute Gefahr bestand, daß er es verlieren könnte, ist ihm das alles so richtig bewußt geworden.

Auch das kurze Gespräch, in dem Lowanger seinen Bericht gegeben hat, hat ihn tief beeindruckt, hat es doch gezeigt, daß der dritte Offizier das ganz genauso sieht, und all seine Kraft in die Rettung investiert hat.

Jergan läßt das Holz des Steuers nicht los, als sein Blick sich hebt und über das Oberdeck des Schiffes schweift, wo all die mutigen und entschlossenen Menschen stehen, die dem Schiff - und ihm - so sehr verbunden sind, daß sie es auf sich genommen haben, sich diesem schweren Rätsel zu stellen, und dabei keine Mühen gescheut haben, und all ihre Kraft und ihren Erfindungsreichtum eingesetzt haben. Und nicht nur sie... auch diejenigen, die eigentlich nur zufällig auf dem Schiff waren, und dennoch nicht davor scheuten, mitzuhelfen...

Ein Gefühl tiefer Zuneigung erfaßt den Kapitän, und ganz kurz bedecken feuchte Schleier seine Augen... Sein Blick schweift in die Ferne, damit das niemand sieht... aber vielleicht kann man es dennoch erahnen.



Reckinde geht schlafen


Reckinde kann sich von der allgemeinen Feierstimmung nicht anstecken lassen. Es mag sein, daß nun der Kapitän wieder frei ist, aber es war sehr viel Laufarbeit gewesen, ihn wieder frei zu bekommen.

Ihre Füße schmerzen niederhöllisch, auch ihre lange Pause am Kai, nahe der Anlegestellen der 'Wellenbrecher', hat sie nicht sonderlich erquicken können und auch auf dem Hafenamt hatte ihr keiner einen Stuhl angeboten. So etwas kann schwer in die Beine gehen.

Deswegen reagiert Reckinde kaum auf die Jubelgesänge nach der Rückkehr auf die NORDSTERN, sondern begibt sich, auf geradesten Weg, in ihre Kabine. Nachdem sie die Türe geöffnet hatte, hüpft Radisar wie ein aufgeschrecktes Eichhörnchen um sie herum und versucht ihr offensichtlich aufregende Neuigkeiten zu vermitteln.

Doch dafür hat Reckinde momentan keinen Sinn, hat sich doch die Welt völlig verdreht. Wann hatte es das schon jemals gegeben, daß sie die Wege eines Laufburschen geht, während Radisar still zu Hause Dinge bewacht, die sich sowieso nicht rühren können.

Mit einer herrischen Bewegung unterbricht sie jegliches Mitteilungsbedürfnis ihres Diener, er verstummt sofort.

Schwer läßt sich Reckinde auf ihr Lager fallen, sie nimmt sich nicht einmal mehr die Zeit sich zu entkleiden. Sofort schläft sie ein. Sie lächelt im Schlaf, offensichtlich träumt sie von ihrer Schatulle.



Reckinde erwacht aus ihrem ohnmachtsähnlichem Schlaf. Sie steht auf, entkleidet sich, macht sich etwas frisch -der gute Radisar hat selbstverständlich für frisches Wasser gesorgt!- und legt sich daraufhin wieder auf ihre Ruhestätte. Während dieser Tätigkeiten denkt sie über die vergangenen Tage nach.

Es waren anstrengende Tage, doch ganz anders, als sie dies bis jetzt als "anstrengend" bezeichnet hätte! Sie war nicht die treibende Kraft gewesen, sondern nur ein Rad im Getriebe! Und dies macht Reckinde doch sehr nachdenklich! Und sie war danach mehr geschafft gewesen wie nach einer stundenlangen Besprechung mit anderen Händlern!!!!!!!!

Gibt es vielleicht doch noch andere Werte wie Geld?

Das kann sie sich jetzt aber doch nicht vorstellen; so dreht sie sich auf ihrer Bettstatt um und fällt erneut in einen tiefen Schlaf, diesmal ist er aber wesentlich erholsamer!



Kleiner, armer Radisar


Radisar ist verwirrt. Das ist er zwar meistens, aber diesmal ist er es in ganz besonderer Weise. Es fing damit an, daß er, kurz nachdem die NORDSTERN in Thorwal angelegt hatte und das ganze aufregende 'Theater' um Schmuggel , Mord und Totschlag begann, sich selbst, in einer Stunde der Ruhe, abtastete und vergeblich seinen Geldbeutel suchte. Auch der kleine Zierdolch blieb unauffindbar.

Nun, der Verlust war ja nicht besonders tragisch, denn Geld hat er schließlich genügend zur Verfügung und der Zierdolch ist ja auch nicht unersetzbar, im Grunde ist Radisar froh, daß dieses furchtbare Ding fort ist, Waffen, auch wenn sie nur der Zierde dienen, machen ihn furchtbar nervös.

Er konnte sich nur nicht erklären, bei welcher Gelegenheit diese Dinge verloren gegangen sind.

Viel Zeit zum Grübeln ist dem kleinen Diener da nicht geblieben, denn dann kamen die Büttel des Hafenamtes, rohe, Furcht einflößende Kerle, auf das Schiff gestürmt und haben überall herum 'geschnüffelt' wie Fährtenhunde auf der Spur nach jagdbaren Wild. Radisar ist diesen Kerlen lieber aus dem Weg gegangen, war er doch von der Furcht getragen, diese Bewaffneten würden ihn ohne zu zögernd aufspießen, wie einen Kapaun, käme er ihnen in den Weg.

Doch verwirrt hat dies Radisar auch nicht so sehr, denn er war, im Laufe seines Lebens, derart ein Meister der haltlosen Flucht geworden, daß es die Gefahr als solche resigniert aufgegeben hatte, ihn weiter zu verfolgen.

Was den armen Diener dann letztlich doch so aus der Fassung gebracht hatte war, daß er Frau Reckinde frisches Wasser gebracht, damit sie sich frisch machen könnte und sie hat ihn daraufhin angelächelt und sich bedankt. 'DANKE!' hat sie gesagt, einfach nur danke. Und gelächelt hat sie, einfach so. Für einen Moment hatte Radisar schon befürchtet, er habe sich in der Kabine geirrt.

Er schüttelt noch immer fassungslos den Kopf, als er schon längst die Kabine verlassen hat und nun auf dem Oberdeck steht.



Der kleine Diener ist nur ein paar Schritt gegangen, die Gedanken nur an langer Leine haltend, als sein 'Vormarsch' brüsk gestoppt wird. Er kann plötzlich das rechte Bein nicht mehr heben, so sehr er aus auch versucht.

Seufzend dreht er die Augen nach oben, ehe er, mit einer dem Schicksal ergebenen Miene, nachprüft, was ihn da am Boden festhält. Er erkennt die Stelle wieder, da ihn Frau Reckindes Schwert in den Stunden des Kampfes gegen die Meuterer an den Planken festgenagelt hatte. Ja - es ist haargenau derselbe Ort. Und der Spalt scheint auch schon repariert zu sein, ausgefüllt mit einer klebrigen Masse.

Und wie diese Masse klebt! Als er sich, alle Kräfte sammelnd, gegen diese 'Fessel' wehrt, bleibt ein großes Stück der Sohle auf den Planken zurück. Den zornigen Fluch, der sich auf Radisars Zunge konfliktlüstern zusammengeballt hatte, schluckt er wieder hinunter und sollte es ihm auch den Magen dabei verätzen. Schließlich ist man ja 'schrecklich vornehm'. Nun ja, man versucht wenigstens es zu sein!

Eine gewisse Bitternis überrennt Radisar. Warum passieren solche Sachen nur andauernd ihm und nur ihm? Gäbe es doch nur eine Möglichkeit sich von diesem ständig tölpenhaften Gebaren zu befreien.



Wieder Alltag


Auf der einen Seite ist Ole sehr glücklich und froh, daß die Ereignisse so gut gelaufen sind für die NORDSTERN, der Ruf des Schiffes, seines Kapitäns und der Besatzung ist nun wieder makellos und Thorben's böses Spiel entgültig beendet. Und dennoch kann der Verlauf der Geschehnisse Ole nicht so ganz zufrieden stimmen.

Mit Grimmen erinnert sich der graue Riese daran, daß so viele Schurken nicht dingfest gemacht werden konnten, im Besonderen jene, die, in den Augen aller, als überaus ehrenhaft und unbescholten gelten, die sich aber in Wirklichkeit auf verbrecherische Weise bereichern und dabei auch nicht vor Mord und Totschlag zurück schrecken.

Doch keine Strafe Dere's, und sie sie noch so gerecht verhängt, kann die traurigen Ereignisse rückgängig machen. Welchen Schicksal der Mörderbube Frenjar auch entgegen sehen mag, es kann den armen Eilif nicht wieder lebendig machen.

Der arme Eilif, diese grundehrliche Haut, dessen einziges 'Vergehen' darin bestanden hatte, zur falschen Zeit, am falschen Ort gewesen zu sein, wird Ole im Gedächtnis bleiben, möge ihm Rethon wohlwollend zugeneigt sein und möge Frenjar in der Niederhölle braten.

Um den Wallungen seiner Gefühle zu entgehen beschließt Ole die anstehen Reparaturarbeiten fortzusetzen. Er widmet sich zunächst den Schrammen und Kerben die der Kampf in den Schiffsplanken zurück gelassen hatte. Zu diesem Zweck hat sich Ole einen großen Tiegel mit frischen Harz besorgt.

Er benötigt nicht wenig davon, vor allem diese eine Kerbe, die so aussieht, als hätte sie ein Troll mit einer übergroßen Axt ins Holz geschlagen, benötigt unglaublich viel von dieser klebrigen Masse, ehe alles wieder glatt gespachtelt ist. Man erzählt sich, Frau Reckinde hätte dies vollbracht, während der Kampf auf dem Brückendeck tobte, mit einem riesigen Schwert, aber man erzählt sich viel, wenn der Tag lang wird und Seeleute schmücken ihre Geschichten immer gerne etwas aus, da kann schon einmal ein Hering zu einem Wal werden.



Ole's Sorge, der Tiegel mit dem Bindeharz könnte nicht reichen, um die zahlreichen Schrammen im Ober - und Brückendeck der NORDSTERN zu glätten, erweist sich als unbegründet. Viel Harz ist ja nicht mehr da, aber es ist doch noch zuviel, um den Tiegel einfach wegzuwerfen. Nun ja, mit etwas Wachs, kann man die trocknende Luft gut noch für eine Weile draußen halten und das klebrige Zeug würde seinen Zweck auch später noch erfüllen.

Als Ole mit dieser Arbeit fertig ist macht er sich an die Ausbesserung der arg zerschlagenen Reling des Brückendecks. Mit einer Kordel nimmt er Maß, die Höhe, und die Länge der schadhaften Stelle. Dann verschwindet er eine Weile vom Oberdeck, um sich aus dem 'Bauch' des Schiffes Werkzeug und Material zu holen. Er pfeift ein Lied dabei, eine unbekannte Melodie, aber sehr eingängig für's Ohr.

Dann breitete er Böcke auf dem Oberdeck aus, nicht weit von den mit Harz ausgebesserten Stellen, damit er nebenbei aufpassen kann, daß keiner auf die Stellen tritt. Hammer, Säge , ein paar Feilen und ein Schmiergelstein liegen in greifbarer Nähe um ihn herum. Daneben ist ein großer Haufen Holz gestapelt, Latten in verschiedener Größe und Stärke.

Ole zündet sich eben noch eine Pfeife an, reibt sich danach die Hände und beginnt fröhlich die Arbeit...



Fiana nachdenklich


Fiana ist froh, daß nun alles vorbei ist und die ungeheuerlichen Anschuldigungen entkräftet wurden.

Dennoch hat sich etwas geändert, sie ist nachdenklicher geworden, in sich gekehrt. Sie denkt darüber nach, wie das alles im Vorfeld verhindert hätte werden können. Doch kommt sie zu keinem rechten Entschluß, abgesehen von dem, daß sie alle Blätter sind, die auf Efferds endlosem Ozean dahintreiben, und manchmal von einer Welle erfaßt werden und einfach untergehen.

Sie steht einfach da, mit dem Rücken an das Geländer des Brückendecks gelehnt,den Blick hinaus aufs offene Meer gerichtet, regungslos nach außen, doch innerlich zutiefst bewegt.

Für Fiana vergeht eine Ewigkeit, doch mag es in Wirklichkeit nur ein kurzer Moment sein, es kommt wohl auf den Betrachtungswinkel an.

Ihre Augen, und nur ihre Augen richten sich nun auf Jergan, der Kopf bewegt sich nicht einen halben Finger weit. Sie weiß nicht, an was der Kapitän gerade denkt, doch spürt sie, daß wohl heftige Gefühle in ihm walten. Ihn muß das alles noch viel mehr mitgenommen haben, ein guter Kapitän wie er, mit solchen Vorwürfen konfrontiert muß schrecklich sein.

Auch Ihre Augen werden bei den Gedanken leicht feucht, nicht, daß Tränen fließen, doch wer ihr in die Augen schaut, der erkennt an den funkelnden Reflexionen des Lichtes in ihren Augen, daß sie wohl feuchter sind, als es normal der Fall wäre.



Darian ruht sich aus


Gemächlichen Schrittes begibt sich der Adeptus Minor in seine Kabine. Er entledigt sich seiner Schuhe und des Umhanges und legt sich sodann auf seine Koje. Doch schlafen kann er nicht, zu aufregend waren die Ereignisse der letzten zwei Tage. Vor allem die feindliche Magierin und ihr Miszbrauch der Hesindegegebenen Kräfte gehen ihm nicht aus dem Kopf.



Mit den Gedanken noch immer bei den Ereigniszen der vergangenen Tage, beginnt der Adeptus halb unbewuszt ein paar uralte "Fingerübungen", aus den Anfangstagen seiner Ausbildung, auszuführen. Irgendwie ist er sich mit seinen Kräften nicht ganz im Reinen, zuviel ging in den letzten Tagen schief. Wenn die Zeit noch reicht, will er noch die hiesige Akademie aufsuchen und da kann er sich schlieszlich nicht anstellen wie ein Magiedilletant aus Niedergoblinheim, immerhin sind seine Eltern Geweihte der Herrin.



Wasuren und Alrik


Wasuren lehnt sich erschöpft an die Reling neben Alrik. Das ganze Deck ist in freudigem Eifer am Erzählen, schaffen, feiern oder rum quasseln.

Wasuren beobachtet die Leute mit freudig funkelnden Augen. 'Puh das ist aber noch mal gut gegangen mit Jergan und Fiana. So einen aufregenden und ungewöhnlichen Landgang hatte ich schon lange nicht mehr. Seit - seit dem ich allein auf Abenteuersuche durchs Land zog.'

Wasuren lächelt verschmitzt, warum er in seiner Jugend wohl jemals so eine blödsinnige Idee gehabt hatte ?

Da bemerkt er den ungeduldigen und aufgeregten ALRIK neben sich und er erinnert sich an sein nettes Gespräch von vor etwas über 3 Tagen.

'Na dann muß ich ihn wohl mal etwas fragen, oder ihn irgend wie anquatschen.' denkt er sich als er sich zu ALRIK umdreht.

"Na ALRIK, was weist du denn schon so alles über die letzten Ereignisse ?



Xenia kommt dazu


Müde schlendert Xenia zu Alrik und Wasuern hinüber und läßt sich gegen die Reling fallen. Ein "Hallo, ihr beiden..." ist alles, was sie sich abringt.

'Hoffentlich gibt es heute nicht mehr allzuviel zu tun. Eine Nachtwache ist das schlimmste, was mir jetzt passieren kann...'

Mit halbem Ohr hört sie zu, was Alrik und Wasuren so bequatschen.



So einiges hat ALRIK ja schon aufgeschnappt und mitbekommen, doch bei dem allgemeinen Durcheinander ist es schon nicht einfach, konkrete Auskünfte zu bekommen. Die meisten sind einfach zu erschöpft oder zu beschäftigt, um nach diesem langen Tag auch noch einem plappernden und neugierigen Schiffsjungen Gehör zu schenken.

'Na, wartet! Nächstes Jahr wird mir niemand mehr sagen, daß ich zu klein für sowas bin - nächstes Jahr werde ich mich nicht wieder zurück zum Planken schrubben schicken lassen! Egal was los ist... ich werde dabei sein!'

Daß Wasuren ihn endlich anspricht und sogar noch Gesprächsbereitschaft signalisiert, erscheint ihm fast schon wie ein kleines Wunder. Endlich, endlich wird er eine Geschichte erzählt bekommen, die über das Durcheinander der vielen einzelnen Gesprächsfetzen hinausgeht. Aufgeregt heftet sich ALRIK also an Wasurens Fersen:

"Es ist also alles wieder in Ordnung, ihr habt es geschafft! Ich bin so froh, daß..."

Aprupt bremst ALRIK sich, verstummt und beißt sich sogar auf die Zunge.

"Entschuldi... ich... das war töricht, das habe ich nicht so gemeint. Eilif ist tot und damit ist bestimmt nichts in Ordnung.... und bestimmt sollte ich mich nicht freuen."

ALRIK seufzt, zuckt mit den Schultern.

"Euch beiden geht es aber gut?" fragt ALRIK schließlich kleinlaut, während er zwischen Wasuren und der neu dazugekommenen Xenia hin und her blickt.



Xenia nickt.

"Ja, wir sind in Ordnung. Ach, und ich bin ja auch SO froh, daß es vorbei ist!"

Sie nickt heftiger.

"In manchen Momenten glaubte ich, wir würden den Kapitän niemals da heraus bekommen. Stellt euch nur vor, was dann mit der Nordstern passiert wäre!"

Die Matrosin läßt ihre Blicke über das Deck gleiten. Obwohl sie noch nicht so lange auf der Nordstern ist wie manch anderer hier, wird ihr bewußt, wie sehr ihr das Schiff und seine Besatzung ans Herz gewachsen sind. Ach, der arme Eilif... Aber selbst die Offiziere, die sie normalerweise durch die Gegend scheuchen, kann sie sich von diesem Schiff nicht wegdenken. Sie seufzt.

"Ist es nicht ein unfaßbares Glück, in der Mannschaft der Nordstern sein zu dürfen? Wir müssen Efferd dafür einfach danken."

Unbewußt umschließen ihre Hände die Holzfigur, die um ihren Hals hängt.



Ottams Rückkehr


Fröhlich und gut gelaunt kommt Ottam zurück von der Akademie. Er überquert den Kai und nimmt Kurs auf die NORDSTERN. Dort angekommen, überquert er die Planke und ruft, dem Wachhabenden ein "Hesinde zum Gruße" entgegen, was dieser auch sofort erwidert. Eigentlich mag er den Magus nicht besonders, doch will er es sich mit ihm nicht verscherzen.



Joanna und Hirkan


Als Joanna beim ersten Versuch aufzustehen noch einmal zurück gesunken ist, war sie froh, daß ihr Hirkan zu Hilfe kam. Die Druidin greift lächelnd nach der Hand und als sie wieder Boden unter ihren Füßen spürt bedankt sie sich und stellt sich vor.

"Mein Name ist Joanna de Clare."



Nachdem Hirkan sich ebenfalls vorgestellt hat, hat er Joanna aufgeholfen und sie zu ihrem Schlafplatz geleitet. Auf seine Nachfragen hin hat sie ihm erzählt, daß sie geträumt hat, und auch den Inhalt des Traumes sowie den Zusammenhang mit ihrer Lebensgeschichte kurz angedeutet.

Von dem aufzehrenden Traum noch erschöpft, ist Joanna schließlich eingeschlafen, ein ruhiger und erholsamer Schlaf, aus dem sie erst erwachte, als das Schiff in den Thorwaler Hafen einlief. Dort begannen die Ereignisse sich zu überschlagen, den Passagieren wurde nahezu verboten, an Land zu gehen und sie wurden schrecklichen und langen Befragungen ausgesetzt. Ein Matrose war tot in der Kapitänskajüte gefunden worden, soviel konnten die beiden den Fragen entnehmen, doch über die genauen Ereignisse hat sie niemand aufklären können. Während dieser beiden Tage, an denen immer wieder Teile des Schiffs durchsucht wurden und einige Matrosen und Passagiere unterwegs waren, um den Vorgängen auf den Grund zu kommen, kamen auch Joanna und Hirkan kaum zur Ruhe. Joanna dachte noch viel über ihren Traum nach und fragte sich nach seiner Bedeutung, während Hirkan meistens versuchte, möglichst nah auf den Fersen der Ermittler zu bleiben, um viel zu erfahren, was ihm aber leider nicht gelang.

Erst jetzt, nachdem sich offensichtlich alles geklärt hat, und der Kapitän wieder an Bord ist, ergibt sich die Möglichkeit, das einmal begonnene Gespräch fortzusetzen. Hirkan ist gerade damit beschäftigt, seine Habseligkeiten wieder ordentlich in seinen beiden Koffern zu verstauen. Jetzt, wo das Verlassen des Schiffes wieder möglich ist, muß er aufbrechen zum nächsten Teil seiner Reise und die NORDSTERN verlassen. Joanna hingegen hat auf dem Oberdeck ein wenig die jetzt wieder fröhliche Stimmung genossen und geht in den Mannschaftsraum, um sich für einen kleinen Stadtbummel zurechtzumachen.



"Ah, Frau de Clare, da seid Ihr ja wieder", begrüßt Hirkan die junge Druidin, als sie den Gemeinschaftsraum betritt.

"Wollt Ihr Euch die Stadt nicht ansehen?"



'Die Stadt'

"Ja! Doch das habe ich vor."

Joanna sucht ihre Sachen zusammen.

"Und was habt ihr vor? Wollt ihr nicht mitkommen?"

Als sie ihren Rucksack nach einigen Dukaten durchsucht, stellt sie erleichtert fest, daß sie noch genügend dabei hat. Dann blickt sie Hirkan erwartungsvoll mit ihren schwarzen Augen an.



Während Joanna auf eine Antwort von Hirkan wartet, schaut sie ihm tief in die Augen. Sie versinkt richtig mit ihren Gedanken darin . Zuerst mischen sich Farbe und Farbe zusammen, bis nur noch ein buntes Farbgemisch zu erkennen ist. Dann zersetzen sich die einzelnen Farben zu Dingen.

Vor Joannas Augen breitet sich eine riesige Blumenwiese aus. Ein herrlicher Duft liegt in ihrer Nase und sie schließt die Augen. Als sie die Augen wieder öffnet, sieht sie eine Gestalt etwas weiter weg. Es ist eindeutig ihr Mentor. Die Druidin läuft auf ihn zu, als es plötzlich dunkel wird. Die Wolken werden schwarz und ein starker Windstoß läßt Joannas braunes Haar wehen. Durch dicke Regentropfen sieht sie alles nur noch verschwommen. Langsam setzen sich die verschwommenen Farben wieder zu Hirkans Augen zusammen.

Eine einzige Träne, die bis auf eine Lichtreflektion sonst gar nicht auffällt, läuft über Joannas Wange. Obwohl nur ein paar Sekunden vergangen sind, kommt es ihr wie Stunden vor. Noch läßt sie es nicht zu, daß ihr die Visionen klarer erscheinen, denn irgend etwas in ihrem Unterbewußtsein wehrt sich dagegen.



Gerade wollte Hirkan auf Joannas Frage antworten, da bemerkt er, daß sie in Gedanken schon wieder weit entfernt ist. Ihre Augen blicken zwar in seine, doch scheinen sie etwas anderes zu sehen. Erschrocken hält Hirkan inne, aber da ist dieser Moment auch schon vorbei. Joanna scheint wieder in das hier und jetzt zurück zu kehren und eine einzelne Träne läuft ihr über das Gesicht.

"Ich wollte auch an Land gehen, allerdings muß ich meine Sachen mitnehmen und mich noch von dem Kapitän verabschieden."

'Gerade jetzt, wo die Gesellschaft so angenehm wird, muß ich dieses Schiff verlassen.'

"Wie Ihr wisst, werde ich auf dem Landweg nach Olport zurückkehren. Aber ich wollte mir sowieso für einige Tage ein Zimmer hier in Thorwal nehmen. Vielleicht mögt Ihr mich auf der Suche nach einer geeigneten Herberge begleiten, dann kann ich dort meine Koffer lassen und wir können uns in der Stadt umsehen."

Nach einer kurzen Pause lehnt er sich leicht vor, streicht ihr vorsichtig die Träne aus dem Gesicht und fügt etwas unsicher an:

"Wenn Euch das nicht zu anstrengend wird, natürlich ..."



Als Hirkan der Druidin die Träne aus dem Gesicht streicht, muß Joanna verlegen grinsen.

"Ich würde euch gerne bei der Suche nach einer Herberge begleiten. So komme ich auch gleich in die Stadt, ohne befürchten zu müssen, daß ich mich verirre."

Bei den letzten Worten beginnt sie leise zu lachen.

"Außerdem geht es mir schon wieder gut."

Dann fügt sie noch leise, so daß Hirkan es nicht hören kann, hinzu:

'Hoffe ich zumindest...'



Erfreut lächelt Hirkan Joanna an. Eigentlich hatte er nicht so recht zu hoffen gewagt, daß sie sein 'Angebot' annehmen und ihn begleiten würde.

"Ich bin in einem kleinen Moment fertig hier", meint er und beginnt, die letzten verstreuten Zettel und Kleidungsstücke, die noch an seinem Platz liegen, zusammenzupacken. Vorsichtig legt er dabei ein verschnürtes Bündel Papiere extra zur Seite, während alles andere in den jeweils passenden der beiden Koffer wandert.



Aufmerksam beobachtet die Druidin Hirkan während er seine Sachen zusammenpackt.

'Wenn ich doch auch nur schon am Ziel meiner Reise angelangt wäre.'

Joanna seufzt.

'Wie es ihm denn jetzt bloß geht? Im Moment kann ich wohl nur auf meinen Instinkt vertrauen.'

Ein angenehmes Gefühl durchströmt Joanna. Freudig wartet sie darauf, daß die beiden in die Stadt gehen, da sie noch nicht oft ihre Heimatstadt verlassen hat.



Aleara


Aleara war sehr still in den letzten Tagen, sehr in sich gekehrt. Über vieles hat sie nachgedacht, und vieles hat sie besser verstehen gelernt.

Sie steht wie so oft bewegungslos an der Reling, den Blick starr aufs Wasser gerichtet.

Ihre Augen sind nicht mehr so verklärt wie noch vor kurzer Zeit, doch meint man, daß sie durch alles Derische hindurch sieht. Sie ignoriert sämtliche Vorgänge auf dem Schiff, doch behält sie immer ein offenes Ohr für eventuelle Befehle...



Jarun


Eine gewisse Erleichterung macht sich in Jarun breit. Endlich sind diese unangenehmen Beschuldigungen vom Tisch. Es hätte ihn um Jergan leid getan. Schließlich scheint er ja ein fähiger Kapitän zu sein und noch dazu ein Mensch, auf den man sich verlassen kann. Wobei die Zahl seiner Feinde auffallend hoch ist.

Bei diesen Gedanken erinnert sich Jarun an die Menschen, denen er bereits in seinem Leben auf die Füße getreten ist und korrigiert seine Meinung schnell wieder.

Aber trotz aller Sympathie zu Jergan, eine Entlohnung für die Mühen, der vergangenen Tage, wird er später auf jeden Fall noch einfordern. Doch das muß warten, denn zuvor muß Jarun die Verabredung mit seinem Freund einhalten.

Zielstrebig geht Jarun, ohne dabei auf die durcheinander laufenden und sich unterhaltenden Passagiere und Matrosen zu achten, auf's Unterdeck und verschwindet in seiner Kabine.



Nirka


Die Bootsfrau der NORDSTERN, die an diesem 24. Efferd nicht mit in Thorwal unterwegs war, sondern auf dem Schiff geblieben war, geht langsam über das Oberdeck. Vieles ist ihr schon zu Ohren gekommen, und nahezu noch mehr kann sie sich zusammen reimen, denn schließlich war sie am Vortag ebenfalls dabei.

Schließlich bleibt sie stehen, und wie es der Zufall will - oder ist es unbewußte Absicht? - tut sie das ganz in der Nähe von Sigrun.



Müde lächelt Sigrun Nirka an. Die Ereignisse der letzten Tage haben in ihrem Gesicht Spuren hinterlassen. Zwar überwiegt inzwischen die Erleichterung und Sigrun hat auch eine Zeitlang an dem bunten Treiben an Bord der NORDSTERN, das der Entlastung ihres Kapitäns gefolgt war, teilgenommen, doch Nachdenklichkeit und Trauer lassen sie immer wieder die Ruhe suchen. Zu häufig stellt sie sich die Frage, wie so etwas passieren konnte und zu deutlich ist das Bild von Eilif mit seiner schrecklichen und tödlichen Wunde.

Und Nirka, wie mag sie sich fühlen? Fast tatenlos mußte sie zusehen, wie Andere versuchten, Jergans Unschuld zu beweisen. Und sicherlich fragt sie sich auch, wie eine solche Stimmung unter den Matrosen entstehen konnte, daß erst eine Meuterei und dann auch noch ein kaltblütiger Mord die Folge waren.

"Ich habe mich gefragt, wie du dich fühlst", sagt sie leise.



Nirka erwidert Sigruns Lächeln nicht weniger müde, schließlich hat auch sie an den letzten beiden Tagen kaum Gelegenheit zum Schlafen gehabt, und das wenige, was an Gelegenheiten existierte, konnte sie auch nicht wirklich ausnutzen, weil ihr so viele Gedanken und Gefühle im Kopf umherschwirrten, daß sie kaum dazu gekommen ist, die Augen zu schließen.

Unwillkürlich tritt sie noch näher an Sigrun heran - im Moment ist es ihr herzlich egal, was die anderen dazu denken werden.

"Ich weiß es nicht... das ist schwer zu beschreiben. Ich fühle mich nicht wirklich gut... irgendwie hätte doch gerade ich als Bootsfrau sehen müssen, daß so eine Situation entsteht. Und die, die da verwickelt sind... sie waren unsere Kameraden, Freunde... Denk nur dran, wenn wir abends gelauscht haben, wenn Frenjar etwas erzählt hat... und nun dieses..."

Ihre Stimme wird leiser.

"... es ist wirklich schwer zu fassen. Was ist das nur für Welt?"

Fast ratlos blickt sie die Freundin an.



'Dann habe ich Nirka ja richtig eingeschätzt', denkt Sigrun. 'Sie kann sich auch nicht so richtig freuen.'

"Ich weiß auch nicht, wie so etwas passieren konnte, ohne daß irgend jemand von uns die Anzeichen dafür gesehen hat. Ich meine, die Stimmung im Mannschaftsraum war nicht gerade toll in letzter Zeit, aber sowas hätte ich mir nie vorstellen können."

Hier macht sie eine kurze Pause, um dann anzufügen:

"Ich glaube, du konntest es nicht merken. Da sind so viele Sachen zusammengekommen. Thorben

und der Schmuggel ... und die tote Katze ... und einige haben Probleme, weil Sylvhar so ... anders ... ist. Aber Frenjar?! Du hast recht, seine Geschichten waren immer gut ..."



Nirka nickt langsam.

"Ja... du hast recht... aber das macht es nicht wirklich einfacher für mich. Sieh mal... ICH bin die Bootsfrau, und auch für so etwas verantwortlich. Die Stimmung hätte mir zu denken geben MÜSSEN..."

Nachdenklich blickt sie über die Reling in das Wasser des Hafens.



Sigrun kann Nirka gut verstehen. Es ist hart, wenn man sich eingestehen muß, daß man seine Aufgabe nicht mit soviel Umsicht erfüllt hat, wie gewohnt. Doch möchte sie auch nicht, daß Nirka zu hart mit sich selbst ins Gericht geht. Eine etwas brummelige Stimmung im Mannschaftsraum kommt schon öfter einmal vor und normalerweise muß man dann nicht gleich etwas Schlimmes befürchten.

Etwas ratlos und gedankenverloren blickt Sigrun die Freundin an. Gern möchte sie ihr helfen, doch sie weiß nicht so recht, wie sie das anfangen soll. Doch dann versucht sie es so, wie sie bisher immer am besten durchs Leben gekommen ist: Mit dem Blick nach vorne.

"Mach dir nicht zu viele Vorwürfe. Die könnten wir uns alle machen, denn wir alle hätten vorsichtiger sein müssen. Aber jetzt ist es ausgestanden und der Kapitän ist entlastet, und das ist die Hauptsache."



Wieder nickt Nirka.

"Ja, du hast recht. Dennoch... so bald werde ich das nicht vergessen, ganz sicher nie, denke ich. Und... mit einer Mitschuld muß ich einfach leben."

Ihr Gesicht drückt jetzt eine Entschlossenheit aus, und sie greift kurz nach Sigruns Hand, um diese zu drücken.



Phexane


Phexane steht seitlich zu der Reling und beobachtet mal das Treiben im Hafen, mal das an Bord. Ihr rechter Unterarm ruht dabei auf dem Holz und ihre linke Hand umfaßt locker das rechte Handgelenk. Ihr Gesichtsausdruck verrät ihre Langeweile und sie macht keinen Hehl daraus, daß es ihr nicht gepaßt hatte, daß sie an Bord bleiben mußte.

Die beiden letzten Tage hatte sie mehr in der Gemeinschaftskabine verbracht - mal schlafend, mal auf stibitztem Zwieback rumkauend, mal mit Kartentricks beschäftigt. Auf das Oberdeck lies sie sich aus gutem Grund nicht blicken: sie haßte es, die Stadt von BORD aus ansehen zu müssen! Sie wollte Spaß haben: wetten, trinken, Leute beim Boltanspielen abzocken, Geld ausgeben und vieles mehr, was so eine Stadt ihr bieten kann. Doch nun schien wohl alles geklärt. Was auch immer geschehen sein mag ....

Sicher, sie hatte von der Meuterei erfahren. Sie hatte auch den Grund der Meuterer in Erfahrung bringen können. Aber darüber konnte sie nur lachen. Der Elf ist harmlos, das steht für sie fest.

Der Elf ....

Ihr Blick wird nun etwas verträumter. Sie denkt an den Klang seiner Stimme und welche Empfindungen sie entstehen ließen. Phexane seufzt leise bei dieser Erinnerung, muß aber sofort auch an diesen Torin Rotmarder denken, der mit ihr zusammen den Elf befreit hatte.

Komischer Weise war er ihr seit dem 22. Efferd nicht mehr über den Weg gelaufen.

Sie weiß noch immer nicht so recht, was sie von ihm halten soll: erst jagt er ihr auf dem Dach von Prem so einen Schrecken ein, dann versteckt er sich im Laderaum und erschrickt sie dort ebenfalls und dann hat er ihr auch noch frecherweise auf den Po gestarrt. Aber andererseits war er sonst höflich und durchaus freundlich gewesen. Dennoch: sie traut ihm noch nicht so recht.

'Vielleicht ist er ja schon von Bord gegangen und kommt nie wieder ..... Schade ...'

Sie schüttelt leicht irritiert den Kopf.

'Das kann mir doch nur recht sein, daß er weg ist!'

Sie dreht sich nun zur Stadt hin.

'Heute werde ich auch endlich von Bord gehen und mich vergnügen können. Aber mit wem? Alleine ist es doch etwas langweilig.'

Sie überlegt.

'Ich könnte mit Alrik die Stadt erkunden. So bin ich dann auch einigermaßen sicher. Aber mit diesem Gaukler, Jarun, könnte es ebenfalls interessant werden. Mal sehen!'



Jarun geht nach Thorwal


Nach wenigen Sekunden verläßt Jarun wieder seine Kabine und geht auf das Oberdeck. Den Zierdolch unter seinem Umhang in den Gürtel gesteckt und den Geldbeutel in der Tasche des Umhangs, wo er sonst bei seinen Auftritten die Bälle unterbringt.

Schnellen Schrittes läuft Jarun quer über das Oberdeck zu den Planken, die das Verlassen des Schiffes ermöglichen, wobei er wenige Schritte von Phexane entfernt vorbeigeht und ihr ein kurzes Lächeln zuwirft.



'Der kommt ja wie gerufen,' denkt sich Phexane als Jarun an ihr vorbeigeht.

"Wartet mal einen Moment, bitte," ruft sie und geht auf ihn zu.



Mitten auf der Planke bleibt Jarun stehen und dreht sich noch einmal zu Phexane um.

"Ja, was kann ich für euch tun?" erwidert Jarun auf den Zuruf der Passagierin.



Phexane grinst Jarun an.

"Flieht Ihr vor den Dämonen, die es hier auf dem Schiff geben soll, oder wollt Ihr nur die Stadt etwas 'unsicher' machen? Bei letzterem würde ich Euch sonst gerne begleiten, wenn Ihr erlaubt."



"Wenn es hier Dämonen geben würde, so sollte mich das nicht schrecken. So vielen bin ich schon begegnet. Und wenn man einen kennt, so kennt man alle."

Ein kurzes Lächeln und der Klang seiner Stimme lassen deutlich die Ironie erkennen, mit der Jarun diese Sätze gemeint hat. Ein, zwei kurze Schritte in Richtung Phexane und Jarun bietet ihr seine Hand, als Sicherung auf der schmalen Planke, an.

"Nun ja, ich hatte in der Tat vor, mich ein wenig in der Stadt umzuschauen, etwas zu trinken und vielleicht etwas Geld auszugeben. Und wie könnte ich eine so reizende Begleitung ablehnen. Ich müßte allerdings vorher einen Freund von mir besuchen. Es dauert sicher nur wenige Minuten."



"Sicher, das ist in Ordnung!"

Mit diesen Worten nimmt Phexane die ihr angebotene Hand an.

"Kennt Ihr Euch eigentlich in Thorwal aus? Ich bin hier nur mal auf der Durchreise gewesen und hatte nicht so viel Zeit, um länger zu bleiben," fragt sie Jarun.

Das sie sich in Wahrheit gleich am ersten Abend wieder mal Ärger eingehandelt hatte, verschweigt sie besser. Was würde das auch für einen Eindruck machen?



Armen lauscht .....


'Diese Stimme kenne ich doch. Das kann nur Phexane sein. Sie habe ich ja schon eine Ewigkeit nicht mehr gesprochen. Mal sehen, was sie so macht. An meinen Waren hat sie sich noch nicht vergriffen'

Armen geht auf die 'Ausrufstelle' zu und erkennt zwei Personen die sich unterhalten. Er stellt sich so, daß er nicht gesehen wird, die beiden aber belauschen kann.



'Ach, da ist ja Alrik. Der hat sich anscheinend wieder erholt.'

Armen geht zu ihm.

"Hallo! Euch scheint es besser zu gehen. So wie es aussieht, wollt ihr in die Stadt gehen. Kann ich euch begleiten?"



Jergan auf der Brücke


Allmählich löst Jergan sich vom Steuer und läßt die Blicke über das Schiff, und dann über die Stadt schweifen. Die Ereignisse der letzten drei Tage waren in der Tat sehr aufregend und zum Schluß auch gefühlsgeladen, doch für ihn als Kapitän muß das Leben an Bord ja weitergehen - ungeachtet dessen.

Es fehlen Matrosen, die für die Weiterfahrt unbedingt benötigt werden, es ist noch einiges defekt, und auch über Thorbens Offiziersstelle muß noch wenigstens ein Wort verloren werden.

Ein Grinsen huscht über das Gesicht des Kapitäns, als er sieht, daß wenigstens das Problem der Defekte schon so gut wie geklärt ist - und das ohne jede Aufforderung.



Traumauge erwacht


Lange ist es her, daß man Traumauge an Deck erblickte, doch er spürte noch vor allen anderen, daß die Tage seiner Mutter gezählt waren, er blieb bei ihr solange es ging, und als die Zeit schließlich gekommen war, trauerte er, wie es eine Katze vermag, er zog sich zurück und blieb im Verborgenen. Bis jetzt....

Tage sind vergangen und Traumauge hat sich nunmehr langsam daran gewöhnt alleine mit den Zweibeinern auf dem Schiff zu sein.

Es ist Zeit das Revier abzugehen, es könnten sich ja Eindringlinge einschleichen.

So stolziert der kleine Kater hinauf auf das Oberdeck, wo ihm sofort die vielen interessanten Sachen auffallen, die Ole da vor dem Brückendeck verteilt hat.

Neugierig schleicht er sich an, um schließlich mit einem wilden Satz die, vom Vermessen übrig gebliebene Kordel zu erlegen. Er schmeißt sich auf den Rücken und hält die Kordel an den nach oben gerichteten Pfötchen fest, beißt beherzt hinein und dreht sich ab und an um die eigene Achse.

Dies hat natürlich ein leichtes Durcheinander bei den bereitgelegten Holzteilen zur Folge, doch Traumauge scheint dies gar nicht wahr zu nehmen. Er ist gänzlich auf seine "Beute" konzentriert.



Ole bei der Arbeit


Der Schiffszimmermann ist eben dabei das geborstene Holz und andere unbrauchbar geworden Teile der Brückenreling zu entfernen, als er durch einen unerwarteten Krawall aufgeschreckt wird. Im ersten Augenblick befürchtet Ole, daß er, aus Versehen weitere Holzverstrebungen abgebrochen hätte, doch dann entdeckt er die Schiffskatze, die in ihrem Spiel den Holzstapel an Deck etwas durcheinander geworfen hatte.

Ein Zeit lang beobachtet Ole das muntere Treiben der Katze, wie sie sich mit ausgefahrenen Krallen über die Kordel wirft, so wie einst Famerlor über Pyrdacor und dabei den Stapel mit Latten und Holzplatten polternd auseinander treibt. Ole kann es verschmerzen, daß dabei seine vorbestimmte Ordnung, ohne die er prinzipiell nicht gerne arbeiten will, über den Haufen geworfen wird, so groß ist das Durcheinander, das die Katze da anrichtet ja auch wieder nicht.



Ein Thorwaler will 'entern'


An den Anlegestellen des thorwalschen Hafens herrscht, wie eigentlich immer, reger Betrieb. Matrosen beladen und entladen mal mehr mal weniger seetüchtige Schiffe, Händler feilschen um ihre Waren und nicht wenige Menschen stehen oder gehen einfach nur so herum, ohne daß ihr Ziel oder ihre Absicht immer offensichtlich sind.

In all diesen Betrieb mischt sich, aus einer kleinen Gasse zwischen zwei Lagerhäusern in der Nähe des Anlegestelle tretend, die Gestalt eines fast zwei Schritt großen, breitschultrigen Thorwalers, der mit zielstrebigen Schritten auf die Nordstern zugeht und einigen der Matrosen und der Fahrgäste bereits als Hjaldar bekannt ist.

Über seine linke Schulter geworfen trägt er einen großen, prall gefüllten Lederrucksack, der trotz der Leichtigkeit, mit der der Thorwaler ihn trägt, einiges an Gewicht haben dürfte.

An der Planke angekommen bleibt Hjaldar stehen und wartet auf das Paar, das da Arm in Arm der Nordstern entsteigen, in dem Mann erkennt er unschwer den Gaukler - Jarun hieß er, wenn er sich nicht irrt - mit dem er heute morgen noch die Zauberin verfolgt hat.

"Hoi Landratte, alles klar an Bord?" schallt es diesem munter und fröhlich als Begrüßung entgegen.



Von seinem Platz auf der Brücke aus beobachtet Jergan, wie zwei der Fahrgäste zur Planke gehen, und wie dann vom Hafen aus jemand dazukommt, der ihm entfernt bekannt vorkommt. Er hat diesen Mann schon gesehen, und im selben Moment fällt es ihm auch wieder ein:

Er war bei der Gruppe dabei, die an diesem Tag und dem vorigen dafür gesorgt hat, daß die unglaublichen Vorwürfe gegen ihn und das Schiff entkräftet werden, und den sein thorwaler Magier-Bekannter mitgebracht hatte. Der Mann hat viel Gepäck dabei... soll das etwa bedeuten?

Aufmerksam beobachtet der Kapitän ihn weiter.



Sylvhar sucht inneren Frieden


Sylvhar steht mit verschränkten Armen und mit dem Rücken am Großmast angelehnt. Sein Blick schweift über das Deck und den Hafen. Die letzten paar Tage haben ihn gefühlsmäßig doch recht belastet. Das Ableben der alten Katze, die Zeit in der Segellast, die Kämpfe an Bord, von denen er gehört hat, Eilif's Tod, die Mißverständnisse und falschen Anschuldigungen - all das ging nicht ohne Spuren an ihm vorbei. Dann auch noch diese strikte und strenge Befragung über eben diese Ereignisse durch Menschen aus dieser Stadt hier.

Jetzt braucht er einfach etwas seelische Ruhe. Er muß wieder zu sich selbst finden. Genau in solchen Momenten vermißt er die Gemeinschaft seiner Sippe und das Versinken zu einem großen Geist am meisten. Hier mit diesen Menschen kann er das nicht. Sogar auf dem Oberdeck ist es ihm im Moment zu laut und geschäftig. Er sollte an einen ruhigeren Ort gehen. Aber wohin? Vom Schiff runter in die Menschenstadt? Nein danke, sein letzte (und einzige) Erfahrung mit Menschenstädten war alles andere als gut. Hinab ins Unterdeck? Nein auch nicht, er möchte doch lieber an der Luft bleiben. Also wohin? Seine Augen suchen das Oberdeck nach Möglichkeiten ab. Fündig wird er aber leider nicht. Er legt seinen Kopf in den Nacken,seufzt und blickt nun am Großmast empor in den Himmel. Da fällt ihm eine runde Konstruktion hoch oben am Mast auf. Der Ausguck! Dorthin!!

Er dreht sich sogleich um und beginnt den Mast zu erklimmen. Behende und rasch klettert er hinauf.



Alrik Fuxfell


Unvermittelt schreckt Alrik aus dem Schlaf.

'Bei Hesinde! welcher Tag ist heut?'

Der Magier greift sich an den dröhnenden Schädel. Langsam fallen ihm die Ereignisse wieder ein, der Kampf gegen die Meuterer, die grenzenlose Selbstbeherrschung die durch seinen Kopf wirbelnden Sprüche zu zähmen und der Zusammenbruch auf seiner Koje. Frische Luft ist das einzige das jetzt helfen kann, also greift Alrik nach seinem Zauberstab und macht sich auf den Weg zum Oberdeck.

Dort blickt er sich um und stellt fest das es einfach zu hektisch an Bord des Schiffes zugeht, als das man sich erholen könnte. Das helle Licht scheint durch seine Augen zu dringen und den Schmerz in seinem Kopf noch weiter zu verstärken. Alrik zieht die Kapuze seiner Robe über den Kopf und macht sich über die Planke auf in die Stadt.



"Alrik? Ist alles in Ordnung?"

Phexane blickt der berobten Gestalt hinterher, die von der Planke hinabgeht. Sie schaut etwas besorgt zu ihm. Irgendwie hat sie das Gefühl, es würde ihm nicht gut gehen.



Alrik., Xenia und Wasuren


Nachdenklich blickt Xenia zu Boden. Als sie den Blick wieder hebt, bemerkt sie, wie der Elf den Mast erklimmt.

'Schon wieder so einer! '

"Ich kann nicht verstehen, warum der Kapitän es jedem beliebigen Menschen hier erlaubt, auf unserem Schiff herum zu klettern! Irgendwann passiert da mal was..." meint sie kopfschüttelnd.



Auch ALRIK blickt nach Xenias Worten hin nach oben.

"Es ist doch nur der Elf - und kein Mensch ..."



Wasuren fliegen so viele Gedanken durch den Kopf und sein Körper wird von so manchen Glücks und Trauergefühlen durch flutet.

Er versucht einen Anfang zu finden, um die geschehenen Dinge erzählen zu können. In seine Gedanken versunken bekommt er nur teilweise mit was Xenia und ALRIK reden.

Als dann doch Schweigen einzutreten droht, fragt er mit leicht bebender Stimme die beiden :

"Laßt uns doch ein wenig den wohlverdienten Landgang genießen und in einer Taverne einwenig gemütlich plaudern. Die meisten verlassen ja schon das Schiff, vielleicht treffen wir ja dann in der Stadt den ein oder anderen wieder. Wie wäre es ich schmeiß' auch ne Runde! "

Wasuren macht sich ein bild von dem Treiben auf den Oberdeck und der Planke.

'Mal schauen wann man wieder in Ruhe an Land kommt!'

Dann sieht er die anderen Beiden fragend an und meint nur :

"Ich brauche unbedingt mal etwas Abwechslung mit ein paar Freunden!"



Xenia nickt zögernd und sieht dann Alrik fragend an.

"Von mir aus..."

'Dabei war ich so froh, endlich wieder auf der Nordstern zu sein...'



"Ja, gerne doch. Bei so einer Einladung sage ich nicht nein. Weißt wohl nicht, was du mit deiner Heuer sonst anfangen sollst? Aber sei versichert, so ist das Geld gut angelegt", stimmt ALRIK spontan Wasurens Vorschlag zu. Vermutlich ist etwas Ablenkung wirklich das Beste, was man sich jetzt in dieser Situation vornehmen kann.

Freundschaftlich haut der Schiffsjunge dem großen Matrosen auf die Schulter, wobei er sich allerdings etwas nach oben hin strecken muß. Leider wirkt Xenia immer noch sehr unentschlossen und nicht wirklich motiviert, aber gerade sie könnte wahrscheinlich besonders gut eine kleine Abwechslung gebrauchen.

"Na, schau doch nicht so traurig, Xenia. Wenn wir uns jetzt auf Deck setzen oder in den halb leeren Mannschaftsraum, dann wird uns das bloß noch verdrießlicher stimmen, denn ständig würden wir sehen, welche Plätze leer sind und uns erinnern welche Leute fehlen."

"Der Weg ist ja auch nicht weit und wir müssen ja auch nicht lange bleiben", versucht ALRIK Xenia noch etwas mehr aufzumuntern.



"Hm... ja gut." Xenia wirkt immer noch ein wenig lustlos, aber sie stößt sich von der Reling ab und sieht die beiden anderen erwartungsvoll an.

Es ist ja wirklich nett von Alrik, daß er versucht, sie aufzuheitern, aber das wird im Moment wohl keiner so richtig schaffen. Naja, vielleicht hilft es etwas, ein wenig zu trinken...



"Ja, dann mal los", gibt ALRIK das Zeichen zum Aufbruch.

Aber halt, eine Sache war doch da noch:

"Ach, Wasuren, meldest du uns dann mal bei Nirka ab, ja? Ich geh, noch mal gerade in den Mannschaftsraum - was holen."



"Gut, ich warte an der Planke auf euch." nickt Xenia den beiden zu und wendet sich dann in die erwähnte Richtung. Sie geht langsam - denn sie hat ja Zeit - zur Planke hinüber und lehnt sich dort an die Reling. Während sie wartet, sieht sie sich auf dem Deck um.

'Erstaunlich, wie schnell sich die Aufregung gelegt hat...'



Lowanger unterwegs auf dem Schiff


Mit einem leisen Seufzen schiebt Lowanger noch ein paar Unterlagen zusammen. Obwohl ihn die Mattigkeit plagt, ist längst noch nicht der Zeitpunkt gekommen, an dem er sich mehr als ein paar Momente Ruhe gönnen kann.

Viele Dinge gibt es noch zu erledigen. Vor allem besteht da erst einmal das Problem der vielen fehlenden Matrosen. Lowanger kann sich gut vorstellen, daß Jergan nicht unnötig lange in Thorwal verbleiben möchte, aber mit dieser Mannschaft, die fast um die Hälfte geschrumpft ist, ist die NORDSTERN alles andere als ausreichend besetzt.

Und als sei das nicht schon schlimm genug, hatte der aufmüpfige Smutje am vergangenen Abend frech grinsend seinen Dienst aufgekündigt. Nicht, daß der Verlust jetzt arg groß wäre, so lange ist der junge Schiffskoch sowieso noch nicht auf der NORDSTERN gefahren und Klagen sind zwischendurch ja immer mal wieder zu hören gewesen. Aber trotzdem, gerade in der derzeitigen Situation ist dieser unnötige Ausfall ein zusätzliches Ärgernis.

Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck erhebt sich der alte Offizier und strebt der Kabinentür zu. Es ist längst an der Zeit, mal zu überprüfen, ob der Smutje inzwischen Kombüse und Kabine in einen anständigen, übergabefähigen Zustand gebracht hat. Ein kurzer Blick in die Küche stellt Lowanger vorerst zufrieden, dann überquert er Unterdeck und macht sich direkt auf den Weg zur Kabine des Smutjes. Der Geräuschpegel aus dem Inneren der Kabine, weißt deutlich darauf hin, daß der Smutje emsig damit beschäftigt ist, sein Hab und Gut einzupacken. Ohne Vorwarnung oder Anklopfen stapft Lowanger in die Kabine hinein.

"Sören, sieh zu, daß du hier bald fertig wirst. Deine letzte Heuer hast du. Und bevor du gehst, hast du dich noch auf der Brücke abzumelden, ist das klar?"

Ohne eine Antwort des Smutjes abzuwarten, dreht Lowanger sich wieder um und verläßt dann die Kabine des ehemaligen Kochlöffelschwingers.



Ole abgelenkt von der Arbeit


Ole war gerade dabei ein paar Staken der Reling, die abgebrochen und splissig aus dem Deckvorbau des Brückendecks ragen, wie Zahnstummeln aus dem Maul eines alten Goblinschamanen, mit einem Messer aus der Verbohrung zu schälen, als er eine Stimme vom Kai hört, die ihm vertraut vorkommt. Ole blickt auf und schaut auf die Verbindungsplanke und ruft laut:

"Wenn du Landratten suchst, dann schaust du auf die verkehrte Seite, dann mußt du schon landeinwärts blicken. Hier, auf der NORDSTERN, wirst du keine Landratten finden!"

Ole geht grinsend hin zur Planke.

"Hjaldar, du alter Schlangenfresser, was treibt dich hierher? Hast du keine Angst, dich könnte die EFFerds-Sieche überfallen, wenn du an Bord kommst?"

Ole ist sichtlich erfreut den Mitstreiter der vergangenen Tage wieder zu sehen ...........



"Dann mach's mal gut, alter Farbtopf." meint Hjaldar zum dem Buntgewandeten und - geschminkten und gibt ihm einen kräftigen, kumpelhaften Schulterklopfer mit. Ein vielsagendes Grinsen trifft Phexane, als er sich kurz Jarun's Begleitung zuwendet und grüßend mit dem Kopf nickt.

Dann wendet er sich dem Plankenaufgang zu, an dessen anderer Seite bereits Ole steht.

"Mach halt die Augen auf, alterschwacher Pottwal." tönt es dem Schiffszimmermann ebenso rustikal-freundlich entgegen, während Hjaldar sich jetzt, ohne auf die weiteren Passagiere auf der Planke acht zu geben, einen Weg auf's Schiff bahnt.

"Die verlassen doch gerade hordenweise den schwankenden Kahn."

Mit ein paar großen Schritten, die die Planke unter seinen Füßen merklich federn lassen, steht er schließlich vor Ole und gibt auch diesem einen kräftigen Schlag auf die Schulter.

"Hoi Ole. Schon erholt von der Tür gestern?"



Phexane muß bei "alter Farbtopf" unwillkürlich grinsen. So grinst sie auch den neuen Matrosen an, der ihr zunickt. Dann jedoch wendet sie sich wieder Jarun zu.



Ole grinst, wenn auch ein bißchen gequält. Zwar hatte Hjaldar mit seinem deftigen Schulterklopfen, Tsa sei Dank, nicht die lädierte Körperseite des Schiffszimmermannes getroffen, aber auch die Seite, die Ole momentan seine gesunde Seite nennt, ist durch die Kämpfe um die Brücke während der Meuterei noch arg in Mitleidenschaft gezogen, ein Schulterschlag dort, mit der Kraft eines Hjaldar's hätte Ole wahrscheinlich schon vorübergehend das Lächeln aus dem Gesicht getrieben. So aber bleibt es bei Ole's spöttischen Grinsen. Und er antwortet Hjaldar augenzwinkernd:

"Nun ja! So ein bißchen Türzauber kann meine alten Knochen noch nicht überwinden, sie wie meine alten Knochen auch diesen Türzauber nicht überwinden konnten. Doch wem erzähle ich das? Aber sag an, deine Schulter schaut ja auch noch sehr mitgenommen aus oder hattest du diesen häßliche Buckel schon immer?"

Leicht erheitert, obwohl Ole nicht weiß, wie sich dieser innere Frohsinn nährt, ob aus Verlegenheit heraus oder aus einem gesunden Humor geboren, denkt der Schiffszimmermann an das Haus dieser Zauberin, als Hjaldar und er gemeinsam versucht hatten die Türe zum Arbeitszimmer dieses Luders einzurennen.

Die Gewalt, die sie dabei entwickelten, hätte wahrscheinlich Xorlosch's Felsentore zerbröselt, nicht aber diese Hesinde verfluchte Türe, die sich sowohl den Künsten des Darian, des Adeptus minor, wie er sich zu nennen pflegt, als auch dem kräftigen Sturmlauf zweier thorwalscher Schulter mit Erfolg, geradezu läppisch widersetzte.

Ole war froh gewesen, daß dieser peinliche Fehlschlag nicht all zu viele Zeugen gefunden hatte, denn es muß wirklich sehr lächerlich ausgesehen haben, als Ole und Hjaldar von der Türe abtropften, wie Schneebälle von einem Rundschild.



Grinsend lädt Hjaldar den schweren Lederrucksack ab.

"Jau, die Tür war härter als'n Orkenschädel. Aber so was wirft mich nicht um."

Mit noch etwas breiterem Grinsen "Jedenfalls nicht vor dem fünften Thin Premer."

Er wirft einen suchenden Blick auf die Brücke, wo er wie erwartet Jergan stehen sieht.

"Ich hoffe mal, Euer Käpt'n hat noch 'ne Koje für mich. Ich muß langsam mal wieder wohin, wo 'ne gut geführte Axt die eine oder andere Goldmünze wert ist."

Er klopft dabei unterstreichend auf die gewaltige Orknase, die an seinem Gürtel hängt und die mit allerlei bunten Bändern geschmückt ist.



"Siehst richtig gefährlich aus!" lacht Ole "Hast du denn schon eine Ahnung, welchen 'grimmen Feind' du zu einem 'bedauernswerten Opfer' wandeln willst?"

Während Ole dies sagt, ergreift er eine Säge, die er, zur Veranschaulichung seiner Worte, wie ein Schwert umherschwingt. Das malträtierte Sägeblatt gibt dabei ein paar metallisch jammernde Laute von sich.

"Mach klar mit dem Kapitän, vielleicht haben wir danach noch die Möglichkeit unsere derische Qual durch ein paar deftige Schlucke zu lindern!"



Ole's Darbietung mit der Säge entlockt Hjaldar ein prustendes Lachen

"Leg das mal lieber weg ... sonst verletzt Du Dich noch." spöttelt er gutmütig.

"Aber recht hast Du - ich mach die Sache mit dem Käpt'n klar und dann suchen wir uns ein Faß und lassen ein paar Goblin's zu Ogern werden."

Hjaldar nickt dem alten Seebären noch mal zu und macht sich dann auf den Weg auf die Brücke, wobei er die Stufen zum Brückendeck mit großen Schritten je zwei auf einmal nimmt. Kaum das er oben ist grüßt er die Anwesenden auch schon mit einem lauten

"Swafnir mit Euch, Jungs und Mädels."

und geht zielstrebig auf Jergan zu.

"Ahoi Käpt'n."



Radisar an der Planke


Radisar blickt sich unsicher um, ob einer der Anwesenden sein Mißgeschick bemerkt haben könnte und erst, als er sich sicher sein kann, daß es keine Zeugen dafür gibt, daß er, aus ersichtlichen Grund, seine halbe Schuhsohle auf dem Oberdeck zurück lassen muß, auch nicht, und das ist ihm wichtig, dieser monströse Schiffszimmermann, schleicht sich der kleiner, dicke Diener in die Nähe der Schiffsplanke, die den Wellengang mit dem Festland verbindet.

'Warum, zum Difar, sammelt sich gerade jetzt alles, was an Bord ist, um diese Planke!'

Radisar ärgert sich, daß sich im Moment so viel Volk um die Schiffsplanke schart, gerade so, als ob irgend jemand gerufen hätte, es gäbe Freibier für Alle, nur jetzt, nur dort! Er hatte sich doch eingebildet, er könnte sich unbemerkt von Bord schleichen. Vor allem Frau Reckinde hätte nichts davon erfassen sollen! Warum passiert dies immer nur ihm?

An den Herrschaften, die, wie er zu erkennen glaubt, alle Passagier der NORDSTERN sind, hätte er sich doch noch vorbei drücken können. Um so mehr, als er in der Gruppe jenen Passagier wieder erkennt, dem er auf der Suche nach gutem Wein vor der Kombüse schon einmal begegnet war. Dieser hätte ihm, auf seine Bitte hin, vielleicht noch bereitwillig Platz gemacht, nicht aber an dem Thorwaler, der sich, von der anderen Seite der Planke her, nähert.

Oh ja, er kennt dieser Thowaler! Sie scherzen gerne, solange es auf Kosten anderer geht und sind ziemlich empfindlich sollte sich ein Scherz gegen sie selbst richten. Radisar hat den Humor der Thorwaler sehr 'schmerzlich' in Erinnerung und hat daher keine Lust, wieder einmal mehr, für Nichtigkeiten, so wie die, die Thorwaler seiner Zeit als Schmähungen auslegten, als Spielball herhalten zu müssen.

So wartet Radisar demütig ab, bis die Planke für den Übergang für 'Unterlinge' wieder freigegeben sein würde.......



In die Stadt ....


"Seid gegrüßt Hjaldar! Ich denke wir haben jetzt alles unter Kontrolle,"

ruft Jarun dem Thorwaler zu und versucht dabei von der Planke an Land zu kommen. Inzwischen bebt die Planke recht stark unter dem Gewicht der vier Passagiere und Jarun möchte nicht riskieren in das Hafenbecken zu fallen, falls Hjaldar ebenfalls die Planke zum Schiff betritt.

Endlich wieder sicheren Boden unter den Füßen richtet Jarun noch einmal einige Worte an Hjaldar.

"Ich habe es leider etwas eilig, aber wir sehen uns sicher später auf der Nordstern."

Als Jarun sich zum gehen wendet, bemerkt er, daß er noch immer Phexanes Hand hält. Mit einem verlegenen Lächeln läßt er ihre Hand los und geht schnellstens auf ihre Frage ein.

"Nun ja, ich kenne mich recht gut in Thorwal aus. Mit einem Zirkus kommt man viel in Aventurien herum und ich kenne daher einen Großteil der Städte. Am Besten wir werden erst einmal zu meinem Freund gehen. Dann haben wir die restliche Zeit, um die Stadt zu erkunden. Ich würde mich freuen euch die Stadt etwas zu zeigen."

Jarun deutet in eine größere Straße, die vom Hafen wegführt und schlendert dann langsam in die Richtung.

"Was hattet ihr eigentlich am Tag der Meuterei in den Laderäumen zu suchen. Ich dachte der Zutritt wäre für Passagiere verboten?"



Phexane schlendert langsam neben Jarun her.

"Och, nichts Besonderes. Ich hatte nur was verloren und habe es mir dann wiedergeholt. Es ist die Treppe herunter gekullert."

Phexane versucht von dem Thema wieder etwas abzulenken.

"Was ist eigentlich so alles bei der Meuterei passiert? Das Deck sah ja doch ziemlich ramponiert aus! Und was war überhaupt die letzten beiden Tage passiert - die anderen Passagiere und die Matrosen haben sich über Dinge unterhalten, die ich nicht so richtig verstand."

Sie möchte nicht nur von dem Thema "Laderaum" ablenken, nein, es interessiert sie auch wirklich, was zuletzt passiert war. Sie hat das Gefühl, daß sie mal wieder am falschen, nämlich den langweiligsten, Ort gewesen war. Vielleicht hat das auch alles mit dem Verschwinden von Torin Rotmarder zu tun.

'Ob ihm was passiert ist? Nein, so ein Quatsch! Warum sollte ich mir auch ausgerechnet um den Sorgen machen? Vielleicht hat er ja was damit zu tun, ist aber der Urheber der ganzen Sache - vielleicht hat er was gestohlen und ist nun im Gefängnis.'

Phexane gerät langsam ins Grübeln

'Dann ist er selber schuld!'



Als Jarun und Phexane in die Menschenmassen eintauchen, beginnen ihre Augen fast wie von selbst herum zu wandern - immer auf der Suche nach etwas Beute, die etwas zu lose hängt und hinabfallen "könnte".

Sie genießt es, unter Menschen zu sein und in der Masse zu verschwinden, um dann im geeigneten Moment zuschlagen zu können.

Dennoch ist sie vorsichtig, da sie mittlerweile weiß, daß mit diesen großen und starken Thorwalern nicht unbedingt immer zu spaßen ist.

So wendet sie sich, immer noch neugierig bezüglich der Ereignisse der vergangenen Tage, wieder Jarun zu.

"Naja, ich habe mitgekriegt, daß es dabei wohl um den Elfen ging. Ein anderer Passagier, Torin Rotmarder heißt er, und ich haben ihn aus dem Laderaum befreit. Aber was mich interessiert, sind die Geschehnisse auf dem Oberdeck. Offenbar wurde wohl sehr viel gekämpft, oder? Erzählt es mir doch etwas genauer, oder habt ihr nicht mitgekämpft?"



Das kräftige Schulterklopfen Hjaldars bringt Jarun kurz ins Straucheln. Ein, zwei Schritte stolpert er über den Hafen, kann sich dann aber wieder fangen.

Das Gedränge, durch das sich Phexane und Jarun kämpfen müssen, wird immer dichter, denn langsam entfernen sie sich vom offenen Platz des Hafens und treten in eine der Hauptstraßen Thorwals. Verschiedenste Fuhrwerke werden dort von den Helden der Straßen, den Kutschern, durch die Menschenmassen manövriert, wobei die wenigsten, besonders die Thorwaler, sich durch Rücksicht hervortun. Die einen haben es selber eilig und weichen aus diesem Grund nicht zurück, die anderen können nicht ausweichen, weil sie sonst das Gleichgewicht verlieren und im Straßenstaub landen. Letzteren sind auch oft der Grund dafür, daß überhaupt kein vorankommen mehr möglich ist. Wenn sie in Gruppen von vier oder mehr nebeneinander gehen, sich dabei in den Armen liegen und Seemannslieder gröhlen, versperren nahezu die gesamte Straße und die Fuhrwerke müssen warten.

Durch Nüchternheit und Gewandtheit schaffen es die beiden Passagiere der Nordstern sich in angemessener Geschwindigkeit an den Menschenmassen vorbei zu drängen.

"So, so euch ist etwas die Treppe herunter gekullert. Ich kenne das sehr gut. Mir passiert so etwas auch ständig." kommentiert Jarun die Antwort mit völlig ernster Miene, innerlich aber sich selber auf die schenkelklopfend vor lachen.

"Nun ja, wo soll ich anfangen. Bei der Meuterei, oder wißt ihr bereits alles darüber? Ich kann auch direkt bei den Beschuldigung und deren Auflösung anfangen! Wie ihr wollt."



"Ich hatte gerade den schwerverwundeten Herrn Radisar aus dem Ladedeck in die Kabine des dritten Offiziers getragen, als Lowanger mir von den erschütternden Ereignissen im Mannschaftsraum erzählte. Schnellstens holte ich meine Schwerter aus meiner Kabine und schloß mich Lowanger, Eilif und Wasuren an. Gemeinsam wollten wir der Überzahl blutgieriger Meuterer den Gar aus machen. Während Lowanger noch im Niedergang stand, um eine günstige Situation abzuwarten, erkannte ich eine Lücke im Plan der Meuterer. Wieselflink und ohne das es jemand bemerkte, schliech ich aus dem Niedergang und kletterte immer noch unbemerkt an der Reling des Brückendecks empor."

Nach diesem Redeschwall atmet Jarun erst einmal tief durch, setzt dann aber sofort zur weiteren Ausführung der Ereignisse an.

"Nun stand ich also oben auf der Reling in voller Größe. Wie ich dort stand mit wehendem Umhang und den beiden gezückten Schwertern, bemerkten die Meuterei, daß sie von einer Gefahr bedroht wurden, die sie in ihrem abgekarteten Spiel nicht bedacht hatten. Sogleich stürmte Olof, der ja wie ihr wißt ein Bär von einem Matrosen ist und gerade Fiana mächtig zusetzte, mit einer großen Axt bewaffnet auf mich zu, um mich über die Reling zu stoßen. Geifer tropfte ihm aus dem Mund auf die Planken des Schiffs und seine Augen hatte die Farbe eines verwesenden Leichnams. Doch bevor er mich erreichte schaffte ich den Absprung von der Reling. Im hohen Bogen flog ich über seinen Kopf hinweg. Außer Reichweite für seine Axt. Ich nutzte seine Verwirrung und setzte meinen gefürchteten Schwerterhagel ein. Mit beiden Schwertern führte ich in der Luft einige kurze Hiebe aus. Mit einem Schwert gelang es mir ihn zu entwaffnen. Mit dem anderen trennte ich ihm ein Ohr vom Kopf, wodurch ich ihn kampfunfähig machte. Auf diese Weise konnte ich Fiana aus den fängen diese Berserkers befreien."

