- Logbuch der NORDSTERN -

Durch den Golf von Prem - Teil 2 - (Die Meuterei) 21.Efferd, 28 nach Hal

Ole kocht vor Wut


Ole kocht !!!!! Sein Temprament ist voll angeheizt. Wie ein Sturm aus heiterem Himmel rauscht er an dem Schiffsjungen vorbei und läßt ihn stehen. Wer Ole nun ansprechen sollte, der hätte wohl sehr viel Mut.

"Der Kapitän will mich sprechen? Das trifft sich gut - ich will auch mit ihm sprechen!"

Es dürfte wohl keinen auf der NORDSTERN geben, der Ole jemals so wütend erlebt hat, selbst seine Freunde müssen sich in diesem, seinem Zustand vor ihm fürchten.

Und so eilt er, nein, er rennt auf das Oberdeck, hin zur Brücke und noch ehe er ein Stufe zum Brückendeck erreicht hat, brüllt er:

"Ole Draggensson zu Diensten, bitte um die Erlaubnis die Brücke betreten zu dürfen!"

In einer gefühlsmäßigen Aufwallung, die alle lethargisch gestimmten Beobachter aufschrecken dürfte, wirft er seine Pfeife, die er immer noch in der rechten Hand trägt, derart heftig auf den Boden, daß sie in tausend Stücke zerspringt.

"Es hat den Kapitän verlangt nach mir zu rufen?"

Es gelingt ihm kaum diesen Satz ohne Zähneknirschen auszusprechen!



Alrik geht zur Seite


Erschrocken blickt ALRIK dem alten Schiffszimmermann hinterher, der einem Rondrikan gleich über das Schiff stürmt. Zwar hinterläßt er noch keine Spur der Verwüstung hinter sich, aber noch hat es auch noch niemand gewagt, sich ihm in den Weg zu stellen. Selbst der behäbige Rilaf weicht für seine Verhältnisse erstaunlich schnell zur Seite aus, als er den Grauen Riesen von dannen rauschen sieht.

"Ja, sind denn hier alle verrückt geworden... " meckert ALRIK kopfschüttelnd und wohl laut genug, so daß es gewiß auch bis zu Swafnalds Ohren vordringen könnte.



Swafnald wirft dem Bootsjungen einen nachdenklichen Blick zu, als er dessen Worte hört

'Der Junge hat es also auch bemerkt ... ob wir ihn auch? ... Nee, der ist noch zu lütt, außerdem steht der sich viel zu gut mit dem Graubart ...'

Schließlich wendet er sich wieder an Rilaf und raunt ihm leise zu:

"Der Junge hat gar nicht so unrecht ... aber nich' hier ..." und deutet in Richtung Mannschaftsraum, wo Thorben auch gerade hin unterwegs ist.



Thorben erforscht ...


Dann und wann einen kurzen, fast hastigen Seitenblick tätigend kommt Thorben den Aufgang hinauf. Ole hat ihn inzwischen wieder überholt - man hat es zwar eilig, aber man darf nicht auffallen. Wer weiß wer noch alles besessen ist. Er ist darauf bedacht, daß Swafnald direkt hinter ihm bleibt, nicht daß der jetzt noch unvorsichtig etwas heraus plappert. Entgegen seinen ersten Planungen, eine kleine Versammlung in seinem Quartier abzuhalten hat er sich nun für einen anderen Ort entschieden. Es muß schnell gehen und wo geht das besser als ... richtig!

Im Unterdeck angekommen geht er geradewegs am Aufgang zum Oberdeck vorbei. Dabei stößt er fast mit Rilaf zusammen, auch ein stämmiger Bursche dieser Matrose und so ist es Thorben der ausweicht, weil sein gegenüber dafür beileibe nicht agil genug wäre.

"Rilaf, warte!", entfährt es Thorben, als dieser an ihm vorübergehen will. Sofort danach beißt er sich auf die Zunge - 'Halt still, wer weiß, wer alles betroffen ist. Andererseits, irgendwo muß man beginnen.'

So nimmt er sich ein Herz.

"Rilaf warte, ich habe was wichtiges mit dir zu besprechen."

Auf seinen Blick gibt es eine einladende Geste und dann gehen die drei weiter.

Gerade ist es Rilaf noch gelungen einen Beinahe-Zusammenstoß mit Ole zu vermeiden, schon stellt sich ihm das nächste Hindernis in Form des zweiten Offiziers in den Weg. Leise nuschelt er eine undeutliche Entschuldigung und macht sich daran seinen Weg fortzusetzen, als er aufgefordert wird, Torben und Swafnald unauffällig zu folgen.

"Jawoll!" gibt er Thorben zur Antwort und macht sich prompt mit auf den Weg.

"Wat is'n los?" zischt er seinem alten Saufkumpanen Swafnald zu.



Swafnald folgt Thorben tatsächlich fast auf dem Fuße - es würde ihm auch gar nicht einfallen jetzt alleine da unten zu bleiben bei dem seltsamen Leuchten vonwasauchimmer und dem Seelensauger. Suchend blickt er sich um, als er das Unterdeck betritt und wirft dabei auch einen forschenden Blick in die Richtung, in die er die vertriebenen Passagiere vermutet.

'Denen ist kein' Fingerbreit weit zu trauen, soviel ist sicher...'

Als er dann Rilaf sieht hellt sich seine Miene deutlich auf.

"Hoi."

Der etwas behäbige Rilaf hat sich sicher nicht vom Elfen verhexen lassen, erst auf der Feier hatte er noch einige Ideen zum Besten gegeben, was man mit Spitzohren machen sollte.

"Komm schon." drängelt er den etwas verdutzt mit trottenden Matrosen leise "Ist wirklich wichtig! Du glaubst'es nicht."



"Genau", entfährt es Thorben, als er die letzten Schritte zum ersten Mannschaftsraum überwindet und eintritt. Mit einem ernsten Gesicht blickt er in die Runde und mustert die anwesenden Matrosen. Ohne große Umschweife richtet er sein Wort an sie:

"Kommt mal eben mit rüber."

Er wartet nicht lange und betritt gleich darauf den zweiten und zählt erst einmal durch.



Beim Eintreten des zweiten Offiziers lassen Olof und die beiden Matrosen, die mit ihm in einer Ecke des Mannschaftsraumes zusammenhocken, blitzschnell die Würfel verschwinden und tun gespielt interessiert. Frenjar, der älteste der drei, fragt Rilaf, der dicht hinter Thorben geht, leise:

"Aber selbstverständlich! Was ist denn los?"

Dieser guckt etwas verblüfft, und sagt dann:

"Frag nicht so dumm! Der zweite Offizier wird es gleich verkünden - es ist zweifelsohne gaaaaaanz wichtig!"

Olof, Frenjar, Rilaf und Laske folgen Thorben in die hinterste Ecke des Mannschaftsraumes, während Babo, der dort in seiner Hängematte döst, desinteressiert ein Auge einen kleinen Spalt öffnet.



Jarun und Phexane


Jarun dreht sich zu den ankommenden Passagieren um und nickt ihnen ebenfalls zu. Auf die Frage des Händlers reagiert er allerdings nicht, sondern er mustert die junge Frau, die sich, gerade so wie er vor einigen Minuten, gegen die Wand lehnt.

Nach wenigen Augenblicken gibt er dem Diener ein Zeichen, daß er einen Moment warten möchte und tritt näher an die junge Dame heran. Verschwörerisch schaut er sich nach recht und links um. Als er dabei nichts besonderes entdeckt, beugt er sich zu dem Ohr der Frau herüber, ganz so, als wolle er etwas flüstern.

"Gegen welchen Feind zieht ihr denn in den Krieg?"

Dabei schaut er sich noch einmal um, daß auch niemand diese Worte mitbekommen hat. Doch bevor sie antworten kann, schüttelt er heftig den Kopf.

"Nein, nein. Wartet! Ich weiß, was ihr sucht. Ich habe gute Augen und Ohren. Ich sehe viel. Auch euren Feind habe ich schon gesehen."

Nach diesem Satz schaut er sich nach rechts und links um und richtet sich wieder auf.



"Feind?"

Phexane schaut Jarun ungläubig an, dabei wandern ihren Augen aber kurz zum Niedergang, wo gerade die beiden Seeleute herauskommen.

'Der Moment ist günstig, aber nun wird auch noch dieser Gaukler neugierig!'

Sie lächelt ihn etwas unbeholfen an:

"Ich habe keinen Feind. Ich weiß nicht, wieso ihr auf so etwas kommt. Wen meint ihr?"



"Nun ja, zum Stullen schmieren ist das Florett wohl weniger geeignet."

Dabei lächelt er sie an und deutet auf die Waffe an ihrem Gürtel.

"Ich kenne nur einen Feind, den es hier an Bord zu bekämpfen gibt."

Jarun senkt wieder seine Stimme.

"Diese dämonische Kreatur, die ich meine, ist gar gräßlich. Sie ernährt sich von allem, was ihr in die Pranken kommt, denn mit ihren scharfen Zähnen zerteilt sie alles und sorgt bei den meisten Menschen für Panik wenn sie sie sehen. Ihre geradezu phexische Flinkheit, ihre tierischen Instinkte und die guten Sinne machen es zu einem schweren Unterfangen, sie zu töten. Angeblich soll sie schwere Krankheit übertragen, gegen die die Duglums Pest ein kleiner Schnupfen ist."

Er hält kurz inne.

"Ich selber habe bei der Geburtstagsfeier eines dieser Viecher auf dem Unterdeck gesehen."



Phexane schaut bei der Erzählung Jaruns ihn immer ungläubiger an. Sie versucht es allerdings wieder mit einem Lächeln zu verdecken.

"Äääh, ihr scherzt doch ... oder? Ihr wollt mich doch sicher nur zum Narren halten, nicht wahr?"

'Weiß er etwas über dieses Licht?'

Sie mustert den bunten "Vogel" kurz.

"Was ist das überhaupt für einen Wesen?"

Sie hält kurz inne, lächelt etwas frecher und findet ihren Mut wieder:

"Meint ihr nicht, ihr habt vielleicht in einen Spiegel geguckt?"



"Autsch, daß tat weh."

Jarun hält sich die Seite, als habe er einen Hieb mit dem Florett abbekommen, kann dabei ein Lachen aber nicht unterdrücken.

"Ihr seid eine schlagfertige junge Dame mit der richtigen Portion Humor. Tut mir leid, daß ich mich über euch lustig machen wollte. Verzeiht mir!"

Jarun setzt das reumütigste Gesicht auf, das er gerade aus der Tasche ziehen kann.

"Um ehrlich zu sein, es beunruhigt mich etwas, daß ihr mit Waffen über's Schiff lauft. Habe ich etwas verpaßt? Wurde zu den Waffen gerufen?"



Phexane lacht ebenfalls.

"Nein, macht euch keine Sorgen. Ich habe nur das Ding etwas poliert und dachte mir, ich hänge es einfach mal um. Außerdem ist die Klinge nicht mehr ganz in Ordnung. Ich würde eher mit einem Nudelholz kämpfen, als hiermit jemanden anzugreifen."

Dann zieht sie wieder eine Augenbraue hoch, verschränkt die Arme und schaut ihn prüfend an:

"So! Lustig wolltet ihr euch über mich machen, was? Nun, ich habe einiges erlebt. Mich kann man nicht mehr so leicht erschrecken!"



"Nun ja, dann brauch ich mir ja keine Sorgen machen. Vielleicht könntet ihr mir zu späterer Gelegenheit etwas über eure Abenteuer erzählen. Ich für meinen Teil habe auch einige höchst unterhaltsame und wahre Anekdoten zu erzählen. Momentan habe ich aber leider keine Zeit. Mein Gesprächspartner wartet."

Jarun deutet zu Radisar. Er verabschiedet sich von der jungen Dame mit einer tiefen Verbeugung.

"Meine Name ist übrigens Jarun der Papagei."

Geschwind dreht er sich auf dem Absatz um und geht zurück zu Radisar.

"Man sieht sich. Man ist ja schließlich nicht blind."



"Wir können uns später noch weiter unterhalten. Mich interessieren nämlich solche Geschichten. Mein Name ist übrigens Phexane Fuxfell," sagt Phexane zu Jarun und deutet, auf seine Verbeugung hin, so etwas wie einen Knicks an.



Armen und Phexane


'Endlich ist dieser komische Vogel weg, er hat uns nur aufgehalten'

"Wollen wir zurück?" flüstert Armen Phexane zu und dreht sich schon in Richtung Tür



Phexane schaut wieder zu Armen hin. Sie ist etwas überrascht.

"Zur Kabine? Naja, wenn ihr wollt, dann macht das."

'Gut! Einer weniger! Dann bin ich unten endlich allein und kann mir die Sachen dort mal ansehen - mit diesem Licht werde ich auch schon fertig!'

Phexane freut sich insgeheim, versucht es aber zu verbergen.



'Was will den der von Phexane?' ärgert sich Armen



Jarun und Radisar


Jarun lächelt Phexane ein letztes Mal an und wendet sich dann wieder Radisar zu.

"Tut mir leid, daß ihr warten mußtet. Nun wie ist es mit einer solchen Berühmtheit zusammen zu arbeiten?"

Erwartungsvoll schaut er Radisar an.



Sigrun wundert sich


Sigrun schrickt zusammen.

'Was ist denn mit Ole los? Sind jetzt alle irgendwie merkwürdig geworden? Der Kapitän will ihn doch nur zu Aleara befragen, das ist doch wirklich kein Grund, sich so aufzuregen.'

Nein, im Gegenteil, so wie Sigrun den Schiffszimmermann kennengelernt hat, freut er sich immer, wenn man ihn fragt.

Langsam ist Sigrun doch merklich beunruhigt. Irgend etwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu und sie kann nicht erkennen, was es ist. Am liebsten würde sie direkt hinter Ole her stürmen, aber sie weiß, daß sie dazu nicht berechtigt ist. Also bleibt sie weiterhin an ihrer 'Lauschposition' auf dem Oberdeck stehen, allerdings hat sie völlig vergessen, daß sie ja möglichst unbeteiligt wirken wollte. Sie steht jetzt andersherum, dem Brückendeck zugewandt, und ihre vor Schreck aufgerissenen Augen folgen Ole.



Ausbruch


Um Sylvahr herum ist es immer ruhiger geworden. Es scheint sich niemand mehr in den Laderäumen aufzuhalten. Stille umhüllt ihn. Er hört nur noch seinen Atem und sein klopfendes Herz. Noch immer kämpft er gegen die drückende Angst in ihm an.

Er läßt das Gitter los und läßt seine Arme sinken, wie soll er hier auch jemals raus kommen?

Doch da berührt sein linker Arm etwas festes an seinem Gürtel. Im ersten Moment fällt ihm das gar nicht weiter auf, doch dann wächst in ihm die Erkenntnis, was er da berührt hat. Sein Messer! Sein Jagdmesser! Seine Hand ergreift den beinernen Griff und zieht das Werkzeug / die Waffe aus seiner ledernen Scheide. Obwohl es hier unten sehr dunkel ist, schimmert und blitzt die etwa zwei einhalb Handbreit lange, kristallene Klinge in den farben des Regenbogens.

Die Schnüre sind zwar dick und fest, aber mit genug Geduld sollten sie sich schon zerschneiden lassen - und Zeit, die hat er ja. Auch der Riegel sollte sich mit Hilfe des Messers öffnen lassen. Neuer Mut und Zuversicht erfassen ihn, als er das Messer schon an die Seile ansetzt. Da fällt sein Blick auf die Bretter, die eingeklemmt zwischen seinem Gefängnis und der Wand gegenüber sind. So schnell wie der Mut gekommen ist, um so schneller hat er ihn jetzt wieder verlassen. Langsam läßt er das Messer wieder sinken und starrt leblos die Bretter an. Er steht noch einige Augenblicke so da, dann steckt er verbittert das Messer wieder weg.



Phexane und Armen


"Ihr scheint mich falsch verstanden zu haben. Ich meinte WIR können es ohne euren Bruder schaffen."

Erwidert Armen ganz überrascht



"Ääh, nein, nein - ich habe es so verstanden, daß ihr wieder zurück in die Kabine wollt."

Phexane hofft, daß Armen tatsächlich wieder zurückgeht. Immerhin hat er unten auch Ware und würde es sicherlich nicht gerne sehen, wenn sie dort ein wenig herumschnüffeln würde.

Andererseits .... wer weiß, was dort unten lauert ....



"Das haben Sie wohl falsch verstanden. Sie haben auf den Weg geachtet. Sind jetzt eigentlich alle oben, so das wir hinunter gehen können."

Armen hofft, das es jetzt los gehen kann.



Phexane schüttelt den Kopf. Sie flüstert Armen zu:

"Seht ihr die beiden denn nicht? Die sind dort hinten und haben offenbar noch einen dritten aufgegabelt. Wenn die sehen, daß wir wieder nach unten gehen, wird es sicher Ärger geben. Laßt uns noch einen Moment warten. Die drei sind sicherlich gleich außer Sichtweite."



Auf der Brücke


Etwas unwillig dreht Jergan sich zum Schiffsmagier um, den es erst jetzt mittags auf die Brücke treibt, und der in fast forderndem Ton eine Frage stellt.

"Nein, nur ein kleines Problem einer Matrosin."

Die Antwort klingt so, als wäre das ganze wirklich beiläufig, und ehe Jergan dazu kommt, noch einen Satz an den Magier zu richten, kommt eine in diesem Moment doch recht willkommene Ablenkung in Form des gerufenen Schiffszimmermanns. Verwundert beobachtet er den wütenden Auftritt Oles, wie dieser seine Pfeife zerschmettert, und wie er in nicht gerade angemessenen Ton in der Gegend herum brüllt.

"Erlaubnis erteilt!"

Diese Antwort kommt darum auch knapp und in einem fast militärischen Ton. Wesentlich sanfter und freundlicher klingen dann aber die nächsten Worte, die Oles Frage beantworten:

"Ja... es gibt ein kleines Problem, bei dem deine Kenntnisse uns sehr helfen könnten."

Jergan verbirgt alle seine Neugierde über die merkwürdige Stimmung des Mannes, denn die Angelegenheit mit Aleara ist sicher wichtiger als der Umstand, daß der Ruf Ole vermutlich aus irgend etwas herausgerissen hat, bei dem er nicht gestört werden wollte. Vielleicht war er mit einer Matrosin gerade recht intim zusammen? Doch so etwas interessiert den Kapitän nicht im geringsten... der Dienst an Bord hat absoluten Vorrang.



Die Bootsfrau ist über das Eintreffen des Schiffsmagiers sichtlich wenig erfreut, und ihre Miene verdüstert sich. JETZT hätte sie durchaus Lust, die Brücke zu verlassen... doch die Pflicht erfordert auch solche eher unangenehmen Dinge.

Ihre Miene wird geradezu finster, als sie sieht, in welchem Ton Ole es wagt, auf dem Schiff herum zu brüllen. Ihre Muskeln spannen sich, und der Griff ihrer Hände um die Speichen des Steuerrades wird steinhart. Wütend funkeln ihre Augen, und nur die prompte Reaktion Jergans verhindert, daß sie dem Zimmermann ihre Meinung ins Gesicht brüllt.



Darian in der Kombüse


Verwundert sieht der Magier den Koch an. Dieser scheint völlig teilnahmslos in der Gegend zu stehen.

´Was ist denn jetzt in ihn gefahren ?´ denkt sich Darian, während er weiter auf sein Wasser wartet.



Sören holt aus einem seiner Schränke einen metallenen Krug, die wohl etwa ein Maß faßt, taucht ihn in das Wasserfaß, das in einer Ecke der Kombüse steht und reicht ihn dann dem Magier.

"Dann wird das wohl reichen, hm?"



"Oh,ja gewisz, Danke" mit diesen Worten nimmt Darian den Krug entgegen. Er überlegt kurz ob er zum leeren desselben in der Kombüse verbleiben soll, da er dann nicht noch einmal zur Rückgabe des leeren Kruges zurück müszte, entschlieszt sich dann aber aufgrund des in dieser Küche herrschenden Andranges, zum, Trinken seine Kabine aufzusuchen. Er verläszt die Küche in Richtung Kabine und ruft dem Koch noch ein "Efferd mit Euch!" zu.



Erinnerung an Kunchom


'Bei Phex, hier ist ja ein Gedränge. Fast so wie damals auf dem Khunchomer Basar zur Zeit des großen Gauklerfestes. Was wir alle einen Spaß hatten. Die Gebote der Götter wurden von uns streng eingehalten - zumindest die Gebote von Phex und Rahja.'

'Dieser leicht süßliche Duft in den Straßen, vermischt mit den verschiedenen Gerüchen hunderter Wesen, hatte eine euphorisierende und lustvolle Wirkung auf mich. Alle Damen in den Freudenhäusern freuten sich über jeden Fremden, dem sie zu Diensten sein durften und machten ihre Arbeit mit einem Lächeln auf den Lippen. Ach ja. Diese kleine Tulamidin war wirklich ein wahrer Schatz. Werde sie mal wieder besuchen, wenn ich in der Nähe bin.'

Bei diesen Erinnerungen huscht ein kurzes Lächeln über Jaruns Gesicht.

'Außerdem war es problemlos dem phexischen Gewerbe nachzugehen. Durch das Gedränge konnte man dort wunderbar seinen künstlerischen Fähigkeiten freien Lauf lassen und es fiel erst auf, wenn man außer Sichtweite war. Man könnte meinen Phex hielte seine schützende Hand über Khunchom.'

Instinktiv greift Jarun zu seine Geldbeutel und testet seine Befestigung.

'Wie der dicke Händler geschaut hat, als er seine Frau mit dem leeren Geldbeutel in der Tasche erwischt hat. Ein Bild für die Götter, wie er keifend vor ihr stand und sie gar nicht wußte wie ihr geschah. Tja, man sollte halt nicht mal seiner Frau trauen.'

'Die Zeit dort hat sich wirklich auf jedem Fall gelohnt. Es ist eine beeindruckende Stadt. Wenn mich meine Arbeit nicht zu sehr in Anspruch nimmt, muß ich unbedingt nächstes Jahr wieder hin. Vielleicht kann ich ja auch beides verbinden.'



"Radisar! Radisar!"

Der Diener schaut starr über die Schulter des Gauklers. Jarun versucht sich in das Blickfeld von Radisar zu schieben, kann dadurch aber den kleinen Mann nicht aus seinen Tagträumen reißen.

"Radisar wacht auf," flüstert er Radisar ins Ohr."Die anderen Passagiere schauen schon alle."

In Wirklichkeit scheint bis jetzt keiner der Passagiere etwas gemerkt zu haben.

'Oh, oh! Was hab ich jetzt nur wieder angestellt. Wußte gar nicht, daß ich einen Beherrschungszauber zu meinen Fähigkeiten zählen darf. Oder habe ich vielleicht doch etwas übertrieben mit der Ehre und so. Könnte ja so eine Art wunder Punkt sein."

Jarun mustert das Gesicht seines Gegenübers während er sich mit der Hand über den Nacken streicht. Ihn mit Gewalt aus seiner Trance zu holen, scheint nicht die rechte Art und Weise.

'Er könnte etwas dagegen haben wenn ich ihm vor all den Leuten eine Ohrfeige gebe und für mich könnte das auch Folgen haben. Der wird schon wieder aufwachen. Wenn er in Thorwal immer noch in der Küche steht, sollte ich mir eine Ausrede einfallen lassen.'

Als Jarun merkt, das der Magier zufrieden mit einem Krug Wasser die Küche verläßt und Radisar keine Anstalten macht bei dem Koch etwas zu bestellen, hebt er seinen Arm und spricht den Koch an.

"Seid gegrüßt, hättet ihr für mich auch einen Krug Wasser, die Sonne hat meine Kehle schon total ausgetrocknet. Am besten ihr füllt direkt mehrere Krüge, denn die anderen Passagiere werden wahrscheinlich das selbe wollen."



Bevor der Koch antworten kann, scheint Jarun eine Idee zu haben. Er schaut noch mal zu Radisar herüber und tritt dann, als dieser immer noch nicht reagiert, in die Küche.

Mit gedämpfter Stimme, so daß es vor der Küche nicht zu hören ist, fügt er noch etwas hinzu.

"Habt ihr vielleicht auch einen guten Wein, besonders lieb wäre mir einer von den Südhängen der Trollzacken."



"Südhänge der Trollzacken... Glaube ich nicht, tut mir leid... Aber gebt doch einen Hinweis, wie er schmecken soll, vielleicht habe ich was Ähnliches", erwidert der Smutje nachdenklich.



Alrik und Joanna


Mittlerweilen sind die beiden bei der Küche angekommen.

'Gibt es etwa doch schon essen, da hier so viel los ist?'

Sie stellt sich selbst die Frage und versucht sie irgendwie abzuschütteln.

'Naja, aber das werden wir ja gleich herausfinden.'



Und schon wieder findet sich jemand ein um den arbeitsamen Smutje zu belästigen. Mit einem resignierten Lächeln wendet er sich den beiden Neuankömmlingen zu.

"Habt ihr denn alle nicht gefrühstückt?"



"Verzeiht wenn wir euch belästigen. In der Tat haben wir nicht am Frühstück teilgenommen."

Der Magier in der blauen Robe versucht beschwichtigend auf den Smutje einzureden.

"Vielleicht wäret Ihr trotzdem geneigt uns zu sagen, wann es etwas zu speisen gibt?"



"Oh, vielleicht in einer oder eineinhalb Stunden. Darf ich vielleicht eine Kleinigkeit zur Überbrückung anbieten?"



Zorniger Jarun


"Natürlich, ich bin ja niemand."

Erzürnt durch die Ignoranz des Magiers reißt Jarun beide Arme hoch und schüttelt den Kopf, so daß einige Strähnen aus seinem Pferdeschwanz rutschen und wild um seinen Kopf herum kreisen.

"Wißt ihr, ich stehe nicht in der Küche, weil es der schönste Raum des Schiffes ist, oder ich es liebe mich an Warteschlangen anzustellen. Aber Geduld und Manieren schein man ja euch in eurer Akademie nicht gelehrt zu haben. Und noch etwas solltet ihr wissen. Ihr Magier habt gar nicht mehr Rechte als alle anderen, daß bildet ihr euch nur ein. Ihr habt die selben Rechte wie allen anderen die hier stehen."

Jarun schaut zu Radisar herüber, der immer noch wie angewurzelt dasteht und eine Ecke der Küchendecke betrachtet.

"Wie ihr seht warten hier noch andere Leute, wie der werte Herr Radisar und

die junge Dame Phe ... . "

Als Jarun mit der Hand in Richtung Phexane deuten will, diese aber nicht mehr vor der Tür steht und auch ihr Begleiter nicht mehr zu sehen ist, hält er inne und macht dann eine abfällige Geste in Richtung des Magiers.

"Seht ihr. Scheinbar wurden bereits einige der Passagiere verschreckt durch euer Auftreten und euren ungehobelten Manieren. Aber mich könnt ihr nicht so einfach in die Flucht schlagen, ich poche auf meine Rechte."

Mit einem kurzen Blick in Richtung Radisar fügt er hinzu.

"Und der werter Herr Radisar, hält es da genauso. Wir pochen auf unsere Recht."

Inzwischen hat sich Jarun so sehr in die Situation hineingesteigert, daß es sich anhört, als würde er einen religiösen Disput ausfechten. Und nicht nur auf die Rolle des freundlichen Gauklers, sondern auch auf diese Rolle scheint er sich gut zu verstehen. Von einen Moment auf den anderen schweigt er abrupt, verschränkt seine Arme vor der Brust und atmet tief ein.



"Er sollte genauso lieblich wie der Wein aus den Trollzacken sein und eine gewisse Frische in sich tragen. Bei dem Wetter dürfte sich das angenehm auf das Gemüt auswirken."

Zornig schaut er noch einmal zu dem Magier herüber.

"Und daß würde mir jetzt sicher gut tun. Ihr würdet mir einen großen Gefallen tun, wenn ihr vielleicht sogar eine Flasche mit zwei Krügen erübrigen könntet."



Verträumter Radisar


'Ach ja - Kunchom!'

Die Erzählungen des Gauklers, Worte, die den Liebreiz dieser Stadt durchaus zu umreißen verstanden, haben das Bewußtsein des kleinen, dicken Dieners völlig entführt und dem eisernen Griff sehr unangenehmer Erinnerungen überlassen.

Ein sehr junger Mann war er zu jener Zeit gewesen, klein, unscheinbar und häßlich schon damals. Genau so, wie es andere junge Männer zu tun pflegten, schlich sich der junge Radisar hin zum Sklavenmarkt in Kunchom, um dort, sollte das Glück den Hoffenden zuneigt sein, beobachten zu können, wie junge, hübsche Sklavenmädchen für meistbietende Nachfrage angeboten werden würden. Radisar ging immer alleine, er wäre wohl auch im Kreise gleichalteriger Kumpane nicht geduldet worden. Doch nicht nur deshalb sonderte sich Radisar ab, es waren auch seine Motive für solches Tun grundsätzlich anders. Während sich die anderen Jugendlichen am rahjanischen Liebreiz der Sklavinnen zu erfreuen suchten, um wenigsten das sehen zu können, was die reichen Herren sogar anfassen konnten, kümmerte sich Radisar weniger um die Schönen dieser Mädchen, sondern mehr um die anderen, weniger Schönen. Diese hatten ja allesamt dasselbe Schicksal zu erleiden, keine Zur-Schau-Stellung und keine Erniedrigung würde ihnen erspart werden, gegenüber den Schöhnheiten. Und nicht einmal der schmerzende Trost begehrt oder gesucht zu sein, blieb diesen Unglücklichen, wenn sie dann, Stunden später, als 'billige Ware' verramscht vom Verkaufsstand weggeführt wurden. An jenen hing das Herz Radisars, das Schiksal dieser Frauen rührte ihn zutiefst und er schwor sich, sollte er jemals zu Geld kommen, gerade diesen Frauen zu helfen und ihnen die Freiheit zurück zu kaufen.

Radisar spürt, daß er nun plötzlich einmal zur einen Seite, dann wieder zur anderen Seite gestoßen wird. Der Gang vor der Kombüse scheint eine zentrale Wegstrecke auf diesem Schiff zu sein. Es rüttelt ihn sozusagen aus seiner Traumwelt wieder heraus, sein Bewußtsein rückt der Wirklichkeit immer näher.

"Jawohl, wir pochen auf unser Recht!" sagte er entschlossen, obwohl er nicht die geringste Ahnung hatte, warum er das sagte, welche Recht er damit meinen könnte und wohin er hätte pochen wollte.



Joanna und Alrik tadeln Jarun


Joanna war gerade in Gedanken versunken, da fährt sie plötzlich verschreckt zusammen als sie Jaruns Worte hört. Sie merkt, daß das ein Mißverständnis zu sein scheint und wendet sich an Alrik.

'Wahrscheinlich ärgert er sich, weil er schon länger wartet, aber so übertrieben zu reagieren...'

Als Jarun endlich mit seinem 'Vortrag' fertig ist, spricht die Druidin lauter, damit auch die anderen hören können, was sie sagt.

"Natürlich wollten wir euch nicht ignorieren, aber der Smutje hat uns schließlich gefragt, was wir wollen."

Dann sieht sie Jarun mit einem funkeln in ihren pechschwarzen Augen an und meint mit verärgerter Stimme:

"... und ich denke nicht, sehr geehrter Herr ... " sie wartet kurz ab um eventuell seinen Namen zu erfahren " ... ach ist doch egal, daß einige Passagiere von uns verschreckt wurden und deshalb einfach gegangen sind."

Eigentlich weiß sie gar nicht warum sie sich so ärgert, aber dieser Kerl braucht sich nicht einfach so aufregen.

"Und wer da die ungehobelten Manieren hat, möchte ich wissen. Über Leute schimpfen die ihr nicht einmal kennt."

Nachdem sie sich wieder beruhigt hat, wendet sich Joanna absichtlich etwas von ihm ab und Sören zu.

"Ich denke schon, daß ich noch auf das Essen warten kann, " blickt dann Alrik an und meint "vielleicht habt ihr aber schon Hunger?"



Bestürzt schaut Alrik Jarun an.

"Oh verzeiht werter Herr, ich habe euch schon bemerkt, aber da der Smutje uns ansprach war ich der Meinung, ich schulde ihm die Höflichkeit auch darauf zu antworten. Da habe ich Euch anscheinend an einem wunden Punkt erwischt, es ist sicherlich für einen Künstler wie Euch schmerzhaft, ignoriert zu werden."

Während seiner Worte wandelt sich die Miene des Magiers und er lächelt Jarun jetzt freundlich an.

"Zumindest erübrigt sich nun die Frage wie Ihr zu Eurem Beinamen gekommen seid. Das war wirklich eine gelungene Vorstellung, im grundlosen Aufplustern. Damit könnt Ihr vielleicht einen Bauern verschrecken. Also fahrt Eure Krallen wieder ein. Außerdem sagte Joanna schon, daß wir Euch den Vortritt lassen. Wir hatten schließlich auch nur nachdem Zeitpunkt des Essens gefragt nicht ob wir sofort etwas bekommen können."

Jaruns Ausbruch scheint dem jungen Magier nichts auszumachen.

'Zu viele haben sich schon über unsere Zunft lustig gemacht und doch gibt es immer eine Zeit in der nach uns gerufen wird. Solche Leute wie dieser Gaukler sind dann die ersten die sich hinter uns verstecken. Zu oft schon war ich der einzige, der noch zwischen meinen Freunden und der Dämonenbrut stand, als das ich mich von solchen Beleidigungen zu irgend etwas unbedachten hinreißen lassen würde.'

Ein erneutes Lächeln zieht über Alriks Lippen.



Sören 'zwischen den Stühlen'


Verwirrt schaut der Smutje zwischen seinen Gästen umher und lauscht interessiert erst den seltsamen Ausführungen Jaruns zum Thema Menschenrechte und dann der Erwiderung der Druidin. Beschwichtigend hebt er die Arme und meint dann, obwohl der Streit ja anscheinend schon wieder fast vergessen ist:

"Es kommt ja selten genug vor, daß sich charmante Damen und hohe Herren um mich schlagen, deshalb habe ich eigentlich nichts dagegen, aber macht es doch bitte nicht hier, wenn's geht."

Anschließend wendet er sich wieder Jarun zu.

"Tja, ich bin leider kein Weinkenner, aber ich glaube, wir haben da was Passendes im Lagerraum. Wenn also niemand mehr Fragen an mich hat"

Er blickt in die Runde.

"Dann können wir runtergehen und nachschauen."



Gerade will Jarun noch einiges auf die Worte der jungen Dame erwidern, als der Smutje in das Geschehen eingreift und versucht zwischen den 'Fronten' zu. Das freundliche Auftreten und die Entschuldigung des Magiers tragen weiterhin dazu bei, daß Jarun sich wieder beruhigt. Während er sich mit der Hand einige Schweißperlen vom Hals wischt, versucht er eine entschuldigende Erklärung zu finden.

"Es tut mir leid, daß ich so aus der Haut gefahren bin. Eine Kette von unangenehmen Umständen ließ mich für kurze Zeit meine eigenen Manieren vergessen. Diese Ruhe auf dem Schiff ist gar nicht das Rechte für mich, der es sonst gewohnt ist unter vielen Leuten zu sein und die Stimmung der großen Städte in sich aufzunehmen. Außerdem müßt ihr wissen, vertrage ich das Licht der Praiosscheibe nicht gut. Vielleicht habe ich doch etwas zu lange auf dem Mast gesessen und mir die Praiosscheibe auf den Kopf scheinen lassen."

Mit einer Verbeugung bittet Jarun um Entschuldigung.

"Meine Name ist im übrigen, wie ihr ja scheinbar schon wißt, Jarun aus Fasar, genannt der Papagei. Ich hoffe ihr verzeiht mir, meinen kleinen Fehltritt."

Dann wendet er sich wieder zu dem Schiffskoch.

"Dann laßt uns in den Lagerraum gehen. Ich folge euch auf dem Fuße."



Gerade als Jarun und der Smutje zum Lagerraum gehen wollten meint Joanna noch

"Ich bin Joanna, Druidin aus den immergrünen Wäldern."

Freundlich lächelt sie ihn an.

'Da sieht man's wieder, ein paar nette Worte und die Stimmung ändert sich zum Guten'.



Jarun bleibt in der Tür stehen und dreht sich kurz zu den anderen Passagieren um.

"Es freut mich eure Bekanntschaft zu machen."

Lächelnd nickt er den Beiden noch einmal zu.

"Wir werden uns sicher nachher beim Mittagessen in der Messe sehen."

Dann wendet er sich wieder an Sören.

"Geht nur, geht nur. Ich bin direkt hinter euch."



"Jaja, Geduld Geduld..." murmelt Sören und setzt sich dann schließlich auch in Bewegung. Beim Lagerraum angekommen, bleibt er dann einige Sekunden stumm vor dessen Tür stehen und überlegt, ob er bei der Gelegenheit auch gleich noch etwas anderes mitnehmen könnte; allerdings fällt ihm nichts ein.

"Also lieblich und frisch, ja?" erkundigt er sich noch einmal, während er aufschließt.


Radisar hat sich kerzengerade an die Wand gelehnt und noch immer schien er aus seinem Schlummer nicht richtig erwacht zu sein. Müde ist er, oh ja! Schwer geschuftet hat er, oh ja! Er hat nun das Recht auf Ruhe, oh ja. Und jetzt geht der Koch los und holt Wein aus dem Keller, Oh nein!!!!

'Da muß ich doch hinterher' denkt er sich in seinem von Müdigkeit umnebelten Hirn. Und hektisch tippelt er Sören tatsächlich hinterher, immer wieder rufend:

"Herr Kellermeister, ja so warten sie doch!"

Nicht einmal vor den Stufen hat er noch Angst. Es mag aber auch sein, daß die Angst, ohne Wein vor die Herrin treten zu müssen, einiges zurückdrängt, auch steile Stiege, dunkle Räume, muffige Abgründe und so weiter. Steile Stiege? Dunkle Räume? Muffige Abgründe? Oh liebe Dame Travia, so helfe doch. Solche Ängste lassen sich bei Radisar nicht einfach zurückdrängen, sondern sie addieren sich munter und als er wieder einmal "Herr Kellermeister, ja so warten sie doch!" hinter Sören herruft, da klingt das schon sehr kläglich!



Träume und Realität


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...Torin fühlt das weiche Gras unter seinem Körper. Er genießt den warmen Wind der süßen Blumenduft zu ihm trägt. Langsam öffnet er die Augen. Er blickt in Liasanyas Gesicht, in ihre schönen graugrünen Augen. Das Goldeichenherz, das sie wie einen Haarreif trägt, bändigt ihr dunkelblondes Haar.

Sie liegt neben ihm, lächelt ihn an und streicht durch seine Haare. Ein leichter, angenehmer Schauer läuft Torins Rücken herab. Er möchte ihr etwas liebevolles sagen, doch Liasanya legt einen ihrer sanften Finger auf seine Lippen und er verstummt.

Sie zieht ihn hoch und gemeinsam tollen sie über die blühende Wiese. Immer schneller und schneller laufen sie vorbei an blühenden Rosenbüschen. Dann strauchelt Torin, fällt und verliert die Besinnung...

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Torin schreckt hoch! Verschwunden sind die Blumenwiesen und Rosenbüsche, verschwunden ist auch Liasanya. Nur der Geruch hallt noch einige Augenblicke in seinem Geist nach, dann umfängt ihn die Dunkelheit des Laderaumes.

'Oh, verflixt! Ich muß eingeschlafen sein. Zu meinem Glück hat mich keiner bemerkt.'

Er stemmt sich vorsichtig hoch und blickt zum Aufgang hinüber und lauscht.

'Es ist alles ruhig, scheinbar sind sie weg.'

Mit einem leisen Seufzer tilgt er die letzten Gedanken an seinen Traum. Dann schleicht er zu seinem Stab. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

'Es ist wirklich keiner mehr hier, also kann ich es wagen, die Tür genauer zu untersuchen.'

Er legt seinen Hut beiseite und bändigt seine braunen Haare. 'Man muß schließlich auf sein Äußeres achten.'

Dann setzt er den Hut wieder auf, nimmt seinen Stab an sich und tritt aus den Schatten heraus vor die Tür. Als er sich vergewissert hat, daß gerade niemand in unmittelbarer Nähe weilt, kniet er sich vor dem Türschloß nieder. Nachdem er das Schloß einige Minuten betrachtet und in Gedanken studiert hat, richtet er sich wieder auf und greift in seine Gürteltasche.

'Hmm, das dürfte kein Problem sein. Ein recht einfaches Schloß.'

Er zieht einige Metallstifte aus der Gürteltasche und wählt dann zwei davon aus. Die Restlichen steckt er wieder ein. Abermals lauscht er, ob er es wagen kann, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.



Gerade als Torin die Metallstifte in das Schloß führen will, wird er durch lautes Gepolter aufgeschreckt!

'Bei PHEx, ein Unwetter kommt die Treppe herunter!'

Er springt auf und springt in die Dunkelheit. Hinter einem Faß kommt er wieder auf. Während er sich wie ein Difar umdreht, flucht er innerlich!

'Ich hasse es, wenn ich aus meiner Konzentration gerissen werde! Wer immer das war, sollte sich vor mir in Acht nehmen!'

Dann erst merkt er, daß noch niemand die Treppe herunter gekommen ist.



Als nach einigen Minuten des Wartens noch immer keiner die Treppe herunter kommt, kommt Torin aus seinem Versteck hervor und widmet sich wieder der Tür.



Die Tür zwischen den Laderäumen eins und zwei ist ein solides Stück Holz, das recht gut in den Rahmen paßt und in Richtung des Laderaumes zwei zu öffnen ist. Einem Kenner wird auffallen, daß diese Tür nicht primär dazu gedacht ist, etwas vor Zutritt zu schützen, denn der Riegel, der mit der soliden Klinke verbunden ist, ist, soweit man das im geschlossenen Zustand sehen oder erahnen kann, weitaus solider als der andere, den man mit dem Schlüssel bewegt.

Der Grund dafür ist auch einleuchtend... bei schwerer See soll die Tür nicht auffliegen und notfalls auch schlecht verstaute Ladung aufhalten, die gegen die Tür fällt. Die andere Verriegelung dagegen - jene, die man mit dem Schlüssel bewegt, ist dagegen, wie fast alle Schlösser auf diesem Schiff, sehr einfach gehalten, da im Grunde keine Notwendigkeit besteht, hier abzusperren.

Man könnte, wenn man die Klinke betätigt, die Tür vermutlich gegen den Widerstand des Schlosses mit brutaler Gewalt aufreißen, was vielleicht sogar in der Absicht des Erbauers gelegen haben mag - im Notfall soll diese Tür eben *kein* Hindernis darstellen.

Doch eigentlich ist auch das nicht notwendig, denn das Schloß selbst ist auch nicht von besonders komplizierter Bauart. Mit einem ähnlichen Schlüssel wie dem, den die Offiziere haben, wird man es vermutlich mit ein wenig Gestocher aufbekommen, mit viel Geschick bestimmt auch mit einem rostigen Nagel.

Fest steht jedenfalls, daß jemand, der sich mit dem unbefugten Betätigen von Schlössern auskennt, an diesem speziellen Exemplar keine besonderen Probleme haben wird.



'Was auch immer das war, beinahe hätte es mich zu Tode erschreckt!' grummelt Torin in Gedanken. Seine Hände zittern leicht.

'Na toll, wie soll ich mich jetzt konzentrieren können?'

Er kniet sich wieder vor das Türschloß und lauscht.

'Zumindest scheint jetzt wieder alles ruhig zu sein.'

Das flackernde Leuchten seines Stabes nimmt er längst nicht mehr war. Dann bugsiert er einen der beiden Metallstifte vorsichtig in das Schloß. Noch immer zittert seine Finger.

'Ganz ruhig, Torin, ganz ruhig.' denkt er bei sich 'Dieses Schloß dürfte ich auch mit einem Dämon im Rücken knacken können. Selbst das Schloß, das Vater Rotmarder mir damals als Prüfung gab, war schwerer zu öffnen als dieses.'

Seine Hände werden ruhiger, als er auch den zweiten Metallstift in das Schloß einführt. Auch das Licht des Stabes flackert nun nicht mehr. Es ist ein nahezu gleichmäßiges weißes Licht in das sich nur vereinzelt rote Schlieren mischen.

Torin bewegt die Metallstifte vorsichtig im Schloß und verkantet sie in einer für ihn bekannten Position. Er blickt auf den so entstandenen 'Schlüssel' und testet noch einmal den korrekten Halt der Metallstifte. Dann nickt er und dreht den 'Schlüssel' herum.

Über Torins Gesicht huscht ein Lächeln, als er das erwartete Klicken vernimmt. Vorsichtig zieht er die verkanteten Metallstifte wieder aus dem Schloß und steckt den entstandenen 'Schlüssel' in seine Gürteltasche. Dann blickt er prüfend zu den Scharnieren der Tür und schmunzelt.

'Bei so viel Fett an den Angeln kann die Tür ja gar nicht quietschen!'

Er steht auf und nimmt seinen Stab. Nachdem er sich nochmals versichert hat, daß niemand in seiner Nähe ist, öffnet er die Tür einen Spalt und verschwindet darin.



Schleichende Phexane


'Alle gehen zu einem Raum weiter hinten! Das muß wohl der Mannschaftsraum sein. Jetzt kann ich es endlich wagen!'

Phexane macht sich auf den Weg Richtung Niedergang. Sie bemüht sich dabei, möglichst unauffällig normal zu sein - kein übertriebenes Schleichen, aber auch keine hastigen Schritte. Beides würde hier zu sehr auffallen.

Sie schaut den Seeleuten noch hinterher und nimmt dann die ersten Stufen der Treppe. Da sie sich bemüht auch hier möglichst normal zu wirken, betritt sie die Mitte der Stufen und so kommt auch von der dritten Stufe ein leises

'Knack' ...



Schleichender Torin


Torin steht in dem schmalen Türspalt und blickt neugierig und in die Düsternis. Muffiger Geruch wie von alten Fischen und Meer fließt ihm entgegen. Durch den flackernden Docht einer Ölfunzel kann er die Umrisse einiger Kisten erkennen. Doch das Licht der Ölfunzel reicht gerade aus, um die Schatten noch dunkler zu machen, echte Helligkeit bringt sie jedoch keine.

'Wäre Liasanya bei mir, so könnte sie mein Auge sein. Manchmal beneide ich die Elfen um ihre Fähigkeiten.'

Torins Nackenhaare sträuben sich, als er hinter sich ein knackendes Geräusch vernimmt.

'Miu pikusch! Ich hätte es mir doch denken können!'

Schnellen Schrittes tritt er in den Lagerraum und schließt die Tür hinter sich.

Auch das Leuchten seines Stabes kann kaum etwas Licht in die Schatten bringen und so sucht er in der Nähe der Türe Deckung. Abwartend blickt er zur Tür.

'Wer auch immer da durchkommt, wird es schmerzlich zu spüren bekommen!' schwört er sich.



Schlaflos auf dem Deck


Wasuren schreckt aus seinem ruhigen Sitz auf, tastet an sich herum und springt dann auf. Er läuft quer über das Oberdeck zum Abgang auf das Unterdeck.

Dort angekommen, nimmt er fast blind für etwaige Passagiere und Matrosen(innen) mit zwei, drei großen Setzen alle Stufen und geht dann immer noch sehr rasch auf den Abgang zum Ladedeck zu.

Etwas nervös schaut er sich um und mustert die Anwesenden und die Situation, dabei behält er aber sein Vorhaben, den Laderaum zu betreten bei.

'Wo habe ich denn nur mein kleines Gürteltäschchen? ... ich muß mir die Stelle noch mal ansehen wo ich heute Mittag aufgewacht bin.'



Wasuren biegt gerade nach rechts und ist noch immer in voller Fahrt zum Abgang auf das Ladedeck unterwegs.

Da hört er, als er sich kurz auf dem Unterdeck orientiert, hinter sich die unverkennbare Stimme von Thorben, dem 2. Offizier. Schnell macht Wasuren zwei große Schritte und verschwindet um die Ecke zum Abgang und drückt sich dort an die Wand. Dann schielt er kurz um die Ecke um zu sehen wohin sich der 2. Offizier bewegt und sieht diesen gerade mit dem Rücken zu ihm verschwinden.

'Puh das war knapp!!! ... jetzt aber schnell ganz unauffällig in den Mannschaftsraum.'

Wasuren schaut sich um und geht dann möglichst unauffällig, gemütlich hinüber in den Mannschaftsraum.

'Was wollte ich hier doch gleich ?'

Orientierungslos stapft Wasuren durch den Mannschaftsraum zu seiner Liege und legt sich hin.

'Was sollst schlaf ich erstmal drüber!'



Phexisches Gebet


Phexane stöhnt laut auf und schlägt die Hand an die Stirn, als sie sieht, daß noch ein Matrose den Niedergang herunter läuft.

'Das gibt es doch nicht! Was wollen die bloß alle da unten? Ich will mich doch nur umsehen! Phex, ich opfere dir die Hälfte meiner Einnahmen, wenn die Leute da unten endlich verschwinden!'



Phexane bleibt einen Moment stehen, schaut sich um, geht dann aber weiter. Nun tritt sie, anstatt auf die Mitte, auf die Seiten der Stufen, so daß sie kaum noch Geräusche beim Heruntergehen verursacht. Leise schleicht sie hinab, bis sie etwa die Hälfte der Treppe geschafft hat.

'Seltsam. Hier unten ist kein Licht mehr zu sehen.'

Sie dreht sich nochmal um, um zu schauen, wo Armen bleibt ...



Als Phexane losgeht, folgt er ihr ebenso unauffällig. Plötzlich hört er ein Knacken vor sich. Aber noch während er nach dem Messer greift erkennt er, das es Phexane war, die auf eine laute Stufe getreten ist.

"Sei doch vorsichtig" zischt er leise.



"Ich hoffe die hauen bald ab. Ich will endlich wissen, was dort unten so besonderes zu finden ist" erwidert Armen und schaut Phexane tief in die Augen.



Der Gefangene


Mittlerweile hat sich Sylvhar gesetzt, es ist zwar sehr eng, aber es geht. Die Beine muß er jedoch ziemlich an sich ziehen. Aber das stört ihn jetzt nicht weiter. Er ist nun schon eine Weile eingesperrt und nichts deutet darauf, daß sich das bald ändern wird. Noch immer fragt er sich, wieso er einer solchen Strafe unterzogen wird. Er hat ihnen doch wirklich nichts getan. Im Gegenteil, er hat ihnen ja sogar geholfen! Warum?

Ach... er schüttelt seinen Kopf, so als wolle er damit all diese Gedanken vertreiben. Vielleicht wäre ein Versuch, diese Gedanken etwas zurück zu drängen, gar nicht mal so fehl am Platz. Ein Lied, ein Lied aus seiner Sala würde ihm jetzt helfen. Er greift in seinen Beutel, den sie ihm glücklicher weise gelassen haben, und zieht seine beinerne Flöte hervor. Er will sie schon an die Lippen führen, da bleibt sein Blick auf ihr hängen.

'Nein! NEIN!'

Mit zitternden Fingern hält er die Flöte vor seine Augen. Ein Riß! Ein haarfeiner Riß, etwa zwei Finger lang, ist auf dem Instrument zu sehen.

'Meine Iama!'

Es muß vorhin passiert sein, als sie ihn hier hineingestoßen haben. Er betastet die betroffene Stelle hastig, zittrig, nervös. Der Riß scheint nur an der Oberfläche zu sein. Hektisch setzt er die Flöte an, und spielt ein paar Töne. Tatsächlich, der Riß ist nicht tief. Wellen der Erleichterung fallen auf ihn ein. Dieses Instrument, seine Iama, ist das Wertvollste, das er besitzt. Er hat es damals im harten Winter nach dem kurzen Sommer mit seiner Mutter aus Haigebein angefangen zu schnitzen. Es hatte sehr lange gedauert, die detailierten und lebendigen Schnitzereien zu zweit anzufertigen. Es vergingen einige Sommer, bis diese Flöte ihre heutige Form hatte. Tage und Nächte hatte ihm seine Mutter die kunstvollen Schnitzereien beigebracht. Seine Mutter. Lhuanijasi. Er hat sie schon lange nicht mehr gesehen. In seiner Erinnerung und in seinem Herzen ist sie jedoch so lebendig wie an dem Tag, an dem er seine Sippe verließ. Eine einsame Träne rollt über seine Wange. So einsam wie er selbst ist. Alleine, ohne seine Sippe, in Mitten dieser Menschen.



Zum Laderaum


Phexane sieht, daß Armen ihr folgt. Sie geht noch ein paar Stufen hinab, bleibt dann jedoch stehen und dreht sich wieder zu ihn um.

"Das Licht ist seltsamerweise verschwunden. Komisch! Aber was soll's - eine Sorge weniger! Allerdings bleibt noch eine Sorge bestehen: es könnten noch wieder irgendwelche Leute hier hinunter kommen. Das beste wäre es also, wenn ihr euch so postieren könntet, daß ihr es rechtzeitig bemerkt, wenn jemand hinab möchte. Wenn tatsächlich jemand kommt, gebt ihr mir mit einem Signal Bescheid und wir verstecken uns schnell. Es könnte sonst wieder Ärger geben."

Phexane dreht sich dann wieder um und geht, in der Hoffnung, daß Armen auch tatsächlich auf der Treppe Wache hält, ganz hinunter. Sie geht leise auf die Tür zu.

'Wenn ich mich nicht irre, hatte doch der eine Matrose noch die Tür abgesperrt. Mist! Ich denke, ich muß wohl zu meinem Dolch oder zu eines meiner Wurfmesser greifen.'

Sie geht in die Hocke, greift an die Innenseite ihrer Stiefel und zieht aus einem ein dünnes, kleines Wurfmesser heraus. Dann schaut sie sich das Schloß an.

'Sieht nicht kompliziert aus.'

Dabei drückt sie allerdings auch die Klinke herunter, an der sie sich etwas festhält, und die Tür geht einen Spalt breit auf. Überrascht blickt sie die Tür an.

'Habe ich mich geirrt? Wurde sie doch nicht abgeschlossen? Hm, möglich.'

Sie steht wieder auf, öffnet die Tür etwas weiter. Dann allerdings sieht sie sich wieder einmal zu Armen um und gibt ihm ein Zeichen, dort noch etwas zu verweilen.

Dann schlüpft sie in den Raum ....


"OK, mache ich." 'Wieso kommandiert die mich eigentlich so rum?' fragt sich Armen. 'Ich werde mich hier hinter die Kiste stellen und hoffen, das keiner kommt.'


Torin und Phexane


Torin hebt den Stab mit beiden Händen fest und schwingt ihn über seinen Kopf. Für einen Moment sieht es so aus, als würde eine kleine Flammenkugel um Torin kreisen und schließlich über seinem Kopf verharren.

'Wer auch immer da kommen mag, wird es bitter bereuen.'

Torin konzentriert sich auf seinen Stab und das Leuchten über seinem Kopf wird schwächer und verschwindet fast völlig. Die Düsternis nimmt zu und die Konturen der leeren Kisten vor der Türe verschwinden wieder in den Schatten. Torin wartet ungeduldig. Seine Hände sind kalt vor Nervosität.

Dann öffnet sich die Türe einen Spalt und mattes Licht strömt ein. Torin hält den Atem an. Er hebt den Stab noch ein Stück höher, um kraftvoll zuschlagen zu können.

Die Türe ruckt noch etwas weiter auf, ein schlanker Körper schiebt sich gewandt in die Dunkelheit des Laderaumes und schließt die Türe wie selbstverständlich hinter sich.

Torins Hände verkrampfen sich, als er die Siluette 'seiner' Diebin vor dem flackernden Schein der Ölfunzel ausmacht.

Wie in Trance nimmt er den Stab herunter und huscht zur Tür. Dort fingern seine Hände wie von selbst die verkanteten Metallstifte aus der Gürteltasche und verschließen die Tür. Durch Torins Aufregung beginnt der Stab wieder zu glühen. Rote und weiße Schlieren wabern über die Wände.

"Was tut ihr hier?" fragt er atemlos.


Phexane betritt leise den Raum. Eine schwache Öllampe, eher eine Ölfunzel, brennt schwachzuckend in einer Ecke. So kann sie auch nicht auf den ersten Blick alle Details erkennen. Zumindest aber registriert sie im ersten Moment die Kisten in diesem Raum.

Plötzlich hört sie dicht hinter sich Schritte und ein leises 'Klack', das eindeutig von dem Türschloß herrührt. Dann fragt eine männliche Stimme sie

:"Was tut ihr hier?"

Zutiefst erschrocken dreht sie sich ruckartig um - ein großgewachsener Mann mit einem rot-weiß leuchtenden Stab steht vor ihr, als hätte er sich wie ein Magier hierher teleportiert.

Überrascht und vor allem ängstlich geht sie ein paar kleine Schritte rückwärts, spürt dann aber eine harte Kante in der Kniekehle, knickt ein und droht auf die Kisten hinter ihr zu fallen. Hilflos rudert sie noch mit den Armen, während sie vergeblich versucht, das Gleichgewicht wiederzufinden.



Als Torin die Schwarzhaarige im Zwielicht seines Stabes straucheln sieht, zögert er keine Sekunde. Er springt nach vorne und ergreift einen ihrer rudernden Arme. Fest umfaßt er ihn und zieht sie zu sich heran. Daß dabei sein hell funkelnder Stab zu Boden poltert, ist ihm egal.



Phexane landet, dank dem Schwung des Fremden, in seine Armen. Ihre Hände ruhen auf seiner Brust, dann schaut sie kurz hoch und löst sich ziemlich schnell wieder von ihm. Etwas verärgert blickt sie ihn an.

"Wer seid ihr und was macht ihr hier? Moment, ihr seid doch der, der sich mit dem einen Seemann vor dem Schrein unterhalten hat, oder?"


Als die Hände der Schwarzhaarigen seine Brust berühren, stockt Torin der Atem. Für einen Augenblick sieht er sich zurück auf der Blumenwiese. Doch dann löst sich die Unbekannte aus seinen Armen und ein seltsames Gefühl der Leere umfängt ihn.

"Ihr seid noch immer so kratzbürstig wie auf dem Dach in Prem" ignoriert er ihre frechen Fragen. Mit seinen noch immer kalten Händen prüft er schnell den Sitz seiner Kleidung. Er blickt auf den leuchtenden Stab, der nun zwischen ihnen auf dem Boden liegt. Vorsichtig bückt er sich nach dem Stab und hebt ihn auf. Als er sich wieder erhebt, liegt ein Lächeln auf seinem Gesicht.

"Nur gut, daß ihr mich diesmal nicht niedergeschlagen habt."

Als er in ihr erstauntes Gesicht blickt, fühlt er seine innere Stärke zurück kehren. Das Glühen des Stabes wird schwächer, doch noch immer ziehen rot-weiße Lichtschwaden über die Wände des Raumes.

"Aber was euere Fragen angeht, holde Maid," er zieht seinen Hut und verbeugt sich leicht, "Mein Name ist Torin Rotmarder, von der Sippe der Rotmarder."

Als er den Hut wieder aufsetzt fragt er:

"Wie ist euer Name, holde Maid? Und was, wenn ich fragen darf, macht IHR hier unten?"



"Dach .... in Prem?"

Phexane kann kaum glauben, was sie hört und so dauert es einen Moment, bis sie erkennt, wer vor ihr steht. Wieder sieht sie die schwarzgekleidete, vermummte Gestalt vor ihr, die sie auf einem Dach in Prem überrascht hatte. Sie erinnert sich auch an den Schlag, den sie ihm verpaßt hatte. Während sie seine Vorstellung hört, verfinstert sich ihr Gesicht zusehends und sie versteht, was dieser Mann von ihr will. Mit einer schnellen Bewegung zieht sie ihr Florett.

