- Logbuch der NORDSTERN -

Im Golf von Prem - Teil 1 - (Windstille) - 21. Efferd, 28 nach Hal

Der Tag danach


Die Aufräumarbeiten an Bord sind fast abgeschlossen. Die Planken des Oberdecks sind inzwischen wieder so blank gescheuert, daß sie mühelos mit jedem Tisch in einem besseren Gasthaus mithalten können. Als schließlich alles blitzt und blinkt und auch die letzten Verladearbeiten getätigt sind.

Jergan Efferdstreu kann wirklich zufrieden sein mit seiner Mannschaft, aber heißt es nicht auch: 'Wer saufen kann, der kann auch arbeiten'. Nun, die Mannschaft der Nordstern hat ihre Arbeit verrichtet und so ist es nur recht und billig, daß er wenigstens einem Teil der Mannschaft noch die Möglichkeit zu einem Nachmittag an Land gibt. Nirka und Sigrun ist das gerade recht. Ein letztes Mal kehren die beiden Frauen in den Mannschaftsraum zurück, um nach Aleara zu sehen, die immer noch im tiefen, aber ruhigen Schlaf liegt. Die Sorge über diesen unveränderten Zustand der Matrosin, läßt sich nicht so einfach vertreiben. Doch der Elf Sylvhar beruhigt die beiden Frauen und erzählt ihnen noch ein paar unverständliche Dinge über 'Traumwelten' und 'Mandra'. Wie immer ist es recht schwer, zu verstehen, was Sylvhar sagen will, doch der Elf sieht sehr zuversichtlich aus, und es gelingt ihm damit auch, Sigruns und Nirkas Sorgen zu zerstreuen. Und so machen sich Sigrun und Nirka auf den Weg, der sie ohne weitere Umwege zu Bernikas Herberge führt.



Joanna de Clare


Zur Mittagszeit ist es immer noch recht kühl. Im Hafen von Prem gehen die Menschen immer noch ihren gewöhnlichen Arbeiten nach, die sich wohl Tag für Tag wiederholen, wenig Abwechslung beinhalten und immer wieder aufs Neue die Sehnsucht wecken, selbst einmal in die Ferne zu segeln, um fremde Länder kennenzulernen.

Da kommt eine junge Frau, um die 20 Jahre aus einer der Hafentavernen. Sie ist ca. 175 cm groß und schlank. Sie ist in einen schwarzen weiten Umhang gehüllt. Ein Langbogen ist über ihren Oberkörper gestreift und sie trägt einen Köcher mit 20 Pfeilen bei sich. Außerdem hat sie einen Kampfstab dabei. Sonstige Waffen könnte sie nur noch in ihrem ledernen Rucksack tragen. Ihrem Aussehen nach, ist sie eine Druidin. In ihren pechschwarzen Augen kann man Nervosität erkennen. Langsam und unsicher nähert sie sich der Nordstern. Letzte Nacht hatte sie nicht viel geschlafen. Es ist ihre erste längere Reise auf einem Schiff, von dem sie nur noch wenige Schritte trennen. Sie streift ihre dunkelbraunen Haare hinter die Ohren und betritt die Nordstern. Sie wendet sich dem Kapitän zu: "Mein Name ist Joanna de Clare. Ich würde gerne eine längere Reise auf diesem Schiff machen."



Jergan begrüßt die junge Frau mit einem milden Lächeln.

"Efferd zum Gruße. Jergan Efferdstreu ist mein Name. Wohin soll den die Reise gehen?" fragt er freundlich und klärt dann mit der Frau die weiteren Formalitäten. Geld und Gemeinschaftskabinenschlüssel wechseln den Besitzer, und Jergan stellt zuversichtlich fest, daß sich der Gemeinschaftsraum, der bislang noch recht leer stand, inzwischen auch ganz gut gefüllt hat.

Und so vergeht auch dieser Tag, dann die Nacht - und schon ist der Tag der Weiterreise nicht mehr fern.



Torin's Geschäfte


Als Torin das Gasthaus verläßt, ist er sehr in Eile. Doch schon nach wenigen Schritten muß Torin erkennen, daß sich übertriebene Eile wohl jetzt nicht mehr lohnt. Außerdem könnte sich seine Wunde wieder öffnen.

'Ich sollte sicherheitshalber einen Medicus aufsuchen' denkt er sich und blickt sich nach einem entsprechenden Schild um. Plötzlich bemerkt Torin, daß sich jemand an seinem Dukatensäckel zu schaffen macht. Er greift nach der Hand und hält sie fest. Dann dreht er sich um und blickt herunter auf einen zerrenden und ängstlichen Jungen dessen verlumpte Kleidung wohl schon seinem größeren Bruder gehörte.

"Laß los!" befiehlt der Blondschopf trotzig.

"Nein!" sagt Torin mit fester Stimme. Dann geht er in die Hocke und fragt mit weicher Stimme "Warum wolltest du mein Säckel klauen?"

Der Blondschopf blickt ihm in die Augen und meint leise:

"Meine Mama ist krank! Papa hat gesagt, daß sie bald zu Boron geht." Der Junge stampft mit dem Fuß auf. "Aber ich will das nicht! Ich will meiner Mama helfen!"

Torin blickt dem Jungen in die Augen. Dann nickt er leicht, löst seinen Lederbeutel und hält ihn dem Jungen hin.

"Dann gib deiner Mutter das hier. Darin befinden sich genug Dukaten um deine Mutter zu heilen. Sag ihr, es ist von Torin Rotmarder. Sie soll für mich beten."

Nach diesen Worten läßt Torin die Hand des Blondschopfes los. Der Junge reißt ihm den Beutel aus der Hand und rennt los. Torin sieht ihn in der Menge verschwinden und erhebt sich mit einem Lächeln.

'Auch wenn du gelogen hast,' denkt er sich 'so hast du doch mein Herz bewegt.'


Dann geht er auf das Tor des grafschaftlichen Anwesens zu. Gerade als Torin das Tor durchqueren will, wird er von der Wache zurückgehalten.

"Halt!" brüllt ihn die Wache an. "Wer will Einlaß?"

"Torin Rotmarder, ich habe eine Audienz bei Krull, dem Sohn des Born, Graf zu Prem."

"Dann seid ihr also der Grund, warum der junge Herr heute morgen so außer sich war."

Die Wache grinst kurz, dann wird sie wieder ernst.

"Der junge Herr ist vor etwa zwei Stunden mit seinem Drachenboot aufgebrochen. Soweit ich weiß, will er nach Havenna."

Torin bedankt sich für diese Auskunft und wendet sich wieder dem Treiben in den Straßen zu.

"Havenna... Verflixt!" denkt er "Aber vielleicht segelt er über Thorwal und ich kann ihn dort erreichen. Egal, erst sollte ich meine Wunde von einem Medicus versorgen lassen.' Er lenkt seine Schritte in Richtung eines großen Gebäudes auf dem Marktplatz.


Torin öffnet die schwere Holztür, die in das Haus des Medicus führt und tritt ein.

"Phex zum Gruße, werter Herr." grüßt er den dicklichen, leicht untersetzten Mann.

"Phex zum Gruß, was soll es sein?" entgegnet ihm gelangweilt der Medicus. Die Kleidung des Mannes sowie die Einrichtung des Zimmers lassen auf gute Geschäfte schließen.

"Werter Herr, ich habe hier eine kleine Wunde, die ich gerne behandeln lassen würde."

Mit diesen Worten nimmt Torin seinen Hut ab und zeigt dem Medicus seine Verletzung.

Dieser betrachtet die kleine Schorfstelle und meint:

"Da könnt ihr froh sein, daß ihr es mit solch einer Wunde noch zu mir geschafft habt. Diese Wunde muß sofort behandelt werden."

Torin spielt den Besorgten als er entgegnet:

"Ist es wirklich so schlimm? Das Dumme ist nur, ich habe keine Dukaten bei mir. Aber ich würde diesen Stab mit euch tauschen. Es war einst der Stab eines Magiers, doch dieser benötigt ihn jetzt nicht mehr. Und wäre mein Leben nicht in euerer Hand, würde ich mich nie davon trennen!"

"Ich tausche niemals!" faucht ihn der Medicus an, der seine leicht verdienten Dukaten entweichen sieht. "Aber ich würde euch für den Stab zehn Dukaten geben. Damit könnt ihr dann die Dukate für die schwierige Heilung aufbringen."

"Wäre ich nicht in Eile und schwer verletzt, so würde ich euer Angebot als Beleidigung werten." entgegnet Torin ernst "Aber wenn ihr die Heilung der Wunde und ein Ledersäckchen drauflegt, muß ich die Gelegenheit beim Schopfe packen."

"Mit dieser schweren Verletzung kann ich euch nicht gehen lassen, auch wenn ich es wollte." Der Medicus schnauft. "Ihr handelt wie ein Fuchs! Nun gut, der Handel gilt." Er nimmt den Stab und schließt ihn in seinen Wandschrank.

Einige Minuten später verläßt Torin geheilt und um zehn Dukaten reicher den Medicus. "So so," raunt Torin "schwere Wunde! Warte nur, du Halsabschneider!"

Dann verläßt er den Marktplatz und schlendert nachdenklich durch die engen, belebten Gassen in Richtung Hafen.

'Wenn ich jetzt nach Thorwal übersetze, werde ich die Diebin wohl nie wiedersehen. Doch wenn ich nicht reise, werde ich das Goldeichenherz nicht zurückbekommen. Und ohne das Herz bin ich nicht frei von Liasanya.' Torin seufzt, 'Aber so Phex es will, werde ich meine geheimnisvolle Diebin irgendwann wíeder sehen.'


Als er die Gasse verläßt, weht ihm leichter Wind entgegen. Die Luft schmeckt salzig und riecht nach Meerestieren. Torin rümpft die Nase und verharrt für einen Augenblick, um sich ein Bild des Hafens zu machen.

'So viele Schiffe hatte ich nicht erwartet.' denkt er, als sein Blick von einer Seite des Hafens zur anderen schwenkt. 'Ich werde bei den Schiffen, die aussehen, als ob sie aus Thorwal kommen, nachfragen.'

Doch er wird immer abgewiesen. Entweder fahren die Schiffe in eine andere Richtung oder man nimmt keine Passagiere an Bord.

"Wir lagen erst in drei Tagen ab, früher ist es uns nicht möglich. Doch fragt auf der 'Nordstern' nach, sie setzt morgen in der Frühe ihre Segel." meint der Bootsmann der 'Seegans' "Vielleicht steuert sie in euere Richtung."

Er hebt seine Hand und weist auf ein Schiff

"Die 'Nordstern' ist die Karavelle dort drüben mit den Havena-Segeln." Vielleicht nimmt euch der alte Efferdstreu mit?"

Dankbar verabschiedet sich Torin und sucht die 'Nordstern' auf. 'Der Mann, der an der Reling steht und rum kommandiert, das muß der Kaptän sein.'

"Phex zum Gruße, werter Herr!" ruft er auf das Schiff herauf.

Der Mann dreht sich um, sieht Torin und kommt die Planke herunter.

"Efferd zum Gruße, was kann ich für Euch tun?" fragt er ihn.

"Torin Rotmarder ist mein Name. Herr Kapitän, kann ich auf euerem Schiff eine Überfahrt nach Thorwal bekommen?"

"Mein Name ist Wulf Lowanger, Offizier auf der Nordstern. Wenn Ihr den Kapitän zu sprechen wünscht, dann müßt ihr Euch an jenen Herrn dort wenden", entgegnet Lowanger schmunzelnd.

"Aber nichts für ungut. Eine Passage nach Thorwal könnt Ihr gerne bekommen, aber unsere Kabinen sind bereits alle vergeben. Einen Platz im Gemeinschaftsraum kann ich Euch aber gerne anbieten. Obwohl, vielleicht braucht Ihr die auch gar nicht, denn bei gutem Wind werden wir Thorwal bestimmt noch binnen Tagesfrist erreichen. Ihr könnt's Euch ja überlegen", erklärt Lowanger.

"Das ist schade, daß eure Kabinen bereits belegt sind. Aber da ich nun mal nach Thorwal muß, werde ich eben eine Koje im Gemeinschaftsraum nehmen. Sagt an, wieviel soll mich die Überfahrt denn kosten?"

Der dritte Offizier nennt Torin den Preis und fügt dann noch hinzu:

"Wir legen morgen früh ab. Von mir aus könnt Ihr auch jetzt schon an Bord kommen und eure Sachen hier ablegen. Ansonsten legen wir morgen in aller Frühe pünktlich bei Sonnenaufgang ab."

Torin gibt dem Mann die Dukaten und meint dann:

"Ich werde allerdings erst morgen bei Sonnenaufgang an Bord gehen. Wißt ihr, es ist meine erste Schiffsreise und ich möchte den ruhigen Boden so lange wie möglich genießen."

Bei sich denkt er:

'Und außerdem muß ich mir noch meinen Stab zurückholen.'

Dann verabschiedet er sich und schlendert zurück zu der Taverne, von der er am Mittag so eilig aufgebrochen war. Als er die Türe öffnet, strahlt ihn der Wirt geradezu an. Er scheint weitere Dukaten zu wittern. "Was darf ich euch bringen? Hoher Herr? Wollt ihr etwas speisen? Hoher Herr? Oder ein Zimmer? Das Zimmer von letzter Nacht ist noch frei, hoher Herr."

"Genau um dieses Zimmer wollte ich euch bitten, Herr Wirt. Ich nehme es noch eine Nacht. Weckt mich eine Stunde vor Sonnenaufgang, dann ist euch eine weitere Dukate sicher."

Einige Minuten später öffnet Torin das Fenster der Dachkammer und setzt sich. Als die Sonne längst untergegangen ist, gibt er das Warten jedoch auf.

'Sie kommt nicht mehr.' gesteht er sich traurig ein.

Müde schließt er das Fenster, legt seinen Hut auf den Tisch, entkleidet sich, legt sich in das weiche Bett und schläft sofort ein.



Von der gnädigen Frau und ihrem Diener


Die schwarze Karosse, die an der Hafenstrasse entlang fährt macht einen niederhöllischen Lärm. Die schweren, eisenbeschlagenen Räder sind mehr für eine Fahrt über das offene Land gebaut. Die Kutsche selbst hat gigantische Ausmaße und ist, bei aller Zweckmäßigkeit reich verziert. Die Karosse fährt mit gemäßigtem Tempo die Anlegestellen ab. Mehrere bewaffnete Söldner sicher sie nach allen Seiten ab, sie muß wertvolle Fracht haben, daß sie dermaßen geschützt werden muß. Einer der Begleiter unterscheidet sich aber doch von den Männern des Begleitschutzes. Dieser Mann kann unmöglich ein Kämpfer sein. Er ist klein und sehr beleibt. Bis auf einen krausen Haarkranz rings um den Hinterkopf ist er völlig kahl. Er trägt einen großen Schnurrbart, den er nach Stutzerart an den Spitzen nach oben gebogen hat. Er trägt ein Cape zum Schutz gegen wind und Wetter, darunter aber Kleidung aus wertvoller Seide. Den kleinen Dolch an seiner Seite trägt er wohl nur zur Zierde. Der kleine Mann dreht hektische Runden um die fahrende Kutsche herum, offenbar gelenkt und geleitet von einer herrischen Frauenstimme, die von Zeit zu Zeit aus dem Inneren der Kutsche ertönt. Sofort nimmt dann der Mann eine demütige Haltung ein und eilt zum Verschlag um neue Anweisungen aufzunehmen. Der kleine Mann schwitzt ständig und tupft sich mit einem Seidentuch permanent Schweißperlen von der Glatze und von den Lippen. Es ist fürwahr ein sehr seltsamer Zug, der da die Straße heraufkommt.

Vor der NORDSTERN bleibt die Kutsche stehen. Ein laute und fast keifende Stimme ruft wieder nach dem kleinen Mann.

"Dieses Schiff werden wir nehmen, auf diesem Schiff will ich fahren! Habt ihr verstanden ihr nichtsnutziger Wurm? Und das ein bißchen plötzlich" und vorbei an den dunklen Vorhängen, die eine Einblick in das Innere der Kutsche verwehren, fährt eine Hand heraus, die eindeutig auf die NORDSTERN zeigt. Jeder Finger dieser Hand ist mit einem Goldring geziert, auf denen je ein großer Stein eingefaßt ist. Keiner derer, die Zeuge dieser Szenen geworden waren, hat in seinem Leben jemals eine derart große Ansammlung von Rubinen und Smaragden gesehen. Der kleine Mann nickt eifrig, wischt sich wieder etwas Schweiß von der Stirn und murmelt hektisch vor sich hin:

"Dieses Schiff .... jawohl ..... kein anderes .... ist klar ...... ein nichtsnutziger Wurm .... wie die Herrin meinen .... sofort ... selbstverständlich...!"

Der kleine Mann räuspert sich, richtet sich in seiner geringen Größe entschlossen auf und geht auf die Nordstern zu.

Die Pferde schnauben dicke Dampfwolken aus den Nüstern, die Praiosscheibe steht noch dicht über dem Horizont und hat noch nicht viel Macht über die frühen Morgenstunden. Sowohl die Büttel, als auch die Handlanger, welche die Kutsche begleiten frieren erbärmlich und können es gar nicht verstehen, daß der kleine, feiste Diener der Dame in dieser morgendlichen Frische derart schwitzen kann. Der kleine, dicke Kerl hält kurz ein, als er die schmale Planke erblickt, die das Festland mit dem Schiff verbindet. Über dieses schmale, wacklige Ding gehen zu müssen, bereitet ihm sichtbares Unbehagen und er zögert.

"Wie lange dauert denn das noch?????" donnert es aus der Kutsche heraus. Die Schelte verleiht dem kleinen Mann wieder Antrieb und er tippelt über das schmale Holzbrett, gebärdet sich aber wie ein Seiltänzer in luftiger Höhe. Als er an Bord angekommen ist stürzt er beinahe, da er auf eine leere Flasche getreten ist. Verwirrt blickt er sich um und betrachtet die Spuren des wilden Festes, daß hier ganz offensichtlich gefeiert worden war. Leicht indigniert schüttelt er den Kopf:

"Aber nein, was ist denn das bloß für ein Schiff?"

Doch dann zuckt er zusammen, als habe er soeben eine Zitterrochen berührt und er wendet sich zur Kutsche hin. Aus der Kutsche ist zwar kein Ton heraus gedrungen, dennoch verneigt er sich ein paar Mal und flüstert vor sich hin:

"Ja Herrin, sofort Herrin - ich beeile mich!"

Mit einem sicheren Gefühl für Autorität steuert es auf Jergan zu.

"Seid ihr der Kapitän?"



"Efferd zum Gruße! Ja, der bin ich... Jergan Efferdstreu ist mein Name!"


Der kleine Dicke hüstelt und spricht dann weiter:

"Ich habe die übergroße Ehre euch die Ankunft von der allergnädigsten Lieblichkeit Frau Reckinde von Beibach und Bruch anzukündigen. Ich hoffe, alles ist in ihrem Sinne vorbereitet!"



Der Kapitän überlegt einige Sekunden, dann nickt er langsam, während er sich fragt, ob Eilif wirklich schon in der Suite Staub gewischt hat.

"Ja, das ist korrekt. Es ist alles fertig."

Sein Blick geht dabei an dem kleinen dicken Mann vorbei, und mustert die Kutsche mit einiger Neugierde.



"Du alter, labernder Warunker Mistbock!!!" schrillt es aus der Kutsche und gleich darauf wird die Kutschentüre so aufgestoßen, daß es sie beinahe aus den Angeln gerissen hätte. Frau Reckinde selbst erscheint und von Lieblichkeit kann nicht die Rede sein. Reckinde ist eine sehr stattliche Person. Ein Schritt und vier Spann ist sie groß. Ihre enorme Oberweite verleiht ihr zusätzlich ein wuchtiges Aussehen, sie ist nicht gerade hübsch, aber auch nicht häßlich. Ihre langen dunkelbraunen Haare hat sie streng nach hinten zusammengebunden. Ihre Gesichtszüge sind herb, ihre buschigen Augenbrauen sind von einer steilen Stirnfalte geteilt, was ihr, in gesteigerter Form, einen mißmutigen Ausdruck verleiht. Ihre blaßgrünen Augen scheinen alles zu durchdringen und ihre Lippen sind schmal zusammengepreßt. Reckinde trägt stets wallende Gewänder aus feinstem Stoff. Ihre schwere Halskette aus Gold ist ein Vermögen wert. An jedem ihrer Finger trägt sie einen Ring mit einem großen Stein. Davon abgesehen, daß sie offensichtlich nur feinstes Material für sich duldet, wirkt ihre Kleidung eher unauffällig. Es rauscht förmlich als Reckinde auf die Planke zu stürmt. Zwei Bewaffnete eskortieren sie, drehen aber ab, als Reckinde die Planke betritt und haben es dann sehr allein das Weite zu gewinnen. Zwei Diener tragen, unter Aufbietung aller ihrer Kräfte, einen riesigen Koffer aus der Kutsche, hin zum Schiff.

Reckinde baut sich vor dem Kapitän auf:

"Ich bin Frau Reckinde von Beibach und Bruch, merken sie sich bitte den vollen Namen!!! Was nötig war, ist vorbesprochen und nun wünsche ich den Weg zur Suite zu erfahren. Bringen sie dieses Schiff aus diesem stinkenden Hafen. Danach erwarte ich sie in meinen Gemächern, damit wir die Formalitäten erledigen können."



Ruhig erwidert Jergan, der diese Art von Passagieren nicht zum ersten Mal "bändigen" muß:

"Efferd zum Gruße! Mein Name ist Jergan Efferdstreu - zu Euren Diensten. Man wird Euch die Suite zeigen - und den Hafen werden wir planmäßig morgen früh verlassen, mit Efferds Hilfe und

Unterstützung."

Seine Stimme ist dabei fest, um gleich zum Ausdruck zu bringen, daß er der Dame zwar Achtung entgegenbringt, aber keiner ihrer Dienstboten ist.



Reckinde von Beibach und Bruch schweigt für eine Augenblick. Ihre Stirnfalte vertieft sich zusehends und die zunehmende Rötung ihres Gesichts deutet eine starke innerliche Wallung an. Ihr Blick wird noch stechender und jeder andere als der Kapitän würde dadurch wahrscheinlich mit Kopfschmerzen 'gestraft' werden. Danach sieht sie in gleicher Weise ihren Diener an, der dabei unter ihrem Blick zu schrumpfen scheint. Dann gibt sie sich einen Ruck, gibt noch einen tiefen, brummenden Laut allgemeiner Mißbilligung von sich und setzt sich langsam in Bewegung.


Regelrecht angewidert schaut sie sich auf dem Oberdeck um, dann folgt sie dem Matrosen, der sie in die Suite führen soll. Wie ein Hündchen wieselt der kleine Dicke hinterher. Doch vorher schleicht er noch zum Kapitän und übergibt diesem, mit einer erstaunlichen Heimlichtuerei einen prallen Beutel mit Münzen. Dann flüstert er dem Kapitän zu:

"Es ist der vereinbarte Preis für die Fahrt. Ich habe mir erlaubt den Betrag um einen stattlichen Bonus zu erhöhen. Ihr werdet es schon noch verstehen!"

Danach hetzt er seiner Herrin hinterher.



Jergan nimmt den Beutel entgegen, wiegt ihn kurz in der Hand, und verschwindet dann in Richtung der Tür der Kapitänskabine.


"Bitte seid vorsichtig, stürzt nicht, es ist alles so unordentlich hier ........" leiert der 'Bückling' vor sich hin, während er sich noch immer den Schweiß aus dem Gesicht tupft.



Als die Diener, die der Dame mühsam die schwere, Metall beschlagene Kiste hinterher geschleppt hatten, das Schiff wieder verlassen, geht alles sehr schnell. In gespenstischer Geschwindigkeit entfernt sich die schwere Kutsche und es machte sich allgemein der Eindruck breit, daß die Begleiter der Kutsche es sehr eilig gehabt haben müssen, möglichst schnell möglichst viel Distanz zu gewinnen.




Die NORDSTERN läuft aus


Die Praiosscheibe hat sich im Osten gerade so aus dem Wasser erhoben, und ihre ersten Strahlen treffen vom Meer aus auf die Häuser Prems, und auf die Schiffe im Hafen, die lange Schatten bis an die Wände der Häuser in Hafennähe werfen. Es ist noch sehr ruhig an diesem 21. Efferd des Jahres 28 nach Hal, nur vereinzelt hört man Rufe auf den Schiffen, oder in den Straßen der Stadt. Die Schatten eines Schiffes jedoch sind von lebhafter Bewegung erfüllt. Wer die Hauswand, auf die sie fallen, aufmerksam betrachten würde, könnte daraus vielleicht schlußfolgern, daß dieses eine Schiff, das für diese Schatten verantwortlich ist, sich bereit macht, den Hafen zu verlassen.


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Auch in einer Taverne Prems ist zu dieser Zeit schon etwas los...

"Psst, werter Herr. Es ist Zeit aufzustehen."

Der Wirt rüttelt vorsichtig an Torins Arm.

"Was, schon?" entgegnet Torin verschlafen.

"Ich habe mir erlaubt, euch etwas heißes Wasser zu bringen."

"Danke, aber jetzt laßt mich alleine. Ich möchte mich in Ruhe waschen und richten können."

Als der Wirt die Kammer verlassen hat, schwingt sich Torin aus dem Bett. Er wäscht sich sorgfältig und kleidet sich an. Dann setzt er seinen Hut auf und setzt sich wieder auf das Bett.

"So mein lieber Medicus!" flüstert Torin zu sich selbst, "es ist Zeit für eine kleine Lehre!"

Er öffnet die Hand, hebt den Arm in die Höhe und konzentriert sich auf seinen Stab. Erst kann er seinen Stab nur erahnen, doch mit jeder Sekunde gewinnen die grauen Schatten in seiner Hand an Masse. Torin schließt seine Augen und flüstert den Spruch. Seine Hand ergreift den Stab. Lächelnd öffnet Torin seine Augen wieder. Der rotweissen Schlieren des Stabknaufes scheinen sich zu bewegen. Torin betrachtet eine Weile das Farbenspiel, setzt sich seinen Hut auf und verläßt er mit seiner Habe die Kammer.

Im Schankraum angekommen, zahlt er den Wirt aus und verläßt die Taverne ohne Frühstück in Richtung des Hafens.


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Jergan Efferdstreu steht an der vorderen Kante des Brückendecks und sieht zu, wie seine Matrosen die letzten Verrichtungen machen, Taue straff ziehen, andere Taue lockern, Segel auf das Deck tragen, die Winden schmieren... all jene Arbeiten, die vor dem Auslaufen notwendig sind. Er tritt ein kleines Stück zurück und läßt die Blicke über Prem streifen, vor allem aber über die Straßen, die zum Hafen führen. Wo bleibt dieser Mann, der sich angekündigt hat? Es war doch klar gesagt, daß es mit dem Sonnenaufgang losgeht, und das ist mittlerweile schon ein klein wenig her...

Vielleicht hat er es gar nicht so ernst gemeint? Jergan beschließt, den dritten Offizier, der das mit dem Fahrgast ausgemacht hat, noch einmal genau danach zu fragen.

"Nirka! Lass die Leinen losmachen, aber noch nicht ganz freigeben, Wulf, zu mir!"

Sein Ruf ist laut genug, um sowohl dritten Offizier, als auch die Bootsfrau zu erreichen.

Während einige Matrosen unter Leitung der Bootsfrau Nirka Eiriksdottir damit beginnen, die Leinen, die das Schiff am Kai festhalten, zu lösen, kommt der dritte Offizier Wulf Lowanger zum Kapitän auf das Brückendeck. Er will sich gerade ordnungsgemäß melden, als Jergan einfach abwinkt und fragt:

"Der Mann, mit dem du gestern verhandelt hast, wollte der nicht mit Sonnenaufgang kommen?"

"Ja, das wollte er, doch..."

Wulf unterbricht sich, und zeigt zum Hafen, wo es jemand ziemlich eilig hat.

"Dort ist er!"

"Kümmer dich um ihn", sagt der Kapitän.

Wulf nickt, und geht dann hinunter auf das Oberdeck, zum schiffseitigen Ende der Planke, über die Torin raschen Schrittes eilt.

"Phex zum Gruße, ich bin doch nicht etwa zu spät?" fragt Torin gutgelaunt.

"Efferd zum Grusse", entgegnet der dritte Offizier, und fügt hinzu: "Ihr kommt gerade recht."

Er führt Torin hinunter in die Gemeinschaftsräume, zeigt ihm seine Truhe und meint:

"Sucht euch eine Koje aus, aber seid leise, sonst weckt ihr noch jemanden auf."

Als Torin erkennt, daß 'seine' Diebin in einer der anderen Kojen schläft, erhellt sich sein Gesicht. Er möchte am liebsten laut lachen.

'PHEx, habt Dank. Wie groß euer Wohlwollen ist, läßt mich jedesmal wieder erstaunen.'

Er legt seinen Rucksack leise in die Truhe, schwingt sich dann in die Koje, zieht seinen Hut über die Augen und schläft mit einem seeligen Lächeln.


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Der neue Passagier ist kaum an Bord, als Nirka eigenhändig die Planke einholt, die Land und Schiff verbunden hat, und die Leinen endgültig eingeholt werden. Eilif und noch ein anderer Matrose machen sich daran, das an dieser Stelle entfernte Stück der Reling wieder einzusetzen, damit niemand aus Versehen über Bord fällt.

Ohne die Leinen gibt es nichts mehr, das die NORDSTERN am Land festhält, und so treibt die träge Strömung den Segler ganz langsam vom Kai weg. Viel Zeit, das Schiff auf diese Weise zu bewegen, gibt der Kapitän der Natur allerdings nicht:

"Focksegel setzen!"

Mit der Geschwindigkeit langer Übung hantieren die erfahrenen Seeleute am vorderen Havena-Segel der NORDSTERN, das sie in erstaunlich kurzer Zeit gesetzt haben. Die sanfte morgendliche Brise füllt das Segel rasch und drückt den Bug der Karavelle herum.

"Dichter holen!"

Die Winden quietschen leicht, bis sich das neu eingebrachte Fett verteilt hat, dann steht das Segel im neuen Winkel. Jergan dreht das Steuer um einige Grad, und spürt kurz danach auch den Gegendruck, denn das Schiff ist allmählich schnell genug, um eine Ruderwirkung zu erzielen. Geschickt richtet er den Bug auf die breite Ausfahrt aus dem Hafen, was zugleich der Fahrtrichtung nach Thorwal entspricht.

"Hauptsegel und Klüver setzen!"

Eigentlich macht man das ja nicht schon im Hafen, aber in diesem Fall ist die Ausfahrt sehr einfach, der Wind nicht sehr stark, und die Windrichtung nahezu optimal. Und es ist ein herrlicher Anblick, wenn die Karavelle mit fast vollen Segeln in Richtung des Sonnenaufgangs davon segelt. Einige Frühaufsteher, die das Schiff vom Kai aus winkend verabschieden, werden sich sicher darüber freuen, und vielleicht mag sogar den einen oder anderen die Begeisterung für die Seefahrt packen.

Diesmal dauert das Segelsetzen etwas länger, zum einen, weil das zweite Havena-Segel der NORDSTERN größer ist als das andere, und zum anderen, weil sich die Matrosen auf zwei Segel verteilen. Doch auch dies ist bald getan, und ungeachtet des gar nicht so starken Windes neigt sich das Schiff leicht nach Steuerbord, als es mit zunehmender Geschwindigkeit aus dem Hafen von Prem gleitet.

"Thorben!"

"Hier!"

Fast ein wenig mürrisch stapft der zweite Offizier Thorben Hjalmarson die Treppe zum Brückendeck empor, offenbar losgerissen aus einer geflüsterten Unterhaltung mit einem der Matrosen.

"Übernimm das Steuer, ich muß unten noch einiges erledigen."

"Zu Befehl, Kapitän!"

Jergan wendet sich zum Gehen, sagt dann aber noch über die Schulter:

"Denk dran, heute abend wollen wir in Thorwal sein!"

"Kein Problem!"

Thorben Hjalmarson umfaßt die Speichen des Steuerrades und dreht es einige Grad nach Backbord, dann wieder einige Grad nach Steuerbord, um sich von der Funktion und Leichtgängigkeit der Ruderanlage zu überzeugen.

Ganz mit den Gedanken dabei ist der zweite Offizier allerdings nicht, ihm gehen neben seiner derzeitigen Verantwortung für das Steuer auch einige andere Sachen durch den Kopf.

Unter dem Brückendeck, in der Kapitänskabine, sitzt Jergan Efferdstreu an seinem Tisch und schreibt mit geübten Federzügen in das Bordbuch der NORDSTERN. Er schreibt von der Feier, von dem Tag der Erholung danach, und von dem Auslaufen zu diesem kleinen, unbedeutenden Fahrtabschnitt hinüber nach Thorwal. Einen großen Teil davon hätte er eigentlich auch schon im Hafen schreiben können, aber das ist etwas, das ihm überhaupt nicht liegt. Nur in Notfallen schreibt er quasi an Land, also im Hafen liegend, etwas ins Bordbuch, viel lieber macht er das auf See, wie es sich gehört.

Und die NORDSTERN segelt mit inzwischen recht gutem Wind und vollen Segeln der einhundertundzwanzig Meilen entfernten Stadt Thorwal entgegen...




Es ist die dreizehnte Stunde dieses 21. Efferd 28 nach Hal, und wenn jemand ein Schwarzes Auge benutzen würde, um die NORDSTERN zu sehen, so würde er sie nicht dort finden, wo er sie angesichts ihrer zeitigen Abfahrt und des Windes vermuten würde. Doch Schwarze Augen sind zuverlässig, und so würde es das Schiff etwa vierzig Meilen östlich von Prem entdecken, mit schlaffen Segeln an den beiden Masten nur ganz langsam ostwärts treibend.

Nirka Eiriksdottir hält das Steuer, das der zweite Offizier ihr vor zwei Stunden übergeben hat, mit einer Hand fest, aber das ist eher ein Alibi, als eine wirkliche Arbeit, denn die Geschwindigkeit der NORDSTERN ist drastisch gesunken, seitdem der Wind am Vormittag beschlossen hat, nach und nach einzuschlafen. Die NORDSTERN mag seit Prem vielleicht fünfunddreißig oder vierzig Meilen geschafft haben, was etwa ein Drittel der ohnehin nicht sehr großen Strecke bis nach Thorwal ist, aber die Fahrzeiten von Segelschiffen sind einfach etwas, das man unmöglich genau planen kann.

Nur ganz selten weht eine sanfte Brise über das Wasser und läßt die Segel sich ein klein wenig füllen, aber das genügt kaum, um das Schiff nennenswert voran zu bringen. Immerhin reichen diese sanften Luftzüge und der Umstand, daß das Wasser zu dieser Jahreszeit recht kalt ist, aus, um es an Bord nicht zu warm werden zu lassen, denn die Praiosscheibe gibt sich gewaltig Mühe und strahlt in voller Pracht von einem wolkenlosen Himmel.

Weiter hinten, an der Achterreling der Brückendecks, steht der Kapitän und blickt hinunter in das nichtvorhandene Kielwasser seines Schiffes. Er ist recht ruhig, so etwas kommt vor, und er weiß, daß es hier, im Golf von Prem, recht selten und auf jeden Fall vollkommen ungefährlich ist. Das Schiff ist auf fast drei Seiten so dicht am Land, daß man es vielleicht sogar sehen könnte, wenn man nach oben auf den Mast klettern würde - ganz abgesehen von den Inseln, die es im Golf von Prem gibt. Man könnte das Schiff sogar im Schlepp des geruderten Beibootes nach Prem zurückbringen, aber selbst an so etwas denkt Jergan nicht, da es ihm völlig klar ist, daß der Wind wiederkommen wird - vermutlich ziemlich bald, ganz sicher aber Wochen vor dem Ende der Vorräte des Schiffes. Eher im Gegenteil, es würde ihn ziemlich wundern, wenn diese Windstille länger anhalten würde als ein paar Stunden oder vielleicht bis zum nächsten Morgen. Insgesamt also keine Gründe, sich Sorgen zu machen, aber eher schon Gründe, einen wunderschönen Tag auf See zu genießen.

Weiter vorne, auf dem Oberdeck und dem Vordeck, haben sich viele der Matrosen und Fahrgäste versammelt, denn die fast ungehinderte Sonneneinstrahlung hat es in den nicht so gut zu belüftenden Räumen auf dem Unterdeck unangenehm warm gemacht, ganz abgesehen davon, daß es bei diesem herrlichen Wetter einfach schön ist an Deck. Daß Nirka im Steuer steht und damit nicht unbedingt sofort da ist, um jemanden zur Arbeit zu verdonnern, ist ein zusätzlicher Anreiz für die Matrosen.

Noch weiter vorne, direkt unter dem Klüver, noch vor der Rotze, stehen der zweite Offizier und ein Matrose, und beobachten das Wasser, während sie ab und zu einige Worte wechseln.

Weiter unten, in der Mannschaftskabine, vergehen für die Matrosin Aleara gerade die letzten Augenblicke eines sehr langen, aber vielleicht - hoffentlich - auch heilsamen Traumes und Schlafes.

Noch weiter unten, in den Laderäumen, stauen sich die Güter, die nach Thorwal und weiter hinaus in die aventurische Welt sollen, Lebensmittel und Wasser für die Menschen an Bord, und noch viel tiefer unten, in der Bilge, eine nicht unbeträchtliche Anzahl von schönen Feldsteinen aus dem fernen Riva, die nur mitfahren, um ein Gegengewicht zu der Masse und dem Winddruck zu liefern, die vom Aufbau und der Takelage ausgehen.

Der Kapitän, in gewisser Weise Herr über all dies, wendet sich nun von der hinteren Reling ab und wandert einige Schritte nach vorne, um neben dem Steuer stehenzubleiben. Nirkas stilles Angebot, ihm das Steuer zu übergeben, verneint er mit einer knappen Handbewegung und läßt den Eindruck des Friedens auf sich wirken, der im Moment von Schiff, Fahrgästen und der Mannschaft ausgehen.

Und rings herum sind die im Moment sehr ruhigen Gewässer des Golfs vom Prem.



Die Druidin


Ermüdet läßt sich Joanna im Gemeinschaftsraum nieder. Zuerst stellt sie ihren Rucksack ab und schließt dann die Augen. Die junge Druidin bleibt so einige Sekunden ruhig sitzen und legt sich schließlich nieder. Eigentlich wollte sie jetzt etwas schlafen, weil sie das in den letzten Nächten kaum oder gar nicht getan hatte, aber sie war jetzt viel zu aufgeregt um schlafen zu können. So beschließt sie sich erst einmal an Deck umzusehen.


Schlagartig ist der Magier wach. ein leises Geräusch in der Gemeinschaftskabine läßt ihn auffahren.

'Wären doch nur Assalan oder Sentral mit an Bord, ich vermisse den Elfen und den grummeligen Zwerg'. Leise seufzend steigt Alrik von seiner Schlafstatt. Er schaut sich um und erblickt eine junge Frau, die auf ihrer Koje sitzt.

" Efferd zum Gruß", ruft er leise hinüber um die anderen Gäste nicht zu wecken," eine gute Reise wünsche ich Euch, werte Dame. Da wir bestimmt einige Tage hier zusammen verbringen werden, ich bin Magus Alrik Fuxfell und es ist mir eine Freude Eure Bekanntschaft zu machen.". Alrik verbeugt sich leicht und streicht dann seine kobaltblaue Robe zurecht. Erwartungsvoll blickt er zu der jungen Frau hinüber.



"Efferd zum Gruß." Ein kleines Lächeln huscht über das Gesicht der Druidin.

"Mein Name ist Joanna de Clare." Neugierig mustert sie den Magier.

"Ihr müßt wissen, ich bin etwas aufgeregt. Es ist meine erste Reise auf einem Schiff. Wohin reist ihr?"



"Oh, unsere Reise führt uns nach Belhanka. Und wenn es uns beliebt auch etwas weiter. Wir reisen, ähm zum Vergnügen, und Ihr? Wollt Ihr mich vielleicht an Deck begleiten, es wäre doch schade die Reise unter Deck zu beginnen."

Alrik schaut die junge Frau an.



Joanna versinkt kurz in Gedanken.

'Eigentlich wollte ich mich ja ausrasten. Es war ein anstrengender Tag. Aber es ist schon schade die ganze Fahrt unter Deck zu verbringen. Ja, warum eigentlich nicht???'

Dann wendet sie sich wieder dem Magier zu:

" Wohin ich reise? Wenn ich das selbst nur wüßte. Ich bin auf der Suche nach jemanden."

Traurig wenden sich ihre Blicke auf den Boden. Sie seufzt kurz auf und nach einigen stillen Sekunden atmet sie einmal tief durch. Dann beginnen ihre Augen zu strahlen:

"Ja, ich würde gerne an Deck gehen. Es ist wirklich schade hier unten zu bleiben, anstatt das schöne Wetter zu genießen."

Dann sieht sie den Magier erwartungsvoll an.



Der Magier lächelt Joanna verschmitzt zu:

"Es wäre wirklich eine Schande hier unter Deck zu bleiben."

Höflich verbeugt er sich vor Ihr.

"Meine werte Dame, wenn ich es wagen darf Euch meinen Arm anzubieten?"



Ein fröhliches Lächeln breitet sich über Joannas Gesicht aus.
"Ja, gerne!"


Zum Glück ist es nicht weit bis zum Oberdeck. Alrik führt die junge Frau den Aufgang hinauf und schon finden sich beide auf dem sonnenüberfluteten Oberdeck wieder.

"Um noch mal auf unser Gespräch zurück zukommen, Ihr sagtet das Ihr jemanden sucht? Vielleicht können meine Schwester oder ich Euch helfen?"

Der ca. 30jährige Magier in der blauen Robe lächelt Joanna an und flüstert ihr zu:

"Aber bis dahin, genießen wir das Dümpeln unseres stolzen Schiffes."

"Würdet Ihr mir verraten welches Euer Beruf ist, ich habe schon so eine Ahnung und wenn sich die bestätigt, wäre es ein ausgesprochener Glücksfall eine so junge hübsche Vertreterin dieser Gilde zu treffen.".

Mit einem Lächeln auf den Lippen wartet Alrik auf die Antwort der jungen Frau mit den pechschwarzen Augen.



"Eines Tages starben meine Eltern und ich wurde von Druiden geraubt. Meine eigentliche Herkunft kenne ich nicht. In dieser schweren Zeit gab es nur einen, der mir damals wirklich beistand. Osin al Gossara."

Sie betonte diesen Namen so, als ob er das wichtigste auf der Welt wäre und dabei begannen ihre schwarzen Augen zu strahlen.

"Er war mein Lehrmeister und auch ich werde eines Tages junge Druiden lehren."



"Ihr habt mir eure Hilfe angeboten, jemanden zu suchen, doch ich muß sie ablehnen, da ich euch nicht mit meinen Problemen belasten kann."

Abermals kann man diesen traurigen Ausdruck in ihren Augen und in ihrer Stimme erkennen.

'Ach Osin. Wo seid ihr?? Wenn ich euch doch nur helfen könnte.'

"Ihr habt zuvor von eurer Schwester gesprochen. Ist sie auch hier auf dem Schiff?"



"Meine Schwester, wird noch schlafen nach der letzten Feier, sie hatte gestern einen anstrengenden Tag und auch unter dem Madamal war sie nicht untätig."

Alrik wendet sich der Reling zu.

"Ein so schöner Tag, zu leicht vergißt man ..."

Die Augen des jungen Magier haben sich bei seinen Worten verdunkelt. Er scheint ein Unheil zu sehen, welches sich noch weit hinter dem Horizont verbirgt. Vielleicht erinnert er sich aber nur an eine schlimme Zeit. So in Gedanken versunken scheint er die junge Frau an seiner Seite vergessen zu haben. Seufzend wendet Alrik wieder seiner Gesprächspartnerin zu.