An dieser Stelle hält Jarun erst einmal inne, um Phexanes Reaktion abzuwarten.



Phexane schaut bei dem Aufzählen der vielen Namen erst etwas fragend, da sie die Matrosen nie kennengelernt hatte. Lediglich Fiana ist ihr von der Geburtstagsfeier her bekannt.

Doch als Jarun erzählt, wie er mutig den Matrosen Olof bekämpfte, lächelnd sie ihn fast etwas bewundernd an.

"Schade, daß ich Eure spontane 'Vorstellung' auf dem Deck verpaßt habe. Aber wie ging es weiter? Habt Ihr noch mehr Feinde bekämpft?"



"Ein solcher Kampf ist wahrlich keine Vorstellung. Es ging dabei um Leben und Tod. Daher war ich darauf angewiesen meine gesamten Fähigkeiten anzuwenden, um Olof kampfunfähig zu machen, ohne ihn zu töten."

Jarun entdeckt während seiner Erzählung eine kleine Seitenstraße, über die man sicher schneller zu ihrem Ziel kommt und weist Phexane darauf hin.

"Wir sollten in diese kleine Straße gehen, dort ist es nicht so voll und wir kommen sicher schneller voran."

Nachdem die beiden in die Straße eingebogen sind fährt Jarun mit der 'Geschichte' über die Ereignisse an Bord fort.

"Während ich mit Olof kämpfte und ihn besiegte, waren die anderen, die auf der Seite des Kapitäns kämpften nicht untätig. Der zweite Offizier, der Anführer der Meuterer, versuchte in einem ungleichen Kampf den Kapitän zu töten. Einer der Magier, ein recht junger unerfahrener, sprach einen Zauber mit dem er den zweiten Offizier, aber auch den Kapitän in Stein verwandelte. Einigen fähigen Matrosen gelang es daraufhin den Meuterer zu fesseln, bevor er wieder zu sich kam. Die anderen Matrosen schafften es die Oberhand über die Meuterer zu gewinnen. Und so wurde einer nach dem anderen gefesselt. Als es schon so aussah, als wäre die Situation überstanden, lief Ole der Schiffszimmermann wie ein Berserker über das Schiff und griff alle an, die in seine Reichweite kamen. Zunächst war einer der Meuterer sein Opfer und anschließend ging er auf die Bootsfrau los. Er verletzte sie auch, wurde aber dann von einigen Seilen entkräftet zu Boden gerissen. Bei einige der Matrosen fielen die Worte Walwut und Swafnir. Es scheint wohl irgend etwas mit dem Gott der Thorwaler zu tun zu haben. Genaues weiß ich aber auch nicht."

Nach einer kuzen Pause schließt Jarun die Schilderung der Ereignisse ab.

"Das ist so ziemlich alles, daß während der Meuterei auf Deck passierte. Anschließend wurden die Verletzten von den Magiern an Bord geheilt und die Meuterer gefesselt und im Ladedeck eingesperrt."

Nachdenklich streicht sich Jarun über sein bartloses Kinn.

"Ich weiß bis heute nicht, warum es zu dieser Meuterei kam. Vielleicht waren sie mit ihrem Sold nicht zufrieden."

Mit einem leichten Schulterzucken bleibt er stehen, um sich zu orientieren.



Phexane bleibt ebenfalls stehen.

"Und was war die letzten Tage passiert? Da ist doch irgendwas im Busch gewesen, oder? Die anderen auf dem Schiff haben über irgendwas geredet, aber ich konnte es nicht einordnen. Ich habe dabei immer den Namen des Kapitäns gehört."



Jarun's nachdenkliches Gesicht hellt sich sichtbar auf.

"Ah, dort drüben! Da müssen wir lang."

Jarun deutet auf eine kleine Seitenstraße und geht weiter in die Richtung.

"Ich muß gestehen, daß ich den kompletten Zusammenhang der Ereignisse auch nicht verstanden habe. Aber ich will versuchen die Geschehnisse einigermaßen zusammenhängend und verständlich zu erzählen. "

"Was ich mit Gewißheit sagen kann ist, daß die Hafenmeisterei von einem angeblich Unbekannten eine Hinweis bekommen hatte, daß sich an Bord der Nordstern Schmuggelware befindet. Daraufhin wurden einige Soldaten zur Nordstern geschickt, um sich dort um zuschauen. Bei der Durchsuchung der Kapitänskajüte, wurde der Tote Eilif gefunden. Aus diesem Grund wurde der Kapitän und Fiana wegen Mordverdacht und Schmuggelei in der Hafenmeisterei inhaftiert. Das habt ihr ja noch gesehen, falls ihr zu dieser Zeit auch an Deck gewesen seid."

"Lowanger schickte zwei Gruppen los. Die eine, um Jergan zu befragen, was passiert sein. Die andere Gruppe, um den Mord aufzuklären. Ich war bei letzterer Gruppe dabei. Wir fanden heraus, das wahrscheinlich Frenjar einer der Matrosen Eilif getötet hat, als dieser in dabei erwischt hatte, wie er die Schmuggelware, die eigentlich von dem zweiten Offizier war, von Bord schaffen wollte. Wir klemmten uns also an Frenjars Versen. Denn er war seit einiger Zeit verschwunden. weiterhin erfuhren wir, das er bei einer Magierin mit dem Namen Larissa übernachtet hatte. Außerdem erfuhren wir von der anderen Gruppe, das ein gewisser Matisoff und ein Aragorn in der Sache verwickelt waren. Da sie genauso wie Larissa und Torben, der zweite Offizier, für einen hohen Kapitän des Kapitänsrats arbeiten."

"Nach einer Hausdurchsuchung von Larissas Heim, wo wir nichts fanden, wurden wir auf eine Spur aufmerksam, die zum Hafen wies. Jemand sah eine Kutsche, ..."

Jarun biegt in die Seitenstraße ein, die die Beiden ihrem Ziel näherbringen sollte.

"... die in Richtung Hafen vor, wo Frenjar drinsaß. Wir hatten inzwischen unsere Gruppen vereint und machten uns somit zu Zehnt auf den Weg zum Hafen, wo wir Frenjar an Bord entdeckten. Wir stellten nach langen Diskussionen mit der Vorsteherin der Hafenmeistei den Kapitän der Wellenreiter zur Rede. Und er übgab uns den Mörder. "

"Jetzt mußten wir nur noch seine Tat beweisen. Mit Hilfe der Magier fanden wir, wieder an Bord der Nordstern, heraus, daß Larissa einen Djinn beschworen haben muß, der den Toten Eilif vom Ladedeck durch die Tür in die Kapiänskajüte transportierte. Wir schlossen daraus, daß Eilif sie um Hilfe gebeten hatte. Sie kannte wohl Thorben und war dadurch gewillt Frenjar zu helfen. So konnten wir die Vorwürfe entkräften und den Kapitän befreien."

Jarun überdenkt kurz seinen Bericht, merkt dann aber, daß er doch einige der Ereignisse vergessen hat.

"Ich bin mir sicher das ich allerlei Zusammenhänge vergessen habe. Aber den groben Zusammenhang, dürfte hoffentlich klar sein. Wenn mir noch weiter Anekdoten einfallen, werde ich sie gerne später zum besten geben."

Der Weg der Beiden führt sie wieder auf eine größere Straße, wo Jarun direkt auf ein zweistöckiges Fachwerkhaus zeigt. Ein gewisser Prunk und zur Schaustellung von Reichtum ist unübersehbar. Über der hölzernen Tür, in die verschiedenste Bilder von Blumen, Tiere und Edelsteinen geschnitzt sind, hängt ein Schild, dessen Inhalt auf einen Händler schließen läßt.


'Tresgar Angelson's Handelsstube'

'Ihr braucht es, ich hab es!'



"Da habe ich offenbar einiges verpaßt," sagt Phexane auf Jaruns Erzählung hin.

Als die beiden an dem Haus ankommen, guckt Phexane interessiert auf das Schild - die Bilder sagen ihr nicht viel und die Buchstaben noch weniger! Innerlich flucht sie über ihr "Können".

"Was macht eigentlich euer Freund geschäftlich," fragt sie Jarun und guckt grübelnd zum Schild hinauf.



Einige Sekunde steht Jarun vor Phexane und mustert sie noch einmal von Kopf bis Fuß.

"Nun ja, wenn ihr den Besitzer des Hauses meint, er ist Händler, aber Näheres werdet erfahren, sobald wir im Haus sind. Ich denke ihr solltet mitkommen. Es wird euch sicher auch interessieren. Wenn ihr wollt könnt auch ihr auch mit ihm sprechen und ihn um Hilfe bitten."

Mit einem Lächeln auf dem Lippen, dreht er sich um und geht zielstrebig auf das Haus zu.



"Hilfe?!" Phexane wirkt im ersten Moment empört, doch dann schaut sie an sich herab und schweigt sogleich wieder.

'Er hat recht, ich könnte wohl wirklich mal was Neues und Besseres zum Anziehen gebrauchen. Aber ich kann doch nichts dafür, daß ich bis vor kurzem ständig eine Pechsträhne hatte.'

"Na gut, wenn ihr meint," brummt sie und folgt Jarun zum Haus.



Phexanes Reaktion scheint bei Jarun für große Belustigung zu sorgen, denn mit einem lauten, aber freundlichen Lachen wendet er sich wieder zu ihr um.

"Ich glaube, daß war ein kleines Mißverständnis!"

Schnell legt er ihr seinen Arm um die Schulter und führt sie zum Haus.

"Wartet ab! Wartet ab!" redet Jarun beruhigend auf seine Begleiterin ein.

Doch die Tür des Hauses ist sein Ziel. Einige Schritt entfernt ändert Jarun seine Richtung und führt Phexane in einen kleinen Hinterhof, in der Nähe des gezeigten Hauses. Ein muffiger Gestank von feuchtem Holz und faulenden Essensresten steigt den beiden in die Nase. Darüber hinaus läßt die Düsternis des Hinterhof im ersten Moment nicht mehr als Schemen erkennen. Einzig ein lautes Scheppern und das trippeln kleiner Füße lassen eine Orientierung zu.



"Äh, eine Frage: wohin wollt ihr jetzt eigentlich genau?"

Phexane fühlt sich aufgrund dieser plötzlichen Zutraulichkeit und dem Richtungswechsel etwas

verunsichert. Dennoch macht sie keine Anstalten sich aus dieser Umarmung zu befreien. Statt dessen rümpft sie die Nase. Diese fauligen Gerüche sind ihr zwar nicht unbekannt, aber mögen tut sie sie noch lange nicht.

Sie kneift die Augen etwas zusammen. Gerne würde sie sehen, wohin dieser Gaukler sie führt ...



Wenige Sekunden später haben sich die Augen an das Zwielicht des Hinterhofs gewöhnt und Jarun führt Phexane an eine Holztür, die sich scheinbar auf der Hinterseite des gezeigten Hauses befindet.

Mit einem kurzen Blick nach links und rechts vergewissert sich Jarun, daß sie nicht beobachtet werden und klopft leise, fast unhörbar an die Tür. In diesem Moment läßt er auch seine Begleiterin los und wartet.

Ein paar Sekunden, die einem in diesem Hinterhof wie eine Ewigkeit vorkommen, verstreichen. Dann wird die Tür einen Spalt geöffnet. Es ist nicht genau zu sehen, wer sich hinter der Tür befindet und auch eine Stimme ist nicht zu hören.

Kurz nachdem sich die Tür geöffnet hat, beginnt Jarun zu flüstern.

"Thorwal ist wahrlich eine große Stadt. Lange Zeit war auf der Suche nach diesem Ort."

Auf diese Worte Jaruns, die er ohne jegliche Betonung oder Gefühlsregung, wie auswendig gelernt, vor sich hin flüstert, antwortet eine Stimme auf die gleiche Art und Weise.

"Wer suchet, der findet auch irgend wann."

Daraufhin erhebt Jarun wieder die Stimme:

"Das Funkeln der göttlichen Sternen wies mir den Weg zu euch, um Dank zu sagen und für die Zukunft zu beten."



Phexane lächelt spitzbübisch. Sie versteht nun, wo sie sich befinden - ein Ort, der wie gerufen kommt, wenn man vorher auf dem Schiff großmundig Versprechungen an den schattenhaften Gott gegeben hat und sie nun besser einhalten sollte, damit dieser einem auch weiterhin gewogen bleibt.

Sie blickt Jarun an, nur darauf wartend, eintreten zu dürfen.



Langsam öffnet sich die Tür. In einem Recht kleinen Raum, der wohl einen Flur darstellt, steht ein kleiner schlanker Mann in schwarzer eng anliegender Kleidung. Sein Gesicht ist, bis auf die Augen, vollkommen von einem dünnen Seidentuch bedeckt. Ganz so, wie es die Medici verwenden, wenn Seuchengefahr besteht. Bis auf den Unterschied, daß das Tuch diesen Mannes ebenso wie seine Kleidung in einem tiefen Schwarz gehalten ist. Auf seinem Kopf trägt er ein schwarzes Kopftuch und um seinen Hals hängt ein goldenes Amulett in der Größe eines Kusliker Rades. Auf dem Amulett ist der Kopf eines Fuchses zu sehen.

Mit einer Schnellen Geste winkt er die beiden Gäste in den Raum.

Sobald die beiden eingetreten sind steckt er seinen Kopf aus der Tür und inspiziert noch einmal mißtrauisch den Hinterhof. Als scheinbar niemand zu sehen ist, verschließt er die Tür mit einem schweren Riegel.

Lächelnd wendet sich Jarun zu Phexane.

"Versteht ihr jetzt, warum ich nicht auf eure Kleidung anspielte."



"Ja, da habe ich euch mißverstanden."

Phexanes Blicke schweifen durch den Raum, doch dann wendet sie sich wieder Jarun zu und verschränkt geradezu demonstrativ die Arme.

"Wie kommt ihr eigentlich darauf, daß ich zu Phex beten würde? Ich könnte auch eine gesetzestreue Bürgerin sein und ziemlich viel Ärger machen. Oder unterstellt ihr mir etwa, ich wäre eine Diebin?"

Mit einer ernsten Miene blickt sie Jarun in die Augen, doch innerlich lacht sie laut auf.



"Ich vertraute auf mein Verständnis, Menschen richtig einzuschätzen. Euer Auftreten, Redegewandtheit, Intelligenz und Witz ließen für mich keinen anderen Entschluß zu, als euch anzubieten mich zu begleiten."

Ein verlegenes Lächeln bildet sich in Jarun's Mine.

"Außerdem ist euer Name etwas verräterisch, weshalb ich euch auch raten würde einen anderen anzunehmen. Es gibt viele phex-gläubige Menschen die das tun. Eine letzte Probe hatte ich aber noch für euch. Wenn ihr nicht den Mut gehabt hättet mir zu folgen, dann wärt ihr nicht die richtige gewesen für diesen Ort."

Wenn Jarun auch sonst nicht zu philosophischen Aussagen neigt, so kann er sich einen letzten Sinnspruch nicht verkneifen.

"Vertraue und es wird dir vertraut werden."



Phexane lächelt etwas gequält, als Jarun die Offensichtlichkeit ihres Namens erwähnt.

"Ich weiß, daß viele Phexgläubige unter einem anderen Namen leben."

Leise murmelnd fügt sie, mehr zu sich selbst, hinzu:

"Das ist mir bekannt."

Für einen kurzen Moment blickt sie nachdenklich auf den Boden und ihre Miene hat sich leicht verdüstert, dann aber schaut sie hoch zu Jarun und lächelt ihn freundlich an.

"Danke übrigens für das Kompliment! Aber ich wir sollten hier wohl nicht wie Steinstatue herumstehen, sondern lieber das tun, was man normalerweise in einem Tempel tun sollte, nicht wahr?"



Der Tempel des Phex


Der schwarzgewandete Mann deutet seinen Gästen an ihm zu folgen. Er öffnet eine der Türen und verschwindet in dem Raum, der sich dahinter befindet.

Der Raum scheint ein Arbeitsraum zu sein. Ein großer verzierte Schreibtisch ziert die Mitte des Raumes. Hinter ihm ein großer Stuhl, der eher an einen Thron erinnert, als einen gewöhnlichen Schreibtischstuhl. An einer der Wände hängt ein tulamidischer Wandteppich, zu dem sich der Mann begibt und ihn zur Seite schiebt. Der Blick auf einen kleinen Raum wird frei, der ausschließlich aus einer kleinen Wendeltreppe besteht.

Nacheinander steigen die drei Gläubigen die Treppe hinunter. Viele Schritt steigen sie in die dunkle Tiefe und kommen am Ende in eine große Halle, die sich unter dem Haus befindet. Mindestens 100 Rechtsschritt ist sie groß. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich ein Alter, vor dem Rechts und links zwei Füchse hocken und in die Halle schauen. Auf dem Altar liegt ein Schatz, anders kann man es nicht sagen. Edelsteine, verzierte Waffen, Geld und wertvolle Schmuckstücke bezeugen, das die thorwaler Bewohner wesentlich mehr Phex zugetan sind, als man es den schwerfälligen Matrosen zutrauen möchte.

Die Decke der Halle ist mit einer Vielzahl von kleinen, hellen Edelsteinen bestückt, die im fahlen Licht der Fackeln, eine beeindruckende Sinnestäuschung hervorrufen. Wenn die Wände der Halle nicht zu sehen wären, so würde es so aussehen, als würde sich der Tempel unter freien Sternenhimmel befinden.

Vor dem Altar sind mehrere Kissen auf den Boden gelegt, wo sich die Betenden niederlassen können, um dort mit Phex um ihre Zukunft zu schachern. Ein grauberobter Mann kniet in der vordersten Reihe und ist in unverständliche Selbstgespräche versunken. Ein anderer Mann, der augenscheinlich ein Thorwaler ist, kniet auf der anderen Seite der Halle und nuschelt etwas in seinen Bart.

An den Wänden der Halle sind aufwendige Darstellungen von berühmten Persönlichkeiten Aventuriens, die in bekannten Situationen auf Phexens Attribute zurückgreifen mußten, um dem Tod zu entgehen. Der Phex-Geweihte, der die beiden Gäste geleitet hat verschwindet lautlos in einer Ecke des Tempels.



Phexane folgt Jarun und dem schwarzgekleideten Mann hinunter in den großen Betraum. Als sie den Altar mit den Schätzen darauf sieht, muß sie schon schlucken, aber noch mehr fasziniert sie der "Himmel" an der Decke.

Sie hat schon einige besonders reiche und schöne Phextempel gesehen. Die einzigen Tempel, die diese Schönheit überbieten könnten, wären ihrer Meinung nach die Rahjatempel.

Sie geht, fast schon andächtig, auf den Altar zu. Holt dann ihren Geldbeutel hervor und zückt 5 Dukaten, die sie zu den anderen Schätzen legt.

Dann nimmt sie im Schneidersitz auf einen der Kissen Platz und schaut zu den beiden Füchsen. Doch auf die Füchse achtet sie nicht so genau. Sie beginnt sich zu konzentrieren und versucht die Macht und die Heiligkeit, die von diesem Ort ausgeht, zu erfassen. Sie entspannt sich und ihre Hände liegen locker auf ihren Knien. Dann murmelt sie leise.

"Nimm dieses Opfer an, Herr der List und des Glücks. Dafür möchte ich, daß meinem Sohn und mir das Glück weiterhin hold bleibt."

Dann blitzt etwas in ihrem Auge kurz auf.

'Und sollte ich gar das Glück haben und mein 'spezielles Opfer' ausrauben können, dann werde ich Dir das wertvollste Stück überlassen.'

Ein diebisches Lächeln, daß so manch' harmlosen Bürger sicher Angst einjagen würde, macht sich auf ihrem Gesicht breit.

'Aber noch ist es nicht soweit - noch bin ich nicht nahe genug heran.'



Wieder einmal hat sich bewiesen, daß Jarun's Menschenkenntnis verläßlich ist. Zufrieden mit sich selbst und dem Rest der Welt schreitet Jarun erhobenen Hauptes zum Altar des Fuchsgottes. Es ist immer wieder ein erhebender Moment für Jarun mit wertvoller Beute vor Phex zu treten. Sicherlich hatte er schon Opfergaben, die weit mehr Geld eingebracht hätten, aber andererseits gab es auch schon schlechtere Tage.

Jarun wartet andächtig, bis Phexane ihr Opfer dargebracht hat, und tritt dann selbst an den Altar. Dabei zieht er den Dolch aus seinem Gürtel. Kurz schaut er ihn sich noch einmal an. Eher ein Schmuckstück, als eine Waffe. Verschiedenste Edelsteine zieren seinen Griff, so daß er fast schon unbequem in der Hand liegt. Auch das Metall ist wertvoll, aber nicht zum Schmieden einer Waffe geeignet, da es zu weich ist.

Mit einem tiefen Kniefall legt er den Dolch zu den anderen Gaben, tritt zwei Schritte zurück und beschreibt dann mit dem Zeigefinger der rechten Hand die Form eines Halbmondes in der Luft, wobei der Endpunkt und somit eine Spitze des Mondes mitten auf seiner Stirn liegt, wo der Finger auch für ein, zwei Sekunden verweilt.

Danach läßt er sich einige Schritt von Phexane entfernt auf einem Kissen nieder und beginnt leise zu beten.



Phexane erhebt sich von dem Kissen und schaut kurz zu dem betenden Jarun.

Doch dann blickt sie nachdenklich hoch zu der Decke. Immer noch gehen ihr die Pläne, die sie in letzter Zeit so geschmiedet hatte, um zu mehr Geld zu kommen, durch den Kopf.

'Manchmal geht mir dieses ständige Streben nach mehr Geld auf den Geist. Ich habe nie an was anderes gedacht. Ach, warum hat mich Ailill bloß nicht geheiratet? Dann bräuchte ich mir jetzt keine Sorgen zu machen und würde noch in Havena leben.'



Leise erzählt Jarun vor sich hin.

"Ich danke dir Phex, daß du mich die vielen Götterläufe hindurch beschützt und geleitet hast. In vielen Situationen konnte ich nur durch dein Geschick und deine List überleben. Trotz vieler Gefahren habe ich den 59. Götterlauf erreicht und konnte einen erheblichen Reichtum ansammeln. Nun liegt es an mir meine Gegenleistung zu erbringen. Wie du weißt, werde ich in Zukunft mein Wissen und Können in den Dienst der Jüngeren stellen, und sie nach deinem Willen formen, auf daß sie ein ebenso schönes und ertragreiches Leben führen mögen, wie ich es erfahren habe."

Kurz sammelt Jarun seine Gedanken, um die richtigen Worte zu finden.

"Doch weiß ich nicht, ob die Aufgabe, die du mir aufgetragen hast, nicht meine Fähigkeiten übersteigen. Deshalb hoffe ich auf deine weitere Unterstützung. Schütze mich vor der Armut und den Intrigen der Regierenden, die ich in naher Zukunft sicher zu spüren bekommen werde. Von einigen Informanten habe ich gehört, daß einige Geweihte des Praiostempels in Greifenfurt meinen Aufenthalt in der Stadt des Praios mißbilligen. Sie werden mit allen Mitteln verhindern, daß ich 'die Stadt des Praios in einen Sündenpfuhl verwandle, in dem Mord und Diebstahl an der Tagesordnung steht'. So sehen sie Zukunft, wenn ich in Greifenfurt bleibe. Und daß werde ich, um deinen Willen zu predigen und den Bewohnern der Stadt deine Werte zu lehren. Jeder Mensch hat das Recht, denjenigen der Zwölfe zu seinem Gott zu erkoren, der ihm am sinnvollsten erscheint. Niemand sollte den Willen des Praios aufgezwungen bekommen. Und das, so sehe ich es, ist momentan in Greifenfurt der Fall."

Die letzten beiden Sätze sagt Jarun mit lauter Stimme, so daß die anderen Besucher des Tempels ihre Gebete unterbrechen und zu dem Gaukler hinüberschauen. Beschämt senkt Jarun sein Haupt und fährt dann leise fort.

"Ich entschuldige mich für meine gotteslästerlichen Reden gegen einen der Zwölfe, aber du weißt, daß ich nie ein besonders gute Meinung über die Praioten hatte. Ich werde meine Zunge in Zukunft zügeln. Ich danke dir für deine Verständnis."

Ein kurzes Nicken zu den beiden Füchsen und Jarun erhebt sich von seinem Kissen.



Auch Phexane schaut kurz zu Jarun, als dieser seine Stimme erhebt. Als er aufsteht geht sie auf ihn zu.

"Ihr kommt aus Greifenfurt?" fragt sie ihn.



"Geboren wurde ich in Fasar der Perle des Südens. Eine traumhafte Stadt, wenn ihr noch nicht dort gewesen seid, müßt ihr dort unbedingt mal hin. Die letzten zehn Jahre lebte und arbeitete ich in Al'Anfa. Gegen Fasar ist es ein Eiterbeutel, dessen Schleim die südlichen Regionen Aventuriens verseucht."

Zornig, als würden kleine Blitze aus den roten Augen Jaruns schlagen, starrt er bei diesen Worte in die Leere der Halle. Gute Erinnerungen an die Zeit in Al'Anfa hat Jarun nur sehr wenige. Vieleicht Savarez, seine treuer Freund und Partner, ist die einzige Erinnerung, an die Jarun gerne zurückdenkt.

"Ja, in der Tat habe ich Greifenfurt zu meiner neuen Heimat für die nächsten Jahre erkoren. Eine schöne Stadt! Nicht so schön wie Fasar, aber auch sie hat ihre ganz besondere Atmosphäre. Die Bewohner sind sehr nett und hilfsbereit. Und zu meinem Vorteil kenne ich viele von ihnen, da ich längere Zeit dort ... "

Kurz überdenkt Jarun, wie weit er bei seinen Ausführungen über die Geschehnisse in Greifenfurt gehen soll.

"... zu Besuch war und mir einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeiten konnte."



Phexane mustert Jarun.

"Hm, ihr macht mich neugierig. Wie wäre es, wenn wir uns irgendwo eine nette Taverne suchen und ihr mir dort noch ein bißchen was erzählt? Mich würden besonders eure Reisen interessieren."

Phexane seufzt.

"Südlicher als meine Heimatstadt Havena war ich bisher noch nie. Leider!"



An der Planke


'Endlich, die frische Luft scheint zu helfen'

Alrik bleibt für einen Augenblick stehen und holt tief Luft. Am Pier herrscht lautes Treiben und so will er sich gerade auf den Weg in die Stadt machen, als er angesprochen wird. Der Sprecher befindet sich hinter ihm und so wendet der Magier leicht seinen Kopf um ihn genauer zu betrachten.

"Mein Herr ich glaube wir wurden uns noch nicht vorgestellt, also woher kennt ihr meinen Namen?"

Freundlich will Alrik dem Mann ansehen, da zieht ein wahnsinniger Schmerz seinen Hinterkopf hinauf, und legt sich auf seine Augen. Nur für einen Moment scheint der Fremde in Sekunden zu altern, dann kneift Alrik seine Augen zu und reibt darüber und der Schmerz verschwindet so schnell wie er kam.

'Habe ich den Fluch doch nicht ganz überwunden?'



"Eure Schwester hat mir viel von euch erzählt. Da habe ich wohl vergessen, das ihr noch nichts von mir wißt. Meine Name ist Armen Al' Klin Gon, in fahrender Händler."

'Armen, wie konntest du nur so unachtsam sein.'



'Phexane, natürlich woher sollte mich jemand sonst hier kennen? Vielleicht Daspota? Nein seit damals habe ich mich wahrlich verändert.'

Ein belustigtes Lächeln umspielt Alrik´s Mund als er Armen antwortet

"Es ist mir eine Freude euch kennenzulernen. Bei welcher Gelegenheit habt ihr denn meine Schwester getroffen?Wenn ihr mich in die Stadt begleiten wollt so können wir uns ja auf dem Weg unterhalten.".

Der Magier unterstützt seine Worte mit einer Geste in Richtung der Stadt.



"Eure Schwester und ich trafen uns durch puren Zufall unter Deck, als ich nach meinen Waren sehen wollte."

'Und ich habe immer noch den Verdacht, das sie genau das gleiche machen wollte.'

"Kennt ihr euch hier in dieser Stadt aus oder soll ich euch ein paar gute und günstige Orte Zeigen?"

Armen folgt der Armbewegung und läuft neben Alrik her.



"Ich bin auf der Suche nach einem ruhigen Fleck oder vielleicht einem Kräuterladen"

Alrik´s Blick richtet sich ernst auf Armen. Innerlich durchzuckt in ein Grinsen.

'Ich weiß wohl warum mein quirliges Schwesterherz unter Deck war. Du solltest besser auf deine Sachen aufpassen, Händler!'.



'Einen Kräuterladen sucht er, das trifft sich gut, da muß ich mich ja gar nicht absetzen um meinen 'Stoff' los zu werden.'

"Ich kenne einen ausgezeichneten Kräuterladen. Dort bekommt man alles. Gut, fast alles. Aber er liefert gute Qualität zu guten Preisen. Er ist allerdings nur wenigen bekannt. Zu diesem Laden wollte ich sowieso, da ich dort noch etwas erledigen wollte. Folgt mir einfach, wir werden nicht lange brauchen."



"Na dann, worauf warten wir noch, wenn Euer Kräuterladen auch noch etwas abseits liegt wäre ist mir recht. Laßt uns gehen"



Ottam


Ottam verweilt erst einmal ein wenig bei der Planke und läßt seinen Blick schweifen. Oben auf der Brücke stecken sie wohl wieder die Köpfe zusammen, natürlich wieder ohne auf ihn zu warten.

'Pah, sollen sie doch, es werden wieder Belanglosigkeiten sein, die ihren beschränkten Geist in Trab halten' denkt er sich, sei es aus Überzeugung, oder nur, um die Situation sich selbst gegenüber zu rechtfertigen.

Weiter schweift sein Blick hinüber zu Alrik, der unerwarteter Weise zuckt, als hätte er stichartige Schmerzen. Verwundert blickt er weiter in die Richtung, ohne zu bemerken, daß er etwas zu starren beginnt.



Reckinde


Reckinde dreht sich noch mal um und stellt fest, daß dieses Umdrehen mit ihrem letzten Traum nichts mehr zu tun hat. Sie ist wirklich wach!

Sie macht sich frisch, kleidet sich an und geht in den Wohnraum der Suite. Sie ruft nach Radisar und bittet den verdutzeen Diener, ihr ein Essen zu organisieren. Der total verdatterte Radisar zieht ab , während sich Reckinde in ihren gepolsterten Armstuhl setzt, die Augen schließt, und die letzten Tage noch mal vor ihren Augen passieren läßt.....



Radisar auf der Lauer


Radisar ist des Wartens müde, die Planke scheint heute einfach nicht frei zu werden. Erst der Gaukler und diese, nun ja, sehr undurchsichtige Frau, dann der wuchtige Thorwaler und nun sammeln sich offenbar ein paar Matrose dort.

Mißmutig schlendert er zur Suite zurück, als ihn auch schon die 'sanfte' Stimme seiner Herrin erreicht, die geradezu melodisch nach ihm ruft. Das beschleunigt seine Schritte ungemein und als er hechelnd in der Suite ankommt, muß er erstens feststellen, daß die Herrin bester Laune zu sein scheint.

In dieser fröhliche Stimmung hat er sie nicht mehr gesehen, seit dieser Auktion in Chorhop, als der einzige Mitbieter, im 'Wettstreit' um ein Angebot von edlen Rubinen, plötzlich und unerwartet von einem Herzanfall dahingerafft worden war.

Es macht den kleinen Diener unsicher, ja fast schon mißtrauisch, wie freundlich sich die Herrin ihm gegenüber in letzter Zeit verhalten hatte. Aber daran könnte er sich glatt gewöhnen.

Die Herrin will ein Essen? Sie soll es bekommen! Das ist für Radisar ein willkommener Grund an Land zu gehen, denn er hat keine Lust sich noch einmal an der Kombüse anzustellen ......



Auf dem Oberdeck schaut sich der kleine Diener noch einmal vorsichtig um und tastet dann seine Gürteltasche ab. Zufrieden stellt er fest, daß er genug Münzen dabei haben würde. Ein Glück, daß er sich diese Tasche seiner Zeit von einem reisenden, norbardischen Händler erstanden hatte, er kann sie jetzt gut gebrauchen und diese dürfte, ihrer Beschaffenheit wegen, auch nicht so geheimnisvoll verschwinden, wie seine alte Börse.

Sichtlich gut gelaunt, mit strahlendem Gesichtchen und einem lustigen Lied auf den Lippen stolziert er wie ein kleines, schmuckes Hähnchen über das Deck. Dann tippelt er sichernd und den Atem anhaltend über die Planke, atmet hörbar auf, als er wieder festen Boden unter den Füßen spürt und wirft sich in das Gemenge der rastlosen Stadt.

Keckernd reibt er sich die Hände. Radisar, der Landhai ist wieder unterwegs .....



Aleara


Sichtlich interessiert verfolgt Aleara das Geschehen an der Planke, besonders richtet sie ihr Augenmerk auf den hünenhaften Thorwaler mit dem Seesack. Eine imposante Erscheinung! Ihr Blick schweift über das Oberdeck, auf dem sich doch allerhand Leute befinden, und damit zwangsläufig über den Elf, der da an den Mast gelehnt steht.

'Ein Langohr an Bord und du bist verloren!' schießt es ihr durch den Kopf 'Ob er...? Nein, sicher nicht! Schließlich hat der Kapitän... oder vielleicht...?'

Doch plötzlich ruckt sie herum in Richtung Brückendeck und sieht den Kapitän an. Aleara legt die Stirn nachdenklich in Falten und macht zögerlich einige Schritte auf das Brückendeck zu.



Lowanger


Es wird sich wohl zeigen, ob der Smutje beizeiten fertig wird. Das Essen stand ja auch nicht immer pünktlich auf dem Tisch. Und vielleicht ist es auch wirklich besser so, denn wer nur halbherzig auf Reisen geht, weil er im Grunde doch lieber daheim verweilt, der sollte sich doch besser rechtzeitig seinen Fehler eingestehen, bevor er zu guter Letzt im im fernen Südmeer strandet - und es keinen Weg zurück gibt.

Doch das soll nicht meine Sorge sein, befindet Lowanger, und schiebt damit diese Gedanken endgültig zur Seite. Zügigen Schrittes steigt er die Treppe zum Oberdeck empor.

Ole ist also auch bei der Arbeit, nun gut, inzwischen ist auch wirklich der Zeitpunkt für eine Ausbesserung der kaputten Reling gekommen. Und wer sonst könnte die besser instandsetzen, als der Schadensverursacher selbst.

Ohne sich groß aufzuhalten, geht Lowanger weiter auf das Brückendeck. Dort angekommen nickt er dem Kapitän und seiner ersten Offizierin kurz und zackig zu, bevor er sich zu ihnen gesellt.

"Der Koch ist schon am packen...," erwähnt er vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen. Doch auch Fiana dürfte eigentlich inzwischen mitbekommen haben, daß der Smutje die NORDSTERN verlassen wird - und falls nicht, dann wird es wohl immer noch reichen, wenn sie es jetzt hiermit erfährt.

"Es ist langsam an der Zeit, daß die Bootsfrau aufbricht. Mitten in der Nacht werden gewiß keine Matrosen mehr anheuern. Wollen wir hoffen, daß sie ein paar tüchtige Männer findet - oder wenigstens einen Koch."



Lowangers zackiger Auftritt reißt den Kapitän fast ein wenig aus seinen Gedanken, aber er braucht nur wenige Augenblicke, um sich voll auf das zu konzentrieren, was der dritte Offizier - der dritte? Nun ja... *noch* ... da sagt.

Zu dem Koch sagt er weiter nichts, wozu auch, dazu sind alle Worte gesagt, die es zu sagen lohnt, doch mit dem anderen hat Lowanger natürlich recht.

"Da habt Ihr recht", entgegnet er. "Gerade einen Koch MUß sie finden, denn sonst stünde uns eine ziemlich böse Zeit bevor."

So, wie er das sagt, mag man fast denken, daß er dennoch auch ohne Koch auslaufen würde, falls keiner so rasch gefunden werden kann.

"Tüchtige Matrosen... da mache ich mir eher weniger Gedanken, einige suchen ja immer nach einer Heuer. Wie gut sie freilich sind... das wird die Zukunft zeigen."

Er wirft einen kurzen Blick über die Reling zur Stadt hinüber.

"Ja, sagt der Bootsfrau, daß sie losgehen soll. Und unbedingt einen Koch besorgen soll!"

Der letzte Satz klingt fast so, als ginge es um einen zu tätigenden Einkauf, doch das Grinsen im Gesicht des Kapitäns verrät, wie er das meint.


"Ich hoffe sie findet einen!" meint Fiana zu Jergan auf dessen Anweisung an Lowanger. "Oder würdest du ohne weitersegeln?"



Fiana bekommt, da Jergans Aufmerksamkeit im Moment Lowanger gilt, eher beiläufig die Antwort:

"Äußerst ungern, aber wenn es wirklich sein muß, an auch das. Sehr lange möchte ich hier jedenfalls nicht bleiben müssen."

Er sieht dabei jedoch immer noch Lowanger an.



Traumauge im Spiel


Könnte der kleine Kater reden, so würde er wohl vor Freude losbrüllen, wilde Laute hört man von ihm, während er todesmutig den Kampf mit der Schnur fortsetzt. Seinen wohlwollenden Gönner Ole oder gar den hünenhaften Thorwaler bemerkt er nicht mehr.

Die Schnur wird zum gräßlichen Lindwurm, den es zu töten gilt, doch da, er beißt ihn ins rechte Hinterbein, oder besser gesagt Traumauge verwurschtelt sich mit der rechten Hinterpfote in der Schnur.

Diese dreiste Attacke muß bestraft werden, und so beißt der kleine Kater mit all seiner Kraft und seinen spitzen Zähnen in den Hals des Untiers und bekommt es schließlich zu fassen Blitzartig springt er auf, zieht mit aller Kraft an der Schnur und bekommt sie auch vom Bein gelöst.

Geschwind wie ein Firunswind hüpft und springt Traumauge über das Oberdeck, die Beute immer gut festhaltend.



Traumauge ist wie außer Rand und Band. Mit ungebremster Energie springt er an den Mast, auf dessen Spitze auch der Ausguck thront. Zwei, drei Schritt robbt er sich mit seinen spitzen Krallen das Holz empor, bevor er dann davon abläßt und wieder nach unten springt. Dort angekommen stolziert er langsam und offensichtlich stolz mit der Schnur, seiner Beute, im Mäulchen Richtung Rotze, welche er darauf auch gleich in Besitz nimmt. Stolz steht er darauf und präsentiert für jeden sichtbar seine 'gefährliche' Beute.

Wer genau hinschaut und von Anfang an dabei war, der bemerkt das der kleine Kerl fast einen Finger gewachsen ist.



Traumauge gefällt sich offensichtlich darin seine Beute zu präsentieren. So geht er immer wieder auf und ab auf der Rotze und harrt auf bewundernde Blicke



Wasuren will abmelden


Wasuren schnalzt bei ALRIKS Erwähnung mit der Zunge.

'Ja sicher, wir müssen uns ja abmelden. Na dann woll wir mal sehen!'

Dann schlendert sein Blick auf der Suche nach Nirka oder einem anderen Ranghöheren über das Oberdeck.

"Ok werde ich machen, wir treffen uns dann an der Planke!" ruft er den anderen beiden noch hinter her.

Dann macht auch Wasuren sich auf den Weg und steuert schnurstracks auf Nirka zu.

'Hm sie schein gerade in ein Gespräch vertieft zu sein, also werde ich aufpassen müssen.'

Wasuren verlangsamt seine Schritte und halt erstmal Höflichkeitsabstand, bis Nirka ihn wahrnimmt.



Um die ganze Sache ein wneig zu beschleunigen räuspert sich Wasuren zwei mal kurz und dann etwas länger. Zögernd spricht er Nirka an :

"Ähm Nirka ich wollte Xenia, ALRIK und mich zum Landgang abmelden. Wir sind dann zur Abenddämmerung wieder auf dem Schiff! "

Wasuren merkt das er wohl irgendwie stört und wird ein wenig hektischer.

'So jetzt nur noch ein OK und schon bin ich wieder weg.'

Dann zieht er sich auf eine Antwort wartend zwei Schritte zurück.



Xenia wartet


Ungeduldig tritt die Matrosin von einem Bein auf's andere und blickt mit fragender Miene zu Warusen hinüber.

'Was tut der da so lange - er soll uns doch bloß abmelden... Und Alrik hat sich auch mal wieder verdünnisiert.'

Nicht, daß sie es besonders eilig hätte, aber hier einfach nur herumzustehen ist ihr auf Dauer zu langweilig.



Hjaldar und der Kapitän


Der Kapitän läßt sich auch durch das Auftreten des Thorwalers, der bei der Rettungsaktion dabei gewesen ist, nicht aus dem noch unvollendeten Gespräch mit Lowanger reißen, sondern erwidert dessen Gruß mit einem knappen

"Efferd zum Gruße!"

und einer Kopfbewegung, die bedeuten könnte, daß der andere einfach warten soll, bis er mit seinem Gespräch fertig ist.



Ausbesserungen


Einen netten Schwatz hinter sich und einen guten Schluck in Aussicht, das kann Ole bei seiner Arbeit schon recht beflügeln. Er hat Hjaldar bis zum Brückenaufgang begleitet und wirft sich nun geradezu über seine Arbeit, auf daß er ja zeitig fertig werde.

Die einzelnen Latten muß Ole ohnehin erst zuschneiden, aber die Reste der zerschmetterten Latten, die noch aus dem Trägerholz ragen und dabei aussehen wie Zahnstummeln im Maul eines uralten Ork-Schamanen, kann er ja einstweilen entfernen. Und wie ein Zahnreißer rupft er das Holz aus den Bohrungen, ohne die Zange, die er eigentlich gerade dafür bereitsgestellt hatte anzurühren, mit seinen bloßen Händen. Und es scheint ihm auch noch Spaß zu machen.

Der kleine Schiffskater ist zwar mit den Kordeln, die der alte Zimmermann zum Abmessen verwendet hat, auf und davon gezogen, aber Ole hat die Maße noch gut im Kopf und so läßt er dem Tierchen sein 'Spielzeug'. Die Latten haben Zeit .....

Einen Handlauf, fast passend, hat er im Lagerraum gefunden. Ein bißchen schleifen mußte er das Teil und ein bißchen kürzen auch noch, aber dann hatte Ole ein gutes Stück Holz, das den heraus gebrochen Handlauf der Brückenreling hervorragend ersetzen könnte. Ole vermutet, daß das Holzstück einst sogar dafür gedacht war und für Ausbesserungsarbeiten hier an Bord zurückgelassen worden war. Wie dem auch sei, Ole ist froh und dankbar dafür. Das Einpassen neuer Teile ist doch immer eine heikle Angelegenheit, es soll ja hernach nicht wie 'Flickwerk' aussehen.



Das Schleifen der langen Latte und das Polieren ihrer Oberfläche ist ihm ganz gut gelungen, Ole ist zufrieden. Er kann den Handlauf gut in die Lücke spreizen. Fast würde es von selbst halten, ein bißchen Leim nur und ein paar Spreizhölzer und fertig!

Aber Ole hat noch nie 'halbe Arbeit' abgeliefert, so will er dies auch heute nicht tun. Er bohrt an dem verbliebenen Handlauf der Brückenreling Löcher in die Stirnseite, um dort Verbindungsstücke rein zu hämmern. Dann stemmt er Aussparungen an die Unterseite des Einsatzteils, groß genug, daß die Verbindungsstücke einrasten können.

Nun paßt er den neuen Handlauf ein. Auf eine Verleimung verzichtet Ole vorerst, auch auf ein Vernageln, denn immerhin müssen noch die Latten eingefügt werden und das geht erheblich leichter, wenn der Handlauf noch nicht fixiert ist. Doch für den Moment, solange wenigstens, bis die Latten fertig gestellt sein würden, mag dies vorübergehend genügen.

Das neue Teil ist nur ein wenig heller als der alte Handlauf, sonst aber ist nicht mehr zu erkennen, daß dort so viel ausgebessert werden mußte. Sollten die Fertigung der Latten ebenso gut gelingen, dann sähe das Brückendeck schöner aus als vorher, findet zumindest Ole. Aber vielleicht kann der Schiffszimmermann in der Betrachtung dieser speziellen Sache nicht so ganz sachlich wie sonst urteilen.



Das Harz hat Ole bereits aufgeräumt, er würde das Zeug heute wohl nicht mehr brauchen. Nun sortiert er die Latten. Die kürzeren davon räumt er auch weg, die längeren behält er an Deck. Auch alle Werkzeuge, die er nicht mehr benötigt werden, werden nun wieder ins Lager gebracht.

Die Säge, die Stemmeisen und die Feilen allerdings bleiben bei Ole. Mit einem scharfen Messer markiert Ole die Schnittkanten, er macht das nach Augenmaß, denn die Kordeln, mit denen der Schiffszimmermann abgemessen hatte, sind, zusammen mit dem jungen Kater, unterwegs irgendwo auf dem Schiff.

Schnell ist die Latte mit der Säge auf Länge gebracht. Danach rundet Ole die Kanten, solange, bis auch die Breite paßt und setzt die Latte anschließen in einer der Ausbohrungen. Die Tiefe der Latte ist ein klein wenig zu hoch, deshalb muß Ole die Latte einklopfen. Das hält ein bißchen auf, dafür sitzt die Latte nun fast fugenlos, aufrecht und sehr fest.

Zufrieden stellt Ole fest, daß die Länge auf das Quentchen genau sitzt. Dann zieht er die Latte wieder aus ihrer Halterung und nimmt sie danach als Vorlage für alle weiteren Latten. So hat er, schon nach kurzer Zeit, eine schöne Menge dieser Teile gefertigt.

Nun bringt Ole die Latten an, auf dem Querbalken, der das Ende des Brückendecks bugwärts begrenzt. Diesmal verleimt er alles gleich und schlägt zur Stabilisierung ein paar Nägel ein und schon bald stehen die Latten. Sie sehen aus wie ein, auf dem Rücken liegendes Gerippe, solange der Handlauf noch nicht fixiert ist.

Jede Latte erhält oben noch eine kleine Aufbohrung für ein Verbindungsholz hin zur Querverstrebung, dann kommt der feierliche Moment, da der Handlauf aufgesetzt wird. Ole hat Glück, nur ein einziges Mal hat er sich ein wenig verschätzt und muß deshalb nachbohren. Da diese Stelle unterhalb des Handlaufs ist, fällt sie kaum auf.



Ole brummt zufrieden. Die Konstruktion paßt und ist auch stark genug mindestens ein Dutzend Orkane zu überstehen. Eigentlich hätte er sein Werk nun beenden können, doch der alte Schiffszimmermann legt sehr viel Wert auf die Güte seiner Arbeit. Das Holz dürfte zwar schon gegen Licht, Ungezieferbefall und, nicht zuletzt, gegen Feuchtigkeit und Nässe behandelt sein, doch Ole will sicher gehen.

Er verwendet dabei eine bestimmt Tinktur, bestehend aus den abenteuerlichsten Stoffen, so unter anderem aus einer ätzenden Beize und reichlich Ochsenblut. Ole schwört auf dieses Rezept. Er behauptet immer, er läßt sich da auf keinerlei Mittelwege ein, damit würde Holz haltbarer werden als Stein.

In der Tat hat Ole schon Holzkonstruktionen gesehen, die, so behandelt, auch nach etlichen Generationen noch keine Anzeichen von Schwäche zeigten, wenn ähnlich alte Steinbauwerke schon deutliche Spuren des Verfalls aufweisen mußten.

Und so streicht der Schiffszimmermann die neue Reling vergnügt mit seinem 'Wundermittel' ein und nimmt dabei gerne in Kauf, daß es bald schon rings umher so stinkt, als hätte sich die Kloaken Selems geöffnet. Der frische Seewind würde den Gestank schon bald vertreiben, so hofft Ole wenigstens.



Lowanger


Gedankenverloren beobachtet Lowanger wie der kleine Kauz, dieser dienstbeflissene Diener der Dame von Beibach und Bruch das Schiff verläßt. Fast erscheint es so, als würde er mit jeden Schritt, den er zwischen sich und der Nordstern, bzw. seiner Herrin auf der Nordstern bringt, etwas Größe und Selbstachtung zulegen - wenigstens in den bescheidenen Grenzen, die ihm gesteckt sind.

Aber es sind nicht nur die Dame von Beibach und Bruch und die anderen Passagiere, die einer angemessenen Verpflegung bedürfen - auch der Mannschaft steht neben der üblichen Heuer natürlich eine entsprechende Kost zu. Und welcher Matrose würde allen ernstes auf einem Schiff anheuern, auf dem der Smutje fehlt?

"Natürlich. Ein Koch ist unverzichtbar", bestätigt dann auch Lowanger, womit es ihm vollkommen ernst ist. Auch das Grinsen das Kapitäns mag Lowanger nicht so recht erwidern.

"Da sollten wir nicht an der falschen Stelle geizen."

Ein knappes Nicken hat der dritte Offizier noch für die anderen Anwesenden auf der Brücke übrig, wobei es jedoch hauptsächlich als als Bestätigung des Auftrags an Jergan gerichtet ist. Noch während der Offizier die Treppe zum Oberdeck hinabsteigt, ruft er die Bootsfrau herbei:

"Nirka!"


Nirka


Nirka läßt langsam, fast widerwillig, Sigruns Hand los, als Wasuren sie anspricht, obwohl er doch merken muß, daß sie gerade in ein Gespräch vertieft ist... oder zumindest etwas ähnliches wie ein Gespräch - etwas, das ihr mehr bedeutet als oberflächliches Geplauder.

Sie holt tief Luft, und will ihm gerade eine Antwort geben, als sie Lowanger ihren Namen rufen hört. Fast erleichtert - denn Wasurens Ansprechen hat sie bis kurz vor den Punkt getrieben, dem Matrosen eine harte Antwort zu geben - stößt sie die Luft wieder aus, ehe sie sich umdreht und ein lautes

"Ja!"

über das Deck ruft. Dann wendet sie sich noch einmal ganz kurz Sigrun zu, der sie ein entschuldigendes Lächeln schenkt, und geht dem die Treppe hinabsteigenden dritten Offizier entgegen.



Lowanger steigt noch die letzten Stufen bis zum Oberdeck hinab und bleibt dann am Fuße der Treppe stehen und wartet, bis Nirka bei ihm ankommt.

"Nirka, wir haben es vorhin ja schon einmal kurz besprochen," erinnert er die Bootsfrau an die derzeitigen Probleme, die sich aus der aktuellen Mannschaftsstärke ergeben.

"Und jetzt ist es langsam an der Zeit, daß du dich auf den Weg begibst, um neue Seeleute anzuwerben. Wichtig ist vor allem ein guter Smutje, damit uns unsere Leute nicht noch vom Fleisch fallen."

Nach einem kurzen Moment der Überlegung fügt Lowanger noch hinzu:

"Aber sieh' mal zu, daß das nicht wieder so ein Jungspund ist, wie der letzte. Zur Not lassen wir ihn uns auch ein Silber mehr kosten, wenn er's denn wert ist."

Über Nirkas Schulter hinweg, läßt der dritte Offizier seinen Blick über das Oberdeck schweifen. Nicht nur die Passagiere befinden sich offensichtlich in Aufbruchsstimmung - auch in Matrosenkreisen scheint man einem Landgang nicht abgeneigt zu sein.

"Den Matrosen kannst du nach eigenem Ermessen gerne frei geben. Aber sorge dafür, daß wenigstens ein paar von ihnen an Bord bleiben. In der Kabine des Smutjes müßte noch jemand für Ordnung sorgen, bevor wir sie neu belegen."



Die Bootsfrau nickt, als Lowanger sie an das kurze Gespräch erinnert, das stattgefunden hat, als Jergan und Fiana das Schiff noch nicht wieder betreten hatten, und als sie beide - dritter Offizier und Bootsfrau - die einzigen der Schiffsführung waren, die an Bord der NORDSTERN waren.

"Das wird so geschehen, wie Ihr es sagt. Und ich werde mir, wie wir es besprochen haben, noch einen Matrosen nehmen, und mich auf den Weg machen. Ich hoffe, daß ich einen Koch finde, der es länger bei uns aushält als der letzte... oder, naja... einen, den WIR länger aushalten."

Sie grinst kurz, doch das wirkt fast aufgesetzt, denn die Ereignisse des Tages beschäftigen sie immer noch sehr - fast zu sehr.

So wirft sie - fast losgehbereit - dem dritten Offizier einen dankbaren Blick zu, und bleibt nur noch kurz stehen, um zu sehen, ob er noch etwas auf ihre Worte sagen möchte, denn schließlich ist er der Ranghöhere.

In Gedanken beschließt sie derweil schon, wer die Kabine des Koches reinigen wird, und wen sie mitnimmt. Für die zweite Aufgabe fällt ihr sofort Sigrun ein, doch dann bremst sie sich, denn so gerne sie mit der Matrosin zusammen wäre, so sehr ist das schlecht für diese Mission. Und so fällt ihre vorerst nur in ihren Gedanken existierende Auswahl auf den Matrosen Trolske, einen recht ruhigen und schon älteren Mann, der gerade damit beschäftigt ist, eine Umlenkrolle des Falls der Fock zu schmieren.



"Ist gut. Viel Erfolg dann also!" wünscht Lowanger der Bootsfrau. Dann wendet er sich ab und schickt sich an wieder auf das Brückendeck zurück zu kehren. Aus den Augenwinkeln heraus nimmt er wahr, daß der Schiffsmagus sich wieder an Bord eingefunden hat. Mit ihm würde er auch noch reden müssen, aber das kann auch durchaus noch später erledigt werden.



Hjaldar und Jergan


Jergan, kaum beeindruckt durch die anderen Störungen, wendet sich noch einmal seinem - noch - dritten Offizier zu, und sagt:

"Da habt Ihr recht - ein Koch ist wirklich unverzichtbar."

Er erwidert Lowangers Nicken, auch wenn es nicht gerade ihm gilt, und sieht dem auf das Deck hinuntergehenden Offizier dann noch kurz hinterher, ehe er sich dem Thorwaler zuwendet, der hinzugetreten ist.

"Ahoi auch Euch!" erwidert er dessen Gruß nun mit voller Aufmerksamkeit. Eigentlich hätte er den Mann ja gerne mit Namen angesprochen, aber er kann sich daran beim besten Willen nicht mehr erinnern, zu kurz war die Vorstellung im "Gästezimmer" des Hafenamtes, und zu wichtig die anderen Dinge, die er da im Kopf hatte, und die besprochen werden mußten.



Auf das kurze Grußnicken des Kapitäns hin, wartet Hjaldar tatsächlich, bis sich dieser ihm zuwendet - auch ohne etwas von 'Etikette' gehört zu haben ... einem Käpt'n fällt man nicht ins Wort, das ist klar.

Aber in diesen wenigen Sekunden kommt ihm eine plötzliche Idee

'Ob ich vielleicht umsonst mitsegeln kann? ... naja, versuchen kann ich's ja mal...'

Als Jergan ihn dann begrüßt, hält er ihm die ausgestreckte Rechte hin und redet einfach los.

"Grüß Dich Jergan. Ihr segelt doch die Küste runter, oder? Hast Du vielleicht noch 'ne Koje für mich bis Havena oder so? Sozusagen als kleines Dankschön, dafür daß ich Dich mit da raus gehauen hab?"

Dem offenen und freundlichen Lächeln des Thorwaler's nach zu schließen, scheint dies tatsächlich nur mehr eine einfache Frage zu sein und keinesfalls den Charakter einer Einforderung zu haben.



Die lockere Art des Thorwalers erinnert den Kapitän sofort wieder an Garik, durch den er ihn kennengelernt hat... und nun auch wieder an den Namen: Hjaldar.

Ein kurzes Grinsen huscht über seine Gesichtszüge, ausgelöst durch das Lächeln des anderen, und dann entscheidet er sich rasch:

Er schlägt ein und läßt den Thorwaler seinen festen Händedruck spüren, während er mit fester Stimme sagt:

"Klar, abgemacht! Sei willkommen an Bord der NORDSTERN, Hjaldar!"

Auf die Details der Frage geht er erst einmal nicht weiter ein - eine solch offene Frage verdient eine offene und unkomplizierte Antwort.



"Danke Käptn." erwidert Hjaldar, ebenfalls mit festem Händedruck. "Ich brauch auch nur 'ne einfache Koje und 'n Platz für mein Zeug."

Er deutet auf den Lederrucksack, der noch auf dem Oberdeck, in der Nähe der Planke steht.

"Und wenn Not am Mann ist, kann ich auch mal mit anpacken" scheinbar nachdenklich kratzt er sich mit der Rechten am Hinterkopf.

"Ist zwar schon lang her, daß ich auf 'nem Drachen unterwegs war," sein Lächeln weitet sich zu einem breiten Grinsen "aber wenn Ihr 'Lohnende Beute backbord voraus' brüllt, versteh ich schon was ihr meint."



Jergan lacht nicht gerade leise los.

"Keine Sorge, DAS wird nicht passieren. Das hier ist ein harmloses kleines Handelsschiff. Aber..."

Er muß etwas warten, um wieder ernster zu werden...

"... eine Koje könnt Ihr gerne haben - in unserer kleinen Gemeinschaftskabine, wenn Euch das genügt. Platz ist dort genug. Und... auf euer anderes Angebot mit dem Anpacken kommen wir vielleicht wirklich zurück - zwar nicht, um Beute zu jagen..."

Beim letzten Satz grinst der Kapitän schon wieder, als wolle er sagen, daß er damit nicht wirklich rechnet.



"Wie gesagt, wenn Not am Mann ist, kein Problem. Bin ja kein verweichlichter Salzarelenfänger, woll ja!"

"Ich laß mir dann von Ole den Kahn mal zeigen." ergänzt er, nickt den Kapitän noch einmal zu und wendet sich dann auch schon wieder zum Gehen ab, wobei sein Blick nur kurz auf den neu hinzugetretenen Robenträger fällt, er diesem aber trotzdem ein freundliches Nicken zum Gruße widmet.



Aleara


'Was war denn das?'

Urplötzlich findet Aleara in die Realität zurück. Einen Moment lang hatte sie regungslos auf den hölzernen Planken verharrt. Nun zuckt sie zusammen und besinnt sich auf ihr eigentliches Anliegen. Was war das doch gleich? Irgendwas wollte sie vom Kapitän, nur was? Nach einem Zögern macht sie einige weitere Schritte zum Brückendeck hin, auf dem Jergan den Thorwaler begrüßt.



Sylvhar


Nach kurzer Kletterei, die wohl jeden Matrosen ein bißchen in Bewunderung und Neid versetzt, erreicht Sylvhar die runde Holzplattform - von den Menschen Ausguck genannt. Und sie haben auch recht; von hier oben aus hat man eine herrliche Aussicht. Auf die Menschenstadt - naja ob DIE Aussicht herrlich ist, darüber läßt sich streiten - auf das Meer bis zum Horizont und auf den Himmel, verziert mit ein paar Wolken und den vielen Möwen. Seinen Blick weiterhin in den Himmel gerichtet sitzt er auf das Brett, das als Ausguck dient. Er lehnt sich an den Mast und läßt seine Füße herunter baumeln.

Die Ereignisse der letzten Zeit kommen ihm noch einmal in den Sinn. Die Menschen sind schon seltsame Wesen - die alten Lieder und Geschichten sind wahr, das kann er jetzt aus eigenen Erfahrungen bestätigen. Wie sie unterschiedlich auf ihn reagieren! Ja sicher, es gibt auch welche, die ihm gegenüber freundlich sind, einige aber gar nicht und viele gehen ihm aus dem Weg, so als ob sie Angst hätten oder sich in seiner Nähe unwohl fühlten. In seinem Volk ist das nicht so. Unter all den Fey, die er kennt, gibt es schon Unterschiede, was das betrifft - ja wie wäre die Welt öde und langweilig wenn das nicht so wäre - aber nie in solchem Ausmaß.

Er seuftzt. Dann blickt er hinunter aufs Deck. Die Menschen, die jetzt noch hier sind, mit denen läßt es sich eigentlich auch leben. Und zudem möchte er ja in das Land, wo die Gräser einen über den Kopf wachsen, und dazu scheint dieses Schiff die beste Möglichkeit zu sein. Ja, er will mit diesen Menschen in dieses Land segeln.

Mal sehen, vielleicht kann er ihnen auch irgendwie besser helfen. Er blickt wieder in den Himmel und den Möwen nach.



Alrik bereit .....


Nur kurz verschwindet ALRIK unter Deck. Es dauert gar nicht lange, da ist er auch schon zurück. So wie es scheint, ist Wasuren noch gar nicht so recht zum Nachfragen gekommen. Oder hat er sich vielleicht einfach nicht getraut, die Bootsfrau zu unterbrechen? Oder hat Nirka gar schlechte Laune?

Sei's drum. Es wird jedenfalls nicht verkehrt sein, unauffällig einen etwas größeren Bogen um Wasuren, Sigrun und Nirka zu machen und derweil schon mal nach Xenia Ausschau zu halten.



Wasuren wird unsicher


Wasuren weiß nicht so recht, ob Nirka ihn nun gemeint hatte oder nicht. Aber da von ihr nichts weiter zu hören ist, wird somit wohl alles geregelt sein.

Und mit gemischten Gefühlen und Unsicherheit Nirkas Reaktion gegenüber sieht Wasuren zu, daß er schnell zur Reling kommt. Seine zwei netten Begleiter erfaßt er mit auffordernden Blick und marschiert schnell auf sie zu.

"Kommt, laßt uns gehen, bevor wir Nirka noch im Weg rum stehen, wenn sie das Schiff verlassen will." sagt er zu Xenia und ALRIK, die an der Reling warten. Dann nickt er mit dem Kopf zum Land und betritt die Planke.



Etwas zweifelnd blickt Xenia zu Nirka hinüber und dann zu Wasuren.

"Wie lange dürfen wir bleiben?" fragt sie dann an Wasuren gewandt, während sie noch etwas zögernd die Planke betritt. In ihrere Stimme schwingt ein wenig Sorge mit. Auf gar keinen Fall möchte sie gegen irgendwelche Order verstoßen.

'Hoffentlich hat das alles seine Richtigkeit. Wir haben zwar wohl noch etwas gut dafür, daß wir Jergan rausgeholfen haben, aber besonders freundlich sah Nirka nicht aus...'



Nirka's späte Reaktion


Nirka dreht sich wieder um, um, wie sie sich es gedacht hat, Wasuren nun zu antworten. Doch... dieser ist schon halb auf dem Weg an Land!

Und... noch schlimmer, auch Alrik ist ihm dicht auf den Fersen. Wie kann Wasuren DAS wagen? Sie hat ihm nicht erlaubt, zu gehen, hat ihm nur zu verstehen gegeben, daß sie gleich für ihn Zeit haben wird...

Sie zögert nicht lange, sondern bleibt sofort wieder stehen, und stemmt die Hände in die Hüften.

"WASUREN, ALRIK! HALT!"

Lautstark donnert ihre Stimme über das Oberdeck, und auch an Land drehen sich einige Leute kurz um - um dann kopfschüttelnd weiterzugehen.

In Nirka brodelt es, und fast ist sie gewillt, das an Wasuren auszulassen, der es ja im Grunde auch verdient hat. Doch da ist noch die Anweisung Lowangers, und vor allem deren letzter Teil. Im Grunde könnte sie Wasuren damit beauftragen... aber andererseits... er hatte für sich, Xenia und Alrik nachgefragt - und anscheinend ihre, Nirkas, Antwort mißverstanden.

Während sie darauf wartet, daß die beiden zurück kommen, reift der Plan zu Ende: Xenia und Wasuren, die ja neben Sigrun und Ole die einzigen Matrosen bei der Rettungsaktion in Thorwal waren, haben diesen Landgang redlich verdient...

Nirka sieht Wasuren streng an, als dieser zu ihr kommt.



ALRIK wird ärgerlich


Nirkas lauter Ruf schallt über das Deck und die Vorfreude auf einen fröhlichen Abend löst sich damit unvermittelt in Schall und Rauch auf. Das war's dann wohl. Mit leichter Verärgerung trottet ALRIK hinter Wasuren her. So bekommt er auch laut und vernehmlich mit, daß Nirka offensichtlich ihre Erlaubnis noch gar nicht erteilt hatte. Weitere störrische Blicke ALRIKS bleiben vor Nirka glücklicherweise unentdeckt, da Wasurens breiter Rücken gute Tarnung bietet.

'Was ist denn nun schon wieder schief gegangen... muß man denn alles selber machen.'

ALRIK schmollt. Und das, obwohl er es besser wissen müßte, denn daß sich mit derlei Verhalten bei Nirka nichts erreichen läßt, ist offenkundig. So bleibt er weiterhin 'in Deckung' hinter Wasuren stehen und hofft, daß die Angelegenheit einigermaßen glimpflich verläuft.



Xenia ungeduldig


Alarmiert fliegt auch Xenias Kopf herum, als sie Nirkas Stimme hört, und sie bleibt stocksteif stehen. Verwirrt sieht sie Wasuern an.

'Jetzt bekommen wir garantiert großen Ärger...'

Sie dreht sich vollends um und ist mit zwei Schritten wieder an Bord. Ein leises Seufzen entfährt ihr.

'Nichts darf man! Ich hätte besser selbst fragen sollen - wer weiß, was Wasuren genau gefragt hat.'



Auch Xenia folgt Wasuren und Alrik zögernd. Na toll, das hat Wasuren ja prima hingekriegt! Jetzt können sie sich den Landgang wohl alle sonstwohin schmieren. Mit saurer Miene bleibt Xenia neben Alrik stehen.

"Das hat man davon, wenn man ihn etwas tun läßt anstatt es selbst zu machen." zischt sie Alrik

möglichst leise zu, während sie mit einem Kopfnicken auf Wasuren zeigt.



Erschrockender Wasuren


Ein Mark erschütternder Ruf schallt über das Deck der Nordstern und es ist Wasurens Name, der da von einer nicht gerade freundlich klingenden Nirka geschrien wird.

Abrupt bleibt Wasuren stehen. Seine Glieder sind stocksteif als würde er auf einen Befehl hin 'still stehen'. Langsam dreht er sich um und sucht die Stelle auf dem Deck wo Nirka vorhin noch stand.

Sein Blick erfaßt eine aufgebrachte Nirka, die erbost ihre Arme in die Hüften gestemmt hat. Wasurens Gesichtszüge zeigen deutlich wie verblüfft er ist. Er scheint es gerade noch zu schaffen das ihm nicht die Kinnlade herunter fällt.

'Was ist denn nun los? Warum sollen wir denn anhalten? Nirka hat mir doch eben ihr OK zum Landgang gegeben.'

Total verdutzt geht Wasuren wieder die paar Schritte von der Planke zurück auf die Nordstern, wo bei er sehr darauf aufpaßt Alrik nicht, aus Versehen, von der Planke zu schubsen. Dann ziehen seine Matrosenmanieren wieder und er hastet zu Nirka, nimmt Haltung an und meldet mit voller neutraler Stimme :

"Sie haben gerufen Bootsfrau, Nirka"



"Ich kann mich nicht entsinnen, auf deine Frage in irgend einer Weise geantwortet zu haben, Wasuren."

Sie ist dabei um einen ruhigen Ton bemüht, man merkt ihrer Stimme aber an, daß sie absolut keine Lust hat, sich jetzt auch noch mit nicht gehorchenden Matrosen abzugeben.



Etwas zögerlich antwortet Wasuren Nirka :

"Aber als ich darum bat an Land, mit den anderen an Land gehen zu dürfen antworteten sie doch deutlich mit einem 'Ja' !!"

Verdutzt sieht er Nirka an. Ich habe doch extra so lange gewartet bis ihr mir geantwortet habt. Wasuren ist sich keiner Schuld bewußt. Aber dennoch ist er sehr vorsichtig, denn diese Sache könnte für ihn im schlechtesten Fall böse enden.



Die Bootsfrau registriert nur nebenbei, daß auch Alrik und Xenia, die anderen beiden, für die Wasuren nachgefragt hat, ihrer Aufforderung nachgekommen sind.

Dann bleibt ihr Blick an Wasuren hängen, und mißtrauisch lauscht sie seinen Erklärungen.

"Ich..."

Sie bricht ab, und überlegt kurz... bis ihr klar wird, daß er sie aus dem Gespräch mit Sigrun riß, im gleichen Moment aber Lowanger rief, dem sie im Gegensatz zu Wasuren natürlich eine Antwort geben mußte. Und die war...

'Ja'. Ein leichtes Grinsen huscht über ihr Gesicht, das auch so etwas wie Erleichterung ausdrückt, denn nach den vergangenen Tagen würde es sie sehr belasten, wenn es schon wieder Spannungen in der Mannschaft geben würde.

"Nein... da hast du mich falsch verstanden! Ich habe lediglich auf den Ruf des dritten Offiziers geantwortet, nicht dir. Aber... du hast ja vielleicht mitgehört, was er gesagt hat. Xenia und du - ihr könnt gerne an Land gehen, wenn ihr spätestens zum Sonnenuntergang wieder hier seid."