"Ihr wißt doch genau, wer ich bin! Ihr seid hier, weil der Thorwaler euch geschickt hat!"

Mit diesen Worten ruckt ihr Florett vor und stoppt nur einen halben Spann vor seiner Kehle ....



Torin äugt erstaunt auf die Klinge vor seinem Hals. Die schartige Klinge des Floretts mag nicht die Beste sein, doch ist sie spitz genug, um seinem Leben ein schnelles Ende zu bereiten. Er schluckt.

'Wenn ich das Leuchten meines Stabes zum Erlöschen bringe, gelingt es mir vielleicht, zur Seite zu huschen. Es ist riskant, aber vielleicht meine letzte Möglichkeit.'

Dann blickt er der Schwarzhaarigen in die Augen und sagt mit gedämpfter Stimme:

"Wenn ihr glaubt, euch so mit mir unterhalten zu müssen, dann kann ich das wohl nicht verhindern. Aber wieso habe ich euch dann vor dem Fall in die Kisten bewahrt? Wenn ich euch etwas Böses wollte, hätte ich euch dann nicht hinterrücks erschlagen können? Glaubt ihr, es wäre in Prem aufgefallen, wenn des Nachts eine Diebin auf dem Dach ausrutscht und sich zu Tode stürzt?"

Bei diesen Worten konzentriert er sich auf seinen Stab und das Leuchten verliert langsam an Intensität. Torin setzt all seinen Charme in seine nächsten Sätze und betet zu Phex, daß die Frau vor ihm auf seine Worte eingeht.

"Ihr seid sicher eine kluge Frau und habt es nicht nötig, euch wie eine thorwalsche Furie aufzuführen. Und nun senkt bitte euere Klinge."



Phexane läßt langsam ihre Waffe etwas sinken. Sie mustert ihn.

'Er hat schon recht.'

Ihre Aufmerksamkeit wird nun auf seinen leuchtenden Stab gerichtet.

"Das Licht! Ihr wart es also? Habt ihr mich die ganze Zeit beobachtet?"

Sie fühlt eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Erschrecken - Erleichterung darüber, daß es kein Dämon oder so etwas in der Art war, der dieses Leuchten erzeugte; Erschrecken darüber, daß er sie die ganze Zeit offenbar beobachtet hatte.

Da nun Phexanes Aufmerksamkeit auf das Leuchten gerichtet ist, zeigt die Spitze des Floretts senkrecht gen Boden. Ihr fällt kaum auf, daß es nun wieder dunkler im Raum wird. Für einen Moment noch ruht ihr Blick auf den Stab, dann aber will sie ihn anschauen, doch bleibt ihr Blick auf einen goldenen Anhänger ruhen, den sie an ihm blitzen sieht. Sie kann die Form nicht genau erkennen, doch für einen kurzen Moment wird ihre Aufmerksamkeit darauf gerichtet. Dann sieht sie ihm ins Gesicht und fragt:

"Was wolltet ihr eigentlich von mir in Prem?"



"Ja, mein Stab" lächelt Torin, als er die Klinge zu Boden sinken sieht. "Ich sollte mir in Thorwal eine Lederkappe dafür fertigen lassen."

Er erwidert ihren Blick und schaut ihr tief in die Augen.

"Warum sollte ich gerade euch beobachten wollen?"

Er stellt den Stab vor sich auf den Boden und legt seine Hände auf den glühenden Knauf. Das Funkeln des Stabknaufes dringt zwischen seinen Fingern hindurch. Dann entspannt er sich sichtlich und beginnt:

"Eigentlich habe ich euch in Prem nur mit jemandem verwechselt. Ich hoffte, meinen Bruder Mark auf den Dächern zu treffen. Statt dessen treffe ich auf euch, eine zwar recht ansprechende, jedoch genauso ruppige Diebin."

Torin lacht bei dem Gedanken an diese Begegnung auf.

"Dabei kenne ich nicht einmal eueren Namen."



Phexane hebt ihre linke Augenbraue.

"Ruppig? Ich wäre vor Schreck beinahe vom Dach gefallen! Wie hättet ihr denn reagiert, wenn sich jemand von hinten an euch herangeschlichen hättet. Zumal ihr nicht gerade vertrauensvoll ausgesehen habt."

Phexane steckt bei diesen Worten leicht verärgert ihr Florett wieder weg, hält aber weiterhin Abstand zu ihm.

"Nun ja, da wir beide auf demselben Schiff sind und es somit wohl die nächsten Tage zwangsweise miteinander aushalten müssen, kann ich euch ja meinen Namen nennen. Ich heiße Phexane Fuxfell - und hört auf mich eine Diebin zu nennen!"

Bei den letzten Worten versucht sie ihn etwas drohender anzusehen, doch sein Lächeln wirkt nahezu entwaffnend.

"Warum wolltet ihr eigentlich euren Bruder auf einem Dach treffen? Prem hat zufälligerweise auch Straßen!"

Phexane verschränkt ihre Arme.

"Und was wollt ihr überhaupt hier im Laderaum?"



"Frau Fuxfell," bei der Erwähnung dieses Namens huscht Torin ein kurzes, hämisches Lächeln über die Lippen. Es gelingt ihm jedoch nicht, seinen Blick von ihren wundervollen Augen abzuwenden.

'In dieser Düsternis strahlen ihre Augen wie schwarze Perlen.'

"Es tut mir leid, wenn ich euch damals erschreckt haben sollte. Ich kann eueren Zorn gut verstehen. Nicht jeder kann so wie ich ein Meister der leisen Schritte sein. Aber vielleicht wäre ich bereit, euch dies zu lehren."

Er löst seine linke Hand vom Stabknauf und streicht sich nachdenklich durch seinen Kinnbart.

"Eueren Eltern muß eine gehörige Portion Humor innewohnen, wenn sie euch einen solch' eindeutigen Namen gaben, Frau Fuxfell. Habt ihr es nie in Erwägung gezogen, diesen doch für euere Tätigkeiten sicherlich abträglichen Namen abzulegen?"

Nach diesen Sätzen hebt Torin seinen Kopf und reckt dadurch sein Kinn hervor. Trotz des noch immer auf seinem Gesicht liegenden Lächelns kann der strenge Unterton des folgenden Satzes nicht ueberhört werden.

"Was jedoch die Beweggründe für meinen Aufenthalt in Prem angeht, bin ich nicht gewillt, euch in mein Vertrauen einzubeziehen."

'Ihre Haare gleichen schwarzer Seide.'



Phexane will eigentlich protestieren, als er vorschlägt ihr das Schleichen beizubringen, doch er fährt weiter fort, und so schweigt sie verbissen. Als er dann seine Rede beendet hat, sagt sie:

"Nun, wenn ihr mir nicht euren Grund für den 'Dachspaziergang' nennen wollt, so ist das eure Sache! Erwartet aber nicht, daß ich euch irgendwie vertrauen würde!"

Sie hält weiterhin Abstand von ihm, die Arme verschränkt und mit einem mißmutigen Gesichtsausdruck.

"Was meinen Name angeht, so ist das wiederum allein meine Sache!"

Doch dann lächelt sie etwas bei dem Gedanken daran, wie viele Namen sie schon in ihrem Leben getragen hatte.

"Natürlich habe ich auch schon andere Namen getragen - je nach dem, mit wem ich es zu tun hatte. Nennt mir einen Namen - wahrscheinlich habe ich mich auch mal so genannt."

Sie grinst nun etwas breiter, geradezu frech.

"Aber ihr habt mir noch immer nicht verraten, was ihr hier wollt. Habt ihr auch was von dieser Aufregung hier mitgekriegt? Wißt ihr, was hier passiert ist?"



'Ich versuche sie mit meinen Worten aus der Reserve zu locken und sie tut gerade so, als ob sie sie nicht gehört hätte. Scheinbar hat sie mehr Rückgrat, als es ihre zusammengewürfelte Kleidung ahnen lassen.'

Torin senkt den Kopf wieder und blickt Phexane noch tiefer in die Augen.

"Ich erwarte von niemandem, daß er mir blind vertraut, denn Vertrauen erwirbt man nur, wenn man auch selbst vertraut."

Als sie ihn angrinst, merkt er, wie sich seine Nackenhaare aufstellen. Ein angenehmes, fast vergessenes Gefühl durchströmt ihn. Doch Torin läßt sich seine Gefühle nicht anmerken und spricht weiter.

"Solange ihr wißt, wo euere Wurzeln sind und solange ihr noch an etwas glaubt, ist euer Name wirklich unwichtig."

Abermals streicht er sich mit der linken Hand durch seinen Bart.

"Der Tumult vor diesem Lagerraum ist mir natürlich nicht entgangen. Er ist der Grund, warum ich hier bin. Ich habe mich gefragt, warum gerade dieser Raum von den beiden Seeleuten so gesichert wurde."

Seine Stimme ist merklich weicher, als er fortfährt:

"Und so wie euere Augen leuchten, hat euch ein ganz ähnlicher Trieb hier her geführt, Frau Fuxfell."



Aleara auf der Brücke


'Problem? Was für ein Problem es wohl gibt. Ich bin zwar ins Wasser gesprungen, aber das soll doch wohl nicht ernsthaft ein PROBLEM sein, dem sich die gesamte Führung des Schiffes und sogar noch andere widmen?'

Teilnahmslos beobachtet Aleara Oles energischen Auftritt. Auch sie ist verwundert, was ihn wohl so auf die Palme brachte. Die Matrosin wirkt wieder einmal sehr nachdenklich. Irgend etwas ist.....anders, das weiß sie mit Sicherheit, aber was mag das sein?



Versammlung im Mannschaftsraum


Swafnald folgt ebenfalls dem 2.Offizier, doch als er an seinem Lager vorbei kommt, bleibt er kurz stehen und bückt sich zu der kleinen Kiste, in der er seine Habseligkeiten aufbewahrt.

Schnell öffnet er diese und kramt seinen Schneidzahn hervor. Dann schließt er wieder zu den anderen auf, dabei die Wurfaxt prüfend in der Hand wiegend ... wie lange hatte er damit schon nicht mehr geworfen? Egal - das verlernt man nicht!

So bekommt er gerade noch Rilaf's Antwort auf Frejnar's Frage mit und nickt grimmig

"Drauf kannste wetten."

Mit diesen Worten stellt er sich neben die anderen Matrosen und wartet, daß Thorben seinen Plan endlich erklärt. Denn daran, daß der schon weiß, was zu tun ist, zweifelt Swafnald nicht im Geringsten.



"Jungs hört gut zu", in einem väterlichen Ton richtet Thorben sein Wort an die Mannschaft. Mit den Augen taxiert er jeden, wenn hier einer der Besessenen sitzt, könnten alle schneller verloren sein, als ihnen lieb ist!

"Swafnald und ich haben eben unten im Lagerraum vorne bei der Segellast eine schreckliche Entdeckung gemacht. Vielleicht sagst den anderen selbst, was Du dort unten gesehen hast", wendet er sich dann an Swafnald.



Gespannt schwenken die Blicke der Matrosen, die sich im Mannschaftsraum versammelt haben, vom zweiten Offizier hinüber zu Swafnald.

"Na los, Swafnald", entfährt es Olof sogleich, während Laske und Rilaf die gleiche Aufforderung mit den Augen 'aussprechen', und Frenjar sich an eine der Spanten lehnt, die durch den Mannschaftsraum laufen, und die anderen aufmerksam beobachtet. Babo dagegen ändert seine Position nicht - er bleibt unverändert auf der Hängematte liegen und öffnet nun auch das zweite Auge einen winzigen Spalt.



"Na, also, das war so:" beginnt Swafnald, die Aufmerksamkeit aller genießend und auskostend "ich bin unten im Laderaum gewesen um nach Segelhaken zu kieken, wil schon wieder welche kaputt sind. Und unten hab' ich dann das verfluchte Spitzohr gesehen, wie er gerade die Graue umbringt."

Er macht eine kurze Pause um diese Ungeheuerlichkeit wirken zu lassen

"Da hab ich mir sofort gedacht, der kann nur Arges vorhaben - das Schiff verfluchen und uns alle besessen machen und so ... und da hab ich gleich Thorben Bescheid gesacht."

"Ja und dann haben wir ihn eingesperrt, in die Segellasten vorn am Bug. Ja und nu müssen wir was tun ... es sind sicher schon welche verzaubert. Aleara zum Beispiel ... und Nirka ... und Ole ... wahrscheinlich sogar der Käpt'n... nich' wahr Thorben?"

Ein beifallsheischender Blick geht zum 2.Offizier.



"Ich hab's doch gleich gesacht! Nich' wahr Olof, das hab' ich doch", empört sich Laske im gerechten Zorn.

"Letzte Woche als ich von der Treppe zum Vordeck gestürzt bin, hab' ich's nicht gleich gesacht, daß ich die eisigen Blicke von diesem Elfenbastard auf meinem Rücken gespürt habe! Swafnir allein weiß, was da nicht alles noch hätte passieren können!"

Vollkommen entrüstet stapft Laske im Laderaum hin und her, wobei er sich allerdings weitestgehend im Kreise dreht, wobei er ständig vor sich hin plappert:

"Und jetzt isses soweit... jetzt isses soweit!"

Aprupt bleibt er stehen:

"Wie lange soll es noch so weitergehen? Das muss jetzt ein Ende haben!"



"Genau so war es!" pflichtet Thorben dem Matrosen bei. "Der Elf hat die Katze mit seinen Blicken getötet. Swafnald konnte seinen Blick gerade noch von ihm abwenden. Als ich ihn dann angriff, war er völlig überrascht. Nur so hatte ich eine Chance! Und so müssen wir es jetzt auch machen. Wir müssen jeden, der sich seltsam verhält, festnehmen."

Thorben versucht in einfachen kurzen Sätzen zu reden, so daß auch jeder der Seemänner alles genau versteht.

"Genau! Ihr habt recht! Das kann so nicht weitergehen! Hört genau zu. Folgendes habe ich mir ausgedacht: Jeder nimmt sich jetzt seine Waffe. Dann gehen wir nacheinander an Deck - nicht zusammen, das würde auffallen. Ich vermute, die sind alle auf dem Brückendeck. Wir müssen sehen, daß wir sie einzeln erwischen. Für eine offene Konfr ... für einen offenen Kampf sind wir zu wenige. Wir wissen nicht, wen es schon alles erwischt hat. Immer wenn einer geht, müssen wir ihn abfangen und festsetzten. Wenn sie aber alle einzeln stehen, gehen wir hin und nehmen sie alle gleichzeitig fest - jeder einen. Habt ihr das verstanden? Oder habt ihr noch andere Vorschläge?"



An Deck


Xenia steht immer noch mit auf die Reling gestützten Ellenbogen dort, als plötzlich ihr Kopf von ihren Händen rutscht. Sie schüttelt sich kurz und richtet sich dann aus ihrer leicht gebückten Haltung auf.

'So etwas! Da muß ich tatsächlich weg gedöst sein. Es ist schon seltsam: Ob man sich abrackert wie nur sonst was oder ob man gar nichts tut - man wird müde hier.'

Sie streckt sich kurz, dann dreht sie sich von der Reling weg und dem Oberdeck zu.

'Hier ist aber auch gar nichts los.'

Vom Oberdeck wandert ihr Blick zum Brückendeck hinauf, und als sie Aleara erblickt, ist ihre Neugier erneut geweckt.

'Ich verwette mein Mittagessen, wenn sie da oben nicht gerade wegen ihres Sprunges ins Wasser an Fianas Feier zur Rede gestellt wird, bei Efferd!'

Seufzend wendet sie sich wieder dem Meer zu.

'...und ich bekomme mal wieder nichts mit.'

Verärgert spuckt sie über die Reling ins Wasser; auf ihrer Stirn bildet sich eine senkrechte Falte.



Mit wachsender Verwunderung nimmt ALRIK noch zur Kenntnis, wie Wasuren kreuz und quer über das Unterdeck rauscht. Ein bißchen durcheinander ist er ja nun wirklich, das würde wenigstens erklären, warum man selbst keines Blickes gewürdigt wird. Oder aber es ist ihm peinlich, daß er immer noch müde ist.

Wie auch immer, überlegt ALRIK weiter, der Wasuren wird sich jedenfalls noch wundern, wenn er sich im Mannschaftsraum auf's Ohr hauen will. Denn gerade eben verschwand dort noch der zweite Offizier - das wird die Chancen auf ein heimliches Nickerchen nachhaltig verringern.

Mit einem fiesen Grinsen steigt ALRIK die Treppe zum Oberdeck empor. Dort stellt er sich an die Reling und beobachtet die beiden träumenden Matrosinnen, die dort leicht gelangweilt in die Ferne blicken und ebenfalls an der Reling stehen.



Als sie bemerkt, wie sich der Schiffsjunge an die Reling begibt, schlendert sie hinüber.

"Na, was gibt's Neues?" fragt sie gelangweilt, als sie neben Alrik steht. Nicht, daß sie glaubte, es gäbe tatsächlich etwas Berichtenswertes, aber irgendwie muß man eine Unterhaltung ja anfangen. Aus diesem Grund erwartet sie auch nicht wirklich eine Antwort und fährt gleich fort:

"Ist dir auch so furchtbar langweilig?"



"Langweilig nicht direkt. Irgendwo ist hier ja immer was los, man muß dem Trubel nur gezielt aus dem Weg gehen, dann paßt das schon."

Alrik stellt sich zu Xenia und lehnt sich mit dem Rücken an die Reling.

"Nun ja, die Kombüse würde ich jedenfalls momentan nicht aufsuchen..."



Flink dreht sich Xenia um, so daß auch sie nun mi dem Rücken zur Reling steht.

"Trubel? Wo denn?"

Sie macht eine weitschweifige Bewegung mit dem Arm, die das ganze Oberdeck umfaßt.

'Das einzige Interessante hier wäre wohl Aleara - und da gerade kann ich nicht einfach hinaufgehen... Auch die Suite ist verschlossen. Aber er hat Recht - vielleicht ist ja unten irgend etwas...'

Mit aufflammender Neugierde sieht sie Alrik an.

"Was ist denn in der Kombüse los?"



"Erst hat er mich zum Küchendienst verdonnert und dann, gerade als ich angefangen habe, da schmeißt er mich raus. Aber naja, du weißt ja auch, wie Sören manchmal so ist."

ALRIK tippt sich leicht mit dem Finger an die Stirn.

"Jedenfalls stand die Hälfte der Passagiere gerade vor der Kombüse, und redete auf ihn ein. Und du weißt ja, wie schnell er überfordert wird", lästert ALRIK weiter.



Xenia nickt grinsend.

"Klar! Und so wie ich dich kenne, warst du nicht unbedingt unglücklich darüber,was?"

Sie kann sich das Bild direkt vorstellen: Sören in seiner Küche und davor lauter Passagiere, die alle - wie üblich - wissen wollen, wann denn das Essen fertig ist, und dazwischen der Küchenjunge, der lustlos irgend etwas zerschneidet - wunderbar. Die Matrosin kichert albern.

'Wahrscheinlich hat er Alrik rausgeschmissen, weil der von allen am meisten geredet hat und außerdem kein Platz mehr war...'


"Na, mir konnt's nur recht sein, immerhin bin ich Schiffsjunge und kein Küchenjunge."

ALRIK grinst bis über beide Ohren.

"Oder hältst du mich etwa für faul?"

Übermütig knufft der Junge Xenia in die Seite, wohl wissend, daß diese Überraschungsattacken meistens mit Kitzelerfolg gekrönt sind. Doch dann hält er inne, denn es gilt immer noch einen geheimnisvollen Fall aufzuklären:

"Sag mal, wie findest du eigentlich den Wassy?" fragt ALRIK schließlich ganz scheinheilig.



Die Matrosin knufft Alrik sofort zurück.

"Hey!" entfährt es ihr überrascht.

Sie ist ganz froh darüber, daß Alrik offensichtlich keine Antwort auf seine erste Frage erwartet, denn in der Tat hält sie ihn - wenn schon nicht für wirklich faul - immerhin für ein wenig arbeitsscheu.

"Hm... finden - wie meinst du das?" fragt Xenia vorsichtig zurück.

'Jetzt heißt es: Holzauge sei wachsam - irgend etwas heckt der schon wieder aus...'



"Wie ich das meine?" wiederholt ALRIK mehr zu sich selbst, um sich etwas mehr Zeit auf der Suche nach einer unverfänglichen, aber zugleich aussagekräftigen Formulierung zu verschaffen.

"Na, einfach nur so. Ihr hattet euch doch als Fiana ihren Tsatag gefeiert hat, ziemlich lange unterhalten und gemeinsam gesoff... getrunken. Oder verwechsele ich da jetzt was?"



Auf der Brücke


Die Bootsfrau wendet ihren Blick wieder nach vorne und mustert die Personen auf dem Deck. Scheinbar haben sowohl Sigrun, als auch Xenia regelrecht lange Weile, doch aus Rücksicht auf Sigrun, die sie ungern durch die Gegend scheuchen möchte, verzichtet Nirka erst einmal darauf, den beiden irgend eine Arbeit zuzuweisen, die dann auch eher Beschäftigung als wirklich nützlich wäre.

Sie wirft kurz einen Blick zu den anderen auf dem Brückendeck und der spannenden Frage um Aleara, um dann wieder ein wenig mit dem Steuer zu experimentieren. Dies bleibt allerdings weiterhin erfolglos, denn wie sie das Steuer auch dreht, es ist kein Gegendruck zu spüren. Im Moment treibt die NORDSTERN tatsächlich bewegungslos, und es ist allein Efferds Willen überlassen, ob sie sich relativ zum Meeresboden bewegt. Falls sie das tun sollte, dann ganz langsam, und so, daß die Menschen an Bord es nicht mitbekommen.




Darian in seiner Kabine


Als Darian seine Kabine betritt, stellt er erfreut fest, dasz das Stampfen aufgehört hat. Er setzt sich, stellt seinen Krug ab und holt erneut die Schriftrolle hervor, mit der er sich schon vorhin an Deck beschäftigt hat. Er trinkt einen Schluck Wasser und beginnt dann zu lesen. Es dauert nicht lange und er ist wieder in seinen Studien versunken.



Der Gefangene


Sylvhar steht nun wieder in seinem Gefängnis. Seit einigen Augenblicken vernimmt er Stimmen aus dem Laderaum nebenan. Zwei Stimmen. Eine männliche und eine weibliche. Beides menschliche Stimmen. Er hatte die beiden gar nicht eintreten gehört, wahrscheinlich war er zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen. Er kennt keine, vermutlich sind es Leute, die in Prem auf's Schiff gekommen sind. Jedenfalls gehören sie nicht zur Mannschaft.

Vielleicht werden ihm diese beiden helfen?!!! Ein kleiner Hoffnungsschimmer keimt in ihm auf. Aber was, wenn diese beiden ihm auch Böses wollen? Wie soll er das wissen, sind doch die Menschen alle so seltsam und schwer einzuschätzen? Er dachte auch, daß ihm auf diesem Schiff niemand etwas antun will, und doch ist er nun hier gefangen.

Immerhin, die beiden sprechen nicht über ihn, oder irgendwelchen Untergang des Schiffes. Sie sprechen sowieso über ein sehr komisches Thema. Begegnung auf Dächern? Was??? Ach, er ist unentschlossen. Er lauscht weiter. Zu sehr ist die Angst in ihm noch dominierend...



Glücksgefühle


Reckinde betrachtet mit gierigen Augen und doch entspannten Gesichtszügen den Inhalt ihrer Schatulle!

'Diese Schönheit, diese Vollkommenheit!!!!!!!!!! Dies ist mein Leben, mein ein und alles!'

Von dem Funkeln und Geglitzer wie hypnotisiert, fängt sie an zu träumen. Vor ihrem inneren Auge explodieren rote, gelbe, grüne und blaue Bälle, dazwischen sind Farben, die sie nicht benennen könnte. Diese Farbbälle verschmelzen langsam zu einem Gebilde.

Reckinde läßt sich in ihrer Tagträumerei einfach dahintreiben. Wer sie kennengelernt hat, kann sich nicht vorstellen, dass diese sonst so harte Frau zu solchen Träumereien fähig sein kann.

Reckindes "Gebilde" hat sich zu einem Fluß entwickelt, der in allen Farben schillert. Sie selbst treibt darauf ohne unter zu gehen. Sanftes Dämmerlicht hüllt sie ein, während sie ganz langsam von dem Wasser weiter getragen wird...........



Reckinde treibt `ihren´ Fluß entlang. Die Explosionen der Farbbälle werden immer weniger, die verschiedensten Farben dagegen bleiben da. Wenn Reckinde sich selbst so sehen könnte! Sie hätte für sich selbst nicht einmal ein mitleidiges Lächeln über!

Die Farben vermischen sich langsam, ohne ihre eigene Identität zu verlieren. Aus dem Fluß wird ein Meer. Ein weites Meer...........

Was war das??? War da ein Geräusch?? Reckinde kommt langsam wieder zu sich. In ihrem schneeweißen Gesicht steht das blanke Entsetzen!! Im krassen Gegensatz zu ihrem Aussehen schließt sie in Windeseile die Schatulle und versteckt sie sofort in der großen, schweren Truhe unter all dem unentbehrlichen Sachen, die sie dort aufbewahrt.

Schwer atmend und schweißüberströmt sinkt sie in ihren gepolsterten Stuhl zurück. Sie atmet mehrmals tief ein und aus. Langsam kommen ihre Lebensgeister zurück.

`Wo bleibt nur dieser Radisar mit meinen Trollinger Zacken? dieses Kretin!! Der wird mich erst richtig kennenlernen, wenn er nicht ganz schnell kommt!



Ole beruhigt sich


Gerade eben noch hatte rote Schlieren vor den Augen sehen müssen, die sich, einem verzehrenden Feuer gleich, zerstörerisch um seinen Kopf zu legen versuchten. Doch nun wird der Schädel frei, der Druck verliert sich. Auch der Blutgeschmack auf seiner Zunge, den er seit geraumer Zeit schmecken mußte verliert an Intensität. Es ist, als würde die brennende Sonne seinen Verstand klären und wäre da auch nur ein geringes Lüftchen gewesen und nicht diese verdammte Flaute, dann, dessen ist er sich sicher, denn hätte sie seine Wut vollständig über Bord geweht. Doch da war keinerlei Windregung und deshalb fällt es ihm schwer von der Wut zu lassen, um ihrer Herr zu werden. Doch langsam hat er seinen Körper wieder unter Kontrolle. Die Hände, die noch vor wenigen Augenblicken, wie von einer unsichtbaren Macht geschüttelt sichtbar vibrierten, werden beruhigter. Seiner Kehle entflieht ein langer Seufzer. Wieder einmal geschafft, wieder einmal - diesmal noch!

Vor sich sieht Ole die Trümmer seiner Pfeife auf dem Boden liegen. Verlegen versucht er sie mit den Füßen zur Seite zu bringen, als wäre sie Zeugen einer bösen Tat. Um was sollte es gehen? Ole erinnert sich an die Worte des Schiffsjunge. Ach ja, es ging um Aleara. Doch was sollte er dabei klären können? Er hatte den Vorfall damals nicht beobachten können, was also sollte er schon erzählen können?

Der alte Schiffszimmermann hebt den Kopf und blickt Kapitän Jergan an. Diese schaut nicht eben sehr freundlich zurück.

'Nun ja,' Ole schluckt schwer 'ist ja verständlich!'

Der graue Riese brummelt vor sich hin, kein Mensch kann verstehen, was er dabei auszudrücken versucht. Vereinzelt hört man ein 'Entschuldigung', dann ist wieder für längere Zeit nichts mehr zu verstehen. 'Es tut mir leid!' könnte einer der gebrummelten Sätze gelautet haben, doch mit Sicherheit kann man das nicht sagen. Doch dann ist Ole still und wartet darauf, was ihm der Kapitän zu sagen hat.



Jergan geht auf das Grummeln und Brummeln nicht weiter ein, ihn interessiert im Moment nicht wesentlich, was in Ole gefahren ist. Einzig wichtig ist, daß dieser sich anscheinend wieder beruhigt hat - was auch immer die Ursache für die Aufregung gewesen ist. Ruhig sagt er darum:

"Du weißt ja, was mit Aleara passiert ist. Sie hat uns eben recht merkwürdige Dinge erzählt... Sie erwähnte den Grünwal, den wir zwischen Olport und Prem trafen, sie erwähnte Swafnir, Efferd... den Efferdtempel... einen Priester und eine Warnung vor dem Namenlosen."

Die Stimme des Kapitäns wird dabei leiser, doch dann faßt er sich wieder und sagt mit fester Stimme:

"Du hast damals großes Wissen über diese Dinge gezeigt. Kann es sein, daß die Götter damals oder vorgestern in Prem zu ihr gesprochen haben? Daß der Wal für sie eine Offenbarung war? Daß der Wunsch, Swafnir und Efferd nahe zu sein, sie ins Wasser trieb?"

Jergans Blick hat zumindest die Unfreundlichkeit verloren, und darin ist eine gewisse Hoffnung zu lesen, daß Ole in diesen Fragen helfen kann.



Fiana macht ein erleichtertes Gesicht als sie bemerkt, daß Ole sich zu beruhigen scheint.

'Was hat er nur? Im Anschluß hieran werde ich mit ihm Reden, normalerweise ist er doch sehr umgänglich'



Ottam kocht innerlich vor Wut. Was erlaubt sich dieser aufgeblasene Möchtegern hier eigentlich. Allein die Unverschämtheit die Pfeife hier, vor der versammelten Obrigkeit des Schiffes zu zertrümmern, reicht seiner Meinung nach diesen fiesen Kerl ein paar Tage in Ketten zu legen. Und diese Witzfigur von Kapitän läßt sich das auch noch gefallen.

Ottams Blick spricht Bände und der Seitenblick zu Jergan läßt keine Vermutung darüber offen, was er von Oles Verhalten hält. Zähneknirschend blickt er in die Runde, verkneift sich jedoch NOCH einen Kommentar.



Bei den nicht wirklich ausgesprochenen Entschuldigungen Oles huscht ein Grinsen über Nirkas Gesicht, das nicht unbedingt sehr freundlich zu nennen ist... wo gibt es so etwas, daß man SO vor den Kapitän tritt, und sich nicht einmal wirklich entschuldigt?

Kurz denkt sie über mögliche Ursachen nach, die zumindest nicht offensichtlich zu sein scheinen, denn bei welcher Arbeit soll ihn der Ruf schon unterbrochen haben?

Sie denkt nicht weiter darüber nach, als der Kapitän endlich die Frage ausspricht - in einem Ton, dessen Freundlichkeit die Bootsfrau sogleich noch mehr aufregt.

Sie dreht sich ein wenig - freilich ohne das Steuer loszulassen - und mustert die anderen auf dem Brückendeck. Fiana scheint erleichtert zu sein - wie der Kapitän, was bei ihr kein Wunder ist, und Ottam?

Nirka ist fast ein wenig verwundert, als sie bei ihm Spuren extremer Verärgerung entdeckt - offenbar ist dies einer der bislang extrem seltenen Fälle, wo sie mit dem MAGIER einer Meinung ist!

Doch sie bremst sich gedanklich sogleich ein wenig, denn immerhin kann Ottams Verärgerung auch aus dem Umstand heraus resultieren, daß Jergan Ole nach diesem Problem fragt, und ihn, den Schiffsmagier, einfach übergeht. Und an der Stelle hätte Nirka genauso wie Jergan gehandelt...


Ole räuspert sich ein paar mal und atmet hörbar zwischen den Zähnen aus. Diese Frage hat ihn glatt überrumpelt. Mit allem möglichem hätte er gerechnet, doch niemals damit. Er hätte zu keiner Zeit vermutet jemals einen Auftrag zu erhalten, der eine Erörterung von derartiger Tragweite beinhalten würden. Ole's Stirn zeigt tiefe Furchen. Auf solche Fragen gibt es keine schnellen Antworten. Ole reibt sich das Kinn und denkt nach. Und mit ruhiger, tiefer, fast sanfter Stimme erklärt er:

"Herr Kapitän! Für den Gläubigen ist JEDE Begegnung mit den Geschöpfen aus dem Volk SWAfnirs eine Offenbarung. Wale sind göttliche Wesen, aber sie sind keine Götter, dies muß jedem klar sein. Der Grünwal, der den Kurs der NORDSTERN kreuzte, hatte, da bin ich mir sicher , keine besonderen Botschaften. Er war jung und verspielt und sehr, sehr neugierig! Und dennoch wohnte seinem Erscheinen etwas Heiliges inne. Er war groß, sehr groß und er mußte uns zwangsläufig die Bedeutungslosigkeit unseres Daseins nahe bringen, damit uns klar werden muß, daß in der Demut ein Stück Lebensweisheit steckt und im Hochmut das Verhängnis. Doch solche Erfahrungen schrecken nicht, sondern sie trösten! Solches kann uns aber auch sehr erschüttern! Dann sucht man, in der Regel einen Tempel auf. Jedoch ist mir kein Fall bekannt, da Gläubige in einem alveranischen Tempel von dämonischen Gezücht befallen worden wären, auch nicht von der Brut des Namenlosen!"

Ole macht eine kleine Pause. In einer fahrigen Bewegung fährt er mit seiner rechten Hand an den Mund. Kopfschüttelnd stellt er fest, daß er gar keine Pfeife mehr in der Hand hält, da er sie kurz vorher im Zorn zerbrochen hatte. Er räuspert sich wieder und sagt dann:

"Herr Kapitän, ich denke, es bringt uns nicht weiter, wenn wir nur im Allgemeinen forschen. Darf ich Aleara ein paar Fragen stellen? Wenn ihrem Verhalten etwas Seltsames, Mysteriöses oder gar etwas unnatürlich gefährliches innewohnt, dann trägt sie auch den Schlüssel zu allen Antworten und nur sie allein! Es sei denn sie strahle etwas aus, daß von astral Begabten zu erkennen wäre, nur für den Fall, es wäre so ...!"

Ein leichtes Schmunzeln schleicht sich in Ole's Gesicht, kurz nur, dann ist es auch schon wieder verschwunden. Ole bemüht sich Ottam während dessen nicht anzublicken.


Aufmerksam hört Jergan den Worten des alten Schiffszimmermanns zu und nickt mehrfach. Besonders intensiv ist dieses Nicken bei den Worten über das dämonische Gezücht - an dieser Stelle sagt er leise:

"Ja, das denke ich auch!" ohne Ole dabei zu unterbrechen.

Dann unterbreitet Ole seinen Vorschlag, verbunden mit der Frage, ob er mit Aleara darüber reden darf. Auch hier reagiert der Kapitän mit einem Nicken, denn schließlich ist das exakt der Grund, warum er Ole gerufen hat.

"Ja. Du darfst sie befragen - das ist genau der Grund, aus dem ich dich rufen ließ. Deine Worte zeugen davon, daß du dich damit auskennst, und mögliche Gefahren sicher erkennen wirst. Versuche, herauszufinden, was geschehen ist, und was es zu bedeuten hat. Wenn du dabei Hilfe benötigst, egal, welcher Art, dann sag mir das."

Man merkt dem Kapitän bei den letzten Worten ein wenig die Erleichterung darüber an, daß er dieses Problem in offensichtlich erfahrene und fähige Hände übergeben hat.

Ganz kurz huscht sein Blick zu dem Magier, der auf das Brückendeck gekommen ist, doch er hütet sich, diesen um Mithilfe zu bitten, denn noch zu genau steht die Szene nach dem Sprung des Wales vor seinen Augen - als Ottam Ole beschuldigte.



"Jetzt weiß ichs wieder!" platzt es Aleara heraus. Hastig spricht sie weiter: "Der Geweihte meinte, der Einfluß des Namenlosen würde schwächer werden, aber wir dürften uns trotzdem nicht ausruhen und aufhören, ihm Widerstand zu leisten! Nur wenn wir weiterkämpfen kann das Übel ausgemerzt werden."

Sie hört auf zu sprechen. Mit den Augen eines glücklichen Kindes, das eine Belohnung erwartet, blickt sie Jergan fest an.



Jergan nickt zu Alearas Worten, sagt aber nichts, sondern macht eine Handbewegung in Oles Richtung, die sehr deutlich sagt, daß er diesem den Fall gewissermaßen übertragen hat.

Allerdings spricht aus seinem Gesicht auch eine nicht zu übersehende Neugierde, wie dieser es angehen wird, und vor allem, was genau er daraus für Schlüsse zu ziehen gedenkt.



Ole runzelt nachdenklich die Stirn. Hätte er doch nur aufmerksamer zugehört, als der Sprung Alearas

noch Tagesgespräch gewesen war. Es hatte ihn damals nicht so sonderlich interessiert und deshalb die Gespräche darüber nur mit halber Aufmerksamkeit verfolgt. Doch Alearas Worte, vor wenigen Momenten mit einer gewissen Leichtigkeit ausgesprochen, machen den Schiffszimmermann mißtrauisch. Kapitän Jergan hätte ihn niemals gerufen, gälte es derartige Lappalien zu klären.

Ole lächelt freundlich und geht langsam auf Aleara zu, während er mit sanfter Stimme spricht:

"Nun, Aleara! Das waren doch sicherlich sehr starke Worte des Trostes, die der Tempelherr da sprach, nicht wahr? Der Erzfeind der Götter auf dem Rückzug, seine Macht erheblich eingedämmt durch die Aufmerksamkeit der Menschen, kann man da nicht Hoffnung schöpfen? Kann man bei solchen Verheißungen nicht jede Angst beiseite legen? Ist das nicht so?"

Ole tritt immer näher an Aleara heran, er blickt sie konzentriert an, als versuche er durch sie hindurch zu schauen. Seine Stimme wird eine Spur lauter und er betont fast jedes Wort:

"Wie also kam die Angst über dich? Wann hat sie sich deiner bemächtigt, diese Angst, die 'namenlose' Angst? Wann hat sie dich überwältigt und derart beherrscht, daß du dich nur noch sicher fühlen konntest im Element des Wales. Suchtest du Schutz, Trost oder wolltest du nur einfach fliehen?"

Ole ist nun vor ALeara getreten und legt sein riesigen Hände auf die Schultern der Frau, väterlich und Schutz anbietend.

"Teile deine Angst mit mir, Aleara, belaste mich damit und gib dich zu erkennen! Befreie deine Seele!"



Jergan mischt sich in Oles Befragung mit keinem Wort ein, er nickt nur zufrieden, als merkt, daß der Schiffszimmermann so kundig vorgeht, wie er es gehofft hat.

Die Worte Oles, die eigentlich an Aleara gerichtet sind, verfehlen auch beim Kapitän ihre Wirkung nicht, denn er fühlt so etwas wie Erleichterung in sich aufsteigen...



Lowangers Miene klärt sich sichtlich auf. Guter Mann, dieser Ole. Ein wenig hitzköpfig zwar und etwas ungehobelt, aber trotzdem ein guter Matrose.

Der dritte Offizier schaut in die Runde und stellt bei sich fest, daß die nordstern'sche Führungsriege fast komplett auf der Brücke versammelt ist. Das muß nun auch wirklich nicht sein!

Wie muß sich das verwirrte Mädchen nur fühlen, wenn gleich so viele Augenpaare auf sie starren und argwöhnisch jede Reaktion ihrerseits beobachten. Vielleicht hätte sich Ole mit Aleara doch besser an einen ruhigeren Ort zurück ziehen sollen, aber den anderen scheint wohl viel daran gelegen zu sein, möglichst schnell mehr Hintergrundwissen in Erfahrung zu bringen.

Lowanger selbst hat es damit nicht so eilig. Vielmehr interessiert es ihn so langsam doch mal, wo die ganzen Leute stecken. Auch der Händler, der vor geraumer Zeit in Richtung der Laderäume verschwunden ist, ist noch nicht zurückgekehrt und so zieht sich Lowanger zurück, mit einem an Jergan gerichteten:

"Ich seh mal unten nach dem Rechten"



Jergan wird durch Lowangers Worte ein wenig von der Befragung Alearas abgelenkt, aber das ist auch gut so, denn schließlich hat Ole die Sache gut im Griff.

"Ist in Ordnung", ist sein knapper Kommentar, während er überlegt, ob er Ole und Aleara für dieses Gespräch einen ruhigeren Platz anbieten sollte.



Diese seelische Passivität Alearas will Ole gar nicht gefallen. Alle äußeren Zeichen des Vorfalls von damals sprechen für einen Schockzustand, der die junge Matrosin seiner Zeit ereilt haben könnte. Doch was hat dieses blanke Entsetzen, das an jenem Tag zu diesem bewußtlosem Handeln Alearas geführt hatte, nur ausgelöst. Dieser fast heitere Plauderton, mit dem Aleara von diesen Begebenheiten erzählte bewirkte in dem Schiffszimmermann, dem ehemaligen Weiheanwärter für die Kirche des Walgottes, ein tiefes Unbehagen aus. Sollte Aleara die Wahrheit sagen, dann hätte sich im Tempel Swafnirs zu Prem schon wirklich einiges gewaltig geändert, seit den Tagen,da Ole dort noch regelmäßiger verkehrte. Ole kennt den obersten Geweihten des heiligen Hauses aus früheren Tagen recht gut und es wollte ihm nicht in den Kopf, daß der alte Jurge Swafnirsgrehd derart banale Lebensweisheiten weitergeben haben soll. Niemand auf dem Dererund steht den Walen näher als Jurge. Es heißt, er habe vor langer Zeit, als kleiner Junge, den Untergang seiner Otta überlebt, da er von einem weißen Wal gerettet und sicher zum Ufer gebracht worden war. Dieser Mann würde niemals Unsinn reden im Zusammenhang mit Walen. Doch bleibt die Frage: Was hat Aleara derart verängstigt, daß sie heute noch verwirrt zu sein scheint und mit Mühe eine Erinnerung zurückdrängen will, die ihr auf der Oberfläche des Bewußtseins so schreckliche Angst ein zu jagen scheint? Was wurde Aleara in jener Stunde offenbart? War es ein fürchterliches, verdecktes Geheimnis aus der Vergangenheit oder gar eine Schreckensvision aus der Zukunft?

Und Ole kann das Gefühl nicht loswerden, daß die Antwort auf diese Fragen eine gewichtige Bedeutung haben wird, für alle Seelen, die momentan auf der NORDSTERN durch den Golf von Prem dümpeln. Wenn sie doch nur sprechen würde, das arme, bedauernswerte Mädchen.....



"Ich weiß nicht" stottert Aleara verwirrt. Nach kurzem, unsicherem Blick in Oles Augen

spricht sie:

"Ich wollte mich seiner allmächtigen Kraft und unendlichen Weisheit

direkt anvertrauen, ohne Stein oder Fels, ohne Erz und Feuer.

All diese kleinen Menschen, die da denken sie würden begreifen! Sie

haben ja nicht die leiseste Ahnung! Du," ihre Stimme wird fordernd, sie befreit sich mit einem Ruck von Oles Armen.

"der du glaubst mit dem Wal gesprochen zu haben! Was weißt denn du? Oder er,"

sie wendet sich an Jergan

"der da denkt er könne Efferds Reichtümer einfach so ausnutzen, um sein Schiff von hier nach dort zu manövrieren. Was versteht er denn? Nichts! Gar nichts! Überhaupt *gar nichts*!"

Bei den letzen fragenden Worten wird ihre Stimme fester, lauter. Die letzten drei Worte schreit - nein: brüllt - sie mit einer solch donnernden, wutentbrannten Stimme, die man ihr gar nicht zugetraut hätte, und die sicherlich auf dem ganzen Schiff zu hören war. Schwer atmend blickt sie zu Boden, hockt sich entkräftet auf die Planken und starrt regelrecht entgeistert ins Nichts.



Fiana ist verwundert, was ist nur mit ihr, fast scheint es so als kämen die Worten nicht von ihr, ob sie besessen ist? Was hat sie nur, Jergan ist wohl der beste Kapitän mit dem sie je gesegelt ist. Er versteht es seine Leute mit Respekt zu behandeln und verfügt über große fachliche Qualitäten. Und soweit sie weiß, hat er den Göttern nicht gefrevelt. Was hat Aleara nur, ist sie besessen, hat sie einen Traum gehabt, spricht sie im Fieber? So etwas hat sie noch bei keiner Matrosin erlebt, naja und wenn war es mit dem Kater auch wieder verschwunden. Aber Aleara schien nüchtern zu sein als sie ins Wasser sprang denkt sie sich.



Ottam grinst Jergan an, ja irgendwo hat Aleara recht, dieser gefühlsduselige Kerl von Kapitän weiß gar nichts. Wäre ja auch zu dumm, doch auch er wird eines Tages erwachen. Wenn Jergan sich hier öffentlich zum Hampelmann machen will, gerne ich werde meinen Spaß haben. Mühevoll zwingt sich Ottam sein Grinsen wieder in einen teilnahmslosen Gesichtsausdruck zu verwandeln. Die Wut auf den Zimmermann ist erst einmal zurück gedrängt, viel zu sehr genießt er, wie Aleara dem Kapitän seine für Ottam schon lange sichtbare Unfähigkeit vorwirft.



Für ihn klingt es, als wäre sie von etwas besessen... einer fremden Macht, die durch sie spricht. Doch... was ist das für eine Macht?

Ihr Niederhocken, und vor allem der Gesichtsausdruck am Ende sind für Jergan eindeutig - es war nicht sie selbst. Leise fragt er in Oles Richtung:

"Was sagst du dazu? Was war DAS? Oder... was IST das?"



Sigrun


Noch immer steht Sigrun fast unverändert an ihrem Platz an der Reling. War sie eben noch über Oles Ausbruch erschrocken, so erstaunt sie nun wieder die Professionalität, mit der er sich der Frage des Kapitäns zuwendet. Jetzt langsam scheint sich eine Erklärung abzuzeichnen: Aleara beginnt, sich an einiges zu erinnern und Ole stellt vielleicht die richtigen Fragen.

Ein wenig unangenehm ist es ihr schon, daß sie schon so lange faul hier herumsteht, aber auch Xenia und Alrik haben offensichtlich nichts zu tun. Sie könnte natürlich nachsehen, ob die anderen Matrosen, die ja offensichtlich fast alle unter Deck gegangen sind, dort unten etwas wichtiges zu tun haben, doch eigentlich vermutet sie eher, daß sich die meisten im Mannschaftsraum zusammengefunden haben, zu einem Würfelspiel oder einem kleinen Schläfchen. Und dieses bestätigt zu finden, lohnt wirklich nicht den Weg nach unten, zumal sie auch wirklich gerne dem Gespräch zwischen Ole und Aleara folgen möchte.

'Außerdem ... irgendwie ist die Stimmung im Mannschaftsraum in letzter Zeit nicht so gut', denkt sie

und beschließt, daß der jetzige Standort trotz allem besser ist.



Segellast


Phexanes Grinsen erlischt wieder. Sie setzt eine 'Boltanmiene' auf, die keinerlei Gefühlsregungen zeigt.

"Der Grund, warum ich hier unten bin, ist ganz einfach: ich wollte mir das Schiff ansehen! Ich habe so eins noch nie von innen gesehen. Deshalb bin ich herunter gekommen. Dann sah ich diesen Händler, Armen, an der Tür lauschen. Er redete was von einem Elfen ..."

Phexanes Augen fangen an durch den Raum zu wandern. Doch sie sieht nichts Ungewöhnliches ... - Halt! Was war das? Ihre Augen bleiben an einem Punkt hinter Torin hängen. Sie kann in diesem schummerigen Licht nicht genau erkennen, was es ist und so geht sie mit einer gerunzelten Stirn an Torin vorbei auf eine Kiste zu. Dort angekommen beugt sie sich hinab.

"Oh, nein, die Arme!"

Phexane streicht vorsichtig über ein graues Pelzknäuel, das auf der Kiste liegt ...



Torins Lächeln erstirbt ruckartig, als Phexane den Elfen erwähnt. Die Muskeln seiner rechten Hand spannen sich und es scheint, als wolle er den Stabknauf zerbrechen. Mit der Linken fährt er aufgeregt durch seinen Bart.

"Ein Elf?!" stößt er heraus. Dann murmelt er gedankenverloren:

"Er weiß vielleicht, wo ich Liasanya finden kann. Sicher, Elfen wissen das doch... Er muß es wissen..."

Doch Phexane hat davon wohl nichts mitbekommen, denn plötzlich schiebt sie sich an ihm vorbei.

"He, wartet!" protestiert Torin. "Sagt mir, welcher Elf. Ich muß unbedingt mit ihm sprechen."

Er dreht sich zu Phexane um. Sie scheint etwas entdeckt zu haben. Im Flackerlicht seines Stabes kann er sie über eine Kiste gebeugt sehen. Die wohlgeformte Anmut ihres ihm zugewandten Hinterteils scheint er nicht einmal zu bemerken. Mit fast bebender Stimme wiederholt er:

"Welcher Elf?!"



Traurig streicht Phexane über das Fell der toten Katze.

'Sie sieht fast so aus wie die Katze meiner Mutter.'

"Das arme Tier - sie war wohl nicht mehr die Jüngste. Deshalb die Aufregung - ein Seemann hat mir mal in Havena erzählt, daß Katzen auf einem Schiff Glück bringen. Jetzt verstehe ich es!"

Phexane dreht sich wieder zu Torin um.

"Es ging nur um die Katze!"

Doch dann schaut sie ihn fragend an.

"Elf? Ja, der Händler hat erzählt, daß es um einen Elfen ging - mehr weiß ich nicht! Aber ich denke, der hat was falsch verstanden. Es ging um eine anderes 'Spitzohr' - die Katze!"

Gerade, als sich Phexane wieder der Grauen zuwenden wollte, hört sie ein Poltern. Ruckartig dreht sie sich um.

"Was war das? Wart ihr das?"

Sie schaut Torin an.



Torin starrt noch immer auf Phexane, als diese sich wieder aufrichtet und zu ihm umdreht. Erst jetzt bemerkt er, daß er ihr die ganze Zeit auf den Hintern gestarrt hat.

Er fühlt, wie ihm warmes Blut in den Kopf steigt und seine Wangen rot färbt. Er hofft, daß das flackernde Licht seines Stabes diese Gefühlsregung überdeckt.

Seine Stimme ist längst nicht mehr so kraftvoll wie noch vor einigen Augenblicken:

"Äh," Das Blut rauscht in Torins Ohren, "was meint ihr mit 'das Spitzohr ist eine Katze'?"

Enttäuschung ist seinen Worten zu entnehmen:

"Soll das heißen, es gibt hier überhaupt keinen Elfen?"

Er vermeidet es, in Phexanes Augen zu blicken und will gerade nachfassen, wie er ihre Worte nun verstehen soll, als er ein lautes Poltern vernimmt. Innerhalb eines Sekundenbruchteiles hat Torin seinen Stab schlagbereit in den Händen und fährt herum um zu sehen, woher der Lärm kam.

"Nein, ich war es nicht!" zischt er Phexane zu.



Der Gefangene


Sylvhar's Ohren verfolgen das Geschehen im Nebenraum schon einige Herzschläge lang. Aus der Unterhaltung selber wird er jedoch nicht ganz schlau.

Hm, nun ist ein seltsame Stille eingetreten... Sylvhar beugt sich, soweit es der Platz zuläßt, vor, als könnte er so mehr vernehmen. Da bemerken seine Sinne eine Bewegung am eigenen Körper. Was? Zu spät. Laut polternd fällt etwas auf den Holzboden seines Gefängnisses. Der plötzliche Lärm läßt ihn zusammenzucken. Sein Blick sucht das Ding, das ihm zum Verhängnis werden könnte - und findet es; sein eigenes Jagdmesser. Er muß es vorhin gedankenverloren nicht richtig weggesteckt haben.

Das haben die beiden von nebenan mit Sicherheit gehört. Was werden sie wohl tun? Wieder umklammert ihn die Angst. Er bückt sich und hebt das Messer auf. Wenn sie feindselig sind, wird er sich dieses mal zu wehren wissen.



Im Laderaum unterwegs


Jarun folgt dem Schiffskoch zum Niedergang. Ein leises Knarren ist zu hören, als er auf eine der Stufen tritt. Instinkt zuckt er zusammen. Nach einigen Sekunden Stille bewegt er sich langsam und vorsichtig weiter in die Dunkelheit des Ladedecks.

Als Jarun das Ende der Treppe erreicht, steht Sören bereits vor einer Türe und fingert an einem Schlüsselbund herum. 'Also lieblich und frisch!' Die Worte des Schiffskochs dringen in Jaruns Unterbewußtsein. Abwesend nickt er während sich seine Augen an die dunkle Umgebung gewöhnen und er sich auf dem Ladedeck umschaut. Viel aufregendes gibt es nicht zu sehen, außer einigen Kisten die auf dem Deck verteilt sind und einigem Segelzeug, scheint das Deck leer zu sein. Ein kurzes "Ja!" bringt Jarun leise über die Lippen, als er realisiert, daß Sören das Nicken durch die Dunkelheit unmöglich gesehen haben kann.

Jarun will sich gerade wieder dem Smutje zu wenden, als er eine Bewegung hinter einer der Kisten bemerkt. Mit der linken Hand tastet Jarun nach der Schulter seines Begleiters und beugt sich, als er diese zu greifen bekommt, zu ihm rüber.

"Ich habe dort hinten in der Ecke eine Bewegung gesehen. Und eine Ratte war das mit Sicherheit nicht, " flüstert er dem Smutje mit gedämpfter Stimme zu.

Auf dem Niedergang sind die Rufe Radisar's zu hören, der darum bittet, auf ihn zu warten.



"Herr Kellermeister, bitte .............!" - kann Radisar gerade noch sagen, ehe er eine letzte Stufe gehen will, die gar nicht mehr da ist. So steht er hart auf und gerät aus dem Gleichgewicht. Er stolpert vorwärts (oder war es seitwärts? Wie auch immer!) in die Dunkelheit des Laderaums hinein. Radisar haßt die Dunkelheit wie ein Fisch das trockene Land. Es mag ihm gar nicht gefallen, daß er nun steuerlos in die Finsternis eines ihm unbekannten Raums hinein stolpert. Doch lange muß er sich nicht bewegen. Eine querstehende Kiste bremst ihm in der Höhe des Schienbeins, fixiert beide Füße. Doch die Wucht des Oberkörpers treibt den armen Diener weiter, nur, daß er eben dabei den Bodenkontakt verliert. Aber auch das nicht für lange! Nach einem kurzen Flug kommt ihm der Holzboden rasant näher und Radisar fängt den Sturz geschickt mit dem Gesicht ab und bliebt nach einem Bremsweg von einem halben Schritt benommen auf dem Boden liegen.

"Herr Kellermeister, bitte ..........!" sagt er noch, dann verliert er die Besinnung.



Bevor man den Schatten in der Ecke genauer untersuchen kann, poltert Radisar auf die Bohlen des Laderaums und bleibt nach einem kurzen Ruf bewußtlos am Boden liegen.

Jarun läßt die Schulter des Koches los. Mit phexischer Leichtigkeit huscht er in gebückter Haltung, ganz so, als würde mit Armbrustbolzen auf ihn geschossen werden, zu dem bewußtlosen Radisar. Immer wieder richtet er sorgenvoll seinen Blick zu der Kiste, hinter der er jemanden vermutet.

"Herr Radisar! Hört ihr mich!" flüstert Jarun dem Diener zu. Dabei dreht er ihn auf den Rücken, um nachzuschauen, ob er Verletzungen von dem Sturz davongetragen hat.

Einige offenen Stellen im Gesicht zeugen von der Wucht mit der Radisar auf den Boden des Ladedecks aufgeschlagen ist. Ein kleines leuchtend rotes Rinnsal läuft ihm von der Schläfe in sein Haar und hinterläßt auf dem Boden des Decks ein paar kleine Spuren.

In der Hoffnung, daß es keine zu schwere Verletzung ist, fängt Jarun an den Diener durch Schütteln des Oberkörpers aufzuwecken.



Radisars Schädel schwenkt hin und her unter Jaruns handfestem Schütteln wie Getreide unter wechselnden Winden. Langsam kommt er zu sich. Er brummelt und grummelt und langsam kann man sogar wieder vereinzelte Worte verstehen. Es klingt so ähnlich wie:

"...Herr Wirt, bitte zahlen!"

Dann öffnet Radisar das eine Auge, wenig später das andere. Er hustet und stöhnt ein bißchen, doch dann wird er mehr und mehr Herr seiner Sinne. Er löst sich von Jaruns Armen, die ihn so kräftig durchgeschüttelt hatten, ein wenig länger noch und er hätte dem freundlichen Helfer auf die Schuhe gekotzt. Noch immer etwas benommen streicht sich Radisar über die Stirn und betrachtet danach seine Handflächen. Es tropft ihm rote Flüssigkeit von den Finger. Blut? Natürlich Blut, was denn sonst! Etwa sein eigenes Blut? Radisar starrt fassungslos auf seine Hand. Dann verdreht er die Augen nach oben, gibt noch einen langen, fast resignierenden Seufzer von sich und sackt nach hinten um. Er sagt noch:

"...schreiben sie es auf, ich zahle morgen!"

Dann schlägt er mit dem Hinterkopf auf die Bohlen und ist schon wieder besinnungslos.



Jarun's Umhang hat sich nahezu komplett über den Körper des bewußtlosen Radisar gelegt. Wie ein Adler, der mit weiten Schwingen seine Brut schützt und wärmt, hockt Jarun neben dem Diener, wobei er Sören seinen Rücken zuwendet.

"Herr Radisar ist den Niedergang heruntergestürzt," ruft er dem Smutje über die Schulter zu, während er den Kopf des kleinen Mannes stützt und mit der anderen Hand den Körper nach Verletzungen abtastet.

"Er ist momentan nicht ansprechbar. Hoffentlich ist er nicht all zu schwer verletzt."

Doch was für den Smutje nicht ersichtlich ist. Jarun durchsucht nicht nur den Körper nach Verwundungen, sondern auch die Taschen des Dieners. Und diese dürften wohl mit Sicherheit keine Verletzungen aufweisen.


Verwirrt wendet der Smutje sich von der Tür ab und dem Lärm hinter sich zu.

"In Travias Namen, was ist denn nun passiert?" fragt er.



Die flinken und vom Jonglieren geübten Finger des Gauklers finden innerhalb weniger Sekunden drei Dinge bei dem Diener, die einen gewissen Wert besitzen. Nach einem kurzen abschätzenden Blick, glaub er das Fundgut zu erkennen, das beim Verkauf am wenigsten Dukaten einbringt.

Den Geldbeutel von Radisar steckt sich Jarun in eine Tasche an seinem Umhang. Das kleine Döschen, welches er für nicht allzu wertvoll hält und dessen Inhalt er nicht identifizieren kann, schiebt er unter den bewußtlosen Körper des Dieners, so daß es solange er liegt nicht zu sehen ist. Den wunderschönen Zierdolch, den er schon oben in der Küche bewundert hat, steckt Jarun ohne lange zu überlegen, an seinem Rücken in den Gürtel. Von seinem wallenden Umhang wird dieser dort vor den neugierigen Blicken der Matrosen und Passagiere geschützt

"Wir sollten ihn nach oben in die Suite bringen und nach dem Schiffsmedicus schicken."

Bei diesen Worten setzt Jarun dazu an den Bewußtlosen auf die Arme zu nehmen, um ihn nach oben zu tragen.



"Und was machen wir jetzt?" fragt der Smutje etwas ratlos.

'Herrje, warum muß das jetzt passieren? Ich muß doch das Mittagessen kochen!'



"Ich werde den Armen nach oben in die Suite bringen. Wenn ihr bitte dafür sorgt, daß der Schiffsmedicus dorthin kommt, dann würdet ihr mir schon sehr helfen."

Mit einem kräftigen Ruck hebt Jarun den gestürzten Radisar vom Boden auf. Seine Adern treten bei der Anstrengung aus dem Hals heraus und ein leichtes Keuchen ist aus seiner Kehle zu hören. Sobald er die Position des Verletzten auf Hüfthöhe mit beiden Armen fest gesichert hat, wendet er sich noch einmal zum Smutje:

"Der Wein kann jetzt erst einmal warten. Kümmert ihr euch nur um den Medicus."