"Auch ich habe meine Schwester erst vor kurzem gefunden, eigentlich wußte ich bis vor kurzem gar nicht das ich wieder eine Schwester habe."



"Ja, ihr habt recht, es ist wirklich ein herrlicher Tag. Da kann man all seine Sorgen für eine Zeit lang vergessen. Aber was wolltet ihr zuvor sagen? Mich würde interessieren, wie lange wir noch Windstille haben. Was denkt ihr?"

Joanna schließt kurz die Augen, um das herrliche Wetter zu genießen. Dann fährt sie fort.

"Ihr sagtet, daß ihr eure Schwester erst vor kurzem gefunden habt. Doch wie kann man erfahren, dass man WIEDER eine Schwester hat?"

Verwirrt sieht die Druidin den Magier an.



Alrik schaut zum Horizont.

"Leider kann ich Euch nicht sagen wie das Wetter wird. Ich bin nur Magier, und kein Prophet."entgegnet er der Druidin augenzwinkernd. Allerdings verdüstert sich seine Miene sofort wieder. Er seufzt tief:

"Meine Schwester Maraj, willkommen sei sie in Borons Hallen, ist schon lange Tod. Sie wurde von einem mittelreicher Offizier vergewaltigt und dann grausam zu Tode gebracht. Ich war damals 4 Jahre alt."

Eine einzelne Träne läuft dem Magier, mit den blauen Augen, über die Wange.

"Nun und vor kurzem half ich einer kleinen schwarzhaarigen Wildkatze, namens Phexane. Wie sich herausstellte hieß sie wie ich Fuxfell, was ja nichts weiter zu bedeuten hätte. Aber ihre Mutter beschrieb Phexane, wie ihr Vater aussah. Diese Beschreibung deckt sich mit dem Aussehen meines Vaters, und so kam ich wieder zu einer Schwester. In einer maraskanischen Familie gibt es keinen Unterschied zwischen Geschwistern und Halbgeschwistern."

Traurig blickt Alrik über das Meer.



"Das tut mir wirklich leid mit eurer Schwester Maraj. Ich kann eure Gefühle gut verstehen. Ich habe zwar keine Geschwister,... jedenfalls weiß ich nicht davon,... aber ich wurde von Druiden geraubt und mir wurde erzählt, daß meine Eltern tot seien."

'So gerne hätte ich meine Eltern kennengelernt.'

"Doch da ich zu der Zeit noch sehr jung war, und inzwischen viel Zeit

vergangen ist, habe ich gelernt, über den Schmerz hinwegzukommen."

'...mußte ich darüber hinwegkommen.'

Die junge Druidin fühlt sich sehr einsam.

'Ach Osin, wenn es doch nur etwas gäbe was ich für euch tun könnte.'



"Ihr wolltet doch etwas sagen, oder?? Wie war das, was kann man bei diesem Wetter vergessen?"

Joanna blickt den Magier fragend an.



"Über das Wetter ...", Alrik kratzt sich verwirrt am Kopf,"ja genau, das Wetter..".

Er versinkt wieder in tiefes Schweigen.

Er wendet sich erneut seiner Gesprächspartnerin zu.

" Nein, ich sagte nur das ich das Wetter nicht vorhersagen kann. Aber wie sieht es mit Euch aus? Könnt Ihr das Wetter voraussagen, wißt Ihr wann uns Efferd erhört und wir weiterreisen können?"



"Nein, ich kann leider auch nicht das Wetter voraussagen. Schade eigentlich. Doch ich kannte jemanden, der das Talent beherrschte."

Dann sieht Joanna kurz auf das Meer hinaus und überlegt.

"Ich hoffe, daß wir bald wieder mit dem Schiff weiterkommen, da ich meinen alten Lehrmeister suche, und wenn ich ihn nicht bald finde, könnte es schon zu spät sein..."

Bei diesen Worten sieht sie sehr besorgt aus, doch im Moment scheint sie noch das schöne Wetter etwas bei Laune zu halten.

"Vielleicht wollt ihr mir noch einiges von eurer Reise erzählen. Ist irgend etwas vorgefallen?"

Neugierig wie ein kleines Kind sieht die Druidin den Magier an.



"Welche Reise? Hier an Bord sind meine Schwester und ich erst einen Abend vor Euch gekommen. Ansonsten verlief meine Reise bis nach Prem glücklicherweise fast ereignislos. Ich konnte gefahrlos von Burg Winterkalt, in der Nähe von Enqui, nach Prem reisen. Die Orks ließen mich zum Glück ungestört ihr Territorium durchqueren."

Der Magier in der kobaltblauen Robe macht einen selbstbewußten Eindruck, obwohl man seinen Worten den Respekt vor den Orks anmerkt.

"Wenn man es genau nimmt war dies bis jetzt einer meiner ruhigsten und ungestörtesten Reisen."

Alrik lächelt Joanna an. Er streicht sich durch sein schulterlanges schwarzgelocktes Haar und die weiße Strähne in seinem Haar sticht besonders hervor.

"Die schlimmsten Reisen führten mich bis jetzt immer durch meine maraskanische Heimat. Ich hoffe Eure Reise, wird Euch ein Wiedersehen mit Eurem Lehrmeister bescheren. Wenn Ihr etwas über meine Reisen wissen möchtet, so fragt ruhig, vielleicht kann ich Euch etwas erzählen das Euch bei euren Reisen später einmal weiterhilft."



Torin träumt


Torin schlägt langsam die Augen auf und hebt seinen Hut um einige Finger. Dann dreht er seinen Kopf und betrachtet die schwarzhaarige Frau, die in der Koje neben ihm liegt. Er seufzt.

'Meine Holde, im Licht des Tages bist du noch tausendmal schöner als im Mondenschein.'

Dann geht ein Ruck durch seinen Körper und er stemmt sich aus seiner Koje.

Nun da er steht, merkt er, daß sich das Schiff kaum bewegt. Er nimmt seinen Stab aus dem Schrank und geht zur Türe des Gemeinschaftsraumes. Dort dreht er sich noch einmal um und blickt sehnsüchtig auf die noch immer schlafende Schönheit. Dann verläßt er die Kabine.



Torin überlegt, ob er erst die unteren Räume inspiziert oder sich gleich dem Erlebnis des Oberdecks hingeben soll. Letztlich entscheidet er sich dafür, nicht den beiden zu folgen, die gerade vor ihm die Kabine verlassen haben.

'Ich wollte mir schon immer ein Schiff von innen ansehen. Jetzt habe ich genügend Zeit dafür.' denkt sich Torin.

'Außerdem waren meine Befürchtungen mit dem Schaukeln des Schiffes wohl unbegründet. Der Boden ist fast so fest wie in Gareth.'

Und so schlendert er etwas in den Gängen des Schiffes umher.



Räkeln in der Sonne


Behaglich gähnend schlendert Xenia an der Steuerbordreling entlang. Sie hat die Ärmel hochgekrempelt und genießt die Sonnenstrahlen in vollen Zügen. Wenn es nach ihr ginge, könnte der Wind ruhig noch länger wegbleiben. Nach all dem Aufräumen und den anstrengenden Arbeiten beim Auslaufen tut diese Ruhepause wirklich gut. Mit halb geschlossenen Augen wandert sie zu Sigrun hinüber.

"Na, so läßt es sich aushalten, was?" meint sie blinzelnd.



Auch Sigrun genießt die Ruhepause. Zwar hat sie die Zeit in Prem sehr genossen, doch auch bei ihr machen sich das frühe Aufstehen nach der Feier, die Aufräumarbeiten, bei denen sie wie versprochen geholfen hat, und nicht zuletzt die beständige Sorge um Aleara bemerkbar. Doch allzusehr würde sie sich das nie anmerken lassen und so lehnt sie einfach entspannt an der Reling, einerseits die Ruhe bei dem herrlichen Wetter genießend, andererseits ständig in Bereitschaft für den Fall, dass der Wind wieder zulegen könnte. Mit einem Lächeln wendet sie sich Xenia zu.

"Nach so einer Feier kann man ein wenig Ruhe gut gebrauchen, was?"



Xenia nickt zufrieden.

"Allerdings - und dann noch bei so tollem Wetter!" meint sie, kneift die Augen zusammen und blinzelt in die Sonne, läßt dann ihren Blick über die Nordstern wandern.

'Erstaunlich, wie ordentlich es wieder ist - nach solch einer Feier.'

Zufällig trifft ihr umherschweifender Blick die Suite.

"Weiß jemand, wer diese Frau von.... äh... Bruch und so ist?" fragt sie neugierig in die Runde, während sie zur Suite hinüberblickt als könne sie dadurch die Wände veranlassen, durchsichtig zu werden und so den Blick auf das Innere freizugeben.

'Ich habe sie bisher nicht ein einziges Mal die Suite verlassen sehen - obwohl, das würde ich vielleicht auch nicht tun, wenn ich in solch einer Nobel-suite wohnen könnte.'

Nachdenklich fragt sich Xenia, ob diese Frau von Bruch diesen Luxus überhaupt zu schätzen weiß.

'Wahrscheinlich hat sie dort, wo sie wohnt bessere Zimmer, vielleicht sogar ein Schloß



Xenias Gedanken scheinen schon wieder abgeschweift zu sein, doch das findet Sigrun auch nicht so sehr verwunderlich, als sie vernimmt, mit welcher Frage sie sich beschäftigen. Wirklich eine merkwürdige Frau, diese 'von und zu'. Auf jeden Fall ist es verständlich, daß Xenia gerne genaueres über sie wissen würde, so offensichtlich reiche Passagiere gibt es auch auf der NORDSTERN sicherlich nicht oft.

"Ich habe auch nicht mitbekommen, wer sie genau ist", antwortet sie daher, obwohl Xenia sie diesmal nicht direkt angesprochen hat. Ein Grinsen gleitet über ihr Gesicht. "Jedenfalls scheint sie ihren Diener, oder was auch immer er ist, ziemlich auf Trab zu halten ..."



Xenia kichert beim Gedanken an den armen Radisar.

'Ich glaub', ich würde weglaufen...' denkt sie dann, denn irgendwie tut ihr der Diener ziemlich leid. Selbst bei diesem schönen Wetter kann er nicht wie wir in der Sonne faulenzen - ob er wohl jemals frei hat?

Die Matrosin streckt sich ausgiebig.

"Meinst du, einer der Offiziere oder der Kapitän wissen mehr?"

Sie schweig einen Moment, dann fügt sie schnell und verlegen hinzu:

"Nicht, daß es mich etwas angehen würde - aber interessant ist doch schon irgendwie..."



Amüsiert sieht Sigrun Xenia an. Das Thema scheint die andere Matrosin ja wirklich sehr zu interessieren.

'Vielleicht hat sie ja so ihre Erfahrungen mit solchen Leuten.'

"Ich denke schon, daß der Kapitän mehr darüber wüßte", antwortet sie. "Aber ich weiß nicht, ob er es so gerne sieht, wenn wir uns zu sehr für die Gäste interessieren."

Hier macht sie eine kurze Pause, bevor sie anfügt:

"Sie wird ja bestimmt nicht nur bis Thorwal mitfahren. Da haben wir bestimmt Gelegenheit, noch mehr herauszubekommen."



Alrik träumt


Der Schiffsjunge ALRIK lehnt mit aufgestützten Armen an der Reling und starrt mit versonnenem Blick in die Ferne. Die Küste von Prem ist schon vor geraumer Zeit mit dem Horizont verschwunden, trotzdem kann er seinen Blick nicht von eben dieser Stelle nehmen. Mit den Gedanken ist er jedenfalls nicht bei der Arbeit - allerdings gibt es im Moment sowieso nicht viel zu tun. Doch wer weiß, das kann sich schnell ändern.



Ein sehnsuchtsvolles Seufzen kommt über ALRIKS Lippen. Gedanklich ist er immer noch in Prem und schwelgt in Erinnerungen an den nächtlichen Ausflug zum Badehaus und an den schönen Nachmittag des gestrigen Tages, an dem sich noch einmal davongeschlichen hatte, um sie zu treffen.

'Oh, Rahjana.'

Abermals seufzt der Junge und wenn man seine traurige Miene sieht, dann könne man fast dem Verdacht erliegen, daß er unter einer schlimmen Krankheit leidet.



Auf der Brücke


Die Frau die da auf dem Oberdeck steht hat auf den ersten Blick nicht viel mit derjenigen gemein die gestern noch in prachtvollem Gewand von zahlreichen Gratulanten beehrt wurde. Lediglich die gewaltige rote Mähne die sie heute, nicht wie sonst an Deck üblich zum Zopf geflochten hat, sondern nur leicht mit einem blauen Band zu einer Art tiefgebundenem Pferdeschwanz gebändigt hat, weist sie eindeutig als selbige aus. Sie trägt jedoch ihre gewohnte lederne

Hose und ein Leinenhemd sowie ledernes Schuhwerk.

Fiana betrachtet mit geschultem Blick den Himmel, versucht den Wind zu erspüren und zu erahnen wann sich die Lage bessern wird.

Es vergeht eine Weile, dann macht sie sich auf den Weg zum Brückendeck um dort dem Kapitän ihre Erkenntnisse mitzuteilen. Beim Kapitän angekommen meint sie:

"Ich glaube wir haben Glück, wenn ich mich nicht täusche wird der Wind nicht lange ausbleiben"

Ein zuversichtlicher Gesichtsausdruck unterstützt ihre Worte.



Jergans Blick wandert langsam von der Betrachtung des Oberdecks zu Fiana, dann neigt er den Kopf leicht.

"Ich weiß nicht genau. Hier im Golf von Prem sind solche Windstillen ganz sicher recht selten, und von daher ist es eigentlich klar, daß sie nicht sehr lange anhalten wird. Aber guck zum Himmel, weit und breit kein Wölkchen. Ganz so schnell wird der Wind wohl nicht wiederkehren, denke ich."

Er hütet sich, das Wort 'fürchte' statt 'denke' zu benutzen, denn dazu ist nun wirklich kein Grund.



"Ich weiß nicht irgendwie spüre ich, daß es sich bald ändern wird. Ich weiß nicht recht warum, doch meist konnte ich mich auf mein Gefühl verlassen. Aber die Pause läßt sich auch sinnvoll nutzen, ich werde ein paar Matrosen damit beauftragen noch mal alle Seile zu kontrollieren, ich glaube zwar nicht daran das wir übermäßig Mäuse an Bord haben, Die Katzen hätten es sicher bemerkt, aber sicher ist sicher und im Moment ist ja wirklich nicht viel los."



Nirka folgt der Unterhaltung zwischen Kapitän und erster Offizierin nur mit einem Ohr, da da doch nur Gedanken ausgesprochen werden, über die sie sich selbst auch schon einen Kopf gemacht hat. Und die Macht des Kapitäns an Bord mag zwar fast grenzenlos sein, eines kann auch er nicht: Dem Wind befehlen, wohin er zu wehen hat.

Die Blicke der Bootsfrau gleiten über das Steuerrad, an dem sie sich mehr festhält, als es festzuhalten, und von da über das Schiff und zu weit lohnenderen Zielen. Immer wieder streift ihr Blick von der Höhe des Brückendecks herab Sigrun, die dort an der Reling lehnt. Wie gerne würde sie mit Xenia tauschen und jetzt dort unten bei Sigrun sein und mit ihr plaudern! Aber die Pflicht ist und bleibt da, und sie weiß selbst, daß eine Pflichtverletzung infolge dieser Liebe wohl auch die Liebe selbst ganz rasch beenden kann. Immerhin gibt es ja oft genug Gelegenheiten auf dem Schiff... die Laderäume bedürfen noch immer einer Kontrolle, vor allem jetzt, wo ihr zu Ohren gekommen ist, daß jemand irgendwo unter Deck eine Maus oder eine Ratte gesehen hat.

Die Bootsfrau dreht sich leicht und sieht nach achtern, wo wie rings herum die See ruhig und fast so glatt wie ein gewaltig großer Spiegel daliegt. Für einige Momente läßt sie diese friedliche Größe des Ozeans auf sich wirken, ehe ihr Blick wieder zum Steuer und dann nach vorne auf das Oberdeck gleitet.

Jetzt, vom Schiff aus, wirkt das Meer rings herum so gewaltig, so unendlich, während auf der Karte unten in der Messe ganz klar ersichtlich ist, daß dieses Stück des Golfs von Prem eher winzig ist, wenn man es mit den anderen Gewässern vergleicht, über die die kleine Karavelle schon gefahren ist, und noch fahren wird.

Nirka empfindet fast ein wenig Stolz, das Steuer dieser kleinen menschlichen "Bastion" inmitten dieser scheinbar unendlichen Wasserwüste halten zu dürfen, auch wenn es im Moment kaum eine Funktion hat.



Daß es sich bald ändert, das ist für Jergan ziemlich klar, dazu braucht man weder ein 'Gefühl', noch hellseherische Fähigkeiten. Die Frage ist nur, WANN 'bald' ist... es kann die nächste Stunde sein, aber auch der nächste Tag. Da er aber keine Lust hat, mit seiner ersten Offizierin über Dinge zu diskutieren, auf die an Bord ohnehin niemand Einfluß hat, vertieft er das Thema nicht weiter, sondern greift den Vorschlag Fianas wenigstens halbwegs auf.

Was ihm allerdings völlig unklar ist, ist die Idee, Seile zu kontrollieren, und der Zusammenhang zu Mäusen! Die Seile der Takelage wurden wie stets vor der Ausfahrt kontrolliert, zumal da auch kaum eine Maus eine Möglichkeit hat, nennenswerten Schaden anzurichten, denn an die dicken Trossen der Wanten würde ein solches Tier nur unter extremen Verrenkungen herankommen, und es müßte extrem lang dran knabbern. Und das würde keiner Kontrolle entgehen. Die Schoten und das übrige laufende Gut, das mitunter auf dem Deck herumliegt, kann auch keine sichtbaren Schäden aufweisen, denn das wäre spätestens beim Segelsetzen aufgefallen, denn wenn man eine Trosse mit den Händen führt, oder daran zieht, oder sie langsam von einer Winde spult, dann sieht man so etwas einfach. Und bei all diesem Tauwerk ist die Beschädigungsgefahr durch Abnutzung oder Fehlbedienung viel größer als die durch Mäuse...

Doch dann begreift Jergan, *was* Fiana meint - nämlich die Taue, die unter Deck lagern, und damit potentiellen Angriffen von Mäusen durchaus ausgesetzt wären. Nur... welche Maus würde sich über Taue hermachen, wenn gar nicht so weit entfernt davon in einem der anderen Laderäume Lebensmittel lagern? Wirklich verständlich wird ihr Anliegen damit auch nicht.

"Die Windstille zu nutzen ist eine gute Idee, aber das wäre nichts, das die Pause wirklich nutzt. Durch Mäuse sind unsere eßbaren Vorräte weit mehr gefährdet als die überzähligen Tau unten in der Segellast, und selbst das ist Teil der üblichen Kontrollen, wie du weißt."

Er überlegt kurz. Im Grunde ist es nicht wirklich erforderlich, die Mannschaft ständig zu hetzen, vor allem dann nicht, wenn alles so mustergültig läuft, wie es im Moment der Fall ist. Die Decks sind absolut sauber, die Takelage in einem erstklassigen Zustand... Vielleicht will Fiana etwas machen?

Leise schlägt der Kapitän vor, in einem Ton, als rede er eher mit sich selbst:

"Vielleicht sollte man mal unauffällig nachsehen, ob sich in Prem wieder jemand an Bord geschlichen hat..."



"Das ist eine Gute Idee, nicht das sich da unten ein Elfennest entwickelt" antwortet sie ebenso leise wie Jergan, im zweiten Satzteil verzieht sich ihr Gesicht zu einem Grinsen.



Jergan schüttelt grinsend den Kopf.

"So arg viele Elfen werden sich in Thorwal nicht rum getrieben haben, so daß ich es für fast ausgeschlossen halte, daß sich noch einer zu uns verirrte. Viel eher könnte sich gewisses... Gesindel an Bord geschlichen haben, das zu faul ist, den langen Landweg nach Thorwal zu nehmen. Ein Tag auf See... da kann man sich ja schon mal verstecken."

In Gedanken fügt er hinzu:

'Auch wenn es jetzt wohl doch mehr als ein Tag wird... aber mit dem Wetterthema will ich nicht wieder anfangen.'



Weiterhin grinsend erwidert sie:

"Nun, ich habe mal eine alte Frau im Hafen getroffen die behauptete steif und fest Elfen wüchsen an Bäumen, ganz so wie Aepfel. Sie würde bestimmt auch glauben daß ein Elf im Laderaum eines Schiffes wachsen kann."

Und lachend meint sie:

"Wie du weißt, kann ich mit solchen Märchen nichts viel anfangen, schon komisch, daß es immer noch Leute gibt, die an solche Mythen glauben. Aber nichts desto trotz werde ich mich persönlich im Laderaum umsehen, um sicher zu sein, daß sich nicht jemand heimlich eingeschlichen hat."

Eigentlich würde sie sich ja lieber ans Steuer stellen, doch da scheint im Moment eh nicht viel zu tun zu sein und Nirka scheint Spaß daran zu haben, daher wird sie erst alles kontrollieren bevor sie sie ablöst, ja so soll es sein. Denkt sie sich.



Jergan schüttelt leicht den Kopf, und sagt dann:

"So dringend ist es ja nicht, daß du sofort selbst losgehen mußt, das kann auch später noch erledigt werden."

Er läßt den Blick wieder über das Deck, und auch das Brückendeck schweifen, hin zu Nirka, die sich da recht sinnlos mit dem Steuer beschäftigt. Aber immerhin muß das jemand machen, denn es kann nicht angehen, daß das Steuer der NORDSTERN auf hoher See unbesetzt ist.

Dann huscht ein kurzes Grinsen über Jergans Gesicht.

"Über welches der Tsatagsgeschenke hast du dich denn am meisten gefreut?"



"Also deine Gürtelschnalle ist wunderschön, sie gefällt mir sehr, doch habe ich michüeber alle gefreut, alle Geschenke waren schön und man konnte sehen das sich alle Gedanken gemacht haben was sie schenken, das hat mir sehr gefallen, aber ich freue mich auch, daß so viele fröhlich gefeiert haben, nur die arme Aleara konnte nicht dabei sein. Gibt es eigentlich Neuigkeiten, wie es ihr geht?"



'Aleara! Eine gute Idee für einen Themenwechsel!'

Jergan deutet mit der Hand nach vorne, genau dorthin, wo Aleara an der Reling steht.

"Ich weiß darüber auch nichts, außer, daß sie am heutigen Morgen noch schlief."

Ein heftiges Nicken der am Steuer stehenden Nirka bestätigt diesen Sachverhalt.

"Wir sollten sie am besten mal fragen, was los war - rufst du sie mal, Fiana?"



"Ich werde sie herholen"

Mit diesen Worten wendet sich Fiana in Richtung Aleara und geht auf das Oberdeck bis sie neben ihr steht. Freundlich und Sanft richtet sie das Wort an sie:

"Aleara!"

Sie wartet ab wie sie reagiert, da sie weit weg zu sein scheint.



Wiederum etwas verwundert verfolgt Jergan die erste Offizierin mit den Augen bei ihrem Gang über das Deck bis zu der an der Reling stehenden Aleara.

'Weiß sie nicht, was *rufen* bedeutet?'

Es ist nicht das erste Mal, daß der Kapitän sich derartiges fragt - was bezweckt Fiana mit solchen Aktionen? Will sie Nähe zu den Matrosen demonstrieren? Kopfschüttelnd stützt sich der Kapitän auf die vordere Reling des Brückendecks und wartet.



Lowanger murrt


Auch der dritte Offizier steht an der Reling des Schiffes und läßt seinen Blick über das stille Wasser gleiten. Diese Momente fast vollkommener Ruhe sind selten. Selbst, oder vielleicht sogar gerade, auf einem kleineren Schiff gibt es immer irgendwo einen Handgriff zu erledigen, für Ordnung zu sorgen und viele kleine Dinge zu bedenken, die das Auge eines Laien gewiß nicht wahrnehmen.

Und gerade in einem dieser seltenen Momente der Ruhe und Entspannung spaziert der Rotschopf auf die Brücke und erzählt irgendeinen - wohl an den roten Haaren herbeigezogenen - Unsinn über Wind und Windstille. Natürlich waren diese Worte nicht an ihn gerichtet, sondern an Jergan, wie sonst sollte es auch sein?

Zum wiederholten Mal fragt sich Lowanger, ob dieses junge Ding es wohl darauf angelegt hat, dem Kaptiän schöne Augen zu machen. Ja, so muß es wohl sein, entscheidet er für sich, eine bessere Erklärung will ihm beim besten Willen nicht einfallen.



Lowanger verfolgt das Gespräch zwischen Jergan und Fiana nur am Rande mit. Was auch immer die erste Offizierin für einen Einfall hatte, er wird sich wenig von denen unterscheiden, die sie sonst so anbringt - und daher sind sie nicht erwähnenswert und somit zu vernachlässigen.

Der dritte Offizier verzieht grimmig das Gesicht, während er eine Hand von der Reling löst und sich gedankenverloren am Kinn kratzt. Zum wiederholten Male fragt er sich, ob er damals nicht einen Fehler gemacht hatte. Damals, als er den Dienst an der Marineakademie quittiert hatte. Doch seinerzeit war es die einfachste Lösung, einfach aufzubrechen. Auf und davon, vorbei und vergessen.

Und wieviel Jahre sind seit damals vergangen, sind es nun zwölf Götterläufe oder sind es gar schon fünfzehn. Jedenfalls ist schon viel Wasser den Großen Fluß hinunter geflossen, seit jener Zeit.

'Wo sind nur die Jahre geblieben. Im Travia werde ich fünfundvierzig', denkt er bei sich, 'nur gut, daß das niemand weiß, denn so erspare ich mir so eine Feier wie vorgestern.'

Dann tritt er von der Reling zurück und überquert stumm das Brückendeck. Rechts hinter Nirka, ganz in der Nähe des Steuers verharrt er kurz. Mehr unbewußt und ohne das Geschehen auf dem Oberdeck wirklich wahrzunehmen, glotzt er auf die mehr oder weniger arbeitssamen Matrosen hinunter.



Windstille


Reckinde ist schlecht gelaunt. Das will nichts heißen, denn gut gelaunt ist sie fast nie. Sie rennt in ihrer Kabine hin und her und stößt dabei die wildesten Verwünschungen aus. Diese Windstille kommt ihr sehr ungelegen, daß das Schiff nicht weiterkommt ärgert sie im Unmaß. Zwar hat sie eigentlich keine Eile und eine schnellere Fahrt brächte ihr auch keine Vorteile, doch regt es sie fürchterlich, wenn es anders kommt als sie sich das vorstellt und vorgestellt hatte sie sich einfach nur eine zügigere Fahrt. Und so stapft sie zornig durch die Suite, beschimpft das ungerechte Schicksal und sucht nach einem Gegenstand an dem sie ihre Wut ausleben kann.



Der kleine, dicke Radisar hoppelt wie ein Kaninchen hinter seiner Herrin her, stets in Acht, sich durch schnelles Hakenschlagen aus aus dem Weg zu bringen, wenn Reckinde, in ihrer unterdrückten Wut durch die Suite 'tigernd', wieder einmal überraschend die Richtung ändert und dem kleinen geschäftigen Diener dadurch wieder einmal mehr droht überrannt zu werden. Eifrig redet er auf die Zornige ein:

"So beruhigt euch doch Frau von Beibach und Bruch! Würde euch nun ein Tee aus Kunchom gefallen? Er ist gut und würzig. Erinnert ihr euch? Der wird euch gut tun. Ja, ja, Tee trinken, das beruhigt die Nerven. Das hat auch der Graf gesagt, erinnert ihr euch? Das war ein guter Tee! Ihr habt in der Nacht daraufhin wunderbar geschlafen! Erinnert ihr euch?"

Radisar kichert wie ein Besessener.

"Ja, ja, ja - so ein Tee, das wäre jetzt schon was! Ein guter beruhigender Tee aus Kunchom, ganz frisch, noch nicht einmal ein halbes Jahr alt. Das würde euch doch bestimmt schmecken, wo er euch doch so gut tut!"

Der letzte Haken kam wohl etwas zu spät. Radisar hat es nicht geschafft sich rechtzeitg aus der Bahn zu bringen und Frau Reckinde tritt ihn mit ihrer ganzen Wucht auf den rechten Fuß. Scharf zieht der kleine Dicke die Luft in seine Lungen, den gewaltigen Schmerzensschrei, der sich gerade in seiner Kehle ansammelt hält er aber wohlweislich zurück, auch wenn dabei sein Gesicht langsam rot anläuft. Er ringt um Fassung, läßt die Luft langsam wieder aus seinen Lungen abfließen und flüstert, kaum hörbar ein leises:

"Autsch!"



Reckinde betrachtet den armseligen Radisar, der sich wie ein Wurm windet, mit einem herablassenden, verachtenden Blick. Was muß er auch gerade im Weg stehen. Das letzte was ihr jetzt helfen könnte wäre ein Tee, weder Tee aus Kunchom, noch Tee aus irgend einem anderen Rattennest.

Für einen Moment wird Reckinde von Beibach und Bruch von dem dringenden Verlangen heimgesucht dem winselnden Glatzkopf auch noch den anderen Fuß zu zertreten. Nur deshalb sieht sie davon ab ihrem Drang nachzugeben, da er dann wahrscheinlich als Laufbursche nicht mehr zu gebrauchen sein würde. Aber für die Idee, die gerade in ihr ausstieg würde sie einen solchen brauchen.

"Hör zu du Jammerlappen und steh gerade, wenn ich mit dir rede !!! Ich möchte jetzt ein Bad nehmen, ein warmes, wohlriechendes und entspannendes Bad, hast du das verstanden, du hirnloser Kriecher?"

Danach holt sie tief Luft und ihre Oberweite bläht sich dabei mächtig auf.

"UND ZWAR SOFORT!!!"



Unter dem donnernden Getöse seiner Herrin weicht Radisar Schritt für Schritt zurück, bis die Kabinenwand eine weitere Flucht unmöglich macht. Der Fuß schmerzt niederhöllisch, doch verschwendet er momentan keinen Gedanken mehr daran. Ein Bad?? Bei Travia, der häuslichen Mutter, wo in aller Götter Namen sollte er jetzt und hier ein Bad hernehmen, dazu noch ein warmes, so wie ihm aufgetragen ist, in einem Schiff auf hoher See? Aber lieber würde er mit seinen Fingernägeln einen Zuber schnitzen als die Frau Reckinde von der Unmöglichkeit ihres Ansinnens überzeugen zu wollen. Kleinlaut flüstert er:

"Und ihr seid euch sicher, daß ihr keinen Tee wollt?"

Ganz offensichtlich will sie keinen Tee, dies war Radisar auch schon vor seiner Frage klar gewesen, aber noch immer hegt er die Hoffnung, Frau Reckinde könnte einmal aus Einsicht einlenken.

"Frau Reckinde, es ist nur so .......!"

Der kleine Dicke schluckt schwer.

"Auf Schiffen wie diesem ..... !"

Er krächzt, denn er hat plötzlich einen sehr trockenen Hals.

"Ein Bad sagt ihr .... ???"

Radisar schwitzt.

"Ist euch auch so heiß hier?"

Mit der linken Hand lockert er sich den Kragen und mit seiner rechten tupft er sich wieder Schweiß von der Stirn. Mit ersterbender Stimme fragt er schließlich:

"Und wie wäre es mit einem Tee aus Festumer Mischung?"

Doch sofort bereut er seinen Satz wieder.

"Also ein Bad ... sehr wohl! Ist ja auch das Beste....! Ihr habt ja so recht, Herrin! Wie immer halt. Ich eile sofort ....., ein warmes, entspannendes Bad! Ich Dummkopf, verzeiht, ich vergaß ..... natürlich auch wohlriechend!"

Er tastet sich blind nach der Türe, Frau Reckinde nicht aus den Augen lassend, in steigender Eile, als er beobachtet, daß seine Herrin einen Messingkelch ergreift und ausholt .....



Reckinde schwellen die Hals- und Stirnadern zum Zerplatzen an.......

"Wenn du Wurm nicht sofort für mein Bad sorgst, paßt er in diesen Kelch hinein!!!!!!!!!!!!"

Mit diesen zornigen Worten wirft sie den Kelch nach Radisar. Leider - nach ihrer Meinung - verfehlt sie den Kahlen!



Mit einer Geschwindigkeit, die man dem kleinen, dicken Radisar nicht zugetraut hätte, wieselt er an die Kabinentür, öffnet sie geschwind und hätte sie dabei fast aus den Angeln gerissen. Er wäre in diesem Augenblick viel lieber in den offenen Rachen eines Tatzelwurms gerannt, als hier noch wenige Momente mehr in der Suite zu verweilen. Er hat die Kabine noch nicht einmal ganz verlassen, da wirft er auch schon wieder die Tür hinter sich zu und es erscheint wie ein Wunder, daß er sich dabei nicht selbst einen Fuß abgetrennt hat. Dennoch hat er keine Sekunde zu früh gehandelt. Er wirft sich gerade mit den Rücken gegen die Tür, die darauf hin hörbar einrastet, als wolle er einer Horde Tordochai den Austritt verwehren, da klingt es schon dumpf metallisch hinter ihm, wie ein erstickter Glockenschlag, eben ein Geräusch, das sich aus dem schwungvollen Aufeinandertreffen von Messingkelchen und Holzrahmen ergibt.

Radisar holt erst einmal tief Luft und gibt dann einen langen, tragischen Seufzer von sich.

"Also dann doch keinen Tee!" stellt er fest.



Ottam erwacht


Lang war der Abend gestern, es hat ihn einiges an Dukaten und Überredungskünsten gekostet all das einzukaufen was ihm noch fehlte. Zum einen war es an der Zeit verschiedenste Kräuter für die Wehwehchen der Matrosen aufzufrischen. Zum andern, und das war der schwierigere Teil, kaufte er noch eher als seltsam einzustufendes Material. Glücklicherweise stellt niemand fragen wenn man beim richtigen Händler kauft.

Ottam steht auf und setzt sich auf den kleinen Schemel vor seinem Tisch und breitet sorgsam seinen alten Folianten aus. Schnell beginnt er in dem ledergebundenen Buch zu lesen, welches von einer nur als furchteinflößend zu bezeichnenden Fratze auf dem Deckel verziert wird. Es dauert nicht lang und es stellt sich ein leicht verklärter Blick ein. Er liest vertiefter wie es wohl kaum sein kann.



Ottam verfügt nach wie vor über einen seltsam verklärten Gesichtsausdruck, vergnügt blättert er in seinem Buch. Ein seltsamer Geruch breitet sich aus, seine Kabine duftet als hab er eine Kräutermischung verbrannt, doch nichts der gleichen ist passiert.



Matrosin erwacht


Aleara schlägt die Augen auf, verwundert mustert sie die Decke des Raumes. Als sie sich aufrichtet, wird ihr klar wo sich sich befindet, denn immerhin hat sie einen großen Teil ihres Lebens auf diesem Schiff verbracht. Ihr wird auch klar, daß das Schiff noch nicht abgelegt haben kann, denn die Schaukelbewegungen wären dann viel stärker. Nichtsdestotrotz muß sie in den Tempel zurück! Mit einer schwungvollen Bewegung springt sie auf, wirft ein halb gegähntes "Guten Morgen" in den Raum. Im nächsten Moment zögert sie kurz.

'Guten Morgen'?

Wie spät ist es eigentlich? Und warum hat sie so lange geschlafen? Schnell läuft sie die Treppe zum Oberdeck hinauf.



Ungläubig blinzelnd sieht Sylvhar der hinfort eilenden Aleara hinterher. Die hat es aber wirklich eilig, stellt er für sich fest, und läßt den halb erhobenen Arm, mit dem er Aleara herbeiwinken, oder wenigstens etwas auf sich aufmerksam machen wollte, wieder sinken.

Ob er ihr vielleicht besser folgen sollte? Aber eigentlich sah sie nicht so aus, als wünsche sie seine Gesellschaft. Nachdenklich schaukelt er ein wenig in seiner Hängematte. Rechts, links. Hin, her. Das wirkt wirklich beruhigend, fast einschläfernd. Rechts, links. Hin, her. Aber eigentlich könnte er ... hm, ja... was könnte er tun? Rechts, links. Hin, her. Stop. Einer plötzliche Eingebung folgend, hält Sylvhar aprupt mit der Schaukelei inne und richtet sich auf. Dann verläßt er auf direktem Wege den Mannschaftsraum und steuert zielgerichtet auf den Niedergang zum Ladedeck zu.




Thorben grummelt


"...weil es dort keine Astlöchher gibt."

Mit einem grummelnden Lachen geht dieser Witz Thorbens zu Ende. Ein schwacher Trost, wenn man bedenkt, daß es heute gar nicht sein Tag ist. Zerknittert sieht Thorben Hjalmarson heute aus - ganz in Katerstimmung und gar nicht, wie ein 2. Offizier - wie in alten Zeiten würde Swafnald jetzt sagen. Nein, eigentlich würde er das nicht sagen, denn Swafnald kennt ihn besser. Thorben hatte eigentlich eher weniger getrunken. Dennoch scheint ihm eine Laus über die Leber gelaufen zu sein. Brummelnd führt er noch einen weiteren Satz zu Ende, dann rotzt er gut vernehmbar einen dicken Batzen Speichel ins Meer. Die Windstille hat auch ihre Vorteile. Läge das Schiff gut im Wind wäre das wohl im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgegangen...



Mit einem dröhnenden Lachen übertönt Swafnald seinen zweiten Offizier, als dieser seinen Witz beendet - ungeachtet der Tatsache, das derselbe sicherlich schon genauso alt ist wie die thorwalschen Klippen.

Doch verebbt das Gelächter recht schnell, als er merkt, das Thorben gar nicht so recht zum Spaßen zu Mute ist. Aber dem kann man ja abhelfen

"In Olport ham 'se mal enen aus em Hafenbecken gezogen ... vollbehängt mit Ankerketten und Steinen ... der Hetmann hat nur gesach 'Scheiß Spitzohren, klauen mehr allse tragen können.'" und wieder folgt lautes Gelächter von dem fast 2 Schritt großen, breitschultrigen Thorwalermatrosen.



Darian


Nachdem er am Tag der Feier noch bis spät in die Nacht mit dem Schiffsmagus über die Götter und die Welt philosophiert hat, hat er am Morgen danach erstmal lange ausgeschlafen. Dann war er noch einmal kurz an Land gewesen, um ein paar letzte Kleinigkeiten für die Reise einzukaufen.

Jetzt sitzt er, mit einer Schriftrolle vor sich ausgebreitet, in seiner Kabine. Das Schiff liegt sehr ruhig im Wasser es, schaukelt eigentlich so gut wie gar nicht, so liesze es sich eigentlich gut arbeiten. Eigentlich, wäre da nicht von oben ein ständiges Stampfen zu hören, so als ob etwas Schweres immer wieder zu Boden gestoszen würde oder irgend jemand auf dem Deck hin und her rennt.

´Bei dem Lärm kann sich ja keiner konzentrieren,´ grummelnd rollt er seine Schriftrolle wieder zusammen, nimmt diese mit sich und begibt sich aufs Oberdeck.

Oben angekommen fällt ihm auf wie ruhig alles ist, sogar die Segel hängen schlaff am Mast. ´Es ist ja vollkommen windstill.´ stellt er fest, aber da von den Seeleuten niemand besorgt zu seien scheint, nimmt er diese Tatsache gelassen hin. Er begibt sich zum Vorderdeck, setzt sich dort auf die Treppe, rollt die Schriftrolle wieder aus und beginnt zu lesen. AELITUS WINDGEBRAUS steht ganz oben mit groszen Lettern geschrieben. Ein leichtes Schmunzeln ziert das Gesicht des Adepten, als er sich vorstellt, der Kapitän würde ihn darum bitten mit diesem Spruch für Wind zu sorgen. Nein mit dem Aelitus ist hier wahrlich nicht viel zu machen, hier könnte einzig ein Dschinn der Lüfte helfen. Aber dies ist nicht weiter von Interesse, schon bald ist er wieder völlig in seine Studien versunken.



Der 'Papagei' im Tatendrang


Jarun hat wiedermal seinen Platz in der Hängematte am Vorderdeck eingenommen. Seinen bunten Umhang hat er diesmal nicht dabei. Aber trotz der Sonne, die auf das Deck scheint hat er sein Rüschenhemd akkurat zugeknöpft. Schweißperlen bilden sich auf seinem Gesicht, daß, trotz der Hitze, auf die gewohnte Weise bemalt. Gelangweilt schaut er zum wolkenfreien Himmel über der NORDSTERN und hängt seinen Tagträumen hinterher. Doch auch diese Träume haben sich irgendwann ausgeträumt, und so beginnt Jarun sich eine andere Beschäftigung zu suchen.

'Unendliche Langeweile. Jetzt erinnere ich mich, warum ich die Seefahrt immer gehaßt habe.'

Jarun erhebt sich von der Hängematte und streckt sich kräftig.

'Die Matrosen scheinen auch nichts zu tun zu haben. Alle stehen sie herum und starren Locher in die Luft.'

Mit einem Schulterzucken erhebt er sich von der Hängematte und schaut sich nach Jergan um.


'Scheinbar ist Jergan beschäftigt.'

Jarun läßt seinen Blick über das Deck streifen. Direkt neben ihm auf der Treppe sitzt einer der Magier, die er vorgestern bei der Feier gesehen hat. Interessiert studiert dieser den Text einer Schriftrolle. Dabei zeichnet sich ein leichtes Schmunzeln auf seinem Gesicht ab.

'Scheint ja wirklich erheiternd zu sein, was er da liest. Vielleicht ist er ja keiner dieser verstaubten und weltfremden Magier, die immerzu in ihrem Turm sitzen und ihre unnützen Forschungen nach dem Sinn des Lebens betreiben.'

Da Jarun momentan nichts besseres mit sich anzufangen weis, erhebt er sich aus der Hängematte und schlendert langsam zu dem Magier herüber.



"Phex zum Gruß", begrüßt Jarun den Magier auf den Stufen des Vorderdecks mit einer Verbeugung. "Wenn ich mich vorstellen darf, mein Name ist Jarun der Papagei, Gaukler aus Fasar, Drachentöter, Offizier des kaiserlichen Stabes zu Gareth, Vampirologe und Vorsteher der Drachentanz-Akademie in Greifenfurt."

Nach dieser Begrüßung erhebt sich Jarun mit stolz geschwellter Brust und einem zufriedenen Lächeln.



"Oh, ja Hesinde zum Grusze .." erwidert Darian auf die Worte des Gauklers, halb murmelnd, ohne von seiner Schriftrolle aufzusehen.



'Dieser Magier zählt wohl doch zu den Verstaubten seiner Profession.' geht es so Jarun durch den Kopf, als er ein lautes Lachen hinter sich vernimmt.

'Das klingt nach gepflegter Unterhaltung'

Mit einem kurzen "Viel erfolg bei euren Forschungen." dreht sich Jarun von dem Magier ab und geht schnell zu der Gruppe Thorwaler und Seefahrer herüber, damit er vielleicht noch den Grund für das Gelächter mitbekommt.

'Darf ich mich zu euch gesellen?' fragt Jarun in die Runde, während er sich neben den 2. Offizier stellt und diesen mit einem kurzen Nicken begrüßt.



Mit unverhohlener Neugier mustert Swafnald den hinzutretenden Gaukler:

"Klar, stell Dich nur mit an die Reling. Ist genug für alle da." grinst er breit, ungeachtet der Tatsache, daß der Gaukler scheinbar eher seinen mürrischen 'Vorgesetzten' angesprochen hat.

"Du bist doch dieser Jarun Papadingsbums? Starke Sache das mit den Schwertern, das wohl! Und am Schluß war zu Deinem Glück ja nur Bier drin und kein Feuer."

Das Grinsen wird noch eine Spur breiter.