Nun tritt sie ein kleines Stück zur Seite, so daß sie auch den sich versteckenden Alrik sieht.

"Und Alrik kann dann auch an Land gehen... wenn er die Kabine des Kochs saubergemacht hat - die soll der neue Koch nämlich ordentlich vorfinden!"

Die Worte sind laut genug gesprochen, daß sie auch von Xenia und Alrik gehört werden können.



ALRIK hat's erwischt


ALRIKS Miene verdüstert sich. Genau das hat noch gefehlt. Alle anderen dürfen wieder gehen, nur er muß wieder auf dem Schiff hocken bleiben. Na, wunderbar! Bestens! Leise grummelt der Schiffsjunge vor sich hin. Als die anderen an Land waren, um Jergan aus dieser Sache heraus zu hauen, da wurde er mit ein paar herablassenden Worten zum Segelflicken abkommandiert. Eine Tätigkeit, die er weder leiden kann, noch beherrscht - und jetzt wieder so etwas. Die anderen dürfen an Land und sich amüsieren und er muß statt dessen hier putzen gehen. Bis die Dreckhölle aufgeräumt ist, da ist es bestimmt schon nach Mitternacht und dann ist es eh schon zu spät. Es ist einfach ungerecht!

"Ja, Nirka. Vielen Dank auch."



Xenia erleichtert


Erleichterung malt sich im Gesicht der Matrosin, als Nirka ihre Erlaubnis zum Landgang erteilt, aber sie wirft Alrik einen mitleidigen Blick zu. Dann hellt sich ihr Gesicht auf.

"Ist denn viel zu tun in der Küche? Vielleicht geht es ganz schnell, wenn Wasuren und ich dir helfen, und dann könnten wir alle gemeinsam an Land gehen." sprudelt sie aufgeregt hervor und sieht dann fragend zwischen Alrik und Wasuren hin und her.

Doch plötzlich fällt ihr ein, daß sie ja immer noch vor Nirka stehen - au weia! Sie wird etwas blaß, beißt sich auf die Lippen und blickt schuldbewußt zu Boden.

"Äh... verzeiht mir..., ich wollte Euch nicht ins Wort fallen, wirklich nicht..." murmelt sie, indem sie den Blick kurz - aber nur kurz - zu Nirka hebt und dann wieder verlegen zu Boden starrt.

'Das war's dann jetzt! Daß ich auch immer mein Maul nicht halten kann... Nirkas Laune ist auch so schon schlecht genug.'



"Ok Nirka, dann ist ja nun alles klar!" sagt Wasuren zu Nirka und nickt ihr noch ein mal dankend zu.

Leise brummt er genervt zu Xenia :

"Pass auf was du sagst. Oder willst du alles schlimmer machen."

Das mit Alriks Arbeit tut Wasuren irgendwie leid.

'Ach was soll's, gemeinsam sind wir viel schneller damit fertig.'

Wasuren dreht sich um und schiebt ohne großen Kraftaufwand den Schiffsjungen in Richtung des nächsten Abgangs zum Unterdeck. Etwas unwirsch packt er im Vorbeigehen Xenias Unterarm und zieht sie so unsanft, wie er zu einer Matrosin nun mal sein darf, mit sich, bis sie außer Hörweite von Nirka sind. Dann sagt er zu ALRIK :

"Los, wir helfen dir, Alrik"

Und mit einem frechen zu Xenia meint er :

"Nicht wahr, Xenia! Und wenn wir dann an Land sind, kannst du gleich mal ne Runde schmeißen, bin ja nicht taub auf den Ohren."

Freundschaftlich knufft er die Matrosin in die Seite.



Abwartend und unsicher blickt Xenia zwischen Alrik und Nirka hin und her.

'Ob wir dann damit entlassen sind - oder muß ich überhaupt entlassen werden? Schließlich hat sie mich nicht gerufen...'

Schließlich bleibt ihr Blick auf Alrik hängen, und sie beobachtet, was dieser als nächstes tut, ehe sie selbst sich aus ihrer durch Nirka verursachten "Erstarrung" lösen kann.



Dankbar wendet sich ALRIK Xenia und Wasuren zu. Allein die gute Absicht und ihr Willen, ihn nicht allein hier die Drecksarbeit machen zu lassen, stimmt ALRIK wieder versöhnlich. Doch so groß ist die Kabine des Smutjes nun auch wieder nicht. Zu dritt würden sie sich vermutlich mehr auf den Füßen herumstehen und gegenseitig bei der Arbeit behindern, als es an Zeit sparen würde. Und von der Reinigung der Kombüse hatte Nirka zum Glück nichts gesagt. Dann sollte man das auch besser nicht zusätzlich noch erwähnen...

"Ach, ist schon gut. Das wird alles viel zu eng - und sie", ALRIK zeigt heimlich auf Nirka, "sieht das bestimmt auch nicht gern. Besser ich mache das jetzt schnell allein, bevor ich morgen dann zur Strafe 'nen zusätzlichen Küchendienst machen muß."

ALRIK schiebt die beiden anderen auffordernd in Richtung Planke.

"Geht ruhig schon mal vor, wir treffen uns dann später. Äh... wißt ihr schon, wo ihr hingehen wollt? Wo finde ich euch dann?"



Nirka


Die Bootsfrau kommentiert die Bemerkungen, die die Matrosen aneinander, und auch an sie richten, lediglich mit einem Hochziehen der linken Augenbraue. Das einzige, das ihr mehr als das entlockt, ist Alriks "Danke" - da huscht ein kurzes Grinsen über ihre Züge, das aber gleich wieder verschwindet, weil sie gedanklich ganz woanders ist. Ein langer Blick trifft Sigrun, aus dem diese sicher Liebe und Zuneigung - und auch so etwas wie eine Entschuldigung.

"Trolske!" ruft sie dem Matrosen zu, der gerade mit dem Schmieren der Umlenkrolle des Fockfalls fertig geworden ist.

"Ja, Bootsfrau?" kommt sofort die Antwort des älteren Matrosen, der als ziemlich ruhig und bescheiden bekannt ist, was trotz seiner immensen Erfahrungen oft dazu führt, daß man seine Fähigkeiten unterschätzt.

"Mach dich mal bereit - du begleitest mich in Kürze an Land. Wir werden sehen, daß wir ein paar neue Matrosen, und vor allem einen neuen Koch anwerben können."

Die Worte mit dem Koch sagt sie etwas lauter als nötig, was vor allem auch für Lowangers Ohren bestimmt ist. Trolske bestätigt den Befehl mit einem knappen Nicken, und macht sich dann daran, das Werkzeug wegzubringen.



"Ich bin bereit, wie befohlen!"

Mit diesen Worten tritt der Matrose Trolske zu der Bootsfrau, wobei er die kochkabinenreinigungsdiskutierenden Mannschaftsangehörigen weitgehend ignoriert. Er schenkt ihnen gerade so viel Aufmerksamkeit, um sie zu umgehen und nicht über sie zu stolpern.

"Gut, dann gehen wir jetzt", erwidert Nirka, die die Umsetzung ihres letzten Auftrages ebenfalls nicht weiter beachtet. Sie wirft Sigrun einen weiteren Blick des Abschieds zu, und geht dann in Richtung der Planke über das Oberdeck, gefolgt von Trolske.



Sigrun bleibt zurück


Als Nirka und sie so unpassend zunächst von Wasuren und dann von Lowanger unterbrochen werden, ärgert sich Sigrun ein wenig. Doch das ist der Lauf der Dinge und schließlich sind sie nicht zum Faulenzen hier an Bord. Trotzdem hätte sie sich gewünscht, das Gespräch noch etwas fortführen zu können. So erwidert sie nur Nirkas kurzes Lächeln und folgt ihr anschließend mit den Augen.

Leicht amüsiert verfolgt sie die Diskussion zwischen Nirka und Wasuren und ein mitleidiger Blick trifft ALRIK, als er zum Aufräumen der Küche verdonnert wird.

Sigrun selbst kann sich noch nicht so richtig entscheiden, ob sie auch an Land gehen möchte. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die unangenehmen Zwischenfälle, die den ersten Landgang hier in Thorwal erforderlich gemacht haben. Daher entscheidet sie sich, zunächst das weitere Treiben hier an Bord zu beobachten und vielleicht auch eine Wache zu übernehmen, wenn das nötig sein sollte.



Geistige Ruhe


Das Treiben am Hafen und auf Deck nimmt man zwar auch auf dem Ausguck war, aber doch um einiges leiser, weniger störend. Sylvhar genießt diese Ruhe. Noch immer schaut er den Möwen auf ihren Flugbahnen nach. Hier gibt es genügend von diesen Vögeln, um damit eine ganze Sippe längere Zeit zu ernähren. Es ist schon lange her, da er Möwen gegessen hat. Oder ihre Eier. So selten diese Tiere in seiner Heimat in größeren Schwärmen anzutreffen sind, um so unzugänglicher sind ihre Nester. Aber die Menschen haben hier auf ihrem Schiff genügend Nahrungsmittel, so daß eine Jagd auf diese Möwen hier überflüssig und zugleich gerechtfertigt wäre.

Er läßt seinen Blick von den Möwen ab und schaut aufs Deck hinunter, von dem Nirkas laute Stimme zu ihm drang. Aber so genau hört er nicht mehr auf die Diskussion zwischen ihr und Wasuren. Er läßt seinen Blick dann über das ganze Deck schweifen, ohne sich auf irgendein Ziel zu konzentrieren.



Sanft gleiten die Möwen durch die Lüfte, kaum eines Flügelschlages bedarf es um in der Luft zu bleiben. Langsam aber stetig weht der Wind und verschafft ihnen so den Auftrieb, der für lange ausdauernde Flüge notwendig ist.

Eigentlich waren sie ja auf der Suche nach einem Fisch, doch da erweckt eine jener seltsamen Kreaturen ihre Aufmerksamkeit. Eine jener Kreaturen, welche die kleinen Inseln bevölkern. Sie ist nicht, wie sonst, weit unten, nur knapp über dem Wasser, nein dreist sitzt sie auf dem Platz, der sonst nur den Möwen vorbehalten ist.

Neugierig drehen drei der Vögel enge Kreise um Sylvhar, kaum weiter als ein oder zwei Schritt fliegen sie immer wieder an ihm vorbei, begleitet von den für ihre Art typischen schrillen Rufen.



Drei Möwen erregen Sylvhar's Aufmerksamkeit. Es scheinen sehr neugierige Wesen zu sein, diese drei. Sein Blick bleibt an ihnen haften, diesen von Nurdra mit der Gabe des Fliegens beschenkten Tieren. Bewundernd beobachtet er ihre langsamen Gleitflüge.

Da trifft sein Blick die Augen einer Möwe, die sehr nahe um ihn kreist. Er versucht den Blickkontakt so lange wie möglich aufrecht zu halten. Auch das Tier ist sich des Blickes bewußt und erwidert ihn auf seine Art. Langsam wird das Möwenauge immer größer und größer und kommt immer näher. Dann sieht er nicht mehr die Möwe, sondern sich selbst auf dem Ausguck sitzen. Und auch den Rest des Schiffes, die Stadt, den endlosen Ozean und den Himmel. Seine Arme fühlen sich wie Flügel an, auf denen er mit den Möwen um das Schiff gleitet. Er spürt, wie der Wind um ihn streicht und ihn trägt. Er spürt sie; die Freiheit! Die Freiheit einfach in der Luft zu liegen, und doch nicht zu fallen.

Ein Kreischen einer anderen Möwe läßt ihn blinzeln und er findet sich wieder in seinem eigenen Körper wieder, sitzend auf dem Ausguck. Ein Lächeln zieht sich über sein Gesicht. All diese Menschen da unten möchten die Welt beherrschen und denken sie könnten alles. Aber eines können sie nicht; das was jede Möwe täglich kann.



Seltsam. Was war das? Ein seltsames und für die Möwe ungewohntes Gefühl machte sich in ihr breit. Sie kann es nicht beschreiben, auch nicht einordnen. Doch ihre Neugier ist größer als die der beiden anderen, welche wieder weitere Kreise um den Mast ziehen. Sie kommt näher und näher, kreist einige Male um den Mast, in nicht mehr als einem Schritt Radius.

Dann läßt sie sich auf einem Tau nieder, gerade einmal 20 Finger von Sylvhar entfernt. Neugierig blinzelt sie ihn an.



Thorwal, süßes Thorwal


Der kleine, dicke Diener hat seine liebe Mühe damit, den großen Korb mit dem fülligen Inhalt unbeschadet die Straße herunter zu schleppen. Er hat, so findet er wenigstens, sehr gut einkaufen können, die Herrin wird begeistert sein.

Wie die sanfte Berührung einer Dienerin der 'schönen Göttin' streicht ihm der Geruch des Räucherfisches um die Nase, ein Gelegenheitskauf, den er bei einem Fischer, drei Straßen weiter erstehen hatte können - zu einem sehr günstigen Preis. Die Herrin liebt Fisch und sie liebt, vor allen Dingen, günstige Preise! Deshalb hat er auch einige Krüge mit eingelegtem Fisch käuflich erworben, bei einem Händler, mit dem es sich gut feilschen ließ.

Doch auch Wurst und Brot hatte er gekauft und nicht zuletzt diese thorwalschen Zuckerbäckereien, grellbunt gefärbt und so süß, daß es einem den Gaumen bis ins Gedärm hinein verkleben kann. Doch die Herrin schwört auf solche Naschereien, die darüber hinaus ausgezeichnet geeignet sind die Laune der Frau Reckinde anzuheben, sollte sich ihre Stimmung einmal sehr umwölkt haben.

Diese aromatischen Gerüche, die Radisar, eine verführerischen, niederhöllische Verlockung gleich, durch die Nase langsam ins Gehirn dringen und dort das letzte bißchen Vernunft vernebeln, lassen die kleinen, emsigen Diener erkennen, wie hungrig er doch selbst ist. Und er hat es nur unter Aufbietung all seines Pflichtbewußtseins bisher geschafft, nichts von diesen Köstlichkeiten anzurühren.



'Olle Bottel'


Gar voll ist es auf Thorwals Straßen, insbesondere auf der Hauptstrasse, die vom Markt gen Hafen führt, ist vielerlei buntes Volk anzutreffen. Auch so ein paar wenige gute Tavernen und dafür aber um so mehr heruntergekommene Spelunken säumen den Weg zurück zum Meer. Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten und die Abenddämmerung wird gewiß bald herein brechen. Und so gibt es kaum eine Schenke, die nicht einladend geöffnet hat.

Die großgewachsene Thorwalerin lehnt mit dem Rücken an der Hauswand einer Taverne namens 'Olle Bottel'. Die besagte Taverne genießt den Ruf fast ganztägig geöffnet zu haben, aus dem Inneren erschallt bereits lautstark ein lustiges Sauflied der fröhlichen Zecher. Doch über den Humor von Thorwalern läßt dich bekanntlich streiten, und was für den einen wohl lustig erscheint, mag in den empfindlichen Ohren eines anständigen Dieners schlichtweg ordinär klingen.

Weiterhin beobachtet die große, blondgelockte Frau die vorbeiziehenden Menschen. Ein Bein hat sie leicht angewinkelt, um sich damit an der Rückwand des Hauses abzustützen. Ihr ohnehin kurzer lederner Rock ist dabei noch ein wenig weiter nach oben gerutscht und gibt den Blick auf schlanke Fesseln und endlos lange, wohlgeformte Beine frei. Das ärmellose, eng geschnürte Mieder ist tief ausgeschnitten und spannt so sehr über den üppigen Brüsten der Frau, daß man fast geneigt ist zu vermuten, daß es jeden Augenblick aufplatzen könnte.

Durch diese aufreizende Haltung und dem leicht geöffneten Mund mit dem verwischten Lippenrot haftet der Frau etwas sehr Ordinäres an. Einzig allein in ihren blauen Augen liegt eine versteckte Melancholie, die auch durch das aufgesetzte Lachen nicht zu vertreiben ist.

Als sich ein kleines, dickliches, aber nicht unvermögend erscheinendes Kerlchen mit einem riesigen Einkaufskorb nähert, wirft sie ihm ein süffisantes

"Ahoi, Süßer! Ist das nicht zu schwer, ihn allein hoch zu behalten? Ich könnte dir helfen."

entgegen. Dabei deutet sie so ganz vage in die Richtung des Einkaufskorbs.



Wenn er nicht gerade in diesem Augenblick gedanklich so sehr nah an dem Zuckerwerk in seinem Einkaufskorb gewesen wäre, dann hätte Radisar den Zuruf vielleicht gar nicht bemerkt. So aber fühlt sich der kleine, dicke Diener betroffen, ja sogar richtiggehend ertappt, als er sich von einem 'Ahoi, Süßer ..' angesprochen hört.

Erschrocken blickt er auf, zu erkunden, wer ihn da wohl angesprochen haben könnte. Den Korb preßt er an sich, vor eventuellen, unbotmäßigen Blicken oder gar Zugriffen schützend, so wie es eine Mutter mit ihrem kranken Kind, bei Frost treibendem Firunswind tun würde.

Zuerst ist er sich gar nicht einmal so sicher, daß dieser Ruf ihm gegolten haben könnte und er schaut über seine Schultern zurück, ob da nicht irgend jemand hinter ihm stünde, auf den diese Beschreibung besser passen würde, als auf ihn. Doch da steht niemand und so kommt Radisar zu dem Schluß, daß doch er gemeint gewesen sein könnte.

Dann entdeckt er diese Frau. Sie steht vor einer sehr wenig einladenden Taverne und Radisar fragt sich, ohne jedoch zu einem festen Ergebnis zu kommen, was ihn wohl an dieser Schenke mehr stören könnte: Der gröhlende Gesang, der da heraus schallt oder der miasmatische Geruch, der, einem Lindwurm ähnlich, gleichsam heraus gekrochen kommt.

Ob sie ihm helfen könne, fragt diese Frau! Radisar lächelt. Er hätte nicht erwartet, daß das Volk der Thorwaler so hilfsbereit sein könnte, man hört ja sonst nicht unbedingt die aller nettesten Sachen über diese Nachfahren der Hjaldinger. Der kleine Diener geht erfreut auf die Dame, die ihm, dessen ist er sich jetzt sicher, so freundlich gerufen hatte und fragt:

"Ihr wollt mir helfen?"



"Das wohl, mein Pausbäckchen."

Schwungvoll federt sich die überaus leicht bekleidete Blondine mit dem Fuß des angewinkelten Beines von der Hauswand ab. Mit der Zunge leckt sie sich lasziv über die Oberlippe, während sie sich mit provozierend langsamen Schritten dem dicklichen Diener nähert. Der Schwung ihrer Hüften hat etwas Herausforderndes und macht es schwer den Blick von ihrer Körpermitte zu wenden.

"Und wie sehr du Hilfe gebrauchen kannst, das seh' ich doch gleich. So einsam wie du bist und mit der schweren Last, die du trägst."

Die hochgewachsene Thorwalerin, die den kleinen Radisar weit überragt, wohl um mehr als eine Kopflänge, steht nun unmittelbar vor ihm und versperrt ihm überdies auch noch den Weg zum Weitergehen. Mit ihrer Hand berührt sie den Diener an der linken Hand, die wohl noch den Einkaufskorb fest umklammert hält, und streicht dann auffordernd über seinen Handrücken.

"Ich kann dir Erleichterung verschaffen", raunt sie ihm zu.



Oh, wie gerne hätte Radisar auf dieses wohlwollende Angebot antworten können. Doch, seltsamer Weise muß man sagen, schafft er es nicht. Zu trocken ist ihm seine Kehle. Er schämt sich fast gegenüber dieser, so überaus freundlichen Frau, daß er ihrer Höflichkeit so wenig gegenüber stellen kann....

Als diese Dame ihm näher kommt, verkrampft sich sein Griff um seinen Korb, wie bei einem Ertrinkenden um den rettenden Korkreif. Es wird ihm heiß, es wird ihm kalt und es wird ihm irgendwie, er weiß nicht wie ......

Mit krächzender Stimme erwähnt er:

"Erleichterung? Nun ja, manchmal lastet das Leben schon schwer ...!"

Und dann lacht er dümmlich, Verlegenheit regiert ihn momentan und so kann er nicht anders! Um sich zu sammeln senkt er den Blick! Doch das war ein Fehler, wie er sofort bemerken muß. Denn seine Aufmerksamkeit verfängt sich im Anblick ihrer Beine, genauso wie eine Fliege auf Fliegenleim. Als er merkt, daß ihm seine Kehle noch trockener wird, als vordem, hebt er seinen Augenschein, hat er doch das Gefühl, in eine Falle geraten zu sein, wie eine dumme Ratte einer Verlockung nicht widerstehen zu können.

Nun allerdings verfängt sich seine Aufmerksamkeit an dem ungeheueren 'Vorbau' der Dame, da der Schatten ihrer Brüste ihn fast in absolute Dunkelheit hüllt, nachdem er unmittelbar vor ihr steht und Radisar fühlt sich vom Regen in die Traufe gekommen, obwohl, und dies gesteht er sich nur zögernd, auf sehr angenehme Weise!

Tief in seinem Inneren regt sich die Erinnerung, daß er wohl gerade dem gegenüber stehen könnte, was die Thorwaler gerne als 'Mopsendronning' und außerdem als die Höchstform des Glücks, immer wieder und gerne bezeichnen. Und er muß bekennen, daß es Leidenschaften gibt, die er gerne, wenn auch nicht bekennend, mit den Nordmännern ganz offensichtlich unterschwellig teilt.

Das letzte Mal, daß er so eine erhabenes Gefühl erleben durfte, so wie er es heute erneut verspürte, beim Anblick jener großartigen Brüste, war, als es ihm vergönnt war, die unnahbaren Gipfel des 'Ehernen Schwertes' sehen zu können, nah greifbar und doch entfernt und unüberwindbar!

"Nun denn, etwas Hilfe könnte ich gebrauchen ...........!" erklärt Radisar und wundert sich sogleich über sich selbst, denn eigentlich hatte er etwas anderes sagen wollen, denn nichts wünscht er mehr, als hunderte von Meilen von diesem Ort, da er gerade steht, entfernt zu sein! Die Situation war ihm doch nicht so geheuer!



Die hilfsbereite Thorwalerin legt nun einen Arm fest um Radisars Schultern und drückt hin forsch an ihre üppige Oberweite, wobei sie ihn samt Einkaufskorb fast von den Beinen zieht.

"Da bist du bei mir genau richtig, Zuckermäulchen. Kannst mich einfach Lola nennen, und wenn du willst, dann hab' ich den ganzen Abend für dich Zeit. Da können wir dann, so oft du es vermagst, deine Standfestigkeit überprüfen"

Mit jenen Worten gibt Lola den auf diese Weise eingefangenen Radisar wieder frei. Nachdem die Nase des Dieners während der gesamten Rede der Thorwalerin tief im Tal zwischen zwei weichen Hügeln versunken war, hat er nun erstmalig wieder die Gelegenheit, frei nach Luft zu schnappen und tief durchzuatmen.

"Und wohin gehen wir jetzt?"



Es gab da kaum eine Farbe, die Radisars Gesicht nicht angenommen hatte, als er sich so leidenschaftlich 'zur Brust genommen' fühlen mußte. Zuerst war sein Anlitz schreckens bleich gefärbt, so daß selbst ein reinstes Weiß noch matt und dunkel neben ihm ausgesehen hätte, dann stieg merklich Röte in seinem Gesicht auf, bis er um die Nase leuchtete wie eine Laterne. Zuletzt nahmen seine Gesichtszüge etwas bläuliches an, da ihm der riesige Busen der Thorwalerin die Atemwege bedeckte, bis ihm die Atemnot eine fast violette Haut erbrachte.

Es kann keinen Zweifel daran geben, daß ihm dadurch, daß ihm diese Dame, die so plötzlich, wie sie ihn an sich drückte, ihn anschließend wieder, auch, ebenso plötzlich wieder los ließ, in gnädiger Weise das Leben rettete. Nur ein wenig länger gefangen in dieser delikaten Umarmung, er wäre wohl erstickt. Aus diesem Grund pumpt Radisar seine Lungen erst einmal wieder mit Luft voll, ehe er sich imstande fühlt der Thorwalerin zu antworten.

"Was heißt, wohin wollen wir gehen? Habt ihr euch denn verirrt?"



Erst spät merkt Radisar, daß er auf eine Frage mit einer Gegenfrage geantwortet hat und er schämt sich deswegen. Wie oft hat ihm die Mutter erklärt, daß dies unschicklich sei und ein Zeugnis für mangelnde Bildung.

Verlegen senkt der kleine Diener seinen Blick zu Boden. Das Schuhwerk der Frau hat wohl auch schon bessere Zeiten gesehen, armes Mädchen, aber ihre Beine haben geradezu klassisches Format, fest und dennoch schlank, kräftig, aber doch mit jener geschwungenen Eleganz, wie man sie, in Marmor gehauen als Statue in nahezu jedem Rahja-Tempel bewundern kann.

Radisar hat sich nun mit allen Sinnen von der Welt abgewandt. Diese muskulösen Waden, diese sinnlichen Knie, diese verführerischen Oberschenkel, dem kleinen Diener bricht der Schweiß aus, als sein Blick, keinen Augenblick zu früh, vom kurzen Rock der Frau blockiert wird.

Nun da seine Augen nicht mehr erfassen können, zeichnet seine Phantasie die inneren Bilder, doch die Unschärfe der imaginären Konturen werfen Fragen auf, die Radisar sehr aufrühren, sollten sie nicht beantwortet werden können. Doch ist er sich gleichzeitig sicher, daß es noch erschütternder wäre, sollten sich ihm diese Antworten offenbaren.



"Verirrt? Ich? Nein, nein. Aber nicht doch, Dickerchen."

Nachsichtig lächelt die Thorwalerin.

"Aber ich seh's dir doch an, dein Weg ist gewiß viel zu weit. Das Leben ist kurz, warum Zeit vergeuden, nicht wahr?"

Wieder drückt die hochgewachsene Blondine den kleinen Radisar kräftig und bestimmend an sich. Dieses Mal zieht sie ihn dabei aber nicht nur halb von den Füßen, sondern gleichzeitig noch mehr in die Richtung der angelehnten Tavernentür.



Eben noch stand Radisar noch lüstern auf die Beine dieser Frau gaffend, wie ein Hund auf eine unerreichbare Schale mit saftigen Knochen, schon wird er mitten auf der Straße umher gewirbelt, wie der Schlegel eines Kapauns bei Tisch.

'Es ist, in der Tat, wohl eine sehr kräftige Dame!' denkt er sich noch, als der Lärm der Straße plötzlich verstummt, in dem Augenblick, da sich die massigen Brüste der Thorwalerin an die Ohren des kleinen Dieners legen.

Wollte er sich aus dieser Umklammerung befreien, hätte er den Korb loslassen müssen, doch eine derartige Pflichtvergessenheit hätte er sich niemals verziehen. Deshalb läßt er es geschehen, daß ihn die Dame sanft fortführt

Was sollte er dazu auch schon sagen und vor allem, wie sollte er etwas dazu sagen? Das Gesicht so eng am weichen Leib dieser Frau, da wäre wohl nicht mehr als sinnloses Gebrabbel zu verstehen. Dazu kommt, daß Radisar sich langsam ganz wohl fühlt dort .....



Und schon ist es geschehen, der tüchtige Diener hat den rechten Weg verlassen. Sein erster Irrweg führt bzw. verführt ihn schnurgerade dazu, die finstere Taverne aufzusuchen.

Rasch öffnet Lola die ohnehin nur angelehnte Tavernentür und ein Schwall von verbrauchter, stickiger Luft strömt nach außen. Drinnen ist die Luft so rauchig und verqualmt, so daß fast der Eindruck entsteht, man könne sie mit einem Schwert in Scheiben schneiden und dann stückchenweise auf die Straße tragen. Ein beißender Gestank von Schnaps, Tabak und unzähligen Fürzen schlägt ihnen entgegen. Der anfängliche Eindruck, der in abgeschwächter Form durch die einst angelehnte Tür entstanden ist, verstärkt sich um ein Vielfaches.

Trotz oder vielleicht auch gerade wegen diesem herben Ambiente, findet die Taverne großen Zuspruch. Die meisten Tische sind belegt und auch die guten Plätze an der Theke erfreuen sich reger Beliebtheit. Der Lärmpegel ist für thorwalsche Verhältnisse angemessen, vielleicht sogar fast ein wenig verhalten, denn es ist sogar möglich, sein eigenes Wort zu verstehen, ohne laut zu brüllen.

Eine Magd eilt des Weges und serviert gerade zwei üppige Pfannengericht nach Art des Hauses. Nähere Beschaffenheit des Essens ist nicht weiter zu ermitteln. Den beiden rotblonden Hünen scheint es jedenfalls zu schmecken. Ob sie gar die kecke Magd als Nachtisch mitbestellt haben, sei ebenfalls dahingestellt. In Ermangelung eines freien Stuhles, hat man ihr vorerst auf den Schenkeln eines der beiden Rotblonden einen Platz angeboten, den sie dankbar mit einem empörten Kreischen angenommen hat.

Noch bevor an Gegenwehr zu denken ist, wird Radisar auch schon von seiner zuvorkommenden Begleiterin mit sanfter Gewalt in das Innere der Taverne geschoben.

"Na, mein Pausbäckchen, zu was magst du mich einladen? Oder hast du es eilig, auf daß wir schnell allein sind?"

Sie deutet mit einer Hand auf einen Gang, der auf der anderen Seite des Schankraums in die hinteren Gefilde der Schenke führt. Jedoch ist es zu dunkel hier, so daß die weiteren, entfernten Umrisse im trüben, rauchigen Zwielicht verschwimmen.



Auch wenn es etwas schmerzt im Genick, Radisar schafft es den Kopf ein kleine wenig so zu wenden, daß er durch die Nase wieder Atem Luft bekommt. Er will nicht zulassen, daß die Nachwelt einmal berichten müßte, daß Radisar Kummerer, Diener der ehrenwerten Reckinde von Beibach und Bruch, dereinst in Thorwal, 'eingetaucht' in die stattlichsten Brüsten der Stadt, durch Ersticken zu Tode gekommen wäre.

Mit diesem Leben spendenden Atemzug steigen dem kleinen, dicken Diener blumige Schwaden schwerer Düfte in die Nase. Die Dame verwendet offenbar eines jener billigen Duftöle, deren Geruch sich wie Leim über die Nase legt, daß selbst der würzigste Wein, noch Tage später schmeckt wie des Kaisers Vorgärtchen.

Dieser Duft soll höchstwahrscheinlich die Männer betören. Zumindest Radisar betreffend erfüllt er diese Aufgabe trefflich. Eine seltsame Stimmung, die er selbst nicht so richtig beschreiben kann, steigt in ihm auf, bringen ihm angenehme Hitzewallungen, im Wechsel mit prickelndem Frösteln.

Nur eines ist ihm noch nicht so richtig verständlich. Radisar kann sich noch noch immer noch vorstellen, auf welche Weise ihm diese Dame behilflich sein will, auf keinen Fall dadurch, daß sie ihm auf offener Straße das Leben aus dem Leib quetscht. Aber Radisar ist schließlich ein 'Mann von Welt' und langsam nimmt ein ganz bestimmter Verdacht immer mehr Konturen an ..............

Doch noch ehe sich dieser Verdacht zur Gewißheit erhärten kann, dringen ganz andere Gerüche in seine empfindliche Nase, die noch sehr viel intensiver duften als Lolas Duftöl, wenn auch sehr viel weniger aromatisch. Der Tabakqualm fährt Radisar beißend in die Augen und zieht ätzend in seine Lungen ein. Mit einem gequälten Gesichtsausdruck blickt er in die Pfanne, die eine Magd gerade an ihm vorbei trägt.

'Bei Travia, was ist den das? Es sieht aus wie gegrillte Ratte, aber es riecht wie abgehangener Lurch!' Radisar war überzeugt davon, daß der Verzehr dieses Gerichtes schlimmer Folgen haben würde als die Duglum-Pest. Ängstlich klammert er sich an seinen Korb. In dieser Spelunke sind die Köstlichkeiten, die er auf dem Markt besorgt hat, wahrscheinlich mehr in Gefahr, als Juwelen in der Nachbarschaft eines PHEx-Tempels.

Wo, in Aves Namen, ist er da bloß hingeraten? Die meisten der Gäste sind schon derart trunken, daß sie nur noch still vor sich hin sabbern, andere sind gerade noch kräftig genug um blutig zu streiten oder sich mit Worten zu beschimpfen, die in der Niederhölle ersonnen sein mußten, während diese rothaarigen Riesen am vorderen Tisch nicht nur dieses unsäglich Pfannengericht kleckernd in sich hinein stopfen, sondern auch gleichzeitig dabei an der Schankmaid seltsame anatomische Untersuchungen vornehmen.

Geradezu dankbar nimmt er es auf, daß ihm die Dame die Möglichkeit andeutet, hier aus dieser Wallstatt allen Übels heraus zu kommen und dafür würde er ihr durch's Feuer folgen.

"Mit ihnen allein zu sein, das stelle ich mir sehr reizvoll vor!" stammelt Radisar, ohne über seine Worte nachzudenken. Immerhin gilt es den Korb zu retten ....



"Aber gewiss doch wird es das. Darauf kannst du wetten", kommentiert Lola Radisars Wunsch nach Zweisamkeit.

"Warte hier, ich bin gleich zurück", haucht Lola ihrem Begleiter ins Ohr. Dabei muß sie sich zugegebener maßen leicht nach vorne beugen, wobei sie Radisar zum wiederholten Male vielversprechende Einblicke gewährt.

Mit einem neckischen Augenzwinkern rauscht die große Blonde ab zur Theke und drängelt sich dort zwischen zwei heruntergekommenen, rotnasigen Saufgesellen durch. Lässig winkt sie den Wirt herbei, der sogleich anzüglich grinst. Die Worte, die die beiden wechseln kann Radisar nicht verstehen. Was wohl auch kein Wunder ist bei dem allgemeinen Lärmpegel.

So steht Radisar kurzzeitig verlassen von seiner Begleitung mitten im Schankraum einer Lokalität, in die sich ein braver Bürger wohl kaum verirren würde.

Plötzlich legt sich eine Hand von hinten auf Radisars Schulter. Doch das Gewicht dieser Hand, ist nicht die einer schweren Pranke und auch der Griff ist nicht ruppig, sondern zart und leicht.

"Vergiß die blonde Schlampe. Wenn du wirklich was erleben willst, dann mußt du mit mir kommen. Sie ist das Geld sowieso nicht wert, das kannste mir glauben, sie verspricht viel und hält wenig. Für fünf Silbertaler kriegst du bei mir mehr geboten."

Die schwarzhaarige Frau, die von hinten an Radisar herangetreten ist, ist kaum eine Handbreit größer als der kleine Diener. Ihr dunkles, glattes Haar ist strähnig und um ihre Augen haben sich tiefe Falten in die blasse Haut eingegraben. Ihr Alter ist schwer zu schätzen, doch sieht sie deutlich älter und verlebter aus als die knackige Lola. Mit wachen Augen mustert sie Radisar von Kopf bis Fuß.

"Al'Anfanisch kostet extra."

Während sie auf eine Entscheidung wartet, äugt sie zwischendurch immer mal wieder nervös zur Theke, um sich zu versichern, daß Lola noch beschäftigt ist.



Es ist unmöglich für Radisar zu bestimmen, was ihn mehr die Sinne verwirrt, der warme Hauch an seinem Ohr, aus dem Atem von Lola's Geflüster oder die unergründlichen Tiefen ihres Ausschnitts, die sich, wie ein Tor zu einer besseren Welt vor ihm ausbreiten.

Nichts von dem, was Lola anschließend mit dem Wirt zu bereden hat, kann der kleine Diener verstehen und er bemüht sich auch nicht irgend etwas davon zu verstehen. Zu sehr beschäftigt ist er mit der Betrachtung ihrer Beine und den Gedanken daran, was der kurzer Rock der Dame an Glückseligkeiten seinen Beobachtungen entziehen könnte.

Der Stich eines Skorpions hätte ihn nicht mehr aufschrecken lassen können, als die 'sachte' Berührung dieser schwarzhaarigen Frau, die ihn so unvermittelt und überraschend anspricht. Und so klammert er sich an seinen Korb, als gäbe dieser ihm Schutz und Rat in dieser, etwas unübersichtlichen Situation, so sehr, daß das Binsengewebe unter seinem Griff ächzt und stöhnt, wie eine Winde unter starkem Zug, während er angestrengt darüber nachdenkt, was ihm für fünf Silberstücke mehr geboten werden könnte, als ihm die blonde Thorwalerin 'vergessen' hatte ihm anzubieten.

Doch in den Augenblicken, da sich Radisar darüber Gedanken machte, will ihm ein einziger, fast quälender Gedanke nicht aus dem Kopf. Die Frage, die ihm so vornehmlich Schädelweh bereitet, wird so übermächtig, daß er die Schwarzhaarige, die ihn auf eigenartige Weise so bedrängt, ohne hinderndes Nachdenken befragt:

"Was, in Levthans Namen, darf ich verstehen unter: Al'Anfanisch?"

Und irgendwie ist er sich nicht sicher, ob ihm die Anwort gefallen wird .....



"Ich werde dir beibringen, wie du deiner Herrin besser dienen kannst. Das wird dir gefallen. Du verstehst, was ich meine....?" zischt die Schwarzhaarige Radisar zu, während sie aus den Augenwinkeln argwöhnisch beobachtet, ob Lola noch beschäftigt ist.



'Ehre' ist der Handlungsantrieb aller Rondrianer. Sie lenkt ihrer Taten, wertet die Resultate und bestimmt den Ruf derer, die sich ihr, auf Gedeih und Verderb verschrieben haben. Radisars Handlungen und Taten waren noch nie von allzu viel Ehre gelenkt worden. Ihm ist die Ehre ein unbekanntes Ding geblieben, eine moralische Instanz, die sich tief im Inneren seiner Seele hervorragend verborgen hielt, unentdeckt und unauffindbar.

Das mag der Grund sein, warum Radisar ein gutes Stück älter geworden ist, als die meisten derjenigen, denen Ehre eine Richtschnur ihres Handelns gewesen war. Das ist wahrscheinlich aber auch der Grund dafür, warum Radisar wahrscheinlich niemals in den Liedern der Barden besungen werden wird, es sein denn in Spottliedern.

Doch diesmal fühlt sich Radisar in seiner Ehre gekränkt -jawohl !!

Es mag seltsam klingen, aber die Ansprache der Schwarzhaarigen war tief in ihn gestoßen, hatte die Tiefen seines erbarmungswürdigen Seins durchströmt und war in die stille, abgelegene Bereiche seiner Seele eingedrungen, die sonst, für niemanden sichtbar, ein unentdecktes Dasein führen.

"WAS sagen sie da???"

Radisars Kopf wird leuchtend rot. Doch nicht die Verlegenheit, sondern die Wut treibt ihm Farbe ins Gesicht! Sein Atem geht heftig und seine kleiner Körper pumpt wie ein Ingerimmskäfer vor dem Flug und, man mag es nicht glauben, er knirscht mit den Zähnen wie ein Thorwaler im Kampf.

"WEIB, IHR VERGEßT EUCH!!" brüllt er aus vollem Halse und seine zarten Händchen krallen sich wie die Pranken eines Bärs in die Haltegriffe seines Korbes, bis seine Knöchel schlohweiß werden.

"NIEMAND kann meiner Herrin ein besserer Diener sein als ich es bin. Ich habe es nicht nötig mich von euch darüber belehren zu lassen. Ich halte das für unerhört, daß ihr es euch erlaubt an meinen Fähigkeiten zu zweifeln.

Ich darf wohl behaupten, daß ich einer der besten aller Diener bin, auch ohne euere unangebrachten Belehrungen!"

Radisars Stimme überschlägt sich ein paar Mal.



Jedoch übertönt solch ein schrilles Gekreische sogar das dumpfe und polternde Gegröhle der üblichen Stammgäste, die derartige Stimmlagen unter normalen Umständen wohl kaum erreichen dürften. So will es kaum als ein Wunder erscheinen, daß Radisar auch an der Theke Gehör findet.

Ein glockenhelles "...unerhört...", wie es die keusche Jungfer bei Zudringlichkeiten eines forschen Burschen in einer lauen Ingerimmsnacht nicht entschlossener vorbringen könnte, bahnt sich den Weg in Lolas Ohr und läßt nur einen schlimmen Verdacht zu: Der Körbchenträger ist in Gefahr!

Derart alarmiert dreht sich die dralle Blonde blitzartig auf dem Absatz um. Und wie sollte es anders sein, Svanja, die billigste unter den Hafendirnen, ist gerade dabei Lolas süßes Pummelchen abspenstig zu machen. Der Zorn der Thorwaler ist gefürchtet, doch wehe dem, der dem Zorn einer Thorwalerin ausgeliefert ist!

"Finger weg, du Schlampe, der gehört zu mir!" empört sich Lola, die selbsternannte Retterin Radisars.

"Er hat es sich anders überlegt, Herzchen. Mein Süßer und ich, wir waren gerade handelseinig", meint die Schwarzhaarige schnippisch und macht gerade Anstalten, Radisar zum Ausgang der Taverne zu schieben.

"Ich warne dich kein zweites Mal", faucht Lola und hält die Nebenbuhlerin auf, in dem sie ihr grob von hinten in das dunkle Haar greift und sie zurück zerrt.



Zuerst hatte sich Radisar schon ganz schön erschrocken, als die zwei Damen wie zwei rivalisierende 'Schlinger', die um ein Beutetier kämpfen, aufeinander losgegangen sind. Es kommt ihm dabei gar nicht so sehr in den Sinn, daß es sich bei diesem 'Beutetier' um ihn selbst handeln könnte. Vielmehr fühlt er sich fast ein bißchen geschmeichelt, denn es hatte in seinem Leben noch nie zwei Frauen gegeben, die derart um ihn stritten.

Dennoch hat Radisar nun das Gefühl, es könnte von Vorteil sein, wenn er sich vom Ort des Geschehens schliche. Doch das ist gar nicht so einfach. Links von ihm beutelt Lola gerade den Kopf Svanjas hin und her und an seiner rechten Seite blockiert das ausgestreckte Bein des rot-blonden Hünen, welcher der Schankmaid, die noch immer auf seinem Schoß sitzt, mittlerweilen mit Erfolg das Mieder geöffnet hatte, den Weg des kleinen, dicken Dieners.

"Sie gestatten??" erklärt Radisar mit dem aufkeimenden Mut der Verzweiflung und schiebt, ohne eine Antwort abzuwarten das Bein des Thorwalers langsam zur Seite. Das sollte ein Fehler sein, wie sich gleich darauf heraus stellt.

Durch diese, von Radisar provozierte Veränderung der Beinhaltung des Rothaarigen, verliert die Schankmaid, die vordem sicher auf dessen Schoß gesessen war, jeglichen Halt und kippt vorne über auf den Tisch. Ihre Brüste schießen dabei, wie die Köpfe zweier zustoßender Kvillottern, aus dem geöffneten Mieder heraus und klatschen, nunmehr blank und bloß, genau in der Pfannenspeise des anderen Rothaarigen, der, zusammen mit den 'Turteltäubchen' noch zusätzlich an diesem Tisch sitzt. Das Essen fliegt rundherum und irgend etwas, das so aussieht wie eine Garnele, es könnte aber auch eine Hühnerkralle sein, fliegt dem Speisenden genau ins Auge, der restliche Nahrungsbrei verteilt sich auf dessen Gewand.

Der Besudelte hat mit dieser neckischen und sehr plötzlichen 'Zutat' in seinem Essen natürlich nicht rechnen können und weicht daher erschrocken weit zurück, zu weit, wie sich gleich unvermittelt zeigt. Sein Stuhl kippt langsam nach hinten, der Sturz scheint unaufhaltsam. In seiner Not krallen sich die Finger des rothaarigen Thorwalers in den Rock einer, in der Nachbarschaft stehenden Frauensperson, die sich nichtsahnend eine Weg durch die Taverne zu bahnen versucht.

Doch der Stoff des Rockes ist abgetragen und brüchig und tut, was im allgemeinen ein 'Klügerer' zu tun pflegt: Er gibt nach! Und so fallen sie beide, sowohl der kippelnde Thorwaler, als auch der losgelöste Stoff des Rocks, gemeinsam einem jähen Aufprall auf den dreckigen Dielen des Tavernenbodens entgegen.

Noch während es neben ihr kracht und scheppert versucht die, so plötzlich entkleidete Dame, hektisch ihre Blößen mit den Händen zu bedecken, ein verständliches Ansinnen, um so mehr, da man erwähnen muß, daß sie keine Leibwäsche trägt. Sie schimpft wie ein Veteran aus Daspota und versucht unauffällig aus der Szene zu verschwinden, doch die schrillen Schreie ihres Entsetzens bewirken lediglich, daß auch der allerletzte Anwesende in der Taverne auf ihre peinliche Situation aufmerksam wird.

So ergeht es auch dem Seemann, der, in den Händen zwei riesige Humpen gefüllt mit Bier tragend, in diesem Moment in der Nähe der Zeternden vorbei wankt. Er hört die Schreie, wendet seinen Blick fatal zur Seite und ist sogleich von dem anregenden, wie unverhofften Anblick, der sich ihm da bietet, derart bezaubert, daß er nicht mehr auf seinen Weg achtet. Und so landet das Bier nicht in den Kehlen dürstender Gäste, sondern im Genick und im Kragen eines bärbeißigen Seemanns, einem kräftigen Kerl, der bestimmt ebenso breit wie hoch ist.

Als diesem das Bier kalt den Rücken hinunter rinnt, springt er brüllend auf und reißt dabei den Tisch an dem er sitzt von den Füßen. Doch nicht nur seinen Tisch, sondern auch gleichzeitig den Nachbartisch wirft er um, zu raumgreifend sind seine Bewegungen.

Das Unglück will es, daß an diesem Nachbartisch gerade eine Partie Boltan gespielt wurde, mit hohen Einsätzen und kompromißlosen Teilnehmern, als das Spiel, durch diesen Vorfall blitzartig unterbrochen wird. Alle Karten fliegen durcheinander und selbst dem weisen Rohal wäre es nun unmöglich den Stand der Dinger wieder zu rekonstruieren. Selbstverständlich behauptet nun jeder der Spieler, im Nachherein, das beste Blatt gehabt zu haben und jeder erklärt aus diesem Grund seinen Anspruch auf den Einsatz und den Gewinn.

Da es um sehr viel Geld geht, kommt man nicht so einfach auf eine Einigung. Schon bald sind der Worte genug gewechselt und es fliegen die Fäuste. Doch nicht jeder Hieb trifft den Richtigen. So verirrt sich eine zuschlagende Faust, aus Versehen, an das Kinn eines Mannes, der gerade zwei Flaschen 'Premer Feuer' auf einem Tablett vorbei balanciert.

Die Flaschen fliegen hoch und weit. Und sie landen in der Nähe der Feuerstelle, an dem dieser unsägliche Eintopf, der hier den Gästen zugemutet wird, über den Tag hinweg warmgehalten wird. Die Flaschen zerbersten, der Brand entzündet sich und nach wenigen Augenblicken steht ein Teil der Theke unter Flammen, eben jene lieblichen, hellroten Flammen, die dem Getränk seinen Namen gaben.

Nun ist Radisar völlig eingekesselt. Vor ihm tobt eine wilde Schlägerei und hinter ihm brennts. Doch neben ihm, an der Theke entdeckt er ein verwaistes Glas mit 'Feuer' und einem plötzlichen Verlangen folgend, setzt er das Glas an die Lippen und trinkt aus. Es verätzt ihm zwar fast die Kehle, aber er fühlt sich besser danach.



Jetzt kommt auch Leben in den ehemals mehr gemütlich wirkenden Wirtsmann hinter der Theke. Wie ein aufgescheuchtes Huhn rennt er orientierungslos hin und her, während er lauthals "Feuer! Feuer!" brüllt, womit er jedoch keineswegs meint, eine Lokalrunde eben dieses Getränkes spendieren zu wollen. Der Brand in den Kehlen der Gäste ist längst unwichtig geworden, angesichts der lodernden Flammen, die inzwischen über die Feuerstelle hinaus um sich greifen. Lechzend nach dem trockenen Holz und angefeuert durch den hochprozentigen Premer Schnaps züngeln die Flammen munter über den Dielenboden und an der einen Seite der Theke empor.

Ein eifriger Helfer greift nach dem erstbesten schweren Stück Stoff, um die Flammen damit auszuschlagen. Wie es der Zufall so will, ist das erste, dessen er habhaft werden kann, das zerrissene Kleid, des unfreiwillig entblößten Weibes. Diese findet es schon lange nicht mehr witzig, daß sich fremde Mannsbilder so freimütig an ihr und ihren Sachen vergreifen. Wutentbrannt greift sie zu einem tönernen Krug und gießt zunächst dessen gebrauten Inhalt auf einen Seemann zu ihrer Rechten und läßt schließlich den Krug an sich auf den Schädel den Missetäters, der sie auf so schändliche Art entblößte, niedersausen.

Die Boltanfreunde vom Tisch in der Ecke haben sich unlängst die Freundschaft aufgekündigt und bieten dafür ein weiteres typisches Beispiel für thorwalsche Folklore. Ein linker Schwinger, ein rechter Haken, formvollendet in seiner Art, wird pariert unter zur Hilfenahme eines hölzernen Stuhles. Ein weiterer Schlag, ein Treffer und schon kann der erzürnte Boltanfreund anstatt des Stuhles jetzt einen Schemel sein eigen nennen.

Indessen hat Lola ungerührt von dem ganzen Aufruhr ringsum, die körperlich deutlich unterlegene Svanja niedergerungen. Rittlings sitzt sie auf der keifenden Schwarzhaarigen, die sich trotzdem immer noch alles andere als unterlegen fühlt und nach Kräften versucht, die Blonde abzuschütteln. Lola zeigt sich davon unbeeindruckt, wankt nicht ein einziges Mal und bemüht sich ihrerseits Svanja durch schlagfertiges Verhalten und mit dem Angebot einer neuen Nasenpaßform, zur Aufgabe zu zwingen.

Aus dem Schemel, ehemals Stuhl, konnte man inzwischen einige nützliche Stuhlbeine gewinnen und auch das verbleibende Mobiliar der Ollen Bottel läßt jetzt mehr als sonst zu wünschen übrig. Krüge und Fäuste fliegen, Stuhl- und Nasenbeine zersplittern und es ist längst noch kein Ende des munteren Reigens abzusehen.



Der große, schwere Seemann, dem der Gerstensaft mittlerweile wie ein Katerakt aus den Hosenbeinen sprudelt, hat sich mit der linken Pranke im Kragen des 'Bierschänders' verkrallt und den ganzen Kerl in Stückchen vom Boden abgehoben, so daß die Beine des armen Opfers hilflos in der Luft strampeln. Der Unglückliche sieht einer rechten Geraden entgegen, die ihm wahrscheinlich den Kopf von den Schultern reißen wird und er ergeht sich still im Gebet zu Boron, daß ihm dieser einen sanften Überflug über das Nirgendmeer gnädig zubilligen würde.

In diesem Augenblick ist eine Stimme mit anschließendem, mehrstimmigen Gelächter zu hören:

"Guck mal, der sieht aus, als hätte er in die Hosen gemacht!"

Das ist der Augenblick, da der riesige Seemann seinen, vor Angst erstarrten Gegner einfach fallen läßt, der daraufhin, schlaff, aber immerhin lebend, wie eine Gliederpuppe zusammensackt.

Als der 'Riese' brüllt: "WER HAT DAS GESAGT?!?", da will es natürlich keiner gewesen sein und eifrig bezichtigen sich die Beschuldigten einander, worauf sie sich derart in Haare bekommen, daß das erste Blut schon fließt, noch ehe sie der 'Gigant' in die Finger bekommen kann.

Die Schankmaid hat unterdessen ihren Busen wieder aus der 'Pfanne nach Art des Hauses' befreien können, bei dieser klebrigen Masse keine leichte Aufgabe. Rote, zähflüssige Soße tropft ihr von der blanken Brust und zwischen ihren anmutigen Hügeln schlängelt sich, wie Pech an der Haut klebend, die Einlage aus dem Eintopf, die exakt so aussieht, als wäre es früher die Tentakel eines Tintenfisches gewesen.

"TU DAS WEG !!" schreit sie engeekelt und reckt die Brüste zu ihrem rot-blonde Galan hin, der natürlich schleunigst herbeieilt, um die Brust der Schankmaid einer gründlichen und ausgiebigen Reinigung zu unterziehen. Das, was er ursprünglich vorgehabt hatte, vergißt er unter dem Eindruck seiner neuen Aufgabe und dieser Umstand rettet Radisar wahrscheinlich das Leben. Denn der rachlüsterne Blick, mit dem sich der Thorwaler dem kleinen Diener vordem genähert hatte, wollte von Mord und Totschlag künden.

Radisar selbst bleibt völlig ahnungslos. Er hat sich einen zweiten und einen dritten Trunk gegönnt und langsam findet er das alles, was um ihn herum geschieht höchst amüsant. Mit einem gewissen Frohlocken sieht er, daß Lola ihre Gegnerin mit Leichtigkeit nieder ringt und er will sie eben noch anfeuern, bringt aber statt einer feurigen Ermutigung nur einen satten Rülpser heraus, das 'Feuer', das er zu sich nahm, tut offensichtlich allmählich seine Wirkung.



Die widerspenstige Svanja will sich leider nicht so schnell geschlagen geben. Ursache und Zankapfel der ganzen Angelegenheit ist für sie längst uninteressant geworden. Jetzt ist es eine Frage der Thorwalerehre geworden! Gerade hat sie sich mit einer Hand aus Lolas Umklammerung befreien können, schon rupft sie der blonden Kämpferin gleich ein ganzes Büschel langer Haare aus und streckt sie triumphierend in die Höhe. Doch lange kann sich sich nicht an diesem Sieg ergötzen. Lola, die von dieser niederträchtigen Attacke geradezu angestachelt wurde, holt aus zu einem finalen Schlag, der die kreischende Schwarzhaarige auf unbestimmte Zeit ins Land der Träume schickt.

Derweil ist der Wirt aufgeregt damit beschäftigt, das Feuer an der Theke zu bekämpfen. Ein Eimer mit altem Wischwasser, der unter der Theke steht und mit dem man bisweilen auch mal benutzte Krüge ausspült, kommt ihm dabei gerade recht. Flink kippt er das Wasser in die betreffende Richtung, wobei auch Radisar und sein Delikatessenkorb den einen oder anderen Spritzer abbekommen mag.

Als nächstens, und zudem noch als leidige Unterbrechung bei den Feuerlöschversuchen, kommen die Überreste eines halb zertrümmerten Stuhles über die Theke geflogen. So ganz kann der Wirt diesem Wurfgeschoß nicht ausweichen, und schmerzlich an der Seite getroffen, wankt er ein paar Schritte zurück.

"Du Lump, du! Du warst das!" brüllt er einem Seemann entgegen, der gerade eine Kampfespause eingelegt und eher zufällig den Blick zur Theke gerichtet hat. Derartige Provokationen erfordern natürlich drastische Maßnahmen. Wahllos greift der Wirt hinter sich und bekommt dabei eine noch halb gefüllte Flasche zu fassen.

"Weg da!" herrscht er den teilnahmslos wirkenden Radisar, der noch an der Theke steht und ärgerlicher weise gerade die Flugbahn versperrt, an und macht mit der linken Hand eine zur Seite weisende Bewegung, die Radisar gewiß von den Füßen gerissen hätte, wenn er in greifbarer Nähe gewesen wäre. So hingegen soll sie bloß andeuten, was aktuell von dem kleinen Diener verlangt wird. Und schon holt der Wirt der Ollen Bottel schwungvoll aus, um es dem mutmaßlichen Übeltäter heimzuzahlen.



Soeben haben zwei der jugendlichen Schreihälse, die sich des unglaublichen Fehler schuldig gemacht hatten, diesen biertriefenden, riesigen Thorwaler verspotten zu wollen, die Taverne durch das Fenster verlassen. Ein Dritter, der in die nämliche Richtung geworfen worden war, bleibt allerdings knapp neben dem Fenster, an einer soliden Mauer hängen. Dieser wird wohl hier im Raum weiter verbleiben müssen und er fällt bewußtlos, wie ein praller Mehlsack auf die Dielen.

Lola traktiert gerade ihre Gegnerin mit einer ganzen Serie deftiger Ohrfeigen und Radisar sieht interessiert zu, um so mehr, als dabei Lola's, ohnehin schon sehr kurzer Rock neckisch in die Höhe klettert. So kann sich der kleine, dicke Diener schon bald des Anblicks jener Körperregionen des blonden Freudenmädchens erfreuen, die zwar nicht mehr Bein, aber auch noch nicht Po sind, sichtbare Vorboten von Rahja's Herrlichkeit.

Doch jäh wird Radisar in seiner sinnlichen Andacht unterbrochen, als sich ein Päarchen an die Theke drängt und des Diener's Sicht empfindlich stört. Es ist die Dame, die vorhin so radikal, unten herum entkleidet worden war und das wenige, was ihr an textiler Hülle noch geblieben ist, zeigt nun auch schon deutliche Spuren intensiven Raufhändels. Der rotblonde Thorwaler, der im Augenblick, wenig liebevoll, mit seinen Pranken den Hals der Dame umschließt, ist auch schon schwer gezeichnet. Bier und Blut tropfen ihm von der Stirn und in seinen Haaren klebt eine Unzahl kleiner Scherben, Überreste eines zerschmetterten Tongefäßes.

"Das wirst du noch bereuen, DU FLITTCHEN !" brüllt er aus Leibeskräften und der Zorn läßt seine Augen aus dem Schädel quellen, wie die eines Frosches, der unter einen Mühlstein geraten war. Doch die Dame bleibt von seinem Geschrei völlig unbeeindruckt, obwohl ihre Gesichtsfarbe schon leicht ins Bläuliche übergeht. Mit einem heftigen Ruck zieht sie das Knie nach oben und sie trifft genau die körperliche Mitte ihres Angreifers. Der Thorwaler verstummt augenblicklich, seine Augen sinken wieder in ihre Höhlen zurück, dafür werden die Backen immer dicker. Mit einem leichten, fast unhörbaren Wimmern, löst er den Griff um den Hals der Frau und legt sich die Hände schützend und stützend in die Lenden. Dann bricht er ohne einen weiteren Laut zusammen.

Triumphierend steht nun die Frau vor ihrem geschlagenen Widersacher und es kümmert sie nicht, daß sie noch immer Radisar's Betrachtungen erheblich beeinträchtigt. Und so beugt sich der kleine Diener vor und spricht mit schwerer Zunge:

"Entschuldigen sie bitte, Frau Flittchen, könnten sie etwas beiseite treten, sie behindern meine Sicht!"

Die Frau sieht Radisar fassungslos an. Doch nicht lange bleibt sie untätig, schon hebt sie die Hand, 'fährt die Krallen aus' wie ein Wildkatze, um dem unverschämten Wicht die 'Augen auszukratzen'.

In diesem Moment wird sie von der Seite angesprochen. Irgend so ein Kerl, wagemutig, da unglaublich betrunken, drängt sich an die Frau heran, tätschelt ihren Hintern und meint dabei:

"Na, du Süße, wie wär's, wenn wir beide mal die Betten prüfen würden, ich kauf dir dann auch einen anständigen Fummel danach!"

Man kann der Frau deutlich ansehen, daß sie von zwei Gedanken beherrscht wird. So überlegt sie sich, ob sie den unverschämten Kerl gleich in Stücke hauen soll oder ob sie zuerst auf sein Angebot eingehen soll, um ihn dann anschließen in Stücke zu hauen. Nach kurzem innerlichen Ringen entschließt sie sich für die zweite Option. Säuerlich lächelnd hakt sie sich bei dem Mann ein und erklärt:

"Dann woll'n wir doch mal sehen, was du drauf hast, Tiger!"

Und dann verschwinde die beiden, Arm in Arm, durch eine Hintertüre der Taverne.



Endlich hat Radisar wieder freie Sicht auf seine Lola. Die allerdings, ist unterdessen leicht in Bedrängnis gekommen. Die andere hat ihr gerade ein ganzes Büschel Haare ausgerissen und das hat bestimmt wehgetan. Radisar leidet mit. Er faßt sich an den Kopf, kann dort aber nur zahllose Schweißperlen ertasten, aber keine Haare, schon gar nicht solche wie Lola sie trägt.

In diesem Augenblick holt Lola zu einem fürchterliche Hieb aus und Radisar spürt: Das ist die Entscheidung! Er hört nur ein gedämpftes Klatschen, ähnlich dem Geräusch, das sich ergibt, wenn 'Mamma Rostig', die Köchin der Frau von Beibach und Bruch, einen aufgehenden Hefeteig auf die erhitzte, marmorne Arbeitsplatte schlägt. Dann ist Stille dort, Lola hat ihre Gegnerin endgültig überwunden.

Es ist für Radisar nicht unwichtig, daß der Saum von Lola's Rock bei ihrem letzten Schlag einen deftigen Hüpfer nach oben gemacht hat. Und als Lola ihren Körper leicht ächzend aufrichtet, gibt es dort kaum noch Geheimnisse mehr für den kleinen Diener.

'Ich habe es mir doch gleich gedacht ... " schießt es Radisar durch den Kopf, doch hat er nicht mehr die Zeit, den Gedanken zu Ende zu bringen, da ihn einige Ausläufer hektisch in den Raum geschütteten Löschwasser's am Kopf treffen, eine stinkende, brackige Brühe. Radisar überlegt sich, ob es nicht günstiger wäre, den Brand mit Lampenöl zu löschen, anstatt mit diesem Wasser, welches bei Berührung mit offenen Flammen womöglich explodieren könnte.

Mittlerweile hat die Schankmaid ihren, nunmehr gesäuberten Busen wieder in das Mieder zurück gezwängt. Der rot-blonde Hüne, der er nach 'Leibeskräften' dabei behilflich gewesen war, spitzt nun die Lippen, um sich eine Belohnung in Form eines Kußes abzuholen. Doch der Schankmaid ist offensichtlich nicht mehr nach neckischem Liebesspiel zumute und zeigt seinen 'heißen' Lippen nur ihre 'kalte' Schulter. Mit einem mißmutigen Grummeln zieht sich die Schankmaid in ein Hinterzimmer zurück.

Die Laune des Verschmähten sinkt dadurch ins Bodenlose und seine Augen suchen den 'Verursacher' dieses ganzen Chaos's: Radisar!

"DU ......!" murmelt er haßerfüllt grollend, als er den kleine Diener erblickt und die unsichtbaren Wellen seines Zorns erfassen Radisar, daß der daraufhin sogar seinen Blick von Lola abwendet.

Es verlangt dem rot-blonde Thorwaler nach Rache und einer Waffe, um dem kleinen, glatzköpfigen Ärgernis ein sofortiges Ende zu bereiten. Doch hat er, zu seinem Leidwesen, weder Schwert noch Dolch dabei. Der Wütende erfaßt daher die 'Pfanne nach Art des Hauses', die immer noch auf dem Tisch steht, und macht sich bereit diesen schnurrbärtige Wicht zu plätten. Im langsam erstarrenden Nahrungsbrei der Pfanne, kann man deutlich noch zwei liebliche, kreisrunde Abdrücke sehen.

"WEG DA!" schreit da plötzlich jemand von jenseits der Theke. Radisar fährt herum, kann aber nur noch erkennen, daß eine Flasche auf ihn zufliegt, er kann sogar das Etikett schon lesen, jedoch ist ihm diese Marke völlig unbekannt. Der kleine Diener reißt den Kopf herum und kann dem gläsernen Geschoß gerade noch ausweichen, nicht aber der rot-blonde Wüterich, der ihn von der anderen Seite zu attackieren versuchte.

Dieser wird voll an der Stirn getroffen und sackt zusammen wie ein gefällter Baum. Die Pfanne entgleitet seiner Hand und fliegt, wie von Sturmböen getragen, an die Decke der Kneipe. Dort, über der Theke, ist eine große, alte und zerbeulte Bronzeamphore angebracht, die, von zwei abgewetzten Schüren gehalten, über den Köpfen der Thekenzecher schwebt. Die 'Olle Bottel' nennt man sie und sie gab der Taverne ihren Namen.

Als die rotierende Pfanne, fliegend wie Rur's Diskus, an das Bronzegefäß prallt, ertönt es wie ein Gong, der so ähnlich klingt, wie das tönende Zeichen, mit dem der Travia-Tempel zu Festum seine Geweihten zu Tisch ruft. Der Aufprall ist zu stark für die alterschwachen Halteseile. Als sie reißen saust die 'Olle Bottel' nach unten und wieder ertönt ein sonorer Gong. Den kann Radisar allerdings nicht mehr vernehmen, denn die 'Olle Bottel' hat ihn, auf ihrem Weg nach unten, empfindlich am Kopf getroffen.

Sofort wird es finster und schwarz um ihn herum ...........



Wieder Darian


Plötzlich schreckt der Adeptus hoch. ´Mada und Hesinde, ich musz eingeschlafen sein. Wie spät es jetzt wohl ist und vor allem, wie lange bleiben wir noch im Hafen ?´ Er steht von seiner Koje auf und streckt sich. Dann ordnet er seine Kleidung ein wenig, und verläszt seine Kabine. Er verschlieszt die Tür sorgfältig und begibt sich dann aufs Oberdeck, wo er sich erst einmal umschaut. Der Schiffszimmermann, der auch bei der Aufklärung der Schmuggelintrige dabei war, ist offenbar dabei die Schäden am Schiff auszubessern, die während der Meuterei entstanden sind. Die Frau, wie hiesz noch gleich, Nirka, von der er inzwischen weisz, dasz sie keine einfache Matrosin, sondern Bootsfrau ist, führt gerade ein etwas lauteres Gespräch mit einigen Matrosen, das Darian allerdings nicht interessiert, gehen in solcherlei Dinge doch nichts an. Jergan steht auf der Brücke und unterhält sich gerade mit dem Thorwaler Krieger, der sie die letzten Tage begleitet hatte. Darian steigt die Stufen zum Brückendeck empor und wartet erstmal ab, dasz Jergan mit dem Thorwaler fertig wird.



Jergan und Darian


Jergan erwidert das Nicken des Thorwalers, und wendet sich dann dem gerade angekommenen Magier zu.

"Womit kann ich Euch helfen?"

Der Satz wirkt etwas abgehakt, denn die zweite Hälfte, die ihm noch auf der Zunge lag '... oder wollen wir weiter über Versteinerungen reden' verschluckt er der Höflichkeit halber.



"Nun, ich wollte nur kurz anfragen, wie lange Ihr noch in Thorwal zu verweilen gedenkt, respektive wann die NORDSTERN wieder ablegen wird."

Den Grund seiner Anfrage verschweigt er zunächst, will er dem Kapitän doch nicht mit Details belasten und ihm lieber eine Gelegenheit zur Antwort geben.



Jergan antwortet nicht sofort, sondern sieht erst einmal einige Augenblicke über das Deck und insbesondere in Richtung der Bootsfrau, die anscheinend gerade mit dem Aufbruch beschäftigt ist.

"Eigentlich wollten wir schon unterwegs sein, aber Ihr wißt ja, was dazwischen gekommen ist. Momentan hängt es ein wenig davon ab, ob unsere Bootsfrau in der Stadt heute noch wenigstens ein paar Matrosen und vor allem einen neuen Koch findet. Wenn ihr das gelingt... dann laufen wir morgen früh aus."



"Morgen früh also ... " murmelt der Adeptus mehr laut gedacht als gesprochen. Dann wieder klar und verständlich an Jergan:

"Habt Dank fuer Eure Auskunft."

Dann wendet er sich auch schon wieder um und steigt die Stufen zum Oberdeck hinab. Der Schiffszimmermann streicht gerade die Reling mit einer niederhöllisch stinkenden Tinktur ein, so dasz Darian sich bemüht möglichst zügig das Deck zu überqueren, ohne jedoch zu rennen. An der Planke angekommen überlegt er einen Augenblick. Nein, zur Akademie kann er heute nicht mehr gehen, zu grosz wäre die Gefahr sich zu blamieren. Zwar ist es nicht sonderlich hesindegefällig die Akadmie einfach links liegen zu lassen, zumal man ihm angeboten hatte zu kommen, aber er kann den Besuch ja immer noch auf dem Rückweg nachholen, auch wenn dies erst in einigen Monden der Fall sein würde. Dennoch tritt er auf die Planke und verläszt das Schiff, ein wenig die Stadt ansehen kann er sich ja und in seiner Kabine wird er noch genug Zeit verbringen.



Der Käuterladen


Armen führt Alrik seit sie den Hafenbereich verlassen haben mit großer Sicherheit durch einige kleine Gassen und stoppt plötzlich.

"So, da wären wir." Armen deutet auf einen Laden, der sich äußerlich nicht sehr von den um ihn herum Gebäuden unterscheidet. Es ist ein einfaches einstöckiges Holzhaus und nur der Duft der verschiedenen Kräuter, der hier den Gestank der restlichen Umgebung ein wenig überdeckt, läßt erahnen, was sich hinter der Tür befindet.

"Wenn ihr nun eintreten wollt."



