- Logbuch der NORDSTERN -

Im Hafen von Prem - Teil 2 - (Fiana's Feier) 19.Efferd, 28 nach Hal

Die Feier wird eröffnet


Die Praiosscheibe ficht gerade ihren alltäglichen Kampf mit der unendlichen Tiefe von Efferds Element. Und wie an jedem Tag unterliegt sie. Ein wunderbares Schauspiel von Rot-, Gelb- und Violettönen bietet sich dem Betrachter, bis sich die schwarzblauen Fluten schließen und die feurige Scheibe verschlucken, wo sie Kraft sammeln kann um am morgigen Tag erneut den Kampf aufzunehmen.

Fiana bemerkt von all dem nichts, sie überprüft derweil die eingetroffene Ware für die Feierlichkeiten.

'Nun es scheint alles da zu sein, Feuer, verschiedene Sorten Bier, Grog.und etwas zu Essen.'

Ausgibig betrachtet sie das fertig zubereitete Wildschwein, herrlich wie das duftet, es kostet einiges an Mühe nicht schon zu kosten. Aber auch Brot, Hartwurst und Käse sind vorhanden. also alles was man für eine zünftige Feuer benötigt.

Fiana beauftragt 2 Matrosen damit an Deck das Essen und die Getränke auf. zwei großen Kisten anzurichten. Sie selbst geht jetzt zum letzten Schritt ihrer Vorbereitungen über. Sie entledigt sich ihrer Kleidung und zieht ihr Geschenk von Onkelchen an. Das traumhafte lange dunkelblaue Samtkleid betont ihre Figur aufs Trefflichste. Wunderbar weich und sanft fühlt sich der Stoff an. Sie blickt an sich hinab und kann nicht umhin den wahrlich nicht sehr züchtigen Ausschnitt zu Bemerken. Rahja hat sie allem ausgestattet das richtig zur Geltung gebracht Männer dahin schmelzen läßt. Sie gefällt sich, das ist ihrem Gesicht ganz klar zu entnehmen. Über dem Kleid trägt sie einen schmalen silbernen Gürtel, der ausschaut als sei er aus unzähligen Silberfäden die kunstvoll verwoben sind. Die silbernen Borten am Kleid passen wunderbar dazu und runden den Gesamteindruck ab. Die Füße werden in feine schwarze Lederschuhe gekleidet. zum guten Schluß entfernt sie vorsichtig das Kopftuch und läßt den langen, inzwischen welligen und offen getragenen roten Haaren freie Bahn. Diese reichen bis über das Gesäß hinab, da sie jetzt nicht mehr durch den Zopf verkürzt sind. Weit und weich fallen sie über Rücken und Schultern.

So herausgeputzt begibt sie sich auf das Deck, wo sie laut die Feierlichkeiten für eröffnet erklärt.

"Es ist Zeit, Praios hat Efferd geküßt. Laßt uns mit dem Feiern beginnen! Hier ist Platz, Speis und Trank für alle. Wer möchte kann sich eine Kiste oder ähnliches zum Setzen holen."



Sören beeindruckt


Der Smutje, der die Zeit bis zur Feier auf dem Oberdeck zugebracht hat, wo er teils seinen Gedanken nachhing und teils den Hafen betrachtete, schnappt nach Luft, als Fiana die Feier eröffnet.

'Donnerwetter, das... Donnerwetter.'

Nachdem er die Offizierin zur Genüge gemustert hat (was durchaus eine Weile dauert) beschließt er, daß er lange genug untätig herumgestanden hat und beginnt sich nach potentiellen Gesprächspartnern umzusehen.



Sigrun und Nirka


Nirka hat die Zwischenzeit für allerlei Kontrollen an Bord benutzt und steht zum Zeitpunkt des Auftrittes von Fiana in der Nähe von Sigrun auf dem Deck. Sie hat sich kein bißchen umgezogen, sie trägt noch immer die abgetragene Arbeitshose und das ärmellose, ein wenig bauchfreie Hemd, das sie den ganzen Tag anhatte, und auch ihre schulterlangen Haare hängen wie gewohnt ziemlich wirr in der Gegend herum.

Beim Anblick Fianas dreht sie sich zu Sigrun um, und in den leicht schräg stehenden Augen blitzt der Schalk.

"Könntest du so etwas tragen, ohne dich lächerlich zu fühlen?" wispert sie in der Nähe von Sigruns Ohr, während sie scheinbar damit beschäftigt ist, eine schwere Seil-Trommel in die optimale Lage an der Reling zu schieben. Die Trommel ist im umgekippten Zustand wie geschaffen als Sitzplatz für zwei Personen, und genau das scheint der Zweck der Rückerei zu sein.



Sigrun ist in der Zwischenzeit kurz im Mannschaftsraum gewesen. Doch dort herrscht eine etwas merkwürdige Stimmung, die nicht gerade zu einem längeren Aufenthalt anregt. Daher geht sie relativ schnell wieder und faßt lieber hier und da bei den Aufbauarbeiten auf Deck mit an.

Als Fiana den Beginn der Feier verkündet, steht sie deshalb an der Reling und beobachtet das langsame Eintreffen der Gäste. Bei Fianas Anblick muß sie ein wenig lächeln: Hat sie sich doch gedacht, daß die Offizierin es sich nicht nehmen lassen würde, sich ein wenig auszustaffieren. Sigrun selbst hat ihre Kleidung natürlich nicht gewechselt. Sie ist Matrosin und der Inhalt ihres Seesacks beschränkt sich auf das Nötigste. Und da sie schon am Morgen, vor dem Landgang, das von der Arbeit dreckige Hemd gegen ein ebensolches, aber sauberes, Exemplar ausgetauscht hat, empfindet sie sich als durchaus angemessen gekleidet. Auf Nirkas Frage hin beginnt sie ebenfalls zu grinsen.

"Ich wüßte gar nicht, wie man sich mit so etwas bewegen soll!"



Nirka hat nun die Seiltrommel in eine brauchbare Lage geschoben, und erwidert dann, diesmal offen in Sigruns Richtung, allerdings immer noch recht leise:

"Das ist allerdings auch wahr! Ich weiß aber nicht einmal, ob ich die nötige Geduld hätte, um es überhaupt anzuziehen! Das sieht ziemlich kompliziert aus."

Sie macht dabei Anstalten, sich auf die Seiltrommel zu setzen, und zwar so, daß ein zweiter Sitzplatz auf selbiger frei bleibt.



Jergan


Jergan ist in der Zeit vor Fianas Ankündigung nur einmal für etwa zehn Minuten in seiner Kajüte verschwunden und hat sich umgezogen.

Statt der abgetragenen Arbeitskleidung trägt er jetzt saubere, fast neue Sachen, die er für genau solche Anlässe besitzt: Eine dunkle Hose und ein fast weißes, recht langes Hemd, und dazu einen Gürtel, dessen Schnalle zwei Delphine trägt. Er wirkt in dieser Kleidung ein wenig fremdartig, aber keineswegs herausgeputzt.

Nach dem Umziehen ist er wieder auf dem kürzesten Weg auf das Brückendeck gegangen, von wo aus er nun das bunte Treiben auf dem Schiff beobachtet, zusieht, wie Matrosen Dinge durch die Gegend tragen, andere sich Sitzgelegenheiten suchen, wieder andere gute Plätze auf Seilrollen oder den Stativen der Winden erobern. Auch die kleine Treppe zum Vordeck findet rasch "Besitzer".

Der Kapitän selbst verharrt erst einmal auf dem Brückendeck und läßt fast gewohnheitsmäßig die Augen über seine Mannschaft gleiten. Es scheinen alle da zu sein... oder... oder doch nicht?

Eine Matrosin, die bisher noch nie negativ auffiel, scheint zu fehlen. Er denkt kurz nach, dann fällt ihm ihr Name ein: Aleara. Aber vielleicht ist sie auch einfach nur unten - er nimmt sich vor, Nirka nachher zu fragen.

Apropos Nirka... seine Augen suchen die Bootsfrau, und dann verzieht sich sein Gesicht zu einem Grinsen. Es war völlig klar, daß Nirka sich NICHT herausputzt!



Alrik wieder frech


Nachdem Alrik sich in seine gewohnte Kleidung gehüllt hat, fühlt er sich schon sehr viel wohler. Von Babo so spontan zur Faulheit animiert, legt sich Alrik noch kurz in seine Hängematte, schaukelt ein bißchen hin und her und hängt seinen Gedanken nach. Ach ja, die liebliche Rahjana...

Alrik schreckt aus seinen Träumen auf, als laute Geräusche von oben her hört. Die Feier, natürlich! Jetzt aber keine Zeit verlieren! Von oben, vom Deck aus hört man schon ständiges Getrappel und Getöse, ganz so als ob allerlei Behältnisse hin und her gerückt werden. Schnell springt Alrik auf. Das kleine Geschenk liegt noch hübsch verpackt auf Alriks Seekiste bereit. Vorsichtig nimmt sich Alrik eben dieses und schickt sich dann an, hurtig die Treppe zum Oberdeck zu erklimmen. Sein erster Blick fällt auf die Offizierin, die sich einer atemberaubenden Verwandlung unterzogen hat. DAS soll Fiana sein? Der laute und obendrein ziemlich freche Pfiff, der quer über das Deck schallt, ist eindeutig auf den Schiffsjungen zurückzuführen.



Gerade will Fiana beginnen ein Feuer einzuschenken, da hört sie einen Pfiff. Schnell blickt sie zu Alrik hinüber und wirft diesem einen seltsamen Blick zu, nicht böse das ist wohl zu erkennen. Mehr ein 'hättest du wohl nicht gedacht'-Blick, ein Schmunzeln kann sie sich dabei nicht verkneifen.



Alrik blickt weiterhin frech in Fianas Richtung. Sicher, die Offizierin ist gleich die Ranghöchste nach dem Kapitän. Aber Alrik hat bei Fiana noch nie einen Moment erlebt, wo sie hochnäsig oder autoritär auf ihren hohen Rang gepocht hätte. Und so kann er sich auch jetzt nicht vorstellen, daß ein paar vorlaute Pfiffe gleich ihren Unmut hervorrufen. Ansonsten hat er ja immer noch das kleine Geschenk parat, um sie zu besänftigen. Alrik überquert das Deck und steuert geradewegs auf Fiana zu. Doch Kapitän und Schiffsmagus scheinen ihm zuvor gekommen zu sein. Also stellt er sich brav hinten an, bis er endlich an die Reihe kommt, um Fiana zu gratulieren.



Der über das Schiff hallende Pfiff bringt den Kapitän zum Grinsen. Ein rascher Blick nach vorne fügt dem Grinsen, das immer noch deutlich in seinem Gesicht zu sehen ist, auch noch den Ausdruck der Überraschung hinzu, denn Alrik war nicht unbedingt derjenige, den er als Verursacher des Geräusches zuerst im Verdacht hatte. Er löst sich von seinem Platz auf dem Brückendeck und geht langsam vor zu der auf das Oberdeck führenden Treppe, die er langsam und gemessenen Schrittes herab schreitet. Er ist sich dessen bewußt, daß sein Auftritt als Kapitän wirksamer wäre, wenn er damit warten würde, bis ein wenig Ruhe eingekehrt ist, aber genau das möchte er vermeiden. Langsam geht er auf Fiana zu, während Mannschaftsangehörige, die zufällig im Weg stehen, ihm bereitwillig Platz machen. Nebenbei führt dieser ruhige Auftritt auch dazu, daß die meisten lautstarken Gespräche der Matrosen untereinander verstummen.

Auf den meisten Gesichtern ist Freude und Erwartung zu lesen, aber einige wenige zeigen auch etwas anderes, weniger freundliches. Der Kapitän ist jedoch zu abgelenkt, um das zu bemerken.



Ottam bemüht sich wie immer eine möglichst imposante Erscheinung zu sein. Zweifellos ist seine Gewandung dafür bestens geeignet. Doch als er dann diese rothaarige Frau 'IST DAS WIRKLICH FIANA?' an Deck erscheint, ist er ziemlich aus der Fassung gebracht. Immerhin war seinen Blicken nicht entgangen, daß Fiana in anderer Kleidung sicherlich vorteilhafter wirken würde, aber DAS hätte er nicht erwartet. Nur unter Aufbietung größter Selbstbeherrschung gelingt es ihm, es nicht dem Schiffsjungen gleichzutun. Langsam schreitet er in Fianas Richtung.



Belvolio auf dem Fest


Nach dem ihm dieser Matrose seine Kabine gezeigt hat, verweilt Belvolio dort kurz und verstaut das Paket auf seinem Rücken unter der Koje, von der er glaubt das sie ihm gehört. Dann streicht Belvolio den Straßenstaub von seiner Robe und ordnet die vom Wind zerzausten Haare.Danach verläßt er seine Kabine und begibt sich hinauf zum Oberdeck, er schaut sich um, geht in richtung Vorderdeck und Betrachtet dabei den Hafen.

Am Vorderdeck angekommen lehnt sich Belvolio an die Rehling, genießt die frische Brise des Abends und beobachtet zwei Matrosen die damit beschäftigt sind eine große Menge Essen und Trinken auf zwei Kisten zu stellen. Viele der Leute an Bord, so scheint es, haben sich zurecht gemacht, ähnlich wie der Magier mit Belvolio vorhin noch verhandelt hatte.

"Ob wohl eine Feier ansteht ?" fragt sich Belvolio in Gedanken versunken.

Nach einiger Zeit betritt eine elegant gekleidete Frau das Oberdeck, die mit lauter Stimme verkündet das die Feier eröffnet ist.

"Es gibt momente im Leben in denen man nur bedauern kann schon so alt zu sein" denkt sich Belvolio beim Anblick dieser Frau, und beschließt erst einmal abzuwarten, um herauszufinden, um was es bei dieser Feier eigentlich geht.



Hirkan


Nach der Rückkehr zu seinem Lager im Gemeinschaftsraum hat Hirkan sich zunächst der dreckigen Kleidung entledigt. Glücklicherweise hat er sich doch vor Beginn der Reise entschieden, eine Garnitur Ersatzkleidung mitzunehmen, die er jetzt dem alten Koffer entnimmt. Auch diese Kleidung, eine aus leichtem, doch schlichtem, Stoff gefertigte Hose mit einem langen Oberteil aus dem gleichen Material, zusammengehalten von einem dunklen Ledergürtel, kann über ihr Alter nicht hinweg täuschen. Doch auch hier sind nur die leichten Abdrücke zu sehen, die durch das Liegen in dem Koffer verursacht wurden. Kein noch so kleiner Fleck oder Knick sind zu entdecken.

Zunächst legt Hirkan diese 'neue' Kleidung an, bevor er sich der gerade völlig verdreckten 'Alten' zuwendet. Doch schon ein Blick zeigt ihm, daß sich der gewünschte Zustand wohl kaum hier an Bord herstellen läßt. Säuberlich rollt er mit einem Kopfschütteln ein Bündel, das er durch ein außen mit verschnürtes Tuch vor weiterem Dreck schützt. Da wird er wohl morgen in der Stadt nach einer Reinigungsmöglichkeit suchen müssen.

Nachdem er all diese Arbeiten verrichtet hat, nimmt er wieder einmal sein Schreibzeug zur Hand. Nur kurz möchte er die Ereignisse des Tages festhalten, um später nichts zu vergessen. Hiermit ist er beschäftigt, bis geschäftiges Treiben von oben zu hören ist. Ob die Feier wohl jetzt beginnt? Es hört sich fast so an. Schnell schreibt er noch den Satz zuende, streicht sich kurz glättend durchs Haar und nimmt das gemeinsam mit Dajin erstandene Geschenk zur Hand. Daraufhin begibt er sich zu der Kabine, in der er Dajin vermutet (D2), und klopft an.

"Herr von Tarschoggyn! Seid Ihr bereit? Es hört sich an, als hätte die Feier bereits begonnen!"



Dajin öffnet die Tür zu seiner Kabine

"Ja einen Moment noch", er trägt eine schwarze Lederhose und ein weißes Hemd. Seine Kleidung wirkt sehr gepflegt und sauber. Einen Moment hält er seine Schwerter in der Hand und es sieht fast so aus als wolle er sie auch zur Feier tragen. Dann aber entschließt er sich anders und legt sie auf sein Bett. Dann tritt er zu Hirkan nach draußen, verschließt noch die Kabinentür und geht dann Richtung Deck.



Als Hirkan für einen Moment denkt, Dajin würde selbst zu einer solchen Feier seine Schwerter mitnehmen, ist er etwas verwirrt. Der Mann muß wirklich schlimme Erfahrungen gemacht haben, wenn er das für nötig hält. Doch dann läßt Dajin die Schwerter doch zurück und Hirkan ist erleichtert.

Er schließt sich dem Maraskaner an und folgt ihm an Deck. Dort sieht er sich zunächst einmal das gesellige Treiben an und sucht mit den Augen nach Fiana. Als er sie entdeckt, gleitet ein anerkennender Blick über sein Gesicht. Diese Frau weiß wirklich, wie man sich gekonnt kleidet! Schon will er auf sie zugehen, als er bemerkt, daß der Kapitän eben dies gerade tut. Der will sicherlich, wie es ihm zusteht, als erster gratulieren. Also bleibt Hirkan zunächst stehen und wartet ab, bis sich der Gratulationsandrang etwas gelegt hat.



Sylvhar mit der Flöte


Nach langer und ausgiebiger, aber weder gehetzter noch mißmutiger, Reinigung seiner beinernen Flöte sitzt Sylvhar noch immer auf der Treppe zum Vordeck. Er bewunderte wie jeden Tag das große Naturschauspiel der untergehenden Sha, als Fiana die Feier als eröffnet erklärt. Sylvhar ist erstaunt über das veränderte Äußere vieler an Bord. Er selber ist immer noch gleich gekleidet wie sonst auch - außer den dicken Pelzmantel, den er hier im warmen Süden schon seit einigen Tagen nicht mehr trägt. Die ärmellose, beige, kurzhaarpelzige Weste, die grauweiße Fellhose steckt in hohen Lederstiefel. Ein breiter lederner Gürtel, mit einer beinernen, in Form einer Firunsbärentatze geschnitzten Schnalle, sorgt dafür, daß die Hose an ihrem Platz bleibt. Seine Schultern sind ganz leicht gerötet, ist doch die Sonne hier im Süden stärker und er sich nicht so sehr gewohnt, ohne dicke Kleidung länger im Freien zu sein. Die schneeweisen Haare, die nach einigen Tagen auf See noch immer so aussehen wie als er an Bord kam, trägt er offen und sie fließen ihm förmlich bis an die Hüften hinunter. Mittlerweile haben sich noch einige andere Leute auf die Treppe gesetzt, aber noch keiner hat ihn angesprochen. Somit beschränken sich seine rubinroten Augen, funkelnd wie Edelsteine im letzten Tageslicht, das Geschehen an Deck zu beobachten.



Ole, der Musikant


Ole hält sich gar nicht lange im Mannschaftsraum auf, es ist ja schließlich schon perfekt bekleidet für die Feierlichkeit. Oh ja, Ratthalde hat sich nicht lumpen lassen, die feinen Kleider passen wie angegossen, eine Tatsache die erstaunen läßt, denn die körperliche Ausmaße Ole's gestatten keine 'Jedermanns-Größe'! Ratthalde muß diese Kleider nur für ihn aufbewahrt haben, für den Tag, da er wieder an ihre Tür klopfen würde und dieser Tag war heute gewesen und der Zufall hat es gewollt, daß er die feinen Kleider gleich darauf würde gebrauchen können, Abends auf Fianas Tsafest. Ole schlingt sich noch ein dunkles Kapuzencape um, es dürfte kalt werden mit der Zeit, oben an Deck. Dann öffnet er seinen Seesack und kramt darin herum. Es dauert eine Weile, bis er in diesem geräumigen, aber auch prall gefüllten Behältnis gefunden hatte was er suchte. Triumphierend zog er ein Bandoneon hervor. Er hatte es schon seit langer Zeit nicht mehr gespielt, nie hatte sich eine Gelegenheit dafür ergeben. Seine Drehleier, die ihm bei seiner Suche auch in die Hände gefallen ist ignoriert er, ihr Ton wäre zu traurig und zu klagend für ein Freudenfest wie heute. Dann schon lieber das muntere Geleit aus den Falten der kleinen 'Seemanns-Quetsche'. Probend spielt Ole einen kleinen Norbarden-Tanz und ist im ersten Augenblick gar nicht zufrieden mit dem Klang seines Instrumentes. Irgendein Mißton hat sich da eingeschlichen. Aber Ole ist sehr erleichtert, als er feststellen darf, daß der schräge Klang nicht aus einem Schaden des Instrumentes herrührt, sondern aus dem Gaumen des hörbar schlafenden Babo. Das Bandoneon ist also voll intakt. Der Balg ist ohne jedes Leck und die Ventile sind gängig und schließen gut. Na, dann kann es ja losgehen. Ole schlendert zur Treppe.



Auf dem Oberdeck geht es bereits zu wie auf dem großen Markt zu Fasar. Ole muß sich mehrmals deutlich räuspern, bis ein paar umher stehende Matrosen, die sich sehr ungünstig vor der Treppe postiert hatten, den Weg freigeben. Ole hat es gar nichts so eilig und hat daher sein Anliegen in dieser sehr spaßigen Form vorgetragen. Dennoch reagieren die angesprochenen Seeleute sehr mürrisch. Ole wundert dies. Wie kann man an einem solchen Freudentag nur so schlechter Laune sein. Aber Ole will sich davon gar nicht anstecken lassen und so hat er schließlich für diese 'Grummler' nicht mehr übrig als ein fragendes, aber nicht sehr nach einer Antwort heischendes Schulterzucken.

Doch die meisten der Anwesenden sind guter Dinge und denen will es Ole nachtun. Er blickt sich suchend auf dem Deck um, um Fiana ausmachen zu können, doch er kann sie zunächst nicht finden. Ein paar Mal hat er die rassige, rothaarige Schönheit, die im Mittelpunkt einer Menschenansammlung zu entdecken gewesen wäre, trotz größtmöglicher Konzentration glatt übersehen. Doch dann fällt Ole auf, daß sich dort auch der Kapitän, der Schiffsmagus, kurz eben alle, die an Bord etwas zu sagen haben, aufhalten, um die rothaarige Dame nach Kräften hochleben zu lassen. Dann erst erkennt er Fiana und er ist dabei nicht minder erstaunt. Kommt es ihm doch so vor, als habe sich eine Raupe in einen wunderschönen Schmetterling verwandelt. Dabei könnte er nicht behaupten, daß er Fiana in ihrer alltäglichen Erscheinung als unattraktiv ansehen würde, doch was er jetzt sieht kommt ihm nun vor wie eine fleischgewordene Lichtgestalt. Er hätte das Fiana nicht zugetraut, daß sie ihrer Schönheit derartige Bedeutung getatten würde. Ole ist völlig überrascht. Fast wäre ihm sein Instrument entglitten, doch die Handschlaufe verhinderte Schlimmeres und Ole packte wieder zu, hatte es wieder gut im Griff.

Und so stellt er sich nun breitbeinig auf das Deck und beginnt zu spielen. Er spielt einen Nostrischen Zechermarsch, der, gerade von feiernden Menschen, immer wieder gerne gehört wird!



Darian auf dem Fest


Nachdem der Magier doch noch einen Sitzplatz auf einer alten Kiste ergattern konnte, hat er endlich Zeit sich die Anwesenden genauer anzuschauen. Die meisten scheinen Matrosen zu sein, denn sie tragen auch jetzt die einfache Arbeitskleidung der Seeleute. Doch dann entdeckt Darian eine groszgewachsene, rothaarige Frau in einem blauen Kleid.

´Ob sie die Offizierin ist ?´



Adrian geht .....


Adrian Sternenstaub, der verschwiegene Magus aus Doppelkabine D1 packt seine Habseligkeiten zusammen.

'Ich bin spät dran', mahnt er sich, 'bald ist die Tsafeier im vollen Gange und ich wollte doch schon längst in diesem Gasthof sein. Hätte ich doch nur eher erfahren, daß der gute Doctor in dieser Stadt ist. Hoffentlich ist er nicht verärgert, wenn ich so spät noch auftauche. Aber es ist wirklich besser, wenn ich diese heikle Angelegenheit jetzt gleich erledige ....'

Eiligst stopft er die letzten Gegenstände in seine Taschen und verabschiedet sich dann mit kurzem Gruß von seinem Kabinennachbarn.

'Nur gut, daß ich die finanziellen Dinge und die Verabschiedung schon am Nachmittag erledigt habe, als es ruhiger war. So brauche ich mich jetzt wenigstens nicht mehr aufhalten lassen.'

Mit gehetztem Gesichtsausdruck hastet der Magus von Bord, ohne Notiz von dem Geschehen auf Deck zu nehmen.



Sigrun und Nirka


Bei Nirkas Worten grinst Sigrun amüsiert. Es ist schon unterhaltsam, sich Nirka dabei vorzustellen, wie sie verzweifelt versucht, die vielen Haken, Schnüre und Knöpfe eines solchen Kleides zu schließen.

"Oh ja, das erfordert bestimmt einige Übung", meint sie mit einem Augenzwinkern.

Dann setzt sie sich wie selbstverständlich auf den Platz, den Nirka freigelassen hat. Als Ole zu musizieren beginnt, wippt sie leicht mit dem Fuß mit. Ein bißchen entspannende Musik wird der Feier sicherlich guttun.

Sie ruft ihm aufmunternd zu: "Hey Ole, das ist wirklich gut!"



Ole hat sich gerade 'warm' gespielt und auch der schnelle Lauf im Refrain, der ihm sonst immer ein klein wenig Probleme macht, gelingt ihm heute ausgezeichnet, da hört er Sigrun's lobende Worte. Das tut ihm gut, das beflügelt ihn. Und während er munter weiter spielt sucht er in der ausgelassenen Runde nach der Matrosin. Endlich findet er sie, sie sitzt ein wenig abseits auf einer Seiltrommel, genau neben Nirka, wie sollte es auch anders sein. Ole wundert sich kaum noch die beiden Frauen nebeneinander sitzen zu sehen. Man sieht sie ja sehr oft, beieinander stehend, ins Gespräch vertieft oder man sieht, Ole muß bei diesem Gedanken grinsen, eben keine von beiden!

Ole macht ein paar Schritte auf die beiden Frauen zu und verbeugt sich artig, zum Dank für den netten 'Applaus'. Ein wenig zu ungestüm, wie es scheint, denn die Kapuze seines Capes schwingt nach vorne und versperrt nun dem Ole die Sicht. So muß er sein Spiel kurz unterbrechen, um die Kapuze wieder zurück zu streifen. Danach nimmt er auf ein Neues sein Instrument und beginnt ein Lied zu spielen, welches einmal, vor vielen Götterläufen, in allen Gassen und Tavernen Havennas gern gesungen worden war. Es war bekannt unter dem Titel: "Habet Dank ihr schönen Frauen!" Doch Ole spielt nur den ersten Vers, denn sein Dank gilt ja nur dem freundlichen Beifall Sigruns, während der Verfasser dieses Liedchens, in den nachfolgenden Strophen, sich für weibliche Qualitäten ganz anderer Art bedanken will und dies zudem in einer sehr derber Form. Ole will Mißverständnisse vermeiden und daher läßt er diese Strophen einfach weg. Also spielt er gleich danach wieder den Marsch, der den Zechern aus Nostria die Ehre geben will. Und weil ihn der Rhythmus dieses Liedes wieder einmal arg gepackt hatte, tanzt er gleichzeitig ein bißchen dazu. Das sieht ein wenig albern aus, doch das stört den Schiffszimmermann kaum.



Nirka schließt sich dem allgemeinen Beifall für Ole an. Dann, als er mit "Habet Dank ihr schönen Frauen!" beginnt, verfinstert sich ihr Gesicht ganz kurz, um dann wieder freundlich zu werden, als ihr klar wird, daß Ole keineswegs das ganze Lied spielen möchte.

Sie wirft einen kurzen Blick in die Richtung Fianas und der immer länger werdende Schlange der potentiellen Gratulanten, und meint dann zu Sigrun:

"Da warten wir lieber noch ein wenig, meinst du nicht auch?"

Sie sieht Sigrun dabei aber nicht an, denn sie hat einen fragenden Blick Jergans aufgefangen, den sie zu verstehen versucht.



Gratulationen


Fiana bemerkt, daß da wohl gleich mehrere auf dem Weg zu ihr sind. Daher verschiebt sie das Feuerzapfen und wendet sich dem ankommenden Kapitän entgegen.



Ottam bemerkt, daß er wohl nicht der Einzige ist, der auf dem Weg zu Fiana ist. Wäre es nicht der Kapitän hätte er sich wohl vorne angestellt, doch so will er - zumindest im Augenblick - erst einmal Ärger vermeiden und trotz der, immer noch bestehenden Differenzen, dem Kapitän den Vortritt lassen. Doch zugleich ist er darauf bedacht, daß er gleich nach ihm zu Fiana vordringt.



Jergan erkennt zufrieden, daß der Schiffsmagus ihm den Vortritt läßt; dieser ist der einzige, bei dem er in dieser Beziehung Probleme gesehen hat.

Der Kapitän lächelt seine erste Offizierin an und reicht ihr die rechte Hand, während die linke hinter dem Rücken verschwindet.

"Herzlichen Glückwunsch zu deinem Tsa-Tag, liebe Fiana! Möge Efferd auch weiterhin seine Hand über dich halten und mögen sich all deine Wünsche im nächsten Götterlauf erfüllen."

Fest drückt er die Hand der Offizierin, dann überreicht er ihr das Geschenk, das er in der anderen Hand hält:

Es ist eine kostbar gearbeitete Gürtelschnalle, die aus zwei zum Teil ineinander verschlungenen silbernen Delphinen besteht, deren Köpfe einander schräg ansehen. Zweifellos ein Werk, das man nicht einfach so auf einem Markt kaufen kann, es sieht vielmehr nach der Auftragsarbeit eines Meisters aus...



Freudig nimmt Fiana die angebotene Hand "vielen Dank" erwidert sie auf Jergans Glückwünsche. Dabei schenkt sie ihm ein Lächeln, so herzig und war wie es wohl noch keiner an Bord bei ihr gesehen haben mag. Darüber vergißt sie ganz die Hand wieder zu lösen.

Das wundervolle Geschenk nimmt sie freudig mit der anderen Hand entgegen. "Das ist ja wunderschön, traumhaft, vielen vielen Dank" Ihr wirklich überraschter und zugleich begeisterter Blick zeigt, daß sie wohl nie mit einem solch wunderschönen Stück gerechnet hätte.



Jergan hält den Händedruck noch einen Moment aufrecht, während er ihr Lächeln erwidert.

"Möge es eine wundervolle Tsa-Tags-Feier heute werden!"

Höflich, wie er ist, macht Jergan nun den Platz frei, denn es gibt noch jede Menge weitere Gratulanten, die genau darauf warten.

Er tritt einige Schritt zur Seite und bleibt dann schräg hinter Fiana auf dem Oberdeck stehen.



Kaum das der Kapitän von Fiana abläßt, setzt sich Ottam in Bewegung und richtet sein Wort an Fiana.

"Herzlichen Glückwunsch liebe Fiana, mögen die Zwölf dieses Fest zu deinem Feiertag machen" Bei diesen Worten setzt er zu einem Handkuß an. Dies vollzieht er fast wie beim Hochadel, irgendwie unpassend für ein Schiff, doch scheint er sich dabei recht gut zu gefallen.

Fiana selbst reagiert darauf ein wenig überrascht, überspielt dies jedoch mit einem freundlichen Gesichtsausdruck.

Als Ottam sein Zeremoniell abgeschlossen hat fördert er ein kleines hölzernes Schächtelchen an den Tag, welches er dann Fiana überreicht.

Darin befindet sich eine Halskette, an der sich wiederrum ein hübscher Anhänger befindet. Der Anhänger ist aus Silber gefertigt und stellt eine Muschel dar, deren Inneres mit Perlmutteinlagen aufgearbeitet ist.

"Vielen Dank, ein sehr schönes Stück" erwidert die Offizierin als sie das

Geschenk des Magus entgegen nimmt. Sie ist ein wenig überrascht, daß ihr so wertvolle Geschenke gemacht werden. Sie ist eigentlich eher bescheiden und hatte wirklich nicht damit gerechnet, daher freut sie sich um so mehr darüber. Ottam macht dann dem nächsten in der Reihe Platz. Er stellt sich jedoch nicht direkt zu Fiana, was jedoch nicht an Fiana sondern eher am Kapitän liegt, der bereits dort steht.

'Ich hätte mich doch vordrängeln sollen'

So sucht er sich einen Platz in der Nähe wo er einen guten Blick auf die weiteren Gratulanten, sowie die wundersam verwandelte Fiana hat.



Endlich ist der Weg frei, nun heißt es, schnell die Gunst des Augenblicks zu nutzen, bevor Alrik wieder wichtigen Personen den Vortritt lassen muß. Mit einigen raschen Schritten ist er bei Fiana angekommen.

"Herzlichen Glückwunsch, Fiana, und alles Gute", gratuliert der Schiffsjunge und schüttelt Fianas Hand dabei tüchtig hin und her. Außerdem muß Alrik schon ein bißchen die Stimme anheben, denn inzwischen ist es bereits recht laut und lustig auf dem Deck geworden. Die ersten Zechlieder sind zu vernehmen, und da lassen sich die durstigen Zecher natürlich nicht lange bitten.

"Und das da", Alrik läßt nun Fianas Hand los und überreicht ihr das Geschenk, "ist für dich."

Gespannt wartet Alrik, ob die Offizierin den verpackten Ohrstecker mit dem Seepferdchenmotiv auch gleich auspacken wird.



"Vielen lieben Dank Alrik" Sichtlich neugierig was den da in der Hübschen Verpackung verborgen ist öffnet Fiana sogleich das Päckchen. Freudestrahlend, daß ihr Alrik ein so schönes Geschenk macht.

"Das sieht ja richtig echt aus, man könnte glauben

das Seepferdchen wolle schwimmen." bewundert sie den Ohrstecker.



Alrik setzt ein breites Grinsen auf. Ein bißchen erleichtert ist er aber auch, daß das Geschenk bei Fiana auf Wohlwollen trifft. Denn so einfach ist die Auswahl und der Erwerb des Stückes ja auch wieder nicht gewesen.

"Es gefällt dir also? Das wohl!"

Alrik grinst immer noch, als er schließlich den Platz räumt, um den anderen Leuten, die Fiana noch ihre Glückwünsche überbringen wollen, den Weg freizugeben.

Von irgendwoher duftet es wirklich allzu lecker. Ob der Braten wohl schon angeschnitten ist? Neugierig folgt Alrik den köstlichen Gerüchen.



Es ist gar nicht so einfach gleichzeitig zu spielen und zu tanzen, besonders dann nicht, wenn man nicht mehr so geübt ist. Ole gelingt es trotzdem, zumindest für eine Weile. Doch dann kommen seine Beine aus dem Takt und dadurch er selbst ins Stolpern. Vielleicht hätte er es sogar geschafft sein Gleichgewicht wieder zu gewinnen, ohne auch nur einen Takt der Melodie auszulassen. Aber der Zufall will es, daß er gerade in Fianas Nähe zum Stehen kommt. Als Ole dies erkannte hält er dann doch ei mit seinen Tollereien und er wirkt ganz verlegen, irgendwie peinlich berührt. Er räuspert sich und will gerade eine gebührende Entschuldigung für sein tölpelhaftes Vorgehen formulieren, als ihm ins Bewußtsein dringt, daß er sich mit seinem Ungeschick an der Schlange der anstehenden Gratulanten vorbeigemogelt hat und nun direkt vor der 'Gastgeberin' selbst steht. Und so sagt er erst einmal lieber gar nichts, sondern räuspert sich noch einmal. Fiana sieht wirklich bezaubern aus. Diese herrliche Kleid, ihre offene Haare! Welch ein Wandel! Als er mit seinem Blick in ihrem Ausschnitt versinkt, stellt er fest, daß es wirklich nicht einen, sondern mindestens zwei gute Gründe gibt, warum Fiana in diesem Kleid so fürstlich erscheinen muß. Und so räuspert sich Ole ein drittes mal, diesmal, um wieder auf einen klaren Gedanken zu kommen. Doch dann spricht er:

"Wohlan Fiana! PRAios hat die Welt nun der Nacht überlassen, doch PHEx blickt auf dich herab, nicht als eine Gewöhnliche, sondern als die Königin dieser Nacht. Es ist deine Nacht, Fiana, und ich schenke dir dafür die Musik und ich hoffe sie wird dir gefallen!"