"Wenn ich mich noch einmal vorstellen darf, ich bin Jarun der PAPAGEI,..." Dieses Wort spricht Jarun mit Absicht besonders deutlich aus."..Gaukler aus Fasar, Drachentöter, Offizier des kaiserlichen Stabes zu Gareth, Vampirologe und Vorsteher der Drachentanz-Akademie in Greifenfurt." entgegnet Jarun bestimmt auf die 'Unwissenheit' des Thorwalers und verschränkt die Arme vor seiner Brust.

"Zu meinem Auftritt muß ich sagen, daß ich den vorgeführten Trick nicht besonders oft geübt habe. Aber ich fand ihn angebracht. Und deshalb habe ich es gewagt dieses Kunststück trotzdem zum Besten zugegeben. Ich hoffe ihr fühltet euch trotzdem gut unterhalten."

Mit leicht schräg gelegtem Kopf schaut er den Matrosen an und wartet auf eine Antwort, wobei die Geste mit dem Kopf an die eines nervös zuckenden Vogels erinnert.



Auch Thorben stimmt in das Lachen mit ein - wenn auch nachdenklicher als sein Nebenmann. Als dann jedoch Jarun herantritt, verebbt das Lachen ziemlich bald und er beäugt ihn mißtrauisch. Leute die mehr Namen haben als die gesamte Schiffsbesatzung zusammen machen ihn immer nervös. Es bleibt daher als Begrüßung bei einen kurzen Nicken. Während Swafnald sich mit dem neuen unterhält, schweift sein Blick in die Ferne.

'Mistwetter scheint er zu denken.' Dann stößt er sich sich von Reling ab und wendet sich an die beiden.

"Ich muß noch etwas auf den Seekarten nachschauen."

Man sieht ihm an, daß er gar keine Lust auf eine längere Diskussion hat. Das ist so einer der Tage, an dem man am besten gar nicht aus dem Bett gestiegen wäre.

"Swafnald, Du denkst an die beiden 6er Haken? Jetzt wo es windstill ist können wir mal den angebrochenen oben rechts ersetzen."

Da er davon ausgeht, daß Swafnald Bescheid weiß, wovon er redet - man hatte das Thema gestern ja tot diskutiert, das vermaledeite Ding ist jetzt schon zum zweiten Mal in drei Wochen defekt. Da hat man wohl mangelhafte Ware eingekauft. Er hatte ja gleich gesagt, daß Babo nicht zum Einkaufen taugt ... - geht er nun ohne weiteren Gruß zum Niedergang und hinab auf Unterdeck.



Dort angekommen verschwindet er sogleich in seiner Kabine und schließt die Tür sorgfältig. Man kann ihn noch ein wenig kramen hören, dann wird es stiller.



"Die Haken, klar Thorben!" bestätigt Swafnald, das er verstanden hat und seinem Gesichtsausdruck nach scheint er wohl auch zu wissen, worum es geht. Aber da er davon ausgeht, daß es nicht unbedingt in den nächsten Minuten beginnen wird zu stürmen und daher die Arbeit auch noch ein klein wenig Zeit hat, bleibt er vorerst wo er ist und beschäftigt sich weiter mit dem Gaukler.

"Da bist Du ja ein richtig hohes Tier sozusagen." staunt er über die lange Titelaufzählung. "Und das Rumwerfen da war wirklich gut. Nur wenn De Feuer verschüttet hät'st, hätt' wir halt noch mehr zum Lachen gehabt." grinst er "Wenn einer Feuer verschüttet, wird er ins Kielwasser getaucht! Das hat der alte Olof mal so gemacht, wo ihm einer den Krug aus der Hand gehauen hat. Seitdem machen wir das immer so."



"Da habe ich ja noch mal Glück gehabt, daß ich mich für das Bier entschieden habe."

Ein verlegenes Lächeln auf Jarun's Gesicht läßt erahnen, daß ihm bei dem Gedanke, an die Strafe für Feuer verschütten, nicht gerade wohl zumute ist.

"Als ein richtig hohes Tier würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich habe schon nicht unbeträchtlichen Ruhm erreicht und dürfte wohl so manchem richtig hohen Tier ein Begriff sein."

Das verlegenen Lächeln verschwindet aus seinem Gesicht und er zeigt ein geradezu unmenschlich, breites Grinsen, das durch die Farben der Schminke für einige Wimpernschläge den Eindruck entstehen läßt, Jarun hätte den Verstand verloren.



Das fast unwirklich wirkende Grinsen Jarun's hat eine beeindruckende Wirkung auf Swafnald.

Er macht einen eiligen Schritt zurück und legt die rechte Hand flach auf die Brust auf eine Tätowierung, die inmitten kunstvoll umschlungener Linien einen weißen Wal zeigt.

Der breitschultrige Thorwaler wirft dem Gaukler einen tief mißtrauischen Blick zu, in dem nur schlecht versteckt auch Angst zu erkennen ist.

'Er ist besessen ...' geht Swafnald durch den Kopf, während er sich mühsam beherrscht und nur langsam - Schritt für Schritt - zurückweicht.

"Ich ... ich ... Ich muß noch nach den Haken sehen!" bringt er hervor.



'Uhps!' Verständnislos zieht Jarun die rechte Augenbraue hoch. 'Ich vergaß, die seltsamen Eigenheiten der Seefahrer. Besonders in Bezug auf Dinge, die sie nicht kennen und sich nicht erklären können. Bei solchen Erlebnissen kann es passieren, das sie in panischer Angst schreiend davonlaufen oder zu brutalen Mitteln greifen. Ich sollte meiner künstlerischen Kreativität nicht freien Lauf lassen. Das würde hier nicht gewürdigt werden. Wenn nicht sogar für Feindschaft sorgen.'

Beide Hände auf kopfhöhe erhoben ruft Jarun dem Seefahrer einige entschuldigende Worte hinterher.

"Swafnald, ..." 'den Namen hatte doch der Offizier verwendet' " ... ich möchte mich bei euch entschuldigen. ich wollte euch nicht erschrecken. Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben."

Während Jarun diese Sätze dem Matrosen hinterher ruft, geht es ihm bereits durch den Kopf, daß das ein Fehler gewesen sein könnte.

"Erst denken, dann reden, Jarun." flüstert er kaum hörbar zu sich selbst.



Woher kennt der jetzt seinen Namen? Zauberei? Hexerei? Swafnald wird zunehmend mulmiger zu Mute und auf die Idee, daß Thorben ihn gerade eben noch laut beim Namen genannt hat, kommt er so auf Anhieb nicht.

"Woher denn Angst." tönt er nicht gerade überzeugend "Aber ich muß jetzt an die Arbeit. Woll."

Nach ein paar weiteren Schritten rückwärts dreht er sich um und geht ziemlich eiligen Schrittes die Stufen zum Oberdeck hinab um dann ebenso eilig im Niedergang zum oberen Ladedeck zu verschwinden.

Dort angekommen bleibt er am Fuße der Treppe stehen und atmet ein- zweimal kräftig durch, immer wieder mit der rechten Hand die Tätowierung berührend.

'Ifirn hilf ... erst dieser spitzohrige Seelenräuber, dann die Sache mit Aleara ... das ganze Boot voller Hexer und Besessener ... Efferd sei uns gnädig ...'



Kopfschüttelnd folgen Jaruns Augen dem Matrosen, während diese im Niedergang zum Unterdeck verschwindet. Tief atmet er die frische Seeluft ein und schaut sich wiedermal auf dem Deck um.

Eine seltsame Stimmung liegt auf dem Deck. Niemandem scheint so recht nach einer Unterhaltung zu mute zu sein. Die Meisten schauen in die Ferne und grübeln über die verschiedensten Dinge nach. Andere haben sich dagegen noch gar nicht auf dem Deck sehen lassen. Man könnte fast meinen, dies ist die Ruhe vor dem Weltuntergang. Einzig auf dem Brückendeck, wo man nicht stören sollte, und bei einem der Magier auf dem Oberdeck, scheinen noch Gespräche geführt zu werden.

Jarun schaut intuitiv zur Praiosscheiben. 'Phex sei dank. Praios ist zwar nicht mein Liebling der Götter, aber ich bin trotzdem froh sein Symbol so hell am Himmel strahlen zu sehen.'

So in Gedanken versunken, schreitet er hinab zum Oberdeck und tritt dabei aus Versehen gegen den Magier, der sich dort auf der Treppe zum Vordeck niedergelassen hat.

Mit einem "Ich bitte vielmals um Verzeihung." schiebt er sich an dem Magier vorbei und schlendert langsam zu dem Großmast des Schiffes, wo sein Blick auf die Strickleiter fällt, die dort am Mast herunter hängt. Er richtet seinen Blick abermals zum Himmel und ein geradezu kindliches Strahlen zeigt sich auf seinem geschminkten Gesicht.

Erst vorsichtig, dann aber immer sicherer beginnt Jarun die ersten Sprossen der Leiter zu erklimmen. Schnell hat er die ersten zwei Meter Höhe hinter sich gebracht.



Sören sucht Alrik


Wieder einmal steht der Smutje an der Reling der Nordstern und blickt unentschlossen gen Horizont.

'Vielleicht wird es mal wieder Zeit meine Kajüte aufzuräumen...'

In diesem Moment entdeckt er ALRIK, der gar nicht allzu weit entfernt ebenfalls dem Müßiggang frönt.

'Das erinnert mich an etwas', denkt er und macht sich mit einem gehässigen Lächeln auf der Untätigkeit des Schiffsjungen ein Ende zu bereiten.



'Na, der braucht doch dringend eine Ablenkung', denkt Sören in unverminderter Fröhlichkeit, 'Kartoffelschälen war schon immer eines der besten Mittel gegen jugendliche Weltschmerz, hat sogar der fette Ergan ganz richtig erkannt...'

"Na, Junge, an Alveran und der Menschheit verzweifelt?" spricht er ALRIK dann schließlich an.



"Hmmmhmmm", entgegnet ALRIK, weiterhin auf das stille Wasser des Golfs von Prem starrend, geradewegs in die Richtung, wo irgendwo in der Ferne Prem liegen muß.

Die Stimme des Schiffskochs ist ihm bekannt - und so schön ist der Smutje auch nicht, daß man ihn beim Reden angucken müßte.

'Ach, Rahjana.'



'Du meine Güte...'

"Geht es denn bis zur Arbeitsunfähigkeit?"

Das boshafte Grinsen ist noch immer nicht ganz aus dem Gesicht des Schiffskochs verschwunden, auch wenn er offensichtlich bemüht ist sich etwas zu beherrschen.



ALRIK läßt nur ein langgezogenes "Hmmmm" verlauten.

Es wird jedoch nicht so ganz klar, ob das jetzt eine Verneinung oder eine Zusage werden sollte. Jedenfalls ist deutlich zu erkennen, daß der Schiffsjunge mit seinen Gedanken vollkommen woanders ist, und selbst Sörens Sticheleien unbemerkt an ihm abprallen.



"Oh, das freut mich", entgegnet der Smutje, "Denn weißt du, da unten sind noch einige Vorbereitungen für die nächste Mahlzeit zu treffen, du weißt schon, Gemüse schneiden und so weiter. Komm am besten gleich mit!"

'Denn so wie's es aussieht, wirst du nicht besonders schnell vorankommen...'



Nur widerwillig wendet ALRIK seinen Blick vom fernen Horizont. Doch der schöne Tagtraum, den er gerade in Gedanken gesponnen hatte und in dem Rahjana natürlich eine tragende Rolle einnahm, ist sowieso unterbrochen und vorbei. Mit einem letzten Seufzer dreht sich ALRIK zu Sören um.

'Gemüse putzen, welch' großartiger Vorschlag!'

Doch ALRIK weder in Stimmung, um Widerstand zu leisten, noch fällt ihm eine passende Ausrede ein. Mit einem aussagekräftigen "Hmmm" kommentiert ALRIK Sörens Vorschlag und setzt sich dann langsam - ganz langsam - in Bewegung, um dem Koch in sein Reich zu folgen.



"Was auch immer es war, es scheint dich ja richtig getroffen zu haben", plappert der Smutje munter weiter, während die beiden gen Kombüse stapfen:

"Möchtest du lieber putzen oder lieber schneiden?"

'Vielleicht sollte ich das Schneiden übernehmen, in diesem Zustand muß man Jugendlichen keine scharfen Gegenstände in die Hand geben...'



"Putzen", murmelt ALRIK geistesabwesend.

"Im Grunde ist es mir einerlei," lautet der nächste Kommentar. Und um jetzt endgültig Entschlußfreudigkeit zu demonstrieren, fügt ALRIK hinzu:

"Nein, doch lieber schneiden."



'Na, sag mal... Hoffentlich gibt sich das wieder!'

Mit einem Schulterzucken reicht der Smutje ihm ein Messer.

"Aber sei damit 'n bißchen vorsichtiger als mit deinen Entscheidungen, hm?"

Dann beginnt er sich unentschlossen in der Kombüse umzuschauen.

'Womit können wir denn mal anfangen...?'



ALRIK nimmt das Messer von Sören entgegen - und bleibt dabei auch vollkommen unverletzt.

"Ja."

Antriebslos bleibt er mitten in der Kombüse stehen und harrt der Dinge, die nun kommen sollen.

"Und nun?"



"Gedulde dich, mein jugendliche Freund..." antwortet der Smutje mit einem verschmitzten Lächeln, das der Küchenjunge allerdings bestenfalls hören kann, denn er wendet ihm den Rücken zu, während er nach schälbarem Gemüse sucht.

"Hmm... Laß uns mit der guten alten Kartoffel anfangen, die kommt eigentlich immer gut an."



"Hm, ja. Kartoffeln sind gut."

Langsam findet ALRIK etwas zur üblichen Gesprächigkeit zurück, denn er greift gleich die Gelegenheit auf, zur Verbreitung der neuesten Bordgerüchte zu sorgen.

"Das wird der von Brech und Bruch bestimmt gefallen. Sie soll aus dem Bornland kommen - und Olof hat gesagt, die kennen gar nichts anderes außer Kartoffeln. Du weißt, schon wen ich meine, nicht wahr? Die aus der Großraumkabine - naja, den Platz braucht sie ja auch..."

Laute Schritte vor der Kombüsentür und Stimmen von verschiedenen Personen, lassen ALRIK schließlich verstummen. Man kann ja nie wissen, wer da draußen gerade herumläuft.



"Mhm, mhm, mhm..." murmelt der Smutje abwesend, während er sein Hemd umstülpt und die so entstehende Tasche mit Kartoffeln füllt. Diese trägt er dann zum Tisch und greift nach einer Schale, die er mit etwas Wasser zum Waschen der Kartoffeln zu füllen gedenkt.

'Vier ganze Sätze auf einmal! Ich wußte doch, daß Küchenarbeit Wunder wirkt', denkt der Smutje, wobei das schon fast verschwundene dämonische Grinsen wieder zurückkehrt. 'Das machen wir jetzt immer, wenn er schlechte Laune hat. Und wenn es ihm gut geht, kann es bestimmt auch nicht schaden...'



Räkeln in der Sonne


Xenia nickt und bemüht sich dann, ihre Gedanken auf irgendetwas anders zu lenken. Sigrun hat ja recht - es geht sie wirklich nichts an. Sie schließt erneut die Augen, um die Sonnenstrahlen und die Wärme in vollen Zügen zu genießen. Dann öffnet sie sie erneut und blickt sich

gelangweilt auf Deck um. 'Armer Alrik...' denkt sie dann, als ihr Blick auf Sören und Alrik fällt.

'Mit ihm würde ich jetzt wirklich nicht tauschen wollen...'



Der Schrein


Eigentlich ist es ein kleiner, lang gezogener, fast unscheinbar wirkender Raum, dort im Unterdeck, gleich gegenüber der Messe, direkt neben der Kombüse und dennoch ist er den gläubigen Seeleuten ein wichtiger Anlaufpunkt. Dieser Raum beherbergt den EFFerd-Schrein, sozusagen als eine Art spiritueller Nahrungsspender, in unmittelbarer Nähe des Ortes, da für das leibliche Wohl gesorgt wird. Dem ersten Augenschein bietet er sich er sich als bescheiden an, Herr EFFerd ist der Herrscher der wilden Natur und nicht leicht zu beeindrucken durch menschliche Prunksucht. Es hängen blaue Gobelins an den Wänden, das macht den Raum dunkel, verleiht ihm aber auch eine feierliche Würde. Der Schrein ist mannshoch, zählt man den soliden Sockel auf dem er steht hinzu. Die zwei großen Schwingtüren des Schreins sind die meiste Zeit geöffnet, sie werden nur geschlossen bei stürmischer See, zum einen, da sich die Matrosen im Orkan recht verlassen fühlen vom Herrscher der Meere, aber hauptsächlich deshalb, um Schäden an seinem wertvollen Inneren zu vermeiden. Der Schrein ist fugengenau gearbeitet, so daß er luftdicht verschlossen wird, wenn an seine Türe schließt. Es heißt, der Schrein könne dann nicht untergehen, trotz seiner wuchtigen Schwere, da die eingeschlossene Luft ihn über den Wellen tragen könne. Selbstverständlich hat noch niemals jemand versucht, diese Behauptung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, wer schon wollte denn den Herrn der Meere versuchen, es käme wohl einem Akt der Ketzerei gleich. Auf der Innenseite der Türen, die sich dem Betrachter zur Ansicht bieten, wenn der Schrein geöffnet ist, sind mit hauchdünnen Folien von Silber wunderbare, wenn auch nur angedeutet gegenständliche Szenen zu sehen. Es mag dem Betrachter erscheinen, als blicke er bei Mondschein in in einen, aus Mondlicht gewirktem Algenwald. Schwungvolle Ornamente, die lianenartige Gewächse darstellen, verlaufen nach einem nicht sehr nachvollziehbarem System über die Fläche. Fast möchte man meinen, man sähe eine alte, unbekannte Schrift. Aber vielleicht kommt diese Annahme der Wahrheit ziemlich nah, denn der Schrein ist sehr alt und es gibt keine Überlieferungen, wer ihn seinerzeit gefertigt haben könnte. Im Inneren des Schreins steht die große, silberne Statue eines Delphins. Das Metall scheint zu leuchten, gespeist von einer unbekannten Macht und es vermag dem dunklen Raum eine Art lichten Mittelpunkt zu verleihen, auch wenn die zahlreichen Kerzen in ihren befestigten Halterungen von keinen der kleinen, flackernden Flammenhauben gezeichnet sind. Unwirklich sieht das Ganze ein bißchen aus, wie ein frecher und unerlaubter Einblick in die Wohnstatt der Götter, erhellt von überderischen Licht.

Ole hält sich gerne hier auf, obwohl ihn die Enge des Raumes manchmal ein bißchen bedrängt. Doch hat er eh nur Augen für den leuchtenden Delphin, im Inneren des Schreins, den der Schiffszimmermann für das Tor zur Unendlichkeit hält. Ole behauptet immer, hier bei dem Schrein wäre das gleichmäßige Schaukeln der Wogen am besten zu spüren, so wie an keiner anderen Stelle des Schiffes. Ole ist dem Herren EFFerd in Demut zugetan, doch in seinen stummen Dialogen mit dem Gott bittet er meistens um die Fürsprache des Meeresbeherrschers bei SWAfnir, seinem Sohn, dem nimmermüden Streiter gegen das Böse. Doch heute wendet er sich an den Fürsten der Ozeane selbst.



"Mächtiger EFFerd, du Hüter und Herr allen Wassers, Bewahrer der Geheimnisse der Tiefe, schenke dem unwürdigen Diener deines Sohnes SWAfnir Einsichten in deine Weisheit. Auf den Meeren gibt es keine vorgezeichneten Wege, alles ist Weg und alles ist Ziel, daher vermag ich meinen Pfade des Lebens nicht zu erkenne, schenke mir die Erkenntnis für meine Kurs, damit ich ein Ziel finde, ehe ich die Wasser derischer Meere verlasse, um die letzte Fahrt über das Nirgendmeer anzutreten, denn der Fluß meines Lebens hat nun die breiteste Stelle erreicht ......."

Ole spürt Angst in sich, eine diffuse Angst, die sich nicht erklärt und sich jedem Ratschluß entzieht. Es ist die Angst die Geheimnisse seines Lebenslaufes nicht mehr ergründen zu können, also sein Lebensziel zu verfehlen, ohne es erkannt zu haben. Es ist die Angst die losen Enden seines Wirkens nicht mehr verknoten zu können. Es ist die Angst, die ihn schon ein Leben lang begleitet, die Angst vor sich selbst! Es ist die Furcht die auf ihm lastet, seit das mit Aleara geschah, obwohl er von dem Vorfall nur gerüchteweise gehört hatte und das meiste vom, was er erfuhr wahrscheinlich mehr das schmückende Beiwerk eifriger Besserwisser sein mochte. Es ist die Furcht vor dieser unheimlichen Windstille momentan. Es ist nicht die erste die er erlebt, es wird beileibe nicht die letzte sein, doch diese Windstille im Augenblick liegt wie ein Fluch über der NORDSTERN. Ist es ein Omen? Vielleicht, vielleicht auch nicht, Ole ist sich nicht im Klaren, Und auch EFFerd scheint schweigen zu wollen, wahrscheinlich ist Ole's Geist zu beladen, um sich wirklich versenken zu können, keine Nachricht, keine Vision will ihm erscheinen. Stumm steht der leuchtende Delphin in seinem Schrein.



'Eigentlich müßte mich das Schweigen des Herren der Meere beunruhigen, doch das tut es nicht!" wundert sich Ole. Aber wie sollte er sich in der Nähe dieses herrlichen Schreins auch ängstigen können, wo er doch EFFerd so nahe ist dabei. Nachdenklich betrachtet Ole die kleinen Bilder, die scheinbar ohne Anordnung, als ein großes Ganzes angeboten in der Innenseite des Schreins aufgearbeitet sind. Es sind wunderbare kleine Szenen, winzig kleine Mosaikdarstellungen, derart filigran angebracht, daß es sich fast um ein zwergisches Produkt handeln muß. Doch sind da nur Themen zur See abgebildet und das wäre für die alten 'Bartmurmler', so wie von den Elfen genannt werden, eher untypisch. Der Schiffszimmermann betrachtet die Holzarbeiten und mehr noch die Holzeinlegearbeiten nicht ohne einen gewissen Neid. Für die Herstellung von derart schönen Dingen sind seine Hände zu grob.

Verträumt verfolgt Ole die Darstellungen des Wasserkreislaufes, wie der Himmel dem Meer das Wasser entzieht, um das Land mit Regen zu befruchten. Efferd selbst und sein vielen Diener lassen das Wasser durch das Land ziehen, als Blut Deres, welches sich offen ergießt um in der Ansammlung der Ozeane wieder zu seiner selbstlosen Bestimmung einzumünden. Ein geschlossener Kreislauf und ein System für die Ewigkeit und wieder hat Ole das unbehagliche Gefühl, daß sein Kreis nun bald beendet sein könnte. Nicht jetzt oh EFFerd, nicht jetzt, da der rechte Weg durch das letzte Delta noch nicht gefunden ist. Als sich Verzweiflung seiner bemächtigen wollte, fällt sein Blick auf die Darstellung der Geschichte um das Werben EFFerds um die Gunst RONdras, Feuer und Wasser begegnen sich und was unvereinbar ist vereint sich. Und so naht die Geburt SWAfnirs, des Walgottes. Ole erkennt hier das offene System, das noch Platz für Wunder hat und endlich wieder fühlt er sich seinem Gott nahe, er fühlt sich gestärkt und erfrischt, er fühlt sich lebend und er erkennt, daß EFFerd nie geschwiegen hatte, Ole hatte ihn nur nicht hören können.

"SWAfnir sei Dank für deinen weisen Ratschluß, lenke du auch weiter meine Kurs und versichere deinem Vater meine tiefste Ergebenheit!"

Oles Stimme ist wieder klar und fest.



Torin lauscht


Gemächlich schlendert Torin durch die Gänge des Schiffes, als er leises Gemurmel wahrnimmt:

"'...damit ich ein Ziel finde, ehe ich die Wasser derischer Meere verlasse...'"

Neugierig nähert er sich dem Ort, von dem ihm die Sprachfetzen entgegen wehen.

"'...denn der Fluß meines Lebens hat nun die breiteste Stelle erreicht .......'"

Es scheint, als sei gerade jemand dabei, mit seinem Leben abzuschließen.

'Es gehört sich nicht, jemanden zu belauschen, das weiß ich. Aber die Person hat scheinbar ernste Sorgen und ich würde mir ewig Vorwürfe machen, wenn ich nicht helfen könnte.'

Doch noch zögert er.

'Und wenn ich ihn durch meine Störung erst dazu verleite, sich etwas zu tun?'

Leise räuspert er sich.



Doch der große Mann reagiert nicht. Noch immer starrt er auf den Schrein, als könne er darin etwas erkennen, das nur für ihn sichtbar ist. Und scheinbar trifft genau das auch zu, denn Torin bemerkt eine leichte Veränderung in der Haltung des Mannes. Hatte er bisher noch die Schultern leicht nach unten hängen lassen, so scheint er sich nun innerlich aufzurichten. Torin wendet sich lächelnd ab.

'Er hat seinen inneren Frieden wiedergefunden.'

Dann setzt er seine Erkundungstour im Unterdeck fort.



Aleara an der Reling


Was soll nur diese Windstille? Ist sie ein Zeichen, daß sie in besser in Prem hätte bleiben sollen? Eine Warnung vielleicht? Oder ein Hinweis auf unerledigte Aufgaben?

Aleara weiß es nicht, sie weiß aber, daß Flauten hier, im Golf von Prem, etwas besonderes sind. Und doch zeigt sich kein Wölkchen am Himmel.

Die Matrosin steht an der Reling und starrt aufs Wasser hinaus. Ihre Blick wirkt abwesend, fast glasig und sie steht stocksteif da, mit einem ratlosen, fast verzweifelten Gesichtsausdruck...



Verschwundener Matrose


Irgendwo auf dem Ladedeck sind Geräusche zu hören. Ein stämmiger und muskulöser Matrose in kurzer dunkelblauer Segeltuchhose und einem Leinenmuskelhemd räckelt sich und hält sich den Kopf.

"Wo bin ich? Was ist mit mir passiert? Oh, mein Kopf", brummt er entnervt vor sich hin. Dann versucht der kräftige Matrose seinen protzigen Körper in die Höhe zu stämmen - und klappt sofort wieder zusammen.

'Ich glaube ich gönne mir noch ein Päuschen, bevor ich es nochmal versuche. Wie spät es wohl sein mag?'

"Verflucht, wenn ich doch nur wüßte, was mich so ausgeknockt hat." faucht er vor sich hin.

'Hmm zu letzt war da ... war das nicht ... auf dem Oberdeck ... mit der kleinen Matrosin ..'

So vor sich hindenkend, lässt er sich langsam zurück sinken und verfällt mit geöffneten Augen in süße Tag- oder auch Nachtträume.



Wasuren liegt träumend zwischen Tauen, Kisten und Vorratssäcken irgendwo auf dem Ladedeck. Sein Magen knurrt und er kommt wieder zu sich. Dieses mal ist er kräftig genug und schafft es auf die Beine zu kommen. Träge schaut er sich um.

'Ah eine Treppe!' denkt er als er den Schatten eine Geländers wahrnimmt und geht langsam auf diese zu.

'Hmm, das ist wohl nicht die richtige. Die geht ja nach unten.'

Suchend schaut er sich um und so langsam dämmert es ihm, wo er sich befindet. Zielstrebig geht er zum Aufgang auf das Unterdeck.

Aus der Versenkung der Tepper zum Ladedeck Taucht ein Matrose auf. Er fährt sich gerade durch sein müdes Gesicht und geht ein wenig schwerfällig die Treppe hinauf. Sein Kopf ist fast kahl rasiert, bis auf einen schulterlangen Zopf, der in der Mitte seines Kopfes angewachsen ist. Eine schön verzierte, glänzende längliche Brosche hält ihn zusammen. Er trägt ein Leinenmuskelhemd und eine leichte, kurzen Segeltuchhose in dunklem Blau. Um seine Hüfte trägt er einen schmalen aus Binsen geflochtenen Gürtel, in dem ein kleines handliches Beil steckt. Es ist mit allerlei feinen Schitzereien verziert, die sich über den gesamten Griff ziehen. Von seiner rechten Schulter aus zieht sich ein großes, schwarze Tätowierung über den Arm und einen Teil der rechten Brust. Es besteht aus vielen kleinen Linien, die scheinbar spielend in einander verfließen und die verschiedensten Formen dabei bilden.

Oben angekommen blickt sich Wasuren kurz um und geht dann schnur stracks zur Küche.

'Als erstes brauche ich was zu trinken und zwar schnell. Am besten Wasser ...'

Seine Umgebung nimmt er nicht so richtig war und bemerkt auch den ein oder anderen Passagier nicht, der ihm im Weg steht. Meist wird ihm schon von selbst Platz gemacht, da man ihm seinen Zustand der Erwachung recht gut ansieht.



Vor der einen kleinen Spalt geöffneten Küchentür hält Wasuren an lauscht kurz und klopft zwei mal vorsichtig an. Dabei schwingt die Tür etwas weiter auf und so streckt er kurzer Hand seinen Kopf durch den Spalt.

'Oh hier wird wohl gerade kräftig am Essen gearbeitet. Das ist gut' denkt er sich, als er den Schiffskoch und Alrik bei der Arbeit sieht.

Mit einem fröhlich gemeinten, aber doch schon fast Schmerz erfüllten Lachen fragt er in den Raum hinein :

"Könnte ich wohl ne kleine Stärkung und einen großen Schluck Wasser bekommen ?"



Sören ruft herein

"Herein, wenn's nur kein Offizier ist!" erwidert der Smutje unter Mißachtung jeglichen Versmaßes:

"Wenn irgendwo, dann hier!"



ALRIK bleibt immer noch stumm und blickt jetzt mit hochgezogenen Augenbrauen zur Tür. Gleichzeitig greift er schon mal zu der ersten Kartoffel. Wer auch immer hier hineinspaziert kommt, es macht immer einen guten Eindruck, wenn man sich als Schiffsjunge arbeitsam beschäftigt tut.



"ALRIK, verhilf dem guten Mann da doch mal zu einem kleinen Imbiß, ich suche so lange die restlichen Zutaten für unser Essen zusammen."



ALRIK legt die Kartoffel beiseite und stapft zu der Bordwand, wo in greifbarer Nähe der Beutel mit dem trockenen, aber dennoch nahrhaften Schiffszwieback (Spezialrezept) hängt. ALRIK hat zwar bis zur Stunde noch keinen erneuten Appetit auf dererlei Gebäck entwickelt, aber für Wasuren wird der Zwieback wohl gerade recht sein.

"Nimm vorerst dieses hier", verkündet ALRIK und reicht dem Matrosen drei Stücke von dem Zwieback.

"Das Wasserfaß steht dort hinter der Tür, wie immer. Bediene dich." ALRIK deutet auf das große, abgedeckte Faß, an dessen Seite praktischer Weise eine große Schöpfkelle hängt.



Wasuren nimmt den ihm gebotenen Zwieback mit gierigen Augen entgegen und wendet sich dann dankend vor sich hin murmelnd dem Wasserfaß zu. Er öffnet dieses, nimmt die Schöpfkelle und taucht in das frische klare Wasser.

Nach dem er genüßlich drei Kellen getrunken, das heißt, eigentlich mehr hinunter gestürzt hat, fragt er ALRIK :

"Sag mal Alrik, wie spät ist es eigentlich und wie lange sind wir jetz schon ausgelaufen ... irgendwie muß ich was verpaßt haben."

während er dieses fragt hängt er die Kelle wieder an ihren Platz und schließt das Faß. Dann macht er sich über den Zwieback her. Versucht dabei aber das Reden mit vollem Mund zu vermeiden.



"Verpaßt?!"

So langsam muß sich ALRIK wirklich fragen, ob das so ein allgemeines Faulfieber ist, das unter den Matrosen ausgebrochen ist. Babo pennt den ganzen Tag in der Hängematte und selbst Wasuren fragt sich allen Ernstes, ob er 'was verpaßt' hat.

"Ausgelaufen sind wir bei Sonnenaufgang, jetzt ist Mittag. Höchste Zeit zum Essen machen, wenn du mich fragst", erklärt ALRIK in einfachen Worten, die auch für Wasuren in seinem 'Zustand' recht verständlich klingen dürften.

Dann greift der Schiffsjunge abermals zu einer dicken Kartoffel. Der Blick, den er Wasuren dabei zuwirft, hat irgendwie etwas Aufforderndes.

'Ob Sören wohl noch weitere Schälmesser hat.... ganz bestimmt hat er die...'



Wasuren mampft seinen Zwieback auf und antwortet dann mit einem Blick auf die Arbeit vor Alrik :

"Das ist ne lange Geschichte, wenn du willst kann ich ja mal anfangen zu erzählen."

Dann schweift sein Blick zum Koch rüber und er duckt sich einwenig mehr zu Alrik hin und redet leiser weiter.

"Vielleicht kannst du mir ja auch dabei helfen einige Teile der Geschichte zu vervollständigen?"

Während er spricht schweifen seine Blicke durch den Raum und suchen irgend eine Beschäftigungsmöglichkeit.



"Geschichte?!" wiederholt ALRIK betont langsam. Dann wirft er Wasuren eine der zu schälenden Kartoffeln zu.

"Los, fang!"

Nachdem er ein zweites Schälmesser aus einer Schublade gezogen hat, gesellt er sich wieder zu Wasuren und drückt ihm dann auch noch das Messer in die Hand.

"Na, dann mal los", fordert ALRIK den Matrosen auf - wobei er sowohl die ausstehende Geschichte als auch die nützliche Nebenbeschäftigung zu meinen scheint.



Wasuren nimmt die ihm gereichten Arbeitsgegenstände und fängt an die Kartoffel zu schälen. Er blickt auf seine Arbeit während er erzählt :

"Hmm gestern abend ... es war doch gestern der Tsa-Tag von Fiana und die große Feier oder ?"

Er scheint ein wenig zu grübeln ... und weiß auch nicht so recht wo er mit seiner Geschichte anfangen soll.

Dann nickt er mit dem Kopf, als ob er für sich ein deutliches "ja" akzeptiert hätte. Sehr sehr leise flüstert er Alrik eine Frage zu :

"Kannst du mir vielleicht erst einmal kurz schildern, was bis jetzt so auf dem Schiff geschehen ist ? Ich glaube mir feh... "

Er stockt beim reden, als der Koch kurz herüber schaut. Dann schält er stumm und in Gedanken weiter.



Verblüfft hört ALRIK den vollkommen konfus wirkenden Ausführungen des Matrosen zu. Was hat dem bloß so zugesetzt, daß ihm in der Erinnerung ein ganzer Tag fehlt? Nicht minder auffällig beugt sich der Schiffsjunge nun zu Wasuren herüber:

"Wassy, äh... also, die Feier - die war aber schon vorgestern..."

ALRIK wartet erst einmal kurz ab und läßt diese Worte auf den Matrosen wirken.

"Was ist denn das Letzte, an das du dich erinnern kannst?" fragt er dann leise nach.



"Gibt es da etwas, was ich nicht wissen soll?" fragt Sören beiläufig, während er weiterhin die Essensvorräte durchwühlt.


Wasuren´s Kinn schein bis ins Unendliche zufallen. Aber er schafft es noch sein total überraschtes Gesicht, vor dem Koch zu verbergen, in dem er Alrik als Sichtschutz sucht. Er zieht seinen Kopf etwas ein, um hinter dem kleineren Arik auch wirklich Deckung zu finden.

Nach ein oder zwei Schrecksekunden scheint er sich zumindest äußerlich zu fangen. Doch in seinem Gesicht steht noch immer deutliche Verblüfftheit geschrieben.

"Nö nö", schießt es aus Wasuren heraus als der Koch seine neugierige Frage stellt. Vielleicht etwas zu schnell, um es wirklich wahr klingen zulassen. Wasuren atmet tief durch und macht sich mit äußerster Konzentration über seine Arbeit her. Nach einer Schweigeminute meint er leise zu Alrik :

"Ist es echt schon vorgestern gewesen ?"

'Oh man bei Boron. Was ist mit mir geschehen?'

"Also ich weiß nochm, daß ich auf der Feier oben auf Deck war und das Bier und den Wein genossen habe. Spät am Abend habe ich mich mit einer hübschen Frau unterhalten. Ich meine ich hatte große Erfolge bei ihr und irgendwann seien wir unter Deck gegangen. Aber so genau kriege ich das nicht mehr zusammen. Gerade eben bin ich im Ladedeck aufgewacht und es war nicht gerade schön dort."

Wasuren schaut Alrik aufmerksam an.

'Hmm, weiß dieser junge Bursche wohl schon wie Bier und Wein oder sogar Premer Feuer auf einen standhaften Matrosen wirken kann ?'



"Dann eben nicht", murmelt der Smutje.

'Man muß auch nicht alles wissen.'



'Große Erfolge, so, so.'

Schnell hat sich der Junge seinen Teil zusammengereimt. ALRIKs Mundwinkel zucken, nur mühsam gelingt es ihm, ein Grinsen zu unterdrücken. Doch zu auffällige Belustigung ist in diesem Augenblick alles andere als passend. Schließlich wird Wasurens Geschichte gerade interessant und wer weiß, was seine Erinnerungsversuche noch Überraschungen bereithalten.

"Ja, weißt du denn gar nicht mehr, was dann passiert ist? Aber du weißt doch noch wer sie war, oder?" flüstert ALRIK zurück.

Eine Passagierin kann es ja nicht sein, erinnert sich der Schiffsjunge an den vorgestrigen Abend zurück. Die einzige Frau, die neu an Bord kam, war die gut aussehende Schwarzhaarige. Aber die war da ja schon in Begleitung des grau gewandeten Magus.

Ansonsten blieben da nur die Matrosinnen des Schiffes. Da wären dann Aleara, Xenia, Sigrun und die kleine, dicke Blondhaarige, deren Namen sich ALRIK einfach nicht merken kann. Nirka und Fiana scheiden bei den Überlegungen des Schiffsjungen von vorne herein aus.

"Nun, sag schon. Ich verspreche, daß ich es keinem weitererzähle."



Wasuren kann die Neugier des Schiffsjungen verstehen und auch um seine eigenen Gedächtnislücke wieder aufzufrischen denkt er scharf nach bevor er weiter spricht.

"Also an dem Abend saßen wir nach der Gauklervorstellung noch unter uns Matrosen zusammen. Dabei waren auch ab und zu mal einige vom weiblichen Geschlecht, wenn sie sich mal zu uns verirrten!"

Wasuren lächelt feist.

"Hmm, nur die Neue, na wie heißt sie doch gleich ... Du weißt schon, die Kleine, kräftige Blondhaarige. Sie war immer bei uns und mit der Zeit kam ich mit ihr in ein nettes Gespräch."

'Äh,... bin ich nicht ... oder waren wir ... nein ich muß wohl mit ihr ... ach zu Henker'

Wasuren läßt seine Hände sinken und legt die Arbeit bei Seite. Grübelnd faßt er sich an den Kopf, kratzt sich nachdenklich und schüttelt dann wieder den Kopf. Fragend schaut er Alrik an während er seine Arbeit wieder aufnimmt.

'Was er wohl von mir denken mag ? Hauptsache keiner erfährt von meinem verschlafenen Tag'



Still vor sich hin grinsend bearbeitet ALRIK die erste Kartoffel. Seine Gedanken schweifen immer wieder ab, während er weiter schält. Irgendwann hat er die Kartoffel vollkommen von der Schale befreit - und übrig bleibt ein kleiner, fast quadratisch anmutender Würfel. Zweifelnd guckt ALRIK auf den eher größer wirkenden Haufen Kartoffelschalen. Nun ja, besonders produktiv war das jetzt nicht gerade...

"Aber das ist doch vollkommen in Ordnung, wenn ihr euch nett unterhalten habt. Alle haben doch ihren Spaß gehabt. Es war doch eine fröhliche Feier."

ALRIK Grinsen wird fast noch ein wenig breiter.

"Aber sag mal, so klein ist Sigrun doch gar nicht...."



Der Smutje ist mit seiner Betrachtung der Vorräte fertig und kommt dann mit einer beiläufig vom Haken genommenen Gemüsebürste zu ALRIK zurück. Als er den Schiffsjungen und Wasuren erreicht hat, klappt sein Kinn herunter und seine Augen weiten sich in (hoffentlich gespieltem) Entsetzen.

"Was..." stammelt er, "Was hast du... Was hast du der... der Kartoffel angetan?"



Gerade hatte ALRIK Wasuren soweit beschwatzt, daß er ihm bereitwillig Auskunft gibt, und gerade wurde es so richtig spannend, als eine ungelegene Störung in Form des Schiffskochs das heimliche Geflüster unterbricht.

"Kartoffel.. äh... wie jetzt?"

ALRIK blickt den Schiffskoch irritiert an, da er dessen dramatischen Gefühlsausbruch nicht so ganz nachvollziehen kann.

"Na, geschält hab ich sie! Oder wolltest du etwa Pellkartoffeln machen?"

Übermütig schnippst er den bei der Schälung übrig gebliebenen Restkartoffelwürfel mit dem Zeigefinger in die Wasserschale.



Der Smutje schnappt nach Luft und beginnt mit Daumen und Zeigefinger der freien Hand Seine Schläfe und Stirn zu massieren.

"Du... Du hast sie... GETÖTET!"



Wasuren sieht Alrik zu wie er ganz lässig seine Kartoffel in den Wassertopf schnippt. Der Koch scheint es nicht so gelassen zu nehmen und so wirft Wasuren seine Kartoffel einfach hinter her.

'Soll er doch froh sein das gearbeitet wird.'

Nur Wasurens Kartoffel ist eher das Gegenteil von Alriks. In seinen verträumten nachdenklichen Zustand hat er die Kartoffel mehr angekratzt als geschält. Wasuren greift zur nächsten Kartoffel und wartet ab bis sich die Situation beruhigt hat, damit er weiter reden kann.



"Raus", murmelt Sören in bedrohlich ruhigem Tonfall. "Raus, alle beide. Ihr bringt mich ja noch um Lohn und Brot mit eurer Pfuscherei", fügt er noch hinzu, noch immer ohne die Stimme zu erheben.

'Laien! Alles muß man selber machen, wenn es ordentlich gemacht werden soll. Aber ich hätte mir das ja denken können...'



Sprachlos und mit großen Augen betrachtet ALRIK das überaus seltsame Verhalten des Smutjes. Wer soll daraus schon schlau werden, erst soll man helfen und dann faselt er etwas über tote Kartoffeln und zu guter Letzt wird man auch noch aus der Kombüse geworfen.

Inzwischen fragt sich ALRIK, wer denn nun das größere Problem hat: Sören oder Wasuren. Mit dem unbestimmbaren Gefühl, daß es dieses Mal besser ist, Sören nicht weiter zu provozieren, legt ALRIK das Messer nieder.

"Na, komm' schon Wassy, unsere Arbeit ist dem Smutje nicht gut genug. Du hast es ja gehört."

Schon halb in der Tür, dreht sich ALRIK noch einmal um:

"Ach, und Sören, ruf uns doch einfach, wenn das Essen fertig ist, ja?"



"Mach ich, mach ich."

Der Smutje klingt schon fast wieder freundlich, aber eben nur fast.

'Er hat die Kartoffel... Nicht zu fassen, nicht zu fassen!'



Phexane erwacht


'Wieder diese Schreie! Ich werde noch wahnsinnig!'

Phexane war endlich aufgewacht. Doch sie sah alles andere als ausgeschlafen aus: die ganze Nacht wurde sie von Alpträumen geplagt. Nun saß sie nachdenklich auf der Koje, ließ die Beine herunter baumeln und starrte auf den Boden. Sie war alleine im Raum, erkannte aber, daß nun einige neue Passagiere an Bord gekommen waren.