Alrik läuft in Gedanken versunken seinem Führer hinterher. Als dieser stehen bleibt schafft es der junge Magier gerade noch einen Zusammenstoß zu verhindern. Der Magus will Armen gerade auffordern doch weiter zugehen, da bemerkt er die Hütte und die Worte seines Gegenübers. Freundlich lächelnd antwortet er:

"Nach Euch, ihr scheint Euch hier ja bestens auszukennen und zweifellos kennt ihr auch den Besitzer des Ladens."



"Die Besitzerin, Kora Fironwulf, ist eine gute Bekannte von mir. Sie kauft öfter bei mir ein, besonders wenn sie 'ausgefallene' Dinge braucht."

'Sie wird sich freuen, über das Angebot, das ich ihr machen kann.'

"Wenn ihr jetzt eintreten wollt, sie wird garantiert das passende für euch haben."

Armen öffnet die Tür, zuckt wie jedesmal unter dem schwerem Duft der Kräuter zusammen.

'Na wo ist sie denn nur?'

Dann sieht Armen die kleine, etwas gesetzt erscheinende Kora. Ihre langen roten Haare fallen über ihre Schultern und verleihen ihr ein wesentlich jüngeres Aussehen.

"Armen, bist du alter Ausbeuter auch mal wieder in der Stadt? Wenn hast du mir denn da mitgebracht?"



Der Magus tritt vor greift nach der Hand der kleinen rothaarigen Besitzerin des Ladens. Er beugt sich über ihre Hand und stellt sich vor

"Ich bin Alrik Fuxfell, Magus im Dienste des Landvogts zu Torquintal".

Geräuschvoll saugt er die schwere Luft ein.

"Wenn ich mich in Eurem Laden etwas umsehen könnte? Ihr habt bestimmt noch einige mit Eurem Freund zu besprechen."



Als Geschäftsfrau ist sie zwar hin und wieder freundliche Kunden gewöhnt, aber so galant hätte sie noch nie jemand begrüßt, stellt sie errötend fest.

"Natürlich werter Magister könnt ihr euch hier umsehen. Wenn ihr etwas Spezielles sucht, wendet euch an meinen Gehilfen Rastol. Ich habe tatsächlich noch etwas mit Armen zu besprechen."

"Ich hoffe ihr findet was ihr sucht und zieht meine Freundin nicht zu sehr über den Tisch. Wir gehen besser in den Nebenraum." sagt Armen und er geht mit seiner alten Geschäftsfreundin in den Nebenraum.



Alrik bedankt sich höflich mit einem Nicken und wendet sich den Regalen mit den vielen Tinkturen, Fäßchen und Flakons zu.



Im Nebenraum


"Na, alter Beutelschneider, was hast du mir diesmal anzubieten?"

"Ich habe ein paar schöne Kisten Rauschkraut dabei. Wenn du Interesse hast, zum gewohnten Preis kannst du es haben. Sonst werde ich es bei jemanden anderes los."

Als gute Geschäftsfrau kann sich Kora natürlich nicht zufrieden geben.

"Willst du mich ausrauben, das letzte mal hatten wir doch ausgemacht, das es das der Preis nur noch 3/4 beträgt?"

"Das hatten wir, aber die Einkaufspreise haben sich verändert. Ich mußte mehr bezahlen, deshalb kann ich dir höchstens fünf Prozent Nachlaß geben!"

"Fünf Prozent? Du willst mich wohl in den Ruin treiben. Ich habe hier einen schweren Stand. es gibt eine Gruppe hier, die mir ganz schön Konkurrenz macht. Mein letztes Wort sind fünfzehn Prozent, sonst kann ich es hier nicht mehr verkaufen."

"Ich habe ja noch die Transportkosten, das Schiff war nicht billig, wenn ich dir zehn Prozent Nachlaß gebe Arbeite ich zum Selbstkostenpreis."

"Gut, zehn Prozent ist in Ordnung, das Geld bekommst du dann, wenn die Ware da ist. Es ist mir immer eine Freude mit dir Geschäfte zu machen. Darauf sollten wir anstoßen."

Kora holt zwei Becher mit bestem Wein und gibt einen davon Armen.

"Prost!"

Beide setzen den Becher an und trinken ihn auf einem Schluck aus.

"Nun sollten wir aber wieder nach meiner Kundschaft sehen. Morgen früh steht dann mein Wagen für den Transport am Hafen."



Armen und die Händlerin treten wieder in den Laden, nachdem sie den Handel abgeschlossen haben.

"Habt ihr schon etwas gefunden?" wendet Armen an Alrik.



Zurück im Laden


"Gefunden habe ich leider nichts, aber ihr habt einen sehr schönen Laden. Ich werde ihn weiter empfehlen wenn jemand in der Nähe einen Kräuterladen sucht"

Alrik wendet sich bei seinen Worten wieder Armen und der Ladenbesitzerin zu.



"Das tut mir leid, das sie nicht gefunden haben."

Die Besitzerin scheint betroffen zu sein.

"Leider muß ich wieder zurück zum Schiff, da ich es morgen verlasse und die Waren noch ausgeladen werden müssen. Wenn ihr euch noch in eine gute Kneipe wollt, dann geht doch in 'Schwert und Zauberei'. Die ist gleich um die Ecke. Dort geht es immer hoch her und Essen und Trinken ist gut."



Alrik verabschiedet sich mit einer Verbeugung von Armen und der Ladenbesitzerin. Er tritt auf die Straße und schaut sich nach der genannten Taverne um. Etwas die Gasse hinunter kann er sie auch schon sehen und so macht er sich auf den Weg.



Ungeschickter Ottam


Als Alrik sich samt Begleitung auf den Weg in die Stadt macht bemerkt Ottam plötzlich, daß er die ganze Zeit in diese Richtung gestarrt hat. Peinlich berührt macht er sich hastig auf den Weg zu seiner Kabine. Doch der Weg soll nicht so einfach sein, wie er sich das vorstellt, hastig, ja zu hastig ist er unterwegs. Plötzlich stolpert er ungeschickt über ein Stück Seil, das da im Weg liegt. Nur unter großer Mühe und abenteuerlichen Verrenkungen gelingt es ihm nicht der Länge nach das Deck einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

"Orgen Verflucht noch mal! Räum gefälligst das Seil aus den Weg, sonst weiß ich, wer hier bald Doppelschicht schiebt!" brüllt Ottam dem Matrosen entgegen, welcher eigentlich nur seine Pflicht tut und ein unbenutztes Seil zusammenrollt um es dann fort zu bringen. Daher wollte dieser auch gerade zu heftiger Verteidigung ansetzen als er sieht, wer da gerade fast gefallen wäre. Verschreckt schluckt der junge und ansonsten fleißige Matrose seinen Fluch hinunter, denn der Magus ist ,bei Efferd, so ziemlich der Letzte mit dem er es sich verscherzen möchte. Gedanklich sieht er sich schon quakend über die Planke hüpfen, als er ein kleinlautes

"Ja sicher"

hinter Ottam her ruft. Ottam hingegen ist einfach nur sauer über die offensichtliche Unfähigkeit der Leute. Ja unfähig das sind sie, allen voran dieser Jergan, denkt er sich und bekommt die Worte des jungen Orgen, den er keines Blickes mehr würdigt, gar nicht mehr mit. Statt dessen geht er weiter über das Oberdeck.



Weiterhin der Welt hadernd, bahnt sich Ottam unsanft seinen Weg in die eigene Kabine. Dort angekommen muß er erst einmal schnaufen. Nicht etwa vor Erschöpfung, sondern viel mehr über die allgemeine Ungerechtigkeit der Welt gegenüber seiner ganz eigenen Genialität.



In die Schenke .....


Es ist Jarun anzusehen, welche Freude es ihm bereitet mit seinen Reise etwas zu prahlen.

"Ich würde mich freuen, euch von den sagenhaften Städten des Südens zu berichten. Viele Geschichten, die alle der Wahrheit entsprechen, habe ich auf meinen Reise gehört. Aber auch über die Kultur und die Menschen der südlichen Reiche kann ich einiges zu erzählen."

Mit einer einladenden Geste deutet Jarun zur Wendeltreppe, die zum Ausgang des Tempels führt.

"Wenn ihr all eure Bitten und Danksagungen vorgetragen habt, könnten wir eigentlich gehen und uns eine gemütliche Schenke suchen. Ich merke auch, daß inzwischen der Hunger seinen Tribut fordert."

In diesem Moment ist ein langes nicht all zu lautes "kkkknnnnnnnuuuuuurrrrr" aus Jarun's Magen zu hören. Woraufhin er sich etwas beschämt über seine mangelnde Körperbeherrschung den Bauch reibt und Phexane anlächelt.



Phexane kann sich ein leises Lachen nicht unterdrücken.

"Geschichten, die alle der Wahrheit entsprechen? Das habe ich schon sehr oft gehört."

Als Jaruns Magen knurrt, fügt sie hinzu:

" Oh, ihr müßt mich nicht gleich anknurren. Ich denke, eure Geschichten werden ganz gewiß der Wahrheit entsprechen."

Sie zwinkert ihm freundlich zu, dann geht sie die Wendeltreppe hoch.



Schnell folgt Jarun der vorauseilenden Phexane.

Wenige Sekunden später stehen die beiden Gläubigen wieder in dem Hinterhof des Hauses.

"Ich schlage vor, ich übernehme die Führung. Gar nicht weit von hier ist eine gemütliche Schenke, wenn mich mein Gedächtnis nicht völlig trügt. Oder bevorzugt ihr einen anderen Ort? Ich richte mich da ganz nach euch."



"Oh, sucht ihr ruhig eine Schenke aus. Hauptsache, da kann man seinen Spaß haben."

Phexane hakt sich kess bei Jarun ein.

"Ihr erlaubt doch, oder?"



"Nun ja, ähm... . Ja also ich ... ich habe nichts dagegen. Was sollte ein alter Mann wie ich dagegen haben, mit einer so netten jungen Dame durch die Straßen von Thorwal zu schlendern."

Freundschaftlich tätschelt Jarun die eingehakte Hand Phexanes, während sie sich zurück auf die Hauptstraße begeben.

"Die Schenke die ich meinte heißt 'Schwert und Zauberei'. Man kann dort ganz gut essen und es ist dort immer lustig, da dort oft Barden und Gaukler eine Vorstellung geben. Jedesmal wenn ich in der Stadt bin kehre ich dort ein und genieße die Stimmung. Aber paßt gut auf eure Dukaten auf, sonst werdet ihr heute selber noch das Opfer eine phexgefälligen Gastes. Und hofft dann nicht auf die Hilfe von Falamar und Gsoxirif"

Mit diesen Worten führt Jarun seine Begleiterin durch die Straßen Thorwals.



"Mag sein, daß ihr nicht mehr der Jüngste seid, aber eure Aufführung auf der Nordstern war ziemlich beeindruckend. Schade nur, daß ich nicht alles gesehen habe."

Phexanes Gedanken gehen kurz nach Gareth, wo ihr Sohn lebt. Sie fühlt einen leichten Kloß im Hals, als sie an sein Gesicht denkt, das er machte, als sie wieder abreiste.

Doch dann ist sie wieder im Hier und Jetzt.

'Da kann man nichts machen. Es ist so, wie es ist!'

Sie läßt sie ihre Blicke durch das geschäftige Thorwal schweifen. Größere Metropolen hatten für sie schon immer einen besonderen Reiz gehabt. Dabei hört sie Jarun weiter zu, bis er zwei Namen nennt, die sie noch nie gehört hatte.

"Wer?" fragt sie ihn plötzlich "Fala ....?"



"Falamar und G-sox-ir-if. Das sind die beiden Besitzer vom 'Schwert und Zauberei'. Gsoxirif, ihr könnt ihn aber auch Großer nennen, auf diesen Namen hört er inzwischen auch ganz gut, ist ein ehemaliger Soldat der kaiserlichen Armee. Sein beeindruckender Zweihänder hängt hinter dem Tresen an der Wand. Mit ihm hat er, seinen Worten zufolge, schon mehr als 100 Orks erledigt. Ansonsten ist er aber sehr still und nimmt meistens nur die Bestellungen der Gäste an."

Ohne seine Erklärung der beiden Namen zu unterbrechen, biegt Jarun in eine Seitenstraße ab, die in einigen Schritt Entfernung auf eine breite Brücke führt.

"Der Andere, Falamar, ist ein Aufschneider und Lügner. Aber so lange er mich in Ruhe läßt, ist es mir egal, was er erzählt." Jaruns Stimme hebt sich ein wenig im Zorn und auf seinem Gesicht zeigt sich trotz Schminke eine tiefe Furche auf der Stirn. "Verstehe immer noch nicht so ganz, wie der Große an so einen kam. Hab die Geschichte zwar schon oft gehört, aber verstanden habe ich es immer noch nicht. Falamar nennt sich selbst Frauenheld und Schöngeist. Außerdem erzählt er allen, die es hören wollen, er wäre auf einer Magierakademie gewesen. Aber ich haben ihn bis jetzt noch nicht den kleinsten Zauber wirken sehen."

Mit seiner freien Hand deutet Jarun auf Phexanes Geldbeutel.

"Ihr solltet ihn ein wenig unauffälliger tragen. Die Beiden greifen bei Diebstählen nicht ein, sondern lassen den Bestohlen selber dafür sorgen, daß er sein Geld zurück bekommt."

Auf der Brücke angekommen bleibt Jarun stehen und deutet landeinwärts.

"Dort hinten, seht ihr den See, in den der Kanal fließt. Wißt ihr was das ist?"



"Wasser," antwortet Phexane trocken, als Jarun sie fragt, was das dort hinten ist.

Nebenbei versteckt sie ihren Geldbeutel, der durch das Opfer im Phextempel etwas leichter geworden ist, in einer kleinen Tasche, die unauffällig in ihren Umhang genäht wurde.

'Das ist ich darauf noch nicht geachtet habe! Wäre ziemlich peinlich, wenn man mir mein Geld klauen würde.'



Trotz des schallenden Lachens, das Jarun's Körper erbeben läßt, versucht er weiter zu sprechen.

"Nun ja, meine junge spitzbübische Freundin, da habt ihr irgendwo recht. Allerdings wollte ich nicht auf das Wasser hinaus. Das habt ihr ja auf der Reise hierhin zu genüge gesehen."

Kurz deutet Jarun noch einmal in die Richtung des Sees.

"Dies ist der Winterhafen für die thorwalschen Drachenboote. Wenn Firun seinen eisiger Atem über die Lande haucht, bringen die Otta der Thorwaler all ihre Schiffe dort hinter im Hafen unter. Hinter der Palisade, sicher verstaut, überdauern sie dann den Winter, bis die See wieder sicher ist und befahren werden kann. Es ist viel Arbeit für die Otta, da die meisten Boote abgetakelt und an Land gezogen werden müssen. Aber es ist unerläßlich, wenn die Seefahrer darauf Wert legen im nächsten Frühling immer noch Seefahrer zu sein."

"Ich hoffe ich langweile euch nicht mit meinem Gewäsch über die thorwalsche Kultur? Aber, wie schon Rohal der Weise sagte:

'Wissen ist das Gold der Zukunft'. "

Dabei führt Jarun seine Begleiterin von der Brücke auf eine der Straßen.



"Nö, ist schon in Ordnung. Bisher habe ich immer gedacht, die Kultur der Thorwaler würde aus Bier, Schlägereien und schlechte Lieder bestehen. Aber ich habe mich bisher auch noch nicht so viel mit diesen Leuten beschäftigt," entgegnet Phexane und fügt in Gedanken hinzu:

'Wäre für mich irgendwann auch ungesund geworden, wenn ich mich mit den Thorwalern, mit denen ich 'zu tun' hatte, länger beschäftigt hätte.'

Phexanes Magen knurrt laut.

"Oh je, ich hoffe, in der Schenke gibt es auch was Gutes zu Essen? Das Essen an der Nordstern war für meinen Geschmack etwas eintönig. Ich könnte mal wieder was richtig Deftiges gebrauchen."



"Wenn ihr eine richtig deftige Mahlzeit sucht, seid ihr bei Gsoxirif's Frau gut aufgehoben. Sie versorgt euch mit guter Hausmannskost, aber auch mit ausgefallenen Gerichten."

Der Südteil der Stadt, in den die beiden Hungrigen mehr und mehr eindringen, hebt sich deutlich von Nordteil, aus dem sie kommen, ab. Immer selten sieht man eines der, im mittelreichischen Stil, erbauten Häuser.

Beherrscht dagegen wird das Stadtbild in diesem Teil von den Ottaskin. Abgeschlossenen, palisadenumzäunten Stadtteilen, die einem ganzen Otta eine Heimat geben. Innerhalb der Palisade stehen Langhäuser, Stallungen, Back- und Badehäuser, Schuppen und noch vieles mehr. Am beieindruckensten sind aber die Langhäuser. Zwischen 15 und 40 Schritt sind sie lang und haben eine Breite von bis zu 12 Schritt. Die tief heruntergezogenen Dächer geben den Häusern ein geducktes Aussehen und sind ein guter Schutz gegen Wind und Kälte, der eisigen Wintermonate.

"Dort vorne ist es."

Jarun deutet auf eines der Gebäude außerhalb der Ottaskins, über dessen Tür ein großes Schild hängt, auf dem ein Schwert und ein verzierter Stab abgebildet ist. Aus dem inneren der Schenke dringt leise die Melodie eines mittelreichischen Volksliedes. Unbewußt summt Jarun das bekannte Lied mit.



Mit wiegenden Schritten, die sich dem Rythmus des Liedes anpassen, führt Jarun seine junge Begleiterin in die Schenke.

Ein angenehmer Geruch von gebratenem Geflügel und Bier schlägt den Neuankömmlingen ins Gesicht. An dem knappen Dutzend Tischen sitzt ein buntes Gemisch von Reisenden aus allen Reichen Aventuriens. Thorwaler dagegen sieht man keinen, bis vielleicht auf die zwei Matrosen, die möglicherweise thorwalsche Vorfahren haben könnten. Genüßlich verspeisen sie ihre Hähnchen, die auf einem großen Teller in der Mitte ihres Tisches plaziert sind.

Ein Großteil der Gäste wird von einer Gruppe Gauklern gestellt. Ein dicker Mann mit gestutztem Bart und einer neckischen Mütze mit mehreren Glöckchen spielt auf seiner Laute, die Melodie, die man schon vor der Tür hören konnte. Während eine junge Frau, scheinbar eine Thulamidin, einige Schellen dazu schlägt. Drei junge Männer, die wohl zu den beiden Musikanten gehören, sitzen vor den beiden und klatschen im Takt dazu.

Zwei Männer an einem der Tische unterhalten sich angeregt. Beide sind in feineste Kleidung gehüllt und tragen ausgefallene Hüte mit breiter Krempe und einer Pfauenfeder. Die wild gestikulierenden Hände der beiden Gäste sind mit einigen übertrieben großen Ringen bestückt. Ab und zu unterbrechen die Beiden ihre unterhaltung und schauen zu den Barden herüber, scheinen sich aber eher über den Lärm aufzuregen, anstatt den Musikanten einige Kreuzer für die Lieder herüber zu werfen.

Mitten im Raum an einem großen Tisch sitzt eine einzelne Person. Ein grimmig dreinschauender Norbade mustert die beiden neuen Gäste und widmet sich dann wieder seinem Getränk. Der kahl geschorenen Kopf des Nordmannes, auf dem einige Schweißperlen zu sehen sind, spiegelt den Lichtschein der wenigen Fackeln wieder. Trotz der Wärme die in dem Gastraum herrscht, scheint er nicht gewillt zu sein, etwas von seiner Pelzkleidung abzulegen.

Zu guter letzt sitzen an einem Tisch in einer unbeleuchteten Ecke des Raums drei Schatten, die sich rege unterhalten und dabei mit den Händen vor den Gesichtern der anderen herumfuchteln.

Hinter dem Tresen steht ein wahrer Hüne von Mann. Seine zwei Schritt wird er mindestens messen und seine Oberarme die er auf den Tresen gestemmt hat, scheinen die Bretter zum bersten zu bringen. Die Wand hinter ihm wird von einem verzierten Zweihänder geschmückt, an dem scheinbar noch das Blut des letzten Orks festgetrocknet ist. Beim betreten der Gäste nimmt er eines der wenigen Weingläser aus dem Regal hinter sich und beginnt es mit einem Tuch zu polieren. Dabei gibt er den beiden Gästen mit einem Nicken zu verstehen, daß sie sich an einen der Tische setzen sollen.

Genüßlich atmet Jarun den Duft der Schenke durch die Nase ein, wodurch sein Magen durch ein weiteres Knurren seine Vernachlässigung anprangert.



Als Phexane den Geruch von Speisen und Getränken wahrnimmt, knurrt ihr Magen ziemlich laut. Leicht peinlich berührt hält sie die Hand davor, so als wolle sie ihn davon abhalten mit weiteren Knurrgeräuschen einen der anwesenden Gästen zu "beißen".

Doch im Gegensatz zu einem Hund, beißt ein Magen glücklicherweise niemanden und so nimmt sie wieder ihre Hand beiseite und setzt sich an einen freien Tisch.

Dabei achtet sie darauf so zu sitzen, daß sie den Großteil der Gäste sehen kann - sei es, um nicht doch noch beklaut zu werden oder sei es einfach nur, weil sie neugierig ist und die Leute etwas beobachten möchte.

Kurz blickt sie zu der Ecke mit den "Schatten" hin. Dann jedoch mustert sie für einen Moment den schwitzenden Norbarden und läßt dann den Blick über die Musikanten streifen, um letztendlich die besser gekleideten Herren zu beobachten.



Nachdem sich auch Jarun an den Tisch gesetzt hat, eilt auch schon der Wirt zu den neuen Gästen, um deren Bestellung aufzunehmen.

"Seid gegrüßt Jarun." dröhnt seine dunkle und rauhe Stimme durch den Schankraum. "Wieder mal in Thorwal? Wann und wo kann man denn Eure Kunststückchen wieder sehen?"

Mit abwinkenden Handbewegungen versucht Jarun den Fragen des Wirtes Einhalt zu gebieten.

"Nein, nein. Kein Auftritt diesmal. Ich bin auf der Reise in den Süden. Kann schon sein, daß ich heute abend weiterreise. Da bleibt keine Zeit für eine Vorstellung. Aber wenn ich mich recht entsinne, wird Mausling mit dem Rest der Truppe in ungefähr einem Mond in Thorwal eintreffen. Und ich sage euch, diesmal haben wir uns übertroffen. So eine hervorragende Gauklertruppe hatten wir noch in keinem Jahr zusammen gebracht. Aber seht selbst. Es wird sich lohnen."

Etwas enttäuscht aber trotzdem freundlich versucht Gsoxirif die Bestellung aufzunehmen.

"Nun ja, dann werde ich mich wohl noch einen Mond gedulden müssen. Aber ihr sollt euch mit Speis und Trank nicht länger gedulden. Was kann ich euch bringen?"

Fragend schaut Jarun Phexane an.

"Worauf habt ihr Hunger?"



"Hmmmm," Phexane geht, auf Jaruns Frage hin, kurz in sich und spürt wieder den bohrenden Hunger.

"Einen großen Fisch hätte ich gerne und dazu Brot. Zu Trinken hätte ich gerne ein Bier."

Phexane stellt sich die leckeren Fischgerichte, die es in Havena gab vor.

'Mann, was gäbe ich dafür, wieder einen ordentlichen Kochfisch zu essen! In Havena hat der Fisch immer noch am besten geschmeckt!'



Der Wirt nickt und richtet dann wieder seinen Blick zu Jarun.

"Und was kann ich euch bringen? dasselbe?"

"Nein danke, ich würde zwei gebratene Hähnchen mit einem Leib Brot bevorzugen. Schön knusprig sollten sie gebraten sein. Dazu bringt mir bitte einen trockenen Rotwein."

Wieder nickt der Große und verschwindet gemächlich in einem anderen Zimmer, kommt aber bereits nach wenigen Augenblicken wieder und stellt sich hinter den Tresen.

Jarun's Augen, die für einige Sekunden dem Wirt gefolgt sind, schauen nun wieder Phexane an.

"Wir sollten die Zeit bis zum Essen nutzen. Ihr seid daran interessiert etwas über den Süden zu hören. Dann will ich eure Neugier stillen."

Jarun lehnt sich in seinem Stuhl zurück und beginnt leicht hin und her zu kippeln.

"Worüber soll ich berichten?"



Bevor Phexane auf Jarun's Frage antworten kann, wird die Tür der Gaststube aufgeschmissen. Laut kracht die Tür gegen die Wand, so daß man meinen möchte, sie würde aus er Angel fliegen.

Ein junges Mädchen, etwa 17 Götterläufe mag sie zählen, eilt in den Raum, wobei ihre langen rotblonden Haare und das blaue Kleid, das sie trägt, hinter ihr her wehen. Während sie mit einer schnellen Bewegung die Türe schließt, schaut sie kurz in die Runde der Gäste.

Dann legt sie die wenigen Schritte zum Tresen zurück und holt, während sie auf den Wirt einredet, eine helle Schürze hinter dem Tresen hervor.

"Es tut mir leid Gsoxirif. Ich weiß, ich weiß.....

Du brauchst nicht so zu schauen. ich bin wieder mal zu spät, aber ich bin aufgehalten worden."

Vorsichtig beugt sie sich über den Tresen und senkt ihre Stimme, so daß die Worte nur noch für den Wirt hörbar sind.

"Du kennst doch die dralle Lola. Ich habe gesehen, wie sie wieder mal einen der Auswärtiger umgarnt hat. Das war eine Gestalt. Klein, mit einem dicken Bäuchlein und dann die feine Kleidung. Du hättest ihn sehen sollen. Der Kleine wußte gar nicht wo er zuerst hinschauen und greifen sollte. Ich glaube Lola war eine Nummer zu groß für ihn. Ich wollte sehen, was noch passiert, aber dann sind sie in der 'Ollen Bottel' verschwunden."

Auch das Gemüt des Wirtes hellt sich zusehends auf und ein kleines Lächeln ist dem Gesicht des Hünen zu sehen.

"Na gut, du hattest einen guten Grund und so voll ist es ja auch noch nicht. Ich mache eben die Getränke fertig. Du kannst sie dann an Tisch vier bringen."



Phexane denkt kurz nach, dann allerdings schreckt sie auf, als die Tür aufgerissen wird und gegen die Wand knallt. Sie holt kurz Luft, dann aber erinnert sie sich an einige Geschichten von früher, deren Wahrheitsgehalt sie schon ein wenig interessiert, da diese Erzählungen von Seemännern stammen, die die reinsten Meister im "Seemannsgarn spinnen" waren.

Ein alter Seebär hatte ihr mal davon erzählt, daß es ganz weit im Süden so heiß werden würde, daß die Segel Feuer fangen und noch tiefer soll es schon wieder kühler werden. Allerdings sagte ihr mal ein jüngerer Seemann, daß der Alte eine Zeitlang bei den Noioniten in Obhut war ...

Phexane denkt an all diese seltsamen Geschichten, doch ob sie jemals so tief hinuntersegeln würde? 'Nein, besser nicht! Sonst segelt das Schiff noch von Dere hinab! So möchte ich nicht enden!'

"Mich würden ein paar Geschichten über das Liebliche Feld interessieren. Ich fahre nämlich mit bis nach Belhanka mit. Oder wie wäre es mit den Städten der Tulamiden? Oder ..."

Sie überlegt kurz, ob Jarun vielleicht schon mal so weit hinab in den Süden gesegelt ist, doch da sie sich nicht blamieren möchte, wenn sie mit diesem Seemannsgarn anfängt, läßt sie es lieber bleiben.

"Ach, erzählt am besten, wozu ihr Lust habt. Mich interessiert alles!"

Phexane grinst Jarun fröhlich an. Ihre Neugier und ihr Interesse an fernen, fremden Länder ist ihr aus dem Gesicht zu lesen.



Jarun überlegt kurz und beginnt dann ohne Pause von der Schönheit der südlichen Städte zu berichten. Bei seinen Ausführungen beschränkt er sich aber keineswegs nur auf Worte, sondern mit seinen Händen unterstreicht er das, was er sagt.

"Eine der schönsten Städte im Süden ist Khunchom. Die Paläste der reichen Männer sind ganz und gar nicht mit denen vergleichbar, wie sie im Mittelreich gebaut werden. Die Mittelreicher sehen in ihren Schlössern meist nur ein Objekt, welches notwendig ist, um zu überleben. Es ist Schutz vor Feinden und dem Winter. Nicht mehr und nicht weniger. Die Tulamiden sehen ihr Haus dagegen als Schmuckstück an, durch das sie ihren Reichtum jedem zeigen, der es sehen will. Mit ihren Kuppeln, Erkern und kleinen Türmchen, die in so großer Zahl auftreten, daß sie unmöglich genutzt werden können, erscheinen sie fast wie die Behausungen der Güldenländer. An vielen Stellen sind diese Kunstwerke mit bunter Farbe bemalt und mit Gold und Edelsteinen verziert. Doch aufmerksame Wachen achten darauf, daß nichts von seinem Platz genommen wird. Meißt befindet sich um diese riesigen Bauten, die wahrlich einem Riese als Haus dienen könnten, ein Park der größer und schöner ist, als es ihn irgendwo in Aventurien sonst noch geben könnte. Die seltsamsten Früchte reifen dort. Ich erinnere mich da an eine Frucht die faustgroß und dunkelblau war. Schmeckte ungefähr wie eine Mischung aus Apfel und Pflaume. Und Zuckersüß war sie auch. Und Blüten in allen erdenklichen Farben und Formen waren dort zu sehen. So schön, daß nur Rahja selbst sie erschaffen haben kann."

Verträumt starrt Jarun an die Wand und atmet tief ein. Ganz so als könnte er den Duft der fremden Blüten riechen. So verstreichen einige Augenblicke, in denen sich Jarun voll und ganz seinen Tagträumen hingibt.



Basiliskengestank


Mit einem fröhlichen gepfiffenen Melodei kommt Hjaldar die Stufen des Brückendecks hinab und steuert auf den arbeitenden Ole zu.

Die eh schon recht schrägen Töne gehen in einen die Ohren beleidigenden, näselnden Abwärtston über, als Hjaldar sich Ole nähert, der gerade die Reling mit einer undefinierbaren, aber niederhöllisch stinkenden Paste einschmiert.

Das Näseln rührt daher, daß Hjaldar sich theatralisch die Nase zuhält und so sind seine Worte auch schwer verständlich als er dem Schiffszimmermann zuruft

"Bei den Nierhölln, reidst Du dasch Holsch mit den verwesn'd'n Resch'n von gesott'n'n Schumpfprantzen ein?"



Ole lacht.

"Nun sag bloß, du kannst mit einem guten Geruch nichts anfangen."

Der Schiffszimmermann tut ein wenig beleidigt, zieht die Mundwinkel nach unten und legt die Stirn in Falten und kann aber ein heimliches Grinsen trotzdem nicht so ganz unterdrücken.

"Nur die allerbesten Zutaten verwende ich, du hast es nicht ganz erraten, aber du warst sehr nah dran!"

Mit der Mimik eines feinsinnigen Genießers erklärt Ole weiter:

"Man nehme eine Ogerkadaver, reichlich abgelagert, möglichst unter der glühender Sonne der Gor-Wüste und man nehme eben jenen, der von am meisten Fliegen umschwirrt wird. Dann ziere man das Ganze mit Moder aus den Totensümpfen des Bornlandes und lagere es mehrere Wochen in den Abwasserkanälen Al'Anfa's, möglichst an jenen Stellen, die selbst von den Ratten gemieden werden.

Zu guter Letzt brösele man die Mumie eines alten Ork-Schamanen darüber, läßt alles auf hoher Flamme über den Feuern der Niederhölle köcheln und filtert den austretenden Saft durch das Lendentuch des Milzenis. Daraufhin fülle man das Ganze in gut verschließbare Flaschen!"

Ole lächelt Hjaldar zu:

"Großzügig eingeschmiert, auf Dinge aller Art, schafft man mit dieser Mixtur Gegenstände für die Ewigkeit!"



"Glaub ich gut und gerne ... bei dem Gestank ergreifen wohl auch die mutigsten Holzwürmer die Flucht." grinst Hjaldar "Und der eine oder andere flüchtet schon auf den Mastbaum." wobei er nach oben deutet, wo Sylvhar die Möwen ärgert.

"Ist das das Spitzohr, wegen dem es den ganzen Ärger gab? Sieht gar nicht so gefährlich aus von hier unten." ein munteres Lächeln begleitet dabei Hjaldar's Worte.



Ole sieht nach oben, mit den Augen dem Fingerzeig Hjaldars folgend. Er erkennt Sylvhar dort oben im Ausguck. Ole lächelt verschmitzt. Was der Elf dort oben wohl sucht? Vielleicht Einsamkeit, vielleicht die endlose Weite, die er hier auf dem Schiff nirgendwo besser finden kann, wie dort oben. Wer mag das schon wissen?

"Ach, Sylvhar, meinst du wohl!" antwortet Ole auf die Frage des Thorwalers "Nun, der sieht, wenn du ihm Auge in Auge gegenüber stehst auch nicht gefährlicher aus, wie auf die Ferne momentan. Glaub mir, der ist harmlos. Hat Aleara damals sehr geholfen, wie man hört. Die verstehen sich halt aufs Zaubern, diese Burschen. Ich habe jetzt schon einige von denen kennengelernt. Ich kann nicht sagen, daß ich viel von den Eigenheiten dieses Volkes kapiert habe, aber es waren alles nette Kerle gewesen und gute Kameraden .."

Zwar klang es ein bißchen so, als wolle Ole fortfahren in seiner Erzählung und Weiteres über seine Erlebnisse mit elfischen Volk zu berichten, doch dann hält er unvermittelt inne, schüttelt den Kopf, als wolle er unliebsame Gedanken vertreiben. Sogleich grinst er Hjaldar an.

"Was ist, du alter Wasserbüffel, wollen wir unter Deck gehen und der Sammlung Premer Feuer, die ich noch von Fianas Feier in Prem abgezweigt habe, einer genaueren Untersuchung unterziehen? Hier bin ich fertig und das Werkzeug habe ich schneller weggeräumt als du die Gurgel an den Flaschenhals kriegst!"

Ole grinst hinterhältig.

"Wir sollte hier verschwinden, denn hier stinkt es abscheulich, oder?"



"Das kannte laut sagen." erwidert Hjaldar lachend "Und bei dem, was ich von Elfen weiß, haben die eine ganz empfindliche Nase ... wir sollten uns also hurtig von dannen machen, bevor er uns noch auf den Kopf fällt wegen der guten Hafenluft."

Mit zwei schnellen Schritten ist er bei seinem Rucksack und hebt diesen mit einer Hand wie ein Hantelgewicht in die Höhe.

"Bei der Gelegenheit kannst Du mir gleich mal Eure 'Gemeinschaftskabine'...." ein vieldeutiges Grinsen spielt über sein Gesicht ".... zeigen, damit ich das Zeugs hier nicht ständig mit mir herumtragen muß."

Abwartend bleibt er stehen und wartet darauf, daß Ole sein Zeugs zusammengeräumt hat und dann vorgeht.



Ole beeilt sich sein Werkzeug und sonstigen Utensilien zusammen zu räumen, wobei er sehr aufmerksam darauf achtet, daß die Dose mit dem Holzmittel gut verschlossen ist. Sollte sich das stinkende Zeug unter Deck verbreiten, dann würde die NORDSTERN wahrscheinlich zu einem Geisterschiff werden.

Schwer bepackt geht er zum Abgang zum Unterdeck und dreht sich mehrmals um, prüfend, ob ihm Hjaldar auch folgt. Im Unterdeck angekommen erklärt er dem Thorwaler erst einmal, wie er zur Gemeinschaftskabine finden kann, dann beschreibt er den Weg zum Mannschaftsraum.

"Kannst dein Zeug verstauen, einstweilen, ich muß meine Sachen erst in den Laderaum bringen. Wenn du fertig bist, kannst du in den Mannschaftsraum gehen, ich komme dann auch sofort dahin. Und dann töten wir ein paar Flaschen .. !"



Hjaldar folgt Ole auf dem Fuße die Stiegen zum Unterdeck hinab - der Geruch dort oben ist wirklich nicht als Rahjadüftchen zu bezeichnen und so ist er froh, aus dem Dunstbereich herauszukommen.

Die kurzen Hinweise Ole's, wo welcher Raum zu finden ist, quittiert er mit einem verstehenden Nicken. Daß er sich verlaufen könnte, befürchtet Hjaldar sowieso nicht - seine Zeit auf dem Meer ist zwar schon einige Praiosläufe Vergangenheit und tatsächlich war er eigentlich nur auf Drachen unterwegs, aber wo man welche Räume in einem Schiff zu suchen hat ist ihm allemal klar.

"Woll ja. Keine Gefangenen." grinst er auf Ole's letzten Satz hin und wendet sich dann nach links, zu den Kabinen hin.

Die wenigen Schritte vom hinteren Niedergang, den sie herab gekommen sind, zur Gemeinschaftkabine hin hat er schnell zurückgelegt und öffnet dann schwungvoll die Tür zur Kabine, in der er zwei Personen vorfindet.

"Swafnir und den Rest zum Gruße." donnert er fröhlich und läßt seinen Blick schnell über die Kojen gleiten, bis er eine unbesetzte entdeckt, die er sich als sein 'Opfer' aussucht und einfach belegt, in dem er seinen Rucksack hineinwirft.

"Ich bin Hjaldar." stellt er sich schließlich mit breitem Lächeln den beiden Anwesenden vor.



Ende der Versenkung


Während Sylvhar noch leicht verträumt den Möwen hinterherschaut, sticht ihm allmählich erbärmlicher Gestank in die Nase. Mit jedem Atemzug wird die Plage gräßlicher und die Übelkeit größer. Aber wieso stinkt es hier denn auf einmal so grausam? Er schaut aufs Deck hinunter. Zunächst entdeckt er nichts, das die Quelle sein könnte. Da fällt sein Blick auf Ole, der, vertieft in einem Gespräch mit einem Unbekannten, durch seine Gestik mit einem kleinen Behälter und einem Pinsel herum wedelt. Es kann nur das sein. Sonst sieht's auf dem Deck wie immer aus. Sylvhar schaut wieder in den Himmel hinauf. Mittlerweile ist die Übelkeit so groß, daß er sich am Mast festhalten muß, geschweige denn hinunter schauen.



Nachdem Sylvhar mit der Möwe, die sich in unmittelbarer Nähe niedergelassen hatte, gespielt hat, verscheucht er sie mit flatternden Bewegungen seiner Hände und einem Lächeln im Gesicht.

'Flieg, flieg solange dich deine Flügel tragen und genieße jeden Augenblick davon.'

Danach blickt er wieder etwas gedankenverloren in den Himmel. Eine gewisse Regung auf dem Oberdeck lenkt ihn jedoch davon wieder ab. Mit einem wehmütigen Lächeln macht sich daran, den Ausguck zu verlassen.



Erschrocken flattert die Möwe, die es sich gerade gemütlich machen wollte, davon, zurück zu den anderen, wo sie letztlich in der Menge untergeht und nicht mehr zu erkennen ist.



Ole räumt auf


Für einen kurzen Moment schaut Ole dem davon stapfenden Hjaldar hinterher und seine Gedanken eilen Tage zurück. Ole erinnert sich daran, als sie zusammen in das Haus dieser niederträchtigen Zauberin eingedrungen waren, um nach Beweise für das Komplott gegen Jergan zu suchen. Trauriger Weise hatten sie dort nichts Entsprechendes finden können und der einzige 'Feind' den sie dort zur Strecke brachten, war ein kleines, altes Nachtkästchen, das sich auch den allergröbsten Anstrengungen zum Öffnen desselben durch Ole und Hjaldar geradezu spielerisch widersetzt hatte.

Als dann endlich das Holz nachgab, fanden sie zwar keine geheimen, nützlichen Dokumente, dafür aber den blitzensten und blickensten Schmuck, den Ole je gesehen hatte. Es wundert ihn noch heute, daß Hjaldar, dessen Augen damals verräterisch eine gewisse Gier nach solchen Kostbarkeiten verkündet hatten, dann doch nichts, aber auch gar nichts aus dieser wertvollen Sammlung hatte mitgehen lassen.

Hjaldar war ein sehr verläßlicher Mitstreiter gewesen, befindet Ole, auch wenn sie sich nicht immer mit Ruhm bekleckert hatten. Energisch schüttelt Ole den Kopf, als wolle lästige Gedanken vertreiben, dann steigt der Schiffszimmermann in den Laderaum hinab, sein Werk zu beenden.

Das meiste der Werkzeuge hat er aus der Segellast geholt, also bringt er es wieder dorthin zurück und als er alles wieder verräumt hatte, bleibt er noch eine kleine Weile andächtig stehen und blickt sich um. Wieder gehen seine Gedanken auf 'Wanderschaft'!

'Hier hat also Alles angefangen!' denkt er sich, als sein Blick auf den Verschlag fällt, dort wo Sylvhar gefangen gewesen war und aus seiner Pfeife steigt ein kleines Rauchwölkchen auf, dem Ole versonnen nachblickt.

"Wenn das Thorben sehen könnte, wo er doch immer so viel gegen das Rauchen unter Deck gehabt hat ....!" spricht er leise zu sich selbst.



Der alte Schiffszimmermann verharrt eine ganze Weile in Andacht, versunken in düsteren Gedanken.

Was mag Sylvhar empfunden haben, damals, als der Elf in diesen dunklen, engen Verschlag eingesperrt war, umgeben von Menschen, die ihn mit der Waffe bedrohen? Doch nicht nur dem Elfen gelten Ole's Grübeleien. Er spürt ganz deutlich, daß sich die Ereignisse der letzten Tage nicht so einfach zu erklären lassen, zumindest nicht mit einfacher Sprache. Was hatte damals Thorben und seine Gefolgschaft angetrieben die Hand gegen den eigenen Kapitän zu erheben? War es tatsächlich die Furcht vor des Elfen Zauberkraft gewesen?

Wahrscheinlich sind gerade Seeleute, die die meiste Zeit ihres Lebens auf einem engen Schiff bei härtester Arbeit verbringen besonders empfindlich gegen alles was anders ist, besonders wenn es darum geht, Wesen, die sich in ihrer Art von ihnen so sehr unterscheiden, so wie das bei Sylvhar eben der Fall ist, in ihrer Mitte 'willkommen' heißen zu müssen.

Wer so lange Zeit, auf so engem Raum, so nahe bei den anderen leben muß, der entwickelt wahrscheinlich ein lauerndes Mißtrauen für alles, was sich dem Normalen entzieht. Denn nichts tut man auf einem Schiff für sich alleine und ein Kamerad, der nicht so ohne weiteres in das einfache Weltbild der Seeleute einzupassen ist, kann da schon einmal als eine Bedrohung empfunden werden, auch wenn dieser nicht dabei tut, was diese Einschätzung rechtfertigen würde. Ole seufzt.

'Das wird wohl immer so bleiben!' denkt er sich, ohne sehr viel Hoffnung auf eine tolerantere Welt.

Dann schüttelt er seine Gedanken ab, als wären sie lästiger Schweiß auf seiner Stirn und er verläßt die Segellast, stapft durch den Laderaum, dem Unterdeck entgegen.

'Ich sollte mich beeilen, vielleicht wartet Hjaldar schon!' denkt er sich weiter, aber wahrscheinlich drängt es ihn nicht so sehr aus Sorge um den Gefährten der letzten Tage, sondern mehr deshalb, da er nun das dringende Verlangen spürt einen kräftigen Schluck zu sich zu nehmen.



Der Bote


Am Kai vor dem Schiff taucht ein junger Mann aus dem geschäftigen Treiben auf, er wirkt ziemlich müde und auf seiner Kleidung erkennt man den Staub einer langen Reise. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, daß es sich bei dem Mann um einen Botenreiter handelt. Er schaut fragend zum Brückendeck empor und erhebt dann die Stimme:

"Äh, Ahoi, befindet sich bei ihnen an Bord ein gewisser Dajin von Tarschoggyn?".

Dabei wedelt er mit einer versiegelten Nachricht herum.



Nirka und Trolske haben gerade die Planke passiert, als der Mann mit der Nachricht in der Hand seine Anfrage in Brückenrichtung stellt.

Nirka bleibt stehen und läßt ihren Blick dem Ruf folgen. Als sie sieht, daß der Kapitän gerade in eine Unterhaltung mit dem jungen Magier vertieft ist, wendet sie sich ganz dem Boten zu und antwortet:

"Ja, der befindet sich an Bord. Ich vermute mal, daß Eure Botschaft für ihn ist, nicht wahr?"

Sie wartet nicht auf die Antwort, erwartet im Grunde auch keine, denn eigentlich ist das ja offensichtlich, wenn ein Bote, der offensichtlich gerade eine längere Reise hinter sich hat, nach jemanden fragt, daß es sich um eine wichtige Botschaft für eben jene Person handelt.

Sie dreht sich um, und ruft den auf dem Oberdeck herumstehenden Matrosen zu:

"Holt mal den Herrn Dajin von Tarschoggyn - es ist eine wichtige Botschaft für ihn eingetroffen."

Sie selbst wendet sich fast wieder zum Gehen und wartet nur noch darauf, daß Bote oder Matrosen noch Fragen an sie haben.




Xenia geht suchen


Bei der Nachricht an Herrn Tarschoggyn scheint es sich um etwas Wichtiges zu handeln - jedenfalls hat Xenia den Eindruck. Seufzend zuckt sie die Schultern.

"Wasuren, wart' mal kurz..." wendet sie sich kurz an den Matrosen. "Ich komme gleich wieder - ich gehe nur kurz den Herrn von Tarschoggyn suchen."

Damit wendet sie sich ab, ohne auf eine Antwort zu warten und läuft in leichtem Dauerlauftempo auf den Niedergang zu, um darin nach unten zu verschwinden.

'Auf diese Art komme ich nie zu meinem Landgang...'

Unten wendet sie sich sofort nach links und geht zielsicher auf die Tür des Gemeinschaftsraumes zu.



Wasuren nickt nur als Xenia sich kurz entschuldigt und dann in leichtem Dauerlauftempo zum Abgang läuft.

Wasurens Blicke können sich nicht von diesem schönen Anblick der so geschmeidig dahin 'fliegenden' Xenia trennen und er kann sich gerade noch einen Lauten Freudens-Pfiff verkneifen.

'Oh wow, wenn ich doch bloß wüßte was in der Nacht von Fianas TSA-Tag passiert ist. Ob Alrik wohl recht hat mit dem was er sagte?'



Der Heranstolzierende


Die Lage Thorwals, als Zwischenstation zu den wilden Ländern des Nordens und den reichen des Südens macht die Hafenstadt zu einem wahren Ameisenhaufen der Betriebsamkeit.

Der aktivste Teil der Stadt ist jedoch das Hafenviertel, und die Essenz hiervon findet sich auf der Kaimauer. Alles steht voller Kisten und Fässer und den Wagen und Karren von denen diese ab- und aufgeladen werden. Die Lagerhäuser und die Wirtshäuser sind geöffnet und beide spucken genauso viele Menschen und Dinge aus, wie sie kurz danach wieder verschlucken.

Die Menschen selbst schreien und rufen und rennen und fluchen und scheren sich nicht im geringsten darum, Rücksicht zu nehmen auf andere, sofern sie nicht gerade etwas zu verkaufen haben. Denn darum geht es immer: kaufen, verkaufen, Dukaten verdienen.

Durch dieses Gewühl schiebt sich, besser gesagt: stolziert ein Mann. Er gehört nicht zu denen, die durch ihre Statur auffallen: Nicht groß nicht klein, nicht dick nicht dürr, nicht muskulös nicht schmächtig.

Das Besondere, das Auffallende an ihm ist sein Kopf, der wesentlich größer wirkt als bei anderen Menschen; und sein Gesicht, das, glatt rasiert, beherrscht wird von einer hervorstechenden, nach unten gebogenen Nase. Zusammen mit der kantigen Schädelform und den, in Kenntnis um die Wirkung, oft zu Schlitzen verengten Augen verleiht ihm diese ein raubvogelhaftes Aussehen.

Seine Kleidung, ein einfarbiger Rock und Hose aus seidig-blau schimmerndem Stoff, dazu Stiefel und ein Hut mit breiter Krempe, wirkt auf den ersten Blick zwar durchaus von guter Qualität, jedoch auch nicht aufsehenerregend - zumindest solange, bis der aufmerksame Beobachter merkt, daß das darunter getragene weiße Hemd tatsächlich sauber, die Schuhe geputzt und der Rock gebürstet ist, was für eine Gesellschaft, in der fast jeder in seiner Kleidung schläft, eher ungewöhnlich wirkt.

Der Mann scheint nicht bewaffnet zu sein. Jedoch könnte der Kundige in dem unauffälligen Stock mit länglichem Knauf, den er oft beim Gestikulieren umher schwenkt, einen Stockdegen erkennen.

Dieser nicht gerade unauffällige Mann geht im Schritt eines langsamen Spaziergängers und läßt bei jedem Schritt seinen Stock auf das Pflaster schlagen, so daß ein lautes "Klack" zu hören ist. Er hat seine ganze Aufmerksamkeit auf die Schiffe am Kai gerichtet und erwartet wohl von allen anderen auf der Straße, daß sie ihm ausweichen. Dies tun diese auch, wenn auch mit lauten Flüchen, worum sich der Hutträger jedoch nicht schert.

In der NORDSTERN, auf deren Liegeplatz er geradewegs zugeht und dabei die beiden Seeleute ignoriert, die vor der auf das Schiff führenden Planke stehen, hat er offenbar gefunden, was er gesucht hat. In aller Ruhe mustert er das Schiff von Bug zu Heck, dann hebt er den Kopf und in Richtung der auf dem Oberdeck arbeitenden Matrosen:

"He Leute, sagt mal eurem Lademeister, daß ich ihn zu sprechen wünsche!"



Gerade noch ist Orgen damit beschäftigt möglichst wenig Grund für weiteren Ärger des davoneilenden Magus zu liefern, da ruft jemand nach dem Lademeister.

'Hmm Nirka ist gegangen, da bleiben ja nur noch die Offiziere oder der Kapitän.'

So wirklich sicher, wer jetzt zuständig ist er sich nicht, aber nichts tun wäre auch falsch, denkt er sich weiter.

Er ruft dem Frager kurz ein

"Geduldet euch einen Augenblick"

entgegen und macht sich dann auf den Weg zur Brücke. Dort angekommen betritt er sie nicht, sondern bleibt am Fuß der Treppe die hinauf führt stehen.

Der Matrose entdeckt Fiana, die am nächsten zur Treppe steht. An sie gerichtet sagt er:

"Matrose Orgen hat eine Meldung, Frau Offizierin"

Fiana wendet sich um und erwidert knapp "Ich höre"

"Jener blaugewandete" dabei deutet er auf den Fragesteller am Pier "wünscht den Lademeister zu sprechen und Nirka ist nicht an Bord, daher komme ich zu euch."

"Ist in Ordnung, er soll hier rauf kommen" antwortet Fiana und mit einem zackigen

"Jawohl"

macht sich Orgen auf den Weg zurück.

An der Planke angekommen ruf er zum Pier und dem blaugewandeten hinüber

"Ihr könnt an Bord kommen, die erste Offizierin erwartet euch auf der Brücke."



Mit einigen festen Schritten betritt der Fremde über die Planke das Schiff.

'Ein Schiff hat auch seine Vorteile. Es ist schneller als ein Pferdekarren. Und sicherer ... wenn es nicht gerade von Piraten überfallen wird. Mein lieber Frizzi, möglicherweise schaukelt es auch nicht so schlimm, wie das letzte. Immerhin ist es kleiner, damit leichter und schneller und kann einem Sturm davonfahren ...

Hoffentlich. Ich muß mich dringend daran erinnern, nach dem Wetter zu fragen.'

Dort angekommen wendet er den Kopf nach links und rechts und blickt das Schiff entlang.

'Ordentlich, wenn auch der Geruch nicht für das Schiff spricht. Mal schauen, mein Freund. Vorne heißt hier Bug und hinten Heck. Und hinten ist auch die Brücke, wenn sie auch nicht aussieht wie eine.'

Er wendet sich zu Brücke ...


'Ein seltsames Wort für diesen Aufbau. Ich meine es wäre schon im Güldenländischen verbürgt, wenn auch in leicht anderer Bedeutung. Eine Sache die du dingend mal verfolgen solltest.'


und geht auf sie zu. Immer noch stolzierend, hat er jedoch aufgehört mit dem Stock auf den Boden zu schlagen. Zwischen den Seeleuten, die sich eher mit sicheren, wiegenden Schritten bewegen, hat sein Gang etwas künstliches, tänzelndes, wie ein Akrobat mit Balancestange auf dem Hochseil oder ein Höfling auf den unsicheren Parkett unbekannter Intrigen.

'Erste Offizierin hört sich nach einem höheren Rang an als Lademeister. Allerdings kann das eine auch einen Rang bezeichnen, das andere nur einen Beruf, womit ein Lademeister auch Offizier sein kann, egal ob erster oder dritter. Jedenfalls ist der Kapitän der höchste Rang auf einem Schiff, das bleibt fest. Ach, all diese fremden Ränge werden mich noch freiwillig oder unfreiwillig in Borons Arme treiben.'

Er tänzelt den Treppenaufgang hoch und betritt das Brückendeck. Oben angekommen wirbelt er den Stock in die Linke um seine Rechte frei zu haben.

'Diese Thorwaler sind doch Riesen. Aus zwei von denen könnte man glatt drei von uns machen. Und was ihm auf den Rippen fehlt, bringt sie gleich doppelt mit.'

'Tss Tss. Offenbar achtet der Kapitän nicht sehr auf die Kleidung seiner Offiziere, aber die Dame muß die erste Offizierin sein. Ich frage mich allerdings, was dieser Matrose auf der Brücke zu suchen hat. Auf der "Schwanenhals" hatten Gemeine nicht solche Rechte.'

In geübter und fließender Bewegung führt er mit der Rechten eine winkende Bewegung aus, zieht sie dann bis fast an die Brust und verneigt sich tief, bis fast in die Waagerechte, dabei streckt er den Stock nach hinten senkrecht aus. So verharrt er den Bruchteil einer Sekunde und richtet sich mit einem freundlichen Lächeln wieder auf.

"Stets zu Euren Diensten, meine Dame. Möge die Sonne immer so goldig-rot über Aventurien scheinen, wie euch Haar in meinen Augen leuchtet. Erlaubet mir mich Euch in aller Bescheidenheit vorzustellen, Frizzi di Vespasio aus Balirii, euer Diener."



Mit einem leichten Grinsen auf den Lippen beobachtet der Kapitän, wie der neue Passagier von Orgen zu Fiana gelenkt wird - und wie dieser dann auch tatsächlich an Bord kommt und sich zu ihr begibt.

Jergan Efferdstreu bleibt da stehen, wo er sich befindet - im hinteren Teil des Brückendecks, so daß er das Schiff und das Treiben im Hafen gut überblicken kann - und auch Fiana zur Seite stehen kann, falls das notwendig werden sollte.



Fiana muß lächeln ob dieser blumigen Ansprache.

"Efferd zum Gruße Herr Vespasio. Ich bin Fiana Ohldotter, die erste Offizierin hier an Bord. Ich nehme an ihr habt Waren zu verschiffen ?" erwidert Fiana auf die Worte des Blaugewandeten.



Herr di Vespasio hebt den Kopf noch weiter in den Nacken und dreht ihn leicht zu Seite, um die größere Frau zumindest gestisch von oben herab mustern zu können. Dabei schließt er die Augen leicht und es entsteht ein Blick, der schwer zu deuten ist: Lauernd, in sich versunken oder anerkennend?

'Frechheit. Was erdreistet sich dieses Weib! Spricht mich an, wie einen ohne Stand. Wenn Du im Rang nicht über mir wärst, würde ich ... Und dieser Kerl da hinten grinst noch dazu! Na warte!'

Hörbar atmet er durch die Nase ein, und es gelingt ihm, dies wie ein Schnauben klingen zu lassen.

'Ruhig, mein Herz. Diese Barbaren sind es nicht wert. Denk an den Schatz, den du heimzuführen hast. Lächle. Wie schon Senca schrieb: Das Ohr muß den Dung aus dem Mund der Welt ertragen, der Geist mag darüber schweben.'

Ein Lächeln breitet auf dem Gesicht des Adeligen aus. Beginnend vom Mund kann es mit einiger Verzögerung auch die Augen erreichen und schließlich gar die Brauen heben. Der Mund hat sich derweil schon geöffnet und plaudert nun munter drauflos, als wäre nichts geschehen.

"Ha. Ja. Waren. Tatsächlich ist es mir gelungen hier und da ein gutes Geschäft abzuschließen, obwohl meine Freunde mir deutlich davon abgeraten haben, so weit in den Norden zu fahren. Was wirst Du nördlich von Havena schon finden, außer Schee und kalten Füßen? Das waren ihre Worte. Aber schauen Sie sich doch um, meine Liebe: Dieses herrliche Land, der Golf von Prem, der mächtige Bodir, die Stadt Thorwal, nicht zuletzt die freundlichen und gastfreundlichen Menschen hier."

Inzwischen hat der Redner den Stock wieder in die Rechte genommen und außen neben seinem rechten Bein aufgesetzt. So abgestützt gestikuliert er mit der Linken auf die Umgebung deutend hin und her, als ob er Thorwal selbst gekauft hätte.

Offenbar hat er die Absicht für längere Zeit Lobeshymnen zu singen, wenn er nicht unterbrochen wird. Während er seinem eigenen Gerede nur halb zuhört, hat sein Geist jedoch schon neue Bahnen eingeschlagen.

'So, dann zeigt mal ob Ihr handeln wollt, oder ob Ihr in der Art eures Volkes den Preis schon beschlossen habt. Wie auch immer, ich darf nicht vergessen, nach dem Wetter zu fragen.'



Herr di Vespasio hat zwischen den Sätzen einmal kurz Luft geholt und fährt mit einer leisen aber melodiösen Stimme fort auf Fiana einzureden.

" ... Schon als ich das erste Mal Thorwal erblickte, - ich kam aus den kämpfenden Königreichen, ein gar ungastlicher Platz, zwei Wochen hatte ich auf einem Floß zugebracht, das mehr unter Wasser schwamm als darüber - hat mich diese Stadt mit einem Lächeln begrüßt."

'Du hast dir bis jetzt noch nicht wirklich überlegt, wie du die Neugier dieser Leute befriedigst. Erzählst du zuviel, findest du dich mit zwei Fuß Stahl im Magen und tausend Fuß Wasser über dem Kopf auf dem Boden des Meer der Winde wieder. Verlierst du zu wenige Worte, schauen sie einfach selbst nach, mit denselben Folgen.'

"Es war gerade früher Abend und die Sonne ging über dem Meere unter und warf ein güldenes Licht auf die Dachfirste, so wie man nur an manchen Tage bei den Goldenen Bergen beobachten kann. Und schon bald danach konnte ich mich an den gedeckten Tisch eines anständigen Gasthofes setzen und die lokalen Spezialitäten geniessen."

'Ich frage mich, wie genau es der Kapitän mit der Kontrolle der Waren nimmt, die auf sein Schiff geladen werden. Spätestens, wenn wir zivilisierte Gegenden erreichen, wird ein Richter nur gegen viel Gold darüber hinweg sehen wollen, daß ein Kapitän seine Ladung nicht kennt. Und eine glatte Lüge wird mich später bei Praios zuviel kosten.'

"Ach bei all dem Herumreisen und dem Ärger, den ein einfacher Händler heutzutage hat, sein Silber zu verdienen sind es dann doch diese Moment der stillen Einkehr, die einen wirklich bereichern, meint Ihr nicht auch."

Der letzte Satz schien weniger eine Frage zu sein, als eine Feststellung. Zumindest läßt er kaum eine Lücke in seinem Redefluß aufkommen. Statt dessen hat er seinen Stock wieder vom Boden erhoben und gestikuliert nun beidhändig all seinen Ärger gegen diese Widerlichkeiten die reisenden Händlern zugemutet werden hinaus.

'Vermutlich ist es am besten einfach die Möglichkeiten meines Frachtbriefes auszunutzen und bei einer Halbwahrheit zu bleiben.'

"Aber jetzt habe ich länger als es einem vernünftigen Menschen erlaubt sein sollte einen Vorwand gesucht, mich noch länger hier aufzuhalten. Mein Geschäft treibt mich nach Hause zurück. So bleibt mir dann nur zu hoffen, daß ich noch viele Male hierher zurück kehren mag."

'Hab ich alles? Hmm - nein, Boron helfe meinem Hirn, ich habe die Kontakte vergessen. Du solltest wirklich genauer auf das achten, was du sagst. Und das Wetter, Frizzi, immer an das Wetter denken.'



Fiana läßt sich in keinster Weise etwas anmerken, doch weckt der seltsame Blick, der sie trifft ein seltsames Gefühl in ihr, eines, das ihr sagt wachsam zu sein. Ihr Gegenüber hat zwar eine geflügelte Sprache, doch irgend etwas stört, und sie ist sich nicht sicher ob sie wissen will was es ist.

Dennoch bewahrt sie routiniert ihre Miene und lächelt weiterhin freundlich, auch als der Mann schnaubt, als wolle er ein kleine Pferd nachahmen.

Das schließlich ein Lächeln sein Gesicht ziert, trägt nicht unbedingt dazu bei, daß sich ihre Meinung ändert.

Höflich wartet Fiana, zumindest den ersten Schwall der Lobeshymnen ab, doch dann wartet sie geschickt einen Satz ab, den man als Abschluß betrachten könnte und hakt flux ein, auch auf die Gefahr hin, daß Frizzi di Vespasio bereits den nächsten auf der Zunge liegen hat.

"Ja, ihr habt recht, es ist ein wundervolles Land, voller Leben und Schönheit. Doch ihr spracht von einem guten Geschäft, was habt ihr den Gutes zu verschiffen ?"



Mit ihrer dazwischen geschobenen Bemerkung erntet Fiana einen zweiten Blick des blaugewandeten Mannes. Und genauso mehrdeutig wie der erste Blick war, ist dieser zweite eindeutig: Du hast mich unterbrochen. Das ist sehr unhöflich. Ich erwarte eine Entschuldigung. Oder, und damit nähert man sich der Absicht des Händlers, eine sehr entgegenkommende Abmachung.

'Meine liebe Güte, sind diese Thorwaler ungeduldig. Ich habe ja noch nicht mal angefangen. Wie haben es diese Totschläger nur geschafft eine Händlernation zu werden, wenn ihr Temperament allenfalls für das Piratentum ausreicht.'

Der Blick hält genau den Bruchteil eines Herzschlages an, den Herr di Vespasio für geeignet hält um die Nachricht zu überbringen, dann breitet sich das unverbindliche Lächeln auf seinem Gesicht aus.

"Aber natürlich, lassen Sie uns nur schnell diese Formalitäten erledigen. Ich darf sechs Kisten mein eigen nennen, für die ich eine Passage nach Kuslik suche, eine von diesen möglicherweise noch weiter bis nach Brabak, je nachdem wie es meine Geschäfte zulassen. Die Kisten sind etwa ein Schritt im Quadrat klein und etwas niedriger als dies. Darüber hinaus benötige ich noch ein Zimmer für mich und mein Gepäck."

Statt weiter auf die prächtige Umgebung zu deuten, fährt die linke jetzt auf andere Weise fort die Worte ihres Besitzers mit Gesten zu unterstützen. Nach einer wegwerfenden Handbewegung, die andeutet was der Sprecher von Formalitäten halten mag, folgt eine unbestimmt deutende Geste, die wohl Richtung Süden gemeint war, jedoch eher Prem anvisiert und zeigt, wie unwichtig gerade dieses Schiff ist, um das Ziel zu erreichen, dann ein Schlenker der visualisiert, wie sich die paar Kisten selbst in eine kleine Ecke des Brückendecks drücken könnten, ohne weiter aufzufallen. Demgegenüber sagt die beim Wort "mich" an die Brust gezogene Hand deutlich, daß, in aller Bescheidenheit, etwas anderes als ein Suite für den adeligen Händler nicht angemessen wäre.

'Hach, diese ganze Gerede erschöpft mich so sehr. Wenn ich dieses mal Kuslik erreiche und wenn es die Götter erlauben, werde ich mich hiernach ein Jahr nur meinen süßen Schätzlein widmen. Wenn das Wetter nicht zu schlecht wird, kann ich womöglich schon auf der Fahrt einen Blick darauf werfen.'


Da Fiana die Blicke des Händlers nicht so recht deuten kann, entschließt sie sich, diese mehr oder weniger zu ignorieren und sich mehr auf das Gesagte zu konzentrieren.

"Das läßt sich einrichten, die Kisten haben problemlos Platz im Laderaum, ich müßte jedoch noch wissen wie schwer die Ladung etwa ist und was ihr transportiert. Ein Platz füe Euch und euer Gepäck ist selbstverständlich auch an Bord. Derzeit müßte noch eine Hälfte einer Doppelkabine, sowie mehrere Plätze im Gemeinschaftsraum frei sein. Die Preise richten sich nach der Entfernung wie weit ihr letztlich fahrt. Die Suite und die Einzelkabinen sind bereits belegt."

Kurz hält Fiana inne um Luft zu holen

"Also bis nach Kulisk sind es etwa 1125 Meilen, das macht für den Platz in der Doppelkabine 88 Silber, nun sagen wir 80 für euch. Fahrt ihr bis nach Brabak, so sind dies 1800 Meilen was für den Platz in der Doppelkabine 144 Silber wären. Doch bei der weiten Fahrt, sagen wir 135 Silber. Die Fahrt in der Gemeinschaftskabine kostet jeweils die Hälfte. Die Preise für die Ware hängt noch davon ab wie schwer sie ist. und natürlich wieder wie weit ihr reisen möchtet."


Frizzi di Vespasio da Balirii beendet gerade die Vorstellung seiner Fracht und wartet auf die Antwort der schönen Rothaarigen vor ihm, als er den 'großen Matrosen' einige Worte hinunter zum Pier rufen hört.

Zunächst entgeht ihm das Gesagte, was hat er schließlich mit dem Gebrabbel von Gemeinen zu tun. Dann hallen ihm plötzlich die Worte des Mannes wie ein Echo in den Schluchten des Finsterkammes im Kopf hin und her.

"Ich bin Jergan Efferdstreu, Kapitän dieser Karavelle."

"...Kapitän dieser Karavelle."

"...Kapitän ..."

Für einen Moment entgleitet ihm die Selbstkontrolle. Nur der Schock hält ihn davon zurück, sich umzudrehen und diesen fleischgewordenen Aufruhr gegen alle guten Sitten der zivilisierten Welt anzustarren.

'Er trägt nicht einmal einen Hut. Wie kann Er erwarten, daß ich mich Ihm respektvoll nähere? Was habe ich gesagt? Habe ich Ihn beleidigt? Denk nach, Frizzi.'

Herr di Vespasio atmet tief durch...

Und blickt wieder auf die erste Offizierin und Lademeisterin vor sich, in der Hoffnung zumindest hier nicht alles verpaßt zu haben.

'Was hat Sie gesagt? Ein Doppelzimmer als Einzelzimmer ist noch frei? Und für die Ladung ist der Platz da, aber sie ist zu schwer? Verflucht sei meine Unaufmerksamkeit.'

"Ja, also, ähh, das mit dem Doppelzimmer hört sich ja schon mal gut an. ... ähhh ... Was wolltet Ihr noch wissen?"


Fiana stutzt doch ein wenig bei der Nachfrage, sie ist sich sicher alles recht ruhig und verständlich gesagt zu haben, doch vielleicht hat ihr gegenüber leichte Probleme den, bei ihr zwar nicht besonders stark ausgeprägten aber doch vorhandenen, Dialekt der Thorwaler zu verstehen.

Daher wiederholt sie alles noch eine Spur langsamer und mit leicht überdeutlicher Betonung.

"Die Kisten haben problemlos Platz im Laderaum, ich müßte jedoch noch wissen wie schwer die Ladung etwa ist und was ihr transportiert. Ein Platz für Euch und euer Gepäck ist selbstverständlich auch an Bord. Derzeit müßte noch eine Hälfte einer Doppelkabine sowie mehrere Plätze im Gemeinschaftsraum frei sein. Die Preise richten sich nach der Entfernung wie weit ihr letztlich fahrt. Die Suite und die Einzelkabinen sind bereits belegt."

Kurz hält Fiana inne, um Luft zu holen

"Also bis nach Kulisk sind es etwa 1125 Meilen, das macht für den Platz in der Doppelkabine 88 Silber, nun sagen wir 80 für euch. Fahrt ihr bis nach Brabak, so sind dies 1800 Meilen, was für den Platz in der Doppelkabine 144 Silber wären. Doch bei der weiten Fahrt sagen wir 135 Silber. Die Fahrt in der Gemeinschaftskabine kostet jeweils die Hälfte. Die Preise für die Ware hängt noch davon ab wie schwer sie ist. und natürlich wieder wie weit ihr Reisen möchtet."