Mit diesen Worten spielt Ole einen Lauf auf seinem Instrument, der entfernt an die Fanfaren erinnert, die das Garether Turnier einleiten, nur, daß es auf dem Bandoneon nicht unbedingt so feierlich und mächtig klingen kann.

"Doch nicht nur dies will ich dir schenken!" erklärt Ole weiter und er greift mit seiner rechten Hand in eine verborgene Tasche seines Capes. Er muß dabei seine Quetsche loslassen und so zieht sich das Instrument mit einem langen, klagenden Laut auseinander. Ole übergibt Fiana ein altes Pergament.

"Es ist eine Karte der Zyklopen-Inseln. Ein alter Kapitän hat sie gezeichnet. Der Alte hatte sich dort niedergelassen und ist von Dorf zu Dorf gefahren, um dort in den Tavernen die Fischer unter den Tisch zu trinken. Aus deren Erzählungen hat er diese Karte gefertigt. Studiere sie und du kennst alle Untiefen dort mit Namen. Diese Karte hat mit mehr als einmal das Leben gerettet. Nun bin ich alt und mein Leben fast verbraucht. Du bist jung und noch offen für die Geheimnisse aus EFFerds Reich. Möge dir Swafnir immer zur Seite stehen, auf lange, lange Zeit!"



"Vielen Dank Ole, an deiner Musik erfreue ich mich jetzt schon und deine Karte werde ich in Ehren halten. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber irgend etwas sagt mir, daß ich die vielleicht schneller brauche als man denkt."

Vorsichtig, fast zärtlich hält sie das Pergament in ihren Händen. Sie studiert die darauf befindlichen Details mit geschultem Auge

"Ein wunderbares Exemplar, irgendwann mußt du mir einmal von dem Kartenzeichner erzählen der dieses Werk vollbracht hat"

"Vielen Dank, und mögen auch dir die Götter immer gut gesinnt sein. Jetzt und für alle Zeit."



Hirkan stellt sich an


Nachdem er sich das verwirrende Treiben an Deck eine Weile angesehen hat, erkennt Hirkan die Schlange, die darauf wartet, Fiana gratulieren zu können. Er geht vor bis zu dem vermuteten Ende und stellt sich hinter einen großen Matrosen.

"Äh, entschuldigt bitte, ist dies das Ende der Schlange?", fragt er ernsthaft.

Der Matrose dreht sich zu ihm um und mustert den jungen Mann, der sich plötzlich ziemlich klein und schwach fühlt, von oben nach unten. Ohne die Lippen mehr als nötig zu verziehen, brummt der Matrose:

"Kann schon sein."

Der Blick bewegt sich wieder nach oben und der Matrose dreht sich wieder in Fianas Richtung.

Hirkan schluckt erst einmal. Weitergebracht hat ihn die Frage wohl kaum, aber er wird ganz sicher darauf verzichten, diesen Matrosen, oder auch einen anderen, noch einmal anzusprechen. Also wartet er in der Hoffnung, daß die 'Schlange' sich fortbewegt.



Zwischenfall


Während auf der NORDSTERN die Feier allmählich beginnt, beginnt in Prem, genauer gesagt, vor dem Swafnir-Tempel der Stadt, eine andere Episode. Oder... endet sie nicht vielmehr hier? Auf jeden Fall ist sie ungewöhnlich genug, so dass einige der zahlreichen Menschen, die jetzt abends unterwegs sind, stehenbleiben, und der Frau, die in dieser Episode eine Rolle spielt, verwunderte Blicke zuwerfen...


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Aleara schleppt ihren muskulösen Körper aus dem Swafnir-Tempel in die Straßen Prems. Sie ist eine junge, höchstens 20 Götterläufe zählende Frau, mißt etwa achtzig Finger und trägt ihr blondes Haar knapp schulterlang. Zwar ist sie nicht mit übermäßiger Schönheit gesegnet, doch häßlich kann man sie auch nicht nennen. Ihr (für eine Frau) muskulöser Körper hat relativ wenig ausgeprägte weibliche Rundungen, doch wird das Erscheinungsbild auch nicht von knallharten Muskelkonturen gestört, so daß sie durchaus attraktiv wirkt, auch wenn das einige Edeldamen sicher ganz anders sehen würden...

Sie trägt eine einfache hellbraune Stoffhose und ein beinahe weißes, jedoch nasses Hemd. Ihr Haare sind größtenteils unter ein rotes Kopftuch geschoben, so daß man sie - zumindest von hinten - fast für einen SeeMANN halten könnte. Sie ist barfuß.... doch sie nimmt die harten und zum Teil kalten Steine unter ihren Füßen nicht wahr...

Ihr ist schwarz vor Augen, sie hat Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten. Mühsam torkelt sie die Straße entlang, dabei stützt sie sich mit ihren kräftigen Armen immer wieder an den Hauswänden ab, wo dies möglich ist. Wie kam sie hierher? Was tut sie hier? Ach ja...der Grünwal...die NORDSTERN...langsam kommt die Erinnerung zurück...

Dort, ein Brunnen mit Wasser. WASSER - Ursprung allen Lebens, Wohnstatt der Fische... und Wale.

WALE, Giganten der Meere, größte Geschöpfe der Welt. Sie sind die wahren Herrscher Deres. Ungeachtet der Kriege und Machtkämpfe auf dem Land. Boten der Götter, Übermittler von Nachrichten Swafnirs an die Menschen. Wie der Grünwal? War er vielleicht der Übermittler einer göttlichen Nachricht? Vielleicht gar einer dringenden Warnung? Und wenn niemand seine Rufe gehört hat?

'Diese Kopfschmerzen... hat nicht jemand... Ach ja, hatte nicht Ole...ausgeschlossen , wieso sollte ausgerechnet der...'

Plötzlich fällt ihr Blick auf den abendlich rosa gefärbten Himmel: Wolken, die Quelle des Regens. REGEN...die Entschädigung für all die armen Seelen, die Efferds Gaben nicht direkt genießen können.

Die Matrosin hält inne.

'Moment: Abendlich? Wie lange war ich im Tempel? Und überhaupt, sollte ich nicht schon längst wieder?'

Aber andere Dinge sind im Moment wichtiger! Hat jene Wolke dort nicht die Form eines Wales? Ist das ein göttliches Zeichen, ein Hinweis auf ihre wahre Bestimmung?

Wale vermögen mit Leichtigkeit ein Schiff zu versenken. Wenn Swafnir es nicht will, befährt kein Schiff seine Ozeane.

Und doch hat der Grünwal sie in Frieden gelassen.

Und überhaupt: Ein GRÜNER Wal!

Das kann doch nur ein Zeichen sein!

Wenn bloß diese verdammten Kopfschmerzen nicht wären...

Wieder wird ihr schwarz vor Augen. Sie muß zur NORDSTERN, nein, viel wichtiger noch, zum Meer. Mühsam torkelt sie in Richtung Hafen. Langsam setzt sie einen Fuß vor den anderen.

'Der Tempel war doch gar nicht soweit vom Hafen entfernt...'

Dort hinten sind Masten zu sehen.

Aleara geht schneller, verfällt in ein Laufen, beginnt zu Rennen. Dort hinten, daß ist doch die NORDSTERN. Aber das ist nicht ihr eigentliches Ziel. Schnurstracks rennt sie auf dem kürzesten Wege dem Wasser zu. Der Weg führt fast genau auf die NORSTERN zu...


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Nirka hat die Blicke, die der Kapitän ihr zugeworfen hat, schließlich verstanden, und versucht, von ihrer Position an der Reling aus zu sehen, ob die Mannschaft komplett ist. Zumindest das Gedränge an Bord läßt darauf schließen, aber das hat nicht zu bedeuten, daß nicht doch...

Nirka erhebt sich kurz, um besser sehen zu können, auch wenn sie ungern auch nur für Sekunden den Platz neben Sigrun verlassen mag. Rasch gleiten ihre Augen über die Menschen, verharren bei Sigrun länger als bei allen anderen, und dann...

'Aleara fehlt!'

Ihr ist sofort klar, daß da etwas los sein muß, denn Aleara war stets zuverlässig und immer pünktlich. Im nächsten Moment schalt Nirka sich eine Närrin - vielleicht ist Aleara einfach noch unten, um sich umzuziehen! Sie läßt sich wieder neben Sigrun nieder, und fragt:

"Sag mal, hast du Aleara unten gesehen?"

Während sie das spricht, wird ihr Blick auf einmal starr und geht an Sigrun vorbei in Richtung Hafen und die Frau, die da wie irre auf das Schiff... oder das Wasser zwischen Kai und dem Schiff... zugelaufen kommt!

"ALEARA!!! NEIN!"

Laut hallt Nirkas Ruf über das Deck, während sie auch schon am Aufspringen ist.



Nirkas Vorschlag, mit dem Gratulieren noch etwas zu warten, kann Sigrun nur von ganzem Herzen zustimmen. Natürlich hat Fiana all diese Gratulationen und Geschenke verdient, doch Feierlichkeit gehört zu den Dingen, die Sigrun nicht besonders mag.

"Ja, laß uns ruhig warten, bis der Andrang etwas nachgelassen hat", antwortet sie daher.

Auch ihre Aufmerksamkeit ist in diesem Moment etwas abgelenkt, sie beobachtet Ole, der sich auf übertriebene Art bei ihr bedankt. Als er nach der ersten Strophe des Liedes von ihr abläßt und sich wieder ausschließlich um Gesang und Tanz kümmert, ist sie erleichtert. Ihr Zuruf war schließlich nur als Aufmunterung gedacht, keineswegs wollte sie damit eine solche Situation hervorrufen.

Da fragt Nirka nach Aleara und Sigrun ist noch dabei, zu überlegen, wen sie denn alles vorhin im Mannschaftsraum getroffen hat, da hört sie schon Nirkas Ruf. Gleich nach der Bootsfrau springt sie auf und ihr Blick fliegt in die von Nirka eingeschlagene Richtung. Jetzt sieht auch sie die laufende Matrosin und erkennt, daß hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Mit verständnislosem Gesicht und etwas langsamer als diese folgt sie Nirka.



Nirka sieht mit Entsetzen in den Augen zu, wie Aleara geradewegs ins Wasser läuft.

'Was ist nur mit dem Mädel los?'

Sie sieht, daß es von ihrem Standplatz aus nicht unbedingt einfach ist, schnell zu der Matrosin zu kommen, und der Weg über das Deck ist ziemlich blockiert mit all den Leuten. Andererseits... im Wasser ist sie noch viel langsamer.

Nirka streift mit einer rasanten Bewegung die Stiefel ab und schwingt sich auf die Reling, auf der sie barfuß, sich mit den Händen nur ab und zu - wo möglich - an den Wanten festhaltend - nach vorne turnt. Sie tut das mit einer Eleganz und Geschwindigkeit, die man nicht bei jemanden vermuten würde, der eigentlich eine Vorgesetztenrolle an Bord hat. Weit ist es nicht mehr für sie bis zu dem Punkt, wo sie Aleara so dicht wie nur möglich ist...



Entsetzt beobachtet Sigrun, wie sich Aleara immer weiter dem Wasser nähert. Doch was tut Nirka? Ah, keine Frage, sie will schneller vorankommen. Trotz des Ernstes der Situation kann Sigrun sich nicht dagegen wehren, ein wenig Stolz auf die Geschmeidigkeit, mit der Nirka sich bewegt, in sich aufkommen zu lassen. Doch nachmachen möchte sie ihr das auf keinen Fall. Dazu braucht es eindeutig die jahrelange Erfahrung einer Bootsfrau und nicht den jugendlichen Enthusiasmus einer frischgebackenen Matrosin. Sigrun selbst kämpft sich daher weiter durch die Menge.

Schon jetzt scheint es sicher zu sein, daß sie nicht rechtzeitig eintreffen wird, um Aleara aufzuhalten, aber vielleicht kann sie wenigstens helfen, wenn Nirka sie stützen, oder schlimmer, aus dem Wasser ziehen, muß.



Darian erschrickt


Weiterhin auf der Kiste sitzend beobachtet Darian das weitere Geschehen. Er blickt zu der groszen Frau in dem blauen Kleid, ´Das wird wohl besagte Fiana sein´ denkt er sich, als er sieht wie erst der Kapitän, dann Ottam, der Schiffsmagus und schlieszlich der Schiffsjunge ihr gratulieren und ihre Geschenke überreichen. Derweil lauscht der Adeptus den Klängen des Bandoneons. Als er den Musikanten erblickt, erkennt erstaunt dessen vornehme Kleidung, die so überhaupt nicht zu einem Matrosen passen will, ´Anscheinend hat sie sogar extra einen Barden engagiert, es musz wirklich eine besondere Feier sein. Ob sie genau 30 Götterläufe wird ?´ Bei diesem Gedanken musz er schmunzeln, ist das erreichen der 30 für die meisten Frauen doch eher unangenehm. Das Zecherlied erinnert ihn daran, dasz er recht durstig ist und auszerdem musz er ja auch noch sein Geschenk überreichen. Also erhebt er sich von seinem Sitzplatz, in der Hoffnung, dasz ihm dieser nicht gleich jemand wegschnappt, da schreit eine Frau ganz in seiner Nähe:

"ALEARA!!! NEIN!".

Blitzschnell dreht er sich um und schaut in Richtung Hafen, seine Hände schnellen dabei reflexartig aus den Taschen des Gewandes.



´Heilige Noionia ! Sie will sich ins Wasser stürzen ! Das musz ich verhindern !´

Die zu Faust geballte Rechte saust auf die ausgestreckte Linke zu, "PARAL ..." ´Zu spät sie springt schon´. Entsetzt bricht er die Zaubergeste ab, gerade noch rechtzeitig bevor die Kraft zu wirken beginnt. Fassungslos und unfähig zu helfen starrt er an die Stelle an der Aleara ins Wasser sprang.



Nachdem Darian sich vom ersten Schreck erholt hat, beginnt auch er sich durch die Menge nach vorn vorzuarbeiten.

´Ich kann zwar keine Dschinne beschwören, aber um diese Tageszeit kann ein wenig mehr Licht sicher nicht Schaden´.

Im Gehen schnippt der Adeptus kurz mit den Fingern, dabei "FLIM FLAM FUNKEL - Licht ins Dunkel" murmelnd. Ein winziges Quantum der Kraft beginnt zu wirken, sich zu einer Kugel zu formen und zu leuchten. Eine leicht bläuliche Lichtquelle erscheint in der rechten Hand des Magiers.



Ottam beobachtet


Nicht nur das die Feierliche Stimmung von einem Schrei unterbrochen wird, nein, sein Kollege versucht auch sogleich einen Zauber zu sprechen. Da dieser ihn aber wohl im Ansatz abbricht und dann einen harmlosen Lichtzauber spricht, entscheidet er sich doch sein Augenmerk auf die Geschehnisse vor dem Schiff zu lenken. So bringt er sich in eine Position, von der aus er sehen kann, ob seine Hilfe benötigt wird. Er geht zur Planke und versucht sich ein Bild der Situation zu machen.



Belvolio schreckt auf


In Gedanken versunken betrachtet Belvolio das fröhliche Treiben an Deck als ihn der Ruf:

"ALEARA!!! NEIN!"

Hochschrecken läßt, hastig blickt Belvolio in alle Richtungen und tadelt sich dabei selber, daß er so unachtsam war. Er sieht die Frau auf das Hafenbecken zulaufen, es sieht so aus als wolle sie sich in das kalte Wasser stürzen.

"Sie sieht allerdings nicht so aus als ob sie noch lange schwimmen kann"

murmelt Belvolio vor sich hin, überlegt ob er aufstehen soll und der Unbekannten helfen, oder lieber nicht so viel Aufmerksamkeit erregen soll.

"Es fahren täglich so viele Menschen zu Boron da macht einer mehr oder weniger keinen Unterschied, allerdings war diese Frau, soweit er das sehen kann noch lange nicht so weit zu sterben, außerdem" so überlegt er sich "ist es sicherlich kein schöner Tod in der namenlosen Kälte des Meeres zu ertrinken, und zu guter Letzt wäre es sicherlich noch interessant zu erfahren was eine so junge Frau dazu treibt sich der Kälte des Meeres zu übergeben."

Fest dazu entschlossen das Leben der Frau zu retten springt Belvolio auf und läuft den beiden Frauen hinterher die sich auch schon auf den Weg gemacht haben um der Unbekannten zu helfen.



Belvolio schiebt sich an einigen Feiernden vorbei, und beobachtet bewundernd die Gewandtheit der Matrosin auf der Reling. Belvolio benutzt jedoch lieber den langsameren aber dafür sicheren Weg an Deck, um zu helfen die junge Frau aus dem Wasser zu bergen und wenn nötig auch die Kraft wirken zu lassen, um die zweifellos verwirrte Unbekannte zu retten.



Aleara


'Jemand hat nach mir gerufen! Ich komme, ICH KOMME'!

Mit einer Geschwindigkeit die ihr wahrscheinlich niemand an Bord zugetraut hätte spurtet auf Aleara das Wasser zu. Bevor irgend jemand bei ihr sein könnte ist sie auch schon am ersten Steg, zumal sie bei der einbrechenden Dunkelheit nicht so leicht auszumachen war und ja niemand direkt nach ihr Ausschau gehalten hatte. Mit einem gewaltigen Hechtsprung fliegt sie über den Rand des Steges hinweg auf das Wasser zu...



Sylvhar


Die rennenden Füße gehören, wie Sylvhar jetzt erkennen kann, einer menschlichen Frau. Merkwürdigerweise hastet sie schnurgerade auf das Wasser zu. Ob sie baden will? Aber in diesem Hafenbecken stellt er sich das nicht so angenehm vor, und zudem könnte sie doch auch einfach zum Wasser hingehen und nicht so drauf los stürmen. Nein, sie sieht nicht so aus - es muß wohl einen anderen Grund geben.

Sylvhar ist nun schon an der Reling angelangt, und schaut etwas verwundert und erstaunt der Frau zu, wie sie sich ins Wasser stürzen will...



Dajin wird aktiv


Dajin reiht sich dort in die Schlage ein wo er im allgemeinen Trubel auf Deck das Ende vermutet. Neugierig scheut er sich auf Deck um und mustert all die Matrosen und Passagiere die sich hier herausgeputzt haben. Plötzlich hört er den Schrei und verläßt die Schlage wieder um zu schauen was dort vorgeht. Gerade noch sieht er wie sich eine Frau ins Wasser stürzt, erst will Dajin hinterher springen aber er sieht das sich schon einige Leute auf dem Weg zur Rettung sind. Also sieht er sich an Deck um und nimmt eins der herum liegenden Seile um es zu den Schwimmenden herabzulassen.



Alrik merkt was


Auch Alrik bekommt mit, daß irgend etwas nicht in Ordnung ist. Kaum daß Nirkas Ruf nach der Matrosin Aleara verklungen ist, schon machen sich die ersten Helfer und einige Schaulustige auf den Weg, die neugierig gucken wollen, was denn dort vor der Nordstern vor sich geht.

Alrik kämpft den spontanen Reflex nieder, nach vorne zu rennen. Was auch immer geschehen ist, es kann so schlimm nicht ein, denn Nirka ist trotz der Eile immer noch ruhig und Herrin der Lage. Also beschränkt sich Alrik vorerst darauf, nicht unnütz herumzustehen und tritt zur Seite, als Sigrun sich ihren Weg durch die Menge bahnt.



Fiana wird aufmerksam


Das Lächeln das Fiana, daß sie gerade Ole schenkte, bricht plötzlich ab. Irgendwie gerät alles in Bewegung, und sie war so abgelenkt, daß sie nicht recht mitbekommen hat was passiert ist. Da war ein Schrei, ja, aber was konnte sie nicht genau verstehen. Daher blickt sie in Richtung der entschwindenden Nirka, die jedoch offensichtlich die Lage im Griff hat, sonst wäre sie hektischer. So beschließt sie hier zu bleiben und erst einmal abzuwarten was Nirka tut.



Der Kapitän wartet ab


Der Kapitän versucht, von seiner Position aus zu erkennen, was dort los ist, aber er sieht nicht viel mehr als die ganzen Menschen auf dem Deck - und Nirka, die mit einer unglaublichen Sicherheit über die Reling turnt. Was auch immer mit Aleara ist... er wird es erfahren, denn es gibt keine Möglichkeit für Jergan, rechtzeitig vor Ort zu sein - und derjenige, der sich mit Gewalt durch die Menschen drängelt, ist er nicht.



Ole spielt weiter


Ole spielt einen Tobrischen Marsch. Es ist natürlich nicht so, daß Ole jemals in Tobrien gewesen wäre, daß er diese Weise von dort hätte mitbringen können, und nach dem Stand der Dinge zieht es ihn augenblicklich auch in keinster Weise dorthin. Aber die Melodie dieses Marsches findet er ganz hübsch und der alte Skalde, der ihn diese Melodie einst beigebracht hatte, wollte seine Ehre darauf verwetten, daß der Schöpfer dieses Liedes ein Musikus aus Tobrien gewesen sein muß, so sicher war er sich gewesen. Daher nannte Ole dieses Lied den 'Tobrischen Marsch'!

Der alte Schiffszimmermann schwelgt in Gedanken und gibt sich ganz seiner Musik hin, seit er sich mit einer leichten, Verbeugung aus dem Kreis der Gratulierenden um Fiana zurückgezogen hatte. Eben deshalb hat Ole von der steigenden Unruhe an Bord kaum etwas mitbekommen. Gewiß, da war einmal ein Schrei zu hören gewesen. Doch auf einem Schiff schreit immer jemand, um so mehr, wenn gerade ein Fest im Gange ist. Doch als Nirka sich an den Wanten entlang hangelt, in einer Schnelligkeit, als ginge es um's Leben, merkt Ole doch auf. Gleich danach drängt sich auch Sigrun durch die eng stehenden Reihen der Gäste an Bord. Noch will Ole an keine Besonderheiten glauben, da sieht er, daß Ottam sich zur Planke hin begibt, und dies, obwohl er doch geradezu alles darauf angelegt hatte, hinter Fiana in der ersten Reihe zu stehen. Es muß also doch etwas Außergewöhnliches geschehen sein. Jedoch Fiana und auch der Kapitän bleiben ruhig stehn, obwohl eine gewisse Anspannung ist auch ihnen anzumerken.

Ole wird nun ein wenig unkonzentriert und der 'Tobrische Marsch' hat nun wohl nicht mehr den Rhythmus und die Schnelligkeit, die es bräuchte. Einer der Passagiere hat ein kleines bläulich schimmerndes Flammenmal erzeugt, zweifellos magischen Ursprungs, der Mann muß wohl ein Zauberer sein. Herr Dajin sucht offensichtlich nach einem Seil und der Elfe starrt auf die Wasseroberfläche hinaus, als hätte er dort ein Karen mit zwei Köpfen gesehen. Das alles ist schon mehr als seltsam. Doch Ole will dies alles nicht so wichtig finden und schon bald hat der 'Tobrische Marsch' wieder den gewohnten Takt. Ole spielt und tanzt weiter, alle Unruhe ignorierend. Die Musik hatte ihn wieder gepackt und er würde spielen, selbst wenn das Schiff untergehen sollte.



Auch Hirkan stutzt


Irgendwie hat sich hier eine ziemliche Unruhe breitgemacht. Aber Hirkan sieht sich nur einmal kurz um. Dabei bemerkt er eine Matrosin, die in abenteuerlicher Weise auf der Reling balanciert. Nun ja, offensichtlich haben die Matrosen irgendein Problem. Zwar sehr merkwürdig, wo das Schiff doch im Hafen liegt, aber wer kennt sich schon mit den Problemen aus, die es da geben könnte.

Er wendet sich wieder ab und bleibt weiterhin abwartend stehen, denn noch ist die Gratulationsschlange nicht merklich kürzer geworden.



Lange hat es gedauert, die fröhliche Feierei ist schon mitten im Gange, doch endlich steht kein anderer wartender Gratulant mehr vor Hirkan in der Schlange. Erleichtert wendet er sich Fiana nun endgültig zu und sagt:

"Auch ich möchte Euch wünschen, daß die Götter Euer nächstes Jahr mit Wohlwollen betrachten. Gebührend begrüßen tut Ihr es ja."

Bei den letzten Worten bleibt sein anerkennender Blick kurz an Fianas Kleid hängen, doch es dauert nur einen kleinen Moment, bis Hirkan die Augen wieder niederschlägt.

"Herr von Tarschoggyn und ich haben Euch eine Kleinigkeit besorgt, die vielleicht dabei helfen wird, Eure Schönheit bei der weiteren Fahrt nicht von der Sonne des Südens beeinträchtigen zu lassen."

Damit überreicht er ihr etwas steif die Salbe, die die beiden Passagiere im Drachenhaus erstanden haben.



Fiana ist sich derweil sicher das Nirka und die anderen mit der Rettung keine Probleme haben. Es ist schon eine gute Mannschaft da gibt es nichts zu mäkeln. Daher kann sie sich wieder ihrer Feier widmen, denn diese fordert gerade wieder ihre Aufmerksamkeit.

"Vielen Dank ihnen beiden für die guten Wünsche und die gute Salbe. Ich bin sicher sie wird mir auf unserer Fahrt von großem Nutzen sein. Es kann ganz schön warm werden, da unten im Süden. Ein lauer Sommertag hier kommt einem dort unten wie Firuns Atem vor."



"Ich freue mich, wenn Ihr dafür Verwendung habt. Es ist mir eine große Ehre, hier mit Euch feiern zu dürfen."

Dabei neigt er leicht den Kopf und tritt zur Seite, um wiederum Platz zu machen für den nächsten Gratulanten.



Aleara unter Wasser


Mit dem Kopf voran trifft Aleara auf die Wasseroberfläche auf. Nur wenig Wasser spritzt, und sie war kaum zu hören. Schnell taucht sie im kalten Wasser unter, macht ein paar Schwimmzüge. AAHHH, ist das kalt!

Schon fünf Herzschläge lang ist sie unter Wasser...zehn...fünfzehn...zwanzig...

Und an der Wasseroberfläche ist lediglich ihr rotes Kopftuch zu sehen, das sich gelöst hat und jetzt auf den Wellen tanzt...



An der anderen Seite des Schiffes angekommen, beobachtet Belvolio das rote Kopftuch auf dem kalten, dunklen Wasser aus dem noch kleine Bläschen davon zeugen das hier wohl jemand in die kalten Tiefen des Wasser eingetaucht ist. Die Frau selbst jedoch ist nicht zu sehen, und obwohl Belvolio weiß, daß jetzt jede Sekunde zählt, zögert er,

"Wie lange ist es wohl schon her das ich das letzte mal geschwommen bin ?"

Hoffend das die Unbekannte vielleicht doch von alleine auftaucht, wartet er einige Momente ab ...



Nirka springt


Nirkas akrobatischer Gang über die Reling endet auf dem Vordeck, wo sie ganz kurz innehält, von der Reling aus peilt, und dann hinunter auf das Deck hopst. Dort gibt es einen kurzen, lautlosen Anlauf vorbei am Sockel der Rotze und vorbei an den Seilen, die durch die Reling führen und das Schiff an Ort und Stelle halten. Die Bootsfrau stößt sich mit ihren nackten Füßen kraftvoll ab und macht einen ziemlich elegant wirkenden Kopfsprung über die seeseitige Reling des Vordecks. Platschend taucht sie unter und nutzt den Schwung aus, um sich mit ausgestreckten Armen unter Wasser in die richtige Richtung weitertreiben zu lassen.

Der Kurs ist gut berechnet, denn ihre Finger streifen die Matrosin kurz - aber nicht gut genug, um der ursprünglichen Absicht, UNTER ihr anzukommen, gerecht zu werden.

Die Bootsfrau taucht so auf, schnappt kurz nach Luft, und verschwindet wieder unter Wasser. Die Zuschauer, die all das von der Höhe des Decks aus beobachten, sehen deutlich, daß es diesmal klappen müßte...



Darian leuchtet


Darian ist gerade zum Vorderdeck durchgedrungen, als die Matrosin, die eben noch über die Reling balancierte, ins Wasser springt. Er geht ganz nah an die Reling, beugt sich vorn über und schaut aufs Wasser, seine Hand mit der Leuchtkugel streckt er dabei aus um möglichst gut sehen zu können was sich im Wasser abspielt. Zwar reicht der Lichtschein seines Zaubers nicht aus um bis unter Wasser zu leuchten, aber so erkennt er wenigstens, wenn beide nicht wieder auftauchen sollten.



Sylvhar versteht nichts mehr ...


Verwundert beobachtete Sylvhar Alearas Eintauchen ins Wasser.

'Was hat sie wohl dazu verleitet?'

Dann springt ihr noch Nirka hinterher. So langsam begreift er hier nichts mehr.

Mit hochgezogenen Brauen und einem fragenden Blick schaut er zum Berobten hinüber, der auch schon einige Augenblicke an der Reling steht. Dieser scheint ihn jedoch nicht wahrzunehmen und späht nur in die dunklen Fluten hinunter.

Da kommt noch so ein Berobter an die Reling heran mit seinem Mandra-Licht, das Sylvhar jedoch eher in den Augen schmerzt. Durch das ungewohnte, plötzliche Licht sieht er jetzt nämlich weit weniger als zuvor. Dabei würde man ohne Licht viel mehr sehen. Daß diese Menschen sich auch nie den Umständen entsprechend verhalten können. Er reibt seine schmerzenden Augen. Öffnet sie blinzelnd wieder, und schaut wieder auf das Geschehen im Wasser.



Aleara taucht wieder auf

Ja, hier ist sie richtig. Zu schade, daß sie wieder auftauchen muß. Die Wale müßten das aber auch. Ob es etwas zu bedeuten hat? Die versucht, einen Blick auf Meeresbewohner zu erhaschen, die Dunkelheit ist jedoch zu weit hereingebrochen um noch etwas erkennen zu lassen. Also stößt Aleara, zur Erleichterung aller mit zwei kräftigen Zügen wieder an die Wasseroberfläche vor und hält ihre Position. Suchend sieht sie sich seeseitig um. Sie ignoriert jedoch alle Menschen.

Ja, hier im Wasser ist es ruhig und friedlich...

Aber kalt! Unmerklich beginnt sie zu zittern. Und aufmerksame Beobachter bemerken die Blässe in ihrem ohnehin nicht besonders braungebrannten Gesicht...

Ist das kalt! Schon verlangsamen sich Alearas Bewegungen. Ihre Glieder werden immer schwerer und die Kleidung zieht unerbittlich...



Der Magier steht weiterhin auf dem Vorderdeck an der Reling und beobachtet die Geschehnisse im Wasser. Plötzlich taucht die zuerst gesprungene Matrosin wieder auf, nimmt aber anscheinend weder das Schiff noch die andere Matrosin wahr.

´Offensichtlich hat Hesinde sie völlig verlassen´ denkt er während er mit seinem Leuchtzauber nach der zweiten Frau sucht, ´oder aber ... vielleicht eine Controllaria ? ... oder gar eine dämonische Präsens ?´

Während er sich mit der linke Hand unbewuszt am Kopf kratzt, starrt er weiter aufs Wasser.



Nirka taucht ab, um die Matrosin zu bergen, doch schon wieder geht es schief! Fast schon ärgerlich über sich selbst taucht sie wieder auf, sieht sich um, während die nassen Haare in ihrem Gesicht kleben. Da! In dem Lichtschein, über den sie nicht länger nachdenkt - ihn fast als natürlich hinnimmt - sieht sie die Matrosin - schwimmend! So schlimm scheint es also nicht zu sein, auch wenn es aussieht, als hätte sie Probleme, oben zu bleiben.

Zwei kraftvolle Schwimmstöße bringen die Bootsfrau näher heran, und sie greift nach Aleara. Den Beobachtern an Deck wird dabei nicht entgehen, daß sie derartiges offenbar nicht zum ersten Mal tut, denn sie schwimmt so von der Seite heran, daß die andere bei unbewußter Gegenwehr keine Chance hat, ihre Arme und Beine vollständig zu blockieren.

Helfend greift sie mit einer Hand zu...



Nirkas Griff wird fester und sicherer, während sie mit verstärkter Kraft ihre Schwimmbewegungen mit den restlichen drei Gliedmaßen fortsetzt, um sie beide an der Oberfläche zu halten und in Richtung Schiff umzulenken.

Allerdings ist dieser Weg mit etwa zehn Schritt weiter, als er noch vor einigen Sekunden war, da der Schwung der beiden Sprünge beide noch ein Stück weiter nach draußen getrieben hat.



Belvolio

Erfreut, und ein wenig überrascht über die schnelle Rettung, klopft Belvolio mit seinem Stab auf die Planken des Schiffes und beobachtet mit Zufriedenheit wie der Stab langsam in die Länge wächst, dabei weich wird und die starre einer Steineiche verliert. Es sind nur wenige Augenblicke vergangen als der Stab sich verdreht und Belvolio ein etwa 10 Meter langes Seil in der Hand hält, an dessen Ende sich nun eine Schlinge formt.

Zufrieden sucht der Magier nach einer Gelegenheit um das andere Ende des Seiles zu befestigen um so den nötigen halt zu finden um die Retterin und die Gerettete an Bord zu ziehen.



Sigrun an Ort und Stelle


Mühsam ist der Weg durch die feiernden Gäste. Fast hat Sigrun das Gefühl, als wäre das Schiff noch nie so lang gewesen. Aus dem Augenwinkel heraus beobachtet sie Nirka, die wesentlich schneller vorankommt als sie selbst. Doch irgendwann, einige Zeit nach dem verräterischen (und erschreckenden) Platschen, das zunächst Alearas und dann Nirkas Sprung ins Wasser anzeigt, erreicht Sigrun das Vordeck. Hier verharrt sie zunächst in dem Versuch, die Lage im Wasser zu erfassen. Wie kann sie am besten helfen? Ebenfalls ins Wasser zu springen, scheint wenig sinnvoll. Nirka ist eine erfahrene Schwimmerin (und, wie es aussieht, auch Retterin) und zu viele Personen im Wasser können unter Umständen eher weiteren Schaden anrichten als helfen. Aber wenn Nirka Aleara dann erstmal hat, wie soll sie sie dann sicher aus dem Wasser bekommen? - Seile !!

'Wir brauchen Seile', denkt Sigrun und wirft einen gehetzten Blick um sich. 'Daran hätte ich auch früher denken können.'



Während Sigrun sich noch suchend umsieht und feststellt, daß in ihrer Nähe, wie in solchen Fällen wohl immer, kein Seil zu sehen ist, bemerkt sie aus dem Augenwinkel den jungen Magier, dessen leuchtendes Licht sich plötzlich in ein Seil verwandelt. Fasziniert beobachtet sie diesen Vorgang, bevor sie sich losreißt und zu ihm hingeht. Sie deutet auf eine stabile Planke und meint:

"Wenn Ihr das Seil dort befestigt, Herr, wird es halten und Ihr vergeudet nicht zuviel in der Länge."

Hier macht sie eine kurze Pause und überlegt, ob sie die Frage stellen soll, die ihr auf dem Herzen liegt. Immerhin hängt viel davon ab, da kann sie sich ruhig etwas lächerlich machen, findet sie.

"Ähm, das Seil, ... es ist doch so stabil wie ein, äh, ... anderes Seil, oder?"

Die seltsamen Dinge, die Magier bewirken können, waren ihr noch nie sehr sympathisch. Sie hat es lieber, wenn die Dinge auch das sind, was sie zu sein scheinen. Daher weiß sie nicht so genau, was sie von diesem Seil halten soll.



Alrik wird eingespannt


Doch Alrik steht nicht lange untätig herum. Bevor er noch seine Überlegung, ob er nun auch zum Vordeck gehen soll oder lieber doch nicht, beendet hat, packt ihn einer der älteren Matrosen von hinten an den Kragen und schiebt ihn zu der großen Kiste, wo tüchtige Helfer vor kurzer Zeit den knusprigen Wildschweinbraten aufgetragen haben.

"Bevor du so faul herumstehst, kannst du dich auch nützlich machen!" verkündet der Matrose und drückt Alrik ein großes Messer in die Hand. "Du verteilst jetzt den Braten, Junge. Und mach das anständig, wenn's nicht reicht, gehst du leer aus, verstanden?"

"Ja, ja, hab's kapiert", grollt Alrik als er den Braten genauer in Augenschein nimmt. Der fette Hinterschenkel scheint eine günstige Stelle zu sein, an der man den ersten Anschnitt wagen kann. Herrlich, wie das duftet...