Langsam und schwer keuchend erklimmt Jarun die ersten Stufen des Aufgangs zum Unterdeck.



Als Armen gerade in den Lagerraum 2 eintreten will, hört er den Fall und rennt auf ihn zu. Er hofft Phexane bleibt unentdeckt.



Armen tritt aus seinem Versteck.

"Kann ich euch helfen ihn nach oben zu bringen?"



Jarun zuckt zusammen als der Händler aus der Ecke des Raumes tritt und ihn anspricht. Er fängt an zu taumeln und kann nur unter großer Anstrengung verhindern, daß Radisar erneut auf die Treppe stürzt. Und da fällt ihm wieder die Bewegung ein, die er gesehen hatte. Die hatte er vollkommen vergessen.

"Wo kommt ihr den her," bringt Jarun nur noch erschrocken heraus. Doch in anbetracht seiner ermüdenden Oberarme, fängt er heftig an zu nicken. "Das wäre sehr nett von ihnen. Der Herr Radisar hat nicht gerade die Figur einer Rahja-Geweihten."

Bei diesem Satz ringt er sich ein Lächeln ab, daß allerdings durch die Anstrengung stark verzehrt ist und eher aussieht, als hätte er Schmerzen.



"Habe ich sie erschreckt? Das tut mir aber leid. Ich werden die Beine nehmen und hoffen, das sie nicht auch fallen."

'Er hat sehr schnelle Finger, nachher werde ich ihn wohl noch darauf ansprechen. Ein paar Prozente will ich auch. Das bin ich Phex schuldig.'

"Der Medicus sollte sich ihn wohl sehr genau ansehen, aber vorsichtig, nicht das er auch besoffen wird."



"Ja, ähm..."

'Hm...'

Unschlüssig steht der Smutje da, die Hände in die Hüfte gestemmt.

'Das hat mir gerade noch gefehlt, verflixt!'



Tief auf dem Grund des Meeres bleibt die Strömung ruhig, auch wenn gleichzeitig die Meersoberfläche von einem wilden Sturm aufgewühlt wird. Ebenso mag es Radisar ergehen, als er angehoben, gerüttelt und geschüttelt wird. Einmal sackt ihm der Kopf nach hinten, das andere mal, als die Träger ein wenig unaufmerksam sind, stößt er mit dem linken Knie gegen ein Wandeck. Doch das rührt den kleinen Diener nicht, er beleibt schlaff und regungslos. Ebenso wenig stört es ihn, daß seine klaffende Kopfwunde munter weiter blutet und die, ohnehin schon farbenprächtige Kleidung Jaruns um ein paar rote Farbtupfer bereichert. Jedesmal, wenn sich seine Bewußtsein in lichte Höhe erheben will, treibt ihn dumpfer, quälender Kopfschmerz in den Frieden schwarzer Bewußtlosigkeit zurück. Er gibt dann ein paar unwillige Brummer von sich und ist gleich darauf auch schon wieder still.



Joanna und Alrik


'Ja, und jetzt?'

Joanna sieht sich um und lenkt dann ihre ganze Aufmerksamkeit wieder auf Alrik.

"Da es noch dauert, bis es Essen gibt, wollen wir uns nicht auf dem Schiff umsehen?"

Ihre Augen beginnen zu funkeln.

"Es ist meine erste Schiffsreise und habe daher noch nie ein Schiff von innen gesehen."

Die Druidin mustert wieder ihre Umgebung und blickt den Magier dann erwartungsvoll an.



Alrik schaut Joanna entgeistert an.

"Was war das denn jetzt? dieser Jarun schnauzt uns erst an um sich dann kleinlaut zu verdrücken? Merkwürdiger Menschenschlag, diese Gaukler"

Der Magier streicht sich gedankenverloren mit dem Daumen über sein Kinn.

"Ja laßt uns ein wenig das Schiff erkunden vielleicht begegnen wir irgendwo meiner Schwester!".



"Versteht die Leute nicht."

Joanna grinst den Magier keck an. Dann fragt sie ihn neugierig, als ob sie es nicht mehr erwarten könnte. "

Wo wollen wir uns denn zuerst umsehen?"

Fragend sehen sich ihre schwarzen Augen auf dem Unterdeck um.

"Bleiben wir auf dem Unterdeck oder gehen wir wieder nach oben. Oder folgen wir vielleicht doch dem Gaukler hinunter?"



Phexane und Torin


Kurz darauf ist weiteres Poltern und eine männliche Stimme, die nach einem 'Kellermeister' ruft, zu hören. Doch diesmal kommen die Geräusche eindeutig aus dem ersten Laderaum.

"Kam das eben von dort draußen," fragt Phexane Torin leise. Ihre rechte Hand geht zum Griff ihres Floretts, doch noch zieht sie es nicht.

"Ich weiß nicht. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, das Poltern eben kam von dort vorne."

Bei diesen Worten zeigt sie mit der linken Hand zur Segellast. Unsicher blickt sie Torin an.

'Was wäre, wenn man uns beide hier finden würde? Was würden die Leute denken? Entweder denken sie, wir wollen etwas stehlen oder sie denken ....... Nein! Nicht mit dem! Da gibt es weitaus interessantere und schönere Männer an Bord!'

Sie mustert ihn noch einen kurzen Moment.

'Warum hat der jetzt so rote Wangen? Doch wohl nicht wegen mir? Hat er etwa ...?'

Sie fängt an schon wieder etwas ärgerlicher auszusehen ...



Im Mannschaftsraum


Wasuren dreht sich beim Versuche eine gemütliche Schlafposition zu finden mit dem Kopf zur Wand. Wenige Augenblicke später fängt es im Mannschaftsraum an richtig laut zu werden und Wasuren nimmt voller Schrecken die unverkennbare Stimme des 2. Offiziers wahr.

'Nein zum Donnerwetter nochmal, diesem Typ wollte ich doch aus dem Weg gehen. Was mach ich denn jetzt nur? .... Ruhe bewahren und abwarten ist wohl nicht schlecht. Aber schlafen wäre noch besser.'

Er bleibt ruhig liegen und verlangsamt seinen Atem leicht. Also jedoch Swafnald anfängt zu erzählen dreht er sich so das er was sehen und hören kann.

'Swafnald dreht ja mal wieder völlig ab. Bei Efferd, dieser komische blinde Passagier wird schon nicht das Schiff versenken, nur weil er etwas seltsam ist. Hmm, ob man Swafnald diese Geschichte mit der Katze glauben kann, ist mal wieder etwas anderes.'

Obwohl seine Gedanken sehr kritisch sind, ist er sehr darauf bedacht sich dieses nicht anmerken zu lassen, besonders da alle anwesenden Matrosen scheinbar eine ziemlich einheitliche Meinung bilden. Mit gespieltem interesse und Zustimmung hört er weiter zu.



Der Gefangene


Sylvhar steht angespannt in seiner knapp zweieinviertel Flächenschritt kleinen Zelle und horcht. Die beiden im Nebenlagerraum haben ihn gehört! Was werden sie tun, wenn sie ihn hier finden?

Sylvhar verhält sich so still wie möglich - sogar seine Atemgeräusche versucht er zu dämpfen. Sein Atem geht langsamer und langsamer und langsamer. Jedoch kitzelt es sehr seltsam in seiner Nase. Es ist ihm schon vorher aufgefallen, aber da hat er es nicht groß beachtet. Jetzt aber, da sein ganzer Körper angespannt und konzentriert ist, stört ihn dieses Kitzeln doch sehr. Er lauscht weiterhin den Geschehnissen im Nebenraum. Scheint sich nicht viel zu rühren. Also dieses Kitzeln. Aber wieso denn? Er schaut sich hastig in seiner Zelle um. Ein solches Kitzeln hat er gewöhnlich nur, wenn er half die großen, feingewobenen Stofftücher oben an Deck aufzuhängen. Das hat ihn immer sehr gestört. Aber wieso jetzt?

Da fällt sein Blick auf ein kleineres, zusammengefaltetes Segel in der Ecke seiner Zelle. Nein, das darf nicht wahr sein! Das Kitzeln wird immer stärker. Ach, mußten sie ihn genau hier hinein....

"HAAAAAA......TSCHIIIII!"

Einen Moment steht er noch benommen da. Blinzelnd wird ihm bewußt, was grad geschehen ist. Jetzt ist er geliefert. Das können sie unmöglich... "HAAAA... TSCHIIII"!... überhört haben. Ja toll!

"HAAA... TSCHIII"!



Phexane und Torin


"Ja, ich habe dieses Poltern auch vernommen." flüstert Torin, "Doch es ist hinter einer verschlossenen Tür, also kaum so wichtig wie das Poltern vor uns."

Fest hält er seinen Stab umschlossen. Das wabernde Licht des Knaufes flackert wieder heller über die Wände. Doch noch immer ist der Laderaum nicht erhellt, sondern die Schatten wurden gerade mal etwas zurückgedrängt.

Er fühlt Phexanes Blick auf sich ruhen. 'Sie hat es gesehen... Sie weiß, daß ich ihr Hinterteil angestarrt habe...' schießt es Torin durch den Kopf.

"Keine Zeit für Fragen!" knurrt er sie schärfer als notwendig an.

Dann setzt er sich in Bewegung. 'Was immer sich dort hinten befindet, ich will jetzt wissen, was es ist.'

Doch kaum hat Torin auch nur einen Schritt getan, hört er es vor sich herzhaft niesen.

"Los, Frau Fuxfell, jetzt ist er abgelenkt!" faucht er und springt mit einigen Sätzen in die Segellast.



Die Segellast ist noch ein wenig dunkler als der Laderaum, und bietet nicht viel Platz. Die Tür, durch die Torin sie "betritt", ist nicht verschlossen, und ganz auf der Backbordseite, so daß man sich nach rechts wenden muß, um sie wirklich zu betreten.

Sie ist recht vollgestaut, und auf der linken Seite - also in Fahrtrichtung vorne - sind einige Verschläge mit Gittertüren, die nur zum teil verschlossen sind und in denen Segel und ähnliches lagern. Absolut unübersehbar ist, daß die Gittertür eines der Verschläge mit allerlei Brettern und Gerümpel blockiert und zusätzlich noch fest zu gezurrt ist.



Phexane bleibt einen Moment noch stehen - sie ist ziemlich überrumpelt auf seine schnelle Reaktion nach dem Nieser, der auch für sie ziemlich überraschend kam. Eigentlich möchte sie ihm noch einmal kräftig die Meinung sagen.

'Was fällt diesem Kerl bloß ein, mich so anzustarren? Wofür hält der sich?'

Doch nun zieht sie ihr Florett und stürmt hinter ihm her in die Segellast.



Torin stürzt sich auf die Tür, die ihm den Weg zur Segellast versperrt und stößt sie schwungvoll nach innen auf. Mit einem Knallen schlägt sie gegen die Holzwand. Nur mit Mühe kann er seinen Schwung abbremsen um nicht gegen die vor ihm aufragende Gitterwand zu prallen.

'Bei Phex, was ist nur in mich gefahren?' schießt es ihm durch den Kopf, 'Das Niesen könnte genausogut eine inszenierte Falle sein und renne blindlinks hinein! Ich habe nicht einmal mein Florett bei mir.'

Torin starrt in die kleine verwinkelte Kammer. In der durch seinen Stab kaum erhellten Düsternis bleiben ihm Feinheiten verborgen. Er steht knapp einen Schritt hinter der Türe. Die Holzgitter vor ihm scheinen das rotweiße Flackerlicht seines Stabes aufzusaugen. Verunsichert bleibt er stehen und hört Phexane nur wenige Spann hinter sich atmen.

"Könnt ihr etwas sehen?" zischt er sie an und starrt über seinen Stab hinweg in die Düsternis.



"Wie soll ich denn etwas sehen, wenn ihr direkt vor mir steht?"

Phexane wäre in der Eile beinahe in Torin hinein gerannt, konnte aber noch gerade rechtzeitig abbremsen. Sie späht an ihm vorbei.

"Was sind denn das für Kisten?"

Phexane drückt sich an Torin vorbei und schaut sich die Kiste vor ihr an.



Der Verschlag, den Phexane mustert, ist mit einer Gittertür verschlossen und enthält sorgfältig aufgestapelt eine ziemliche Menge an Segeln und Tauwerk - für einen Nicht-Seemann ergibt diese Mischung kaum Sinn. Jemand, der sich auskennt, würde darin den großen Teil einer Ersatzbeseglung für das Schiff erkennen - fachkundig aufbewahrt und so zugänglich, daß man die Segel ohne langes Hantieren nach oben bringen und einsetzen könnte.

Der Verschlag daneben enthält ähnliches, und der daneben, der dritte von links, ist zwar genauso gebaut wie die anderen, aber die Gittertür ist mit dicken Tauen gesichert, und zudem mit Brettern und Gerümpel zusätzlich versperrt.

Auf der rechten Seite stehen einige Kisten, aber die Beschriftung sagt dem Lesekundigen eindeutig, daß es sich um allerlei Segelzubehör handelt - kleine Haken, Umlenkrollen für Seile, Beschläge, Nähzeug für die Segelreparatur, und dergleichen mehr. Selbiges bekommt man heraus, wenn man in eine der nicht verschlossenen Kisten hineinschaut.

Im Hintergrund - auf der Steuerbordseite der Segellast - lagern schließlich weitere Segel und noch viel mehr Tauwerk.



"Die Verschläge meint ihr?" fragt Torin leise.

Er konzentriert sich und das Flackern seines Stabes nimmt etwas zu. Doch auch damit läßt sich der enge Raum kaum erhellen. Noch immer schlucken die dunklen Holzgitter der Verschläge den Großteil des rotweißen Lichtes.

"Hier scheint niemand zu sein," flüstert er leise. "Aber was haben wir dann gehört?"

Vorsichtig setzt er einen Fuß vor den anderen, ständig darauf bedacht, sich mit seinem Stab zur Wehr zu setzen. Langsam und geduckt schleicht er zum nächsten Verschlag. Durch seine Bewegungen wandert auch das rotweiße Flackern seines Stabes im Raum umher. Die Schatten der umher liegenden Tuche huschen davon und verdichten sich an anderen Stellen.

"Hört ihr das auch?" flüstert er. 'Oder bilde ich mir das nur ein?'

Vorsichtig blickt er zwischen den Gittern des zweiten Verschlages hindurch. Er kann Tuche und eine Menge Seile entdecken, dazwischen funkelt hin und wieder etwas Metallenes auf. Das rötliche Wabern des Stabes läßt jedoch keine genauere Deutung zu. Die roten Augen, die ihn aus dem dritten Verschlag heraus beobachten, sieht er nicht.

"Hier drin ist niemand." folgert er, als er sich wieder vom Gitter löst. Er hebt den Stab wieder etwas höher und flüstert:

"Was ist mit dem letzten Verschlag?"



"Sieht irgendwie verrammelt aus," antwortet Phexane aufs Torins Frage hin.

Phexane schiebt sich an ihm vorbei und geht etwas näher heran. Noch immer hält sie ihr Florett fest in ihrer Rechten. Hier hinten ist es noch dunkler als vorne, zumal Torin nun hinter ihr steht.

"Ich frage mich, was das soll - dieses ganze Gerümpel davor und dieses Tau! Als wenn da was wäre," sie beugt sich etwas tiefer, um hinein schauen zu können, "was nicht hinaus ... aaaaaaaaah!"

Mit einem Schrei, der Überraschung und Angst ausdrückt, springt sie zurück und wäre fast gegen Torin gelaufen.

"Da ... da ... ist .... was!"

Erschrocken deutet sie mit dem Florett zu dem Verschlag, in dem sie eben geschaut hat.



Die beiden Menschen treten in den Raum ein. Ja sie stürzen fast hinein. Der Raum füllt sich mit einem seltsamen, künstlichen Licht. Sylvhar überkommt ein mulmiges Gefühl. Er verhält sich ganz ruhig, obwohl ihm das wahrscheinlich auch nicht viel bringt.

Da, jetzt beginnen die beiden die Verschläge genauer anzuschauen - sie werden ihn finden, das steht für ihn fest. Regungslos beobachtet er den Menschen, der mit diesem komischen Licht an seinem Gefängnis vorbei geht. Seine Finger umklammern das Jagdmessern fester. Hm, er scheint ihn nicht bemerkt zu haben. Nein, jetzt kitzelt es ihn wieder stärker in der Nase. Das darf nicht wahr sein. Seine Gesichtsmuskeln zucken wild beim Versuch, das Unausweichliche zu verhindern. Als dann die Frau vor seiner Zelle aufschreit, zuckt er selber zusammen und macht erschrocken einen Schritt zurück. Die Konzentration ist dadurch auch verloren gegangen....

"HAA...TSCHIII"!



Torin zuckt bei Phexanes Schrei zusammen. Gleichzeitig breitet er jedoch seine Arme aus um sie auffangen zu können. Er hört einen weiteren Nieser, doch diesmal hat er aufgepaßt. Das Geräusch kam aus dem Verschlag, in den Phexane gerade noch geblickt hat.

Als Phexane sich jedoch fängt und mit ihrem Florett zitternd auf den Verschlag zeigt, schiebt er sie behutsam zur Seite und geht ruhig auf den Verschlag zu.

"Laßt mich das machen, Frau Fuxfell."

Doch die äußerliche Ruhe Torins täuscht, denn in seinen Ohren rauscht sein eigenes Blut.

'Ich darf jetzt keine Angst zeigen, nicht vor ihr! Auch wenn meine Knie weich sind und meine Beine mir sagen ich soll davonlaufen!'

Torin hebt seinen Stab wieder etwas höher und verscheucht einen Teil der Schatten aus dem Verschlag. Kalt und feucht sind seine Hände.

'Ruhig bleiben, ganz ruhig bleiben!' sagt er zu sich selbst als er den Stab näher an die Gitter bringt. Er späht vorsichtig durch die Gitterstäbe des Verschlages und blickt in zwei rote Augen. Er zuckt zurück und stolpert über einen der vielen Tuchballen. Zwar wird sein Fall durch den Stoff abgefangen, doch nun sitzt er auf einem der Ballen.

"Das... das kann nicht wahr sein..." flüstert er kaum hörbar. "Das kann doch nicht wahr sein! Das ist ein...!"

Leises Glucksen ist aus seiner Kehle zu vernehmen, dann lacht er heraus.

"Das ist ein Elf!"



Lowanger unterwegs


Zielstrebig überquert Lowanger das Deck. Ein kurzer, aber keineswegs ermahnender Blick trifft die untätigen Matrosinnen an der Reling. Sobald die Flaute vorbei ist, würde es schon wieder genug Arbeit geben, da kann man jetzt ruhig mal etwas nachsichtiger sein und ihnen etwas freie Zeit gönnen, beschließt Lowanger in einem Anfall von Großmut.

Kurz darauf ist er auch schon unter Deck verschwunden. Auch hier ist es erstaunlich ruhig, stellt Lowanger verwundert fest. Nur zwei Passagiere sind zu sehen, die vor der Küche stehen. Da ist gewiß nichts gegen einzuwenden, denn dort wird sie wohl nur der Hunger hingetrieben haben. Zackig nickt der dritte Offizier den beiden Passagieren zu, dann wendet er sich wieder in die andere Richtung.



Alrik und Xenia


Xenia sieht Alrik ziemlich verwundert an. "Da mußt du in der Tat etwas verwechseln - ich war an Fianas Tsatag überwiegend allein -"

'...weil ich Esel nur wieder meinen Gedanken nachgehangen und Trübsal geblasen habe...'

Sie senkt die Stimme ein wenig, als Lowanger vorbeikommt und setzt für die Dauer seines Blickes eine schuldbewußte Miene auf, die aber wieder verschwindet, sobald der Offizier vorbei ist.

" - habe auf Deck rumgestanden und die Sterne bewundert - und natürlich das reichliche und gute Essen genossen."

'Nicht zu vergessen den Wein... oh ja...der war gut...'

Sie wirft dem Schiffsjungen einen prüfenden Blick zu.

"Warum, was hat es denn gegeben?" fragt sie dann so beiläufig wie möglich, wobei sie eine möglichst gleichgültig Miene aufsetzt, obwohl sie von brennender Neugierde erfüllt ist, was für Gerüchte Alrik diesmal aufgeschnappt hat.

'Wie macht der das bloß, immer die neuesten Gerüchte an Bord zu erfahren? Ob ich da was falsch mache? Neugierig genug bin ich doch eigentlich...'



"Gegeben? Nichts weiter, gar nichts."

Somit streicht ALRIK Xenia von seiner gedanklichen Liste. Sie war es also nicht.

"Wasuren hat nur ein paar Gedächnislücken und ich bin gerade dabei herauszufinden, was er so getrieben hat", gibt ALRIK dann doch noch ehrlich Auskunft.

"Aber sprich ihn mal lieber nicht darauf an. Ich glaub', das ist ihm recht peinlich."

ALRIK grinst breit und dadurch erweckt er den Eindruck, als wünsche er sch genau das Gegenteil von dem, was er gerade vorschlug.

´"Man könnte ihm das wildeste Seemannsgarn erzählen - der würde alles glauben..."



Xenia grinst ebenfalls, als Alrik von Wasurens "Gedächtnislücken" spricht. Doch dann kommt ihr ein beunruhigender Gedanke und sie guckt dem Schiffsjungen mißtrauisch in die Augen.

'Er wird doch nicht...'

"Du hast ihm doch nicht etwa irgend etwas erzählt in der Richtung - oder?" fragt sie beinahe drohend und stemmt die Hände in die Hüften. Nicht, daß sie etwas gegen Wasuren hätte, aber derartige Gerüchte an Bord müssen wirklich nicht sein. So etwas richtet ihrer Meinung nach nur Schaden an.



Meuterei


Olof muß so etwas nicht zweimal gesagt werden, zu sehr hat er sich schon über verschiedene Dinge geärgert, und zu sehr stimmt er mit dem, was Thorben sagt, überein.

"Das wohl!" ruft er, und hebt ein gewaltiges Enterbeil auf, das gar nicht so weit von dem Platz, auf dem er steht, entfernt auf dem Boden liegt.

"Schnappen wir sie uns! Die sind nicht darauf vorbereitet und außerdem besessen, das ist unser Vorteil! Wir sind schneller als sie - noch ehe sie begriffen haben, daß wir sie durchschaut haben, sitzen sie bei dem Elfen in der Segellast!"

Er scheint kurz zu überlegen, ob in der Segellast überhaupt genug Platz ist, und ein leise gemurmeltes:

"... Na... den Elfen werfen wir eh über die Reling..." kündet auch von einer Lösung dieses nicht laut ausgesprochenen Problems.

Der Matrose schultert das Enterbeil und dreht sich losgehbereit um.



"Jawoll! So wird's gemacht! Ein Hoch auf den neuen Käpt'n!" stimmt Rilaf begeistert zu. Dann bewegt er seinen massigen Körper quer durch den Mannschaftsraum. Unter seiner Hängematte, die sich in der weit entferntesten Ecke des Mannschaftsquartiers befindet, steht seine hölzerne Seekiste, die vor allem auch einen sehr wichtigen Gegenstand beinhaltet: Sein Entermesser.

Mit dem Messer bewaffnet, will er gerade zu den anderen, die bereits aufbruchbereit warten, zurückgehen, als er feststellt, daß sich ein bislang unbemerkt gebliebener Matrose in seine Hängematte kauert und keine Anstalten macht, seinen Hintern in Bewegung zu setzen.

"Wasuren, du stinkige Salzarele! Kommst du nun mit uns, oder willst du den Rest der Fahrt im Kielraum verbringen?"



Wasuren horcht mit immer schneller klopfendem Herzen auf, als er die Ansprache vom 2. Offizier hört. Er merkt wie alle Matrosen vom Bann der Gemeinschaft mitgerissen werden und fürchtet fast schon aufgefallen zu sein.

So reißt er sich zusammen, steht von seinem Lager auf und streckt sich ergiebig. Dabei legt er eine regelrechte Kräfteschau an den Tag, während Olof seinen Beifall zu Thorbens Rede in wahre Tatkraft umsetzt.

'Jetzt muß ich aber auch mitmachen und irgendwie schnell hier wegkommen. Ich habe keine Lust, das die friedliche Situation auf diesem Schiff in eine Tyrannei durch Thorben umschlägt. Oh, wenn doch nur diese Kopfschmerzen und die Müdigkeit verschwinden würden. Reiß dich jetzt zusammen Wasuren, es wird ernst.'

Die brodelnde Stimmung im Mannschaftsraum in sich aufnehmend, greift Wasuren sein schmuckes Wurfbeil und schwingt es spielerisch über den Kopf.

"Recht habt ihr !!! Laßt uns das Schiff aus der Hand der Bessesenen befreien. Thorben´s Plan klingt gut, machen wir doch was er vorschlägt."

Wasuren macht drei große entschlossenen Schritte auf die Tür vom Mannschaftsraum zu.

"Laßt mich als ersten gehen, ich hab den Verdacht der Kapitän, ist besonders schlimm betroffen, bei Efferd wie konnte er diesen Elf nur an Bord behalten. Er muß verflucht sein. Ich jedenfalls werde tun was Thorben sagt, woll´n mal schauen wie viele auf der Brücke sind."



Rilaf haut Wasuren anerkennend auf die Schultern, und zwar so kräftig, daß es laut klatscht.

"Das wohl, Wasuren. Damit bist du dann einer von uns. Einer für alle, alle für einen! Und jetzt räumen wir hier an Bord mal tüchtig auf!"



Von Rilaf´s Worten getrieben setzt Wasuren seinen Weg Richtung Oberdeck fort. Bevor er die Mannschaftstür passiert verstaut er sein Beil wieder ordnungsgemäß an seinem Gürtel und streicht in Gedanken seine soeben gesagten Worte.

'Oh Efferd, steh mir bei, damit ich nicht hinterher mit diesem Pack gleichgestellt werde.'

Wasuren öffnet die Tür zum Flur, geht hindurch und schließt sie hinter sich gleich wieder. Ein paar Schritte den Gang entlang sieht er auch schon, daß ihm der 3. Offizier entgegen kommt. Er grüßt Lowanger höflich, aber auch etwas flüchtig, da er nicht stehen bleiben möchte, um von seinem Weg ablassen zu müssen.

"Efferd zum Gruße"

Dabei nickt er dem 3.Offizier kurz und anerkennend zu und wird etwas langsamer, damit er Lowanger in diesen schmalen Gängen an sich vorbei lassen kann.



"Efferd zum Gruße", erwidert Lowanger den flüchtigen Gruß des Matrosen. Ein wenig fahrig scheint er zu sein in seiner Art dieser Matrose, aber da es scheint, als sei er in Eile, kann man das ausnahmsweise mal so gelten lassen.

Lowanger ist gerade an Wasuren vorbei gegangen als ihm plötzlich ein absolut unerhörtes Detail auffällt. Ruckartig dreht er sich zu Wasuren, der gerade erst zwei Schritte entfernt ist, um. In diesem Moment wendet er dem Gang, der zum Mannschaftsraum führt, den Rücken zu - und somit bekommt er auch nicht mit, wer dort alles des Weges kommt.

"Matrose! Sofort stehenbleiben! Was soll das hier??"

Aufgebracht zeigt Lowanger auf das Enterbeil, das an Wasurens Gürtel steckt.

"Wer hat Bewaffnung angeordnet? Heraus damit, aber ein bißchen plötzlich!"



Olof folgt dem vorauseilenden Wasuren etwas langsamer, und bleibt dann stehen, als er sieht, dass der Matrose gerade dem dritten Offizier begegnet, der *alleine* unterwegs ist. Das ist doch DIE Gelegenheit - und dieser Trottel Wasuren nutzt sie nicht... Vielleicht traut er sich aber auch alleine oder ohne Anweisung von Thorben nicht...

Olof dreht sich zum Eingang des Mannschaftsraumes um, und fragt Thorben mit einer Kombination aus Gesten und einem recht leisen "Wollen wir?" nach seiner Meinung. Seine, Olofs, Meinung dazu ist klar in seinem Gesicht zu lesen - den dritten Offizier schnappen und kurzerhand hinunter mit ihm in die Segellast.



"Wasuren, warte eben", ruft er Matrosen hinterher, der schon an Lowanger halb vorbeigelaufen war, als dieser sich über die Bewaffnung beschwert. An Wulf gewandt fährt er fort:

"Das ist recht einfach zu erklären."

Er deutet mit dem Arm in den Mannschaftsraum.

"Sieh selbst."

Er legt ihm freundschaftlich den Arm auf den Rücken und schiebt ihn sachte in den Raum, gerade so, als wolle er ihm etwas zeigen. Dann umfaßt er ihn plötzlich eisenhart von hinten und bedeutet Frenjar, ihn zu entwaffnen, soweit man eben Waffen bei ihm findet. Kaum ist dies getan, entläßt er den Mann aus seinem Griff und bedeutet Wasuren, ihn wegzubringen.

"Wasuren, bring ihm zu dem Spitzohr - aber in eine andere Last und laß dich nicht verzaubern! Wenn er versucht zu laut um Hilfe winseln wie ein Vinsalter Stutzer oder zu rennen wie ein Nostrianer, dann weißt Du, was zu tun ist."

Noch während die beiden Anstalten machen wegzugehen, ruft er den anderen zu.

"Worauf wartet ihr? An Deck, an Deck. Los, los, los."



Wasuren dreht sich gerade im Gehen mit vollem Schwung auf einem Fuß um und blickt den 3. Offizier etwas überrascht an.

'Komisch was hat er denn. Bewaffnung ??? Was meinst er denn bloß?'

Dann geht alles sehr schnell und der 3. Offizier wird in Sekundenbruchteilen auf Thorben´s Befehl hin überwältigt.

'Oh nein dieser dumme Idiot!!! Ich muß ihm helfen, aber wie?'

Er hält dem Blick Lowanger´s stand, auf eine ruhige, beschwichtigende Art schaut er ihm tief und durchdringend in die Augen. Wasuren geht zum überrumpelten 3. Offizier und umpackt mit einer Hand dessen auf den Rücken gedrehten Arme mit einem festen Griff. So wie dieser vorher festgehalten wurde und legt dann seine freien linken Arm freundschaftlich, aber doch kräftig um seinen Hals und Schultern. So schiebt er den 3. Offizier mit leichtem Zwang zum Abgang ins Ladedeck.



Die Arglosigkeit Lowangers ausnutzend ist, gelingt es Thorben schnell den älteren Offizier zu überrumpeln. Noch bevor er sich dem eisernen Griff des zweiten Offiziers entwinden kann, ist er auch schon entwaffnet.

'Aufruhr! Meuterei!' sind die ersten Gedanken, die ihm angesichts der feigen Übermacht der Matrosen in Thorbens Gefolge, einfallen.

Seine Vermutung scheint sich zu bestätigen, denn schon machen sich die restlichen Matrosen, die alle bewaffnet sind, unter Thorbens Anweisung auf den Weg zu den Aufgängen, um das Deck zu erstürmen.

Lowangers kalter und eisiger Blick ruht fixierend auf Wasuren. Fesseln haben sie ihm jedenfalls nicht angelegt, so eilig und kopflos wie die Meute war. Und einen einzigen, törichten Matrosen zu überwältigen, würde ihm auch im unbewaffneten Zustand nicht schwer fallen - alles was ihm fehlt, ist ein günstiger Moment. Argwöhnisch guckt Lowanger auf die Aufgänge zum Oberdeck, wo das feige Pack immer noch lauernd und in Sichtweite steht.



Während Laske, der von den anderen Matrosen am dichtesten bei Lowanger und Wasuren stand, Thorbens Befehl nachkommt, und Lowanger entwaffnet, stößt Olof ein kurzes und rauhes Lachen aus.

Das ist ganz nach seinem Geschmack!

Er spielt kurz mit dem Gedanken, dem dritten Offizier und Elfenfreund - zu solchen sind in seinen Gedanken alle geworden, die von diesem komischen Spitzohr verzaubert wurden - noch einen Tritt zu verpassen, doch Thorbens Befehl ist eindeutig...

"Zu Befehl!"

Eiligen Schrittes geht er den Niedergang empor und verharrt erst oben, um auf die anderen zu warten. Das mächtige Enterbeil hat er dabei von der Schulter genommen, um nicht an die Decke zu stoßen, die am Niedergang ja etwas niedriger ist, und stellt es nun mit der Klinge so auf die zweite Stufe von oben, daß man es vom Deck aus nicht als das wahrnehmen kann, das es ist.

Es sieht vielmehr so aus, als würde des Matrose kurz auf der Treppe verharren, auf irgendeinen Stock oder ein Teil der Takelage gestützt, denn niemand ist weit genug in der Nähe, um diesen "Stock" als den Griff des Enterbeils zu erkennen...

Der Matrose sondiert kurz die Lage auf dem Oberdeck - optimal, es könnte kaum besser sein. Dennoch verharrt er weiter, um den anderen Zeit zu geben, und insbesondere, um Thorben die Möglichkeit zu geben, die Strategie an diese optimale Lage anzupassen.



Swafnald folgt Olof fast auf dem Fuße ... immerhin hat er die Gefahr überhaupt erst aufgedeckt und daher steht es ihm auch zu, einer der ersten oben zu sein. Dem 3. Offizier wirft er beim Vorbeigehen nur einen verächtlichen Blick zu ...

'Geschieht ihm ganz recht'.

Als Olof plötzlich oben auf den Stiegen stehen bleibt, stellt er sich direkt hinter ihn.

"Und, was ist? Wie sieht's aus?"



Olof mustert die Szene auf dem Oberdeck noch einmal - Xenia und Alrik an der Reling stellen wohl kaum eine Gefahr dar, auch Sigrun wirkt eher so, als langweile sie sich, und all diejenigen, auf die es ankommt, sind wie auf einem Präsentierteller auf dem Brückendeck versammelt!

"Wunderbar!" antwortet er Swafnald flüsternd, fügt dann noch halblaut hinzu, so daß es auch die anderen, die hinter Swafnald den Niedergang hochkommen, und insbesondere auch Thorben, hören können:

"Sie sind alle auf dem Brückendeck - wenn wir da rasch hingehen, haben sie keine Chance!"

Die Lautstärke ist so gewählt, daß man es wirklich nur in Richtung des Niederganges hören kann.



"Das ist gut, das ist guuut, das wohl!"

Zufrieden blickt Thorben den Aufgang hinauf.

"Na dann bringt euch mal unauffällig in Position, ich komme sofort hoch. Ich werde den anderen Aufgang hinaufgehen."

Gesagt getan. Thorben geht in Richtung des anderen Aufgangs.



Die Idee des zweiten Offiziers gefällt Olof, zumal Thorben auf diese Weise ja gleich viel näher beim Brückendeck nach oben kommen wird. So nickt er einfach, und geht nach oben auf das Deck. Das mächtige Enterbeil trägt er dabei wie ein Werkzeug, nicht wie eine Waffe - ganz so, als habe er nichts anderes vor, als sich mit dem Ding auf das Deck zu setzen und es zu putzen. Weiter hinten, hinter Swafnald, drängt auch Laske nach oben, während Rilaf eher die Absicht zu haben scheint, mit Thorben zum anderen Aufgang zu gehen.



Befragung auf der Brücke


Nirka beobachtet gerade, wie die Matrosen Olof und Swafnald auf das Deck kommen, als Aleara endlich wieder spricht. Die Bootsfrau wendet sich jedoch erst einmal nicht ab, denn sie fragt sich, warum die beiden jetzt auftauchen. Sollten sie sich etwa da unten so sehr langweilen, daß sie an Bord kommen, um Arbeit zu suchen? Das kann sie nicht glauben, aber trotzdem beginnt sie, zu überlegen, wie sie die beiden beschäftigen kann.

Parallel dazu wird Aleara laut und stößt ihre Behauptungen aus, was Nirka genau an der Stelle, an der Jergan beschuldigt wird, nicht zu verstehen, dazu bringt, sich ruckartig umzudrehen. Kaum ist das letzte Wort verklungen, da schlagen ihre Reflexe zu, und sie brüllt:

"Was bildest du dir ein, Matrosin!?! Du sprichst mit deinem KAPITÄN!"

Ein Blick, den im Grunde alle Matrosen an Bord zu fürchten gelernt haben, trifft Aleara. Die Bootsfrau holt tief Luft, um Aleara lautstark zu sagen, daß sie Unsinn erzählt, denn schließlich lebt auch sie von Efferds Reichtümern, doch dann stößt sie die Luft wieder aus, denn ihr wird klar, daß Jergan bestimmt nicht will, daß sie sich *da* einmischt.



Ole hat die Frage Jergans wohl verstanden, doch kann er ihm in diesem Augenblick keine Antwort geben, denn Alearas heftiges Aufbegehren hat auch den Schiffszimmermann vollkommen überrascht. Er war schon sichtbar bleicher geworden, als sich die Matrosin aus seinem Griff ruckartig befreit hatte, noch mehr Farbe verlor er allerdings, als er hören mußte, was sie da sagte und er fragte sich, warum nur er so sehnsüchtig darauf gewartet hatte, daß sich das Mädchen ihm erkläre. Er zuckt zusammen, als er Nirka von der Seite her brüllen hört. Ole kann die Erregung der Bootsfrau durchaus verstehen, empfindet ihren Einwurf dennoch als wenig hilfreich im Moment, Einsicht läßt sich nicht erzwingen. Ole versucht sich innerlich zu sammeln, nur Besonnenheit kann nunmehr noch erfolgversprechend sein, so denkt er sich.

Es war und ist niemals des Herren EFFerds Plan und Ansinnen gewesen seine menschlichen Gefolgschaft durch Druck und Zorn in die Bedeutungslosigkeit nieder zu drücken, so wie dies Aleara in ihrem Aufbegehren von ihren Zuhörern eingefordert hatte, es selbst und von sich aus zu tun. Herr SWAfnir kämpft zu jeder Stunde mit der Kraft seines Leibes gegen die alle verschlingende Schlange, damit seine 'Kinder' sicher die Meere durchpflügen können und niemals hatte er offenbart, daß er deshalb verächtlich auf jene schauen würde, die, Aleara es hat so eindeutig beschrieben, 'ihr Schiff von da nach dort lenken wollen'. Eisige Furcht greift nach dem Herzen des, sonst so unerschrockenen Seemanns, als ihn Aleara's Wut und Bitternis wie eine Flutwell überrollt und auch ihre Kraftlosigkeit, die sie kurz daruf ereilt, vermag ihn nicht zu beruhigen. Ole beißt sich auf die Unterlippe bis ihm der Schmerz wieder klare Gedanken verschafft. Schweiß tropft ihm von der Stirn und seine Hände zittern. Welche unheilvolle Macht mag Aleara leiten eben jene Überheblichkeit auszuüben, deren Anwendung sie anderen, in diesem Falle dem Kapitän und ihm selbst, auf Grund ihrer gelebten Geringfügigkeit im Weltengefüge abgesprochen hatte. Es mag stimmen, daß die Wahrheit des Lebens und der Welten über den, von den Göttern selbst gesteckten Horizont der Menschen hinausgeht, doch wer oder was hat in Alearas Seele Einzug gehalten, daß sie sich selbst an jene Grenzen nicht mehr gebunden fühlen muß? Spricht sie im Auftrag einer fremden Macht, wird sie von Gedanken und Visionen gepeinigt oder hat gar ein fremdes Wesen zeitweilig die Herrschaft über ihre Seele gewonnen?

Ole kniet nieder, um Aleara, die ermattet auf dem Boden kauert, direkt ins Gesicht sehen zu können. Er schluckt ein paar Male trocken und räuspert sich, um zu verhindert, daß seine Stimme einen belegten Klang bekommt und daß sie sanft sonor bleiben kann, damit seine Furcht nicht allzu öffentlich werde:

"Demut ist das Kleid der Gläubigen, wer oder was gab die den Auftrag, wer oder was drängt dich, uns der spirituellen Nacktheit zu bezichtigen? Unser Schicksal liegt in der Hand der Götter und nur als Werkzeuge Alverans sind wir berufen die Geschicke der Sphären zu beeinflussen. Friede und Geborgenheit ist der Lohn derer, die dem Licht dienen, Wut, Zorn und Hochmut sind die bitteren Waffen derer, die uns in die Dunkelheit zu drängen versuchen. WUT sage mir deinen Namen, ZORN zeige mir deine Gestalt, HOCHMUT gebe dich zu erkennen, daß ich Klage führen kann bei EFFerd dem Herren der Wogen und SWAfnir, seinem streitbaren Sohn!"



Verzweiflung macht sich in Alearas Gesicht breit, sie preßt die Lippen aufeinander. Mit feuchten Augen hält sie Oles Blick stand. Weinerlich klagt sie:

"Ich verstehe doch selber nicht! Ach, wie gern würde ich doch begreifen. Der Herr will mir etwas sagen, doch ich kann ihn nicht VERSTEHEN! Hört ihr? Ich kann ihn nicht VERSTEHEN!"

Sodann beugt sie sich vor, daß ihre Stirn die hölzernen Planken der NORDSTERN berührt, vergräbt ihr Gesicht in den Händen und beginnt jämmerlich zu schluchzen.


Ole rutscht nahe an Aleara heran. Er legt ihr seine Hände auf die Schulter und zieht sie langsam hoch. Dann setzt er sich neben sie hin. Er hebt sie ein klein wenig vom Boden, als wäre sie leicht wie ein Feder, dann setzt er sie wieder auf die Planken. Noch immer hält Aleara die Hände vor das Gesicht und schluchzt. Ole nimmt sie in den Arm wie ein leidendes Kind, hält ihren Kopf und versucht ihr damit inner Sicherheit wieder zu geben. Er brummt ein paar Takte einer Melodie, die sich wie ein Kinderlied anhören und dann sagt er in ruhigem Ton:

"Sachte Aleara, sachte! Ich bin bei dir. Und nun entspanne dich und laß uns dann gemeinsam hinhören. Sag mir wenn du bereit bist!"

Ole's Geist und Seele sind nun ganz bei Aleara, Zeit und Welt hat er fast völlig vergessen. Es hat in diesem Augenblick keine Bedeutung für ihn, daß er unter den Augen der halben Führungsmannschaft auf den Planken des Brückendecks sitzt. Was soll das schon bedeuten? Die dümpelte NORDSTERN, der Ärger im Laderaum, nichts ist momentan wichtig - nur Aleara ist momentan wichtig! Und wer den Geist auf Reisen schickt, muß Derisches zurücklassen können.



Der Schiffszimmermann zieht Aleara fest an sich heran und wiegt sie sacht, so wie man ein Kind wiegen würde, das sich übel verletzt hat und nun Trost und Mitgefühl braucht. Ole streichelt den Kopf Alearas und wartete darauf, daß sich die Verkrampfung der Gefühle, das sich wie ein Dornengestrüpp um die Seele der Matrosin gelegt hatte, langsam auflösen würde. Noch immer hält Aleara ihre Hände vor das Gesicht und dicke Tränen fließen ihr durch die Finger. Ihr Schluchzen erschüttert ihren gesamten Körper. Und so macht sich in Ole sacht, aber unbeirrbar ein schlechtes Gewissen breit. Vielleicht hätte er die Matrosin doch nicht so bedrängen sollen. Auf der anderen Seite genau, daß es nicht ohne Schmerzen gelingen kann, Aleara wieder zur Herrin ihrer selbst zu erheben. Die Wunden, die ein Schwert in die Haut reißen kann sind nichts gegen die Verletzungen, welche die Seele bluten lassen. Solche Wunden verheilen nie und der Schmerz, den sie bewirken wühlt im auch im Vergessen und kann eine Seele bis zur völligen Vernichtung zernagen. Die Angst ist ein fürchterlicher und grausamer Gegner und mancher, der ein Held genannt wird kämpft lieber gegen eine Übermacht unerbittlicher Feinde als gegen sich selbst, nur um sich seiner Angst nicht stellen zu müssen. Mut, der daraus resultiert, daß man die Angst verneint, ist nichts weiter als Trug und Wahn und ist so bedeutungslos leer wie das Ehrenwort eines al'anfanischen Schurken. Doch der Mut sich seinen Schwächen zu stellen, die eigene Angst zum Gegenüber zu erklären, das ist der Mut zu leben und ergibt die Möglichkeit seine Bestimmung zu finden. Doch davon scheint Aleara noch weit entfernt zu sein. Im Augenblick ist sie ein Spielzeug ihrer Angst. Klein und niedrig fühlt sie sich, ausgeliefert und schutzlos und die seelischen Schmerzen, die sie dabei empfindet, lassen auch Ole hin und wieder aufstöhnen, immer dann, wenn ihn sein Mitgefühl an die Grenzen seiner Belastbarkeit führen. Er fühlt sich plötzlich hilflos, sieht er doch einen Scheideweg vor seinen Augen und er kann sich nicht entscheiden, wohin er sich wenden soll. Wäre Aleara von einem bösen Geist besessen, dann gälte es jetzt sich zu wappnen, zu rüsten für einen Konflikt gegen überderische Mächte. Doch ist dem so? Ole zweifelt! Da ist nichts zu spüren von einer mächtigen Gewalt die Herrschaft hätte über Alearas Geist. Alles was er in ihr wahrnehmen kann ist Niedergeschlagenheit, Wehmut und Resignation. Das spricht nicht für die Präsenz eines bösen sphärischen Einflusses. Ach, Aleara! Ole wiegt sie weiter und summt, ihr zur Beruhigung und zum Trost ein Liedchen dazu, hoffend, daß ihn EFFerd oder SWAfnir erleuchten möge.



Erneut löst sie sich von Ole. Aleara kneift die Augen zusammen, um die Tränen zurückzuhalten, schluckt einmal und spricht Ole dann an:

"Du, Ole, du hast ihn doch verstanden? Du weißt was er gesagt hat! Verrate es mir!"

Für einen kurzen Augenblick, wenige Herzschläge lang, schimmert die Hoffnung in ihren feuchten Augen auf, doch dann spricht sie weiter:

"Aber... bin ich dann die einzige, die ihn nicht hört? Bin ich die einzige?"

Verzweiflung macht sich wieder auf ihrem Gesicht breit, zögernd beginnen die Tränen weiter zu fließen, und sie scheint kurz davor, wieder in einen Weinkrampf zu fallen und abzutreiben in ihre Welt des Schmerzes und der Verzweiflung.



Meuterei


Auch Swafnald betritt nun das Deck und geht zügigen, aber keinesfalls hektischen Schrittes na der Backbordreling entlang heckwärts. Den Schneidzahn hat er dabei hinten in den Gürtel gesteckt, so daß dieses doch eher kleine, weil als Wurfwaffe gedachte Beil kaum auffällt, wie er hofft. Und selbst wenn - ein Schneidzahn ist immerhin ein ziemlich persönlicher Gegenstand eines jeden echten Thorwalers, der einfach dazugehört, auch wenn man nicht im Drachenschiff der eigenen Otta unterwegs ist.

Da bemerkt er plötzlich, daß in die am Ruder stehende Bootsfrau im Blick hat und zögert doch ein bißchen ...

'Hat sie was bemerkt? Hat das Spitzohr sie vielleicht mit Hexerei gewarnt?'.

Glücklicherweise dreht sich Nirka im selben Augenblick zur Seite und fährt ziemlich wütend eine Matrosin an - Aleara, wie Swafnald glaubt zu erkennen.

Diesen günstigen Moment allgemeiner Unaufmerksamkeit ausnutzend bewegt er sich weiter auf den Aufgang zum Brückendeck zu.

'Gleich muß Thorben da vorne auftauchen ... und dann geht's hauruck rauf und fertig!' malt sich Swafnald den optimalen Ablauf der Schiffsrettungsaktion aus und nimmt sich vor, sich persönlich um den eingebildeten Schiffszimmermann zu kümmern.



Wasuren und Lowanger


Wasruen läßt Lowanger vor sich die Stufen hinuntergehen, hält ihn aber dennoch gut fest. Vor sich nimmt er Geräusche war und es scheint sogar als würde jemand die Treppe empor kommen. Sofort drängt Wasuren den 3. Offizier schneller vorwärts, so daß sie aus dem Sichtfeld des Oberdecks verschwinden. Dann beugt er sich zu diesem vor und flüstert ihm zu:

"Bitte entschuldigen sie mein Benehmen, Sir. Aber es waren so viele und ich mußte uns tarnen!"

Bei diesen Worten last er seine Griffe locker, legt einen Finger vor den Mund und zischt, daß er leise sein soll. Die ganze Zeit über ist der Matrose auf der Stelle gegangen und nun läßt er seine Schritte langsam ausklingen und duckt sich mit eingezogenem Kopf in die Schatten des Treppenabgangs.



Thorben rüstet sich


Auf dem Weg zum anderen Aufgang geht Thorben noch kurz in seinem Zimmer vorbei und schnappt sich seine Lieblingswaffe, einen Säbel mit den zwei roten Bändern am Knauf, ein Geschenk seines Vaters, daß ihn bei wichtigen Entscheidungen bisher immer begleitet hat, wenn auch nur zur Dekoration. Anders in diesem Fall, dem ersten wo er sich bewähren muß. Entschlossen steckt er sich die Waffe an den Gürtel und schiebt sie etwas herum, so daß sie nicht sofort entdeckt wird. Das ziehen dauert dann vielleicht etwas länger, aber es bleibt mehr Zeit.

Rilaf vor sich herschiebend geht es dann zum Aufgang. Schnell pocht sein Herz, als er die letzten Stufen hinaufsteigt.



Ein Elf?


Phexane versucht sich wieder etwas zu fangen, doch die Bewegungen in dem Verschlag und diese seltsamen roten Augen haben ihr doch einen gehörigen Schrecken eingejagt. Selbst Torin stolpert rückwärts und setzt sich so unfreiwillig auf einen Stoffballen. Ungläubig lauscht sie seinen Worten: ein Elf???

Vorsichtig geht sie wieder zum Verschlag, doch diesmal mit einem weiten Abstand. Sie stellt sich nahe Torin, geht in die Hocke und guckt dann neugierig in den Verschlag. Noch immer hält sie ihr Florett in ihrer Hand.

"Ein Elf!"

Ihre Stimme ist leiser geworden und sie legt den Kopf etwas schief. Sie schaut Torin an:

"Ist der echt?"



Torin lacht, seine Stimme ist hell und das Lachen angenehm.

"Natürlich ist er echt." gluckst er, "Habt ihr jemals einen Falschen gesehen?"

Warum der Elf eingesperrt ist, wer ihn eingesperrt hat und ob er sich nicht alleine befreien konnte, sind Fragen, die Torin nicht in Sinn kommen. Er ist glücklich darüber, jemanden gefunden zu haben, der ihm wohl sagen kann, wo sich seine gesuchte Liasanya befindet.

Sein Lachen ebbt ab, doch noch immer zeigt sich ein Lächeln auf seinem Gesicht. Eine leichte Denkerfalte bildet sich auf seiner Stirn...

'Wie waren noch die Worte, die Liasanya ihm als Begrüßung immer nannte?' Mit der Hand fährt er durch seinen Kinnbart. Er krault ihn, so wie es immer tut, wenn er nachdenkt.

'Sanyasala bhaselya.'

Er lächelt bei diesem Gedanken, doch kann auch dies die Wolken der Trauer um ihren Verlust nicht ganz vertreiben. Torin steht mit einem Ruck auf, greift nach seinem Stab und geht wieder an die Stäbe des Verschlages. Er blickt dem Elf in die Augen und nickt lächelnd. Mit Hilfe seiner wenigen Isdirakenntnisse bringt er in möglichst sanftem Ton hervor.

"Taladha Torin."


"Ja, Halbelfen und Elfen, die schon so gut wie menschlich waren! Ich mußte sogar mal fast ein halbes Jahr mit einer Halbelfe eine ........ ein Zimmer teilen!"

Phexane erinnert sich mit Grausen an die Halbelfe, mit der sie die Gefängniszelle in Weiden teilen mußte - war das ein Biest! Wie hieß die noch mal? Ach ja - Avalia. Sie hatte zu einer Räuberbande gehört, und sogar Phexane mußte sich vor diesem spitzohrigen Ungeheuer in Acht nehmen. Sie schüttelt sich kurz bei dem Gedanken an diese 'Hexe'.

Doch diese dunklen Erinnerungen sind schnell vertrieben, als sie Torin elfisch sprechen hört.

"Ihr könnt elfisch?"

Ungläubig starrt sie Torin an. Dann macht sie es ihm nach und geht ebenfalls etwas näher an den Verschlag, bleibt aber trotzdem hinter Torin - die Augen des Elfen sind ihr doch etwas unheimlich. Sie denkt kurz nach.

'Was hat er eben noch zu diesem Elfen gesagt? Ach ja!'

"Samjasaja," sagt sie stolz auf ihr erstes 'elfisches' Wort und nickt ihm lächelnd zu.



Torin hört Phexane nur beiläufig zu. Er blickt fasziniert durch die Holzgitter auf den Elfen. In dem roten, flackernden Licht des Stabes kann er den Elfen jedoch nicht genau betrachten.

"Mein Isdira, so heißt diese Sprache bei den Elfen, beläuft sich nur auf einige wenige Wörter." murmelt Torin automatisch.

Fest blickt er in das feine, hellhäutige Gesicht des Elfen, gerade so, als könne er dessen Gedanken lesen. Die hellen Haare, welche die langen, spitzen Ohren kaum verdecken können, umfliessen das schmale Gesicht. Die hohen Wangenknochen und die katzenhafte Form der rotglänzenden Augen unterstreichen dies noch.

'Sein Gesicht ist noch weicher als es das Gesicht meiner geliebten Liasanya war...' Torin kneift die Augen zusammen. '...ist!!!' verbessert er sich schnell. Tief in sich fühlt er den Schmerz. 'Wie kann ich nur so etwas denken?'

Er öffnet die Augen wieder. Dem auf sich ruhenden Blick des Elfen weicht er aus, als habe er Angst, dass der Elf etwas aus seinen Blicken erhaschen könne.

Die ganze Kammer ist in das rötliche Zwielicht seines Stabes gehüllt , so daß nur noch diese eine Farbe zu existieren scheint. Torin blickt an dem Elfen nieder. Der helle Mantel und die ebenfalls helle Hose, die der Elf trägt, scheinen aus Tierfellen zu bestehen. Allein der Gürtel des Elfen scheint aus dunklerem Material zu bestehen.

Torin merkt, dass Phexane nun leicht versetzt hinter ihm am Holzverschlag steht. Zu sehr war er mit seinen Gedanken beschäftigt gewesen, als daß er ihr näher kommen bemerkt hätte. Er zieht erstaunt eine Augenbraue hoch, als sie plötzlich 'ich grüße dich, Freund der Elfen' sagt und dem Elfen lächelnd zunickt.

"Frau Fuxfell," sagt er leise und vorsichtig, um sie nicht zu kränken. "wißt ihr eigentlich, was ihr gerade gesagt habt?"



Sigrun


'Ah, na bitte, die anderen haben auch ihren Mittagsschlaf, oder was auch immer das sein sollte, was sie alle unter Deck getan haben, abgeschlossen. Na, dann wird ja jetzt wieder etwas mehr los sein', denkt Sigrun ein wenig erleichtert, als sie sieht, wie mehrere andere Matrosen das Oberdeck betreten. Zwar sind Olof, Laske und Swafnald nicht gerade ihre bevorzugten Gesprächspartner, doch eine gut erzählte Geschichte, wie Olof sie an einem seiner besseren Tage vorzutragen versteht, wäre jetzt wirklich nicht zu verachten.

'Mal sehen, wo sie sich ein Plätzchen suchen, dann kann ich mich vielleicht dazu gesellen', hofft sie.

Doch da tut sich auch wieder etwas auf dem Brückendeck: Aleara bringt Anschuldigungen gegen Ole und den Kapitän vor, die Sigrun das Kinn nach unten fallen lassen. Die Reaktionen der beiden nimmt sie kaum wahr, zu entgeistert starrt sie jetzt unverhohlen die andere Matrosin an. Nur Nirkas Worte dringen zu ihr durch, sprechen aus, was sie fühlt. Langsam löst sie ihre Augen von Aleara, schließt den Mund wieder und wendet das Gesicht der Frau am Steuer zu. Ihre Augen strahlen Verständnis und Zustimmung aus, doch der entsetzte Ausdruck zeigt deutlich, daß sie nicht an eine bloße Respektlosigkeit Alearas glauben kann.

Auf die neu eingetroffenen Matrosen achtet sie nun nicht mehr ...



Hirkan


Vor lauter Sonne und Langeweile waren Hirkan langsam aber sicher die Augen zugefallen. Doch jetzt schreckt er hoch: irgend jemand hat mit lauter Stimme etwas gerufen, irgend etwas mit dem Kapitän. Aber mehr hat Hirkan nicht mitbekommen. Naja, wahrscheinlich war es nur wieder diese schrecklich laute höher gestellte Matrosin. Er sieht sich ein wenig um und richtig, da auf dem Brückendeck, am Steuer, steht sie. Unwillig schüttelt er leicht den Kopf. Daß diese Matrosen auch immer so einen Lärm machen müssen, auch wenn sie offensichtlich nicht viel zu tun haben!



Jarun und Armen


'Verdammt, warum hast du mich nicht gewarnt, Phex. Hoffentlich konnte er nicht sehen, wie ich Radisar durchsucht habe.'

Jarun ringt sich bei den Gedanken ein verlegenes Lächeln ab.

"Ja, ihr habt mich etwas überrascht, Herr Al' Klin Gon. Aber gut das ihr jetzt da seid."

Nach kurzem überlegen setzt er wieder an.

"Nein, nein, ich glaube nicht das er ...," gerade als Jarun den Diener in Schutz nehmen will, fällt ihm wieder sein seltsames Verhalten in Küche ein.

"Wir werden sehen, ob er etwas getrunken hat."

Jarun nimmt den Oberkörper Radisar's in die Arme und geht rückwärts den Aufgang herauf. Nach einigen Stufen kann er einige leise Stimmen und Schritte hören, die sich scheinbar zum Ladedeck herunter bewegen.

"PLATZ DA, DORT OBEN. WIR HABEN EINEN VERLETZTEN BEI UNS," ruft Jarun den Aufgang herauf.



'Gut das er so laut geschrien hat, so bekommt Phexane wenigstens mit, das jemand kommt.' hofft Armen



Meuterei


Olof läßt sich von Swafnald überholen und folgt diesem dann gemessenerem Schrittes - er schlendert regelrecht an der Reling entlang. Dann, etwa zu dem Zeitpunkt, zu dem Nirka brüllt und Swafnald stockt, werden seine Schritte wieder etwas schneller, und er ändert seine Richtung so, daß es offensichtlich scheint, daß eine Seilrolle sein Ziel ist, die nur wenig mehr als einen Schritt von dem Aufgang zum Brückendeck entfernt ist, und natürlich ein optimaler Platz ist, um sich dort niederzulassen und beispielsweise eine Waffe zu reinigen.



Laske sieht, wie Wasuren mit dem dritten Offizier in Richtung der Segellast verschwindet, und denkt kurz darüber nach, ob es ihm lieber wäre, mit dem anderen Matrosen zu tauschen... doch dann hellt sich sein Gesicht bei dem Gedanken an das, was gleich auf dem Deck passieren wird, auf, und er wendet sich wieder der Treppe zu.

Thorben und kurz nach ihm Rilaf verschwinden in Richtung Heck, um den anderen Aufgang zu nutzen, und nach einigen Sekunden folgt auch Frenjar den beiden - allerdings sehr langsam, was Laske für eine gute Idee hält, schließlich müssen sie nicht alle auf einmal schlagartig auftauchen. Er nickt Babo zu, der sich nun endlich auch bequemt hat, den Mannschaftsraum zu verlassen, und geht langsam die Treppe empor. Oben bleibt der Matrose erst einmal stehen, als habe er alle Zeit der Welt, und schirmt die Augen mit der Hand gegen die Praios-Scheibe ab, als blende ihn diese. In Wahrheit jedoch mustert er alles und jeden auf dem Deck...