Den gestrigen Tag hatte sie zumeist alleine verbracht: sie hatte erst in einer ruhigen Ecke auf dem Oberdeck mit ihren Karten ein paar Tricks geübt, die wohl, wenn sie geklappt hätten, beeindruckend ausgesehen hätten. Leider fehlte ihr irgendwie die Konzentration.

Danach starrte sie die meiste Zeit nachdenklich aufs Meer.

Am Abend stand sie dann noch eine Weile in einer schattigen Stelle des Oberdecks und schaute zu den Sternen hinauf. Erst spät ging sie dann in den Gemeinschaftsraum, um sich schlafen zu legen.

Die Nacht ist nun vorüber. Sie steht auf, macht sich zurecht und geht aus den Gemeinschaftsraum hinaus. Sie will gerade den Aufgang zum Oberdeck nehmen, da fällt ihr Blick in die Küche, deren Tür nur etwas angelehnt ist. Ihr Magen knurrt vernehmbar, bei dem Gedanken an ein schönes Frühstück.

Sie schaut sich um, ob gerade jemand in der Nähe ist ...



Fiana spricht Aleara an


Die Angesprochene zuckt kaum merklich zusammen und sieht kurz in Fianas Richtung. Sie wirkt wieder vollkommen normal, bis auf die Tatsache, daß sie Fiana nicht wie üblich mit Namen anspricht, sondern nur ein sonores "Hm" von sich gibt.



Aleara sieht wieder aufs Meer hinaus. Sie war wohl doch nicht gemeint, wahrscheinlich hat sie sich verhört. Ihr Blick verklärt sich wieder. Irgendwie wirkt sie nachdenklich...



Fiana bemerkt, daß Aleara tatsächlich recht abwesend zu sein scheint, sie hatte sie rufen können, doch seit der Feier bemerkt sie, daß ihr Hals langsam immer mehr schmerzt, woher es kommt weiß sie nicht, doch hätte ein Ruf über das Schiff wohl recht gekrächzt.

'Ob ich nachher zum Magus soll und ihn um ein Kraut bitten soll, mal sehen vielleicht war es nur das Feuer und das viele Geplapper auf meiner Feier'

Die Gedanken beiseite drängend spricht sie Aleara weiter an. Wohl nur ein Heilkundiger wird merken, daß mit ihrer Stimme etwas nicht in Ordnung ist, denn sie versteht es zumindest in normaler Sprechlautstärke dies zu überdecken.

"Der Kapitän und ich möchten und gerne mit dir unterhalten, komm bitte mit mir zum Kapitän" Auch wenn sie es als Bitte formuliert hat, deutet die Tatsache, daß sie sich bereits wieder Richtung Brückendeck wendet, darauf hin. daß es mehr als eine Bitte war und sie ein Nein nicht akzeptieren würde.



Aleara zuckt sichtbar zusammen.

"Ja, sicher, ich komme gleich. Warte einen Moment" Damit beobachtet sie wieder das Meer... und die flachen Wellen. Efferd und Swafnir sind ihr wohl gesonnen...es soll bestimmt eine Warnung sein, sonst hätten die Götter wohl einen Sturm entfacht. Aber diese Flaute ist ein Zeichen des Friedens, dessen ist sie sich sicher.



Beim Umsehen stellt sie fest das der Kapitän gerade mit dem Diener der von Bruch, Brueck, nun ja so ähnlich spricht.

"Gut, der Kapitän ist wohl ohnehin gerade von jemand anderem beansprucht worden, komm also einfach gleich auf die Brücke wenn er wieder frei ist."



Fiana geht wieder zum Kapitän, denn es interessiert sie durchaus was der Diener da mit dem Kapitän bespricht. Sie geht zum Kapitän, wartet mit dem ansprechen jedoch bis er mit dem Diener fertig ist.



Xenia lauscht ....


Sie merkt auf, als sie sieht, wie Fiana Aleara anspricht. Es interessiert auch Xenia brennend, was Aleara dazu getrieben haben mag, vom Schiff zu springen, und so hört sie so aufmerksam aber auch so unauffällig wie möglich zu, was Aleara und Fiana besprechen werden. Vielleicht ist ihr Lauschen ein wenig ZU unauffällig, um wirklich noch als unauffällig zu gelten...



Vor dem Schrein


Als sich die Bilder, die sich in Ole's Geist gebildet hatten, alle jene Träumereien und Visionen, lebendig geworden durch die zahlreichen Zeichnungen und Einlegearbeiten innerhalb des Schreins, allmählich verflüchtigen, dringt auch, langsam zwar und auf vielen Umwegen, wieder die Wirklichkeit an Ole's Ohr. Hat sich da nicht gerade eben jemand geräuspert? Ole dreht sich um, kann aber niemanden hinter sich stehend entdecken. War es Einbildung oder ist die betreffende Person schon weitergegangen?

"Ist da jemand?" fragt Ole laut.



Auf dem Ladedeck stehen einige Kisten und Fässer.

'Nichts, was sich einer genaueren Untersuchung würdig erweist.' sieht er mit einem Blick. 'Darin werden sich wohl die Rationen für die Überfahrt befinden.'

Dann blickt Torin zwischen den beiden Treppen hin und her. Er kann sich nicht entscheiden, ob er sich noch etwas im untersten Deck umsehen soll oder ob er aus den Gängen in das Licht des Oberdecks treten soll.

Leise vernimmt er das Schnurren einer Katze. Als er sich jedoch nach ihr umsieht, kann er nichts entdecken. Torin zuckt leicht zusammen, als er die lauten Worte hört. Dann dreht er sich um und entgegnet höflich:

"Ja, ich. Torin Rotmarder. Dürfte ich erfahren, wer das zu wissen wünscht?"



Phexane zuckt zusammen, als sie die Stimme des Schiffszimmermanns hört. Sie hatte gehofft, unbemerkt etwas zu Essen aus der Kombüse "stibitzen" zu können. Aber die ist, nach den Stimmen zu urteilen, wohl auch gerade nicht leer.

Doch in dem Moment, als sie sich unbemerkt aus dem Staub machen wollte, hört sie noch eine weitere Stimme. Sie dreht sich kurz um und sieht einen Mann, der gerade auf die Stimme aus dem Efferdschrein geantwortet hatte.

'Ich bin wohl nicht gemeint, also verschwinde ich besser.'

Ohne noch auf jemanden zu achten, steuert sie auf die Treppe zu.



Ole verläßt das Zimmer mit dem Schrein. Er ist erleichtert als er auf sein Rufen eine Antwort bekommt. Er hat sich das also nicht eingebildet, es war tatsächlich jemand in der Nähe gewesen. Und da sich diese Person so brav vorgestellt hat, gibt sich auch Ole zu erkennen.

"Ole Draggensson ist mein Name! Man nennt mich auch den 'grauen Riesen'. Ich gehöre zur Besatzung der NORDSTERN. Ich grüße euch in SWAfnir's Namen, Torin Rotmarder. Gestattet mir die Frage, ob ihr etwas bestimmtes sucht und ob ich euch dabei dienlich sein kann?"



"Den Grauen Riesen nennt man euch. Diesen Namen tragt ihr zurecht."

Torin blickt zu ihm hoch.

"Nein, etwas Bestimmtes suche ich nicht. Ich wollte mir nur schon immer mal ein Schiff ansehen. Ihr müßt wissen, dies ist meine erste Reise auf See. Und da die Wellen viel ruhiger sind als ich dachte, möchte ich das ausnutzen."

Torin sieht aus den Augenwinkeln, wie ein Matrose die Treppe heraufkommt. Er läßt ihn vorbeigehen. Dieser verschwindet im nächsten Raum.

"Aber ihr könntet mich etwas herumführen und mir dabei über dieses Schiff erzählen. Natürlich nur, wenn ich dabei euere wertvolle Zeit nicht vergeude."

Er sieht den großen Mann erwartungsvoll an.

"Oh, und sagt, gibt es hier auf dem Schiff Katzen? Mir war so als hätte ich vorhin eine schnurren gehört."



Ole lacht laut auf.

"Ob wir Katzen an Bord haben? Natürlich haben wir Katzen an Bord oder wollt ihr euch von Mäusen und Ratten angenagt finden, wenn ihr des Morgens aufwacht?"

Ole kann sich über seinen Scherz durchaus erheitern. Doch sogleich wird er wieder ernst und er fährt fort:

"Ich selbst bin noch nicht solange ein Mitglied der Mannschaft, doch kann ich euch versichern, ihr seit in der Obhut der besten Mannschaft, unter der Leitung des besten Kapitäns, auf den Planken des besten Schiffes westlich Aventuriens. Ihr befindet euch in EFFerds schützendem Arm."

Ole räuspert sich:

"Ihr seit an Bord einer Karavelle, soll ich euch mehr darüber berichten, Torin Rotmarder?"



Das bebende Lachen Oles läßt Torin unmerklich etwas zurückweichen. Dann lacht auch er.

"Nein, von Ratten möchte ich wahrlich nicht angenagt werden."

Etwas ernsthafter fügt er hinzu:

"Eigentlich bin ich auf der Suche nach einer Möglichkeit, wie ich meinem Vater eine Nachricht zukommen lassen könnte. Ich befürchte fast, daß nur der Kapitän selber mir diese Frage beantworten kann. Aber heute Abend sollen wir ja schon in Thorwal einlaufen, nicht wahr?"



"Eine Nachricht wollt ihr übermitteln?" Ole kratzt sich nachdenklich am Hinterkopf, doch dann lacht er sogleich wieder laut auf.

"Ich denke das wird schwierig! Das einzige, was ich mir da vorstellen könnte, wäre ein beschriebenes Blatt, welches ihr in einer leeren Flasche versiegeln könntet. Leere Flaschen müßten eigentlich noch in jeder Menge hier herumliegen. Doch fürchte ich, daß eure Nachricht unter Umständen erst mehrere Götterläufe nach euch eintrifft, und dann wißt ihr noch nicht einmal bei wem!"

Der alte Schiffszimmermann räuspert sich und zwingt sich dann zu mehr Ernst bei der Sache.

"Ich fürchte, ihr werdet euch bis zum Einlaufen in den Thorwaler Hafen gedulden müssen. Gewöhnlicher Weise würde ich euch zustimmen bei eurer Annahme, daß dies schon heute Abend geschehen könnte. Leider dümpeln wir augenblicklich in einer sehr ungewöhnlichen Flaute und alle Zeitangaben, die ich euch geben könnte wäre mehr Spekulation als Berechnung."

Ole unterbricht seine Rede, um der erloschenen Pfeife wieder Feuer zu geben. Und während er versunken die ersten Rauchwolken in den Raum pustet fragt er Torin:

"Was drängt euch denn so zur Eile, wenn mir die Frage gestattet ist?"



"Es gibt also keine Möglichkeit für eine Nachricht und zudem sitzen wir hier fest." stellt Torin fest. Seine Stirn wölbt sich sorgenvoll.

"Dann...", meint er traurig, "dann habe ich auch Zeit, um euch den Grund meiner Reise zu erzählen."

"Ein Freund von mir, Krull, der Sohn des Born, Graf zu Prem, segelt gerade mit seinen Mannen nach Havena. Ich hatte gehofft, ihn noch in Thorwal treffen zu können, da er mir vielleicht bei meiner Suche nach Liasanya helfen kann. Doch...", seine Stimme stockt, "so kann ich sie nicht finden! So bekomme ich das Goldeichenherz nie wieder."

Er stützt sich an der Gangwand ab und flüstert:

"Und ohne das Herz bin ich nicht frei..."



"Nicht so schnell, Herr Torin Rotmarder, nicht so schnell!" Ole versucht dem Mitteilungsdrang seines Gesprächspartner Herr zu werden. "Ich habe nur soviel verstanden, daß es um Liasanya geht und um ein Goldeichenherz, daß euch ans Leben rühren könnte. Ferner um einen Herren Krull, Sohn des Born, einen Grafen von Prem, unterwegs nach, den ihr aber dennoch in Thorwal anzutreffen hofft. Lieber Herr Rotmarder, das ist ein wenig viel für mich, in dieser Form. Wollt ihr mir nicht doch die Geschichte von Anfang an erzählen, eins nach dem anderen?"

Ole lächelt seinem Gesprächspartner aufmunternd zu.

"Wer oder was ist Liasanya? Wie habt ihr verloren, was ihr heute sucht? Und welche Hilfe erwartet ihr von eurem Freund?"



"Ach wißt ihr," Torin richtet sich langsam auf und drückt sich von der Wand weg "das ist eine lange Geschichte."

Dann streckt er sich und schüttelt seine Unsicherheit ab.

"Aber wenn ihr mir eine Führung durch das Schiff zuteil werden laßt, dann erzähle ich euch gerne alles von Anfang an."



Ole lacht auf, zieht an seiner Pfeife und bläst einen lustigen Rauchkringel in die Luft.

"Das wohl, Herr Torin Rotmarder! Zeit haben wir genug und das Schiff läuft uns nicht weg, ich werde euch gerne das erklären, wonach es euch zu wissen drängt, zumindest soweit es unsere gute NORDSTERN betrifft. Mich dagegen interessiert eure Geschichte, zumal mir, das darf ich wohl bemerken, durchaus aufgefallen ist, wie sehr sie euch zu bewegen und belasten scheint. Doch zuerst vielleicht ein paar Erklärungen zu dem Bereich, wo ihr euch gerade im Moment befindet .... !"

Der alte Schiffszimmermann erklärt Torin zu Beginn erst einmal den 'Efferdschrein', der sich schon deshalb anbietet, da er in unmittelbarer Nähe liegt. Die Lage der Kabinen erwähnt er nur am Rande, da er davon ausgeht, daß Torin sich zumindest dort eingermaßen auskennen sollte.

"...auch die Offiziere haben dort ihr Quartier, genau in euerer Nachbarschaft. Wir von der Mannschaft sind bugwärts untergebracht."

Ole zieht wieder an seiner Pfeife und blickt sich weiter um.

"Hier gleich neben dem Schrein liegt die Kombüse und gegenüber die Messe! Das ist wichtig zu wissen, wenn ihr einmal essen wollt!"

Ole macht eine kurze Pause:

"Habt ihr Ladung an Bord? Wenn ja, dann kennt ihr wahrscheinlich auch schon die Lagerräume. Wenn nicht, dann merket auf: Hier im Unterdeck ist nur geringer Lagerraum. Das meiste der Fracht ist im Ladedeck unter uns!""

Der Schiffszimmermann räuspert sich und fragt dann mit abgedämpfter Stimme, gerade in dem Tonfall, wie es Geweihte zu tun pflegen, wenn sie dem ' seelisch Beladenen' Erleichterung verschaffen wollen:

"Könntet ihr, während wir bugwärts weiter schlendern einmal mit euerer Geschichte beginnen? Oder habt ihr noch Fragen?"



Torin blickt sich kurz um, seufzt dann und beginnt leise:

"Die ganze Sache begann damals, als ich von einer meiner Wanderungen nach Gareth zurück kam. Ich fand meinen kleinen Bruder Mark weinend in den unterirdischen Gängen des Hauses. Es hätte mir dort schon auffallen müssen,daß etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, denn Mark ist eigentlich nicht die Person, die sich so leicht aus der Ruhe bringen läßt."

Eine kleine Denkerfalte wölbt sich auf Torins Stirn.

"Naja. Jedenfalls waren meine beiden anderen Geschwister und Vater Rotmarder selbst nicht zugegen."

'Geschwister...' Torin lächelt innerlich 'wer hat sonst noch eine Elfin und einen Zwerg als Geschwister. Und das nur, weil Vater Rotmarder sie in jungen Jahren aufnahm und in seinem Sinne erzog.'

"Mark erzählte mir, daß er schon seit mehreren Wochen keine Nachricht mehr von Vater Rotmarder erhalten hatte."

Torin blickt Ole an:

"Ihr müßt wissen, wir Rotmarder geben unseren Aufenthaltsort und unser Wissen immer an Vater Rotmarder weiter. Dadurch weiß der Vater immer, wo wir gerade sind und was wir zu tun gedenken. Zur Zeit glaubt er wohl, ich sei noch in Prem bei Krull, nur weil ich ihm keine Nachricht mehr schreiben konnte. Doch das muß wohl warten. "

Er seufzt.

"Oh, entschuldigt, wo war ich stehengeblieben?"



Radisar an Deck


Der kleine, dicke Radisar läuft unruhig auf dem Oberdeck herum. Murmelnd im Selbstgespräch vertieft tupft er sich ständig mit einem Seidentuch den Schweiß von kahlen Kopf.

"Das ist ist doch ganz einfach," sagt er zu sich selbst "Ich werden vor den Kapitän hintreten und sagen:'Herr Kapitän, veranlassen sie sofort, daß eine Wanne mit heißen Wasser in die Suite gebracht wird!' Jawohl, so werde ich es tun!"

So sehr er sich das auch selbst einzureden versucht, so klug findet er diese Weise dann doch nicht. Dies ist eine Sache, die man mit Diplomatie und Fingerspitzengefühl lösen muß, denkt sich Radisar und formuliert um.

"Herr Kapitän, würden sie in ihre unermeßlichen Güte wohlwollend erwägen, Frau Reckinde von Beibach und Bruch mit der Überlassung eins Zubers, gefüllt mit warmen Badewasser, eine freundliche Geste zu erweisen?"

Nein, dieser Satz gefällt ihm auch nicht. Der Kapitän würde sich wahrscheinlich totlachen und dennoch nichts dergleichen veranlassen. Radisar geht auf und ab, hin und her, auf dem Oberdeck herum, bis hin zum Vordeck und zurück, und wäre da nicht die Reling gewesen, so wäre er wahrscheinlich auch sinnend über das Wasser gelaufen. Er formt weiter Sätze, die sein Ansinnen vielleicht vorteilhafter zum Ausdruck brächten, verwirft sie wieder, bildet neue und läßt dann auch von diesen ab. Doch nichts von dem, was er ersinnt will ihm als tauglich erscheinen. Für einen Moment will in ihm die Idee aufkeimen, der Herrin zu erklären, daß ihr Ansinnen unmöglich sei, ohne sich vorher beim Kapitän lächerlich gemacht zu haben. Doch dieser Schwindel würde ja sowieso auffliegen und dann wäre in seiner Haut etwa so sicher wie eine Hexe in der Hand der Inquisition. Also nimmt er seinen ganzen Mut zusammen, alles in allem eine überschaubare Menge und ruft zur Brücke hinauf:

"Herr Kapitän, hättet ihr einen Augenblick Zeit für mich?"



Der Ruf des Dieners der Frau von Beibach und Bruch reißt den Kapitän aus seinen Überlegungen über das Verhalten der ersten Offizierin.

Er nimmt die Hände von der Reling, so daß er sich nicht mehr auf sie stützt, sondern aufrecht an der vorderen Kante des Brückendecks steht.

"Ja, natürlich."

Er tritt ein Stück nach hinten und zur Seite, so daß er nun direkt neben dem oberen Ende der auf das Brückendeck führenden Treppe steht. Parallel dazu macht er eine einladende Handbewegung in Richtung des Brückendecks.

'Er will sich sicher im Namen seiner Herrin über die Windstille beschweren', denkt sich der Kapitän dabei.



Daß der Kapitän so ohne weiteres Zeit für ihn hat, mag Radisar, in seiner Situation gar nicht gefallen. Dennoch folgt er seinem Wink. Als er dann vor Jergan steht verläßt ihn vorübergehend sein Mut. So beginnt er erst einmal mit einem:

"Herr Kapitän ..öh .... aähm ....!"

Dann stockt Radisar unsicher, holt noch einmal tief Luft und läßt es dann aus sich heraus:

" Herr Kapitän, wäre es unter Umständen, gegebenenfalls, vielleicht, wenn möglich, eventuell, bei vorausgesetzten Umständen wahrscheinlich machbar, daß meine Herrin Frau Reckinde ein Bad genießen könnte ????????"

Und Radisar beeilt sich zu betonen:

"Für Mehrkosten komme ich selbstverständlich auf!"



Der Kapitaen mustert den Diener der Dame mit einem reichlich verwirrten Gesichtsausdruck. Nicht nur der Wunsch derer von Beibach und Bruch ist ihm recht unverständlich, sondern auch die Art, wie er vorgetragen wird. Und welche Mehrkosten meint der Mann?

Jergan sieht kurz in Richtung der Reling und des Meeres dahinter. Seit wann nimmt man Geld dafür, daß jemand baden möchte - vor allem dann, wenn man das Schiff nicht einmal dafür stoppen muß, weil ohnehin Windstille ist? Schließlich wendet er sich wieder Radisar zu:

"Das ist kein Problem. Wie Ihr seht, ist momentan Windstille, und von daher machen wir keine nennenswerte Fahrt. Was die Mehrkosten betrifft - Ihr könnt den Matrosen, die Euer Herrin über die Reling und wieder zurück helfen, ja ein paar Kreuzer geben. Aber... laßt Euch gewarnt sein: Das Wasser hier im Golf von Prem ist ziemlich kalt!"



Radisar schaut verlegen zu Boden und scharrt mit dem rechten Fuß wie ein nervöses Rennpferd kurz vor dem Start.

"Herr Kapitän Efferdstreu, sie haben da mehrere Probleme auf einmal angesprochen. Zum einen glaube ich nicht meine Herrin dazu bewegen zu können zum Meer zu kommen, es erscheint mir einfacher das Meer zu meiner Herrin zu bringen. Daß das Wasser sehr frisch ist, will ich ihnen gerne glauben und das bringt mich bereits auf ein weiteres Problem. Frau Reckinde will sich nicht erfrischen, sondern entspannen, ich denke das hat sie dringend nötig. Ist dann das Wasser zu kalt, so fürchte ich, wird sie mir Feuer unterm Hintern machen bis ich auch kalt bin!"

Radisar seufzt tief, schluckt ein paar Mal und spricht dann:

"Kurz und gut, Herr Kapitän, habt ihr an Bord eine Wanne, die zur Suite gebracht werden könnte und gibt es die Möglichkeit Wasser warm zu machen?"

Und augenzwinkernd fügt er an:

"Es muß ja kein Süßwasser sein. Ich habe gehört, daß Salzwasser gut für die Haut wäre, genau das Richtige für meine liebliche Herrin!"



Nahezu entgeistert blickt Jergan den Diener an. Dies ist ein Frachtschiff, und keine Luxusherberge! Und es legt eigentlich oft genug in verschiedenen Häfen an, wo derartige Wünsche in Badehäusern erfüllt werden können.

Dann läßt er sich die Bitte kurz durch den Kopf gehen - es würde schon am Gefäß scheitern. Sicher... es gibt Töpfe verschiedener Größen, doch da würde Sören sich quer stellen, und dann existieren alte Fässer, die man notfalls zweckentfremden könnte, sowie zwei recht kleine Tonnen, in denen das Wasser für das Deckschrubben "gelagert" wird. Aber all das... nie würde da die edle Dame einsteigen! Er schüttelt schließlich den Kopf.

"Verzeiht, aber auf derartiges sind wir nicht eingerichtet. Eure Herrin würde sicher nicht in einem Faß baden wollen, das zudem..."

Er räuspert sich.

"...in das sie wohl nicht passen würde. Davon abgesehen ist es nicht gut für die Töpfe, Seewasser zu erhitzen - das würde unser Koch nie dulden. Und außer der Kombüse haben wir selbstredend KEINE Feuerstelle - Ihr seht selbst, daß das Schiff aus Holz ist."

Beruhigend fügt er hinzu:

"Vertröstet sie mit dem Bad am besten bis Thorwal, da gibt es Badehäuser."

Während der Kapitän Radisar freundlich ansieht, gehen ihm nicht so freundliche Gedanken durch den Kopf, deren harmlosester sich mit der Frage beschäftigt, warum in Efferds Namen diese Luxussuite überhaupt nötig ist...



Zwar hatte er es befürchtet, daß der Kapitän eben so reagieren würde, so wie er es letzten endes auch getan hatte, doch hatte Radisar bis zuletzt auf ein Wunder gehofft, daß sein Ansinnen doch noch verwirklicht werden könnte. Doch es sollte nicht sein. Das Wort 'unmöglich' kennt keine Steigerung und würde es eine geben, dann hätte der Kapitän bestimmt Gebrauch davon gemacht. Im Grunde genommen kann er den Jergan Efferdstreu ja sogar verstehen, doch hilft ihm das nicht weiter. Im Augenblick hatte er so ein Gefühl für sich, als wäre er, aus Versehen, in eine Arena geraten, in der sich gerade ein Dutzend Gladiatoren auf eine Kampf um Leben und Tod bereit machen und in Gedanken hört er eine Stimme, die da ruft:

'Ein Beutel, randvoll mit Dukaten, für den, der mir den Kopf von dem kleinen Dicken mit der Glatze bringt!'

Aber Selbstmitleid bringt ihn auch nicht weiter. Er wird es jetzt seiner Herrin einfach sagen müßen, daß das mit dem Bad jetzt nichts wird. Es wird Zeit ein Mann zu werden! Er wird ihr ins Gesicht sehen und tapfer seine Botschaft überbringen, die da lauten wird: So ist das und so bleibt das!!!!

Er nickt dem Kapitän noch einmal zu:

"Herr Kapitän Efferdstreu, ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und respektiere ihre Antwort!"

Dann verbeugt er sich kurz und schlägt dabei mit den Hacken aneinander, mit dem trotzigen Stolz eines noblen Aristokraten kurz vor der Hinrichtung. Dann wendet er sich um und verläßt die Brücke. Schritt für Schritt verliert er seine aufrechte Haltung und schrumpft wieder zusammen zu einem kleinen, unglücklichen Bündel, das nicht so recht weiß, wie es die nächsten fünf Minuten überleben soll.



Jergan nickt als Erwiderung auf die Worte des Dieners, und wendet dann sein Gesicht ab - falls Radisar sich noch einmal umdreht, soll er die Belustigung im Gesicht des Kapitäns nicht sehen. Allerdings glaubt Jergan nicht, daß dieser auch nur auf so eine Idee käme... vermutlich ist er gerade damit befaßt, die Botschaft des Kapitäns in eine für seine Herrin akzeptable Form zu übersetzen.

Langsam dreht Jergan sich zu der wiedergekehrten Fiana um und meint grinsend:

"Hast du das gehört? Ein warmes Bad... in einer Wanne..."



Nirka gibt sich Mühe, aufmerksam in eine andere Richtung zu sehen, damit man ihr die Belustigung über das, was Radisar da mit dem Kapitän bespricht, nicht ansieht. Fast hat sie Lust, dem fetten Mann von ihrem netten kleinen Bad am vorvorigen Abend zu erzählen, doch das wäre in Gegenwart des Kapitäns nicht unbedingt sehr schlau.

'Wenn du mehr Wind wehen würde... warum muß mir das gerade passieren?'

Die Bootsfrau steht eigentlich gerne am Steuer, und da ist es um so mehr ärgerlich, daß genau jetzt diese dumme Flaute ist.



Xenia lauscht


Erneut erregt etwas die Aufmerksamkeit Xenias: Radisar, der auf dem Deck herumläuft und irgendwelche Dinge vor sich hin murmelt, wobei er einen ziemlich ernsten Eindruck macht.

Während sie versucht, mit einem Ohr weiter zu Aleara und Fiana herüber zu lauschen, beobachtet sie jetzt Reckindes Diener.

'Dem hat wohl die Sonne aufs Gemüt geschlagen... - oder seine Herrin aufs Haupt.'

Xenia schüttelt belustigt den Kopf. Sie überlegt kurz, was interessanter zu werden verspricht: Aleara oder Radisar. Dann entscheidet sie sich für Radisar. Schließlich hat man nicht oft solch ausgefallene Gäste an Bord und was mit Aleara los ist, wird sie noch früh genug erfahren.

Also sieht sie, nachdem ihr neugieriger Blick die Suite gestreift hat, zu Radisar und Jergan hinüber und sinnt über einen Vorwand nach, näher an das Brückendeck heranzukommen, um mehr mitzubekommen.

'Ich habe mir schon immer gewünscht, mal zu erfahren, was Adelige so tun und denken... Was tun sie den ganzen Tag, wenn doch alles Diener für sie erledigen?'

Unbewußt runzelt die Matrosin die Stirn.

'Ob sie auch Wünsche haben, die die Götter wahrscheinlich niemals erfüllen werden - so wie ich - so wie viele, die ich kenne?' denkt Xenia nachdenklich auf ihrer Unterlippe kauend, während sie immer noch Radisar beobachtet.



Angespannt lauscht Xenia, um mitzubekommen, was der Kapitän und Radisar bereden. Allerdings bekommt sie nur mit, daß es irgendwie um den Wind und Bezahlung geht. Ob sich die Frau Reckinde über die Windstille beschweren läßt und ihr Geld zurückfordert? Das kann eigentlich nicht sein, denn sonst sähe der Kapitän anders aus... Xenia versucht, aus den Gesichtszügen des Kapitäns zu lesen.

'Er sieht erstaunt aus... aber nicht verärgert - Zu dumm, daß man hier so wenig hören kann!'

In einem Versuch, noch mehr Einzelheiten des Gesprächs mitzubekommen, verdreht die Matrosin den Kopf, aber es will ihr einfach nicht gelingen, ganze Sätze zu verstehen.

'Man müßte Elfenohren haben!' denkt sie sich.

Aleara ist jedenfalls vorerst vergessen. Auch bemerkt Xenia nicht, daß sie ihrerseits von Sigrun beobachtet wird - zu sehr ist ihre Aufmerksamkeit auf Radisar und Jergan gerichtet.



Mit amüsiertem Blick verfolgt Sigrun Xenias Versuche, alles um sich herum mitzubekommen. Zunächst scheint sie sich sehr für Aleara zu interessieren, was Sigrun nicht weiter überrascht. Auch sie selber wüßte, nachdem sie mit geholfen hat, die andere Matrosin aus dem Wasser zu ziehen, gerne, wie es ihr jetzt geht. Doch gerade, als Sigrun sich auf den Weg zu ihr machen will, wird Aleara von Fiana angesprochen. Daher spitzt auch sie nur die Ohren in dem Versuch, etwas über Alearas Zustand zu erfahren. Doch da kommt der Diener der Dame aus der Suite und beginnt, nervös auf und ab zu gehen. Sigrun bemerkt, daß Xenia sich nun diesem Geschehen zuwendet und lächelt etwas in sich hinein: die Neugier der anderen Matrosin scheint nicht zu befriedigen zu sein. Immer befindet sie sich dort, wo es am meisten zu sehen oder zu hören gibt. Sigrun selber wendet ihre Ohren allerdings wieder Fiana und Aleara zu, allerdings kann sie nur ein "Hmm" erhaschen.



'Es ist schon seltsam - es sieht aus, als wenn dieser Diener um irgend etwas bitten würde - vielleicht etwas Unanständiges? Er sieht verlegen aus..'

Unwillig schüttelt Xenia den Kopf. Es nützt einfach nichts zu spekulieren - es kann schließlich um alles mögliche gehen, das sie zudem noch nicht mal etwas angeht. Ihre Aufmerksamkeit läßt bereits ein wenig nach, aber sie achtet darauf, ob sich in der Haltung oder Mimik von Radisar oder Jergan irgend etwas deutlich ändert, aus dem sie einen vernünftigen Schluß ziehen könnte.

Trotzdem genießt sie nebenbei die wärmenden Strahlen der Sonne und das Gefühl, nicht dem ständigen scharfen (Fahrt-)Wind ausgesetzt zu sein, den man hier an Bord normalerweise erfährt.



Phexane auf dem Oberdeck


Phexane geht den Aufgang hinauf. Auf dem Oberdeck schaut sie sich kurz um und entdeckt dann auch ihren Bruder, der mit einer Frau zusammensteht und sich mit ihr unterhält. Sie geht auf die kleine Gruppe zu.



Doch dann stoppt Phexane. Sie schaut hinauf zu den Segeln - alles ruhig. Kein Lüftchen scheint sich zu regen und auch das erwartete Schaukeln bleibt aus.

Sie schaut sich auf dem Oberdeck kurz um, es ist wirklich alles sehr ruhig. Einschließlich der Matrosen, die offenbar nichts recht zu tun haben.

'Wie langweilig! Ich hatte gedacht, hier wäre mehr los.'

Sie hat ihr ursprüngliches Ziel offenbar vergessen, denn nun schlendert sie zur Reling und schaut aufs Meer hinaus.



Hirkan steht auf


Hirkan hat lange geschlafen und als er endlich erwacht ist, war er bereits alleine im Gemeinschaftsraum. Nun ja, am Abend zuvor hatte er noch lange gearbeitet, um die vielen Eindrücke, die er auf der Tsa-Feier gewonnen hatte, festzuhalten, bevor sie seinem Gedächtnis entgleiten. Da kann es schon mal passieren, daß man am nächsten Morgen nicht so gut aus der Hängematte kommt ...


Langsam richtet er sich auf. Seit der Gemeinschaftsraum so gut gefüllt ist, schläft er doch etwas schlechter, als in der Zeit vorher, doch das stört ihn nicht so sehr, ist es doch wesentlich interessanter, in Gesellschaft zu reisen.

Als er sich endgültig aufgerichtet hat, kleidet er sich zunächst sorgfältig an, immer darauf bedacht, keine neuen Falten in den Kleidern zu verursachen. Anschließend streicht er seine Haare in Form, so daß sie wieder eng am Kopf anliegen.

Erst jetzt wird ihm bewußt, daß das Schiff sich kaum zu bewegen scheint, ja es fühlt sich fast an, wie im Hafen.

'Sollte ich etwa den ganzen Tag verschlafen haben und wir sind schon da?'

fragt er sich schockiert und verläßt eiligen Schrittes die Gemeinschaftskabine, um dies herauszufinden.



Fast, aber auch wirklich nur fast, laufend, eilt Hirkan den Aufgang zum Oberdeck hinauf. Oben angekommen, sieht er sich um: keine Spur von Hafenanlagen! Dann gleitet ein Lächeln der Erleichterung über sein Gesicht: Es ist heller Tag und Thorwal scheint noch lange nicht erreicht zu sein. Dies ist ganz offensichtlich eine einfache Flaute! Hirkan ist darüber nicht böse. Es kommt ihm ganz gelegen, wenn er noch ein wenig Ruhe genießen kann, bevor das Schiff in Thorwal ankommt und er es verläßt, um den sicherlich beschwerlicheren Rückweg an Land in Angriff zu nehmen. Mit einem jetzt leicht veränderten Gesichtsausdruck, nicht mehr unruhig und neugierig, sondern eher abschätzend, läßt er seinen Blick erneut über das Oberdeck gleiten. Dann nickt er erfreut und geht los in Richtung Reling, wo er eine umgedrehte Kiste erspäht hat, die wohl schon jemand anders für einen guten Blick über die See bereitgestellt hat. Dort läßt er sich umständlich nieder, rutscht ein wenig hin- und her, bis er es sich gemütlich gemacht hat, legt die Arme auf die Reling und den Kopf auf die Arme, und läßt Blick und Gedanken schweifen.



Traum oder Vorsehung


Ottam kann nicht kontrollieren was da passiert, eigentlich bemerkt er es nicht einmal bewußt, es kommt ihm vor, als beobachte er sich selbst und schwebe über seinem eigenen Körper. Doch das Bild verblaßt schnell wieder und das Schiff, die Kabine und alles um ihn verändert sich.

Es ist warm, schwül und drückend, seine Kleider kleben an ihm als sein er gerade aus dem Zuber gestiegen und habe das Trocknen vergessen. Um Ihn herum wachsen seltsame Pflanzen mit langen, feingliedrigen Blättern. Er scheint zu wissen was er will, zielstrebig folgt er einen schmalen, aber sorgfältig freigelegten Pfad durch den Wald. Vor ihm breitet sich eine Lichtung aus, auf ihr ein gewaltiges Gebäude, unpassend Protzig, doch zugleich auch beeindruckend. Ganz aus schwarzgrauem Gestein, wenig Fenster, dafür um so mehr verwinkelte Türme und Ecken. Umgeben von einem tiefen Graben, ohne Wasser, dafür gespickt mit nadelspitzen Steinen. Es erinnert es an eine trutzige Burg, hinge nicht der Schatten etwas unnatürlichem darüber.

Er kommt näher und näher, langsam erblickt er 2 Wachen, seltsam entstellte humanoide Gestalten, doch dies scheint ihn nicht zu stören, nein es scheint ihm schon normal zu sein. Die mächtigen Gestalten werden größer und größer während er sich nähert.

Als er vor ihnen steht sind sie gut und gerne 2 1/2 Schritt hoch und tragen mächtige Schwerter an der Seite. Sie verneigen sich Ehr erbietend vor ihm und winkt sie mit aller Selbstverständlichkeit beiseite und deutet ihnen das Tor zu öffnen.

Das Tor ähnelt stark dem Kopf der Kreatur die auf seinem Buch prangt. Eine Grausam verzerrte Fratze, die an nichts Menschliches erinnert. Zwei gewaltige, über 5 Schritt hohe Torflügel klappen auf, und geben den Weg frei in einen Gang der sich nach etwa 10 Schritt durch ein weiteres Tor in eine Weite und hohe Halle öffnet. In der Halle herrscht Zwielicht, seltsame Schatten tanzen und Praios Anlitz zerfällt zu einem grotesken Abklatsch, wenn das Licht durch die dunkelblau gefärbten, winzigen Fenster fällt.

Er durchschreitet die Halle und nimmt Platz in einem protzig gestalteten Thron, umgeben von 2 Fackeln die ein seltsam schwaches Licht ab strahlen, jedoch keinerlei Schatten zu werfen scheinen. Er spürt einen eiskalten Atem im Nacken, als er sich umblickt erkennt er die riesigen schwarzen Schatten hinter sich.

Er schreckt Auf, plötzlich ist er wieder in seiner Kabine, an Bord der Nordstern, alles ist wie früher, nur er, er ist naß geschwitzt und kalter Schweiß rinnt durch seine Haare seinen Nacken entlang. Starr vor Schreck sitzt er auf seinem Stuhl und starrt auf den Tisch mit dem ledergebundenen, eisenbeschlagenen Buch.



Dicke Schweißtropfen kullern über Ottams Stirn.

'Was war das, war es real oder hatte ich nur einen Tagtraum?. War es ein Vision?. Wenn ich es nur wüßte' denkt er schwer atmend.

"Luft, ja frische Luft wird mir gut tun" sagt er zu sich selbst.

Sorgsam verschließt er das Buch und packt es fort. Er Tupft sich die Stirn und greift nach seinem Stab. Noch sorgsamer als sonst verschließt er seine Tür und überlegt welchen Weg er wählen soll.



Tote Katze


Von einer inneren Unruhe getrieben steigt Sylvhar den Niedergang zum Ladedeck hinunter. Eine seltsame Traurigkeit hat ihn ergriffen, irgend etwas scheint nicht so zu sein, wie es sein sollte. Bloß was?

Nachdenklich verharrt er unten kurz, bevor er dann in den vorderen Laderaum tritt. Das ist der Raum, in dem er Zuflucht vor den wütenden Menschen gesucht hat. Warum waren sie nur so böse auf ihn? Niemand konnte ihm das bislang erklären, aber leider hatte sich auch niemand bislang die Mühe gemacht, ihm in Ruhe zu zu hören. Die Menschen sind einfach zu laut und zu hektisch. Sie hören sich selbst lieber laut reden, anstatt anderen oder ihrer inneren Stimme zu zu hören.

Hier genau ist die Stelle, wo er die beiden Frauen beobachtet hatte, dort wo er sich versteckt hatte und wo sie ihn schließlich auch entdeckt hatten. Er verharrt an dieser Stelle. Irgend etwas stört ihn. Nein, es stört ihn nicht... irgend etwas beunruhigt ihn.

Gedankenverloren blickt er sich um und sucht den Boden ab, bis er schließlich das das auf dem Boden liegende, grotesk zusammengekauerte Fellknäul entdeckt. Das ist es also!

Mit einer Hand fährt er sanft über das graue Fell der Katze, die die Menschen hier an Bord schlicht die Graue nennen... und die hier tot vor ihm liegt.



Die Katze war schon alt, und so ist es nur natürlich, daß auch ein Katzenleben eines Tages seinem Ende entgegengeht. Aber wie lang mag die Lebensspanne einer Katze wohl sein? Ob das Tier wohl geahnt hatte, daß seine Zeit abgelaufen war? In den letzten Tagen war die Graue noch weniger zu sehen gewesen als sonst, fast hätte man schon vermuten können, daß sie bereits in Prem das Schiff verlassen hatte. Dabei hatte sie sich wohl nur hier verkrochen, um ungestört Abschied zu nehmen.

Noch vollkommen in diesen Überlegungen versunken, nimmt der Elf die Katze mit feierlicher Geste auf. Es ist ihm nicht so ganz klar, was die Menschen hier auf dem Schiff mit ihren Toten zu tun pflegen, doch hier unten liegen bleiben, kann das Tier ganz sicher auch nicht. Wenn könnte man dazu am besten mal befragen?



Sylvhar hört den herankommenden Menschen schon von weitem, was auch nicht verwunderlich ist, denn Menschen sind in ihrer Art grundsätzlich laut, und sie geben sich auch gar keine Mühe, leise zu sein.

Schade, die nette Sigrun ist es nicht, das hört Sylvhar bereits an den ersten plumpen, polternden Schritten. Aber was soll's, vielleicht weiß auch ... hm ... entweder Ole oder Swafnald wird es wohl sein - was bei einem Todesfall an Bord zu erledigen ist. Insgeheim hofft der Elf auf Oles Ankunft, denn Swafnald ist immer so schreckhaft und dann gleich anschließend furchtbar aufbrausend.

Und wie sollte es anders sein, es ist natürlich Swafnald, der in den Laderaum hinein poltert, und ihn mit Worten überschüttet, die er zwar hört und vom Garethi her versteht, aber deren Inhalt er nicht zu deuten weiß. Fragend wechselt sein Blick von der Katze zu dem Matrosen, dessen Verhalten so vollkommen verwirrend ist.

Der Elf schüttelt leicht mißbilligend den Kopf. Es ist wirklich schrecklich kompliziert mit diesen Menschen, aber vielleicht wird dieser Mensch eine einfach gestellte Frage verstehen:

"Was macht ihr mit den Toten auf dem Schiff?"

Als unterstützenden Hinweis zu diesen Worten, hebt Sylvhar die Katze weiter an und hält sie in Swafnalds Richtung.



Armen an Deck


Armen schaut sich auf dem Oberdeck um. Da sieht er auch schon wen er sucht. Er geht auf einen Matrosen zu und fragt ihn:

"Wo ist den der Kapitän, ich habe etwas mit ihm zu besprechen."



Studierender Darian


´... aber wie kann denn ...ach so... elementare Invokation ... ... aerobe Translokation ... ´

Darian studiert immer noch den AELITUS die Welt um ihn herum interessiert ihn nicht, er nimmt sie nicht einmal war.



´... Moventia-Komponente ... Huch ?´

Den versehentlichen Tritt des Gauklers und dessen Entschuldigung nimmt er mit einem Nicken

zur Kenntnis.

´Ich sollte wohl mal eine kleine Pause einlegen.´

denkt der junge Magus, durch den Anstosz ohnehin in seiner Konzentration gestört. Er rollt die Schriftrolle zusammen und steckt diese in eine dafür vorgesehene Lederhülle. Dann steht er auf und sieht sich an Deck um. Der Gaukler, der ihn gerade so unsanft in die Wirklichkeit zurückgeholt hat, ist gerade dabei den Groszmast zu erklimmen, auf dem Brückendeck steht der Kapitän und spricht offensichtlich mit seinen Offizieren, eine Lagebesprechung wegen der Flaute vielleicht ? Naja, dabei will er auf keinen Fall stören. Dann fällt sein Blick auf einen Mann in einer grauen Robe, der sich mit einer jungen Frau unterhält. Darian erkennt den Fremden zweifelsfrei als Magier.

´Ah, noch ein weitere Magier an Bord, diese Fahrt wird ja richtig interessant.´

Darian steigt die noch verbleibenden Stufen hinab und macht sich auf den Weg.