Ole, der Musikant


Ole tanzt noch immer auf dem Oberdeck herum und spielt gerade dazu das "Zehn-Zecher-Lied", ein Lied, das der Schiffszimmermann einmal in einer Kneipe zu Brendhil aufgeschnappt hatte. Es ist ein einfaches Lied mit einem noch einfacheren Text. Alle zehn Takte (Daher wahrscheinlich auch der Name "Zehn-Zecher-Lied"!) wiederholt sich eine Passage, bei der es heißt:

"Die Krüge sind voll, nun zum Munde, das wohl!"

Dieser Teil wird sehr rhythmisch gespielt und von den Anwesenden nicht nur dahin gegröhlt, sondern auch tatkräftig vorgeführt! Danach wird die Melodie sanfter, für zehn Takte lang, eben gerade so lange, wie man braucht um ein Glas oder einen Krug zu leeren und danach wieder zu füllen, dann wiederholt sich das ganze auf's Neue. Auf diese Weise haben sich schon Generationen von Seeleuten an Abenden, ähnlich dem heutigen, in Rekordzeiten um den Verstand gesoffen.

Ole hat schon längst aufgehört mitzuzählen, wie oft er den Refrain schon gespielt hatte und er sieht belustigt zu, wie sich etliche der Seeleute eifrig an diesem Lied beteiligen, nicht nur im Gesang, sondern auch in der Tat. Doch fällt dem Schiffszimmermann letztlich dabei ein, daß auch er langsam einen guten Schluck vertragen könnte und auch ein gediegener Happen wäre jetzt nicht schlecht. Der Duft des Bratens fächelt verführerisch über das Deck und vermag den alten Schiffszimmermann gut abzulenken von der allgemeinen Unruhe, die offensichtlich vor am Vordeck herrscht. Seine Sinne zieht es nun mehr hin zu der Stelle, da sich Alrik eifrig bemüht den Braten in gerechte Portionen aufzuteilen. Ole läuft das Wasser im Munde zusammen. Er unterbricht sein Spiel und erntet wütende Proteste einiger Zuhörer, die sich das Glas schon wieder gefüllt hatten und offensichtlich auf das nächste "Das wohl!" warten. Doch Ole läßt sich nicht beeindrucken.

"Ist ja schon gut, ist ja schon gut - später geht's weiter, aber jetzt brauche ich erst einmal etwas zwischen die Zähne!"

Diese Erklärung vermag zwar die rauhbeinigen Seeleute nicht zufrieden zu stellen, doch lassen sie sich, wenn auch unwillig, vertrösten. Ole ist unterdessen zu Alrik gelaufen, sieht ihm eine Weile zu, wie der Junge sich mit Spießgabel und Messer abmüht und fragt ihn dann:

"Na, mein Junge, ist da noch ein Fetzen Fleisch für mich drin?"



Na bitte! Die ersten hungrigen Mäuler sind gestopft und es ist sogar noch allerhand übrig. Der Andrang an der Speisetafel, die im Grunde nur aus Holzkisten besteht, hat spürbar nachgelassen. Andererseits hat der Abend ja gerade erst angefangen, und so mancher wird gewiß noch ein zweites, drittes oder gar viertes Mal zulangen.

Gerade als sich Alrik ein besonders knuspriges und braunes Fleischstück abgesäbelt hat, verstummt die lustige Musik und Ole fordert seine wohlverdiente Ration ein.

"Aber sicher, Ole! Es ist schon noch einiges dran. Nimm vorerst das hier."

Alrik hält den Fleischspieß mit dem riesigen, aufgepikten Bratenstück vor Oles Nase.

"Teller und so'n Kram hab ich dort hinten irgendwo gesehen", überlegt Alrik. Im Grunde spricht ja nichts dagegen, es wie die meisten zu halten und gleich direkt mit den Händen zuzugreifen, aber wo Ole doch noch in den feinen Kleidern steckt...



Ole legt sein Instrument vorsichtig auf die Seite, an eine Stelle, wo es geschützt vor tölpelhaften Stolperern gut liegen bleiben kann, während der Musikant für sein leibliches Wohl sorgt. Der Schiffszimmermann zieht aus einer Manteltasche ein großes Leinentuch heraus, bindet es sich um den Hals und breitet die Fläche des Tuches aufmerksam über seinem gewaltigen Brustkorb aus. Jetzt erst, nachdem er die wertvolle Kleidung vor tropfendem Bratfett gut geschützt weiß, nimmt Ole das angebotene Bratenstück aus Alriks Hand entgegen. Er nimmt es links und recht mit dem Daumen und dem Zeigefinger der jeweiligen Hand, während er die anderen Finger 'vornehm' wegspreizt. Zuerst zieht er genießerisch das Aroma des Braten durch seine aufgeblähten Nasenflügel ein und überläßt sich eine Zeit lang üppigem Speichelfluß. Dann schlägt er sein Zähne in das Fleisch, wie ein hungriger Bornbär in ein waidwundes Karen. Dabei gibt er brummende Laute von sich, die offensichtlich ein beträchtliches Wohlbehagen signalisieren wollen. Dann schüttelt er an seinem rechten Arm den weiten Ärmel seines Gewandes nach hinten, bis ihm der Saum um den Ellbogen hängt. Mit den Handrücken und Teilen des Unterarmes wischt er sich Bratensaft von den Lippen und dem Bart, um gleich darauf wieder kräftig zuzubeißen. Mit den Füßen angelt er sich ein kleine Kiste und läßt sich darauf nieder, steht aber sofort wieder auf, als er erkennen muß, daß das Leinentuch zu klein ist auch Schoß und Knie vor abtropfendem Fett zu schützen.

"Ich finde," so sagt er, doch man versteht ihn schlecht, da er mit vollem Mund redet "Fiana hat sich selbst übertroffen. Wenn nun auch das 'Feuer' so gut brennt, so wie dieser Braten schmeckt und sättigt, dann wird es eine unvergeßliche Nacht!"


Jetzt endlich ist ein Augenblick gekommen, wo Alrik an die Selbstversorgung denken kann. Fröhlich grinsend schneidet er sich ein großzügig bemessenes Stück aus der verbleibenden Keule. Dann legt er die Schneidwerkzeuge zur Seite trottet dann einfach mal so hinter Ole her. Ausreichend freier Platz ist noch auf Deck vorhanden, nur mit den Sitzgelegenheiten, da wird es schon etwas enger. Kurzum setzt sich Alrik im Schneidersitz gleich direkt auf die Planken des Oberdecks. Erst einmal was essen! Gierig beißt er ein großes Stück aus dem Teil heraus, ganz so, als hätte er die letzten acht Tage nur bei Wasser und Schiffszwieback verbringen müssen. Darum kommentiert er Oles Worte auch nur mit einem heftigen Nicken. Zum einen hat er den Mund gerade so voll genommen, daß er nicht antworten kann, und zum anderen hat er sowieso nicht verstanden, was Ole gerade gesagt hat. Aber ein beipflichtendes Nicken kann schon nicht schaden...



Darian, der Leuchtende


Noch immer steht Darian an der Reling und streckt seine leuchtende Hand zum Wasser hin aus. Während er noch überlegt welche Art Zauber oder Dämon die Matrosin zu ihrem Sprung getrieben haben könnte, sieht er wie ein anderer Mann auf dem Vorderdeck seinen Stab in ein Seil verwandelt. Diese Verwandlung erkennt er zweifelsfrei als dritten Zauber des Stabes.

´Das ist nicht Ottam, also ist noch ein weiterer Magier an Bord.´ stellt er fest.

"Hesinde zum Grusze !" ruft er dem Unbekannten zu. Dann geht er ein Stück an der Reling entlang. Er stellt sich so auf, dasz die beiden Schwimmerinnen im Lichtschein gut zu sehen sind. - Schlieszlich sollen Seil und Matrosin auch zusammenfinden.



Nirka am Schiff


Nirka bugsiert die Matrosin nun mit kraftvollen Schwimmbewegungen in Richtung Schiff. Über das seltsame Verhalten der Frau kann sie sich später noch Gedanken machen, nun ist es erst einmal vorrangig, sie aus dem kalten Wasser zu bekommen. Sie selbst spürt die Kälte noch nicht so sehr, zumal sie sich ja auch bewegt. Und sie kennt eine verdammt gute Methode, um nachher ganz schnell wieder warm zu werden...

Ein rascher Blick nach oben zu dem magischen Licht hin zeigt ihr, daß die anderen nicht untätig waren, und anscheinend die Anbordholung vorbereiten. Die geistesabwesende Matrosin und die Bootsfrau sind nun neben der Bordwand angekommen, die dunkel und hoch aufragt.

"Ein Seil!" ruft Nirka nach oben, denn aus diesem Winkel sieht sie im Grunde nichts von dem, was oben auf dem Deck vorgeht.



Als Aleara bemerkt, daß jemand sie festhält, leistet sie keinen Widerstand. Gleichwohl werden ihre Bewegungen immer langsamer, und sie zittert merklich in den Händen der Retterin.

Diese Nördlichen Gewässer sind sehr kalt, wenngleich auch nicht ganz so arg kalt, wie sonst um diese Zeit. Doch die untergegangene Praiosscheibe kann das Wasser nicht mehr aufwärmen und so ist es doch unangenehm. Aber ruhig, ohne ein Wort zu sagen, läßt sie sich zum Boot schleppen. Sie wirkt beinahe geistesabwesend...



Belvolio antwortet Sigrun


"Wenn Ihr das Seil dort befestigt, Herr, wird es halten und Ihr vergeudet nicht zuviel in der Länge."

Belvolio musternd abschätzend die Planke auf die die Matrosin gerade deutet und antwortet nach kurzem überlegen :

"Sicher, eine gute Idee, Versuchen wir es ..."

Belvolio läßt das Seil aus der Hand gleiten und beobachtet zufrieden wie sich das Seil wie von Geisterhand um die Planke wickelt und anschließend in einem festen Knoten endet.

"Ähm, das Seil, ... es ist doch so stabil wie ein, äh, ... anderes Seil, oder?"

Diese Frage, welche nur aus dem Munde eines Unwissenden stammen kann, quittiert Belvolio mit einem finsteren Blick in Richtung Sigrun :

"Natürlich hält dieses Seil es ist ja nur eine Transformation des Materials und der Länge des Stabes, seine Magische Festigkeit geht jedoch nicht verloren."

erwidert er verärgert. Etwas sanfter fügt er hinzu :

"Wenn es euch interessiert könnte ich euch die Theorie zu diesem Effekt zu einem späteren Zeitpunkt näher erläutern."



Rettung


Den etwas bösen Blick von Belvolio anläßlich ihrer Nachfrage quittiert Sigrun nur mit einem Nicken. Es war nicht ihre Absicht, den Magier zu verärgern, aber Sicherheit geht vor. Und auf eine genauere Erläuterung der Vorgänge möchte sie auch lieber verzichten. Sie antwortet daher nur kurz:

"Danke, ich glaube auch Eurem Wort."

Währenddessen schließt sich das Seil in einem festen Knoten um die ausgewählte Planke. Das nun wieder kann Sigrun einschätzen: Der Knoten ist definitiv fest!

Als Belvolio das Seil ins Wasser wirft, beugt sie sich leicht über die Reling, um zu erkennen, wie weit Nirka im Wasser ist.

"Nirka!! Hier ist das Seil, gleich unter dem Licht!!"



´Stimmt, hochziehen müszen wir sie ja selbst, soweit reicht der dritte Stabzauber ja nicht.´

Auf Darians Magierstab liegt erst der zweite Zauber, so dasz ihm diese Tatsache entfallen war. Leider ist seine Körperkraft lange nicht so ausgeprägt wie seine Geisteskraft, so dasz er bezweifelt eine grosze Hilfe bei diesem Vorhaben zu sein. Dennoch überlegt er ob er den FLIM FLAM FUNKEL fallen lassen und sich bereit machen soll, kommt dann aber zu dem Schlusz, dasz das Licht bei der Verknotung des Seils an der Matrosin noch ganz nützlich sein kann. Daher beugt er sich jetzt auch so weit wie möglich ueber die Reling und ruft den Schwimmenden zu:

"Könnt Ihr das Seil sehen ?"


Im magischen Lichtschein erblickt Nirka nun auch das über die Reling kommende Seil, und sie hört den Ratschlag einer ihr unbekannten Stimme, sicher die eines Passagiers, der Matrosin die Schlinge umzulegen.

Der Hinweis, diese um die Taille zu legen, läßt sie ungeachtet der Situation kurz grinsen - für wie blöd hält der sie eigentlich?

Doch dann hört sie eine sehr vertraute Stimme und weiß damit auch sofort, daß oben alles unter Kontrolle ist.

Es ist für Nirka nicht einfach, das Seil in die gewünschte Lage zu bringen, denn sie braucht eine Hand, um Aleara nicht untergehen zu lassen, und wenigstens eine weitere, um mit dem Seil zu hantieren... und noch eine, um nicht bei der ganzen Aktion abzusaufen.

Sie behilft sich damit, daß sie den Auftrieb mit kräftigen Beinbewegungen erzeugt, und dabei der teilnahmslosen Matrosin die Seilschlinge um den Körper legt. Dies geschieht so, daß die Bergung ohne jede Mithilfe Alearas möglich sein wird.

Die Bootsfrau vergewissert sich, daß alles sicher ist, dann ruft sie nach oben:

"Ihr könnt ziehen!"

Sie selbst läßt noch nicht los, das wird sie erst dann tun, wenn Aleara sicher aus dem Wasser ist.



Sigrun beobachtet im Schein des magischen Lichts Nirkas Bemühungen, Aleara das Seil umzulegen. Doch jetzt scheint es zu klappen. Da kommt auch schon Nirkas Aufforderung zum Ziehen.

Nun ja, viele sind nicht gerade zum Helfen herbeigeeilt und es sieht aus, als müßten sie versuchen, Aleara zu dritt hochzuziehen. Das dürfte schwer werden, bei der nassen Kleidung. Sigrun ist froh, daß Ole gerade eine Pause mit der Musik macht, so wird sie vielleicht doch der ein- oder andere Mit-Matrose hören, als sie ruft:

"HILF MAL JEMAND MIT!!!"

Doch noch während sie ruft, stellt sie sich direkt an die Reling und wickelt das Seil einmal um den Arm. Und schon beginnt sie in gleichmäßigen Zügen zu ziehen.

"HAU RUCK! HAU RUCK! ..."



Sylvhar hat bisher dem Geschehen einige Meter neben ihm auf dem Vordeck und unten im Wasser stumm zugeschaut. Aber die Frau, die jetzt an das Seil gebunden wurde, scheint doch ersthafte Probleme - abgesehen von den 'normalen' menschlichen Problemen - zu haben. Sie braucht wirklich Hilfe. Und Sigrun macht auch den Eindruck, als könnte sie auch noch Hilfe beim Ziehen vertragen. Und als sie dann doch ruft:

"HILF MAL JEMAND MIT!!!"

bewegt sich Sylvhar zu den dreien am Seil hin. Mit ruhiger Stimme wendet er sich an Sigrun:

"Kann ich helfen?"

Die Frage hört sich nicht irgendwie sarkastisch oder als schlechter Witz an, sondern ehrlich gemeint und Sylvhar fragt Sigrun wirklich, ob er in der Lage ist zu helfen.


Jetzt wo es mit dem Heraufziehen losgeht, läszt er den FLIM FLAM FUNKEL fallen, wenn die zweite Schwimmerin das Licht noch benötigt kann man ihn ja neu weben. Sich darüber ärgernd, dasz der Stärkungszauber, den er beherrscht, nicht auf sich selbst anwendbar ist, packt er das Seil mit beiden Händen und beginnt zu ziehen, auch wenn er der Meinung ist nicht viel zu bewirken.



Belvolio greift mit beiden Händen nach dem Seil und bemüht sich so gut es geht mit der Matrosin vor ihm die unbekannte Schwimmerin aus dem Wasser zu ziehen.



Noch immer wirkt Aleara geistesabwesend, ihr Blick ist gläsern und ihre Körper hängt schlaff am Seil. Sie macht keinerlei Anstalten, ihre Bergung - und damit die Entfernung aus dem Wasser - zu verhindern, ja sie bewegt sich überhaupt gar nicht...



Schon nach den ersten Griffen bemerkt Sigrun, daß ihre Befürchtungen wahr sind: Die durchtrainierte Aleara ist in ihren durchnäßten Kleidern nicht gerade ein Leichtgewicht. Zwar bemerkt sie durchaus, daß hinter ihr an dem Seil gezogen wird, schließlich bemühen sich die beiden Magier nach Kräften, doch jedesmal, wenn sie umgreifen muß, hat sie für einen kurzen Moment die Angst, das Seil könnte ihr entgleiten. Da, endlich kommt jemand, um zu helfen. Es ist der Elf. Nun ja, er ist schlank und wirkt nicht gerade muskulös, doch inzwischen hat er gelegentlich an Bord mit geholfen und außerdem ist jede Hilfe besser als keine.

"Du kannst hinter mir ziehen", antwortet sie daher kurz. Das weitere Ziehen unterbricht sie dabei nicht, sie möchte ihre Kraft nicht unnötig vergeuden. Ein leichter Ruck ist am Seil spürbar, als Alearas Füße sich aus dem Wasser heben.



Nirka schiebt noch ein wenig nach, soweit das aus ihrer feuchten Position heraus überhaupt möglich ist, und läßt sich dann, als klar ist, daß Aleara wohlbehalten oben ankommen wird, ins Wasser zurück gleiten.

Sie mustert die dunkle Masse des Schiffes kurz, dann faßt sie einen Entschluß und beginnt mit kraftvollen Schwimmbewegungen an der seeseitigen Bordwand der NORDSTERN entlang durch das Hafenbecken zu schwimmen.

Ihr Ziel ist ganz eindeutig das Heck, wo sie nach gar nicht so langer Zeit auch ankommt, und durch den erhöhten Heckaufbau aus dem Sichtfeld etwaiger Schaulustiger entschwindet, die bei dem Dämmerlicht ohnehin kaum etwas davon sehen können.



Belvolio zieht kräftig an dem Seil, auch die anderen geben sich größte Mühe, soweit er das beobachten kann, aber dennoch kommt es Belvolio so vor als ob die Frau am anderen Ende des Seils sich nicht von der Stelle rührt. Zu allem Überfluß machen sich auch langsam die Lasten des Alters bemerkbar, es scheint als ob die Arme von einer unbekannten Kraft in die Länge gezogen würden, auch die Hände verlieren ihren halt und drohen das Seil entgleiten zu lassen.

Ein wenig verärgert ist Belvolio schon, als dieses Spitzohr, in der für Elfen typisch unschuldigen Art nachfragt, ob denn Hilfe von Nöten sei. Elfen sind ihm schon immer suspekt gewesen, sie lehnen seine Magie ab, ohne auch nur auf seine Argumente und Erklärungen einzugehen. Sicher, einige hören sie sich an, die meisten jedoch meiden ihn, als ob er eine ansteckende Krankheit tragen würde.

Am liebsten würde Belvolio dem Spitzohr eine saftige Abfuhr erteilen und fortschicken, im Augenblick war Belvolio aber nur froh das sich überhaupt einer der Anwesenden hierher bemüht um zu helfen.



Sylvhar's Hilfe scheint wirklich gebraucht zu werden. Gebraucht schon - erwünscht, wahrscheinlich nicht von allen Beteiligten. Wie dem auch sei, es geht ja um die Frau am anderen Ende des Seils.

Auf Sigrun's Antwort hin bewegt sich Sylvhar auf das Seil zu, hebt seine Hände und will schon mit anpacken, als er plötzlich innehält. Regungslos steht er da, nur sein Gesicht zeigt, daß er geistig etwas abwägt. Die Brauen gehen hoch und runter, die rubinroten Augen hin und her.

Da setzt sich sein Körper wieder in Bewegung. Er scheint einen Entschluß gefaßt zu haben. Die Hände greifen zu - umschliessen aber nicht das Seil, sondern Sigrun's linken Oberarm. Die Berührung ist ganz ohne Druck oder Härte, eher sanft und leicht. Er schließt seine Augen, murmelt dann etwas, verharrt noch zwei, drei Herzschläge in dieser Position, öffnet seine Augen wieder und läßt Sigrun's Arm wieder los.

Er bleibt mit einem zufriedenen Gesicht hinter Sigrun stehen.



´Es kommt ja doch noch jemand zum helfen. Oh, ein Elf. Ich dachte immer das abergläubische Seevolk duldet keine Elfen an Bord eines Schiffes´.

Darian zieht auch weiterhin an dem Seil, auch wenn er kaum etwas zu Alearas Bergung beiträgt. Etwas neidisch beobachtet er wie der Elf den MUSKELSTÄRKE - KÖRPERKRAFT auf die Matrosin vor ihm wirkt.

"Ich könnte auch gut einen gebrauchen, aber den eigenen Oberarm umfassen geht ja nun mal nicht!" murmelt er in seinen nicht vorhandenen Bart, leise nur, so dasz es kein Mensch versteht, nicht bedenkend, dasz Elfen ja nicht nur spitze, sondern auch scharfe Ohren haben.



Und nun: Durst


Ole hat nun sein Mahl beendet, er ist satt und es geht ihm jetzt wirklich sehr gut. Nachdenklich betrachtet er die übrig gebliebenen Knochen, kein Fetzchen Fleisch ist mehr daran zu erkennen. Selbst Heerscharen hungriger Ameisen hätte nicht umfassender vorgehen können. Ole wirft die Knochen achtlos über die Schulter. Das Gebein fliegt in hohem Bogen, über die Köpfe der Feiernden hinweg, über die Reling, hinaus auf das Hafenwasser. Kurz zuckt Ole zusammen, war ihm doch eingefallen, daß irgend jemand heute Abend über Bord gegangen sein mußte. Wann war das gleich wieder gewesen? Aber was soll's, das Ganzen hat sich wahrscheinlich sowieso vorne am Vordeck abgespielt und das ist weit genug entfernt. Wer schwimmt da schon nach einer solchen Rettungsaktion seeseits rund ums Schiff? Ole ist sich fast sicher, daß die Knochen niemanden am Kopf getroffen haben können.

Ole leckt sich die Finger ab und rülpst einmal kräftig, das hilft gegen schweres Völlegefühl. Nun wird es aber wirklich Zeit, daß er etwas für seine Verdauung tut. Er blickt neben sich, auf den Schiffsjungen, der gerade einen 'Zweikampf' mit einem riesigen Keulenstück aufgenommen hat. Alriks Backen sind aufgebläht wie der Blasebalg eines Schmiedes. Ole lächelt. Wenn da mal nicht die Augen größer gewesen waren als der Magen. Er stubst Alrik von der Seite her an.

"Nach, mein Junge, wie wär's mit etwas 'Feuer' im Bauch? Das hilft gegen die Benommenheit nach schwerem Essen!"



Hastig schlingt Alrik einen weiteren Bissen seines Bratenstücks herunter.

"Feuer?"

Der Junge versucht sich die Überraschung nicht anmerken zu lassen, aber Oles Worte klingen für ihn fast so wie eine Einladung. Unauffällig schielt er zu Fiana herüber. Doch diese ist immer noch umringt von eifrigen Gratulanten und wohl auch recht beschäftigt. Von der Bootsfrau ist auch nichts zu sehen. Das trifft sich wirklich günstig, denn wer sonst würde ihm schon Vorhaltungen machen - und ein, zwei Schlückchen werden schon nicht schaden...

"Ja, ein Feuer wäre jetzt genau das richtige", verkündet Alrik, der Unwissende.



Nirka am Heck


Die schwimmende Bootsfrau hat das Heck des Schiffes fast erreicht, als es irgendwo hinter ihr platscht. Ihr erster Gedanke ist, daß Aleara, die schon gerettet schien, wieder ins Wasser zurückgefallen ist, doch dafür ist der Platsch entschieden zu leise gewesen - außerdem sieht sie am Bug schemenhaft, daß die Bergung noch im Gange ist.

Es muß wohl etwas anderes gewesen sein... vielleicht hat einer der Feiernden Abfälle über Bord geworfen... etwas, daß sie persönlich mißbilligt, aber was soll man tun, wenn jeder es so hält?

Nirkas Finger stoßen bei dieser Überlegung an das Heck der Karavelle. Rasch orientiert sie sich, und schwimmt ein kleines Stück weiter, bis das große Ruder vor ihr aufragt. Ungeachtet der Dunkelheit, der Feuchtigkeit, der Kälte und der recht unbequemen Lage - schließlich zieht ihre nasse Kleidung sie eifrig nach unten - tastet die Bootsfrau das Ruder kurz ab. Man weiß ja nie, wann sie eine solche Gelegenheit wieder ergibt!

Dann greift sie nach oben und erwischt wie beabsichtigt eines der Lager des Ruders, woran sie sich kraftvoll hochzieht. Der Rest ist einfach, denn das Heck eines hölzernen Schiffes ist alles andere als eben und gleichmäßig. Es gibt Vorsprünge, Verzierungen, die ganze solide Rudertechnik... und weiter oben dann die Aufbauten, die noch einfacher zu besteigen sind.

Es ist mit Abstand der weiteste Aufstieg aus dem Wasser, der möglich ist, denn das achtern gelegene Brückendeck ist von den Decks der NORDSTERN am höchsten über dem Wasser. Niemand mag genau sagen, warum Nirka genau hier aufsteigt, nicht einmal sie selbst. Vielleicht ist es einfach die Freude am Klettern, oder sie will einfach nicht dort ankommen, wo alle herumstehen.

Schließlich schwingt sie sich mit einem abschließenden Ruck über die Heckreling und steht nun pitschnass auf dem Brückendeck.



'Starke' Sigrun

Hinter Sigrun scheint sich bezüglich des Seils nicht allzu viel zu tun. Natürlich, ab und zu spürt sie einen kräftigen Zug des älteren Magiers, doch irgendwie hat sie jetzt immer häufiger das Gefühl, als würde ihm das Seil anschließend um genau dieselbe Länge wieder entgleiten.

Doch was tut dieser merkwürdige Elf? Statt, wie sie ihn gebeten hat, ebenfalls mit anzufassen, kommt er zu ihr und umfaßt ihren Arm. Was soll das werden? Sigrun fühlt sich irgendwie ... anders. Es scheint etwas mit ihr zu passieren. Wäre sie nicht so sehr mit der Anstrengung beschäftigt, das Seil ein paar weitere Zentimeter nach oben zu ziehen, hätte sie den Elfen wohl zurechtgewiesen. Doch so spart sie sich ihre Energie lieber für Sinnvolleres auf.

Und dann, ... plötzlich ... , wird Aleara viel leichter! Sigruns Arme sind gar nicht mehr schwer, die Muskeln nicht mehr verkrampft!

Sigrun hat sich nie für schwach gehalten, aber eine solche Kraft hätte sie sich wirklich nicht zugetraut. Ob der Elf ...? Nun, warum sich wundern, lieber die Gunst der Stunde nutzen! Ein paar kräftige Züge, und schon hat Aleara ein großes Stück der Bordwand unter sich gelassen. Sigrun muß nun vorsichtig sein, daß das Schwingen des Seils die andere Matrosin nicht gegen die Bordwand schlägt, doch mit ein wenig Umsicht gelingt es ihr, Aleara fast gerade nach oben zu ziehen.



Plötzlich tut sich am Seil ein kräftiger Ruck, und kurz scheint keine Last mehr am Seil zu hängen, doch dann ruckt es erneut und dieselbe Last wirkt wieder auf das Seil ein. Doch ob sich das Seil an einem Holz aufgerieben hat und nun zu reißen droht, oder ob der Knoten mit dem Aleara befestigt ist sich gelöst hat, das ist schwer zu sagen...



Das kann ja wohl nicht wahr sein. Gerade hat Sigrun sich von der Überraschung erholt, daß sich das Seil plötzlich so leicht anfühlt, da wird es zunächst noch leichter und dann mit einem Ruck wieder so schwer wie zwischenzeitlich. Es kann hierfür nur eine Erklärung geben: Aleara muß innerhalb der Schlinge ein Stück nach unten gerutscht sein. Hier ist jetzt offensichtlich Eile geboten!

Ohne sich darum zu kümmern, dass die Helfer hinter ihr aus dem Takt kommen könnten, zieht Sigrun das Seil schnellstmöglich ganz nach oben. Schon tauchen Alearas Kopf und die vom Seil leicht hoch gedrückten Schultern vor ihr auf.

"Haltet das Seil straff, dann kann ich sie an Bord ziehen!", ruft Sigrun den drei 'Mitziehern' zu.



Belvolio stemmt sich gegen das Gewicht am anderen Ende des Seils umfaßt dieses so gut es nur geht. Dann bereitet sich Belvolio darauf vor das Seil ohne die Hilfe der Matrosin und damit auch ohne den Zauber des Elfen zu halten.

"Ich bin bereit holt sie an Bord, SCHNELL !"

Antwortet Belvolio hoffend das er und der andere Magier die Last der Frau auch halten können ...



Nach ein paar kräftigen Sigrun-Zügen ist die Frau am Seil nun an der Reling sichtbar. Sigrun setzt nun an, die Frau ganz an Bord zu ziehen. Die Sache scheint jetzt ziemlich gut zu laufen, die Berobten am Seil sind auch bereit und Sigrun wird das schon schaffen. Sieht ganz so aus, als werde Sylvhar's Hilfe hier nicht mehr groß benötigt. Aber wieso die Frau da ins Wasser gesprungen ist, würde er schon noch gerne erfahren, somit bleibt er stehen und schaut neugierig auf die Frau, die jetzt dann bald auf dem Vordeck sein wird.



Nachdem der Elf den Stärkungszauber auf die Matrosin gesprochen hat geht der Rest sehr schnell. Da ist ja schon Alearas Kopf zu sehen. Als die Matrosin ruft, das Seil solle gehalten werden damit sie sie ganz an Bord ziehen kann, denkt er:

´Gleich ist das Gröbste ja geschafft, aber was mit der Frau los ist wüszte ich schon gerne.´

Auch ohne magisch verbesserte Muskelkraft bemüht er sich das Seil so fest wie möglich zu halten.



Jergan hält die Stellung


Jergan ist erleichtert, als er Gepolter auf dem Brückendeck hört. Er hat so ziemlich als einziger Nirkas Runde um das Schiff herum wenigstens akustisch verfolgt, soweit das bei dem Lärm der Feiernden möglich war, und weiß sie nun wieder sicher auf dem Schiff.

Auch vorne am Bug sieht alles nach einer erfolgreichen Bergung aus - die einzige Frage, die den Kapitän jetzt bewegt, ist der Grund. Warum ist Aleara ins Wasser gefallen?

Schon zum zweiten Mal in den letzten Minuten verdrängt er die Idee, sich nach vorne durchzudrängeln. Seine Mannschaft hat solche Dinge auch ohne ihn unter Kontrolle, und schließlich ist er der Kapitän dieses Schiffes, auf dem gerade gefeiert wird.

Er verzichtet dennoch vorerst auf einen Trinkspruch zum Wohle Fianas - das wäre ein wenig geschmacklos, solange Aleara noch nicht wirklich in Sicherheit ist. Aus dem gleichen Grund läßt er allen anderen den Vortritt bei dem Wildschweinbraten - er nimmt sich vor, später mit Fiana zusammen zu essen, die noch mit den Gratulanten beschäftigt ist.

So beschränkt sich Jergan Efferdstreu darauf, in Fianas Nähe zu bleiben und die Geschehnisse auf dem Schiff zu beobachten.



Nirka pitschnaß

Lautlos geht Nirka über das Brückendeck. Sie weiß genau, wo sie hintreten muß, um kein Geräusch zu verursachen, und sie weiß auch ganz genau, daß es keine Gefahr gibt, sich an den Holzplanken die nackten Füße zu verletzen, denn dieses Deck wird ebenso wie jedes andere regelmäßig gescheuert und gepflegt.

Die pitschnasse Bootsfrau huscht die Treppe zum Oberdeck hinunter. Eigentlich möchte sie sich erst einmal umziehen, ehe sie sich wieder dem Schiffsgeschehen zuwendet, aber das ist bei dieser Feier leider unmöglich - nahezu alle sind zwischen ihr und ihren Sachen. Sie könnte natürlich den hinteren Abgang benutzen, aber das muß im Grunde auch nicht sein. Außerdem... da ist noch Aleara, und sie muß zumindest nachsehen, wie es dieser geht. Nass zu sein hat seit Anbeginn der aventurischen Seefahrt noch keiner Bootsfrau geschadet!

Festen Schrittes bahnt Nirka sich einen Weg über das Oberdeck.



Aleara an Bord


Sigrun spürt, daß sich die Anstrengungen der beiden Magier noch verstärken. Gut, dann kann sie es wirklich versuchen! Zunächst läßt sie das Seil nur mit der einen Hand los und beugt sich so nah zu Aleara wie möglich. Während sie den nun schon frei gewordenen Arm unter Alearas Schulter schiebt, muß sie dann auch mit der anderen Hand das Seil fahrenlassen. Doch gleichzeitig kann sie das Gewicht, das jetzt nur noch von den beiden Magiern gehalten werden muß, bereits ein wenig reduzieren. Schnell faßt sie fester zu und schiebt auch den anderen Arm um Alearas Körper. Geschafft!! Sie hat die andere Matrosin in festem Griff und braucht nun nur noch zu ziehen. Vorsichtig richtet sie sich auf und beginnt, langsam rückwärts zu gehen und Aleara dabei immer weiter über die Reling zu ziehen. Behutsam legt Sigrun ihre Kollegin seitlich neben der Reling ab. Doch nun heißt es, Alearas Zustand zu prüfen! Leicht klopft Sigrun gegen ihre Wangen.

"Aleara! Aleara! Kannst du mich hören?"

und lauter nach rückwärts gerichtet:

"Schnell, versteht hier jemand etwas von Heilkunst?"



Nachdem die Frau an Bord gezogen ist, läßt Belvolio das Seil zu Boden fallen macht einen Schritt, nach vorne beugt sich über Aleara, Blickt dann Sigrun an und antwortet :

"Nun von der Kunst eines Medicus verstehe ich nicht so viel, ich verlasse mich da eher auf die Möglichkeiten der Kraft"

Nun wartet Belvolio auf eine mögliche Reaktion der Schwimmerin.



Ein paar Augenblicke später ist die Frau an Bord geholt. Erleichtert läszt Darian das Seil los und begibt sich nach vorne um nach Aleara zu sehen. Aber Belvolio kommt ihm zuvor und will mit einer Untersuchung beginnen, als die Matrosin plötzlich wieder hellwach ist. Darian steht etwas abseits, ´sehr merkwürdig ...´denkt er. Den Blick auf die seltsame Frau gerichtet formt er die Worte:

"ODEM ARCANUM SENSEREI - weht da ein Hauch von Zauberei ?"

Die Fäden der Kraft beginnen ein Band zu knüpfen zwischen dem Geist des Magiers und der Aura der Matrosin, Muster formen sich aus den Linien, bauen dem Magier einen neuen Sinn, einen Sinn, der es im erlaubt das Wirken der Kraft zu erkennen. Gleich ist es soweit, gleich wird er sehen, ob Alearas Irrwege mit arkanem Wirken zusammenhängen ...


Belvolio fliegt ein zufriedenes Schmunzeln über das Gesicht und ein kurzes Glitzern in den Augen verrät die Freude, als er bemerkt, daß es der Matrosin wohl gut geht.

Als er seinen Mimik bemerkt wird sein Gesicht augenblicklich wieder steinern, wie das einer Schlange, nur die Freude in den Augen läßt sich nicht ganz unterdrücken. Belvolio weiß nicht genau warum, ja im Grunde genommen gibt es gar keinen Grund warum er sich freuen sollte, er kennt diese Frau doch gar nicht, aber dennoch ...

Belvolio nimmt sich vor wieder stärker an seiner Selbstdisziplin zu arbeiten ein solches Verhalten ist ein Zeichen von Schwäche das ihn vielleicht einmal das Leben kosten könnte, es liegt sicher an der trügerischen Sicherheit des Schiffes.

In der Hoffnung das keiner seine Gefühlsregung bemerkt hat wendet er sich an den Magier neben sich der einen ODEM ARCANUM gewirkt hat und fragt :

"Nun könnt ihr etwas wahrnehmen ?"



Der Zauber ist vollbracht und doch bringt er keine Erkenntnis, bis auf die, dasz es nichts zu erkennen gibt. Da fragt sein Kollege auch schon nach dem Ergebnis seiner Clarobservantia.

"Nun, wenn meine Formel nicht fehlging - wovon ich hier und jetzt einmal ausgehen kann - dann wirkt hier keinerlei Magie, zumindest," er zeigt auf Aleara, "was diese Matrosin anbetrifft. Auch eine Besessenheit durch einen Dämon können wir daher ausschlieszen, denn ein auftreten eines Jenseitigen ist stets von arkanem Wirken begleitet. Man musz daher davon ausgehen, dasz irgendein nicht-arkanes Ereignis diese Frau um den Verstand brachte eine traumatisierende Begegnung während des Landganges vielleicht oder," fügt er halbscherzhaft hinzu, "schlicht ein wenig zuviel des hiesigen Feuers."