An Deck


Während sie immer noch mißtrauisch auf Alriks Antwort wartet, beobachtet die Matrosin, wie Olof, Swafnald und Laske an Deck erscheinen.

'Was wollen die denn hier?' denkt sie leicht verärgert. Sie hält es für nicht besonders klug, wenn sich alle Matrosen unter den Augen der Vorgesetzten so offensichtlich unbeschäftigt auf Deck versammeln. Wenn jetzt als nächstes irgendwelche unnützen Befehle ausgegeben werden, nur um sie alle zu beschäftigen, dann ist das allein deren Schuld, beschließt Xenia mißmutig.



"Nein, natürlich habe ich das nicht. Ich wollte nur wissen, ob du vielleicht was mitbekommen hast, was er so angestellt...." versichert ALRIK wenigstens so einigermaßen glaubhaft. Dann wird er jedoch von dem Geschrei auf dem Brückendeck abgelenkt. Er unterbricht sich und glotzt neugierig in die betreffende Richtung.

"Was iss'n da los?" murmelt er leise. Daß mit einem Male mehrere Matrosen auf Deck kommen, hat er noch gar nicht so recht bemerkt.



"Ganz einfach!" zischt Xenia Alrik zu. "Die Torfköpfe begreifen irgendwie nicht, daß es eine sehr, sehr schlechte Strategie ist, den Vorgesetzten so ausgesprochen deutlich zu zeigen, daß ALLE Matrosen absolut gar nichts zu tun haben!"

Sie verzieht ärgerlich das Gesicht.

"Und ich wette mit dir, daß wir alle in einigen Minuten garantiert irgendeine Arbeit aufgebrummt bekommen - sinnvoll oder nicht."

Wie wirft den an Deck kommenden Matrosen bitterböse Blicke zu.

"Diese Sumpfranzen..." murmelt sie. Abschätzend sieht sie zum Brückendeck hinauf, um festzustellen, ob da bereits Anstalten getroffen werden, irgendwelche Order zu geben. Besonders Nirka wird von der Matrosin prüfend gemustert.Doch dann bleiben Xenias Augen auf Aleara und Ole hängen und Betroffenheit malt sich in ihrem Gesicht. Entgeistert stößt sie Alrik neben sich an.

"Du, Aleara scheint es wirklich nicht gut zu gehen!" flüstert sie leise. Sie macht sich jetzt wirklich Sorgen um Aleara.

"Meinst du, der Kapitän wird sie bestrafen wegen des Theaters an Fianas Tsatag? Vielleicht weint sie deshalb..."

Xenia klingt wenig überzeugt - eher ratlos und besorgt.



Auf dem Weg zum Unterdeck


Ohne Widerstand zu leisten läßt sich Lowanger von Wasuren die Treppe zum Laderaum hinunter führen. Im Geiste geht er bereits seine Möglichkeiten durch, die er hat um, Wasuren zu überrumpeln, als sich plötzlich Wasurens Griff löst. Schon geht Lowanger federnd in die

Knie, duckt sich ein wenig und setzt an, um ausholend...

... als Wasurens entschuldigende und erklärende Worte zu ihm vordringen.

Sollte der Matrose wirklich ehrenhafte Absichten hegen, oder sind es vielleicht die sich nähernden Schritte aus dem Dunkel des Laderaums, die Wasurens zu einer plötzlichen Meinungsänderung bewegen.

"Bursche, ich hoffe für dich, daß du wahr sprichst, denn wenn nicht, dann werde ich dich eigenhändig kielholen!" flüstert Lowanger in einem Ton, der keinen Zweifel an dem Ernst dieser Worte läßt.

"Und jetzt besorg mir meine Waffe aus dem Mannschaftsraum - und sie zu, ob, sie noch in Sichtweite sind", erhält Wasuren weitere Anweisungen.

"Wir haben auch die Verantwortung für die Passagiere, denke daran!"

Lowanger deutet Wasuren an, sich zu beeilen, dann dreht er sich zu den Männern um, die unten am Treppenabsatz erscheinen.

"Bringt ihn vorerst in meine Kabine," entscheidet Lowanger. Das hat ja gerade noch gefehlt, daß jetzt Passagiere mit einem Verletzten quer durch das Schiff marschieren.

"Was ist passiert?" erkundigt sich Lowanger, als er anschickt, die Treppe wieder zu erklimmen. Dabei bemüht er sich, äußerlich ruhig zu bleiben, doch insgeheim befürchtet er, daß der Verletzte ein Opfer des Meutererpacks ist.



'Oh ha, der alte Hase hat gesprochen!' denk sich Wasuren, 'Na dann pass ich lieber mal auf.'

Die zwei kurzen geflüsterten Befehle nimmt er mit einem kurzen Nicken zur Kenntnis. Wasuren dreht sich um und schleicht gebückt die Treppe wieder empor. Dort blickt er sich geduckt vorsichtig um und verharrt bis auch der letzte Matrose außer Sichtweite verschwunden ist. Sicher, daß nun die Luft rein ist, verläßt er seine Deckung und schleicht leise, sich an die Schiffswand drückend bis in den Mannschaftsraum.



Wasuren blickt sich kurz orientierend im Mannschaftsraum um.

'Keiner mehr da. So ist es richtig. Und nun schnell die Waffe'

Zielstrebig geht er in die Ecke des Mannschaftsraumes, wo die Waffe des Offiziers sein müßte und fängt an zu suchen. Hinter einer großen Holztruhe sieht er einen gepflegten Degen stehen.

'Das muß sie sein'

Er greift sich die Waffe, hält sie nah an seinem Körper, damit sie ein wenig unauffälliger ist und macht sich auf den Mannschaftsraum wieder zu verlassen.



Schiffsbesichtigung


"Das beste ist wir sehen uns erst mal das Unterdeck an. Da wir einmal hier sind! Links oder rechts herum, meine Dame?"

Verschmitzt grinsend verbeugt sich Alrik vor seiner Begleitung.



Darian geht an Deck

Ruhig liegt die NORDSTERN im Wasser, zu ruhig, schon seit Stunden hält die Flaute das sonst so stolze und schnelle Schiff gefangen. Doch auf dem Schiff ist es alles andere als ruhig. Der Tod der "Grauen" - der alten Schiffskatze - Vorurteile gegenüber den langohrigen Mitgeschöpfen, Aberglauben, der bei Unwissenden HESindes Gaben zu ersetzen sucht und ein 2. Offizier, der daraufhin zur Meuterei aufruft, sorgen ebenso gut für Tumult, wie ein mittlerer Rondrikan. Der Kapitän ahnt nichts von alledem, er steht auf dem Brückendeck und beobachtet, wie der alte Schiffszimmermann versucht etwas Licht in die Vorkommnisse um eine verwirrte Matrosin zu bringen. Einige Schritt tiefer auf dem Ladedeck stürzt ein Passagier, bleibt bewusztlos liegen und wird von seinem Retter erst einmal ausgeplündert. Kurz: Es gärt und brodelt an allen Ecken, der nach auszen so ruhig wirkenden NORDSTERN ...

Darian weisz von all dem nichts. Er sitzt seelenruhig in seiner Kabine, studiert eine Schrifftrolle und trinkt ab und zu einen Schluck Wasser aus dem neben ihm stehenden Krug. Eben dieser Krug ist es auch, der in dazu veranlaszt seine Schrifftrolle zur Seite zu legen, als er ihn nämlich erneut zum Mund führt und dabei feststellt, dasz dieser mittlerweile leer ist. Er begibt sich mit dem leeren Trinkgefäsz auf den Gang und zur Kombüse. Erstaunt stellt er fest, dasz dort niemand anwesend ist. Also stellt er den Krug einfach auf dem Tisch ab und macht sich dann auf den Weg zum Oberdeck, oben angekommen sieht er einen Matrosen mit einem Entermesser in der Hand gemächlich auf eine Seiltrommel zugehen.



Transport


Während Jarun zusammen mit Armen den Verletzten auf's Unterdeck trägt, versucht er die Geschehnisse zu erklären, wobei er oft unterbrechen muß.

"Ich war zusammen mit dem Smutje unten ... . Er sollte mir einen guten Wein geben ... . Der Herr Radisar kam hinter uns ... hergelaufen, und rief uns, ... wir sollten auf ihn warten ... . Plötzlich hörte ich, ... wie Herr Radisar mit einem dumpfen ... Geräusch die Treppe herunter ... zu Boden viel. ... Ich rannte sofort hin, und kümmerte mich ... um ihn. Aber er verlor ... wieder die Besinnung. ... Herr Al' KlinGon und ich wollten ihn ... in die Suite bringen ... und Soeren sollte den Schiffsarzt holen."

Zwischendurch schnappt Jarun immer wieder nach Luft. Diese Schlepperei ist wohl nicht so ganz das Richtige für ihn, der doch eher durch Ausdauer und Körperbeherrschung beeindruckt, als durch schiere Muskelkraft.

Vor der Tür zu Lowanger's Kabine bleiben sie kurz stehen und setzen den Verletzten auf den Boden, bis der dritte Offizier seine Kabine geöffnet hat.



Der gefangene Elfe


Nach seinem letzten Nieser ging alles ziemlich schnell. Angst, Erschrecken, Stürze und Gelächter. Sylvhar steht jedoch noch immer angespannt in seiner Zelle, das Messer mit festem Griff erhoben. Oder könnte es möglich sein, daß diese beiden ihm nichts Böses wollen? Das Verhalten der beiden verwirrt ihn doch sehr.

Der Mann mustert ihn eine Weile mit seinem seltsamen, unnatürlichem Licht. Ein mulmiges Gefühl steigt wieder in ihm auf - was hat dieser Mensch mit ihm vor? Sein Herz schlägt wieder schneller und heftiger. Auch der Griff um sein Messer versteift sich.

Da spricht ihn der Mensch an. Es vergehen einige Augenblicke, bis Sylvhar realisiert, was der Mann gesagt hat. Er hat ihn auf Isdira angesprochen! Zwar stark akzentuiert und in einer schrägen Betonung, aber doch Isdira!

Das weitere Geschehen vor seiner Zelle, kriegt er gar nicht mehr so richtig mit. Diese Überraschung muß er zunächst mal überwinden. Die Frau sagt zwar noch etwas, das er jedoch gar nicht so richtig aufnimmt. Diese beiden scheinen ihm wirklich freundlich gesonnen zu sein. Sie scheinen auch Hilfsbereit zu sein. Neue Hoffnung erfüllt ihn. Nun läßt er sein Messer sinken und schüttelt all den Argwohn ab.

"Sanya bha, talaiama Torin."

Diese Worte fallen aus seinem Mund so sanft als streiche eine leichte Frühlingsbrise die ersten Blumen auf einer Wiese. Und doch ist ein leichtes rascheln darin vernehmbar, das wohl auf die Umstände seiner Gefangenschaft zurückzuführen ist. Die Finger seiner freien Hand umklammern das Holzgitter, als er mit leicht bebender Stimme und flehendem Blick weiter auf Isdira spricht:

"Bitte!..."



Phexane mustert den Elfen. Eigentlich hatte sie sich Elfen schon etwas anders vorgestellt. Sein Aussehen kommt ihren Vorstellungen zwar nahe aber ... irgendwas fehlt ... irgendwie hatte sie sich eine Begegnung mit einem Elfen anders vorgestellt!

Elfen sind für Phexane unfaßbare, aber dennoch reale Märchenwesen. Wesen, ausgestattet mit einer unglaublichen magischen Kraft. Wesen, von denen ein Leuchten auszugehen scheint, die nie altern und ewig jung, schön und glücklich bleiben. Elfen sind für ein 'Stadtkind' wie Phexane geheimnisvoll und anders! Doch bei diesem Elfen ist es nicht so. Nun gut, diese Augen sind schon ... fremdartig und er sieht auch elfisch aus. Aber ...

Plötzlich spricht er!

Phexanes Herz beginnt schneller, aufgeregter zu schlagen. Das muß es sein! Es ist die Stimme! Eine Stimme, die selbst ein kaltes Herz wärmen würde. Eine Stimme, zart wie eine weiche Feder, die über die Haut streicht. Sie bekommt eine leichte Gänsehaut, und ihr Blick wird verträumt. Fern ist dieser Raum, das Schiff, das Meer, die Sorgen...



Als Torin die Worte des Elfen erreichen, meint er, sie direkt in seinem Kopf zu hören. Diese Worte, die er so lange schon nicht mehr vernommen hat, lassen seinen inneren Schmerz und seine Sehnsucht nach Liasanya weiter wachsen. Trotzdem lächelt er, denn die sanften, fließenden Worte bringen ihm die Erinnerungen wieder näher.

Plötzlich wird er von einem hellen Lichtreflex aus seinen Gedanken gerissen. Seine Augen erfassen jetzt erst das Messer, das der Elf noch immer in der Hand hält. Leichter Argwohn befällt ihn, als der Elf langsam näherkommt, die freie Hand hebt und das Gitter umfaßt.

Doch dieser Argwohn verfliegt, als er in die flehenden Augen seines Gegenübers blickt. Das Wort, das der Elf leise ausspricht, läßt vor seinem inneren Auge Bilder von fallenden Schneeflocken, spielenden Robbenkindern und weiten, weißen Feldern erscheinen.

'Bei Liasanya sah ich damals andere Bilder.' kommt es Torin in den Sinn. 'Es waren grüne Auen, weite Wiesen, stolze Wälder und das fröhliche Plätschern des Wassers.'

'Bitte' reflektiert er gedanklich das Wort des Gefangenen.

'Wir sollen ihn freilassen,' schießt es Torin durch den Kopf. 'Doch wie können wir wissen, daß er keine Bedrohung darstellt? Wieso ist er überhaupt hier eingesperrt.'

Er schielt zu Phexane. Sie scheint abwesend zu sein, ihr Blick ist starr und gleichzeitig verträumt.

'Und doch sagt mir mein Gefühl, daß von ihm keine Gefahr ausgeht. Könnte ich doch nur diese Sprache besser.'

"Warum... du hier?" bringt er stotternd die für ihn fremdartigen Laute über seine Lippen.



Sylvhar's Blick geht von Torin zur Frau und wieder zurück. Sie scheint mit ihren Gedanken weit entfernt zu sein. Aber auch in Torin's Kopf geht einiges vor, und das ist nicht nur wegen der Sprachschwierigkeiten. Da ist was anderes. Irgendwas beschäftigt Torin, und das kam erst, als der Mensch ihn sah. Er fühlt da was, er spürt....

Dann spricht er Torin wieder an, er bedient sich jetzt aber der Menschensprache:

"Das habe ich mich auch schon gefragt. Ich weiß nicht, wieso sie mich hier eingesperrt haben! Bitte hilf mir."

Sein Blick geht auf das kristallene Jagdmesser in seiner Hand.

"Ich werde euch nichts tun." Er hält einen Moment inne, in dem er Torin eindringlich in die Augen schaut. "DU weißt, daß ich euch nichts tun werde. Ich ertrage es nicht mehr hier drin zu sein. Hilf mir!"

Der flehende Blick ist nicht aus seinen Augen gewichen - im düsteren Licht kann man es nicht mit Sicherheit sagen, aber seine Augen scheinen auch feucht zu glänzen. Das Funkeln, daß normalerweise in seinen Augen zu sehen ist, hat deutlich abgenommen. Seine ganze Ausstrahlung ist irgendwie in sich zusammengefallen. Vergliche man den Anblick eines Elfen mit dem Licht einer Kerze, so ist Sylvhar's Anblick einer auf eine Flamme, deren Licht durch eine schmutzige Laterne nur noch ein gedämpftes und düsteres ist.



Kaum ein Laut schafft es, vom Deck bis in die Segellast zu dringen. Hätte man sehr genau gelauscht, so hätte man wohl das leise Echo eines Rufes, gefolgt von hastigem Fußgetrappel vernehmen können. Gerade so, wie es wohl bei der Essensvergabe auf einem Segelschiff zugehen muß. Doch weder der Elf noch die beiden Menschen in der Segellast scheinen auf solche Unwesentlichkeiten zu achten.

Torin stutzt, daß ihn der Elf versteht, damit hatte er innerlich gerechnet, doch nicht damit, daß dieser ihm auf eine solch flüssige und gut artikulierte Weise antwortet.

Der Blick, mit dem der Elf ihn taxiert, läßt ihn beinahe aufschreien. Nicht vor Schmerz über die in ihm wiedererwachte Sehnsucht nach Liasanya, sondern vor Überraschung darüber, daß der Elf seine Gefühle zu kennen scheint. Langsam, beinahe zögerlich nickt er, dreht sich zu seiner Begleiterin um und meint:

"Ihr habt den Elfen selber gehört und ich glaube seinen Worten Aber entscheidet ihr, ob wir ihn befreien sollen, Frau Fuxfell."



Verschneite Hügel, die sich sanft in die Landschaft geformt haben. Eis, das regenbogenartig in der Sonne glitzert wie reines Kristall. Ein kühler Wind, der über ihre Haut streicht.

Eine Gestalt, mit weißen, wehenden Haaren, die zwar einsam in dieser Öde steht, aber dennoch nicht auf sich allein gestellt ist. Sanfte, beruhigende Flötentöne, die von Gemeinschaft, Freundschaft und Liebe berichten ...

"... mich hier eingesperrt haben! Bitte hilf mir."

Langsam erwacht Phexane aus ihrem Traum. Für einen kurzen Augenblick verwischt das Bild der Schneewüste mit dem rötlich-weiß erleuchteten Raum, in dem sie sich befindet.

Sie blinzelt mit den Augen und braucht ein paar Sekunden, bis sie bemerkt, wo sie sich befindet. Noch einen Augenblick länger dauert es, bis sie realisiert, was der Elf gesagt hat.

Er spricht Garethi!

Sie lauscht seinen Worten. Zwar ist es ihre Muttersprache und hört sich bei weitem nicht so 'bezaubernd' an, wie die elfische Sprache, aber seine Stimme zieht sie immer noch in seinen Bann.

Allmählich registriert sie auch seinen flehenden Blick und seine feucht-glänzenden Augen. In dem Moment spricht Torin sie an.

"Befreien?" Phexane wirkt noch immer leicht abwesend, doch die Realität beginnt sie weiter einzuholen. Sie dreht den Kopf zu Torin und schaut zu ihm hoch.

"Ja, ich denke, wir sollten ihn befreien."



Torin nickt.

"Da bin ich euerer Meinung, Frau Fuxfell. Laßt uns den Elf befreien."

Er dreht sich zu ihr und fragt: "Könntet ihr wohl darauf achten, daß uns hier niemand stört?"

Ohne wirklich auf eine Antwort ihrerseits zu warten, legt er seinen Stab auf einen der Tuchballen hinter sich und beginnt, die Bretter von der Gittertür zu entfernen. Als er das erste Brett löst, blickt er kurz in das Halbdunkel des Verschlages und meint:

"Und ihr, Herr Elf, könnt euch schon mal mit euerem Messer an den Tauen versuchen."



Zum ängstlichen und flehenden Blick des Elfen kommt nun auch leichte Verwirrung hinzu. In seiner Lage kann er nicht ganz verstehen, wie die beiden Menschen so seelenruhig darüber 'diskutieren' können, ob sie ihn befreien wollen oder nicht. Er wird diese Menschen wohl nie verstehen, egal welcher Art sie auch immer sein mögen.

Diese Gedanken schiebt er dann jedoch zur Seite, als sich Torin daran macht, die Bretter zu entfernen. Nach einem kurzen Moment des Zögerns, macht er sich mit seinem Jagdmesser an den Schnüren, so gut's geht, zu schaffen.


Auf Torins Bitte hin, nickt Phexane. Sie wirft dem Elfen noch einen Blick zu, der eine Mischung aus Sehnsucht und Neugierde zu sein scheint, dann dreht sie sich um, stutzt kurz, bevor sie geht, schaut auf ihr Florett hinunter, daß sie immer noch in ihrer Rechten hält und steckt es leicht kopfschüttelnd weg.

Sie geht durch die Tür, die von der Segellast zum Laderaum führt und bleibt stehen, um zu horchen - war da nicht ein leises, fernes Getrampel zu hören?

Ihr Magen knurrt.

'Offenbar wurde wohl schon zum Essen gerufen, und alle gehen jetzt zur Messe.'

Sie seufzt leise.

'Nur wir hängen hier unten noch fest und helfen diesem Elfen.'

Sie denkt kurz nach und beißt sich dabei leicht auf die Unterlippe.

'Aber ich möchte gerne mehr über ihn und sein Volk erfahren. Dafür würde ich sogar auf das Mittagessen verzichten.'

Ihr Blick geht zu der toten Katze auf der Kiste, die bei dieser schwachen Beleuchtung eher wie ein dunkler, dicker Lappen aussieht.

'Und dann ist da noch dieses arme Tier. Ich werde sie dem Kapitän bringen.'

Sie geht zu der Katze, hockt sich hin und streicht vorsichtig über das Fell.



Die Verteidiger formieren sich


Zügig eilt der dritte Offizier voran. Auf dem Unterdeck ist es verhältnismäßig ruhig. Ein Paar steht im Eingang zur Küche, Wasuren kommt wie geheißen aus dem Mannschaftsraum mit Lowangers gutem Degen zurück. Ohne groß Zeit zu verlieren, schließt Lowanger die Tür zu seiner Kabine auf. Dort nimmt er noch rasch und unauffällig einen kurzen Dolch an sich.

"Legt ihn auf die Koje. Sören, du kuemmerst dich erstmal um den Herrn Radisar ..."

Der 3. Offizier dreht sich um, doch der Smutje scheint irgendwie den Anschluß verloren zu haben.

"Sören? Herkommen! Hach, verdammt!" poltert Lowanger los. Dann jedoch beherrscht er sich schnell wieder, tritt auf den Gang und spricht mit lauter Stimme,so daß es auch für die Passagiere in der schräg gegenüber liegenden Küche verständlich ist:

"Meine Dame, meine Herren! Auf Deck ist ein Notfall eingetreten, bitte suchen sie unverzüglich ihre Kabinen auf. Ich werde sie wieder benachrichtigen, wenn die Lage unter Kontrolle ist."

Einen kurzen Augenblick zögert Lowanger noch, bevor er weiter redet. Es ist ganz sicher bedenklich, die Passagiere mit in diese Situation einzubeziehen. Doch Sören, Wasuren und er sind nur drei Mann - und wer weiß, wie es oben gleich aussieht. Es ist ein Risiko und vielleicht ist es ein unverantwortlicher Fehler, doch Lowanger Entscheidung steht fest:

"Meuterei. Gebt Acht auf den Offizier Hjalmarson und die, die ihm folgen. Wenn jemand von ihnen mit der Waffe umzugehen versteht, dann möge er sich uns anschliessen, um den Kapitän zu schützen. Alle anderen begeben sich jetzt unverzüglich in ihre Kabinen. Das ist ein Befehl!"

Und schon eilt Lowanger den Gang zurück - und eilt auf Wasuren zu. Gleichzeitig dazu öffnet sich die Tür von der Messe und Eilif, der dort wohl aufgeräumt hat und auf den Lärm, den der 3. Offizier verbreitet, aufmerksam geworden ist, tritt hervor.

"Wasuren, meine Waffe schnell!"

"Sören? Wo bleibt der Mann!"

"Eilif! Hier nimm den Dolch! Auf Deck gibt's Probleme."



Der Matrose Eilif reißt bei den Worten des dritten Offiziers, die er durch die Tür der Messe vernommen hat, überrascht die Augen auf, doch erst jetzt, wo er Lowanger und dessen Aufregung sieht, wird ihm so richtig klar, daß es vollkommener Ernst ist.

'Thorben... wer hätte das gedacht...'

Eilif verdrängt jegliche Überlegungen, für die auch später noch Zeit ist, und nimmt den Dolch, den der dritte Offizier ihm reicht.

"Ich bin bereit", stößt er hervor, und das ist er wirklich, denn er wartet nur noch darauf, daß Lowanger den Sturm... wohin eigentlich? Vermutlich auf das Oberdeck, zum Kapitän... befiehlt.



Wasuren sieht den 3.Offizier auf sich zukommen und in dem Augenblick wo dieser nach seiner Waffe verlangt zögert Wasuren nicht lange. Als der Offizier seine Aufmerksamkeit weit genug auf Wasuren richtet, wirft ihm dieser schwungvoll den Degen zu, so das der Offizier ihn gut fangen kann. Kurz entschlossen greif Wasuren sich eine große Holzlatte die neben der Tür vom Mannschaftsraum steht und schultert diese wie einen Prügel.

'So nen Prügel ist auf jedenfalls besser als mein wertvolle Wurfbeil. Jetzt kann

es losgehen!' denkt er kampfeslustig und gesellt sich raschen Schrittes zu Eilif, der ja wenigstens noch vernünftig zu sein scheint. Als er neben ihm steht, raunt er ihm ein begeistertes

"Für den Kapitän!"

zu und wartet auf weitere Befehle von Lowanger.



"Für den Kapitän!" ruft Jarun und streckt dabei die Rechte Faust gen Himmel. Schon halb im Gehen wendet er sich noch mal zu Armen.

"Ihr kommt hier doch sicher alleine klar?! Meine Hilfe wird anderweitig benötigt."

Doch bevor Armen zu einer Antwort ansetzen kann verschwindet Jarun in seiner Kabine. In seiner Kabine, holt Jarun schnell Radisar's Geldbeutel hervor, füllt das Geld in seinen Beutel um und läßt den leeren Beutel, mit einen eleganten Wurf durch das winzige Fenster seiner Kabine, verschwinden.

Die kleine Kabine bietet wohl nicht allzuviele Möglichkeiten den Dolch angemessen zu verstecken. Nach kurzen überlegen, findet er aber eine Stelle die ihm wohl gut genug erscheint. Musternd geht Jarun zur leeren Truhe herüber und hebt sie kurz an. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht, stellt er fest, daß die Truhe einen kleinen Hohlraum im Boden hat, in dem er dann auch den Dolch versteckt.

Vorsichtig stellt er die Truhe wieder ordentlich hin und schnappt sich beim Verlassen der Kabine seine Schwerter. In einiger Entfernung kann er noch die Stimme des dritten Offiziers hören und beginnt deshalb die wenigen Meter im Laufen zurückzulegen.

"Ich bin soweit!" meldet er den Matrosen und befestigt dabei seinen Schultergurt.



Neuigkeiten für Darian


Gerade auf dem Oberdeck angekommen, hört Darian eine laute Stimme von unten rufen. Von Meuterei ist die Rede, davon dasz ein Offizier Hjalmarson den Kapitän stürzen will. Zwar ist der Adeptus ganz bestimmt kein Kämpfer, doch es gibt nicht nur Waffen aus Stahl und der PARALÜ hat schon so manchen Berserker gestoppt. Vorsichtig sieht der Magier sich um, dort der Matrose mit dem Entermesser, der auf die Seiltrommel zugeht.

´Ist das einer der Meuterer ? Ob ich ihn jetzt gleich ... ? Nein besser erst mal beobachten.´

Darian begibt sich zum Groszmast von wo er einen guten Blick auf den Aufgang zum Brückendeck hat und harrt der Dinge die da kommen werden.



Meuterei


Mit grimmiger Miene verfolgt Swafnald die Vorgänge oben auf dem Brückendeck. Tatsächlich - alle Besessenen und Elfenfreunde auf einem Haufen, besser könnte es gar nicht passen,

... oder sind es doch nicht alle?

Er sieht sich um zu den Matrosinnen und dem Schiffsjungen, die weiter bugwärts an der Reling stehen ... und entdeckt dabei noch einen der Passagiere am Großmast, auch so ein Hexer ... die hätten sie dann im Rücken, das ist nicht gut, gar nicht gut...

Andererseits, wenn man erstmal Jergan hat, wird der Rest schon aufgeben - der Elf und Lowanger sitzen ja schon ein. Ungeduldig blickt er dann zum hinteren Aufgang aus dem Unterdeck.

'Wo bleiben sie denn?' als er auch schon Thorben auf den Stufen sieht.

'Endlich ... jetzt aber schnell.'

Swafnald macht sich bereit, direkt hinter Thorben die Stiegen aufs Brückendeck hinauf zu stürmen.



Genüßlich blickt Thorben sich um. Alle in Position, die anderen alle auf dem Brückendeck und Wasuren hat den 3. Offizier zum Elfen gesperrt. Da kann ja eigentlich gar nichts mehr schiefgehen. Das Schiff ist gerettet. Eine innere Befriedigung durchdringt ihn, als er nun selbstsicher die Treppe zu Brücke emporsteigt. Kein Zeichen von Hetze oder Nervosität zeigen sich mehr. Was soll auch schiefgehen? Die dicken Waffen sind in ihren Händen. Das wichtigste ist damit auch geschafft. Die enge Treppe muß nicht erobert werden, so wird das ganze noch einfacher. Er wirft einen verstohlenen Seitenblick auf die restlichen Meut... - nein, Befreier ist das richtige Wort - und hofft, daß sie ihm jetzt ganz schnell folgen werden. Rilaf in jedem Fall bleibt dicht hinter ihm, als er das Brückendeck erreicht und sein Wort an den Kapitän wendet. Er will ihn ja nicht hinterrücks erschlagen, dann wäre er keinen deut besser als sie. Vielleicht gibt es ja eine unblutige Lösung, auch wenn Thorben nicht daran glauben mag. Mit Besessenen ist nicht gut Boltanspielen, das ist klar. Daher sind seine Worte auch eher leere Worthülsen als der den Säbel präsentiert und den Jergan anspicht.

"Euer verruchtes Spiel ist aus! Ergebt euch und euren Körpern soll kein Leid zugefügt werden. Wir wissen, daß nicht ihr es seit, die für eure Handlungen verantwortlich seit. Also gebt das Ruder frei und legt die Hände hinter den Kopf. Ich frage kein zweites Mal!"

Drohend spielt er ein wenig mit seiner Waffe herum, während er darauf hofft, daß die anderen ihm jetzt die Treppe herauf folgen. Seine Augen läßt er nicht von den sechs weitestgehend unbewaffneten Personen vor ihm. Ein plötzlicher Ausfall würde wohl in seinem Säbel enden...



Jergan überlegt, ob er Ole doch irgendwie helfen soll, Alearas Problem zu lösen, als der zweite Offizier das Brückendeck betritt, mit einem der Matrosen im Gefolge. Nun... scheinbar lockt die Brücke die Führungsmannschaft sehr an...

... doch dann hört er, was Thorben da sagt - genauer gesagt, das unzusammenhängende Zeug, das dieser ausstößt. Der Kapitän sieht die Waffen in den Händen der anderen, sieht, daß hinter Thorben nicht nur Rilaf steht, sondern weitere Matrosen auffällig dabei sind, auf den Aufgang loszugehen...

"Was soll das, Thorben? Wovon redest du?"

Er weicht dabei einige Schritte zurück, ohne die rechte Hand in die Nähe seines ohnehin mickrigen Dolches zu bringen, mit dem er gegen diese Waffen ohnehin keine Chance hätte.

"Willst DU Kapitän der NORDSTERN werden? Ist das dein Ehrgeiz?"



Nahezu ruckartig kommt Leben in Olof, als er sieht, daß es losgeht. Er packt das gewaltige Enterbeil mit beiden Händen und rennt die Treppe förmlich empor. Rasch erfaßt er die Situation - und trifft schnell seine Wahl. Mit erhobener Axt geht er auf Fiana los, bereit, zuzuschlagen, sobald diese eine Bewegung machen sollte, die dem Kapitän nutzen und Thorben schaden könnte. Und... um später derjenige zu sein, der die hübsche Offizierin abführen wird.

"Wenn du still hältst, passiert dir nichts", droht er, während seine Hände die Waffe in einem eisernen Griff halten.



Rilaf huscht an Thorben vorbei, um diesen nicht zu behindern, und geht dann mit seinem Entermesser geradewegs auf das aus seiner Sicht drittgefährlichste Ziel zu. Eigentlich wollte auch er Fiana festnehmen, aber da war Olof schneller, und mit dem möchte er ganz gewiß keinen Streit. So bleibt der Matrose schließlich in unmittelbarer Nähe des Schiffsmagiers stehen...



Gemächlichen Schrittes, einen Dolch in der Hand, taucht nun auch Babo im vorderen Niedergang auf, bleibt stehen und sieht sich um. Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, als er sieht, daß die anderen schon auf der Brücke sind und alles unter Kontrolle zu haben scheinen.

Langsam, fast schlendernd, geht er weiter nach hinten...



Nirka ist die einzige, die Thorbens Kommando sofort ausführt. Sie tritt langsam vom Ruder zurück und sagt mit einem gefährlichen Unterton:

"Das Ruder ist frei!" während sie außer Reichweite der anderen ihr langes Entermesser zieht und sich erst einmal darauf verläßt - und drauf achtet, daß das Steuer mit seinem Sockel zwischen ihr und den Meuterern bleibt. Die Übergabe des Ruder tut ihr natürlich nicht im geringsten weh, denn was soll man ohne Wind mit dem Steuer anfangen? Sie sieht kurz über das Deck, und erblickt die anderen, die auf dem Weg zur Brücke sind, sieht aber auch, daß einige wenige Passagiere und Matrosen auf dem Deck sind - nur, wem werden die treu sein? Diese Bedenken verwirft die Bootsfrau jedoch sofort wieder, als sie Sigrun erblickt... IHRE Sigrun. Sie nimmt das Bild der Freundin trotz der knappen Zeit rasch in sich auf, und brüllt dann sehr laut:

"MEUTEREI! ALLE AN DECK!"



Fast wäre es dann viel zu schnell gegangen für Swafnald ... Thorben geht an ihm vorbei und direkt hinter ihm steigt schon Rilaf die Treppe rauf ... da muß er sich schon fast dazwischen drängeln, doch letztendlich kommt auch Swafnald oben an und sucht sich gleich SEIN Zeil, mit dem Schneidzahn in der Hand.

Und wie praktisch ... gleich zwei eng umschlungen.

Er baut sich direkt vor Ole und Aleara auf und klopft dem Schiffszimmermann mit dem flachen Axtblatt auf die Schulter

"Das gilt auch für Euch beiden Turteltäubchen. Ganz langsam die Hände hinter den Kopf und keine Dummheiten."



Trost und Unterbrechung


Ole lächelt. Auch als alles um ihn herum auf der Brücke im Chaos zu versinken droht, - er lächelt. Selbst die schneidend laute Stimme Nirka's hat ihn nicht erreichen können, zu sehr hat sich Ole auf Aleara eingestimmt. Und Ole lächelt. Aleara's Äußerung offenbart doch sehr viel Menschliches und überhaupt nichts von einer dunklen Bedrohung, die ihr innewohnen könnte. Wie ein verschrecktes Kind liegt sie in seinen Armen, daß sich trotzig gegen vermeintliche Gefahren der Welt abzuschirmen versucht. Es war wohl das Unbekannte, vielleicht auch das Unfaßbare, das sie so tief verschreckt hatte, die Angst im großen Weltenplan nicht einmal mehr eine Unbeteiligte zu sein. Vielleicht ist so ihr Drängen zu verstehen. Ihre verzweifelten Maßnahmen, irgend eine Bedeutung, irgend einen Sinn für ihr Dasein zu finden. Ole weiß, daß es viele Gläubige des Meersgottes dazu treibt, dereinst, wenn andere auf Golgari warten, nicht in die alveranischen Gefilden einzuziehen, sondern vielmehr in EFFerds Element, also im Leibe des Gottes selbst aufzugehen. Vielleicht erklärt sich so ihr Verlangen dem Gott unmittelbar nahe zu rücken, da ihr alles außerhalb reißende Angst bereitet, eben 'namenlose Angst', die stärkste Waffe des finsteren 'Unaussprechbaren'.

"Du kannst es nicht hören, keiner kann das!" spricht er mit sanfter Stimme zu ihr " Du mußt es fühlen, tief in deinem Herzen! Ich werde dir gerne von dem Grünwal erzählen, wenn du dich wieder besser fühlst. Er war jung, sehr jung und sehr neugierig. Es ist ein Vorrecht der Jugend neugierig zu sein. Du bist auch noch jung, es wäre auch dein Recht neugierig zu werden, frei von Angst und in Liebe zur Schöpfung. Die Götter haben die Welt geformt, damit alle die hier leben ihre Freude daran haben. Ich werde ......!"

Ole unterbricht, da er sich unsanft an der Schulter gestoßen fühlt. 'Turteltäubchen' versteht er noch, aus dem Zusammenhang heraus gerissen und er ärgert sich über diese Störung.

"Nicht jetzt ..... !" ruft er geharnischt zurück ohne aufzublicken. Was auch immer sein sollte, Aleara ist momentan wichtiger .......



Unbeeindruckt vom Trubel auf dem Schiff blickt Aleara Ole fest an. Seine sanften Worte beruhigen sie.

"Du meinst, das kann man gar nicht verstehen? Warum SAGT er es dann? Wenn man es gar nicht verstehen KANN? Aber du..."

Sie bricht mitten im Satz ab. Verwundert sieht sie kurz den hinter Ole stehenden Matrosen an - ist es Swafnald? - und mustert ihn kurz. Dann wendet sie sich wieder Ole zu:

"Erzähl mir jetzt gleich von dem Wal! Was hat er gesagt?"

Ihre Tränen sind fast getrocknet, und Alearas Stimme ist schon fast wieder normal zu nennen.

Langsam begreift sie, dass ALLE Lebewesen Deres ein Teil des großen Ganzen sind, auch wenn sie nicht die Ehre haben, direkt in Efferds Element zu leben. Vielleicht sind die Menschen selbst schuld daran? Vielleicht haben die Vorfahren damals im Wasser gelebt? Vielleicht sind gar die berüchtigten Necker die eigentlichen, die wirklichen Menschen? Und durch ihre Habgier nach Gold und Macht hat Efferd sie ans Land verbannt? Und doch löste er die Menschen nicht ganz vom Wasser, denn jeder Mensch der auf Dere weilt - sei es in Firuns eisigem Land oder in der Wüste Khom - braucht Wasser zum Leben. Zeugt das nicht von wahrer, von göttlicher Größe? Efferd schützte seine Wasser und verwehrte trotzdem nicht seinen Reichtum?

Sollte DAS etwa...?



Ole fährt sich ein paar Mal über die Stelle seines Rückens, dort wo er sich eben noch gestoßen fühlte, so, als wolle er ein lästiges Insekt vertreiben, ohne aber den Blick von Aleara zu lassen. Dann wischt er mit der Hand über die Wangen des Mädchens und befreit sie von ihren Tränenbahnen.

"Du kannst SEINE Stimme nicht so hören, wie du es unter Menschen gewohnt bist. SEINE Stimme entsteht in dir und würdest du dir die Ohren zuhalten, so würdest du dennoch Wort für Wort verstehen. Doch denke nicht, daß dies eine besondere Gabe ist, es ist fast ein Fluch und du kannst ihm nicht entrinnen. Es gehört viel Übung dazu SEINE Worte zu verstehen. Wußtest du, daß Wale singen, wußtest du, daß sie Schwingungen erzeugen, so leicht und fein, daß kein menschliches Ohr sie zu verstehen vermag? Nur dem Feinsinnigen ist es vorbehalten sie zu empfangen, doch nicht wann und wie er es vermag. Sie dringen auf ihn ein, nehmen ihn gefangen. Man muß lernen damit zu leben und das ist wirklich nicht sehr einfach, denn man lebt mir der Hälfte seiner Sinne in einer Welt, die für Menschen nicht erschaffen sein sollte!"

Von fern hört Ole aber sehr weltliche Laute, die donnernd verkünden, daß nun ein paar 'Ratten in Stücke gehaut werden sollen'.

'Das ist aber sehr viel Aufwand für derart kleine Tiere!' denkt sich Ole kurz und hat gleich darauf den Vorfall schon wieder, zu Gunsten einer gesteigerten Aufmerksamkeit für Aleara verdrängt.



Böse Überraschung


Der Ruf der Matrosin reißt Belvolio aus seiner Meditation. Ruckartig reißt er die Augen auf, springt auf die Beine und bringt den Zauberstab in eine Position die es erlaubt sofort zuzuschlagen, sollte dies Nötig sein. Nun ist Zeit sich umzublicken, und was der Magus erblickt ist seltsam. Kein Kampf um ihn herum keine Bedrohung

'Sollte hier jemand gescherzt haben ?'

Belvolio läßt seine Augen über das Schiff wandern und auf dem Brückendeck ist eine Schar bewaffneter Matrosen zu sehen.

'Der Kapitän scheint in Bedrängnis zu sein.'

Denkt der Magus sich aufmacht die Lage genauer in Augenschein zu nehmen.




Gegenangriff


Souverän fängt Lowanger den ihm zugeworfenen Degen auf. Letzte Zweifel an der Loyalität Wasurens sind weggewischt.

"Für den Kapitän!" wiederholt Lowanger den Schlachtruf der wackeren Mitstreiter. Die Entschlossenheit des Gauklers ist wahrhaftig bemerkenswert, stellt er fest. Schminke hin, Verkleidung her - Mann ist aus dem rechten Holz geschnitzt. Im gleichen Moment erschallt Nirkas zorniger Ausruf. Wohl an denn, es ist keine Zeit mehr zu verlieren...

"Ihr beide nehmt den anderen Aufstieg", befiehlt Lowangen seinen Matrosen Eilif und Wasuren.

"Und Ihr, Herr Jarun, geht mit mir."

Zügig, aber keinesfalls überhastet oder gar kopflos, macht Lowanger sich daran, die Treppe auf das Oberdeck zu erklimmen.



"Zu Befehl!" erwidert Eilif dem dritten Offizier sofort, und nickt dann Wasuren zu.

"Komm, machen wir dieses Pack fertig!"

Und schon ist der eifrige Matrose auf dem Weg zu dem von Lowanger genannten Niedergang, den Dolch fest umklammert.



Wasuren folgt Eilif auf den Fuß und kurz vor dem Aufgang überholt er ihn sogar.

Mit einem Handwink deutet er ihm, daß er sich langsam und vorsichtig dem Ausgang auf das Oberdeck nähern soll. Als er ihn überholt raunt er ihm leise zu :

"Laß mich zuerst rausgehen. Sie werden vo mir keine Gefahr erwarten, also warte bis ich auf der Brücke bin und komm dann erst nach."



Eilif bleibt bei Wasurens Worten ganz kurz stehen, dann sieht er ihn fragend an - was soll das?

'Das muß mit dem zusammenhängen, was passiert ist, ehe ich dazukam... Wasuren hat Lowanger ja die Waffe gebracht... irgendwas wird da sein - vielleicht hat er zum Schein mit gemeutert und dann den dritten Offizier benachrichtigt.'

Er denkt nicht weiter drüber nach, sondern nickt dann und macht dem anderen Platz.

"Gut, machen wir das so. Ich werde dir aber unmittelbar folgen, und du lauf so, als würdest du vor mir fliehen - dann achten sie nämlich mehr auf mich als auf dich!"

Eilif spricht das hektisch, und verstummt sofort, als das Oberdeck fast erreicht ist.



Armen in Bereitschaft


'Da ist aber ganz schön was los.' Armen greift unter sein Gewand und überprüft den Sitz seines Dolches. 'Der dürfte jetzt ganz nützlich sein.'



Xenia und Alrik


Weinende Mädchen oder Frauen fand ALRIK schon immer irgendwie suspekt. Darum schweigt er auch erst einmal und zuckt nur verlegen mit den Schultern, als Xenia ihn auf Alearas Tränen und ihr seltsames Verhalten anspricht.

Als dann aber ein Trupp Matrosen in unglaublicher Geschwindigkeit die Brücke erstürmt, und auch noch Waffen gezogen werden, glotzt ALRIK nur noch fassungslos geradeaus.

"Wa... wa... was?" stottert er verwirrt und deutet mit dem Arm gen Brücke.

"Da... da... da..."

Wie angewurzelt bleibt der Junge stehen und rührt sich vorerst nicht vom Fleck.



Auch Xenia starrt wie versteinert auf das, was sich auf der Brücke abspielt.

'Das muß ein böser Alptraum sein - das kann nicht WIRKLICH... das kann nicht wahr sein!'

Zu tiefst erschrocken stiert sie auf die Szene. Dann durchbricht Nirkas befehlsgewohnte Stimme ihre Starre.

"Alrik, was heißt <alle an Deck>?" murmelt sie verwirrt. "Was sollen wir bloß TUN?"

Hilfesuchend sieht die Matrosin mal zu Alrik, dann wieder guckt sie, wie Sigrun reagiert und zwischendurch irrt ihr Blick immer wieder zur Brücke. Wenn sie bloß einen eindeutigen Befehl bekäme! Voller Angst umfaßt Xenia mit zitternden Fingern den Holz-Löwen mit Adlerflügeln, der um ihren Hals hängt.

'Efferd, hilf uns doch!' bittet sie im Geiste verzweifelt - und bleibt immer noch wie angewurzelt an der Reling stehen.



Alrik und Joanna


Alrik schaut verblüfft um sich 'Meuterei? Was in allen Niederhöllen geht auf dem Deck vor?'

Hastig greift er nach Joannas Arm und zieht sie mit in die Gemeinschaftskabine. Dort holt er seinen Magierstab hervor und kniet sich kurz auf den Boden. So verstreichen etwa 5 Sekunden. Ruckartig richtet er sich auf schlägt die Kapuze über seinen Kopf und tritt leise horchend auf den Gang. Ein kurzer verstohlener Blick in beide Richtungen dann geht er zum Niedergang und steigt in hinauf. Als wäre es das alltäglichste der Welt begibt er sich zur Reling in der Mitte des Schiffes und kniet sich nieder. Langsam hebt er den Kopf und betrachtet seine Umgebung genau.

'Immer mit der Ruhe! Der richtige Augenblick wird kommen'



Meuterei


Auch Laske ist inzwischen auf dem Oberdeck angekommen. Alle bis auf Babo sind bereits auf der Brücke - und so wie es aussieht, scheint der Überraschungsansturm erfolgreich zu sein.

Laske hält das Entermesser fest umklammert und postiert sich unten am Fuße der Treppe, die zur Brücke führt. Wehe dem, der versucht, dem Anführer Thorben in den Rücken zu fallen! Doch das wird nicht passieren, da ist sich Laske sicher. Denn wer auch immer es wagt Widerstand zu leisten, der muß sich erst einem Weg zur Brücke erkämpfen!

Mit einem boshaften Grinsen blickt Laske in die Runde.



Reckinde greift ein


Reckinde sitzt schlaff auf einem Stuhl, wie immer wenn sie sich an ihrer Schatulle erfreut hat. Das Geräusch, das sie sie noch vor wenigen Momenten so beunruhigt hatte, verdichtet sich nun zu lautem Gerumpel. Dann hört sie einen Schrei!

'MEUTEREI!'

Sofort ist sie wieder auf den Beinen und hellwach. Das hat ihr gerade noch gefehlt!!! Nichts haßt Reckinde mehr als ahnungslos in eine Krise zu geraten und von Radisar, der ihr ansonsten Auge und Ohr sein sollte, ist natürlich wieder weit und breit nichts zu sehen. Das ist typisch für ihn. Wahrscheinlich hat er sich irgendwo verkrochen, um sein wertlose Leben zu schützen.

Doch Reckinde ist eine Frau der Tat. Ehe sie ihre wertvolle Fracht irgend welchen Piraten überläßt, müßte schon viel passieren. Eine Frau ein Wort! In einer Seitentasche ihrer großen Truhe bewahrt sie ihre Waffe auf. Es ist ein große Zweihänderschwert, das vor vielen Götterläufen einmal dem berühmten Grafen Kieselbruch gehört hatte, ehe er, als Raubritter überführt, sein Leben unter dem Beil des Henkers aushauchte.

Von dem ungeschriebenen Gesetz, das nur verbrieften Ritter das Tragen einer solchen Waffe erlaubt, hält Reckinde nicht viel, um so mehr als ihr dieses Schwert, das den vieldeutigen Namen 'Niederkunft' trägt, wie für sie hergestellt worden zu sein scheint. Sie schwingt die Waffe probehalber, soweit es die Enge Raums gestattet, in einer Eleganz, so wie andere Leute den Weinkelch.

So gewappnet betritt sie das Oberdeck. Dort herrscht fast gähnende Leere, aber auf der Brücke scheint allerhand los zu sein. Eines erkennt sie aber genau: Der Kapitän ist in Bedrängnis. Einige Leute sind bewaffnet, das müssen die Meuterer sein. Von solchen Leuten ist nicht viel zu erwarten, deshalb zögert sie keinen Moment. Mit einer donnernden Stimme, die selbst die Stimme Nirka's als leichtes Säuseln erscheinen läßt brüllt sie:

"Senkt eure Waffen, ihr Ratten, sonst hau ich euch in Stücke!"

Vielversprechend hält sie mit blitzenden Augen das Schwert hoch und stapft mit Unheil verheißender Miene auf den Aufgang der Brücke zu!



Wasuren's List


Kaum sind die Worte Eilifs in Wasurens Ohren verklungen, betritt er auch schon das Oberdeck. Gehetzt läuft er schnell und zielstrebig auf den Brückenaufgang zu. Dabei schaut er sich flüchtig um und hält seinen Knüppel so bereit das er einen plötzlichen Angriff von Hinten abwehren könnte. Seinen Schwung nutzend will Wasuren die Treppe zur Brücke erklimmen und versucht garnicht erst richtig vor Laske zum Stehen zu kommen. Er keucht nur kurz schnaufend :

"Halt mir bitte diesen besessenen Eilif vom Hals."



Eilif rennt schräg über das Deck hinter Wasuren hinterher, wobei er hofft, daß der andere sich nicht zu viel Zeit bis zu irgend welchen Handlungen läßt, denn Eilif ist sich ziemlich sicher, daß längst nicht alle Kämpfer gegen die Meuterei von Wasurens Täuschung wissen - das ganze kann also leicht schief gehen.

"Auf sie!" brüllt er.



Meuterei


"Sag' ihnen, daß sie zurückgehen sollen", brüllt Thorben den Kapitän an, als er bemerkt, wie viele schon besessen sind und sich auf dem Oberdeck zusammenrotten. Das ging schnell, viel zu schnell.

'Jetzt heißt es handeln!'

"Wir müssen sie zur Vernunft bringen", ruft er laut zu seinen Matrosen, "schlagt sie nieder und wenn das Verderbliche schon zu weit fortgeschritten ist, dann wißt ihr, was zu tun ist!"

Genug geredet. Schon viel zu lange war Thorben jetzt ein mann der Worte als ein Mann der Tat! Ohne auf eine wirklich antwort zu warten, greift er an und versucht den Kapitän von seiner ständigen Rückwärtsbewegung abzubringen und in die Ecke zu treiben, denn ein ewiges Versteckspiel und Hinauszögern nutzt nur ihm was! Zweimal tänzelt er mit der Waffe leicht vor Jergans Brust, dann schlägt er zu. Der Schlag jedoch war nicht als vernichtendes Todesurteil gedacht. Diese Befreiung soll ja nicht wie keine blutige Meuterei oder ein Schlachtfest aussehen - man muß es ja schließlich vor den Göttern verantworten können.



Jergan weicht Thorbens Säbelhieb mit einem rückwärts gerichteten Sprung aus, der ihn bis an die Reling des Brückendeckes treibt - mehr Platz in dieser Richtung ist jedenfalls nicht.

Dem nächsten Hieb muß er anders begegnen, und so zückt der Kapitän den Dolch, wohl wissend, daß er damit kaum etwas gegen einen solchen Säbel unternehmen kann.

"Halt ein, Thorben! Dir ist doch klar, daß du keine Chance hast! Sieh dich doch mal um!"

Langsam ergreift die Furcht den Kapitän jedoch immer mehr - angesichts der Machtverhältnisse gibt es zwar kaum Zweifel am Ausgang der Meuterei, aber seine persönliche Lage ist da schon eine andere...



Gehetzt blickt Thorben sich um. Tatsächlich, lange können sie keinen Kampf führen - schon sind besser Bewaffnete auf dem Weg, die Brücke weiter zu übervölkern.

"Dann befehl' ihnen, sich zu ergeben, auf dich werden sie hören", kaum hat er dies gesagt, so führt er einen weiteren Streich mit seiner Waffe aus. Nicht plump und unbeholfen oder aber rasend und unbeherrscht, nein, Thorben ist sich sehr wohl bewußt, das Jergan gegen ihn alleine keine Chance hat, und treibt ihn so weiter in die Enge.



Jergan versucht, den Säbel mit dem Dolch etwas zur Seite zu drücken, doch das gelingt ihm nicht ganz, und die Waffe des zweiten Offiziers fügt ihm einen schmerzhaften Schnitt am linken Arm zu.

Thorbens... Angebot? ... Befehl?... Frage?... würde den Kampf vor allem für ihn, Jergan, sehr rasch und schmerzlos beenden, aber Jergan weiß, daß er das seiner Mannschaft nicht antun kann. Die Lage wendet sich in raschem Tempo zu Ungunsten der Meuterer - er kann das zwar kaum sehen, weil er sich mit aller Aufmerksamkeit wehren muß - doch die Geräusche rings herum sprechen eine deutliche Sprache.

Er drückt sich ein weiteres Stück an der Reling entlang, um etwas mehr Platz zu gewinnen - doch viel ist auch das nicht...

Keuchend stößt er hervor:

"Befiehl du es deinen Leuten, solange es noch geht!"



Fiana zürnt


Fiana liegt etwas an 'ihrer' Mannschaft, geht es jemandem schlecht, so versucht sie eine Lösung für das Problem zu finden, denn nur eine zufriedene Mannschaft ist eine gute Mannschaft. Es kommt auch nur sehr selten vor, daß sie wirklich laut wird, es ist normalerweise nicht notwendig, denn auch ein Befehl in normaler Lautstärke hat befolgt zu werden. Doch was hier passiert, ist ihr bisher noch nicht untergekommen. Was bildet sich dieser Haufen eigentlich ein, welcher Dämon ist in sie gefahren.

Blanke Wut steht in ihrem Gesicht geschrieben, niemand hat Fiana jemals mit einem solchen Zorn, ja Haß in den Augen gesehen. Dementsprechend Donnern ihre Worte über das Deck als sei Efferd selbst aus den Fluten gestiegen um seinem Ärger Luft zu machen.

"WAS FÄLLT EUCH EIGENTLICH EIN! BEIM HERRN EFFERD, DAS WERDET IHR BÜSSEN, VERLOGENES PACK!!!"

Könnten Blicke töten, so wäre Olof nun von Blitzen durchbohrt, geteert und gefedert, in einem Faß auf dem Meer ausgesetzt. Doch noch macht Fiana keine Anstalten den Dolch zu ziehen, zu viele Leute sind hier und sie will nicht das Unschuldige verletzt werden könnten. Doch macht sie auch keine Anstalten ihre Hände zu verlagern. Sie blickt Olof nur an, mit einem Blick der wohl selbst Praios gefrieren lassen könnte.


"Halts Maul!" ist Olofs Reaktion auf Fianas Brüllerei. "Und heb deine Hände schön hoch über den Kopf, sonst verlierst du sie!"

Er holt mit der Axt aus, so daß der nächste Hieb ganz sicher irgend welche Körperteile der Offizierin trifft, wenn diese unverändert stehenbleiben sollte.



Ottam in Bedrängnis


"Bin ich den hier nur von Verrückten umgeben" brüllt Ottam hervor. Schon will er einen Zauber über diesen Rilaf werfen, geistig bereitet er sich darauf vor die Formel des Höllenpein zu sprechen, doch halt, nicht hier und nicht jetzt, das wäre zu gefährlich für die weiteren Pläne, so zieht er es vor lieber auf einen klassischen Zauber zurück zu greifen.



Nirka wehrt sich


Die Bootsfrau, die nicht direkt attackiert wird, weil sie das Steuer zwischen sich und den Meuterern hat, beobachtet entsetzt, wie der verrückte zweite Offizier den Kapitän angreift, und daneben, noch viel dichter und einfacher zu erreichen, bedroht Rilaf den Schiffsmagier mit einem Entermesser.

Die Bootsfrau empfindet zwar keinerlei Sympathie für Ottam, aber sie weiß, daß dessen Magie die Situation sehr schnell kippen kann - etwas, das die Meuterer ganz offensichtlich wohl mißachtet haben.

"Los, Ottam!" ruft sie, "ich halte dir den Kerl vom Leib - zaubere was!"

Ihr ist gar nicht bewußt, daß sie den Magier dabei duzt, was sie noch nie getan hat, aber das ist nicht wirklich wichtig.

Im Augenwinkel sieht sie, daß sich unten auf dem Deck ihre geliebte Sigrun in die Schlacht stürzt, nur mit einem jämmerlichen Stück Holz bewaffnet. Das verleiht ihrer Wut zusätzlichen Antrieb - sie muß was tun, um diesen Irrsinn zu beenden.

"Rilaf, du Feigling!" ruft sie dem Matrosen zu, der daraufhin herumfährt, sich unsicher, ob er nun den Magier oder die Bootsfrau unschädlich machen soll.

Der Matrose sieht jedoch, daß die Bootsfrau sicher nicht rasch genug da ist, und der Magier ist VIEL gefährlicher... er zumindest hat keine Lust, den Rest seines Lebens als Schiffsratte zu verbringen. Und so ignoriert er die Bootsfrau und stürzt sich mit seinem Messer auf Ottam.



Jarun, der Märchenheld


Den 'Befehl' des dritten Offiziers beantwortet Jarun mit einem:

"Jawohl, Herr Offizier" und salutiert dabei in seine Richtung.

Vorsichtig steigt er hinter Lowanger den Aufgang herauf. Gespannt, wie ein Raubkatze vor dem Sprung, wartet Jarun darauf, das Oberdeck zu betreten.



Jarun hält es nicht mehr hinter dem dritten Offizier aus. Der Kampfeslärm und das Gebrüll der Matrosen, geben ihm zu verstehen, daß es Zeit wird zu handeln, sonst sind einige bereits in Boron's Hallen, bevor er irgendwie eingreifen konnte.

Unbeobachtet von den Augen, der durch Eilif und Wasuren abgelenkten Meuterer, schafft es Jarun aus dem Niedergang hinter die rechte Seite des Brückendecks zu huschen. Leise und flach atmend lehnt er sich ganz eng an die Außenwand der Suite und horcht, was auf dem Brückendeck los ist.

Der dicke Olof, den Jarun noch nie besonders leiden konnte, da er eine solche Leibesfülle einer fehlenden Selbstbeherrschung und Charakterschwäche zuschrieb, schreit gerade oben herum und scheint direkt an der Reling des Decks zu stehen.

Ein kurzer Sprung und die Hände des Gauklers finden Halt an dem Boden des Brückendeck. Schnell zieht er sich vollends nach oben und stellt sich wie ein Rächer aus einem Kindermärchen auf die Reling. Sein bunter Umhang flattert durch eine kurze Windböe, wie die Fahne einer siegreichen Armee im Wind, und seine roten Augen, in mitten des bunt bemalten Gesichts, scheinen den zu strafen, der gegen die Gesetze verstoßen hat. ...

Gegen die Gesetze, die er vertritt.

Olof, der momentan voll und ganz mit Fiana beschäftigt ist und Jarun den Rücken zudreht, da er ab und zu auf das Oberdeck schaut, bemerkt nicht, wie der Gaukler seine Schwerter zieht. Während er seine beiden Schwerter zuerst auf beiden Seiten auf Kopfhöhe bring und anschließend mit den Klingen leicht den Hals des Matrosen berührt, richtet er ohne jede Gefühlsregung in seiner Stimme einige Worte an Olof:

" Mach eine falsche Bewegung und die bist für immer alle Sorgen los. ... Genauso wie deinen Kopf!"



Hirkan's Flucht


Die ganze Zeit hat Hirkan so schön ruhig auf seiner Kiste an der Reling gesessen, doch dann dringt ein lauter Ruf zu ihm durch:

'MEUTEREI!'