Diesmal bemüht sich der Händler etwas aufmerksamer den wiederholenden Ausführungen seiner Verhandlungspartnerin zu folgen. Jedoch gleitet sein Geist immer wieder zu seinem möglichen Fehlverhalten gegenüber dem Kapitän der Nordstern ab.

'Ein Kapitän auf seinem Schiff hat den Rang eines Königs. Und natürlich den eines Hochgeweihten. Selbst als Gelehrter wäre er noch mindestens zwei Ränge über mir. Natürlich befinden wir uns jetzt im Hafen, was seinen Rang möglicherweise erniedrigt, möglicherweise auf den eines Fürsten, was jedoch immer noch keine Entschuldigung wäre.'

Frizzi merkt wohl, daß Fiana sich sehr bemüht deutlich zu sprechen, offenbar hält sie ihn zumindest für etwas verwirrt. Damit wären dann auch alle heraus gearbeiteten Handelspositionen wertlos, was aber auch nichts macht, da die Thorwaler offenbar immer noch Fixpreise nehmen und dann jedem circa zehn von hundert nachlassen.

'Offenbar hat mein Ohr mir alles falsch portiert. Kein Einzelzimmer, nur der Teil eines Doppelzimmers. Nun, mein Armer, manche Patzer bestrafen die Götter eben sofort. Nimm in Demut diese Erniedrigung an, du hast schon Schlimmeres erleiden müssen. Denk nur an das Gasthaus in Tiefhusen, als sich dieser Bettler an deinen Tisch setzte.'

"Die Kisten wiegen etwa sechzig Stein a piece. Das sind selemer Stein zu je vierzig neuen garether Unzen. Lediglich eine der Kisten hat etwa das doppelte Gewicht. Was die Strecke betrifft, ich denke es wäre mir selbst am liebsten zunächst Kuslik zu erreichen, danach würde ich weitersehen, falls es Euch genehm ist. Was den Inhalt angeht ..."

Di Vespasio blickt sich kurz um, tritt dann einen Schritt auf die Frau zu und senkt seine Stimme.

" ... bitte ich Euch um Vertraulichkeit, da ich als Händler ungern verbreitet wissen möchte, was genau meine Waren umfassen. Ich handle mit Schreibmaterialien und ihren veredelten Produkten, und ihm thorwaler Hinterland gibt es einige hervorragende Gerbereien, die ein Velum ausgezeichneter Qualität herstellen. Daher erklärt sich auch das geringe Gewicht, da die Ware gut verpackt ist."

'Nicht ganz die Wahrheit, aber auch keine Lüge.'

Der Sprecher bleibt nach seiner vertraulichen Äußerung nahe bei der Frau stehen und wartet auf die Antwort. Auf diese Entfernung kann selbst eine nicht allzu empfindliche Nase spüren, daß dieser Mann nicht nach Schweiß und Staub riecht, sondern eher nach Blüten duftet.



"Ihr könnt versichert sein, daß ich niemand Unbefugtem mitteilen werde, was ihr für Ladung mit euch führt, den Kapitän muß ich jedoch selbstverständlich darüber in Kenntnis setzen."

Mit pfichtbewußtem Gesicht redet sie weiter:

"Es ist auch kein Problem zunächst nach Kulisk zu fahren und später über eine Weiterreise zu entscheiden. Die Preise habe ich euch ja genannt."

Fiana verfällt in ein grübelndes, Gesicht, sie scheint etwas zu errechnen.

Angenehm fällt Fiana der Wohlgeruch auf, welcher von ihrem Gegenüber ausgeht, wenngleich ihr der Geruch nach Schweiß nicht so recht aufgefallen wäre, denn dieser ist bei der Arbeit an Bord eines Schiffes meist unumgänglich, schließlich ist die Arbeit der Matrosen mit großen körperlichen Anstrengungen verbunden.

"Was eure Ware betrifft, so sind 18 Dukaten für die Fahrt nach Kulisk wohl angemessen."



Als Di Vespasio die Preisvorstellungen der Thorwalerin hört, ist er hoch zufrieden. Er beugt sich leicht vor und neigt dabei den Kopf zur Seite, eine Verbeugung, die weniger dem Hofzeremoniell entnommen ist, als mehr echte Freude und Anerkennung ausdrückt, was immer das bei einem Händler heißen mag. Wieder gerade aufgerichtet beginnt er die Konditionen zu wiederholen.

"Es ist nicht nur eine Ehre mit Euch verhandeln zu dürfen, sondern auch eine Freude. 26 Golddukaten für mich, mein Gepäck und meine sechs Kisten Fracht, jeweils bis Kuslik. Meine Wenigkeit in einem Doppelzimmer einschließlich Kost, die Fracht in einem Eurer sicheren Laderäume. Dazu in optionem eine der Kisten zu ähnlichen Bedingungen bis zum Kap Brabak. Möge P...fürwahr der Gott des Handels uns seinen Segen geben."

Offenbar erwartet der Südländer jetzt eine Bestätigung der Offizierin.



"So sei es! Willkommen auf der Nordstern" antwortet Fiana und bietet die Hand zum sprichwörtlichen Einschlagen an.

Innerlich denkt Fiana gerade daran, daß sie ALRIK schon länger nicht an Deck gesehen hat, daher wird sie wohl Orgen rufen müssen, denn der scheint gerade mit einer Arbeit fertig zu sein, sonst würde er wohl nicht einfach so an Deck stehen. Doch dafür ist gleich noch Zeit, zunächst muß das Geschäft mit Handschlag besiegelt werden.



Di Vespasio ergreift die zum Geschäftsabschluß dargebotene Hand mit der seinen. Dabei geht er höchst vorsichtig vor, umgreift beinahe nur die Finger der Frau und übt nur unmerklich kurzen und leichten Druck aus, als hätte er Angst etwas Filigranes zu zerbrechen.

Dementsprechend schnell läßt er die Hand auch wieder gehen. So wie man vielleicht einen gefangenen Vogel freiläßt, öffnet er die Hand und wartet, bis sie die ihre wegnimmt. Diesen Moment des noch bestehenden Kontaktes nutzt der Händler, um einen kleinen Trippelschritt zurück zu machen und so wieder den zwischen zwei Verhandelnden gebürenden Abstand herzustellen.

"Wenn es Euch recht ist, zahle ich, wenn ich mit der Ladung an Bord komme. Sagt bitte, ist es wahr was der Assistent des Hafenmeisters gesagt hat, daß wir schon am frühen Morgen mit ... äh ... dem Hochwasser heraus fahren?"

'Das gibt noch etwas Arbeit heute abend, bevor du dich an einen gedeckten Tisch setzten darfst, mein Lieber. Sehn wir mal: Ladung, Gepäck, Bezahlung, auch der Wache, der Wirt, etwas für Zwischendurch ... Hmm.'



Die erste Offizierin ist doch etwas überrascht über dieses laue Lüftchen von Händedruck, das ihr da entgegen kommt. Wir dem auch sei, Fianas Händedruck ist da schon deutlich fester, wenn auch das schnelle Zurückziehen von Vespasios Hand das Schlimmste verhindert, einen 'echten' thorwalschen Händedruck nämlich.

Die Irritation überspielend, antwortet Fiana

"Natürlich, zahlt, wenn ihr mit eurer Ladung an Bord kommt, und was das Auslaufen angeht, so hat man euch richtig informiert, wir werden Morgen früh mit der ersten Flut auslaufen."



Den Spazierstock wieder in der Linken führt di Vespasio die Rechte zum Kinn und streicht mir Daumen und Zeigefinger über die Haut, als ob er einen Bart streichen würde, denn er jedoch nicht hat.

'Ein weitere Hand wäre schon hilfreich, besonders in diesem undurchsichtigen Durcheinander einer Stadt. Wie frag ich nur ...'

"In dem Fall ist es wohl besser, wenn ich schon heute abend an Bord komme. Ähm ... Ihr könnt nicht zufällig einer Eurer Matrosen entbehren? Jemanden, der sich in Thorwal auskennt? Auch wenn ich der Landessprache mächtig bin, so entgehen mir doch so manche Feinheiten, insbesondere, wenn die Sprecher einfache Leute sind."



Fiana überlegt einen Moment.

'Üblich ist das ja eher nicht, doch der Mann bring Geld in die Kasse, schließlich ist noch viel Laderaum frei und er reist eine nicht unerhebliche Strecke mit, ich denke wir machen eine Ausnahme'

"Nun üblich ist eigentlich nur das Verladen der Ware, doch ich will eine Ausnahme für euch machen, da wir so zeitig auslaufen."

Kurz wendet sie sich ab und schaut zum Oberdeck.

"ORGEN zu mir!" schallt es ziemlich Laut über das Schiff.

"Orgen wird euch helfen, er kennt sich mit den örtlichen Gegebenheiten aus und kann euch später die Bootsfrau 'so sie bis dahin zurück ist' zeigen, Sie veranlaßt dann das Verladen eurer Waren."

Orgen ist derweil Stantepede auf dem Brückendeck erschienen und meldet sich

"Bin zur Stelle erste Offizierin"

"Orgen, du wirst Herrn Vespasio behilflich sein seine Waren zum Schiff zu bringen und wenn das erledigt ist, richtest du Nirka aus, daß sie dafür sorgen soll, daß die Waren verladen werden. Falls sie dann noch nicht zurück ist meldest du dich bei mir"

"Jawohl, 1. Offizierin"

Damit wenden sich sowohl Fiana, als auch Orgen dem Herrn Vespasio zu, Fiana um zu erfahren ob er noch etwas möchte und Orgen um zu erfahren wohin es geht.



Herr di Vespasio zuckt nur leicht, als die Offizierin ihn erneut falsch anredet. Dies beweist zwar, daß sie auch beim ersten Mal nicht wußte, was sie tat, ist aber auch keine echte Erleichterung für den Übergangenen.

'Ich muß dringend etwas tun, bevor dies einreißt. Du kannst es dir nicht leisten, Frizzilein, dein Ansehen untergraben zu lassen, wenn auch nur durch Unwissenheit dieser Ungebildeten.'

Er ignoriert den wartenden Orgen vollständig und wendet sich ganz seiner Verhandlungspartnerin zu, tritt wieder einen Schritt zurück um Raum zu finden für eine erneute tiefe Verbeugung, die er mit gewohnter Kunstfertigkeit ausführt. Wieder aufgerichtet verabschiedet er sich vorläufig.

"Ihr seid überaus entgegenkommend. Es ist eine Schande, die mir das Herz weh werden läßt, daß ich Euch jetzt schon verlassen muß. Der Schmerz wird nur gelindert durch die freudige Erwartung bald wieder an Bord kommen zu dürfen."

Damit zieht der Blauberockte sich rückwärts einen weiteren Schritt zurück, dreht sich dem Kapitän zu und versucht dessen Blick aufzufangen.



Im 'Grünen Wal'


Die Bootsfrau nickt zufrieden, als sie sieht, daß Xenia den Auftrag erfüllt, und wendet sich dann endgültig zum Gehen, denn schließlich muß der wichtige Auftrag erfüllt werden.

Daß jemand eine Frage in Richtung der Matrosen auf dem Schiff stellt, bemerkt sie zwar, kümmert sich aber nicht weiter drum, denn es sind ja genug andere da, und auch dieser Mann, der sicher ein potentieller Fahrgast ist, hat bestimmt ein Interesse daran, daß es wieder einen Schiffskoch gibt.

Bootsfrau und Matrose gehen recht ungehindert durch die Menschenmengen auf dem Kai - schließlich sieht man, daß sie Seeleute sind, die nicht im üblichen schlendernden Gang von Leuten, die eigentlich nur Zeit totschlagen wollen, unterwegs sind, sondern daß sie recht zielstrebig die Menge passieren.

Sehr weit müssen sie auch nicht gehen, um das Hafenviertel mit den dort zahlreich vorhandenen Tavernen, in und vor denen etliche Seeleute herumlungern, zu erreichen. Dennoch ist die Bootsfrau der NORDSTERN ein klein wenig wählerisch, denn sie möchte nicht gerade mit ihrer Werbe-Aktion in einem Haus von der Qualität des "Plankenpuper" anfangen.

"Wollen wir in das 'Zum Grünen Wal'?" fragt Trolske plötzlich, und weist auf den recht unscheinbaren Eingang einer nicht gerade großen oder besonders hervorstechenden Taverne?

"Kennst du das Ding näher?" Nirka sieht den Matrosen ein wenig skeptisch an.

"Ja... in der Taverne habe ich vor über dreißig Götterläufen mein erstes Schiff gefunden. Oder, besser gesagt", fügt er hinzu, "die Leute vom Schiff haben mich gefunden, der ich als Schiffsjunge anfangen wollte."

Nirka nickt sofort, denn sie weiß, daß auf Trolskes Urteil Verlaß ist, und seine Worte bekommen noch zusätzliches Gewicht, weil er normalerweise recht still und ruhig ist, und statt vieler Worte lieber anpackt.

Und so gehen die beiden auf den Eingang der kleinen Taverne zu.



Entschlossen öffnet Nirka die Tür der kleinen Taverne "Zum Grünen Wal", noch ehe Trolske dazu kommt, ihr zuvorkommend die Tür zu öffnen oder andere Handlungen dieser Art zu tätigen.

Sie geht bis mitten in den kleinen Schankraum, wo sie stehenbleibt und in aller Ruhe die erstaunlich wenigen Anwesenden mustert - mit der Selbstsicherheit einer Bootsfrau, die genau weiß, wozu sie in der Lage ist, und die sich vor fast nichts fürchtet.

Hinter der Theke, die mit unzähligen Darstellungen von Walen und Schiffen verziert ist, steht lediglich der Wirt, der sie interessiert mustert, aber nichts weiter sagt, und ein junger Seemann, der anscheinend gerade seinen Kummer mit einem großen Becher Premer zu ertränken versucht.

Die Tische sind mit zwei Ausnahmen noch leer: An dem einen sitzen zwei alte Matrosen, die scheinbar in aller Ruhe an jeweils einem großen Teller mit ordentlich zubereitetem Fleisch essen und sich dabei leise unterhalten, und an einem weiteren Tisch, von dem man aus den Eingang gut sehen kann, sitzt ein weiterer Mann - ganz offensichtlich ebenfalls ein Seemann. Er ist schätzungsweise fünfzig Götterläufe alt, nicht gerade schlank - man könnte auch "fett" sagen, groß und kräftig. Von seinen Haaren ist nur wenig geblieben - im Grunde nur ein Kranz, der eine Glatze einrahmt.

Die Bootsfrau mustert die Anwesenden noch kurz, dann sagt sie laut:

"Efferd zum Gruße!"

Sie macht dabei jedoch keine Anstalten, ihren Platz so ziemlich mitten im Schankraum zu verlassen, auch wenn Trolske fast dazu neigen zu scheint, einen der leeren Tische aufzusuchen.



Garulf stochert mehr gelangweilt in seinem Essen herum als, dasz er wirklich davon iszt. Dabei lassen seine Leibesfülle und seine ganze Erscheinung eher darauf schlieszen, dasz er einen nicht unerheblichen Teil seiner Zeit mit der Vertilgung gröszerer Nahrungsmengen verbringt. Da der feste Bestandteil seines Mahl offenbar nicht zufriedenstellend ist, wendet er sich um so mehr dem flüszigen zu, lautstark äuszert er seinen Wunsch nach einem weiteren Bier und auch das jetzige war wohl nicht das erste, den zwei leeren Krügen auf seinem Tisch nach zu urteilen.

"Das Bier taugt ja wenigstens was, was man von dem Eintopf, den diese Landratte zusammen panscht nicht gerade behaupten kann." murmelt er laut gedacht vor sich hin.

Ein lautes "Efferd zum Grusze!" reiszt in aus seinen Gedanken, er sieht von seinem, ohnehin weitestgehend verschmähtem, Essen auf und mustert die neu hinzu gekommenen Personen, eine Frau und ein Mann, offensichtlich beides Seefahrer, die Frau ist wohl die ranghöhere, sonst würde sie nicht so selbstverständlich das Wort ergreifen.

"Efferd zum Grusze ! Das wohl !" erwidert Garulf den Grusz.



Botschaft für Dajin


Wie sie so auf dem engen Gang auf die Gemeinschaftskabinentür zustrebt, kommt Xenia - was für eine glückliche Fügung - Dajin entgegen.

'Hey, ich habe Glück - vielleicht wird das doch was mit dem Landgang heute...'

"Äh, Herr Tschyroggen...?" spricht Xenia ihn an.

'Mist... war der Name jetzt richtig? ...ach egal.'

"Oben ist ein Bote mit einer wichtigen Botschaft für euch, soll ich ausrichten!" fährt sie dann fort, wobei sie mit dem Daumen hinter sich in etwa dorthin deutet, wo der Aufgang liegt. Sie selbst dreht sich bereits wieder ein wenig weg, bereit, ihrerseits wieder zum Oberdeck zurückzukehren, gleichzeitig aber noch darauf achtend, ob Dajin vielleicht noch etwas antworten wird oder möchte.



Dajin geht sofort mit recht erstauntem Gesicht zum Oberdeck. Dort überreicht ihm der Bote die Nachricht. Dajin drückt dem Boten einige Taler in die Hand und liest dann direkt den Brief. Noch während er ihn studiert werden seine Augen größer und ein ärgerlicher Ausdruck erscheint auf seinem Gesicht. Er steckt den Brief ein und begibt sich zur Brücke.



Als Jergan sieht, wie eilig Dajin direkt auf die Brücke kommt, nachdem er mit einem Mann gesprochen hat, der kaum etwas anderes als ein Bote sein kann.

Der Kapitän löst seine Aufmerksamkeit nun von Fiana und dem neu angekommenen Passagier, und wendet sie dem herankommenden Maraskaner zu, dem er sogar zwei Schritte entgegengeht, denn es ist offensichtlich, daß dieser mit ihm sprechen möchte.

"Schlechte Nachrichten?" fragt er, als er den Gesichtsausdruck des anderen erblickt.



"Ja, meine Arbeit hier in Thorwal schein noch nicht abgeschlossen zu sein" antwortet Dajin mit einem Gesichtsausdruck der deutlich macht wie gerne er die Reise nach Hause angetreten hätte.

"Ich muß das Schiff unverzüglich verlassen"



Jergan Efferdstreu nickt langsam zu den Worten des Maraskaners.

"Ja... der Pflicht kann man nur schlecht entrinnen."

Man sieht ihm an, daß er noch mehr sagen möchte, doch er beschränkt sich darauf, zu wünschen:

"Dann mögen die Zwölfe Euch und Eure Arbeit beschützen... und ich wünsche Euch viel Glück!"



Dajin runzelt ein wenig die Stirn. Wollte der Kapitän nicht noch etwas sagen? Dann wendete er sich mit den Worten

"Mögen die Zwölfgeschwister, allen voran Bruder Efferd und seine stürmische Schwester Rondra, eurem Schiff weiter wohlgesonnen sein"

dem Niedergang zu seinem Kabine zu.



Eine halbe Stunde später kommt er wieder auf Deck. Dajin trägt nun wieder seine lederne Reisekleidung auf dem Rücken die zwei Schwerter.

Er schaut sich noch einmal kurz an Bord um und verläßt dann das Schiff und verschwindet in den Straßen Thorwals.



Kabinenputz


Es nützt ja nichts! Die Arbeit muß erledigt werden, auch wenn es noch so ungelegen kommt. Vielleicht dauert es ja auch wirklich nicht so lange. Ungüstigerweise ist für Xenia ein neuer Botengang dazwischen gekommen und so sind Wasuren und Xenia ihre Antwort bezüglich eines späteren Treffpunkts schuldig geblieben.

"Hey, nicht das dir gleich die Augen ausfallen", lästert ALRIK über den glotzenden Wasuren.

"Ich geh' dann mal. Hier stinkt's sowieso gen Alveran."

Damit strebt ALRIK dem Niedergang zum Unterdeck zu. Unten angekommen sucht er sich Putzlappen, Eimer und anderes nützliches Zubehör zusammen und macht sich dann auf den Weg zur Kabine des Smutjes.

'Mit welcher Berechtigung hat ein Koch eigentlich eine eigene Kabine? Andererseits sieht man das dann nicht, wenn der den ganzen Tag auf der faulen Haut liegt....'

Mit einem gehässigen Grinsen öffnet ALRIK die Kabinentür.



Sören's Abschied

Sören verstaut vorsichtig seine letzten persönlichen Sachen in einem großen Seesack, der noch erstaunlich neu wirkt. Das Abenteuer "Schiff" hat ihn nicht lange gefesselt, und er ist wirklich froh, von diesem schwankenden Holzding runter zu kommen.

Ein letzter prüfender Blick, dann nimmt er die Schiffszwiebackscheiben, die auf dem winzigen Tischchen liegen, in die Hand. Eigentlich sind sie zu schade zum Wegwerfen, aber andererseits... irgendwie kann er dieses trockene Zeug kaum noch sehen, geschweige denn, daran zu denken, es auch zu essen.

In diesem Moment hört er Schritte vor der Tür, und OHNE Anklopfen öffnet Alrik die Tür. Welch eine Frechheit! muß der Bengel ihm auch noch in seinen letzten Minuten an Bord nerven?

Dann sieht Sören das Putzzeug, das Alrik bei sich hat, und langsam entsteht ein Grinsen in seinem Gesicht, das nicht nur von der Tatsache herrührt, daß die Planken des Bodens alles andere als sauber sind - und auch der kleine Tisch nicht, denn da lagerten schon des öfteren Lebensmittel in allen möglichen Zuständen zwischen essbar und verschimmelt. Auch das verschimmelte Stück Käse direkt an der hinteren Schiffskante - dort deponiert am Tage der Abfahrt in Riva und dann vergessen, weil sich anderes darüber stapelte, trägt sehr zu seiner Erheiterung bei.

"Viel Spaß, Alrik", sagt er mit einem gehässigen Unterton, während er den Schiffszwieback auf den Boden fallen läßt. Die Hälfte zerbröselt alleine durch den Aufschlag zu einem großen Haufen Krümel, und der Rest zerbricht nur ein wenig - offenbar die älteren Stücke.

Sören nimmt seinen Seesack auf und drängelt sich dann zur Tür hinaus, wobei er - rein zufällig natürlich - auch die übrigen Zwiebackstücken zu feinem Staub zertritt.

Ganz kurz verharrt er auf dem Unterdeck vor der Kabinentür noch, um die "Freude" des Schiffsjungen wenigstens zum Teil mitzubekommen.



Mit Erstaunen stellt ALRIK fest, daß Sören immer noch nicht weg ist. Fein, dann bleibt wenigstens noch die Gelegenheit zu ein paar 'rührenden' Abschiedsworten und 'Nettigkeiten'. Sören, der ehemalige Kochlöffelschwinger der NORDSTERN, macht freundlicherweise damit den Anfang. Ungerührt betrachtet ALRIK den zerbröselten Schiffszwieback, den Sören auf und zwischen den Holzbohlen verteilt.

Ohne eine Miene zu verziehen, kniet sich ALRIK vor den Zwiebackkrümeln nieder, als unterziehe er sie einer genaueren Untersuchung. Aber eigentlich wartet er nur darauf, daß er noch ein letztes Mal Sörens ungeteilte Aufmerksamkeit hat.

"Ist fast so feinkörnig, wie das Juckpulver, das ich mir in Prem besorgt habe. Viel Spaß auch dir, Sören."

Grinsend blickt ALRIK auf.



Sören bleibt weiterhin auf dem Gang stehen.

"Danke, Alrik! Den werde ich haben... ohne dieses Schiff und die ganze Schaukelei und diese verflucht engen Kabinen!"

Er erwidert dabei das Grinsen des Schiffsjungen, wobei in seinem Grinsen fast so etwas wie Enttäuschung zu lesen ist - Enttäuschung darüber, daß Alrik nicht fluchend und schimpfend über die "Ordnung" in der Kabine herzieht.



Jetzt legt sich die Stirn des Schiffsjungen in leichte Falten. Ganz schon abgebrüht, der Schiffskoch! Am besten, man läßt sich nichts anmerken. Vielleicht ein kleiner Seitenhieb noch, aber übertreiben muß man ja auch nicht...

"Das wohl! Draußen kann man sich viel besser kratzen, wenn's juckt - ohne gleich an die Bordwände zu stoßen."



Sören reagiert nicht weiter auf die Worte des Schiffsjungen, sondern bemüht sich noch einmal um ein besonders fieses Grinsen.

"Ja, auch das. Vor allem aber muß ich mich nicht mehr mit Leuten abgeben, die nicht einmal wissen, wie man eine Kartoffel schält! Leb wohl!"

In dem sicheren Glauben, daß das getroffen hat, dreht Sören sich um und geht langsam in Richtung des nach oben führenden Aufgangs los.



"Das ist Weiberarbeit, das reicht, wenn du das weißt..." schallt es hinter Sören her. Vielleicht hat er es ja doch noch gehört, und wenn nicht - auch egal, Hauptsache ist, daß er, ALRIK, das letzte Wort hat!

"Schöne Sauerei hier", seufzt ALRIK jetzt. Nun, wo Sören fort ist, wird es Zeit, dem Ärger Luft zu machen, denn im Grunde sieht es noch viel schmuddeliger aus, als der Junge es vorher befürchtet hatte.



Sören antwortet nicht mehr auf das, was Alrik da hinter ihm der Einrichtung der Kabine - dieses kleinen engen Dreckloches - erzählt, sondern geht immer schneller über das Unterdeck, dann den Aufgang hoch, und bleibt erst am oberen Ende der Treppe stehen.

Langsam gleiten seine Blicke über das Oberdeck, auf der Suche nach Nirka, um auch diese noch mit einer Freundlichkeit zu beglücken. Doch da er sie nicht erblickt, und absolut keine Lust verspürt, noch Worte mit den Offizieren auf dem Brückendeck zu wechseln, beeilt er sich, das Oberdeck so zu passieren, daß zwischen ihm und Lowanger möglichst viel Platz bleibt.

daß er dabei einen Matrosen fast anrempelt, ist ihm recht gleichgültig, was zählt, ist einzig die Tatsache, daß er der an Land führenden Planke immer näher kommt und sie dann schließlich erreicht.

Dort bleibt er noch noch einmal ganz kurz stehen...



Nach einem letzten Blick über die Planken dieses Schiffes, das ihm *nichts* bedeutet, obwohl er ganze 24 Tage darauf gelebt hat, geht Sören langsam über die Planke - sorgsam darauf achtend, daß nicht irgend so ein blöder Streich dafür sorgt, daß er ins Wasser fällt.

Drüben, auf dem festen Land, wo nichts schaukelt, alles fest ist, und vor allem Platz ist, dort beschleunigt er seine Schritte sogleich wieder und bahnt sich ziemlich rücksichtslos seinen Weg durch die Menge der Menschen.

Und dann, nur wenige Minuten nach dem Aufbruch in seiner Kabine, entschwindet der ehemalige Schiffskoch im Gewirr der Gassen Thorwals.



Darian in der Stadt


Darian beschlieszt zunächst den Markt aufzusuchen, zu dessen Besuch er in den letzten Tagen nicht gekommen ist. Gemächlichen Schrittes setzt er sich in Bewegung, er hat ja noch den ganzen Tag Zeit.



Wenig später hat Darian den Markt erreicht. Langsam geht er an den Ständen vorbei, mal hier mal dort schauend. Doch nicht die Obst- und Gemüsehändler sind das Ziel seiner Suche und auch Schmuck- oder Waffenhändler sind für ihn nicht von gröszerem Interesse.



Schlieszlich hat der Adeptus doch noch einen interessanten Stand gefunden, es ist ein etwas abseits liegender Krämer, bei dem es unter anderem allerlei Schriftstücke zu erwerben gibt. Ausgiebig begutachtet er die, teilweise reichlich chaotisch angeordnete, Auslage, als der Verkäufer, ein alter, wohl ehemals etwa neun Spann groszer, weiszharriger Mann, ihn anspricht:

"Such Ihr etwas bestimmtes gelehrter Herr? Nennt mir Euren Wunsch, ich werde mein bestes tun ihn zu erfüllen."

Darian: "Nun, besitzt Ihr eventuell ein Exemplar des Folianten ´Naranda Ulthagi oder Auf der Suche nach der Gefrorenen Zeit?´"

Der Adeptus schafft es diese Worte völlig normal und sachlich auszusprechen, geradezu so als würde er beim Fischhändler ein Bund Salzarelen ordern.



"´Naranda Ulthagi´ ist leider nicht mehr vorrätig, dafür habe ich den ´Codex der Sechsundsechzig Formeln´ gerade frisch im Angebot," gibt der alte Krämer Darian zur Antwort, auch er bleibt dabei in einem völlig normalen Tonfall.

Der junge Adeptus beschlieszt das Spiel noch ein wenig weiterzuspielen.

"Nun, die ´Sechsundsechzig Formel´ besitze ich bereits. Aber wenn Ihr mir eine Abschrift des ´Zhamorrahianischen Almanachs´ beschaffen könntet wäre ich Euch sehr dankbar, sogar für die ´Systemata Magia´ hätte ich die ein oder andere Münze übrig."



"Nun, auch hier musz ich Euch bedauerlicher Weise enttäuschen, aber mit diesen Werken kann ich momentan gerade nicht dienen. Aber sagt, was kann ich Euch noch bieten? So eine schäbige Offerte wie das Arkanum würde ich bei Euch schlieszlich niemals wagen."

Mit diesen Worten setzt auch der Händler das Spiel des gelehrten Kunden fort. Insgeheim beschleicht ihn jedoch die Sorge, dasz der Mann in der Robe tatsächlich ausschlieszlich auf der Suche nach arkanen Werken sein könnte, von denen er tatsächlich gar keines besitzt.

"Nun, so zeigt doch einfach einmal was Ihr so anzubieten habt." antwortet der Adeptus Minor dem Händler.



Im Gemeinschaftsraum


Joannas Vorfreude über den Stadtbesuch wird durch das schwungvolle öffnen der Gemeinschaftskabinentür gestört. Beim ersten Eindruck sieht der Thorwaler schon ein wenig erschreckend aus, als Joanna seine Waffen sieht. Doch irgendwie ist es belustigend zuzusehen wie der fast 2 Schritt große Thorwaler so seine Schwierigkeiten mit der Höhe der Gemeinschaftskabine hat. So läßt sich Joanna ihre gute Laune nicht vertreiben und begrüßt auch ihn freundlich. Dann stellt sie sich vor.

"Ich bin Joanna de Clare."



Also Hjaldar die Gemeinschaftskabine betritt, zuckt Hirkan erschrocken zusammen. Doch dann zeigt sich deutlich, daß es sich bei dem Neuankömmling nur um einen neuen Passagier handelt. Kurz sieht er Hjaldar an und stellt sich vor.

"Die Zwölfe zum Gruße. Hirkan ist mein Name."

Dann wendet er sich aber sogleich wieder ab, schließt die nun gepackten Koffer, klemmt sich das kleine Zettelpaket unter den Arm und richtet sein Wort erneut an Joanna.

"Ich möchte mich nur noch von dem Kapitän verabschieden, dann können wir gehen. Seid Ihr bereit?"



Hjaldar besichtigt das Schiff

"Freut mich." erwidert Hjaldar auf die Vorstellung der Frau und des Papierkrämers, wobei ein leichter Schatten über seine Miene fährt, als jener sich gleich wieder abwendet. Doch verfliegt das schnell wieder und als Hirkan dann Joanna seine Aufbruchsbereitschaft kund tut, wendet sich auch Hjaldar zur Tür um.

"Woll dann, wir sehen uns ja sicher noch." meint er noch kurz und tritt dann wieder in den Gang hinaus und macht sich auf den Weg zu den Mannschaftsquartieren im Bugraum.

Da er nicht annimmt, daß Ole schon dort ist, läßt er sich etwas Zeit und mustert die Türen links und rechts.

"Hier irgendwo muß doch auch die Futtergrube sein ..." murmelt er leise vor sich hin ... und öffnet kurzerhand die Tür zu seiner Linken.

"Knapp daneben" stellt er mit einem Grinsen fest, als er in dem Raum sieht und dort nur einen großen Tisch mit etlichen Stühlen drum herum und ein paar Schränke entdeckt und diesen damit eindeutig als die Messe identifiziert.

Hjaldar läßt die Tür wieder zufallen und wendet sich zum gegenüber liegenden Raum, der ihm ein "Voll ins Schwarze." entlockt. Etwas verwundert bemerkt er dann den aufgeräumten und (für sein Verständnis) blitzsauberen Zustand der Kombüse - als ob hier keiner arbeiten täte.

Nach einiger Zeit Überlegung haut er sich schließlich klatschend mit der flachen Hand auf die Stirn 'Woll, die brauchen ja 'nen Neuen.' erinnert er sich an die Gesprächsfetzen, die er auf der Brücke aufgeschnappt hatte. 'War wohl auch einer, der das Spitzohr nicht mochte.' rückt er sich auch gleich eine passende Erklärung zurecht und schließt die Kombüsentür wieder.

'Na, hoffentlich fangen die sich keinen Goblinkocher ein, wie der Geierhaufen letztes Jahr...' erinnert er sich mit Grausen an die Koch(un)künste des Kochs vom 'Roten Adlerbanner', wo er zuletzt in Sold stand.



Im Gemeinschaftsraum


So schnell wie Hjaldar gekommen ist, ist er auch schon wieder verschwunden. Noch immer muß Joanna über das Auftreten des Thorwalers lächeln. Dann nimmt sie ihren Rucksack und meint, wieder in Aufbruchstimmung:

"Ja ich bin bereit."



"Gut!", sagt Hirkan und lächelt Joanna an. Dann sieht er sich noch ein letztes Mal um, ob er auch nichts liegengelassen hat, nimmt das Bündel Papier und die beiden Koffer endgültig auf und wendet sich zur Tür des Gemeinschaftsraums.

"Dann können wir gehen - jedenfalls erstmal bis zum Kapitän."

Mit diesen Worten stellt er den einen Koffer wieder ab, um für Joanna die Tür aufzuhalten.



Joanna folgt Hirkan aus der Gemeinschaftskabine hinaus und lächelt ihm freundlich zu, als er ihr die Tür aufhält.

"Kann ich vielleicht behilflich sein?" fragt sie und deutet auf die Koffer und Papiere hin. In meinem Rucksack trage ich sowieso nie soviel bei mir."

Die Druidin blickt Hirkan fragend an.



Ottam 'daheim'


Angekommen in seiner Kabine holt Ottam einen Lederbeutel unter seinem Umhang hervor. Er setzt sich an seinen Tisch und stellt den Beutel auf selbigem ab. Vorsichtig und stets bemüht, nichts des offensichtlich zerbrechlichen Inhalts zu beschädigen.

Langsam befördert er Fläschchen um Fläschchen hervor und stellt es auf den Tisch. Darin befinden sich Flüssigkeiten in den seltsamsten Farben. Letztendlich sind es wohl knapp mehr als ein Dutzend Fläschchen, von denen jede einzelne ein Kunstwerk der Glaserzunft darstellt.

Zu den Fläschchen gesellen sich noch ein paar Leinensäckchen mit streng bis wohlriechendem Inhalt.

Ebenso befördert er einige frische Kräuter ans Tageslicht, von denen wiederum einige in eine seltsame gelbgrüne Flüssigkeit eingelegt werden, welche Ottam in einem großen Glasbehälter hat.



Nachdem Ottam alles ausgepackt hat vergewissert er sich sorgsam, daß auch nichts beschädigt wurde und daß er nichts vergessen hat.

Zufrieden stellt er fest, daß alles unversehrt ist und daß er auch nichts vergessen hat. Eines der Fläschchen steckt er in eine kleine Tasche an seinem Gürtel, den Rest verstaut er seegangsicher in einer Kabine.

Als er damit fertig ist macht er sich auf zur Brücke, wo er die Anwesenden mit einem stummen Nicken begrüßt, sich dann aber ans hinterste Ende stellt und den stillen Beobachter mimt.



Beiläufig fingert Ottam in der Innentasche seines Umhanges, während er die Umgebung und die anwesenden Personen beobachtet. Leicht überrascht stößt er jedoch in der Tasche auf Widerstand. Jetzt ist er doch neugierig und fördert das fragliche Objekt an das Licht.

'Oha, das hätte ich ja beinahe vergessen' denkt sich der Magus, als er das Pergament betrachtet, das er nun in Händen hält, ein vergilbtes, an den Seiten eingerissenes Stück Pergament, offensichtlich schwer zu Lesen. Er scheint sich sehr zu konzentrieren...



Traumauge


So sehr Traumauge auch hofft bewundernde Blicke oder gar einige dankbare Streicheleinheiten zu erhaschen, immerhin hat er die Welt von einem schrecklichen Lindwurm befreit, niemand beachtet ihn. So läßt er seine Beute achtlos fallen, sie liegt jetzt einfach zwischen den vielen Ritzen der Rotze.

Gerade als sich der kleine Kater gelangweilt zum Schlafen hinlegen wollte erhascht er einen seltsamen Geruch. Schrecklich zwar, doch zu ungewöhnlich, als daß ein kleiner Kater nicht nachschauen müßte wo er herkommt.

Mehr schleichend, als laufend macht er sich auf in Richtung Brückendeck, immer der Nase nach.



Traumauge schleicht sich vorbei an den Beinen jener die vor oder auf dem Brückendeck stehen und ortet dann den seltsamen Geruch exakter.

Nachdem er die Quelle ausgemacht hat wendet er sich ihr auch sogleich zu und springt aus dem Stand auf das Geländer, wo er mit einer intensiven schnüffelnden Untersuchung beginnt.



Traumauge ist immer noch nicht recht schlüssig, was das wohl ist, es stinkt schlimmer als der räudigste Hafenköter und es versteckt sich besser als die kleinste Maus.

Vorsichtig tappt er Schritt um Schritt auf dem Geländer des Brückendecks umher, immer wieder schaut er sich besorgt um, irgendwo hier muß das Monster doch sein, und was kann einem Lindwurmtöter schon etwas anhaben. Langsam vom eigenen Mut gepackt beginnt er zu schleichen, hier muß es sein, da ist sich der kleine Kater ganz sicher, keine Stelle stinkt so sehr wie diese.

Fast im Zeitraffer vollziehen sich seine Bewegungen, Jeder Muskel ist bis zum bersten gespannt, man spürt förmlich die Spannung jeder Sehne des eleganten Katzenkörpers. Der Bauch drückt sich flach auf das Geländer, die Vorderpfoten halten still. Nur die Hinterbeine bewegen sich tippelnd vorwärts und mit den ausgefahrenen Krallen schiebt sich der kleine Körper vorwärts.

DANN PLÖTZLICH, Die Vorderpfoten schnellen blitzartig hervor, umfassen den Lauf des Geländers, und... fassen ins Leere, kein Monster, kein Ungeheuer, nur Luft, ekelhaft stinkende Luft. Traumauge ist verwirrt, enttäuscht, ob der entgangenen Beute und vor allem aus dem Gleichgewicht.

Es kommt wie es muß und der kleine Kater rutscht hinab, hängt baumelnd mit den Vorderpfoten am Geländer der Brücke. Es kostet ihn all seine Kraft sich langsam, Finger um Finger, hinauf zu ziehen, Glücklicherweise sind seine Krallen noch jung und nadelspitz.



Viel Kraft hat es den kleinen Kater gekostet ohne Sturz wieder auf das Geländer zurück zu kommen. Jetzt muß er erst einmal verschnaufen, was nicht heißt, daß er nicht die vielen Zweibeiner hier oben beobachten würde.



Traumauge hat genug vom Spielen, toben und stolzieren, irgendwie sind alle zu beschäftigt, keiner beachtet ihn. Wahrlich ein trauriges Bild. Da hat man das Schiff gerettet und keiner beachtet einen.

Also tut ein Kater, was ein Kater tun muß. Stolzen Hauptes macht er sich also auf den Weg zum Oberdeck, wo er mit seinem Rundgang beginnt, schließlich könnte eine dieser räudigen Hafenkatzen auf die Idee kommen sein Revier zu beanspruchen. Mit dem Bewußtsein eines verkannten Helden streift er also nun über das Oberdeck, immer auf der Suche nach Ungewöhnlichem.



Der 'Grüne Wal'


Auch einige der anderen Gäste erwidern den Gruß der Bootsfrau der NORDSTERN, die jedoch alles andere als glücklich wirkt.

Mit einer Handbewegung hält sie Trolske zurück, der weiter auf einen der Tische zugehen wollte, denn hier sind ihr entschieden zu wenige Leute, die auch nur potentiell geeignet wären, auf der NORDSTERN anheuern zu können.

Oder... noch krasser gedacht, eigentlich niemand. Und so verzichtet sie auf die ursprüngliche Idee, sich irgendwo hinzusetzen oder gar Getränke auszugeben, sondern sagt in einer Lautstärke, die in dieser ruhigen Taverne komplett ausreicht, um überall gehört zu werden:

"Hat von den Herren hier zufällig jemand Interesse an einer Heuer auf einer Karavelle, die nach Süden fährt?"

Sie sagt die Fahrtrichtung absichtlich dazu, denn für viele Seeleute ist der warme Süden weitaus verlockender als der kalte Norden.



Hat Garulf richtig gehört, eine Karavelle sucht Matrosen ? Ja, kein Zweifel, die Frau fragte nach Interessenten für eine Heuer. Dem Tonfall nach zu urteilen rechnet sie aber nicht mit Erfolg und will diese Taverne schnell ´abhaken´.

´Jetzt aber schnell, bevor sie wieder verschwindet.´

Er springt förmlich von seinem Stuhl auf, mit einer Geschwindigkeit, die man ihm wohl kaum zugetraut hätte.

"Das hätte ich, das wohl !" erklingt es mit fester Stimme, etwas lauter als nötig, bei den Worten

´Das wohl´ schlägt er zudem kräftig mit der Faust auf den Tisch, der ein bedenkliches Knacken von sich gibt.

"Garulf Nellgardsson ist mein Name, das Meer ist meine Heimat, egal ob Nord oder Süd."

Mit einem leichten Schmunzeln fügt er etwas leiser hinzu:

"Und besser kochen als dieser Süszwasserpanscher kann ich auch," wobei er einen kurzen Blick Richtung Theke wirft.



Über die Gesichtszüge der Bootsfrau huscht fast ein Grinsen, als sie sieht, wie der beleibte Mann so plötzlich aufspringt und sein Interesse bekundet. Irgendwie ist das kein Wunder, denn jemand wie er hat es sicher nicht leicht, als Matrose auf einem Schiff anzufangen, zumal er ja ganz deutlich nicht mehr der jüngste ist - und auf einen Mast wird man ihn auch besser nicht klettern lassen. Jedenfalls ist die Vorstellung wenig begeisternd, mit solch einem Seemann zu beginnen...

Nirka will schon fast eine Ablehnung in seine Worte hinein aussprechen - oder zumindest ein stark gemindertes Interessebekundnis, als das Wort "kochen" an ihre Ohren dringt.

Für einige Augenblicke hat Garulf das Vergnügen, einen Ausdruck der Sprachlosigkeit im Gesicht der Bootsfrau zu erleben, etwas, das noch nicht einmal alle Matrosen der NORDSTERN je erblicken konnten - einfach, weil es extrem selten vorkommt.

"Kochen?" fragt sie leise.

Auch Trolske, der sich nicht so ganz sicher war, was Nirka hier nun genau und wie anstellen möchte, ist auf einmal ganz Ohr und mustert den Mann, der da gerade aufgesprungen ist, genauer, während sich in seinem Kopf eine Vorstellung ausbreitet, die die nächste und auch die fernere Zukunft der NORDSTERN betrifft.



Das die Frau nicht gleich begeistert von ihm ist hatte Garulf ja erwartet, zu oft schon hat er in den letzten Wochen nach einer Heuer gefragt, jedesmal wurde er abgelehnt, sei es auf Grund seines Alters, sei es weil man ihn sich kaum Segel reffend auf der Marsrah vorstellen kann. Aber dasz sie ihn anstarrt als hätte sie noch nie einen Menschen gesehen und plötzlich in einen sehr leisen Tonfall verfällt, nein, damit hat er nicht gerechnet. Daher ergibt sich ein kurzes, kaum merkliches Zögern bevor er antwortet. In normaler Lautstärke fährt er fort:

"Kochen, das wohl ! Seit ich damals auf der ´Sturmvogel´ gefahren bin, da hatten wir ´n Smutje, der war noch schlimmer als er hier," kurzes Nicken Richtung Theke, "den hat der Kapitän dann an Land gesetzt, in Selem war das, da hat er auch hingehört, das wohl. Da saszen wir dann in Selem ohne Smutje wo hätten wir auch einen herholen solln? Etwa von den Geschuppten? Nene, da muszte einer von uns ran, das wohl. Nur, das wollt erst keiner, ist ja klar. Doch dann hab ich mir gesagt, was besseres als diesen Rattenfrasz wirst du schon hinkriegen und dann hab ich das gemacht. Seitdem bin ich selber Smutje, das wohl."



Der Wirt wirft sowohl Garulf, als auch den beiden Seeleuten der NORDSTERN sehr böse Blicke zu, als Garulf in so abfälligem Ton über die hervorragenden Speisen berichtet, die seine Frau zubereitet. Nur der Umstand, daß die Taverne noch so leer ist, und daß die anderen zu dritt sind, hält ihn noch von ernsthaften Rauswurfdrohungen ab. Zumal er die Chance sieht, daß das ganze auch ohne zerschlagene Möbel geht, wenn sich diese Anwerbung als erfolgreich erweisen sollte.

Die Bootsfrau hat unterdessen ihre Überraschung überwunden, wodurch ihr lediglich die Blicke des Wirtes entgehen, nicht aber die Worte Garulfs.

"Das paßt sehr gut", erwidert sie in normaler Lautstärke, "uns ist nämlich der Koch davongelaufen. Das war vielleicht ein Landei! Das Schaukeln hat ihn gestört, und ihm war alles zu eng!"

Nirka lacht kurz, und zumindest Trolske fällt auf, daß dieses Lachen weit gelöster klingt als das letzte Lachen, das er von ihr gehört hatte, das eher gespielt wirkte.

Doch... sie muß unbedingt eine Frage stellen:

"Na dann, Garulf... wann war denn das, als dein Kapitän den Koch in Selem vertrieb?"

Aufmerksam und neugierig sieht sie ihn dabei an, denn schließlich ist die Antwort von einiger Bedeutung für sie. Der neue Koch muß erfahren sein, das wohl!



Die Frage nach dem Zeitpunkt macht Garulf etwas zu schaffen, Zahlen und Rechnen waren noch nie seine Stärke und er sah auch keinen Sinn darin es zu lernen, schlieszlich ist er Seemann, kein Krämer und auch kein Gelehrter. Die Hand, die eben noch so entschloszen auf den Tisch hieb, wandert nun zum Kopfe, als wolle er die Jahreszahl aus seinem Gehirn ´herauskramen´. Doch das Jahr will ihm nicht einfallen und wieviele seitdem vergangen sind schon gar nicht. Schlieszlich antwortet er:

"Das war kurz nachdem die Novadis die stinkende Brut aus Al´Anfa," den Namen dieser Stadt spuckt er regelrecht aus, "zurück in die Pestbeule des Südens geprügelt hatten, das wohl! Wir kamen nämlich aus Kannemünde und hatten Unauer Salz an Bord." (1010 BF bzw. 17 Hal)



Nirka wirft Trolske einen leicht fragenden Blick zu, da sie mit diesen Angaben so auf Anhieb nichts anfangen kann. Der ältere Matrose dagegen schon, er überlegt kurz, und meint dann:

"Das muß so vor etwa zehn Götterläufen gewesen sein, denke ich. Vielleicht auch etwas mehr oder weniger. Ich..."

Nirka schüttelt den Kopf, denn diese Genauigkeit genügt ihr vollauf. Sie wollte eigentlich nur sicher gehen, daß der Koch schon ausreichend Erfahrungen auf Schiffen besitzt, und das ist hier der Fall.

"Nun... ich denke, unter diesen Umständen würde ich mich freuen, dich auf der NORDSTERN als Koch begrüßen zu dürfen. Unser Schiff stammt aus Riva, und von dort kommen wir momentan auch - und sind auf dem Weg nach Brabak."

Abwartend sieht sie Garulf an.


"Dann bin ich bereit, das wohl!" Wieder wird das ´das wohl´ von einem Fausthieb auf den Tisch begleitet, der diesem erneut ein bedenkliches Knacken entlockt und den Wirt nun doch ernsthaft um sein Mobiliar fürchten läszt.

"Wo finde ich die NORDSTERN denn und wann solls losgehen?"

Deutlich ist Garulf die Freude darüber anzumerken, dasz es endlich wieder hinaus auf See geht. So grosz ist seine Vorfreude, dasz er ganz vergiszt nach solchen Kleinigkeiten wie dem Namen der Werberin oder des Kapitäns zu fragen.



Nirka grinst bei der überschwenglichen Reaktion des neuen Kochs.

"Die Karavelle ist nicht zu verfehlen, sie liegt unten im Hafen."

Ihr Grinsen wird dabei intensiver, denn wo sonst soll ein Schiff liegen? Dann fügt sie ernster hinzu:

"Melde dich beim Kapitän Jergan Efferdstreu, und sag, daß dich die Bootsfrau Nirka Eiriksdottir schickt."

Sie überlegt kurz, ob sie mitgehen soll, doch der Weg ist nun wirklich nicht zu verfehlen, und sie muß sich noch um weitere Anwerbungen kümmern - schließlich nutzt der beste Koch nur wenig, wenn keine Leute da sind, die die Arbeit an der Takelage machen.



"Das wohl! Ich hole nur noch schnell meine Sachen."

Gleich darauf durchquert er den Schankraum und geht eine kleine Treppe nahe der Theke nach oben. Eine erstaunlich kurze Zeitspanne später kommt er mit einem schweren Seesack beladen zurück, offenbar hatte er den Groszteil seiner Habe bereits seefertig verpackt. Er greift zu seinem Beutel, der wegen der langen Zeit an Land nur noch wenige Münzen enthält und fragt den Wirt nach dem Betrag. Nachdem er die geforderte Summe etwas mühselig zusammengesucht hat, was zum Einen auf die ´Ebbe´ in seinem Beutel, zum Anderen auf seine Schwäche im Umgang mit Zahlen zurückzuführen ist, wirft er das Geld geradezu auf die Theke. Auf seinem Weg zur Tür bleibt er noch einmal bei Nirka und ihrem Begleiter stehen.

"Eine Karavelle, unten im Handelshafen, sagtest Du?"



Nirka stößt einen Seufzer aus, als der neue Koch los eilt, um seine Sachen zu holen - denn eigentlich hätte er ja auch in Ruhe aufessen können, und später den Weg zum Schiff antreten können.

Doch sie wartet die erstaunlich kurze Zeit, während sie die übrigen Seeleute in der Taverne mustert, von denen niemand auch nur ansatzweise ein Interesse an einer Heuer erkennen läßt.

Dann ist Garulf wieder da - voller Energie, zum Hafen zu gehen.

"Ja", erwidert sie, "eine havena-getakelte Karavelle mit zwei Masten. Du wirst sie kaum übersehen, und außerdem wird dir fast jeder im Hafen den Weg weisen können.

Dessen ist sie sich ziemlich sicher, denn dafür hat alleine schon die Aufregung der vergangenen Tage gesorgt - all der Trubel um die Meuterei, die Anschuldigungen und schließlich die Lösung des Problems.

Auch Trolske und sie setzen nun dazu an, die Taverne "Zum Grünen Wal" zu verlassen.



Die Bootsfrau sieht noch kurz dem davoneilenden Schiffskoch nach, ehe sie und Trolske die kleine Taverne ebenfalls verlassen.

"Das war eine gute Idee, Trolske!" lobt sie den Matrosen, "hoffen wir, daß sich der erste Eindruck bestätigt, und er uns lange erhalten bleibt."

"Er macht auf mich jedenfalls einen viel besseren Eindruck als dieser junge Koch, den wir seit Riva hatten", erwidert der ältere Matrose bedächtig.

Nirka nickt dazu nur, und sieht sich dann im bunten Treiben des Hafenviertels um. Die nächste Taverne ist nicht weit, aber sie will bedacht vorgehen, schließlich hat der Abend nicht unbegrenzt viel Zeit.



Xenia fertig für den Landgang


Da nun der dringliche Auftrag, den Fahrgast zum Oberdeck zu schicken, erfüllt ist, steigt Xenia eher gemächlichen Schrittes zum Oberdeck empor. Jetzt, da sich der Landgang schon so weit verzögert hat, kommt es auf die paar Sekunden nicht mehr an. Oben angekommen sieht sie sich kurz orientierend um, dann geht sie zielsicher auf den an der Planke wartenden Wasuren zu.

"So, wir können!" nickt sie ihm zu, als sie bei ihm angekommen ist.

'Eigentlich wäre es wohl lustiger, zu mehreren unterwegs zu sein...'

"Wollen wir noch fragen, ob noch jemand mit möchte? Oder sind schon alle ausgeflogen?" fragt die Matrosin Wasuren.



Xenia tritt unruhig von einem Fuß auf den anderen und stößt dann schließlich Wasuren an.

"He! Träumst du?"

Sie sieht ihn fragend an.

"Wollen wir nicht langsam mal los?"

Ungeduldig blickt sie zur Planke hinüber, wobei ihr natürlich auch die Neuankömmlinge nicht entgangen sind.

'Es ist doch immer wieder interessant, neue Gäste an Bord zu haben - so wird es hier nie langweilig...'

Dann verbessert sie sich selbst in Gedanken an die windstillen Tage vor der Meuterei.

'Naja... fast nie...'


Wasuren zuckt kurz und meint dann fragend als er erkennt das Xenia endlich vor ihm steht:

"Woll´n wir nun endlich an Land gehen oder noch auf wen anderes warten ?"

Gerade hat er das letzte Wort zuende ausgesprochen, da bemerkt er das er Xenia mal wieder so komisch angesehen 'fast angestiert' hat, als diese gerade wegblickte.

'Gerade war ich meinen Erinnerungen an DIE NACHT so nahe, ob Xenia mir wirklich nahe war in dieser Nacht. Oder wünsche ich mir das nur?'´

Noch immer ist Wasurens Verstand nicht ganz so klar und scharf, wie er einst mal war.



"Laß uns gehen." antwortet die Matrosin und begibt sich mit diesen Worten auf die Planke.

"Schon eine Idee, in welche Gaststätte wir wollen?" fragt sie über die Schulter.

'Es gibt so viele hier am Hafen... wie soll man sich da bloß entscheiden!'



Wasuren schüttelt den Kopf, als wolle er irgend etwas von sich schütteln und geht dann flinken Schrittes hinter Xenia her zur Planke.

"Nein! Ich kenne mich mit den Kneipen hier leider überhaupt nicht aus. Aber laß uns einfach mal drauf los probieren wird schon ne Kneipe geben. Vielleicht eine die net so voll is ?"

'Hoffentlich wird dieser Landgang nicht ne richtige Pleite. Auf jeden Fall werde ich Nirka aus dem Weg gehen wo ich nur kann. So lange ich nicht dieser arbeitswütigen Bootsfrau begegne, ist mir jeder Matrose oder Passagier der Nordstern als Gesprächspartner recht.'



Xenia nickt und bahnt sich dann ihren Weg über die Planke an Land.

'Wahnsinn, wieviele neue Gäste wir wieder haben! Es ist immer herrlich spannend, sie zu beobachten, besonders die feinen Herrschaften...'

Es ist wirklich schade, jetzt von Bord zu gehen, so daß sie die Hälfte der Neuzugänge wohl verpassen werden. Aber dafür wird später noch Zeit sein, beruhigt sich die Matrosin.

Besonders neugierig ist sie auf den neuen Koch, der da eben zu Jergan hinaufging - Alrik wird sich da sicher freuen!

Auf festem Boden angekommen, dreht sich Xenia zu Wasuren um.

"Ok, deine Wahl - wo soll's hingehen?" fragt sie mit einem erwartungsvollen Ausdruck im Gesicht.



Ein neuer Fahrgast


Der Nachmittag in Thorwal beginnt langsam, dem Abend Platz zu machen, aber das Leben in der Stzadt und insbesondere auch im Hafenviertel ist immer noch sehr lebendig und bunt. Es wird gehandelt, geschimpft, gegessen, getrunken, sich unterhalten - sowohl "normal", als auch "thorwalisch".

In diesem hektischen Treiben hebt sich an einem der Transportwagen, die Waren zum Hafen bringen und von dort holen, plötzlich die obere Plane und ein gelenker Mann springt heraus, rollt sich geschickt ab und steht nun in einigen Schritt Entfernung in Höhe der Karavelle NORDSTERN am Pier. Er ist mittelgroß und sieht mit seinen buntgefärbten Haaren,die in der untergehenden Sonne in den verschiedensten Farben glänzen, recht lustig aus. Bekleidet ist er mit einem schwarz-grauen Stoffumhang, den er über einer grünen Lederkleidung trägt und der des öfteren liebevoll geflickt worden zu sein scheint.

Behende legt er die letzten Schritt zurück, die ihn noch von der Planke trennen, die auf die NORDSTERN führt. Beim Näherkommen lassen sich sowohl die in seinen braunen Lederstiefeln eingelassenen Messerschächte, als auch der vor der Brust über Kreuz getragene Messergurt erkennen. Sein ebenfalls mehrfach geflickter schwarzer Lederrucksack, den er auf dem Rücken trägt, scheint beim Gehen wie festgezurrt.

"Hallo dort drüben!" ruft er in einem melodischen Ton in Richtung der Brücke herüber.

"Ist dort noch ein Plätzchen frei auf diesem prächtigen Schiff?"

Gespannt verharrt er am Rande des Stegs und wartet auf eine Antwort.


***************************


Kapitän Jergan Efferdstreu, der noch dem entschwindenden Maraskaner hinterherschaut, dreht sich bei diesen Worten um und tritt an die landseitige Reling des Brückendecks.

"Efferd zum Gruße!" ruft er zurück. "Ihr könnt gerne an Bord kommen, wenn Ihr ein Ziel habt, daß in südlicher Richtung liegt. Dieses Schiff fährt nach Brabak."

Abwartend blickt der Kapitän zu dem Mann auf dem Kai hinunter.



" Das wohl " antwortet der Neuankömmling.

`Mmmm ich glaube das sagt man hier so`

"Ich möchte gen Süden reisen und habe vernommen, daß dieses Schiff das schönste sein soll ; und es sieht warlich so aus ! Was solls denn kosten bis zum nächsten oder übernächsten Hafen ? So ne Einzelkajüte zum Beispiel ?"

`Nun ja, ha, ha, ich kann's mir nach dem dicken Fisch den ich hier an Land gezogen habe auch mal leisten `

"Übrigens mein Name ist Andron, Andron Fallaron."

Zögernd blickt der Neuankömmling in Richtung Brückendeck und geht dabei langsam an Bord während er auf eine Antwort wartet..



Jergan sieht von der Höhe des Brückendecks zu dem Mann auf dem Pier herab, und antwortet dann:

"Ich bin Jergan Efferdstreu, Kapitän dieser Karavelle. Der nächste Hafen wird Salza sein, danach kommt Nostria. Eine Einzelkabine haben wir leider nicht mehr frei... obwohl..."

Der Kapitän stockt kurz, und denkt an etwas, das ihm schon mehr als einmal durch den Kopf ging.

"... vielleicht doch. Aber das kann ich erst später entscheiden. Bis Salza wären es 200, und bis Nostria etwa 350 Meilen. Falls die Einzelkabine frei wird, dann wären das 12 Silber auf 100 Meilen, sonst 4 für die Gemeinschaftskabine."

Bei diesen Erklärungen zeigt der Kapitän auch noch einmal auf die Tafel mit den Fahrpreisen, die neben der auf der Schiff führenden Reling an der Planke befestigt ist:


"100 Meilen Fahrstrecke kosten

Suite : 25S

Einzelkabine : 12S

Doppelkabine : 8S

Gemeinschaftskabine : 4S

Unterdeck : 2S

Oberdeck : 1S (nur bei gutem Wetter fuer kurze Strecken)

Diese Preise beinhalten jeweils die Beteiligung am Schiffsproviant. Die Preise für mitgeführte Fracht müssen vor Beginn der Reise ausgehandelt werden."



"Nun ja ! " entgegnet Ihm der Neue. " Ich würd' schon bis Nostria mitfahren wollen! Und als Fracht habe ich nur mich selbst ! "

'und was keiner wissen soll 'denkt er in sich hinein.

" Ich werd' mich dann wohl mal zuerst in der Gemeinschaftskabine einquartieren! "

Mit diesen Worten betritt er das Schiff, legt seinen Schwarzen Rucksack ab und holt einen kleinen Lederbeutel hervor. Zielstrebig geht er auf den Kapitän zu um ihm zum richtigen Gruße die Hand zu schütteln.

"So, hier sind dann 14 Silberlinge, " flüsternd fügt er hinzu " Ich würde schon gern eine Einzelkabine haben wollen, guckt doch mal was Ihr machen könnt".

Er zurrt seinen Geldbeutel wieder zusammen, läßt ihn im Rucksack verschwinden und fragt:

" So dann mal los ! Wo geht's denn zu dieser Gemeinschaftskabine? Ihr müßt wissen, das ist erst das dritte Mal, daß ich per Schiff reise "

Fragend sieht er den Kapitän an während er sich denkt

'In der Not tut's halt auch mal ein Schiff um schnell irgendwo wegzukommen `



Jergan schüttelt dem neuen Passagier die Hand und nimmt das Geld entgegen.

"Willkommen an Bord!"

Die fast geflüsterte Bemerkung erzeugt jedoch ein Stirnrunzeln - es klang in Jergans Ohren fast so, als wolle sich da jemand einschmeicheln oder gar darüber nachdenken, ihn zu bestechen.

Doch... er läßt sich nichts weiter anmerken und antwortet auf die gestellte Frage.

"Nun, da kaum ein Schiff dem anderen gleicht, haben auch erfahrene Seereisende dieses Problem."

Der Kapitän sieht sich kurz um, doch da er keinen Matrosen erblickt, der in der tätigkeitslos in der Nähe herumsteht, und er selbst so etwas natürlich nicht macht, fügt er hinzu:

"Wenn ihr wieder auf dem Oberdeck seid, geht einfach die Treppe gleich neben dem Großmast hinunter. Unten haltet Euch links - die erste Tür auf der linken Seite ist es. Sie ist unverschlossen - und damit nicht zu verfehlen."



" Ok ! " sagt Andron bestimmend " Ich werd's schon finden ! "

Mit diesen Worten geht er die Treppe hinunter und schnurstracks ohne zu klopfen in die nächste Tür links.

"Die Götter zum Gruße", ruft er beim eintreten und sieht sich neugierig um.



Aleara


Schon wieder war sie abwesend! Aleara schreckt erneut zusammen. Mitten auf dem Oberdeck steht sie herum wie eine Salzsäule. Zunächst macht sie ein paar Schritte zur Seite, auf den Mast zu, um - wem auch immer - nicht im Wege zu stehen. Dann besinnt sie sich auf ihr eigentliches Anliegen und entschlossen blickt sie zum Brückendeck hinüber, auf dem der Kapitän mit dem neuen Passagier spricht...



'Was nun?' fragt sich die junge Matrosin, die da so einigermaßen verdattert am Großmast steht. Mehr aus Verwunderung, denn aus Interesse sieht sie sich auf dem Deck, besonders dem Brückendeck um, und da fällt es ihr auch schon wieder ein: Der Kapitän!

Mit deutlich sichereren Schritten als zuvor macht sie sich erneut auf den Weg zum Aufgang des Brückendecks.



Der neue Koch


Garulf verläszt den ´Grünen Wal´ und begibt sich auf direktem Weg zum Hafen. Er geht am Kai entlang und mustert dabei gründlich die Schiffe, die hier im Handelshafen einen Liegeplatz gefunden haben. Seinem geschulten Auge fällt es nicht schwer die verschiedenen Typen zu unterscheiden. Dort hinten, eine Karavelle, zweimastig, havenisch getakelt, das musz die NORDSTERN sein. Bis er am Ziel ist dauert es aber noch eine Weile, denn seine Augen sind erheblich schneller als seine Beine. Schlieszlich hat er das Schiff erreicht. Er läszt seinen Seesack plumpsend auf den Boden fallen und nimmt an der Planke Aufstellung.

"Ahoi, Jergan Efferdstreu, Kapitän der NORDSTERN," schallt es sodann zum Deck hinauf, dieser Ruf ist kaum zu überhören, diese Stimme ist es gewohnt gegen den Rondrikan anzubrüllen.



Hirkan und Joanna


Sich von der jungen Dame helfen zu lassen, kommt für Hirkan nicht in Frage. Zwar sieht er nicht unbedingt geschickt aus, wie er dort mit den Koffern und dem Bündel hantiert, doch das Bündel wird, wie er hofft, nicht mit ihm von Bord gehen und dann hat er ja nur noch die Koffer.

"Danke, es geht schon", antwortet er daher schnell auf Joannas Frage. Anschließend geht er schnellen Schrittes hinauf zum Oberdeck, das er nur überquert, um zum Brückendeck zu gelangen. Kurz vor Erreichen des Brückendecks dreht er sich noch einmal zu Joanna um.

"Wenn Ihr nur kurz auf mich warten würdet, ich möchte mich nur von Kapitän Efferdstreu verabschieden."

Da es ihm etwas peinlich ist, Joanna warten zu lassen, fügt er an:

"Es wird bestimmt nicht lange dauern."

Der Kapitän ist offensichtlich im Gespräch mit einem neuen Matrosen. Also setzt Hirkan die beiden Koffer erneut ab und stellt sich gut sichtbar, aber nicht zu nahe, schräg neben den Kapitän, um zu warten, daß dieser für ihn Zeit hat.



Jergan und Garulf


"So sei es!" erwidert Jergan Andron, und will sich gerade wieder Fiana und ihrem Gesprächspartner zuwenden, als sein Name gerufen wird - LAUT gerufen wird.

Mit zwei schnellen Schritten ist er an der hafenseitigen Reling des Brückendecks, und sieht da einen beleibten, nicht mehr ganz jungen Mann stehen, neben sich einen schweren Seesack.

Die zackige Meldung, und das Auftreten des Mannes lassen unschwer erraten, daß es sich um einen Seemann handelt, und der Fakt, daß er ihn mit Namen angeredet hat, weist deutlich auf ein Werk Nirkas hin. Nur... ein kurzer Gedanke der Enttäuschung, und dann sofort eine große Hoffnung durchzuckt den Kapitän.

"Ahoi!" ruft er zurück. "Ja, der bin ich... du darfst an Bord kommen!"



"Ich komme, das wohl."

Garulf nimmt den Seesack wieder auf und betritt die Planke, die sich unter seinem Gewicht doch merklich durchbiegt. Doch eine solide Steineichenplanke zerbricht nicht so leicht und so erreicht Garulf das Oberdeck. Er genieszt diesen Augenblick, als er das Deck betritt, endlich wieder Planken unter den Füszen, endlich geht es wieder auf See hinaus, endlich ´zu Hause´. Er geht in Richtung Brückendeck und bleibt am Aufgang zu diesem stehen.

"Deine Bootsfrau, Nirka schickt mich, ich bin dein neuer Smutje," sagt er zu Jergan, "das heiszt, wenn du willst," fügt er kurz darauf hinzu.



Das Gesicht des Kapitäns hellt sich merklich auf, als er die Worte des Mannes vernimmt, die seine insgeheim gehegte Hoffnung bestätigen.

"Dann sei herzlich willkommen an Bord..."

Der Satz klingt etwas abgehackt, denn ihm wird plötzlich klar, daß er den Namen des anderen noch gar nicht kennt.

So beschränkt er sich darauf, dem potentiellen neuen Schiffskoch einladend die Hand hinzuhalten.

"Ich denke schon, daß ich das will, das wohl!" sagt er dabei.



Kapitän zu sein ist nicht einfach... nicht nur im Sturm, wenn jede Entscheidung über Leben und Tod innerhalb kürzester Zeit getroffen werden muß, sondern auch im Hafen. Mal hat man seine Ruhe für viele Stunden, manchmal sogar für die ganze Zeit des Aufenthalts, doch für gewöhnlich kommen dann die Anliegen alle auf einmal.

So entgeht es ihm, während er mit dem neuen Koch redet, nicht, daß der Reisende Hirkan sich ihm nähert, um sich offenbar zu verabschieden, und auch Aleara, die wieder auf dem Weg zum Brückendeck ist, fällt ihm auf. Doch... diese drei sind noch nicht alle, die etwas von ihm wollen, denn nun scheint auch noch der neue Fahrgast, mit dem Fiana die letzten Minuten verhandelt hat, etwas von ihm zu wollen.

'Kann sie das nicht alleine', geht ihm kurz durch den Kopf, doch er hütet sich, sich das auch nur anmerken zu lassen.

Doch... noch hat ihn niemand angesprochen, und so wartet er einfach auf das naheliegende, nämlich die Antwort des neuen Kochs.