Aleara erwacht


Aleara schlägt die Augen auf.

"Schrei doch um der Zwölfe Willen nicht so, ich höre dich doch! Aber was soll das? Was steht ihr alle um mich herum?"

Mit einer Schwungvollen Bewegung will sie den Oberkörper aufrichten, fällt jedoch nach etwa der Hälfte des Weges hustend auf die Planken zurück. Völlig erschöpft bleibt sie liegen, atmet ein paar mal tief durch schließt die Augen und harrt der Dinge die da nun kommen mögen...



Feuriges und Nasses


Ole hat sich zwei Gläser mit Premer Feuer besorgt. Es war gar nicht einfach gewesen, denn die Männer holen ständig nach und die Stimmung steigt. Das Gedrängel um das Faß wird immer dichter. Ole mußte sich schon sehr verstärkt nach vorne schlängeln, um den begehrten Brand für sich in Empfang nehmen zu können. Das er gleich zwei Gläser genommen hat, liegt nicht an seiner Gier, sondern an der festen Überzeugung, daß es an der Zeit sei auch den Schiffsjungen wie einen echten Seemann zu behandeln und dazu gehört natürlich auch dessen Anteil am Feuer, wenn es denn schon einmal in derartigen Mengen an Bord ausgegeben wird. Das kommt ja nicht allzu häufig vor und wenn es geschieht, dann soll auch Alrik was davon haben.

Zwar hatte Ole nur wenig Mühe gehabt sich vor zu drängeln, dafür hat er jetzt sehr viel mehr Schwierigkeiten sich wieder zurückzuziehen, ohne etwas aus den Gläser zu verschütten, es wäre doch zu schade um den edlen Tropfen. Vorsichtig geht Ole vorwärts, Schritt für Schritt, den Blick konzentriert auf die Gläser und seiner Hand und auf den Boden gerichtet, um nicht über irgend etwas zu stolpern.

Das erste was ihm dabei besonders auffällt sind die nackten Füße, die in einer riesigen Pfütze von Salzwasser stehen. Ole ist nicht so leicht zu überraschen, doch damit hat er doch nicht gerechnet. Und als er den Blick aufrichtet, sieht er vor sich Nirka, die sich gerade zum Vordeck vordrängelt. Es braucht einige Zeit, bis er seiner Verwunderung Herr wird, als er erkennt, daß Nirka nicht einfach so, wie man sie gewöhnlich kennt, sondern vielmehr triefend naß vor ihm steht und vor Schreck hätte er beinahe seine Gläser fallen lassen. Dann lächelt er spöttisch:

"Na, was hat dich denn derart ins Schwitzen gebracht?"

Dann streckt er ein Glas zu Nirka hin und fährt fort:

"Da, nimm dies, ich denke, das kannst du jetzt gut gebrauchen! Nichts wärmt besser!""



Ole bekommt einen fast wütenden Blick "geschenkt".

"Geschwitzt? Das ist Wasser aus dem Hafenbecken, ich habe gerade Aleara da raus geholt, während du..."

Sie sieht plötzlich ein Glas mit irgend etwas, sicher Premer Feuer, vor ihrer Nase, und will den immer wütender werdenden Satz fortsetzen, als Oles Worte ihr Gehirn erreichen, und ihr klar wird, daß er recht hat. Wortlos greift sie sich das dargebotene Glas und kippt den Inhalt in einem Zug hinunter.

"Das wohl!" Und leiser: "Danke!"

Ole bekommt das leere Glas in die Hand gedrückt, wobei Nirka sich Mühe gibt, ihn auch voll zu tropfen, und dann geht es weiter in Richtung Vordeck.



Ole nimmt das leere Glas wieder entgegen und zuckt zusammen, als ihn einige der zahlreichen Tropfen, mit denen ihn Nirka absichtlich benetzt, genau in die Augen treffen. Der Schiffszimmermann blinzelt sich wieder die Sicht frei. Es ist zwar nur Wasser, aber eben Salzwasser und das brennt schon ein wenig, auch wenn die Augen eines Seemannes dahingehend eigentlich abgehärtet sein sollten. Ole tritt eilig auf die Seite, als Nirka wieder los stürmt und sich auf dem Weg zum Vordeck freie Bahn durch die Feiernden erkämpft, wie ein Riesenhai durch einen Schwarm von Heringen.

"Bei Swafnir, es war doch nur ein Scherz, man wird doch noch einen kleinen Ulk machen dürfen!" ruft er Nirka grinsend hinterher.

Doch gleich darauf wird er wieder nachdenklich. Aleara ist ins Wasser gefallen? Ausgerechnet Aleara? Wie, beim Swafnir sollte denn das passiert sein? Wenn einer der Passagiere über Bord gegangen wären, das hätte Ole verstehen können. Ein Glas 'Feuer' zuviel, ein falscher Schritt in ungewohnter Umgebung, schon könnte es geschehen. Aber ausgerechnet Aleara? Das hätte der alte Schiffszimmermann nicht gedacht. Für einen Moment überlegt er, ob er Nirka folgen sollte, vielleicht könnte er ihr helfen. Aber Nirka zu helfen wäre gleichbedeutend wie Wasser ins Meer zu kippen und so läßt es Ole lieber bleiben. Wenn sie ihn wirklich gebraucht hätte, dann hätte sie ihn jetzt mitgenommen. Ole zuckt mit den Schulter und stürzt das verbliebe Glas 'Feuer' in seinen Hals. Ja, das wärmt wirklich. Ole schaut auf die beiden leeren Gläser in seiner Hand, dann blickt er zu dem Gedrängel um das Faß hinüber, seufzt ein wenig und beginnt einmal mehr sich wieder nach vorne zu drängeln, um die beiden Gläser wieder füllen zu lassen.



Erste Hilfe


Sigrun ist erleichtert. Entgegen dem ersten Eindruck scheint Aleara zumindest zwischenzeitlich bei Bewußtsein zu sein. Doch warum weiß sie nicht, was mit ihr passiert ist? Nun, vielleicht können die Herren Magier ihr wirklich helfen. Sigrun jedenfalls weiß nur, wie kalt das Wasser hier im Hafen von Prem sein muß und daß es bestimmt nicht gut ist, all zu lange in nassen und kalten Sachen auf Deck zu liegen. Sie zieht sich ihre Jacke aus und beginnt dann, ohne sich um möglicherweise irritierte Blicke zu kümmern, Alearas nasses Hemd zu öffnen.



Die Maus


Friedlich scheint der Mond auf das ruhige Wasser. Welch angenehmes, laues Reisewetter!

In freudiger Erwartung trippelt die Maus die Hafenanlage entlang auf der Suche nach einem geeigneten Passagierschiff. Von einem riecht es ja besonders schmackhaft. Und neben den üblichen Hanfaufgängen hat man sogar an eine besonders einladende Rampe gedacht! Hier wird die Bedienung sicherlich ganz vorzüglich sein!

So springt die Maus nach nochmaligem vorsichtigem Schnuppern die Planke hinauf. Am oberen Ende macht sie halt und schnuppert noch einmal. Viel sehen kann sie nicht - so ist das bei Mäusen - aber es genügt, zu erkennen, daß es hier viele Riesenzweibeinratten gibt.



`Gestatten, Eratsmus von Otterndamm; wo kann ich mich hier anmelden?'

Natürlich hört keine der Riesenzweibeinratten zu, geschweige denn, die Maus würde überhaupt von jemandem bemerkt. Man muß also aufpassen, nicht unbefugt betreten zu werden. Diese Riesenzweibeinratten sind ja solche Trampeltiere!

Hier und dort sind bereits einige Willkommenshäppchen auf den Planken angerichtet, das ist deutlich zu riechen. Vom Appetit übermaust, huscht Eratsmus zu einem Holzklotz, auf dem eine Riesenzweibeinratte sitzt, denn dort gibt es ein paar leckere Brotkrumen einzusammeln.



Ein Elf auf Kleidersuche

Kurz nachdem die Frau endlich an Bord ist, stürzen sich gleich alle auf sie. Daß Menschen immer alles so hektisch angehen müssen. Und als Aleara, so heißt sie wohl, sich regt, setzen die beiden Berobten gleich in großem Masse ihr Mandra ein. Auch seltsam, tun das doch die anderen Menschen überhaupt nicht, so zeigen diese beiden schon fast ein übermäßige Aktivität diesbezüglich. Sylvhar hatte gedacht, wenn er schon auf einem ihren Schiffen mitfährt, so hat er doch die Möglichkeit, die Menschen ein bißchen besser kennen zu lernen. Aber sie verwirren ihn eigentlich je länger je mehr.

Mittlerweile steht er neben der Reling. Mit einem Ellbogen auf der Reling abgestützt, den Kopf auf die Hand gelegt, schaut er der kleinen Gruppe um Aleara zu. Sigrun scheint die einzige zu sein, die wenigstens etwas vernünftiges macht. Es ist zwar gar nicht so kalt, aber wer weiss wieviel Kälte Menschen ertragen können. Und zudem helfen die nassen Kleider auch nicht gerade. Ist vielleicht grad was wärmendes in der Nähe? Ja doch, sein Pelzmantel wäre womöglich gar nicht mal so eine schlechte Idee. Den hat er jetzt aber unter Deck gelassen. Ein Blick über das menschenüberfüllte Deck sagt ihm, daß er wahrscheinlich ziemlich lange hätte, bis er mit dem Mantel wieder hier wäre. Was könnte man sonst noch gebrauchen? Suchend schaut er sich auf dem Vordeck um.



Das Vordeck der NORDSTERN ist nicht wirklich klein, es wird es jedoch, denn viele Trossen der Takelage, die Ankerwinden, die Rotze, deren Lafette, und nicht zuletzt auch die herumstehenden Menschen engen den Platz doch erheblich ein.

Da sich all das auf einem Schiff befindet, wo bei schwerer See leicht einmal eine Welle bis über das Deck gehen kann, steht im Grunde nichts loses herum, von Kisten einmal abgesehen, die sich der eine oder andere als Sitzgelegenheit für die Feier bereitgestellt haben mag.

Das einzige, was halbwegs "lose" ist, sind in Stoff eingenähte Korkstücke, die für den Fall vorgesehen sind, daß jemand über Bord geht und man ihm etwas zuwerfen möchte, daß ihm beim Schwimmen hilft - doch besonders kuschelig oder gar warmhaltend sind diese Rettungsvorrichtungen nicht.



Nach einigen Augenblicken der Suche stellt Sylvhar fast, daß es auf dem Vordeck nichts gibt, daß Aleara als ´'Ersatzkleidung' dienen könnte. So haftet sein Blick wieder bei der Gruppe und Aleara selbst. Ein verächtliches, schiefes Lächeln zieht sich leicht über sein Gesicht, als er die Mimik des einen Berobten zufällig beobachtet. Wieso die Menschen wohl gegen Außen immer etwas anderes zu sein vorgeben, als sie es eigentlich sind? Dieser Berobte ist ihm schon eher aufgefallen, mit seiner Ausstrahlung, die ganz und gar nicht zur Person selbst paßt. Schon die Tatsache, daß er so hilfsbereit und energisch mitgeholfen hat steht in krassen Kontrast mit seinem Äußerem und der grimmigen Miene. Auch seine Kleidung, mit seiner langen blauen Robe, soll wohl Härte, Macht und vielleicht etwas Gefährlichkeit ausstrahlen.

'Wie badoc diese Menschen'.

Diese Robe... hm... moment mal, die Robe! Die könnte Aleara jetzt ganz gut gebrauchen!

Sogleich geht er auf den Berobten zu und sagt zu ihm mit einer ruhigen Stimme, nicht auffordernd und auch nicht vorwerfend:

"Die Frau dort braucht deine Kleidung."

und er hält ihm seine offenen Hände hin und wartet darauf, daß ihm

der Mensch die Robe gibt.



Belvolio hat eine Vermutung

Interessiert horcht Belvolio den Ausführungen des jungen Magiers, und er stimmt ihm zu das Magie ausgeschlossen sein dürfte.

"Ich persönlich tippe hierbei auf eine Erfahrung mit Alveraniden, ich war eine Zeitlang im Süden unterwegs, und ich sage euch es gibt dort Waldmenschen die auf ähnliche weise reagieren ... "

Auf die Bemerkung des Elfen gibt Belvolio keine Antwort ... soll er doch selber seine Kleidung spenden, außerdem ist davon auszugehen das die Frau nicht mehr lange an Deck sein wird, da sie sich nach dieser Aufregung ohne Zweifel ausruhen möchte, was in Anbetracht der Feier an Deck hier nicht möglich ist.

Außerdem braucht Belvolio seine Kleidung momentan selber dringend, schließlich ist er erst seit ein Paar tagen in diesen Nördlichen Regionen unterwegs, und ein alter Körper stellt sich nun mal nicht so schnell auf neue Gegebenheiten ein.



Inzwischen ist es Sigrun gelungen, Aleara das nasse Hemd auszuziehen. In Ermangelung besserer Möglichkeiten, zieht sie der anderen Matrosin zunächst einmal ihre Jacke über. Das Leder ist zwar nicht gerade weich, aber immerhin kann die Jacke in wenig Wärme spenden. Dem Gespräch der beiden Magier entnimmt Sigrun, daß diese wohl nicht weiterhelfen können, was die Behandlung Alearas angeht. Eigentlich würde sie die Kranke gerne unter Deck bringen, doch hat sie schon häufiger gehört, daß man sich zunächst versichern sollte, daß keine größeren Verletzungen vorliegen. Also macht sie zunächst da weiter, wo sie begonnen hat und zieht Aleara nun die triefende Hose aus.



"Alveranide sagt Ihr ? Interessant. Doch wieso haben Waldmenschen Kontakt zu den Bewohnern Alverans ? Nach meinem Wissensstand kennen die Mohas die Zwölfe nicht und pflegen einen ausgeprägten Geisterkult. Davon müszt Ihr mir zu geeigneterer Stunde mehr erzählen." Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu:

"Ich denke es wäre besser, wenn wir die Frau in ihre Unterkunft schaffen, hier drauszen wird sie sich noch erkälten, nasz wie sie ist."



"Doch, doch sie haben, zwar nur indirekt ... Was ? Unterkunft ? Ähm natürlich ist sicher eine gute Idee"

Am liebsten würde Belvolio sofort dem jungen Magier seine Erkenntnisse mitteilen aber jetzt ist es sicher erst einmal besser sich um die nasse Schwimmerin zu kümmern, die Matrosin scheint sich um die nasse Kleidung der Schwimmerin zu kümmern, deshalb fragt Belvolio die Schwimmerin:

"Fehlt euch etwas ? Habt Ihr Schmerzen ?"

Während Belvolio auf eine Antwort wartet nimmt er das Seil in die linke Hand und formt die Muster seines Stabes wieder zurück in Ihre feste Form.



Nirka weiter auf dem Weg

Ohne Ole weiter zu beachten, drängt sich die Bootsfrau weiter in Richtung Bug durch. Sie weicht geschickt einigen Matrosen aus, für die das Premer sehr wichtig zu sein scheint, das sie gerade trinken, und geht dann mit einem großen Schritt auf das Vordeck hinauf.

"Alles unter Kontrolle?" fragt sie recht laut, um bei dem Krach der Feier von den Aleara-Helfern auch verstanden zu werden.



Alrik wartet


Mit einer lässigen Handbewegung wirft Alrik die abgenagten Knochen über Bord und wischt sich dann die fettigen Hände an ...

Nein, die eigenen Sachen sind ja frisch gewaschen, das kann man der guten Ratthalde nun auch wieder nicht antun - auch wenn sie's nicht erfährt. Also schmiert Alrik mit seinen Klebefingern ein paar Mal über die Holzplanken des Oberdecks, bis er den Zustand seiner Hände als durchaus reinlich empfindet.

Wo bleibt Ole denn nur so lange? Angestrengt starrt Alrik über das Deck, doch in dem allgemeinen Gewühle und bei dem lautstarken Geschwätz kann er Ole weder sehen noch hören. Ob Ole den Brand in seiner Kehle schon mit einem Gegenfeuer bekämpft hat?



Wieder ist Ole unterwegs, wieder hat er zwei Gläser in den Händen und wieder sind diese Gläser gefüllt mit Premer Feuer. Die Matrosen rings ums Faß haben zwar etwas gemurrt, als Ole in so kurzer Zeit zum zweiten Mal nach vorne drängte, doch ließen sie es widerstrebend zu. Nur einer der Männer versuchte sich an Ole vorbei zu drücken, schaffte es aber nicht, konnte es auch gar nicht schaffen, denn der hünenhafte Schiffszimmermann hat sich kurzerhand auf den Fuß des Dränglers gestellt, um ihn unsanft zu stoppen. Der Matrose verbiß sich seinen Schmerz, er traute sich nicht gegen Ole vorzugehen. Und so blieb der armer Kerl, wie mit einem Nagel am Boden befestigt, in der zweiten Reihe zurück, solange bis Ole seine zwei Gläser gefüllt bekommen hatte.

Und wieder ist der alte Schiffszimmermann auf dem Weg, vorsichtig, Schritt für Schritt. Doch diesmal kommt ihm keine triefende Nirka entgegen und er erreicht seinen Ausgangspunkt ungestört. Vorsorglicher weise hat er die Gläser nicht allzu voll schenken lassen, um weniger zu verkippen auf dem Weg und um schneller voran zu kommen. Dennoch kann er seinen konzentrierten Blick nicht von den Gläser lassen, plagt ihn doch die Angst, er könnte zuletzt noch einen Tropfen der edlen Flüssigkeit verlieren.

"Alrik, wo bist du?" ruft er.



"Huch!" schreckt Alrik leicht verwirrt zusammen. "Wo kommst du denn so plötzlich her..."

Ohne lang auf eine Antwort zu warten, steht Alrik hilfsbereit, aber natürlich in erster Linie nicht uneigennützig, auf, um Ole das eine Gefäß mit dem kostbaren Gesöff abzunehmen.

"Dank dir."



Hungriger Mäuserisch


Natürlich sammelt Eratsmus nicht einfach, sondern verspeist sie sogleich. Gut, aber etwas trocken, weshalb er sich nach etwas Trinkbarem umriecht.

Die Riesenzweibeinratte über ihm wirft soeben wertvolles Knochenmark mitsamt einem Rest exquisitester Proteine in unerreichbare Ferne. Ein Platschen verkündet der Maus, daß an diese Speise nur in Verbindung mit einem Bade heranzukommen ist. Nun, das soll notfalls kein Hindernis darstellen.

Doch gibt es in der Nähe durchaus leichter zu erreichende Leckereien, wie zum Beispiel die gut verteilten Tropfen eines stark alkoholisch duftenden Wassers. Das muß unbedingt probiert werden!



Hui, ist das ein starkes Wasser! Brennend, aber gut! Ein Gutteil der kleinen Lache verschwindet im Bauch des Mäuserichs, bevor er sich wieder umblickt. `Hicks!' Jetzt könnte etwas Festes für den Magen nicht schaden. Die Riesenzweibeinratte hatte doch eben `Hicks!' ihre Krallen auf dem Boden abgestriffen und dabei wohlriechendes Fett zurückgelassen. Schon ist Eratsmus dort und schleckt genüßlich den Boden ab.



Erste Hilfe


Sigrun hat es geschafft, Aleara auch die nasse Hose auszuziehen, und jetzt wird es wirklich Zeit, sie in den Mannschaftsraum zu bringen. Doch die Herren Magier sind mit Diskutieren beschäftigt, während Sylvhar sich zurückhält. Aber jetzt spiegelt sich Erleichterung im Gesicht der jungen Matrosin: Endlich hört sie die Stimme, auf die sie schon seit einer ganzen Weile unbewußt gewartet hat.

"Sie hat eben kurz zu uns gesprochen", antwortet Sigrun ebenfalls mit lauter Stimme, damit Nirka sie verstehen kann. "Aber jetzt scheint sie nicht bei Bewußtsein zu sein. Ich wollte sie jetzt nach unten bringen, sie braucht Wärme."

Dann steht sie auf und richtet sich an Sylvhar:

"Vielleicht kannst du vorweg gehen und uns den Weg bahnen."



"Das halte ich für eine gute Idee, sie nach unten zu bringen. Ruhe wird ihr sicher helfen, und dann können wir herausfinden, woran es liegt, daß sie so mir nichts, dir nichts in den Ozean marschiert ist. Feuer scheint sie ja nicht intus zu haben, wie mir scheint."

Sie wendet sich fast schon um, und fügt dann hinzu:

"Ich werde auch runter gehen, mich umziehen. Auf Dauer ist mir das ein bißchen kalt und naß."

Demonstrativ sieht sie an sich hinunter, und dann Sigrun an. Aus ihren Augen spricht die Bitte, die andere möge sie trockenreiben, aber sie weiß selbst, daß das jetzt oder auch unten kaum möglich ist, da Aleara ja Vorrang hat.



Das Fest in vollem Gange


Während auf dem Vorderdeck unerschrockene Menschen und Elfen darum ringen, die aus bisher unbekannten Gründen ins Wasser gefallene Matrosin zu retten, wird auf dem Oberdeck voller Freude Fianas Geburtstag gefeiert.

Es kommt im Leben eines einfachen Matrosen selten genug vor, daß er sich nach Herzenslust mit wohlschmeckenden Dingen satt essen kann, und daß das Feuer so reichlich fließt, ohne daß Nachwirkungen in Form eines leeren Geldbeutels zu erwarten sind... was vermutlich gegen die *anderen* Nachwirkungen nicht hilft, eher im Gegenteil! Längst schon ist das von Alrik weggelegte Wildschwein-Zerlege-Messer wieder im Einsatz, und hungrige Seeleute schneiden sich weitere Stücke von dem Braten ab, um das köstliche Fleisch genußvoll zu verspeisen. Es geht laut und derb zu, schließlich ist man auf einem Schiff, schließlich ist man Seefrau oder Seemann, und nicht zuletzt ist dies Prem! Die Öllampen des Schiffes tauchen die ganze Szene in ein gedämpftes Licht, bei dem wohl niemanden der kleine Gast auffällt, der da uneingeladen mitschlemmt - nicht, daß jemand das, was die kleine Maus verzehrt, irgend jemanden fehlen würde...

Weiter zum Heck hin, kurz vor der auf das Brückendeck führenden Treppe, steht der Kapitän mit einem frohen Gesichtsausdruck und läßt seine Blicke immer wieder über die Mannschaft, über *seine* Mannschaft gleiten.

Bald wird es soweit sein, daß er einen Trinkspruch auf Fiana ausbringt, doch zuvor möchte er sich gewiß sein, daß mit Aleara alles in Ordnung ist. Oder herausgefunden wird, *was* da passiert ist.



Hirkan feiert mit


Nach seiner Gratulation ist Hirkan zunächst noch eine Weile in Fianas Nähe stehengeblieben und hat sich die Geschenke angesehen, die ihr von den Matrosen und anderen Passagieren überreicht worden sind. Doch die Feier begann irgendwann lebhafter zu werden und auch sein Hunger meldete sich zu Wort, zu gut stieg ihm der Duft des Wildschweinbratens in die Nase. Höflich abwartend bis er an der Reihe war, hat er eine ganze Weile anstehen müssen, doch der anschließende Genuß hat dafür mehr als entschädigt.

Auch bis zu dem gut umlagerten Feuerfaß hat er es einmal geschafft und sowohl seiner Kehle als auch seinem Magen Erleichterung verschafft. Er weiß, daß er nicht viel verträgt, ganz bestimmt nicht soviel wie einige der Matrosen, die sich die besten Plätze am Faß auf Dauer gesichert haben, doch ein Glas nach dem schweren Essen ist auch für ihn nicht zuviel.

Eine wohlige Wärme durchströmt seinen Körper, angenehm, wird es doch jetzt am Abend recht frisch auf dem Meer. Jetzt kann er auch den Geschichten der Matrosen besser folgen, die ihm zuvor doch recht derb erschienen waren. Mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen stellt er sich mal zu dieser und mal zu jener Gruppe der Feiernden. Er selbst hält sich zurück, doch er versucht, möglichst viele der Geschichten aus fernen Landen zu behalten und herauszufinden, bei welchen es sich um die Wahrheit handelt und wo doch etwas zu dick aufgetragen wird.



Alriks erster Schluck


Ole lächelt milde, als er sieht mit welchem Eifer Alrik ihm das Glas aus der Hand nimmt. Der Junge hat es wohl sehr eilig damit, den anderen Seeleuten in der Art des Feierns nichts nachzustehen. Ole versteht das und seufzt dabei. Die jungen Leute haben es offensichtlich immer eilig alt zu werden, nur um dann, wenn sie es dann endlich sind, ihrer Jugend nachzutrauern. Der alte Schiffszimmermann war und ist da keine Ausnahme, dessen ist er sich bewußt und daher versteht er es, wenn er auch in leichter sentimentaler Trauer seufzen muß dabei!

"Trink vorsichtig mein Junge! Das Zeug ätzt dir sonst den Knorpel weg!" erklärt Ole.

Er selbst allerdings beherzigt seine eigenen Worte nicht und schüttet den gesamten Inhalt seines Glases in den Hals, nachdem er zuvor sein Glas aufmunternd an das Glas Alriks gestoßen hatte und ein gemurmeltes "Swafnir zur Ehr'" von sich gegeben hat. Nun, dem Schiffszimmermann hat es jedenfalls nichts weg geätzt, im Gegenteil, er wirkt erfrischt und froh und sein Augen bekommen einen hellen Glanz!



"Swafnir zur Ehr", plappert Alrik dem Schiffszimmermann nach. Jetzt bloß keine Zeit mit langatmigen Trinksprüchen verschwenden, wie sie schon seit geraumer Zeit lauthals auf Deck erschallen. Der Schiffsjunge konzentriert sich lieber auf das kostbare Naß, das bereits aus einiger Entfernung einen scharfen Geruch verströmt, der leicht an seiner Nase kitzelt.

Ole hat seinen Schnaps bereits ausgesoffen, als sei es süßes Zuckerwasser und strahlt dabei bis über beide Ohren. So führt auch Alrik den Becher an die Lippen und kippt ...

Eine leise Warnung vor dem Unbekannten geistert durch Alriks Unterbewußtsein, denn Oles frohe Mine hat fast etwas Schalkhaftes, etwas Erwartungsfrohes. Doch das Gefahrensignal dringt nicht zu Alrik durch und schlummert statt dessen im Dunkeln vor sich hin, bis es endlich durch eine Flut des flüssigen Feuers ans Licht gespült wird. Feurig brennt der Schnaps in Alriks Schlund und hinterläßt dabei eine Spur der Verwüstung. Erst heiß, dann verbrannt und schließlich nur noch betäubt fühlt sich des Schiffsjungen Zunge an. Die Hitze steigt dem Jungen in den Kopf, während der Knabe den Weg des Feuers vom Schlund bis zum Magen förmlich nach verfolgen kann.

"CCCHHHH...AAAHHHHH"

Alrik zieht die Luft ein. Eine Reaktion, die keineswegs den inneren Brand zu löschen vermag, sondern die Flammen, die böse im Hals kratzen, wieder frisch hoch lodern läßt. Dann nimmt das Kratzen überhand und entlädt sich in einem unkontrollierten Hustenanfall. Speichelfäden vermischen sich mit Feuertropfen, sprühen in hohem Bogen über das Deck und nieseln schließlich sanft zu Boden.



Ole zuckt leicht zusammen, als er es direkt neben sich los prusten hört. Gleich darauf lächelt er. So hat Alrik nunmehr seine ersten Erfahrungen mir dem 'Feuer' gemacht. Und die Reaktion darauf war nicht sehr ungewöhnlich. So ergeht es den meisten Jünglingen, wenn sie zum ersten mal die Macht des Feuers herausfordern. Was dem alten Schiffszimmermann wohlige Wärme bedeutet, muß dem Schiffsjunge vorkommen, wie der wütende Ausbruch eines feurigen Vulkans. Eigentlich ist es schade um das vergossene Feuer, das Alrik auf den Planken des Decks versprüht hatte. Was solls? Nur, eine Pfeife in Brand setzen möchte Ole augenblicklich nicht, die Feuerspritzer auf dem Boden könnte bei Berührung mit Flammen in ein echtes Feuer umgewandelt werden. Vielleicht sollte er sich ein zweites Glas holen, denn der Brand schmeckt ungewöhnlich gut, vielleicht wäre es jetzt aber auch besser weiterhin Musik zu machen. Aber zuerst sollte er einmal nach Alrik sehen.

"Alrik, mein Junge, was ist den los? Du prustest ja wie der Grünwal seinerzeit. Hat es dir nicht geschmeckt?"



Alrik schnappt noch immer nach Luft, wie ein Fisch auf dem trockenen Land. Hektisch winkt er mit der freien Hand ab, eine Geste, die eher beschwichtigend für Ole gedacht war, damit dieser ihm nicht noch in wohlmeinender Absicht auf den Rücken klopft.

Abermals zuckt Alrik hustend zusammen, dann läßt das innere Glühen nach. Er richtet sich wieder auf und wischt sich mit dem Handrücken erst über die tränenden Augen und dann über die brennenden, fast betäubten Lippen.

"Dämonenzeug", bringt er heiser hervor.

"Nichts, Ole. Alles bestens. Ich bin Feuer und Flamme für dieses Zeug..."



Oh, wie schön! Eine der Riesenzweibeinratten ist so freundlich, weiteres Feuerwasser über die Planken zu spucken. Da kann man seinen Durst so richtig stillen!



Lächelnd beobachtete Ole wie der junge Alrik so tapfer wie erfolglos die körperlichen Folgen aus seinem ersten Genuß an 'Premer Feuer' zu überspielen versucht.

"Na dann, wenn dir das Zeug so gut schmeckt, dann werde ich uns noch einmal zwei Gläser holen!" sagt Ole bedächtig und wendet sich langsam um, als wolle er sofort wieder zum Ausschank zurückgehen, aber gleichzeitig zuvor mit einem Protest des Schiffsjungen rechnen würde. Doch Alrik brachte keinerlei Einwände, er war wohl noch zu sehr mit Husten und Würgen beschäftigt. Da im Moment weder mit einem 'Ja' noch einem 'Nein' des Schiffsjungen zu rechnen setzte sich der alte Schiffszimmermann noch einmal auf eine Kiste, um darauf zu warten, daß Alrik wieder Herr seiner Worte werden würde. Als er den Boden betrachtet, auf dem Alrik das wertvolle naß so verschwenderisch versprüht hatte, fällt ihm eine kleine Maus auf, die fast ohne jede Scheu von der einen Branntweinpfütze zur nächsten huschte. Ole kramte in seinen Taschen und fand noch ein altes Stück Brot. Langsam beugte er sich nieder und hielt der Maus das Brot entgegen.

"Hallo du kleine Schiffsmaus, du solltest erst eine Kleinigkeit essen, bevor du dich besäufst, sonst hast du morgen einen Kater und welche Maus will das schon!"


Das hat ja gerade noch gefehlt! Ole, der alte Kampftrinker, kann wohl den Hals nicht voll genug bekommen! Aber vielleicht gewöhnt man sich ja an das Gesöff, so nach und nach, und irgendwann kann man damit gurgeln, ohne daß es einen aus den Nasenlöchern wieder heraussprudelt. Bei dem Gedanken an solch einen Anblick muß Alrik breit grinsen.

Ach, was soll's. Je besser man seinen Feind auskundschaftet, desto leichter findet man eine Möglichkeit ihn zu besiegen. Und Feigheit vor dem feurigen Feind will sich Alrik gewiß nicht nachsagen lassen. Und irgendwie fühlt sich der Schiffsjunge recht mutig als er dem Zimmermann zuruft:

"Das wohl, Ole! Auf einem Bein kann man nischtehen, was?"



`Hicks!`

Muß die Riesenzweibeinratte ihn so erschrecken? Schon will Eratsmus das Weite suchen, da bemerkt er, wie die Riesenzweibeinratte ihm etwas zu Essen anbietet. Vorsichtig schnüffelt er danach, kommt zaghaft näher.



Schon sieht es so aus, als erreiche das Mäuschen endlich den hingehaltenen Brotkrumen, als ihm die immer zahlreicher sich tummelnden Riesenzweibeinratten doch unheimlich werden. So viel Krach und Gerenne! Nachher tritt noch jemand auf Eratsmus oder betrachtet ihn als `Hicks' Nachspeise!

Von einem Moment zum anderen zischt er deshalb unvermittelt seinem Brötchengeber davon, jagt über das Deck, da verliert er den Boden unter den Füßen. Das ist der Niedergang!

Ein paar Stufen überfliegt er förmlich, landet hart, hickst, rutscht weiter zur nächsten, wirbelt herum, um gegen zu steuern und springt dann die letzten Stiegen etwas geordneter hinunter, wie es sich für einen distinguierten Mäuserich eigentlich gehört. Unten bleibt er erst einmal erschöpft liegen. und stößt nur gelegentlich einen kleinen Hickser von sich.



Sylvhar wieder im Geschehen


Der Mensch ignoriert ihn einfach. Weder eine Antwort noch ein Blick, rein gar nichts schenkt er ihm. Als der Mensch dann einfach weiter mit dem anderen Menschen diskutiert und sich dann zur Verletzten beugt, nimmt Sylvhar seine Hände wieder runter.

'Gut, dann halt nicht.'

Sollen sie selber schauen, wenn sie nach Lösungen suchen, aber dann die Möglichkeiten einfach außer acht lassen, weil sie sonst womöglich selber etwas hergeben müßten.

"Vielleicht kannst du vorweg gehen und uns den Weg bahnen."

Spricht Sigrun zu ihm. Er blickt sie an und nickt dabei nur knapp. Er will schon losgehen, da gesellt sich Nirka dazu. Nach kurzem Wortwechsel sieht es jetzt so aus, als würde Nirka dafür sorgen, daß sie Aleara durch die Menge tragen können. Dabei geht es nicht nur darum, daß Nirka sich auch umziehen möchte. Gewisse Blicke zeugen deutlich davon. Deshalb wendet er sich an Sigrun:

"Soll ich nicht vorangehen?"

Dabei hört es sich eigentlich nicht wie eine Frage an, sondern mehr wie eine schon beantwortete Frage.



'Ah, gut', denkt Sigrun. 'Wenn Nirka voran geht, brauche ich mir um das Durchkommen keine Sorgen zu machen. So naß wie sie ist, wird ihr wohl jeder Platz machen.'

Vorsichtig hebt sie Aleara, die jetzt, ohne die nasse Kleidung, schon um einiges leichter ist, hoch und beginnt, Nirka zu folgen. Trotz allem ist ihr nicht entgangen, daß auch Nirka gern ein wenig Pflege hätte. Mit einem von der Anstrengung leicht verzerrten, doch eindeutig als zweideutig zu erkennenden, lächeln antwortet sie:

"Ja, du solltest wirklich zusehen, daß du aus diesen Sachen herauskommst."



"Doch, das wäre gut. Nirka möchte, glaube ich, so schnell wie möglich die nassen Sachen ausziehen und ganz so schnell komme ich mit Aleara doch nicht hinterher", antwortet Sigrun auf Sylvhars Frage, die nicht so ganz nach einer Frage klang.



Nirka nickt Sigrun zu, während sie verschmitzt lächelt. Dann dreht sie sich um, nickt auch dem Elfen aufmunternd zu, und geht in Richtung der nach unten führenden Treppe durch die Menschenmenge.

Die beiden Matrosen, die das obere Ende der Treppe als bequemen Sitzplatz für ihr Trinkgelage benutzen, scheinen zuerst gar nicht so recht Lust zu haben, den Weg frei zu geben, doch dann wird ihnen klar, *wer* da ankommt, und was das für Nachwirkungen haben könnte.

So springen sie prompt auf - der eine schon etwas schwankend - und machen der Bootsfrau den Weg frei - und auch für den etwas zurückbleibenden Transport.

Nirka ist nämlich ziemlich zügig über das Deck gegangen, so daß Sylvhars Angebot durchaus noch Sinn macht - und noch ist der Weg so ziemlich frei.



Ottam


Ottam ist recht zufrieden, daß sich andere um die Frau kümmern, muß er so wohl nicht seine kostbaren Kräfte darauf zu verschwenden, eine offensichtlich Lebensmüde zu retten, nein wer so töricht ist, der ist selbst schuld, denkt er sich und beschließt noch hier zu bleiben bis die Leute oben die Frau fortgebracht haben und dann zurück zur Feier zu gehen.