Reckinde's Truhe


Frau Reckinde von Reibach und Bruch geht unruhig in ihrer Suite auf und ab. Ab und zu unterbricht sie diese "Tätigkeit", um bei einer kleineren, metallenen Truhe stehen zu bleiben, die - etwas versteckt vor unbefugten Augen - in eine Ecke gerückt, dort abgestellt ist.

Beim Anblick dieser Truhe blitzt in ihren Augen jedesmal ein Funke auf, der einen Beobachter erschrecken würde. Ihre Bahnen werden immer unruhiger.

"Wo bleibt nur mein Bad? dieser elende Radisar läßt sich wieder so viel Zeit!!!! Ich werde seinen Lohn wohl doch kürzen müssen! Das gibt ihm dann wieder mehr Ansporn, mir nach meinen Wünschen zu dienen!!"

Sie lächelt voll innerer Befriedigung.



Reckinde kocht!!!!!!!

"Wo ist dieser Gnom mit meinem Bad??????????""



Xenia beobachtet weiter ....


Als Xenia bemerkt, in welch geknickter Haltung Radisar die Brücke verläßt, ist sie sich einigermaßen sicher, daß er offensichtlich nicht bekommen hat, was er verlangte, daß es ihm aber wichtig gewesen sein muß.

'Es muß schon etwas Ausgefallenes gewesen sein - der Kapitän bemüht sich doch sonst wirklich, es seinen Gästen Recht zu machen.'

Fast sehnsüchtig sieht die Matrosin zu Nirka und Fiana auf der Brücke - die haben sicher alles genau mitbekommen. Allerdings würde sie es nie wagen, eine der beiden zu fragen; geschweige denn den Kapitän. So muß sie sich nun widerstrebend damit abfinden, daß sie es nicht herausfinden kann, was auch immer dort geredet würde. Ihr Blick verfolgt enttäuscht den Weg Radisars und kehrt dann zur Brücke zurück. Über irgendwas amüsieren die sich doch da! Neidisch bleibt ihr Blick auf der Gruppe auf dem Brückendeck hängen.

'Es ist einfach unfair! Als Matrose bekommt man immer nur die Hälfte mit, wenn es um die Gäste geht. Dabei machen wir die schwerste Arbeit! Wenn wir nicht hier wären, bekämen die nicht ein einziges Segel gesetzt - da nützt der beste Kapitän nichts.'

Mißmutig starrt Xenia zum Brückendeck hinauf...



Mit dem Rücken an die Reling gelehnt sieht sich Xenia um, ob es irgend etwas Interessantes zu sehen gibt - wenn es ihr schon verwehrt ist, an den Vergnüglichkeiten auf dem Brückendeck teilzuhaben. Tatsächlich erblickt sie etwas, was ihr im ersten Moment einen Schrecken durch die Glieder jagt: Jarun klettert den Großmast empor! Erschrocken blickt sie offenen Mundes dorthin.

'Das kann er doch nicht tun - das ist gefährlich, wenn man keine Erfahrung darin hat!'

Doch dann muß sie über sich selbst lächeln - Jarun ist schließlich ein Meister der Körperbeherrschung, wie er am Abend der großen Feier eindrucksvoll bewiesen hat. Wer sollte sicherer dort oben herum klettern als er?

Einen Moment noch folgt sie seinen geschmeidigen Bewegungen mit den Blicken in die Höhe, dann verliert sie auch daran das Interesse.

'Es muß doch irgend etwas an Bord geben, das man tun kann, ohne daß es mit Arbeit zu tun hat - wenn wir schon mal solches Glück mit dem Wetter haben!'

Mit einer energischen Bewegung stößt sie sich von der Reling ab und geht mit zielsicherem Schritt auf den Niedergang zu.

'Mal sehen, wo die sich alle verkriechen...'



Am Niedergang angekommen, macht Xenia dem Magier Platz und bleibt dann plötzlich wieder unentschlossen stehen.

'Es ist so schönes Wetter, und ich bin gerade im Begriff, unter Deck zu gehen? Ich muß einen Sonnenstich haben...'

Für eventuelle Beobachter völlig unmotiviert hält die Matrosin mit einem Mal in ihrem Schritt inne, dreht sich dann fast auf der Stelle um und schlendert im gleichen Tempo wie vorher zurück zur Reling, wo sie herkam. Dort angekommen schaut sie gedankenverloren über das Meer.

'Was für ein wunderbares Geschenk Efferds es doch ist, hier stehen zu dürfen und sein Meer sehen zu dürfen! Vielleicht sehe ich sogar ein paar Fische, wenn ich lange genug warte...'



Auf der Brücke


Fiana wendet sich nun endgültig wieder dem Kapitän zu

"Nicht ganz, wirklich ein Bad, hier auf See, und auch noch warm?, diese reichen Leute haben schon komische Ideen, wozu glaubt der baut man Badehäuser in die Häfen? Und das Meer ist bei so langsamer Fahrt auch erfrischend" sagt sie breit grinsend und sichtlich amüsiert zu Jergan.



Jergan nickt, auch wenn er Fianas Argumentation leicht unlogisch findet.

"Der arme... seine Herrin wird es jetzt wohl an ihm auslassen. Aber das kann uns eigentlich egal sein - wenn sie im Meer baden will, dann ist das jetzt optimal, denn stoppen würde ich die NORDSTERN wegen so etwas auf keinen Fall."

Er sieht kurz nach vorne, und fragt dann:

"Was ist mit Aleara?"

Schließlich war das der Grund, warum Fiana loslief, um etwas zu tun, das auch anders machbar gewesen wäre.



"Ich habe ihr gesagt sie soll kommen sobald du hier mit dem Diener fertig bist, sie müßte also jetzt herkommen. Sie scheint mir in der Tat noch sehr mitgenommen zu sein, sie wirkt so abwesend, als sei gar nicht an Bord, sondern irgendwo in einer

anderen Welt."



Jergan nickt.

"Mal sehen, was da los war. Ich hoffe, sie kann uns nun mehr erzählen, als sie vorgestern Nirka, Sigrun und Sylvhar erzählte."

Mit Absicht zählt der Kapitän von den an der Bergung Beteiligten nur die Mannschaftsangehörigen auf und läßt die Fahrgäste aus.

Sein Blick schweift dann wieder nach vorne, um... und er hält inne. Da versucht doch tatsächlich einer der Fahrgäste, dieser Gaukler, den Großmast zu besteigen! Nun, wo dieser die Höhe des Brückendeckes erreicht hat, ruft Jergan:

"Seid vorsichtig bei dem, was Ihr da treibt! Ihr kommt für alles auf, was Ihr beschädigt... und müßt mit den Folgen leben, wenn Ihr abstürzt."

Sein Tonfall ist dabei aber freundlich, es klingt nicht so, als würde er die Mastbesteigung untersagen wollen, aber man merkt auch, daß er nicht unbedingt extrem begeistert ist.



Sigrun wundert sich

Schon wieder hat Sigrun sich ziemlich über Aleara gewundert. Da geht Fiana extra zu ihr hin, um sie anzusprechen, doch Aleara scheint gar nicht zu merken, daß sie mit einer Offizierin spricht, deren Anweisungen Folge zu leisten ist. Jedenfalls läßt sie sich viel Zeit mit ihrer Reaktion. Aber vielleicht ist ihr Kopf noch immer nicht klar und dieses ganze merkwürdige Verhalten hat Ursachen, die Sigrun nicht ermessen kann.

Abwartend lehnt Sigrun weiterhin an der Reling. Mit Augen und Ohren verfolgt sie das Geschehen um Aleara und Fiana. Zwischendurch hält sie immer wieder prüfend das Gesicht in den nicht vorhandenen Windzug und atmet durch die Nase ein: es ist eine altbekannte Tatsache, daß erfahrene Seeleute den aufkommenden Wind riechen können. Zwar gelingt dies Sigrun noch nicht immer, aber bei einer Flaute wie dieser, denkt sie, müßte schon die leiseste Bewegung der Luft zu spüren sein.

Sigrun rührt sich nicht vom Fleck und läßt keinerlei Anzeichen von Unruhe erkennen. Sie weiß, daß man sich auf See dem Wind fügen muß und hält sich bereit, auf die leiseste Andeutung einer Brise und damit, daran zweifelt sie keine Sekunde, auf eine schnelle Anordnung des Kapitäns zu reagieren.



Auf der Brücke


Armen kommt zum Kapitän, den er schon seit einiger Zeit sprechen wollte, es sich aber keine Gelegenheit ergeben hatte.

"Herr Kapitän! Ich hoffe ich störe nicht, aber ich will mal nach meinen Kisten sehen. Ich hoffe das geht in Ordnung."



Jergans Blick unterbricht sein Umherwandern zwischen den verschiedenen Zielen auf dem Schiff kurz und fixiert den Händler, der eine Frage stellt.

"Gerne, natürlich geht das in Ordnung. Eure Kisten sind in Laderaum zwei, am hinteren Ende."

Vor der Angabe des Ortes unterbricht er sich kurz, wohl, um zu überlegen, wohin genau sie verstaut wurden. Und diesmal ist seine Ahnung verkehrt, denn vom Steuer her wirft Nirka ein:

"Verzeiht, Herr Kapitän, die Kisten des Herren Al' Klin Gon sind im Laderaum drei!"

Jergan nickt - Nirka muß es besser wissen, schließlich hat sie die Verladung geleitet - war da nicht irgend etwas damit, daß Laderaum drei aus irgendwelchen Gründen für diese Kisten besser wäre? Egal...

"Genau, im Laderaum drei. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr einen Matrosen bitten, Euch zu begleiten."

Er selbst wendet sich nicht ganz ab, falls der Händler noch eine Frage hat.



"Ja, im Laderaum 3 sind die Kisten. Ich wollte nur vorher fragen, da ich mir nicht mehr ganz sicher war. Noch einen schönen Tag"

Armen wendet sich ab und macht sich auf den Weg zum Lagerraum.



'Ih werde mal sehen, ob alles noch in den Kisten ist. Bei einigen der Passagieren bin ich lieber vorsichtiger. besonders diese Fuxfells sind mir unheimlich.'

Armen zieht einen kleinen länglichen Gegenstand aus seiner Tasche und setzt seinen Weg fort.



Lowanger ergrimmt


Immer noch beobachtet Lowanger mit unbewegter Miene die Vorgänge auf dem Oberdeck. Zugegebenermaßen ist es wirklich außerordentlich ruhig, einige der Matrosen und der Passagiere scheinen sich sogar zu langweilen. Einen kurzen Augenblick lang überlegt der 3. Offizier, ob er da nicht für etwas Abhilfe sorgen soll. Doch die Planken blitzen und blinken nach der gründlichen Reinigung vom Vortag, die Offiziersmesse ist vorbildlich sauber und das alte Segel ist auch längst geflickt.

Erstaunt und mit einem sichtlichen Mißfallensausdruck im Gesicht nimmt er zur Kenntnis, daß einer der Passagiere sich daran macht, den Großmast zu erklimmen. Der Gaukler in dem Flickenkostüm! Welch' ein ausgemachter Unfug! Doch vorerst verbeißt sich der Navigator jeglichen Kommentar und beschränkt sich auf die stumme Betrachtung der Großmastkletterei.



Auf der Brücke


Erstaunt und zugleich belustigt verfolgt Fiana die Kletteraktion es Gauklers. An den Kapitän gewand meint sie:

"Ich wußte ja, daß eine Flaute manchmal seltsame Aktivitäten unter der Mannschaft nach sich zieht, aber daran, daß die Passagiere auf die Masten klettern kann ich mich jetzt nicht erinnern".

Ein breites Grinsen zieht über ihr Gesicht

"Hoffen wir das der Papagei nicht seine Flügel braucht"



Jergan antwortet, ohne direkt zu Fiana zu blicken:

"Ach was, hast du gesehen, wie er hochgeentert ist? Er macht so etwas sicher nicht zum ersten Mal - vielleicht nicht gerade auf einem Schiff, aber bei anderer Gelegenheit ganz sicher."

Er grinst plötzlich, und dreht sich nun doch zu der ersten Offizierin um.

"Ich kann mich aber an ähnliches erinnern! Damals, als wir vor Neetha lagen, und nicht anlegen durften... hast du das wirklich vergessen?"

Er läßt ihr keine Sekunde zum Antworten, denn da fällt dem Kapitän ein:

"Nein... daran kannst du dich gar nicht erinnern! Das war vor deiner Zeit - ich glaube, eine oder zwei Reisen, bevor du angeheuert hast."

Den Gedanken an vergangene Zeiten nachhängend, läßt er weiter seine Blicke über Schiff, Besatzung und insbesondere das Brückendeck schweifen, wobei sie ab und an bei Fiana hängenbleiben - neugierig, ob sie dich doch für die damalige Geschichte interessiert.

'Ich hab mal wieder vergessen, daß sie noch so viel jünger ist...', nimmt er sich vor.



"Erzähl, was war damals vor Neetha und wieso durften wir nicht anlegen ?"

Fragt sie mit offensichtlicher Neugier im Gesicht.



Der Händler erntet von Jergan nur noch ein Nicken, dann wendet der Kapitän sich wieder der ersten Offizierin zu.

"Ich weiß den genauen Grund nicht mehr - da gab es irgendeinen Streit im Hafen, und sie ließen einen Tag lang kein fremdes Schiff rein. Die NORDSTERN lag jedenfalls auf Reede, es war warm, und alle haben sich gelangweilt. Auch Wind wehte kaum - ein Wetter wie heute, nur wärmer. Da hatten wir zwei Brüder hier an Bord - Söhne eines Grangorer Händlers, die nach Neetha wollten. Beide waren kaum davon abzuhalten, immer wieder in den Ausguck zu klettern - auf See habe ich es ihnen dann sogar verbieten müssen."

Er hält inne, um Fiana die Gelegenheit zu geben, Fragen zu stellen, oder zu kommentieren.



Neugierig blickt Fiana den Kapitän an

"Und dann, was haben sie gesehen, oder sind sie gar hinunter gefallen? Und wie konntest du dann schließlich doch anlegen?"

Man merkt das Fiana noch ein paar Fragen mehr im Kopf umher schweben, doch will sie Jergan erst einmal Zeit lassen die gestellten zu beantworten.



Jergan schüttelt bei Fianas Fragen den Kopf. Warum sieht sie das nur so dramatisch?

"Die zweite Frage habe ich ja im Grunde schon beantwortet - der Hafen war für einen Tag gesperrt, und am nächsten Tag haben wir dann gegen Mittag angelegt - als wir dann an der Reihe waren. Du kannst dir sicher vorstellen, daß es da auch andere Schiffe gab, und einige Kapitäne waren nicht geduldig. Und die Brüder... warum sollen sie runtergefallen sein?"

Er grinst.

"Sie haben von da oben aus versucht, das Treiben im Hafen und auf den anderen Schiffen zu beobachten, und weil jeder von ihnen auf einem Mast saß, haben sie sich lautstark ausgetauscht - im Grunde haben sie für uns alle das Geschehen um uns herum kommentiert. Eigentlich nervt so etwas ja eher, aber in dem Fall hatten ohnehin alle Langeweile..."

Der Kapitän blick noch einmal zu Jarun empor - dieser wird ganz sicher nicht so viel sehen können wie die beiden Burschen damals.



Unverblümt fragt Fiana:

"Ist eigentlich, bevor ich hier war mal jemand runtergefallen ? Auf dem Schiff wo ich zuvor war, der Windsbraut, ist bei einer heftigen Welle mal der Ausguck fast 30 Schritt weit neben dem Schiff ins Wasser gefallen, glücklicherweise hat er nur ein paar blaue Flecke davon getragen."

'Wo bleibt den nur Aleara, ich habe ihr doch gesagt sie soll kommen sobald der Kapitän mit dem Diener fertig ist.'



Entsetzt sieht Jergan seine erste Offizierin an - denkt sie etwa, er glaubt diesen Unfug? Wenn jemand dreißig Schritt neben dem Schiff im Wasser landet - mehr als eine Masthöhe - dann muß es ein gewaltiges Unwetter gewesen sein, und bei dem ist die Chance eines Rettungsmanövers gleichbedeutend mit Null. Ganz davon abgesehen, daß schon der Versuch, bei schwerer See ein vergleichsweise winziges Schiff gezielt zu wenden, Selbstmord gleichkommt, und noch mehr abgesehen davon, daß das Finden des über Bord Gegangenen der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen entspricht, wenn er nicht ohnehin schon längst ertrunken ist. Und... selbst wenn dieser unwahrscheinliche Fall eintreten würde... die Chance, den Seemann lebend aus dem Wasser zu ziehen, ist weit geringer als die, daß er von der Gewalt des Meeres gegen die Planken der Karavelle geschmettert wird... oder das Bergen schlicht scheitert - man kann auf dem Meer bei schwerer See nicht einfach mal hundert Schritt *zurück* fahren.

So geht er auf diesen reichlich geschmacklosen Unfug nicht weiter ein, sondern sagt nur:

"Auf der NORDSTERN gab es noch nie solche Zwischenfälle. Ich würde bei schwerer See auch nur in extremen Ausnahmefällen jemanden in den Ausguck schicken - etwa dann, wenn die Gefahr besteht, aufzulaufen. Doch selbst dann... was soll der Ausguck ausrichten? Wenn Efferd seine ganze Macht einsetzt, dann kann man sich dagegen nicht sträuben, man kann nur versuchen, möglichst gut damit umzugehen."

Er erwähnt jedoch nicht, daß auch die NORDSTERN schon Matrosen verloren hat, die bei schwerer See über Bord gespült wurden, als die Sicherungsleinen nachgaben... Es könnte immer ein Fahrgast mithören, und die muß man nicht unnötig verunsichern - schließlich sind Seereisen immer noch sicherer als jene über Land.



Nirka am Steuer


Belustigt verfolgt Nirka von ihrem Platz am Steuer aus die Unterhaltung des Kapitäns mit Radisar, und danach die mit Fiana. Auch der den Mast besteigende Gaukler erntet einen fragenden Blick der Bootsfrau, doch da sie sieht, daß er das Klettern recht gut beherrscht, hat sie kaum Sorgen, daß er ihr auf den Kopf fällt, oder gar beim Sturz das Deck beschädigen könnte.

Sie dreht das Steuer mit einem Finger ein ganz kleines Stück und wartet dann kurz. Es kommt nicht der geringste Gegendruck - im Moment bewegt die NORDSTERN sich gar nicht, oder nur so wenig, daß sie das an der großen Ruderfläche unter dem Heck der Karavelle nicht im geringsten bemerkbar macht.

Oder es geht in der Schwergängigkeit der Anlage unter... Versuchsweise dreht Nirka das Steuer eine halbe Drehung in jede Richtung - es geht gewohnt leicht, und ohne störende Nebengeräusche, die davon künden könnten, daß Seile am Holz scheuern, oder gar Umlenkrollen zerbrochen sind.



Thorben stürmt los


Thorben knüllt ein Papier zusammen und wirft es in den kleinen Abfallbehälter. Es schienen Rechnungen gewesen zu sein. Ein wenig grimmig blickt er drein. Die Seekarten von denen er sprach dienten bisher scheinbar nur als Unterlage, drauf geschaut oder damit gearbeitet hat er nicht - wie auch, wenn einem ständig andere Sachen durch den Kopf gehen. Wie konnte er auch so dumm sein, sich in Prem um Kopf und Kragen zu spielen. Und jetzt noch diese verdammte Windstille. Er hatte sich schon so darauf gefreut bald in Svallmias Armen zu liegen und ein wenig zu vergessen und jetzt das... Er haut mit der Faust hart auf den Tisch. Schnell steht er auf, die Arme auf den Tisch gestützt.

'Thorben besinn dich', flüstert er sich immer wieder ein. So steht er bestimmt für 5 Minuten immer wieder versucht ruhig zu atmen und alles zu vergraben.

'Haken...', schießt es ihm da durch den Kopf. 'Stimmt, da war was.' Er stößt die vorherigen Gedanken weit weg und versucht sich nur aud das hier und jetzt zu konzentrieren.

'Die kann er ja gar nicht finden, die habe ich doch letzte Woche mit Eilif umgeräumt. Die findet er nie...'

Langsam geht er zur Tür, sich umschauend, ob er noch irgend etwas vergessen hat, dann öffnet er sie.


In ganz gemächlichem Schritt verläßt Thorben sein Zimmer und geht zum Ladedeck. 'Swafnald soll ja nicht unnötig suchen. Aber eilig hat Mann's bei einer Flaute ja nun auch nicht' scheint der Wahlspruch zu sein. Da die Haken zuletzt im Ladedeck 2 waren vermutet er ihn natürlich auch dort, doch auf der Treppe stehend, findet er ihn im Dunkel des Raumes nicht. Also ist er wohlmöglich außer Hörweite - wenn er überhaupt schon den Haken holen gegangen ist. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als ganz hinab zu gehen. Kaum das er sich unten umsieht vernimmt er Swafnalds stammelnde Stimme. "...Mörder...", hört er ihn sagen.

'Was denn jetzt schon wieder', geht es ihm durch den Kopf. Gereizt setzt er sich stampfend in Richtung des ersten Laderaums in Bewegung.



Armen stößt fast mit einem Mann zusammen, kann ihn aber nicht erkennen, da er schnell weitergerannt ist.

'Warum hat der es denn so eilig? Ich bin ja nicht neugierig'

Schon rennt er hinter dem Unbekannten her.



Wo sind die Haken?


Nachdem sich Swafnald ein wenig beruhigt hat und sich vor allem auch seine Augen an das dämmrige Licht hier unten gewöhnt haben - im Vergleich zum sonnigen Oberdeck herrscht unten im Ladedeck ja völlige Finsternis - macht er sich langsam daran die Stufen des Niedergangs hinab zu steigen.

"So ... wo waren jetzt gleich noch mal Haken hat Thorben gesacht ... vorne bei den Tauen, oder?"

Unten angekommen tritt er ein wenig von den Stufen weg und bleibt noch einmal stehen um seinen Augen noch ein paar Sekunden Adaptionszeit zu gönnen.



Schließlich wendet sich Swafnald zum Durchgang zum Bugladeraum hin. Doch was war das? War da nicht ein Geräusch? Kurz hält er inne und lauscht, doch läßt es schon nach wenigen Herzschlägen ungeduldig wieder sein. Knarren und Rascheln können auf einem Schiff ja von überall her kommen.

Mit einigen Schritten steht er dann im Durchgang und bemerkt die Gestalt, die da im Dunkeln steht. Unwillkürlich fährt Swafnalds rechte Hand mal wieder zur Tätowierung und das scheint auch bitter nötig, wie er gleich darauf erkennt. Es ist dieses Spitzohr, das hier sicherlich mit finstersten Plänen durch das Schiff schleicht...

"He was machst Du Strolch hier unten?" bellt er Sylvhar an "Wir werden Dir schon noch die Oh... SWAFNIR!"

Mit von Entsetzem völlig verzerrtem Gesicht ist Swafnald's Blick jetzt auf die tote Katze gerichtet, die der Elf in Händen hält.

Auf wackligen Beinen macht der Thorwaler zwei Schritte rückwärts und stößt dabei an die Bordwand, an der er sich dann hilfesuchend festhält

"Was ... hast Du ... MÖRDER ..." bringt er stammelnd hervor, während sein Blick wie gebannt auf die Katze gerichtet ist.



Vergeblich versucht Swafnald seine Gedanken zu ordnen 'Der Elf ... hat ... die Katze ... Daimon ... verflucht ... wir sind alle verdammt ...'

Währenddessen ist sein immer noch schreckensgeweiteter Blick starr auf die Graue gerichtet, als der Seelenräuber etwas sagt. Sofort hält Swalfnald sich die Ohren zu und krümmt sich zur Seite, so daß dieser ihm auch nicht ins Gesicht oder gar die Augen sehen kann.

So stolpert er einige hastige Schritte zurück und rempelt dabei fast in Thorben, der von hinten heran stampft. Swafnald wirbelt herum und will fast einen lauten Schrei ausstoßen, als er erkennt wer da steht

"Thorben, Efferd sei Dank, Du. Thorben, sieh was

er getan hat..." stammelt er immer noch vom Schrecken gezeichnet und deutet dabei mit zitternder Hand auf den Elfen, immer noch den Kopf zur Seite haltend, so daß dieser ihm ja nicht in die Augen blicken kann.



Ausblick


Jarun hält auf das Rufen des Kapitäns inne und winkt ihm breit lächelnd mit der rechten Hand zu.

Starr richtet er anschließend seinen Blick wieder zur Spitze des Mastes und erklimmt Sprosse für Sprosse. Schnell hat er den dritten Schritt höhe hinter sich gebracht, dann den vierten, den fünften, den sechsten und dann nach ungefähr 16 Schritt Höhe umfaßt er die Spitze des Mastes und setzt sich auf die kleine Querstange, die etwa zwei Handbreit unter dem Mastende angebracht wurde. Schnell umschlingt er mit seinen Beinen den Mast, um sich einen besseren Halt zu verschaffen.

Gedankenverloren schaut er in die Ferne, während er seine Augen mit der linken Hand vor der Sonne schützt.



...

...

Stille. Kein Laut vom Deck dringt zu Jarun herauf. Die einzigen Geräusche die Jarun hier oben vernimmt sind das Knarren des Holzes und das leise Bewegen des schlaffen Segels. Selbst hier oben herrscht fast vollkommene Windstille. Der richtige Ort um sich über wichtige Entscheidungen Gedanken zu machen.

Die Siluette eines anderen Schiffes zeichnet sich gegen den Horizont ab.

'Was mag wohl an Bord diese Schiffes vorgehen? Ob es ein Handelsschiff auf dem Weg nach Thorwal ist, oder eines der berüchtigten thorwalschen Piratenschiff? Vielleicht ist es aber auch das Boot eines Fischers.'

Jarun versucht die Umrisse des Schiffes genauer zu erkennen, um mehr über die Besatzung zu erfahren. Aber vergeblich.


'Vor einigen Jahren hätte ich noch die Art des Schiffes und vielleicht sogar seine Flagge erkennen können, inzwischen kann ich nicht einmal mehr seine Größe bestimmen.'

Wieder einmal atmet er tief durch und schüttelt den Kopf, als wolle er die Gedanken von sich abschütteln.

'Ich sollte nicht so viel über die Vergangenheit nachdenken, sondern mich auf die Zukunft konzentrieren, meine eigene Schule.' ein tiefer Seufzer dringt aus seiner Kehle. 'Außerdem gibt es ja noch die andere Aufgabe, auf die ich mein ganzes Leben hingearbeitet hat. Hoffentlich bin ich dieser Aufgabe gewachsen.'

Um es sich bequemer zu machen, legt Jarun beide Arme auf das Ende des Mastes und beginnt sich mit offenen Augen seine Zukunft auszumalen.



...

gggrrrrrrrcccchhhhh

...

gggrrrrrrrcccchhhhh

"Stirb du Kreatur des Namenlosen. Und du auch. Und du. Und du. Ich schicke

euch alle zu Boron. Und euer Meister ist der Nächste." murmelt Jarun

schlaftrunken und kaum verständlich vor sich hin.

...

gggrrrrrrrcccchhhhhaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh

Im Schlaf greift Jarun über seine Schultern zu der Stelle, wo sich immer seine Schwerter befinden und verliert für kurze Zeit das Gleichgewicht. Um ein Haar wäre er hinunter auf das Deck der Nordstern gestürzt. Gerade noch im letzten Moment wacht er auf, ergreift den Mast mit beiden Händen und umschlingt ihn mit beiden Armen.

Jarun wagt es sich nicht zu bewegen und hält inne.

Dumpf spürt er sein Herz in der Kehle klopfen und eine Schweißperle rinnt ihm erst an der Wange und dann am Kinn herunter, um schließlich die 15 Schritt zu dem Deck hinunterzufallen. Hell und edelsteingleich glitzert sie im Licht der Sonne.

Völlig verstört schaut er zum Deck hinunter und hofft, daß Niemand diesen kleinen Ausrutscher bemerkt hat.



'Phex sei dank! Bis auf Jergan und eine Frau die gerade auf das Deck kommt, schaut niemand zu mir herauf. Aber keiner von den Beiden scheint etwas bemerkt zu haben.' Erleichtert atmet Jarun tief ein und sieht einen Mann, den er aufgrund seines Äußeren für einen Diener hält, in der Suite verschwinden.

'Oh ein reicher Gast ist wohl auch an Bord. Sehr scheu, wie es aussieht. Er hat seine Suite noch nicht verlassen.'

Er streicht sich wieder einmal mit der rechten Hand über sein Kinn. Nach wenigen Augenblicken zeichnet sich auf seinem Gesicht ein breites Grinsen ab.

'Es wird wohl Zeit, daß ich diesem hohen Herrn meine Aufwartung mache.'

Leise vor sich hin pfeifend, macht er sich wieder an den Abstieg. Bereits während des Abstiegs schaut er sich auf dem Deck um und entdeckt zu seiner Freude den Matrosen Eilif. Den Rücken an der Reling gelehnt, genießt dieser die Sonne in vollen Zügen.

Wieder auf dem Deck angekommen, macht er sich sofort auf den Weg zu ihm. Bereits drei Schritte von ihm entfernt, hebt er seine Hand zum Gruß.

"Eilif, werter Freund. Wie geht es euch?"



Joanna und Alrik


"Oh!"

Zuerst lächelt Joanna zurück, doch dann sieht sie verlegen zum Himmel.

" Ich dachte ihr seid schon länger unterw..."

Plötzlich stockt sie im Satz.

"Kennt ihr diesen komischen Kerl?"

Die Druidin deutet fragend zum Mast hinauf und sieht dann Alrik neugierig an.



"Ich frage mich nur, was dieser komische Kerl da macht. Zuerst klettert er auf den Mast hinauf, dann wieder hinunter. Das soll einmal jemand verstehen."

Joanna verfolgt Jarun einige Sekunden mit ihren Blicken und wendet sich dann wieder dem Magier zu.



Noch immer nichts los


Es dauert etwas, doch dann kommt in die bisher regungslos da stehende und auf das Meer starrende Phexane wieder Bewegung. Sie dreht sich um und schaut sich Treiben auf dem Deck ein wenig an: es sind offenbar noch ein paar Passagiere auf das Oberdeck gekommen und der Gaukler klettert auf dem Mast herum.

'Der übt wohl eine neue Nummer ein.'

Sie schaut zu Alrik hinüber. Offenbar scheint er sie nicht zu bemerken und wohl nur Augen für diese andere Frau zu haben.

'Soll er doch. Ich finde schon noch irgend etwas Amüsantes.'

Sie setzt sich in Bewegung, schlendert über das Deck und stoppt kurz - sie hat sich bisher noch gar nicht das ganze Schiff angesehen. Außerdem, so erinnert sie sich, werden doch auch Waren mitgeführt und nicht zu vergessen .... sie schaut sich kurz um ....

'Es sieht so aus, als wären die meisten hier oben - vielleicht sollte ich mich mal ein wenig genauer umsehen.'

Einer ihrer Mundwinkel zuckt kurz hoch, dann setzt sie sich wieder in Bewegung in Richtung Niedergang.



Geister der Vergangenheit


Schweiß steht Belvolio auf der Stirn als er erwacht. Der kurze aber heftige Streit mit dem Adept hat die Erinnerungen an längst vergessen geglaubtes wieder hervorgebracht, und somit auch die Alpträume von den Gesichtern, Gesichter verzehrt von namenlosen Schmerzen, unzählige Gesichter.

Fast ist es so als ob der schwere Geruch von Tod in der Luft liegt, die Hände überströmt von fremden Blut, unschuldiges Blut, überall. Tote die Kämpfen, gezwungen von Niederhöllischen Wesenheiten. Klagende Blicke von Opfern, und unfreiwilligen Tätern. Klagen. Überall Klagen, überall Tot, überall Blut. Überall Gesichter.

Ein gellender Schrei zuckt durch den Geist des Magiers, doch er erreicht niemals die Kehle um dem Leid Ausdruck zu verleihen. Ein bestimmtes Kopfschütteln um die Geister der Vergangenheit zu verjagen,

'Es hätte niemals geschehen dürfen. Ihr Götter! warum habt IHR es den nicht verhindert !'

Ein verzweifelndes Kopfschütteln. Schwer atmend richtet sich Belvolio auf, greift nach dem Stab. wischt sich die Schweißperlen von der Stirn, setzt die Maske der Gleichgültigkeit auf hinter der er sich schon Jahrzehnte lang erfolgreich verstecken konnte.

Langsam öffnet er die Tür der Kabine, geht hinauf auf das Oberdeck. Langsamen schreitet der Magus auf das Vorderdeck zu, beachtet die Menschen dabei nicht die sich hier so sorglos Tummeln. Am Vorderdeck angekommen setzt Belvolio sich im Schneidersitz auf die Planken. Den Stab daneben. Schließt die Augen, konzentriert sich auf die leere, verdrängt alle Gedanken aus seinem Geist. Und langsam kehrt die innere Stärke wieder zurück, verschließt die Tür zu längst Vergangenem.



Aleara


Mit fester Stimme hebt plötzlich Aleara zu sprechen an:

"Ja, Fiana? Was ist denn?"

Erstaunt sieht sie sich um, und als sie Fiana auf dem Brückendeck sieht, wendet sie erneut den Blick ab und sieht auf den Golf von Prem hinaus.

'Sie wird schon wiederkommen, wenn sie etwas will'

Ungeachtet dessen, daß Fianas Anweisung eigentlich Folge zu leisten ist...


Obwohl... der Kapitän will sie nicht all zu oft sprechen. Vielleicht sollte sie sich anhören, was er zu sagen hat. Hat sie etwas verkehrt gemacht? Oder ihn sonstwie verärgert? Auszeichnen will er sie ja wohl nicht? Sie sollte das in Erfahrung bringen. Aleara wendet sich zum Brückendeck, und langsamen Schrittes macht sie sich auf den Weg zu Jergan und Fiana...



Ratloser Radisar


Radisar schleicht gebückt über das Deck. Ein wenig mehr noch in der Beuge und er würde wahrscheinlich seine Handrücken auf den Boden nachziehen. Er hat noch nicht die kleinste Idee, wie er diese Nachricht seiner Herrin überbringen sollte. Unzählige gedankliche Entwürfe hat er bereits wieder verworfen, da sie alle, in der Konsequenz, darin gleich waren. daß er, der unglückliche Radisar, die volle Breitseite von Reckindes Wut abkriegen würde.

Langsam nähert er sich der Türe zur Suite und seine Schritte werden immer langsamer, bis er dann, direkt vor dem Eingang, vollends zu Stehen kommt. Vorsichtig drückt er lauschend sein Ohr an das Türholz. Radisar verzieht das Gesicht, als er Reckinde drinnen toben hört. Wahre Ströme von Schweiß laufen ihm über die Stirn, sein Herz klopft wie verrückt und er Druck, der sich ihm auf die Brust legt raubt ihm fast den Atem. Doch bevor ihn die Tatkraft zur Gänze verlassen würde, rafft er sich noch einmal auf, öffnet die Kabinentür und tritt zackig ein.

Als er Reckinde groß und mächtig wie eine Gewitterfront vor sich stehen sieht, verläßt ihn auch der letzte Rest Mut. Alles was er nun unternimmt, tut er fast automatisch, ohne noch größer darüber nachzudenken, schließlich durchlebt er eine Situation wie diese nicht zum ersten mal.

"Liebe Herrin!" sprudelt es aus ihm heraus "Darf ich euch eine gute und eine weniger gute Nachricht überbringen?"

Und ehe Reckinde darauf antworten kann fährt er fort:

"Ich darf euch vermelden, daß euerem Bad nichts im Weg steht und daß ihr die größte Wanne der Welt dafür zur Verfügung gestellt bekommt: Das weite Meer selbst!"

Radisar stellt sich bei diesen Worten feierlich gerade und vornehm ausgestreckt hin, als wolle er jeden Moment eine Fanfare blasen. Doch gleich darauf sackt er wieder in sich zusammen, zurück in seine gebeugte Haltung.

"...und das wäre die schlechtere Nachricht: Es gibt an Bord keinen Badezuber und auch keine Möglichkeit Wasser warm zu machen!"

Radisars Stimme wird fast brüchig dabei und es klingt als bräche er gleich in Tränen aus.



Reckinde hört sich die Erklärungen Radisar's an. Nicht eine Regung zeigt sich in ihrem Gesicht. Ruhig und gefaßt sieht sie aus, doch das täuscht. Gerade in dem Augenblick, da ihr Diener zu glaube schien, er hätte das Schlimmste schon überstanden, holte die Kauffrau tief Luft:

"Und mit dieser Aussage wagst du es mir unter die Augen zu treten???? Wenn ich nicht Baden gehen kann, so wie ich mir das vorstelle, dann gehst du baden, so wie ich mir das vorstelle!! Hast du das verstanden, du kleiner Stinker?"

Und sie atmet kräftig ein und aus, daß ihr Busen bebt, wie die Wogen des Meeres, bei EFFerd's Zorn!



Der kleine, dicke Diener zuckt unter jeder Silbe seiner Herrin zusammen als hätte ihn eine Peitsche getroffen. Wie unter starken Schmerzen windet er sich, ringend um Worte, die seine Situation ein wenig besser gestalten könnten. Doch es will ihm nichts einfallen. Hilfe suchend blickt er sich um in der Kabine. Da fällt ihm, zu einem Zeitpunkt, da er eigentlich schon mit seinem Leben abgeschlossen hatte, auf, daß die geheime schwarze Schatulle seiner Herrin, vor kurzem noch in gesicherten Verwahrsam, nun, dem Zugriff nahe, auf dem Tisch steht. Sofort faßt er wieder Mut.

"Ah, liebe Herrin, die schwarze Kassette! Wie klug von euch! Sicherlich habt ihr Labsal und Trost gefunden, bei der Betrachtung ihres Inhaltes. Blickt weiter hinein und der Anblick wird seine Wirkung nicht verfehlen!!"

Radisar kichert wie ein Narr:

"Ich weiß, daß sich die Herrin immer wieder in ihrer Weise zu vergnügen versteht!"



Reckinde schaut auf die schwarze Schatulle. Kann sie der Inhalt wirklich besänftigen? Für einen Moment schaut es so aus. Sie hebt die Deckel hoch und blickt hinein. Ihr Ausdruck wird fast friedlich, aber nur fast! Ihre Energie ist ungebrochen und ihr Wille noch immer Gesetz. Daher schlägt sie den Deckel wieder wütend zu.

"Radisar Kummerer, ich stelle fest, es gibt keine hinreichende Erklärung für dein Versagen!"

Während sie diese Worte sagt, scheint sie um einige Spann zu wachsen und noch gewaltiger im Ausdruck zu werden. Sie weidet sich daran, daß mit jedem Wort mehr, der Diener zu schrumpfen scheint.

"Nun, mein Guter .....!" Ihre Worte klingen freundlich, aber es ist die Freundlichkeit einer Natter. Und in süßlichen Tonfall fährt sie fort:

"Bring er mir Wein, von den Südhängen der Trollzacken und außerdem eine gute, heiße Fischsuppe! Das wird er wohl gerade noch bewerkstelligen können."

Und giftig fügt sie an:

"...wenn auch sonst nichts!"


Radisars Verbeugungen sind derart schnell und tief, daß es in seiner Wirbelsäule mehrmals gefährlich kracht. Das scheint ihm aber nichts auszumachen, er buckelt sich weiterhin, Schritt für Schritt dem Ausgang entgegen.

"Wein von den Südhängen der Trollzacken, sehr Wohl! ........ Eine gute Wahl! ........Ich eile, ich fliege! Würziger Wein, guter Wein und so süffig ..... er wird euch die Laune erhellen!"

Radisar muß kurz Luft holen.

"Ein warme Fischsuppe, natürlich! ...... Wohlschmeckend und so gesund! ....... Die Herrin versteht es zu leben! .... Ja,ja......... Da macht ihr keiner etwas vor. Ich eile, ich fliege!"

In diesem Augenblick stößt Radisar mit dem Hintern gegen die Kabinentür. Blind tastet er nach dem Türoffner, ohne sein demütiges Geplapper zu unterbrechen. Er öffnet die Tür und windet sich förmlich hinaus. Noch unter dem Türrahmen meint er:

"Ich fliege, ich eile ......!"

Wie ein Wiesel huscht er über das Oberdeck, einmal dahin, einmal dorthin, scheinbar ohne Ziel oder Plan.

'Hunderttausend Oger noch einmal, wo ist auf einem Schiff nur die Küche?' denkt er sich und führt seinen hektischen Entdeckungslauf dort.



Nachdem er ein ganze Weile in verwirrenden Bahnen auf dem Oberdeck herum geeilt ist, begreift sogar Radisar, daß ihn sein hektisches Gebaren keinen Schritt weiterbringen wird. Er hält inne und beschließt er bei seiner Suche mit etwas mehr Ordnung vorzugehen. Und so kommt er zu dem Schluß, daß sich die Küche wohl ganz in der Nähe des Messe befinden muß und wo diese aufzufinden ist, das weiß er noch, zumindest ungefähr. Er hat wohl irgend jemanden irgend wann davon reden hören. Er selbst nimmt die Speisen ja nur in der Suite zu sich, die Herrin würde sich niemals an die gemeinsame Tafel der Passagiere setzen und hat es darüber hinaus auch nicht so gerne, wenn sich ihr Diener über die Dauer eines Auftrags hinaus ihrem Zugriff entzieht. So ißt Radisar stets in der Nähe seiner Herrin, wenn auch nicht zur gleichen Zeit, sondern immer erst nachdem sich die Kauffrau gesättigt hat, sofern ihm die Gebieterin einen Rest des Mahls dafür übrig gelassen hatte.

Radisar findet dann endlich, vorne am Schiff einen Abgang zum Unterdeck. Irgendwie gefällt es ihm nicht jetzt da runter zu steigen. Aber was hilft es ihm? Um sich selbst Mut zu machen pfeift er die rondraische Hymne 'Der Sieg ist mit den Tapferen' und dann stelzt er die Stufen hinab. Als er am Ende des Abgangs, kaum, daß seine Füße wieder Dielen zu spüren bekommen, in gewohnter Unruhe weiter hasten wollte, da wäre er doch beinahe in den Ladeschacht gefallen.

"Ui. jui, jui ...." sagt er bloß und tippelt vorsichtig weiter. Planlos läuft er weiter und es mag sein, daß, wie es die Rondra-Hymne zu berichten weiß, der Sieg mit den Tapferen ist, der 'Erfolg' ist aber mit den 'Glücklichen'. Und Radisar ist nicht eben nicht sehr tapfer, aber sehr glücklich, als er an einen Gang kommt, der so aussieht, als ob eine der Türen in die Küche führen könnte. Doch zuerst muß er sich noch an diesem riesigen Kerl mit den grauen Haaren und dem großen Bart vorbei drücken. Radisar ist ganz vorsichtig, daß er diesen Seemann ja nicht berührt.

'Hoffentlich beißt der nicht ......!" denkt er sich furchtsam.



Nirka erinnert sich


Die Bootsfrau beobachtet mit einem Grinsen im Gesicht, wie Jarun wieder aus dem Mast hinunter kommt. Sie unterdrückt den Drang, ihn zu fragen, was er von da oben aus gesehen hat, und hört statt dessen bei der Erzählung des Kapitäns zu. Diese beiden Jungen damals waren ähnlich - sie konnten auch nicht lange still an einem Ort verharren. Stets waren sie in Bewegung...

Nirka erinnert sich gerne an jene damalige Fahrt, war es doch die letzte, die sie als Matrosin begann... nur wenig nach dem erwähnten Erlebnis in Neetha hat Jergan sie dann gefragt, ob sie die Nachfolgerin des alten Bootsmannes werden will, der dann tatsächlich in Brabak - seiner Heimatstadt - das Schiff verließ, um sich zur Ruhe zu setzen.



Reiche Gäste an Bord


"Seid gegrüßt, Herr Jarun", antwortet Eilif freundlich und wendet seine volle Aufmerksamkeit dem ankommenden Passagier zu.