'Waaas? Soll das etwas heißen ...?' Gehetzt blickt er sich um und richtig: Überall im Bereich der Brücke sind Bewaffnete zu sehen, der Kapitän wird offensichtlich bedroht, ebenso wie die nette und hübsche Offizierin Fiana. Leicht beginnen Hirkans Beine zu zittern und er läßt sich langsam nach unten gleiten, in den Zwischenraum zwischen der Kiste, auf der er eben noch gesessen hat und der Reling.

'Ich muß hier weg!!!', ist sein einziger Gedanke. Nein, Hirkan ist wahrlich kein Held und in einer Meuterei zwischen die Fronten zu geraten ist ganz bestimmt das allerletzte, was er erleben möchte. Mit Panik in den Augen schaut er von rechts nach links. Überall scheinen neue Bewaffnete aufzutauchen und sich in das Getümmel zu werfen, gerade betritt eine noch nie gesehene Dame mit einem schrecklichen Schwert das Oberdeck und ruft etwas von Ratten.

Wen sie damit meint, ist Hirkan nicht so ganz klar, doch er möchte ganz gewiß nicht von ihr für eine Ratte gehalten werden ...

Noch etwas tiefer versinkt er hinter der Kiste.

Zwei weitere Matrosen, von denen der eine den anderen zu jagen scheint, stürmen über das Oberdeck in Richtung der Brücke. Hirkans Augen folgen ihnen nur mit neuem Entsetzen. Keine Lösung scheint sicher: hier sitzenzubleiben ist garantiert gefährlich, denn er befindet sich viel zu nah am Schauplatz. Aber die beiden Wege durch die Niedergänge werden immer wieder versperrt durch neu hinzukommende Kämpfer beider Fraktionen. Was soll man da tun? Hoffen, daß ein so schlechtes Versteck ausreichen wird, oder lieber laufen und das Risiko eingehen, auf dem Niedergang abgefangen zu werden? Hirkan ist hin- und hergerissen, doch er weiß, er muß sich schnell entscheiden. Und hier fühlt er sich ganz und gar nicht wohl ...

Doch da scheint der Fluchtweg frei zu sein: Richtig, der Weg zum vorderen Niedergang, der angemessen weit von der Brücke entfernt zu sein scheint, ist jetzt frei. Mit vor Angst laut schlagendem Herzen und geduckt, damit er nicht so auffällt, läuft Hirkan das kleine Stück an der Reling entlang und dann quer bis zum Niedergang. Vorsichtig kauert er sich an die Ecke und blickt hinab ...



'Oh gut, der Niedergang scheint wirklich frei zu sein', denkt Hirkan, als er vorsichtig in das Dunkel blickt. Geduckt drückt er sich um die Ecke und beeilt sich, die Stufen herunterzukommen. Unten sieht er sich erneut um, doch er kann niemanden entdecken.

'Nur weg hier', denkt er noch, bevor er im Laufschritt, aber dennoch leise, auf die Gemeinschaftskabine zuhält. Schnell verschwindet er darin und schließt die Tür.

Nur dumpf dringen die Laute des Kampfes in das Unterdeck. Doch ganz entziehen kann er sich auch dort nicht. Zu tief nagt die Angst. Was wird passieren, wenn die Meuterer das Schiff übernehmen? Was wird dann aus ihm? Werden sie die Passagiere weiter befördern oder werden sie sie verschleppen oder gar ... töten? Verzweifelt hockt er sich in eine Ecke.



Hilflose Helfer


Sigrun schrickt zusammen. Zu sehr hat sie sich von ihrer Neugier verleiten lassen und dem Gespräch zwischen Ole und Aleara mit mehr Aufmerksamkeit gelauscht, als gut war.

'MEUTEREI' hört sie, und dieser Ausruf kommt ausgerechnet von Nirka. Ist sie in Gefahr? Schnell fliegen Sigruns Augen zu der Freundin am Ruder. Mit leichter Erleichterung stellt sie fest, daß Nirka im Moment nicht direkt bedroht wird. Sigrun hofft, daß Nirka auch heute ihre Waffe trägt, so wie sie es immer tut. Schon mehr als einmal hatten die beiden Frauen darüber diskutiert, ob dies notwendig sei und Sigrun hatte immer die Auffassung vertreten, daß im Fall einer Bedrohung immer noch genug Zeit da wäre, sich zu bewaffnen (wenn man z.B. ein anderes Schiff nahe kommen sieht) und daß Waffen ansonsten bei der täglichen Arbeit ein ziemliches Risiko für Verletzungen darstellen können. Doch jetzt wünscht sie, sie hätte auf die Bootsfrau gehört! Wie soll sie der Freundin, und natürlich dem Kapitän, jetzt helfen? Suchend gleiten ihre Augen umher, während sich das Brückendeck und der Weg dorthin immer mehr füllen. Aber auf einem so gut aufgeräumten Schiff, das schon seit Stunden in der Flaute liegt, liegt einfach kaum etwas herum. Halbherzig nimmt sie ein Stück Holz auf, nicht gerade eine Angriffswaffe, aber immerhin besser als nichts in der Hand. Da treffen ihre Augen auf die von Laske, der triumphierend am Fuß der Brücke steht und blanke Wut spiegelt sich in ihrem Gesicht.

'Nun, wenn ich schon nicht kämpfen kann ...' denkt sie, und ihr kommt eine Idee. Laske war immer schon leicht zu provozieren, also warum sollte das nicht auch jetzt klappen? Wenn sie ihn beschäftigt, können andere Helfer wie Eilif, der gerade Wasuren verfolgt, vielleicht problemloser auf die Brücke gelangen und eingreifen.

Höhnisch grinsend geht sie mit festem Schritt auf die Brücke zu, bis sie nur ein paar Schritt vor Laske steht. Ihre Augen blitzen, als sie ihm laut zuruft:

"Hey Laske!!! Was bist du denn für ein Feigling! Du stehst hier einfach herum und läßt andere die wirkliche Arbeit machen! Vielleicht sollte ich einfach an dir vorbeigehen, du traust dich ja eh nicht, zuzuschlagen!!!"

Dabei geht sie ohne zu zögern weiter, nur einen kleinen Schritt weiter entfernt, als Laskes Entermesser reichen kann, doch immer auf dem Sprung, um im letzten Moment auszuweichen.



Laske in Bedrängnis


Laske läßt Wasuren durch, doch dann sieht er, daß sowohl Sigrun, als auch Eilif, der Wasuren verfolgt hat, auf ihn einstürmen. Er fuchtelt mit dem Entermesser kurz in Sigruns Richtung, um diese Auf Abstand zu halten, dann sieht er sich hektisch um, denn Eilif wird sicher gleich da sein.

"Wasuren, hilf lieber hier! Wir müssen den Aufgang schützen!"

Er macht gerade soviel Platz, daß Wasuren neben ihm die Verteidigung des Aufganges unterstützen kann.



Babo sucht ein Ziel


Gemächlich geht Babo über das Deck, auf der Suche nach jemanden, den er - gefahrlos - attackieren kann. Eigentlich wollte er ja Wasuren auf die Brücke folgen, aber das ist ihm entschieden zu gefährlich.

Also steuert er auf ALRIK und Xenia zu, die beide so besessen zu sein scheinen, daß sie immer noch einfach rumstehen.

"Los, Hände hinter den Kopf, alle beide!" brüllt er sie an.



Vollkommen schockiert von der plötzlichen Bedrohung versucht ALRIK nach hinten auszuweichen. Doch kaum, daß er sich rührt, schon spürt er das harte Holz der Reling im Rücken.

"Babo... nein... was soll das alles? Warum?" bringt er hervor, während ihm das Herz bis zum Halse klopft. Tröstend und hilfesuchend zugleich greift ALRIK nach Xenias zitternder Hand und deutet ihr an, die Hand einfach anzuheben.

"Tu... tu einfach, was er sagt..." rät ALRIK mit brüchiger Stimme.



Mit Jarun zusammen erscheint Lowanger auf dem Oberdeck. Kurz blickt er um sich, um sich einen Überblick über die Lage an Bord zu verschaffen. Von allen Seiten kommen Menschen herbei gestürmt, die es gar nicht abwarten können, sich in den Kampf zu stürzen.

'Bewahrt Ruhe! Bewahrt den Überblick!' möchte Lowanger ihnen am liebsten zurufen.

Als er dann jedoch gewahr wird, daß Babo gerade den hilflosen Schiffsjungen und die junge Xenia bedroht, macht er mit gezogener Waffe ein paar große Schritte in die Richtung der Reling.

"Babo, du feiger Hund! Unbewaffnete Frauen und wehrlose Kinder bedrohen - ist das alles was du kannst?"



"Gut so, Junge!" lobt Babo den Schiffsjungen.

"Und du machst besser, was er dir rät, Xenia, sonst werden die Fische an deinem hübschen Körper nagen!"

Der Matrose tritt näher heran, sein Messer erhoben.

"Bleib stehen, Lowanger, und wirf deinen Säbel über Bord! Sonst sterben diese beiden hier!"

Das Messer in seiner Hand zittert dabei allerdings, was auf Grund der Entfernung nur ALRIK und Xenia sehen dürften.



Mit angstgeweiteten Augen schrickt Xenia zusammen, bleibt völlig bewegungslos stehen und starrt Babo nur verständnislos an.

'Was tu' ich jetzt bloß? Was tu' ich bloß?'

Unfähig, auch nur einen vernünftigen Gedanken zu fassen, sieht sie sich hilfesuchend um, wobei ihr Blick Lowanger trifft. Erleichtert beobachtet sie, daß der ihnen offenbar zu Hilfe kommen will.

'Er weiß sicher, was zu tun ist - ja ganz bestimmt, er ist ein Offizier, es wird alles wieder in Ordnung kommen - schließlich sind das alles nur Matrosen, und sie haben es mit Offizieren und dem Kapitän zu tun - die können das Schiff gar nicht übernehmen!'

Hoffnungsvoll sieht sie Lowanger an. Er wird sicher gleich klare Befehle erteilen - wie immer - und ihr so aus der unangenehmen und erschreckenden Lage helfen, die eine Entscheidung erforderte, die zu treffen Xenia in dieser Situation einfach nicht fähig ist...



Betont langsam läßt Lowanger den Säbel sinken.

"Babo, sei vernünftig, gib' auf und streck die Waffe. Siehst du denn gar nicht, was um dich herum geschieht?"

Mit väterlicher Miene, als würde er Babo einen wohlgemeinten Ratschlag erteilen, mustert er den Matrosen. Aber auch ein ausreichender Anteil Strenge liegt in seinem Gesicht, die es deutlich macht, daß er nicht gewohnt ist, daß man sich mit trotzigen Widerworten seinen Anweisungen widersetzt.

"Du kannst nicht gewinnen.... nicht allein. Wie lange willst du das Spiel so weiter treiben? Wenn jetzt Blut von Unschuldigen fließt, was meinst du, was die anderen dann später mit dir machen? Dann werde ich sie nicht zurückhalten können...."

Eindringlich blickt Lowanger den Matrosen an.

"Und nun leg' die Waffe auf den Boden."



Trost mit Unterbrechung


"Ja da soll doch ..." bringt Swafnald seine Verwunderung zu Ausdruck, nicht einmal richtig wahrgenommen zu werden, ohne die Verwünschung zu Ende zu sprechen, da seien die Zwölfe und Swafnir davor.

"HEEE!" fährt er die beiden noch einmal lautstark an - er kann ja nicht einfach darauf los schlagen auf Wehrlose ... und seien sie auch noch so verflucht oder besessen wie die beiden es sind, denn Swafnald fällt kein anderer Grund ein, warum sich Ole und Aleara so seltsam verhalten sollten.

Also noch mal:

"HEEE! HÖRT IHR! ERGEBT EUCH!!!" brüllt er Ole direkt an, fast im selben Augenblick wie Thorben beginnt Jergan zu attackieren. Und auf dem Deck ist auch schon Geschrei ...

'Und wenn ich sie einfach niederschlage? ... Ist ja wirklich nur zu ihrem besten...'

Zögerlich holt er mit dem Schneidzahn aus und dreht das Beil so, daß er nur mit dem flachem Blatt treffen würde.



"Aber, warum ein FLUCH? Ist es nicht vielmehr ein Segen, Swafnirs Geschöpfe wenigstens zu hören, wenn man sie schon nicht verstehen kann?"

Aleara schreckt zusammen, als sie das Gebrüll des Matrosen hört, den sie nun eindeutig als Swafnald identifiziert hat. Sie sieht ihn tief an, sehr tief, mit einem Blick der schon fast nicht mehr natürlich sein. Beinahe könnte man glauben, in ihren Augen ein aufgewühltes Meer, wogende Wellen und reißende Wasser zu sehen.

Nachdem sie einige, lange, Herzschläge Swafnald so angestarrt hat, wendet sie sich erneut Ole zu:

"Nur, WARUM das alles? Wäre es nicht viel einfacher, wir würden im Unwissen kommen und wieder gehen? Wäre das nicht viel besser? Wieso belasten sie uns mit Dingen, die wir zu verstehen sowieso nicht fähig sind?"

Unbekümmert spricht sie weiter mit Ole, als wäre nichts geschehen.



"Ja,ja, ist ja schon gut!" antwortet Ole unwillig auf die erneute Unterbrechung und findet es noch immer nicht wert, sich mehr als nur nebenbei dem Störenfried zu widmen. Obwohl gedanklich noch im Überderischen verhaftet, dringen nun doch die Zeichen einer bedenklich stimmenden Wirklichkeit in das Bewußtsein des Schiffszimmermannes und er findet sich erbarmungslos von den Ereignissen überrollt.

MEUTEREI', 'ERGEBT EUCH', sowie viele andere markante Merkmale beginnenden Mord und Totschlags fügen sich in Ole's Geist zu einem alarmierenden Bild zusammen. Und langsam verschwimmt in ihm die Szenen innerer, natürlicher Friedsamkeit, die er noch vor wenigen Momenten Aleara nahe zu bringen versuchte und er erkennt langsam die schreckliche Gefahr, die sich in den Augenblicken der Versenkung rings um sie herum so langsam aufgebaut hatte.

Doch dann erkennt er, daß Aleara's Seele noch weit entfernt auf Reisen ist. Das macht sie so verletzbar, ebenso verletzbar wie er selbst sein würde, wenn er sich auf ihrer Reise wieder an ihrer Seite einfinden würde. Aber Ole fühlt sich verpflichtet, denn er erkennt seine Verantwortung am Zustand Alearas. Zwar hatte er den Wal damals nicht gerufen, aber doch wesentlich dazu beigetragen, daß die junge Frau so nachhaltig, und so ganz entgegen seinem Ansinnen beeindruckt worden war. Dieser Verantwortung will er sich nun nicht entziehen und sollte die Welt untergehen.

"Weißt du, Aleara, ich fürchte, du stellst dir das einfach viel zu wünschenswert vor. Stell dir vor, du sollst unter tausend Stimmen eine einzige ausmachen, stell dir vor, du sollst das, was dir tausend Stimmen erklären auf einmal und zur gleichen Zeit begreifen, stell dir vor, du bist tausend Stimmen immer und zu jeder Zeit ausgeliefert, ohne Rast und Pause! Dann würde auch dir Unwissenheit und Ruhe ein heiliger Hort sein wollen und die Abkehr von der Welt dein einziges Ziel. Doch willst du weltoffen bleiben und bezeichnest du deine Neugier als dein Menschenrecht, so mußt du lernen zu trennen, zu reihen, zu unterscheiden und zu gewichten.

Nicht derjenige ist weise, dem alles Wissen zu eigen ist, sondern derjenige, der das Hervorragende erkennt und für sich vereinnahmen kann. Du nimmst auf eine Reise doch auch nicht alles mit, was immer du gerade noch tragen kannst, sondern nur das, was dir für diese Reise wichtig erscheint!" spricht Ole leise zu der jungen Frau, die Stimme mit Mühe gedämpft haltend. Er lächelt, nicht aus einer eigenen Empfindung heraus, sondern mehr, um diesen letzten Augenblick des Friedens anhaltendes Leben verleihen zu können, wie auf einer heiter romantischen Insel inmitten eines tosenden, gnadenlosen Sturms.

"Bewahre dir deine Neugier, denn sie ist die Drift zu mehr Wissen, wehre dich gegen deine Angst, denn sie ist der Kerker deiner Seele, im Lachen werden sich Götter und Menschen begegnen können und wäge ab, denn Ordnung allein werden dich erstarren lassen, Haltosigkeit jedoch bringt dich der Niederhölle näher - SEI EINFACH DU SELBST UND STEHE ZU DIR!"



Da die beiden auch auf sein nun wirklich ausreichend lautes Gebaren nicht reagieren bleibt wohl nur eine Erklärung - völlig von Sinnen müssen sie sein, durch üble Zauberei.

Also niederschlagen ... auch wenn sich alles in ihm dagegen sträubt, wenn sich die beiden nicht wehren...

Und so holt er zögerlich aus und läßt das Beil mit der flachen Seite gegen Ole's Kopf hämmern - aber, wie ihm noch während dem Schlag klar wird, bei weiten nicht wuchtig genug, um einen alten Seebären wie Ole einfach so auf die Planken zu schicken - eher grad mal fest genug um eine leichte Platzwunde zu verursachen und ihn wirklich wütend zu machen ...



Verwirrt blickt Aleara Ole, an, verwirrt zwar, aber mit einem klaren Blick, als dieser von Swafnalds Waffe getroffen wird. Sie ist nun weit genug in die Realität zurückgekehrt, um die Vorgänge auf der Brücke erkennen zu können, doch oh Schreck - was ist denn hier los?

Verdattert blickt sie die Bewaffneten an, und erst der Kapitän! Was beim Namenlosen ist hier los? MEUTEREI?

Jetzt reicht es wirklich. Nicht nur, daß sie Efferds Ozeane befahren, jetzt haben sie nichts weiter zu tun, als sich die Köpfe einzuschlagen!

Oh nein, so nicht, SO NICHT!

In einer Lautstärke, die alles bis jetzt Gehörte weit übertrifft, brüllt sie:

"Beim Namenlosen noch mal, seid ihr denn komplett wahnsinnig geworden? Habt ihr nichts besseres zu tun, als euch auf diesen von Efferd gegebenen Gewässern die Köpfe einzuschlagen? Bedankt euch lieber bei ihm, daß ihr seine Wasser so lange ungschoren befahren durftet, daß ihr von seinem Fisch essen dürft, daß ihr LEBEN dürft! Und jetzt schlagt ihr euch die Köpfe ein? Findet ihr das richtig? Ist es das, was der Herr will?"

Sie hat sich Swafnald den Rücken zugekehrt, und sieht mit steinhartem Blick auf das Oberdeck herunter. Niemand der ihr in die Augen sieht, kann ihrem Blick jetzt standhalten. Eine unbändige Wut spricht aus ihrem ganzen Gesicht, jeder Muskel ihres Körpers ist angespannt.



Ist es eine Ahnung, die Schlimmes voraus sehen will oder ist es die echter Sorge vor drohender Gefahr? Ole selbst könnte es wahrscheinlich nicht bestimmen. Es ist wie ein plötzlicher Drang, ein geistiger Antrieb, der ihn aus der meditativen Isolation zwingt. Ruckartig wendet er sich herum, um sich dem aufdringlichen Störenfried Auge in Auge gegenüber zu sehen. Doch das einzige was er sehen kann, ist die Schneide eines Beils, die, Vernichtung bringend auf ihn zu schwirrt.

Ole hört noch das leise Singen der Waffe, dann schlägt das Beil auf seinem Schädel ein. Die Schneide durchtrennt Ole's Stirnband, das daraufhin sofort blutdurchtränkt zu Boden fällt. Die Waffe zerschlägt ihm dicht hinter der Schläfe die Kopfhaut und das Blut spritzt wie aus einer Fontäne aus dem kaiserlichen Lustgarten. Tsa sei Dank dafür, daß der Schiffszimmermann ein derart harten Schädel hat, der nicht so leicht zu Bruch gehen kann. Dennoch ist er glücklich zu nennen. Hätte er den Kopf nur ein wenig mehr zur Seite geneigt, dann hätte ihn das Beil wohl frontal am Kopf getroffen und einem solchen Treffer hätte wohl auch der härteste Schädel nicht mehr stand halten können.

Ole kippt etwas nach vorne und kurze Zeit später hat sich eine riesige Blutlache unter ihm gebildet. Das erste was er fühlt ist Übelkeit. Er schluckt und würgt, kann sich aber nicht übergeben. Dann kommt der Schmerz und Ole schreit auf wie ein verwundeter Bär. Es raubt ihm fast die Luft, farbige Ringe tanzen vor seinen Augen, Kampflärm dringt an seine Ohren, doch klingt es, als wären die Geschehnisse meilenweit entfernt.

Ole denkt jetzt nur noch an Flucht, weg von diesen Schmerzen, fort aus dieser Situation der Hilflosigkeit, gleich einer Flucht vor sich selbst. Er spürt, wie der furchtbare Schmerz seinen Geist erreicht und zu überrennen droht!

'NEIN! Nur das nicht, nicht jetzt, nicht hier ......!' denkt sich der Schiffszimmermann verzweifelt. Er krabbelt auf allen Vieren zur Reling der Brücke und zieht sich langsam hoch. Wieder wird er von einer Welle des Schmerzes heimgesucht. Aber es tut schon lange nicht mehr so weh! Ole lehnt sich schwer gegen das Geländer und blickt durch trübe Augen auf den Angreifer, der ihn so feige attackiert hat..

Über Ole rechtes Gesichtshälfte ergießen sich Ströme von Blut, tränken seine Kleider und tropfen zu Boden wie ein Katerakt. Für Swafnald muß das so aussehen, als habe sich ein Untoter aus seiner Gruft gegen ihn erhoben ........



Belvolio an Deck


'Welch feige Vorgehensweise von den Meuterern die Unbewaffneten beziehungsweise leicht bewaffneten auf dem Brückendeck zu attackieren Eine Meuterei ist das letzte was ich erwartet hatte, schließlich habe ich ein Schiff gewählt um dem Ärger aus dem Weg zu gehen.'

Belvolio geht ein paar Schritte in Richtung Brückendeck und donnert den Meuterern entgegen :

"BEENDET EURE FEIGE MEUTEREI UND LEGT EURE WAFFEN NIEDER ... SOFORT !"

Ungeduldig wartet er auf eine Reaktion, das funkeln in seinen Augen macht aber deutlich das der Magus nicht lange verhandeln wird.



Eroberungen


Wasuren ist schon einen Schritt an Laske vorbei, als dieser ihn bittet den Aufgang mit zu verteidigen. Wasuren wirft einen Blick auf die Brücke und sieht ein das es dort oben viel zu voll ist.

'Wenn ich den Brückenaufgang in unsere Gewalt bekomme, kann ich dort oben vielmehr helfen!' rast es ihm durch den Kopf.

Also holt er schwungvoll mit seiner Keule aus, dreht sich im gleichen Zug zu Laske um und schlägt ihn mit einem kräftigen Schlag in den Rücken um. Dieser sackt sofort in sich zusammen und Wasuren läßt seine Waffe fallen, damit er Laske noch im Fallen packen kann. Langsam legt er ihn neben der Treppe nieder und nimmt ihm sein Entermesser ab.

"Für den Kapitän!!" ruft er den heran Stürmenden zu.

'Nun wird mich wohl keiner mehr mit den Meuterern verwechseln' denkt er erleichtert.

Er dreht sich ein wenig um, so das er etwas vom Geschehen auf der Brücke sehen kann. Und da sieht er gerade noch wie Thorben den Kapitän verletzt.

Wütend brüllt er :

"Thorben gib auf !! Der Aufgang ist in unserer Hand."



'Na endlich hilft er mir', sind die letzten Gedanken Laskes, ehe Wasurens Hieb ihm die Luft aus den Lungen treibt und Sterne vor seinen Augen tanzen läßt.

Ohne die selbstlose Hilfe Wasurens wäre er mit dem Kopf auf den Stufen der Treppe gelandet, so bleibt er zwar reglos, aber immer noch bei Bewußtsein, neben der Treppe liegen und ringt nach Luft, während seine Gedanken sich überschlagen - warum hat Wasuren das gemacht? Hat die Besessenheit etwa noch mehr um sich gegriffen, als Thorben das gesagt hat? Der Matrose bleibt zusammengesackt auf der Seite liegen, auch wenn seine Lebensgeister langsam wieder aktiver werden. Nur... ansehen kann man ihm das noch nicht.



Ottam kämpft


Nachdem Ottam sich die derzeitige Situation betrachtet, erscheint ihm dieser Papagei wie aus dem Nichts aufgetaucht. Egal wie er auch dorthin gekommen ist, die Situation scheint sich zu stabilisieren, fast schweren Herzens rafft er sich auf Nirka zu signalisieren, doch besser dem Kapitän zu helfen.

'Alles zu seiner Zeit, noch ist es zu früh' gibt er sich seinen Gedanken hin. Seinen Zauber behält er in Vorbereitung, je nach dem, welche Seite sich als bedürftiger erweist.


Wunderbar, Nirka verschafft ihm die Sekunden die er braucht. Der verdammte Hund dreht sich kurz um

'Das reicht allemal' denkt er sich.

Ottam bemerkt noch wie Rilaf sich dann wieder in seine Richtung in Bewegung versetzt, doch es ist bereits zu spät, die arcanen Muster sind geknüpft und es bedarf nur noch zweier Worte.

"FULMINICTUS DONNERKEIL" ruft er mit in Rilafs Richtung vorgestreckter Faust. Äußerlich unverletzt und dennoch schwer getroffen, sackt Rilaf mit schweren Schmerzensschreien zusammen bis er schließlich ohnmächtig liegen bleibt.

"Verdammt" entkommt es Ottam. Der Mistkerl hat im Fall sein linkes Bein mit dem Messer verletzt.

'Darum werde ich mich später kümmern'

Ottam versetzt dem am Boden Liegenden aus 'Dankbarkeit' einen heftigen Tritt in die Magengegend, nimmt sein Entermesser an sich und wendet sich dann jedoch schnell ab

'Der ist erst mal außer Gefecht'

Er deutet Nirka an, sich hinter Olof zu positionieren desweiteren schiebt er mit dem Fuss Rilafs Entermesser zu ihr hinüber.

'Hoffentlich versteht sie' denkt er während er bereits über den nächsten Zauber nachdenkt.



Ein leises Stöhnen kommt über Rilafs Lippen, als zu dem furchtbaren brennendem Schmerz in seinem Schädel auch noch ein stechender Schmerz in der Magengegend hinzukommt. Benommen und hilflos windet er sich auf dem Boden, unbewußt greift er sich mit beiden Händen an den Kopf, als könne er damit seine augenblickliche Qual erträglicher machen.



Rings herum geht es heiß her, und Nirka hat bislang weder einen Schlag einstecken müssen, noch einen ausgeteilt, doch ein Grinsen huscht über ihre Züge, als sie sieht, wie Rilaf wie von einem unsichtbaren Schlag getroffen zu Boden sinkt. Das Grinsen verschwindet allerdings sofort, als sie sieht, daß Ottam dem Wehrlosen in den Magen tritt.

Der Magier bewaffnet sich, eine vernüftige Idee, wie die Bootsfrau findet, doch dann läßt er das Entermesser in ihre Richtung gleiten, was sie überhaupt nicht versteht - schließlich hat sie eine solche Waffe selbst in der Hand.

Rasch stößt sie das zweite Messer ein wenig aus dem Weg, so daß zumindest Rilaf es nicht wieder problemlos in die Hand bekommen kann, falls er sich rasch wieder erholen sollte.

Die Bootsfrau folgt kurz dem Vorschlag des Magiers, sich Fianas Gegner zuzuwenden, doch es bleibt beim Zuwenden, denn sie beobachtet, wie Olof von Fiana und dem Fahrgast, der die rasante Vorführung auf Fianas Feier gegeben hat, sehr schnell und wirksam bekämpft wird und schließlich wie am Spieß schreit.

Den Grund dafür bekommt Nirka jedoch nicht mehr mit, denn sie weiß, daß rings herum immer noch viel zu viel los ist, und so folgt sie Ottams zweiten Wink, und orientiert sich auf Jergans Gegner, der ein wenig zu weit von ihr entfernt ist, um ihn sofort zu attackieren - vielleicht wäre das sogar lebensgefährlich für den Kapitän...

"Thorben, du elender Sohn einer Ork-Hure!" brüllt sie in seine Richtung, in der Hoffnung, daß er sich von Jergan ab- und ihr zuwendet.

Zugleich manöveriert sie sich vorsichtig in die fragliche Richtung.



Fianas Attacke


Fiana sieht rot, hat dieser Kerl gerade gewagt ihr den Mund zu verbieten, na warte, denkt sie sich.

"Ist ja gut, im Interesse des Friedens" sagt sie und ihr Blick entspannt sich leicht. Langsam hebt sie die Arme über den Kopf. Welch ein Glück doch, daß ihr Gegenüber mit ihrer Lieblingswaffe kämpft. Da kennt sie sich aus.

Urplötzlich und nicht vorhersehbar tritt sie mit aller Kraft gegen Olofs Waffenhand, in der Hoffnung die ungeheuren Schmerzen, die ihre Stiefelspitze verursacht, veranlassen ihn, die ohnehin kopflastige Waffe fallen lassen zu müssen. Sicherheitshalber rollt sie sich jedoch mit dem Schwung des Beines zur Seite weg, auf daß sie nicht doch noch getroffen wird.



Fiana ist überrascht, just in dem Moment, als sie Olofs Hand trifft, greift ihn jemand von hinten an. Gut so, das geschieht einer Ratte von Meuterer nur Recht. Nach dem Abrollen bemüht sie sich schnell wieder die Kontrolle zu erlangen und zu sehen wie Olof wohl auf das Schwert an der Kehle reagiert. Sie zückt ihren Dolch, wartet jedoch auch ob die Axt fällt.



Alles geht auf einmal so schnell. Gerade eben war noch alles unter Kontrolle, doch nun mit einem Male ist Olof nicht mehr Herr der Lage.

Links und rechts von seinen Schultern aus ragen bedrohlich zwei riesige Schwertklingen nach vorne und lassen keinen Zweifel an seiner mißlichen Lage. Noch niemals zuvor, war er derartig unaufmerksam! Wie konnte das passieren?!

"Hooo..." ruft Olof laut und es klingt fast so als wolle er damit ein scheues Tier beruhigen - oder aber den flügge gewordenen Papagei hinter sich.

Und schon wieder wandert Olofs Konzentration in die falsche Richtung. Und so bekommt er erst zu spät mit, daß Fiana zu einem energischen Tritt gegen seine Waffenhand ansetzt.

Die Attacke hat gesessen, keine Frage! Mit verkniffenem Gesichtsausdruck läßt Olof die Waffe fallen, während ihm panisch bewußt wird, daß jetzt jedes Straucheln tödliche Folgen haben könnte. Im dem verzweifelten Bemühen, bloß nicht nach hinten zu fallen, verlagert Olof blitzartig das Gewicht nach vorne. Jedoch leider etwas zu viel - und schon sinkt Olof leicht in die Knie.

Ein plötzlicher Schmerz durchzuckt Olofs rechte Wange und eine warme Flüssigkeit läuft plötzlich an seiner rechten Kopfseite hinab - und zwar genau dort, wo bis vor kurzem noch ein großes Olof-Ohr gesessen hat, wo es hingehörte.

Nunmehr beschreibt das Olof-Ohr einen schwungvollen und eleganten Bogen durch die Luft und kullert schließlich die Treppe zum Oberdeck hinunter, wo es genau vor Frau Reckindes Füßen liegen bleibt.

"Aaaahhh!" Olofs Schrei hallt über das Brückendeck. Daß er sich durch dieses beherztes Ohr-Opfer wenigstens zeitweise aus der bedrohlichen Schwertumklammerung von Jarun gelöst hat, scheint er nicht wirklich genießen zu können.



"Gute Arbeit Herr Jarun" ruft Fiana dem Mann zu der sie an ihrem Tsa-Tag so prächtig unterhalten hat.

Flux schnappt sie sich die Axt die Olof gerade fallen ließ. Gut, sie ist nicht so groß wie das Monstrum mit dem die sonst den Umgang übt, doch ist sie ihr lieber als jedes Messer oder Schwert.

Fiana sondiert die Lage, Olof ist unter Kontrolle, der Magus hat seinen Angreifer erledigt, doch der Kapitän ist noch in Kämpfe verwickelt.

"Thorben du Feiger Hund kämpfe mit jemandem der eine richtige Waffe zur Verteidigung hat"

Drohend schwingt sie die Axt in seine Richtung



Reckindes Sturmangriff


Natürlich ist es nicht zu übersehen, Reckinde hat nicht unbedingt die grazilste Erscheinung. Dennoch ärgert es sie sehr, daß sie bei ihrem 'Sturmangriff' gleich von zwei Matrosen und einer Matrosin überholt wird. Der Posten der Meuterer, der dort am Treppenansatz Wache schob ist dann auch, mir nichts, dir nichts überwältigt.

Die Tatsache, daß die Ereignisse so an ihr vorbei schlittern, ohne auf ihr Einwirken zu warten, läßt blanken Zorn in der 'hohen Dame' anschwellen. Zähneknirschend läßt sie ihr Schwert sinken und wutschnaubend gesteht sie sich ein, daß sie hier im Moment wohl nicht mehr gebraucht wird.

In diesem Augenblick sieht sie einen kleinen Gegenstand auf sich zufliegen und ehe sie erkennen kann, was das wohl sein könnte, kommt das Ding schon klatschend, direkt vor ihr zur Landung. Bei allen Zwölfen: Es ist ein Ohr, ein kleines, lumpiges Ohr, noch blutfrisch! Ein einziges, kleines Ohr ist einfach zu wenig, da müßte schon noch der Rest des Meuterers dran hängen, für Reckinde gibt es da keine Zweifel, dieses Ohr kann nur von einem bösen Buben stammen.

Doch da sich der böse Bube, im Gesamten gesehen, ihrem Zugriff offensichtlich verweigert, nimmt sie mit diesem Ohr vorlieb und trampelt in ihrem 'heiligen' Zorn beidfüßig darauf herum, als wolle sie dieses arme Körperteil zwischen den Ritzen der Planken ins Unterdeck stampfen.



Armen unter Deck


'Bei diesem Durcheinander will ich nicht eingreifen, noch nicht. Solange meine Ware sicher ist. Aber um Phexane mache ich mir doch Sorgen.'

Armen verläßt die Kabine und versucht den kämpfenden ausweichend die Treppe zu erreichen.

'Was macht den dieser komische Magier dort? Ist das nicht Phexanes Bruder?'



Thorben in der Enge


Wieder einmal blickt Thorben sich um. Die Situation wird brenzliger. Jetzt muß es ihm gelingen, Jergan schnell zu überwältigen. Sein Blick bleibt kurz an Nirka hängen, die ihm Ungeheuerlichkeit entgegen wirft, diese Tochter eines ... eines ... ja! eines nostrischen Bauerentölpels. Gerade will er diesen Fluch aussprechen, als er im Hintergrund den Schiffshexer zauberkräftige Gesten vollführen sieht.

'Dieser Feigling. Der ist als nächster dran! Als Nächster? Und was ist, wenn der mich jetzt... wieso starrt der mich so an?'

Die Gedanken rasen in Thorbens Kopf, einen Moment zu lange im übrigen, so daß Jergan den Moment nutzen kann, um wieder etwas Raum zwischen sich zu bringen und dann überraschend auszufallen. Nur knapp entgeht Thorben den wohl kampfbeendenden Dolchstoß in Richtung seines rechten Armes, indem er den vorbei sausende Arm mit der Linken abfängt. Als er die Hand kraftvoll nach links herüber reist ist der Kapitän für einen kurzen Moment bar jeder Deckung und Thorben zielt nun mit der Hand am Säbelknauf auf Jergans Gesicht und holt aus.



Darian greift ein


Erst wollte er sehen wie sich die Situation entwickelt, doch dann ging alles sehr, sehr schnell. Die Meuterer haben die Brücke in ihrer Gewalt und der Mann, der offensichtlich der besagte Hjalmarson ist, bedrängt den Kapitän.

Nun gibt es keine Zeit mehr zu verlieren, schon setzt er zu seinem Zauber an, Muster bilden sich in seinem Kopf, fremdartig für den Laien, dem Magus jedoch vertraut als ein typisches Muster einer Magica Mutanda, die Kraft beginnt sich zu regen, erfüllt das Muster, staut sich auf, wartet, wartet auf den Befehl hervor zu stürmen, loszuschlagen, ihre Wirkung zu entfalten. Der Magier formt diesen letzten Befehl.

Die zur Faust geballte Rechte saust auf die ausgestreckte Linke zu, alles die Hände klatschend zusammenschlagen, ertönt auch schon der Ruf:

"PARALÜ PARALEIN - Sei starr wie ein Stein !"

Der Blick Darians ist auf den 2.Offizier gerichtet ...



Die Kraft entlädt sich, strömt hervor, schieszt unaufhaltbar auf ihr Ziel zu ...

Unaufhaltbar ? Nein leider nicht ganz, plötzlich trifft der Zauber auf ein Hindernis, so wie ein Pfeil der im letzten Moment vom Schild des wachsamen Opfers abgefangen wird. Es ist als umgäbe eine unsichtbare Mauer das Ziel. Das darf nicht sein, die Kraft darf nicht einfach verpuffen, sie musz ihre Wirkung entfalten. Der Magus konzentriert sich verbissen auf seinen Zauber und dessen Ziel, Schweiszperlen bedecken seine Stirn. Er legt mehr Kraft in seine Formel, mehr als normalerweise nötig, so als ob man eine Tuer öffnen will, diese sich als verschloszen herausstellt und man immer stärker dagegen andrückt, um sie durch schiere Gewalt doch noch aufzukriegen. Und tatsächlich scheint seine Methode von Erfolg gekrönt, langsam, viel langsamer als sonst, dringt die Kraft in das Opfer ein, entfaltet sich das Muster zu einem den ganzen Körper umfassenden Netz. Das Netz zieht sich enger, läszt bald keine Bewegung mehr zu, wird dichter, umspannt den 2.Offizier und läszt ihn erstarren. Hjalmarsson bleibt mitten in der Bewegung stehen und rührt sich keinen Halbfinger mehr von der Stelle, als sei er kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern eine aus Stein gehauene Statue.

Doch, oh Graus, nicht nur ein Ziel fand die Kraft. Wie wenn man versucht mit einem groszen Eimer einen kleinen Kelch zu füllen, ging etliches daneben und so wie übergelaufenes Wasser Lachen auf Tisch und Boden bildet, so formt die übergfloszene Kraft eine zweites, ungewolltes Muster.

Als der Zauber beendet ist und der Magier die Konzentration wieder fallenläszt, stellt er entsetzt fest, dasz er nicht nur den Meuterer, sondern auch den Kapitän erstarren liesz. Hjalmarsson UND Jergan stehen nun grotesken Statuen gleich, unbeweglich auf der Brücke.



Jergan kann es nicht verhindern, daß der zweite Offizier seine Hand abfängt und damit einen sicheren Weg in seine Deckung öffnet. Zum einen ist Thorben ohnehin der bessere Kämpfer der beiden, und zum anderen hat er einfach die bessere Waffe in der Hand.

Der Säbel kommt mit vernichtender Wucht näher, und es gibt nichts, was Jergan tun könnte, um einem gefährlichen Treffer zu entgehen. Er versucht, den Kopf so zur Seite zu reißen, daß der Schlag ihn nicht sofort umbringt, doch alles ist so knapp - die Zeit, die Entfernung...

Doch... der Treffer bleibt aus. Mit einem Schlag verstummen alle Geräusche der Umgebung, und die begonnene Ausweichbewegung erstarrt mitten in der Ausführung. Er kann sich nicht mehr bewegen. Ein Glänzen dringt in seine Augen. Soll das der Tod sein? Ist es etwas, das er sich einbildet, hervorgerufen durch den Treffer?

Es dauerte einige Augenblicke, bis Jergan erkennt, daß das glänzende, das er sieht, der Säbel Thorbens ist, der in einer vollkommen unwirklichen Lage vor seinem Gesicht hängt...

Und Thorben selbst... erstarrt. Sein eigener Arm - noch in Thorbens Richtung ausgestreckt, hängt ebenso bewegungslos in der Luft - und läßt sich nicht bewegen. Es ist, als sei die ganze Welt eingefroren.

Oder doch nicht? Am Rande des Sichtfeldes, das von der Thorben-Statue zu einem großen Teil ausgefüllt ist, sieht er die Bewegungen der anderen Kämpfenden auf der Brücke. Er ist versucht, dorthin zu blicken, aber auch das geht nicht, denn seine Augen gehorchen dem Befehl nicht. Ganz langsam dämmert aus dem Unterbewußtsein des Kapitäns die Erkenntnis empor, daß er und Thorben hier von einem Zauber getroffen wurden...



Wuchtig schlägt Thorben zu, Jergan soll ja schlußendlich nach diesem Hieb zur Aufgabe gezwungen werden. Doch was ist das? Kurz vor dem Gesicht Jergans verharrt die Faust, wie als wenn die Zeit stehen geblieben wäre, als wollten die Götter Thorben eine zweite Chance geben, alles zu überdenken, bevor sie ihr endgültiges Urteil sprechen. Doch nein, um ihn herum wird sich weiter bewegt, gekämpft und geflohen. Also was, was wenn nicht ein ... Zauber. Dieser verfluchte Götzenanbeter, bei Swafnir. Kochend vor Wut will Thorben sich umwenden, um wenigstens dem eine Tracht Prügel zu versetzen, wenn er an Jergan schon nicht heran gelassen wird. Doch leichter gesagt als getan, nichts bewegt sich, sein Körper gehorcht ihm nicht mehr, weder die Arme, noch die Beine, auch nicht den Kopf oder die Augen kann er bewegen. Kochend vor Wut tobt sein Geist durch den Körper, das einzige, was sich irgendwie ... in Bewegung befindet.



´Mada und HESinde ! Ich habe beide erstarren lassen !´

Grübelnd faßt sich der Magier ans Kinn und schreitet unruhig vor dem Groszmast auf und ab.

´Ich musz zum Kapitän und einen VERWANDLUNG BEENDEN sprechen.´ ist seine erste Idee, er verwirft sie jedoch wieder, als er sich des Kampfgetümmels am Aufgang und auf der Brücke selbst bewuszt wird.

´Einfach abwarten ? Allzu lang sollte der PARALÜ ja nicht wirken. Aber wenn die Wirkung vorbei ist, ist sie bei BEIDEN vorbei, dann geht der Kampf wie zuvor weiter und nichts ist gewonnen. ´

Er überlegt hin und her, kommt aber zu keinem rechten Ergebnis.



´Irgend etwas musz geschehen ! HESinde hilf mir !´

Verzweifelt sucht der junge Magier nach einer Lösung des, durch den verpatzten Zauber ausgelösten, Problems. Erst einige endlose Augenblicke später kommt ihm ein sinnvoller Einfall.

"Hey, Ihr dort auf der Brücke, nehmt ein Seil und fesselt den Meuterer, der PARALÜ hält nicht lange an !" ruft er zum Brückendeck hinauf, ohne dabei eine bestimmte Person anzusprechen. Dasz er damit unweigerlich die Meuterer auf dem Oberdeck auf sich aufmerksam gemacht hat, bedenkt er dabei nicht.



Babo in der Enge


Babos Gesichtsausdruck wird hart, und der Griff um den Dolch ebenfalls. Was er sieht, ist, daß Thorben den Kapitän im Grunde besiegt hat, und er die Matrosin und den Schiffsjungen fest um Griff hat... da paßt Lowangers Gerede ja nun überhaupt nicht!

"Was..."

Da schreit Olof - der mutige Olof! - auf dem Brückendeck, und kurz danach erstarrt Thorben - daß Jergan ebenfalls erstarrt, sieht Babo gar nicht. Und der Blick des noch nie sehr mutigen Matrosen wandert von Lowangers gesenkter Waffe zu dem Dolch, den er erhoben in der Hand hält.

Langsam, fast so, als gehorchen sie mehr einem Instinkt als seinem Willen, öffnen sich seine Finger, und der Dolch fällt knapp an ALRIK vorbei und bleibt mit der Spitze in den Planken des Oberdecks stecken. Babo selbst bleibt mit erhobener Hand, deren Finger geöffnet sind, stehen, ganz so, als hätte auch ihn ein Erstarrungs-Zauber getroffen.



Xenia nickt stumm und schaut dann verlegen zu Boden. Sie räuspert sich und sieht dann Lowanger in die Augen. "Ja." beantwortet sie dann seine Frage mit belegter Stimme.

'Hui, gut, daß er nicht mir befohlen hat, auf Babo aufzupassen... obwohl - jetzt sieht er gar nicht mehr gefährlich aus - und mit einem Dolch umgehen kann ich doch eigentlich auch...'

Sie richtet sich auf und fügt dann mit einigermaßen fester Stimme hinzu:

"Alles in Ordnung."

Dabei wirft sie Babo einen giftigen Blick zu.


Babo gehorcht wie im Traum, und bewegt die Hände, von denen die eine ohnehin erhoben war, ganz langsam hinter dem Kopf. Erst ganz langsam faßt er sich wieder, und erwidert Xenias Blick genauso giftig mit einem Blick, der zu sagen scheint:

'Ich hätte euch beide abstechen können!'



Olof gegen Fiana


Der grausame Schmerz an Olofs rechter Kopfhälfte, läßt ihn dorthin fassen. Bei dem vielen Blut hätte er fast erwartet, eine klaffende Schädelspaltung festzustellen - daß so eine Verletzung wohl unvereinbar mit seinem Matrosenleben wäre, das wird ihm gar nicht so richtig klar.

Und schon sieht sich Olof wieder von Jaruns blitzenden Schwertern bedroht. Schneller und geschmeidiger als man es dem alten Koloß zugetraut hätte, duckt er sich und taucht unter dem Hieb ab.

Welch ein günstiger Zufall! In absolut greifbarer Reichweite befindet sich ein besitzerloses Entermesser auf dem Boden, das einst Rilaf gehörte und nun nach einigem hin und her vor seinen Füßen landet. Blitzschnell nimmt Olof das Entermesser an sich. Seine Waffenhand schmerzt und klebriges Blut tropft über sein Gesicht und behindert ihn in seiner Sicht - und doch gelingt es im mit viel Glück weiterhin sich aus dem Radius von Jaruns Schwertern zu befreien.

Wutentbrannt stürzt sich Olof von hinten auf Fiana, der Verursacherin des ganzen Unglücks. Wie einfach hätte es doch sein können, wenn dieses Weibsbild doch einfach stille gehalten hätte!

"Du götterverfluchtes Miststück, das wirst du mir büßen!"



'Jetzt muß es schnell gehen!' denkt sich Fiana, nein eigentlich denkt sie es nicht, sie reagiert reflexartig. Hinter ihr erklingt schon wieder dieser Olof. Versteht der denn nicht wann es zu Ende ist?

Sie dreht sich um und schlägt nur nach Gehör in Richtung des Schreihalses. Daher gelingt es ihr auch nicht ihn erneut am Waffenarm zu treffen, sondern der Hieb geht etwas zu tief. Dadurch verpaßt sie ihm einen langen, heftig blutenden und schmerzhaften Schnitt über seinen ganzen Bauch, leider nicht tief genug um ihn damit gänzlich außer Gefecht zu setzen.

Die Axt sofort wieder in Position bringend blickt sie Olof wie eine lauernde Raubkatze in die Augen, jede seiner Bewegungen verfolgend.



"AAAHHHH" schreit Fiana als das Entermesser sich in ihren Oberschenkel bohrt, Blut läuft heraus, alles voller Blut.

Dieser Mistkerl, denkt sie sich, als sie ihre vermeintlich anvisierte Schulter decken will. Der Schmerz mag fürchterlich sein, doch zum Jammern ist später noch Zeit genug. Ihr Leben hängt davon ab den Schmerz zu ignorieren, woher soll sie auch wissen, daß die Meuterer nur den vermeintlich Besessenen helfen wollen, Fiana glaubt, man will ihr ans Leben, warum auch immer.

Sie zieht das Bein zurück, so daß das Entermesser nicht mehr im Bein steckt, den Schmerz spürt sie nicht mehr, verbissen zwingt sie sich innerlich gänzlich abzuschalten. Nur eines hat sie im Sinne, dieser Sache endlich ein Ende zu bereiten.

Unmittelbar nachdem sie ihr Bein zurück gesetzt hat, noch bevor Olof die Gelegenheit hat seinen Arm wieder zurück zu ziehen, saust die Axt hernieder. Das sie ihre Schulter schützen wollte, kommt ihr nun zu Gute, denn sie muß die Axt nicht mehr hoch heben, sondern nur nach unten schlagen. Sie legt all ihre Kraft in diesen Schlag, denn sie weiß nicht, wie lange sie den Schmerz ignorieren kann.

Gewaltig wie ein Donnerschlag trifft die scharfe Axt auf Olofs Oberarm. So gewaltig, daß er zumindest brechen mag, wenn er nicht gar durchtrennt wird.



Den erneuten Schmerz nimmt Olof nicht mehr wahr. Zwar sieht er unter roten Nebelschleiern, wie sich Fianas Axt tief in seinen Oberarm schlägt. Fleisch zerreißt, der Knochen zerschmettert und jegliche Kraft und Kontrolle entweicht Olofs Arm, der jetzt wie ein Fremdkörper schlaff an Olofs Schulter hängt.

Die Nebelschleier in Olofs Geist verdichten sich, der Schmerz verebbt und bald empfängt ihn gnädige Dunkelheit. Ist es nur das Rauschen des Blutes, was die Ruhe stört, oder sind es gar schon die Schwingen Golgaris, der zu seinem Flug über das Nirgendmeer angehoben hat?

Das sind die letzten Gedanken Olofs, bevor er besinnungslos auf den harten Planken des Brückendecks aufschlägt. Die tiefrote Blutlache, in der Olof liegt, nimmt rasch an Umfang zu.



Starrer Jergan


Es ist kaum erträglich für Jergan, daß er aus dieser regungslosen Position, in der er nicht einmal die Augen bewegen kann, die entsetzliche Schlägerei zwischen Swafnald und Ole mit ansehen muß - und ganz am Rande seines Sichtfeldes auch noch, wie Fiana den Matrosen Olof brutal mit einer Axt niederhaut. Er spürt fast das Geräusch des Aufschlages... nur hört er es nicht, was offensichtlich eine Besonderheit des Zaubers ist, der ihn und Thorben erfaßt hat. Aber vielleicht ist das auch besser im Moment...

Und die ganz Zeit über steht der erstarrte Thorben unmittelbar vor ihm, und damit auch die permanente Furcht, daß das ganze Geschehen einfach so weitergehen könnte - genau an der Stelle, an der sie beide erstarrten.



Nirka im Angriff


Mit einen derben Fluch auf den Lippen bleibt Nirka erneut stehen. Wie schon beim letzten Mal kommt ihr auch diesmal ein anderer zuvor und macht den Gegner, den sie sich ausgesucht hat, unschädlich.

Die Bootsfrau mustert die Statue Thorbens kurz, um sich sicher zu sein, daß von dieser keine Gefahr mehr ausgeht, dann erst entdeckt sie, daß auch Jergan erstarrt dort steht. Einen ganz kurzen Augenblick befürchtet sie das Schlimmste, aber dann erkennt sie die Unnatürlichkeit seiner Stellung und folgert, daß der Zauber wohl ihn mit erfaßt hat.

'Diese dämlichen Magier! Nicht mal ihr Ziel können sie richtig treffen!'

Ein nicht gerade freundlicher Blick trifft Ottam, dann lenkt sie ein erneuter Schrei wieder ab. Swafnald hat gerade den Schiffszimmermann brutal mit der Axt niedergeschlagen, und bei dem Blut, das da fließt, glaubt sie schon, die letzten Sekunden Oles wären gekommen, doch da erhebt er sich wieder... zieht sich an der Reling empor. Für Nirka ist nun aber klar, daß Swafnald ihr nächster Gegner ist, und erneut macht sie sich auf den Weg über das, nun schon von einigen Blutlachen gezeichnete Brückendeck.



Ottam abgedrängt


Ottam sondiert die Lage und kommt zu dem Schluß, daß um ihn herum erst einmal Ruhe eingekehrt ist. Sein Gegner liegt noch am Boden und ist schwer verletzt, der Kapitän und sein Kontrahent sind versteinert, moment, der Kapitän ?

Er versteht nicht recht, warum der Kapitän auch?

Da muß etwas schief gegangen sein oder die Meuterer haben einen Magier auf ihre Seite gebracht.

Vorsichtig mustert er alle Anwesenden, kann jedoch niemand passenden erblicken, zumal der Blick auf das Deck von zu vielen Leibern und Steinsäulen versperrt wird.

So bleibt ihm nichts anderes übrig als sich um hiesige Probleme zu kümmern, und da wäre im Moment nur Fiana, mal sehen wie sie sich macht, gegebenenfalls werde ich dort eingreifen, denkt er sich und beobachtet weiter.



Die Wut erwacht


Das Atmen fällt ihm schwer, es ist als läge eine Quader schwere Last auf seiner Brust. Die Schmerzen in seinem Kopf ebben langsam ab, aber sie machen keiner Erleichterung Platz. Ole fühlt sich wie in in einem Feuer stehend, einem Feuer, daß ihn nicht berührt und dennoch rasch verzehrt!

'SWAFNALD!'

Dort steht der Kerl und hält das blutige Kampfbeil. Ole kann ihn nur noch mehr undeutlich sehen, das Licht seiner Augen wird zunehmend getrübt. Die Gestalt die sich da, von der Seite her behende nähert, kann er nur noch mühevoll als die Bootsfrau erkennen. Nirka will ihm offensichtlich zur Hilfe eilen.

Es ist aber zu spät. Eine feurige Faust hält Ole's Herz gefangen und er kann sich nicht mehr befreien. Ole schmeckt Blut auf seiner Zunge. Seine Finger verkrampfen sich, wie zu gräßlichen Krallen. Ein heller, schriller Ton gellt in seinem Geist und seine Muskeln spannen sich, als gälte es mit dem bloßen Körper einer Sturmflut zu trotzen.

'SWAFNALD!'

Vor den Augen Ole's verwandelt sich die Gestalt des verhaßte Matrosen von der eines menschlichen Wesen, in die einer quiekenden Ratte. Und diese Ratte hält noch immer die Waffe, die ihm diese schreckliche Wunde beriß. Auf einmal weicht alles von ihm, Ole spürt überhaupt keine Schmerz mehr, der Lärm des Gefechts, der noch vor wenigen Augenblicken, schrill in den Ohren des Schiffszimmermanns gellte, senkt sich ab zu tonloser Stille. Alles wird dunkel um ihn herum, das letzte, was er noch wahrnehmen kann, ist eine mannshohe Ratte, die vor ihm steht und ein Kampfbeil schwingt. Dann hüllt ihn die Finsternis ein und das Feuer beginnt eine gnadenlose Regenschaft.

'SWAFNALD!'

Alles, was jetzt ereignet, geschieht schneller als der Angriff einer Kvillotter. Ole wirft sich nach vorne, dem Gegner entgegen, gewaltig, jedoch planlos und ohne genaues Ziel. Dabei rempelt er Nirka zur Seite. Daß sie dort steht, da sie ihm doch eigentlich zur Hilfe eilen wollte, kann Ole nicht mehr erkennen, es ist für ihn mittlerweile auch völlig bedeutungslos geworden. Der 'graue Riese' bekommt Swafnald's Beil zu fassen, reißt es ihm mit überkräftigen Ruck aus den Händen, hält es hoch über den Kopf und zerbricht den Stiel aus Hartholz, als wäre es nur ein trockener Strohhalm.

Es wäre wohl zu erwarten gewesen, daß Ole nun erneut mit den Händen zupacken würde, Hände, die nun schon längst zu einer fürchterliche Waffe geworden sind und sich jederzeit Tod bringend um Swafnald's Kehle schließen könnten. Doch Ole behält die Hände oben, als wolle er die zwei Teile des Beil einem tosenden Publikum triumphierend präsentieren. Statt dessen stößt er mit dem Kopf vor, mit seiner harten, blutverschmierten Stirn, wie ein Büffel in Raserei und er trifft Swafnald genau an der Nasenwurzel. Das Blut spritzt und es ist nicht nur das Blut des Zimmermanns ........



Schon als er den Schlag gegen Ole geführt hat war Swafnald klar, daß er den anderen damit nicht hart genug treffen würde, um ihm das Bewußtsein zu rauben. Daß dieser sich aber so schnell erholt und vor allem so urplötzlich und gewaltig auf ihn zu stürmt überrumpelt ihn total, so daß Ole wenig Mühe hat ihm das Beil aus der Hand zu winden.

Als jener die Waffe jedoch zerstört - SEINE Waffe, SEINEN Schneidzahn, den er sich als junger Bursche mühsam verdient hat, keimt auch in Swafnald unbändige Wut auf ... 'das wirst Du büssen...'

Trotzdem kommt auch der nächste Schlag für Swafnald sehr überraschend, hatte er doch eigentlich einen Angriff mit den Fäusten erwartet. Ein lauter Schmerzensbrüller entringt sich ihm als Ole's Schädel mit voller Wucht auf sein Gesicht schlägt und ihm das Nasenbein bricht.

Doch Swafnald hat schon mehrere Raufereien und Tavernengezänke hinter sich ... so leicht ist er nicht auszuschalten.

Zwar weicht er unter der Wucht des Hiebes einen Schritt zurück, doch schon im nächsten Augenblick schnellt er wieder vor und rammt dem Schiffszimmermann die geballte Faust mit aller Kraft in die Magengegend.



Nirka will erst erbost reagieren, als sie von Ole zur Seite gerempelt wird und damit SCHON WIEDER ihren Gegner verliert, doch dann erkennt sie, was passiert ist:

WALWUT!

Sie weiß, daß man dagegen erst einmal nichts unternehmen kann, und verzichtet darum auf eine sicher selbstmörderische Einmischung in diesen Kampf. Statt dessen schiebt sie sich mit einer raschen Bewegung an den beiden vorbei und hin zu Aleara, deren Brüllen nicht mehr erreicht als alles andere, was zuvor schon gebrüllt worden ist.

Nirka hat nicht genau mitbekommen, was Aleara gerufen hat, aber sie fürchtet, daß die Matrosin sich noch nicht vollständig erholt hat, und so zieht sie sie mit ihren kräftigen Armen rasch aus der unmittelbaren Gefahrenzone dieses kaum steuerbaren Kampfes hin in Richtung Steuer, wo von den beiden noch tobenden Kämpfen ausreichend weit entfernt ist.



Die Schläge Swafnalds könne Ole nicht mehr rühren, er kann keinen Schmerz mehr spüren, und so tropfen die Attacken seines Kontrahenten wirkungslos ab! Ole Fäuste senken sich mechanisch in Swafnalds Gesicht, und sie treffen zielgenau in der Höhe der Nasenwurzel. Die rechte Faust Ole's trifft Swafnalds Schläfe und im Zurückziehen seiner Hand zerschmettert sie Ellenbogen das rechte Schlüsselbein seines Gegners.

Es ist nichts mehr Menschliches an Ole zu erkennen, er ist nur noch eine reine Kampfmaschine, die fast ausschließlich mechanisch reagiert. Keine Strategie, kein Plan steht dahinter, daß Ole Swafnald noch zwei bis drei Schläge auf die ohnehin schon stark lädierte Nase Swafnald's gibt. Der graue Riese wird wohl weiter schlagen, so lange, bis Swafnald sich nichr mehr bewegen kann!

Und dann wird man weiter sehen, denn Zerstörung ist nun angesagt .................



Zu Swafnald's Bestürzem scheint der heftige Schwinger, der einen 'normalen' Gegner glatt auf die Bohlen befördert hätte, Ole nicht im geringsten zu rühren, doch bleibt ihm nur wenig Zeit darüber erstaunt zu sein.