Firutins Abgang


Pferde donnern über die Ebene, direkt auf ihn zu... Hektisch sieht er sich um, sieht aber keinen Ausweg. Gleich müssen sie ihn erreicht haben, und nieder trampeln... nur noch wenige Schritt, dann....

Firutin fährt aus dem Alptraum hoch. Er sieht sich um - es ist finster, und es ist laut... Pferde donnern über die Ebene...

Der Jäger blinzelt, dann kehrt er langsam in die Gegenwart zurück. Er ist auf der NORDSTERN, und dieses Geräusch... So laut ist es eigentlich gar nicht! Dunkel erinnert er sich an die Feier, die an diesem Abend stattfinden sollte. Das müssen die Feiernden oben auf dem Deck sein.

Er erhebt sich aus dem Bett, entzündet die kleine Öllampe, und macht sich daran, seine Sachen ein wenig zu ordnen - vielleicht auch, um ein Geschenk für Fiana zu finden, deren Tsa-Feier dies sein soll, wenn er sich recht entsinnt.

Da... was ist das? Er dreht das winzige Stück Papier zwischen den Fingern, entrollt es, und überfliegt es. Und dann... fällt es aus seinen Fingern wieder in den Rucksack zurück, während er flüstert:

"Prem... Prem! Wir sind in Prem!"

Hektisch sammelt er seine Sachen zusammen, kippt sie mehr in den Rucksack, als diesen wirklich einzuräumen, und sieht sich dann gehetzt um, ehe er dann aus der Tür stürmt, die Treppe zum Oberdeck hinauf, und dort inmitten der feiernden Menschen stehenbleibt. Seine Augen suchen hektisch, bis er den Kapitän erblickt, dann drängelt er sich zu diesem durch, ohne die Flüche und Beschimpfungen der Matrosen weiter zu beachten.

"Herr Kapitän...", stößt er hervor.

"Ja?"

Jergan dreht sich zu ihm um, und zieht eine Augenbraue ob der Eile verwundert hoch.

"Verzeiht, aber ich muß etwas sehr wichtiges in... äh... in Prem erledigen."

"Wir werden einige Tage hier liegen", antwortet der Kapitän ruhig.

"Das wird nicht reichen. Wartet nicht auf mich... und eine gute Reise noch!"

Jergan schüttelt leicht den Kopf - die NORDSTERN würde wohl kaum auf einen Einzelnen warten.

"Ich wünsche Euch viel Glück... wobei auch immer!"

Ohne weitere Worte bahnt Firutin sich wieder den Weg über das Deck, und dann über die Planke. Während Jergan ihm noch kopfschüttelnd hinterher sieht, verschwindet er in der Dunkelheit auf dem Kai.



Fiana und die Gratulanten


Fiana steht immer noch bereit, Gratulationswillige herzlich zu empfangen, langsam jedoch wird die Schlange etwas kürzer und diejenigen, die ihr bereits gratuliert haben, schlemmen genüßlich am Braten und lassen das Feuer durch ihre Kehlen laufen. Nur gut das sie reichlich gekauft hat. Sonst hätte womöglich nicht jeder etwas bekommen, doch so ist mehr als genug da, auch für den dritten und vierten Gang zum Braten.



Magier unter sich


"Die Matrosinnen scheinen ja nun allein zurechtzukommen" sagt Darian zu Belvolio, der von den Helfern als einziger, auszer ihm selbst, noch auf dem Vorderdeck steht. "Es sieht zumindest nicht so aus als ob man unsere Hilfe noch benötigt" sprichts - mit Betonung auf "unsere" - als er den im Niedergang entschwindenden Frauen nachblickt. "Ich denke ich werde nun erst einmal der Offizierin gratulieren, schlieszlich ist heute ihre Tsatagsfeier und mein Geschenk habe ich auch noch nicht übergeben." ´und auszerdem könnte ich was zu trinken gebrauchen´ ergänzt er in Gedanken. Er dreht sich zum Oberdeck hin um, geht aber noch nicht los, sondern wartet die Reaktion des anderen Magiers, auf seine Pläne ab.



Belvolio blickt den Matrosinnen nach, "Hmm, ja es währe wohl angebracht die drei alleine zu lassen."

'Es ist eigentlich gar nicht meine Art' denkt sich Belvolio aber die Vorstellung den Abend ganz alleine zu verbringen mißfällt ihm doch, und außerdem scheint dieser junge Magier von einer Akademie zu kommen und eventuell kommt ein interessantes Gespräch zustande ...

"Also" fügt Belvolio schließlich hinzu "Wenn Ihr nichts dagegen habt würde ich mich euch für den Abend anschließen"

Belvolio blickt seinem Gegenüber in die Augen, blinzelt etwas länger, so das es gerade noch zu bemerken ist, nickt mit dem Kopf knapp von oben nach unten, und in mit schnellen Bewegung nach links, richtet dann das Gesicht wieder auf Darian, wartet einen Moment, und streckt Ihm dann seine rechte Hand entgegen.

"Mein Name ist Belvolio di Acazes, und wer seid Ihr ?"

Abwartend mustert Belvolio sein Gegenüber ...



"Angenehm, mein Name ist Darian Durenald. Ich bin Adeptus Minor der Akademie der Verformungen zu Lowangen, welche der Groszen Grauen Gilde des Geistes angehört," dabei wechselt sein Stab in die linke Hand um mit der nun freien rechten Belvolios Grusz zu erwidern. "Wenn ich der Offizierin mein Geschenk übergeben habe wäre ich sehr an einem Gespräch mit Euch interessiert. Vor allem über Eure Erfahrungen mit Alveraniden würde ich gerne mehr erfahren," fügt er nach einer kurzen Pause hinzu.



"Freut mich Eure Bekanntschaft zu machen Adeptus" erwidert Belvolio. Daraufhin läßt er die Hand des Magiers wieder los und fügt hinzu,

"Ich werde an einem dieser, ähm ... 'Tische' auf euch warten"

Belvolio wendet sich dem Fest geschehen zu und sucht nach zwei freien Plätzen.



Als Belvolio sich zum gehen wendet, setzt auch Darian sich in Bewegung Richtung Oberdeck. Mühselig bahnt er sich seinen Weg durch die Menge der Feiernden, die zum Teil bereits heftig dem Biere und dem Feuer zugesprochen haben. Schlieszlich ist er dort angekommen wo er das Ende der Schlange der Gratulanten vermutet, auch wenn das in dem Gedränge, dasz hier herrscht nicht allzu leicht festzustellen ist. Er stellt sich am Ende der Reihe an und da es noch ein paar Momente dauern kann bis er an der Reihe ist, sieht er sich ein wenig um. Dort an der Planke kommen zwei Gestalten schnellen Schrittes an Bord gelaufen.

´Ob das noch neue Passagiere sind ? Um diese Zeit ?´ denkt sich Darian während er einen Schritt weiter nach vorne geht der vorrückenden Schlange folgend.



Der Gaukler und die zechenden Matrosen


Die Nacht ist längst angebrochen, und doch ist der Premer Hafen nicht in vollkommene Dunkelheit gehüllt. Es ist eine klare Nacht, der Schein des Madamals spiegelt sich hell im Hafenwasser wieder. So dauert es nicht lange, bis sich jedermanns Augen an das fahle Licht gewöhnt haben, so daß es den wenigen umherstreifenden Menschen keine Mühe bereitet, sich sicher in der Dunkelheit fortzubewegen.

Einige Seeleute von benachbarten Booten, die angelockt von den fröhlichen Gesängen den Weg zur Nordstern finden, schauen neugierig näher vorbei. Heimlich hegen sie die Hoffnung, vielleicht ein bekanntes Gesicht in der Mannschaft der Nordstern zu entdecken, um so zu einer kostenlosen Feuerverköstigung zu kommen.

Doch nicht nur fröhliche Zecher sind in der Dunkelheit unterwegs. Aber auf der Nordstern wird kräftig gefeiert und so bemerkt man dort weder das Hufgeklapper zweier Pferde, noch die beiden Männer, die diese Pferde langsam zu dem Ankerplatz der Nordstern führen.


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Der Eine ist klein, drahtig und scheint aus den südlicheren Regionen Aventuriens zu kommen. Über seinen nackten Oberkörper spannen sich sechs Lederriemen, an denen ca. 20 verschieden große Dolche hängen. Seine Haare sind kurz und von dunkler Farbe. Seine blaue weite Hose und das mit Bändern geschmückte Pferd geben ihm trotz der Waffen eine freundliche Erscheinung. Langsam und vorsichtig bewegt er sein braunen Warunker am Zügel führend durch die Dunkelheit.

Noch weit aus auffälliger als diese Person ist sein Begleiter. Vor einem Schimmel geht neben ihm ein Mann, dessen Profession man auf den ersten Blick erkennt, ein Gaukler. Vielleicht gehört er zum Zirkus, dessen Plakate an so mancher Strassenecke und in vielen Wirtshäusern der Stadt zu sehen sind und auf denen ein vierfüßiger Kopfschwänzler als Attraktion angepriesen wird. Bekleidet ist er mit einer eng anliegenden Hose, die aus bunten Rauten besteht, einem weißen Rüschenhemd und einem Umhang. Der Umhang ist innen schwarz, bietet nach außen hin aber einen farblichen Kontrast. Denn auf der Außenseite befinden sich bunte Flicken, die dicht an dicht aufgenäht sind. Dadurch, daß sie nur an einer Seite angenäht sind, bewegen sie sich beim Gehen neckisch auf und ab. Seine langen graue Haare sind zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Doch am bemerkenswertesten ist sein Gesicht. Es ist komplett mit bunter Farbe bemalt. Es scheint sich aus einem guten dutzend Puzzleteilen zusammenzusetzen, die sein Gesicht jede erdenkliche Gefühlsregung ausstrahlen lassen. Es kommt immer auf die Sicht des Betrachters an. Auffällig ist, daß er an seinem Körper nur die Farben weiß, blau und rot trägt, wodurch sein gesamtes Äußeres, bis auf die chaotische Bemalung, eine gewissen Harmonie ausstrahlt. Einzig seine Handschuhe, die bis zu den Armbeugen hinauf reichen, wo sie weit offen geschnitten sind, treten aus dem Farbspiel mit ihrer schwarzen Färbung hervor. Mit seinen roten Augen schaut er sich suchend im Hafen um. Es dauert nicht lange, da fixiert er die NORDSTERN mit seinen Augen und seine Miene, die vorher etwas beunruhigt erschien, wird durch ein breites Lächeln von einer Sekunde zur anderen aufgehellt. Er bringt sein Pferd zum stehen. Auf den beiden Pferden sitzen jeweils zwei Kinder, die der Gaukler jetzt liebevoll einen nach dem anderen vom Pferd hebt, wobei er jedem einen Kuß auf die Stirn gibt. Hastig schnallt er sich einen großen Rucksack von seinem Pferd und hängt ihn sich über die rechte Schulter. Die Kinder behindern ihn dabei jedoch so sehr, da sie sich an Beine und Arme des Mannes hängen, daß der Gaukler seine Reisevorbereitungen noch einmal unterbricht und einige Worte an sie richtet. Anschließend "zaubert" er hinter jedem der Kinder ein Geldstück hervor. Die Kinder machen danach keine Anstalten ihn von seinen Vorbereitungen abzuhalten. Schließlich geht er zu seinem Begleiter, umarmt ihn und greift während einiger letzten Worte nach zwei schlanken Schwerter, die am Sattel des Pferdes befestigt waren. Schnellen Schrittes bewegt er sich zur NORDSTERN. Blau, weiß, rote Bänder, die an den Griffen der Schwerter befestigt sind flattern im Wind hinter ihm her. Als er über die Planke des Schiff geht, hält er kurz inne, dreht sich um und winkt noch einmal seinen Begleitern zu. Diese erwidern den Gruß und verschwinden in Richtung Nordtor. Der Gaukler klemmt sich die Schwerter unter den linken Arm und bewegt sich weiter auf der Planke zum Schiff. Dabei mustert er das Deck auf der Suche nach einem Ansprechpartner.


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Die beiden blonden Matrosen, die gerade gelassen mit einem Becher vom feinsten Premer Feuer in der Hand an der Reling lehnen, werfen neugierige Blicke auf die bunte Gestalt, die das Schiff zu so später Stunde betritt.

"Ein Gaukler", bemerkt der eine, als hätte er eine unglaubliche Feststellung getroffen.

"Vielleicht ein Geschenk für Fiana. Vielleicht macht er so Dinge... so Kunststückchen", mutmaßt der andere.

Beide wenden sich mit einem breiten Grinsen dem Neuankömmling zu.

"Efferd zum..." will der erste gerade beginnen, als von hinten der schon stark angetrunkene Matrose Olof angetorkelt kommt und beiden recht ruppig auf die Schultern klopft. Lauthals gröhlt er jetzt schon zum unzähligsten Male das Lied vom Goldfelser Wein:


"Goldfelser Wein

ist so wie das Blut von Dere,

komm schenk mir ein

und wenn ich dann traurig werde

liegt es daran,

daß ich immer träume von daheim,

ihr müßt verzeih'n..."


"Halt's Maul, Olof!" erwidern die beiden Blonden (die ohnehin lieber dem hiesigen Feuer statt dem südländischem Wein zusprechen) einvernehmlich und einer der beiden drückt den Betrunkenen wieder nach hinten zurück.

"Efferd zum Gruße!" wiederholt der andere Matrose und tritt nun auf den Buntbemalten zu.

"Sucht Ihr etwas Bestimmtes?"


"Phex zum Gruß! Wo kann ich den Kapitän der NORDSTERN finden? Ich würde nämlich gerne mit dem Schiff bis nach Grangor mitfahren, wenn denn noch ein Platz frei ist."

Dabei schaut er sich weiter auf dem Schiff um. Diesmal scheint er aber nicht nach etwas zu suchen, sondern er mustert sowohl das Schiff als auch die Besatzung. 'Wenn die Besatzung immer in diesen Zustand reist, in dem ich sie gerade erlebe, sollte ich mir vielleicht noch einmal überlegen, ob ich nicht doch lieber einige Tage abwarte und dann mit der ALBATROS bis nach Havena und von dort aus mit der EFFERDSFREUD nach ... . Nun ja, man sollte sie vielleicht nicht nach dem ersten Eindruck für unfähig erklären.'

"Oh, tut mir leid. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt."

Er setzt seinen Rucksack ab und legt die beiden Schwerter darauf.

"Mein Name ist Jarun der Papagei." stellt er sich mit einer tiefen Verbeugung, die bei des Kaisers Hofe angebracht wäre, vor. " Vielleicht habt ihr ja bereits von mir gehört oder mich gar gesehen. Ich bin schon in ganz Aventurien zu sehen gewesen."


Der Blonde kratzt sich am Hinterkopf und überlegt. Nach einer deutlichen Pause sagt er schließlich:

"Ja... hm, vielleicht, kann schon sein. Der Name kommt mir irgendwie bekannt vor."

"Jongleur, stimmt's?" versucht der Matrose einfach mal einen Schuß ins Blaue, denn fast alle Angehörigen der Fahrenden Zunft werfen allerlei Zeug in die Luft, um es anschließend wieder aufzufangen - und das gar nicht mal so schlecht.

"Ich bin Eilif", stellt er sich noch rasch vor, dann deutet er mit dem ausgestreckten Arm vage in die Richtung, wo vor allem eine gutaussehende Frau mit einem atemberaubenden Kleid, die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

"Und dort drüben, neben der Rothaarigen, dort steht unser Kapitän, der kann Euch sagen, ob wir noch Plätze frei haben."

Zugegebenermaßen ist neben der Frau so einiges an Volk versammelt, und auf dem ersten Blick, dürfte es gar nicht so leicht zu erkennen sein, wen Eilif denn nun gemeint hat.



"Oh, ihr kennt mich." Stolz rückt Jarun seinen Umhang zurecht und klopft den Straßenstaub von seinen Kleidern, um schließlich mit stolz geschwellter Brust weiterzureden. "Nun ja, ich habe mir schon gedacht, daß mein Ruf auch bis auf die See hinaus gedrungen ist. Aber ich beherrsche noch andere Künste außer der Jonglage. Vielleicht werde ich Reisezeit nutzen, um meine Fähigkeiten zu verbessern. Dann werdet ihr ja mehr sehen."

Bei diesen Worten richtet er abermals seinen Blick in Richtung der Menschengruppe, auf die der Matrose gedeutet hat.

"Wer ist denn diese rah..."scheinbar sucht er nach einem passenderen Wort, als jenes, daß im gerade auf der Zunge lag. "interessante Frau. Sie sticht gerade zu aus der Gruppe hervor. Ist sie ebenfalls ein Passagier?"

Dabei zurrt er seinen Pferdeschwanz zurecht. Die Antwort der Matrosen vernimmt er nur nebenbei, denn eigentlich ist er damit beschäftigt die Entfernung zu der Frau nach Augenmaß zu schätzen, um dann festzulegen, wie groß seine Schritte sein dürfen, damit er mit dem rechten Fuß voran ankommt. Dieser Schritte geht er im Geiste schon einmal durch. Wobei er die Augen schließt und seltsame wiegende Bewegungen vollführt. Zum Abschluß dieses 'geistigen' Ganges macht er abermals eine Verbeugung vor den beiden Matrosen.

"Ja, so müßte es gehen. Das wird bestimmt meine charismatische Aura verstärken." murmelt er nach der Verbeugung vor sich hin und wendet sich dann wieder den beiden Matrosen zu.



Fröhlich nickt Eilif zu Jaruns ersten Worten, da hat er also doch zufällig richtig gelegen mit seiner Vermutung. Das Angebot des Gauklers, eine Kostprobe seiner Kunst zum besten zu geben, quittiert der Matrose mit einem beipflichtenden:

"Ja, ja, nur zu."

Doch schon ist er der Aufmerksamkeit des Neuen verlustig gegangen, denn dieser guckt nur starr in Fianas Richtung und macht dabei so seltsam wiegende Bewegungen, wie ein eitler Pfau.

"Nein, Passagierin ist sie nicht. Ihr Name ist Fiana und sie ist die Erste Offizierin auf dem Schiff - und obendrein noch die spendable Gastgeberin am heutigen Abend", verrät der Matrose Eilif grinsend.

"Folgt mir einfach, ich bringe Euch gerade hin", verkündet er und schiebt einen umher wankenden Matrosen kurzerhand zur Seite, um sich einen Weg durch die lautstark feiernde Menge zu bahnen.



"Oh ja, ich danke euch." Schnell hebt Jarun seinen Rucksack auf, schwingt ihn sich über die Schulter, klemmt sich die beiden Schwerter unter den Arm und folgt dem Matrosen in Richtung Fiana und Kapitän.

Kurz nachdem die beiden die Reling verlassen haben, um sich zum Kapitän zu begeben vernimmt Jarun eine Stimme , die den Kapitän ruft. Kurz schaut er sich um und entdeckt die beiden Neuankömmlinge.

"Ich scheine ja nicht der einzige Gast zu sein, der den Kapitän zu sprechen wünscht." wendet er sich wieder zu Eilif. "Wir sollten uns etwas beeilen."



Schnellen Schrittes folgt Jarun Eilif, der zielstrebig auf einen der Männer zugeht. Bei ihm angekommen grüßt Eilif ihn mit einem kurzen Nicken.

"Kapitän, hier..." mitten im Satz unterbricht Jarun seinen Begleiter, schiebt sich an ihm vorbei und legt seine Ausrüstung auf die Planken des Schiffes.

"Danke Eilif, mit Phexens Hilfe schaffe ich das jetzt auch alleine ".

Während er eine tiefe Verbeugung macht, beginnt er sich selber vorzustellen.

"Phex zum Gruße, Kapitän. Mein Name ist Jarun der Papagei. Ich würde gerne auf der NORDSTERN bis nach Grangor mitreisen. Ich hoffe ihr habt noch ein Bett für mich frei."



Jergan und der Gaukler


Der Kapitän der NORDSTERN bemerkt im Augenwinkel, daß an der auf das Schiff führenden Planke einiges los ist, und Worte in Richtung Land gewechselt werden. Sollten da etwa jetzt noch Passagiere kommen? Angelockt von der Feier?

'Vielleicht sollten wir in jedem Hafen feiern', denkt er sich, und geht einige Schritte zur Seite, um an dem Pulk, dessen Zentrum Fiana ist, vorbei in Richtung Reling sehen zu können. Tatsächlich! Zwei, nein sogar drei ihm unbekannte Gesichter! Anscheinend kümmern sich einige der Matrosen bereits darum, so daß Jergan erst einmal dort bleibt, wo er ist - man wird die Neuen schon zu ihm schicken. Und schon kommt Eilif mit einem der Neuen bei ihm an.

"Efferd zum Gruße, Jarun. Mein Name ist Jergan Efferdstreu - meines Zeichens Kapitän der NORDSTERN."

Er hält kurz inne, da ihm bewußt wird, was genau ihn an den Worten des anderen stört.

"Bis Grangor - das ist kein Problem. Ihr könnt auch weiter mit uns fahren, wenn Ihr möchtet - unsere Reise geht bis nach Brabak. Ein Bett? Wir sind kein Gasthaus! Ich könnte Euch aber eine Koje in einer Doppelkabine anbieten."

Er sieht den anderen mit einem Lächeln im Gesicht an.



"Verzeiht mir, ich bin schon einige Zeit nicht mehr über die Meere gereist. Ihr habt recht. Eine Koje!"

Ein verlegenes Lächeln legt sich auf sein Gesicht, daß trotz der Schminke gut erkennbar ist.

'Wo war ich mit meinen Gedanken. Ich wollt einen guten Eindruck hinterlassen. So, werde ich meinen guten Ruf schnell wieder verlieren.'

"Eine Koje in einer Doppelkabine wäre sehr angenehm. Aber als Reiseziel reicht mir Grangor vollkommen aus. Ich denke die Reise dauert lange genug. Wie lange brauchen wir wenn uns Efferd zur Seite steht und wie ist der Preis für eine Reise bis Grangor?"

Dabei beginnt Jarun in seinem Rucksack zu kramen. Nach einigen Jonglierbällen, einigen Holzfigürchen und einem kleinen Buch findet er einen Geldbeutel.



Jergan überlegt kurz, obwohl er die Strecke ziemlich gut kennt - schließlich ist es bei weitem nicht das erste Mal, daß er sie befährt. Trotzdem ist jedes Mal ein klein wenig anders, denn Efferds Element läßt sich nicht vorhersagen, ebensowenig, wie die Menschen vorhersagbar sind. Dann antwortet er:

"Es sind etwa neunhundert Seemeilen. Wie lange wir dafür brauchen, kann ich beim besten Willen nicht genau sagen. Wenn Efferd uns wohlgesonnen ist, dann schaffen wir das in zehn Tagen - einschließlich der Zeit in den Häfen, wenn er es nicht ist, kann es gut und gerne dreimal so lange dauern. Rechnet mit vielleicht fünfzehn Tagen - aber versprechen kann ich natürlich nichts."

Lächelnd fährt der Kapitän fort:

"Eure zweite Frage dagegen kann ich exakt beantworten: Die Koje in der Doppelkabine kostet pro hundert Meilen acht Silber - das macht also zweiundsiebzig Silber - sagen wir, sieben Dukaten."

Jergan kramt in seiner Tasche, wo er zu seinem Erstaunen beide Schlüssel zu der Doppelkabine 1 findet.

'Hmm... ach ja! Der Magus...'

Er beschließt, Firutins Koje erst einmal noch zurückzuhalten, auch wenn es nicht so aussah, als wolle dieser wiederkommen. Er übergibt allerdings noch keinen der Schlüssel an den Gaukler, denn noch hat er kein Geld...



"Nun ja, ich denke sieben Dukaten ist ein guter Preis."

Vorsichtig sucht er aus seinem Geldbeutel den Betrag in Silberlingen und Dukaten heraus und reicht sie Kapitän Jergan herüber. Er packt alle Gegenstände mitsamt dem Geldbeutel wieder in den Rucksack und schultert ihn.

"Glaubt mir. Ich werde lieber mit zwanzig Tagen rechnen, denn auch ich kennen die seltsamen Wege, die die Götter für jeden von uns bereithalten. Vielleicht wird die Reise ja auch so angenehm, daß ich auf eurem Schiff anheuern möchte." entgegnet Jarun mit einem freundlichen Lächeln.

"Wenn ihr mir den Schlüssel gebt, würde ich gerne meinen Rucksack in die Kabine bringen und mich vielleicht meinem Zimmernachbarn vorstellen."

In Erwartung des Schlüssels streckt er seine rechte Hand aus, während er mit der linken die beiden Schwerter aufnimmt.

"Mit welchem Passagier teile ich das Zimmer? Oder ist es etwa bis jetzt leer?"



Jergan reicht Jarun den Schlüssel, den zuvor der Magier hatte.

"Bitte sehr. Es ist die KABINE eins."

Er überbetont das Wort "Kabine", um deutlich zu machen, daß es kein "Zimmer" ist.

"Ihr habt die Kabine alleine, aber das kann sich natürlich bis zum Auslaufen noch ändern."

Der Kapitän wendet sich an den Matrosen Eilif, der schon dabei ist, sich wieder zu verziehen.

"Eilif, zeig dem Herren Jarun mal die Doppelkabine eins!"



"Ich danke euch, Kapitän."

"Dann laßt uns mal in mein Zim ... meine Kabine gehen."

Jarun folgt dem Matrose zu seiner Kabine, die für die nächsten Tage seine Unterkunft sein wird. Dort angekommen öffnet er die Tür und wendet sich noch einmal kurz zu Eilif.

"Danke schön. Ich denke ihr könnt jetzt zurück auf das Oberdeck gehen und dort weiter die Feier genießen.“

Mit diesen Worten betritt er die Kabine. Bevor er die Tür schließt ruft er Eilif noch einmal hinterher.

"Was feiert ihr eigentlich?"



"Den Tsatag unserer Offizierin. Und wie Ihr gesehen habt, läßt sie sich nicht lumpen", verkündet Eilif beim Weggehen.

"So etwas kommt auch nicht alle Tage vor, das lasse ich mir nicht entgehen."

Mit dem festen Willen sich nicht länger aufhalten zu lassen, nickt der Matrose dem bunten Gast noch einmal zu und strebt dann wieder den Aufstieg zum Oberdeck an.





Jarun, der Gaukler


Jarun schließt hinter sich die Tür und schaut sich in der Kabine um.

"Der Preis ist wirklich angemessen." murmelt er vor sich hin und zieht sich dabei seine Handschuhe aus. Dann beginnt er seinen Rucksack auszupacken, um sein Reisegepäck in der Truhe zu verstauen, wo auch die Handschuhe einen Platz finden Alle Gegenstände, die er herausnimmt, schaut er sich sehr genau an.

'Tsatag,Tsatag. Was könnte ich zum Tsatag verschenken.'

Seine Augen beginnen hell zu strahlen, als sein Blick nach einige Minuten auf einen Gegenstand in seinem Rucksack fällt. Er nimmt sich den kleinen schmalen Gegenstand und schiebt ihn sich in den rechten Ärmel seines Rüschenhemdes.

"Sehr schön Jarun, gute Idee" lobt er sich selbst.

Nachdem er alles ausgepackt und seine Schwerter unter seine Koje gelegt hat, verläßt er pfeifend das Zimmer, achtet darauf, daß das Zimmer gut geschlossen ist und steckt sich den Schlüssel in eine kleine Gürteltasche. Geschwind springt er den Aufgang hinauf, um sich dann in die Gratulantenschlange einzureihen. Während er wartet, rückt er sich noch einmal seine Kleidung zurecht und schaut sich die Leute an, die vor ihm in der Schlange stehen.



Ein seltsames Paar


Unauffällig wandert eine einsame Gestalt am Kai entlang, bis sich ihre Schritte verlangsamen. Unauffällig und bei dem Trubel an Bord auch völlig unbemerkt verharrt die Frau, die wohl gut und gerne zwanzig Götterläufe zählen mag, vor der Nordstern und schaut etwas unschlüssig zum Schiff hinüber. Die junge Frau ist 85 Spann groß. Ihre glatten, schwarzen Haare trägt sie offen, so daß sie ihr fast bis zur Taille reichen. Ihre braunen Augen, die sonst immer ziemlich frech glänzen, schauen nun etwas besorgt.

Ihre Kleidung besteht aus einer etwas zu großen blauen Bluse, deren Ärmel sie hochgekrempelt hat (weil diese zu lang sind); einer schwarzen, perfekt sitzenden Lederhose; einem roten Tuch, daß als Gürtel herhalten muß; einem wadenlangen, schwarzen Kapuzenumhang und dunkelbraunen Stiefeln. Sie hält einen Wanderstab auf der Schulter, an dem ein Tuchbeutel mit allerlei Krimskrams hängt. Als Waffen trägt sie noch ein altes Florett und einen Dolch.

Ihren Körper kann man als etwas zu dürr bezeichnen und sie trägt quer über ihre linke Wange eine 4 Finger lange, rötliche, dünne Narbe. Phexane, so lautet ihr Name, dreht sich nun in Richtung Stadt um. Irgendwie behagt ihr diese ganze Situation nicht.

'Vielleicht kommt er auch nicht', denkt sie sich.



Geradezu lautlos materialisiert sich plötzlich neben ihr eine Gestalt. Sie ist in eine graue Robe gekleidet, deren Kapuze das Gesicht bedeckt. In der linken Hand hält die Gestalt einen mit runenverzierten Magierstab.

Phexane schreckt zusammen,scheint sich aber sofort zu beruhigen, anscheinend ist der Grund für ihr besorgtes Warten gerade eingetroffen. Sie schnappt einen Arm von der Gestalt und beginnt die Planke hinaufzulaufen. Etwas außer Atem betreten beide das Schiff.

Der Magier schlägt seine Kapuze zurück und enthüllt ein kantiges Gesicht mit einem leichten dunklen Teint. Sein rabenschwarzes Haar fällt in kleinen gekräuselten Locken seinen Nacken hinab. Eine einzelne weiße Strähne hebt sich daraus hervor. Seinen blauen Augen scheint nichts zu entgehen. Er ist recht kräftig gebaut für einen Magier, ca neuneinviertel Spann groß und etwa 30 Jahre alt. Mit einer lauten sonoren Stimme ruft er nach dem Kapitän des Schiffes.


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Angesichts der fröhlichen Feierei an Bord, verhallt dieser Ruf jedoch fast ungehört. An Bord herrscht ein buntes Durcheinander. Eifrige Zecher haben sich in Gruppen zusammengetan, versuchen sich gegenseitig mit haarsträubenden Lügengeschichten zu übertreffen, die so mancher wohl schon ein dutzend Mal gehört hat. Doch jedes Mal wird die Geschichte etwas mehr ausgeschmückt, die garstigen Monster ein paar Zoll größer und die erretteten Bauernweiber, werden erst holde Jungfern und dann gar edle Damen.

In der Nähe der Planke hält sich noch ein jüngerer Matrose auf, der seine liebe Mühe damit hat, einen kräftigen, wenn nicht gar wohlbeleibt zu nennenden Matrosen, der dem hiesigen Feuer schon über Gebühr zugesprochen hat, zu beruhigen.

"Olof, nun gib endlich Ruhe. Du wirst schon sehen, spätestens in Thorwal, dann wird er gehen. Nun beruhige dich doch..."

Doch der dicke Olof will sich nicht beruhigen, mit rotangelaufenem Gesicht, wiederholt er immer das gleiche unverständliche Gebrabbel und endet schließlich mit einem schrägen Gesang, der vage an das Lied vom Goldfelser Wein erinnert.

Als der junge Matrose bemerkt, daß Leute über die Planke auf das Schiff marschiert kommen, dreht er sich mit sichtlich genervtem Gesichtsausdruck um und mustert die Neuangekommenen.

"Der Herr Kapitän ist gerade beschäftigt, was gibt es denn?"



"Wir möchten gerne mitreisen", sagt Phexane nur noch, dann wird ihre Aufmerksamkeit auf das Fest gelenkt. Ihre anfängliche Besorgnis weicht nun einem Lächeln.

'Gut, daß wir dieses Schiff gewählt haben. Hier scheint man wohl vom Feiern was zu verstehen.'

Sie schaut nun den Leuten zu, die anscheinend recht zwanglos dem Alkohol zusprechen und beachtet den Matrosen vorerst nicht weiter.

'War wohl doch keine so schlechte Idee mit diesem Alrik loszuziehen. Wer weiß, was sich noch für mich daraus ergeben kann.'



"Mitreisen?" wiederholt der Matrose mit einem eher dümmlichen Gesichtsausdruck, während er seinen angetrunkenen Begleiter erneut zurückdrängt.

Versteh' da einer die Landratten, den ganzen langen Tag über, liegt das Schiff jetzt schon vor Anker und kaum einer läßt sich blicken. Aber kaum, daß es Dunkel ist und wir es uns beim Feuer und Festschmaus gutgehen lassen, da kommen sie in Horden angerannt. Im gleichen Moment durchzuckt ihn die Erkenntnis, genau das ist es: Hier gibt es was umsonst, DAS lockt sie an.

"Nun... dann werde ich mal schauen, ob ich einen der Offiziere finde, oder gar der Käpt'n ... Zeit hat", brummelt der Matrose. "Aber wir legen nicht vor morgen ab...."

Von dem Krüglein mit den Premer Feuer, das er noch in der Hand hält, nimmt er erst noch einen tiefen Zug, dann drückt er den Rest dem dicken Olof in die Hand, was sich durchaus besänftigend auf den nörgelnden und brabbelnden Kerl auswirkt. Mit einer Hand führt er den Krug zum Mund, während er mit der anderen Hand eifrige Ruderbewegungen vollführt, um sich Halt suchend an der Reling abzustützen.

Beim Kapitän angekommen, macht der andere Matrose mit eifrigem Fingerzeig auf die neuen Passagiere aufmerksam.

"Da wären noch zwei Herrschaften, die hätten gern... woll'n... Euch gesprochen... sprechen."

Eine deutliche Alkoholwolke weht dem Kapitän entgegen.



"Hier geht es ja lustig zu", sagt Phexane zu ihrem Begleiter. "Hoffentlich kriegen wir gleich auch noch was zu Trinken und Essen. Ich hab nen ziemlichen Kohldampf!"

Sie schaut zu den besoffenen Matrosen.

'Wenn ich mit dem eine Runde Boltan spielen würde, könnte ich ihn sicher gut ausnehmen! Der ist so doch so breit, der merkt doch gar nicht was los ist!'

Sie schmunzelt. Doch dann denkt sie an das letzte Mal, bei dem sie sich auch so sicher war und letztlich eine Menge Ärger bekommen hatte.

'Ne, lieber nicht. Nachher darf ich noch Kielholen!'



Jergan will sich gerade wieder der Feier zuwenden, als sich diese ihm in Form einer Alkoholwolke zuwendet. Er schluckt die scharfe Erwiderung, die er dem Matrosen entgegen schleudern wollte, herunter, als ihm klar wird, daß die Leute da an der Planke tatsächlich noch mehr Reisende sind - zwei auf einmal gleich.

Kurz fragt er sich, ob es schlau war, Jarun mit der einen Koje der Doppelkabine zu versorgen, doch dann verdrängt er den Gedanken, schließlich gab es keine andere Alternative und er konnte es ja nicht ahnen, außerdem gibt es ja noch den Gemeinschaftsraum.

"Ja, gut. Sag ihnen..."

Er bremst sich.

"Nein, sag ihnen nichts, ich gehe selbst."

Er macht sich auf den Weg in Richtung der Planke, dabei schickt den zechenden Matrosen und den Resten der Fiana-Gratulantenschlange ausweichend.

An der Planke bleibt er schließlich stehen und sieht die beiden Neuen an, die sich anscheinend gerade unterhalten. Er räuspert sich kurz, und sagt dann - recht laut, um beim Lärm der Feier verstanden zu werden:

"Efferd zum Grusse! Mein Name ist Jergan Efferdstreu, und ich bin der Kapitän der NORDSTERN."



Alrik schlägt die Kapuze zurück und blickt zum Kapitän empor.

`Na endlich´ denkt er bei sich.

"Meine Schwester und ich wünschen an Bord kommen zu dürfen Herr Kapitän, vielleicht kann man etwas zwecks einer Überfahrt bereden?"

Ohne die Antwort abzuwarten, schiebt er Phexane aufs Schiff. Er mustert kurz, mit einem stirnrunzeln, die zechenden Gäste, bevor er sich dem Kapitän zuwendet.

"Prallgefüllte Segel wünsche ich Herr Kapitän! Mein Name ist Magister Alrik Fuxfell und diese reizende Person neben mir ist meine Schwester Phexane. Sagt mir, wieviel würde uns eine Reise auf Eurem herrlichen Schiff kosten?"