Garulf hatte es sich angewöhnt die Brücke eines Schiffes erst nach ausdrücklicher Erlaubnis durch den Kapitän zu betreten, da die meisten Kapitäne, unter denen er bisher gefahren ist, dies so wollten. Dieser hier scheint jedoch anders darüber zu denken, zum einen treten sich auf der Brücke Offiziere, Passagiere und Händler geradezu auf die Fuesze, zum anderen streckt Jergan ihm die Hand entgegen und ein Händedruck dürfte von hier unten aus etwas schwer zu bewerkstelligen sein. Wieder einmal erstaunlich schnell für seine Gewichtsklasse, zumal er ja auch noch den schweren Seesack bei sich hat, steigt er die Stufen des Aufganges hinauf. Oben angekommen ergreift er die Hand des Kapitäns und erwidert den Händedruck, kräftig, wie es sich für einen Thorwaler Seemann gehört.

"Ich heisze übrigens Garulf, Garulf Nellgardsson."



Der Kapitän nimmt die höfliche Verbeugung des neuen Passagiers mit einem freundlichen Nicken zur Kenntnis, während er sich zugleich vornimmt, Fiana nach diesem Menschen zu fragen.

Unmittelbar danach folgt ein kräftiger Händedruck, den er mit dem neuen Koch tauscht, der nun den Weg auf das Brückendeck findet.

"Willkommen an Bord", wiederholt er, und fügt hinzu:

"Du bist im Gegensatz zu unserem vorigen Smutje ein Seemann, das merkt man deutlich."

Anerkennung ist aus diesen Worten zu hören, und auch ein klein wenig Neugierde. Dennoch hält der Kapitän sich mit Fragen ziemlich zurück, denn schließlich weiß er, daß Nirka die meisten davon schon gestellt haben wird. So beschränkt er sich nur auf die, die ihn am meisten interessieren:

"Wie lange bist du denn schon Koch auf See, und wie lange warst du jetzt ohne Heuer?"

Ein ganz kurzer entschuldigender Blick geht an der Stelle in Hirkans Richtung, dann sieht der Kapitän wieder Garulf an.



"Smutje bin ich seit unser Kapitän den alten Smutje, diesen Flachwasserpanscher, in Selem an Land gesetzt hat, da brauchte er nämlich ´nen neuen und von den Geschuppten wollten wir keinen."

Der letzte Satzteil wird von einem Lachen begleitet.

"Das war auf der ´Sturmvogel´. Wir hatten in Unau Salz an Bord genommen und waren auf dem Weg nach Süden, das war nämlich kurz nachdem die Novadis die Al´Anfaner," wieder merkt man ihm seine Abneigung gegenüber der Pestbeule des Südens deutlich an, "diese Hurensöhne, geschlagen hatten."

Der zweite Teil der Frage ist erheblich einfacher zu beantworten:

"Seit dem Rondramond sitze ich jetzt auf dem Trockenen, da hab´ich der ´Pfeil von Nostria´, diesem morschen Zuber, den Rücken gekehrt."

Garulf könnte Jergan noch eine ganze Menge mehr erzählen, doch er wartet erstmal ab, ob der Kapitän noch weitere Fragen hat



Ein Grinsen huscht über Jergans Gesicht, als er hört, wie Garulf die Zeit bestimmt, die seit damals vergangen ist. Doch... damit kann er sehr wohl etwas anfangen, und so nickt er, immer noch grinsend. Sein Grinsen könnte man sogar als Zustimmung zu der nicht zu überhörenden Abneigung in den Worten des Smutjes interpretieren.

"Das ist gut", kommentiert er leise, und hört sich den Rest an, um dann zu sagen:

"Das klingt sehr gut, und ich verlasse mich auch auf das Urteil meiner Bootsfrau."

Er überlegt kurz, ob es noch etwas Wichtiges zu fragen gibt. Eigentlich würde er gerne noch länger mit diesem erfahrenen Mann plaudern, aber wie es aussieht, wartet jede Menge Arbeit, und nicht zuletzt möchte Garulf ja sicher auch noch etwas anderes gerne wissen.

"Also dann... wie klingen vier Silber pro Tag?"



Schon wieder musz der arme Garulf rechnen.

´Eine von den silbernen sind sind so viele von den kupfernen, wie ich Finger an beiden Händen habe. Also sind vier silberne, so viele kupferne, wie vier Leute Finger haben, das ist ...´ auf jeden Fall mehr als auf der ´Pfeil von Nostria´, wo er oftmals Monde auf sein Geld warten muszte, da in der Schiffskasse chronische Ebbe herrschte. Daher bricht der Smutje seine Überlegungen auch an diesem Punkt ab und sagt:

"Vier silberne am Tag sind in Ordnung, das wohl, bei Swafnir!"

In seinen Worten schwingt ein deutlicher Ausdruck von Freude mit, jedoch weniger wegen des Betrages, sondern weil er jetzt wohl tatsächlich angenommen wird und endlich wieder aufs Meer hinaus darf.



"Das freut mich", erwidert der Kapitän der NORDSTERN, und fügt dann mit einem ganz leicht traurigen Unterton hinzu:

"Ich würde sehr gerne noch weiter mit dir reden, aber es gibt gerade im Moment sehr viel zu tun. Später auf See wird es ja noch weitere Gelegenheiten geben, so daß ich dich jetzt einfach bitte, dir von einem der Matrosen auf dem Oberdeck deine Kabine und die Kombüse zeigen zu lassen."

Jergan sieht kurz nach vorne über die Reling des Brückendecks hinweg auf das Oberdeck hinunter.

"Vielleicht von Sigrun, das ist diese Matrosin da, die momentan nichts zu tun hat."

Er zeigt in die entsprechende Richtung, und wendet sich dann noch einmal dem Smutje zu.

"Und... sei auf jeden Fall willkommen in unserer Mannschaft!"

Er reicht Garulf ein zweites Mal die Hand, um die Anheuerung zu besiegeln.



Begleitet von einem schallenden

"Das wohl, bei Swafnir!" erwidert Garulf den Händedruck Jergans.

"Dann werde ich mir mal die Kombüse angucken und mal sehen was mein Vorgänger so an Vorräten hinterlassen hat."

Dann wendet sich Garulf in Richtung Niedergang. Dann dreht er sich noch einmal zu Jergan um.

"Sigrun heiszt sie, richtig?" und blickt dabei zu der groszen blonden Matrosin auf dem Oberdeck, die Jergan ihm genannt hat.



Feiner Herr


Herr di Vespasio konnte für einen kurzen Moment tatsächlich die Augen des Kapitäns auf sich gerichtet fühlen. Das reicht ihm aber auch völlig, da er nichts weiter will, als sich vom Brücken gesittet zurückziehen. Dazu ist eine Verbeugung vor dem ranghöchsten Befehlshaber jedoch unumgänglich, die er nun ausführt.

Dazu stellt er die Füße im rechten Winkel nebeneinander, hält den Stock mit der linke Hand hinter den Rücken und führt die freie rechte Hand im weiten Bogen an die linke Hüfte, bevor er sich tief verneigt. Aufmerksame und fachkundige Beobachter könnten bemerken, daß er diese Position einen Bruchteil länger beibehält als bei der ersten Offizierin.

'Offenbar ein kompetenter Mann. Und seine Angestellten scheinen auch sehr fähig zu sein. Zumindest der Matrose ist auf zack. Und die erste Offizierin ist wahrlich eine sehr angenehme Frau. Nur diese Kleidung. *seufz* Diese Kleidung ist völlig unangemessen.'

Wieder aufgerichtet, wendet er sich ohne jeden weiteren Kommentar ab und Orgen zu. Di Vespasio spricht ein befehlsgewohntes:

"Folge mir, Matrose."

Und tritt auf den Niedergang zum Oberdeck zu, ohne auf dessen Reaktion zu warten.



Doch ein wenig irritiert über das seltsame Verhalten des Händlers und auch ein wenig eingeschnappt

'Hat mich einfach ignoriert, der feine Pinkel'

folgt Orgen dennoch dicht hinterher, ganz so wie Fiana ihn beauftragt hat.



'Das Wetter! Wo ist nur mein Verstand geblieben. Frizzi, du hast dich viel zu sehr von den Sitten der Leute ablenken lassen. Du hast nicht nur nicht zugehört, sondern auch noch vergessen zu handeln. Soll ich jetzt noch nach dem Wetter fragen ...? Nein, besser laß es uns bis später aufschieben.'

Der Händler di Vespasio läßt kurz noch den stabil gebauten Mann die Treppe hochkommen, dann schreitet er sie selbst herunter. Er hat zwar die ebenfalls zur Treppe schlendernde Frau bemerkt, aber zum einen scheint sie eh etwas verträumt und langsam zu sein und zum anderen ist es ja eh nur eine Matrosin und sollte ihm den Vortritt lassen.

Beim Herabsteigen wirft er einen Blick über das vor ihm liegende Deck.

'Ein schönes Schiff. Beinahe alles ist aus Holz gemacht. Und überall gibt es Haken und Löcher für die Seile. Vermutlich ist es für einen Seemann gar nicht so einfach im Kopf zu behalten, wofür all die Seile da sind. Dennoch ist das Schiff kleiner und übersichtlicher als die SCHWANENHALS. Ich frage mich ob diese NORDSTERN statt dessen mehr Stockwerke hat, unter Wasser kann man das schließlich nicht sehen.'

Unten angekommen macht er, ganz in seine Gedanken versunken, sich auf den Weg zur Planke. Von Orgen nimmt er einfach an, daß dieser ihm schon folgen wird.

'Diese Thorwaler sind zwar gute Arbeiter und ehrliche Leute, aber sie haben keinerlei Verständnis für höfliches und anständiges Verhalten.'

Im Kopf des Südländers schaft sich der Gedanke Platz, daß eigentlich niemand etwas dazu kann, wenn er eine einfache Herkunft hat. Höflichkeit kann man schließlich lernen. Lediglich bedarf es dazu eines Lehrers. Möglicherweise ist er ja durch die Hand der Götter auf dieses Schiff geführt worden, um diesen Nordländern ein wenig Etikette nahezubringen.

'Das wäre eine Berufung, die mir würdig ist. Diese rauhen Burschen und Weiber brauchen eine feste Hand, die sie zur Höflichkeit anleitet, und eine zarte Hand, die sie aus ihrer Ignoranz herauslockt. Die Frage ist nur, wie fange ich es an ...?'



Herr di Vespasio hat sich inzwischen auch der Planke genähert. Dort scheinen sich schon einige Matrosen versammelt zu haben, die jetzt den Weg aufs Festland versperren. Statt voranzugehen, besprechen sie sich auch noch!

"Erst einmal mir aus dem Weg, wenn es nicht zuviel Mühe macht." spricht di Vespasio Xenia an. Die Stimme bleibt zwar höflich, jedoch ist eine gewisse Schärfe darin auszumachen.



Orgen stapft dem Herrn Di Vespasio hinterher. Als dieser seine Kameraden, seiner Meinung nach unglimpf, zum Gehen auffordert verdreht er kurz, und darauf achtend, daß der Herr ihn nicht sehen kann, die Augen gen Alveran, kombiniert mit einem Zucken der Augenbrauen. Xenia sollte sehr wohl die Möglichkeit haben diese Geste zu bemerken




Andron's schneller Abgang


Andron bleibt in der Tür der Gemeinschaftskabine stehen, die für seinen Geschmack ziemlich klein und voll ist. Seine Blicke schweifen über die Anwesenden, und die Sachen, die herumliegen und herumstehen, und plötzlich werden sie sie starr.

Einige Augenblicke steht er wie starr in der Tür, dann dreht er sich um und verläßt die Kabine geradezu fluchtartig.

Seine Schritte werden schneller, den Aufgang zum Deck empor rennt er fast, und dann geht es rücksichtslos über das Oberdeck, wo er einen Matrosen fast umrennt.

Gehetzt blickt er sich um, nimmt die Planke mit zwei großen Schritten, deren letzter zu seinem Glück auf dem festen Boden der Pier endet, denn sonst wäre er ins Wasser gefallen.

Nur noch einige Atemzüge lang ist er zu sehen, dann hat ihn die Menschenmenge und das beginnende Dunkel geschluckt.



In der Taverne 'Schwert und Zauberei'


Alrik schaut sich noch einmal kurz um bevor er die Tavernentür öffnet. Neugierig tritt er ein und sein Blick mustert unter seiner Kapuze hervor die Gäste und sucht nach einem freien Tisch.



Phexane kriegt, als sie Jaruns Erzählung über Khunchom zuhört, einen verträumten Blick.

Vor ihren Augen entsteht eine Welt wie aus "1001 Rausch". Sie 'sieht' eine bunte, reiche Stadt vor sich und nimmt den Duft von exotischen Blüten wahr. Sie stellt sich alle diese seltsamen Dinge vor, von denen man ihr erzählt hatte: fliegende Teppiche, die dort jeder Magier besitzt; Luftgeister, die jeden Wunsch erfüllen und sogar aus einem einfachen Dieb einen Sultan machen und seltsame Tiere, die man wie Pferde reiten kann, obwohl sie ein oder zwei Buckel haben.

Letzteres kann sich Phexane überhaupt nicht vorstellen, aber die Vorstellung von fliegenden Teppichen und diesen Geistern, die alle Wünsche erfüllen, gefällt ihr so sehr, daß sie leicht entrückt lächelt.

'Wenn die Menschen dort so reich sind, dann sollte ich wohl irgendwann mal mein Glück in Khunchom versuchen. Vielleicht treffe ich dann auch auf so einen Geist. Dann müßte ich mir um nichts mehr Sorgen machen!'

Sie will gerade Jarun über die reichen Tulamiden ausfragen, als die Tür aufgeht und eine ihr bekannte Person hereintritt: ihr Bruder Alrik!

"Alrik! Hier bin ich!" ruft sie laut durch den Schankraum und winkt ihm mit ihrer rechten Hand zu.



'Da hinten ist ein freier Tisch' Alrik Augen erspähen den Tisch unter der Kapuze hervor. Mit forschem Schritt nimmt er Kurs auf den freien Tisch als er jemanden Rufen hört,

"Alrik! Hier bin ich!"

'Wer kennt mich in dieser Stadt, könnte es sein...?'

Schnell läßt er seine Augen erneut durch den Raum wandern und sieht plötzlich seine winkende Schwester. Der Magus tritt zu ihr und fragt mit einem ironischem Unterton in der Stimme.

"Na, mein liebreizendes Schwesterherz, bist du auf der Suche nach Zerstreuung?"



Phexane zwinkert ihrem Bruder zu.

"Nun, ich suche nach Zerstreuung. Andere sind schon zerstreut, nicht wahr, Brüderchen?"

Sie blickt Jarun kurz an, der offenbar ein wenig träumt, doch dann wendet sie sich wieder Alrik zu.

"Möchtest du dich zu uns setzen? Ach ja: darf ich vorstellen? Das ist Jarun, der Gaukler. Wie du sicher weißt, ist er ebenfalls Passagier auf der Nordstern."

Sie spricht nun Jarun an:

"Das hier wiederum ist mein Bruder Alrik Fuxfell, ein Magier."



Alrik mustert den Gauner einen Augenblick, dann fällt ihm wieder ein das dies der ungehobelte Kerl war, der ihn und die junge Druidin so angegangen war.

'Sicherlich ein Mann mit großem Selbstbewußtsein' denkt er zynisch.

"Sehr erfreut ihre Bekanntschaft zu machen."

Der Magus wendet sich nun seiner Schwester zu:

"Ich nehme gern an eurem Tisch Platz, aber denk nicht das ich zu zerstreut bin,allerliebstes Schwesterchen."

Ein leichtes Lächeln umspielt die Mundwinkel des Magiers, als er sich setzt.



Der herantretende Magier reißt Jarun aus seinen Gedanken.

"Oh ja. Magister Fuxfell. Ich erinnere mich. Wir hatten bereit das Vergnügen uns kennenzulernen. Auch wenn es etwas unglückliche Umstände waren."

Jarun lehnt sich in seinem Stuhl zurück und schaut sich nach der Schankmaid um. Mit einem kurzen Handbewegung gibt er ihr zu verstehen, das sie noch etwas bestellen wollen. Mit einem kleinen Tablette, auf dem ein Krug und ein Glas Wein steht kommt sie zu der Dreiergruppe herüber. Vorsichtig darauf bedacht nichts von dem teuren Wein zu verschütten stellt sie die beiden Getränke auf den Tisch. Dann wendet sie sich zu dem Neuankömmling, um seine Bestellung aufzunehmen.

"Was darf ich euch bringen?"



Der Magus nickt dem Gaukler zu. Dann wendet er sich an die Schankmaid

"Bringt mir am besten auch etwas von dem Wein, den mein Gegenüber bestellt hat."

Er lehnt seinen Stab an den Tisch und schaut wieder zu seiner Schwester und dem Gaukler.



Phexane blickt etwas unsicher von Alrik zu Jarun und dann wieder zurück. Irgendwie gefällt ihr die Stimmung hier am Tisch nicht.

'Unglückliche Umstände? Haben die sich bei der Meuterei kennengelernt, oder wie?'

Sie verschränkt die Arme und legt sie auf den Tisch, dann räuspert sie sich leicht und fragt dann die beiden:

"Was denn für 'unglückliche' Umstände?"



Damit der Gesichtsausdruck, der ein gewisses Unbehagen bezüglich des Themas ausdrückt, seinen beiden Gegenüber trotz der Schminke nicht auffällt, beginnt Jarun von seinem Gesicht abzulenken, indem er beim Reden mit den Händen in der Luft herumzufuchteln.

"Nun ja, ähm. Sie müssen verstehen. Obwohl ich in wärmeren Gefilden aufgewachsen bin, verspüre ich eine gewisse Abneigen beim Anblick der Praiosscheibe. Sie schmerzt auf meiner Haut und mein Kopf fühlt sich dann hohl und leer, wobei ein unaufhörliches Klopfen unerträgliche Schmerzen hervorruft. Wenn ich ihrem Schein zu lange ausgesetzt bin, dann werde ich sehr launisch und reagiere unnormal. Ich habe dieses Problem seit meiner Geburt. Es hört sich fast an, als würde Praios meine Eltern strafen wollen."



Phexane geht mit ihrem Kopf etwas zurück als Jarun beginnt vor seinem Gesicht herumzufuchteln. Sie schaut ihn erst etwas kritisch, doch dann gespielt mitleidig an.

"Praios' Strafe, sagt ihr? Oh, das ist wirklich schlimm! Vor allen Dingen, wenn man sich in den Städten der Tulamiden so gerne bewegt. Ihr solltet mit dieser Krankheit", das Wort 'Krankheit' dehnt sie leicht, "besser im Norden bleiben. Zumal so etwas euch bei eurer Arbeit nicht sehr hilfreich ist, nicht wahr?"

Sie zwinkert ihn kurz an.

'Wahrscheinlich ist Alrik etwas zu selbstbewußt aufgetreten und ist damit wiederum Jarun auf die Füße getreten. Naja, nicht mein Bier!'

Wieder einmal knurrt Phexanes Magen laut und vernehmlich. Sie schaut kurz mißmutig und blickt sich dann zu der Theke um, in der Hoffnung etwas Essbares auf sie zukommen zu sehen. Doch noch sieht sie nichts.

'Bei allen Zwölfen, ich könnte einen Bären fressen!'

"Und, Alrik? Was hast du so hier in Thorwal gemacht? Wieder mal verängstigte Maiden vor wütenden Thorwalern gerettet? Oder haben die Maiden dich gerettet?"

Sie grinst ihn frech an.



Jarun ist sich nicht ganz sicher, ob die Worte Phexanes auch wirklich so gemeint waren, wie sie es gesagt hat. Er hatte das Gefühl, einen ironischen Unterton zu hören, der der ganzen Aussage eine gewisse Unglaubhaftigkeit verlieh. Doch mit schnell wischt er diese Gedanken wieder hinfort. Vielleicht besteht später die Möglichkeit, auf das Thema näher einzugehen. Nicht jetzt. Ein wenig Kneipenplauderei wäre jetzt eher angebracht, um auf andere Gedanken zu kommen.

Genüßlich läßt Jarun die letzten Schlücke seines Weines in den Mund fließen. Dann hebt er den Arm und deutet dem Wirt an ihm noch ein Bier zu bringen. Dieser nickt nur kurz und ergreift einen Ton Krug unter dem Tresen.

Die Tür neben dem Tresen öffnet sich und die junge Schankmaid betritt mit zwei großen Tellern den Raum. Zielstrebig kommt sie auf den Tisch zu und schaut in die Runde.

"Gebratener Goldfleckenbutt mit Brot?"



"Für mich!" ruft Phexane freudig aus, als sie hört, daß es Fisch gibt. Fisch ist ohne Zweifel ihr Leib- und Magengericht - der aufmerksame Beobachter kann es an ihre hungrigen Augen erkennen, die auf den Teller mit dem ehemaligen Wasserbewohner starren.

So wartet sie nicht lange und will eigentlich auch schon gleich zugreifen und essen, doch im letzten Moment macht sie halt.

'Hups! Beinahe hätte ich schon wieder diesen Fehler gemacht. Man soll doch eigentlich warten, bis alle was zu Essen vor sich stehen haben, hat mir Bruder Hesindian gesagt. Allerdings hat der sich doch sowieso den ganzen Tag mit eher unnötigen Dingen wie Rechnen und Diskutieren aufgehalten. Naja, ich warte besser einen Moment.'

Sie lächelt verlegen und blickt dann wieder Alrik an.



Nachdem die Schankmaid Phexane ihren Fisch herübergereicht hat, schaut sie noch einmal fragend in die Runde.

"Die beiden kleinen Kerle sind für mich," sagt Jarun auf die fragenden Blicke der Schankmaid. Knusprig braun gebraten liegen zwei gar nicht so kleine Hähnchen auf dem Teller. Eine dunkle schmackhaft aussehende Soße tropft noch hier und da von dem Fleisch auf den Teller, wo sich bereits ein große Pfütze gebildet hat. In die Mitte des Tisches stellt die junge Frau einen geflochtenen Korb mit grob geschnittenen Stücken Brot. Schon halb im Gehen wünscht sie den beiden einen traviagesegneten Hunger und verschwindet in dem Nebenraum.

Mit einem kurzen Blick auf den Teller seiner Nachbarin bricht sich Jarun die erste Keule des Geflügels ab und wünscht Phexane Travias Hunger.

"Ein wahrlich schmackhafter und großer Fisch. Bin ja mal gespannt, ob ihr den Teller leer eßt."

Nach beenden der letzten Silbe schiebt er sich genüßlich die Hähnchenkeule in seinen Mund und beginnt leise zu schmatzen.



Phexane wartet nun auch nicht mehr lange. Sie hat Hunger und ihre Erfahrungen auf der Straße haben ihr gezeigt, daß der Hunger gestillt werden sollte, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.

"Keine Sorge! Ich sehe zwar nicht wie ein guter Esser aus, aber ich kann einiges verdrücken."

Sie greift also zu und schiebt sich ein großes Stück Fisch in den Mund.

"Hm, lecker! Die Thorwaler verstehen was von Fisch," kommentiert sie ihre Speise.

Doch während Phexane vorher noch einigermaßen gute Manieren an den Tag gelegt hat, beginnt sie nun zu spachteln und zu schmatzen - für manche sicherlich ein Anlaß um die Nase zu rümpfen.

Einmal erwischt sie eine große Gräte, schluckt sie aber, da sie nun schon halb im Hals steckt, runter, trinkt einen großen Schluck - und rülpst lauthals!

Doch anstatt sich zu schämen, ißt sie ungestört weiter. Etwaige Blicke anderer stören sie nicht - so vertieft ist sie in ihr Essen.



Auch Jarun verfällt zusehends geradezu in einen Freßrausch. Angestachelt durch Phexanes Laute, reißt er immer größere Stücke aus dem Fleisch. Für einen Außenstehenden mag es so aussehen, als habe der alte Gaukler bereits seit mehreren Tagen kein Essen mehr zwischen den Zähnen gehabt.

Nur Phexanes Rülpser läßt Jarun sein Treiben kurz unterbrechen. Ein kicherndes Glucksen, wie das eines Schuljungen, der gerade etwas Lustiges ins Ohr geflüstert bekommen hat, ist aus Jaruns vollem Mund zu hören.



Kurz wird Phexane aus ihrem "Eßrhythmus" gerissen, als sie Jaruns Glucksen hört. Ihr wird bewußt, was sie eben getan hat und in ihr kommen widersprüchliche Gefühle auf: einerseits ist es ihr überhaupt nicht peinlich. Die Thorwaler lassen doch auch oft genug ihre gute Kinderstube, sofern sie je eine hatten, sausen und lassen dem "Druck" freien Lauf.

Andererseits meldet sich aber in ihr eine Stimme, und sie sieht vor ihrem geistigen Auge das tadelnde Gesicht eines Hesindegeweihten, der sich abmüht ihr etwas Anstand beizubringen.

'Beiß dich in deinen faulen Hintern, Hesindian, ich mache was ich will!' schießt es ihr kurz durch den Kopf, doch dann bereut sie auch schon wieder diesen Gedanken.

'Oh je, ich glaube, ich sollte bald mal wieder in einem Hesindetempel spenden!'

Kurz schaut sie etwas besorgt auf ihren Fisch, doch dann isst sie wieder weiter. Zwar immer noch genauso enthusiastisch wie zuvor, aber diesmal nicht mehr ganz so anstandslos.



Gerade will der Magus ebenfalls etwas zu Essen bestellen, als er mit ansehen muß, wie seine Schwester wie ein Tier über den armen Fisch herfällt, und ihr Tischgenosse ebenfalls etwas roh mit seinem Mittagsmahl verfährt. Angewidert dreht sich Alrik weg.

'Das hat mir heute gerade noch gefehlt, mir geht es schlecht und diese beiden "Barbaren" fallen über das Essen her.'

Verwundert schaut er nochmals seiner Schwester zu, und blinzelt sie mißbilligend an, ohne aber das Wort an sie zu richten.



Phexane spürt einen Blick von der Seite. Sie dreht sich um und bemerkt Alrik, wie er sie anblinzelt.

"Was hast du, Alrik? Ist etwas in dein Auge gekommen?"

Sie kommt etwas näher zu ihm, um seine Augen zu betrachten.

"Du darfst nicht reiben! Blinzele am besten weiter. Irgendwann kommt da schon was raus. Oder du mußt weinen, also, ich meine, du solltest deine Augen tränen lassen."

Sie will sich wieder gierig über ihren Fisch hermachen, als ihr etwas auffällt.

'Oh, daß mir das nicht eingefallen ist! Ich bin ja auch ein Trampel!'

Sie lächelt Alrik wieder an.

"Tut mir leid, das ich es nicht bemerkt habe. Du hast sicherlich auch Hunger, nicht wahr? Hier!"

Mit diesen Worten schiebt sie den Teller etwas zu Alrik, damit auch er zugreifen kann. Auf dem Teller sieht man mittlerweile einen halb aufgegessenen Fisch, sowie etliche Brotkrümel.



Genüßlich wendet sich Jarun dem zweiten Hähnchen zu und reißt sich ein weiteres Stück Brot ab.

In diesem Moment tritt die Schankmaid an den Tisch und stellt ebenso vorsichtig, wie bei Jarun's Glas Wein, das Weinglas vor Alrik Fuxfell.

"Bitte schön, Herr Magier. Ich hoffe der Wein entspricht euren hohen Ansprüchen. Er ist der Beste den wir euch anbieten können."

Die Worte, die das junge Mädchen an den Magier richtet hören sich aber keines Wegs spontan und freundlich an. Vielmehr erscheint es, als habe sie den Satz auswendig gelernt, oder lernen müssen. Nach beenden der Sätze schaut sie fragend und etwas unsicher zum Wirt und deutet einen kleinen Knicks an. Ohne eine Antwort abzuwarten verschwindet sie mit gesenktem Haupt zum Tresen.



Phexane, die auch weiterhin noch von ihrem Fisch ißt, blickt zu einem der Fenster hinaus.

"Wann müssen wir eigentlich wieder auf der NORDSTERN sein? Weiß das einer von euch?"

Sie blickt abwechselnd Jarun und Alrik an.

'Ich will hier in Thorwal nicht versauern! Wird Zeit, daß ich mal Richtung Süden komme.'

Sie schaut nun etwas nachdenklicher auf ihren Fisch, an dem sie immer noch ißt.

'Wir werden wohl auch in Havena Halt machen. Eigentlich sollte mich das ja freuen, daß ich wieder in meiner alten Heimatstadt sein werde.'

Phexanes Blick wird betrübter und es scheint fast so, als würde sie eine schwere Last auf den schwachen Schultern tragen.



Durch Phexanes Frage kurzzeitig von seinem Opfer, dem Hähnchen, abgelenkt, schaut Jarun auf. Die fettige Soße der Hähnchen hat die Schminke in seinem Gesicht zu einer grotesken Maske verlaufen lassen, so daß es keine Spur mehr von der ästhetischer Gesichtsbemalung gibt.

"Ich weiß es nicht genau. Aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, daß wir wahrscheinlich erst im Morgengrauen den Anker lichten."

Mit diesen Worten schiebt Jarun den Rest seines Essens in die Mitte des Tisches und erhebt sich von seinem Platz.

"Es tut mir leid. Ich hoffe ihr entschuldigt mich für eine Weile. Meine Schminke zerläuft. Glaube ich. Ich muß das eben mal richten."

Während er zum Tresen geht zückt er seinen Geldbeutel. Nach wenigen Worten mit dem Wirt schiebt ihm Jarun einige Münzen über den Tresen und verschwindet anschließend in einem Nebenraum.



Phexane muß lächeln, als Jarun seine Sorgen um seine Gesichtsbemalung äußert.

Als Jarun im Nebenzimmer verschwindet spricht sie Alrik an:

"Der ist ja ganz schön eitel! Aber ich denke, wir sollten uns bald aufmachen. Falls das Schiff im Morgengrauen ablegt, sollten wir vielleicht schon etwas eher da sein. Außerdem möchte ich lieber auf der NORDSTERN übernachten. Wer weiß, vielleicht würden wir hier sonst noch verschlafen. Wenn er gleich wiederkommt, werde ich ihm vorschlagen zu gehen."

Sie schaut noch einmal aus dem Fenster, während sie sich ein Stück Brot in den Mund schiebt.



'Was wohl dieser Torin Rotmarder gerade macht? Kann mir aber egal sein. Der ist wahrscheinlich schon über alle Berge.'



Nach wenigen Minuten öffnet sich erneut die Tür des Nebenraums und Jarun tritt wieder in den Schankraum.

Nur seine auffällige Kleidung und sein stolzer kerzengerader Gang lassen auf den Gaukler schließen. Sein Gesicht dagegen hat kaum etwas mit dem Mann zu tun, der vor kurzem den Raum verlassen hat. Unnatürlich und beängstigend erscheint das von zahlreichen Furchen und Falten übersäte Gesicht. Die Blässe, die sogar einen Leichnam noch gesund aussehen ließe und von einige kleinen blauen Adern durchsetzt ist, wirkt auch auf die umher sitzenden Gäste aufsehenerregend. Teilweise brechen sie ihre Gespräche ab und schauen von ihren Tellern auf. Hier und da hört man lediglich ein Gemurmel, daß keineswegs freundlicher Natur scheint und einige Worte wie 'Geist', 'Vampir', 'Verfluchter' beinhaltet. Jetzt, wo die Farbe aus seinem Gesicht gewichen ist, erscheinen seine Augen, die vorher ein, zu seinem Gesicht passender Zusatz, waren, übernatürlich und beunruhigend.

Unbeirrt, von den anderen Gästen, geht Jarun zu seinen Begleitern zurück und setzt sich wieder an seinen Tisch, an dem die Schankmaid gerade dabei ist, seine Teller wegzuräumen.



Man sieht Phexane durchaus die Überraschung an, als sie Jaruns Gesicht erblickt. Doch bevor sie anfängt zu starren, wendet sie ihren Blick kurz zur Tür hin.

"Was meint ihr, Jarun? Sollten wir nicht langsam wieder zurück zum Schiff gehen? Ich vermisse schon allmählich dieses komische Schwanken unter den Füßen."

Sie lächelt bei ihren letzten, nicht sonderlich ernst gemeinten Worten. Zudem versucht sie mit diesem Lächeln ihre eigene Unsicherheit zu überspielen.

'Etwas unheimlich sieht er ohne Schminke schon aus. Aber er ist ein netter Kerl und bestimmt kein Vampir oder ähnliches.'



"Es wäre mir auch nur lieb, wenn wir gehen würden. Ich fühle mich etwas unwohl."

Kaum saß Jarun auf seinem Stuhl, da erhebt er sich auch schon wieder und geht zum Ausgang. Vor der Tür bleibt er kurz stehen und dreht sich nach Alrik und Phexane um.



Auch Phexane erhebt sich nun und folgt Jarun zur Tür.

'Ich bin mal gespannt, wer hier in Thorwal so alles zugestiegen ist. Vielleicht habe ich ja Glück und es finden sich ein paar reiche Männer darunter.'

An der Tür angekommen, bleibt auch Phexane kurz stehen und dreht sich zu Alrik um.



Hjaldar und Ole


Mit einer fröhlichen, wenn auch völlig falsch gepfiffenen, Melodie auf den Lippen wendet sich Hjaldar von der Kombüsentür zum Weitergehen in Richtung Bug - die wichtigsten Räume kennt er ja jetzt.

Ein Blick in den nächsten Raum rechts, dessen Türe geöffnet ist, entlockt ihm ein - wohl am ehesten als grüßend zu bezeichnendes - Nicken in Richtung des Schreins mit der Delphinstatue darin.

'Jetzt ham Sie dem alten Fischvater schon 'ne eigene Bude eingerichtet.' schmunzelt er in sich hinein.

'Nix für Ungut übrigens.' setzt er dann noch schnell gedanklich hinzu - bei dem launischen Gott der Meere weiß man ja nie so genau, was er krumm nimmt und was nicht.

So schlendert er weiter in den großen oberen Laderaum, als er dort Ole gerade aus dem Niedergang heraufkommen sieht.

"Na Grauwal, hast Du Deinen Ogertran sicher verstaut - daß er auch ja nicht aufgeht auf hoher See ... sonst entscheiden sich womöglich noch einige zum Zurückschwimmen."



"Ogertran sagst du? Nicht schlecht, mein Guter, nicht schlecht!" antwortet Ole grinsend "Das Zeug ist gut verstaut, beim SWAfnir, und den Rest hab ich getrunken!"

Ole klatscht gut gelaunt mit seiner Pranke auf die rechte Schulter Hjaldar's.

"Kein Einziger wird zurück schwimmen müssen, es sei denn ich muß rülpsen und das wollen wir doch nicht hoffen!"

Ole gibt dem Thorwaler ein Zeichen, daß er ihm folgen solle.

"Wollen wir doch einen guten Schluck dagegen tun!"

Und schon ist der alte Schiffszimmermann auf dem Weg zum Mannschaftsraum.

"Komm mit, wenn deine Gurgel noch etwas aushält und bleib stehen, wenn du, nach deinem Landaufenthalt, nur noch Gemüsesaft verträgst!"



"Ha, wenn Du wüßtest, was die in Aranien für ein Dämonenzeug aus Früchten machen." kontert Hjaldar, während er Ole in den Mannschaftsraum folgt.

"Schmeckt wie Rübensirup, aber nach dem zweiten Thin schwankt der Boden wie der Ozean beim schönsten Rondrikan."

Im Quartier der Matrosen angekommen, bleibt er ind er Mitte des Raumes stehen und sieht sich neugierig um.

"Aber recht hast Du, nix geht über echtes Feuer."



"So,so, aus Früchten wird so etwas hergestellt!" antwortet Ole auf Hjaldars Beschreibung fremdländischer Getränke und er lächelt dabei milde, als wolle er seinen untergründigigen Unglauben, daß es einen ähnlich starken Trunk wie 'Premer Feuer' geben könnte, durch eine höfliche Grimasse überdecken.

Doch dann wühlt er eifrig und konzentriert in seinem Seesack herum. Es dauert ein kleine Weile, doch dann wird er endlich fündig. Noch ehe man sie sehen kann, ist schon das muntere Klingen gefüllter Flaschen zu hören und siehe da: Ole hält triumphierend zwei Karaffen in die Höhe.

Die zwei Flaschen tragen jeweils ein Etikett, die mit schwungvoller Schrift beschrieben sind. Die eine Flasche trägt die Aufschrift 'Marasken-Essenz gegen flinken Difar', während auf der anderen, schlicht und einfach zu lesen ist: 'Wurmkur'!

Ole wirft Hjaldar die 'Marasken-Essenz' entgegen und erklärt ihm lachend:

"Laß dich durch die Aufschrift nicht irre führen. Das ist nur eine kleine, doch sehr wirksame Sperre gegen allzu neugierige Nasen!"

Dann entkorkt Ole seine 'Wurmkur' und in der Tat verteilt sich augenblicklich das anregende Aroma besten 'Feuers' im Mannschaftsraum. Er hebt aufmunternd die Flasche und sagt zu Hjaldar:

"Da werden jetzt die Würmer ihre helle Freude daran haben ...!"



Mit einer schnellen, fließenden Handbewegung, die von gut trainierten Reflexen zeugt, fängt Hjaldar die Flasche und wirft einen beiläufigen Blick auf das Etikett.

"Ich verlaß mich garantiert nicht auf das, was irgendwo drauf steht, wenn's um Feuer geht." grinst er und entkorkt die Flasche mit den Zähnen.

"Die Landratten unter den Bierpanschern drehen einem oft genug gebrannte Rattenpisse als Feuer an."

Er grinst breiter.

"Jedenfalls versuchen sie's. Meistens nur einmal!"

Er hält sich die Flasche unter die Nase und zieht kräftig die Luft ein, wobei sein Gesicht einen leicht verklärten Ausdruck annimmt.

"Woll ja, DAS ist Echtes Zeug."

Mit einem lauten Scheppern der Flaschen stößt er mit Ole an, daß man fast um die Unversehrtheit der Karaffen fürchten muß.

"Auf eine fröhliche gemeinsame Fahrt, bei Swafnir!"



"JAU!" erklärt Ole trocken auf den Trinkspruch Hjaldar's und mit einem Seitenblick auf die Beschriftung von Hjaldar's Flasche ergänzt er grinsend:

"Und möge der 'flinke Difar' allzeit in andere Ärsche fahren!"

Dann hebt er die Karaffe an die Lippen, packt den Flaschenhals mit den Zähnen und läßt den kostbaren Brand gluckernd in die Gurgel laufen. Nach diesem ordentlichen Trunk, nimmt er die Flasche, die nun bemerkenswert geleert ist, wieder in die Hand. Er läßt einen kehligen Laut des Wohlbefinden vom Stapel und schließt die Aktion mit einem deftigen Rülpser ab.

"Woll'n wir hoffen, daß es nicht zu ruhig wird auf der Fahrt, sonst kommt ja keine richtige Fröhlichkeit auf!" bemerkt Ole grinsend "Es muß ja nicht wieder gleich eine Meuterei sein!"

Der Schiffszimmermann deutet auf Hjaldars Flasche.

"Du mußt nicht sparen, in meinem Lager ruhen noch ein paar Elixiere gegen die 'fürchterlichsten Krankheiten!"

Ole streichelt vielsagend seinen Seesack ......



Hjaldar nimmt einen großen Schluck vom Brand und setzt die Flasche dann mit einem zufriedenen Grinsen ab. Wohlig warm rinnt ihm das flüssige Feuer die Kehle hinab und um dieses Gefühl noch ein wenig anzufeuern, atmet er einmal genußvoll tief ein und wieder aus.

"Ich hab dem Käpt'n schon gesagt, wenn er lohnende Beute sieht, braucht er nur zu rufen ... aber ich glaub' nich', daß er sich drauf einläßt."

Er setzt die Flasche wieder an und beraubt sie wiederum eines beachtlichen Teils an ihrem Inhalt.

"Ich denk' aber nicht, daß uns langweilig wird, bei Swafnir. Da findet sich schon eine Landratte zum Plankenschrubben."



"So, so! Beute willst du machen, und das auf der NORDSTERN?" fragt Ole grinsend "Da liegst du aber beim alten Efferdstreu gründlich daneben!"

Der alte Schiffszimmermann nimmt noch einen tüchtigen Schluck, dann fährt er fort:

"Der Käpt'n ist ein anständiger Kerl, manchmal fast ein bißchen zu anständig! Deswegen habe ich es keinen Moment geglaubt, daß er schuldig sein könnte, als man ihm wegen Schmuggel und Mord ans Leder wollte!"

Noch einmal hebt Ole die Flasche, trink aber dann doch nicht, läßt den Arm wieder sinken. Er blickt verträumt vor sich hin und erklärt dann:

"Ich bin auch einmal auf einem 'Drachen' gefahren, beim SWAfnir, das muß schon eine halbe Ewigkeit her sein, war 'ne schöne Zeit damals ......... "

Ole blickt noch eine Weile traurig und stumm vor sich hin, doch dann geht ein Ruck durch seinen Körper, als habe man ihm einen Zitteraal in die Hose gesteckt. Er hebt seine Flasche, Hjaldar zu prostend und scheint wieder guter Dinge zu sein.

"Was soll's!" bestimmt er "Zeiten ändern sich und heute ist heute!"



Auch Hjaldar nimmt einen weiteren Schluck, der nurmehr einen kümmerlichen Rest in der Karaffe verbleiben läßt.

"Heute ist heute. Das wohl." stimmt Hjaldar mit nachdenklicher Miene zu "Bei mir ist's jetzt auch schon über 10 Winter her, daß ich mit der Halvar-Otta auf'm Drachen war. Im Südmeer sind wir umher gesegelt und haben dieses Niederhöllenpack von al'anfanische Menschenjägern gejagt." erinnert er sich.

"War'n stolzer Drachen, das wohl. Konnt' nich' ewig gutgeh'n, woll, aber 20 von denen für jeden von uns, das ist doch'ne gute Zahl." meint er bitter und nimmt den letzten Rest aus der Flasche in einem Zug.

"Wär froh, wenn's auf dem Feld genauso gut geh'n tät."



"Was soll auf dem Feld schon anders sein? Gut, man fällt ein bißchen härter, aber das Blut bleibt trotzdem rot und der Stahl des Feindes ist auch dort tödlich! Da gibt's nicht viel Unterschiede zum Kampf auf See, nur ertrinken kannste nicht!" erklärt Ole, dann setzt er die Flasche an und zieht die letzten Tropfen aus dem Gefäß.

Der Schiffszimmermann zieht eine neue Flasche aus seinem Seesack, diesmal mit der Aufschrift: 'Warzentinktur'! Auf der nächsten Flasche aus Ole's 'Apotheke ist 'Wundbrand-Balsam' zu lesen. Diese Flasche reicht er an Hjaldar weiter, nachdem er gesehen hatte, daß der streitbare Thorwaler fast ausgetrunken hat.

"Für mich gibt es keine Kämpfe mehr!" meint Ole seufzend "Ich habe schon zuviel Sterben gesehen, daß reicht für ein ganzes Leben. Ich habe auch schon zu Land gefochten, damals, als die 'Schwarzpelze' ins Land drangen. Wir haben denen aber tüchtig eins auf die Hauer gegeben!"

Ole trinkt einen Schluck, als müsse er das Ereignis von damals noch einmal 'begießen'.



Mit einem zustimmenden Nicken nimmt Hjaldar die zweite Flasche entgegen, muß dann aber Ole widersprechen.

"Ist schon ein Unterschied ob auf See oder auf Land. Auf See kommt es viel mehr darauf an, wie gut Du bist. Auf Land nur darauf, wo Du bist. Von denen, die die Mauer stürmen, lebt hinterher noch einer von Fünf, egal wie hart die sind. Von denen zu Roß oder mit den verfluchten Armbrüsten fällt kaum einer ... und gerade die auf den Gäulen sind oft die größten Weicheier."

Mit grimmigem Gesicht öffnet er die neue Flasche so wie die erste und nimmt einen, für seine Verhältnisse eher kleinen Schluck.

"Mit den Scheißpelzen is' bei mir angefangen. Da ham'se überall nach welchen gesucht, die 'ne Waffe richtig rum halten konnten."



"Oh ja!" erklärt Ole "Ich erinnere mich! Die Orken standen vor jedermanns Tor, so glaubte man damals wenigstens. Dabei hat der Norden weit weniger abgekriegt als das Mittelreich. Und dennoch nahmen sich die Schwarzpelze alles, was sie in ihre Klauen bekommen konnten. Am Schlimmsten traf es die Leute links und rechts des Svellts. Über die Thaschpforte sind sie gekommen und am Hilvalkopf vorbei, ab ins Neue Reich. Was in den Norden hinauf stieß stand nicht unter dem Befehl von Sadrak Whassoi, doch waren diese orkischen Räuberbanden nicht minder gefährlich."

Trübsinnig nimmt Ole eine großen Schluck aus der Flasche.

"Damals haben sie in den Dörfern nördlich der Großen Olochtai jeden Jüngling, jede Maid, alles, was alt genug war mit den Zähnen zu knirschen zu den Waffen gerufen, den Orkensturm aufzuhalten. Nun, der große Sturm zog wohl woanders hin und trotzdem: Viele von ihnen wurden zerhackt, noch ehe sie sie so richtig trocken waren hinter den Ohren!"

Die Stimme Ole's klingt nun etwas gequält, als drücke ihm ein belastender Gedanke die Kehle ab.

"Tanzen und lachen hätten sie sollen, die jungen Leute, sie hätte sich kennen und lieben lernen sollen, tausend Kinder hätten sie haben sollen, ALLES, nur nicht auf dem Schlachtfeld vermodern."

Der alte Schiffszimmermann schaut Hjladar melancholisch an.

"Das ist es, was ich meine, mein junger Freund! Am Ende von allem bist du Fraß für die Fische oder auch für die Würmer .....!"

Sogleich beginnt es aber in Ole's Augen wieder trotzig zu funkeln und seine Nachdenklichkeit verfliegt.

"Doch vielleicht hast du recht, Hjaldar! Bis zur Prüfung der Seelenwaage ist es noch hin, Grund genug Taten für sich sprechen zu lassen, auch wenn meine letzte Queste wohl kaum etwas mit Kampf zu tun haben wird!"



"Das kann man nie wissen. Wenig wird einem geschenkt und selbst wenn, mußt Du kämpfen, um es zu behalten." meint Hjaldar mit einem Grinsen, das überhaupt nicht zu den Worten passen mag.

"Wenn wir nicht den Orks entgegen wären, hätten etliche in der schnieken Garether Innenstadt unliebsamen Besuch bekommen, woll. Ich war damals mit ein paar Kumpels schon auf'm Land als die Brut aus ihre Höhlen in den Bergen gekrochen kam. Den Goldsäcken ist der Hintern ganz schön auf Grundeis gegangen, als es hieß Greifenfurt brennt und die Schwarzpelze sind weiter unterwegs, da kannste wetten."

Mit einem Kopfschütteln, als wolle er versuchen lästige Gedanken zu verscheuchen, wechselt er auf einmal das Thema.

"Warst Du eigentlich schon mal in Gareth? Verflucht großes Dorf, das woll."



Ole verzieht angewidert das Gesicht.

"Was sollte ich in Gareth schon zu tun gehabt haben? Bei diesen parfümierten Laffen und ihren aufgetakelten Püppchen weiß man doch gar nicht, wo man zuerst hinkotzen soll!"

Der Schiffszimmermann schüttelt sich, als wäre ihm plötzlicher Frost ins Gebein gefahren.

"Die sind doch alle so fürchterlich vornehm dort und so unglaublich stolz auf ihr edles Geblüt. Nein, nein, das ist nichts für den alten Draggensson. Ich trinke lieber echtes 'Feuer' aus einem Humpen, den man in die starke Faust nehmen kann, anstatt süßlichen Wein aus zarten Kelchen, die zersplittern, wenn du sie mit mehr als drei Fingern anpackst!"

Dann grinst Ole Hjaldar an.

"Aber sag, mein Freund, was hattest du zu schaffen in der Kaiserstadt? Beim SWAfnir!"



Hjaldar schüttelt belustigt den Kopf bei Ole's Einschätzung der großen Stadt. So hat er selbst Gareth nie erlebt, denn je größer die Stadt, desto mehr Leuten geht es schlecht, damit es sich einige wenige gut gehen lassen können.

Aber über solch tiefgreifende, politische Erkenntnisse philosophiert ein Hvalarson sicher nicht und so antwortet er statt dessen auf Ole's Frage

"Das ist eine Geschichte fast so lang wie das Jurga Lied, bei Swafnir. Kurz nachdem die Al'Affen irgendwo in der Wüste eins auf's Maul bekommen haben, haben sie uns noch bei Selem auf Grund gesetzt. Dann haben wir uns auf den Latschen nach Kannemünde durchgeschlagen und sind von da mit so 'nem bornischen Seelenverkäufer, wo mehr Wasser im als unter'm Kiel stand, irgendwie heil nach Perricum gekommen ... naja und wenn man schon mal so nah dran ist und sich mit den Straßenkötern ums Essen streite muß, geht man halt dorthin, wo das Gold auf der Straße liegen soll."



Ole zieht die linke Augenbraue nach oben und lächelt dabei zynisch.

"Und ...? Hast du dein Gold dort gefunden auf der Straße? Oder waren die Klumpen die du auf den Gassen entdeckt hattest klein, weich, braun und von üblem Geruch? Dann, mein Freund, glaube ich, daß du zu spät gekommen bist, um mit den Hunden ums Essen zu streiten!"

Ole wirft lachend den Kopf zurück und hätte beinahe etwas aus seiner Flasche verschüttet, doch SWAfnir ist mit den Seinen, jeder Tropfen des guten 'Premer Feuers' blieb unvergeudet. Schnell wird der Schiffszimmermann wieder ernster.

"Nun mal raus mit der Sprache, wie ist es dir dort ergangen? Man wird in solch großen Städten leichter tot als reich und wenn mich die Erfahrung nur das eine lehrte, dann dies, daß nirgendwo das Gold auf der Straße liegt und daß das schnelle Gold oft ein kurzes Leben bringt!"



"Herumliegen tat's tatsächlich nicht auf der Straße, das Gold ... aber letztendlich haben wir doch ein wenig gefunden." grinst Hjaldar und nimmt einen Schluck Feuer.

"War eigentlich reiner Zufall. Pan-hahe, Klut und ich haben uns die Hacken abgelaufen um irgendwo 'ne Heuer aufzutreiben und nach vier Tagen waren wir so pleite, daß uns selbst die Bettler nich' mehr belästigt ham'."

"Bis dann dieser bornische Geldsack für sein gepudertes Sohnemännchen ein paar Aufpasser gesucht hat und Klut das ganz zufällig im Kor-Tempel mitgekriegt hat."

Wieder nimmt Hjaldar einen großen Zug vom Feuer.

"Hat uns natürlich gar nicht haben wollen, sondern drei Totschläger in schicken Röcken genommen. Aber als wir uns dann vor'm Tempel mit denen angelegt ham', hat er sich's anners überlegt."

Hjaldar grinst bei der Erinnerung an diese schhöne Prügelei noch breiter.

"Pan-hahe hat den einen mit einem einzigen Fußtritt schlafen gelegt hat und ich hab den zweiten kurzerhand bei 'nem Obstladen zum anderen faulen Gemüse gelegt."

"Dem letzten wollt' Klut dann noch was, aber die feige Ratte hat lieber das Weite gesucht, Spaßverderber, elender."

"Woll - auf alle Fälle sind wir damit eingestiegen ins Geschäft und 'ne ganze Weile gut gefahren, das Wohl."



Ole kichert wie ein Kobold, die Szenen aus Hjaldars Erzählung scheinen ihm zu gefallen. Vor allem der Ablauf des 'Leistungsvergleiches' der konkurrierenden Leibwächter vor dem Tempel, deftig nach thorwalscher Art, erheitert ihn sehr.

"Beim SWAfnir, das habt ihr aber gut gemacht, so haben wenigsten die Schneider und die Heiler gleichermaßen zu tun bekommen, um die Risse in Rock und Träger wieder heile zu machen. Da wollen sie immer so tapfer und mutig sein, diese Schlappschwänze aus dem Mittelreich, dabei können sie überhaupt nichts aushalten. Hauptsache der Rock sitzt gerade und die Rüstungen sind auf Hochglanz poliert."

Ole nimmt ein Schluck aus der Pulle.

"Wir haben mal eine Kaufmannszug begleitet, der Käpt'n, drei andere Kerle und ich. War 'ne Ladung für Wehrheim, über den Weg Thorwal, dann Havenna, nur SWAfnir weiß wieso das Zeug nicht schon in Salza gelöscht worden ist. Na ja, was soll's! Unterwegs hat sich irgendwann so eine Prunk-Kutsche uns angeschlossen, irgend so'n Graf, mit Frau und Tochter. Die haben uns wohl nicht so sehr leiden können. Als 'Tiere' hat er uns bezeichnet, nur weil ich behauptet habe, daß, wenn das 'Heck' der Gräfin noch breiter wäre, wir dann wahrscheinlich eine zweite Kutsche bräuchten. Das fand er nicht so lustig, wollte mir scheinen!"

Nach den Ausmaßen, die Ole mit den Händen andeutet, zu schließen, muß Hjaldar unbedingt annehmen, daß es sich bei der Kehrseite der hohen Dame um ein bemerkenswertes, raumgreifendes Volumen handeln könnte.



Mit todernster Miene nickt Hjaldar.

"Ja, solche Wesen habe ich auch schon einmal gesehen ... unten in den Wäldern ... die Brabaki nannten sie, glaube ich, Elef' Anten."

Noch für einen kleinen Moment kann er die Ernsthaftigkeit aufrechterhalten, dann entgleisen ihm nach und nach die Gesichtszüge und er prustet los, immer wieder unterbrochen von einem unkontrolliertem Kichern

"Das war ... ganz schön mutig ... von Dir. Die da unten ... haben mächtigen ... Respekt vor denen, ... bei Swafnir."



Als Hjaldar so hemmungslos zu lachen beginnt, kann sich auch Ole nicht mehr halten. Er lacht dermaßen, daß er beinahe aus seiner Hängematte, auf der er es sich bequem gemacht hatte, heraus gefallen wäre. Seine Heiterkeit scheint 'feurig' geschürt zu sein, denn eigentlich hat er nichts von dem, was Hjaldar ihm da erzählt hatte wirklich verstanden. Von solchen Wesen, wie sie Hjladar beschreibt, hat er noch nie etwas gesehen oder gehört. Und dennoch lacht er sich schier kaputt.

Als sich der Schiffszimmermann endlich wieder ein wenig gefaßt hatte, merkt er, daß es schon sehr dunkel geworden ist mittlerweile. Er steht auf und zündet ein kleine Laterne an. Er ächzt und stöhnt dabei, die alten Knochen haben in den letzten Tagen doch viel mitmachen müssen und nun schmerzt fast jeder Winkel seines Körpers. Er ist eben doch nicht mehr der Jüngste und so ist es ihm sehr behaglich zumute, als er sich wieder in seiner Hängematte niederlassen kann.

Es tut ihm sehr gut, mit Hjaldar über seine alte Zeiten sprechen zu können, wenn sich der Freude über die Erinnerungen auch, mit der Zeit und mit aufkeimender Müdigkeit, immer mehr ein Hauch von Wehmut beimengt. Ole und Hjaldar trinken im Laufe der Zeit, dann noch eine 'Tinktur gegen Fußpilz', ein Fläschchen mit 'Krötengrütze -geschüttelt, nicht gerührt' und ein 'Einreibemittel bei eitrigen Brandwunden'. Kurz nachdem Ole dann noch eine 'Heilessenz gegen Blaue Keuche' entkorkt hat, wird die Müdigkeit übermächtig und die Augen fallen ihm zu. Die offene Flasche fest im Griff schläft Ole friedlich vor sich hin und er lächelt im Schlaf. Offensichtlich träumt er gut!



Mancher Witz wird gerissen und manche alte und auch einige frische Erinnerungen werden ausgegraben bei Hjaldar's und Ole's 'kleiner Feier'.

Ab einem bestimmten Punkt hält sich Hjaldar mit dem Feuer zurück - ein volltrunkener Söldner ist am nächsten Tag oft verflucht schnell ein toter Söldner, das hat Hjaldar in den letzten Jahren gelernt und auch wenn er morgen mit Sicherheit keinen Kampf zu bestehen haben wird, ist es ihm doch zur Gewohnheit geworden ein bestimmtes Maß nicht zu überschreiten.

Als das Gespräch dann merklich ruhiger verläuft und der alte Grauwal schließlich friedlich einschlummert, kann sich Hjaldar ein Lächeln nicht verkneifen. Mit einem leisen Ächzen erhebt er sich von der Seemannstruhe, auf der er die ganze Zeit gesessen ist und geht - nur leicht schwankend - zu Ole hinüber und nimmt ihm die Bottel aus der Hand, was mit deutlich mehr Mühe behaftet ist als er erwartet hat, hält der alte Seemann das Ding doch so fest, als ob es sich um das Steuerrad bei Sturm handeln würde und dieser protestiert sogar noch im Schlaf leicht brummelnd dagegen.

Schließlich aber ist Hjaldar doch erfolgreich, sogar ohne damit Ole noch einmal geweckt zu haben und verstaut die noch halbvolle Flasche wieder verkorkt bei dessen Sachen.

Mit leicht unsicheren Schritten macht er sich, einer melancholischen Eingebung folgend, auf den Weg aufs Oberdeck. Dort angekommen begibt er sich auf halbwegs gerader Linie zur meerseitigen Reling, um es sich auf eben jener bequem zu machen, was diese mit einem leisen, protestierenden Knarzen kommentiert.

Verträumt blickt er dann lange Zeit in die zunehmende Dunkelheit über dem Meer hinaus. Verflucht lange war er nicht mehr zur See gefahren und auch wenn er auf dem Lande recht gut zurecht kam und dieser Pott hier kein Vergleich zu einem echten Drachen darstellte - es war schon ein seltsames Gefühl wieder auf Efferd's Reich heimzukehren und den Blutsäufer mit dem Kristallherzen weit hinter sich zu lassen, beim Swafnir.



Alrik's Kabinenputz


Mit trotzig erhobenem Kopf, zusammengezogenen Augenbrauen und leicht verengten Augen, blickt sich ARLIK in der Kochkabine, ehemals auch Dreckloch genannt, um. Seine Hände hält er dabei in die Seiten gestemmt. Der verschmierte und ausgewrungene Putzlappen ruht noch in ALRIKS Hand.

Vier Eimer Wasser, eine plattgedrückte Scheuerbürste, zwei knirschende Knie und eine schmerzende Beule am Hinterkopf sind die Kosten, die ALRIK gehabt hat. Zum Opfer fielen unzählige Zwiebackbrösel, zwei verrunzelte Äpfel hinter der Koje, klebrige Schmierstreifen auf den Bodenplanken, eingetrocknete Dreckschichten auf dem Tisch und der Seekiste und eine tote Maus, dessen Kadaver sich eingesperrt in einer Schublade anfand.

Immer noch liegt ein leichter Geruch nach verdorbenem Fisch in der Luft, doch längst nicht mehr so streng wie vorher. Mit der Zeit wird sich das gewiß legen, vermutet ALRIK, ist ihm doch kein weiteres verborgenes Plätzchen mit unappetitlichen Dingen aufgefallen.

Der gefahrvolle Spezialauftrag "Koch kommt - Kabine klar" ist erledigt. Efferd sei's gedankt!

Nachdenklich kratzt sich ALRIK am Kopf, wobei er vorsichtig die verfluchte Beule abtastet, die er sich beim Putzen unter dem Tisch geholt hat.

Sören ist fort und nichts wird mehr so sein, wie es vorher war. ALRIK grinst zufrieden: Zum Glück!



Hunger zehrt


Anfangs ist Frau Reckinde noch gelassen. Zwar spürte sie ein leichtes Zwacken in der Magengegend, doch das war nicht weiter schlimm. Mittlerweile jedoch, hat sich dieses Gefühl zu einem Bärenhunger ausgeweitet.

Hin und wieder hört sie Stimmen oder Schritte vom Oberdeck und jedesmal hofft sie inständig, es möge Radisar sein, der endlich die angeforderten Speisen brächte. Doch ein um das andere Mal wird sie enttäuscht und so gesellt sich zu dem Hunger auch noch ein zweites Gefühl in ihrem Bauch, nämlich Zorn.

Hatte sie sich, vor Kurzem noch, in ihrer Phantasie ein Spanferkel, liegend auf einem silberenen Tablett, vorstellen können, so liegt, in ihren Vorstellungen, statt des Ferkels nunmehr Radisar gut angebraten auf der Vorrichte ausgebreitet, mit einem Apfel im Maul, Kräutern in den Ohren und Messer und Gabel im Rücken.

Und ist noch das Mildeste, was sie ihrem feisten, säumigen Diener angedeihen lassen würde, wenn er denn endlich käme. Doch dieser tut nichts dergleichen.

So beschließt Reckinde nun selbst auf die Suche nach Speise zu gehen, es wird ja auf diesem Schiff irgendwo etwas zu beißen geben. Sie wird wohl einmal beim Kapitän vorsprechen müssen, schließlich hat sie für ihre Passage nicht wenig bezahlt, da ist es doch recht und billig, daß man sie anständig versorgt!!

Gewaltig wie ein Sturmflut bricht Frau Reckinde hinaus auf das Oberdeck. Mißmutig betrachtet sie die vielen Matrosen an Deck, die offensichtlich nicht viel zu tun haben und auf den Planken herumlungern statt den Tisch zu decken.

Auf das Äußerste gereizt ruft sie donnernd zum Brückendeck hinauf:

"Kapitän Efferdstreu, auf ein Wort! Ist es hier auf euerem Schiff 'gute' Sitte zahlende Passagiere des Hungers sterben zu lassen?"



Hirkan wartet


Hirkan, der jetzt schon eine ganze Weile auf der Brücke steht und wartet, stellt erleichtert fest, daß sich das Gespräch zwischen dem Kapitän und seinem neuen Koch dem Ende zuneigt. Schon verabschiedet sich der Koch und der Kapitän scheint endlich Zeit für ihn zu haben, doch gerade als er zu seiner 'Verabschiedungsrede' ansetzen möchte, hört er die laute, und unverkennbare, Stimme der Dame von Beibach und Bruch, die energisch nach Essen verlangt.

Er zuckt leicht zusammen, ja, scheint sich geradezu zu ducken, und der schon zum Reden geöffnete Mund schließt sich langsam wieder.

Trotz allem mit noch einem Rest an Hoffnung blickt er den Kapitän an. Zwar kann er sich kaum vorstellen, daß dieser die Dame warten lassen wird, aber eigentlich ist er ja jetzt an der Reihe ...

Und schließlich wartet unten Joanna auf ihn ...



Jergan in Zeitnot


"Sigrun, ja", erwidert der Kapitän dem neuen Smutje abschließend, und tritt einen Schritt zur Seite, um zu verdeutlichen, daß dies erst einmal für ihn erledigt ist, einfach, weil es so viel zu tun gibt.

Von unten schallt schon ein ziemlich aufdringlicher Ruf der Frau Reckinde empor, den er weder beantworten will, noch kann. Doch... sie ist ein zahlender Gast der Luxus-Suite, und hat von daher schon Anspruch auf eine Antwort.

Er zögert kurz, hin und her gerissen zwischen Höflichkeit und Pflicht, zwischen Reckinde und Hirkan, und entscheidet sich dann für eine Notlösung. Er tritt ein weiteres Stück in Richtung der vorderen Reling des Brückendecks und ruft zurück:

"Entschuldigt bitte, Frau von Beibach und Bruch, wir haben ein kleines Problem, aber ich kann Euch beruhigen, es ist so gut wie gelöst! Ich garantiere Euch, daß Ihr nicht verhungern werdet. Schon bald wird es etwas zu essen geben."

Er überlegt, ob er Garulf noch etwas entsprechendes hinterher rufen soll, doch die Worte der Edeldame waren einfach zu unüberhörbar und einfach nicht falsch zu verstehen - der Koch wird wissen, daß er sich beeilen soll.

Die Schritte nach vorne haben den Kapitän auch in die Nähe Hirkans gebracht, dessen Anliegen sicher auch nicht unwichtig ist. Aufmunternd blickt der Kapitän den jungen Mann an.

"Womit kann ich Euch helfen?"



Hirkan's Abschied


"Ähm, ja, Herr Kapitän, ich bin gekommen, um mich zu verabschieden. Es war eine sehr ... interessante Reise, mit Eurem Schiff, ich habe wirklich sehr viel Neues kennengelernt."

Etwas ungelenk nimmt er dann das kleine Päckchen, das er schon die ganze Zeit unter dem Arm hält, in die andere Hand und hält es dem Kapitän hin.

"Also, ... dies ist ein Exemplar des Berichts über meinen Aufenthalt auf der NORDSTERN. Ihr habt wahrscheinlich nicht viel Zeit, aber vielleicht mögt Ihr doch eines Tages einen Blick hinein werfen."

Hirkans Stimme wird bei den letzten Worten etwas unsicher, als er Jergan das Päckchen hinhält. Es handelt sich um einen Stapel ordentlich beschriebener und mit einem Band verschnürter einzelner Blätter. Auf der obersten Seite steht in grossen Buchstaben.

"VON OLPORT NACH THORWAL - EIN REYSEBERICHT"



Behutsam nimmt der Kapitän das Paket entgegen, das Hirkan ihm reicht.

"Habt vielen Dank! Ich bin sicher, daß ich schon heute abend einen Blick hinein werfen werde, denn mich interessiert das sehr, Dinge, die ich selbst miterlebt habe, einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben."

Er betrachtet das Paket noch kurz, dann sieht er Hirkan wieder an.

"Ich wünsche Euch auch weiterhin eine angenehme Reise, viel Glück, und mögen Efferd und die anderen Elf stets Ihre Hände über Euch halten."

Jergan nimmt das Paket in die linke Hand, und hält Hirkan die rechte zur Bekräftigung seiner Worte und seines Wunsches hin.



Ein erleichterter Ausdruck huscht über Hirkans Gesicht, als der Kapitän nicht zögert, das Päckchen anzunehmen.

"Vielen Dank, Herr Kapitän. Mögen die Zwölf mit Euch sein, auf dem weiteren Weg nach Süden und allen zukünftigen Wegen."

Mit diesen Worten nimmt er die angebotene Hand des Kapitäns, um sie kurz und nicht allzu kräftig zu drücken.

Dann zieht er die Hand zurück, nickt noch einmal wie zur Bestätigung seiner Worte und verläßt das Brückendeck. Auf dem Oberdeck angekommen, spricht er erneut Joanna an.

"Jetzt können wir gehen, wenn Ihr mögt."



Joanna steht auf dem Oberdeck und wartet auf Hirkan. Sie läßt ihren Blick über das Deck schweifen. Die Druidin sieht zu, wie einige Personen das Schiff verlassen, wenn auch auf eine etwas stürmische Weise.

'Naja, besser als hier nur so herumzustehen und zu warten.'

So in Gedanken versunken, bemerkt sie nicht wirklich, daß Hirkan hinter sie getreten ist. Als er Joanna anspricht, schreckt sie sich ein wenig und zuckt leicht zusammen.

"Oh, ja, ja! Gerne. Laßt uns gehen."



"Gut", bestätigt Hirkan nur und geht schnell auf die Planke zu. Jetzt, wo er an Bord alles erledigt hat, möchte er das Schiff verlassen, um endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Erst als er die Planke schon fast überquert hat, kommt ihm der Gedanke, daß es höflicher gewesen wäre, Joanna vorgehen zu lassen. Kurz verharrt er in seiner Bewegung und kommt dabei ein wenig ins Schwanken. Schnell macht er doch noch die zwei fehlenden Schritte nach vorn, um dann nur einen Schritt zur Seite zu machen und auf Joanna zu warten.

Mit leicht gerötetem Kopf dreht er sich zu ihr um.

"Verzeiht. Ich hätte Euch natürlich vorangehen lassen sollen..."



Joanna lächelt Hirkan zu und schüttelt leicht den Kopf. Dann versucht die Druidin die Planke zu überqueren und schafft das auch sehr geschickt.

"Ist schon in Ordnung." meint sie als sie sicher an Land ist.

"Wohin wolltet ihr gehen, ein Zimmer suchen, oder? Kennt ihr euch hier aus oder wollen wir einfach so drauf los gehen?"

Joannas schwarze Augen beginnen zu strahlen und gespannt blickt sie Hirkan an.



Bei Joannas Frage überfliegt ein kleiner Anflug von Besorgnis Hirkans Gesicht. Die Sache mit der Herberge hat er bisher erfolgreich verdrängt, hatte er an Bord doch auch genug, worüber er nachdenken konnte. Doch jetzt stellt sich das Problem ganz akut: Wohin wendet man sich in einer fremden und großen, Stadt, wenn man sich nicht auskennt? Nun ja, selbst Hirkan weiß genug über die Hafenviertel thorwalischer Städte, daß er nicht gerade eine Herberge direkt am Kai wählen würde. Eigentlich wollte er etwas weiter in die Stadt hineingehen und versuchen, in den etwas ruhigeren Gassen fündig zu werden. Doch das würde recht lange dauern und er möchte doch sehr gerne mit Joanna noch etwas die Stadt genießen. Sie scheint sich darauf ja sehr zu freuen, also möchte er sie auch nicht allzu lange warten lassen.