Schon prasseln in unglaublicher Folge die wuchtigen Hiebe des berserkerähnlich Dreinschlagenden auf ihn ein und kann er zu Anfang noch den einen oder anderen Treffer vermeiden, so endet jede bewußte Handlung mit dem Faustschlag gegen seine Schläfe und jeder wütende Schwinger Oles findet ein Ziel.

Faktisch wehrlos treibt ihn Schlag um Schlag zurück, bis er mit dem Rücken an das Geländer stößt, das das Brückendeck zum Oberdeck hin gegen versehentliches Hinunterstürzen sichert, doch einem rücklings Hineinstolpernden bietet es nur wenig Halt.

So schickt ihn schließlich ein weiterer Treffer auf die übel zugerichtete Nase rücklings über das Geländer hinweg und nach einer halben Drehung schlägt er mit einem dumpfen Laut der Länge nach auf den Brettern des Oberdecks auf, wo er regungslos liegen bleibt.



Ole brüllt und es klingt wie ein Sturm auf dem Höhepunkt seines Zorns! Ständig läuft ihm Blut über die Augen und raubt ihm die Sicht. Widerwillig läßt er die geborstenen Teile von Swafnald's Streitbeil fallen und reibt sich die Augen wieder frei. Jedoch läßt ihm seine WUT nicht viel Zeit dafür, sondern befiehlt ihm weiter zu kämpfen, wenn es sein muß auch blind! Freund und Feind kann Ole sowieso schon lange nicht mehr unterscheiden. Alles ist Feind, alles was sich regt und was sich bewegt!

Ole hat Swafnald in die Enge geprügelt, es kann ihm nicht mehr ins Bewußtsein dringen, daß sich sein Gegner schon gar nicht mehr richtig wehrt. Und so hebt Ole die Arme, faltet die Hände zusammen zu einer gewaltigen Faust und haut blindlings zu. Es wäre bestimmt ein vernichtender Schlag geworden, doch plötzlich kippt Swafnald über die Reling und fällt schlaff auf das Oberdeck, entzieht sich so dem Rasenden. Der Schlag hätte wohl einen Troll gefällt, aber Ole verfehlt seinen Gegner, sein Angriff geht ins Leere und seine Fäuste treffen die Reling des Brückendecks, dort wo Swafnald noch wenigen Augenblicken gestanden hatte und das Holz splittert wie trockener Keks.

Die verunglückte Attacke bringt den Wütenden aus dem Gleichgewicht und er stürzt. Ole wäre beinahe vom Brückendeck geschlittert und auf dem Oberdeck aufgeschlagen, gleich neben Swafnald unter Umständen. Instinktiv hat er sich jedoch an den Bodenplanken festgekrallt und wieder Halt gewonnen. Behende wie ein Mungo springt er wieder auf die Beine, hat aber für den Moment den Überblick verloren.

Und so steht Ole nun wieder da, die butbesudelten Hände erhoben wie die Krallen einer Harpyie. Aus seiner Kehle dringt ein dumpfes Grollen und seine Augen scheinen, von innen heraus, gelblich zu leuchten. Gleich wird er wieder angreifen, Ole, der graue Riese, angriffslustig wie ein gereizter Grauwolf. Und er sucht Feinde ...............



Am Brückenaufgang


Wasuren beobachtet noch einige Augenblicke das Geschehen auf der Brücke und bemerkt, daß es dort oben nun auch langsam viel schlechter für die Meuterer aussieht.

Somit wendet er sich wieder Laske zu und steigt die paar Treppenstufen zu ihm hinunter. Dort kniet er sich zu ihm herunter und vergewissert sich, daß dieser so schnell nicht wieder fit wird.

Während er ihn mit seinem eigenen Entermesser in Schach hält, schaut er sich auf dem Deck um und registriert, daß Lowanger, wie es scheint, den letzten Meuterer auf dem Oberdeck nun auch gestellt hat.



Sören's Auftrag


Schließlich ringt der Smutje sich dann doch dazu, durch sich auf die Suche nach dem Schiffsmedicus zu suchen (denn er hat gegenwärtig keine Ahnung, wo der sein könnte...), bleibt am Aufgang zum Oberdeck dann doch noch einmal stehen.

'Was ist denn das für ein Lärm?'



Weit weg im Meer


Nachdem er seinen Hunger mit einem kleineren Heringsschwarm gestillt hat hebt sich der grosze grüne Körper einmal wieder aus dem Wasser. Wieder einmal sprudelt eine Fontäne hervor, auch wenn es diesmal keine Zweibeinchen gibt die dies sehen könnten. Neugierig wie immer schaut "Der, der lange oben schwimmt" sich um. Nein, diesmal ist weit und breit nichts besonderes zu sehen, kein Zipfel des Trockenmeeres und auch keine Schwimmriffe, aber auch von diesen widerlichen Langen Geschuppten und Vielarmigen ist weit und breit nichts zu sehen. So läszt sich der Grünwal einfach ein wenig treiben und schaut dabei den ein paar winzigen geflügelten Wesen zu, die sich ungewöhnlich weit aufs Meer hinaus gewagt haben.



Joanna


Gerade standen Joanna und Alrik noch gemütlich bei der Küche herum, doch plötzlich reißt er sie in die Gemeinschaftskabine. Verwirrt steht die Druidin einige Sekunden dort. Als sie wieder klare Gedanken fassen kann, schnappt sie sich ihren Kampfstab und schleicht Alrik durch Neugierde getrieben nach. Auch sie kniet sich neben den Magier und flüstert ihm zu

"Was ist hier eigentlich los? Sind hier etwa alle verrückt geworden?"

Ihre pechschwarzen Augen wandern über das Oberdeck.



'Ein "Gliederschmerzen, Nadelstich" wäre wohl das beste, dieser Kerl der den Schiffsjungen und die junge Matrosin bedroht muß unschädlich gemacht werden! Aber getötet werden sollte hier niemand.'

Diese und andere Gedanken schießen Alrik durch den Kopf. Schon streckt er die rechte offene Hand in die Richtung des Opfers aus. Schon öffnen sich seine Lippen. Schon kneift Alrik die Augen zu kleinen Schlitzen zusammen. Da bemerkt er einen Schatten der auf ihn fällt. Kurz wendet er den Kopf und stellt fest das es Joanna ist die sich zu ihm gesellt. Nur gut, daß er seinen Zauber noch nicht vollständig begonnen hatte. Diese kleine Ablenkung hätte durchaus genügt um ihn aus seiner Konzentration zu reißen und alles mißlingen zu lassen.

"Verrückt?? genau das ist das richtige Wort. Besser wir beenden das Ganze."



Plötzlich beginnt sich alles um Joanna zu drehen.

'Halt! Das geht mir alles irgendwie zu schnell. ... Osin ... krank?... Alrik ... verrückt.. beenden..'

Nur leere Gedanken oder Worte, die keinen Sinn ergeben schwirren in ihrem Kopf herum. Sie schüttelt den Kopf, als ob sie etwas los werden wolle.

'Verrückt, ach so, ja, ja. Hmmm???' murmelt die Druidin leise vor sich hin. Joanna streicht sich kurz über die Stirn.

'Irgendwie heiß.'

Nachdem sie sich noch einmal die Situation an Deck ansieht, versucht sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf den Magier zu lenken.

"Beenden? An was habt ihr denn gedacht?"

Die Stimmen auf dem Schiff beginnen in ihrem Kopf zu surren.

'Was ist nur los? Reiß dich zusammen.'

Dadurch, daß Joannas Augen sich schwer und müde anfühlen, versucht sie ihre Augen weit aufzureißen, doch es will ihr nicht so recht gelingen.



Laske und Wasuren


Wasuren läßt Laske nur für einen winzigen Augenblick aus den Augen um sich auf dem Deck umzusehen, da trifft es ihn mit voller Wucht gegen seine Beine.

Er verliert das Gleichgewicht, seine Beine fliegen unter seinem Körper nach hinten weg und er stürzt nach vorne auf Laske zu. Ein furchtbarer Schmerz entbrennt in seinen Schienbeinen und breitet sich von dort in durch seinen Körper aus. Seine Beine fliegen unter seinem Körper nach hinten weg und

Aus Reflex reist Wasuren seine beiden Arme nach vorne, um seinen Fall abzufangen, doch leider merkt er zu spät, daß sich in seine Rechten ja noch das Entermesser befindet und Laskes Anwesenheit das Abfangen fast unmöglich erscheinen läßt.



Laske freut sich nur ganz kurz über das Gelingen seines Trittes, denn dann fällt Wasuren auch schon - nur leider in der falschen Richtung - auf ihn drauf.

Laske setzt an, sich zur Seite weg zu rollen, doch da erblickt er das Messer in der Hand des anderen. Aus dieser Perspektive erscheint ihm das Entermesser riesig und gewaltig, fast so groß wie ein Zweihänder, der sich im nächsten Moment in seinen Körper zu bohren droht.

Laske liegt sehr ungünstig auf dem Deck, so daß er es nicht schaffen würde, sich komplett wegzuschieben, doch seine Reflexe sind wieder hinreichend schnell, so daß er es gerade so schafft, die Hand mit dem Messer soweit abzulenken, daß sie dicht neben ihm das Deck trifft und den armen Planken noch einen tiefen Einstich verpaßt.

Sekundenbruchteile später landet dann Wasuren auf ihm und treibt ihm erneut die Luft aus den Lungen. Doch nicht genug, die Wucht des Aufpralls hämmert Laskes Kopf auf die Planken, so daß vor seinen Augen wieder die Sterne tanzen.



Berechender Ottam


Ottam ist recht froh, daß sich das Kampfgeschehen um ihn herum etwas legt. Geradezu angeekelt betrachtet er die Blutlache, die sich dort von Olof ausgehend über das Deck verbreitet, wenngleich sich ein übler Plan in seinem Kopf breit macht...

Doch wird sein Blick abgelenkt, dieser Zimmermann kämpft jetzt auch mit. Insgeheim hofft Ottam ja, daß der endlich mal eine ordentliche Lektion erteilt bekommt, doch sieht es momentan wohl nicht so aus.

Mal sehen was sich dort so ergibt, und was den Kapitän angeht, den kann man notfalls immer noch befreien, so kann er wenigstens nicht mit seinen unqualifizierten Befehlen die Niederschlagung der Meuterer verhindern, denkt er für sich.



Fiana versorgt Olof


Fiana ist erleichtert und entsetzt zugleich, warum hat er nicht einfach aufgegeben, dann wäre ihm das erspart geblieben. Jeder hier an Bord weiß doch, daß sie im Umgang mit der Axt hier an Bord wohl ungeschlagen ist.

Doch jetzt ist Handeln angesagt, denn schließlich hat sie nicht wirklich vor Olof zu töten. Flink steckt sie die Axt in den Gürtel und reißt eines ihrer Hosenbeine in zwei Stücke. Eines davon knotet sie sehr fest um Olofs Oberarm, oberhalb der Stelle an der sie ihn traf.

'Das sollte die Blutung stoppen' denkt sie sich, als langsam ihr eigener Schmerz in ihr Bewußtsein drängt.

Das andere Stück des Hosenbeines wickelt sie um ihren Oberschenkel, wobei jedoch ein Abbinden hier nicht notwendig ist, es blutet zwar, doch offensichtlich hat das Messer die Hauptadern verfehlt. Daher legt sie lediglich einen provisorischen Verband an.



Darian's Überblick


Vorsichtig sieht sich der junge Magier um und sondiert die Lage. Der Anführer der Meuterei ist erstmal auszer Gefecht - der Kapitän bedauerlicherweise auch. Die erste Offizierin hat gerade einen der Meuterer erschlagen und ist erstmal nicht mehr in unmittelbarer Gefahr. Am Aufgang zum Brückendeck kämpfen zwei Matrosen, Darian sieht aber nicht wer zu welcher Partei gehört und mischt sich daher lieber nicht ein. Etwas Abseits steht eine ihm unbekannte Frau mit einem Zweihänder und trampelt wie vom Difar gestochen auf irgend ewtas blutigem herum, dieser Person will Darian lieber nicht zu nah kommen. Oben auf dem Brückendeck kämpft der grosze Matrose, den Darian auf der Tsatagsfeier zunächst fuer einen Barden gehalten hatte, mit einem weiteren Meuterer (?). Auch hier ist sich Darian nicht sicher, aber erstens ist derzeit ohnehin kein Durchkommen zum Brückendeck und zweitens stehen mittlerweile eine ganze Reihe kapitänstreuer Kämpfer auf der Brücke frei herum. Zuletzt wäre da noch ein Matrose (Meuterer?) an der Reling, den ein anderer Kämpfer gerade entwaffnet hat und in Schach hält. Dieser andere Kämpfer ist das nicht der Offizier Lowanger, der ihm bei seiner Ankunft die Kabine gezeigt hat ? Dann ist der Matrose bestimmt einer der Meuterer. Darian nähert sich vorsichtig den Leuten an der Reling, bereit den Meuterer notfalls auszer Gefecht zu setzen.



Jarun und Fiana


Für einige Sekunden hatte Jarun das Gefühl sich nicht bewegen zu können. Er wollte den Matrosen eigentlich nicht verletzen. Nur einschüchtern. Noch immer hat er das Bild vor Augen, wie das blutige Ohr im hohen Bogen über das Deck flog, und die Frau mit dem Zweihänder das Ohr fein säuberlich durch die Ritzen des Decks quetschte.

Doch dann wird er aus seiner Trance gerissen. Der Schrei von Fiana zieht seine volle Aufmerksamkeit auf sich. Gerade kann noch mit ansehen, wie die Offizierin den Matrosen mit einem kräftigen Axthieb zu Boden schickt. Mit Entsetzen stellt Jarun aber außerdem fest, daß Fiana aus einer großen klaffenden Wunde am Bein blutet.

Einige kurze Schritte und er steht neben ihr, während sie dabei ist diesen übergeschnappten Matrose zu verbinden.

"Ihr seid verletzt Fiana!" informiert er sie über ihren körperlichen Zustand, realisiert aber nicht, das diese Bemerkung wahrscheinlich überflüssig war."Wir kümmern uns erst um eure Wunden," fügt in einem für ihn ungewöhnlichen Befehlston hinzu.

Jarun läßt seinen Blick über das Deck streifen und entdeckt den Bordmagus, der dort völlig seelenruhig auf dem Brückendeck steht und das Treiben beobachtet, ohne selber einzugreifen. Den Zauber des Magiers scheint er durch den Kampf mit Olof nicht mitbekommen zu haben. Er versucht Fiana zu stützen und gibt dem Magier ein Zeichen.

"Hey, Zauberer. Wir brauchen Hilfe. Fiana ist verletzt. Kommt her."

In seiner Aufregung hat er völlig die korrekte Anrede des Magiers vergessen und benutzt statt dessen die Anrede für die Jahrmarktszauberer, die ihn schon des öffteren auf seinen Reisen mit dem Zirkus begleitet haben.



"Nein nein", erwidert Fiana, "das ist nicht so schlimm, er wird sterben, wenn ich den Arm nicht abbinde, ich nicht."

So läßt sie sich nicht abhalten Olof zuerst und dann sich selbst zu verbinden.

"Doch habt Dank für euer Eingreifen, so war es mir möglich ihn relativ leicht zu entwaffnen. Wäre mir das nicht gelungen, weiß ich nicht wie es mir jetzt ginge"

Dankbar nimmt sie die angebotene Hilfe an und stützt sich auf Jarun, während sie mit der anderen Hand die verbundene Wunde hält. Jetzt da die akute Gefahr vorbei ist, reagiert ihr Körper wie der eines jeden nach so einer Wunde. Höllische Schmerzen machen sich bei jedem Schritt breit.



Ottam ist empört


Ottam glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, als er hört, wie dieser Jahrmarktsclown ihn anspricht.

"Was fällt euch eigentlich ein. Für euch bin ich Magister Ottam, schließlich stehe ich nicht auf einem Jahrmarkt und biege Tafelbesteck."

"Ihr habt Glück das die Lage so ernst ist, sonst könntet ihr euch zu den beiden Steinsäulen gesellen"

"Bringt Fiana dort hinten hin und helft ihr, sich auf den Rücken zu legen." bringt er dann doch noch hervor, schließlich geht es um die hübsche Offizierin. Dabei deutet er auf die hinterste Ecke des Brückendecks, wo derzeit niemand steht.



"Ja, ... ja, ..." sind die einzigen Kommentare die sich Jarun unter den gegebenen Umständen ab und zu abringen kann, während er verständnisvoll dreinblickt und wissend mit dem Kopf nickt. Viel zu sehr ist er damit beschäftigt Fiana zu umsorgen und zu stützen. Das Gebrüll des Magiers interessiert ihn dagegen weniger.

Das einzige Mal wo er den Magier anblickt, ist der Moment, in dem er ihm die Stelle weist, wo er Fiana hinlegen soll. Und das ist wohl auch der einzige Satz den er gehört hat.

Ihren Arm über seine Schulter hilft Jarun der Offizierin in die Ecke des Brückendecks, wo der Magier hingedeutet hat.

"Bitte legt euch hin, es wird euch gleich geholfen werden. Die Schmerzen sind gleich vorbei."

Ungeduldig schaut er in die Richtung des Magiers.



Kopfschüttelnd kommt Ottam in die Ecke hinüber, in der Fiana liegt.

Dort angekommen, kniet er sich neben sie und entfernt den Verband von ihrem Bein. Blut kommt ihm entgegen und Fiana beißt die Zähne zusammen, als der Stoffetzen von ihrer Wunde genommen wird. Ottam berührt sanft, wie man es kaum von ihm erwartet hätte die Verletzte Stelle und beginnt dabei langsam, immer wieder die Worte:

"BALSAM SALABUNDE, Heile Wunde"

zu sprechen



Jarun kniet sich ebenfalls neben die verletzte Fiana. Unbewußt beginnt er fürsorglich ihre Hand zu tätscheln und schaut dabei auf die Hände des Magiers. Schon oft hat er den Heilzauber gesehen. Aber immer wieder ist er fasziniert von dem Leuchten auf dem Körper des Patienten und den sich langsam verschließenden Wunden.

Beruhigend redet er auf Fiana ein:

"Gleich ist es besser. ... Bald sind die Schmerzen weg."



Immer wieder wiederholt der Magier seine Zauberformel, langsam beginnt die Energie zu strömen, durchfließt seinen Körper, durch seinen Arm, die Hand und seine Haut, um sich schließlich auf der Wunde zu sammeln und über zu springen.

Fiana spürt wie eine wohlige Wärme in ihrem Körper aufsteigt, der Schmerz weicht langsam einem quirligen Kribbeln, ganz so wie man es empfindet, wenn ein eingeschlafene Gliedmaße wieder frisch durchblutet werden.

Die Ströme von Arcaner Kraft verrichten ihr Werk sauber und leise, wie von Geisterhand stoppt die Blutung, die klaffenden Hautfetzen beginnen sich zu regenerieren. Langsam und unter stetigem Kribbeln schließt sich die Wunde. Neue Haut entsteht dort wo die alte abgerissen ist und bald ist außer den Resten von Blut um Fianas Bein nicht zu erkennen, daß dort mal eine Wunde war.

Ottam nimmt die Hand fort und betrachtet sein Werk. Er scheint zufrieden und steht auf.

"Das wars, du kannst wieder Aufstehen"

Sagt er schlicht zu Fiana, die seiner Aufforderung auch sogleich nachkommt. Vorsichtig steht sie auf, unbewußt vermeidet sie noch immer das Bein zu belasten. Erst als sie steht, testet sie vorsichtig die Bewegungen, die so ein Bein vollbringen mag. Dann geht sie einen Schritt und macht eine Kniebeuge um zu testen ob wirklich alles in Ordnung ist. Ein Lächeln strahlt über ihr Gesicht und freudig dankt sie Ottam.

"Hab vielen vielen Dank für die Hilfe Ottam, Hersinde sei mit dir"

Ottam nimmt Fianas Dank lächelnd entgegen, denn auch wenn er noch auf Jarun sauer ist, so kann ihn Fianas Lächeln einfach nicht grimmig drein schauen lassen.

Fiana bemerkt erst jetzt, daß die Wunde wohl schlimmer war als es zunächst den Anschein hatte, denn dort wo sie lag ist auch unter ihrem Bein Blut auf den Planken, offensichtlich hat sie nicht bemerkt, daß das Entermesser glatt durch ihr Bein durchging.

"Auch an Euch nochmals Danke!" wendet sie sich schließlich Jarun zu und beschenkt ihn mit einem ebenso freundlich Lächeln wie den Magus.



Auch Jarun hat sich nun wieder aufgerichtet und bewundert neben Ottam das geheilte Bein von Fiana. Freudestrahlend nickt Jarun der Offizierin auf ihren Dank zu.

"Jederzeit wieder!"

Anschließend wendet er sich Ottam zu und legt seine linke Hand auf dessen Schulter.

"Das haben wir einfach erstklassig hinbekommen. Wir beide sind ein wirklich gutes Team."



Sigrun an neuer Front


Nun ja, viel erreicht hat sie mit ihrem Ablenkungsmanöver bei Laske nicht, doch unerwarteter Weise schlägt ihn Wasuren von hinten nieder. Sigrun ist erleichtert, so steht sie dem Meuterer nicht nur mit ihrer lächerlichen Bewaffnung allein gegenüber. Laske scheint sich nicht mehr regen zu können und schon will Sigrun an ihm und Wasuren vorbei auf das Brückendeck stürmen, da sieht sie, wie Wasuren plötzlich einknickt und vornüber fällt, getroffen offenbar von einem Tritt des, doch nicht so ganz unbeweglichen Laske. Wieder verflucht sie die Tatsache, daß sie keine vernünftige Waffe mit sich führt, damit hätte sie Laske jetzt endgültig unschädlich machen können. Trotzdem will sie Wasuren zu Hilfe eilen, stellt sich hinter Laskes Kopf und will ausholen, um ihm mit dem Stück Holz einen Schlag zu versetzen, da ...

'Sigrun, hierher!'

'Was?' War das nicht Lowangers Stimme? Sie verharrt und sieht sich um und entdeckt die Vierergruppe um Babo. Was ist dort los? Nun, auf jeden Fall scheinen Xenia und Alrik nicht mehr akut bedroht zu sein. Sigruns Augen fliegen hin- und her. Einerseits möchte sie Wasuren nicht allein lassen, noch zu unentschieden erscheint ihr dieser Kampf zwischen den beiden Matrosen, aber andererseits Befehl ist Befehl und Sigrun wäre nicht sie selbst, würde sie sich dem verweigern.Sie tritt einen Schritt zurück, die Augen noch immer auf Wasuren und Laske gerichtet, senkt die schon halb erhobene Hand, dann atmet sie einmal tief durch. Sie hat sich entschieden. Sigrun richtet sich auf und geht mit schnellen, kraftvollen Schritten auf Lowanger zu. Nein, der Platz einer Unbewaffneten ist nicht mitten im Getümmel und hier kann sie eine sinnvolle Aufgabe übernehmen.

"Zur Stelle, Herr Lowanger!", meldet sie sich, als hätte der 3. Offizier nur zu einem normalen Appell gerufen.



Swafskari


Es ist schon sehr verwirrend, erst scheint alles noch einigermaßen ruhig zu sein und schon geht's hier zu wie in den Niederhöllen.

'Du wirst wohl langsam alt, früher währe dir das nicht passiert'

Belvolio beschließt erst mal alles zu beobachten.

Der junge Adept paralysiert den Anführer, eine sehr gute Entscheidung. Warum er allerdings auch den Kapitän erstarren läßt ist dem Magus ein Rätsel. Der Geiselnehmer an der Reling scheint sein Vorhaben aufzugeben.

'Armer Irrer, wenn man so etwas angefangen hat, sollte man es auch zu Ende bringen.'

Doch das Interessanteste spielt sich auf auf der Brücke ab. Eben gerade wurde der Skalde schwer getroffen, naja oder auch nicht, so genau kann man das von hier aus nicht sehen. Auf jedenfalls springt dieser rasende Koloß von einem Thorwaler den Meuterer an.

'Der Mann hat keine Chance' so viel ist klar.

Als der Meuterer am Boden liegt wird es deutlich; es Ist ein Walwütiger.

'Interessant das ist der dritte Fall von Swafskari den ich beobachten kann und der erste der sich nicht gegen mich richtet.'

Belvolio zweifelt das die Matrosen mit dem Walwütigen fertig werden, und so macht er sich auf, die Leute auf der Brücke zu unterstützen . . .



Auf der Brücke


Noch immer droht Thorbens Faust, ihn jeden Moment zu treffen, noch immer ist alles still, und noch immer ist der Kapitän zu keiner Regung fähig.

Auf dem Brückendeck kümmert Fiana sich derweil um die eigenen Verletzungen, ehe sie zusammen mit dem Gaukler und Ottam aus seinem eingeschränkten Sichtbereich verschwindet, und Ole prügelt sich weiter mit Swafnald. Jergan würde die Luft anhalten, wenn das im erstarrten Zustand ginge, als Swafnald rückwärts gegen die Reling taumelt, und dann über sie hinweg, wo er mit einem lauten Knall aufschlägt.

Mit einem Knall???

Jergan registriert das Geräusch, während er scheinbar in Zeitlupe zur Seite fällt, denn die Lage, in der er erstarrt ist, ist keineswegs eine stabile gewesen, sondern eher eine Zwischenstellung eines rasanten Ausweichmanövers. Er stößt mit dem Ellenbogen harrt auf die Reling, und kann sich dann gerade an dieser festhalten.

Es vergehen einige Sekunden, bis er wieder klar in die Welt der Unerstarrten zurück findet - und springt dann seitwärts von der Reling weg, als säße eine Maraske auf dieser. Er hat Thorben total übersehen!

In etwa zwei Schritt Entfernung atmet er dann auf, als er sieht, daß Thorben immer noch unverändert steht, und zwar in einer Lage, die kaum als Finte halten könnte. Und zu vertraut ist Jergan diese Position der Faust um den Säbelgriff, halb im Schlag... schließlich hat er genau das sicher fünf Minuten lang gesehen. Es ist für vollkommen unklar, wann Thorben sich wieder bewegen kann, auch wenn er sich langsam denkt, daß das sicher noch einen Moment dauern kann, denn EIGENTLICH hätten sie beide exakt gleichzeitig erwachen müssen. Da das aber nicht der Fall war, hat ihn der Zauber wohl nur peripher getroffen, und Thorben voll... Wie auch immer... man wird ihn rasch fesseln müssen!

Er schüttelt noch einmal den Kopf, wie um einen bösen Traum zu vertreiben, und orientiert sich dann kurz.

"Ein Seil!" ist das erste Kommando, das er ruft, gleich gefolgt von:

"Jemand soll sich mal um Olof kümmern, damit er nicht verblutet!"

Trotz Fianas selbstloser Hilfe hat sich nämlich die Lache unter dem Matrosen vergrößert...

Er selbst wendet seine Aufmerksamkeit jedoch erst einmal der größten Gefahr auf dem Brückendeck zu - Ole, der noch in seiner Walwut ist - allerdings, ohne näher heranzugehen.



Was bei allen Göttern geht hier vor? Verdutzt beobachtet Aleara Oles Wutausbruch, als sie plötzlich weggezerrt wird. Verdammt noch mal, was ist bloß los? Und was hat bloß der Grünwal gesagt? Diese und noch viel mehr Fragen schwirren in Alearas Kopf herum.

Schwirren so sehr herum, daß ihr schwindlig wird und sie sich am Steuerrad festhalten muß - und dann, als jenes herumdreht, schmerzhaft auf dem Boden landet. Benommen setzt sich die Matrosin auf, schüttelt den Kopf und starrt einmal mehr aufs Meer hinaus, diesmal allerdings nicht nach Prem...



Nirka zuckt zusammen, als Aleara, die sie gerade aus der Gefahrenzone geschafft hat, am Steuer zusammenbricht, doch darum muß sich später jemand kümmern, jetzt gibt es erst einmal Wichtigeres.

Sie hört Jergans Befehl, und versteht auch sofort, auf wen er zielt. Sie, die im Gegensatz zu Jergan von ihrer Position in der Nähe des Steuers aus das Oberdeck überblicken kann, ruft:

"Eilif oder Xenia, holt mal eine Ladung Seile aus der... nein, nehmt die Rolle, die auf dem Vordeck steht. Wir müssen uns beeilen."

Diese Seilrolle soll eigentlich bei Reparaturen helfen, aber ehe jetzt jemand hinunter bis in die Segellast gegangen ist, um von dort andere Seile zu holen, kann man ebensogut auch von der Rolle einige Schritt abwickeln und abschneiden.

Der Befehl richtet sich nicht klar an einen bestimmten Matrosen, was bei Nirka sehr selten ist, doch sie weiß bei beiden, daß sie sich darum nicht drücken werden. Eigentlich würde sie auch Sigrun mit auffordern, doch es sieht so aus, als würde Lowanger diese bereits beschäftigen.

Weiter kümmert Nirka sich darum nicht, denn nach Swafnalds Abgang über die Brückenreling stehen sie alle auf der Brücke nun vor einem erneuten Problem - nämlich dem walwütigen Ole. Wobei... Nirka sieht die Verletzungen des Schiffszimmermanns, und das Blut, das er verloren hat und noch verliert, und ist sich recht sicher, daß er wohl bald zusammenbrechen wird. Nur... hoffentlich, bevor er weiteres Unheil anrichtet, daß ihm dann später leid tut...

Mit einem raschen Blick vergewissert sich die Bootsfrau, daß niemand unmittelbar in Oles Nähe steht, und macht sich dann bereit, notfalls einzuspringen. Ihr Plan dafür ist ganz einfach - sie würde ihn reizen, und dann einfach auf ihre Geschwindigkeit und Gewandtheit bauen, um ihn bei der Verfolgung zu ermüden. Nur... das muß nicht funktionieren, wenn andere Zeile in der Nähe sind...



Xenia guckt einen Moment lang Nirka gehetzt an, bis der Befehl vollkommen zu ihr durchgedrungen ist.

"Zu Befehl!" ruft sie mechanisch und läuft dann so schnell sie kann zum Vordeck, wo die Seilrolle steht. Es ist direkt erleichternd, endlich einen klaren Befehl erhalten zu haben...

Auf diese Weise verschwinden alle unschönen Gedanken, die Unentschlossenheit vergeht und endlich weiß Xenia wieder, was zu tun ist.

Mit einem Ruck hievt sie sich die Rolle auf die Schultern.



Babo's Gefangennahme


Wie befohlen hält ALRIK der Matrosin Sigrun den Dolch entgegen, der einst Babo gehörte.

"Paß auf ihn auf, bis wir ihn sicher gefesselt und verschnürt haben!"

meint Lowanger an Sigrun gerichtet, ohne den schurkischen Meuterer Babo aus den Augen zu lassen.



Babo nimmt die Worte, die zwischen Lowanger und Sigrun gewechselt werden, und deren Inhalt eigentlich er ist, gar nicht wahr, denn er starrt weiterhin die arme Xenia böse an.

Erst, als Swafnald mit einem dumpfen Knall auf die Planken des Oberdecks schlägt, zuckt er kurz zusammen, und scheint ganz langsam wieder in die Wirklichkeit zurück zu finden.



"Natürlich!", antwortet Sigrun und nickt dem 3. Offizier zu. Dann zögert sie einen kleinen Moment. Viel hat sie in der kurzen Zeit, die sie sich an Bord der NORDSTERN befindet, noch nicht mit Lowanger zu tun gehabt. Er ist ein ernsthafter und zurückhaltender Offizier mit langjähriger Erfahrung, der sich sicherlich nicht gerne von einer bloßen Matrosin beraten lassen möchte. Doch ein nützlicher Hinweis zuviel ist besser als eine schlechte Überraschung, findet Sigrun. Daher ergänzt sie:

"Laske ist da vorn am Aufgang noch nicht wirklich überwältigt."

Anschließend wendet sie sich kurz ALRIK zu, nimmt das Messer entgegen und richtet dann ihre Augen starr auf Babo, der seinerseits immer noch Xenia fixiert. Der Gesichtsausdruck ist grimmig. Schon lange hat sie sich über Babos geradezu sprichwörtliche Faulheit geärgert und immer wieder überlegt, ob sie mit Nirka darüber sprechen sollte. Doch der Wunsch, sich trotz ihrer Liebesbeziehung zu der Bootsfrau nicht allzusehr von den anderen Matrosen abzugrenzen, hat sie immer wieder davon abgehalten, irgendwie hätte sie sich wohl trotz allem wie eine Verräterin gefühlt.

Das Messer hält Sigrun stoßbereit in der Hand. Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß sie nicht zögern würde, es zu gebrauchen. Da hört sie erst ein lautes Poltern und dann Nirka, die Xenia und Eilif auffordert, Seil zum Brückendeck zu bringen. Gut, dann haben sie wohl auch dort alles im Griff. Aber Seil ist wirklich eine gute Idee. Zwar ist Sigrun überzeugt davon, daß Babo ihr nicht entwischen kann, doch ihn zu binden, würde das Bewachen erleichtern und ihr kommt da die Idee zu einer kleinen, in ihren Augen angemessenen, Lektion.

"ALRIK, was meinst du? Wenn wir auch ein wenig Seil hätten, könnten wir unserem Freund hier gestatten, seine geliebte Liegehaltung einzunehmen."

Das leichte Grinsen, das in Sigruns Gesicht zu erkennen ist, erreicht nicht die Augen, die sich trotz der an ALRIK gerichteten Worte nicht von Babo lösen.



Als Sigrun ihn nun anstarrt, wendet Babo rasch den Blick ab, und mustert die Planken. Als sie dann noch Alrik anspricht, zuckt er bei jedem Wort zusammen.

Auf jeden Fall macht er jetzt, da die anderen Meuterer alle in ihrem Blut liegen oder ohnmächtig geschlagen wurden, keinerlei Anstalten, irgend etwas zu tun, was bei ihm ja ein sehr normaler Zustand ist. Er bewegt sich noch nicht einmal.



ALRIK nickt Sigrun beipflichtend zu. Die Anspannung ist noch immer vorhanden. Noch immer wird lauthals gebrüllt, gekämpft und es prasseln Anweisungen auf die Matrosen hernieder.

Erschrocken zuckt ALRIK zusammen, als er plötzlich sieht, wie Swafnald von Ole - dem ruhigen und weisen Ole - vom Brückendeck geprügelt wird. Geprügelt ist nicht das richtige Wort, doch angesichts dieses unmenschlichen Anblicks, den der alte Schiffszimmermann bietet, und der maßlosen Blutgier, die sich in Oles verzerrten blutüberströmten Gesicht widerspiegelt, fehlen dem Jungen nicht nur passende, sondern auch jegliche Worte. Das Bild des wütenden und mordlustigen Ole ist so bestürzend und erschreckend, so daß es sich tief in ALRIKS Gedächtnis brennt und ihm klar macht, daß nichts mehr so sein wird, wie es vorher einmal war.

"Ich..." murmelt ALRIK, während er sich nur unter Auferbietung aller Willenstärke vom Anblick des rasenden Berserkers, der einst Ole war, abwenden kann.

"Xenia geht schon.... ich werde ihr helfen und ein paar Meter Seil für uns abschneiden."

Und schon eilt ALRIK der anderen Matrosin hinterher, um den Auftrag auszuführen.



Schnell schnappt sich ALRIK eines von den bereitliegenden Seilen und kehrt damit zu Sigrun zurück.

"Sigrun, hier!"

ALRIK hält Sigrun das Seil entgegen.

"Sag, wie kann ich helfen?"



Um den armen Babo herum ist eifriges Treiben - man rennt durcheinander, holt Seile und zerschnippelt sie, und er steht da, bedroht von einem Messer. Vielleicht hätte er eine Chance, sich jetzt auf Sigrun zu stürzen, ihr das Messer zu entreißen, und sich damit wieder zu befreien, doch daran denkt der Matrose nicht.

Es ist jedoch nicht die Sinnlosigkeit eines solchen Unterfangens, die ihn abhält - wie sollte er diese Freiheit gegen die anderen verteidigen können? - sondern schlicht und einfach nur sein Mut. Babo traut sich einfach nicht.



Eilif, Xenia und das Seil


Zuversichtlich stellt Eilif fest, daß Wasuren den aufrührerischen Meuterer Laske wohl doch ganz gut alleine unter Kontrolle halten kann und auch sonst auf dem Oberdeck keine weiteren Meuterer aus ihren Verstecken kriechen oder von den Aufgängen her herbei stürmen.

Als Nirka schließlich ein Seil anfordert, läuft Eilif quasi fast gleichzeitig mit Xenia zusammen los.

"Laß mich dir helfen", ruft er Xenia, die das Seil schon geschultert hat, noch im Laufen entgegen.

"Ich habe einen Dolch", verkündet er überflüssiger Weise, denn diesen hält er gut sichtbar noch immer in der Hand. "Wir können gleich mehrere Teile schneiden... für die anderen auch..."



Kaum, daß Xenia das Seil auf der Mitte des Oberdecks abgeladen hat, schon macht sich Eilif daran, das äußere Ende abzuwickeln. In Windeseile ist das Seil in ausreichend große Stücke zerschnitten. Und schon liegen die einzelnen Teile bereit, um von wartenden Seilbedürftigen abgeholt zu werden.



Fesselung


Wasuren steht wieder auf. Begutachtend mustert er sein Werk an Laske.

'Tja noch nicht so gut, aber es hält erst mal bis ich richtige Stricke habe.'

Da ertönt ein Befehl und kurz darauf ein Schrei nach Seilen das Deck. Erst einmal versucht Wasuren sich ein Bild der Lage zu verschaffen und sieht sich während er seine Waffen im Hosenbund verstaut ganz genau und ruhig um.

'Das Brückendeck füllt sich und eine Menge Verletzte scheint es dort oben zu geben. Ole ist dort oben ja richtig in Aktion. Was ist mit ihm denn los?'

Seine Blicke schweifen ein Weile sinnend über das Deck. Ah da gibt es ja nun Seile zu verschenken. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht und er rennt auf die, Seile verteilenden Matrosen Eilif und Xenia zu.

"Eilif schmeißt Du mir mal eben vier Stricke zu? "



"Klar, hier hast du."

Gesagt, getan.

Ein letztes Mal säbelt Eilif ein Seilstück in brauchbarer Länge von der inzwischen schon recht verkleinerten Seilrolle ab. Dann steckt er den Dolch weg, schnappt sich ein paar davon und bringt sie im Laufschritt zu Wasuren rüber.



Darian auf dem Weg zur Brücke


Während sich Darian in Richtung Reling begibt, um Wulf Lowanger notfalls bei der Überwältigung des Meuterers unterstützen zu können, merkt er, dasz er dort wohl nicht gebraucht wird. Eine kapitänstreue Matrosin wird von Lowanger mit der Bewachung beauftragt, das sollte erstmal genügen, zumal der Meuterer über keine Waffe mehr verfügt. Plötzlich hört er ein lautes Krachen hinter sich und wendet sich erschrocken um. Ein Matrose ist von der Brücke auf das Oberdeck gestürzt, ziemlich nah an der Stelle an der der Magier eben noch gestanden hat. Als er zum Brückendeck hinauf sieht erkennt er auch den Grund für den Sturz: Der grosze kräftige Matrose, der mit dem Gestürzten gekämpft hatte, steht dort, die Fäuste geballt, mit einem Gesichtsausdruck, der eher zu einem Steingolem paszen würde, der von seinem Meister den Auftrag bekam die Welt zu zerschmettern. Der Adept hatte zwar schon einmal von der Walwut der Swafnirskinder gehört, dies aber als Mythos und Seemannsgarn abgetan und so kommt es ihm auch nicht in den Sinn, dasz dies ein Fall von Swafiskari ist.

Daneben bemerkt er, dasz der Kapitän aus der versehentlichen Starre erwacht ist, der PARALÜ jedoch bei dem Meuterer noch wie erwartet anhält.

´Hesinde sei Dank, ich habe ihn nicht vollständig getroffen.´

Schon will er sich zur Brücke begeben, um den Kapitän darauf aufmerksam zu machen, dasz auch der andere demnächst erwachen wird, da hört er, wie Jergan nach einem Seil verlangt.

´Dann ist mein Hinweis wohl nicht mehr von Nöten.´

Am Aufgang prügeln sich noch immer zwei Matrosen, so dasz hier noch immer kein Durchkommen ist. Ansonsten scheint der Kampf allmählich entschieden und die Meuterei niedergeschlagen.



Belvolio nähert sich .....


Belvolio schiebt sich unsanft an Darian vorbei, nimmt kaum Notiz von am Boden kämpfenden und schiebt sich vorsichtig um das Kampfgeschehen herum.

Während des Aufstieges fällt dem Magus auf, daß der Walwütige den Matrosen vom Brückendeck geprügelt hat, und nun wahrscheinlich ein neues Opfer sucht.

'Es wird sicher interessant.' denkt sich der Magus und setzt einen Fuß auf das Brückendeck . . .



Wiederbelebt


Er fühlt sich schrecklich, mehr als schrecklich - doch kein Wort erscheint ihm schlimm genug, um seinen Zustand zu beschreiben. Mit einiger Mühe gelingt es ihm dann, den Göttern sei Dank, seinen Mageninhalt bei sich behalten, obwohl es ihn ein paar Male drohend würgt. Er hat einen Geschmack im Mund, als läge ihm schon seit Wochen eine tote Ratte unter der Zunge.

Schon beschließt Radisar sich wieder in das wohltuende Nichts einer erneuten Ohnmacht sinken zu lassen, da fällt ihm sein Auftrag wieder ein. Wie von einer Tarantel gestochen fährt er hoch. Diese hektische Bewegung bereut er zwar noch im selben Augenblick, aber nun muß unbedingt ein 'Trollzacken' her, nicht nur, weil es ihm die Herrin befohlen hatte, sondern auch deshalb, da ihm ein Schluck schwereren Wein's nun auch munden könnte. Vielleicht hilft ihm das auch wieder auf die Beine.



Nichts ist so anregend, wie der Gedanke an etwas Gutes. Und so vergißt Radisar all seinen leiblichen Kummer, stellt sich auf seine zittrigen Beine und tastet sich im Raum entlang, denn mit dem Sehen haperts noch ein bißchen, da er die Augen noch nicht so richtig öffnen kann, ohne daß ihm gräßlich übel wird. Die Finger wie die Fühler eines Insekts ausgestreckt, bekommt er dann den Knauf einer Türe zu fassen. Es gelingt ihm auch auf Anhieb die Türe zu öffnen und er tritt auf den Gang hinaus, ohne sich noch weiter für das Zimmer, in dem er aufgewacht war, zu interessieren.

Noch immer hat Radisar nicht den leichtesten Schimmer wo er sich befinden könnte. Erst als er eine an einen Aufgang gerät, umwölkt ihn der Hauch einer Ahnung. Mühsam erklimmt er die Stufen, eine, nach der anderen, immer dem Licht entgegen, seinem bislang einzigen Orientierungspunkt.

Lärm, Geschrei und Gepolter empfängt ihn und verschreckt hält sich Radisar die Ohren zu. Da er die Augen immer noch nicht öffnen kann, rennt er zielsicher gegen den Großmast.

Erst jetzt öffnet er die Augen und sie scheinen ihm regelrecht über zu gehen. Überall Blut und zerschundene Körper. Und überall der Geruch von Verderben und Tod. Überall Gebrüll und entsetzliche Schreie, die entsetzlichsten, die er je gehört hat. Das ist einfach zuviel für Radisar's vornehme Sinne.

Von Panik ergriffen wendet er sich um, rennt zur Reling, beugt sich mit dem Oberkörper weit über und dann gibt seine Magen jeden Inhalt frei. Er kotzt mit einem derartigen Ruck, daß sein kleiner, feister Körper schier zerrissen wird. Und knatternd flattert ein Furz durch seine Hosen .......



Laske wird überwältigt


Wasuren fällt. Im Fallen meint er einen menschlichen Schatten vor sich wahrzunehmen, doch schon schmerzt seine Waffenhand als sich das Entermesser in die Planken bohrt. Mit seiner anderen Hand versucht er seinen Fall verzweifelt aufzufangen, doch Laske dreht sich geradewegs unter diese. Wasurens Hand gleitet von Laskes Körper seitlich ab und knickt dabei um. Schmerzen steigen seinen linken Arm empor, als er ungebremst auf Laske aufprallt.

Auf diesem kommt er leicht gepolztert zum Liegen, spürt einen kurzen heftigen Luftzug ihm entgegen kommen und hört dann nur noch etwas dumpf auf den Planken aufschlagen.

Nach einigen Schrecksekunden rollt er sich von Laske herunter, wobei er seine linke Hand dabei sehr behutsam zu schonen versucht. Er untersucht Laske und merkt erleichtert, daß dieser nun wohl langwierig süß träumen wird. Wasuren rollt ihn auf den Bauch und bindet ihm mit seinem improvisierten Gürtel die Arme auf den Rücken.



Laske wehrt sich in der Tat nicht gegen das, was Wasuren mit ihm macht, sondern bleibt schlaff und reglos liegen. Nur... süß träumt er ganz sicher nicht, eher von einer großen Beule am Hinterkopf, und angestauchten Rippen...


Lowanger


"Tatsächlich?" erwidert Lowanger auf Sigruns Hinweis hin. Jedoch klingt das Wort weder ironisch oder belehrend aus Lowangers Mund, sondern sehr ernst gemeint und fast auch ein wenig besorgt. Die letzte Aktion, die er sah, war der beherzte Schlag Wasurens, die Laske ziemlich eindeutig zu Boden schickte. Sollte es doch noch Probleme gegeben haben?

Wohl wissend, daß Babo unter Sigruns Kontrolle und damit auch in guter Verwahrung ist, dreht sich Lowanger nun zum Brückenaufgang hin. Erleichtert stellt er fest, daß es hier wohl doch keinen Grund zur Besorgnis mehr gibt, denn Wasuren ist gerade dabei, dem leblosen Meuterer Handfesseln anzulegen.

"Inzwischen ist er's, Efferd sei Dank", murmelt Lowanger mehr zu sich selbst, bevor er weiter zum Brückenaufstieg geht.

"Wenn der Kerl gefesselt ist, dann schaff ihn dort aus dem Weg..." ruft Lowanger dem Matrosen Wasuren zu. Er nickt Wasuren anerkennend zu. Nur gut, daß er sich doch nicht getäuscht hat in dem Mann. Dann deutet Lowanger vage in die Richtung, wo schon Sigrun und Babo versammelt sind - der Platz dort scheint ihm als Sammelstelle für überwältigte Meuterer gerade recht zu sein.



Darian auf dem Weg zur Brücke .....


Erleichtert stellt der Adeptus fest, dasz der Kampf nun wohl fürs erste vorüber ist. Auch der Meuterer am Aufgang ist nun überwältigt und so steht ihm nichts mehr im Wege zur Brücke empor zu steigen und mit dem Kapitän zu sprechen und mit Jergan reden musz er unbedingt, denn erstens will er sich für die versehentliche Paralyse entschuldigen und zweitens wüszte er doch zu gerne, was wohl der Grund für die Meuterei gewesen war. Also steigt er die Stufen zu Brückendeck hinauf, nicht bedenkend, dasz dort oben immer noch ein Walwütiger um sich schlägt.



Thorben's starre Wut


Rasend vor Wut würde Thorben am liebsten laut losbrüllen, als Jergan es schafft sich wie ein Aal, fast wiedernatürlich aus seinem festen und starren Griff zu bewegen. So fest er auch zudrückt, Jergans Arm konnte r nicht halten. So mustert er mit sorgenvoller Miene - zumindest würde er eine solche zeigen, wenn er könnte - das Deck und die Brücke oder vielmehr das, was in seinem Blickwinkel ist.



Ole's blutige Wut


Ole brüllt wie ein verwundeter Löwe und geht ein paar unsichere Schritte, noch immer kann er sich nicht recht orientieren, da ihm das Blut immer wieder die Sicht nimmt. Dann schlägt er mit seinen Fäusten blind um sich, wann immer er die Kontur eines Feindes auszumachen glaubte. Doch seine Furcht erregende Schläge gehen ins Leere, da ihn die Trübung seiner Augen narrt.

Sein Zorn steigert sich, denn er kann sie hören, seine Feinde, rings um ihn herum müssen sie sein. Rasend vor Wut wischt er sich über die Augen und für sekunden kann er sehen, dann läuft ihm schon wieder Blut über die Stirn, verdeckt sein Augenlicht. Doch diese Sekunden waren genug. Dort steht er, der Feind, lauernd und drohend, der Vernichtung befohlen!

Keinen Augenblick zögert Ole, nicht einen Gedanken verschwendet er, die Macht die ihn treibt ist übermächtig und kennt kein Erbarmen, weder für sich, noch für andere. Und er geht zum Angriff über.

Wie ein hungriger Tiger springt er auf Nirka zu .......



Nirka hat genau auf diesen Moment gewartet und dem Platz geschickt eingeplant - so, daß niemand gefährdet ist, und so, daß nichts im Wege steht, das Schaden nehmen könnte.

Mit einem eleganten Satz springt sie zurück, immer darauf bedacht, gerade außer Reichweite zu bleiben. Sie nutzt dabei ihre Gewandtheit und Erholtheit voll aus, um es darauf anzulegen, ihn alleine durch die Bewegung zu erschöpfen - ziemlich schwer verletzt ist Ole ja ohnehin schon.



Ein schrecklicher Schrei entrinnt Ole's Kehle, aus Wut und Fassungslosigkeit, daß sein Angriff fehlte. Nicht lange kann ihn die Enttäuschung binden, sofort wendet er sich wieder zur Attacke. Schnell wie Schlangenköpfe schießen seine Fäuste vor, ohne Unterlaß, immer wieder. Doch Nirka ist nicht nur schneller, sondern sie versteht es geschickt sich aus der Reichweite von Ole's Hieben zu bringen. Und da Ole seinen massigen und vom Blutverlust geschwächten Körper nunmehr nur noch schwerfällig bewegen kann, hat er kaum Möglichkeiten die Bootsfrau ernsthaft zu gefährden.

Doch noch ist der 'graue Riese' nicht am Ende, auch wenn es sich hin und wieder ankündigt. Immer öfter hängen ihm die Arme nach einem mißlungenen Angriff kraftlos herab, aber immer noch reißt er die Fäuste wieder hoch, um, einer Sturmflut gleich, erneut gegen Nirka vorzugehen......



Nirka hopst leichtfüßig über ein Stück einer Waffe hinweg, die früher wohl einmal Swafnald gehört hat, und täuscht einen raschen Boxangriff an, um dann rasant zur Gegenseite auszuweichen, ohne Ole auch nur die Spur einer Chance zu geben. Ihr Temperament sträubt sich schon fast gegen diese Art des Kampfes, schließlich hält sie ja auch ein gefährliches Entermesser in der Hand, doch ihr Verstand sagt ihr, daß Ole ja nichts dafür kann, und nach wie vor der nette Schiffszimmermann ist, als den sie ihn kennt.

Mit einem Lächeln auf den Lippen setzt die Bootsfrau den "Tanz" fort, wohl wissend, wie gefährlich er ist, und ganz genau darauf achtend, daß SIE den Blutlachen auf dem Brückendeck fern bleibt. Allerdings versucht sie auch, ihren Weg so zu gestalten, daß Ole nach Möglichkeit die Lachen passieren muß.



Darian wundert sich


Nachdem ihn der Häretiker beinahe von der Treppe geworfen hat, gelangt Darian doch noch auf das Brückendeck. Doch noch ist kein Durchkommen zum Kapitän. Der grosze Matrose, der eben den Meuterer aufs Oberdeck geworfen hatte, schlägt wie von Xarfai besessen wild um sich, dabei ist dieser selbst bereits schwer angeschlagen. Ziel seiner Attacken, sofern man überhaupt von einem eindeutigen Ziel reden kann, ist offenbar die Frau, die bis vorhin am Steuer gestanden hatte. Diese legt es wiederum darauf an von ihm angegriffen zu werden und springt dann jedesmal geschickt zur Seite.

´Was für ein seltsames Spiel wird denn hier gespielt ?´ denkt sich der Adeptus, während er am Rande der Brücke stehenbleibt, jederzeit bereit zum Oberdeck zu flüchten, falls sich eine der wilden Attacken versehentlich gegen ihn richten sollte.



Reckinde sucht ihren Diener


Reckinde ist sauer, stocksauer!!!! Da begibt sie sich mit ihrem Zweihänder aus der Kabine um etwas Gutes zu tun, und keiner lässt sie!!! Außer einem einzelnen Ohr hat sie doch tatsächlich nichts abbekommen! und dieses durfte sie nicht mal selbst abschneiden!

Nein, mit dem Verlauf der ganzen Meuterei und deren Niederschlagung ist Reckinde überhaupt nicht zufrieden!!! Der Ausgang ist ganz in Ordnung, denn nun ist ihre Schatulle wieder besser geschützt! Nur diese Untätigkeit im Kampf nagt an ihr. Keiner kann ihr dankbar sein.............

Und dieser Radisar ist wieder nicht da, dieser Nichtsnutz! Aber dann sieht sie ein Gesäß über der Reling hängen, das so jämmerlich aussieht, daß es wirklich zur zu diesem fetten Winzling passen kann.

'Ach, da ist er ja!! Das einzige, das er kann ist wirklich nur Kotzen!!!!!! Oder andere dazu zu bringen!'



Eben hat der letzte Bisse an Nahrung Radisar's Magen triumphierend verlassen. Sie Gesichtsfarbe besteht nun aus ungetrübtem Weiß, das langsam einen grünlichen Schimmer erhält. Aber wenigsten lassen die Leibkrämpfe nach und er bekommt wieder etwas Luft. Schwindelig ist ihm aber nach wie vor.

Langsam hebt der kleine Diener seinen Oberkörper, sachte und vorsichtig, da er dem 'inneren' Frieden noch nicht so ganz traut und zieht tief Luft ein, ebenso langsam und sacht. Dann dreht er sich um und läßt sich erschöpft gegen die Reling fallen.

Dann blickt er sich schüchtern auf dem Deck um. Der Lärm hat etwas nachgelassen, wenngleich die Hektik an Deck noch immer wilde Blüten treibt. Dann fällt sein Augenmerk auf Frau Reckinde und muß notieren, daß die Herrin wenig freundlich zu ihm herüber starrt. Zu allem Unglück hält sie auch noch ihren großen Zweihänder 'Niederkunft' in der Hand.

Blitzartig dreht sich Radisar wieder um, beugt sich erneut über die Reling und sogleich hört man wieder die Geräusche, die so klingen, als würde dem kleinen Diener das Innerste nach außen gestülpt.



Alrik, der Zauberer rückt auf


'Die Situation hat sich anscheinend geklärt.'

Alrik faßt den Schiffszimmermann näher ins Auge.

'Was ist nur auf einmal mit ihm los? Er gebärdet sich mit einmal wie ein tollwütiger Hund. Wo habe ich so etwas nur schonmal gesehen? War das nicht oben in Enqui, bei diesem..?

Nein! Ach ja, Daspota! Genau dort wo ich ...'

So in seine Gedanken vertieft bemerkt Alrik gar nicht das er schon am Brückenaufgang angekommen ist.Schnell erklimmt er den Aufgang, nur um beinah mit dem jungen Magier zusammen-zustoßen.Leise murmelt er vor sich hin:

"Was tut ihr da nur? Einen Walwütigen besänftigen wollen? Typisch maraskanischer Bastard"



Xenia unterwegs


Xenia sieht Eilif einen Moment überrascht an, dann antwortet sie:

"Laß uns das Seil erst zur Mitte des Oberdecks bringen, dann kann man dort Stücke abschneiden - das verkürzt die Wege!"

Mit diesen Worten läßt sie Eilif stehen und eilt sich, das Seil an einen zentralen Ort auf dem Oberdeck zu bringen. Ein Befehl ist ein Befehl und den gilt es, möglichst perfekt zu erfüllen...



Jergan in Aktion


Jergan beobachtet von seiner Position nahe dem hinteren Ende des Brückendecks den heldenhaften Tanz Nirkas, während er noch einmal ruft:

"Wo bleibt denn das Seil?" Sein Ruf ist nicht ganz so laut wie der Nirkas zuvor, aber dennoch gut hörbar. Seine nächste Anweisung gilt dem Magier, zu dem er ein kleines Stück hingeht:

"Magister Ottam, könntet Ihr mal bitte dafür sorgen, daß Olof nicht verblutet? Er muß in verhörfähigem Zustand nach Thorwal kommen!"

Leider ist der Weg nach vorne durch die Kämpfenden noch zu sehr versperrt, daß Jergan nicht sehen kann, ws mit Swafnald passiert ist, und ob sich darum schon jemand kümmert.



Fiana bereit zu Eingreifen


Fiana beobachtet inzwischen Nirka und ihr Katz-und-Maus-Spiel mit dem tollwütigen Ole, anders kann sie das nicht bezeichnen, denn ihr ist niemals ein Fall vom Walwut begegnet.

Jederzeit bereit einzugreifen, wenn Nirka Schwierigkeiten bekommen sollte, beobachtet sie die beiden ganz genau. Die Axt dabei griffbereit in der Hand.




Ottam


"Ich werde sehen was sich machen läßt!" antwortet er lapidar dem Kapitän und fügt lauter beim Gehen hinzu:

"Was ihr auch immer von dem hören wollt, Kielholen sollte man ihn und den Rest wenn er überlebt..... , und zwar vom Heck zum Bug, jawohl"

Bei dem blutenden Olof angekommen geht er in die Hocke um seine Kleidung mit dem Blut nicht nicht weiter zu verschmutzen.

Fast gelangweilt setzt er zum gleichen Spruch an wie bei Fiana. Der "BALSAM SALABUNDE" entfaltet auch hier seine Wirkung, doch ist Ottam der Meinung, daß er heute bereits genug Astrale Energie verbraucht hat und daß man ja nie weiß, was noch kommt.

'Vielleicht habe ich ja doch das Glück diesen verrückten Zimmermann in die Schranken weisen zu können.' denkt er hämisch.

Ottam hält den Spruch nur solange aufrecht, wie es dauert die Blutung zu stillen, den Rest so denkt er sich kann man ja auch mit Kräutern und konventioneller Heilkunst erledigen.

"Herr Jarun, könntet ihr bitte einen Moment aufpassen das niemand auf ihn tritt, sonst bricht die Blutung wieder los. Ich hole derweil Kräuter und Verbandsmaterial"

Ohne auf eine Bestätigung zu warten eilt er flinken Schrittes vom Brückendeck, wohl darauf bedacht dem Zimmermann nicht ins Blickfeld zu geraten. Und das ist wohl auch der Grund, warum er sich beeilt, nicht etwa die Sorge um Olof.

In seiner Kabine kramt Ottam zwei Bündel hervor, in einem befinden sich zahlreiche Kräuter, in dem anderen sind Salbentiegel und Verbände untergebracht.



Neugier


"Kein Problem," antwortet Jarun auf die Bitte des Magiers und stellt sich direkt neben Olof.

Nach einigen Sekunden Langeweile, während er auf Ottam wartet, fällt ihm da wieder das abgeschnittene Ohr ein. Mit aller Vorsicht darauf bedacht jeder Zeit zurückzuspringen, falls sich der Matrose wieder bewegen sollte, beugt sich Jarun zu dem Verletzten herunter. Wenige Finger trennen sein Gesicht von dem des Matrosen.

Neugierig betrachtet er das Gesicht des Bewußtlosen. Langsam aber stetig schiebt er seinen eigenen Kopf auf die Seite, wo sich die klaffende Wunde befindet. Mit angwidertem Gesichtsausdruck inspiziert er die Stelle, wo sich früher einmal das Ohr befunden hat, wobei das bereits angetrocknete Blut und der eckelhafte Gestank, nach Blut und Schweiß, einige Erinnerungen an vergessene Tage wiederbelebt. Aber aus irgendeinem Grund schafft er es nicht seine Augen von dem verstümmelten Kopf abzuwenden.