"Am angenehmsten wäre uns eine Doppelkabine. Es soll auch Euer Schaden nicht sein!"

Anscheinend gelangweilt wartet er auf eine Antwort, des vor ihm stehenden Kapitäns.



Nickend erwidert der Kapitän den Gruß des Mannes, wobei sein Blick auf der Schwester ein klein wenig länger ruht als auf ihm. Dann hebt er fragend eine Augenbraue.

"Ihr könnt gerne mit uns reisen. Allerdings... ehe ich Euch einen Preis nennen kann, muß ich freilich wissen, wohin es eigentlich gehen sollen."

Leiser ergänzt er:

"Wie auf dieser Tafel da steht, fahren wir bis nach Brabak - es mag also fast jedes Ziel südlich von hier sein."

Die Tafel, auf die er dabei zeigt, ist die übliche, die in den Häfen immer neben dem Zugang an der Reling befestigt wird, auf der nicht nur das Fahrziel des Schiffes steht, sondern auch die Preisinformation:

"

100 Meilen Fahrstrecke kosten:

Suite : 25S

Einzelkabine : 12S

Doppelkabine : 8S

Gemeinschaftskabine : 4S

Unterdeck : 2S

Oberdeck : 1S (nur bei gutem Wetter für kurze Strecken)

"

Auf die Frage nach der Doppelkabine geht er nicht weiter ein, auch wenn sie beginnt, ihn gedanklich *ziemlich* zu beschäftigen.



Phexane nickt dem Kapitän nur zu, als er sie anschaut. Sie wird bei diesem Blick etwas nervös.

'Ich ahne was. Wahrscheinlich denkt der sich schon seinen Teil bei meinem Namen und meinem Aussehen. Ich hätte wohl einen anderen für die Schiffsreise nehmen sollen. Aber jetzt ist eh' zu spät.'

Sie schaut kurz auf die Preistafel.

'Wenn ich nur lesen könnte, was dort steht.'

Flüsternd wendet sie sich ihrem Bruder zu:

"Alrik? Was steht dort auf der Tafel?"

Die beiden sind wirklich ein ungleiches Paar: Analphabetin und Magier!

Doch was ist mit dem Ziel?

Sie wendet sich, ohne lange auf Alriks Antwort zu warten, dem Kapitän zu.

"Mir ist alles recht! Dort wo es mir gefällt, bleibe ich. Aber wenn ihr ein genaueres Ziel braucht", dabei fällt ihr Blick auf Alrik, "dann würde ich gern erstmal bis nach Belhanka mitreisen. Falls es mir dort zu langweilig ... also, äh, ich meine, falls es mir dort nicht gefällt, könnte ich dann noch weiter mitreisen?"


Alrik nickt seiner Schwester zu.

"Wenn es dein Wunsch ist, dann fahren wir erst einmal bis Belhanka. Ist denn die Doppelkabine oder die Suite noch frei? Wenn ja was würde uns das für die ganze Strecke kosten?"

Er blickt am Kapitän vorbei auf das Treiben an Bord des Schiffes. Niemand kann sagen was er in diesem Moment denkt. Seine blauen Augen fixieren erneut den vor ihm stehenden Mann. Da dieser offensichtlich mit rechnen beschäftigt ist, wendet er sich an Phexane. Er steckt ihr unauffällig 3 Dukaten zu.

"Ich denke wenigsten an dieser Feier können wir teilnehmen, wenn auch nicht der angemessene Raum für eine Überfahrt frei ist, dann suchen wir uns ein anderes Schiff.



"Suite? Hier gibt es eine Suite? Laß uns die doch nehmen!"

Phexane kam sich fast wie in einem Traum vor - erst läuft ihr Alrik über den Weg, der sie vor diesem ekligen Thorwaler beschützt hatte, dann beschließen beide eine längere Seereise zu machen und dann würde sie sogar die Annehmlichkeiten einer Suite kennenlernen!

'Und wenn die hier jeden Abend eine Feier veranstalten, dann muß ich mich wirklich mal zwicken!'

Als Alrik ihr die drei Dukaten zusteckt, ist sie schon etwas überrascht.

'Ich habe doch selber vorerst genug! Na ja, was soll's. Ich kann Geld immer gut gebrauchen', denkt sie sich und steckt die drei Geldstücke weg. Auf Alriks Worte hin nickt sie zwar nur, dafür aber um so eifriger. Sie mustert ihn etwas nachdenklich.



Nirka in der Kabine


Nirka wirft nur einen kurzen Blick über die Schulter, um zu prüfen, ob die anderen weiter folgen, dann eilt sie die Treppe hinunter und geradewegs weiter in den Mannschaftsraum.

Den dort immer noch faul herumliegenden Babo ignoriert sie erst einmal - darüber kann sie sich wirklich später Gedanken machen - und verschwindet in der winzigen Kammer, die ihr gehört. Die Tür bleibt angelehnt, sie verzichtet darauf, den Riegel vorzulegen.

'Mal sehen, ob Sigrun nachkommt... Aber sie wird auch mit Aleara zu tun haben...', denkt sie sich, während sie aus den nassen und mittlerweile auch kalten Sachen schlüpft, die einen tropfenden Haufen auf dem Boden der Kabine zu bilden beginnen.



Aleara erwacht erneut


Erneut schlägt Aleara die Augen auf. Hektisch sieht sie sich um.

"Swafnir" stößt sie hervor, "der Tempel. <hust> der Geweihte hat gesagt..."

Der Rest geht in einem Hustenanfall unter.



Erschrocken vernimmt Sigrun Alearas Worte und deren Hustenanfall. Es wird wirklich Zeit, sie unter Deck zu bringen. Wer weiß, was dieses Gerede von Swafnir, einem Tempel und einem Geweihten zu bedeuten hat und der Husten hört sich nicht gut an. Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten!

Sigruns Arme schließen sich fest um Alearas Körper, als sie die andere Matrosin nun endgültig anhebt und beginnt, sich durch die Menge zu drängen.

'Es wäre wirklich eine Hilfe, wenn der Elf vorangehen würde. Naja, vielleicht entschließt er sich ja noch dazu, wer versteht schon, was in so einem vorgeht ...'

Vorsichtig arbeitet sie sich Schritt für Schritt voran ...



Sylvhar hätte es zwar nicht erwartet, aber trotzdem gilt die Bitte an ihn immer noch. Und jetzt, da Sigrun sich vorwärts bewegt, wird es höchste Zeit, daß er dieser Bitte nachkommt. So geht er behende voraus mitten durch die Menge. Auf dem Vordeck selber ist das noch kein so großes Problem, aber schon auf den Stufen wird das Gedränge größer. Eigentlich fühlt er sich zwischen so vielen Menschen, so eng aneinander gedrückt und erst noch scheinen alle nicht mehr ganz bei Sinnen zu sein, ganz und gar nicht wohl. Zum Glück hat er nicht große Mühe, die Leute aus dem Weg zu schaffen - Berührungen reichen zum Teil schon, und spätestens ein Blick in seine funkelnden roten Augen läßt vor ihm eine ausreichende Gasse entstehen.



Aleara hustet erneut, spuckt dabei viel Wasser, und wird immer bleicher. In einer "Hustenpause" stammelt sie:

"Im Wasser....der Tempel....Namenl..."

Ihre Stimme erstirbt, und Aleara rollt mit den Augen, bevor sie von einem neuerlichen Hustenanfall getroffen wird.



Darian wartet


Wieder rückt Darian einen Schritt vor, jetzt sind nur noch zwei Matrosen vor ihm, so dasz er wohl bald an der Reihe ist. Aus den Augenwinkeln beobachtet er die bunte Gestalt, die mit dem Kapitän redet.

´Ob Fianna sogar einen Gaukler angeheuert hat ?´ doch dann sieht er wie dieser dem Kapitän einige Münzen überreicht.

´Er GIBT dem Kapitän Geld, dann ist es wohl doch nur ein weiterer Passagier.´



Preise


"Viereinhalb", Phexane sieht jetzt etwas enttäuscht aus.

"Oh je, ich glaube, so viel haben wir gar nicht mehr bei uns. Ihr müßt wissen, wir waren hier in Prem zu Besuch bei unserer geliebten Großmutter und ...", Phexane seufzt, "sie starb an einer Krankheit, die sie schon so lange plagte. Ihr Herz," sie schluckt und schaut zu Boden, "war zu schwach."

Phexane braucht einen kurzen Moment um sich wieder zu fangen.

"Wir haben sehr viel an den Herrn Boron gespendet, damit unsere arme Großmutter nach dem Tod das bekommt, was sie hier auf Dere nie bekam."

Ihre Augen glänzen etwas, als sie nun wieder zum Kapitän aufsieht.

"Sie hatte ein so hartes Leben."

Sie wischt sich die ersten Tränen aus den Augen.

"Wir können beide leider nicht mehr als drei Dukaten ausgeben."



Während Phexane dem Kapitän die Geschichte ihrer Großmutter erzählt, senkt Alrik den Kopf und seine Schultern beginnen zu zucken. Er streift die Kapuze seiner Robe über das Gesicht und stützt Phexane um ihr Trost, ob des Schmerzes um ihrer beider Großmutter, zu spenden.



Der Kapitän der NORDSTERN zieht erstaunt eine Augenbraue empor. Die Preise auf der NORDSTERN sind wirklich extrem niedrig, gemessen an dem, was andere Kapitäne nehmen - das Geld kommt eben über Frachttransporte herein, nicht durch die Mitnahme von Fahrgästen. Aber dennoch macht jeder Fahrgast einen gewissen Aufwand, und wenigstens der sollte vom Fahrpreis abgedeckt werden.

Was Jergan allerdings noch weniger versteht, ist der Zusammenhang zwischen den Wünschen dieser beiden, und dem, was sie zu bezahlen bereit sind, denn so ganz glaubt er ihnen die Geschichte mit der Großmutter nicht, auch wenn er sich das nicht anmerken läßt. Also fragt er nur:

"Jeder drei Dukaten, oder zusammen drei Dukaten? Für zusammen viereinhalb könntet Ihr auf dem Unterdeck reisen, wo momentan auch noch richtig viel Platz ist. Die Gemeinschaftskabine würde, wie ich schon sagte, zusammen neun Dukaten kosten."

Leiser fügt er hinzu:

"Dann wäre die Doppelkabine für Euch ja ohnehin nichts, denn die kostet bis Belhanka für zwei Personen neunzehn Dukaten, von der Suite mit dreissig Dukaten mal ganz zu schweigen."

'Mal sehen, was sie dazu sagen. Ein wenig könnte man ja dennoch mit dem Preis nach unten gehen, sie sind schließlich zu zweit, und fahren ziemlich weit mit.'



Phexane schnieft noch einmal.

"Nun, wir würde jeder drei Dukaten bezahlen. Aber verzeiht mir meine Unwissenheit bezüglich des Preises. Ich bin bisher noch nicht so oft auf Schiffen gewesen. Auf so einem großen erst recht nicht."

'Hoffentlich geht er darauf ein. Ich hatte ganz schön viel Ärger bekommen, um an einen prallen Geldbeutel zu gelangen. Nun will ich auch nicht so viel für sowas ausgeben.'

Phexane wundert sich etwas über Alrik.

'Hätte nicht gedacht, daß er so etwas mitmachen würde. Er scheint wohl doch ausgekochter zu sein, als ich gedacht hätte.'



"Nach Belhanka, gut."

Er überlegt, dann macht er eine Kopfbewegung, die eine Mischung zwischen Kopfschütteln und Nicken sein könnte.

"Wenn ich das gewußt hätte... ich habe eine Koje in unser letzten freien Doppelkabine gerade eben vergeben! Was die Luxussuite betrifft, so kam da bereits eine Anfrage von einer wohlhabenden Dame, die sie sich sicherte, so daß ich leider auch damit nicht dienen kann."

Er überlegt weiter.

"Wir haben einen Gemeinschaftsraum, der nett eingerichtet ist, und der momentan bis auf eine Ausnahme noch vollkommen leer ist. Diese Ausnahme ist ein junger Mann aus Olport, der über die Reise und die Landschaft schreiben will - ein interessanter Reisegefährte, wie mir scheint. Das wäre die eine Option, die Ihr habt, und die andere... redet doch einfach mit dem Reisenden, dem ich gerade die Doppelkabine gab. Vielleicht ist er bereit, zu tauschen."

Wieder sieht der Kapitän die Geschwister fragend an, ohne ihnen zu sagen, wer dieser Reisende eigentlich ist, und auch zum Preis sagt er immer noch nichts - kein Wunder, setzt dieser doch den Typ der Kabine als wesentlichen Bestandteil voraus.


Alrik schaut den Kapitän mißmutig an. So hatte er sich diese Schiffsreise nicht vorgestellt. Der Gemeinschaftsraum mag zwar jetzt noch sauber sein und mit einem Gast auch nicht besonders voll, aber diese billige Art des Reisens wird oft von zwielichtigen Gestalten bevorzugt. Und er wollte eigentlich entspannt reisen und nicht jede Nacht auf seinen Sachen schlafend verbringen. Unauffällig schaut er hinüber zu Phexane wie sie wohl auf den Vorschlag des Kapitäns reagiert. Schließlich wurde sie ja verfolgt und sie muß auch die letzte Entscheidung fällen.



Phexane ist etwas enttäuscht. Das erste Mal in ihrem Leben hätte sie mal wie eine feine Dame reisen können. Aber andererseits kann sie sich nicht beklagen. Sie hatte in ihrem Leben schon weitaus schlimmere Schlafplätze als einen Gemeinschaftsraum gehabt.

"Ich möchte niemanden aus seiner Kabine verjagen. Der Passagier, der die eine Doppelkabine bewohnt, hat wohl auch schon dafür bezahlt, nehme ich an. Also werden wir die Gemeinschaftskabine nehmen", sagt Phexane zu dem Kapitän und schaut kurz zu Alrik, der offensichtlich nicht sehr begeistert davon ist.

"Ihr hattet erwähnt, der Mann, der ebenfalls im Gemeinschaftsraum übernachtet, würde über diese Reise schreiben? Ist er denn schon viel herumgekommen? Mich würden seine Erzählungen sehr interessieren."



Jergan nickt, als er die Entscheidung der Passagiere hört. Doch ihm ist auch nicht entgangen, daß sie nicht sehr glücklich darüber zu sein scheinen.

"Macht Euch keine Sorgen, unsere Gemeinschaftskabine ist kein Raum, in den wir die Menschen hineinpferchen. Er ist ziemlich groß, und hat acht Kojen mit jeweils einem gar nicht so kleinen Spind für die persönlichen Sachen - abschließbar natürlich. Der Herr, den ich erwähnte, hat die Doppelkabine, oder, genauer gesagt, das eine Bett in ihr, bis Grangor gebucht. Ihr könntet sie also dort übernehmen - das wäre das letzte Drittel der Reise bis nach Belhanka."

Er überlegt kurz, und fährt dann fort: "Bis Belhanka sind es von hier aus etwa 1200 Meilen. Nach dieser Preisliste..."

... er zeigt wieder auf die Tafel...

"... würde das achtundvierzig Silber pro Person machen - sagen wir, viereinhalb Dukaten für jeden."

Er überlegt wieder - diesmal nicht irgendwelche Zahlen oder Beträge, sondern was Phexane ihn gefragt hatte. Ah! Der Schreiberling!

"Was den Mann betrifft, der ebenfalls in der Gemeinschaftskabine wohnt: Ich weiß es nicht genau, aber mir kam es eher so vor, als stände er am Anfang einer großen Reise. Aber fragt ihn doch am besten selbst, er..."

Jergan sieht sich kurz auf dem Oberdeck um, bis er Hirkan entdeckt.

"... steht dort hinten. Hirkan ist sein Name."

Er zeigt in die betreffende Richtung.



Alrik hält sich immer noch an Phexanes Arm fest, aber es wird langsam Zeit sich zu beruhigen. Wie kann dieses kleine Persönchen dem Kapitän nur so unverfroren ins Gesicht lügen.

Er hatte Mühe und schaffte es gerade noch rechtzeitig seinen Lachanfall unter der Kapuze zu verstecken. Nachdem er sich jetzt einigermaßen beruhigt hat schlägt er die Kapuze wieder zurück und hofft das der Kapitän seine Lachtränen für echte Traurigkeit hält.

"Wenn meine Schwester 6 Dukaten bezahlt, könnte ich noch 20 Silberlinge dazugeben, wärt ihr damit einverstanden?" fragend blickt er zu Jergan.

"Wann soll den die Reise überhaupt fortgesetzt werden ?" möchte Alrik vom Kapitän noch wissen.



Jergan scheint wieder zu überlegen.

"Das wären dann achtzig Silber. Es kostet sechsundneunzig Silber... Hmm.... wie wäre es..."

...er mustert die beiden aufmerksam...

"... mit achtundachzig Silber?"



Phexanes Augen verengen sich etwas. Sie rechnet schnell im Kopf nach.

"Moment, ich schaue nach, was ich noch an Geld im meinem Beutel habe."

Mit diesen Worten legt sie den Stock samt Beutel auf den Boden, hockt sich mit dem Rücken zu Jergan hin, damit er nicht mitkriegen kann, nach was sie genau sucht und wühlt für einen kurzen Moment in ihren Sachen. Doch das ist nur geschauspielert. Sie weiß, wo sie den Beutel des Thorwalers hat. Mit ihren flinken Fingern öffnet sie das Beutelchen, greift nach dem Inhalt und zieht ein paar Silbertaler heraus.

"Also ich könnte noch mit 5 Silbertaler dienen, aber das ist auch mein letztes Geld."

'Womit wir fast wieder bei den viereinhalb Dukaten pro Person wären - irgendwie klappt zur Zeit auch gar nichts', ärgert sie sich insgeheim.



'Fünfundachzig Silber... also ein halber Dukat unter dem Normalpreis. Aber sie sind eben zu zweit, also nur ein Vierteldukat... ach was... machen wir es ihnen nicht zu schwer.'

Jergan macht der kleine Handel zwar sichtbar Spaß, doch er muß nicht um jeden Heller feilschen. Geld wird, das sagt er sich wieder einmal, mit der Ladung verdient, und nicht mit den Passagieren. Er sieht die beiden wieder an.

"Also gut. Fünfundachtig Silbertaler, und zusätzlich übernehmt Ihr einmal auf der Überfahrt die Reinigung der Gemeinschaftskabine. Ist das für Euch so in Ordnung?"

Sein Gesicht ist dabei ganz ehrlich, und wer mit so etwas Erfahrung hat, sieht auch, daß er es wirklich ehrlich meint. Seine Worte sind ohne jede Hinterlist - einfach, offen und ehrlich.



Phexane schaut den Kapitän einen Moment lang etwas überrascht an. Dann schaut sie kurz zu Alrik.

'Putzen? Oh je! Allerdings ... wenn diese Geschichte von dem Zauberlehrling und dem Besen, der alleine putzt und schrubbt, die ich als Kind mal gehört hatte, stimmt, könnte Alrik doch ...'

"In Ordnung. Wir werden einmal den Raum putzen", antwortet sie Jergan und lächelt zu Alrik, als würde sie sagen 'Du wirst das schon hinkriegen!'.

Sie zieht daraufhin einen kleinen Geldbeutel unter ihrer Bluse hervor, der mit einem Lederband um ihren Hals hängt, zählt den gewünschten Betrag ab, übergibt ihn dem Kapitän und wartet nur noch, daß auch Alrik seinen Anteil zahlt.



Alrik greift kurz in seine Robe und hat wenige Augenblicke später den gewünschten Betrag in der Hand.

"Da meine Schwester sich bereit erklärt hat die Unterkunft zu säubern wären wir uns hiermit einig. Nun sagt uns Herr Jergan was wird denn hier so ausgelassen gefeiert?"

Neugierig schaut er sich an Bord um vermeidet es aber geschickt Phexane anzusehen.



"Wie bitte???"

Phexane sieht Alrik ungläubig an. Das kann doch nicht sein Ernst sein!



Lächelnd beobachtet der Kapitän den Streit der Geschwister. Dann fragt er vorsichtig:

"Ich will mich ja nicht einmischen... aber braucht Ihr mich noch? Wenn nicht... soll ich Euch jemanden schicken, der Euch die Kabine zeigt, oder möchtet Ihr erst einmal an Deck bleiben.... und vielleicht mit dem Herrn Hirkam reden, mit dem Ihr die Kabine teilen werdet? Hier an Deck..."

Bei diesen Worten fällt ihm Alriks Frage wieder ein.

"... feiern wir im Moment den Tsa-Tag unser ersten Offizierin, wozu Ihr herzlich eingeladen seid."

Seine Hand weist dabei kurz in Richtung Fianas und der immer kürzer werdenden Schlange.



"Da wir uns einig sind, werden wir jetzt Eurer ersten Offizierin unsere Aufwartung machen"

Alrik schnappt sich Phexanes Arm und zieht sie mit in Richtung der Offizierin. Er stellt sich in die Schlange um seine Grüße zu entbieten und wartet geduldig bis er an der Reihe ist.



Magier unter sich

Ottam ist sich inzwischen recht sicher, daß er ungeschoren zur Feier zurück kommen wird, daher macht er sich mit wichtiger Mine auf den Weg nach oben. Dort angekommen, orientiert er sich in Richtung der beiden Magier unter den Gästen. Zwar macht sich der eine der beiden gerade auf den Weg zur Schlange. Aber was soll es, besser ein Kollege als keiner. Daher macht sich Ottam auf den Weg zu Belvolio.

"Hesinde zum Gruß, eben hielt mich die Pflicht als Bordmagus ab weiter mit euch zu sprechen. Ich hoffe ich störe jetzt nicht mit meiner Idee ein wenig zu plaudern?"

So richtet er Gruß und Frage an Belvolio.



Belvolio wollte sich gerade in das Gedränge des Oberdecks mischen um sich und Darian einen Sitzplatz zu suchen als ihn der Magus, mit dem er am frühen Abend schon zu tun hatte, anspricht.

Belvolio wendet sich dem Magus zu und antwortet:

"Hesinde zum Gruß, es ist sicherlich keine schlechte Idee, ich hatte sowieso gerade vor mit dem jungen Magus dort, er deutet mit dem Stab auf Darian, Erfahrungen und Wissen auszutauschen."



"Ich bin schon fast überrascht, daß so viele Kollegen an Bord sind, gibt es im Süden vielleicht eine wichtige Konferenz von der ich noch nichts erfahren habe? Oder treibt euch eher der Forscherdrang?" fragt er interessiert.



"Nun," antwortet Belvolio bedächtig "mein Forscherdrang ist vorerst gestillt, es ist eher die Heimat die mich zurück ruft, eine Pause zu machen und alles Niederzuschreiben damit nichts verloren geht." dann fügt er nach

einer kurzen Denkpause hinzu :

"Vielleicht werde ich mir auch die Zeit nehmen einen ... Lehrling auszubilden "


"Ein Lehrling, ich muß zugeben mit diesem Gedanken habe ich mich bisher noch nicht beschäftigt. Doch darf ich fragen wo eure Heimat liegt ?"



Ein Schatten von Mißtrauen überfliegt das Gesicht von Belvolio welcher jedoch sofort vom Licht der Disziplin verscheucht wird.

'Wieviel darf ich ihm sagen ? oder: wie Harmlos ist dieser Magus. Ein Magier auf einem Schiff, das den Kontinent bereist, ist sicher ein guter Spitzel'

Diese Gedanken fliegen Belvolio durch den Kopf bevor er antwortet:

"Nun, ich habe ein Labor in Havena, welches schon lange verlassen ist, und eines in Neetha, die Stätte meiner Wi ... ähm .. Geburt ist allerdings in Brabak, die Heimat liegt für mich irgendwo dazwischen."

Zufrieden läßt Belvolio die Worte nachklingen ... es war alles gesagt ohne jedoch alles preiszugeben.



Darian wartet


Einer ist noch vor ihm, dann ist er an der Reihe. Hinter ihm haben sich bereits weitere Matrosen und der Gaukler angestellt, so dasz er nun nicht mehr der letzte in der Schlange ist. Während der Matrose vor ihm, der einer der wenigen ist, die noch nicht im Übermasze dem Feuer zugesprochen haben, Fianna seinen Glückwunsch ausspricht, beobachtet er aus den Augenwinkeln, wie zwei weitere Reisende an Bord gehen.

´Gut, dasz ich noch verhältnismäszig früh am Tage hier war. Sonst wäre womöglich kein Platz mehr gewesen.´



Feuernachschub


Halb verwundert, halb belustigt blickt Ole dem fliehenden Mäuschen nach. Wie schnell dieses kleine Tier doch flitzen kann. Ole erhebt sich und wirft das alte Brot achtlos auf dem Boden und blickt gedankenverloren der verschmähten 'Leckerei' nach. Die Krume kommt kurz vor einer geleerten Flasche liegen. Ole ist erstaunt. Wie kommt denn diese Flasche an Bord, das 'Feuer' wird doch aus Fässern gezapft. Doch dann kommt dem Schiffszimmermann eine Idee, die ihm helfen könnte, sich nicht immer wieder bei Bedarf in die Schlange der Wartenden vor dem 'Feuerfaß' anstellen zu müssen. Zu Alrik sagt er kurz:

"Paß auf die Gläser auf, mein Junge!"

Dann eilt er davon. Die Matrosen, die um das Faß herumstehen, seufzen ergeben und drehen die Augen nach oben, als sie Ole nahen sehen und sie machen ihm Platz, wenn auch widerwillig, ohne eine entsprechende Bitte von ihm abzuwarten. Ole bedankt sich mit einem stummen Nicken nach rechts und links und gibt dann feierlich die Flasche ab, mit dem, ebenso feierlichen Auftrag sie mit 'Feuer' zu füllen. Die Matrosen am Faß beeilen sich seiner Bitte nachzukommen, anscheinend im festen Glauben, je eher er bedient werden würde, desto schneller würde er wieder verschwinden. Und wenn er eine ganze Flasche bekommen würde, dann tauchte er auch nicht so schnell wieder auf. So denken vor allem diejenigen, die schon lange in der Warteschlange, in der Zeit da Ole dreimal bestellte, bis jetzt noch immer im 'Trockenen' stehen mußten. So dauerte es gar nicht lange, bis Ole mit seiner gefüllten Flasche befriedigt wieder abziehen konnte.

"Alrik!" ruft er schon von weitem "Zücke die Gläser, der Nachschub naht!"



ALRIK blickt dem dahin rauschenden Ole gedankenverloren nach. Das wird bestimmt noch dauern. Versonnen denkt er an Rahjana und den schönen Nachmittag in der Stadt Prem zurück. Ach ja, Rahjana! Was sie jetzt wohl tun mag? Ob sie vielleicht ab und zu mal an ihn denkt? Traurig setzt sich ALRIK auf den kleinen Holzklotz, der als Behelfshocker dient.

Dieses Feuer kann einen aber auch ganz schwindelig und schwermütig machen, stellt der Schiffsjunge fest. Aber da kommt ja auch Ole schon wieder. Mit einem aufgesetzten Grinsen hält Alrik dem Schiffszimmermann die beiden Trinkgefäße entgegen.

"Sicher, Ole. Hier, fülle nur nach."



'Hoffentlich geht die zweite Lage nicht wieder so quer runter, wie die erste', überlegt ALRIK als er geduldig abwartet, daß Ole das Feuer endlich einschenkt.



Ole nimmt die beiden Gläser, klemmt das eine zwischen den Mittel- und den Zeigefinger und umfaßt gleichzeitig das andere mit Zeigefinger und Daumen. Dann schenkt er vorsichtig ein, Tropfen für Tropfen fast, damit ja nichts von dem 'feurigen' Naß verloren geht. Es sieht beinahe so aus, als wäre es eine kultische Handlung im Namen der 'schönen Göttin'. Der alte Schiffszimmermann starrt angestrengt auf die Gläser, als wäre der Vorgang etwas einmaliges, als wolle er keinen Augenblick dabei verpassen. Währenddessen murmelt er eine Reihe Sinnsprüche zum Thema 'Premer Feuer' vor sich hin, Worte, deren Aussagekraft in der Qualität sehr unterschiedlich sind und die selten das Niveau allgemeiner Volksweisheiten überschreiten. So erklärt er unter anderem:

"Premer Feuer wärmt den Körper und klärt den Geist, aber es kostet dich den Verstand und es verzehrt deinen Körper, wenn du ein Übermaß walten läßt! Es ist eine Göttergabe, welche die Elemente des Feuers und des Wassers in sich vereinigt. Entzünde es und du kannst eine kleine rote Flamme sehen, sie gab diesem Getränk den Namen. 'Premer Feuer' ist die Leidenschaft des Nordens und der Nordleute. Den Wackeren macht es zum Mann, den Verdruckten zum Trottel, es bringt dich zum Erblühen und es läßt dich verwelken. Premer Feuer ist das Leben selbst!"

Unterdessen sind die Gläser vollgeworden und Ole reicht dem Schiffsjunge eines davon. Alrik scheint ein bißchen in seinen Gedanken verloren zu sein. Ole lächelt und fragt:

"Hast du mir eigentlich zugehört oder schwebt dein Geist eigentlich in fernen, fremden Gefilden?"



"Doch, doch. Hab ich", versichert ALRIK schnell, fast ein wenig zu schnell.

"Rote Flamme, ja", erwähnt der Junge, die letzten Worte, die den Weg zu seinen Ohren fanden und an die er sich noch erinnern kann.

Aber auch so, ohne es entzündet zu haben, übt das Getränk eine überaus wärmende Wirkung aus. Eine Wärme, bei der es schwierig wird, sich zu konzentrieren.

Aus allen Richtungen erklingt der Lärm der lustigen Zecher, und auch der Lärm derer, die die Grenze von lustig zu lästig so langsam überschritten haben. Es ist kaum möglich einem anderen Gespräch zu folgen, teilweise ist es sogar schwierig, sein eigenes Wort zu verstehen. Darum wird es sicher besser sein, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert:

"Prost!"



"Na dann ist es ja gut ....!" brummelt Ole vor sich hin, hebt noch einmal sein Glas und läßt dann das 'Feuer' langsam die Kehle hinunter rinnen. Es mag so aussehen, als ob der Schiffszimmermann den jungen Alrik nicht weiter beachten würde, doch daß stimmt nur zum Teil. Ole achtet schon sehr darauf, daß er nicht im Weg stehen würde, wenn es dem Schiffsjunge wiederum zu 'feurig' in der Kehle werden würde und in der Folge davon das kostbare Naß wieder in der Gegend umher sprühen würde. Außerdem, so findet Ole, sollte dem Jungen schon die Gelegenheit gegeben werden, für den Fall, von einer plötzlichen Einsicht übermannt zu werden, das 'Feuer' könnte doch etwas zu stark für ihn sein, den Inhalt seines Glases heimlich, bei Wahrung seines Gesichts, entsorgen zu können.

Nachdenklich blickt Ole auf sein, schon zur Hälfte geleertes Glas.

"Wir sollten auf irgend etwas trinken, meinst du nicht auch?"



"Hm...", ALRIK stutzt, senkt den Schnaps vorsichtig ab und schaut dann wieder auf zu Ole.

"Man braucht also immer einen Grund zum trinken?" fragt er neugierig nach und gewinnt damit auch gleich wieder etwas Zeit...



"Nun, mein Junge! Man braucht nicht immer einen Grund zum Trinken, der Genuß selbst mag dann Grund genug sein. Doch ist es durchaus Brauch, bei feierliche Momente wie heute, sein Glas zu heben, um jemandem besonderen oder eben einer besonderen Situation zu gedenken!"

Ole lächelt:

"Alrik, laß dir gesagt sein - ein Grund zum Trinken findet sich immer! So könnten wir heute die Gläser erheben zu Ehren Fianas, Dankbarkeit erweisend für das schöne Fest, welches sie uns bietet!

Nun bekommt Ole's Lächeln direkt etwas niederträchtiges, als er, wie nebenbei erwähnt:

"Du, mein Junge, könntest aber auch auf die holde Rahjana trinken! Oder etwa nicht??"

Dabei hält ihm Ole auffordernd das Glas hin, daß Alrik anstoßen, dem Trinkspruch beipflichtend.



Kaum merklich zucken ALRIKS Mundwinkel. Sehr treffsicher hat Ole den Finger auf den wunden Punkt gelegt: Rahjana.

"Wohl an denn", beginnt der Schiffsjunge mit rauher, belegter Stimme, "auf Rahjana."

Der Trinkspruch erscheint dem Jungen etwas knapp und keinesfalls einem so bezauberndem Geschöpf wie Rahjana angemessen. Auch die ganze Umgebung, die zechenden Matrosen und die zotigen Sprüche, die überall zu hören sind, und dazu die einfältigen Zuhörer, die immer wieder mit einem lauten "Das wohl, das wohl!" beipflichtend gröhlen, ist einfach nur unpassend.

Das Geräusch als ALRIKS Glas auf das von Ole trifft, geht vollkommen in dem allgemeinen Lärm unter. Wortlos führt der Junge das Glas an die Lippen und trinkt ruckartig und schnell einen kräftigen Schluck, damit sich der beißende Geschmack des Gebrannten gar nicht erst im Gaumen entfalten kann. ALRIK verzieht das Gesicht, doch dieses Mal ist er gewappnet und auf das ätzende Brennen vorbereitet. Tapfer unterdrückt der Junge das anfängliche Ekelgefühl und geht siegreich aus der zweiten Runde im Kampf gegen das Feuer hervor.

"Was...." ein leichtes Hüsteln läßt sich dummerweise doch nicht ganz verhindern, "... geschieht denn dort?"

Alrik deutet mit der freien Hand auf die Mitte des Decks, wo sich mittlerweile ein recht großer freier Platz gebildet hat und ein bunter Kerl auffordernde Worte an das Publikum richtet.


Warten und gratulieren


Viel Zeit ist vergangen seit Jarun sich am Ende der Schlange angestellt hat.

'Mir kommt es vor, als würde ich hier schon Tage stehen. Ich habe solche Warteschlangen schon immer gehaßt. Es gibt nichts langweiligeres, als in einer Schlange zu warten, bis man an der Reihe ist.'

Während Jarun weiterhin versucht sein Langweile zu unterdrücken, beendet ein schwergewichtiger Matrose mit wettergegerbtem Gesicht seine Beglückwünschung.

'Ah, endlich geht es weiter. Wurde auch mal Zeit, ich dachte schon, der Dicke würde so lange reden, bis er sich auf die Hälfte seines Gewichtes runter gehungert hat.'

Wieder tritt die gesamte Schlange einen Schritt vor. Jetzt ist einer der Magier an der Reihe, die Jarun bereits auf dem Schiff gesehen hatte. 'Verdammt jung sieht der aus, für einen Magier. Hoffentlich fast er sich kurz. Dann bin ich nämlich schon als übernächster an der Reihe. Schon wieder schieben die Matrosen hinter ihm die gesamte Reihe zusammen, so daß Jarun fast das Gleichgewicht verliert, Dabei singen sie irgend ein thorwalsches Tsatagslied.

"Bei den Zwölfen, könnt ihr nicht aufhören zu schieben. Davon geht es auch nicht schneller." schreit Jarun die Matrosen hinter sich an.



Ein weiterer Matrose hat seine Glückwünsche überbracht, ein weiteres Mal rückt die Schlange ein Stück voran, ein weiteres Mal macht Darian einen Schritt nach vorn. Nun ist er bei Fiana angelangt.

Sein Stab befindet sich noch immer in seiner linken Hand, so dasz er ihn dort belassen kann, als er mit der rechten Hand Fianas rechte ergreift und festhält während er spricht.

"Meinen herzlichsten Glückwunsch will ich Euch aussprechen, werte Fiana. Mögen die Zwölfe Euch noch viele weitere frohe und gesunde Jahre gewähren und möge insbesondere Efferd Euch auf Euren Wegen geleiten und stets für frischen Wind und einen Spann Wasser unter dem Kiel sorgen."

Nach diesen Worten läszt er die Hand der Offizierin los und greift in eine Tasche seines Gewandes. Seine Finger umschlieszen einen Gegenstand und fördern ihn zu Tage.

Seine Hand kommt wieder zum Vorschein, man kann jedoch nicht erkennen was er darin hält. Dann läszt er das Amulett ein Stück fallen, so dasz er es nun nur noch an der Kette festhält. Es ist ein silbernes Amulett in Form eines Delphins. Kurz zieht er in Erwägung der Offizierin das Amulett umzuhängen, sieht dann aber angesichts des Gröszenunterschieds davon ab. Somit hält er das Schmuckstück einfach gut sichtbar vor sich.