"Danke der Nachfrage, es geht mir ausgezeichnet."

"Aber sagt, was kann ich für euch tun, Herr Jarun?"



"Habt ihr gerade den Diener unseres hohen Besuchs gesehen? Man konnte ihm seine Freude, zurück zu seinem Herrn zu gehen, buchstäblich von seinem Gesicht ablesen."

Bei dem letzten Teil des Satzes kann man Jarun ansehen, daß er große Probleme hat ein Lachen zu unterdrücken.

"Komische Leute sind das, die ihr Leben geradezu verkaufen und ihre Freiheit fortwerfen. Ich habe schon mehrfach mit solchen Menschen zu tun gehabt, werde sie aber niemals verstehen. Meine Freiheit ist mir daß Wichtigste im Leben. Niemals würde ich mich dem guten Willen eines Herrn unterwerfen."

Nach einer kurzen Pause fährt er fort.

"Habt ihr den Hohen Herrn zu Gesicht bekommen? Er scheint ja noch einer von der strengen Art zu sein."



"Um Freiheit fortwerfen zu können, muß man sie erst einmal haben", grübelt Eilif nachdenklich.

Doch kurz darauf huscht ihm schon wieder ein Lächeln über das Gesicht. Warum soll man sich auch mit den Problemen anderer Menschen befassen, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied, und solange er, Eilif, die Freiheit auf dem weiten Meer genießen darf, will er dieses Glück genießen.

"Es ist eine Hohe Dame aus dem fernen Bornland, so erzählt man sich. Ich habe sie gesehen, als sie in Prem mit ihrer Prachtkutsche angerauscht kam. Ich war gerade auf dem Oberdeck beschäftigt - und ich kann Euch sagen - ich möchte nicht mit diesem Dienstboten tauschen wollen."



"Eine Dame aus dem Bornland ... . Ihr wißt nicht zufällig ihren Namen oder aus welcher Stadt sie kommt? Vielleicht habe ich bereits an ihrem Hofe meine Kunst zum Besten gegeben."

Nach einer kurzen Pause, in der Jarun zu der Suite hinüber geschaut hat, korrigiert er sich.

"Wahrscheinlich habe ich bereits an ihrem Hofe meine Kunst zum Besten gegeben."



Ein bißchen ehrfürchtig schaut Eilif zu Jarun, der schon so weit gereist ist, auf.

"Ja, Frau von Bruch und soundso, so ganz genau weiß ich das leider nicht. Ziemlich viel Gepäck hatte die Dame auch, die Diener mußten ordentlich was schleppen. Aber vielleicht weiß der Lausebengel, unser Schiffsjunge ja mehr, der steckt seine Nase immer in Dinge, die ihn nichts angehen."



"Kommt mir irgendwie bekannt vor der Name. Ich denke ich sollte bei Frau von Bruch und soundso mal vorstellig werden. Vielleicht erinnert sie sich ja an mich."

Schon halb von Eilif abgewand dreht er seinen Kopf noch mal zu Eilif.

"Ich danke euch. Ihr habt etwas gut bei mir."

Mit schnellen Schritten geht Jarun in Richtung Niedergang.



Zufrieden grinsend sieht Eilif dem Gaukler hinterher. Dann dreht er sich wieder zur Reling um und genießt einen dieser wenigen Momente, in denen er mal nichts zu tun hat.



Im Unterdeck


Phexane geht möglichst leise den Niedergang hinunter. Unten angekommen schaut sie sich kurz um - vor dem Schrein steht immer noch dieser Mann und unterhält sich mit einem von den Schiffsleuten. Aus der Küche kommen ebenfalls Stimmen.

'Mist, hier unten ist zuviel los.'

Sie schaut in Richtung der Kabinen, und es fällt ihr ein, daß diese wiederum abschließbar sind.

'Im Moment kann ich hier nicht in Ruhe 'arbeiten'. Ich muß erstmal warten.'

Aber es gibt ja immer noch die Laderäume - dort wird sie sich wohl in Ruhe umsehen können und - wer weiß - vielleicht findet sich dort etwas, für das es sich lohnt im nächsten Hafen wieder unbemerkt von Bord zu gehen.


Phexane schreckt zusammen, als sie die Stimme des Schiffsjungen hört.

'Hier geht es ja zu wie auf dem Fischmarkt von Havena! Ich verschwinde besser schnell in die Laderäume. Dort ist es sicher ruhiger, und ich kann mir die Ladung mal genauer ansehen.'

Mit diesen Gedanken geht sie, ohne auf irgendwen genauer zu achten, an den Schiffsjungen und den beiden Männern vor dem Schrein vorbei zum Niedergang, der auf das Ladedeck führt.

'Wenn mich jemand fragt, dann sage ich einfach, daß ich mir das Schiff noch nicht so genau angesehen habe und deshalb noch nicht wußte, was unten ist. Ja, genau - ich kenne mich hier nicht aus und kann auch nichts dafür, wenn ich mich unten 'rein zufällig' verlaufe.'



Phexane geht die Treppe zum Ladedeck hinunter. Als sie fast unten angekommen ist, sieht sie einen Mann an einer Tür stehen und lauschen. Sie macht ein leicht ärgerliches Gesicht.

'Hier kann ich mich auch nicht in Ruhe umsehen! Was ist bloß los heute?'

Sie geht auch die restlichen Stufen leise hinab, nähert sich ihm und räuspert dann vernehmlich.



Joanna und Alrik


Alrik schaut dem entschwindenden Jarun nach.

"Schon ein merkwürdiger Vogel. Er nennt sich Jarun der Papagei und ich traf bis jetzt selten einen Gaukler seiner Klasse. Allerdings führten mich meine Reisen eher in die abgelegeneren Gebiete Aventuriens. In Gareth war ich bis jetzt nur selten,einmal wurde ich dort in die Orkschlacht verwickelt und ... Trotz allem bin ich in Beilunk nie mehr als geduldet gewesen, tja sie ehrten meinen Vater indem man mich aufnahm, aber einfach war es für mich nie. Ständig hatte ich einen Aufpasser an meiner Seite. So wurde es eine Art Spiel für mich ihm zu entwischen und die geheimen Winkel der Bücherei zu durchforsten. Wie verlief denn Eure Ausbildung? Sie ist doch abgeschlossen?"

Der Magier wendet sich erneut Joanna zu. Aus den Augenwinkeln erblickt er einen anderen Magier der anscheinend auf ihn und Joanna zukommt.



"Ja, meine Ausbildung ist schon abgeschlossen. Wie schon einmal erwähnt, hatte ich einen Lehrmeister, der mich auch aufzog, als ich von meinen Eltern geraubt wurde."

Joanna sieht ziemlich besorgt aus.

"Ihr müßt wissen, daß dieses Thema im Moment für mich ziemlich unangenehm ist. Ich bin nämlich auf der Suche nach meinem Lehrmeister Osin. Ich habe kurz bevor ich an Bord der NORDSTERN ging eine Nachricht erhalten, daß er schwer erkrankt ist."

Die Druidin seufzt.

"Ihr habt Beilunk erwähnt. Eine meiner Reisen führte mich dort vorbei."

Joanna betrachtet den Magier mit ihren pechschwarzen Augen. Sie scheint irgendwie interessiert an ihm zu sein, doch läßt sie es sich nicht anmerken. "

Denkt ihr, daß eure Schwester noch immer schläft?"



Alrik schaut sich überrascht um.

"Mir war so als hätte ich meine liebliche Schwester gerade irgendwo gesehen."

Er zuckt mit den Schultern.

"Aber ihr erzähltet gerade von eurem kranken Mentor, möge Peraine schützend seine Hand

über ihn halten. Wißt ihr vielleicht etwas über diese Krankheit? Ich bin zwar auf dem Gebiet der Heilung nicht so begabt, wie in anderen Bereichen der Magie, trotzdem helfe ich gern."


"Ich weiß leider auch nicht um welche Krankheit es sich handelt."

Traurig blickt sie zu Boden. Doch bei den Gedanken an Osin al Gossara beginnen ihre Augen zu strahlen.

"Einige Tage bevor ich das Schiff betreten habe, erhielt ich eine Nachricht."

Joanna überlegt kurz, und setzt dann fort.

"Ich erfuhr, daß Osin ..... ", diesen Namen betont sie ganz besonders, so als ob es nichts wichtigeres geben würde.

"...... schwer krank sei. Das Problem dabei ist eben, daß ich keine Ahnung habe, wo er sich im Moment befindet. Ich weiß zwar, daß diese Suche so ziemlich umsonst ist, weil er überall sein könnte. Doch ..."

Die Druidin sucht nach den richtigen Worten.

"Seit ich ihn kenne, besteht eine besondere Bindung zwischen uns. Es ist seltsam, aber ich fühlte mich damals, als ich ihn zum ersten Mal sah, als ob ich ihn schon ewig kannte."

Joanna holt tief Luft und setzt dann fort.

"Deshalb vertraue ich darauf, daß ich ihn finde. Wenn ich es nicht kann, dann wahrscheinlich niemand."

"Ich glaube nicht, daß ich eure Hilfe brauche, aber das Angebot ist sehr nett." Joanna verspürt schoen langsam Hunger und fragt:

"Wißt ihr wann es eigentlich Essen gibt?"



Alrik schüttelt den Kopf.

"Nein auch ich bin mit den Gebräuchen auf diesem Schiff noch nicht so vertraut. Aber wenn es Euch recht ist Joanna, dann schauen wir einfach in der Kombüse nach. Nun was meint Ihr dazu?"

Der Magier in der blauen Robe zieht die Nase kraus und versucht anscheinend die Kombüse an Hand des Geruchs zu finden.



Ottam hat Hunger


Ottam kommt zu dem Schluß, daß nach so einem anstrengenden Traum eine kleine Stärkung nur recht kommt, so beschließt er den Koch mit seiner Anwesenheit zu beehren und etwas zu Essen zu holen. Unterwegs sieht er etwas das hier auf dem Deck mehr los ist als angenommen.

"Efferd zum Gruß" schleudert er grummelnder Weise, worüber weiß er eigentlich nicht so recht, allen entgegen die er erblickt. Doch wendet er sich schnell in Richtung Kombüse



Darian hat Durst


Eigentlich wollte Darian sich zu dem anderen Magier gesellen, überlegt es sich aber nun anders, da sich dieser gerade mit einer jungen Frau unterhält. Zwar kann Darian von hier aus nicht hören, ob es sich um ein HESinde- oder RAHjagefälliges Gespräch handelt, aber wenn es letzteres sein sollte, so möchte er dabei nicht stören. Auszerdem ist er durstig und so macht er sich auf zum Niedergang, um nachzusehen, ob sich etwas Trinkbares beschaffen läszt.



Im Laderaum


Entsetzt gleitet Thorbens Blick Swafnald Arm entlang und bleibt am dem leblosen Körper der Katze hängen. Kurz blickt er den Elfen an, doch sofort hält er die Hände vor's Gesicht und schaut weg. Als er hinter sich Schritte hört, schließt er einfach die offene Laderaumtür hinter sich. Muß ja nicht jeder wissen, was hier vorgeht.

Jetzt ist es also soweit. Das Sterben beginnt! Zuerst die Kleinen, die Alten und die Schwachen und dann, Mann für Mann, alle auf diesem Schiff. Thorben hat ja schon viele Geschichten über diese Spitzohren gehört, aber das eine davon auf seinem Schiff wahr werden soll, das kann nicht sein, das darf nicht sein!

Hatte er sich eben noch ein wenig beruhigt, so kocht Thorben jetzt endgültig vor Wut. Mit Todesverachtung stürmt er auf den Elfendämon zu und reißt ihm die tote Katze aus dem Arm und legt sie unsanft auf einer daneben stehenden Kiste ab. Dann stößt er den Elfen zur Seite und zwängt ihn kraftvoll und ohne besondere Rücksicht vorwärts über eine andere Kiste und greift dann nach seinen Armen, um sie ihm auf dem Rücken festzuhalten.

"Dreizehnmal verfluchter Katzenmörder. Du glaubst doch nicht, daß Du hier ungestraft davon kommst!"

Gehetzt blickt er sich um. Was nun? Man könnte den Hexer in eine Kiste stecken und diese zunageln - nur leider gibt es hier keine leeren Kisten, man müßte erst zu einem anderen Laderaum. Dann fällt sein Blick auf die Segellasten. Kleine, nicht einmal anderthalb Schritt im Quadrat messende Lagerräume für die verschiedenen Segelarten. Verschlossen mit stabilen Holzgittertüren. Na wenn das nicht das richtige ist!

Schnell bedeutet er Swafnald aber erst einmal eine der Kisten vor die Tür zu schieben, ein nervender Passagier wäre das letzte, was er jetzt noch sehen möchte.



Gereizt dreht der 2. Offizier etwas am Arm des Elfen, um ihm deutlich zu machen, daß der bloß weiter so ruhig bleiben soll. Aus den Augenwinkeln hat er Swafnalds Treiben verfolgt, bis dieser sein Wort wieder an ihn richtet:

"Und was machen wir jetzt mit ihm?"

"Einsperren", ist Thorbens für ihn völlig selbstverständliche Antwort. Was soll man sonst mit dem Kerl machen. Man(n) kann ja nicht ewig so stehen bleiben.

"Ich meine, wir müssen ihn doch irgendwie daran hindern, daß er noch mehr Leute umbringt. So was darf doch nicht einfach so hier rum laufen!"

Er deutet mit dem Kopf auf die Segellasten.

"Meinst Du das würde funktionieren?"



Sylvhar ist wie gelähmt von dieser unverständlichen Wendung der Situation. Ungläubig und vollkommen verstört läßt er die Beschimpfungen des Menschen über sich ergehen.

Widerstandslos läßt er sich die Katze aus den Händen nehmen und noch bevor er seine Gedanken geordnet hat und überlegt, was die Menschen mißverstanden haben können oder wollen, stößt man ihn auf eine Kiste und dreht ihm die Arme schmerzvoll nach hinten.

Sylvhar wehrt sich nicht, denn das würde es nur noch schlimmer machen. Diese beiden werden ihm doch nicht zuhören wollen, aber bestimmt kommt bald Sigrun vorbei oder Nirka oder Jergan-Kapitän und dann wird sich das Mißverständnis aufklären. Genau, so wird es sein.



Vor lauter Verblüffung über die rasante Aktion Thorben's steht Swafnald mit offenem Mund da, bis dieser den Elfen auch schon 'dingfest' hat. Da erst kommt wieder Bewegung in ihn und sein begeisterter Gesichtsausdruck läßt vermuten, daß er nun auch die Situation erkannt hat.

Als Thorben ihm dann deutet, die Tür zu verbarrikadieren, überschlägt er sich fast dabei - ohne daran zu denken, daß er sich jetzt gerade zusammen! mit dem Spitzohr einschließt. Sobald er eine über-raumschritt große Kiste mit Ächzen und Mühen vor die Tür gedrückt hat, wendet er sich wieder Thorben zu.

"Und was machen wir jetzt mit ihm?" fragt er in einem Tonfall, der für den Elfen nichts Gutes ahnen läßt.



"Hm." deutlich ist Swafnald anzumerken, daß er eigentlich ganz andere Vorstellungen hat, was man mit dem Spitzohr machen sollte. Aber immerhin ist Thorben der Ältere ... er wird schon wissen was zu tun ist.

Swafnald geht zu der Trennwand zu den Segellasten und wirft einen prüfenden Blick auf die Gittertüren.

"Muß geh'n. Ordentliches Segeltau um die Stäbe und gescheit festtrekken, dann hält das. Dahinten die Luke ist auch leer."

Er deutet auf die zweite Box von steuerbord her und geht auch gleich dorthin, um die Holztür zu öffnen und auf zu halten, so daß Thorben den Elfen hineinstoßen kann.

Er wirft Thorben einen fragenden Blick zu

"Es sei denn, er kann durch Wände gehen oder sich anners freihexen."

Wieder einmal geht die Hand zur Tätowierung.

Da scheint ihm plötzlich etwas weiteres wichtiges einzufallen.

"Und wir müssen dem Kapitän noch Bescheid sagen. Er hat ja auch Aleara verhext ... und Nirka und die andere vielleicht auch, die haben sich ja auch oft mit ihm unterhalten ... und der Gaukler gerade hat auch so einen irren Blick gehabt ... ".

Nachdenklich kratzt er sich dann am Kinn .

" ... das das dem Käpt'n nich' aufgefallen is' ... " murmelt er leise vor sich hin...



Thorben kommt der stillen Einladung sogleich nach und stößt den Elfen in die freie Box - natürlich mit mehr Kraft, als eigentlich erforderlich wäre, um den sich nicht wehrenden Elfen dorthin zu befördern. Sofort danach wischt er seine Hände erst einmal an der Hose ab... man weiß ja nie...

"Und zu!" lautet sein Kommentar, ehe er den Blick auf den Matrosen richtet und angesichts der letzten Worte entschieden den Kopf schüttelt.

"Und wer sagt dir, daß er den Kapitän nicht auch schon hat? Überleg doch mal... der Elf sollte in Prem von Bord... sonst hätten wir ihn doch sofort nach dem Auffinden über Bord gestoßen! Er ist noch hier... Nein! Der Kapitän erfährt das nicht. Im Gegenteil, ich mache mir da ernsthaft Sorgen!"

Der zweite Offizier verharrt nun ebenfalls nachdenklich, während er darauf wartet, daß Swafnald die kleine Box ganz sicher versperrt.



Zufrieden beobachtet Thorben, wie Swafnald sorgsam alles sicher verrammelt - solange dieser von den Zwölfen verfluchte Elf keine Magie anwendet, sollte er keine Chance haben, zu entkommen. Und wenn er es doch tun sollte... dann wird man ihn wohl mit den Ohren an den Mast nageln müssen, das wohl!

Der zweite Offizier hilft dem Matrosen bereitwillig, die Bretter zwischen Tür und Wand zu klemmen, während er laut seine Gedanken ausspricht:

"Da entkommt er nicht mehr... und sollte er auch nur auf die Idee kommen, seine verfluchte Magie zu benutzen, dann nageln wir ihn mit den Ohren an den Mast!"

Er sagt das nicht sehr laut, gerade laut genug, um von dem Matrosen und sicher auch dem eingesperrten Elfen gehört zu werden, aber kaum so laut, daß etwaige Lauscher etwas hören würden.

Er prüft eines der Bretter mit kräftiger Hand, und nickt zufrieden, als er merkt, daß die Planke unter seinem Druck kaum nachgibt. Erst dann antwortet er auf die schon früher gestellte Frage, was als nächstes zu tun sei:

"Du hast recht, wir können nicht warten! Wir müssen zuerst herausfinden, wer alles unter den Einfluß des Elfen geraten ist, und dann müssen wir die übrigen warnen - ehe noch mehr Unheil entsteht. Stell dir nur vor, was die vom Elf beherrschten alles anrichten können!"

Er hält kurz inne.

"Wir sollten mit den anderen Matrosen reden... mit Ausnahme von Sigrun und Aleara, die ja offenbar auch schon beherrscht sind."

Es klingt wie ein fester Beschluß, aber dennoch sieht Thorben den neben ihm stehenden Matrosen nach Zustimmung heischend an.



Vor der Tür zum Laderaum


Als Armen ein Räuspern hört schrickt er zusammen und dreht sich so ruckartig um, das er fast an die Tür gekommen wäre.

'Ich hätte doch besser aufpassen sollen'

"Gute Tag! Schön sie hier zu sehen. Suchen sie nach etwas bestimmten?" spricht er mit einer betont uninteressierten Stimme zu seiner Zimmergenossin. Er hofft, das sie nicht zu viel gesehen hat.



Phexane grinst breit,

"Nö, eigentlich nicht. Ich schaue mir nur das Schiff mal etwas genauer an. Aber was ist mit Euch? Habt Ihr irgendwas bei dieser Tür verloren?"

Sie lauscht selber für einen kurzen Moment.

"Ich kenne mich ja nicht mit diesem Höflichkeitskram aus, aber ich bezweifle arg, daß es höflich ist, an der Tür zu lauschen."

Sie stellt sich nun an die Wand neben der Tür und lauscht von hier aus.

"Aber was ich Euch sagen kann, ist, daß wenn Ihr noch länger dort steht, Ihr früher oder später unangenehm auffallen werdet."



'Sie hat wohl doch mehr gesehen, als es mir lieb ist.'

"Wollt ihr mir vorwerfen ich lausche hier an dieser Tür? Das käme mir nie in den Sinn! Ich habe tatsächlich einen Knopf verloren und ihn gesucht. Er muß wohl unter der Tür durch gerollt sein. Ich wollte nur nicht die Personen hinter der Tür stören, sie scheinen sehr aufgeregt zu sein."

Armen hofft, daß er Phexane richtig eingeschätzt hat und sie nun auch neugierig geworden ist.



"Aufgeregt? Wieso? Was ist denn da los?"

Phexane blickt den 'knopflosen' Mann neugierig an.

"Hm, wer seid ihr überhaupt? Mein Name ist Phexane Fuxfell. Ich bin mit meinem Bruder Alrik, einem Magier, an Bord gegangen, um ins Horasreich oder vielleicht auch noch etwas weiter zu reisen."



"Ich bin Armen Al' Klin Gon! Händler und euer Kabinengenosse. Ihr scheint mich noch nicht kennen gelernt zu haben. Ihr geht anscheinend immer etwas später zu Bett. Was hinter der Tür so Aufregendes passiert ist weiß ich leider nicht, da ich ja nicht gelauscht habe."



Vor dem Schrein


Torin wartet noch auf Oles Antwort, als sich die schwarzhaarige Frau an ihm vorbei drängt.

'Wartet einen Augenblick, holde Maid...' will er ihr nachrufen, doch er bekommt keine Silbe über seine Lippen. Als er sieht, daß sie die Treppe hinuntergeht, beschließt er, ihr so bald als möglich zu folgen.

Als Ole ihn wieder anspricht zuckt er unmerklich zusammen.



Ole nimmt grinsend die Pfeife aus dem Mund und schaut Torin freundlich, wenn auch ein bißchen spöttisch an.

"Wo ihr stehengeblieben seid, Herr Torin Rotmarder? Nun, in eurer Erzählung wart ihr stehengeblieben bei der Stelle, da euch euer Bruder Mark erklärte Vater Rotmarder habe keine Botschaften mehr geschickt."

Ole unterbricht für einen Augenblick und fährt mit leiserer Stimme fort:

"Mit euren Augen jedoch, seid ihr hängengeblieben, bei der schwarzhaarigen Dame, die vorhin hier vorüberging. Es schien mir, als wäre sie ihnen bekannt."

Der Zimmermann zieht die rechte Augenbraue hoch und bemerkt weiter:

"Ich weiß allerdings nicht, wo ihr mit euren Gedanken stehengeblieben seid! Das ist ist fürwahr noch euer Geheimnis!"



"Was? Äh... Ach ja." Torin benötigt einen Moment, um seine Gedanken von der schwarzhaarigen Schönheit lösen zu können.

Dann blickt er Ole wieder an, stellt seinen Stab vor sich, stützt die Hände darauf und fährt mit seiner Erzählung fort.

"Wie gesagt, Mark konnte mich überreden, mich auf die Suche nach Vater Rotmarder zu machen. Auf der Reise zu seinem letzten Aufenthaltsort lernte ich dann auf einem Marktplatz ganz zufällig Krull kennen. Sein Geldsäckel hatte sich wohl irgendwie gelöst und ich brachte es ihm zurück."

Torin räuspert sich.

"Wir verstanden uns gut und so begleitete er mich auf meiner Suche."

Auf Torins Gesicht erscheint ein Lächeln.

"Sein Vater hatte ihn in die Welt geschickt, damit er sich 'die Hörner abstößt, bevor er einst die Nachfolge antritt.' So hatte es Krull selber immer gesagt."

Torin lacht auf.

"Dabei hatte er gar keinen Gefallen an den Damen, die uns begegneten."

"Naja, und irgendwann trafen wir noch den Krieger und die drei Elfinnen." Torin überlegt.

"Beim besten Willen, ich kann mich nicht mehr an die Namen erinnern. Nur Liasanya werde ich wohl niemals vergessen. Ihre grau-grünen Augen sehe ich noch immer vor mir, wenn ich meine Augen schließe."

Er streicht sich mir der Hand durch seinen kleinen Kinnbart.

"Zumindest war es bis vor drei Tagen noch so."

"Wie ist eigentlich der Name der Schwarzhaarigen von vorhin?" fragt er betont beiläufig, kann sich ein Lächeln jedoch nicht verkneifen.

"Jedenfalls fand ich Gefallen an Liasanya, an ihren hübschen, langen, geschwungenen Ohren, an ihrem welligen, dunkelblonden Haar und eben an ihren großen, tiefen Augen. Nur ihre Art, wie sie die Geschehnisse sah, konnte ich nicht immer verstehen."

Torin verlagert sein Gewicht auf das andere Bein.

"Aber als Verliebter möchte man die Zeichen auch gar nicht deuten. Und so wunderte es mich auch nicht, als sie von mir verlangte, einen Treueschwur auf das Goldeichenherz abzulegen."

Er streicht sich wieder mit der Hand durch seinen Kinnbart. Seine Hand ist feucht und kalt.

'Ich bin nervös, wie immer, wenn ich an die Geschehnisse zurück denke.'

"Das Goldeichenherz ist ein Kopfschmuck, der ein Smaragdherz zwischen zwei goldenen Eichenblättern einfaßt. Gehalten werden sie von einem geschwungenen Goldreifen, der nach hinten hin offen ist."

Torin blickt durch Ole hindurch und murmelt:

"Es sah so schön an ihr aus."

Dann schüttelt er leicht den Kopf und sein Blick klärt sich wieder.

"Jedenfalls... Als wir Vater Rotmarder dann gefunden hatten, begann um uns herum alles zu flirren. Die Umgebung verschwamm und mir wurde schwarz vor Augen."

"Ich wachte in Gareth auf und niemand glaubte meine Geschichte. Ich weiß selber nicht einmal, ob sie wirklich wahr ist, deshalb will ich Krull fragen. Er ist der Einzige, dessen Namen und Aufenthaltsort ich kenne."

Er legt seine Hände auf den Stab vor sich und atmet auf.

"Jetzt kennt ihr meine Geschichte und ich bin froh, sie euch erzählt zu haben. Denn auch wenn ihr sie mir nicht glauben mögt, so habe ich die Last von meinen Schultern."

Dann blickt er Ole durchdringend an und fragt etwas leiser:

"Glaubt ihr, es war nur ein Traum? Sollte ich versuchen, den Schwur zu brechen, auch wenn es meinen Tod bedeuten könnte?"



Ole ist sehr ernst geworden, während Torin erzählte. Auf seiner Stirn bilden sich zahllose Falten und der Qualm aus seiner Pfeife umwölkt seinen Kopf wie Gewitterwolken um die Gipfel des 'ehernen Schwertes'. Nachdem Torin seine Erzählung beendet hat, blickt ihn der Schiffszimmermann lange und nachdenklich an:

"Nun, mein junger Freund, ich kann euch verstehen, doch ich kann euch schlecht raten. Doch merkt euch: Ein Schwur ist eine sehr ernste Sache. Ihn zu brechen heißt Schuld auf sich zu laden, im schlimmsten Falle sogar einen Fluch. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ihr das riskieren wollt. Doch wenn euch die Wahrheit interessiert, dann sollte freundliche Neugier euch weitertreiben und nicht die Furcht. Denn, so glaube ich verstanden zu haben, hängen da ja auch durchaus Erinnerungen daran, die euch wert und teuer sind. Die Suche nach der Wahrheit ist ein edler Auftrag. Wenn ihr diese Mission abbrechen solltet, droht euch schlimmeres als der Tod, nämlich das Leben in Ungewißheit. Ihr könnt der Frage nach Traum oder Wirklichkeit nicht entgehen, sie wird euch einholen, immer wieder und zu jedem Zeitpunkt müßt ihr euch möglicherweise damit rechnen, daß das Schicksal euch Antwort abverlangt!"

Ole zieht an seiner Pfeife. Seine Miene hellt sich auf und nun lächelt er schon wieder schelmisch.

"Und das Schicksal trägt möglicherweise lange, schwarze Haare .........!"



Während Ole spricht, nickt Torin mehrmals zustimmend. Er blickt auf seine noch immer auf dem Stab ruhenden Hände herab und gesteht sich ein, daß er seine Suche nach Liasanya und dem Goldeichenherz nicht abbrechen kann. Er schiebt eine Strähne seines braunen Haares zurück hinter sein Ohr als er wieder aufblickt. Leichte Falten zeichnen sich auf seiner Stirn ab.

"Habt Dank für diesen Rat, werter Herr Draggensson. Ich werde versuchen, ihn zu beherzigen. Ihr seid ein weiser Mann und ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich später nochmals mit euch sprechen könnte."

Dann tippt er mit der rechten Hand leicht an seinen Hut und lacht:

"Aber jetzt entschuldigt mich bitte, mein Schicksal wartet..."

Mit diesen Worten dreht er sich um und geht auf den Niedergang zu.



Ole sieht dem davon eilenden Torin nach, zieht an seiner Pfeife und schüttelt lächelnd den Kopf.

"Das Schicksal wartet? Nun, ich denke, es gibt schrecklichere Schicksale als die Begegnung mit schwarzhaarigen Frauen!" murmelt er vor sich hin. "Dennoch, Herr Torin Rotmarder, viel Glück und .... stets zu Diensten!"



Auf der Brücke


Fiana bemerkt wie sich das Entsetzen in Jergans Gesicht breit macht.

"Du Glaubst ich erzähle dir Seemannsgarn, nicht wahr ? Aber du irrst dich, es war unweit der Zyklopeninseln, wir machte erst gute Fahrt, doch dann, fast urplötzlich kam eine Flaute auf, erst war das Wasser flach wie ein Brett, und wir lagen völlig still da. Doch dann bildeten sich ohne den geringsten Wind winzige Wellen, fast so als säge man an einer Kiste voll mit Wasser. Wir schickten einen Mann in den Ausguck, um festzustellen woher das kam, wir konnten nämlich unten nichts entdecken. Kurz nachdem der Mann oben war sahen wir wie sich das Wasser wenige hundert Schritt neben uns aufblähte , so als tauche eine riesige Luftblase auf, das erzeugte eine einzelne, riesige Welle die schnell auf das Schiff zukam, zu schnell als das der Mann noch rechtzeitig runter gekommen wäre. Beim Aufprall dachten wir fast wir kentern, doch blieb uns das zum Glück erspart. Der Forscher der an Bord war sagte das es sich um einen unterirdischen , zum Glück wohl kleinen Vulkan handele, die gäbe es an Land der Inseln öfters - die Vulkane. Aber die meisten der Mannschaft glaubten an ein Ungeheuer."



Jergan dreht den Kopf zu Fiana und sieht sie kurz an, dann wendet er sich wieder der Betrachtung der Umgebung zu, während er antwortet:

"Egal, ob Ungeheuer oder Vulkan... ich sage, daß Efferd seine schützende Hand da sehr über euer Schiff, und noch viel mehr über den armen Matrosen gehalten halt."

Jergan läßt es sich nicht anmerken, aber er glaubt eigentlich eher an die Variante mit dem Ungeheuer - nicht an das, was irgendein verrückter Forscher, der eigentlich in seine verstaubte Studierstube gehört und von der Seefahrt keine Ahnung hat, dazu sagt. Seeungeheuer sind etwas, womit man immer rechnen muß, und nur Efferd kann ein kleines Schiff dagegen schützen, denn nur selten mag die Intelligenz und Fähigkeit der Seeleute ohne Efferds Unterstützung etwas ausrichten.

"Und das war für dich dann der Grund, dieses Schiff zu verlassen?" fragt er die erste Offizierin.



"Oh ja ohne Efferds schützende Hand hätten wir sicher keine Chance gehabt, davon bin ich fest überzeugt. Aber das Schiff habe ich nicht wegen dem Zwischenfall verlassen, nein, weshalb auch, schließlich war uns Efferd offensichtlich wohl gesonnen."

'Oh, da kommt ja Aleara doch noch'

Mit plötzlich leicht krächzender Stimme, so als sei sie heiser erwähnt sie

"Oh, ich glaube jetzt erfahren wir endlich was da vorgestern passiert ist."

Mit den Augen deutet sie in Richtung Aleara.



Jergan nickt.

"Da bin ich sehr gespannt, wie sie *das* begründet. Eigentlich hatte ich ja gedacht, sie kommt von sich aus zu uns... aber wir werden sehen."

Seine Stimme ist dabei sehr ruhig - er scheint immer noch mehr darüber froh zu sein, daß der Matrosin nichts passiert ist, als sich über ihr Verhalten und ihr Schweigen aufzuregen.


Jergan erwartet auf seine letzte Frage eigentlich nicht wirklich eine Antwort, auch wenn es ihn ein wenig schon interessieren würde, denn für viele Seeleute sind überstandene Erlebnisse dieser Art durchaus ein Grund, sich von einem Schiff zu trennen. Wieder andere werden davon für ihr ganzes Leben verändert...

Der Blick des Kapitäns fängt eine Bewegung auf dem Deck ein... ah... da kommt die Matrosin endlich. Er widmet ihr jedoch, da sie noch nicht da ist, und sich noch nicht gemeldet hat, keine weitere Aufmerksamkeit, sondern sieht wieder die erste Offizierin an.



Des Gauklers neue Pläne


Schwer in Gedanken vertieft läuft Jarun an dem Magier und der jungen Frau vorbei zum Niedergang beim Brückendeck.

'Frau von Bruch und... .'

Er schüttelt den Kopf.

'Frau von Bruch... . Ich hatte mal bei einer großen Feier im Bornland einen Auftritt. Wie hieß die Hausherrin noch.'

Jarun bleibt wie angewurzelt stehen, stellt die Arme in die Hüften und schaut zum Himmel. Gerade so, als würde sich dort die Lösung für sein Problem befinden. Mit einem Mal entspannen sich seine Glieder wieder.

'Frau von Brechgrund hieß die Werte.'

Ein zufriedenes und enspanntes Lächeln läßt erahnen, wie sehr ihn diese Frage beschäftigt hat. Beschwingt legt er die letzten Meter zum Niedergang zurück. Kurz vor der Treppe hält er wieder inne.

'Oder war es Frau von Budericht.'

Das resignierende Kopfschütteln wird von einem Knurren begeleitet, daß auch aus der Kehle eines Tieres stammen könnte.

'Ich werde doch noch einmal mit dem Schiffsjungen reden müssen.'



Als Jarun das Unterdeck betritt, hört er bereits Stimmengewirr aus Richtung Kombüse und Messe. Er bleibt kurz an der Treppe stehen und versucht die Stimmen zu entwirren.

'Ah, da ist ja auch der Schiffsjunge. Scheint aber momentan andere Probleme zu haben. Später ergibt sich bestimmt eine bessere Gelegenheit nach dem Gast zu fragen.'

Im Halbdunkel des Unterdecks, schaut er auf seine Kleidung und wischt sich wieder einmal einen Schweißtropfen vom Hals.'Erstmal muß ich mich angemessen herrichten. Die Kletterei hat mich doch mehr angestrengt, als ich dachte.'

An seiner Kabine angekommen, holt er seinen Schlüssel aus seiner Gürteltasche, schließt sein Zimmer auf und betritt die Doppelkabine. Vorsichtig öffnet er die Schnallen seinen Umhangs und legt diesen auf sein Bett. Nachdem er auch sein Rüschenhemd ausgezogen und es auf das Bett gelegt hat, geht er zu seiner Truhe herüber.

Das zweite Hemd, welches er dort herausholt, ähnelt vom Schnitt her sehr dem Anderen, ist aber für akrobatische Höchstleistungen denkbar ungeeignet, da es aus feinster Kunchomer Seide geschneidert wurde. Gerade, als er das Hemd überziehen will, hört er über sich eine Stimme, kann aber nicht sehr viel verstehen. Schnell legt er das Hemd zurück, steigt er auf einem Stuhl, um eine besser Position zu erhalten und preßt sein Ohr an die Decke. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht.

'Phex meint es gut mit mir, sonst hätte er mir wohl nicht dieses Zimmer gegeben.'



"Wein von den Südhängen der Trollzacken, sehr Wohl! ........ Eine gute Wahl! ........Ich eile, ich fliege!" äfft Jarun leise die Worte des Dieners nach. 'Bei Phexens Glück, dieser Mann kann mir nur leid tun.'

Nachdem Jarun das Schließen der Tür vernommen hat, steigt er von dem Stuhl und setzt sich auf ihn.

"Wein von den Südhängen des Trollzacken. Nicht sehr ergiebig. Mal sehen was sich damit anfangen läßt." Murmelt er nachdenklich vor sich hin.

Jarun erhebt sich mit einem Seufzer von dem Stuhl und beginnt in seiner Truhe zu wühlen. Wo er nach kurzer Zeit eine Parfümfläschen findet. Ein paar Spritzer auf seinen nackten Oberkörper, der eine vornehme Blässe aufweist, als hätte er noch niemals einen Strahl der Praiosscheibe gesehen, und ein leichter Rosenduft, gemischt mit den verschiedensten tulamidischen Kräutern, breitet sich in seiner Kabine aus. Zufrieden lächelnd, als hätte er gerade einen Büschel Ilmenkraut geraucht, atmet er den guten Duft durch die Nase ein.

Jarun hält noch eimal kurz inne und horcht, ob der Diener zurück in der Suite ist. Merkt dann aber, daß er sich geirrt hat und zieht das frische Rüschenhemd an. Dabei schaut er in die Truhe und nimmt sich drei Ringe mit Edelsteinen, die dort ganz offen und scheinbar ohne Schutz lagen. Auf den ersten Blick ist jeder von ihnen mindestens seine 100 Dukaten Wert. Auf den zweiten Blick wahrscheinlich wesentlich weniger.

Als wenn es ein göttliches Ritual wäre, steckt er sich jeden Einzelnen auf einen seiner Finger. "Phexens Gaben können so schön sein."

Mit Schminke und Spiegel in der Hand geht er zu dem Stuhl herüber und setzt sich darauf. Nach einem kurzen Lauschen, beginnt er die Schminken in seinem Gesicht auszubessern, da sie doch an mehreren Stellen gelitten hat.



Während Jarun sein Gesicht neu bemalt, schaut er immer wieder zur Decke und spitzt die Ohren. Allerdings ist kein Geräusch aus der Suite zu hören.

Immer wieder versucht Jarun die Schminke beiseite zu legen, entdeckt aber dann eine Stelle in seinem Gesicht, die er unmöglich so lassen kann, wie sie ist. Und beginnt wieder mit den Korrekturen.



Vertreibung aus der Küche


ALRIK hat den Türriegel schon fast in der Hand, als die Kombüsentür plötzlich wie von selbst nachgibt. Vor der Türe steht der Schiffsmagus und versperrt erstmal den Weg.

"Hesinde zum... und Efferd auch", stottert der Junge überrascht.

Mit einem unauffälligen Fingerzeig gibt ALRIK Wasuren nochmals zu verstehen, daß jetzt langsam der Rückzug angesagt ist. Allerdings wird Sören wohl kaum unter den Augen des respektablen Magus mit Geschirr nach unnützen Küchenhilfen werfen - hofft ALRIK wenigstens.



Wasuren schreckt kurz auf als der Smutje plötzlich so laut los legt und schaut

diesen nur unverständlich an. Als ALRIK dann vorschlägt zu gehen, legt er sein Messer langsam nieder. Da rasen ihm einige Bilder von der Feier durch den Kopf und er hält kurz inne um diese Eindrücke verarbeiten zu können.

Alle Hintergrundgeräusche verstummen und die grauen Zellen von Wasuren fangen an auf Hochtouren zu arbeiten. Langsam sehr langsam trottet er auf die Tür zu und hat in Gedanken die Küche schon verlassen.

Eine plötzliche gedankliche Notbremse läßt Wasuren urplötzlich stehen bleiben. Doch kann diese nicht verhindern, daß Wasuren auf den in der Tür stehenden ALRIK sacht aufläuft. Nach zwei Schrecksekunden hat Wasuren seinen Körper wieder unter voller Kontrolle und seine Gedanken sind ebenfalls in die Wirklichkeit zurück gekehrt.

"Oh, entschuldige ALRIK"platzt es aus Wasuren heraus. Dann sieht er den Schiffsmagus und grüßt diesen etwas ungekonnt :

"Ef..fer.d zu.m.. Gru..sse"



Durstiger Darian


Der junge Magier steigt die Stufen des Niederganges hinab. Unten angekommen wendet er sich nach rechts. In der Kombüse ist einiges los, auszer dem Koch befinden sich Ottam und zwei Matrosen in dem Raum. Darian stellt sich vor der Tür in den Gang.

"Hesinde und Efferd zum Grusze !" richtet er seinen Grusz an die Allgemeinheit. Anschlieszend wendet er sich direkt an den Koch, "Verzeiht, aber habt Ihr eventuell etwas Wasser für mich ?"



'Flucht' aus der Küche


SO unsanft von Wasuren vorwärts geschoben, hätte ALRIK fast noch den Magus angerempelt, doch dieser schlängelt sich bereits schon an dem Küchenengpaß an der Tür vorbei und straft das gewöhnliche Matrosenvolk mit angemessener Ignoranz. ALRIK ist das gerade recht. Doch schon steht das nächste magische Hindernis vor der Tür.

"Efferd zum Gruße, Herr", entgegnet ALRIK und quetscht sich dann irgendwie an allen Leuten in dem schmalen Durchgang vorbei.



"Hesinde und Efferd zum Gruße" murmelt Wasuren vor sich hin, als er seinen großen muskulösen Körper hinter ALRIK her auf den Gang hinaus schiebt.

'Was ist hier bloß los heute?' fragt sich Wasuren, als er sich nur mit Mühe und Not einen Weg durch den Gang bahnen kann.

"Hey ALRIK wo willst du hin?" schallt Wasurens tiefe Stimme durch den Gang hinter dem flinken Schiffsjungen her, der viel schneller voran kommt als er.



"Nach oben", antwortet ALRIK, während er wartet, bis Wasuren ihn eingeholt hat.

"Laß uns einfach mal 'nen ruhigen Platz vorne auf'm Deck suchen, wo wir uns weiter unterhalten können - über die Feier und so..."

In der Hoffnung, daß Wasuren ihm folgt, stapft ALRIK auf den Aufstieg zum Oberdeck zu.



Wasuren holt ALRIK am Aufstieg zum Oberdeck ein.

"Ja, ruhige Ecke klingt gut, Alrik. Das ist genau das was ich jetzt brauche!"

Dann folgt er dem Schiffsjungen die Treppen hinauf, wobei er bei jeder Stufe die dem Ende entgegen kommt langsamer wird.

'Wenn es wirklich 1 1/2 Tage waren, dann sollte ich mich vielleicht nicht gerade so auffällig auf dem Deck zeigen?'

Oben an der Treppe schaut er sich vorsichtig um und hält dabei seinen Kopf ein wenig unten um weniger aufzufallen. Sein Blick fällt auf die Brücke und die vielen ranghohen Personen dort.

'Gibt es hier nicht irgend einen Platz mit Sichtschutz zur Brücke? '

Dann sucht er wieder seinen kleinen Begleiter ....

'Wo ist den ALRIK schon wieder hin?'



"Na, dann folge mir doch einfach", schlägt ALRIK vor. Seine Laune hat sich im Vergleich zum frühen Morgen spürbar gebessert. Wasurens Erzählung verspricht eine willkommene Ablenkung, und wer weiß, was der alte Schwerenöter alles noch so im besoffenen Kopf angestellt hat. Für solche Erzählungen braucht man selbstverständlich etwas Abgeschiedenheit. An der Reling auf dem Oberdeck sind die besten Plätze schon vergeben, so scheint es. Aber auf dem Vordeck hingegen, dort ist es noch etwas ruhiger.