Seine Neugier, die ihm schon so manche gefährliche Situation beschert hat, ist wieder einmal viel zu groß.



Walwut


Nirkas Plan scheint aufzugehen. Ole nimmt immer den direkten Weg auf sie zu, Hindernisse stören ihn nicht, sie werden übergangen oder einfach auf die Seite getreten. Ein kleiner Kasten, in dem Kleinteile aufbewahrt werden geht zu Bruch und die Trümmer fliegen den drei Zauberern, die am Brückenaufstieg kauernd, wie heftiger Hagel bei Windstärke zwölf um die Ohren.

Ole's Bewegungen werden langsamer, unsicherer, schwächer. Als der Schiffszimmermann einmal stürzt, das viele Blut hat die Planken doch extrem schlüpfrig gemacht, erhebt er sich wieder sehr viel schleppender, als er dies noch vor wenigen Momenten vermocht hätte. Auch seine Angriffe sind lange nicht mehr so wütend. Allein sein Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung zeugen noch von ungebrochenem Kampftrieb.

Mittlerweile verlegt sich Ole ein wenig auf eine Art Fernkampf, da er Nirka einfach nicht zwischen die Finger bekommen kann und ihm unterdessen die Kraft fehlt, um der zurück Weichenden immer wieder nach zu setzen. Alles, was ihm in die Hände fällt wird nach der Bootsfrau geworfen und es liegen ja genügend Trümmer auf dem Brückendeck herum, als Konsequenz der Ereignisse.

Ole's Atem geht schwer und rasselnd und seine Brüllerei ist auch schon sehr viel leiser geworden. Seine Augen haben viel von ihrem feurigen Glanz verloren und trüben sich zusehends.

Seine Mundwinkel fallen nach unten, Müdigkeit scheint seiner Herr zu werden. Doch seine Attacken zu unterschätzen könnte noch immer ein fataler Fehler sein .........



Die Bootsfrau atmet jetzt schon ein wenig schwerer, aber sie ist noch weit davon entfernt, erschöpft zu sein, ganz abgesehen davon, daß ihr auch vollkommen klar ist, daß das ihr Tod wäre - oder zumindest die sichere Garantie für schwere Verletzungen.

Bei einem ausweichenden Sprung, sieht sie, daß Fiana mit der Axt bereit steht, und brüllt rasch - die Worte hervorstoßend:

"Fiana, nein! Nicht mit der Axt! Das ist nur vorüber gehend - ich..."

Die Ablenkung reicht, damit ein Holzstück sie an der Schulter trifft, und einige Schritt zurück taumeln läßt. Die Bootsfrau stößt hart gegen die Reling, was sie wieder voll an den Ernst der Lage erinnert, und daran, daß sie sich auf keinen Fall ablenken lassen darf.

Rasch stößt sie sich von der Reling ab, die rasch zu einer Falle werden kann, und springt ein ganzes Ende zur Seite - außer Reichweite des Schiffszimmermanns.



Belvolio staunt .....


'Die Frau macht ihre Sache gut' denkt sich Belvolio 'Doch wie lange das noch gut gehen wird ?'

Belvolio macht ein paar Schritte hin zu den Kämpfenden, um besser eingreifen zu können wenn nötig.

'Und vielleicht wäre es gut den Walwütigen abzulenken, damit die Matrosin diesen überwältigen kann, doch ob sie das schafft ? Der Walwütige ist sehr kräftig, allerdings auch nicht mehr der Jüngste. Außerdem ist er sehr stark verwundet, die Angriffe werden immer träger, vielleicht ... Hmm ... sollte sie es nicht schaffen, oder nicht schnell genug reagieren, einen Kampf mit diesem Walwütigen würde ich wohl nicht überstehen.'

Unschlüssig bleibt der Magus stehen und beobachtet den weiteren Verlauf des Kampfes.



Ende des 'Tanzes'


Auch wenn sein Verstand blutrot vernebelt ist, so scheint es Ole langsam zu akzeptieren, daß er Nirka, die wie ein Mungo vor der Schlange, vor seinen Fäusten hin und her tanzt, nicht erreichen kann. Dennoch wirkt er gar nicht mehr so extrem gereizt, eher müde. Wenn er seinen schweren Körper vorwärts schiebt, so tut er dies mit schwerem Ächzen. Nur als er sich, bei einem wilden Schwinger, kurzfristig in einem Teil der Takelage verheddert, erhebt er noch einmal ein zorniges Gebrüll.

Er wirft sich gegen die unfreiwillige Fesselung, befreit sich aber nicht, sondern verschlingt sich immer mehr. Fast scheint es so, als habe sich Ole in seiner wilden Wut selbst außer Gefecht gesetzt. Doch dann, die Beobachter der Ereignisse werden diese Szene wohl niemals vergessen, reißen einige der dicken Taue, die schon manchen Sturm trotzten, aber unter dem Ansturm der Swafskari dann doch nachgeben mußten.

Und so stolpert Ole dann doch noch einmal auf die blutgetränkte Arena des Brückendecks. Seile und Taue fallen auf die Planken und so schlingt sich ein Tampen, ohne daß es die Bootsfrau bemerkt hat, um Nirka's Fußgelenk und als sie, dem erneut anstürmenden Ole wieder behende ins Leere laufen lassen wollte, sah sich Nirka plötzlich und unerwartet in ihrer Bewegungsfreiheit entscheidend behindert.

Und so bekam sie Ole zu fassen. Sie Hände krallten sich in ihre Kleidung, ohne jede Möglichkeit für Nirka seinem eisenharten Griff zu entgehen. Triumphierendes Gröhlen tönte aus Ole's Kehle und er hob die große und drahtige Frau mit einem Ruck in die Höhe, als spiele ihr Körpergewicht überhaupt keine Rolle.

Für einen Moment sah es so aus, als wolle Ole die Bootsfrau von der Brücke hinunter auf das Deck schmettern, doch hatte SWAfnir offensichtlich ein plötzliches Einsehen und gab seinen einlenkenden Segen. Ole's Geschrei erstirbt, noch als er Nirka hoch über seinem Kopf gestemmt hält. Der Zimmermann röchelt und geht langsam in die Knie, Nirka noch fest im Griff. Doch im Niedersinken, so scheint es, stellt er die Bootsfrau so sanft wie möglich ab und löst die verkrampften Hände, Finger für Finger von ihrer Kleidung.

Ole blickt Nirka an. Das wilde Gleißen in seinen Pupillen ist verschwunden und seine Augen scheinen die Ewigkeit zu schauen. Alle Wut ist von ihm gewichen, er sieht fast traurig aus, unendlich traurig. Noch einmal hebt er die Hände leicht an, die Innenflächen nach oben, wie ein Bettler in den Straßen Fasar's, der um eine milde Gabe bittet, dann öffnet er den Mund und gibt schwer zu verstehende Worte von sich:

"Nir ... ka ...... !"

Mehr kann man nicht verstehen und deutlicher kann er nicht mehr werden, es kostet ihn zuviel Kraft. Dann fällt er vorne über und stützt sich nicht einmal mehr ab, er fällt direkt auf sein zerschundenes Gesicht. Dann rührt er sich nicht mehr ............



Nirkas Muskeln spannen sich auf das Äußerste an, als Ole sie zu fassen bekommt, und sie weiß genau, daß sie *diesem* Griff nicht entgehen kann - jedenfalls nicht, ohne Dinge zu tun, die ihr später leid tun werden.

Eiskalt wägt sie in den wenigen Augenblicken die Möglichkeiten ab, als Oles Walwut plötzlich nachläßt und den Schiffszimmermann die Kräfte verlassen, und den Zwang zu einer immer wahrscheinlicher werdenden fatalen Entscheidung damit wieder ganz weit weg rücken.

Nirka zittert kurz, als Ole sie schließlich absetzt, doch das merkt sie nicht, denn all ihre Aufmerksamkeit ist nun von dem gefesselt, was Ole da sagt - ist es eine Entschuldigung? Es klingt fast so...

Sie ist zu langsam, um Oles Sturz zu vermeiden, zudem hält sie noch immer das Entermesser fest umklammert - so fest, daß sich der stabile Holzgriff ein wenig biegt.

Schwer atmend steht die Bootsfrau neben dem gestürzten Schiffszimmermann und sagt erst einmal kein Wort - sie muß erst einmal die Aufregung und die mitgenommenen Gefühle unter Kontrolle bringen.



Belvolio auf dem Brückendeck


'Ein Wink des Schicksals, endlich mal ein Walwütiger den man befragen kann, sicher interessant . . .'

Mit schnellen Schritten geht Belvolio in Richtung des leblosen Mannes der eben noch so wütend getobt hatte. Bevor er sich jedoch dem Berserker zuwendet fragt er die mutige Matrosin :

"Seid Ihr verletzt junge Frau ?"


Ohne mehr als nur kurz von der fesselnden Arbeit an Thorben aufzusehen, antwortet die Bootsfrau in Richtung Belvolios:

"Nein, ich bin unverletzt!"

Es klingt nicht so, als wäre ein Gespräch jetzt etwas, wonach sie sich sehnen würde, doch dann reißt sie sich zusammen und fragt zurück:

"Könnt ihr ihm helfen?"

Bei 'ihm' zeigt sie mit einer Hand, die ein Stück Seil hält, auf den reglosen Ole.



Verwirrte Joanna


Noch immer steht Joanna ziemlich versteckt beim Großmast und blickt Alrik nach, als er einfach verschwindet, ohne ihr die geringste Aufmerksamkeit zu schenken. Eigentlich wollte sie ihm folgen, um zu erfahren was hier eigentlich los ist, doch sie kann mit ihrer Konzentration nicht bei dieser Sache bleiben. Die Lautstärke der Stimmen haben zwar nachgelassen, dafür dröhnt es aber ordentlich in ihren Ohren. Dann macht sich wieder dieses leere Gefühl in ihrem Magen breit.

'Schlaf - das ist es was ich brauche, und dann ... ja, ... und dann etwas zu essen.'

Was da eigentlich alles um die Druidin passiert registriert sie gar nicht mehr so richtig, denn vor ihren Augen verschwimmt alles. Joanna schließt die Augen und öffnet sie zugleich wieder. Doch noch immer kann sie, bis auf ein paar Umrisse, kaum etwas erkennen. Sie kneift die Augen zusammen, um etwas wackelig beim Niedergang zum Unterdeck zu kommen. Schon wieder schwirren ihr einige unsinnige Wörter im Kopf herum. Joanna versucht sich abzustützten, wo es nur geht. Als sie die Stufen hinabgestiegen ist, verliert sie irgendwie das Gleichgewicht und kommt im letzten Moment noch einmal zum Stehen. Abermals muß sie gegen diese wirren Gedanken ankämpfen. 'Zum Glück ist die Gemeinschaftskabine nicht weit entfernt' denkt sich die Druidin, soweit das noch möglich ist, und wundert sich selbst, wie sie es doch noch dorthin geschafft hat. Sie stützt sich beim öffnen auf der Tür auf und stolpert in die Kabine. Plötzlich beginnt sich alles zu drehen und sie stürzt auf den Boden. Leicht schlägt sie mit dem Kopf auf und verliert das Bewußtsein. Nun kämpft sie nicht mehr gegen ihre Gedanken an.

Nach einigen Sekunden öffnet sie die Augen. - Jedenfalls denkt sie das. - Joanna versucht aufzustehen, doch eine Stimme spricht zu ihr.

'Joanna, bleib liegen. ... Raste, ruhe dich aus. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.'

'Wer, ... wer, ....? ...Osin?'

'Ja, ich bin es. Doch nun sei leise, du brauchst nun viel Ruhe.'

'...Aber, ... aber, ... ich habe doch ´noch so viele Fragen. Wo bin ich? Wie komm ich hier her? Was is....'

'Du bist zu Hause - in den immergrünen Wäldern. Aber jetzt genug wir haben noch viel Zeit, um alles zu besprechen.'

Er spricht langsam, mit einer sanften, beruhigenden Stimme auf Joanna ein. Dann legt er seine Hand auf ihr Gesicht und schließt ihre Augen. Die Druidin fällt in einen tiefen Schlaf.



Unsichere Zuflucht


'Da, sie kommen! Ich habe doch gewußt, daß dieser Platz nicht sicher ist! ... Aber wohin hätte ich sonst gehen sollen? Vielleicht sehen sie mich nicht, wenn ...'

Schon nähern sich die Schritte dem Gemeinschaftsraum, als Hirkan schnell eine Decke von seinem Lager zieht, sich hinter seine Koffer duckt und versucht, die Decke so über sich zu legen, daß es aussieht, als handle es sich nur um einen Haufen ungeordneter Kleidung.

Doch da öffnet sich die Tür. Viel kann er nicht hören und sehen gar nichts, denn er wagt nicht, sein Gesicht unter der Decke hervorzuheben. Stolpernde Schritte ... und dann fällt jemand zu Boden ... und dann, nichts mehr.

'Vielleicht ist es nur einer? Was ist passiert? Ist er gefallen? Vielleicht ist es ein Verletzter?'

Hirkans Gedanken jagen einer den anderen.

'Ob ich doch ...? Aber wenn das nur ein Trick ist?'

Ganz vorsichtig zieht er die Decke über sein eines Auge und späht Richtung Eingang. Ja, ganz eindeutig, da liegt jemand. Doch wer es ist, kann Hirkan aus seiner jetzigen Position nicht erkennen.

So verharrt er beobachtend ...



Sieg


Ole stürzt auf das Deck, und von einem Moment zum anderen ist für wenige Augenblicke absolute Stille. Kein Wind, kein Knarren der Takelage und der Planken, einfach nichts.

Es ist vorbei. Die kurze Meuterei ist vorbei, und nur noch ihre Spuren sind an den Menschen und auch dem Schiff überdeutlich zu erkennen. Schwerverletzte liegen auf dem Oberdeck und dem Brückendeck, andere werden mit Waffen in Schach gehalten, um schon bald gefesselt zu werden, so wie sie es verdient haben.

Während sich die Geräusche, die all das verursacht, langsam wieder durchsetzen, geht Kapitän Jergan Efferdstreu langsam über das Schlachtfeld des Brückendecks bis zu der vorderen Kante, unmittelbar in der Nähe der Stelle, wo die Reling zertrümmert ist.

Laut ruft er:

"Die Meuterer sind besiegt! Fesselt sie so, daß sie keinen Schaden anrichten können, aber haltet eure Wut im Zaum! Ich möchte KEINEN erleben, der es ihnen auf gleiche Weise heimzahlt!"

Aufmerksam gleiten seine Blicke dabei über das Schiff, bereit, Zeichen von Aufbegehren gegen diesen Befehl zu entdecken. Abschließend fügt er leiser hinzu:

"Und bringt endlich Fesseln für Thorben auf die Brücke, wer weiß, wie lange der noch so dort steht!"

Der letzte Satz ist auch ein klein wenig als Frage an die Magier gerichtet, die auf das Brückendeck gekommen sind.



Xenia antwortet


"Ist unterwegs, Kapitän!" ruft Xenia eifrig zurück, als sie Jergan rufen hört. So schnell sie kann wirft sie die Rolle zwei Meter von Babo entfernt auf den Boden. "Schnell, Eilif, schneid' zwei Stücken ab!" Sie sieht den Matrosen auffordernd an.

"Nun mach' doch schon!" fügt sie sofort ungeduldig hinzu, noch bevor Eilif überhaupt die Chance hatte, auf ihren Zuruf zu reagieren. Besorgt blickt sie zum Brückendeck hinüber. Hoffentlich passiert nicht noch irgend etwas, weil das Seil nicht rechtzeitig dort ist!



Wasuren kommt .....


Wasuren und Eilif treffen sich auf halben Weg, da beide auf einander zu laufen. Gekonnt nimmt Wasuren die Seile entgegen und schultert sie sofort, dreht auf der Stelle um und läuft zurück.

Als er wieder auf das Brückendeck zu rennt sieht er, daß dort jemand reglos am Boden liegt.

'Der muß wohl von der Brücke gestürzt sein!'

Bei der Treppe angekommen, nimmt er schnell zwei, drei Stufen auf einmal und bahnt sich geschickt einen Weg zum Kapitän. Dabei versucht er jedem Konflikt aus dem Weg zu gehen.

"Die Seile!!" platzt es aus ihm heraus, bevor er nach Luft schnappen muß.

'Hier sind ja genug Leute. Da kann ich die Seile bestimmt gleich loswerden und wieder gehen.'

Wasuren nimmt zwei Seile von der Schulter und hält sie übergabe bereit hin.



'Bindungen'


Nirka merkt, dass Wasuren auf die Brücke gerannt kommt, und löst sich langsam aus ihrer Starre vor dem auf dem Boden liegenden Ole. Auch die Anspannung läßt allmählich nach, doch das nimmt sie noch nicht so richtig zur Kenntnis.

Sie nimmt Wasuren die beiden Seile ab - natürlich ohne ein Wort des Dankes, schließlich ist SIE die Bootsfrau, und ER nur ein Matrose. Sie wendet sich schon fast mit den Seilen ab, als sie sich noch einmal zu Wasuren umdreht und in einem eindringlichen Tonfall sagt:

"Wenn du siehst, daß Ottam wieder hoch kommt, dann sag ihm, daß er sich BEEILEN soll, denn Ole braucht seine Hilfe!"

Damit dreht sie sich nun endgültig um und wirft eines der beiden Seile recht grob gezielt in Richtung des auf dem Boden liegenden Rilaf, der ihrer Meinung nach die Fesseln wesentlich nötiger hat als der schwer verletzte Olof. Das Seil landet direkt neben dem Matrosen und rutscht noch ein kleines Stück über die Planken, so daß es in etwa zwischen Rilaf und Fiana liegenbleibt.

Nirka selbst geht mit dem anderen Seil zu Thorben und fängt an, die Salzsäule des zweiten Offiziers kunstvoll einwickeln, so daß er nach der Entstarrung wohl kaum eine Möglichkeit hat, groß etwas zu unternehmen.

Nur der Arm, der den Säbel hält, bereitet ihr ein wenig Probleme, denn in der erstarrten Lage ist eine Fesselung nur wenig sinnvoll - sobald er ihn wieder bewegen kann, würden die Seile fast von alleine abfallen. Doch die findige Bootsfrau hebt ein Stück Holz auf, das zu ihren Füßen liegt - zufällig ist es der Stiel von Swafnalds Waffe, mit dem Ole irgend wann im "Tanz" nach ihr geworfen hat, und schnürt es mit in die Fesseln ein, so daß Thorben nun ganz sicher nicht mehr kämpfen kann.



Fiana ergreift sofort das Seil welches vor ihren Füßen landet und fesselt Rilaf damit sicher und fest.



Jarun wacht


Der Lärm hinter ihm, als Ole auf das Brückendeck aufschlägt, läßt Jarun von dem bewußtlosen Körper hochschrecken. Den hatte er ja ganz und gar vergessen. Aber scheinbar hat man auch ohne seine Hilfe geschafft den Berserker zu besänftigen.

Ungeduldig schaut er zum Aufgang des Brückendecks. 'Wo bleibt denn dieser Ottam. Allzuweit ist seine Kabine ja nicht entfernt. Er könnte sich ruhig ein wenig beeilen. Schließlich bin ich Künstler und kein Wachposten.'

Gemächlich schlendert Jarun zu seinen Schwertern herüber, die immer noch an der Stelle liegen, wo Fiana zu Boden gegangen ist. Beide Schwerter verstaut er in den vorgesehenen Scheiden, während er zu der Reling des Brückendecks zurück geht, um sich dort direkt hinter den am Boden liegenden Olof, auf die Reling zu setzen.



"Ich werde ihn ordentlich verschnüren. Kümmert ihr euch um die Wunden."

Mit diesen Worten begibt sich Jarun zu Wasuren, der immer noch an dem Aufgang steht und ja unüberhörbar Seile verteilt.

"Habt ihr für mich auch noch ein paar. Ich möchte Olof fesseln. Er sieht zwar nicht so aus, als würde er noch Ärger machen, aber das weiß man ja nie so genau."

In Erwartung einiger Seile streckt Jarun die Hand aus.



Ottam kehrt zurück


Kaum sind die Gedanken Jaruns zu Ende, da erscheint Ottam bereits im Aufgang und erkennt erleichtert, daß Ole inzwischen zu Boden gegangen ist. Daher geht er normalen Schrittes zurück zum Brückendeck. Dort angekommen meint er zu Jarun:

"Habt dank für das Wachen, ich werde jetzt seine Wunden behandeln."

Gesagt getan, kramt er aus einem der beiden Beutel einen großen Tiegel mit Wundsalbe, die dem Geruch nach aus einer Vielzahl von Kräutern hergestellt wurde.

'Hmm ich muß wohl in Thorwal Nachschub besorgen' denkt er sich während er die Salben auf den großen, nicht allzutiefen, aber wohl schmerzhaften Schnitt über Olofs Bauch aufträgt.

Zwischenzeitlich blickt er auf und meint zu Jarun:

"Wenn ihr wollt könnt ihr schon mal seine Füße Fesseln, die sind ja unverletzt. wer weiß, wozu dieser Verrückte fähig ist wenn er wach wird."

Daraufhin legt er Olof einen Verband aus dem anderen Beutel an. Nachdem die Bauchwunde versorgt ist, widmet er sich kurz der zertretenen Hand, die jedoch nur etwas Salbe gegen Blutergüsse bekommt.

Hiernach wendet er sich dem Ohr zu, naja, mehr dem ehemaligen Ohr, denn es bedarf schon einer Menge Magie so ein Ohr wieder wachsen zulassen, dazu hat er derzeit weder die Möglichkeit, noch den Willen, für so jemanden, solche Mengen an Astralenergie zu verschwenden, denn Kielholen sollte man ihn immer noch. Schließlich versorgt er die Wunde, fachmännisch und verpaßt Olof einen weiteren Verband, der ihn jedoch ein wenig beim sehen behindert, da Ottam ihn schräg nicht zum Halten bekommt.

Zum Schluß kümmert er sich um den Verletzten Arm, ein Seufzen überkommt ihn, als er sieht, daß Fiana ganze Arbeit geleistet hat. Die Wunde geht bis auf den Knochen des Oberarms, genauer gesagt: Bis zum ehemaligen Knochen, denn an der Stelle, wo die Axt auftraf ist er zersplittert und daher baumelte der Arm auch so an Olof herum. Zunächst behandelt er auch hier die große Fleischwunde, verbindet sie jedoch noch nicht richtig, sondern brüllt in Richtung Deck:

"ICH BRAUCHE HOLZ ZUM SCHIENEN DES ARMS"



Der Bedarf an Seilen scheint hier Oben echt groß zu sein, denn schon werden Wasuren die zwei Seile aus der Hand genommen und von Nirka weiter verteilt.

Als Ottam an Wasuren vorbei trottet, ruft dieser im noch hinterher:

"Kannst dich gleich mal um Ole kümmern! Die Meuterer ham ja Zeit."

Wasuren schaut gerade noch der Bootsfrau, die nun wieder zu ihrer vollen Aktivität zurück gefunden hat, hinterher, da steht auch schon dieser Gaukler vor ihm und streckt fragend die Hand aus.

"Hier" sagt Wasuren und gibt ihm ein langes Seil. "Das ist lang genug um ihn komplett zu fesseln! Denn das andere brauche ich selber."

Dann dreht er sich um und geht wieder zum Treppenende wo auf dem Oberdeck ein halb verschnürter Laske auf ihn wartet.



Darian rührt sich


Der Adeptus hatte wie gebannt Nirkas 'Tanz mit dem Berserker' zugeschaut. Auch als er von einigen umher fliegenden Teilen am Arm getroffen, wird nimmt er dies zunächst nicht wahr. Der Schmerz wird ihm erst jetzt bewuszt, als das Schauspiel vorbei ist und der Schiffszimmermann erschöpft zu Boden geht. Doch während er sich noch die vorderen Extremitäten reibt, ruft der Schiffsmagus nach einem Stück Holz. Darian geht zu der Stelle, an der der Berserker das Geländer zerschmettert hatte und nimmt ein paar ein bis zwei Spann lange Stücke auf. Damit tritt er an Ottam heran:

"Nun, Holz haben wir hier ja genug, werter Kollege," sagt er mit einem leicht ironischen Ton zu

Ottam als er die Stangen übergibt. Der Blick des Adepten schweift dabei über das Brückendeck auf dem Holzstücke, Seilfetzen und Kleinteile wild verteilt in den allgegenwärtigen Blutlachen liegen.



Babo und Sigrun


Konzentriert hält Sigrun Babo weiterhin in Schach, während sie auf ALRIKS Rückkehr wartet. Zwar bemerkt sie, daß von dem anderen Matrosen wohl kein Angriff mehr zu erwarten ist, zu unsicher wandern seine Augen hin- und her, doch geht sie kein Risiko ein.

"Los, die Hände auf den Rücken", schnauzt sie Babo an.

Kurz darauf hält ALRIK ihr das Seil hin. Auf seine Frage, wie er helfen kann, antwortet sie:

"Du kannst die Hände zusammenbinden, mit einem richtig guten Knoten, und dann darf unser Freund sich dort ein wenig hinsetzen."

Sie deutet dabei auf das leere Deck seitlich ihres jetzigen Standortes, wo die Möglichkeit besteht, den besiegten Matrosen an eine Planke zu fesseln.



Der Tonfall, den Sigrun benutzt, läßt Babo augenblicklich reagieren - seine Hände finden wie von selbst den Weg auf den Rücken, noch ehe ihm die Bedeutung dessen ganz klar geworden ist.

Das 'an eine Planke fesseln' läßt ihn erneut zusammenzucken, zumal es entsetzlich unbequem klingt...



Da Nirkas Befehl nun ausgeführt ist, sieht sich Xenia auf dem Oberdeck um, wo sie am besten helfen kann.

'Na, ob Alrik es alleine schafft, Babo so gründlich zu fesseln, daß er sich nicht bei der nächsten Gelegenheit befreit?'

Mit einigen Schritten ist sie bei Sigrun, Alrik und Babo.

"Kann ich helfen?" fragt sie die beiden, während sie erneut Babo giftige Blicke zuwirft.

'Dieses feige, faule Stück sollte man gut verschnüren und als großen Angelköder verwenden! Hoffentlich schmeißt der Kapitän die ganze Bande im nächsten Hafen raus!'



Befreiung


Torin entfernt das Gerümpel und die Bretter vor der Gittertür. Aus den Augenwinkeln beobachtet er Phexane. Kaum, daß sie in der Dunkelheit des Lagerraumes verschwunden ist, wendet er seine Aufmerksamkeit dem Elf zu.

Er sieht, wie das scharfe Messer des Gefangenen Sehne für Sehne des Strickes durchtrennt. Während Torin die letzten Bretter entfernt, murmelt er, nur für die Ohren des Elfen bestimmt:

"Ihr seid nun frei, Freund-ohne-Namen, aber vergeßt nicht, daß Frau Fuxfell und ich es waren, die euch befreiten."

Am Klang seiner Stimme erkennt man, daß diese Worte längst nicht so unfreundlich gemeint sind, wie sie ausgesprochen wurden. Als das zerschnittene Seil zu Boden fällt, ist der Weg frei. Torin öffnet die Tür, verbeugt sich leicht und sagt mit fester, auch freundlicher Stimme:

"Tretet heraus, mein elfischer Freund."



Während der Mensch die Bretter und so von der Gittertür entfernt, ist Sylvhar's Blick auf sein Messer und die Seile gerichtet. Ein Bißchen aufgeregt und erwartungsvoll beobachtet er, wie eine Schnur nach der anderen durchgetrennt hinunter fällt. Da, das war die letzte. Das Gitter öffnet sich - er ist frei! Sylvhar überkommt ein Gefühl der Erleichterung und der Lebensfreude. Ihm ist's, als ob der kleine Raum plötzlich nicht mehr so eng ist, viel heller wird und er eine ganz andere Luft atmet.

Er macht einen Schritt aus der Segellast heraus und bleibt neben Torin stehen. Er blickt ihm tief in die Augen, legt seine freie Hand auf Torins Schulter - in der anderen hält er noch immer das Messer - und sagt:

"Keine Sorge, ich werde es nicht vergessen."

Dann nickt er Torin kurz zu:

"Nurd'dhao!"

Er nimmt seine Hand wieder von Torins Schulter, blickt zur Ausgangstür und spricht mit einer etwas gehetzteren Stimme:

"Ich muß nun an die frische Luft und unter Sha's Strahlen stehen, länger halte ich es hier unten nicht aus."

Kaum hat er das gesagt, geht er auch schon mit schnellen Schritten auf die Tür zu.



Jarun's Erinnerungen


Mit dem Seil in der Hand, geht Jarun zurück zu Ottam und Olof und beginnt die Beine des Bewußtlosen zu fesseln.

'Normalerweise liegt es mir wohl eher mich aus Fesseln zu befreien, als jemand anderes welche anzulegen. Aber für Olof wird es wohl reichen. Er wird genug damit zu tun haben die Schmerzen zu ertragen, die seine Wunden hervorrufen.'

So gut, wie es ihm möglich ist, verschnürt Jarun Olof's Beine. Dabei fällt es ihm aber schwer sich auf die Arbeit zu konzentrieren, denn immer wieder erinnert er sich an Gelegenheiten, bei denen man versucht hat ihn zu fesseln und erkennen mußte, daß ihn wohl nichts außer Eisenschellen halten kann.

Seine Erinnerungen sind natürlich etwas verfälscht, denn wer erinnert sich schon gerne an Zeiten, in denen man hilflos, verschnürt wie ein Brabaker Kalbsbraten, in der Ecke eines Gefängnisse lag.

'Ich bin schon ein wahrer Entfesselungskünstler. Vielleicht sollte ich eine neue Nummer in meinen Auftritt einbauen.' So geht er in Gedanken schon einmal seinen neuen Trick durch und vergißt dabei vollkommen die Fesseln, Olof und die ganze Meuterei.

Nach einigen Sekunden ist Jarun fertig und betrachtet stolz die wirklich schön gewordenen Knoten, die sehr aufwendig und kunstvoll die Beine des Matrosen zusammenhalten. Von einer guten Sicherung kann aber keineswegs die Rede sein.



Joanna's Visionen


Joannas schlanker Körper versperrt noch immer die Tür zur Gemeinschaftskabine. Ihre Atmung ist nicht unnatürlich, eher im Gegenteil, ruhig. Was bei diesen angenehmen Gedanken an ihren Mentor kein Wunder ist.

Die Druidin fühlt sich angenehm und geborgen. Es ist warm um sie herum, aber es weht doch ein kühler Wind. Sie möchte die Augen öffnen, doch die Sonne scheint ihr ins Gesicht. Joanna blinzelt und als sie sich an das helle Licht gewöhnt hat, mustert sie ihre Umgebung. Sie befindet sich auf einer kleinen Waldlichtung, die dicht mit Gras bewachsen ist. Ihr Oberkörper ist auf einen Stein aufgestützt. Mehr kann sie im Moment nicht erkennen, da hört sie wieder eine Stimme.

'Folge mir.'

Und schon ist ihr Mentor auf dem Weg in den Wald. Joanna erhebt sich, und eigentlich hatte sie erwartet, daß sie sich etwas schwindlig fühlen würde, aber jeder Schritt den sie macht, ist leicht und unbeschwert. So verschwindet auch sie in dem Wald. Es ist ziemlich kühl, aber da sie dort aufgewachsen ist, ist sie das Klima gewöhnt.

Mittlerweile liegt Joanna mit weit aufgerissenen Augen da. Sie starrt wie eingefroren geradeaus. Ab und zu stammelt sie einige verwirrende Worte in tulamidisch.



Hirkan wird mutig


Jetzt beginnt die Person, die da vorne am Eingang liegt, unverständlich vor sich hin zu reden. Die Sprache ist Hirkan nicht bekannt, aber die Worte sind sowieso so undeutlich gesprochen, daß er sie wohl auch nicht verstehen könnte, wenn sie in einer ihm bekannten Sprache gesprochen wären. Auf jeden Fall wirkt diese Person nicht sehr einschüchternd, eine ganze Weile liegt sie jetzt schon da vorne auf dem Boden. Vorsichtig schiebt Hirkan die Decke zur Seite und steht auf, die Augen immer direkt auf den vermeintlichen Meuterer gerichtet.

Als er sich langsam nähert, erkennt er, daß es sich um die junge Passagierin handelt, die er vorhin an Deck gesehen hat. Erleichterung durchfährt ihn: Die gehört bestimmt nicht zu den Meuterern, was hätte eine Passagierin auch davon. Er beugt sich über die junge Frau, die mit offenen Augen vor ihm liegt. Etwas ungeschickt, er ist den Umgang mit Frauen nicht sehr gut gewöhnt, tätschelt er leicht ihre Wange.

"Hallo, ... hallo, ... geht es Euch gut?"



Joanna's Visionen


Das Rauschen des Windes ist in den Blättern zu hören. Joanna konzentriert sich einige Zeit auf die Geräusche rund um sie herum. Sie kann auch das leise Plätschern eines Baches erkennen und nähert sich ihm. Sie streckt ihre Hände aus, um zu trinken und sieht im Wasserspiegel Osin neben sich stehen. Zufrieden beugt sich die Druidin hinunter und nachdem sie sich mit dem kühlen Naß erfrischt hat, bemerkt sie etwas an ihrem Spiegelbild. Es hat sich etwas verändert, aber was? Sie bemüht sich etwas genauer hinzusehen, aber das Bild ist durch das Fließen das Baches unklar. Doch jetzt weiß sie es. Ein silberner Stirnreif ziert ihr zartes Gesicht. Er ist mit einem Saphir besetzt. Joanna hat den Stirnreif noch nie zuvor gesehen, und will sich Osin zuwenden um ihn zu fragen, da bemerkt sie im Spiegelbild eine dritte Person, die sich auf sie zubewegt. Die Druidin dreht sich um und bemerkt etwas in seiner erhobenen Hand - ein Dolch. Sie beginnt zu schreien.

"Neeeeeeiiiiiiiiinnnn!"

"Hallo, ... hallo, ... geht es Euch gut?"

Kann sie vernehmen, und bemerkt, daß sie sich nicht mehr im Wald befindet. Kein rauschender Wind, kein plätschernder Bach und vor allem, kein Osin. Leben durchströmt wieder ihren Körper und sie richtet sich auf. Das erwartete Schwindelgefühl und leichte Kopfschmerzen fühlt sie. Da fällt ihr alles wieder ein. Joanna befindet sich auf einem Schiff auf der Suche nach Osin. Nur zu gern erinnert sie sich an den 'Traum'.

'Vielleicht war es gar kein Traum? Aber wie kann ich das nur herausf...'

Sie läßt ihre Hand an ihre Stirn gleiten. Nein, nichts. Der silberne Stirnreif befindet sich nicht mehr an seinem Platz. Mit ihren Gedanken noch immer nicht ganz bei der Sache meint sie.

"Ja, mir geht es gut. Glaub ich zumindest. Aber, ... was, was ist passiert?"

Verwirrt blicken ihre schwarzen Augen den fremden Mann vor ihr an.



"Nun, was Euch geschehen ist, kann ich auch nicht so genau nachvollziehen", setzt Hirkan nachdenklich an. Seine Stimme zeugt davon, daß er sich ernsthaft, fast wissenschaftlich, mit dieser Frage auseinandersetzt.

"Oben auf dem Oberdeck wütet die Meuterei und plötzlich öffnetet Ihr die Tür und stürztet hier an diesen Platz. Seid Ihr vielleicht verwundet worden?"

Vorsichtig, und dabei leicht errötend, richtet er seinen Blick auf Joanna und kontrolliert oberflächlich ihre Unversehrtheit: Blut ist jedenfalls keins zu sehen, stellt er fest.



"Verwundet?" stellt sie sich die Frage eher an sich selbst gerichtet. "Glaub ich nicht. ... Ich weiß nicht, ich kann mich nicht mehr so recht erinnern. Von einer Meuterei weiß ich aber auch nichts."

Als Joanna bemerkt, daß Hirkan errötet, muß sie grinsen.

'Nanu, was ist denn jetzt los?'

Sie sieht Hirkan in die Augen und überlegt, was sie jetzt machen soll. Die Druidin will aufstehen, sinkt aber noch einmal sanft zurück. Hilflos sieht sie sich um und probiert es noch einmal.



'Nun, der jungen Dame scheint nichts Schlimmes passiert zu sein', stellt Hirkan erleichtert fest. 'Und mit der Meuterei hat sie ganz sicher nichts zu tun!'

Als er bemerkt, daß sie versucht aufzustehen, streckt er ihr seine Hand entgegen.

"Darf ich Euch behilflich sein?"




ALRIK, Sigrun, Xenia und ..... Babo


"Aber gerne doch", erwidert ALRIK, der sich inzwischen wieder etwas sicherer fühlt. Oles furchterregenden Anblick verdrängt er unterdessen und konzentriert sich einzig und allein auf die akurate Fesselung des Meuterers.

Ohne Zögern legt ALRIK das Seil um Babos Hände, die auf Sigruns Zuruf hin, fast augenblicklich hinter dessen breiten Ruecken wandern. Mit ein paar flinken Handgriffen schlingt ALRIK das Seil ein paar mal um Babos Handgelenke und verknotet es anschließend gewissenhaft. Der Knoten sieht sehr solide aus, die Fesselung ist eher ein wenig zu straff als zu locker und dürfte auch von geschickteren Menschen durch eigenes Bemühen unmöglich zu lösen sein.

"Die Füße auch? Oder legen wir ihm lieber gleich eine Schlinge um den Hals", fragt ALRIK und setzt ein gehässiges Grinsen auf.

"Verdient hätte er's, nicht wahr, Xenia?!"



Aufmerksam folgen Sigruns Augen ALRIK'S Händen, die einen soliden und vielleicht sogar etwas zu festen Knoten knüpfen. Zufrieden entspannt sie sich ein wenig, das Messer zeigt jetzt nicht mehr gerade auf Babo, sie hält es aber nach wie vor bereit.

Xenia's Hilfsangebot hält Sigrun zwar für etwas überflüssig und amüsiert sich innerlich ein wenig, doch sie weiß, daß die andere Matrosin immer bemüht ist, alles zur Zufriedenheit zu erledigen. So läßt sie sich nichts anmerken und antwortet ihr:

"Du kannst ALRIK mit den Füßen helfen, wenn SICH DER HERR DORT AN SEINEN PLATZ BEGEBEN HAT!" Bei der 2. Hälfte des Satzes sind ihre blitzenden Augen erneut auf Babo gerichtet. Sie erwartet, daß er sich jetzt ohne Widerspruch an die von ihr ausgewählte Stelle des Decks begibt und sich dort hinsetzt.

Dann dringen ALRIK'S letzte Worte erst richtig zu ihr durch. Leicht runzelt sie die Stirn. Zwar fühlt auch sie die Wut auf die Meuterer nach wie vor in sich toben, doch eines weiß sie genau: Es ist die Entscheidung des Kapitäns, wie die Strafe auszusehen hat. Und der hat eindeutig befohlen, ihnen nichts zu tun. Doch ein wenig Provokation kann dem faulen Babo wirklich nicht schaden, findet sie. Also entschließt sie sich, ALRIK nicht zurecht zu weisen, aber dennoch klarzustellen, daß der Gefangene unversehrt bleiben soll.

"Über seine gerechte Strafe wird der Kapitän sicher sehr bald entscheiden, ALRIK. Wir haben es nicht nötig, uns die Finger an seinem dreckigen Hals schmutzig zu machen!"



Bei den lauter werdenden Worten Sigruns zuckt Babo erneut zusammen, und er tut etwas, das für ihn sonst eher ungewöhnlich ist:

Er gehorcht AUGENBLICKLICH! Fast willenlos begibt er sich dorthin, und nimmt dann auf dem Deck Platz, nicht, ohne sich dabei eine möglichst gemütliche Sitzposition zu suchen - insofern man von "gemütlich" reden kann, wenn man Fesseln trägt.



Xenia nickt heftig und mit düsterer Mine zu Alriks Frage. Als Sigrun jedoch erwähnt, daß der Kapitän dafür zuständig sei, muß sie ihr zwar widerwillig Recht geben, kann es sich aber nicht verkneifen, zu bemerken:

"Aber verdient hätte er es wirklich!", wobei sie ein weiteres Stück von der Seilrolle abschneidet und es um Babos Füße schlingt, dann - so fest sie kann - einen Knoten bindet.

"Alrik, drück mal kurz den Knoten runter, damit er nicht lockerer wird, während ich den zweiten mache. - Eigentlich müßten wir ihn irgendwo dran binden, sonst kann er immer noch wegrobben..."

Sie überlegt einen Moment, während sie darauf wartet, daß der Schiffsjunge ihrer Aufforderung nachkommt.

"Der Mast währe doch wunderbar geeignet, oder?" dabei grinst sie Babo unverschämt an.



ALRIK tut wie ihm befohlen und hält das Seil straff, während Xenia den Doppelknoten vollendet.

"Verbinde doch noch die Fußfesseln mit den Handfesseln", schlägt ALRIK vor. "Dann ist er so hilflos, wie ein zappelnder Käfer, der auf dem Rücken liegt."

"Der Mast ist gut - aber der Reling ist aber auch ein guter Platz. Da ist er gleich näher am Wasser - nur für den Fall, daß wir ihn doch noch kielholen sollen."

Und wieder macht sich ein boshaftes Grinsen auf ALRIKS Gesicht breit. Sicher, im Grunde ist es vollkommen richtig, was Sigrun sagt, aber ein paar Drohungen kann man ja schon mal in den Raum werfen.

"Denn verdient hätte er es wirklich!" wiederholt ALRIK Xenias Worte.



Xenia nickt zustimmend.

"Ja, die Reling ist bestens geeignet. Wir können ja beides machen: Beine und Arme zusammen und dann eine etwas längere Schnur zu Reling... Dann faß' mal mit an - wir müssen ihn da hinziehen... obwohl..."

Sie zögert etwas.

"Wenn er brav ist und dort hin hopst, bräuchten wir das nicht..."

Sie sieht Alrik fragend an.



ALRIK guckt Sigrun vorsichtig von der Seite an, aber da bislang kein Widerspruch kam, wird das wohl in Ordnung sein, Babo langsam an ruppigen Umgang und unbequeme Haltung zu gewöhnen.

"Ach, was sollen die Umstände. Freiwillig macht der doch nie 'nen Schritt zu viel."

Und schon faßt ALRIK den zusammen geschnürten Babo an der anderen Seite an.

"Los, Xenia... hau-ruck."



Mit einem Achselzucken packt Xenia fest zu und zieht zusammen mit Alrik den faulen Babo auf zur Reling.

"Ok, jetzt pass mal kurz auf ihn auf, ich hole noch ein Stück Seil..." teilt Xenia Alrik mit und läuft fast die paar Schritte zur Seilrolle mit den abgeschnittenen Stücken, um sich noch ein Stück zu greifen.

'Wer hätte das gedacht? Das macht ja richtig Spaß!' Gut gelaunt beginnt sie, ein Liedchen zu pfeifen, während sie mit dem Seilstück zu Alrik und Babo zurückgeht. Momentan ist das ganze Elend auf dem Brückendeck jedenfalls vergessen. Was für ein Glück, daß Xenia so leicht abzulenken ist...



In der Tat denkt Babo nicht daran, irgend etwas von dem zu tun, was Xenia und Alrik sich da gerade ausdenken. Wozu auch - sie haben ihm nichts zu sagen, und der Kapitän hat zudem deutlich gesagt, daß die Gefangenen nicht schikaniert werden sollen.

Er beachtet ihr Gerede auch kaum, denn seine Gedanken drehen sich gerade darum, wie schön es doch wäre, wenn er einfach in seiner Hängematte geblieben wäre, ohne sich um Thorbens Gerede über den Elfen und was da noch so alles war, zu kümmern. Er könnte jetzt noch immer schön da unten liegen...

Die Hängematte...

Ein wenig von dem Gerede ist doch zu ihm durchgedrungen, denn er sagt ganz unvermittelt:

"Wäre es nicht einfacher, wenn ihr mich runter schleppt in den Mannschaftsraum, und mich da an meiner Hängematte festbindet?"



Sigrun verfolgt die Diskussion zwischen Xenia und ALRIK leicht amüsiert. Die beiden scheinen es wirklich darauf anlegen zu wollen, Babo zu provozieren. Doch der schwerfällige Matrose reagiert kaum darauf, wie sie auch nicht anders erwartet hatte. Als er dann aber auch noch vorschlägt, sie sollten ihn in den Mannschaftsraum zu seiner Hängematte bringen, entringt sich ihr ein kurzes Auflachen. Das kann doch wohl wirklich nicht wahr sein!!!

"Du möchtest in deine Hängematte?", fragt sie fast mehr ungläubig als sarkastisch. "Tja, das wird wohl so schnell nichts."

Während Xenia und ALRIK schon damit beschäftigt sind, Babo zu einer befestigungsgeeigneten Stelle zu bringen, läßt Sigrun schon das Messer sinken. Das wird sie hier nicht mehr brauchen. Kurz sieht sie sich um, um zu prüfen, ob sie an anderer Stelle sinnvoller helfen kann, denn den Rest werden die beiden auch alleine schaffen. Doch die Lage scheint überall unter Kontrolle zu sein. Also beschränkt sie sich darauf, den letzten Akt der Fesselung Babos kritisch zu beobachten.



Xenia hält unwillkürlich die Luft an, als Babo das mit der Hängematte vorschlägt.

"Das kommt ü-ber-haupt nicht in Frage!" faucht sie ihn an. Zu Alrik gewandt fährt sie fort:

"So ein faules Stück aber auch, stimmt's Alrik?"

Ungerührt beginnt sie, das Seilstück, das sie in den Händen hält, an Babos Handfesseln zu befestigen.



Da ihn die beiden Frauen gleichermaßen anfauchen, und Alrik sicher ähnlich reagieren wird, verzichtet Babo auf jede weitere Äußerung, und läßt die anderen gewähren. Sollen sie doch tun, was sie für richtig halten - er jedenfalls wird ihnen nicht dabei helfen.

Soweit es die Fesseln zulassen - was nicht viel ist bei der Art, wie sie angelegt wurden - versucht er, sich in einer halbwegs akzeptable Position zu bringen - und ist darauf eingestellt, den "Mehlsack-Zustand" anzunehmen, wenn sie ihn wirklich durch die Gegend tragen sollten.



Auch ALRIK findet Babos Bemerkung schlichtweg unverschämt! Da macht es gleich doppelt Spaß, noch ein paar freche Drohungen auszusprechen:

"Bald hast du genug Zeit, um dich auszuruhen. Entweder in einer modrigen Gefängniszelle oder gleich auf dem Meeresgrund. Wir werden's ja bald wissen..."

ALRIK unterstützt Xenia nach Kräften bei der weiteren Verschnürung von Babo. Als die Fesselei endlich gewissenhaft erledigt und abgeschlossen ist, blickt er Sigrun und Xenia zufrieden an.



Xenia grinst zu Alriks Drohungen an Babo gehässig und zieht die Fesseln so fest wie sie nur kann, als sie bemerkt, daß der faule Kerl versucht, es sich gemütlich zu machen.

'Heute wirst du es ausnahmsweise mal NICHT gemütlich haben - wurde auch mal Zeit...'

Anschließend wischt sie die Hände an ihrer Wildlederhose ab und guckt sehr zufrieden.

"Hervorragend!" kommentiert sie ihr gemeinsames Werk. Dann sieht sie sich auf Deck um, ob noch irgendwo Hilfe benötigt wird, aber offensichtlich ist die einzige Hilfe, die im Moment wirklich vonnöten ist, magischer oder zumindest heilender Art. Damit kann sie natürlich nicht dienen. Fragend sieht sie zu Sigrun. Die Dienstältere wird sicher nicht zögern, auf Aufgaben hinzuweisen.



Der Elf in Freiheit


Torin lächelt. Die Dankesworte des Elfen klingen in seinen Ohren wie wie die sanfte Brandung an einem Sommerabend, die Hand auf seiner Schulter spürt er kaum. Dann huscht der Elf an ihm vorbei durch die Tür der Segellast.

Torin will ihm noch etwas hinterher rufen, doch er weiß, der Elf wird wiederkommen. Denn noch immer ist die vordere Tür des Laderaumes verschlossen.

'Phexane kann vielleicht das Schloß knacken, aber der Elf hat diese Fähigkeit sicher nicht.'

Fast etwas schelmisch grinst er, als er zu einer der offenen Kisten geht und sich einen Angelhaken heraus nimmt.

'Man weiß ja nie, für was man den noch brauchen kann.'

Dann verstaut er ihn in seiner Gürteltasche, hebt seinen Stab wieder auf und folgt dem Elfen, dessen Name er noch immer nicht kennt. Das rötliche Wabern an den Wänden folgt Torin wie ein treuer Hund in den Laderaum.



Phexane erinnert sich...


Phexane ist ganz in Gedanken versunken - sie denkt an ihre Mutter, die vor mehr als 6 Jahren starb, an Havena, an ihre vielen Geschwister, an die Kindheit im Orkendorf. All das kommt ihr bei dem Anblick der Schiffskatze, die so sehr der Katze ihrer Mutter ähnelte, in den Sinn.

Ihr Herz wird ein wenig "schwer" und sie kann es nicht vermeiden einen leisen, aber dennoch hörbaren Seufzer von sich zu geben. Als sie aber die Schritte, die von der Segellast kommen, hört, steht sie ruckartig auf.


Ottam


Offensichtlich hat Ottam Wasuren nicht gehört, er zeigt jedenfalls nicht das geringste Anzeichen, daß er etwas an ihn Gerichtetes gehört haben könnte.



Darian entschuldigt sich


Darian übergibt dem Magister die Holzstücke und wendet sich auch schon wieder ab, schlieszlich ist er ja hier oben, um mit dem Kapitän zu reden, wie ihm jetzt wieder einfällt. Darian begibt sich zu Jergan und spricht ihn an:

" Herr Kapitän, ich bedaure zutiefst mein Miszgeschick. Selbstverständlich solltet nicht Ihr das Opfer der Paralyse werden, sondern ausschliezlich der Meuterer. Leider kann ich mir selbst nicht genau erklären, wie es zu dieser Streuung kam, schlieszlich handelt es sich bei dem PARALÜ PARALEIN um eine zielgerichtete Formula, die nur dann auf mehrere Ziele wirkt, wenn man dies gezielt beim Wirken der Thesis in diese gewissermaszen hineinwebt, was ich definitiv nicht tat. Wir haben es hier mit einer arcanen Miszwirkung zu tun, so dasz es mir auch beim besten Willen nicht möglich ist, zu sagen wie lange die Paralyse des anderen noch anhält. Es ist möglich, dasz es nur eine lokale und keine temporäre Miszwirkung ist, geauso gut kann sie aber auch die temporäre Komponente mitbetreffen. Das bedeutet der Mann kann jeden Moment wieder erwachen, es kann aber auch sein, dasz er noch bis Morgen früh hier steht. Achja, normalerweise wirkt der PARALÜ, bei mir, etwa eine Viertelstunde, bei einer Miszwirkung, wie in dem vorliegenden Fall, sind jedoch die seltsamsten Dinge möglich. Es könnte z.B. auch sein, dasz sich die Wirkungsdauer bei der unbeabsichtigten Streuung ebenfalls teilte, wobei ein Teil bedauerlicher Weise Euch traf, wofür ich mich nochmals entschuldigen möchte, dann wird dieser Mann natürlich früher erwachen, als es normalerweise der Fall wäre, aber dies ist ohnehin nur eine Hypothese, die sich so nicht überprüfen läszt."

Dasz er dem Kapitän auch mal eine Gelegenheit zur Antwort geben sollte, scheint der Adept nicht zu bedenken ...



Ottam


"Habt Dank werter Kollege" sagt Ottam zu Darian und macht sich sogleich daran die Holzstücke so an den Arm anzubringen, daß er sie fest verschnüren kann ohne den Arm dabei abzubinden oder direkt den Bruch zu treffen. Es dauert eine Weile aber es gelingt ihm schließlich recht passabel, passabel zumindest dafür, daß er in Sachen Knochenbrüche eigentlich nicht so viel Erfahrung hat.

Und mit dem Holz ist er auch nicht wirklich zufrieden, denn immerhin ist es gebrochen, als dieser wahnsinnige Zimmermann das Schiff demolierte - 'Wenigstens kann man ihn dann gleich zum Reparieren verdonnern' denkt er sich.

Mit einem Ohr achtet er auf das Gespräch, nein, den Monolog von Darian. Jetzt weiß er wenigstens wer es war. Über diese Teilung könnte man später ja noch fachsimpeln, immerhin fallen ihm da ein paar seltene Theorien ein, die hier Anwendung finden könnten.



Lowanger bei Swafnald


Erleichtert wendet Lowanger den Blick vom Brückendeck ab. Die Lage ist wieder unter Kontrolle und der Kapitän hat den Zauber unbeschadet überstanden. Aber wie konnte das bloß passieren? Lowanger nimmt sich fest vor, demnächst mal ein ernstes Gespräch mit Magister Trosdotter zu suchen, denn das kann jawohl nicht angehen, daß sowas in so einer gefährlichen Situation... also wirklich!

Auch die tapfere Bootsfrau ist - den Zwölfen sei's gedankt - unverletzt. Wie es Ole geht, läßt sich nur vermuten, doch auf dem Brückendeck sind Lowangers Meinung nach genug Helfer vorhanden und so blickt er sich abermals orientierend um, bevor er sich schließlich vor Swafnald nieder hockt, um dessen Gesundheitszustand zu überprüfen.



Der Kerl ist wirklich übel zugerichtet und Lowanger überprüft erst einmal, ob Swafnald überhaupt noch Lebenszeichen von sich gibt. Swafnald liegt immer noch genauso da, wie er aufgeschlagen ist, der Länge nach auf dem Bauch, Arme und Beine leicht angewinkelt, doch nicht in 'unphysiologischer' Stellung, so daß man annehmen müßte er hätte sich etwas gebrochen.

Der Kopf ist zur Seite gedreht, sein Gesicht über und über mit Blut verschmiert, doch immerhin atmet er noch, wenn er auch nicht bei Bewußtsein zu sein scheint.



Vorsichtig untersucht Lowanger den arg angeschlagenen Swafnald. Das sieht wirklich verdammt übel aus! Das Verbinden einer Fleischwunde oder das Schienen eines glatten Bruches mag wohl kein Problem sein und wäre auch schnell erledigt. Aber diesem Kerl hier hat man die Visage nahezu zu Brei geschlagen!

"So erstickt er uns noch an seinem eigenen Blut", mutmaßt Lowanger und dreht sich dabei zu Wasuren um.

"Matrose, hol' gleich mal den Zauberer her, wenn er auf der Brücke fertig ist. Er soll diesen Kerl hier auch wieder zusammenflicken.... wenigstens so weit, daß er uns nicht verreckt und man wieder erkennen kann, wo vorne und hinten ist."



Wasuren antwortet kurz :

"Jawohl, wird gemacht!" und dreht sich um, dabei wirft er noch einen Blick auf Laske.

'Der wird wohl kaum dort weg kommen!'

Dann spurtet er wieder einmal auf das Brückendeck und sucht dort den Schiffsmagus.

'Also dieser Swafnald wird seines Lebens nicht mehr froh, wenn der Magus das nicht wieder richten kann'

Auf dem Brückendeck guckt sich Wasuren verzweifelt um.

'Wo ist denn dieser Magus nun ?'

Dann ruft er einfach in die Vielzahl der Leute hinein :

"Gibt es hier einen Magier? Der Matrose der vorhin vom Brückendeck gestürzt ist braucht dringend HILFE!"

Abwartend beobachtet er die Leute, bereit gleich wieder die Brücke zu verlassen.



Wasuren


Bei Laske angekommen, kniet sich Wasuren zu ihm herunter und fesselt ihn nun ordentlich mit seinem letzten Seil. Dann legt er seinen Gürtel wieder an und verstaut seinen Waffen daran. Vorsichtig pack er sich Laske auf die Schultern und schreitet mit ihm zu Lowanger hinüber.

"Kann ich helfen?" fragt er diesen als er Laske vorsichtig an die Wand des Brückendeckaufbaus setzt. Wasuren lehnt Laske so daran an, das diese in aller Ruhe friedlich weiter träumen kann und dreht sich dann zu Lowanger um.

'Wer ist das denn der da liegt'

Als er einen Schritt auf den 3. Offizier zu macht, sieht er das Swafnald dort auf dem Boden liegt. Stumm steht er da, schaut auf den verletzten Meuterer herunter und lauscht den Befehlen die da kommen mögen.



Alrik Fuxfell und Belvolio


Ein paar Schritte nur und Alrik kniet bei Ole. Er schaut zu Belvolio und fragt ihn:

"Wollt ihr das übernehmen?"



Belvolio wirft einen Blick auf auf den verletzten Matrosen und antwortet.

"Sicher, das ist kein Problem."

Belvolio denkt kurz über die Frage des Magus nach, läßt seinen Blick genauer über den Körper des Verletzten wandern.

"Ich denke es wird keine Probleme geben"

Der Magus kniet sich neben Ole nieder läßt den Stab zu Boden sinken und bereitet sich auf die Heilung vor.



Die unbeteiligt Matrosin


Die unbeteiligte Matrosin starrt weiterhin abwesend aufs Meer hinaus. Von den Vorgängen auf der Brücke und dem Oberdeck bekommt sie nichts mehr mit, ihr ist nur noch eines wichtig: Swafnir und Efferd und das Wasser und alle Lebewesen die sich darin befinden - in dieser Reihenfolge.

Gedankenverloren, doch nicht mehr so verzweifelt wie noch vor kurzem bewundert sie die Wasseroberfläche. Fast vermag sie durch diese hindurch zu sehen, hinein in das Reich Efferds.

Unwillkürlich macht sie einige Schritte in Richtung der Reling, bis sie an letzterer anstößt und sich relativ weit herüber beugt. Doch noch nicht weit genug, als daß sie erneut im kühlen Naß landen könnte...



Thorben resigniert


So langsam klingt auch die gröbste Wut aus Thorbens Bauch ab. Über ein göttergefälliges Dutzend an Minuten steht er hier nun schon so rum. Nichts hat sich verändert, außer das die Szenerie zunehmend blutiger wurde und dann abklang. Langsam beschleicht ihn das Gefühl, daß es für immer seine Bestimmung sein könnte, als Gargyl auf einem Hausdach zu stehen und die Besitzer zu beschützen...

Nun taucht immer wieder Nirka vor ihm auf und verschwindet wieder. Es hat nicht lange gedauert, bis er merkte, daß er gefesselt wird. Dann ist wohl sowieso alles verloren. er Kampf ist vorbei - vielleicht tötet man ihn wenigstens bevor er in Kontakt mit dem Bösen kommt.

Derartigen Gedanken ausgeliefert sackt Thorben innerlich in sich zusammen. Hilflos wie ein kleine Kind fühlt er sich.

'Verdammte gottlose Magie - ich wird mit Praios sprechen. Ganz sicher! Auch wenn das heißt aus Thorwal wegzugehen, gesetzt den Fall ich überlebe dies...'

So bemerkt er gar nicht, daß auch dieser Zauber, wie jeder moderne aventurische, sich seinem Ende nähert. Unbeholfen sackt er in sich zusammen, zu spät bemerkt er, daß die Kraft in Arm und Beinen fehlt. Die Waffe fällt und schlägt auf dem Brückendeck auf und er poltert mitsamt Nirka zu Boden, so daß die bisherigen Fesseln sich weiter verheddern und ihn, auch wenn er wolle, nicht freigeben würden. Doch weder wehrt sich Thorben, noch blickt er auf. Er weiß, daß es vorbei ist.



Ganz kurz vor dem Ende der perfekten Salzsäulenfesselung besitzt dieser zweite Offizier die unverschämte Frechheit, einfach wieder beweglich zu werden, womit er sowohl sich selbst, als auch Nirka überrascht.