"Leider kenne ich mich hier überhaupt nicht aus. Ich möchte nicht gerne hier direkt am Hafen bleiben, aber vielleicht gibt es noch ein paar Herbergen sozusagen in zweiter Reihe", meint er etwas ratlos. Suchend läßt er dabei die Augen über die diversen Straßenecken gleiten, als versuche er auszumachen, welche Richtung wohl am vielversprechendsten aussieht.



Der Ausdruck in Hirkans Gesicht läßt Joanna nichts Gutes ahnen. Und als sie erfährt, daß auch er sich hier nicht auskennt, muß sie überlegen, was sie machen sollen.

"Hmm, wir könnten entweder jemanden fragen, der sich hier vielleicht etwas auskennt, oder wir gehen einfach dorthin, wo es uns gerade hinführt."



"Nun, ich denke, wir können auch einfach erstmal losgehen, vielleicht dort entlang."

Hirkan deutet dabei auf eine der größeren Straßen, die vom Kai weg in die Stadt führen.

"Sicherlich werden wir an der ein- oder anderen Herberge vorbeikommen. Meistens haben sie ja ein Schild draußen hängen."



Als Hirkan auf eine der größeren Straßen zeigt, sieht Joanna in diese Richtung. Da sie sich sowieso nicht auskennt, zuckt sie nur mit den Schultern und nickt leicht mit dem Kopf.

"Wir werden schon etwas passendes finden."

Aufmunternd lächelt die Druidin ihm zu. Etwas unsicher macht sie ein paar Schritte in die angedeutete Richtung und blickt noch einmal fragend zu Hirkan.



Garulf tritt an


Garulf steigt auf das Oberdeck hinab, als er die laute, keifende Stimme einer Frau vernimmt. Es handelt sich offenbar um eine Passagierin der unangenehmeren Sorte, die sich lautstark über die mangelhafte Essensvorsorgung beschwert.

´Na, da hat mein Vorgänger sich ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert,´ denkt sich Garulf mit einem Grinsen. Auf dem Oberdeck angekommen begibt er sich zu Sigrun und spricht sie an:

"Swafnir zum Grusze! Ich bin Garulf, der neue Smutje. Zeig´ mir doch mal wo die Kombüse ist, ich glaube ich sollte besser gleich mit der Arbeit anfangen."

Der letzte Satzteil wird von einem kurzen Nicken in Richtung der keifenden Passagierin begleitet, dabei ziert erneut ein Grinsen sein Gesicht.



Xenia und die Etikette


Hat sie eben noch auf den hinter ihr gehenden Wasuren geachtet, um zu sehen, in welche Richtung des Hafens er zusteuern wird, da richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf den hohen Herrn, der sie so unfreundlich zurechtweist, obwohl sie sich bereits dabei war, sich in Bewegung zu setzen.

'Was denkt der sich nur? Man könnte das durchaus freundlicher formulieren!'

Im ersten Moment fühlt Xenia regelrechte Wut in sich aufsteigen. Warum glauben manche Menschen immer, sie seien etwas besseres?

Xenia bleibt stehen und dreht sich um, um den Mann in Augenschein zu nehmen. Orgens Blick bemerkt sie nicht; zu sehr ist ihre Aufmerksamkeit auf den Fremden gerichtet - und ihre Wut macht schlagartig Unsicherheit Platz.

'Er ist ein Gast auf diesem Schiff... und offensichtlich noch ein reicher - hoffentlich beschwert er sich nicht beim Kapitän!'

"Ja, sofort, aber gewiß doch - verzeiht mir!" beeilt sie sich zu sagen, macht fast automatisch einen kleinen Knicks und weicht dann rückwärts zurück. Dabei stolpert sie über ihre eigenen Beine, muß um ihr Gleichgewicht ringen, und einen Moment sieht es so aus, als würde sie im nächsten Augenblick im Hafenbecken liegen. Im letzten Moment kann sie sich noch fangen, indem sie sich halb umdreht und - durch den Schreck und das Adrenalin beflügelt - mit zwei Sätzen an Land und zur Seite springt, wo sie wie ein begossener Pudel mit klopfendem Herze stehenbleibt und im Gesicht rötlich anläuft.

'So etwas peinliches aber auch! Warum muß so etwas ausgerechnet mir passieren...'

Mit gesenktem Blick wartet sie darauf, daß Wasuren ihr folgt.



Xenias Ausweichen zaubert einen freudigen Schimmer auf das Gesicht des Händlers.

'Ha. Offenbar haben doch einige auf diesem Schiff einen Rest von Gespür für das gebührende Benehmen einem von Stand gegenüber. Siehst du Frizzi, noch ist Gold und Gemme nicht verloren. Mit ein wenig Nachhilfe machst du aus diesen Wilden noch richtige Menschen.'

'Der Knicks ist zwar ein wenig mißlungen, aber dafür besitzt dieses junge Mädchen über eine gute Körperbeherrschung und eine verborgene Anmut, die nur darauf wartet geschliffen zu werden. Möglicherweise kann sie sogar den Tanz lernen, das, mein Lieber, würde deine Langeweile beenden.'

Jetzt versperrt nur noch der breite Rücken von Wasuren die Planke. Di Vespasio greift zu einem hohen Hüsteln, um seinen Weg frei zu machen.

"Hrmm... Hüh."



Das 'Gesetz der Planke'


Wasuren hat seine Antwort an Xenia gerade zu Ende ausgesprochen und beginnt nun wieder etwas Geschwindigkeit aufzunehmen, um nicht noch ganz stehen zu bleiben und somit die schon auf der Planke stehende Xenia zu verlieren. Da nimmt ihm doch einfach irgend so ein vornehmer Schnösel von Passagier sein Recht die Planke hinter Xenia zu überqueren. Ganz langsam grummelt es in seinem Körper und es braut sich ein Gefühl der Unmut zusammen.

'Was denkt der sich denn. Einfach so das GESETZ der PLANKE zu brechen.'

Just in diesem Augenblick spricht der Passagier Xenia an, daß sie ihm doch Platz machen solle und die Arme ist so verdattert und perplex, daß sie vor lauter Höflichkeit fast ins Wasser fällt. Mit einem akrobatischen Balanceakt rettet sie sich an Land und der Passagier beäugt sie auch noch so 'komisch'.

Wasuren macht fast einen 'Blitzstart' und ist mit drei großen Schritten über die Planke und steht demonstrativ zwischen Xenia und dem Passagier.

Mit seinem breiten Kreuz verdeckt er Xenia den Blick und versucht sie vorsichtig mit seinen muskulösen Armen ins angehende Hafen-Nachtleben Thorwals zu führen.



Wasuren merkt schnell das Xenia dem komischen Typen keine Beachtung mehr schenkt und normalsiert sein Haltung wieder.

Als Xenia Druck macht und vor allem von Essen redet, merk Wasuren erst wie sein Magen ein wenig knurrt.

Aber ob das wirklich sein Magen ist, oder noch von seiner boshaftigen Gereiztheit her rührt, mag keiner außer ihm beurteilen können.

Schnell schließt er zu Xenia auf und übernimmt dann die Führung. Er lotst sie am ein wenig am Hafen entlang dann in eine der kleineren Stichgassen hin ein, die vom Hafen weg in Richtung Marktplatz führen.

Wasuren macht einen sehr zielstrebigen und selbst sicheren Eindruck, während er Xenia am Hafen entlang führt. Als sie aber einige Schritte durch die kleine Gasse gegangen sind und den Hafen aus den Augen verloren haben, wird er etwas langsamer und schaut jede Abzweigung unauffällig hinunter.

'Hmm wo war das bloß wo ich hin wollte. Oder soll ich Xenia jetzt mal auf das ansprechen was ALRIK da erwähnt hat? vielleicht ist das hier gerade DIE Gelegenheit. '

Irgendwie schafft Wasuren es nicht, sein Grübeln zu verbergen. Man sieht ihm an, daß er sich mit irgend etwas Gedanklich sehr beschäftigt. Aber mit dem Weg wird das wohl nicht sssooo viel zu tun haben.



Der neue Matrose


"Wieder nichts", sagt Nirka mit einem fast schon bedrückten Unterton, als Trolske und sie eine weitere Hafenkneipe verlassen, in der sie einen weiteren erfolglosen Anheuerungsversuch unternommen haben. Das einzige, was die Bootsfrau richtig tröstet, ist der Umstand, daß sie die allerwichtigste Anheuerung, nämlich die des Kochs, so erfolgreich gleich zu Beginn in der ersten Taverne erledigen konnten.

Die beiden Seeleute gehen weiter - auf den Eingang einer total heruntergekommenen Taverne zu, gegen die selbst der "Plankenpuper" noch ein vorzügliches Lokal sein sollte. Doch... auch hier ist wohl ganz sicher nicht mit Matrosen zu rechnen, die auf dem Schiff arbeiten möchte, denn die einzigen, die sich in dieser Taverne - oder deren Resten - aufhalten, sind ein paar Ratten, die sich an Abfällen gut tun.

"Wir werden mal zusehen, wieder in etwas bessere Gegenden zu kommen. Ich glaube nicht, daß ich einen Matrosen haben möchte, den wir hier anheuern könnten!"

Die beiden gehen weiter, vorbei an Tavernen, die sie bereits besucht haben, und

in Richtung der teureren Lokale des Hafenviertels. Sie haben schon einen guten Teil des Weges hinter sich, als...


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Ein junger Mann überholt die beiden Seeleute und stellt sich dann breitbeinig mit verschränkten Armen vor sie. Der junge Mann mag ungefähr 20 Götterläufe zählen. Auf seinem Kopf trägt er ein rotes Kopftuch, unter dem einige schwarze Haarspitzen hervor schauen. Seine dunkle Haut und seine schwarzen Augen verraten, das es sich bei ihm um einen Mann aus den südlichen Gefilden Aventuriens handelt. Er ist schlank, nicht besonders groß und sein drahtiger Körperbau läßt darauf schließen, daß er nicht durch Stärke, sondern durch Schnelligkeit beeindruckt. Bekleidet ist er mit einer weiten hellen Hose, die bis zu den Knöcheln reicht und mit einer roten Weste. In die Weste ist ein goldenes Muster eingewoben, ein wahrlich schönes Stück aus feinsten tulamidischem Stoff. Die Weste ist wahrscheinlich sein größter Schatz, denn sie ist besonders gut gepflegt, was man von dem Rest seiner Kleidung nicht sagen kann. Um seinen Hals hängen zwei Anhänger. Bei einem handelt es sich um ein Amulett, auf dem ein geschlossenes Auge dargestellt ist. Das Andere ist ein kleiner Lederbeutel. Über seine Schulter hat er lässig einen kleinen Rucksack geschwungen und an seine linken Seite baumelt ein südländischer Säbel.

Mit einem leicht tulamidischen Dialekt spricht er beiden Nordsterner an.

"Sucht ihr noch ein paar flinke Hände für euer Schiff?".


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Die Bootsfrau der NORDSTERN bleibt abrupt stehen. Ein fast schon mißtrauisch zu nennender Blick trifft den Mann, der sie da aufhält, und genau das fragt was sie in der letzten Zeit eigentlich immer als Antwort hören wollte. Es wäre fast zu einfach... aber andererseits.

"Gut möglich", gibt sie neutral zur Antwort, ohne den Blick von dem Mann zu wenden. Trolske hält sich derweil im Hintergrund und beobachtet die Szene aufmerksam, denn auch er hat nicht gerade ein gute Gefühl dabei.



"Wenn das der Fall ist, dann würde ich gerne bei euch anheuern."

Der junge Mann tritt etwas näher heran und spricht weiter.

"Mein Name ist Raschid ibn Marwahn. Euer Schiff fährt doch nach Süden, wenn mir mein Ohr nicht einen Streich gespielt hat. Ich bin nämlich auf dem Weg zurück nach Khunchom, dem Rubin der Sultanate."

Die Gesichter der Matrosen lassen Raschid ein gewisses Mißtrauen erahnen. Doch mit einigen erklärenden Worte versucht er die Bedenken zu zerstreuen.

"Ich sah euch in einer der Tavernen, konnte mich aber leider nicht schnell genug melden, da ich momentan etwas

beschäftigt war. Mit eiligen Schritten folgte ich euch. Fand euch aber erst jetzt wieder."



Nirka entspannt sich zusehens wieder, denn so hatte ihre Mission doch wenigstens Sinn in den letzten Minuten, war der Gang durch die Tavernen nicht ganz erfolglos.

"Entschuldige, daß wir dir quasi davon gerannt sind."

Sie grinst kurz.

"Ja, es ist in der Tat so, daß wir Matrosen auf unserer Karavelle NORDSTERN brauchen - deswegen sind wir beide nämlich hier unterwegs."

Sie hält noch einmal inne, und spricht dann das an, was sie in den Worten des Mannes am meisten gestört hat:

"Aber... du sagst, du bist auf der Reise nach dem Süden. Bedeutet das, daß du in erster Linie nur an einer einmaligen Heuer interessiert bist, bis wir im Süden sind, oder möchtest du auf Dauer - oder zumindest für länger - auf dem Schiff anheuern.

Interessiert sieht die Bootsfrau den mutmaßlichen Tulamiden an, und versucht dabei auch zugleich, die Ehrlichkeit seiner Antworten abzuschätzen.



"Sicherlich sucht ihr nach einem Matrosen, der länger bei euch bleibt. Ich kann aber leider nicht für lange Zeit bei euch anheuern. Meine Liebste wartet auf mich und ich zähle jetzt schon die Tage, bis ich sie wieder in meinen Armen schließen und sie zur Frau nehmen kann."

Beim Erwähnen seiner Liebsten beginnt Raschid über beide Ohren zu lächeln und seine weißen Zähne blitzen in seinem dunklen Gesicht kurz auf.

Natürlich weiß Raschid, daß er die Matrosin hätte anlügen können, doch das entspräche nicht seiner Natur. Er vertraut auf das ungeschriebene Gesetz, Ehrlichkeit wird immer belohnt.



Die ehrlichen Worte des Mannes überzeugen Nirka sofort, und sie erwidert in einem viel wärmeren Ton:

"Weißt du, wir brauchen momentan wirklich dringend Matrosen. Eigentlich bin ich ja eher dafür, Matrosen für lange anzuheuern, aber in diesem Fall ist das überhaupt kein Problem, was du dir da wünschst. Zumal wir es ja wissen, das ist einfach nur richtig so."

Sie hält kurz inne, und sagt dann:

"Entschuldige, ich habe mich auch noch gar nicht vorgestellt: Ich bin Nirka Eiriksdottir, die Bootsfrau der NORDSTERN."



"Es freut mich euch kennenzulernen."

Für einen Moment scheint Raschid seine Hand zum Gruß ausstrecken zu wollen. Doch nach kurzem Überdenken der hiesigen Bräuche, über die er scheinbar nicht viel weiß, entscheidet sich Raschid anders und deutet nur eine kleine, nicht sehr tiefe Verbeugung an.

"Wie hoch ist die Heuer, die ihr euren Matrosen zahlt?"



Nirka antwortet sofort, als sei sie genau auf diese Frage vorbereitet gewesen:

"Drei Silber pro Tag ist unser üblicher Satz, den du natürlich auch bekommen würdest. Daß du nur für kurz dabei sein wirst, spielt dabei keine Rolle... naja... für dich nicht, denn Matrosen, die dem Schiff wirklich lange treu sind, bekommen selbstverständlich bei guter Arbeit etwas mehr."

Sie bremst sich, denn eigentlich wird das Raschid nicht interessieren, und sie ist nicht schwatzhaft - und will auch nicht als das bekannt werden.

"Ist das für dich so in Ordnung?" fragt sie ihn darum.



"Drei silberne Münzen. Wenn das die Heuer ist, die hier so bezahlt wird, dann bin ich damit zufrieden."

Während Raschid redet, ist er immer sehr darauf bedacht kerzengerade zu stehen. Ein, zwei Mal klopft er sich den Staub von der Kleidung und zieht seine Weste zurecht.

"Und seid euch gewiß. Ihr habt einen guten Mann angeheuert. Ich werde euch sicher hilfreich sein, euer Ziel zu erreichen. Eine alte Hexe sagte meinen Eltern voraus, daß ich zu großen Dingen fähig bin und eines Tages vielen Menschen das Leben retten werde. Bis zu diesem Tag ist es nicht passiert, aber die Sterne verraten mir, das es nicht mehr lange dauern kann."

Diese Worte bringt Raschid ohne jeden Klang des Scherzes oder der Ironie über die Lippen. Und auch seine Mimik zeigt, daß er Nirka nicht auf den Arm nehmen möchte, sondern alle Worte mit solcher Ernsthaftigkeit und Leidenschaft meint, wie sie sich anhören.

Mit verschränkten Armen erwartet Raschid nun die bewundernden Worte seine Zuhörer, die er wohl, im Falle von Tulamiden, auch geerntet hätte.



In der Tat reagiert Nirka kaum so, wie der Tulamide es sich wohl erhofft. Sie nickt nämlich nur knapp, und sagt dabei:

"In Ordnung. Also drei Silber pro Tag. Und... das andere kannst du an Bord einfach zeigen."

Dabei huscht kurz ein Grinsen über ihre Züge, dann wird sie wieder ernst.

"Findest du den Weg zum Schiff alleine, oder sollen wir dich dorthin bringen?"



"Sicher, sicher. Ich finde den Weg alleine."

In Gedanken fragt sich Raschid, warum er meint einen ironischen Unterton in Nirka's Stimmen gehört zu haben. Sollte sie ihm etwa die Weissagung nicht glauben. In solchen Angelegenheiten, würde er sicher nicht zu einer Lüge greifen.

'Nun ja, sie wird sehen, daß ich recht behalten werden. Das ist so sicher, wie Praios Gerechtigkeit.'

Raschid nickt Nirka und ihrem Begleiter zur Verabschiedung zu und macht sich auf den Weg in Richtung Hafen.



Nirka erwidert das Nicken, und fügt noch hinzu:

"Es ist eine zweimastige Karavelle mit Havena-Segeln, nicht sehr groß. Sie ist im Grunde kaum zu übersehen! Melde dich bei Kapitän Jergan Efferdstreu!"

'Und gerade heute wird auch jeder wissen, welches Schiff sie ist.'

Die Bootsfrau blickt dem neuen Matrosen noch kurz hinterher, dann wendet sie sich Trolske zu.

"Laß uns weitermachen."

Und wieder tauchen die beiden ein in das Gewirr der Tavernen des Hafenviertels von Thorwal...



Aleara und der neue Koch


Aleara hat nun den Aufgang zum Brückendeck erreicht, und noch bevor sie sich ein Bild von der Situation dort oben machen kann, hält der große Thorwaler, der ihr eben entgegenkommt, ihre Aufmerksamkeit gefangen. Als er an ihr vorübergeht sieht sie ihn an, zieht die Augenbrauen hoch und nickt kaum merklich. So lange sie es vermag folgt sie ihm mit den Augen, so lange, bis sie den Kopf nicht weiter wenden kann.


Hungriger Reckinde


Nun, das will Reckinde dem Kapitän wirklich glauben, daß es ein Problem gegeben hat, nicht nur eines, wie sie in Gedanken korrigiert. Aber das muß ja nicht gleichzeitig bedeuten, daß sie verhungert.

Will denn wirklich niemand auf dieser Welt, speziell auf diesem Schiff, auf ihre ureigensten Bedürfnissen noch eingehen? Reckinde reckt den Hals, um nach Radisar Ausschau zu halten, doch so sehr sie den Kai auch absucht, sie kann ihren Diener nicht nahen sehen.

Sie antwortet dem Kapitän auf dessen Auskunft mit einer Art Knurrlaut, der sowohl als unterschwellige Danksagung, wie auch als offizielle Mißbilligung seiner Mitteilung betrachtet werden könnte.

Doch nicht nur Reckinde, auch ihr Magen knurrt und das darf nicht länger so bleiben, findet die Dame von Beibach und Bruch. Wenn ihr niemand entgegenkomme will, so wird sie selbst für ihr Wohlergehen sorgen müssen. Keiner soll sagen können, sie wäre nicht dazu fähig. Wild entschlossen setzt sie sich in Bewegung. Sie rauscht in die Richtung der Planke, um an Land gehen zu können.

'Wenn dieser parfümierte Laffe dort nicht auf die Seite kommt, werde ich ihn umrennen müssen!' denkt sie sich, als sie den stolzierenden Edelmann entdeckt, der auf ihrem eingeschlagenen Weg herum tänzelt.



Sigrun und der neue Koch


Ruhig hat Sigrun an der Reling gestanden und das Kommen und Gehen beobachtet. So hat sie auch schon ihre Mutmaßungen darüber angestellt, warum Nirka ausgerechnet einen Matrosen her geschickt hat, der offensichtlich seine besten Jahre schon hinter sich hat. Als Garulf auf sie zukommt und sie grüßt, lächelt sie ihm aufmunternd zu.

"Swafnir zum Gruße!"

Dann hört sie, zu welchem Zweck Garulf angeheuert wurde, und ein breites Grinsen tritt auf ihr Gesicht. Kameradschaftlich klopft sie ihm auf die Schulter.

"Der neue Smutje, na wenn das keine gute Neuigkeit ist! Und offensichtlich einer von uns!"

Schnell dreht sie sich in Richtung zum Niedergang und beginnt loszugehen.

"Ja, du solltest dich beeilen, das ist die Dame, die die Suite bewohnt, und sie ist nicht gerade ein Ausbund von Geduld. Aber nicht nur sie vermißt ein gutes Essen hier an Bord ...", fängt sie gleich bei den ersten Schritten an, aus dem Nähkästchen zu plaudern.



Di Vespasio


Nachdem der Weg auf das sichere Festland endlich frei ist, bewegt sich di Vespasio mit drei schnellen Schritten über die Planke an Land. Wesentlich entspannter als auf dem Schiff kann di Vespasio nur wieder den Spazierstock in die rechte Hand wechseln und mit einem lauten "Klack" auf das Pflaster niedersausen lassen.

'Ich bin vom Schiff wieder runter. Ha! Das war gar nicht so schwer. Ein guter Anfang, wenn auch nicht in jeder Hinsicht. Aber wesentlich besser als herunter getragen zu werden. Es ist wirklich am Besten nicht daran zu denken, was alles hätte passieren können.'

Für Xenia hat der Händler ein freundliches aber kurzes Lächeln übrig, schließlich hat er großes mit ihr vor, dann wendet er sich zum Schiff um und wartet auf Orgen.



Pflichtbewußt folgt Orgen dem Händler dicht auf, im Gegensatz zu ihm fühlt er sich eigentlich an Bord wohler, ein leichtes Schwanken beweist, daß er schon recht lange an Bord ist. Es kommt ihm so vor als würde das Land schwanken.

Es scheint, als gehe er davon aus, daß er einfach folgen soll. Bisher hat man ihm ja noch nicht gesagt wohin es geht.



Verwundert blickt Xenia di Vespasio nach. Sie kann absolut nicht verstehen, warum er - eben noch so schlechtgelaunt und unfreundlich - sie plötzlich anlächelt. Schließlich schüttelt sie den Kopf und damit die Gedanken von sich ab. Jedenfalls wird er sich dann wohl nicht beim Kapitän beschweren. Langsam normalisiert sich auch ihr Puls wieder und sie blickt Wasuren an.

"So, jetzt laß uns endlich etwas essen und trinken gehen!"

Mit diesen Worten marschiert sie entschlossen von der Nordstern weg.



Reckinde auf ihrem Weg


Wenn Frau Reckinde einmal in Fahrt ist, dann kann sie nichts und niemand mehr aufhalten. Vor allem dann nicht, wenn sie hungrig ist. Eine von Beibach und Bruch verhungert nicht ohne Gegenwehr. Also muß etwas zu Essen her. Und jeder, der sich, von nun an, zwischen sie und ihrer Mahlzeit stellen würde, wäre ebenso verloren wie ein Kaninchen in den Zwingern bornischer Jagdhunde.

Der Edelmann hat den Weg über die Planke freigemacht. Das ist gut so. Ob noch andere darauf warten an Land gehen zu können interessiert sie nicht. Frau Reckinde blickt nicht nach links und schaut nicht nach rechts, sondern stürmt auf den geradesten Weg über die Planke.



Garulf auf dem Weg


Der Smutje folgt der Matrosin, die sich schon bei den ersten Sätzen in Richtung Niedergang wendet. Dasz er schon so schnell mit der Arbeit beginnen musz, scheint ihn nicht zu stören, im Gegenteil - durch den sofortigen Einsatz hat er gleich das Gefühl ´dazu zu gehören´.

Als er sieht, dasz Reckinde wutentbrannt an Land stapft, sagt er zu Sigrun:

"Na, die feine Landratte will wohl lieber auszerhalb essen, da hat mein Vorgänger mir ja einen schönen Ruf hinterlassen," seine Worte klingen aber eher belustigt als resignierend, offenbar liebt er Herausforderungen, insbesondere solche, denen er sich mühelos gewachsen sieht.



"Naja", antwortet Sigrun grinsend. "Die Dame ist etwas anspruchsvoll. Mir reicht es schon, wenn du ein wenig vernünftige und handfeste Kost zustande kriegst. Und das war leider bei deinem Vorgänger nicht immer der Fall. Von Schiffsverpflegung hatte der vorher noch nie was gehört!"

Während sie so erzählt, nimmt Sigrun den Niedergang und wendet sich unten in Richtung der Kabine des Kochs. Im Vorbeigehen zeigt sie auf verschiedene Türen mit dem Kommentar:

"Hier, das zeige ich dir gleich, das ist dein neues Reich ... und gegenüber die Messe. Und hier ist unser kleiner Raum zu Ehren des Herrn Efferd ... und da sind wir auch schon, hier ist deine Kabine."

Mit einer einladenden Bewegung stellt sie sich neben die Tür.



Nirka und Trolske


Nirka und Trolske verlassen wieder einmal eine Taverne. Sie wissen beide nicht, die wievielte an diesem Tag es ist, denn mitgezählt haben sie natürlich nicht. Es war wieder nicht sehr ermunternd, denn die beiden Matrosen, die hier Interesse an einer Heuer gezeigt haben, waren so untauglich, daß Nirka das schon gemerkt hat, noch ehe die beiden auch nur ein Wort gesagt hatten.

"Hoffentlich geht das nicht so weiter", meint der wortkarge Trolske, als sie sich auf den Weg zur nächsten Taverne machen.

"Möglich ist es. Aber besser so, als daß uns die Matrosen nachher auf dem Schiff Probleme bereiten. Wir..."

Die Bootsfrau bricht mitten im Satz ab, denn die Gedanken an eine erneute Meuterei möchte sie weder aussprechen, noch zu Ende denken.

"... werden uns in der nächsten Taverne endlich auch einmal etwas gönnen."

setzt sie darum den Satz ganz anders fort.



"Habt vielen Dank. Und wenn Euch doch noch ein Matrose einfällt, der eine gute Heuer auf einem guten Schiff sucht, dann schickt ihn zur NORDSTERN in den Hafen."

Der Wirt der kleinen Taverne, in der Nirka und Trolske sich ein knappes Essen und jeweils ein klein wenig Premer Feuer gegönnt haben, nickt, während er das Geld einstreicht, das Nirka ihm für Speis und Trank gegeben hat.

"Ich werde darauf achten. Was sagtet Ihr, wann wird das Schiff ablegen?"

Nirka, die genau das bereits einmal gesagt hat, grinst kurz.

"Morgen früh. Sehr früh."

"Ja, verstanden."

Der Wirt entfernt sich mit diesen Worten von dem kleinen Tisch, während Nirka den Kopf schüttelt.

'Der kann sich aber erst dann Dinge merken, wenn er sein Trinkgeld kassiert hat...'

Sie steht abrupt auf, und sagt zu ihrem Begleiter:

"Na dann... wenden wir uns den letzten Tavernen zu, die uns noch einfallen."

Viele sind das nun wirklich nicht mehr, und es sind natürlich die, bei denen Nirka die geringsten Hoffnungen hat.



Nirka bleibt vor dem kaum erkennbaren Eingang einer Taverne stehen, und während sie das Namensschild entziffert, schüttelt sie den Kopf.

"Nein, das Ding schenken wir uns nun wirklich. Das, was die anderen über den 'Plankenpuper' erzählt haben, reicht eigentlich, da müssen wir nicht persönlich hinein schauen."

Trolske fügt sich ohne jeden Kommentar, denn im Grunde ist er der Bootsfrau dankbar. Auch er hat von denen, die an der Klärung des Problems beteiligt waren, das die NORDSTERN bedroht hat, nichts gutes über diese Taverne gehört, und ist sich ganz sicher, daß er keinen Mannschaftskameraden haben möchte, der ein solches Ding freiwillig aufsucht.

Und wieder gehen die beiden Seeleute durch die immer dunkler werdenden Gassen des Hafenviertels....



"Das ist dann die letzte Taverne für heute", entscheidet Nirka beim Anblick einer Tavernentür, die auf den kräftigen Druck ihrer Hand hin auch nachgibt und sich öffnen läßt.

Matrose und Bootsfrau betreten den kleinen Schankraum dieser Taverne, die sich anscheinend noch nicht einmal ein Namensschild leisten kann.

Und... auch keine Gäste, denn im Schankraum ist mit Ausnahme eines unfreundlich wirkenden Mannes, der gerade einen Tisch saubermacht (was diesen aber nicht ansehnlicher macht), niemand.

Er hebt beim Anblick der beiden nur kurz den Kopf, und brummt:

"Könnt ihr nicht lesen? Heute ist zu! Besauft euch gefälligst woanders!"

Er selbst scheint den Zustand "besoffen" dabei schon erreicht haben, was seinen Worten und dem Geruch, den er verbreitet, deutlich anzumerken ist.

Ohne eine weitere Bemerkung verschwinden Nirka und Trolske aus dem Raum. Ebenfalls ohne weitere Worte entscheiden sie sich draußen auf der Gasse für die Richtung, die zum Hafen und der dort liegenden NORDSTERN führt.



Orgen und Di Verspasio


Herr di Vespasio ist sehr zufrieden mit sich.

'Doch noch ein Schiff. Die Leute auf dem Schiff machen sogar einen guten Eindruck. ... Nun ja, zumindest ist es kein Piratenschiff. Ich werde Kuslik schnell und ohne die lästigen, stinkenden Ochsenkarren erreichen.'

Beinahe spürt der Mann schon das Pflaster seiner Wahlheimat unter sich. Das wäre natürlich sauberer und glatter, aber immerhin. Er hat sich jetzt voll der NORDSTERN zugewand, als Orgen die Planke verläßt und sich zu dem Händler gesellt.

'Ah, dieser Orgen ist doch ein braver Bursche. Macht einen ordentlichen Eindruck, redet nicht viel und kann Anweisungen folgen. Die Kleidung ist natürlich unangemessen. Ich wünschte ich könnte noch mal so einen Diener finden. Schade, schade, daß Jorbas uns verlassen hat.'

Er wendet sich gerade wieder ab, um seine Erledigungen zu beginnen, als vom Schiff her ein Orkan heran braust, über die Planke fegt, die Menge an deren Ende teilt und hinter sich läßt. Di Vespasio ist hinreichend verwirrt und blickt der entschwindenden Reckinde nach.

'Bei den Zwölfen. Junge. Wer war das denn. Dieser energischen Frau, äh Dame, sollte man sich besser nicht in den Weg stellen. Frizzi, du möchtest nicht das Ziel ihres Zornes sein, aber Gnade dem Kerl der ihn zu Tragen hat. ... Ob das ein Kleid von Sticcis ist? Der Stil wirkt etwas konservativ, aber wenn man die Kette bedenkt und daß ich lange in der Provinz war, könnte es durchaus sein.'

Nachdem er seinen Blick von der Dame reißen konnte wendet er sich wieder seinen eigenen Angelegenheiten zu und setzt sich den Kai entlang in Bewegung. Dabei scharwenzelt er wie üblich mit seinem Stock herum, während er sich seine Gedanken macht.

'Mal sehen. Du darfst nicht vergessen dem Hafenmeister zu danken. Die Zahlung für Wirt und Lager müssen noch erledigt werden. Hoffentlich kann ich noch jemanden aus der Bank herunter klingeln. Heijeije, ich muß mir wirklich eine Liste machen.'



Auch Orgen ist recht zufrieden, hat er doch offensichtlich einen eher leichten Job bekommen, dem Schönling nachzutappen ist wirklich nicht sonderlich anstrengend, zumal dieser ein eher betagtes Tempo an den Tag legt. An Bord hätte als nächstes einiges an Schlepperrei angestanden.

Da er aber immer noch nicht weiß wohin es eigentlich gehen soll, folgt er dem Händler weiter dicht hinten an.

Das ist die eine Seite der Medallie, die andere ist, daß Orgen zu erfahren ist um nicht zu wissen das bald Arbeit auf ihn zu kommt. Zumindest hatte Fiana ihm gesagt er soll bei der Ladung helfen.

Der Matrose kommt einen Schritt dichter an den Händler heran und fragt dann laut mit thorwalscher rauher Stimme

"Herr Vespasio, wohin soll es eigentlich gehen"



Eben noch lässig vor sich hin schlendernd dreht sich di Vespasio bei den Worten Orgens sofort um und fährt den Matrosen hinter ihm an, als ob er nur auf diese Gelegenheit gewartet hätte. Dabei zieht er wieder die Augen zu Schlitzen zusammen, was zu dem berüchtigten Raubvogelblick führt.

"Mein Name ist DI VESPASIO. Merk dir das, Bursche. Di Vespasio. Das di steht für adelig. So wie das von. Wie in von Berg. Oder von Ilmenstein. Di Vespasio."

Inzwischen sind die beiden Männer sich sehr nahe gekommen und di Vespasio konnte die Aussage seiner Worte dadurch verstärken, daß er nach jedem Satz mit dem Knauf seines Stockes ganz leicht auf die Brust des Thorwalers schlägt. Diese starke Reaktion ist ihm jedoch jetzt wohl etwas peinlich, denn er tritt einen Schritt zurück, setzt den Stock auf den Boden und streicht sich mit der linke Hand über die linke Braue.

'Frizzi, du läßt dich gehn. Der Mann kann doch nichts dazu, so simpel zu sein. Gib ihm einen Hinweis, wie er sich zu verhalten hat. Schließlich hast du vor diesem Schiff etwas Kultur zu verschaffen.'

"Nein, nein, du brauchst Dich nicht zu verbeugen, ich bin kein Monarch. Behandle mich einfach wie ... wie ... wie einen Offizier, vielleicht einen von einem anderen Schiff."

Effektiv hat zwar der Adelige keine Ahnung vom Umgang zwischen Matrosen und Offizieren auf thorwalischen Schiffen, aber diese Beziehung schien ihm die für Orgen vertrauteste gegenüber Menschen von höherem Rang.

"Und was deine Frage betrifft, zunächst gehen wir zum Hafenmeister."



Orgen läßt die Aktionen des Händlers zunächst völlig wortlos und mit eiserner Mine über sich ergehen. Doch als dieser ein wenig zu Besinnung kommt und einen Schritt zurück weicht.

Dann jedoch baut sich Orgen regelrecht vor dem Händler auf. Er atmet tief ein um den anstehenden Satz mit tiefer Stimme in einem Rutsch vorbringen zu können.

Zweifelsfrei gibt Orgen derzeit eine beeindruckende Gestalt ab. Der junge, muskulöse Mann mißt ohnehin bereits zwei Schritt und vier Finger. Durch das Strecken und Aufrichten wirkt er jedoch noch gut fünf Finger größer. Dann beginnt er zu sprechen, seine innere Anspannung zeichnet sich dabei in seinem Gesicht ab.

"Ihr vergeßt euch! Ihr könnt glücklich sein, daß ihr Gast auf der NORDSTERN seid! Uns Thorwalern ist das Gastrecht heilig, dennoch rate ich euch zu mäßigen. Ihr kommt nicht aus dem Norden, daher will ich euch einen gut gemeinten Rat geben. Thorwal wird nicht umsonst die Stadt der Freien genannt. Wir Seemänner lassen uns nur vom Kapitän und seinen Führungsleuten, im Falle der Nordstern die Offiziere und die Bootsfrau, Befehle erteilen. Die Privilegien des Adels existieren, doch zählen sie hier weniger als anderswo auf diesem Kontinent.

Als Offizier, auch nicht der eines anderen Schiffes, kann ich euch nicht behandeln, denn dabei handelt es sich um Respektspersonen, die sich diesen Respekt verdient haben. Jemand der bereits bei einer Kleinigkeit wie einem nicht richtig ausgesprochenen Namen handgreiflich wird kann solchen Respekt nicht erwarten.

Ich werde mich in der Tat nicht verbeugen, doch könnt ihr gewiß sein, daß ich euren Namen in der Zukunft richtig ausspreche. Hättet ihr euch, wie es das Gesetz der Höflichkeit gebietet, noch einmal selbst vorgestellt, so wäre dies überhaupt nicht passiert

Mit strengem Blick schaut Orgen den Händler an, es kaum zu übersehen, daß er in seinem thorwalischem Stolz verletzt wurde. Und das ist für einen Thorwaler etwa gleichzusetzen mit dem Versuch einen Adeligen aus dem Süden in einer Hundehütte übernachten zu lassen.



Auf Orgens Predigt reagiert der feine Herr zunächst mal mit ... Sprachlosigkeit. Oder ihrer nächsten Entsprechung, bei jemandem, der zu allem etwas zu sagen hat und davon meistens zuviel.

'Wie?'

"Wie?"

'Was?'

"Äh .. Was?"

'Wie?'

"W..W..Wie?"

Offenbar hat Orgen di Vespasio völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Oder, um das Bild zu verlassen und näher bei der Wahrheit zu bleiben, im richtigen Teil des Kontinents. Denn während anderswo in Aventurien der Adel nicht nur die Privilegien, sondern auch die Macht hat, diese Privilegien zu sichern, ist Thorwal einer der wenigen Orte in denen der Sprecher solcher aufrührerischer Ideen nicht nur seinen Kopf behält, sondern auch noch sonst ungeahndet davonkommt.

Dies mag einem Thorwaler bekannt sein, di Vespasios Gesichtsausdruck sagt, daß ihm als überzeugtem Aristokraten schon allein die Idee neu ist.



Di Vespasio's sowieso schon recht weißes Gesicht wird noch kalkiger.

'Was? Warum sollte ich glücklich sein auf dem Schiff mitzufahren?

Wieso spricht er mich so an??

Ich wollte doch nur...

Was sind Privilegien?

Wie redet dieser Riese mit mir???

Wieso Freien?

Gibt es hier Sklaven?

Warum gibt gerade die Frau des Kapitäns die Befehle?

Hat er nur so getan, als ob er ein Seemann ist????

Ist das etwa auch ein Offizier????

Oder gar ein versteckt lebender Adeliger?????'

Seine Augen, vor Schreck geweitet, mußten sich schon weit nach oben drehen, um und Riesen noch ansehen zu können. Jetzt schaffen sie das Kunstwerk und bewegen sich noch weiter hinaus, bis lediglich das Weisse zu erkennen ist.

Dann kippt die Gestalt mit Hut und Rock und Stock um.



Jetzt ist Orgen derjenige, welcher den verdutzten Gesichtsausdruck macht.

'Was ist den jetzt los warum, was hat er?'

Orgen beugt sich hinunter und stellt fest, daß der Mann wahrscheinlich nur ohnmächtig ist.

Gerade will er Frizzi eine Ohrfeige verpassen, denn das hat seine Mutter bei der Großmutter auch gemacht, wenn sie umgekippt ist, da fällt ihm ein, daß diese Adeligen meist etwas zart im Nehmen sind.

Da kommt ihm eine andere Idee.

"He, da drüben, ja du, hol mal einen Eimer Wasser" ruft Orgen einem anderen Seemann zu, der gerade ein Deck schrubbt und das Umkippen beobachtet hat. Dieser eilt hilfsbereit auch sofort herbei und drückt Orgen einen großen Eimer mit frischem, kalten Seewasser in die Pranke. Orgen handelt sogleich und gießt den Inhalt über Frizzi's Gesicht.



Di Vespasio schlägt flatternd die Augen auf.

"Wo bin ich?"



Der Riese geht in die Hocke und überzeugt sich davon das der Händler nicht völlig wirr im Kopf ist. Naja eigentlich hofft er das mehr, denn feststellen könnte er es jedenfalls nicht, bevor entsprechende Taten folgen.

Nichts desto trotz spricht er beruhigend auf ihn ein

"Es ist alles in Ordnung, ihr seid im Hafen von Thorwal und hattet einen Schwächeanfall"



Di Vespasio greift sich ins Gesicht und wischt sich mit seinem Ärmel notdürftig trocken. Dann blickt er wieder zu dem großen Mann auf.

'Da war doch was. Der kommt mir bekannt vor.'

Dann streckt er die Hand aus und spricht den Riesen an.

"Bitte, während ihr mir aus meiner mißlichen Lage hoch helft, sagt mir doch, mit wem ich die Ehre habe Bekanntschaft zu schließen."



"Orgen Baeronsson mein Name, Matrose auf der NORDSTERN." erwidert er, während er seinen Arm zur Hilfe ausstreckt.



Langsam setzten sich in di Vespasios Kopf einzelne Erinnerungsfetzen zu einem Bild zusammen. Man kann dies jedoch nicht unbedingt als ein zusammenhängendes Bild bezeichnen.

Wie viele Menschen hat der Adelige die Eigenschaft, von der Realität um ihn herum nur soviel wahrzunehmen, wie in sein persönliches Bild davon paßt. Bei ihm wird dieser Vorgang noch dadurch erleichtert, daß sein Geist sowieso fast nur mit sich selbst beschäftigt ist und nur ab und zu ein Auge auf die Umgebung werfen kann.

'NORDSTERN, NORDSTERN ... Ah Frizzi, das was doch das Schiff, von dem der Hafenmeister meinte, es würde dich nach Hause bringen. Und es sollte schnell gehen. Wer bat mich noch darum? Diese fremdländischen Namen! Groß. Rote Haare. Ohlson. Genau.'

Di Vespasio ergreift den ausgestreckten Arm und stützt sich daran ab, während er sich wieder aufrichtet. Dann bemerkt er den Zustand seines Rockes und Hutes.

'Quelle Malheur. Mein Rock. Was für eine Schande, Frizzi. Ich hoffe dies gibt keine Flecke. Das Hemd ist auch nass. Und der Hut erst. Quasi untragbar. Mein guter Hut. Den du dir von Frances hast schenken lassen. So kannst du dich nicht sehen lassen. Was für eine Schande. Ich muß mich dringend umkleiden. Glücklicherweise ist der Gelbe Rock noch sauber. Mein Puder wird völlig verdorben sein. Hoffentlich haben deine Haare noch etwas Form.'

Di Vespasio hat inzwischen aus einer Rocktasche ein weißes Tuch gezaubert und beginnt abwechselnd Hut, Gesicht, Rock und Hemd abzutupfen, wo es ihm gerade am Schlimmsten erscheint. Als ihm Sekunden später einfällt, daß er gerade noch mit jemandem geredet hat, kann er sich eben noch zurückhalten, Spiegel und Kamm herauszuholen und wendet sich mit der löchrigen Erinnerung an die Ursache für seine Ohnmacht dem Wartenden zu.

'Da war doch noch etwas. Du hattest die Befürchtung, jemanden in seinem Stand falsch angesprochen zu haben, Frizzi. Aber warum? Oder verwechsele ich diesen Riesen mit dem riesigen Kapitän? Nun, ein wenig Vorsicht kann Dir heute nicht schaden.'

"Dank Euch. Offenbar habe ich sonst keine Schaden genommen, nur meine Garderobe ist ein wenig ...ähm... feucht. Baeronsson sagtet ihr? Nur Baeronsson? Ich meine ..."

Di Vespasio merkt, daß es relativ unmöglich ist, einen vermuteten, versteckt lebenden Adeligen nach seinem wahren Namen zu fragen, wenn dieser ihn verheimlichen will. Zumindest ist es unmöglich, wenn man wiederum eben jenen vermuteten Adeligen nicht beleidigen will. Ganz zu schweigen, von der Verwirrung, die entstehen würde, wäre der vermutete Adelige nur der als der er sich ausgibt und müßte nur dahinterkommen, daß ein richtiger Adeliger in ihm einen Adeligen vermutet. An dieser Stelle wird der Gedankengang dem Tropfenden etwas zu komplex und er besinnt sich auf eine andere Verfahrensweise.

"Ich meine ... Nun, ja. *hüstel* Was auch immer. Offenbar bin ich noch etwas verwirrt. Mein Name jedenfalls ist Frizzi di Vespasio aus Baliiri und meines Zeichens Händler in Kuslik."

Di Vespasio setzt zu einer höflichen kurzen Verbeugung an, wie sie zwischen Gleichgestellten oder nahen Freunden üblich ist, als ihm auffällt, daß noch sein Stock auf dem Boden liegt. Also zieht er seine Verbeugung gleich soweit herunter, daß er seinen Stock aufheben kann.

"Bitte helft mir auf die Sprünge. Wohin waren wir doch unterwegs?"



Orgen ist doch sichtlich verwundert, eigentlich will er dem offensichtlich Verwirrten helfen seinen Stock aufzuheben, als sich dieser bereits selbst danach bückt. Wie es der Zufall will, war er bereits vorgebeugt, als ihm dies auffällt, so daß es Frizzi vorkommen muß, als erwidere er die Verbeugung, die eigentlich einen, zumindest Ranggleichen kennzeichnet.

Orgen antwortet auch ordnungsgemäß auf die gestellte Frage:

"Wir waren auf dem Weg zur Hafenmeisterei. Ich empfahl gerade einen Abkürzung, als euch dieser Schwächeanfall überkam.



'Also doch!' denkt sich Frizzi di Vespasio als er die 'Verbeugung' Orgens sieht. 'Na denn, Orgen oder wie auch immer du heißt, wir werden dein Spiel mitspielen, und nicht mit der Wimper zucken, nicht wahr Frizzi?'

"Ein Abkürzung. Wie herrlich, wie schön. Dann laßt uns aufbrechen, auf daß nicht die Morgensonne uns noch in diesen Gassen finde. Das würde dem Kapitän wohl gar nicht gefallen. Er verlöre nicht nur einen, in aller Bescheidenheit, gut zahlenden Kunden, sondern wohlmöglich zusätzlich auch noch seinen wichtigsten Mann an Bord."

Über dieses Versteckspiel hat der intrigengewohnte Südländer offenbar zurück zu sich selbst gefunden. Er beginnt auch wieder mit seinem Stock herum zu fuchteln und bedient sich einer weit ausladenen Gestik, so daß er ganz wie immer wirkt.

"Geht nur voraus, ich bin nur einen kleinen Schritt hinter Euch."

Dabei fingert der Adelige bereits unter seinem Rock nach dem Spiegel um seine Frisur zu kontrollieren.



"So soll es sein"

Geschwind geht Orgen voraus, achtet jedoch ab und an darauf, daß Frizzi nicht verwirrter Weise vom Weg abkommt.

Hier und da huscht der große Mann und sein "Verfolger" durch das emsige Treiben im Hafen. Zu sehen gibt es überall etwas, sei es der gestandene Thorwaler, der gerade das Nudelholz seiner Angetrauten zu spüren bekommt, weil er mit einer der Hafendirnen anbandeln wollte oder der Hund, der neugierig durch die vielen Kisten schleicht und dann von der kleinen Maus, die er selbst mit seiner feuchten Schnüffelnase aufgescheucht hat, fast zu Tode erschreckt wird, als diese, Panik beflossen aus ihrem Versteck springt.

Doch all das ist Alltag hier, im Hafen von Thorwal. Und so erreichen die beiden schließlich die Hafenmeisterei, vor der Orgen stehen bleibt und schließlich verkündet

"So, hier ist die Hafenmeisterei"



"Ah ja, das ist sie. Danke. Würdet ihr einen Moment warten."

Di Vespasio tritt auf das schmucklose, zweigeschossige Holzhaus zu in dem der Hafenmeister sein Büro hat, klopft dreimal mit dem Knauf seines Stockes an die Tür, bevor er eintritt.

Offenbar um ein wenig der abendlich-kühlen und erfrischenden Luft hereinzulassen, ist ein Fenster zum Büro des Hafenmeisters halb geöffnet. Durch dieses Fenster dringt nun ein Teil der Unterhaltung nach Außen. Ein Teil, denn während die tiefe Stimme des Hafenmeisters deutlich zu hören ist, kann man von der, hin und her plätschernden Rede nur hin und wieder ein Wort verstehen. Offenbar handelt es sich um di Vespasios.

"...... ..... "

"Nichts zu danken. Es freut mich, daß ihr doch noch ein Schiff gefunden habt, daß euch nach Süden bringt. Seid ihr also mit Jergan handelseinig geworden?"

"..... ..... "

"Nein, wirklich, es ist wie ich es euch bereits mehrfach gesagt habe. In der nächsten Zeit erwarten wir kein Schiff, daß die Strecke nach Kuslik mit Passagieren und eurer Ladung fährt. Daß die NORDSTERN einlief, kann man nur als Glücksfall bezeichnen. Gefällt euch denn das Schiff nicht?"

"..... ..... ..... "

"Nun, es ist halt ein Schiff thorwalischer Herkunft mit thorwalischer Mannschaft. Man kann es kaum mit einem kusliker Dreieinhalbmaster vergleichen. Aber ich kann euch versichern, daß ihr mit Efferdstreu einen Kapitän gefunden habt, der sein Handwerk versteht."

"..... ..... "

"Ich dachte, die Nordstern hat auf dem Oberdeck eine Suite?"

"..... ..... "

"Belegt? Nun, das ist Pech. Offenbar sind einige andere auch auf die Idee gekommen ihre Geschäfte im Süden zu suchen."

"..... ..... "

"Natürlich. Wenn Jergan morgen schon ausläuft, solltet ihr euch beeilen. Ich werde der Hetfrau schon ausrichten, daß wir euch ... äh verabschiedet haben."

"..... ..... "

"Efferd mit euch."


Kurz danach tritt di Vespasio wieder auf die Strasse und auf den wartenden Orgen zu.

"Ah, gut. Nun denn, wenn ich mich nicht täusche, sollten wir jetzt mal unsere Sachen holen, Äh ... meine Sachen. Wißt ihr wohlmöglich von einem Fuhrwerker, den ich mit seinem Wagen für kurze Zeit anwerben könnte? Ich habe mit eurer ersten Offizierin abgesprochen sechs Kisten von jeweils einem Quadratschritt an Bord zu bringen."



"Hmm, ja da gibt es etwas, ein Stück weiter wurden, zumindest bei meinem letzten Aufenthalt, hier Eselskarren vermietet. Folgt mir einfach, es ist nicht weit."

Schon macht sich Orgen auf den Weg, er wendet sich gen Praios und geht los.

Bereits wenige Minuten später bleibt er vor einem schmucklosen Stall stehen, ein Junge, offensichtlich der Knecht, versorgt gerade ein paar Esel, während ein älterer Mann auf Orgen aufmerksam wird, der immer näher kommt.

Orgen deutet dem Mann herzukommen und erklärt diesem das der Edelmann hinter ihm einen Karren sucht.

Der Alte wendet sich dann auch selbst an Frizzi:

"Die Zwölfe zum Gruße, edler Herr. Ich hörte, ihr benötigt ein Transportmittel. Nun, dem kann geholfen werden. Für den Spottpreis von 2 Silbermünzen pro Stunde erhaltet ihr diesen Wagen"

Dabei deutet er mit der Hand auf einen Wagen, der platzmäßig wohl problemlos alle Waren aufnehmen wird.



'Ach, ein Eselskarren. Frizzi wie lange bist Du nicht mehr auf einem Eselskarren gefahren! Das muß noch auf einem unserer Familienausflüge in die Goldfelsen gewesen sein. Ich kann mich an die Bergfasane erinnern, die unser Bruder gejagt und über dem Feuer gebraten hat. Mama war da noch am Leben.

*Seufz*'

Di Vespasio blick schwärmerisch auf die Karren und die angebundenen Tiere.

'Ob ich es selbst versuchen soll?'

Des Händlers Blick geht zu dem riesigen Thorwaler neben sich und mustert diesen.

'Besser nicht. Und dieser Seemann wird vermutlich auch nur ungern die Zügel halten.'

"Nun, ich habe nicht vor über den Preis zu spotten, eher würde ich ihn bezahlen wollen. Aber gebt uns doch noch eueren Jungen als Fahrer mit, dann leiden eure Tiere nicht unter unserer ungeübten Hand."

Man wird sich schnell handelseinig. Offenbar ist auch der Fuhrmann erfreut, so spät am Abend noch ein Geschäft abzuschließen. Die Esel und Smil, der junge Knecht, scheinen weniger glücklich, noch mal raus zu müssen. Daher wird die Fahrt zum Hotel 'Zum Sonnenaufgang' etwas ruppig, was di Vespasio jedoch nicht zu stören scheint. Er ist in Gedanke an die Vergangenheit verloren.

'Vater hat sich viel zu selten von seinen Verpflichtungen befreien können. Mir ist noch nie aufgefallen, daß er auch keiner Kunst nachgegangen ist, obwohl das auch schon damals sehr unschick war. Aber glücklicherweise hatten wir immer im Sommer diese Jagd in Onkel Gussis Besitzungen. Eine fröhlich Zeit, ganz ohne all diese ekeligen Dinge der späteren Jahre. Obwohl, Frizzi, du warst jung damals, ein Kind, was willst Du wissen, was in Vaters Kopf vorgegangen ist und ob Mama wirklich von ganzem Herzen so fröhlich war.'

Di Vespasio wird aufgeschreckt durch den plötzlichen Halt des Wagens vor dem Gasthaus. Es befindet sich weit im Süd-Osten der Stadt. Über der Tür hängt ein großer nach außen gewölbter Bronzespiegel in der Form einer Sonne mit vierundzwanzig Strahlen, die davon abstehen. Nach Osten ausgerichtet wird dieser wohl am frühen Morgen die Sonne gleißend wiederscheinen, jetzt jedoch liegt bereits ein dunkler Schimmer über allem und nur eine Laterne rechts von der Tür wirft ihren blassen Schein auf die Bronzesonne.

"Smil, Junge. Fahr gleich auf den Hof. Dort sollte mein Wächter mit den Kisten sein."

Der Hof ist ebenfalls bereits recht dunkel. Dennoch kann man einen alten Mann erkennen, der dort auf einem Schemel an die Wand gelehnt steht. Neben ihm stehen, von einer Plane gegen eventuellen Regen geschützt, sechs Kisten. Sie sind etwa ein Quadratschritt groß, etwas flacher und völlig schwarz. Jede Kiste ist mit einem Faden umwickelt, der in einem großen, roten Siegel endet. Wie sie dort im Dunkel stehen, erwecken sie den Eindruck eines großen schwarzen Loches, daß aus sechs Wunden rot blutet.

Als der Karren in den Hof rollt, springt der Mann auf. Er ist mittelgroß, trägt einen weißen strubbeligen Bart und weißes Haupthaar, daß unter einer Stahlkappe hervor lugt. Seine Waffen, eine Pike und ein Schwert, sowie der bunte, rot-gelbe Waffenrock über dem eisenverstärkten Lederpanzer, weisen ihn als Söldner aus. Er tritt vor und verbeugt sich leicht.

"Ah, Roault, dies ist Orgen, ein Seemann von dem Schiff, mit dem ich morgen früh nach Kuslik aufbrechen werden. Er wird dir beim Aufladen helfen. Falls du für die schwere Kiste mehr Hilfe brauchst, ruf dir noch den Schankknecht hinzu. Wenn ich von meinem Zimmer komme, will ich hier alles abfahrbereit sehen."

Mit diesen Worten ist di Vespasio vom Wagen geklettert und im Nebeneingang des Gasthauses verschwunden.

Roault kann nur ein knappes, knarrendes:

"Sehr wohl, Herr di Vespasio."

hinterherwerfen. Dann wendet er sich dem Matrosen zu und mustert ihn. Was er sieht, gefällt ihm offenbar, denn er grinst mit allen Zahnlücken, die er hat.

"Einen schönen Abend, Orgen. Bis Kuslik. Na denn, mein Beileid für dich und dein Schiff."

Roault macht eine kurze Pause und nickt dann mit dem Kopf in Richtung des Kistenstapels.

"Komm, laß uns anfangen, sonst gibt es gleich Ärger. Die Kisten sind zwar leicht, dafür aber sehr sperrig."



Orgen stimmt schnell mit einem "dann packen wir's an" ein und beginnt sogleich mit dem Verladen der Kisten. Zusammen mit Roault dauert es auch nicht wirklich lange, um alle Kisten zu verladen, und zu zweit bereitet auch die Sperrigkeit selbiger keine Probleme.

Ein Stirnrunzeln und ein fragendes Gesicht entlockt ihm jedoch die Bemerkung des Anderen. Sein Blick wandert zwischen Roault und den Kisten hin und her. Leicht abwesend spricht er jedoch mit Frizzi:

"Es kann weitergehen Herr di Vespasio"



Ein neuer Passagier


Der Nachmittag, ja eigentlich schon der beginnende Abend, in Thorwal ist immer noch genauso geschäftig, vielleicht sogar noch ein wenig mehr. Dieser Tag, der vor allem für eine bestimmte Karavelle im Hafen der Stadt so viel Bedeutsames gebracht hat, denkt noch längst nicht daran, sich zurück zu ziehen, und er schwemmt auch immer wieder neue Menschen aus den Straßen auf das Gelände am Pier. Es sind Schaulustige ebenso wie Leute, die einfach nur ein paar Kreuzer verdienen wollen, Diebe ebenso wie Kaufleute, die einem Geschäft nachgehen wollen, Fernwehsüchtige ebenso wie jene, die der Fernweh und dem Drang nach Abenteuer nachgeben.

Einer dieser Menschen, ein sehr kleiner Mann, huscht um die Ecke eines Kistenstapels, sieht sich kurz um, und eilt dann mit nervösen Schritten auf die dort liegenden Schiffe zu. Er trägt ein weißes Hemd, eine dunkelbraune Hose und eine schwarze Robe. Außer einem Lederbeutel, der zusammen mit einem kleinen Dolch an seinem Gürtel angebracht ist, trägt er nichts bei sich - kein Gepäck.

'So...ich bin bereits am Hafen... wird schon alles klappen... ich such mir jetzt einfach ein Schiff, das gen Süden fährt und dann bin ich meine Sorgen los..."

Der nicht allzu große Mann schaut sich des öfteren um, während er an den Schiffen, die am Pier liegen, entlang gehen. Seine Augen huschen über die Schilder, die Fahrpreise und Reiseziele verkünden, und rasch geht es weiter zum nächsten Schiff, bis er schließlich die NORDSTERN erreicht, von der gerade einige Leute heruntergehen. Fahrgäste oder Passagiere - er nimmt sie nicht wirklich bewußt wahr, und im Grunde ist ihm das auch egal, denn das Schild an der Reling verrät ihm, daß dieses Schiff genau das sein kann, was er sucht.

Er bleibt vor dem Schiff stehen und ruft nach oben:

"Äh... Ahoi, da oben!?"


***************************************************


Kapitän Jergan Efferdstreu, der noch mit dem scheidenden Reisenden befaßt ist, und diesen Abschied auch nicht unhöflich abbrechen möchte, nimmt die Bewegung auf der Pier im Augenwinkel wahr, und hört auch die Worte. Doch... er kann sich jetzt noch nicht darum kümmern, und so wirft er Hirkan einen kurzen entschuldigenden Blick zu, um dann ein Fianas Richtung zu rufen:

"Fiana, da ist schon der nächste, der sich für unser Schiff interessiert. Könntet Ihr Euch bitte drum kümmern?"



"Selbstverständlich Kapitän!" antwortet Fiana Jergan knapp.

Sie geht an den Rand der Reling, damit sie besser sehen kann wer dort unten ruft. Mit freundlichem Ton erwidert sie:

"Efferd zum Gruße. Ihr sprecht mit der ersten Offizierin, was kann ich für euch tun"



Die flinken Augen läßt der unbekannte Mann über die Offizierin fliegen.

'So, nun geht's los. Du kennst deine Rolle.... Du hast so oft solche Leute über's Ohr gehauen, jetzt wirst du's schaffen dich mal als genau solch einer auszugeben!'

"Aha..hmm.ehh... Phe...Die Zwölfen zum Gruße, schöne Frau! Mein Name ist Anselm Feuerbach. Ich sehe, euer Schiff fährt gen Süden. Öhh.... Ist es mir also dann vergönnt mit euch zu reisen, natürlich für den entsprechenden Obolus?"



"Fiana Ohldotter mein Name, ja wir fahren nach Süden, bis nach Brabak. Aber kommt doch zunächst an Bord, dann redet es sich besser"



Etwas wackelig stiefelt der kleine Mann die Planke hoch, schafft es aber gekonnt, ja eher katzenartig den anderen Passanten auszuweichen.

'Ha! Ich wusste, daß sie drauf reinfällt.'

"Öh, nun, wie ich bereits verkündete heiße ich Anselm Feuerbach und mein Reiseziel ist Kuslik. Dies' Schiff fährt doch nach Süden und wird dementsprechend auch diesem Hafen einen Besuch abstatten, oder täusche ich mich?"



"Sicher wir laufen auch Kulisk an. Das sind etwa 1125 Meilen. Wenn ihr in der Gemeinschaftskabine reisen wollt, so würde dies 44 Silber kosten. sagen wir 40 für euch. Bei Unterkunft im Unterdeck kostet es die Hälfte. Andere Kabinen haben wir derzeit keine frei." meint Fiana zu dem Reisewilligen.



'Oha, Gemeinschaftskabine! Das ist nicht gut. Je länger ich mit anderen Kontakt habe, desto höher ist die Chance, daß die mich entlarven.'

"Hm, nun Geld spielt keine wesentliche Rolle"

'Wenn ich daran denke, was ich zurücklassen mußte...'

"Aber, werte Dame, ihr spracht von einer GEMEINSCHAFTSKABINE. Ich lege Wert darauf alleine zu reisen. Ihr seit sicher, daß euer Schiff keinen... exklusiveren Platz für mich hat?"



"Nun... meines Wissens nach ist derzeit alles andere belegt, wenn ihr unbedingt alleine sein wollt, wäre da noch das Unterdeck, dort hat sich bisher noch niemand eingemietet. Jedoch kann ich euch nicht versprechen, daß sich das nicht ändert. Abgesehen davon ist die Gemeinschaftskabine auch komfortabler. Ihr habt natürlich auch noch die Möglichkeit umzubuchen, falls etwas anderes vor dem Erreichen eures Zielhafens frei wird."



'So ein Mist! Wenn ich die ganze Zeit mit so ein paar Deppen in 'ner Kabine hängen muß, werd' ich mich noch aus Versehen verraten. Aber ins Unterdeck geh' ich auch nich'....

Ach, das wird halb so schlimm. Wenn die da auf mich reinfällt, wer soll dann mißtrauisch werden?'

"Oh, hmm... ähhh... tja, das läßt sich wohl nichts machen. Nun, so muß ich wohl mit der Gemeinschaftskabine vorlieb nehmen. Aber gebt mir Bescheid, sobald sich die Möglichkeit ergibt eine bessere Kabine zu erhalten. Ihr wißt: Geld spielt kein Rolle."



"Ihr könnt gewiß sein, daß ihr informiert werdet. Dann soll es also erst einmal die Gemeinschaftskabine sein, gut."

"Habt ihr sonst noch einen Wunsch ?"



Hhm...ja...wann wird dies Schiff auslaufen?

'Je früher ich hier weg bin, um so besser.'


"Die NORDSTERN wird am frühen Morgen mit der ersten Flut auslaufen."



'Morgen...gut...das ist früh genug. Ja, es wird schon klappen.'

"Schön, nun, da wir die geschäftlichen Sachen geklärt hätten, wo bitte befindet sich die Gemeinschaftskabine?"



"Das ist nicht schwer, geht einfach hier den Niedergang hinab."

Dabei deutet sie auf den Niedergang am Großmast.

" ... und wenn ihr unten seid, nehmt die erste Tür zu eurer linken. Dort könnt ihr euch dann einen freien Platz aussuchen."



"Sehr schön. Nun, dann werde ich mich dorthin zurückziehen."

Mit diesen Worten verschwindet der drahtige kleine Mann auch schon in Richtung Niedergang.

'Tja, mach's gut, schnödes Thorwal. Anselm Feuerbach, selbsterklärter Meisterdieb verläßt dich nun... und das mit Erfolg!'

Grinsend tätschelt er den großen Lederbeutel an seinem Gürtel. Während er an die Klunker und Münzen im Beutel denkt, erreicht er die Tür der Gemeinschaftskabine.

Er öffnet sie vorsichtig, blinzelt kurz herein und als er die ganzen Leute darin erblickt spricht er:

"Die Zwölfen zum Gruße!"



Fiana


Nachdem der letzte Fahrgast abgehandelt ist, kommt Fiana wieder dazu das Treiben um sie herum zu beobachten. Ja, bald geht es wieder weiter auf der Reise, endlich, und das, obwohl sie eigentlich gerne in Thorwal ist. Doch dieses Mal verbinden sich zu viele Vorkommnisse mit dem Aufenthalt, als daß sie gerne länger bleiben würde. Ein anderes Mal vieleicht. Doch jetzt ist sie alles andere als unglücklich darüber, daß es bereits am Morgengrauen weiter geht.



Sylvhar wieder an Deck


Geschmeidig und behende klettert Sylvhar den Mast hinunter, dabei macht er den Eindruck, als würde er das tagtäglich 30 Mal machen. Jeder Griff, jede Umklammerung gehen fließend in die nächsten über bis er, ohne auf der ganzen Strecke ein einziges Mal herunter geschaut zu haben, sich auf den letzten 2 Schritt des Mastes fallen läßt. Seine schneeweiß leuchtenden Haare bleiben leicht wie Schneeflocken in der Luft liegen, und als er weich abfedernd landet, hat man für einen kurzen Moment das Gefühl, seine Haare legen sich um ihn und fließen wie Milch an ihm herab. Er richtet sich wieder ganz auf. Nun versucht er zuerst mal herauszukriegen, was alles auf dem Schiff passiert ist, da plötzlich so viele unbekannte Leute anwesend sind. Dabei bleibt er regungslos stehen.



Ottam und das Pergament


Während der Magus versucht etwas auf dem Pergament zu entziffern, bemerkt er nicht, daß schon wieder jemand versucht Kontakt zu einem der Offiziere aufzunehmen. Genausowenig bemerkt er die Unterhaltung des Kapitäns oder den 'beinahe' Zusammenstoß auf der Planke.

Konzentriert liest er im Pergament, das leider viele Stellen aufweist, an denen einmal etwas gestanden hat, mit tragischer Betonung auf 'hat'. Die Reste die er auf Anhieb zusammen bekommt ergeben wohl in etwa folgendes:


Glücklicher ... .. gef..... ... Raben ... ....t fliegen .....

Suche ......, .......glich, un.........., der ... nicht fli...

.hebt .... doch darü... ...weg, den schl....el ... Sphären

wirst du finden, .... ..... ... Nirgendmeer ... Antwort wirst

. ......, ohne ... Kristall du niemals .........

Vertieft grübelt er weiter vor sich hin, gänzlich in sich gekehrt.



Ottam tut sich sichtlich schwer mit seinem Text. Offensichtlich ist es ihm jetzt noch nicht vergönnt ihn zu entschlüsseln. Daher steckt er ihn erst einmal wieder weg und verschiebt dieses auf später. Morgen ist genug Gelegenheit dazu, wenn wir erst wieder auf hoher See sind.



Aleara


Aleara atmet einmal tief durch, als Garulf mit Sigrun aus ihrer Sicht verschwindet. Dann sieht sie nach dem Kapitän der da ziemlich gestreßt auf dem Brückendeck steht.

'Ob ich ihn jetzt... ich glaube schon... aber wenn... was soll's, dafür ist er der Kapitän!'

Entschlossen nimmt sie die Stufen, die nach oben führen. Normalerweise wird auf einem Schiff ja auf die entsprechende Erlaubnis gewartet, aber bei dem Betrieb, der im Moment hier los ist, kümmert sich sowieso niemand darum...

Trotzdem bleibt sie in respektvollem Abstand zum Kapitän stehen.



Jergan wendet sich von dem Neuankömmling und dem übergebenen Auftrag ab, und sieht, daß Aleara auf das Brückendeck gekommen ist.

Angesichts der Tatsache, daß er im Moment wirklich etwas Luft hat, weil er die anstehende Arbeit gut auf die beiden Offiziere verteilt hat, wendet er sich der Matrosin sogleich zu.

"Ja, Aleara?"



Verschämt blickt sich die junge Frau um; dann sieht sie aber an und beginnt mit unsicherer Stimme zu sprechen:

"Also, Kapitän, es ist.... ich.... wegen dieser.... Vorkommnisse.... es.... ich möchte mich entschuldigen, für das, was vorgefallen ist. Ich war irgendwie... außer mir. Ich hoffe, ihr nehmt mir meinen kleinen.. .Ausflug nicht allzu übel."

Im gleichen Moment wird ihr klar, daß ja eigentlich nichts passiert ist, aber es kommt wohl auf die Sichtweise an. Erwartend blickt sie Jergan an.