"Es ist zwar kaum mehr als ein Schmuckstück, doch es zeigt das Tier des Efferd. Vielleicht bemerkt der Herr der Meere ja, wenn Ihr es tragt."

Er streckt die Hand mit dem Amulett ein wenig aus, um es zu übergeben.



"Habt vielen Dank und möge euch die Dame Hesinde immer auf euren Wegen begleiten und wohlgesonen sein"

Antwortet sie auf die dargebrachten Glückwünsche. Daraufhin nimmt sie das angebotene Geschenk entgegen und betrachtet es genau. Sie legt es auf die Handinnenfläche und streicht mit dem Zeigefinger der anderen darüber. Offensichtlich scheint sie tatsächlich eine innige Bindung zu Efferd und seinen Symbolen zu haben.

"Es ist sehr schön, nochmals vielen Dank".



"Es freut mich, dasz es Euch gefällt."

Darian wird sich der Warteschlange bewuszt, die hinter ihm schon wieder ein gutes Stück angewachsen ist. Auch die Ungeduld der hinten stehenden Matrosen entgeht ihm nicht. So sagt er nur noch kurz:

"Und möge Rahja ihre Hand über dieses Fest halten," um dann ein Stück zur Seite zu gehen und den nachfolgenden Platz zu machen. Erneut bahnt er sich seinen Weg durch die Menschenmenge, diesmal um sich etwas zu trinken zu holen.



Fiana und Jarun


Fiana bemerkt das die Schlange der Gratulanten schon deutlich geschrumpft ist. Kein Wunder, hat sie ja auch bereits viele Gäste und fast die gesamte Mannschaft hier gesehen.

Freudig nimmt sie die Gratulation und die Geschenke derer entgegen, die nach Darian in der Schlange stehen.



Endlich hat auch der Matrose vor Jarun sein kleines Fäßchen Premer Feuer an Fiana übergeben.

'So, jetzt bin ich wohl dran.' Seinen Umhang zurecht rückend, tritt Jarun vor Fiana.

"Alles Glück dieser Welt wünsche ich euch, Fiana. Möge Efferd und die anderen der Zwölfe euch auf euren Reisen über die Meere beschützen." spricht er während er sich mit einer weit ausholenden Bewegung vor Fiana verbeugt. Dabei läßt er den Gegenstand in seinem Ärmel in die Hand rutschen, wodurch der Eindruck entsteht, er hätte ihn aus der Luft gefangen.

"Mein Name ist Jarun der Papagei. Ich bin ein neuer Passagier auf der NORDSTERN und ich wollte es mir nicht nehmen lassen euch an diesem wichtigen Tag zu gratulieren."

Etwas irritiert durch die singenden Thorwaler hinter ihm, zögert Jarun einen Moment bevor er fortfährt.

"Diese Flöte möchte ich euch schenken. Sie trägt heilige Zeichen des Phex und ist ein gesegneter Glücksbringer."

Jarun zeigt die Zeichen, die auf die Flöte gemalt sind. Sie stellen auf verschiedene Weisen gemalte Füchse und Monde da.

"Natürlich weis ich sehr wohl, daß ihr mehr auf den Schutz Efferds vertraut, doch auch Phex bietet Attribute, die ihr sicherlich zu schätzen wißt. Geschick, List und Glück haben mir schon oft das Leben gerettet."

"Außerdem kann man sich wunderbar beim Flöte spielen entspannen. Wodurch der Geist für neue Herausforderungen gestärkt wird."

Nach diesen Worten schließt Jarun seine Augen, setzt die Flöte an seine Lippen und spielt eine kurze fröhliche Melodie.

"Ich hoffe ihr beherrscht das Flöte spielen, andernfalls wäre es mir eine Freude euch die Grundzüge beizubringen."

Mit diesen Worten reicht er Fiana die Flöte.



"Vielen Dank werter Jarun, möge Phex euch auf euren Wegen begleiten"

Fiana nimmt die Flöte freudig entgegen und betrachtet sie eingehend. Sie setzt sie an die Lippen und versucht einen Ton zu spielen, was jedoch eher schlimm klingt und sie dazu veranlaßt sofort aufzuhören.

'Zum Glück singen die Männer laut genug, daß nicht alle das mitbekommen haben' denkt sie sich und wendet sich wieder an den Mann vor ihr.

"Ich komme gerne auf euer Angebot zurück, sich fürchte ich benötige ein wenig Unterricht"

Doch dann scheint ihr eine Idee zu kommen,

"Sagt eure Kleidung sagt mir, daß ihr wohl die unterhaltende Kunst beherrscht, würdet ihr mit vielleicht einen Wunsch erfüllen und gleich etwas vorführen?"

Zwei große, voller Vorfreude strahlende Augen schauen ihn an, gepaart mit einem bezaubernden Lächeln.



Völlig bezaubert von ihrer kindlichen Vorfreude antwortet Jarun mit zittriger Stimme:

"Wer könnte ..."

Er sammelt sich noch mal und schluckt kräftig.

"Wer könnte einem solch netten Lächeln widerstehen. Ich bin ganz euer Diener und werde mein Bestes geben, um euch und eure Gäste auf´s Größte zu unterhalten."

Er schaut sich kurz auf dem Deck um.

"Könntet ihr bitte, sobald ihr alle eure Gratulanten empfangen habt, eine Platz auf dem Schiff frei machen, wo ich viel Freiraum nach oben haben und wo möglichst wenig Seile im Weg sind. Außerdem wäre ich ihnen sehr dankbar, wenn ihr oder der Kapitän eine kurze Ansage machen würdet. Sicherlich könnt ihr das sehr gut."

Dabei schaut er Fiana tief in ihre glänzenden Augen.

"Ich werde mich noch einmal in meine Kabine begeben, um dort meine Ausrüstung zu holen und mich für den Auftritt fertig zu machen. Wenn ihr mich von unter kommen seht könnt ihr mit der Ansage beginnen."

Mit diesen Worten verbeugt sich Jarun zum Abschied und verschwindet zwischen den Feiernden in Richtung Niedergang, wobei die Flicken auf seinem Umhang auf und nieder wippen und seinen fröhlichen Gemütszustand wiederspiegeln.



Alrik und Phexane


"Hör mal gut zu, Du Mäusebeschwörer! Wenn Du glaubst, ich mach' die Arbeit alleine, dann irrst Du Dich", wettert Phexane als erstes los, als sie mit Alrik in der Schlange steht.

"Ich bin nicht Dein Dienstmädchen!"

Dann macht sich Phexane von ihrem Bruder los, schaut ihn noch einmal ziemlich böse an und stolziert mit großen und schlurfigen Schritten an den Wartenden vorbei zu der Offizierin.

Dort drängelt sie sich mit einem möglichst charmantem Lächeln und einem "Ihr gestattet?" an den bunten "Vogel" vorbei und reicht Fiana ihre rechte Hand.

"Ich wünsche Euch alles Gute zu Eurem Tsatag", sagt sie freundlich, "Mein Name ist Phexane Fuxfell und ich bin eben erst an Bord gekommen. Leider habe ich auch eben erst erfahren, daß Euch zu Ehren diese Feier veranstaltet wird. Ansonsten hätte ich Euch gerne noch ein Geschenk gekauft."



'Das ist ja wohl die Höhe.' Alrik wird ganz blaß im Gesicht, nur gut das es schon dunkel ist und man dies nicht mehr erkennen kann. Er folgt schnell seiner offensichtlich sehr wütenden Schwester.Er hört sie gerade noch sagen:

"...hätte ich Euch gerne ein Geschenk gekauft."

Alrik grinst kurz verschmitzt und stupst Phexane so an das die Aufmerksamkeit der ersten Offizierin sich ihm zuwendet.

" Liebreizende Schwester Phexane...",

bei diesen Worten greift er irgendwo hinter ihr Ohr und holt dort einen silbernen Armreif hervor. Leise murmelt er etwas. Eine kurze Handbewegung und ein zweiter silberner Armreif der mit dem ersten verschlungen ist, erscheint in seinen Händen.

"Es nett von dir mit der Vorstellung auf mich zu warten!"

Er zieht an den beiden Armreifen und sie lösen sich auf geheimnisvolle Weise.

"Hier nun das Geschenk der Geschwister Fuxfell, einen Armreif von jedem. Er soll euch immer an die unzertrennlichen Fuxfell´s erinnern."

Alrik verbeugt sich tief und flüstert zu Phexane hinüber:

"Versuch es gar nicht erst, hinter deinem Ohr wirst du nichts mehr finden!"

Dabei lächelt er sie freundlich an und hofft das sie ihm nun nicht mehr böse ist.

" Ach und die Kabine machen wir gemeinsam sauber. Nun komm schon lach wieder."



Phexane grinst Alrik etwas spöttisch an.

"Deine Taschenspielertricks kommen hier wohl nicht so recht an. Sie ist ganz vertieft in das Geschenk des Gauklers."

Phexane schaut Alrik nun etwas nachdenklich an.

"Oh, ich glaube, Du hast da etwas hinterm Ohr klemmen."

Mit diesen Worten greift sie in die Luft neben seinem rechten Ohr, macht eine kurze Bewegung mit der Hand und zieht eine Inrahkarte hervor - der Magier des Feuers.

"Dafür braucht man keine Magie - bloß flinke Hände und ein gefälschtes Blatt."

Wieder diese Bewegung, doch diesmal mit der linken Hand - noch ein Magier des Feuers!



Alrik grinst auf seine Schwester hinab.

'Die Kleine läßt sich aber auch nichts gefallen' denkt er stolz. Er konzentriert sich kurz, murmelt etwas und beide Karten gehen in Flammen auf.

"Geschick und Illusion sind zwei wundervolle Geschwister."

Alrik pustet kurz auf die Karten und die Flammen verschwinden so schnell wie sie gekommen sind. Man kann erkennen das beide Karten noch in Ordnung sind. Dann wendet er sich um und bemerkt das selbst das Fianas Aufmerksamkeit nicht erregen konnte. Er verzieht das Gesicht,'diese Frau ist aber ein wirklich harter Brocken' scheint sein Mienen-spiel auszudrücken. Er geht auf einen Matrosen zu und fragt laut und vernehmlich

"Kann mir jemand hier sagen, wo sich die Gemeinschaftskabine befindet?"



Mit vor Schreck und Entsetzen geweiteten Augen starrt Phexane auf die beiden Karten. Sie öffnet den Mund, doch kein Schrei kommt über ihre Lippen. Statt dessen kommt die Erinnerung an einen brennenden, kleinen Raum wieder auf. Sie hört die Schreie der sterbenden Menschen um sich herum. Hitze, die immer näher kommt und droht sie einzuschließen. Ein beißender Geruch, der ihr die Luft zum Atmen nimmt. Knackendes Gebälk, das jeden Moment auf sie hinabzustürzen könnte.

Auch als er die Karten wieder ausgepustet hat, steht sie noch für einen Moment steif mit den erhobenen Händen, in denen sie die Karten hält, da. Ihr Herz schlägt bis zum Hals hinauf. Dann steckt sie mit einer leichenblassen Miene und zitterigen Händen die Karten in eine Hosentasche. Sie holt einige Male tief Luft, während in ihrer Erinnerung immer noch die hohen Flammen vor ihren Augen tanzen.



Transport


Vorsicht ist geboten auf dem langen Weg durch die Ansammlungen angeheiterter Matrosen und Gäste auf dem Oberdeck. Doch einige weichen zurück, als sie Sigrun und Aleara bemerken, zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu helfen, aber geistesgegenwärtig genug, nicht im Weg stehen zu bleiben. Die gelegentlichen Zwischenrufe "Was'n los?" und "Wo wollt ihr denn hin?" ignoriert Sigrun vollständig, zeugen sie doch eher von trunkener Neugier als von verständnisvoller Anteilnahme.

Irgendwann scheint der Weg ein Ende zu haben, Sigrun sieht den Niedergang zum Unterdeck vor sich. Da beginnt Aleara erneut zu sprechen, unzusammenhängende Worte, die selbst der wenig ängstlichen Sigrun kalte Schauer über den Rücken jagen. Voller Sorge beobachtet sie, wie Aleara die Augen verdreht.

Eilig, doch trotzdem mit der nötigen Aufmerksamkeit, steigt Sigrun herab zum Unterdeck, wo sie sich auf schnellstem Wege in den Mannschaftsraum begibt. Wie üblich schläft dort Babo, er muß irgendwie eine Schlafkrankheit haben. Inzwischen auch mit ihren Kräften ziemlich am Ende, legt Sigrun Aleara in deren Hängematte und wickelt sie schnell in eine warme Decke.

'Was jetzt? Ein Medicus ist offensichtlich nicht an Bord. Erstmal sehen, was Nirka meint. Aber allein lassen kann ich sie so auf keinen Fall!'

"Nirka!", ruft sie in einer Lautstärke, die selbst bei dem Krach auf dem Oberdeck ausreichen dürfte, um das ganze Unterdeck zu beschallen. "Wie weit bist du?"



Im Mannschaftsraum


Sigruns Stimme hallt durch den Mannschaftsraum und fast das ganze Schiff, und ist damit natürlich auch in Nirkas Kabine, die ja quasi ein Teil des Mannschaftsraumes ist, sehr gut zu hören.

Prompt fliegt die ohnehin nur angelehnte Tür auf und Nirka tritt heraus - immer noch barfuß, immer noch ziemlich naß, aber mittlerweile splitternackt.

"Ist noch etwas passiert?" ruft sie in Sigruns Richtung, während sie mit einer Ladung nasser Haare kämpft, die ihr immer wieder ins Gesicht fallen wollen.

Probleme, die Sigrun hat, sind ihr anscheinend wichtiger als die Fortsetzung ihres Umziehens.



Der Weg durch die Menge an Deck war einigermaßen beschwerlich und mühsam, aber letztlich ist man doch an allen vorbeigekommen und mittlerweile im Mannschaftsraum angelangt.

Nachdem Sigrun Aleara in die Hängematte gelegt hat, beugt sich Sylvhar über die 'kranke' Matrosin.

'Was ihr wohl fehlt?'

Sylvhar's Hände berühren Aleara im Gesicht und an der Stirn. Nirka's Eintreten in den Mannschaftsraum raubt Sylvhar nur einen kurzen Seitenblick. Aleara's Zustand beschäftigt ihn einiges mehr. Ihr Mandra scheint auf einer anderen Ebene zu sein. Aber wer weiß ob das bei Menschen nicht ab und zu vorkommt? Etwas ratlos verzieht er leicht sein Gesicht. Dann sagt er zu Sigrun, ohne sein Blick von Aleara abzuwenden:

"Ruhe und Frieden in der Traumwelt würde ihr vermutlich gut tun, wobei ich selber helfen könnte. Aber ich kenn mich zu wenig mit Menschen aus. Wieso ist sie eigentlich so?"



Sigrun schrickt ein wenig zusammen, als Nirka auf ihren Ruf hin so spontan aus ihrer Kabine kommt. Doch dann kann sie sich trotz der Sorge um Aleara ein leicht anzügliches Grinsen nicht verkneifen.

"Ich sehe, du bist noch nicht fertig", bemerkt sie, jetzt wieder in normaler Lautstärke. Dann wird das Grinsen breiter. "Ich würde dir ja gerne helfen ... aber ...". Und jetzt wird es wieder verdrängt von dem besorgten Gesichtsausdruck, der Aleara gilt. "Sie redet so merkwürdiges Zeug. Und ... sie verdreht die Augen. Ich glaube, ihr ist irgend etwas Schlimmes passiert!"

Wieder wendet sie sich der Bootsfrau zu. In ihrem Blick liegt vollstes Vertrauen in Nirkas Fähigkeiten.

"Sie nur zu wärmen wird nicht ausreichen. Ich glaube, wir brauchen einen Medicus ... oder, vielleicht auch ... andere Hilfe."



Nirka sieht kurz in Alearas Richtung, dann zu dem Elfen, der sie zu ignorieren scheint.

"Magische Hilfe meinst du? Du warst doch vorhin mit den beiden Magiern zusammen - haben die etwas dazu gesagt?"

Ungeachtet der Zuschauer trocknet Nirka sich - in der Tür ihrer Kabine stehend - mit einem kleinen Zug sehr oberflächlich ab und schlüpft dann in eine trockene Hose.

Ganz kurz verschwindet sie noch einmal in der Kabine, und kommt dann mit einem ebenfalls trockenen Hemd in der Hand wieder heraus, das sie überstreift, während sie zu Sigrun und Aleara geht. Sie bleibt sehr dicht neben Sigrun stehen und mustert dann Aleara, während ihre Finger langsam die Knöpfe des Hemdes von unten nach oben schließen.



Während der Elf, der ihr wohl doch irgendwie in den Mannschaftsraum gefolgt sein muß, sich über Aleara beugt, zieht Nirka sich etwas über. Ein wenig schade findet Sigrun das schon, doch die Situtation erfordert es wohl. Die Frage des Elfen irritiert sie ein wenig, aber irgendwie spricht er oft in Rätseln und Sigrun hat immer wieder Probleme, ihn zu verstehen. Deshalb antwortet sie etwas gereizt:

"Wenn wir wüßten, warum sie so ist, wüßten wir wahrscheinlich auch, wie man ihr helfen kann!"

Dann wendet sie sich Nirka zu, die jetzt dicht neben ihr steht.

"Nein, die Herren Magier haben es vorgezogen, zu fachsimpeln und sich dann der Feier zugewendet."



Nirka überlegt kurz. Eigentlich müßte sie sich jetzt an Ottam wenden, aber ihr Gefühl widerspricht dem zutiefst. Der Schiffsmagus hat bislang nichts getan, das sie begeistert hätte, er hat aber auch sonst nichts getan, daß ihr irgendwie als nutzbringend in Erinnerung geblieben ist - nutzbringend aus der Sicht einer Bootsfrau. Und bei Alearas Rettung waren es die Magier der Passagiere, die geholfen haben, nicht er, der es vorzog, sich irgendwohin zu verziehen.

"Wir haben momentan recht viele Fahrgäste, und davon sehen mir viele aus, als seien sie erfahrene Abenteurer. Und ein solcher kennt sich gewöhnlich sehr viel besser mit Heilkunde und dergleichen aus, als das eine Seefrau tut. Ich werde oben mal rasch fragen, oder hast du eine bessere Idee?"

Sie tritt dabei so dicht neben Sigrun, daß ihr warmer Atem deren ihr zugewandtes Ohr streift.



Wieso wohl Sigrun nun so ärgerlich antwortet? Auch der Sicherheit in ihrer Aussage kann Sylvhar nicht ganz zustimmen. Wenn man weiß was Aleara hat, heißt das noch lange nicht, daß gleich jeder auch weiß, was man dagegen tun kann. Aber es ist wohl besser, das jetzt hier nicht anzusprechen.

Er schaut noch immer sehr gründlich auf Aleara's Gesicht. Dann erhebt er sich wieder. Er wischt sich eine Strähne aus seinem Gesicht und die roten Augen fixieren Sigrun.

"Nun, ich denke, daß ihr Erholung im Traum wohl am meisten hilft - wenn ihr sonst nicht weiterwißt."

Er sagt dies mit einem abwartenden Blick, ja fast ein 'Soll ich?' - Blick.



Nirka runzelt bei dem elfischen Vorschlag die Stirn.

"Ein Traum? Ich fürchte, daß würde das Problem nur verschieben, nicht beheben. Ich denke schon, wir sollten ihr jetzt helfen, und da ist ein Medicus oder Magier die beste Hilfe, die mir einfällt."

Sie versucht, ihre Stimme so ruhig zu halten, daß man ihr das leicht vorhandene Mißtrauen gegen elfische Methoden nicht anmerken kann. Doch sie will Sylvhar durchaus die Möglichkeit lassen, zu helfen, und so sagt sie zu Sigrun:

"Ich gehe gleich... aber vielleicht habe ich Sylvhar einfach nur falsch verstanden."



Sigrun hört sich sowohl Nirkas als auch Sylvhars Überlegungen an. Nirkas Vorschlag, auf Deck nachzufragen, sagt ihr durchaus zu. Vielleicht fällt ja doch einem der anwesenden Magier, oder sonst irgendwem, etwas ein. Wovon Sylvhar hingegen redet, ist ihr nicht ganz klar, doch irgendwie erweckt er schon den Eindruck, als würde er sich mit so etwas ein wenig auskennen. Nachdenklich wiegt sie den Kopf hin und her.

"Auf Deck nachzufragen, kann bestimmt nicht schaden", meint sie dann zu Nirka. Sie hält ihren Blick noch immer auf Sylvhar gerichtet, obwohl ein leichter Hauch an ihrem Ohr sie doch erheblich ablenkt.

"Doch Sylvhar hier scheint mir auch mehr zu wissen, als wir vermutet haben."

Sie erinnert sich an das Gefühl, nachdem Sylvhar einfach nur ihren Arm berührt hatte.

"Was meinst du mit Traum?", kann sich sich daher trotz aller Bedenken nicht zurückhalten zu fragen.



Sylvhar will zu einer Antwort auf Sigrun's Frage ansetzen, da spricht Nirka ihre Überlegungen aus. Ist es möglich, daß diese Menschen hier wirklich nicht um die Traumwelt wissen? Leichter Unglaube zeigt sich auf seinem Gesicht als zwischen den beiden Frauen hin und her blickt. Seine Stirn runzelt sich leicht.

"Ja, ein Traum. Schlaf. Sie soll wieder in die Traumwelt eintreten, aus der wir alle gekommen sind, und in die wir alle gehen werden. Dort, wo alles wahr und unverfälscht ist, und aus der wir immer wieder Erholung, Frieden und neue Kraft schöpfen."



Ja, genau das hat Sigrun vermutet. Der Elf will Aleara einfach nur schlafen lassen. Aber sie glaubt kaum, daß das die richtige Methode ist. Irgend etwas Schlimmes muß Aleara passiert sein, von solchen Dingen redet man nicht in einem ganz normalen Fieber. Nein, hier braucht es eindeutig mehr als Schlaf!!!

"Also, ich glaube wirklich nicht, daß sie sich im Schlaf ausreichend erholen könnte", meint sie, trotz allem ein wenig unsicher. Die Methoden des Elfen sind ungewöhnlich, allerdings hat sie selbst erfahren, wie wirkungsvoll er sie einzusetzen vermag...

Doch Aleara braucht schnelle Hilfe! Sigrun richtet sich auf, wendet sich zu Nirka um und sagt:

"Es wäre wirklich sicherer, auf Deck nachzufragen."



Nirka nickt zufrieden, als sie sieht, daß Sigrun es genauso sieht wie sie selbst. Andererseits will sie den Elfen nicht vor den Kopf stoßen, und so sagt sie diplomatisch:

"Dann warten wir doch einfach einmal, was ein Kundiger dazu sagt, und wenn dieser meint, daß Träume helfen, dann kann dies gerne geschehen. Ich fände eine Lösung jetzt jedoch wirklich besser als einen Aufschub. Das alles will mir gar nicht so recht zu der ruhigen Aleara passen!"

Sie sieht kurz durch den Mannschaftsraum, dann gibt sie sich einen Ruck.

"Ich bin gleich wieder da!"



Durstiger Darian


Darian beschlieszt vom Feuer besser die Finger zu lassen. So geht er zu einem "Tisch" an dem es Wein gibt, der ist auch weit weniger umlagert als das Feuerfasz. Bereits nach kurzer Zeit befindet sich Darian mit einem Krug Wein und zwei Bechern - einen für sich und einen für Belvolio - auf dem Weg zu Vorderdeck, wo er Belvolio vermutet.



Als der junge Magier auf dem Vorderdeck ankommt, sieht er dort Belvolio mit Ottam, dem Schiffsmagus, ins Gespräch vertieft. Er tritt an die beiden heran.

"Oh, mit Euch habe ich nun gar nicht gerechnet," sagt er an Ottam gerichtet, "Jetzt habe ich einen Becher zu wenig, wartet einen Moment."

Im nächsten Augenblickist er auch schon wieder verschwunden um einen weiteren Becher zu besorgen.



Als Darian erneut an dem "Weintisch" ankommt, greift er sich einen weiteren Becher und macht sich wieder auf den Weg zu den anderen Magiern.



Endlich ist Darian auf dem Vorderdeck angekommen. Es ist gar nicht so einfach, einen gefüllten Krug, drei Becher und dazu noch einen Magierstab tragend, durch das Gedränge vorwärts zukommen ohne dabei den Inhalt des Kruges zu verschütten. Der junge Magier setzt sich zu Ottam und Belvolio.

"Ich hoffe doch Ihr trinkt ein Gläschen mit ?" sagt er an beide gerichtet. Auffordernd streckt er den beiden jeweils einen Becher entgegen.



Endlich ist Darian auf dem Vorderdeck angekommen.

"Gerne, Vielen Dank" erwidert er und nimmt den Krug entgehen, Er trinkt jedoch noch nicht, er wartet bis auch der dritte seinen Wein hat und man anstoßen kann



"Sehr aufmerksam von euch Adeptus,"

Belvolio nimmt einen Becher entgegen



Nachdem alle drei Magier gefüllte Becher in der Hand haben, hebt Darian sein Trinkgefäsz und spricht einen Trinkspruch aus:

"Auf Fianna, der wir dieses herrliche Fest verdanken !"



"Ja, Auf Fiana" erwidert Ottam



"Auf Fiana !"

Belvolio schnuppert am Wein, schleißt die Augen und setzt zum Trinken an.



Ottam hebt den Becher zum Mund, und trinkt genießerisch, aber recht zügig davon, ehe er den dann halbleeren Becher senkt und scheinbar in Gedanken versunken die Flüssigkeit betrachtet.



Fiana und die Gratulanten


Fiana freut sich das Jarun ihren Wunsch mit soviel Begeisterung erfüllen möchte. Ja er scheint von der Idee geradezu begeistert zu sein, denn so schnell wie er verschwunden ist, hat sie ja kaum noch Gelegenheit zu antworten. Daher ruft sie ihm hinterher:

"Sobald ich hier fertig bin werde ich die Ansage machen"

Nach Jarun stehen 2 äußerst stämmige Matrosen in der Reihe beide sind Brüder und messen 2 Schritt und knapp 10 Finger. Auch sie überbringen ihre Glückwünsche und ein Geschenk, das sie gemeinsam erworben haben. Fiana freut sich sehr über das bunte Tuch, das sie sowohl um den Hals, alls auch um Hüfte oder Stirn tragen kann.

"Habt dank Malik und Nalik, seid so gut und gebt den beiden Diensthabenden dort hinten Bescheid das jemand den Platz dort vorne frei räumt, es gibt später noch eine Vorstellung zu bewundern."

Die beiden nicken und entschwinden in Richtung der diensthabenden Matrosen. Diese beordern sogleich 2 Mann die sich daran machen einen Platz frei zu räumen.

Nun steht keines der Mannschaftsmitglieder mehr in der Schlange, von Schlange kann man inzwischen auch nicht mehr sprechen. Fiana wendet sich so dem nächsten Gast zu.



NACHDEM Fiana mit dem Bunten und den beiden Matrosen fertig ist wendet sie sich an die beiden neuen Gäste, die Jetzt ohnehin rechtmäßig an der Reihe wären.

"Tut mir leid, aber hier kommt jeder der Reihe nach dran. Ihr müßt wissen die Männer hier legen auch großen Wert auf Recht und Ordnung. Hinzu kommt bereits reichlich Feuer, da kann ungerechte Behandlung leicht zu einem Streit führen."

Mit einem beschwichtigendem Lächeln fügt sie hinzu:

"Keineswegs eine gute Idee bei solchen Kraftpaketen" und blickt dabei auf ie beiden entschwindenden Matrosen. Aber nun zu angenehmeren Dingen.

"Herzlichen dank für eure Glückwünsche und die schönen Armreife"

Etwas irritiert schaut sie auf das Geschick den Mannes vor ihr der die beiden verschlungenen Ringe auseinander bekommt als sei es nie anders gewesen.

"Diesen Trick müßt ihr mir bei Gelegenheit einmal erklären." bringt sie verwundert hervor.



Immer noch etwas blaß um die Nase herum sieht Phexane nun Fiana an.

"Oh, entschuldigt bitte! Ich wollte niemanden verärgern. Ich war nur ... naja, das hat sich ja jetzt erledigt. Nochmals alles Gute zu Eurem Tsatag."



"Vielen Dank werte Phexane, möge Phex auf euren wegen immer auf eurer Seite sein."

Als sie die Blässe sieht meint sie:

"Aber jetzt scheint es mir als würde euch ein Feuer gut tun"



"Feuer?"

Phexane sieht alles andere als begeistert aus.

"Ach so, das Getränk meint Ihr. Nein danke, Ich hätte lieber etwas Wein."



"Sicher auch den haben wir"

bei diesen Worten deutet sie mit der Hand auf die Kiste wo der Wein aufgebaut ist.



Jarun im Quartier


Pfeifend läuft Jarun den Niedergang zum Unterdeck hinunter. Mit leichte Schritten kommt er unten an, als er Stimmen aus dem vorderen Teil des Decks hört. Kurz innehaltend schaut er in die Richtung.

'Ich dachte alle wären oben am Feiern.'

Kurz entschlossen bewegt er sich in Richtung der Stimmen. Doch nach einigen Metern bleibt er stehen.

'Fiana erwartet meinen Auftritt in wenigen Minuten. Ich sollte mich beeilen und mich nicht um Dinge kümmern, die mich nichts angehen.'

Schnellen Schrittes dreht er sich um und verschwindet pfeifend in seiner Kabine.



Jarun atmet tief durch, als er hinter sich die Türe schließt.

'Was mach ich jetzt zuerst?'

Mit seiner Fingern über sein bartloses Kinn streichend denkt Jarun über den bevorstehenden Auftritt nach. Dabei bewegt er sich schlendernd zu seine Bett und zieht darunter die beiden Schwerter hervor. Mittels zweier Rückenscheiden positioniert er die Schwerter so, daß ihre Griffe rechts und links des Umhangs über seine Kopf hinausragen. Die daran befestigten Bänder fallen ihm dabei wie bunte gefärbte Haare auf die Schultern. Anschließend nimmt er sich aus der Truhe, in der er den Rucksack verstaut hat, sieben Jonglierbälle hervor, die in einem Tuchbeutel verschwinden. Nach kurzem suchen in der Kiste findet er Arm- und Beinschellen, einen Spiegel und etwas Schminke. Geschwind befestigt er die Schellen an Armen und Beinen und prüft danach ihren Sitz, indem er jedes der Gliedmaße einmal kurz schüttelt.

Nach kurzem Nicken setzt er sich auf sein Bett und überprüft, in den Spiegel schauend, seine Schminke.

'Es war wahrlich ein anstrengender Tag.' Kommentiert er die leicht verwischte Schminke in seinem Gesicht. 'Ich sollte mir doch etwas hochwertigere Ausrüstung zulegen!'

Stellen, an denen die Schminke den langen Tag über gelitten hat, bessert Jarun mit neuer Schminke aus. Mit einem intensive Blick in den Spiegel und einem zufriedenen Lächeln richtet er sich vom Bett auf.

"Jawohl! So kann ich mich wieder blicken lassen. Die Menge wird toben." feuert er sich selbst an 'Die Lokalität der Vorstellung bereitet mir dagegen noch immer etwas Kopfschmerzen. Hoffentlich läuft alles gut.'

Mit diesen Gedanken schnappt er sich den Tuchbeutel und verläßt sein Quartier. Hinter sich verschließt er es sorgsam und läßt den Schlüssel in seiner Gürteltasche verschwinden.



Fahrgast zur späten Stunde


Jergan sieht grinsend den Geschwistern hinterher, die sich so frech vor drängeln, dann dringt ein Scheppern an seine Ohren, wie es die Räder eines Fuhrwerks auf den Steinen der Strasse verursachen.


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Durch die dunklen Gassen des Hafens hört man eine Kutsche scheppern - eben jene, die auch der Kapitän der NORDSTERN hört. Sie kommt rasch näher, und entpuppt sich dann als eine Frachtkutsche, die mit sechs großen Kisten beladen ist, die einträchtig nebeneinander auf der Ladefläche stehen.

"Brrrr!"

Die Kutsche hält direkt neben der NORDSTERN.

"Der Kahn dürfte gut geeignet sein", kann der aufmerksame Zuhörer eine heisere Stimme von der Kutsche hören. "Warte hier, ich werde mich mal umsehen."

Ein großer blonder Mann mit einem dunkelgrünem Wams und brauner Lederhose springt mit einem großen Satz vom Kutschbock. Als er sich wieder aufrichtet, kommt seine Größe von fast zwei Schritt erst richtig zur Geltung.

Mit seinen nagelbeschlagenen Stiefeln schreitet er laut hörbar - auch bei dem Lärm der Feier - die Planke hinauf und greift sich das nächste Mannschaftsmitglied.

"Hey du! Wo ist denn der Kapitän dieses Schiffes? Beeile dich, ich habe nicht die ganze Nacht Zeit!"

Was er nicht wissen kann... er hat eben jenen erwischt...


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Jergans erste Reaktion ist Belustigung, dann Ärger, ja fast sogar Wut.

'Hat der Mann denn keine Augen im Kopf?' denkt er sich, und will den Flegel anbrüllen, als ihm die Ladung der Kutsche wieder einfällt. Nein, es wäre keine gute Idee, ihn zu vertreiben, aber er soll trotzdem merken, mit wem er es zu tun hat. Jergan Efferdstreu richtet sich trotzig auf und erwidert mit fester Stimme:

"Ihr wart wohl noch nie auf einem Schiff, guter Mann! Jergan Efferdstreu ist mein Name, Kapitän der NORDSTERN!"

Der Ärger in seinem Gesicht - bei dem schwachen Licht ohnehin kaum zu erkennen, scheint damit noch nicht unbedingt verraucht zu sein, was man seiner Stimme auch ein wenig anmerken kann. Dennoch bemüht er sich um Höflichkeit - Höflichkeit, ohne sich damit selbst zu erniedrigen.



"Oh! Entschuldigt vielmals! Wie ihr schon richtig erahntet, reise ich zwar viel, aber zum ersten mal mit einem Schiff. Ich hoffe mein Irrtum wird unsere Geschäfte nicht beeinträchtigen"

Alrik wirkt etwas verlegen, versucht allerdings, sich das nicht anmerken zu lassen.

"Ich suche eine Passage für mich und meine Waren. Ich habe allerdings noch keinen festen Zielhafen, da ich in fast jeder Hafenstadt Handelspartner habe und erst einmal sehen will, was diese Benötigen. Ich zahle deswegen immer nur die Passage bis zum nächsten Hafen."



Mit einem Nicken akzeptiert der Kapitän die Entschuldigung des Händlers, wundert sich jedoch, daß dieser seinen Namen bisher verschwieg. Nun, dafür mag er Gründe haben - Fakt ist, daß dort eine Ladung steht, die die Laderäume zwar auf keinen Fall merklich füllt, aber auf jeden Fall mehr einbringt als ein Fahrgast.

"Das geht so in Ordnung. Es gibt nur ein kleines Problem, nein, sogar zwei kleine Probleme."

Er überlegt, doch mehr fällt ihm an Problemen erst einmal nicht ein, und so spricht er sie aus:

"Wir haben mittlerweile einige Fahrgäste an Bord, was bedeutet, daß unsere Einzel- und Doppelkabinen ausgebucht sind. Ich kann Euch also nur unsere gemütlich eingerichteten Gemeinschaftskabine mit acht Kojen anbieten - besser gesagt, eine Koje in dieser."

Er sieht den Mann abwartend an, und sagt zu dem zweiten Problem erst einmal nichts.



"Wo bleibt denn meine gute Kinderstube, ich habe ja ganz vergessen mich Vorzustellen. Man nennt mich Armen Al' Klin Gon. Eine Koje in einer Gemeinschaftskabine ist zwar nicht ganz das, das ich mir erhofft habe, es muß aber wohl sein. Wenn eine anderer Schlafplatz frei werden sollte, so hoffe ich ihr werdet mir bescheid sagen.

Was mich als Geschäftsmann noch interessiert, ist wie teuer die Fahrt für mich und meine Ware ist. Es sind sechs Kisten, je 3 auf 1,5 Schritt und 30 Stein schwer."



"Wenn eine der Kabinen frei wird, sage ich Euch Bescheid, aber das dürfte nach meinem momentanen Wissen frühestens in Grangor der Fall sein."

Er späht noch einmal zur der Kutsche runter.

"Wir werden das noch genau ausrechnen, aber es wird sicher nicht teurer als drei Dukaten auf hundert Meilen sein, inklusive des Fahrpreises für Eure Person. Es gibt, wie ich sagte, nur noch ein ganz kleines Problem: Wir müssen Eure Kisten nämlich durch die große Ladeluke nach unten in die Laderäume schaffen, und das geht erst morgen früh, momentan ist ja, wie Ihr seht, das Deck durch das Tsa-Fest unserer ersten Offizierin etwas blockiert, ganz davon abgesehen, daß ich wohl kaum genug nüchterne Leute für den Transport finden würde."