Sie versucht, dem Fall zu entgehen, aber da sie sich dabei in dem losen Seilende verheddert, mißlingt das, und sie landet halb auf dem nicht mehr erstarrten Thorben.

Im Gegensatz zu diesem kann sie sich aber wieder aufrappeln und aus der Seilschlinge befreien. Mit einer raschen Fußbewegung befördert sie Thorbens Säbel aus der Reichweite seiner Hände, und beendet in aller Ruhe die Fesselung.



Rühriger Radisar


Endlich hat der kleine Diener die letzten quälenden Reste seiner Übelkeit aus dem Gekröse gequetscht und langsam gelingt es ihm wieder die Welt so zu sehen, wie es sich für einen kleinen Diener gehört.

Es mag für einen Medicus oder einen Heiler interessant sein, daß hier an Bord so viele Männer in ihrem Blut liegen, die Meuterer in Schach zu halten ist wohl eine vornehme Aufgabe für die Leute der Waffen tragenden Gilde und um die Schäden an Bord sollen sich die Handwerker kümmern.

Für einen Diener, allerdings, ist das Wohl der Herrschaft das Maß aller Dinge. Daher kümmert sich Radisar nicht einmal ansatzweise um das Treiben an Bord, sondern hält nur diese eine Tatsache für bemerkenswert, daß Frau Reckinde zu ihm her blickt und ihre Miene nicht viel Glückseligekeit verheißen will.

Und so kommt wieder emsiges Leben in den Diener. Er rappelt sich mühevoll hoch, bekommt sogar so etwas ähnliches wie eine vornehme Haltung dabei zurück. Dann rennt er in die Suite, in einer Geschwindigkeit, als wären Werber einer Galeerenrundfahrt hinter ihm her.

Radisar ist tatsächlich schwer in Schwierigkeiten. Frau Reckindes Laune ist unsäglich und er hat weder Wein noch eine warme Fischsuppe anzubieten, um ihr Gemüt zu erheitern, dafür aber die bittere Gewißheit, daß die Herrin solche Aufträge niemals vergißt und ihn deshalb in kurzer Zeit darauf ansprechen wird.

Und so wirft er sich verzweifelt ans Werk. Er kramt aus der großen Reisekiste der Herrin einen mittelgroßen Samowar hervor. Travia sei Dank, ist sogar noch etwas halbwegs frisches Wasser in der kleine Feldflasche, ohne die die Herrin niemals verreisen würde. Nun hat er alles, um eine tulamidische Tee aufzukochen. Er läßt die Teeblätter nur kurz ziehen, nimmt aber, für ein vollmundigeres Aroma, eine Hand voll mehr davon. Das ganze rundet er ab, mit einem Quentschen aranischen Honigs, dann ist er fertig.

Er schlingt sich ein weißes Tusch über den Unterarm, stellt den Tee, nebst Tasse auf ein silbernes Tablett, wirft sich, weil er denkt, daß sich das so gehört für einen Diener, ins Hohlkreuz zurück und stolziert aus der Suite hinaus. Auf dem Oberdeck schreitet er vornehm auf Frau Reckinde zu, grazil wie der Teemeister des Kalifen. Dann macht er ein fürchterlich wichtiges Gesicht und verkündet:

"Der Tee ist fertig, Herrin!"



Teepause


Langsam steigen die Düfte des sehr aromatischen Tee's in Frau Reckindes Nase, deren Nasenflügel noch immer aufgebracht vibrieren. Doch Frau Reckinde beruhigt sich zusehends, um so mehr, als sie tatsächlich nicht abgeneigt ist, einen warmen Schluck zu sich zu nehmen.

Sie lächelt! Obwohl dies bei Frau Reckinde aussieht wie ein krampfhafte Grimasse, verbirgt sich dahinter ein ernsthafter Versuch freundlich zu sein. Und mit sanfter Stimme, die dennoch nicht frei ist von grollenden Untertönen, Frau Reckinde kann offensichtlich nicht anders, spricht sie zu Radisar:

"Da hat doch mein kleiner schwachsinniger Diener tatsächlich einmal einen guten Gedanken gehabt!"

Mit einem Schwung sticht sie mit dem großen Schwert in das Oberdeck, daß es fest vor ihr zum stehen kommt. Daß sie damit das vordere Teil von Radisar's rechten Schuh an die Planken nagelt, stört und kümmert sie nicht.

Sie nimmt von ihrem Diener den Tee entgegen und beginnt zu schlürfen. Ihre Blicke sind dabei auf Dinge jenseits dieser Welt gerichtet, so will es scheinen, ganz dem Genuß ergeben. Immer wieder nippt sie von ihrer Tasse und hält geziert den kleinen Finger abgespreizt, als befände sie sich auf einem kaiserlichen Empfang.

Als wäre es völlig nebensächlich, beobachtet sie das Treiben auf dem Oberdeck, das Bemühen für die vielen Verwundeten. Aber das ist nun ja wirklich eine Aufgabe für die Niederen ....

"Mein lieber, tölpelhafter Radisar, was war das doch für eine Schlacht! Groß war sie und gewaltig und Rondra's Segen war auf unserer Seite! Aber euer Instinkt hat euch sicherlich während dessen an einen Ort geführt, an dem ihr euch sicher wähnen konntet! Ist das nicht so?"



Radisar verzieht keine Miene bei der Rede Reckindes, obwohl sie ja nicht sehr viel schmeichelhaftes über ihn enthält. Er hält den Blick starr gerade aus und zieht seine Mundwinkel starr nach unten, als stünde ihm die Etikette ins Gesicht geschrieben. Nicht einmal, als das Schwert Reckindes sich, durch seinen Schuh hindurch, in das Holz der Oberdeckplanken frißt, bewegt sich auch nur eine Augenbraue im Gesicht des Dieners.

Seine Erleichterung darüber, daß er die Zehen in seinem Schuh gerade noch rechtzeitig hatte krümmen können, ehe sie von scharfem Stahl vom Fuß abgetrennt worden wären, lebt er innerlich aus, kein Zeichen davon dringt nach außen, abgesehen von einem leichten Aufatmen, das aber wirklich keiner hatte bemerken können.

"Fürwahr, Herrin, ihr habt ja so recht! Es war ein Gefecht, das noch in langer Zeit nichts vergleichbares finden wird. Darf ich mich zu der Bemerkung hinreißen lassen, daß der Kapitän dieses Schiffes dem Schicksal wohl zu allergrößtem Dank verpflichtet sein dürfte, in der dunklen Stunde der Not, eine Streiterin wie euch an seiner Seite sicher gewesen zu sein! Es war äußerst bemerkenswert, Herrin, so wie ihr diese Aufruhr, mit eurem eigenen Händen erstickt habt!"

Während er so redet, schaut sich Radisar unsicher um, vielleicht gewinnt er doch noch ein paar Eindrücke, die ihm helfen könnten, zu verstehen, was er da im Moment so beflissentlich selbst erzählt. Das es hier einen blutigen Kampf gegeben haben muß ist ja nicht zu übersehen, aber sonst hat Radisar vom Ablauf der Ereignisse nicht den allerblassesten Schimmer .....




Darian und Jergan


Jergan nickt dem Magier freundlich zu, als dieser sich für den Zauber entschuldigt. Er war es also, und nicht Ottam, wie der Kapitän zuerst vermutet hatte, und schon das läßt seine doch ein wenig vorhandene Wut verpuffen.

Dann beginnt Darian mit langen Erklärungen, ohne ihm eine Chance zu geben, auch nur ein Wort zu sagen. Zumindest am Anfang hört er auch noch zu, doch als es dann um "temporäre Komponenten" geht, läßt die Aufmerksamkeit des Kapitäns extrem nach. Selbst die letzten Sätze bekommt er nur zum Teil mit, aber immerhin ausreichend, um sie noch kommentieren zu können, als hinter ihnen ein Poltern davon kündet, daß die Starre des zweiten Offiziers aufgehört hat.

"Manchmal holt die Wirklichkeit die Theorien ein", erwidert er darum nur grinsend, um dann in einem beruhigenden Ton hinzuzufügen:

"Keine Sorge, ich nehme Euch dieses... diese Starre nicht übel. Eher im Gegenteil, Ihr habt mein Leben gerettet, und dafür bin ich Euch von ganzem Herzen dankbar!"

Mit diesen Worten reicht er dem jungen Magier die Hand.


Aus den Augenwinkeln bekommt Darian mit, wie der Meuterer aus der Starre erwacht und dabei mitsamt der ihn fesselnden Frau zu Boden poltert. Zum Glück ist die Fesselung schon soweit abgeschloszen, dasz der Offizier gebunden bleibt, während die Frau sich befreien kann. Als der Kapitän dieses Ereignis mit den Worten "Manchmal holt die Wirklichkeit die Theorie ein" kommentiert, musz Darian unweigerlich mit grinsen und bestätigt die Aussage Jergans mit einem:

"Für wahr, für wahr".

Als Jergan ihm daraufhin die Hand reicht um sich für den Zauber zu bedanken, ist der Adeptus aber schon etwas überrascht.

"Nun, das war doch selbstverständlich, schlieszlich möchte auch ich heil in Kuslik ankommen und wer weisz, was die Meuterer mit uns Passagieren gemacht hätten," erwidert er nach kurzem Zögern. Beim letzten Teil des Satzes wirft Darian noch einmal einen Blick auf all das Blut und die Verletzten, die darin liegen.



Jergan nickt zu Darians Worten.

"Da habt Ihr natürlich recht, aber dennoch bin ich Euch dankbar."

Sein Blick folgt dem des anderen, und er fragt:

"Könnt Ihr da helfen? Vielleicht am besten bei Swafnald, der da vorhin die Reling durchbrochen hat, und jetzt unten liegen dürfte. Die anderen werden ja schon versorgt, wie ich sehe. Swafnald ist zwar einer der Meuterer, aber dennoch müssen wir dafür sorgen, daß sie alle lebend in Thorwal ankommen, damit der Vorfall dort ordnungsgemäß abgeschlossen werden kann."

Als fiele es ihm erst jetzt wieder auf, hebt der Kapitän kurz den linken Arm, wo ihm Thorbens Säbel einen Stich zugefügt hat, der zwar nicht sehr tief ist, aber dennoch blutet und auch entsprechend schmerzt - nur hat er diese Schmerzen bislang immer weitgehend verdrängt.

"Dies hier braucht vermutlich eher einen Verband, denke ich, aber das ist ja nicht Euer Metier."

Der Satz ist fast ein wenig fragend ausgesprochen.



Darian ist ein klein wenig verunsichert, als der Kapitän ihn darum bittet bei der Versorgung einer Wunde zu helfen.

´Ich könnte natürlich, aber soll ich den Kapitän jetzt auch noch mit einem verpatzen BALSAM verärgern ?´

Nach einem, nicht allzu langen, aber für einen aufmerksamen Zuhörer durchaus bemerkbaren, Zögern antwortet er:

"Nun, die Magica Curativa - also die Magie der Heilung - ist nicht mein Spezialgebiet, ich habe mich vielmehr der Magica Mutanda - der Verwandlungsmagie - verschrieben. Nichtsdestotrotz beherrsche ich eine Standartformula der Magica Curativa, die primär dem schlieszen von Wunden und dem stillen von Blutungen dient. Ich biete Euch an diese Formula anzuwenden, doch bin ich mir nicht sicher, ob Ihr dies überhaupt wollt, nachdem Ihr Euch von meinen äeh .. Fähigkeiten überzeugen konntet."

Den letzten Satzteil spricht er mit teils deutlicher Verzögerung und Verunsicherung aus, die Situation ist ihm jetzt doch etwas unangenehm. Einerseits möchte er dem Kapitän natürlich seine Hilfe nicht verweigern, zumal es wenig Hesinde gefällig wäre seine Fähigkeiten zu verleugnen, andererseits ist er sich nach dem PARALÜ-Debakel nicht sicher, ob er an diesem Tage überhaupt noch irgend etwas zaubern sollte.



Ein Grinsen huscht über Jergans Gesicht. In der Tat traut er Magiern nicht sehr, doch das ist eher die Schuld Ottams, als die Darians, zumal er letzterem die Erstarrung wirklich nicht übel nimmt.

"Nein, keine Sorge. Für diese kleine Verletzung lohnt das wirklich nicht, da reicht ein gewöhnlicher Verband. Schont lieber Eure Kräfte... wer weiß, was heute noch so alles passiert."

Dabei wirft er einen Blick in Alearas Richtung und muß unwillkürlich an das denken, was die Meuterei so plötzlich unterbrochen hat.



Ottam und Jergan


Nachdem Ottam mit dem Schienen fertig ist, steht er auf und will in Richtung Oberdeck, doch unterwegs erblickt er Jergan, der offensichtlich blutet.

´Lieber den, als den Walspinner´denkt er sich und zückt einen kleinen Tiegel aus einem seiner Beutel.

Er nimmt nur eine Fingerspitze von der Salbe. Er streicht damit über die blutende Stelle und bereits nachdem die Hand darüber gefahren ist, hat sich die Wunde geschlossen.

"War ja nichts Schlimmes" sagt er noch und will sich eigentlich schon abwenden, gibt dem Kapitän dann aber doch noch Gelegenheit etwas zu erwidern.



Jergan erschrickt fast etwas, als Ottam plötzlich heilender Weise zu ihm kommt und sich dann auch sogleich, ohne jedes Fragen ans Werk macht.

Prinzipiell hat er da auch nichts gegen einzuwenden, also läßt er ihn gewähren und sagt dann:

"Habt vielen Dank, Magister Ottam - wobei das wirklich nicht schlimm war. Anderen auf diesem Schiff ist es viel übler ergangen. Ich glaube, Ole wird bereits von Herrn Belvolio versorgt, wie es aussieht... Ihr könntet dann am besten mit Wasuren mitgehen - er sucht ja offenbar einen Heiler für Swafnald."



"Bitte, Bitte, ich kümmer mich dann mal um Swafnald"

Tatsächlich späht er nach Wasuren, in der Hoffnung, daß er ihn zu Swafnald bringt, denn den sieht er im Moment nirgends.

'Welch ein Glück, daß sich schon jemand für diesen Zimmermanns-Berserker gefunden hat!' denkt er bei sich.



Jergan und Darian


Darian folgt dem Blick Jergans und entdeckt die Frau, die er vor zwei Tagen mit aus dem Wasser gezogen hat. Gerade will er den Kapitän fragen, ob man schon etwas heraus gefunden hat, da steht plötzlich Ottam neben ihnen und versorgt Jergans Wunde.

´Gut, dann bleibt mir der BALSAM jedenfalls erspart,´ denkt sich der Adeptus erleichtert, ein erneutes Versagen in magischem Wirken hätte den Kapitän wohl doch verärgert. Als Ottam dann mit einem Matrosen zusammen das Brückendeck verläszt, wirft Darian erneut einen Blick auf Aleara, die immer noch stumm und unbeweglich aufs Meer starrt, geradezu so als hätte auch sie ein PARALÜ PARALEIN erwischt. Dann sieht er den Kapitän an und fragt:

"Weisz man eigentlich schon Genaueres darüber, was diese Matrosin zu ihrem Sprung animierte ?"



Nachdem Ottam wieder verschwunden ist, wendet sich Jergan ebenfalls wieder dem anderen Magier zu.

Es dauert einen kleinen Moment, bis er dessen Frage überhaupt richtig wahrnimmt, und einen weiteren Moment, bis er die Gedanken an die Meuterei und all das, was es jetzt noch zu tun gibt, beiseite schiebt und sich wieder auf das besinnt, das unmittelbar davor geschehen ist.

"Ich habe Ole hinzugezogen, und ich glaube, er war sehr dicht dran, als es losging. Doch, ich glaube das schon, denn die beiden haben konzentriert auch dann noch weitergeredet, als hier die Schlacht losging. Erst, als Swafnald Ole mit der Axt schlug - das habe ich in der... entschuldigt bitte... Erstarrung... gesehen - haben sie aufgehört. Ich weiß daher nicht viel mehr als Ihr darüber... aber Ihr habt recht, wir müssen die Sache im Auge behalten."

'Und nicht nur die... auch Aleara, damit sie nicht wieder über Bord springt.'

Dann fügt er hinzu:

"Sobald es Ole besser geht, werde ich ihn dazu befragen."



Als Jergan erwähnt, dasz die Untersuchung durch einen Axthieb unterbrochen wurde, schüttelt er ungläubig den Kopf. Wenn man einen Magier auf diese Weise beim ANALÜS ARCANSTRUKTUR stören würde ... .

Als dann das Gespräch auf den Zustand des Schiffszimmermannes kommt, fällt Darian das seltsame Verhalten des Mannes wieder ein. Der Adeptus wirft einen Blick auf den groszen am Boden liegenden Mann, stellt aber zu seiner Erleichterung fest, dasz dieser bereits von einem anderen versorgt wird. Dasz der Versorgende ausgerechnet der Häretiker ist miszfällt ihm zwar, denkt sich aber, dasz Belvolio, wenn er auch dem Irrweg Gallottas Magiephilosophie anhängt, wohl einen Standartzauber wie den BALSAMSALABUNDE zustande bringen sollte. Statt also die Heilkünste seines Kollegen in Frage zu stellen, wendet er sich erneut an Jergan:

"Was war eigentlich mit diesem Mann los ?," er deutet auf Ole, "Man könnte fast meinen er sei ...," der Magus zögert kurz, entscheidet sich dann aber dafür, besser keinen konkreten Namen zu nennen, "besessen gewesen."

Eigentlich wollte Darian dem Kapitän noch eine magische Untersuchung Oles anbieten, entschlieszt sich dann aber besser nicht zu sehr in den Aufgabenbereich des Schiffsmagus einzudringen.



Jarun verschwindet


Jarun beobachtet interessiert das Treiben an Bord der Nordstern. Alle laufen schwer beschäftigt über's Deck und überall sind Stimmen zu hören. Die Stimmung auf dem Schiff hat sich in wenigen Minuten von Totenstille in ein herumwuselndes Durcheinander verwandelt.

Da alle mit den Verwundeten oder den Meuterern beschäftigt sind, merkt auch keiner der Passagiere und Besatzungsmitglieder, wie sich Jarun langsam aber zielstrebig dem Niedergang am Brückendeck nähert und in diesem zum Unterdeck verschwindet.



Auf dem Niedergang stößt er um ein Haar mit dem Smutje zusammen, der dort scheinbar wartet, bis sich die Lage auf dem Deck geklärt hat. Kurz bleibt Jarun neben Sören stehen und legt seine Hand auf dessen Schulter.

"Wenn ihr immer noch den Heiler sucht, dann werdet ihr ihn sicherlich auf dem Oberdeck finden. Dort gibt es nämlich einiges zu heilen."

Gerade als sich abdrehen will, hält er noch einmal abrupt in der Drehung an und spricht Sören noch ein wenig Mut zu.

"Ihr könnt ruhig hochgehen. Das Schiff ist gerettet, die Meuterer gefangen und der Kapitän entsteinert. Keine Gefahr also! Ich werde für meinen Teil in meine Kabine gehen und mich ein wenig ausruhen."

Nach diesen Worten, begibt sich Jarun auch schnellstmöglich in seine Kabine. Hinter sich verschließt er die Tür sorgfältig, denn man möchte ja nicht von irgendwelchen neugierigen Passagieren beobachtet werden. Vorsichtig darauf bedacht den Dolch nicht zu beschädigen, hebt er wieder die Truhe an und nimmt den Dolch an sich.

Während er den Dolch betrachtet und auf seinen Wert schätzt, geht er zu dem kleinen Fenster herüber und hält ihn gegen das Licht, um seinen Wert genauer zu bestimmen.

Beim Betrachten der Edelsteine, die den Dolch zieren, glitzern und leuchten seine Augen ganz so, als wären sie selbst Rubine in einer mohischen Tabumaske. Das erfreute Lächeln, daß erstarrt zu sein scheint, vermittelt zusammen mit der Schminke die geradezu perfekte Illusion einer Maske, die nicht lebendig, sondern ein lebloses Mittel zum Zweck ist. Sie schützt den Träger vor seinen Feinden und Freunden, obwohl sie keinem Schwertstreich oder Kampfzauber etwas entgegen setzten könnte. Und trotzdem ist sie der beste Schutz, den sich ein jeder Mensch wünschen kann.



Nach einigen Sekunden Inspektion des Zierdolches kommt wieder Bewegung in Jarun's Gesicht. Sein Lächeln steigert sich ohne einen ersichtlichen Grund in ein breites Grinsen.

'Einen solch wertvollen Dolch habe ich schon seit geraume Zeit nicht mehr gesehen. Das dürfte eine angemessene Entlohnung für die Mühen sein, die ich mit dem guten Radisar hatte.'

Kurz überdenkt Jarun den Sturz des Diener und den darauf folgenden Transport.

'Eigentlich ist es vielleicht doch ein bißchen viel, ... , aber zurückgeben werde ich ihn wohl trotzdem nicht. Ich werde ihm jemanden übergeben, der mehr damit anfangen kann, als der Herr Radisar.'

Nach diesen Überlegungen läßt er zufrieden den Dolch wieder unter der Truhe verschwinden.



Eilif ist entsetzt


Eilif, der gerade damit beschäftigt ist, den gefesselten Laske zu bewachen, und bereit ist, einzuspringen, falls jemand Hilfe benötigt, zuckt zusammen, als er sieht, wie die edle Dame ihr riesiges Schwert in die Planken des Oberdecks rammt.

Weiß diese Frau denn nicht, was es für eine Arbeit macht, dies wieder in Ordnung zu bringen? Noch nie hat auf diesem Schiff jemand so etwas gewagt...

Vorsichtig wandert Eilifs Blick zum Brückendeck empor, um zu sehen, ob jemand der Offiziere es gesehen hat. Und dann blickt er kurz in Lowangers Richtung, ob dieser das mitbekommen hat - oder ob ihn die Beschäftigung mit dem verletzten Swafnald zu sehr beschäftigt.



Heilende Hilfe


Auf Wasurens Rufen scheint sich niemand zu rühren, und so macht er ein paar Schritte auf den Kapitän zu. Da schnappt er doch tatsächlich ein paar Wortfetzen eines Gesprächs zwischen dem Kapitän und dem Schiffsmagus auf.

'Oh sieht so aus, als ob Ottam meine gesuchte Hilfe wäre!'

Er räuspert sich, nachdem das Gespräch beendet ist und wartet bis der Schiffsmagus auf ihn aufmerksam geworden ist.

"Wenn Ihr mir folgen wollt, bringe ich euch gerne zu Swafnald!"



"Gut, geht voran, ich folge euch"

Erwidert er kurz und macht dann ein wartendes Gesicht



Wasuren geht behende voraus und führt Ottam die Treppe zum Oberdeck hinunter und steuert direkt auf Lowanger und den abgestürzten Swafnald zu. Kurz bevor sie da sind, geht er schnell zwei Schritte zur Seite, so daß nun auch für Ottam der Blick auf Swafnald frei wird und weist ihn mit einer einladenden Geste doch weiter zu gehen.

'So und nun bitte keine weiteren Befehler mehr. Puh, war das ne Aufregung.'

'Am liebsten würde ich mich jetzt zu Laske gesellen und auch ein wenig

träumen!' sinniert Wasuren während er ein wenig orientierungslos auf dem Oberdeck herum marschiert.



"Ojeh, Ojeh", entweicht es dem Magus, als er das total demolierte Gesicht des Matrosen sieht.

'Da wird eine Menge Arbeit!', denkt er sich und macht sich ans Werk. Zunächst reinigt er die Wunden und versorgt sie anschließend mit seiner stärksten Heilsalbe. Man kann, ähnlich wie beim BALSAM SALABUNDE, zusehen, wie sich die kleineren Wunden, praktisch umgehend schließen.

Selbst die heftigen Verwundungen im Gesicht, lassen sich so stark mildern. Das eigentliche Problem ist, die offensichtlich mehrfach gebrochene Nase. Die ist so schlimm zugerichtet, daß man kaum noch von Nase sprechen kann.

So bleibt Ottam kaum mehr übrig, als es noch einmal zu versuchen. Erneut, heute schon zum wiederholten Male, spricht er den 'BALSAM SALABUNDE'. Er berührt den Brustkorb von Swafnald und beginnt die Worte zu sprechen

"BALSAM SALABUNDE, heile Wunde"

Immer wieder muß er sie wiederholen und man kann ihm die Anstrengung ansehen. Langsam schließen sich die restlichen Wunden und Schürfungen. Haut bildet sich neu und ganz langsam richtet sich die geschundene Nase auf, Stück um Stück. Dem Magier treten Schweißperlen auf die Stirn und wieder ist ein Stück mehr der Nase zu erkennen. Ottams Gesicht verfärbt sich rot und seine eigene Nase fängt an zu bluten, als der Zauber kurz vor der Vollendung ist. Swafnalds Gesicht ist wieder hergestellt, doch Ottam hat sich verausgabt, er sackt in sich zusammen.


"Saubere Arbeit, Herr Magister!" meint Lowanger anerkennend, nachdem er beobachten konnte, wie einfach auch gravierendere Schönheitskorrekturen mit magischen Mitteln doch seinen können. Denn auch ein tüchtiger Medicus hätte derartige Verletzungen kaum entsprechend behandeln können - und schon gar nicht in so unglaublich kurzer Zeit.

Als Ottam dann, offensichtlich restlos erschöpft, zusammen zu sinken droht, greift der Offizier dem Magus rasch unter die Schultern, um ihn zu stützen.

"Vorsicht, Vorsicht, Herr Magister. Schont eure Kräfte und verschwendet sie nicht zu sehr auf diesen hier, denn wir haben noch einen verletzten Passagier in meiner Kabine, der unter Umständen eurer Hilfe bedarf."

"Wasuren, herkommen! Und bring noch ein paar Seile mit und kümmere dich vorerst mal um Swafnald hier."

Lowanger deutet auf den Meuterer, der trotz der blutverschmierten und zerrissenen Kleidung inzwischen doch wieder recht frisch und ausgeruht aussieht.



"Danke!" sagt Ottam an Lowanger gerichtet. Mit seiner Hilfe kommt er dann auch wieder auf die Beine.

"Ich werde mich kurz in meiner Kabine stärken, dann komme ich wieder!"



Wasuren hat sich noch nicht sehr weit von Lowanger entfernt, da ruft ihm dieser schon wieder einen neuen Befehl zu.

"JO" entfährt es Ihm und sofort macht er sich unverzüglich auf, ein paar Seile zu holen und wieder zu Swafnald zurück zu kehren. Bei diesem angekommen, staunt er kurz.

'War Swafnald nicht noch eben total mit genommen und verunstaltet ?'

Dann macht er sich aber doch ganz vorsichtig daran, Swafnald gut zu verschnüren und setzt ihn dann ebenfalls neben Laske an die Wand des Brückendecks.



Das Schwert auf dem Boden


Fiana macht sich, nachdem sie auf dem Brückendeck fertig ist, auf, das Oberdeck zu kontrollieren. Sie will sich überzeugen, daß alle Meuterer ordnungsgemäß verschnürt werden. Die Axt hat sie dabei immer noch griffbereit an der Seite hängen.

Dabei bemerkt sie zum ersten Mal die Frau mit dem zweihändigen Schwert, das, wie sie feststellt, wohl ungehalten aufrecht steht. Das kann nur eines bedeuten. Dieses Weib hat es einfach in den Boden gesteckt. Das Schiff ist doch kein Nadelkissen. Strammen Schrittes geht sie auf sie zu und richtet das Wort an sie.

"Werte Dame, würdet ihr wohl dieses Schwert umgehend aus dem Boden entfernen. Das Schiff ist kein Nadelkissen und der Boden wird dadurch schwer beschädigt."

Sie wartet auf die Reaktion der deutlich kleineren Frau und davon hängt die Freundlichkeit ihrer Antwort ab. Derzeit ist ihr Ton noch Neutral zwischen Laut und Befehlston.

An ihrem entschlossenen Gesicht ist jedoch zweifelsfrei zu erkennen, daß sie bei Mißachtung ihrer Order, das Schwert eigenhändig - dauerhaft - entfernen wird.


Zunächst scheint es so, als habe Frau Reckinde die Zurechtweisung Fianas nicht gehört. Seelenruhig nippt sie an ihrem Tee und ihr Gesicht zeigt alle Zeichen der Verzückung dabei. Doch dann hebt sich ihre rechte Augenbraue und mit steinerner Miene erklärt sie der Offizierin:

"Kindchen! Ich habe doch den Eindruck, daß ihr nicht so recht wißt, mit wem ihr da so respektlos redet. Soweit ich mich erinnern kann seid ihr nicht der Kapitän auf diesem Schiff und ich habe es mir schon seit langer Zeit zu eigen gemacht mich immer mit den Herren und nicht deren Laufburschen zu verständigen!"

Reckinde nippt wieder an ihrem Tee, dann fährt sie fort:

"Ihr solltet euch in euerem Ton mäßigen. Alle Hafenmeister und Vorsteher aller bekannten Handelshäuser an der Westküste sind mir bekannt und der größte Teil davon ist mir noch etwas schuldig! Wenn ihr nicht wollt, daß dieser Kahn in Zukunft nur noch Schafsmist befördern kann, dann solltet ihr eure Worte gut abwägen!"

Reckinde nippt schon wieder an ihrem Tee, dann fährt sie fort:

"Um diese leidige Sache abzuschließen: Verständigt euren Schiffszimmermann, er mag diesen 'furchtbaren' Schaden in Ordnung bringen und ich werde ihn anständig dafür entlohnen, so viel kann das ja nicht sein! Das werdet ihr wohl noch zustande bringen!"

Reckinde nippt an ihrem Tee, dann fährt sie fort. Diesmal jedoch wendet sie sich an Radisar:

"Ich werde mich jetzt zurückziehen. Bringe er mir mein Schwert nach! Und kümmere er sich weiter um diese Angelegenheit!"

Dann trinkt Reckinde von Beibach und Bruch feierlich den Rest ihrer Tasse aus und schwebt von dannen, ohne sich ein einziges Mal umzudrehen.



Zwar steht Radisar noch da, steif wie ein Stock, doch die Gesichtsfarbe ist deutlich ins weißliche übergegangen. Er kennt diesen Tonfall der Herrin und weiß, daß sie nun weit gefährlicher ist, als wenn sie brüllen würde.

Im Stillen betet er zu allen zwölf Göttern, daß Fiana nun keinen Fehler macht, denn Reckinde hat schon aus nichtigeren Dingen brave Menschen in den Ruin getrieben, Leute, die, Phex weiß es, bedeutender waren, als es der Eigner der NORDSTERN es jemals sein würde.

Und so atmet er auf, als Reckinde endlich verschwindet und der Offizierin eigentlich kaum Gelegenheit gegeben hatte, sich zu äußern. Mit allem Ausdruck des Bedauern fügt er den Ausführungen Reckindes an:

"Ihr sollte sie ernst nehmen, in ihrem Rachdurst scheut sie keine Kosten und sie hat sehr, sehr, sehr viel Vermögen. Mehr als ihr es euch vorstellen könnt. Selbst die alte Barsotha Marby von der 'Hammerfaust von Vinay' hört wohlwollend auf ihren Rat! Und im Hause Thorbensson geht sie ein und aus!"

Während er dies sagt, versucht er mit aller Macht das Schwert aus dem Boden zu ziehen, es mag ihm aber nicht gelingen. Das Gesicht, ehedem weiß an Farbe, rötet sich zusehends, die Schläfenadern springen ihm fast schon aus dem Kopf, doch vermag er nicht das Schwert auch nur eine Fingerbreit aus den Planken zu ziehen, so sehr er sich auch müht.

Erstens ist das Schwert ein bißchen größer als er, zweitens hält er immer noch das Tablett und kann nur mit einer Hand arbeiten. Zudem ist er eben nicht der Kräftigste .........



"Als erste Offizierin hier an Bord haben meine Orders befolgt zu werden, egal ob von Matrosen oder Gästen. Doch sehe ich hier kein Problem, wenn ihr, wie ihr sagt, bereit seid den Schaden zu begleichen. Für die Zukunft merkt euch einfach das, daß das Deck immer im Topzustand sein muß. Man stelle sich vor jemand der Kapitänstreuen wäre eben im Kampf über so eine Unebenheit gestolpert."

Da die Hohe Dame keine allzu einsichtige Person zu sein scheint, beläßt Fiana es mit den Belehrungen, sie werden wohl ohnehin nicht fruchten. Abgesehen davon hat sie persönlich wenig Probleme mit dererlei Drohungen, schließlich gibt es noch andere einflußreiche Herrschaften.

Nachdem die 'Frau von und zu' verschwindet, wendet sich Fiana an den kleinen Diener, der einen gutmütigen Eindruck auf sie macht. Daher erlangt ihre Stimme auch die alte Freundlichkeit zurück.

"Es ist wohl nicht leicht mit ihr?"

Während sie das sagt, zieht sie das Schwert mit der Linken aus den Planken und reicht den Griff an den Diener weiter.

"Hier, ist wohl etwas lang!"



Radisar nimmt es mit Erleichterung hin, daß das Schwert von der Offizierin mit Leichtigkeit aus dem Boden gezogen wird, als zögen sie ein angewärmtes Messer aus der Butter, denn damit ist auch sein Schuh wieder frei und er kann endlich wieder seine Zehen ausstrecken. Es hat sich in seinem Fuß schon ein gewaltiger Krampf angekündigt gehabt, es war also höchste Zeit.

Der Diener ergreift das Schwert, daß ihm die Offizierin zureicht, kann aber das Gewicht der Waffe nicht halten. Da er sich aber von dem Tablett, das er noch immer in der Hand balanciert nicht trennen kann, bekommt er das Übergewicht und er kippt nach hinten um.

"Es ist nicht nur zu lang, es ist auch zu schwer und ganz bestimmt zu unhandlich!" anwortet er Fiana, ächzend auf dem Boden liegend. Dann rappelt er sich wieder auf. Er stutzt für einen Moment, dann blickt er die hochgewachsene Frau noch einmal an:

"Ihr seid sehr nett zu mir gewesen, meine Dame, darum flehe ich euch, nehmt meinen Rat ernst und reizt Frau Reckinde nicht noch mehr. Meisten vergißt sie ihre Drohungen wieder, doch wehe dem, wenn sie sie sich erinnert. Ihr seid jung und stark, meine Dame, aber vielleicht fehlt es euch noch an Erfahrung. So laßt euch sagen, es gibt Waffen, die sehen nicht wie solche aus und sind weit gefährlicher als das Kampfbeil, daß ihr an euerer Seite tragt und das ihr zweifellos meisterlich zu schwingen in der Lage seid, dessen bin ich mir sicher. Doch ich sage euch, noch tödlicher als die Schneide eines Beils, kann das Klimpern von Dukaten sein. Eine Übermacht aus Münzen kann jeden Helden fällen!"

Schüchtern schaut Radisar zu Fiana auf:

"Ich finde, einer schönen Frau, so wie ihr es seid, sollte es nur gut gehen und sie sollte ihr Glück nicht leichtfertig versuchen ...!"

Hastig sucht Radisar nun das Weite, das Schwert hinter sich her schleifend. Als er bemerkt, daß er dabei eine tiefe Schleifspur auf den Planken hinterläßt, blickt er erschrocken zu Fiana und zuckt entschuldigend mit den Schulter.

Da er das Schwert alleine nicht schleppen kann, legt er das Teetablett unter, damit die Schwertspitze den Boden nicht mehr weiter beschädigen kann. Rasch geht er so auf den Eingang zur Suite zu und verschwindet hinter der Tür. Die Türe fällt krachend ins Schloß und danach herrscht Ruhe, bis auf ein völlig zerbeultes Tablett aus Metall, das scheppernd über die Planken rollt.



Belvolio und der verletzte Ole


Belvolio blickt sich noch mal schnell um, konzentriert sich dann aber auf den Verletzten. Er dreht mühsam den schweren Matrosen um und betrachtet sich erst mal die Wunden des Verletzten. Bis auf eine üble Kopfverletzung scheint dem Mann nichts zu fehlen, aber wahrscheinlich finden sich unter dem Blut noch die eine oder andere Blessur.

'Ein BALSAM SALABUNDE scheint hier wohl die beste Wahl zu sein'

So hebt der Magier die Hände an die Stelle auf Ole's Brust an der er den Herzschlag des Verletzten zu spüren vermag. Der Magus sammelt seine Kräfte, ertastet die Matrix des Verwundeten, spürt Unebenheiten und Risse darin auf, verwebt die Störungen in der Matrix mit seiner eigenen Kraft, macht ungesehen was Axt und Fäuste dem Körper des Verletzten angetan haben.

Unter dem beständigen Gemurmel des Magus stoppt der Strom des Blutes, die Wunden verkrusten, im Zeitraffer bildet sich Schorf und eine dünne Hautschicht überzieht die Verletzungen bis nur noch leicht gerötete Stellen und das Blut auf Körper und Planken von dem Kampf mit dem Meuterer zeugen.



Ole schlägt die Augen auf. Doch sein Blick ist immer noch trüb. Er versucht etwas zu sagen, doch mehr als unverständliches Gemurmel bringt er nicht heraus. Er versucht es noch einmal und wieder gelingt es nicht und so läßt er es bleiben.

Dann versucht er sich aufzurichten, doch das gelingt ihm noch weniger. Er hebt den Oberkörper, doch schon nach wenigen Fingerbreiten sackt er entkräftet zurück.

Da fällt ihm dieser Herr auf, der sich die ganze Zeit mit sorgenschwerem Gesicht über ihm gebeugt hatte. Dieser Herr hatte die ganze Zeit irgendwelches Zeug vor sich hin gemurmelt, ole hat die Worte nicht verstanden, aber durch aus bemerkt, daß ihm dadurch, auf wundersame Weise, Kraft und Energie zugeflossen waren.

Ole's träger Verstand fügt müde alle Eindrücke, die ihn durch sein abgedämpftes Wahrnehmungsvermögen erreichen, zusammen und glaubt in diesem Mann einen Magus erkannt zu haben. Irgendwie ist er tief in seinem Inneren froh, daß es nicht der Schiffsmagus ist, es wäre ihm zuwider gewesen, Ottam ein zweites Mal dankbar sein zu müssen.

Damit hat sich Ole's Interesse an der Welt für das Erste wieder erschöpft. Schlaf, nur Schlaf wäre ihm jetzt wichtig. Nur der Schlaf kann ihm nun noch Hilfe bringen.

'Das ist doch jedesmal so, wenn die 'Wut' abklingt!' stellt Ole traurig fest, 'Erst kommt die Raserei und dann die Reue!'

Sein plötzlicher Wunsch, sich bei allen entschuldigen zu wollen, denen er Schaden oder zumindest Schrecken zugefügt hatte, versinkt allerdings wieder in seinem enormen Schlafbedürfnis. Und dann erhebt sich der 'Graue Riese' und wie ein Traumwandler schwankt er auf das Oberdeck zu.



Auf der Treppe wäre er beinahe wieder gestürzt, doch kann er sich, im letzten Augenblick noch an den Überresten der Reling abstützen. Dann geht er über das Oberdeck schwankend , doch zielstrebig. Er verschwendet keinen Blick nach Backbord oder Steuerbord und hält Kurs auf den Abstieg zum Unterdeck.

Auch die Stufen des Abstiegs meistert er, wenn auch schlecht und recht. Ole spricht keine Wort und gibt nur hin und wieder ein Gebrumme von sich, so wie ein Bornbär brummen würde, wenn man ihn in seinem Winterschlaf stören würde. Und Schlaf sucht auch Ole.

Der Schiffszimmermann tastet sich an der Wand entlang, bis er den richtigen Türrahmen gefunden hat. Er schwankt in die Mannschaftsunterkünfte, hat zwar Mühe sich auf den Beinen zu halten, findet aber auf Anhieb den Weg zu seiner Hängematte, die ja, EFFerd sein Dank, nicht sehr weit von der Türe entfernt ist.

Doch ehe er den segensreichen Geschenken Bishdariels entgegen strebt, geht er noch einmal in die Knie und öffnet ein Seitenfach seines Seesacks, kramt darin herum. Triumphierend hält er danach eine Phiole nach oben, mit einer Genugtuung, als habe er eben ein Kaninchen mit bloßer Hand gefangen. Er öffnet das Gefäß und trinkt den Inhalt in einem Zug aus.

Jetzt breitet sich auf seinem Gesicht der Ausdruck von einer gewissen Seligkeit aus. Ächzend und stöhnend erhebt sich Ole, um sich danach gleich wieder schwer in die Hängematte fallen zu lassen. Das Material ächzt und stöhnt nicht minder, aber es hält dem Gewicht des Zimmermannes stand. Wenige Momente später ist er eingeschlafen. Er lächelt im Schlaf und hält noch immer die geleerte Phiole in der Hand, als wäre es ein Heiligtum für ihn.



Ab mit Thorben


Die Bootsfrau beendet die Fesselung Thorbens, dann prüft sie die Fesseln noch einmal, indem sie an einigen Stellen daran zupft. Schließlich nickt sie, zufrieden mit ihrem Werk.

Da Jergan gerade mit einem der Magier spricht, und die beiden verbliebenen Offiziere auf dem Oberdeck sind, überlegt sie nicht lange, sondern wirft sich Thorben ungeachtet seines Gewichtes wie einen Sack über die Schulter.

Mit ruhigen Schritten geht die Bootsfrau über das Brückendeck, vorbei an den Gefesselten und in Heilung befindlichen, schüttelt angesichts der zerstörten Reling den Kopf, und geht dann die Treppe hinunter.

Unten werden ihre Schritte schneller, als sie sieht, daß an der Wand des Heckaufbaus schon zwei Matrosen lehnen, und daß Sigrun, Xenia und Alrik mit einem weiteren beschäftigt sind.

Nirka überlegt nicht lange, denn sie weiß, daß Jergan die Gefangenen ganz sicher nicht direkt neben seiner Tür haben will, und so geht sie mit ihrer Last über das Deck zu Sigrun und den anderen.

Mit einem hörbaren - und für diesen auch sicher schmerzhaften - "Plumps" lädt sie Thorben neben Babo ab und mustert dann Sigrun, wobei man die Freude über die Unversehrtheit der Freundin nicht übersehen kann.



Von Thorben ist nicht viel zu hören und zu sehen. Seinem Schicksal ergeben läßt er - bis jetzt - alles mit sich geschehen und wehrt sich nicht.



An der Reling


Als Babo fest verschnürt ist, läßt Sigrun die Waffe entgültig sinken. Xenia und ALRIK haben ihr Werk gut gemacht, dessen ist sie sich sicher. Momentan scheint ihre Hilfe an anderer Stelle auch nicht erforderlich zu sein, die Herren Magier sind offensichtlich an diversen Stellen mit der Heilung beschäftigt und alle Meuterer sind gebunden oder werden es gerade. Da sieht sie Nirka mit dem geschulterten Thorben auf sich zukommen und Erleichterung tritt in ihr Gesicht. Seit ihr der 3. Offizier den Auftrag erteilt hatte, sich um Babo zu kümmern, hat sie sich keinen genauen Blick zum Brückendeck gestattet. Das Risiko, daß die Sorge um die Freundin die Konzentration beeinträchtigt hätte, wäre zu groß gewesen und da der Aufgang zum Brückendeck versperrt war, wäre ein Eingreifen nicht möglich gewesen. Doch jetzt spiegelt die Erleichterung in ihrem Gesicht die zuvor unterdrückte Angst um Nirka wieder.

"Es geht dir gut!" Die Anspannung läßt diesen Satz geradezu heraus brechen.



Nirka nickt ganz langsam, während sie ihren Blick nicht von Sigruns Gesicht abwendet und der Freundin unverändert in die Augen blickt.

"Wir haben sehr viel Glück gehabt", sagt sie nach einigen Augenblicken des Schweigens leise.

"Es ist vieles passiert, das leicht einen anderen Verlauf hätte nehmen können. Doch... ich freue mich sehr, daß uns nichts Schlimmes passiert ist."

So, wie sie es sagt, umfaßt das "uns" die ganze kapitänstreue Besatzung, aber ihre, Sigrun zugewandten Augen zeigen, daß es eher Sigrun und sie ganz persönlich meint.



Erstaunt hört Xenia zu, was Sigrun und Nirka bereden - obwohl sie sich natürlich bemüht, sich das Zuhören nicht allzu deutlich anmerken zu lassen. Daß sich die beiden ziemlich nahe stehen, ist der einzig mögliche Schluß aus den Blicken und Worten Sigruns und Nirkas und trotzdem kann die Matrosin das nicht so recht glauben, was sie sieht und hört. Sie wirft Alrik einen fragenden Blick zu.

Nur nebenbei registriert sie, wie Ole sich vom Deck schleppt.



Lowanger wieder auf der Brücke


Lowanger nickt nur einmal kurz und zackig auf Magister Ottams Worte hin und läßt ihn dann seiner Wege gehen.

"Wasuren! Und du auch, Eilif!" Und wieder zitiert Lowanger die beiden Matrosen, aber vor allem natürlich Wasuren herbei.

"Schafft die beiden Aufrührer besser dort hinten hin, zur Reling."

Mit einer Hand zeigt er zu der Stelle an der Reling, wo sich schon Babo und Thorben befinden.

Dann endlich steigt Lowanger die Treppe zum Brückendeck empor. In aller Ruhe und ohne sich eine einzige Gefühlsregung anmerken zu lassen, betrachtet der 3. Offizier die Stelle der Verwüstung. Hier auf der Brücke hat der blutige Schlagabtausch deutliche Spuren hinterlassen. Lowangers Blick bleibt schließlich an Rilaf hängen, der noch immer besinnungslos auf dem Boden liegt, aber den man kaum als ausreichend gefesselt bezeichnen kann.

"Wasuren!" ruft Lowanger laut hörbar nach unten herab. "Wenn du damit fertig bist, dann komm gleich mal her - und bring noch ein Seil mit."

Dann endlich tritt Lowanger auf den Kapitän zu. Lowanger schweigt - aber was gibt es schon zu sagen, was man nicht mit eigenen Augen auch sehen kann. Die Meuterei ist niedergeschlagen, der Kaptitän und seine treuen Männer und Frauen sind unversehrt oder aber befinden sich in guten, heilenden Händen. Was bleibt, ist das Unverständnis und die Frage nach dem 'Warum?'. Doch auch die besten Gründe und Erklärungen können nicht ungeschehen machen, was heute auf der NORDSTERN geschehen ist - und so schweigt Lowanger.



Auf der Brücke


Jergans Blick folgt Darians Hinweis, dabei sieht er zugleich, daß Lowanger auf dem Weg auf das Brückendeck ist. Es ist offensichtlich, daß der junge Magier die Erscheinung der Walwut nicht so richtig kennt...

"Das war ein Fall von Walwut... eine Art Kampfrausch. 'Besessen' ist vielleicht etwas hart, aber es könnte schon passen."

Er sieht zu, wie Lowanger Wasuren mit weiteren Aufträgen versieht, und sagt dann noch:

"Zu den Hintergründen müßtet ihr freilich den Magier fragen... oder Ole selbst, wenn ihr möchtet."

Jergan wendet sich nicht direkt von Darian ab, aber da Lowanger auf ihn zukommt, diesem jetzt zu.

Er hebt den Blick, und sieht Lowanger lange an. Auch er sagt nichts, und in seinem Blick ist ein stilles Einverständnis mit dem erfahrenen Offizier zu lesen - ein Einverständnis, wie es das zwischen ihm und beispielsweise Fiana nie geben könnte.




Ottam unterwegs


Ottam hält nichts auf dem Deck, er ist erschöpft und seine astralen Kräfte ebenso.

So schnell es ihm gelingt macht er sich auf den Weg in seine Kabine. Dort angekommen läßt er sich regelrecht in seine Koje fallen, doch nicht um zu schlafen, nein, unter einer Decke holt er ein winziges Kästchen, nicht mal 2x2 Finger mißt es. Doch ist es sehr wohl kunstvoll bearbeitet. Das mit filigranen Metallarbeiten beschlagen Kästchen wird vorsichtig geöffnet, hervor kommt ein nachtblaues Pulver, welches Ottam seelig betrachtet und dann eine Fingerspitze davon heraus nimmt. Das Kästchen verschwindet wieder an seinem Platz, das entnommene Pulver wandert in eine leere Flasche aus Ottams Krankenversorgungsbündel. Anschließend füllt er eine grüne Flüssigkeit ein, woraus sich dann eine fast schwarze Mischung ergibt.

Daraufhin holt er sein Buch hervor und sucht ganz gezielt nach einer Stelle weit hinten. Die Seite zeigt eine wolfsähnliche Gestalt, die jedoch über 3 Beine verfügt, und auch sonst anders proportioniert ist.

Darunter befindet sich ein Text, welchen Ottam bewußt so leise murmelt, daß ihn selbst der beste Lauscher nicht verstehen könnte.

Daraufhin beginnt die Flüssigkeit rot zu glimmen und er trinkt sie in einem Zug leer. Mit einem Mal geht es ihm besser, und auch seine astralen Energien durchfluten ihn, wie er es gewohnt ist.

Der einzige Unterschied, der einem aufmerksamen Beobachter auffallen könnte, ist das, daß Weiße in seinen Augen einen leicht türkisen Schleier hat. Sorgsam verschließt Ottam das Buch und räumt es fort. Daraufhin verschließt er seine Kabine und macht sich auf den Weg zu Lowanger.

"So, was ist den das noch für ein Verletzter in eurer Kabine? Und was ist ihm widerfahren ?"



Darian zieht sich zurück


Darian denkt sich dasz der Kapitän nun wohl noch einige andere Dinge zu erledigen hat als mit einem der Passagiere zu plaudern.

Er schaut sich noch einmal kurz um, stellt aber erleichtert fest, dasz der ´Besessene´, der sich jetzt wieder erhebt, sich offenbar beruhigt hat und auszerdem einen ziemlich erschöpften Eindruck macht. Dann wendet er sich dem Niedergang zu, Jergan noch ein "Efferd mit Euch" nachrufend, geht er die Stufen hinunter um gleich darauf im Niedergang zum Unterdeck und dort in seiner Kabine zu verschwinden.

Seine Gedanken kreisen dabei um den Berserker, Walwut also, dann stimmte es ja doch was der alte "Efferdgeweihte" damals in der Taverne von Niritul erzählte. Dieser "Geweihte" hatte wohl ehemals dem Herren des Wassers gedient, sich nun aber anderen Flüssigkeiten verschrieben und den Tempel gegen die Theke eingetauscht. Er hatte damals vom Kampfrausch der Thorwalpiraten erzählt, doch Darian hatte dies als Mythos und dummen Aberglauben abgetan, schon wegen des erheblichen Alkoholpegels des Erzählers. Aber nun, da er es mit eigenen Augen mit angesehen hat, nimmt er sich fest vor, den Schiffszimmermann zu befragen, sobald dieser wieder ansprechbar ist. Da dies aber wohl kaum vor morgen früh der Fall sein würde, will er die Zeit bis dahin dafür nutzen sich selbst ein wenig auszuruhen und vielleicht noch ein wenig seinen Studien nachzugehen.



Rundgang


Als Radisar sich abwendet setzt Fiana ihren Rundgang fort, sie überzeugt sich davon, daß alle Meuterer gefesselt und handlungsunfähig sind. Auch hat sie lobende Worte für die kapitänstreuen Matrosen bei denen sie vorbei kommt.

Nachdem sie sich überzeugt hat das momentan keine Gefahr droht, geht sie zum Kapitän und meint:

"Alle Meuterer sind gefesselt und die Verletzten werden geheilt. Der Aufstand ist wohl niedergeschlagen."

Die Frage nach dem Warum bleibt unausgesprochen in ihren Augen, in ihrem Gesicht geschrieben.

Fiana blickt den Kapitän mit einem fast leeren Blick an, ihre Augen sind tief wie das Meer, ohne das ihr sonst eigentlich immer zu eigene Lächeln. All das hier, das Blut, die Verletzten und das ganze Chaos an Bord haben es vertrieben.



Jergan wendet den Blick nun auch Fiana kurz zu, um dann seine beiden verbliebenen Offiziere einige Augenblicke anzusehen.

"Ja, das ist er", erwidert der Kapitän dann auf Fianas Bemerkung, ehe er ganz langsam einige Schritte in Richtung des Steuers geht, das nach Nirkas Eingreifen in den Kampf unbesetzt geblieben ist - nicht, daß das stören würde, denn es weht ja nach wie vor kein Wind...

Aber Ordnung muß sein!



Das war's .....


Endlich ist nach den hektischen Ereignissen der Meuterei und deren erfolgreicher Beendigung wieder Ruhe auf dem Schiff eingekehrt, das unverändert bewegungslos im Golf von Prem liegt. Die Meuterer sind überwältigt und gefesselt, die Verletzten versorgt, und das Schiff wieder fest in der Hand des Kapitäns. Auch der Elf, der eigentlich der Stein des Anstoßes für die Meuterer war, ist aus seinem finsteren und engen Gefängnis befreit.

Noch bevor der Schiffskoch dazu kommt, die ohnehin schon späte und dann durch die Meuterei noch viel mehr verschobene Mittagsmahlzeit, die nun eher eine Nachmittagsmahlzeit geworden ist, auszugeben, werden die gefangenen Meuterer von der Bootsfrau Nirka und einer Reihe von Matrosen nicht gerade sanft in den Laderaum zwei geschafft, dessen Ladung man extra deswegen ein wenig umverteilt. Der durchaus geäußerte Vorschlag, einfach die große Luke zu öffnen und die Meuterer vom Oberdeck aus bis auf das Ladedeck hinunter zu stossen, wurde dabei allerdings nicht umgesetzt, sondern unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen die Niedergänge benutzt.

Thorbens wiederholte Beteuerungen, er habe nur versucht, das Schiff vor dem Untergang zu retten, und sein wiederholtes Gerede von einer angeblichen Besessenheit, finden dabei kaum Ohren, die überhaupt zuhören, denn es hat sich klar und deutlich gezeigt, wozu so etwas führt. Jergan läßt sich in dieser Beziehung auch auf keinerlei Diskussionen ein, sondern betont mehrfach, daß er den Fall an die dafür zuständigen Stellen in Thorwal übergeben wird - da wird Thorben ja selbst sehen, wie unsinnig seine Anschuldigungen sind. Auch die Magier, die es auf dem Schiff gibt, tragen dazu bei, den abergläubischen Seeleuten klar zu machen, wie unsinnig Thorbens Vorstellungen sind, und daß dieser Elf so etwas ganz gewiß nicht getan hat.

Nach dem verspäteten Essen, bei dem kaum jemand nicht über die riskanten und aufregenden Ereignisse der Meuterei und deren Niederschlagung redet, ist es dann auch schon fast Abend, und einige winzige Wölkchen zeigen sich am Himmel, die davon künden, daß die Windstille, die nun schon nahezu den ganzen Tag gedauert hat, ein baldiges Ende finden sollte.

So ist es auch noch windstill, als die Mannschaft das Deck und die Brücke von den Spuren der Meuterei säubert. Blutlachen werden aufgewischt und die Planken solange gescheuert, bis Nirka, die in diesen Dingen sehr pingelig ist, endlich zufrieden ist. Einige Spuren bleiben jedoch erst einmal sichtbar - eine tiefe Schramme in den Planken des Brückendecks, wo Olofs Axt aufschlug, eine kleine Delle im Oberdeck, woBabos Messer steckenblieb, und einige weitere Beschädigungen, deren Behebung erst einmal warten muß, bis sich der Zimmermann wieder wirklich gut fühlt. Dazu gehört natürlich auch die große Lücke in der vorderen Reling des Brückendecks, die er selbst erzeugt hat, und die bis auf weiteres erst einmal mit einigen Tauen versperrt ist, die man an den verbleibenden Relingresten befestigt hat.

Und noch immer kein Wind...

Tatsächlich bleibt das Schiff jedoch auch während der Nacht unbeweglich liegen. Die Segel hängen schlaff an den Masten, während die doppelte Wache - Jergan hat das aus Sicherheitsgründen so angeordnet - sich die Zeit auf der Brücke und dem Deck vertreibt, ohne daß etwas geschieht.

Erst am frühen Morgen des nächsten Tages - des 22. Efferd, als Jergan die Brückenwache von Lowanger übernimmt, bläht der erste schwache Windhauch die Segel der Karavelle aus Riva. Doch er reicht kaum aus, um dem Schiff eine nennenswerte Geschwindigkeit zu verleihen, denn nur sehr langsam bleibt die von Jarun über Bord geworfene Börse Radisars hinter der NORDSTERN zurück.

Erst am Vormittag frischt der Wind im Golf von Prem endlich auf. Die Segel der NORDSTERN füllen sich, und die Karavelle legt sich leicht auf die Steuerbordseite, während die Bugwellen rasch größer werden.

Ebenso rasch, wie die Überfahrt begonnen hat, geht sie auch zu Ende, denn weit ist es wirklich nicht, und diese etwa achtzig Meilen schafft die Karavelle bei diesem Wind in sieben Stunden. Am späten Nachmittag schließlich ist die Küste mit ihrem etwa vierzig Schritt hohen Kliff zu sehen, das von der alten königlichen Zwingfeste "Ugdalfskronir" gekrönt wird, und wenig später auch schon die Hafenanlagen der Stadt an der Bodirmündung.

Jergan selbst ist wieder an das Steuer getreten, denn diesen Hafen kennt er sehr gut, zumal die Einfahrt auch ohne Lotsen sehr leicht ist. Mit stark gerefften Segeln steuert die NORDSTERN auf die Bodirmündung zu, um dann den am Nordufer der Mündung gelegenen Handelshafen anzusteuern.

Wenig später macht das Schiff mit der Backbordseite an der Hafenmauer fest. Matrosen springen mit den Trossen auf den Kai und befestigen sie rasch an den Pollern, dann liegt die Karavelle nach der Überfahrt sicher vertäut im Thorwaler Hafen... doch zu Ende ist die Überfahrt damit noch lange nicht.

Jergan gibt von der Brücke aus sofort die Anweisung, daß auf Grund der Ereignisse auf See vorerst niemand ohne Erlaubnis das Schiff verlassen darf, bis die Lage mit den dafür Zuständigen aus der Stadt geklärt ist. Er selbst macht sich zusammen mit Fiana zum Hafenamt auf, von wo man dann Wachen schickt, die die gefesselten Meuterer abholen. Entscheidungen werden jedoch noch keine gefällt, da die Hafenamtsvorsteherin an diesem Abend bereits gegangen ist. Der Kapitän möge am nächsten Morgen wiederkommen, so lautet die Entscheidung des Wachhabenden, der die Meuterer im Hafenamt einsperrt.

Jergan widerruft die Anweisung, daß niemand das Schiff verlassen darf, darum nicht, und so findet der übliche Wachwechsel auf der NORDSTERN statt, die ohne weiteren Kontakt zur Stadt im Hafen liegt - sehr zum ärger derjenigen, die Bekannte oder Freunde in der Stadt haben, oder einfach nur eine der vielen Tavernen aufsuchen wollen, um von den Erlebnissen und den bestandenen Gefahren zu berichten.

Die Nacht vergeht ohne aufsehenerregende Ereignisse, und der 23. Efferd begrüßt Schiff und Stadt mit herrlichem Segelwetter, das natürlich nicht genutzt werden kann. Nach einem knappen Frühstück in der Offizierskajüte gehen Kapitän und erste Offizierin wieder zum Hafenamt, während sich Ottam auf den Weg zur Magierakademie macht - er konnte den Kapitän überzeugen, daß seine Arbeit dort wesentlich wichtiger ist als seine Anwesenheit an Bord. Dem Kapitän ist das allerdings auch recht, da er die Magierakademie für einen besseren Aufenthaltsort für Ottam hält als das Schiff - insbesondere dann, wenn er selbst nicht an Bord ist.

Nirka und Lowanger halten gemeinsam auf dem Oberdeck Wache, um darauf zu achten, daß Jergans Anweisung befolgt wird, und niemand das Schiff verläßt.






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