ALRIK stapft voran und läßt sich auch nicht weiter ablenken. Die Treppe zum Vordeck ist schnell erklommen, besonders dann, wenn man immer zwei Stufen auf einmal nimmt. ALRIK setzt sich schließlich auf die oberste Treppenstufe und lehnt sich dabei mit dem Rücken faul an das Geländer.

"Ja, wo worüber unterhielten wir uns gerade, als wir so garstig unterbrochen wurden?" fragt ALRIK scheinheilig.



Auf dem Vordeck


Wasuren folgt ALRIK über das Oberdeck zur Treppe, die auf das Vordeck führte. Dort setzte er sich etwas unschlüssig neben diesen und schaute sich orientierend um.

'Hm is ja einiges los auf dem Oberdeck. Und windstill ist es auch ... schön da muß ich ja nix tun.'

Er lächelt ein wenig entspannt, als ihm nicht der gewohnte Wind um die Nase fegt. Dann erinnert er sich das ALRIK ja etwas gesagt hatte, als er sich setzte.

"Oh ja ... du meinst die nächtliche Unterhaltung am abend der Feier ... was danach passierte weiß ich nicht so richtig ... aber mal schauen ich will es nämlich gerne selber wissen."

Wassy massiert sich leicht seine Schläfe und schaut dann neugierig den Schiffsjungen an.

"Weißt du wie so was ist? Nicht mehr zusammen zu kriegen was du unternommen hast?"


"Nein, also eigentlich nicht."

ALRIK schüttelt den Kopf.

"ICH kann mich jedenfalls noch ganz gut erinnern, was ich in der Nacht der Feier gemacht habe."----



"So so .." murmel Wasuren und massiert sich weiter die Schläfen.

Dabei sackt sein Kopf immer weiter auf die Brust und er sucht eine Gelegenheit seinen Rücken irgendwo anzulehnen. Mit ein wenig hin und her Gerücke findet er schließlich einen Geländerpfahl und lehnt sich gemütlich an.

So entspannt sitzt er da und summt ein kleines Liedchen vor sich hin. Sein Blick wird trüb und sein Kopf wankt leicht im Takt hin und her.



Mit einem leichten Kopfschütteln betrachtet ALRIK Wasuren. Jetzt hat dieser schon so lange geschlafen und trotzdem wirkt es gerade so, als würde er bereits wieder in Borons Traumreich flüchten. Also, wo gibt's denn so was!

"Sag mal, bist du denn immer noch müde? Also ich finde schon, daß mehr als ein ganzer Tag Schlaf knapp reichen könnte - auch dir", lautet ALRIKS Kommentar.



Als hätte Wasuren ALRIK´s Stimme nicht gehört, summt er weiter vor sich hin.

Scheinbar ungewollt fängt er plötzlich an irgend welche zusammenhanglose und abgehackt Worte von sich zu geben :

"hmm, Schö... nheit .. .. , .... ja " Wassuren schnauft tief. "... reden ..... lass ... b i t t e . . . nur re..d..en"

Wasurens Kopf schwingt heftiger und unkontrollierter zu den ausgestoßenen Worten hin und her. Seine Augen sind starr und die Pupillen ungewöhnlich klein.

'Frau, die du in der Nacht bei mir warst, wer bist du und woher kommst du? Was ist geschehen?' formt Wasuren in Gedanken seine Frage immer und immer wieder. Dann schlägt er mit seinem Kopf hart gegen den Geländerpfosten und kommt benommen wieder zu sich.

"Hmm, was meinst du ALRIK ?"



Ottam in der Kombüse


Nickend schiebt sich der Magus an den beiden vorbei in die Kombüse.

'Hochbetrieb hier wie mir scheint'

Dort angekommen wendet er sich sogleich an den Koch

"Sei mir gegrüßt, hast du etwas Hartwurst für mich?"



'Ob ich ihn jetzt mit der Frage überfordert habe' denkt sich der Magus still in seiner selbstherrlichen Art und harrt auf eine Antwort des Kochs.



Einige senkrechte Falten bilden sich zwischen den Augenbrauen des Küchenchefs, während er den Magier verwundert betrachtet.

"Ihr wollt freiwillig Hartwurst essen? Verzeiht, es geht mich ja nichts an, aber ich halte das für menschenunwürdig..."



"Nun wenn ihr was Schönes bereit habt, nehme ich das natürlich gerne, es sah nur so aus als ob das Essen noch eine Weile braucht"


"Och, was Besseres als Hartwurst finden wir überall", entgegnet der Smutje und beginnt wieder in seinen Vorräten herum zu wühlen.

"Was darf's denn sein? Eher Käse, eher etwas mit Fleisch, oder vielleicht einfach ein paar Stücke Zwieback...?"



"Schinkenbrot vielleicht? Oder lieber mit Mettwurst?"



"Hmm mit Mettwurst wäre perfekt!" erwidert Ottam



"Also am liebsten wäre mir was mit Fleisch" erwidert er freundlich auf die Aufzählung des Smutje.



"Mit Mettwurst, ist in Arbeit!"

Sören beginnt eine Mettwurst zu bearbeiten und Brot zu schneiden. Den Magier im Kombüseneingang hat er noch immer nicht bemerkt.



Freudig beobachtet Ottam wie der Smutje beginnt sein Brot zu machen.

"Hmm sieht gut aus" kommentiert er die Mettwurst.


"Natürlich sieht das gut aus, ich verarbeite doch hier keinen Abfall!" entgegnet Sören. Nach ein wenig mehr routinierter Arbeit reicht er Ottam eine große Scheibe Schwarzbrot mit dickem Mettwurstbelag.

"Guten Appetit!"



Darian, noch immer durstig


Als der junge Magus von dem Schiffskoch keine Antwort erhält, fragt er sich natürlich, ob seine Frage überhaupt gehört wurde. Es kann natürlich auch sein, dasz der Smutje zu sehr mit Ottam beschäftigt ist und daher nicht antwortet. Darian stellt sich etwas besser sichtbar in den Türrahmen und wartet erst einmal weiter ab.

´In eine Kröte verwandeln kann ich ihn ja immer noch ...´ ein leichtes Grinsen zeichnet sich bei diesem Gedanken auf seinem Gesicht ab.



Radisar's seltsame Wege


Nachdem er ein ganze Weile in verwirrenden Bahnen auf dem Oberdeck herum geeilt ist, begreift sogar Radisar, daß ihn sein hektisches Gebaren keinen Schritt weiterbringen wird. Er hält inne und beschließt er bei seiner Suche mit etwas mehr Ordnung vorzugehen. Und so kommt er zu dem Schluß, daß sich die Küche wohl ganz in der Nähe des Messe befinden muß und wo diese aufzufinden ist, das weiß er noch, zumindest ungefähr. Er hat wohl irgend jemanden irgend wann davon reden hören. Er selbst nimmt die Speisen ja nur in der Suite zu sich, die Herrin würde sich niemals an die gemeinsame Tafel der Passagiere setzen und hat es darüber hinaus auch nicht so gerne, wenn sich ihr Diener über die Dauer eines Auftrags hinaus ihrem Zugriff entzieht. So ißt Radisar stets in der Nähe seiner Herrin, wenn auch nicht zur gleichen Zeit, sondern immer erst nachdem sich die Kauffrau gesättigt hat, sofern ihm die Gebieterin einen Rest des Mahls dafür übrig gelassen hatte.

Radisar findet dann endlich, vorne am Schiff einen Abgang zum Unterdeck. Irgendwie gefällt es ihm nicht jetzt da runter zu steigen. Aber was hilft es ihm? Um sich selbst Mut zu machen pfeift er die rondraische Hymne 'Der Sieg ist mit den Tapferen' und dann stelzt er die Stufen hinab. Als er am Ende des Abgangs, kaum, daß seine Füße wieder Dielen zu spüren bekommen, in gewohnter Unruhe weiter hasten wollte, da wäre er doch beinahe in den Ladeschacht gefallen.

"Ui. jui, jui ...." sagt er bloß und tippelt vorsichtig weiter. Planlos läuft er weiter und es mag sein, daß, wie es die Rondra-Hymne zu berichten weiß, der Sieg mit den Tapferen ist, der 'Erfolg' ist aber mit den 'Glücklichen'. Und Radisar ist nicht eben nicht sehr tapfer, aber sehr glücklich, als er an einen Gang kommt, der so aussieht, als ob eine der Türen in die Küche führen könnte. Doch zuerst muß er sich noch an diesem riesigen Kerl mit den grauen Haaren und dem großen Bart vorbei drücken. Radisar ist ganz vorsichtig, daß er diesen Seemann ja nicht berührt.

'Hoffentlich beißt der nicht ......!" denkt er sich furchtsam.



Der 'Fall' Aleara


Bei den Offizieren angekommen stellt sich Aleara neben Fiana. Da die anderen beiden sich noch unterhalten, sieht sie sich pflichtbewußt das Takelwerk genauer an. Ihr Blick überfliegt die Segel. Ist dort nicht ein Riß im Tuch? Unwahrscheinlich, vermutlich ist es nur ein Schatten der hoch stehenden Sonne. Trotzdem, man sollte bei Gelegenheit mal einen Blick darauf werfen...



Der Kapitän wendet den Blick von Fiana ab und Aleara zu, als er merkt, daß diese still hinzutritt. Erst wundert er sich, daß sie nichts sagt... weiterhin nichts sagt, doch sie will vermutlich seine Unterredung mit Fiana nicht stören, was ja im Grunde auch korrekt ist.

Da diese allerdings ohnehin nur der Überbrückung der Wartezeit diente, nickt Jergan der Matrosin aufmunternd zu - gespannt auf ihre Erklärung der Vorfälle vom vorgestrigen Abend.



Auf das Nicken Jergans beginnt Aleara ruhig zu sprechen:

"Ihr wolltet mich sprechen, Kapitän? Worum geht es? Habe ich etwas falsch gemacht?"

Sie verstummt kurz, scheint zu überlegen, dann erinnert sie sich.

"Also was den Sprung ins Wasser betrifft, das kann ich mir selbst nicht so recht erklären. Alles begann, glaube ich, als wir den grünen Wal trafen..."

Sie versinkt wieder in Gedanken.



Jergan schüttelt den Kopf und nickt sofort danach.

"Falsch gemacht hast du nur insofern etwas, als daß du nicht sofort nach deinem Wachwerden zu uns gekommen bist."

Er hält kurz inne, und sieht Aleara dann direkt an:

"Erzähl am besten der Reihe nach. Und... was hat der Grünwal damit zu tun?"

Seine Stimme ist weiterhin freundlich - keine Spur von einem Donnerwetter oder gar von Ärger.



Nirka verdreht die Augen ein wenig, als sie Jergans Fragen an die Matrosin hört. Sie würde da ganz anders vorgehen - etwas härter, und auf jeden Fall längst nicht so freundlich.

Aber Jergan ist der Kapitän, und so spart sie sich jede Art von Bemerkungen zu seinem Stil, mit Untergebenen umzugehen - zumal er das in gewisser Weise ja auch richtig macht, denn sein Stand an Bord ist nun mal ein anderer als der einer Bootsfrau, die sozusagen zwischen denen steht, die die Kommandos geben, und denen, die sie letztendlich ausführen.

Während sie weiter zuhört, dreht Nirka das Steuer einfach aus Spaß einige Grad nach Backbord - nicht daß das irgend etwas bewirken würde, solange die Segel so schlaff wie jetzt in der Gegend herumhängen...



"Als dieser Wal auftauchte, fühlte ich mich, nun, irgendwie verwandt mit ihm...

Ich war sicher, daß dies mehr war als eine zufällige Begegnung. In Prem bin ich sofort nach unserer Ankunft zum SWAfnir-Tempel gelaufen und habe wohl ziemlich lange gebetet. Aber ich habe dort viel über mich und Efferds Reich gelernt. Und dann kam dieser... dieser.... nun ja, Befehl. Und der Priester sagte etwas vom Namenlosen..."

Mit diesen Worten erstirbt Alearas Stimme, und ruckartig dreht sie sich zum Heck des Schiffes um und sieht in die Richtung, in der sie Prem vermutet, nein, in der sie Prem weiß.



Jergan Efferdstreu hört der Matrosin ruhig zu, bei der Erwähnung von SWAfnir und seinem Tempel nickt er sogar zufrieden, doch bei den letzten Worten verdunkelt sich seine Mine deutlich.

"WER hat dir einen Befehl gegeben, und WAS sagte der Priester genau? Es ist sicher wichtig, also erinnere dich gut!"

Jergan fühlt sich zunehmend unsicherer, denn dies ist ein Gebiet, auf dem er sich nicht wirklich gut auskennt. Vielleicht sollte man... nein, besser nicht. Ottam hat bisher nichts getan, was das Vertrauen des Kapitäns in ihn als Mensch und in seine Fähigkeiten vergrößern würde - und das ist nicht gerade groß, eher sogar sehr klein.



Aufmerksam verfolgt Fiana was Aleara und Kapitän an Worten wechseln. Obwohl ihr ein paar Fragen im Kopf umher schweben Fragt sie nicht sondern läßt den Kapitän erst einmal reden.



Ohne den Blick vom Wasser abzuwenden spricht Aleara langsam weiter:

"Es war wie eine... Eingebung. Ich MUßTE einfach zum Wasser. Nur dort würde ..."

Der Rest geht in undeutlichem Gemurmel unter. Plötzlich reißt sie die Augen auf, ein stummer Aufschrei entfährt ihr, dann fixiert der Blick der Matrosin eine Welle, und im Rhythmus des auf-und-nieder-Schaukelns verfällt sie in einen Singsang.


"Und der alte Wal sprach:

Wissen ist unser Schild mit dem wir

uns gegen den Willen der Götter

doch nicht schützen können

Wissen ist unsre Waffe mit der wir

doch des Schicksals festen Gang

nicht abzuändern faee-hieg sind ..."



Jergans Blick verfinstert sich nun doch ein wenig, aber nicht aus Ärger über Aleara, sondern ein wenig aus Ratlosigkeit. Es scheint ein Problem göttlicher Art zu sein, dessen ist er sich nun immer sicherer - aber auch, daß ein Priester oder Geweihter wohl die beste Person für dieses Problem ist.

Er lauscht ihren Worten dennoch aufmerksam, und sieht dann reihum die auf der Brücke versammelten Personen an - Aleara selbst nicht ausgenommen.



Dann wendet sich Aleara erneut dem Kapitän zu, und als wenn nichts geschehen wäre, fährt sie fort:

"Ich bin dann jedenfalls aus dem Tempel gerannt, als wäre der Namenlose hinter mir her und dann bin ich ins Wasser gesprungen. Dort fühlte ich mich Swafnir und Efferd und den anderen zehn so nahe wie noch niemals zuvor. Das Wasser schien mir neue - stärkere - Kraft zu verleihen. Und danach... hmmmm.... das weiß ich gar nicht. Habe ich mir den Kopf angestoßen?"

Prüfend hebt sie eine Hand an die Stirn, als ob sie nach einer Beule tasten würde.

"Das nächste, woran ich mich erinnere ist, daß ich hier auf dem Schiff aufwachte."

Fragend sieht sie Jergan an.



Jergan ist immer noch ziemlich verwirrt. Zum einen ist zwar mittlerweile recht klar, daß Aleara eine göttliche Eingebung oder etwas ähnliches hatte, was die Sache mit dem Wasser vielleicht erklären würde, aber die Sache mit dem Namenlosen? Er erwidert ihren Blick beinahe ebenso fragend, und sagt dann:

"Verletzt hast du dich sicher nicht, aber es würde mich nicht wundern, wenn der lange Schlaf eine Folge dieses göttlichen Erlebnisses war."

Der Elfen und seinen Einfluß auf ihren Schlaf verschweigt er erst einmal, um sie nicht noch mehr zu verwirren, und fährt dann fort:

"Der Namenlose paßt da nicht rein. Aber... du bist hier in Sicherheit, und wir helfen dir natürlich."

Er sieht sich kurz auf dem Brückendeck um. Fiana... nein... sie ist wohl zu jung und unerfahren... Nirka... ebenfalls... und dann bleibt sein Blick am dritten Offizier hängen.

"Wulf, fällt dir dazu etwas ein? Ob dieser neue Schiffszimmermann eine Hilfe sein könnte, dieser Ole? Wenn ich so an sein Verhalten denke, als der Wal neben uns schwamm..."

Nachdenklich wechselt sein Blick zwischen Wulf und Aleara hin und her.



Wulf Lowanger wendet sich seinem Kapitän und der ersten Offizierin zu, die sich gerade bemühen, Hilfe für Alearas Problem zu finden.

Gedanklich verfolgt hat er das Gespräch schon seit geraumer Zeit, doch die direkte Frage nach Hilfe kommt jetzt doch ein wenig unvermittelt. So dreht er den Kopf mal in die und mal in die andere Seite und demonstriert auf diese Weise gegenüber Jergan sichtlich seine Nachdenklichkeit.

"Wäre durchaus möglich", meint er vorab, ohne jedoch konkret zu werden.

Auch Lowanger ist nicht gerade sonderlich erfreut über das verwunderliche Verhalten, daß Aleara derzeit so an den Tag legt. Vielleicht wollte die in Prem mit ihrem Sprung ins Hafenbecken ja nur ihre Verspätung und somit auch Pflichtverletzung überspielen. Aber im Grunde war das Mädel immer fleißig und anständig, eigentlich paßt das nicht so recht ins Bild. Und so große schauspielerische Qualitäten, daß sie eine Lüge über mehrere Tage und in diesem Ausmaß aufrechterhalten kann, traut er ihr auch nicht zu. Wie man es auch dreht und wendet, alles deutet darauf hin, daß Aleara, so verwirrt sie auch redet, die Wahrheit spricht.

Vorerst zieht Lowanger nur nachdenklich die Augenbrauen zusammen und brummelt leise ein, zwei unverständliche Silben, während er die verschiedenen Möglichkeiten abwägt. Die Begegnung mit dem Wal war sicherlich ein außerordentliches Ereignis, daß Aleara vielleicht mehr bewegt hat, als manch anderer. Daß sie daraufhin Rat im Tempel des Gottwals sucht, ist durchaus verständlich. Doch irgendwie will ihm immer noch nicht klar werden, was denn da genau im Tempel geschehen ist. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als noch einmal beharrlich nachzufragen:

"Matrosin! Kannst du oder willst du die Frage deines Kapitäns nicht beantworten? Was sagte der Geweihte im Tempel zu dir?"

Eindringlich ruhen die Augen des Offiziers auf Aleara.



Der Kapitän nickt zu den Worten des dritten Offiziers und beobachtet weiterhin Aleara - vor allem ihre Reaktion auf die geschickt gestellte Frage des anderen. Geschickt, weil sie direkt auf seine und ihre Stellung hier an Bord eingeht und genau das richtige Maß an "Forderung" aufweist.

Parallel dazu überlegt er weiter, ob er Ole hinzu holen soll. Wulf scheint da der gleichen Meinung zu sein - aber ebenso unsicher zu sein wie er.

'Alles nicht einfach... es wäre ja auch zu einfach gewesen, wenn sie nur aus Spaß ins Wasser gehopst ist. Aber... das hätte wohl keiner aus dieser Mannschaft getan.'



"Ach so, ja, der Geweihte."

Aleara erschrickt.

"Nun, der sagte etwas davon, daß der Namenlose stärker würde, und daß ich - und er (hier ist eindeutig der Geweihte gemeint) auch - würde Kraft schöpfen müssen, um ihm genug Widerstand zu leisten und nicht besessen zu werden...."

Mit etwas ratlosem Gesichtsausdruck hört die Matrosin auf zu sprechen. Offensichtlich hat sie sich in ihrem Satz verheddert, was für Aleara - im Gegensatz zu manch anderem - ebenfalls sehr ungewöhnlich ist. Etwas verwirrt blickt sie abwechselnd Jergan, Fiana, Wulf und einen Punkt jenseits des Großmastes auf dem Oberdeck an.



Auch Fiana blickt Aleara an, jedoch weniger eindringlich als besorgt. Es beschäftigt sie sehr, was da passiert ist und sie wird sich immer sicherer das es Sinn macht den Schiffszimmermann, hinzu zu holen. Noch sprich sie es nicht aus und will Aleara noch eine Chance geben es selbst zu erklären.



Jergan runzelt die Stirn, als der Namenlose wieder erwähnt wird. Er zögert zwar nie, wenn es darum geht, eine Entscheidung seemännischer Art zu fällen, oder eine solche, die die Führung der Leute betrifft, doch dies...

Genauso, wie er die Ausbesserung von Segeln einem Segelmacher überläßt, und Ausbesserungen am Rumpf einer Werft, ist das eine Angelegenheit, die jemand übernehmen muß, der davon Ahnung hat. Und da ist wohl Ole momentan der beste... in Thorwal werden sich dann wohl Geweihte damit beschäftigen. Er sieht Aleara weiterhin an, und sagt dann:

"Du mußt keine Angst haben. Ich denke, an der Stelle kann Ole uns am besten helfen - er hat behauptet, daß er sich mit dem grünen Wal unterhalten hat... vielleicht weiß er, was dein Problem ist."

Er nickt, als wolle er seine eigenen Worte bestätigen.

"Nirka, ruf mal Ole."

Der Befehl kommt knapp, ohne die Angesprochene dabei anzusehen.



'Na endlich!'

Nirka versteht nicht, warum Jergan so lange überlegt und wartet - es ist doch eigentlich vollkommen klar, daß Ole da helfen kann - er ist erfahren, und er kennt sich genau auf diesem Gebiet wohl von der ganzen Mannschaft am besten aus. Naja... vielleicht abgesehen vom Schiffsmagus, aber da die Bootsfrau diesem nicht traut, möchte sie Aleara nicht in dessen Obhut wissen.

"Zu Befehl, Kapitän!"

Sie verläßt ihren Platz am Steuer nicht, sondern brüllt in der bekannten Lautstärke:

"OLE! SOFORT ZUM KAPITÄN AUF DAS BRÜCKENDECK!"

Sie nimmt dabei keine Rücksicht auf die relative Stille an Bord - diese Lautstärke reicht vollkommen aus, um bei schwerer See oder Sturm Matrosen am Bug vom Steuer aus verständliche Anweisungen zukommen zu lassen.



Aleara zuckt bei deutlich zusammen, als sie den Schrei nach Ole sozusagen aus nächster Nähe "ab bekommt". Wiederum sehr merkwürdig, immerhin ist sie solche Lautstärken gewöhnt - muß sie gewöhnt sein. Dann aber sieht - oder vielmehr: starrt - sie unbeteiligt, ja sogar gelangweilt auf das Oberdeck, als wäre nichts geschehen. Kaum merklich beginnt sie zu schaukeln, und leise eine Melodie zu summen.



Der dritte Offizier nickt kaum merklich zu den Worten des Kapitäns. Vielleicht macht man zwar gerade zu viel Aufhebens um eine Belanglosigkeit, aber es ist gewiß besser, einmal zu viel Vorsicht walten zu lassen als einmal zu wenig. So gesehen hat Jergan sicher recht mit seiner umsichtigen Entscheidung.



Ole im Zweifel


Ole steht unschlüssig herum. Eigentlich wollte er an Deck gehen und sich ein wenig von der Sonne bescheinen lassen. Allerdings bewegt ihn eine gewisse innere Unruhe, die er sich nicht richtig erklären kann. Nachdenklich blickt er in die Richtung, die Torin eingeschlagen hatte, als er sich zurückgezogen hatte.

'Wahrscheinlich ist er der Schwarzhaarigen hinterher gelaufen, doch was sollte daran schon beunruhigend sein?' denkt sich Ole 'Beunruhigend wäre das doch höchstens für diese Frau!'

Und dennoch ......

Der Schiffszimmermann zieht hektisch an seiner Pfeife. Zieht hier Frau Rahja oder der Herr Phex die Fäden?

'Was wollen die alle im Laderaum? Das ist doch wahrlich kein Treffpunkt für Passagiere.'

Ole kann sich beim besten Willen nicht erinnern, daß Torin irgend etwas von einer Fracht erzählt hat. Und was macht diese Frau da unten? Haben sich die beiden dort verabredet? Auf der anderen Seite haftet dieser Frau, so empfindet es Ole, durchaus etwas phexisches an. Ob da der Herr Torin sein Schicksal vielleicht nicht nur sucht, sondern es, ohne es zu wissen, gar herausfordert? Doch was soll das ganze herumraten? Wenn er Gewißheit haben will, dann muß er in den Laderaum gehen und nachschauen! Und Ole setzt sich in Bewegung ............



Radisar vor der Kombüse


Radisar wagt es nicht zu atmen, als er sich an diesem Hünen vorbei zu schleichen versucht, obgleich für ein solch vorsichtiges Manöver kein Anlaß besteht und er seufzt heftig vor Erleichterung, als er den Kerl endlich hinter sich lassen konnte. Dort vorne, dessen scheint sich Radisar sicher zu sein, muß die Küche dieses Schiffes sein, es ist allerdings mehr eine Ahnung als Gewißheit. Zu seiner Enttäuschung scheint hier reger Andrang zu herrschen, denn da wartet schon ein junger Mann, ein Magier wie es scheint und der Koch ist offensichtlich noch anderweilig beschäftigt. Es kann sich also noch eine Weile hinziehen. Das ist ärgerlich, denn die Herrin wartet nicht gerne, Geduld ist nicht gerade eine ihrer Tugenden.

"Guten Tag Herr Magus!" sagt er artig und macht zur Bekräftigung noch drei kleine und eine große Verbeugung. Danach lächelt er verlegen säuerlich und betrachtet die blanke Wand, als hätte er nie dergleichen gesehen. Ab und zu schaut er verstohlen den Magier an, wendet aber sofort wieder den Blick zur Seite, aus der Furcht heraus, er könnte aufdringlich erscheinen. Nachdem er eine Weile unruhig sein Gewicht immer wieder auf seine beiden Beine hin und her verlagert hat, wie ein kleiner Junge mit starken Harndrang, blickt er den Magus zurückhaltend an und fragt mit leiser Stimme:

"Das ist doch die Küche, hier?"



Darian dreht sich zu der Stimme um, die ihn mit "Guten Tag Herr Magus!"begrüszt. Darian will den Grusz erwidern, doch der kleine Mann verhält sich seltsam, verbeugt sich und starrt dann die Wand an.

'Sehe ich wirklich soo bedrohlich aus ?' geht es dem Adeptus Minor durch den Kopf. Schlieszlich fragt der seltsame Fremde ob dies die Küche sei:

"Ja dies ist die Küche, aber der Koch scheint mir sehr beschäftigt zu sein, ich warte hier schon eine geraume Weile auf ein Glas Wasser."

Aufgrund des extrem verschüchterten Verhaltens seines Gegenübers, fügt er hinzu:

"Und Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben, ICH werde Euch jedenfalls NICHT in eine Kröte verwandeln, was hätte ich auch davon ? Ich kenne Euch doch gar nicht."

Der junge Magier wartet ab wie der kleine Mann reagiert.



Darians liebenswürdigen Worte, die Radisar die Scheu nehmen sollten, haben ihre Wirkung leider verfehlt. Allein die angedeutete Möglichkeit, obwohl mit überzeugender Ehrlichkeit ausgeschlossen, unter Umständen in eine Kröte verwandelt zu werden, lassen das kleine, kahle Dickerchen zusammenzucken, als wäre er in jenem Moment beidfüßig in ein Morfu getreten.

Sein Gesicht verzerrt sich zu einem Lächeln und er kichert unbeholfen vor sich hin, als dränge sich ein schwaches Lachen durch eine, durch Furcht abgeschnürte Kehle, eine Vorstellung, die der Wahrheit ziemlich nahe kommt.

"Eine Kröte ....... wie nett .... wie lustig ...." stammelt er vor sich hin und wagt es dabei nicht, dem Magua in die Augen zu schauen.

Viel Zeit um seine Angst zu kultivieren bleibt ihm nicht, denn schon drängt sich der Schiffsmagus aus der Kombüse heraus. Auch das noch! Aber der Mann beachtet ihn gar nicht und dies ist Radisar mehr als recht, denn durch die Anwesenheit von gleiche zweien dieser 'Astralbesessenen' fühlt er sich derart arkan eingeengt, daß er, in seiner Unsicherheit nicht einmal mehr ausschließen will, vielleicht ganz aus Versehen in ein Kriechtier verwandelt zu werden.

" Hesinde zu Gruße ............!" stürzt es aus ihm heraus, doch er kann den Gruß nicht vollenden, zu schnell ist der Schiffsmagus an ihm vorbei.



Jarun ist fertig


Endlich ist Jarun mit seinem Gesicht fertig. Zufrieden legt er die Schminke beiseite und erhebt sich von seinem Stuhl.

Während er sich seinen Umhang nimmt und ihn mit den Spangen an seinem Hemd befestigt, schaut er zur Decke und lauscht. Aber von oben ist immer noch nichts zu hören. Nach einigen Augenblicken wendet er sich zur Tür. Im Vorbeigehen greift er sich die schwarzen Handschuhe aus der Truhe und verläßt seine Kabine. Hinter sich verschließt er sie sorgsam.

Während er zu der Treppe schlendert, steckt er sich die Handschuhe an den Gürtel.

Vor der Treppe bleibt Jarun stehen und schaut in Richtung Kombüse, wo sich mehrere Passagiere tummeln. Unter anderem sieht er auch den Diener der hohen Dame in der Tür der Kombüse stehen.

'Das könnte interessant werden.'

Mit einem Lächeln auf den Lippen geht er zu der Tür der Kombüse und lehnt sich dort angekommen lästig an die gegenüberliegende Wand. Interessiert verfolgt er die Szene, die sich in der Küche abspielt.



Jarun stellt sich gerade hin und drückt sich mit dem Rücken gegen die Wand, um einem der Magier das Heraustreten aus der Kombüse zu vereinfachen.

Mit einem höflichen Lächeln grüßt er den Magier, als dieser durch die Tür auf den Gang tritt und sich in Richtung Aufgang begibt.



Vor der Tür zum Laderaum


"Nutze den Tag - zur Not auch bis in die Nacht hinein," sagt Phexane auf die Bemerkung Armens hin, daß sie wohl recht spät zu Bett ginge. Dann lächelt sie ihn wieder an.

"Nun, mag sein, daß ihr nicht gelauscht habt, aber sicher habt ihr irgendwas gehört, nicht wahr?"

Daraufhin sieht sie zur Tür und lauscht wieder.

"Es ist kaum was zu hören."

Sie grinst plötzlich breiter.

"Wer weiß, vielleicht möchten dort nur zwei Leute ein wenig allein sein. Kann ich gut verstehen - hier auf dem Schiff kommt mir alles ein wenig zusammengepfercht vor."



Armen schaut sich Phexane noch einmal genau an, ob sie vertrauenswürdig aussieht. Das ist nicht der Fall, deshalb kann er ihr das Gehörte anvertrauen.

"Ich habe ganz zufällig gehört, das es um einen Elfen, einen Dämonen, verflucht und verdammt geht. Das hört sich arg an. Ich hoffe ich irre mich und es ist nichts Schlimmes."



"Ein Elf ist hier an Bord?"

Phexanes Stimme wird nun lauter und ihre Augen weiten sich vor Überraschung. Sie schaut zur Tür hin, drückt dann, erst vorsichtig, dann etwas stärker, dagegen, bekommt sie aber offensichtlich nicht auf.

"Wieso ist er dort? Was ist das überhaupt für ein Elf? Ein richtiger oder nur ein 'menschlicher'?"

Phexane wirkt etwas aufgeregter und ihre Fragen sprudeln nur so hervor. Sie blickt Armen nicht mehr an, sondern schaut nur noch zur Tür.

"Ich habe noch nie einen echten Elfen gesehen! Dabei bin ich doch sogar mal durch die Länder gereist, in denen es angeblich so viele geben soll. Aber ich habe immer nur Halbelfen oder vermenschlichte Elfen gesehen."

Sie schaut nun etwas kritischer zu Armen.

"Was heißt hier eigentlich 'Dämon'?"



"Sei doch ruhig, du verrätst uns ja! Elfen kenne ich schon, aber nur die weiblichen sind interessant. Aber Dämonen solltest du am besten nicht begegnen. Wir sollten die Tür beobachten und warten, wer herauskommt."

Armen ist immer noch verwirrt, weshalb Phexane so einen Lärm macht. Sie scheint etwas neugierig zu sein.




Tanzende Schattem


Torin steigt leicht geduckt die Stufen hinab. Leise knarrt die Holztreppe unter seinen Füßen. War es im Unterdeck noch recht hell, so ist eine gewisse Düsternis im Ladedeck nicht zu leugnen. Trotz der Windstille meint er das leise Glucksen des Wassers zu hören. Das schwache Leuchten des Stabknaufes läßt rote und weiße Schlieren über die Wände und die Decke wandern.

'Wenn ich nicht genau wüßte, woher die tanzenden Schatten kommen, würde ich es wohl hier unten mit der Angst zu tun bekommen.'

Er blickt über einige Kisten zu zwei Personen, die scheinbar voll und ganz mit der Tür vor ihnen beschäftigt sind. Eine scheint seine geheimnisvolle Diebin zu sein, die Person mit dem dunklen Wams kennt er jedoch nicht. Leise Worte dringen an seine Ohren, doch ist er zu weit weg, um etwas zu verstehen.

Torin überlegt, ob es vielleicht klüger wäre, sich erst einmal auf dem Oberdeck blicken zu lassen. Schließlich könnte es sein, daß dort eine Frühstückstafel aufgebaut ist und nur er noch nichts zum Essen hatte. Doch die Überlegungen Torins werden unterbrochen, als jemand die Treppe herunterkommt.

'Mist! So hatte ich mir die erste Begegnung mit meiner Diebin nicht vorgestellt' denkt sich Torin und huscht ungesehen in die Deckung einer Kiste. Den Stabknauf verdeckt er notdürftig mit seiner Kleidung, so daß kaum noch Schlieren über die Decke wandern.

'Ich werde versuchen, mich in den den hinteren Bereichen dieses Decks solange aufzuhalten, bis ich sicher sein kann, daß meine schwarzhaarige Schönheit alleine ist.'

Er lächelt verschmitzt.

'Dann ist es Zeit für meinen Auftritt.'

Er will gerade weiter durch das halbdunkel schleichen, als ein einzelnes, lautes Wort seine ganze Aufmerksamkeit erregt.

'Dämon!'



Vor dem Laderaum


Der alte Schiffszimmermann drückt sich ein wenig gegen die Wand, um einem kleinen, kahlköpfigen Dickerchen, der sich gerade extrem schüchtern an ihm vorbei drückt, mehr Platz einzuräumen. Dann wartete er noch einen Moment und geht dann den Weg, den Herr Rotmarder kurz zuvor eingeschlagen hatte. Nun will er doch einmal nach dem rechten sehen. Er steigt in das Ladedeck hinab.

Es dauert eine Weile bis sich seine Augen an das dämmrige Licht gewöhnt haben und noch lange bevor er endlich wieder Konturen und Raum wahrnehmen kann, hört er bugwärts ein beständiges Raunen, Tuscheln und Reden. 'Was ist denn da los? Hier ist letztendlich ein Laderaum und kein Gesellschaftsraum!' denkt sich Ole mit leichter Verärgerung. Er kann keine der Stimmen erkennen, doch das liegt unter Umständen daran, das er sie ohnehin nur leise vernimmt. Von Herrn Torin Rotmarder kann er weit und breit nichts erkennen, weder sehend noch hörend und dessen Stimme hätte er wohl erkannt.

Ole zieht noch einmal gewaltig an seiner Pfeife, obwohl es seine Vorgesetzten nicht unbedingt gerne sehen, wenn er unter Deck raucht, doch der Zimmermann ist zu sehr am Grübeln über die augenblickliche Situation, um an solche Nebensächlichkeiten zu denken.

"Was ist denn los da vorne?" ruft er laut und kommt vehement näher.


Ruckartig dreht sich Phexane um und sieht Richtung Treppe - eine große Gestalt nähert sich. Sie preßt sich augenblicklich mit dem Rücken an die Tür und holt erschrocken Luft - das kam wirklich überraschend!

Es dauert aber nur einen kurzen Moment, dann glaubt sie zu wissen, wer diese Person sein könnte: einer der beiden Männer, die oben vor dem Schrein miteinander geredet hatte.

"Äh ... äh, hier, äh, ist ... nichts los ... äh ... glaube ich ...," stammelt sie und schaut zu dem Hünen.

'Hoffentlich gibt das keinen Ärger! Der sieht ziemlich stark aus.'



Torin sieht den vom Licht erhellten Rücken Oles. Sein großer, kräftiger Körper nimmt auch dem letzten Rest von Licht die Möglichkeit, den Laderaum notdürftig zu erhellen.

'Durch die wirren Haare und den Pfeifenrauch sieht er aus wie ein Ungeheuer.' denkt Torin automatisch.

Er enthüllt seinen Stab wieder etwas. Abermals ziehen rote und weiße Schlieren durch die Dunkelheit und über Decke und Wände.

'Voila! Eine dämonische Erscheinung...' lächelt er.

Als Ole brüllt, duckt sich Torin hinter eine der Kisten. Einige Augenblicke später hebt er seinen Kopf wieder. Seine Diebin steht mit weit aufgerissenen Augen an der Tür. Die andere Person kann er nicht sehen, entweder ist sie irgendwo in Deckung gegangen oder der massige Rücken Oles versperrt ihm die Sicht. Doch durch die wabernden Schlieren und das nun wieder ungehindert einfallende Licht sieht das Geschehen wirklich unheimlich aus.

Den Gedanken, daß Draggensson den beiden körperlichen Schaden zufügen könnte, verwirft er sofort wieder.

'Nein, nicht dieser weise Mann.'



Ole ist ein wenig verwirrt. Was, in SWAfnirs Namen geht hier vor? Der Zimmermann wird von dunklen Ahnungen befallen. Die Situation ist momentan mehr als rätselhaft. Was hat diese schwarzhaarige Frau hier im Ladedeck zu suchen? Wo ist Torin Rotmarder; wohin könnte er verschwunden sein und was sollen diese seltsamen Lichterscheinungen hier rings herum? Der andere Mann, der hier noch herum steht, ist dem Schiffszimmermann zwar auch nicht so bekannt, doch glaubt er sich erinnern, daß es sich um den Händler handeln könnte, der in Prem so spät noch Ladung gebracht hatte. Nur der Namen dieses Händlers will ihm nicht mehr einfallen. Doch nicht nur dies beschäftigt den 'grauen Riesen', da ist noch etwas anderes, etwas Ungreifbares, etwas Gefährliches. Sein Gefahreninstinkt gibt ihm schrille Warnungen ein. Vielleicht ist er auch nur etwas überempfindlich geworden. Diese unglaubliche Windstille heute, dann diese Geschichten, die man sich im Zusammenhang mit Alearas Sturz erzählt, die Anwesenheit so vieler magisch begabter Menschen hier an Bord, dies alles kann einem schon ein bißchen unter die Haut gehen. Vielleicht war er aber auch ein wenig zu lange in Meditation vor dem Schrein verharrt, auch dies kann zu einer gesteigerten Form des Mißtrauens gegenüber der weltlichen Wirklichkeit führen, Ole hat das oft genug erlebt. Doch die Ungewißheit nagt an seiner Seele.

Den grimmen Fluch, der sich gerade auf Ole's Zungen zusammenballt, schluckt er unausgesprochen wieder hinunter. Zurückhaltung tut Not! Nun gilt es erst einmal die Lage vor Ort zu klären, eben das, was er gerade sieht oder hört. Später noch kann er sich um das kümmern, was an schlimmen Vorahnungen gefühlsmäßig in ihm hoch steigt. Und so wartet er ungeduldig darauf, daß einer der Anwesenden mit einer Erklärung beginnt.



Phexane schaut noch immer ziemlich erschrocken zu Ole. Er scheint wohl auf etwas zu warten.

'Oje, was soll ich denn sagen? Das ich mich verlaufen habe? Blöde Ausrede! Die Wahrheit kann ich auch nicht sagen - dann könnte ich gleich freiwillig ins Meer springen. Was ist eigentlich mit diesem Händler?'

Sie schaut Armen an, doch dabei fällt ihr etwas auf: das Licht hat sich offenbar verändert! Ein rot-weißes Leuchten ist an den Wänden auszumachen. Sie läßt ihren Blick durch den Raum schweifen - überall leuchtet es so seltsam!

Sie wirkt immer angespannter: ihre Hände scheinen sich an die Tür zu krallen, an die sie sich herangedrückt hat, ihr Herz beginnt schneller zu schlagen und auf ihrer Stirn bilden sich tiefe Falten. Sie faßt sich ein Herz:

"Ist es normal, daß es hier so leuchtet?"

Sie schaut den großen Seemann vor sich fragend und zugleich unsicher an. Diese Situation behagt ihr nicht.



'Was ist das denn für ein komisches Licht? Das ist sicher magisch, hasse Magie!'

Armen drückt sich fest an die Wand und beobachtet die anderen Anwesenden mißtrauisch.

'Wer von denen hat das gemacht? Oder hängt das mit dem Dämon zusammen?'

Armen ist vor Angst erstarrt und hält erst einmal seine Klappe.



Im Laderaum tut sich was


Swafnald nickt zustimmend zu den Worten Thorben's.

"Da sind auch noch mehr ... der große Graubart, Ole, hat sich ja auch so ganz seltsam verhalten bei dem Wal ... und bei den Passagieren sind auch Hexer dabei und dieser komische Gaukler hat vorhin auch so ein ganz dämo..."

Er schluckt das Wort nicht ganz ausgesprochen hinunter und sieht sich nervös um "... so ein ganz seltsames Grinsen gehabt."

Seine Augen weiten sich vor Schreck als ihm ein furchtbarer Gedanke kommt

"Swafnir steh' uns bei, wenn das ganze Schiff verflucht ist."



"Ole, ja, da hast auch recht! Die anderen... das sind Passagiere, das ist nicht SO schlimm. Aber der Kapitän... und die auf der Brücke..."

Er überlegt ganz kurz, dann sagt Thorben mit fester Stimme:

"Laß uns nach oben in den Mannschaftsraum gehen. Da ist von denen jetzt keiner, denke ich, und die Matrosen informieren, die ganz sicher NICHT davon betroffen sind. Der verfluchte Elf sollte hier erst einmal keinen Schaden anrichten können."

Der zweite Offizier geht damit in Richtung der verrammelten Tür und wartet,daß Swafnald ihm beim Freigeben der Tür hilft.



"Ja, genau, das machen wir." bestätigt Swafnald den Vorschlag des 2.Offizier's und geht dann mit ihm zurück in den Bugladeraum, wo noch immer die große Kiste vor der Tür steht und damit den Weg zu und -vor allem- vom Hauptladeraum aus versperrt. Zusammen mit Thorben hebt er diese beiseite, als er von der anderen Seite her Stimmen hört.

"Hörst Du?" flüstert er Thorben zu "Da ist jemand. Vielleicht hat der Elf mit seiner Zauberei schon nach Hilfe gerufen?"

Suchend blickt er sich im Raum nach etwas um, das er als improvisierte Waffe hernehmen könnte, wenn es sein muß.

'Meinen Schneidzahn hab ich Matschkopp ja oben in meiner Kiste...'



Thorben hilft, und lauscht dann auch.

"Es könnte sein, denn die eine Stimme, das war Ole, das weiß ich ganz genau. Und die anderen..."

Er lauscht noch einmal.

"Es könnten Passagiere sein. Aber..."

Der zweite Offizier bemerkt Swafnalds suchende Blicke, und zieht mit einem Grinsen ein langes Entermesser aus der Scheide an seinem Gürtel. Er weiß nicht, warum er das am Morgen angelegt hat, aber scheinbar war das eine gute Idee. Dann sagt er zu dem Matrosen:

"Sie sind zu mehreren - falls sie wirklich gerufen wurden, dann greifen sie uns vermutlich an. In dem Fall ist es am besten, wenn wir uns in den Laderaum hier retten, und die Tür wieder verbarrikadieren. Der Elf wird sie schon wieder wegschicken, wenn ich ihn hiermit..."