Der Kapitän braucht sichtlich einige Augenblicke, bis er überhaupt weiß, was Aleara meint, wovon sie da redet, und warum ihr das so wichtig scheint. Er hat die Szene schon sehr weit verdrängt, fast so weit, daß er sie vergessen hat, denn seit Prem ist so unendlich viel passiert, daß ihm die damaligen Ereignisse schon sehr weit zurück zu liegen scheinen. Weit mehr jedenfalls als die paar Tage, die es wirklich schon her ist.

Er zögert noch mit der Antwort und versucht, sich in die Matrosin hineinzuversetzen. Für sie ist die Bedeutung dieser Szene natürlich eine ganz andere, und er kann sich gut vorstellen, daß sie seitdem fast ununterbrochen darüber nachgedacht hat, daß sie das Gewissen quält, und daß sie sicher etliche Stunden darüber nachgedacht hat, ob und wie sie mit ihm, dem Kapitän, darüber reden kann.

"Nein, keine Sorge", erwidert er dann mit einem recht warmen Unterton, und tritt sogar noch einen Schritt weiter auf sie zu.

"Du brauchst dir da wirklich keine Gedanken machen. Ich habe den Vorfall zwar nicht wirklich verstanden, und unsere Klärung wurde ja so jäh unterbrochen, aber eines ist sicher: Ich nehme es dir nicht übel."

Er sieht sie bei diesen Worten unverändert an, um ihre Reaktion nicht zu übersehen, und um ihre Antwort besser einschätzen zu können.



Wenn sie auch nicht ganz versteht, warum Jergan den schwerwiegenden Ereignissen so wenig Bedeutung beimißt, so ist sie doch erleichtert und schließt kurz die Augen, um tief durchzuatmen.

Nicht jeder - nein, nur wenige haben das Glück, zu VERSTEHEN, und seit kurzem zählt sie sich auch dazu. Unbeschwert, fröhlich sogar lacht sie Jergan vergnügt an, nur um kurz darauf wieder ins Grübeln zu verfallen und die Stirn in Falten zu legen.



Jergan will sich schon fast abwenden, als ihm die doppelte Änderung in Aleara's Gesicht auffällt.

"Machst du dir Sorgen, oder Gedanken? Brauchst du Hilfe?" fragt er sie darum leise.



Grübelnd sieht Aleara ihren Kapitän an.

'Ob er? Nein, nein, dazu ist er... oder vielleicht?'

Lange zögert sie, bevor sie ihre Antwort hören läßt:

"Nein, alles ist in Ordnung. Du - würdest es sowieso nicht verstehen"

Die letzten Worte spricht sie in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldet. Ohne auf eine Reaktion zu warten dreht sie sich um und macht Anstalten, das Brückendeck zu verlassen.



Der Druide


Der Trubel im Hafen von Thorwal ist immer noch der gleiche, als ein Mann, der sich hier sichtlich nicht zu Hause fühlt, dort seinen Weg sucht - einen Weg in die Ferne.

Verwirrt ob der vielen neuen Eindrücke, die so ein Hafen für einen Druiden bereithält, irrt Fargus über das Gelände. Nach einigen Versuchen gelingt es ihm schließlich in Erfahrung zu bringen, daß die NORDSTERN demnächst weiter in Richtung Süden aufbricht. Der Seemann sagt weiterhin, daß es sich dabei um die Karavelle handelt, die dort vorne geankert hat. Offenbar hatte der Seemann aber keine Zeit zu bemerken, daß Fargus' Augen ihm hilflos hinterherschauten, als er in der Menschenmenge verschwand. Zumindest die einzuschlagende Richtung war ihm nun klar, und er folgte der Richtungsangabe des unbekannten Seemanns. Nur kurze Zeit später, er befand sich nun unmittelbar in der Nähe der NORDSTERN, stand ihm plötzlich ein kleiner Junge mit großen braunen Augen im Weg.

"Oh Herr, eine milde Gabe, meine Mutter ist bettlägerig, mein Vater ein Trinker und meine Geschwister sind von Hunger und Krankheit ausgezehrt. Nur ein Silberstück für meine Familie, und die Götter werden immer mit Dir sein."

Als Fargus seinen kleinen Geldsäckel herausholt (indem sich allerdings nur der kleinere Teil seines Geldes befindet), spürt er nur noch, wie ihn ein Schlag auf den Hinterkopf trifft, und er bricht bewußtlos zusammen.

Kurze Zeit später, er spürt deftige Schläge auf seine Backen nieder regnen, öffnet er die Augen und sieht sich umringt von einer Horde schaulustigen Publikums.

"Ihr seid Opfer einer der üblichen Halunken geworden, Oh Herr, doch seid ihr verschont geblieben von schwerwiegenden Verletzungen." sagt der neben Fagus kniende Mann.

"Ich danke Dir, mein Herr, für die Hilfe, die ihr mir zuteil werden ließet. Sagt, kann ich mich erkenntlich zeigen ?".

"Nun", sagt der Mann, während er Fargus, der noch leicht benommen ist, wieder auf die Beine hilft, "nehmt Euch zukünftig etwas mehr in acht vor den Menschen, so ist uns allen geholfen".

Mit einem Grinsen auf den Backen verschwindet der Mann. Fargus prüft, ob ihm irgend etwas fehlt, doch außer dem Wechselgeld-Säckchen scheint nichts weiter abhanden gekommen zu sein.

Die Menschentraube um ihn herum löst sich schnell wieder auf. Noch etwas wackelig auf den Beinen, rappelt er sich dennoch wieder auf. Leider liegt hier nicht nur eine Karavelle vor Anker, so daß Fargus erneut einen Seemann nach dem Schiff fragen muß. Nach einigen Versuchen, bei denen Fargus schnell lernen mußte, daß an diesem Ort Freundlichkeit nicht gerade groß geschrieben wurde, hat er schließlich doch noch Glück.

"Wo die NORDSTERN ankert, möchtest Du wissen? Dann öffne mal Deine Augen, Du Landratte, Du stehst direkt davor."

Peinlich berührt nimmt Fargus die letzten Meter in Angriff, mehr denn je voller Zweifel, ob er denn überhaupt geeignet ist für solch eine Unternehmung. Unsicher setzt er den ersten Fuß auf die Planke.

Er versucht mit seiner Stimme den latenten Lärm des Hafens zu übertönen :

"Habt Ihr noch eine Passage nach Chorhop frei für einen einfachen Mal Passage nach Chorhop?"


*******************************


Wieder ist der Kapitän, der den vorigen Mitfahrwilligen erst vor wenigen Augenblicken an die erste Offizierin übergeben hat, derjenige, der diesen Ruf hört. Und wieder ist er versucht, sich darum zu kümmern, doch wieder drängt sich in sein Bewußtsein, daß es noch vieles andere gibt, um das er sich kümmern muß. Und damit ist klar, was er machen muß, denn sein Blick schweift kurz über das Brücken- und dann über das Oberdeck und erfaßt den Offizier, der ihm verblieben ist.

"Sofort", ruft er nach unten, und dann nicht weniger laut nach vorne in Lowangers Richtung:

"Herr Lowanger, kümmert Euch mal bitte um den Mann, der da mitfahren möchte!"

Eine eindeutige Handbewegung in Richtung des Piers macht deutlich, wer gemeint ist.



'Sehr merkwürdig', denkt sich Fargus, 'für kurze Zeit hatte ich den Eindruck, ein -sofort- vom Deck des Schiffes vernommen zu haben, doch nun passiert schon eine ganze Zeit lang nichts'. Fargus schreitet einen weiteren Schritt voran, bündelt seine verbliebene Energie und brüllt (ein gestandener Seemann würde eher sagen, wispert) : "Passage nach Chorhop."

Erschrocken über die eigene Stimmgewalt harrt er auf der Planke.



Lowanger unterbricht die Begutachtung des Tauwerkes auf der Steuerbordseite, mit der er sich beschäftigt hat, als er aus Richtung des Brückendecks seinen Namen hört - gerufen von der Stimme des Kapitäns, die er sofort erkennt. Er tritt einen Schritt vom Tauwerk zurück, und ruft in Richtung der Brücke:

"Wird gemacht, Herr Kapitän!"

Der Offizier geht gemessenen Schrittes über das Oberdeck hinüber zur Backbordseite, mit der die NORDSTERN am Pier liegt.

Dort betritt gerade ein Mann, der offenkundig nicht so ganz in den Trubel des Hafens paßt, die auf das Schiff führende Planke und ruft etwas von einer Fahrt nach Chorhop.

Wulf Lowanger bleibt nahe dem oberen Ende der Planke stehen und antwortet:

"Kein Problem! Aber kommt doch bitte erst einmal an Bord!"

Er macht dabei eine einladende Handbewegung.



Vorsichtig gelangt der, nicht sonderlich groß gewachsene Druide schließlich aufs Oberdeck, wo er von dem 3.Offizier der NORDSTERN in Empfang genommen wird. Er gibt schon einen zumindest befremdlichen Anblick ab mit seinem weißen Schnurrbart und den zu 3 Zöpfen zusammengebundenen langen weißen Haaren.

"Ich möchte nach Chorhop, werter Herr, habt ihr noch eine Passage frei auf Eurem schönen Schiff", fragt er den 3.Offizier der Nordstern, wobei seine Augen, die unter buschigen Augenbrauen leuchten, seine Frage zu verstärken scheinen. Beeindruckt von der kräftigen Gestalt seines Gegenübers erwartet der in einfachen Stoffmantel gekleidete Druide die Antwort.



Fast schon ist Lowanger versucht dem älteren Herren beim Überqueren der Planke eine helfende Hand entgegen zu stecken. Doch dann hat der reiselustige Herr schon das schmale Stück Holz überquert und befindet sich auf dem leicht schwankenden, aber dennoch überaus soliden und gepflegten Schiff.

"Lowanger, mein Name", stellt sich der dritte Offizier auf die übliche wortkarge Weise vor. Mit seinen knapp neun Spann wirkt er bei einer zum größten Teil thorwalschen Besatzung eher mittelgroß. Seine kräftige Statur und sein wettergegerbtes Gesicht, sprechen jedoch deutlich davon, daß er sich nicht darauf beschränkt nur von oben herab Befehle zu erteilen oder tagelang in Gedanken versuchen vergilbte Seekarten studiert. Lowanger ist etwa 45 Götterläufe alt, sein Haarschnitt ist militärisch kurz und an den Schläfen ist das matte Dunkelblond bereits von vielen eisgrauen Strähnen durchzogen.

"Willkommen auf der NORDSTERN. In unserer Gemeinschaftskabine haben wir noch eine Koje frei. Auch bis zum fernen Chorhop, soviel ist gewiß."



"Sehr gut! Sagt, Herr Lowanger, und wie hoch ist der Preis für die Überfahrt nach Chorhop?"

Mit einem gequälten Lächeln harrt er der Antwort, wohlwissend, daß der Überfall schon einen Teil seiner Finanzplanung gehörig durcheinandergebracht hat.



Lowanger überlegt kurz und überschlägt im Kopf, wie weit es bis Chorhop von hier aus ist. Dann antwortet er knapp:

"Es sind etwa 1800 Meilen bis dahin, das macht für die Gemeinschaftskabine 72 Silber... also sagen wir sieben Dukaten."

Mehr sagt der Offizier nicht, sondern sieht den neuen Fahrgast nur fragend an.



Eigentlich hatte er sich die Überfahrt nach Chorhop ja schon günstiger vorgestellt. Und für einen kurzen Augenblick überlegte Fargus gar, ob er vielleicht mit diesem Seemann verhandeln sollte. Doch schließlich besann er sich darauf, daß er bisher auf seinem Wege hierher keine großen Erfolge beim Feilschen erzielen konnte und schließlich hatte er ja noch ein paar Dukaten in Reserve.

"Ich bin einverstanden, mein Herr, zeigt Ihr mir nun meine Unterkunft?"

Dabei zupft der Druide, anscheinend doch etwas nervös, an seinem weißen Schnurrbart.



Lowanger hat mit nichts anderem als Einverständnis gerechnet, denn schließlich sind die Fahrpreise auf der NORDSTERN wirklich annehmbar für jeden und angesichts der Fahrstrecken und des Umstandes, daß die Verpflegung enthalten ist, auch wirklich günstig.

Er runzelt beim Wunsch, die Kabine zeigen zu sollen, ein wenig die Stirn, denn schließlich ist das Sache der Matrosen. Andererseits... er ist seit dem frühen Morgen auf den Beinen, hat sich viele Sorgen gemacht, mußte etliches organisieren, und unten in der Kabine wartet immer noch jede Menge Arbeit schriftlicher Art, die fertig gestellt werden muß.

"Ja, das tue ich gleich - ich muß ohnehin nach unten. Einen kleinen Moment bitte."

Wulf Lowanger wendet sich nach achtern und blickt zum Brückendeck empor, wo der Kapitän anscheinend gerade in ein lose scheinendes Gespräch mit Aleara verwickelt ist. Er zögert kurz, doch da bemerkt er, daß Jergan seinen Blick schon bemerkt hat.

"Herr Kapitän, braucht Ihr mich hier noch? Wenn nicht - dann mache ich mit den Büchern weiter."



Fargus bemerkt, daß sich der Seemann doch etwas wundert über sein Begehr, um so mehr freut er sich, endlich einen großen schritt weiter auf dem Weg zu seinem Reiseziel getan zu haben. Die Reise über Land wäre doch viel zu strapaziös und langwierig gewesen. Jetzt aber geht es endlich los.

'Na, da bin ich ja mal gespannt, wem ich hier so alles begegnen werde'.



Jergan und Aleara


Jergans Aufmerksamkeit wird kurz von der Matrosin weggelenkt, weil Lowanger zu ihm emporblickt, den er sogleich zum Sprechen ermuntert.

"Kein Problem, macht das!" antwortet der Kapitän, während er daran denkt, daß Lowanger eigentlich eine Pause verdient hat, ebenso wie Nirka, die beide in der Zeit, als Fiana und er nicht auf dem Schiff waren, alles gut unter Kontrolle hatten.

Er will dem Offizier entsprechendes noch sagen, doch da antwortet ihm Aleara, was seine Stimmung sofort stark sinken läßt.

'Was ist mit der Frau los? Ist es wieder in sie gefahren? So redet man nicht mit seinem Kapitän... und den duzt man auch nicht!'

Er atmet jedoch tief ein, und wieder aus, ehe er etwas sagt. Er ist nicht impulsiv, war das noch nie, und möchte es auch nicht sein. Und so wird es auch kein Donnerwetter, sondern ein noch recht höflich klingender Befehl.

"Halt, Aleara! Das erklärst du bitte!"

Sein Blick verrät deutlich, daß er da keinen Widerspruch duldet.



Mitten in der Drehung stoppt Aleara ihre Bewegung und sieht den Kapitän an. In ihren Augen blitzt es einen verdächtig, aber dann macht sich wieder der Ausdruck der Verzweiflung breit, den man in den letzten Tagen häufig bei ihr beobachten konnte.

"Das ist es ja gerade - man kann es nicht erklären. Es ist einfach so!"

Deutlich ist ihr anzumerken, wie ernst sie ihre eigenen Worte nimmt, das ist nicht nur so dahin gesagt. Bittend, beinahe flehend sieht sie Jergan fest in die Augen.



Jergan runzelt bei Alearas Worten die Stirn und ist sehr versucht, jetzt und hier weiter zu bohren und dem Problem auf den Grund zu gehen. Doch... dieser Tag war schwer genug, und die Furcht, Fehler zu machen, meldet sich wieder einmal unterschwellig zu Wort.

"Gut. Aber sei dir sicher, daß wir darüber noch weiter reden werden. Das wohl."

In einem etwas wärmeren Tonfall fügt er hinzu:

"Vielleicht solltest du dich ablenken, etwas machen. Oder... rede doch weiter mit Ole darüber - er wird dir besser helfen können als alle anderen auf diesem Schiff."

Jergan tritt nach diesen Worten ein Stück in Richtung Steuer, um deutlich zu machen, daß das Gespräch für ihn an dieser Stelle beendet ist.



Deutlich ist Aleara die Erleichterung anzumerken, als sie Jergans Worte vernimmt. Dankbar nickt sie;

"Ole...ja, ich werde mit ihm sprechen, gleich"

Ohne ein weiteres Wort verläßt sie langsam das Brückendeck



Aufmerksam mustert Aleara das Geschehen auf der NORDSTERN und dem Kai während sie zum Bug geht. Vielerlei Gedanken beschäftigen sie...

Was ist bloß los, mit ihr, mit Jergan, und überhaupt?



Lowanger und Fargus, der Druide


Lowanger erwidert die Erlaubnis des Kapitäns mit einem Nicken, dann wendet er sich wieder Fargus zu.

"Folgt mir einfach", sagt er, und geht dann in Richtung des in der Nähe des Heckaufbaus gelegenen Niedergangs los und diesen auch hinunter. Erst unten, auf dem Gang, der zu den Kabinen der Offiziere und Passagiere führt, bleibt er stehen und dreht sich um, um zu sehen, ob Fargus ihm folgt, und ob dieser Fragen zum Schiff oder ähnlichen Dingen hat.



"Sagt, wann werden wir denn ablegen? Und die Frage, die mich noch mehr interessiert, was schätzt Ihr, werden wir in Chorhop ankommen."

Fargus hat in seinem gesamten bisherigen Leben noch nie an einer Seereise teilgenommen, ehrlich gesagt, ist er wohl auch noch nicht sehr weit in der Welt herumgekommen. Daher sind seine Vorstellungen, was Entfernungen und Reisezeiten anbelangt, wohl auch noch nicht sehr realistisch.



Lowanger, der gerade auf die Tür der Gemeinschaftskabine zeigen wollte, hält mitten in der Bewegung inne, und antwortet dann nach einem kaum zu spürenden Zögern:

"Ablegen werden wir morgen früh, gleich mit dem Sonnenaufgang. Und die Länge der Reise... das ist eine sehr schwere Frage. Wißt Ihr, dieses Schiff ist sehr dem Willen des Efferd ausgeliefert, und der ist mir natürlich unbekannt. Es hängt vom Wind ab, von der Strömung, und noch von weiteren Dingen, wie lange wir unterwegs sein werden."

Der Offizier überlegt noch einmal, und fügt dann hinzu:

"Aber, um Euch einen Anhaltspunkt zu geben: Wir haben von Riva bis hierher vierundzwanzig Tage gebraucht, und diese Strecke ist mit der vergleichbar, die zwischen hier und Chorhop liegt. Aber rechnet damit nicht zu fest, denn auf dieser Strecke liegen mehr Häfen als auf der, die hinter uns liegt, so daß es vermutlich länger dauern wird."

Abschließend dreht er sich nun doch zu der Tür um.

"Das da ist die Gemeinschaftskabine. Nehmt einfach eine freie Koje. Wenn Ihr mich noch braucht... ich werde mich jetzt in meine Kabine zurückziehen."

Mit diesen Worten geht Lowanger in Richtung der Tür zu seiner Kabine los, die der der Gemeinschaftskabine halbwegs gegenüber liegt.



"Vielen Dank für Ihre Hilfe, verehrter Herr, dann werde ich mal mein Quartier beziehen. Sicher wird sich eines Tages noch mal Zeit für ein Gespräch ergeben."

Mit diesen Worten verschwindet der Druide sogleich in der Gemeinschaftskabine. Als Fargus die Tür hinter sich schließt, pustet er erstmal tief durch - ein wichtiger Schritt auf seiner beschwerlichen Reise ist getan.



"Das denke ich auch", erwidert der Offizier dem Druiden, und schließt dann die Tür seiner Kabine auf, in der er dann verschwindet.

Ein müder, fast sehnsuchtsvoller Blick trifft die Koje, doch er schüttelt kurz den Kopf, und nimmt dann auf dem Stuhl vor dem kleinen, aber sehr aufgeräumten Tisch Platz. Schnell werden Papier und Feder aus einer der Schubladen auf die Tischplatte befördert, und er vertieft sich in die Arbeit, die noch zu erledigen ist, einfach, weil sie in den letzten Tagen zwangsläufig liegengeblieben ist.




Garulf und Sigrun


Garulf folgt der Matrosin auf das Unterdeck. Aufmerksam folgt er auch ihren Ausführungen über die einzelnen Räume.

´Die Kombüse mittschiffs steuerbord auf dem ersten Unterdeck, genau wie auf der letzten Karavelle.´

Dasz die Messe der Kombüse direkt gegenüber liegt findet Garulf höchst erfreulich, das erspart einiges an Weg. In seiner Kabine angekommen, begutachtet er einmal mehr Konstruktion und Zustand des Schiffes. Zufrieden mit dem Ergebnis, läszt er seinen Seesack zu Boden sinken und sagt, halb zu Sigrun halb zu sich selbst:

"Ein Schiff von gutem Holze, eine eigene Kabine und das Meer bleibt da wo es hingehört," dann ganz an Sigrun gewand:

"Auf meiner letzten Fahrt, auf der ´Pfeil von Nostria´ da war das alles andere als selbstverständlich, der alte Zuber war dermaszen morsch, dasz wir bei Seegang mehr Leute zum Wasserschöpfen als auf den Rahen brauchten."

Der Smutje will sich schon zur Kombüse begeben, da fällt ihm noch etwas ein:

"Sigrun, zeig mir doch bitte noch wo hier der Laderaum für die Vorräte ist oder wollt ihr mit warmen Salzwasser vorliebnehmen?"

Der letzte Satzteil wird von einem Lachen begleitet.



"Ein bißchen was Handfesteres als Salzwasser wäre schon nicht zu verachten", erwidert Sigrun ebenfalls lachend. "Hm, ich weiß aber gar nicht so genau ... wir haben im Moment recht viel Ladung, aber ich glaube, die Vorratskisten sind unten, auf dem Ladedeck. Ich weiß auch nicht, ob Sören überhaupt für Nachschub gesorgt hat, das wäre wirklich eine Überprüfung wert."

Die letzten Worte waren leise gesprochen, fast in Gedanken. Aber bei Sörens doch sehr zweifelhafter Arbeitseinstellung wäre es wirklich kein Wunder, wenn sich herausstellen sollte, daß er das Schiff einfach verlassen hat, ohne die Vorräte aufzufrischen. Und das könnte wirklich fatale Folgen haben.

Sigrun geht bereits wieder voran, ihr Ziel ist jetzt das Ladedeck.



Die Matrosin sagt etwas vom Ladedeck, dann folgt ein leiser werdender Satz, der besagt, dasz die Vorräte noch einmal überprüft werden sollten, offenbar war Garulfs Vorgänge wirklich nicht sonderlich Travia gesegnet, von Efferd war er es ja ohnehin nicht. Doch noch bevor sich der neue Smutje Gedanken über seinen unfähigen Vorgänger machen kann, setzt sich Sigrun auch schon erneut in Bewegung, wahrscheinlich zum Vorratsraum. Garulf folgt ihr durch die Gänge der NORDSTERN, dabei blickt er sich gründlich um, zum einen um das Schiff kennenzulernen, zum anderen um sich noch einmal von der soliden Konstruktion und dem guten Zustand der Karavelle zu überzeugen.



Sigrun geht weiter voran und zeigt Garulf zunächst den oberen Laderaum.. Anschließend deutet sie auf den Niedergang zum Ladedeck.

"Da unten sind noch mehr Laderäume, wie es da aber mit Vorräten aussieht, kann ich nicht sagen. Das siehst du dir am besten selbst an."

Und dann mit einem Grinsen:

"Aber achte darauf, welche Kisten du öffnest. Da stehen auch die Kisten von der 'netten Dame' aus der Suite. Die sind aber gut zu erkennen. Die Vorratskisten sehen so aus wie diese hier."

Damit zeigt sie auf einen kleinen Reststapel mittelgroßer einfacher Kisten und Fässer, die mit dem Schriftzug NORDSTERN versehen sind.



Garulf blickt auf den doch recht kleinen Stapel an Vorratskisten.

"Viel ist das ja wirklich nicht mehr," sagt er mehr zu sich selbst, während er abschätzt wie grosz der Nahrungsmittelbedarf für Mannschaft, Offiziere und Passagiere wohl sein wird. Als er zu dem Schlusz kommt, dasz die vorhandenen Vorräte nur noch für einige Tage reichen werden, sagt er diesmal wieder an Sigrun gewand:

"Weiszt du welchen Hafen wir als nächstes anlaufen?"

Andererseits ist ihm aber schon klar, dasz er noch einmal mit dem Kapitän reden musz, denn wenn spätestens in Salza müssen die Vorräte aufgefüllt werden.



Alrik's 'Werke'


Das mit der Kochskabine ging erfreulicher Weise doch schneller als geplant. Dennoch hat es seine Zeit gedauert. So hat ALRIK auch gerade erst die ganzen Putzutensilien zusammengeräumt und weggepackt, als er aus einiger Entfernung auf dem Unterdeck mitbekommt, wie Sigrun in Begleitung eines fremden älteren Seemanns eine Schiffsführung macht. Aus den Wortfetzen, die ALRIK aufschnappen kann, reimt sich der Junge gleich zusammen, daß es sich hierbei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur um den neuen Schiffskoch handeln kann. Efferd sei's gedankt - jetzt kann es nur besser werden.

Zufrieden stapft ALRIK den vorderen Aufgang empor, um den letzten Eimer mit Dreckwasser oben zu entleeren. Auf dem Oberdeck angekommen, marschiert er direkt zu der meerseitigen Reling und kippt die bräunliche und stinkende Brühe schwungvoll über Bord.

"So! Schluß für heute", nimmt sich der Junge dabei fest vor.



Tavernensuche


Xenia folgt Wasuren eine Zeit lang schweigend, immer noch über den merkwürdigen Fahrgast nachgrübelnd. Irgendwann fällt ihr aber doch auf, wie zielstrebig und in Gedanken vertieft Wasuren daherläuft.

"Äh... hast du ein bestimmtes Ziel? Wir sind doch schon an einigen Kneipen vorbeigekommen, und ich habe wirklich Hunger langsam..."

Fragend schaut sie ihn an.



"Und nun raus mit dir!"

Die Tür der kleinen Taverne knallt donnernd zu, und der kräftige Mann, der von noch kräftigeren Händen hinaus geschubst wurde, muß einige Schritte machen, um nicht zu stolpern. Diese Schritte wirken allerdings nicht so, als sei der übermäßige Genuß von alkoholischen Getränken der Grund dafür, daß man den Mann hinaus befördert hat, denn er schwankt dabei nicht im geringsten.

Der Mann - der Kleidung nach ganz sicher ein Matrose thorwaler Herkunft von schätzungsweise achtundzwanzig Götterläufen, kräftiger Statur und sicher nicht weniger als zwei Schritt Größe - bleibt auf der kleinen Gasse stehen und schüttelt den Kopf, während er recht laut seinem Unmut Luft verschafft:

"So etwas unhöfliches aber auch... einen ehrenhaften Seemann einfach rauszuwerfen! Da gehe ich nie wieder hin, das wohl!"

Er sieht sich um, wobei sein im schwächer werdenden Licht des beginnendes Abends nicht sehr gut zu sehendes Gesicht eine Mischung aus Enttäuschung, Wut, einer kleinen Spur Trauer und auch Sehnsucht zeigt. Doch dann fällt sein suchender Blick auf zwei andere Matrosen - eine Frau und einen Mann, die da die Gasse hinunter kommen. Dem Matrosen entgeht nicht, daß der Mann, der anscheinend den Weg bestimmt, sich nicht so ganz auszukennen scheint, und so zögert er nicht mehr länger, sondern tritt auf die Mitte der Gasse und den beiden quasi mitten in den Weg - vielleicht bringt ihm dieser Abend wenigstens noch die Bekanntschaft netter Leute, auch wenn er so total mies mit einem Tavernen-Rauswurf begonnen hat.

"Swafnir zum Grusse, ihr Seeleute! Kann ich euch bei der Suche helfen, oder sucht ihr einfach auch nur die nächstbeste Taverne?"

Er ist sich dabei sehr sicher, von der, aus der er gerade geworfen wurde, ganz strikt abzuraten.



"Hmm, nö. Ein bestimmtes Ziel hatte ich eigentlich nicht. Dann laß es uns doch mal mit der Tavern ... " antwortet Wasuren Xenia, der gerade wohl nicht sonderlich zu ein Abendspaziergang zu Mute ist.

Als nur wenige Schritt vor ihnen ein stämmiger Matrose aus der Taverne geschmissen wird. Der etwa 28 Götterläufe alte Mann thorwalischer Herkunft, tobt sich ein wenig aus und spricht Xenia und Wasuren an, so das dieser seinen Satz mitten drin verklingen läßt.

"Swafnir zum Gruße!" erwidert Wasuren höflich, sichtlich erleichtert über die kleine Ablenkung.

"Na ja wir suchen ne .." er grinst etwas verlegen zu Xenia hinüber " .. nette Taverne, wo´s was Anständiges zu essen gibt."



"Eine nette Taverne?" erwidert der Matrose, "... da seid ihr in dieser Gasse auf jeden Fall verkehrt. Habt ihr denn ein bestimmtes Haus im Sinn, oder ist das vollkommen egal?"

Er scheint in Gedanken bei diesen Worten schon eine vermutlich nicht sehr kurze Liste diverser passender Örtlichkeiten durchzugehen, während seine Augen die beiden Matrosen der NORDSTERN aufmerksam mustern.



"Efferd zum Gruße!" erwidert auch Xenia den Gruß. Dann nickt bekräftigend.

"Genau, so ist es."

Sie mustert den Thorwaler mit einer Mischung aus Neugier und Vorsicht.

'Seltsam... er sieht nicht betrunken aus - aber man hat ihn trotzdem offensichtlich herausgeworfen.'

Ihre Augen suchen nach Hinweisen auf eine Schlägerei, doch dann fällt ihr auf, daß es unhöflich ist, den Mann so unverholen zu mustern und sie grinst verlegen.

"Äh... Ihr könnt uns gerne helfen - kennt Ihr euch hier aus?"

Auch, wenn sie sich in den Jahren, die sie nun schon auf See ist, mittlerweile daran gewöhnt hat, daß Thorwaler sich grundsätzlich duzen, hat sie selbst diesen Brauch nicht übernommen, zumal ihre Erziehung in eine gänzlich andere Richtung ging.



Der Matrose blickt von dem Matrosen zu der Matrosin, und antwortet dieser dann:

"Ja, ich kenne mich hier aus - schließlich versuche ich schon seit Wochen, wieder eine Heuer zu finden. Da bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als all die Hafentavernen kennenzulernen."

Ein klein wenig Trauer klingt in seinen Worten mit, aber auch eine gewisse Erwartung.



Xenia sieht den Matrosen immer noch prüfend an.

'Ob es hier so schwer ist, eine zu finden - bei dem Betrieb am Hafen?'

"Warum versucht Ihr es nicht auf der NORDSTERN - dort wird gerade die Mannschaft etwas... aufgestockt."

Sie nickt bekräftigend zu ihren Worten.



Der Matrose wird sofort hellhörig.

"NORDSTERN? Sucht man da Matrosen? Einfach so?"

Eine kaum unterdrückte Neugierde liegt in den Worten des Mannes - eine Neugierde, der auch der Drang anzumerken ist, diese Information zu benutzen.



"Ja auf unserem Schiff suchen sie noch Matrosen und wenn du mit uns mitkommst können wir dich gleich mitnehmen, wenn wir wieder aufs Schiff gehn. Aber jetzt wolln wir noch was von unserem Landgang haben, da wir wahrscheinlich morgen auslaufen werden. Zeigste uns die nächstbeste Taverne hier? Mein Magen braucht nämlich nen richtiges Futter und nen vollen Humpen Bier."

Mit diesen Worten klopft er dem Torwaler freundschaftlich auf die Schulter und drängt ihn zum weiter gehn.



Wasurens Worte rufen ein erfreutes Nicken bei dem Matrosen hervor.

"Das ist eine prima Idee! Und ihr seid euch sicher, daß sie mich nehmen werden?"

Er läßt keinem der beiden viel Zeit, um darauf zu antworten, sondern sagt fast im gleichem Atemzug:

"Ich heiße übrigens Angar... das sollte ich euch vielleicht sagen, ehe wir zusammen einen trinken gehen. Und... die nächste Taverne ist gleich um die Ecke."

Auch er schickt sich an, loszugehen - nicht, ohne Wasuren vorher nicht ebenso freundlich auf die Schulter zu klopfen.



Xenia folgt den beiden Matrosen.

'Vielleicht bekomme ich jetzt endlich etwas in den Magen..'



Wasuren und Angar trotten gemeinsam um die nächste Ecke und als sie die dortige Taverne betreten, meint Wasuren noch zu Angar:

"Und ich heiße Wasuren. Na denn, laß uns mal anstoßen."

Wasuren wartet noch einen Augenblick und hält der nachfolgenden Xenia noch die Türe auf. Im Schankraum angekommen bestellt er erst einmal drei Bier und zweimal eine deftige Malzeit. Und so plaudern sie ein wenig und trinken bis in den Abend. Wobei Wasuren gut darauf acht nimmt, daß er keinen Schluck über den Durst trink, denn er möchte nicht noch einmal erleben, was das für Folgen haben kann.



Gerne läßt sich Angar von Wasuren einladen. Angar entpuppt sich als ein interessierter Zuhörer mit dem es sich auch gut trinken läßt. So vergeht die Zeit wie im Fluge und als es schließlich Zeit ist aufzubrechen, schließt sich Angar den beiden anderen gerne an.

Bedauerlich hingegen ist, daß Angar nicht mehr genug Münzen hat, um sein Essen und die zwei Runden Bier, die er bestellte, zu bezahlen. Mit hochrotem Kopf und vielfachen Entschuldigungen bittet er seine freundlichen Begleiter, die fehlenden Silberlinge auszulegen, um den schon leicht gereizt wirkenden Wirt wieder versöhnlich zu stimmen.



Xenia seufzt.

"Na schön... ich kann dir das Geld borgen. Wenn du auf der NORDSTERN in die Mannschaft aufgenommen wirst, kannst du es mir ja zurückgeben, wenn du deinen ersten Lohn bekommst."

An den Wirt gewandt fährt sie fort:

"Ich zahle für Angar mit."

Sie kramt ihren Geldbeutel heraus und gibt dem Wirt die Summe, die nötig ist, um sowohl ihr eigenes als auch das Verspeiste Angbar's zu bezahlen, nebst einem kleinen Trinkgeld.

"Gut, dann laßt uns zur Nordstern aufbrechen."

'Irgendwie freue ich mich zwar jedesmal auf die Hafenaufenthalte, aber wenn sie dann vorbei sind, ist es noch viel schöner, endlich wieder auf See zu kommen!'

Vor allem auf die neuen Reisegäste ist Xenia sehr gespannt. Es ist doch wirklich seltsam, was für verrückte, seltsame oder einfach nur interessante Menschen man zwischen den Häfen immer so kennenlernt.



"Vielen Dank", erwidert Angar. "Ich lade dich dann im nächsten Hafen als Dank ein, ja?"

Der Wirt kassiert das Geld ohne weitere Kommentare, selbst ohne Worte des Dankes für das Trinkgeld, und geht dann gleich wieder zur Theke zurück, um die Wünsche der anderen Gäste zu erfüllen.

"Dann laßt uns zu eurem Schiff gehen", sagt der Matrose im Aufstehen.



Raschid auf dem Weg


Inzwischen haben sich die Straßen in Thorwal geleert und Raschid schafft es recht schnell den Lageplatz der Nordstern ausfindig zu machen.

Mit ängstlicher Mine bemerkt er, daß nicht weit, um genau zu sein nur zwei Lageplätze von der Nordstern entfernt, eines der thorwalschen Drachenboote vor Anker liegt. An der Ecke eines Hause, von dem aus man die Nordstern beobachten kann, bleibt er einen kurzen Augenblick stehen. Im Schutze des Schattens öffnet er seine linke Hand, die er die ganze Zeit zu einer Faust geballt hatte.

Eine Mischung aus Angst und Erleichtert zeigt sich auf Raschid's Gesicht, als er noch eimal die zwei spitzen, daumengroße Holzstücke betrachtet. Mit einem kurzen Blick in Richtung des Drachenbootes läuft Raschid zu der Planke der NORDSTERN.



Sicher überquert Raschid die Planke, die die Nordstern mit dem Festland verbindet. Etwas unschlüssig, wohin er jetzt zu gehen hat, schaut er sich auf dem Oberdeck um. Es sieht doch um einiges anders aus, als die Schiffe auf denen er bisher angeheuert hat. Es ist größer und vielleicht auch schneller, aber mit der Schönheit und den kunstvollen Verzierungen der Khunchomer Handelsschiffe kann es die Nordstern nicht aufnehmen. Es scheint wirklich nur gebaut worden zu sein, seine Besatzung von einem Punkt zum anderen zu bringen.

Kein Zeichen des Prunkes oder zur Schaustellung von Reichtum kann Raschid auf dem Oberdeck ausmachen. Aber auch dieses Schiff wird ihn früher oder später an sein Ziel bringen.

Suchend schaut er sich auf dem Oberdeck nach einem Ansprechpartner um.



Jergan blickt suchend über das Brücken- und dann das Oberdeck, und überlegt gerade, ob er ebenfalls in seine Kabine gehen soll, um die abendliche Beratung der Schiffsführung vorzubereiten, als er einen Mann erblickt, der gerade das Schiff über die Planke betritt und sich dann suchend umschaut.

Der Kapitän tritt nahe an die vordere Reling des Brückendecks heran, und ruft dann hinunter:

"Kann ich behilflich sein?"

Er ist sich dabei noch nicht so ganz sicher, ob es sich bei diesem Mann eher um einen potentiellen Fahrgast handelt, oder um jemanden, der auf der Suche nach Arbeit ist.



Raschid schrickt ein wenig zusammen, als er durch das Rufen aus seinen Gedanken gerissen wird. Schnell besinnt er sich aber seines Grundes, warum er auf das Schiff gekommen ist und antwortet Jergan.

"Nirka schickt mich. Ich soll mich bei dem Kapitän der Nordstern melden. Könnt ihr mir da weiterhelfen?"



Jergan tritt noch weiter vor, und ruft zurück:

"Ich bin der Kapitän der NORDSTERN! Wollt Ihr hier anheuern?"

Etwas anderes kann das Anliegen des Mannes eigentlich kaum noch sein, wenn Nirka ihn schickt, und er nach dem Kapitän fragt.



"Oh, ich bitte um Entschuldigung, daß ich euch nicht erkannt habe."

Raschid wird sichtlich rot, als er bemerkt, das der Kapitän direkt vor ihm steht.

"Mein Name ist Raschid ibn Marwahn. Ich habe bereits mit Nirka gesprochen, und wie sie mir sagte, sucht ihr Matrosen."

Nach einer kurzen Pause, in der Raschid wohl keine Aussage des Kapitäns erwartet, redet er weiter.

"Ich habe das Handwerk des Matrosen gelernt und würde gerne mit euch gen Süden fahren. "

Wieder einmal wartet Raschid auf eine Reaktion. Er weiß sehr wohl, daß den Kapitänen langfristige Heuern lieber sind, aber er vertraut auf sein Glück. Schließlich hat ihm Nirka die Heuer zugesagt, warum sollte der Kapitän ihr Urteil in Frage stellen.



Der Kapitän redet ungern von der Höhe der Brücke herab mit jemanden, der auf dem Oberdeck steht, doch er geht auch nicht hinunter, wenn der Gesprächspartner die Möglichkeit hat, nach oben zu kommen.

"Ja, wir suchen Matrosen, das ist korrekt. Und wir fahren in den Süden - nach Brabak, und dann wieder nach Norden bis Riva. Das ist unsere übliche Route seit Jahren."

Er sieht den Mann weiterhin an, und schätzt ihn kurz ab. Nirka hat ihn sicher schon alles wesentliche gefragt, dennoch fragt er:

"Du kannst also gerne bei uns anheuern. Meine Bootsfrau hat dir schon erzählt wieviel Heuer wir bezahlen?"

Er wechselt bei diesem Satz bewusst auf das "du", denn als Kapitän redet man nun mal die Matrosen so an.



Rückkehr der 'feinen' Dame


Alle Passanten der Straßen gehen gerne zur Seite und bilden eine Gasse, auf daß die kräftige Dame guten Durchlaß finden möge, ohne anecken zu müssen. Dabei geht sie weder forsch noch fordernd, dafür aber in einer selbstverständlichen Bestimmtheit, Schritt für Schritt vor sich hin, wie ein Gletscher, der eine nahende Eiszeit verkünden will.

Satt und zufrieden sieht sie aus, doch ahnt man ihre Gefährlichkeit, sollte sich Unmut vor ihre Stirn, wie eine Gewitterwolke vor die strahlende Praiosscheibe schieben. Sie trägt ein Bündel unter dem Arm und von diesem Gepäckstück gehen wahrlich hervorragendste Gerüche aus.

Reckindes Zorn würde wahrlich jeden treffen, der sie jetzt, im Zeichen frohlockenden Genusses, stören würde. Endlich hat sie etwas zu essen für sich ergattern können. Viel von dem gebratenen Vogel, den sie unter dem Arm trägt, hat sich auf dem Weg von der Taverne zum Schiff nicht halten können, zu groß war die Lust zum Naschen gewesen unterwegs.

Als sie die Planke zur NORDSTERN begeht, zieht sie sich genießerisch ein abgenagtes Geflügelbein stattlicher Größe aus dem Mund und überantwortet den kahlen Knochen mit einer gönnerischen Geste den Wellen des Thorwaler Hafenbeckens.

"Gib es etwas Neues?" fragt sie belanglos vor sich hin, ohne jemanden Besonderes an Bord ansprechen zu wollen.



Darian kehrt zurück


Einige Zeit später verlaeszt Darian den Markt. Im groszen und ganzen ist er zufrieden, hatte er doch nicht ernsthaft erwartet eines der bedeutenderen arkanen Werke erwerben zu können. Schlieszlich ist dies nur ein ganz normaler Marktstand und die Thorwaler stehen der Magie seit jeher skeptisch gegenüber. Immerhin zwei Schriftstücke, die ihn zwar weniger als Magier, dafür als HESindegläubigen interessieren, haben den Besitze gewechselt.

Der Adeptus beschlieszt auf die NORDSTERN zurück zu kehren, der Tag ist schon etwas weiter vorangeschritten und etwas zu essen könnte auch nicht schaden. Also begibt er sich zum Hafen und dort auf direktem Wege zur NORDSTERN. Auf dem Oberdeck angekommen sieht er sich kurz um, bei den Ereignissen der letzten Tage weisz man ja nie... .

Als er aber feststellt, dasz alles in Ordnung ist - zumindest ist der Mann auf der Brücke Jergan Efferdstreu - will er doch erst einmal seine Kabine aufsuchen und geht in Richtung Niedergang.



Der Adeptus steigt den Niedergang hinab und begibt sich zu seiner Kabine. Er schlieszt die Kabinentür hinter sich, anschlieszend setzt er sich auf seine Koje und beginnt in einem seiner neu erworbenen Bücher zu lesen.



Joanna kehrt zurück


Joanna und Hirkan verlassen den Hafen und suchen erst einmal die größeren Straßen nach einem geeigneten Zimmer für Hirkan ab. Glücklicherweise kann Hirkan auf der linken Straßenseite ein dementsprechendes Schild entdecken und bleibt stehen. Die Gedanken der Druidin sind mittlerweilen schon ganz woanders und sie sieht sich die vorübergehenden Leute an. So bemerkt sie nicht, daß Hirkan stehen geblieben ist und stolpert fast über ihn. Verlegen lächelt Joanna ihn an und sucht nach einem Grund warum er nicht weitergeht.

"Ich denke wir haben gefunden, wonach wir gesucht haben."

Erklärt ihr Hirkan und deutet auf das Schild hin. Nachdem nun doch ziemlich schnell zu einem Zimmer gekommen ist und seine Koffer untergebracht hat, können sie sich endlich etwas in der Stadt umsehen. Als sie sich wieder vom Marktplatz abwenden wollen, kommt Joanna ein Gedanke in den Sinn.

'Wann muß ich eigentlich wieder am Schiff sein?'

Angst steigt in ihr auf, daß sie das Schiff verpassen könnte und den eigentlichen Zweck ihrer Reise nicht erfüllen könnte. Ihre Angst wird noch größer, als sie daran denken muß, daß sie einfach auf ihren Mentor vergessen konnte.

'Osin. Ab jetzt werde ich mich nur noch darauf konzentrieren.'

"Äh,... Ich denke ich muß jetzt gehen, falls ich das Schiff noch erreichen will. Hoffentlich finde ich überhaupt zum Hafen zurück."

Bei den letzten Worten muß sie lächeln. Hirkan will Joanna den Weg zurück zeigen, doch die Druidin lehnt ab, und so trennen sich ihr Wege. Hirkan geht zurück zu seinem Zimmer während Joanna versucht, den Hafen zu finden, was ihr auch zu ihrem Glück bald gelingt. Die Druidin betritt wieder das Schiff und geht zielstrebig in die Gemeinschaftskabine zurück. Als sie beim Eintreten die neuen Passagiere bemerkt, grüßt sie diese freundlich und begibt sich zu ihrer Koje.



Lola's Zimmer


Der Weg aus der Taverne war nicht einfach. Doch nachdem Radisars Hinterkopf den Gong der Ollen Bottel erklingen ließ und der arme Diener so hilflos und benommen zu Boden gesunken war, brachte sie es einfach nicht übers Herz, ihn dort verloren im Getümmel liegen zu lassen. Für den Korb hingegen kam jede Rettung zu spät. Kurz nach Radisar prallte er auf dem Boden auf, fiel zur Seite und sein Inhalt klatschte und kullerte kreuz und quer über den dreckigen Tavernenboden. Kurzfristig sorgte eine Schlacht mit einigen halbwegs erhaltenen, sowie klebrig-saftigen Zuckerküchlein für willkommene Abwechslung. Doch auch diese Wurfgeschosse waren schnell aufgebraucht.

Doch Lolas Beschützerinstinkte waren geweckt und so nahm sie den benommenen Radisar mit sich, obwohl es sich bei ihm um alles andere als um ein zartes Reh handelte. Wie ein nasser Mehlsack hing er in ihren Armen und der Heimweg war somit teilweise recht beschwerlich.

Nun sitzt Lola an dem Kopfende ihres Bettes, in das sie den ohnmächtigen Radisar gelegt hat. Sein Kopf ruht in ihrem Schoß, während sie ihm mit einem nassen Leinentuch die beachtliche Beule am Hinterkopf kühlt. Es ist ein karges und ärmliches Zimmer, in das Lola den armen Diener gebracht hat. Die Läden des kleinen Fensters sind längst geschlossen, draußen ist es bereits dunkel. Auf einem Tisch an der Fensterseite des Raumes steht eine alte Öllampe und verbreitet ihr spärliches Licht.

"Pausbäckchen... aufwachen..."

Wenn er doch endlich die Augen aufschlagen würde! So langsam macht sich die dralle Thorwalerin ersthafte Sorgen, ob es nicht ein Fehler war, den kleinen Diener aufzugabeln und mitzunehmen. Er sieht so schwach und hilflos aus. Was wäre, wenn er jetzt an den Folgen des Schlages.... als Fremder hat er bestimmt nicht annähernd so einen Dickschädel, wie ein Einheimischer. Nicht auszudenken! Und wie sollte sie das erklären? Und wohin dann bloß mit der Leiche? Lola seufzt und tupft weiterhin die dicke Beule mit dem kühlen Lappen ab.

"Dickerchen... sag doch was...."



Es ist kein Zweifel möglich, das muß der Abgesang gewesen sein und das Rauschen in seinen Ohren verkündet, mit Sicherheit, das rasche Nahen Golgari's, dessen Schwingen ihn schon bald über das Nirgendmeer tragen werden.

Diesen Schlag kann er nicht überlebt haben, bestimmt ist er tot und gestorben. Wäre da nur nicht dieser seltsame und erschreckende Traum. Radisar hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine klaren Vorstellung darüber entwickelt, wie wohl das Jenseits für ihn aussehen würde und wo er nach seinem Ableben eine ewige Bleibe finden könnte, aber ein klein wenig Komfort hätte er sich in diesem Zusammenhang schon gewünscht.

Ganz sicher hatte er nicht erwartet, sich plötzlich in einer haushohen Flasche eingesperrt zu finden, kein Eingang, kein Ausgang zu sehen. Von oben tropft ihm eine ätzende Flüssigkeit auf den Kopf, die er nach langem Überlegen als jenes Getränk erkennt, daß er in der 'Ollen Bottel' im Übermaß in sich hinein geschüttet hatte und das ihm hier langsam den Schädel und die Schultern verbrennen würde, würde nicht hin und wieder ein blonde Fee erscheinen und ihm kühlende Tücher auf die Stirn drücken.

Außerhalb der Flasche, Radisar kann es durch das dicke Glas nur undeutlich erkennen, balgen sich zwei gräßlich anzusehenden Dämonen um einen Gegenstand, der wie ein Korb mit Nahrungsmittel aussieht und der in diesem Konflikt arg in Mitleidenschaft gezogen wird. Eine Stimme ertönt.

"Feuer, Feuer ... !" schreit da jemand, doch der Rufer erntet nur johlendes Gelächter.

Da wird der kleine Diener wieder von einem kürbisgroßen Tropfen dieser schrecklichen Flüssigkeit getroffen und er geht stöhnend in die Knie, die Schmerzen sind fast nicht mehr auszuhalten. Radisar beobachtet entsetzt, daß sich seine Haut blasig vom Körper löst und in zähflüssigen Klumpen zu Boden fällt. In der Geschwindigkeit in der dies geschieht würde es nur noch wenige Zeit dauern, bis er endgültig vergangen wäre, verbrannt in Ewigkeit.

Doch da taucht wieder die blonde Fee auf und mit wallendem Gewand schwebt sie zu Radisar herab. Sie blickt ihn sorgenvoll an und sie spricht mit ihm, doch kann er leider nicht verstehen was sie sagt. Immer wenn der Schleier ihres Umhangs eine Stelle seines Körpers berührt, fliehen die Schmerzen und das Fleisch festigt sich wieder.

Aber die Todesangst hat Radisar fest im Griff! So greift er nach seiner Fee, wie ein Ertrinkender nach der rettenden Hand, um sich gegen sein unvermeidbares Los aufzubäumen. Und die Fee breitet ihre Arme aus und Radisar beginnt zu schweben, höher und höher. Er merkt gar nicht, daß er sein gläsernes Gefängnis verläßt, so glücklich ist er in der Umarmung seiner Fee.

Dann wird er wieder schwerer und noch schwerer, er sinkt zu Boden, doch die Fee verläßt ihn nicht. Sein Kopf liegt in ihrem Schoß und seine Hand streichelt ihre wunderschönen Beine. Dann schlägt er die Augen auf und blickt in ihr Gesicht, Lola's Gesicht, und mit krächzender Stimme fragt er:

"Bist du meine gute Fee?"



Endlich ist der kleine Diener erwacht. Unendlich erleichtert und mit einem milden Lächeln auf den Lippen beugt sich Lola etwas zu Radisar hinunter. Ihr langes Haar, das ihr Gesicht umrahmt, faellt dabei vornüber und ist geradewegs lang genug, um Radisar damit an der Nasenspitze zu kitzeln.

Der Vergleich mit so einem überderischen Feenwesen schmeichelt der großen Blonden. Wer weiß, was der arme Diener vor Augen hatte, während sein Geist von derischen Dingen entrückt und seine Seele vielleicht schon den halben Weg über das Nirgendmeer angetreten war.

Sollte man auf ein erstes, zartes Lebenszeichen hin nicht abweisend antworten und wenn er in ihr halt eine gute Fee zu entdecken glaubt, nun, was kann daran schon schaden? Wenn es das ist, was den armen Diener am Leben hält, dann sollte man ihn besser in diesem Glauben bestärken.

Doch wie wird aus einem gestandenen thorwalschen Weibsbild, ein zartes überderisches Zauberwesen? Die Blonde erinnert sich an eine längst vergessene Mär, die ihr die alte Großmutter in Kindertagen erzählte und wendet sogleich das erste, das ihr zu Feenwesen einfällt an:

"So ist es, deine gute Fee, das bin ich. Und weil du so tapfer warst, hast du jetzt drei Wünsche frei....



Der kleine Diener scheint verwirrt, dennoch, seine Stimme ist hell und klar:

"Freiheit, Glück und Frieden wünsche ich mir!" antwortet Radisar hastig, unüberlegt und so schnell es ihm abverlangt wurde. Radisar räuspert sich ein wenig, dann kommt endlich wieder etwas mehr Linie in sein Denken.

'Wo bin ich überhaupt!' denkt sich Radisar verwundert, als ihm die Stille des Raumes auffällt, nachdem er bis vor wenigem Augenblicken noch das Bersten von Mobiliar, das Splittern von umherfliegenden Flaschen, sowie die erregten Schreie von kämpfenden Berserkern, triumphierende von den Siegern, lamentiernde von den Verlieren, hören mußte, eine Symphonie der Zerstörung, kurz bevor ein gewaltiger Gong das große Finale markierte. Doch nichts von alledem dringt nun noch an seine Ohr - es ist still hier.

'Ob ich tot bin?' fragt sich der kleine Diener mit aufkeimendem Entsetzen und reißt erschrocken die Augen auf, sollte er den ganzen Flug auf Golgaris Rücken verpaßt haben? Hat er Rethons Prüfung schon hinter sich? Wenn ja, dann muß also diese blonde Fee, die sich so liebevoll, über ihn beugt, eine Dienerin aus Rhajas Zelt sein, mutmaßt Radisar und die Aussicht auf ein Dasein in ewiger sinnlichen Freude läßt seine Lebensgeister wieder rührig werden.

Er kommt zu dem Schluß, daß es hier, in diesen überderischen Gefilden, überraschender Weise auch nicht anders empfindet, als noch in der dritten Sphäre, zu seine Lebzeiten also. Der Leib dieser Fee ist warm und weich und die Verlockungen, die ihm innewohnen sind nicht unbedeutend und ein sehr konkretes Zeichen für Lebendigkeit, vor allem für einen Mann, der glaubt, gerade eben gestorben zu sein.

Als ihn sein Gehirn langsam wieder mit realen Informationen versorgt, erkennt Radisar Lola's Gesichtszüge und da sich sein Geist noch nicht völlig wieder mit dem derischen Dasein verbunden hat, nimmt er zunächst an, daß auch Lola die Keilerei in der 'Ollen Bottel' nicht überlebt haben könnte. Die Wahrscheinlichkeit die kommenden Äonen an der Seite ihrer herben Anmut, ihrer kraftvollen Sinnlichkeit verbringen zu dürfen, lassen in Radisar Sehnsucht und Zuneigung wie ein Buschfeuer auflodern

"Liebe, gute Fee", erklärt er mit sanfter Stimme "Ich habe nur einen Wunsch, diesen aber dafür drei mal hintereinander!"



Der kleine Diener ist ein solventer Kunde, das hatte Lola an seiner gut gefüllten Geldkatze schon bemerkt. Wie einfach wäre es gewesen, ein oder zwei große Münzen abzuzweigen, das wäre vermutlich noch nicht einmal aufgefallen. Die Versuchung war da und sie war stark. Bei anderen Kerlen war sie nie so zimperlich und hätte die Gelegenheit, die nun verpaßt war, ohne Zögern genutzt. Doch heute abend hatte sie dieser Versuchung nicht nachgegeben. Vielleicht war es auch nur das schlechte Gewissen, das an ihr nagte, denn Radisar hatte neben seinem Bewußtsein auch noch seinen so sehr behüteten Korb verloren. Eine Entschädigung würde sie ihm dafür sowieso nicht bieten können, jedenfalls nicht in Geld.

"Das wohl, wenn es nur ein Wunsch ist, soll er natürlich auch dreimal erfüllt werden", bestätigt Lola leise lachend, ohne genauer darauf einzugehen. Für Lola besteht kein Zweifel daran, was Radisar meinen könnte. Und wenn er sich halt scheut, die Dinge beim Namen zu nennen, was soll's. Er ist halt ein bißchen schüchtern, aber das wird sich schon legen. Daran kann frau ja arbeiten...

Betont langsam beginnt Lola damit, die Verschnürungen ihres Mieders zu lösen. Nach und nach enthüllt sie ihre milchig weiße Haut, ihre stattlichen Brüste und eine erstklassige und scharfgestochene Tätowierung in thorwalscher Ornamentik mit vielen verschlungenen Kreisen und Linien rund um ihren Bauchnabel.



Die plötzlichen Offenbarungen von Lola' körperlichen Geheimnissen, rauben dem kleinen Diener Radisar zwar den Atem, doch nicht die Vorstellungen seines Ziels, dessen Konturen sich immer mehr schärfen. Mit steigendem Wohlbehagen sieht Radisar die Freilegung von Lola's Brüsten, die ihm, wie reife Äpfel sozusagen in die Hand fallen. Schon zu diesem Zeitpunkt ist er nicht mehr Herr seiner selbst, sondern ein Gefangener von Lola's Anmut und dennoch verliert er sich nicht!.

Sein Blick hängt nur kurz fest an den Hautbildern um ihren Nabel herum, er verzehrt sich in der Erwartung von weiteren Angeboten, die auch wirklich nicht lange auf sich warten lassen. Es dauert nicht lange, dann präsentiert sich Lola in jener Pracht, die ihr Rahja in ihrem Wohlgefallen so gnädig zugebilligt hatte und diese Verlockung geht auch an Radisar nicht vorbei.

Fast ignoriert er das kleine, haarige Dreieck an ihrem Rahjahügel, welches ihm in so auffälliger Weise die Richtung seiner aufwallenden Betriebsamkeit anzuzeigen versucht. Radisar kriecht wie eine Echse über Lola's Körper hinwegs und sucht ihren Blickkontakt. Schon spitzt er seinen Mund zu einem respektierenden Kuß, als er sich plötzlich ausgebremst fühlt, von einem Widerstand, der sich seinen Lenden entgegen stellt.

Als er aber Lola einen sehr wohlwollenden Kuß auf die Lippen setzen kann, hat er alle Hindernisse überwunden, hat er Einlaß gefunden und die Gunst der Stunde genutzt, sagen zu können: Lola ist mein !!!

Es ist kaum noch etwas zu bemerken von des kleinen Dieners körperlichen Problems, welches er durch den Niederschlag in der 'Ollen Bottel' erlitten hatte - keine Mattigkeit, kein Schädelweh - im Gegenteil !!

Es mag sein, daß Menschen, die es nicht besser wissen können, den kleinen Diener als eine körperliche Mißgeburt bezeichnen würde, jedoch hat Rahja sein Vermögen in Liebesdingen außerordentlich gesegnet. Als er dann zum erstenmal, im Zenit seines gefühlsmäßigen Triumphes erklärt:

"Das war das erste Mal !!"

Danach ist Lola schon fast am Ende ihres Duldungsvermögens gewesen. Und dennoch empfängt sie auch noch danach, nach Rahjas Vorsehung, den entfesselten, kleinen Diener, in einer Weise, die ihrem Berufsstand zur Ehre gereichen würde, hätte Radisar jemals in ihr ein Freudenmädchen gesehen und nicht ausschließlich als eine begehrenswerte Frau, die über jeden Zweifel erhaben sein sollte.

"Das war das zweite Mal !!" ruft Radisar, als er den Gipfel der Lust erneut überschritten hat.

Und für das unausweichliche dritte Mal läßt er sich nun Zeit. Er betrachtet Lola, die sich unter seiner Aufmerksamkeit lustvoll windet und stöhnt. Radisar fühlt sich jetzt nicht nur als Mann, sondern auch, ja fast mehr noch, als Ehrenmann. Schön ist sie, diese Thorwalerin, dies muß er entschieden feststellen. Aufrichtig ist sie, dies hat er doch von Anfang an gespürt. Und zuletzt kommt ihm der Gedanke, wie erregend sie ist, als jenes Ereignis geschieht, daß Radisar so kurz kommentiert:

"Das war das dritte Mal!"





Fargus's Traum


Fargus schließt die Türe hinter sich und sucht sich die erstbeste, offensichtlich nicht belegte Koje, stellt sein Reisegepäck ab und läßt sich auf sein hartgefedertes Nachtlager niedersinken. Noch einmal zieht das soeben Erlebte, der hinterhältige Raub, seine Ohnmacht in seinen Gedanken an ihm vorbei. Doch schon bald befindet er sich im Reich der Träume.

++ Haushohe Wellen, gewaltige Sturmböen, mitten drin ein kleines Schiff, daß scheinbar willenlos den Mächten der Natur ausgeliefert scheint. Die Mannschaft ist bemüht, das schlimmste zu vermeiden, doch viele der Seemänner verlieren den Halt und gehen über Bord. Schließlich wird das Schiff von einer gigantischen Welle verschlungen.++

Unruhig windet sich der Druide im Schlaf.



Fargus und Anselm


Schweißgebadet schreckt Fargus hoch, als er den sattsam bekannten Gruß vernimmt. Noch leicht benommen und nicht gerade wohlgelaunt, setzt er zum Gegengruß an :

"Seid auch gegrüßt, mein Herr!"

Fargus mustert den Mann kurz, dann fährt er fort :

"Gehe ich recht in der Annahme, daß wir eine gewisse Zeit zusammen in dieser Kabine verbringen werden? Wenn dem so ist, so freut es mich, mein Name ist Fargus und mein Weg führt mich nach Chorhop. Wie ist Euer werter Name und wohin geht die Eure Reise?"

Sichtlich gequält stammelt er diese Worte, denn seine Träume haben sich zu düsteren Ahnungen manifestiert.



Irritiert schweigt der kleine Mann einige Zeit, dann spricht er:

"Anselm Feuerbach ist mein Name und der Hafen von Kuslik erwartet mich bereits."

'Mit was für einem hab' ich's denn hier zu tun? Der bricht ja gleich zusammen und das nur weil ich in die Kabine gekommen bin... Naja, von dem hab ich nichts zu befürchten.'

Elegant wirft sich Anselm in die nächste freie Koje und macht es sich gemütlich.



Nach einiger Zeit des Schweigens obsiegt Fargus' Neugier hinsichtlich der bevorstehenden Schiffspassage:

"Sagt mir, werter Herr Feuerbach, ist dies auch Eure erste Reise über das Meer? Ihr müßt wissen, meine Heimat sind die Wälder und ich wüßte nur zu gerne, was mich dort auf dem Wasser alles erwartet. Dieses Schiff macht auf mich nicht unbedingt den Eindruck, als könne es den unbändigen Kräften der Meere jederzeit trotzen."

Überrascht ob seiner Kommunikationswilligkeit wartet Fargus gespannt darauf, ob der neue Passagier ebenfalls eine Spur von Angst in seinen Worten oder seiner Stimme erkennen läßt.



'Oha. Der wird wohl schon an den Gedanke "Meer" Seekrank. Naja, is' auch meine erst Fahrt auf so 'nem Kahn'

"Nun, ich muß gestehen, es ist auch für mich das erst Mal auf See."

Während er spricht tritt Joanna ein, die er mit einem "Die Zwölfen zum Gruße" begrüßt. Er läßt sich aber nicht von seiner Rede anbbringen:

"Aber ich glaube, dieses Schiff wird uns sicher zu unseren Zielen bringen. Ich habe vertrauen zu diesem Schiff, es sieht recht stabil aus und die Mannschaft, so scheint mir, ist auch zuverlässig. Nun muß ich euch, guter Mann, aber fragen: Wenn ihr solche 'Angst' vor dem Meer habt, wieso habt ihr euch entschlossen auf selbigen zu fahren?"



Mit einem kurzen Nicken in ihre Richtung registriert auch Fargus das Eintreten der jungen Frau, wendet sich sogleich jedoch wieder seinem Gesprächspartner zu.

"Ihr müßt wissen, ich habe mich der Forschung von Kräutergemischen verschrieben, doch leider braucht es sehr viele Experimente, bis ich mal brauchbare Ergebnisse erziele. Dummer Weise wachsen in meiner Heimat nicht all die Kräuter, die ich für meine Versuche benötige. Nun sind insbesondere die Vorräte an Schmetterlingskraut ausgegangen, einer Pflanzenart, die nirgendwo außer in den Wäldern bei Chorhop zu finden ist."

Kurz denkt er darüber nach, ob dieses Wissen um den Sinn seiner Reise irgendwem etwas nützen könnte, verwirft diesen Gedanken jedoch gleich wieder.

"Danke im übrigen, daß ihr meine schwarzen Gedanken zu vertreiben sucht, ich fühle mich gleich viel sicherer."



Erleichtert, daß sie das Schiff noch rechtzeitig erreicht hat, läßt sich Joanna mit einem herzhaften Seufzen in ihrer Koje nieder, nachdem sie erst einmal ihren Lederrucksack abgestellt hat. Anscheinend hat sie die beiden neuen Passagiere in einem Gespräch gestört, da ihr keiner wirkliche Aufmerksamkeit schenkt.

'Ob ich mich wohl vorstelle? Nein, ich denke das kann warten."

Dennoch kann die Druidin es nicht lassen die beiden neugierig zu mustern. Als der Blick ihrer schwarzen Augen Fargus trifft, hält sie für kurze Zeit den Atem an, da dieser eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren Mentor hat.

'Das kann doch nicht sein. Solch eine glückliche Fügung?'

Sekundenlang sieht sie sich wieder auf der Waldlichtung stehen. Doch bei genauerem Betrachten muß sie enttäuscht feststellen, daß dies hier ganz und gar nicht Osin al Gossera sein kann. Deshalb hört sie jetzt gespannt, doch unauffällig dem Gespräch zu.



"Um die letzten Zweifel in Bezug auf die Sicherheit zu vertreiben, könnte man ja den Kapitän nach seiner Meinung fragen. Ob mit schlechtem Wetter und ähnlichem zu rechnen sei."



Ein neuer Morgen


Das erste Licht des neuen Morgens dringt durch die Fensterritzen in Lolas Zimmer vor. Noch ist es zu schwach, um das Zimmer wirklich etwas zu erhellen, doch reicht es aus, um unterbewußt den Schlaf der thowalschen Liebesdienerin zu stören. Und irgendwie beengt und unbequem erscheint es ihr im sonst wesentlich kälteren Bett.

Eher widerwillig schlägt die Frau die Augen auf. Es dauert erst eine Weile bis sie ihre Gedanken geordnet hat, doch dann begreift sie schnell. Verdammt! Eingeschlafen! Das hat ja gerade noch gefehlt!

Eher ruppig und wenig liebevoll rüttelt sie an den Schultern des noch schlafenden Radisars.

"He! Aufwachen! Die Nacht ist vorbei - und das schon lange!"



Radisar öffnet zunächst einmal nur ein Auge, das andere verweigert noch den Dienst. Benommen brummt er:

"Nacht? Welche Nacht?"

Doch, noch während er unwillig murrt, da ihm Lola's Rütteln und Schütteln eine leichte Übelkeit verursacht, schießt es ihm wie ein Blitz der Erkenntnis in den trägen Geist und vertreibt die Nebel, die sein Gehirn umwallten.

"Die Nacht !?! Doch nicht etwa die Nacht!?! Bei allen gehörnten Dämonen..... !!"

Besonders geistreich sind Radisars Kommentare nun ja nicht gerade, aber es kommt Bewegung in den kleinen Körper des Dieners. Wie ein Frosch hüpft er aus dem Bett und reißt dabei die Decke mit sich. Das Tuch schlingt sich um seine Beine und bringt ihn zu Fall, so, daß er nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf voran in seinen Hosen landet.

Aber der Schädel Radisars kann eine Menge aushalten, von solchen Kleinigkeiten läßt er sich nicht bremsen. Schon bald sitzt die Hose fast wie sie soll. Auch in sein seidenes Hemd, daß die Nacht nur arg mitgenommen überstanden hatte, hat sich Radisar schnellstens hinein gewunden.

Nun hat er allerdings leichte Schwierigkeiten seine Stiefel wiederzufinden. Erst als er Lola's Kleider, die achtlos weggeworfen neben dem Bett liegen, hektisch durchwühlt wird er fündig. Radisar nimmt sich nicht einmal mehr die Zeit die Riemen zu verschnüren, zu sehr quält ihn die Vorstellung er käme vielleicht gerade rechtzeitig an den Kai um der NORDSTERN nur noch nachwinken zu können.

Aller Eile zum Trotz, als Radisar's Blick noch einmal auf Lola fällt, als sie sich gerade unbedeckt und unbekleidet auf der Matratze räkelt und sich dabei verstimmt darüber beschwert, daß es zu kalt wäre, hält der kleine, hektische Diener inne, um seine 'Traumfrau' noch einmal eingehend zu betrachten. Seufzend beugt er sich nieder und gibt Lola einen sanften Kuß auf die Stirn, während er dabei liebevoll ihren Hintern tätschelt.

"Lebe wohl, meine liebe, gute Fee!"

Er legt seinen Zierdolch, seinen neuen Zierdolch, auf das Kopfkissen, auf dem noch vor wenigen Momenten sein Schädel sanft ruhte. Unbedingt will er ein Erinnerungsstück zurücklassen, daß ist er ihr schuldig, denkt er bei sich. Und da bleibt nur der Zierdolch, etwas anderes hat er ja nicht und Geld kann er nicht zurücklassen. Schließlich macht man das so nur bei Huren und nicht bei guten Feen.

Ein letztes Mal streichelt er ihr Haar, dann huscht er zur Türe hinaus.





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