Er hebt das Messer...

"...kitzle. Falls sie nur neugierig sind, nun, dann gibt es ein Donnerwetter. Bleib einfach hinter mir..."

Er redet nicht weiter, sondern reißt die Tür mit einem Ruck auf und brüllt, als er sieht, daß es wenigstens drei Passagiere sind, die in diesem Laderaum nichts zu suchen haben:

"Was wird das hier?"



Phexane spürt wie die Tür hinter ihr geöffnet wird und sie jeglichen Halt verliert. Es ging so schnell, daß sie sich nicht mehr auf den Beinen halten kann und hinfällt. Zugleich brüllt eine Stimme

"Was wird das hier?"

Sie rappelt sich aber sofort wieder auf, springt schnell einen Schritt zurück und zieht ihren Dolch, als sie das Entermesser erblickt.



Als Armen die plötzliche Gefahr erkennt löst sich seine Starre und er greift zu seinen schweren Dolch, den er immer bei sich trägt, selbst wenn er schläft. Er stellt sich in eine Lauerstellung, sofort bereit auf jemanden los zugehen, falls es erforderlich werden sollte.


Da ihn niemand angreift, bemüht sich der zweite Offizier, sein Entermesser nicht so drohend zu halten. Vermutlich haben die Leute wirklich nur gelauscht. Er richtet sich ein wenig auf, und sagt dann in friedlichem Ton:

"Entschuldigt, aber eigentlich ist das nicht der rechte Platz für Passagiere."

Seine Augen huschen über die Anwesenden, bis sie den Händler mit dem Namen erfassen, der so ähnlich wie "Klinge" klingt.

"Ihr... Ihr habt doch auch Waren hier auf dem Schiff - Ihr wollt doch sicher auch nicht, daß die Passagiere da alle herumlaufen und gucken, oder?"

Er geht noch einen kleinen Schritt weiter, so daß Swafnald auch Platz hat, um aus dem Laderaum eins zu kommen - hoffentlich denkt der Matrose dran, die Tür zu schließen...

Mit der freien Hand macht der zweite Offizier eine eindeutig scheuchende Bewegung in Richtung der nach oben führenden Treppe.



Als Phexane erkennt, daß sich die Situation etwas entspannt, läßt sie ebenfalls den Dolch wieder sinken. Dennoch bleibt sie vorerst abwartend und angespannt stehen.

Auf die Worte des Seemannes hin entgegnet sie:

"Ich kenne mich auf diesem Schiff noch nicht so gut aus. Ich hatte gedacht, hier unten wären noch ein paar wichtige Räume. Immerhin hatte ich noch keine Führung durch das Schiff bekommen."

Sie läßt bei den Worten ihren Blick in den Laderaum schweifen, aus dem die beiden Männer kommen. Offenbar ist dort nichts Besonderes ...



Im Versteck


Torin späht hinter seiner Kiste hervor und grinst. Seine Inszenierung mit Hilfe seines Stabes klappt besser als geplant. Wenn er sie noch etwas länger aufrechterhält, dann glauben die Drei wirklich noch an seine Illusionen.

Ole Draggensson steht noch immer vor den beiden eingeschüchterten Personen. Doch steht er nun nicht mehr so einschüchternd, sondern eher fragend und auch etwas nervös.

'Habt keine Angst holde Maid!' möchte Torin am liebsten laut rufen, doch er beherrscht sich. Auch wenn die weit aufgerissenen Augen seiner Diebin sein Herz zum brennen bringen.

Dann plötzlich wird die Tür aufgerissen. Torin sieht seine schwarzhaarige Schönheit fallen. Seine Hand verkrampft sich um den Stab. Doch als hätte sie es tausend Mal geübt schwingt sie sich wieder hoch und ein Dolch blitzt in ihrer Hand.

Torin hört die Person, die nun in der Tür erscheint, brüllen. Instinktiv duckt er sich wieder. Allein der Schein seines Stabes wabert noch immer in rotweißen Schlieren über die Wände.



Ole forscht


Ungläubig starrt Ole auf das Geschehen. Er hat mit allem Möglichen gerechnet, nur nicht damit, daß der zweite Offizier des Schiffes, aus einem abgeschlossenen Laderaum, bewaffnet heraus bricht, um wegen einer Geringfügigkeit Passagiere zu bedrohen. Seit wann wird dieser Laderaum unter Verschluß gehalten? Ausgerechnet der Durchgang zur Segellast, ein Weg der an den entsprechenden Tagen, wenn es die Umstände nötig machen, mehr als ein Dutzendmal beschritten wird. Aber das Wichtigste überhaupt: Warum reagiert der Offizier so aggressiv und was tut er hier überhaupt? Soweit die der Schiffszimmermann in seiner Zeit an Bord mitbekommen hatte, kümmert sich doch die Bootsfrau um die Ladung und Nirka überprüft die Laderäume doch wahrhaftig oft genug.

Bohrendes Mißtrauen erwacht in ihm, der alte Schiffszimmermann ist sich fast sicher, irgend etwas stimmt hier nicht. Ole räuspert sich und fragt danach den Offizier:

"Kann ich euch helfen, Herr?"

Ole hat sich zwar bemüht sich nichts anmerken zu lassen, dennoch kann er nicht verhindern, daß in seiner Stimme starke Argwohn auszumachen ist. Man kann es ihm auch ansehen, daß er mit seiner Frage nicht nur ein Angebot unterbreiten will.



Für Thorben kommt das Angebot des Schiffszimmermanns gerade richtig. Er nickt ihm erfreut zu und sagt:

"Ja, das kannst du in der Tat! Sorg bitte dafür, daß alle, die im Laderaum *nichts* zu suchen haben, ihn verlassen. Ich verstehe nicht, warum Herr Efferdstreu das den Passagieren nicht sagt - wer hier unten nicht nächtigt oder keine Ladung an Bord hat, für den sind die Laderäume ebenso nicht gedacht wie die Bilge oder die Ruderanlage."

Er spricht deutlich und laut, so daß ihn jeder der vor dem Eingang von Laderaum eins lauernden hören muß.

Dann fällt sein Blick auf Oles Pfeife, und etwas leiser sagt er in einem recht bissigen Ton:

"Und hör endlich damit auf, unter Deck zu rauchen! Das ist ein Schiff aus *Holz*! Ich dachte eigentlich, daß das Verbot ausreichend bekannt ist!"



"Keine Sorge - ich weiß, wo die Treppe ist," knurrt Phexane die Seemänner an, steckt den Dolch weg und macht sich auf dem Weg Richtung Aufgang.

Das Licht fällt ihr wieder auf, und sie dreht sich um.

"Aber eins wundert mich immer noch: dieses Licht hier!" Sie zeigt bei den Worten auf die Decke, die immer noch rot-weiß beleuchtet ist.

"Ihr wollt mir doch nicht weismachen, daß das normal ist, oder?"



Wie geheißen bleibt Swafnald direkt hinter Thorben und schließt, als auch er erkennt, daß es wohl tatsächlich, bis auf eine Ausnahme, nur zu neugierige Passagiere sind, die Tür hinter sich.

Ein mißtrauischer, fast schon feindseliger Blick trifft auf Ole, doch sieht er schnell wieder zur Seite - sicher ist sicher.

Da das neugierige Pack Thorben's Aufforderung scheinbar nicht so recht nachkommen mag, unterstreicht er dessen scheuchende Gesten damit, daß er sich seitlich hinter den 2.Offizier stellt und der Frau und dem Händler einen ungeduldigen 'Nun geht schon, Ihr seid im Weg.'-Blick zuwirft.



"Ich wollte nach eben dieser Ware gerade sehen. Deswegen bin ich hier unten. Da ich mich zufälligerweise mit Phexane unterhalten habe, wollte ich sie mit nach unten nehmen."

Armen lügt zwar wie gedruckt, aber das kann er.



Unruhig kniet Torin hinter seiner Deckung und beobachtet die waffendrohenden Personen.

'Die Situation sieht ersnt aus. Ich hoffe, ich muß keinen Kampf verhindern.'

Als Torin sieht, wie sich nacheinander die Waffen senken, atmet er erleichtert auf. Schelmisch zieht er die Mundwinkel hoch:

'Jetzt ist wohl Zeit für Geplänkel...'

Er zieht sich etwas weiter in die Schatten zurück.

'Ich würde doch zu gerne wissen, warum die beiden Seeleute so gereizt reagierten. Es muß etwas sehr Wichtiges hinter dieser Tür sein, vielleicht etwas, das sonst keiner wissen darf.'

Torins phexische Erziehung meldet sich aus seinem Unterbewußtsein:

'Es liegen sicher unermeßliche Schätze hinter dieser Tür...' flüstert eine innere Stimme. Torins Augen scheinen für kurze Zeit zu blitzen, doch eine andere Stimme ruft:

'Nein! Es gibt Wichtigeres als schnöden Reichtum...'

Torin schüttelt den Kopf und verscheucht die Stimmen.

'Egal was es ist, ich werde es herausfinden. Ich warte einfach ab, bis sich die Gemüter beruhigt haben. Die Herrschaften werden ja nicht bis zum Essen hier bleiben wollen. Obwohl...' er kann einen Seufzer gerade noch unterdrücken. 'meine holde Maid wäre mir sehr willkommen.'

Als er einen der Seeleute die laute und deutliche Bitte zum Verlassen des Laderaumes geben hört, äugt er abermals zu den Personen herüber.

Er sieht, wie seine schwarzhaarige Schönheit regelrecht mißmutig den Dolch wegsteckt und dann in Richtung des Aufgangs geht. Plötzlich dreht sie sich um und zeigt mit bewegter Miene auf die Decke.

'Miu Pikusch!' flucht er innerlich. 'Ich hätte meinen Stab doch abdecken sollen.'

Torin erkennt, daß er seine Dämonenvorstellung jetzt wohl spielen muß. Vorsichtig legt er seinen Stab auf den Boden neben sich und entfernt sich dann in die sichere Dunkelheit.



'Nein, das kann nicht normal sein! Was ist wenn ...'

Sie denkt an die Worte des Händlers - könnte dieses Licht von einem Elfen stammen? Sie schaut den zweiten Offizier in die Augen und hebt fragend eine Augenbraue.

"Was gab es dort in dem Lagerraum eigentlich so Wichtiges?" fragt sie ihn und schaut kurz zur Tür hinüber.

"Es muß ja was furchtbar Gefährliches gewesen sein, daß ihr gleich mit einer Waffe herausstürzt. Seid ihr vor etwas geflohen? Wenn ja, dann solltet ihr es uns sagen, denn ich denke, Herr Al' Klin Gon ist sicher auch schon sehr besorgt um seine Ware."

Dabei nickt sie kurz zu Armen.

"Vergeßt außerdem nicht die Passagiere und die Gefahr, in der sie schweben könnten."

Sie kommt näher auf den zweiten Offizier zu. Ihre Augen haben sich verengt und sie verschränkt ihre Arme vor ihrer Brust.

"Stellt Euch vor, Herr Al' Klin Gon würde zum Kapitän gehen, da er ja nun mal berechtigte Zweifel an der Sicherheit seiner Waren hat. Das wäre euch doch sicher nicht recht, oder?"

Sie schaut wieder etwas unbehaglich zu der Decke und den Wänden.

'Wann ist mir dieses Licht aufgefallen? Das war doch erst, als dieser Riese aufgetaucht ist. Vorher, als ich die Treppe hinuntergegangen bin, wurde dieser Raum nur von oben her erhellt.'

Sie mustert Ole kurz, zweifelnd.

'Nein, er sieht nicht wie ein Magier oder so etwas in der Art aus. Aber dieses Licht war auch nicht im anderen Raum zu sehen. Es muß also hier 'etwas' sein.'

Ein kühler Schauer läuft ihren Rücken hinunter und sie spannt ihre Schultern kurz an, um ein Schütteln zu vermeiden. Die Situation hier unten behagt ihr nicht, aber andererseits, möchte sie erfahren, was so Wichtiges in dem anderen Raum sein könnte ... und so sehr ihr auch dieses seltsames Licht mißfällt - es macht sie doch neugierig!



"Mit den Sicherheitszweifeln hat Phexane recht. Wenn etwas nicht stimmt, hoffe ich doch, davon zu erfahren. Sonst behalte ich mir vor das Schiff im nächsten Hafen zu verlassen."

'Was diese Phexane nur vor? Eigentlich wollte ich nur nach meiner Ladung sehen und jetzt das. Am Ende kann ich gar nicht die Ladung begutachten, wenn sie dabei ist. Allerdings kann ich es mir gut vorstellen, mit ihr allein in dem Lagerraum zu sein.'



"Aye, Aye, Herr!"

Ole nickt stumm. Die Passagiere aus dem Laderaum zu führen, daß hätte er ohnehin geplant gehabt, eines direkten Befehls hätte es da gar nicht bedurft. Und der Schiffszimmermann wird von einer Ahnung heimgesucht, daß der Offizier nicht nur die Passagiere, sondern auch ihn von hier weghaben möchte. Nur warum? Warum will Thorben annehmen, die Passagiere fänden nicht alleine hier heraus, und wenn er schon dieser Meinung nachhängt, warum begleitet er die Leute nicht selbst hinaus, wenn es ihm schon so fürchterlich wichtig ist. Was will der Offizier verbergen? Ole's Argwohn bekommt weitere Nahrung, als er hinter Thorben stehend Swafnald erkennen muß. Ausgerechnet Swafnald, dieser Leisetreter, der Laufbursche des 2.Offiziers. Und wie feindselig hat er Ole angesehen, dieser abergläubische Hasenfuß, natürlich nur kurz und flüchtig hat er den Blick ausgehalten, wie auch sonst. Typisch Swafnald!

'Dieser Mann ist entweder unglaublich feige', so denkt sich Ole 'oder er hat etwas zu verheimlichen!'

Im Grunde genommen benimmt sich Swafnald in ähnlicher Weise verdächtig, wie auch schon Thorben vorher. Ole ist sich nun ganz sicher, daß die beiden etwas aushecken wollen oder es gar schon getan haben. Nur, was könnte das sein? Ole sieht ein, daß er momentan hier nicht mehr erfahren würde und will daher dem Befehl Thorbens nachkommen, auch wenn es ihm sehr widerstrebt. Vor allem nachdem er dort Swafnald gesehen hat. Ole wird ärgerlich, da ihm nichts einfallen will, wie er seinen Aufenthalt hier velängern könnte. Sein Blick fixiert Thorben und Swafnald, die Motive der schwarzhaarige Frau, die dem 2.Offizier in so giftiger Weise geantwortet hat, für ihren Aufenthalt im Laderaum, interessiert ihn schon gar nicht mehr so sehr, wie noch vor wenigen Augenblicken, ebenso wenig der Händler, der neben ihr steht und auch die Frage, wo Torin abgeblieben sein könnte wird für Ole vollkommen nebensächlich. Allein diese Geheimnisse um Thorben und Swafnald sind nunmehr das Ziel seiner Überlegungen.

Murrend nimmt er nach der Schelte Thorbens die Pfeife aus dem Mund, dann blickt er auf Swafnald und seine Miene verfinstert sich zusehends. Wut keimt in ihm auf - unsagbare Wut - jetzt wird er aber sehr, sehr vorsichtig sein müssen, in eigenem Interesse! Fest preßt er seine Zahnreihen aufeinander, es könnte ihm ja sonst ein fehlerhaftes Wort entgleiten, das er im Beisein des 2.Offiziers lieber nicht verlauten lassen sollte.

"Hallo Swafnald!" sagt Ole drohend, wirklich drohend, fast glaubt man seine Zähne knirschen zu hören. Er nimmt Swafnald fest in den Blick. Dann hebt er seine Pfeife hoch und erstickt die Glut mit dem blanken Daumen, langsam und fast genüßlich - eine blanke Provokation, vielleicht auch eine Drohung, ganz sicher ein Hinweis, daß in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Ole wendet sich den Passagieren zu:

"Meine Herrschaften, ich denke ist ist besser, wenn wir alle auf das Oberdeck zurückkehren, darf ich bitten ......!"



Torin tastet sich Stück für Stück vorbei an Fässern, Kisten und Stoffballen.

'Ohne den Widerschein des Stabes könnte man hier in dieser Ecke wirklich nichts sehen. Nur schade, daß ich ihn hinter der Kiste liegen lassen mußte. Doch der wandernde Schein hätte mich verraten.'

Als er die Bordwand erreicht, tastet er sich suchend weiter und findet schließlich einen kleinen Platz hinter einem der Fässer. Die Luft riecht süß nach Alkohol. Als Torin sich zu den Seeleuten umblickt, merkt er, daß ihm ein Teil der Ladung den Blick auf die Szene versperren, aber zumindest der Blick auf den Aufgang ist sichtbar.

'Mist, ich bekomme hier von den Gesprächen nichts mehr mit und sehen kann ich auch kaum noch etwas. Aber dafür dürfte ich hier einiges sicherer sein.'

Während er den Aufgang beobachtet, schleichen sich Gedanken an Käfer, Ratten und anderes Gewürm in seinen Verstand. Jedes Geräusch nimmt er genau wahr. Er schüttelt sich.



Der Gefangene


'Aber.... aber... sie haben zugesperrt. Sie haben mich tatsächlich eingesperrt!'

Dieser Gedanke schießt Sylvhar immer wieder durch den Kopf, während seine Hände sich um das zugeschlossene Gitter der Segellast verkrampfen und er ungläubig durch dieses hindurch starrt. Seine Augen sind weit geöffnet, sein Atem geht schnell. Was? Was hat er ihnen getan? Wieso haben ihn die Menschen so herum gestoßen und festgehalten? Und dann in diese Kammer gesperrt? In diese dunkle, enge, übelriechende Kammer.

Er hat bei seiner Tätigkeit an Bord hin und wieder in diesen Laderaum gehen müssen, aber jedes Mal fühlte er sich unwohl dabei. Die große Entfernung zur frischen Luft und dem Licht Sha's, und die drückende Einsamkeit verspürt er jetzt, da sie ihn hier eingeschlossen haben, noch tausendmal stärker.

Leichte Schmerzen von den Kratzern auf seiner Haut und den Quetschungen der eisernen Seemannsgriffe und sonstigen Stöße an allerlei Dingen klopfen in seinem Gehirn. Wieso sind sie plötzlich so feindselig? So gewalttätig?

Er hört zwar die beiden, die ihn hier hinein gedrückt haben, aber ihre Worte dringen nicht bis in seine Gedanken. Zu weit weg sind sie, zu umnebelt. Auch, daß sie den Laderaum verlassen, nimmt er nicht wirklich wahr.

Aber das, was seine Aufmerksamkeit wiedererweckt, ist der laute Ruf vom Laderaum nebenan. Dort scheinen sich einige mehr Menschen versammelt zu haben. Einige Stimmen kennt er, andere wiederum nicht. Was sie sagen bleibt ihm schleierhaft, zu sehr ist er noch aufgewühlt und verwirrt. Was geschieht nur mit ihm? Was geht dort vor?

Hier unten fehlt ihm die Luft zu atmen, der Platz um zu leben und das Licht um zu sein. Zudem liegt dieser Ort unter Wasser, und er hat das Gefühl, daß die Wassermassen jederzeit alles eindrücken könnten. Angst macht sich in ihm breit. Sie umklammert sein Inneres und droht ihn langsam zu erdrücken....



Vor dem Laderaum


'Na das hat aber auch gedauert.'

Schlicht mit einem grimmigen Lächeln antwortet er Ole, der nun endlich dazu übergegangen ist, die Leute hinauszuwerfen. Ist er auch besessen? Oder nur mißtrauisch? Das wäre ja fast verständlich, wann treten schon einmal zwei bewaffnete Matrosen aus einem Lagerraum, in dem es rein gar nichts zu sehen gibt? Aber die Art ... nein, mit Ole wird man sich nicht über dieses sensible Thema verständigen können. So steht er erst einmal mit den Armen verschränkt da und betrachtet den Abzug. Armen ruft er noch hinterher:

"Und verehrter Herr Al' Klin Gon, wenn ich mich nicht irre ist eure Ladung im Laderaum 3 untergebracht. Das ist beim Großmast und nicht beim Fockmast. Aber ich bin mir sicher, daß hattet ihr bloß verwechselt..."

Ob dies als Drohung oder als gutgemeinter Rat dienen soll, ist schwerlich zu deuten, vermutlich wohl eher ersteres. Während er sein Entermesser wegsteckt, raunt er Swafnald zu:

"Nun mach doch endlich diese verfluchte Tür zu."



Auf den Anraunzer Thorben's zieht Swafnald fragend die Augenbrauen hoch und dreht sich noch einmal zur Tür um - doch, die ist zu. Obwohl es wohl besser wäre, wenn man sie zusperren täte, bei dem Gesindel hier unten ... beunruhigt fährt sein Blick auch über die Decke ... Hexerei und Dämonenwerk jetzt schon überall ...

'Bei Swafnir, ich hoffe wir sind nicht zu spät!'

Nervös dreht er sich wieder um "'s zu." murmelt er dem 2.Offizier zurück und blickt dann wieder gereizt zu den Passagieren und zu Ole, der ihn gerade bösartig anfunkelt.

Instinktiv ballt er die Fäuste und wirft dem alten Seemann einen fast schon herausfordernden Blick zu ... wenn's ans 'Hand'werk geht, hält er Ole für keinen ernstzunehmenden Gegner, hat der andere doch schon die besten Jahre hinter sich, Swafnald's Meinung nach. Als jener dann die Pfeife mit dem Finger löscht, besinnt er sich jedoch, daß er es vielleicht mit einem Besessenen oder Schlimmeren zu tun hat ... die Rechte Hand geht wieder zur Schutztätowierung und er weicht, wenn auch sichtbar unwillig, Ole's Blick aus.

'Wart Du nur ...'



In der Kombüse


Nachdem der Koch offensichtlich mit dem Schiffsmagus fertig ist und Ottam die Küche verlassen hat und sich zum Aufgang begibt, macht Darian einen Schritt in die Küche hinein. Da der sich der Adeptus nicht sicher ist ob der Koch seine Bitte vernommen hat, wiederholt er diese:

"Verzeiht, hättet Ihr etwas Wasser für mich ?" und denkt dazu:

´und sagt mir jetzt nicht das Meer sei voll davon, ich will es trinken.´



"Wasser? Natürlich, eine unserer leichtesten Übungen. Wieviel denn, nur für Euch oder ist ein größeres Gelage geplant?"



"Nein, ich plane kein Gelage, ich möchte lediglich meinen eigenen Durst bekämpfen." erwidert der junge Magier auf die Gegenfrage des Smutje.



Furchtsamer Radisar


"Phex zum Gruß!" Antwortet Jarun auf den Gruß des Dieners, obwohl dieser ganz offensichtlich nicht an ihn, sondern den verschwindenden Magier gerichtet war. Dabei tritt er näher an die Kombüsentür heran und stellt sich neben den Diener.

"Auch Hunger? Nun ja das Essen läßt heute auch etwas auf sich warten."



Radisar erschrickt leicht als ihn dieser sehr farbenträchtige Mann anspricht, faßt sich aber sehr schnell und lächelt den Gaukler säuerlich an, natürlich nicht ohne, zur Sicherheit, man kann ja nie wissen, ein paar Schritte zurück zu gehen. Bei seiner letzten Begegnung mit fahrendem Volk, er erinnert sich noch schmerzlich genau daran, wurde Radisar nicht nur seiner Geldbörse verlustig, sondern auch, was ihn damals noch schwerer getroffen hatte, zur Spottgestalt erhoben. Es hatten ihn ein paar Harlekine zur Belustigung des Publikums, an jenem Tag, quer über den Marktplatz gejagt, indem sie ihn immer wieder ein brennende Fackel unter den Hintern hielten und auch sonst noch üble Scherze mit ihm getrieben hatten.

"Hunger? Ich? Oh nein, mein Herr. Es verlangt mir nicht nach Speise, vielmehr will ich dafür sorgen, daß die Herrin keine Durst mehr haben muß. Wenn sie gesättigt ist, dann will ich es auch sein dafür!"

Radiar versucht zu lächeln, es bleibt aber bei den kümmerlichen Versuchen, so daß die Bewegungen der Mundwinkel eher wie nervöse Zuckungen wirken.



"Wenn ich mich vorstellen darf. Ich bin Jarun aus Fasar, Offizier des kaiserlichen Stabes zu Gareth, Bezwinger eines Riesenlindwurms, Fachmann für Vampirologie und sonstige übernatürliche Wesen, Vorsteher der Drachentanz-Akademie in Greifenfurt und berühmtester Schausteller nördlich der Khom."

Etwas außer Atem verbeugt sich Jarun vor Radisar, so gut es die momentane Enge des Unterdecks zuläßt.

Bereits beim Wiederaufrichten streckt er seine Hand zum Handschlag aus.

"Und wie ist euer werter Name," fragt er seinen Gegenüber mit dem freundlichsten Lächeln auf den Lippen, das man bis jetzt auf dem Schiff sehen konnte. Man könnte meinen, es wäre nicht gestellt, sondern das Lächeln einer Travia-Geweihten bei der Trauung ihrer besten Freunde.



Trotziger Abgang


Phexane schaut noch einmal kopfschüttelnd zu den beiden Seemännern, dann trollt sie sich langsam.

'Wenn die glauben, die Sache ist hiermit beendet, dann irren die sich - ich werde wieder hinuntergehen. Aber zuvor hole ich noch mein Florett aus der Kabine - wer weiß, was da unten lauert.'

Mit diesen Gedanken geht sie die Treppe hinauf. Oben angekommen dreht sie sich und schaut sich zu Armen um.

'Der könnte dort unten vielleicht nützlich sein.'



"Dann bin ich wohl Falsch. Ich hoffe es ist alles sicher an Bord. Ich werde jetzt nach meiner Ladung sehen."

'Um die Tür kümmere ich mich später.'

Armen dreht sich um und wirft dabei Phexane einen Blick zu.



Als Phexane Armens Blick sieht, glaubt sie zu verstehen, was er will. Sie nickt ihm, möglichst nicht zu auffällig, zu. Dann geht sie in Richtung Gemeinschaftskabine.



Durch Phexanes nicken aufgemuntert folgt er ihr, geht die Treffe hoch und folgt ihr in die Kabine. Bald hat er sie eingeholt und läuft schweigend neben ihr.



Verdutzt und mit den Worten "Bitte schön, junge Dame," tritt Jarun zur Seite als die junge Frau an der Küche vorbeigehen und in Richtung Passagiersquartiere verschwinden.

'Seltsam! Scheinbar kamen sie von dem Ladedeck. Ich dachte der Zutritt wäre für Passagiere verboten.'

Kurz spitzt er die Ohren und lauscht.

'Da sind ja immer noch Stimmen. Jemand lädt auf dem Ladedeck zu einer Feier und der gute Jarun, der weis wie man richtig feiert, ist nicht dabei.'



"Äh, ja, danke," sagt Phexane zu Jarun, als dieser für sie zur Seite tritt. Dennoch beachtet sie ihn nicht weiter, sondern geht weiter zum Gemeinschaftsraum.

Dort angekommen, holt sie aus ihrem Schrank ihr Florett. Sie zieht es kurz aus der Waffenscheide und betrachtet es kritisch: die Klinge hatte schon wahrhaft bessere Zeiten gehabt - Kratzer, eine kleine Kerbe und die Spitze ist auch schon leicht abgestumpft.

"Was soll's. Hauptsache, ich kann damit 'Dämonen' den Hintern versohlen."

Während sie über die feinen Verzierungen des Griffkorbes streicht, denkt sie an das seltsame Licht.

'Und wenn es doch ein Dämon oder zumindest ein Geist ist?'

Sie schüttelt sich bei dem Gedanken kurz, versucht sich dann aber wieder zu beruhigen.

'In der Unterstadt von Havena war es noch gruseliger, und ich bin dennoch wieder lebend von meiner Schatzsuche zurückgekehrt. Also werde ich auch mit dem Spuk dort unten klarkommen.'

Sie hängt sich das Florett um und geht mit festen Schritten zur Tür.



Furchtsamer Radisar


Mit fast tonloser Stimme, fast ebenso atemlos wie der Gaukler antwortet Radisar:

"Freut mich euch kennenzulernen, Herr Jarun aus Fasar, Offizier der ...... - tut mir leid den Rest habe ich vergessen. Mein Name ist Radisar Kummerer, Buchführer und Hauptkontorist, Wertberater und Prüfer, Spezialist für Gesteine jeder Art, Schreiber und Advokat, Landverweser, Leibdiener und engster Berater der hochgeborenen Dame von Beibach und Bruch."

Dann ergreift er Jaruns Hand und macht eine derart tiefe Verbeugung, daß es ihm gefährlich im Rückgrat kracht.



Wieder kommt einer der Passagiere und einige von der Besatzung vom Ladedeck. Jarun tritt etwas näher zur Küche, so daß er jetzt genau im Türrahmen steht, um den Weg im Gang etwas freier zu machen.

'Hochgeborene Dame von Beibach und Bruch'

"Radisar, es freut mich einen so gelehrten Herrn kennenzulernen. Und ihr seid wirklich die so zu sagen rechte Hand der hochgeborenen Dame von Beibach und Bruch."

Bewundernd und freundschaftlich klopft Jarun dem Diener auf die Schulter.

"Es muß eine wahre Ehre sein, eine solch hochgestellte und bekannte Persönlichkeit zu kennen und mit ihr zu arbeiten."



Langeweile auf Deck


Eine Zeitlang hat Hirkan es genossen, hier so schön auf Deck zu sitzen und die Sonne zu genießen. Doch so langsam beginnt die Zeit, sich in die Länge zu ziehen. Wieder wird ihm bewußt, daß auf so einem Schiff nicht viel Möglichkeit zur Unterhaltung besteht. Und wo sind eigentlich die ganzen anderen Passagiere? Da drüben kann er nur den einen Magier sehen, der sich mit einer jungen Dame unterhält, die Hirkan noch nicht kennengelernt hat. Aber wo ist denn zum Beispiel dieser unterhaltsame Gaukler, der noch vor kurzem auf den Mast geklettert ist? Gerne hätte Hirkan das Gespräch mit ihm, das auf dem Fest begonnen wurde, fortgesetzt. Oder auch diese Dame mit Namen Phexane, auch ihr ist Hirkan seit dem vorgestrigen Abend noch nicht wieder über den Weg gelaufen. Nun ja, sie werden wohl alle etwas Wichtiges zu tun haben, wenn sie bei diesem schönen Wetter unter Deck flüchten. Vielleicht trifft man sich ja nachher in der Messe.



Sigrun lauscht


Eine ganze Weile hat Sigrun nun schon an der Reling gestanden und abgewartet, in der Hoffnung, Alearas Erklärung mitzubekommen. Doch nachdem die andere Matrosin sich endlich bequemt hat, dem Kapitän und der 1. Offizierin einiges zu erklären, sind die Fragen nicht unbedingt weniger geworden. Nein, Aleara verhält sich nach wie vor entschieden merkwürdig! Sigrun ist nicht näher an die Brücke herangetreten, doch konnte sie bei der vorherrschenden Ruhe auf dem Oberdeck das meiste von dem verstehen, was Aleara und die Anderen gesagt haben. Als der Kapitän vorschlägt, Ole hinzuzuziehen, zieht sie erst leicht die Stirn kraus, doch dann nickt sie unwillkürlich. Zwar hat sie von Oles 'Kommunikation' mit dem Wal nur gehört, war sie doch während dessen mit (zumindest für sie) wichtigeren Dingen beschäftigt, aber daß der Schiffszimmermann ungeahnte Fähigkeiten verbirgt, ist ihr schon häufiger aufgefallen. Ja, vielleicht kann Ole helfen, eine Erklärung zu finden.

Doch Lowanger scheint von dieser Möglichkeit nicht so überzeugt zu sein. Jedenfalls schickt er niemanden los, um Ole zu suchen, sondern versucht nun seinerseits, mehr von Aleara zu erfahren.

Hm, das Problem scheint viel Zeit in Anspruch zu nehmen, doch es ist im Moment ja auch nichts zu tun. Also beschließt Sigrun, zunächst weiter abzuwarten, um vielleicht noch mehr zu erfahren.



Alrik sucht Ole


Vorerst hat ALRIK nur noch ein weiteres Kopfschütteln für Wasuren übrig, als dieser mit offenen Augen zu träumen beginnt. Wenn er nicht sicher wüßte, daß Wasuren nur zu gut ausgeschlafen hat, dann würde er ihm raten, sich doch noch für ein Stündchen irgendwo hinzulegen - aber vielleicht ist dieses Verhalten ja mehr die Folge von zu viel Schlaf. Diesem Gesundheitsrisiko fühlte sich ALRIK jedoch noch nie ausgesetzt, denn dummer weise bleibt aufkommende Faulheit des Schiffsjungen niemals unentdeckt.

Gerade jetzt bietet sich wieder ein erstklassiges Beispiel dafür. Nirka kommandiert gerade lautstark von der Brücke und irgendwie dösen alle recht unmotiviert vor sich hin, niemand fühlt sich angesprochen und alle warten wohl darauf, daß das kleinste Glied in der Kette - also der Schiffsjunge - sich der Angelegenheit annimmt.

"Ach, nichts Wassy."

ALRIK steht derweil auf.

"Bin gleich zurück, ich geh' dann mal Ole suchen ..."

In einem zügigen, arbeitssamen Tempo stapft ALRIK den Abstieg zum Oberdeck hinunter. Dort hält er sich gar nicht lange auf, sondern steigt gleich noch zum Unterdeck hinab.

Irgendwo hatte er Ole doch gesehen, als er vorhin aus der Küche kam, erinnert sich der Junge dunkel. Doch momentan ist nichts vom Schiffszimmermann zu sehen.

"OLE?!" brüllt ALRIK lautstark, so daß es sicherlich auf den Gängen des Unterdecks und teilweise auch in den angrenzenden Räumen noch gut zu vernehmen ist.



"Na dann !! " kann Wasuren gerade noch antworten bevor der Schiffsjunge wegflitzt.

Und schon ist er wieder ganz in sich versunken. Er lehnt sich am Geländer an und versucht ein wenig Ruhe zu finden. Einem aufmerksamen Beobachter fällt vielleicht auf, daß seine Augenlider anfangen zu flackern und seine Pupillen sind unnatürlich klein sind.



Glücksgefühle


Reckinde läßt sich in einen der gepolsterten Stühle fallen und denkt nach.. Nervös trommelt sie mit den Finger auf der schwarzen Schatulle, die sie auf dem Tisch abgestellt hatte, herum. Das ergibt einen blechernen Klang, der sich aber erst nach und nach in Reckindes Bewußtsein bohrt. Ach ja, die Schatulle! Reckindes Gesichtszüge werden weich, ja fast liebevoll und sie streichelt das kalte Metall, als wäre es ein Kuscheltier aus Kindheitstagen.

Sie erhebt sich und öffnet den Deckel. Sofort ändert sich ein wenig das Licht im Raum. Man könnte meinen, der Inhalt der kleinen, bewehrten Metallkiste würde glühen.



Im Laderaum

Nachdem sich nun alles (vorerst) geklärt hat, nimmt Thorben einen Schlüssel aus einer seiner Taschen und verschließt die Tür.

'Ich würd' mich ja nicht wundern, wenn der Nächstbeste hier gleich wieder rein spaziert - aber es soll mal einer wagen, die Tür aufzubrechen...'

Mit einem Blick zur Decke wendet er sich an Swafnald:

"Komm' Swafnald, ich weiß nicht wieviel Zeit blei ..."

Hier unterbricht er sich kurz. Wie war das mit Ole? Nein, kein Risiko eingehen.

"Ich habe keine Lust mir hier unten die Beine in den Bauch zu stehen."

Das von oben Alriks Stimme laut nach Ole brüllt kommt ihm natürlich entgegen, dann lungert der hier nicht noch weiter herum.

"Ich glaube Alrik will 'was von dir", meint er lapidar zu ihm, als er an ihm vorüber dem Aufgang geht.



Den Ruf Alrik's hat Ole nur im Unterbewußtsein wahrgenommen, zu sehr war er darauf bedacht, die in ihm aufkeimende Wut zu unterdrücken. Keine Bewegung, keine noch so kleine Regung Swafnalds ist ihm entgangen, Ole fixiert ihn, als wäre er ein wildes Tier, dem man nicht trauen kann. Für einen Moment hatte der Schiffszimmermann schon den Eindruck, der Matrose wolle sich auf ihn stürzen, denn auch Swafnald macht aus seiner Feindseligkeit keinen Hehl. Doch soll der doch nur kommen, der junge Spund, er würde ihn dann schon beuteln wie SWAfnir die elende Seeschlange, dem Abgott echsischen Gezüchts. Doch der kleine Rest Vernunft, der in Ole wach geblieben ist, vermag den Ungestümen zu binden, da ihn die innere Stimme an sein rotes Stirnband erinnert und zu mehr Friedfertigkeit ermahnt. Ole entspannt sich etwas und dann noch mehr, als ihn Thorben darauf aufmerksam macht, daß Alrik ihn gerufen hätte. Aber bei SWAfnir, dieser Swafnald würde ihm nicht entkommen.

'Nicht einmal in Augen kann der einem schauen!' denkt sich Ole und dann wendet er sich langsam zu Gehen, sehr langsam, lauernd und sichernd, als könnte ihn Swafnald von hinten angreifen wollen, sähe ihm gleich.

Als Ole den Aufgang erreicht verzieht er das Gesicht zu einem spöttischen Grinsen.

"Ja, dann will ich doch mal sehen, was der Junge von mir will. Hier störe ich wohl. Ihr könnt mit euerem Tun fortfahren ....!" - 'was immer es sein mag!' vollendet er in Gedanken.

Dann steigt er in das Unterdeck auf und ruft mit dröhnender Stimme:

"ICH KOMME RAUF ...!"



Zufrieden über die schnelle Auffindbarkeit des Schiffszimmermanns, geht ALRIK ihm gleich noch ein paar Schritte entgegen. Auf dem Unterdeck, vielmehr vor der Kombüse, halten sich allerhand Passagiere auf - und die müssen ja nicht unbedingt alles mitkriegen. Und so antwortet ALRIK in angemessener Lautstärke:

"Der Käpt'n schickt nach dir. Da ist gerade 'ne größere Versammlung auf dem Brückendeck. Ich glaub', es hat was mit Aleara zu tun, jedenfalls ist sie auch dort."

Mit einer ausladenden Handbewegung, die mit einem Fingerzeig in Brückenrichtung endet bekräftigt ALRIK seine Worte. Dann aber fällt sein Augenmerk auf die säuerliche Miene das Zimmermanns. ALRIK hat bereits eine vorwitzige Bemerkung auf den Lippen, doch im letzten Moment überlegt er es sich doch noch anders und schluckt sie hinunter.



Auf der Brücke


Jergan nimmt das Nicken des dritten Offiziers mit einem ebenfalls kaum merklichen Nicken zur Kenntnis - bei derartigen Dingen ist ihm die Meinung des erfahrenen Wulf Lowangers wesentlich wichtiger als die von Fiana - ungeachtet der Tatsache, daß diese einen höheren Rang an Bord innehat.

Seine Blicke schweifen wieder über das Schiff, und er sieht, daß der Schiffsjunge als Reaktion auf Nirkas Ruf aufspringt und den Niedergang herab eilt - ob Ole gerade unten schläft? Oder fürchtet Alrik, daß er den Ruf nicht gehört hat. Wie es dem auch sei... Jergan nimmt sich vor, dem Schiffsjungen bei Gelegenheit mal ein paar aufmunternde und lobende Worte für seinen Eifer zu sagen.



Zustimmung steht in Fianas Gesicht geschrieben, Ole kann hier sicher eine Hilfe sein, zu unüblich war sein verhalten als der Wal die Nordstern begleitete.



Joanna und Alrik


"Ja, interessieren würde es mich schon, wann es essen gibt."

Joanna wartet ab, bis sich der Magier auf den Weg macht, um ihm dann zu folgen.

'Hoffentlich weiß er wie man zur Kombüse gelangt. Er scheint sich ja nicht so sicher zu sein.'



"Folgt mir edle Dame, wir müssen den Niedergang am Großmast nehmen um zu Küche zu kommen. dort sollte der Smutje sein."

Der Magier deutet mit einer Hand in die Richtung des betroffenen Niedergangs, verbeugt sich huldvoll und bietet Joanna den anderen Arm an."



Ein Lächeln breitet sich über Joannas Gesicht aus und sie nimmt Alriks Arm

an. Während sie dem Magier folgt, fragt sie ihn:

"In dem Gebiet der Heilung seid ihr nicht so begabt? Es würde mich aber wirklich interessieren in welchen Gebieten der Magie ihr besonders begabt seid.

" Erwartungsvoll blicken ihn die schwarzen Augen der Druidin an.



Geheimnisvolles Licht


Kurz vor der Tür stoppt Phexane noch einmal und dreht sich zu Armen um.

"Sagt, was haltet ihr davon, wenn ihr euch die Sache mit dem Licht mal genauer ansehen würdet? Vielleicht findet ihr ja heraus, wo das herkommt. Ich würde mir dann derweil die Tür und den Raum dahinter vornehmen."

Sie dreht sich dann wieder zur Tür um und öffnet sie einen Spalt.

"Aber zuvor müssen wir darauf achten, daß diese beiden Fischköpfe von Seeleute aus dem Laderaum verschwinden. Ich würde sagen, wir plazieren uns bei der Küche und beobachten die Treppe. Bei der Küche würden wir sowieso nicht auffallen, da dort gerade ein paar Leute herumstehen."



"Eine gute Idee. Da fallen wir sicher nicht auf. Kann uns nicht auch euer Bruder helfen?"



"Mein Bruder? .... Ach, Alrik! Na, ich weiß nicht. Der war vorhin ganz vertieft in ein Gespräch mit einer Frau," antwortet Phexane.

'Außerdem will ich mich dort unten nach etwas Wertvollem umsehen. Wenn noch mehr Leute dabei sind, habe ich dafür keine Ruhe mehr. Es reicht schon, daß dieser Händler dort sein wird.'

Phexane öffnet nun die Tür und geht in Richtung Kombüse.



"Er ist doch Magier. Er könnte uns doch bei dem komischen Licht helfen. Wo ist er den?"



Phexane lehnt sich an die Wand neben der Kombüsentür, nickt den dort Anwesenden kurz zu und verschränkt die Arme. Leise sagt sie zu Armen:

"Ja, er ist Magier. Aber wir kriegen das schon hin. Vertraut mir! Ich habe schon wesentlich gruseligere Sachen erlebt als so ein lächerliches Licht! Wahrscheinlich ist es nur irgend so eine Lampe."

Phexane ist selber nicht so sonderlich überzeugt von ihren Worten, läßt sich aber nichts anmerken. Statt dessen schaut sie zum Niedergang und achtet darauf, ob sich dort noch was tut.

'Alrik würde es bestimmt nicht gefallen, wenn ich aus dem Laderaum was mitgehen lassen würde. Er bleibt besser dort wo er ist.'



"Dann machen wir es halt ohne ihn. Ich hoffe du hast recht." raunt Armen Phexane zu.

"Was gibt es denn heute zu Essen?" fragt Armen laut.

'Ich hoffe sie weiß, was sie tut.'

Armen versucht etwas verstohlen Phexane zu beobachten.

'Schön ist sie ja, auf ihre Weise.'



Ottam auf der Brücke


Langsam beißt Ottam ein Stück vom Brot ab, während er das Brückendeck erreicht.

'Hmmm dort steht die Matrosin die während der Feier ins Wasser sprang, und fast sie gesamte Führungsmannschaft, das scheint interessant zu werden'

Leichter Zorn breitet sich bei Ottam aus, offensichtlich geht es hier um etwas Wichtiges und man hat ihn nicht hinzu geholt. Sichtlich angestrengt zwängt er sich ein Lächeln auf und spricht in die Runde:

"Hesinde zum Gruß, gibt es etwas Wichtiges zu besprechen" fragt er gespielt unschuldig.






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