Der Kapitän grinst kurz, und fährt dann fort:

"Bis dahin müßte Eure Ladung also noch auf dem Kai stehen - wir werden vom Schiff aus natürlich ein Auge darauf werfen und Eurem Kutscher beim Abladen helfen, falls das nötig sein sollte. Und... wenn Ihr wollt, könnt Ihr Euch der Feier gerne anschließen - es gibt Premer für jeden!"

Abschätzend sieht Jergan den Händler an, fest damit rechnend, daß dieses Angebot sicher nicht ausgeschlagen wird.



"3 Dukaten sind in Ordnung" 'wenn der wüßte, das ich bei dem Schiff davor 5 S mehr hätte zahlen sollen.

"Die Waren lasse ich den Kutscher vorerst wieder in's Lager fahren. Er soll dann morgen bei Sonnenaufgang wieder hier sein. Den genauen Preis regeln wir am besten auch dann."

Armen ruft zum Kutscher hinunter:

"Bring die Kisten morgen beim Sonnenaufgang wieder. Ich erwarte dich dann"

"Nachdem das geregelt ist, würde ich sie noch bitten, mir die Glückliche zu zeigen, damit ich ihr meine Aufwartung machen kann."



"Das ist eine sehr gute Lösung, die Ihr da vorschlagt. Ja, so machen wir das."

Jergan dreht sich um, und weist auf Fiana, die immer noch von einigen Gratulanten umringt wird, und in deren Richtung eine Reihe von "Prost's!" zu hören ist.

"Das ist sie."

Er wendet sich wieder dem Händler zu, falls dieser noch eine Frage haben sollte, doch gedanklich befaßt er sich bereits mit der jetzt sicher bald fälligen - oder schon überfälligen? - Geburtstagsansprache.

'Naja... nicht Ansprache, eher Trinkspruch', denkt er sich angesichts der zechenden Matrosen grinsend.



"Na dann werde ich zum Geburtstagskind gehen und ihr alles Gute wünschen"

Armen drängelt sich über das Deck in Richtung Fiana und versucht nicht über einen der vielen Matrosen, die am Boden liegen, zu stolpern. Auf dem Weg versucht er zu erkennen, ob gerade jemand mit Fiana redet oder ob er sie gleich ansprechen kann.



Mausruhen


`Hicks!'

Nachdem sich Eratsmus etwas erholt hat, krabbelt er den Gang entlang, in dem er gelandet ist. Hm, links oder rechts? Rechts riecht es besser.




Verdutzt schaut Jarun in Richtung des Aufganges, zu dem er gerade unterwegs war.

'Es ist zwar dunkel hier, aber ich bin mir sicher, daß das gerade eine Ratte war, die da in Richtung Küche verschwunden ist. Von Sauberkeit scheinen man hier nicht so viel zu halten. Ich sollte dem Kapitän mal Bescheid sagen, daß er etwas dagegen unternimmt.' Schnell geht er zur Ecke vor dem Aufgang, um sich zu vergewissern, daß er sich nicht getäuscht hat.



Oh, wie schön, hier ist ein Spalt zwischen der festen Wand und einer dieser alles versperrenden Wackelwände. Und genau von dort kommen die feinen Düfte, für die sich Eratsmus so interessiert. So schlüpft er hindurch und begrüßt die Kombüse mit einem `Hicks', bevor er sich genauer umschnüffelt.



Nirka sucht Hilfe


Sie haben es nicht verstanden. Sie wissen nicht, wovon er spricht. Großes Erstaunen macht sich in ihm breit. Die Menschen sind schon ziemlich seltsam, und sie haben auch ganz unterschiedliche Ansichten, aber daß sie etwas so Grundlegendes des Seins nicht verstehen, ja nicht mal kennen, das kann Sylvhar nicht begreifen.

Währenddessen verläßt Nirka den Mannschaftsraum, und Sylvhar nickt ihr nur stumm nach. Vielleicht ist es wirklich besser, daß sich Menschen um Menschen kümmern. Wenn Aleara den Wert der Träume und der Traumwelt auch nicht kennt, wer weiß was seine Hilfe dann für Auswirkungen auf sie haben könnte.

Er verschränkt seine Arme vor seinem Körper und lehnt sich mit einer Schulter an eine Wand.



Phexane schaut zu dem Wein hin und will sich gerade dort hinbegeben, als eine Frau auf das Oberdeck läuft und laut nach einem magisch begabten Heilkundigen ruft. Phexane sieht zu ihrem Bruder rüber.

"Alrik?" ruft sie ihn.



"Zu Diensten" Alrik scheint aus einem tiefen Traum zu erwachen. Er hat bis jetzt dorthin gesehen, wo bis vor kurzem noch das schreckensbleiche Gesicht, mit den großen tränengefüllten Augen, seiner Schwester war. Kurz schüttelt er seinen Kopf, wie um ihn wieder klar zu bekommen. Alrik schaut sich um und erblickt seine Schwester,"was, wer braucht die Hilfe eines Magiers? Vielleicht kann ich helfen?"



Phexane weist mit ihrer Hand auf die Frau, also auf Nirka, die eben nach Hilfe gerufen hatte.

"Ich glaube, die dort braucht Hilfe."



Nirkas aufmerksamen Augen entgehen die Gesten der Schwarzhaarigen nicht, auch wenn sie durch den Lärmpegel die Worte nur zum Teil versteht. Sie tritt näher, als ihr klar wird, daß der Mann, mit dem sie da redet, scheinbar in der Lage ist, die Art von Hilfe zu liefern, die gesucht ist, und so hört sie die Worte mit, die die Frau an diesen richtet und dabei auf sie zeigt.

"Nicht ich", wirft sie beim noch-näher-herangehen ein, "sondern eine Matrosin, die vor kurzem auf höchst merkwürdige Weise ins Wasser fiel. Körperlich scheint es ihr gut zu gehen, aber ein Mensch läuft doch nicht einfach so in das Wasser! Sie hatte nicht einen Tropfen von dem Feuer getrunken... und redet so merkwürdiges Zeug. Könntet Ihr uns da helfen?"

Aufmerksam sieht sie ihn an, wobei ihr Blick allerdings eher Neugierde widerspiegelt, als übermäßige Sorge oder gar etwas Flehendes.



Alrik Fuxfell bietet sich an


Alrik wendet sich der Frau zu die offensichtlich so laut in die zechende Menschenmenge gerufen hatte.

"Gestattet das ich mich vorstelle. Ich bin Magus Alrik Fuxfell und diese junge Dame", er deutet mit seiner Hand auf Phexane," ist meine kleine reizende Schwester Phexane. Das beste wird sei ihr bringt uns zu der Unglückseligen, wenn wir nur kurz meine Sachen in die Gemeinschaftskabine schaffen können, um uns umzuziehen."



"Mein Name ist Nirka Eirikson - ich bin die Bootsfrau der NORDSTERN. Das ist kein Problem, die Gemeinschaftskabine liegt gewissermaßen auf dem Weg."

Das ist nicht einmal gelogen, denn von der derzeitigen Position aus ist der weiter achtern gelegene Abgang zum Unterdeck wesentlich leichter zu erreichen, und der Weg nach vorne wird unter Deck viel einfacher begehbar sein als auf dem Oberdeck, wo man sich einen Weg durch die Feiernden bahnen müßte.

"Folgt mir einfach, ich zeige Euch die Gemeinschaftskabine, und bringe Euch dann zu Aleara... zu der Matrosin, um die es geht."

Nirka sucht mit den Augen kurz den Kapitän, um herauszufinden, ob diese Einbeziehung der Fahrgäste in seinem Sinn ist, doch da er sich gerade mit einem offenbar neu angekommenen beschäftigt und zudem an der Planke steht, was ein zusätzlicher Umweg wäre, verzichtet sie darauf.

Die Bootsfrau läßt ihren Worten eine einladende Geste folgen und marschiert dann zügig in Richtung des vor dem Heckaufbau gelegenen Niedergangs los. Die zwei Feiernden, die hier im Wege sind, haben sich dem Premer Feuer noch nicht so sehr zugewandt, um das Gesicht der Bootsfrau nicht richtig zu lesen und den Weg schleunigst freizugeben.



Alrik wartet eine Sekunde und geht dann hinter der Bootsfrau her. Er dreht sich nur kurz um, damit er sehen kann ob seine Schwester ihm folgt.



Phexane folgt den beiden. Ihre Miene wirkt ernst und etwas nachdenklich. Sie beachtet Alrik nicht weiter.



Nach einem weiteren Blick und der Gewißheit, daß die Geschwister Fuxfell ihr folgen, geht Nirka zügig den Niedergang hinunter, wendet sich dann nach links, und öffnet auf der linken Seite die erste Tür.

"Bitte sehr, das ist die Gemeinschaftskabine."

Die Öllampe auf dem Gang und ihr gleichfalls brennendes Gegenstück in der recht großen Kabine spenden genug Licht, um die spärliche Einrichtung erkennen zu lassen:

Acht Kojen teilen sich den Platz mit acht Seekisten, deren Schlüssel zum größten Teil stecken, denn lediglich eine der Kojen und die dazugehörige Kiste macht einen "bewohnten" Eindruck. Die Kabine ist mit nur wenig mehr als zwei Schritt Deckenhöhe ebenso niedrig wie alle anderen Räume auf dem Unterdeck der NORDSTERN, und sie verfügt über zwei ziemlich kleine Öffnungen, die Luft hineinlassen, am Tage sicher auch Licht. Stabile Klappen, die jetzt aufgeklappt sind, ermöglichen es, diese Öffnungen - Fenster wäre eine Übertreibung - bei Seegang sicher zu verschließen.

"Ihr könnt Euch unter diesen Kojen welche aussuchen, nur die da hinten gehört Hirkan."

Die Bootsfrau bleibt neben der schmalen Tür stehen, da sie möglichst bald weitergehen möchte.



Phexane betritt die Kabine und sucht sich eine Koje nahe einer der Öffnungen aus. Sie packt den Beutel in die Kiste, schließt sie ab und legt den Wanderstab daneben.

"Ich denke, Du wirst ohne mich klarkommen, Alrik. Ich gehe wieder hoch zur Feier."

Mit diesen Worten wendet sie sich zur Tür.



Nachdem Alrik seiner Schwester die erste Wahl gelassen hat sucht er sich ein Koje, die etwas entfernt von Phexane liegt.

Dann beginnt er seine Robe auszuziehen. Mit einem schwungvollen Dreh wendet er sie. Als er sich die Robe wieder überstreift ist ihre Farbe kobaltblau und güldene Zeichen sind darauf zu erkennen. Alrik wendet sich wieder Nirka zu:

"Ich bin bereit laßt uns weiter eilen, um eurer Matrosin beizustehen.



Die Bootsfrau ist über Phexanes Entscheidung, wieder nach oben zu gehen, sehr froh, kommen doch auf diese Weise nicht noch wesentlich mehr Leute zu der armen Aleara, die so schon genug verwirrt sein muß.

Geduldig wartet sie Alriks Umziehen ab, um dann knapp zu sagen:

"In Ordnung! Folgt mir einfach!"

Und schon geht es wieder aus der Tür, den Gang nach rechts entlang weiter. Leicht versetzt geht es an der rechts gelegenen Treppe vorbei, über sie sie vor kurzem herunter kamen, vorbei an einer Tuer auf der linken, und zwei Türen auf der rechten Seite. Nirka weist im Vorbeigehen kurz auf die linke Tür, und sagt beiläufig:

"Das ist die Messe, und das da..." ... ihre Hand schwenkt zur anderen Seite, wo die Tür nur angelehnt ist, "... ist die Kombüse."

Die zweite Tür auf der rechten Seite, die geschlossen ist, erhält keine Erklärung, weil die Bootsfrau sich kurz wundert, warum die Kombüsentür nur angelehnt ist. Will Sören, daß die Mäuse und auch die beiden Katzen sein Reich plündern?

Der Gang ist schon wieder zu Ende, und die beiden kommen in einen recht großen Raum, in dem einiges an kleinen Ladungsteilen sicher befestigt 'herumsteht'. Es ist ganz eindeutig einer der Laderäume, auch zu erkennen an der großen, momentan geschlossenen Luke in der Decke, und einer gleichartigen Vorrichtung im Boden. Links in der Ecke gibt es den Niedergang zum zweiten Unterdeck, dem eigentlichen Ladedeck, doch das ignoriert die Bootsfrau. Ihr Weg führt quer durch den Raum, dann ein Stück über den geschlossenen Ladeschacht, wobei sie ein "Vorsicht!" angesichts der zum Stolpern einladenden Kante von sich gibt, und dann schließlich durch einen engen Durchgang, der in den von zwei Wänden unterteilten Mannschaftsraum führt.

Auch dieser ist von zwei Öllampen schummrig beleuchtet, und an der Form der meisten Wände kann man deutlich sehen, daß man hier ganz im Bug des Schiffes ist. Einen kleinen Vorteil hat dieser Raum aber: Da sich darüber das Vordeck befindet, das zwei Stufen höher als der Rest des Oberdecks ist, hat man diese zwei Stufen hier auch mehr Kopffreiheit... dieser zusätzliche Raum ist mit allerlei Gestellen allerdings auch zum großen Teil verbaut. Matrosen sind nämlich sehr erfinderisch, wenn es darum geht, den zur Verfügung stehenden Platz gut auszunutzen.

Die Bootsfrau wirft dem faul in seiner Hängematte liegenden und offenbar schlafenden Babo einen sehr bösen Blick zu, dann führt sie den Magier weiter zu der Hängematte, in der Aleara liegt, und neben der Sigrun und der Elf Sylvhar stehen.

"Da sind wir. Das ist die Kranke, das sind Sigrun und Sylvhar."

Bei der Nennung von Sigruns Namen wird die Stimme der Bootsfrau erstaunlich weich, weicher als bei all dem anderen, was sie zuletzt sagte. Nirka weist dann kurz auf den Magier:

"Alrik Fuxfell."



Phexane kehrt zum Fest zurück


Phexane verläßt die Gemeinschaftskabine. Sie weiß, daß sie sowieso nicht helfen könnte, da sie sich in der Heilkunde nicht auskennt.

Sie geht hinauf auf das Oberdeck und wendet sich nun dem Wein und dem Essen zu. Von beiden nimmt sie sich reichlich und setzt sich dann auf die Treppe, die zum Vordeck führt. Während sie ihren Wein trinkt und das Fleisch ißt, schaut sie sich um.

'Hm, eigentlich eine ideale Gesellschaft, um ein wenig was zu "verdienen". Aber wenn was schiefgeht, habe ich ein ernsthaftes Problem: ich würde bestenfalls in Prem steckenbleiben und hätte wohl wieder dieses Wasserrind von einem Thorwaler an den Hacken. Zudem würde ich unter Umständen Alrik aus den Augen verlieren.'

Sie sieht den Mann, der, wie Jergan sagte, auch in der Gemeinschaftskabine übernachten würde.

'Wie war denn noch sein Name? Ach ja - Hirkan. Vielleicht kennt er ja ein paar interessante Geschichten aus der großen weiten Welt'

Sie schluckt den letzten Bissen hinunter, nimmt ihren Becher und geht dann zu Hirkan hinüber.

"Den Zwölfen zum Gruße, mein Herr", spricht sie ihn mit einem freundlichen Lächeln an.



Hirkan hat das Fest bisher sehr genossen, wenn auch leider kaum Gespräche mit den anderen Passagieren möglich waren. Doch die immer wieder unterhaltsamen Geschichten der Seeleute haben ihn darüber so gut hinweg getröstet, daß er die Neuankömmlinge an Bord überhaupt noch nicht bemerkt hat. Nur zwischendurch konnte er kurzzeitig einen Blick auf einen bunt gekleideten Mann erhaschen, der sich mit Fiana unterhielt: Ganz klar, Fiana hat nicht nur in geradezu beeindruckendem Maß für das körperliche Wohl ihrer Gäste gesorgt, nein, jetzt, wo die meisten satt und zufrieden sind, wird offensichtlich auch für Unterhaltung gesorgt.

Da tritt eine ihm unbekannte Dame auf Hirkan zu und grüßt ihn. Etwas verdutzt, er ist es nicht gewöhnt, von Damen einfach so angesprochen zu werden, wendet er ihr das Gesicht zu.

"Seid ebenfalls gegrüßt im Namen der Zwölf, werte Dame. Darf ich fragen, mit wem ich die Ehre habe?"



Auftritt


'Komisch die Ratte ist weg. Aber ich habe ja sowieso keine Zeit für so etwas. Werde dem Kapitän trotzdem mal Bescheid sagen.'

Bevor Jarun den Weg hinauf zu seiner Vorstellung antritt, beginnt er langsam seine Gliedmaßen zu dehnen, während er über die alten Zeiten philosophiert. 'Als ich noch jung war, da konnte ich noch akrobatische Kunststücke vollbringen von denen andere nur träumten. Und daß alles ohne Aufwärmen. Jetzt plagt mich doch das ein oder andere Zipperlein. Ach ja, noch einmal fünfundzwanzig sein. Dafür würde ich alles geben. Das war ein Leben, einfach sorgenfrei. Und die Frauen war hinter mir her.' Bei diesem Gedanken lächelt er gedankenversunken. 'Jetzt bin ich schon fast ein Greis und verstecke mein gealtertes Gesicht hinter bunter Jahrmarktsschminke. Eigentlich könnte ich schon Großvater sein, aber ich bin noch nicht einmal Vater. Leider! Habe wohl nie die richtige Gefährtin gefunden. Und jetzt. Jetzt ist es vielleicht schon zu spät.' Eine Träne rollt ihm bei dem Gedanken an seine verpaßte Chance über die Wange.

"Verdammt, die Schminke" ruft er und tupft sich vorsichtig mit einem weißen Taschentuch die Träne von seinem Gesicht.

'Ich muß mich jetzt zusammenreißen. Darf mich nicht mit so was belasten. Für die Vorstellung brauch ich meine volle Konzentration.'

Nach zehn Minuten beendet er die Dehnübungen, schüttelt seine Gelenke noch ein letztes Mal aus und begibt sich nach oben zu seinen Zuschauern. Er wartet ab, bis Fiana in seine Richtung schaut und gibt ihr ein Zeichen, daß er bereit ist.



Fiana erwidert das Zeichen, das Jarun ihr gibt, und weist einladend auf den freien Raum, der durch einen geschickten Zug ihrerseits entstanden ist. Sie hat sich nämlich einfach so auf die noch verbleibenden Gratulanten zubewegt, daß hinter ihr einiger Freiraum entstanden ist - begrenzt von der Reling, der Einrahmung der Ladeluke, und einigen auf Kisten sitzenden Matrosen. Sie selbst tritt einige Schritte zur Seite, und sagt dann mit lauter Stimme:

"Hört mal kurz her!"

Erstaunlicher weise reicht das aus, um den Lärm wenigstens für einige Augenblicke zu senken, denn immerhin ist allen Matrosen bewußt, daß sie Fiana diese Feier verdanken, und so sorgen diejenigen, die den Aufruf mitbekommen haben, unter Einsatz verschiedener Mittel - sanften und auch rabiaten - daß alle ruhig sind.

In die entstehende Fast-Stille, denn wirklich leise ist es keinesfalls, es wird immer noch geredet und gezecht, ruft Fiana:

"Danke, liebe Freunde, für all die Gratulationen und Geschenke, für all die Aufmerksamkeiten. Genießt die Feier weiter, und auch das Feuer, und noch viel mehr. Denn jetzt kommt ein Geschenk der besonderen Art. Jarun der Papagei, den wir bis Grangor als Fahrgast an Bord haben werden, möchte uns seine Kunst präsentieren."

Die Offizierin verbeugt sich in Richtung des Gauklers und übergibt ihm damit die kleine improvisierte Bühne, während im Hintergrund der Lärm bereits wieder ein klein wenig im

Anschwellen ist.



Belvolio wendet sich Darian zu und will gerade zu einer Frage ansetzen, als er die Ansage von Fiana hört. Daraufhin wendet er sich der Vorführung von dem "Papagei" zu.



Darian trinkt einen tiefen Schluck aus seinem Weinglas. Anschlieszend will er sich an Belvolio wenden um das Gespräch über Alveranide wieder aufzunehmen bzw. ein solches überhaupt erst anzufangen, hört dann jedoch etwas von einem Auftritt von Jarun dem Papagei. Er wirft einen interessierten Blick auf das Oberdeck.



Fiana hat sich voll der Vorführung von Jarun zugewandt und "hängt" mit den Augen an dem Gaukler, während er seine gewandte Übung vorführt. In ihren Fingern streichelt sie dabei gedankenverloren die Flöte, die Jarun ihr geschenkt hat.



Von seinem Platz aus, wirft Jarun den Beutel mit den Jonglierbällen im hohen Bogen in die Mitte des Platzes, der für ihn freigemacht worden ist. Mit einem kurzen Satz springt er auf dir Reling. Balancierend bewegt er sich die ersten Schritte über die Reling, um erst einmal ohne großes Gedränge an den Zuschauern vorbei zu kommen. Nach wenigen Metern macht er auf der Reling einen Handstand. Damit er die letzten Meter auf den Händen zurücklegen kann, wobei er absichtlich lange auf einem Arm verweilt, was an einen einhändigen Handstand erinnert. An der 'Bühne' angekommen stellt er sich wieder auf die Beine. Kurz aber tief atmet er durch und öffnet jeweils mit einer Hand die Sicherungen an den Schwertscheiden. Dann spring er aus dem Stand los in Richtung Deck. An der höchsten Stelle des Sprungs macht er einen Salto, aus dem er mit gezückten Schwertern herauskommt. Sein Umhang und die Bänder an den Schwertern lassen erraten, warum er den Beinamen 'der Papagei' trägt. Der sich stark bewegenden bunten Stoffstreifen erinnern an die Federn eines aufgeregt flatternden Papagei. Mit kerzengeradem Rücken und zum Himmel gestreckten Schwerter, landet er auf den Brettern des Decks. Die beiden Schwerter rechts und links von sich streckend verbeugt er sich vor seinem Publikum.



Etwas irritiert, wegen des nicht vorhandenen Begrüßungsapplaus, den Jarun normalerweise an dieser Stelle erhält, fährt er mit seiner Vorstellung fort. Erst leise dann immer lauter werdend beginnt Jarun einen Singsang zu summen. Die Klänge lassen vermuten, daß es sich dabei um ein Lied aus den südlichen Regionen Aventuriens handelt. Mit schnellen Schritten bewegt sich Jarun rhythmisch auf der Stelle zu dem Gesang. Dabei läßt er die Schwerter um seine Handgelenke Kreisen. Teilweise sieht es so aus, als würde Jarun die Schwerter gar nicht mehr in der Hand halten, sondern sie alleine durch Bewegung der Arme die Schwerter tanzen zu lassen.

Plötzlich springt er aus dem Stand in die Luft und macht dort einen Salto, während die Schwerter links und rechts von ihm einen Kreis aus Klingen beschreiben. Das wiederholt er mehrmals, ohne dabei mit dem Gesang aufzuhören.

Mit einem dumpfen Knall endet der Gesang und Jarun bleib auf der Stelle stehen. Um dann wie ein wild gewordenes Tier an dem Publikum vorbei zu rennen. Ab und zu springt er in die Luft und führt dabei einige Schläge mit den Schwerter zwischen und über die Zuschauer. Wobei er dabei jedoch souverän die Schläge abbremst, bevor jemand Schaden davon trägt.

Nach einiger Zeit bleibt er in der Mitte der Bühne stehen. Eines der Schwerter rutscht er über den Boden des Decks. Das andere Schwert nimmt er in beide Hände.

"Und nun werdet ihr den Regenbogen des Todes sehen."

Mit diesen Worten wirft er das Schwert mehrere Meter in die Höhe. Die Arme an den Körper angelegt wartet Jarun, bis das Schwert wieder zu ihm herunterfällt. Mit dem Knauf zuerst fällt das Schwert auf Jaruns Kopf zu. Dabei zieht es die bunten Bänder hinter sich her und bietet ein schönes Schauspiel. Doch der Aufprall auf Jaruns Kopf scheint unausweichlich. Als alle Zuschauer bereits den Aufprall kommen sehen, schnellen Jaruns Arme blitzschnell empor, um das Schwert mit beiden Händen zu packen. Nicht am Knauf, sondern die Klinge zwischen den Handflächen, hält Jarun das Schwert über sich.



Jergan hat sich, nachdem der Fahrgast sich in Fianas Richtung begeben und diese den Künstler angesagt hat, in Richtung der Treppe zum Brückendeck zurückgezogen, die er dann einige Stufen emporgestiegen ist. Von dort oben kann er Jaruns Auftritt wunderbar beobachten, doch das ist nicht der einzige Grund, denn das Brückendeck eignet sich auch hervorragend als "Plattform" für die Worte, die er im Laufe des Abends noch an die Mannschaft und insbesondere Fiana richten muß.

Jetzt jedoch sieht er - wie fast alle der Matrosen - gebannt bei der riskanten Vorführung zu, und hält, ebenfalls wie fast alle anderen, den Atem an, als der Gaukler das Schwert auf diese riskante Weise auffängt.

Sekunden später ist er der erste, der applaudiert, dann fallen die anderen mit ein. Auch Fiana ist sehr begeistert, ein strahlendes Lachen ist in ihrem Gesicht zu sehen, und noch immer "hängen" ihre Augen an Jarun.



'Es ist immer wieder ein tolles Gefühl vor einem applaudierenden Publikum zu stehen. Kein Gefühl kann sich damit messen.'

Vor Freude strahlend verbeugt sich Jarun vor den Zuschauern auf der NORDSTERN. Er schaut in die Runde und lächelt Fiana zu.

'Vielleicht gibt es doch noch etwas, daß besser ist, als dieses Gefühl.' denkt er so bei sich, als er Fiana tief in die Augen schaut.



Bereits während der Applaus langsam abklingt, geht Jarun langsam zu seinem Tuchbeutel hinüber. Dabei verbeugt er sich immer wieder in alle Richtungen. Als der Applaus endgültig verstummt ist, nimmt er sich drei seiner weiß, rot, blauen Bälle aus dem Beutel und beginnt verspielt mit ihnen zu jonglieren. Erst nur sehr langsam, dann immer schneller werdend, bis zu einer Geschwindigkeit, bei der es aussieht, als würde er mit sechs Bällen jonglieren.

Zwischendurch verlangsamt er wieder das Tempo, um einen der Bälle hinter sich vorbei, oder unter dem Bein hindurch zu werfen. Nach einiger Zeit hält er inne und schaut ins Publikum.

Nach einer kurzen Stille, gähnt er schauspielerisch übertrieben.

"Nicht wahnsinnig aufregend, oder?" fragt er in die Menge. "Man sollte ja davon ausgehen, daß ich so etwas einfaches beherrsche." ergänzt er mit einem breiten Grinsen. Er streicht sich mit der Hand über das Kinn und überlegt scheinbar.

"Ich hab´s. Ich brauche zwei Freiwillige. Wer würde sich bereit erklären mir bei einem Kunststück behilflich zu sein."

Er schaut in die Runde.

"Aber seid gewarnt. Nur die Götter können wissen, ob ihr mit dem Leben davon kommt."

Warnt er mit unheilsvoller Miene.

"Auch ich werde nicht jünger und meine Reaktionen lassen langsam nach. Aber bei so mutigen Männern und Frauen wird sich sicher jemand auf der NORDSTERN finden."



Armen stockt der Atem nach der Vorführung mit dem Messer. Während er applaudiert, denkt er bei sich

'Das kenne ich doch schon von irgendwo her. Ich habe diesen Künstler schon einmal getroffen, wenn ich nur wüßte wo. Er versteht aber sein Handwerk, deswegen kann ich mich beruhigt melden.'

"Ich wäre bereit, wenn ihr so ein großes Ziel wünscht!"



Vieles in Fiana schreit danach, sich als Freiwillige zu melden, aber das kann sie vor der Mannschaft nicht machen, und auch nicht in diesem Kleid. So beschränkt sie sich darauf, weiter zu applaudieren, und sieht gespannt in die Menge, ob sich ein zweiter Freiwilliger findet.

Einen gibt es ja schon, einen Mann, den sie noch nie zuvor hier gesehen hat: Also ein weiterer Fahrgast.



"Wunderbar! Der erste mutige Herr meldet sich."

Selber applaudierend deutet Jarun auf den Mann, der sich soeben als Freiwilliger angeboten hat.

"Darf ich euch auf unsere Bühne bitten." Nach einem zweiten Freiwilligen suchend, schaut er sich auf dem Deck um.

"Gibt es keinen Mann oder Frau auf diesem Schiff, der es mit dem Mut, dieses tapferen Recken aufnehmen kann?"


'Hoffentlich ist das wirklich das Kunststück, das ich schon kenne'



'Also einen brauche ich noch. Kein Freiwilliger mehr zu sehen.' Etwas beunruhigt schaut Jarun ins Publikum. Als sein Blick auf einen der Matrosen im hinteren Bereich des Decks fällt, hellt sich sein Gesicht jedoch merklich auf.

"Eifif, mein werter Freund. Schön, daß ihr euch freiwillig meldet."

Selber kräftig in die Hände klatschend, spornt Jarun das Publikum an.

"Einen kräftigen Applaus für unseren zweiten Freiwilligen. Eilif!"

Mit einem Wink der rechten Hand deutet Jarun ihm auch auf die Bühne zu kommen.



Fasziniert verfolgt Darian die Vorstellung des Papageis. Er hält für einen Moment den Atem an, als das Schwert auf Jaruns Kopf zufällt, atmet dann erleichtert auf, als dieser es auffängt. Als der Gaukler um einen Freiwilligen bittet läszt Darian seinen Blick ueber die Menge schweifen um zu sehen wer sich meldet. Sich selbst zu melden kommt ihm nicht in den Sinn, schlieszlich ist er Magier und kein Phexanhänger.



Die beiden Freiwilligen bahnen sich einen Weg durch die Menschenmenge.

Auf der Bühne angekommen werden sie von Jarun, der gerade den Beutel mit Wurfbällen geholt hat, mit einem kräftigen Handschlag begrüßt.

"Wen darf ich hier auf der Bühne der NORDSTERN begrüßen."

Wendet sich Jarun dem großen Fremden zu, nachdem er Eilif kurz zugenickt und ihn rechts neben sich positioniert hat.



"Mein Name ist Armen Al' Klin Gon, der Schrecken aller Händler! ich biete immer den günstigsten Preis."

Armen stellt sich neben den Gaukler und harrt der Dinge, die nun kommen.



"Seid gegrüßt Armen. Möge Phex uns bei diesem Kunststück zur Seite stehen. Es ist wichtig, daß ihr ganz ruhig in dieser Position euch gegenüber stehen bleibt." Mit diesen Worten baut er sich breitbeinig vor den beiden auf und formt die Hände vor seinem Bauch zu einer Schale, wobei zwischen den Handflächen ein kleiner Schlitz ist.

Während die beiden Freiwilligen diese Position einnehmen, holt Jarun aus seinem Tuchbeutel fünf Bälle und zwei Wurfdolche und legt den Beutel zwischen die Beiden. Die Bälle nimmt er in die Hand und die Dolche steckt er in die Schlitze zwischen den Handflächen der Freiwilligen. Dann stellt sich Jarun genau zwischen die Beiden und ruft mit beschwichtigender Geste:

"Ich bitte um Ruhe. Die gesamte Konzentration wird von mir benötigt."

Er beginnt die ersten Bälle hoch in die Luft zu werfen. Erst langsam, dann aber immer schneller werdend jongliert er mit den fünf Bällen.

Nach wenigen Sekunden zieht Jarun den Dolch zwischen Armen's Händen hervor, wirft den Dolch in die Luft und legt einen der Bälle in Armen's Hände. Kurz darauf folgt der Dolch aus Eilif's Händen und auch dort wird ein Ball hineingelegt. Erst nur ab und zu, dann aber immer häufiger, tauscht Jarun die Bälle zwischen Händen seiner Gehilfen und denen in der Luft aus, so daß es fast unmöglich ist einen Ball im Auge zu behalten. Fast so, wie bei den Hütchenspielern in Khunchom. Die mittels einer Erbse, drei Walnußschalenhälften und ihren flinken Fingern die Reisenden um einige Kreutzer erleichtern.

Das ganze Schauspiel wird von einem klingelnden Geräusch begleitet, daß von seinen Arm- und Beinschellen herrührt und die herrschende Spannung um einiges verstärkt.

Mit einem Mal beginnt Jarun die Bällen doppelt so hoch zu werfen , wie vorher. Bis sich alle Bälle hoch in der Luft und die beiden Dolche sich in seinen Händen befinden.

"Schließt die Augen ganz fest." Flüstert er seinen Gehilfen leise zu.

Schnell holt er mit beiden Armen weit aus und rammt die Dolche blitzartig wieder zwischen die Hände von Eilif und Armen. Dabei geht er in die Knie und schafft es gerade rechtzeitig noch den Tuchbeutel aufzuheben. Einen nach den anderen fängt er die Bälle mit dem Beutel auf. Schließlich läßt er diesen auf den Boden fallen und verbeugt sich sichtbar erleichtert vor seinem Publikum.



"Ui!" 'Das nächste mal denke ich vorher darüber nach, was ich mache. Das war doch das falsche Kunststück!'

Armen verbeugt sich vor dem Publikum und geht nun zum Geburtstagskind.



Ebenso wie all die zuschauenden Matrosen, und ebenso wie Jergan, der immer noch auf der Treppe zum Brückendeck steht, applaudiert Fiana begeistert.

Ihre Augen lösen sich kaum von dem Gaukler, und vorerst entgeht es ihr auch, daß einer der beiden mutigen Helfer geradewegs auf dem Weg zu ihr ist.

'Daß man so etwas kann! Und das mit dieser Geschwindigkeit! Ob er zaubern kann? Ob ich ihn das fragen sollte?'

Die erste Offizierin merkt gar nicht, daß sie Jarun schon fast anstarrt.



Phexane und Hirkan


"Meine Name ist ..."

Weiter kommt Phexane nicht, da nun die erste Offizierin ankündigt, daß der Gaukler sein Können vorführen möchte. Nachdem Fiana ihre Ankündigung beendet hat, fährt sie kurz fort.

"Phexane Fuxfell. Ich übernachte zusammen mit meinen Bruder Alrik ebenfalls in der Gemeinschaftskabine und ... oh!" Phexane schaut zu Jaruns Aufführung.

"Einen Moment, bitte. Das würde ich mir ganz gerne ansehen."

Phexane schaut begeistert zu. Als das Schwert droht auf Jaruns Kopf zu fallen, hält sie für einen Moment die Luft an. Sie hatte schon einige gefährliche Kunststücke gesehen, aber das beeindruckte sie sehr. Danach applaudiert sie ebenfalls.



Offensichtlich will sich die Frau gerade vorstellen, als Fiana beginnt, den Künstler anzukündigen. 'Ah, doch kein von ihr beauftragter Unterhalter, sondern ein Passagier, der seine Kunst als Geschenk anbietet. Hm, praktisch, wenn man solche Möglichkeiten hat', denkt Hirkan.

Doch da fährt seine neue Gesprächspartnerin mit ihrer Vorstellung fort.

'Phexane!!!'

Für einen kleinen Moment entgleiten die Gesichtszüge des jungen Mannes. Seine Stirn legt sich in Falten, die Mundwinkel ziehen sich nach unten, während die Nase sich unwillig nach oben kräuselt, als hätte er etwas Schlechtes gerochen.

'Verfolgen sie mich jetzt schon, wohin ich mich auch wende? Und auch noch in der Gemeinschaftskabine! Vielleicht sollte ich doch das Schiff wechseln, aber, ... dann müßte ich noch länger in diesem Piratennest bleiben und wer weiß, mit wem ich dann reisen müßte.'

Unwillkürlich tritt er einen Schritt zurück. Bevor er noch dazu kommt, sich seinerseits vorzustellen, wendet sie sich dem Gaukler zu, dem er auch gerne genauer zugesehen hätte. Aber leider hat er dazu jetzt nicht mehr die Ruhe.

Immer darauf bedacht, einen gewissen Abstand von Phexane beizubehalten, fliegen seine Augen zwischen der Frau und dem Gaukler hin- und her, bis diesem allgemeiner Beifall für seine atemberaubenden Kunststücke gespendet wird. Hirkan fällt in den Applaus mit ein, seine Hände leicht aufeinander schlagend, so daß das Klatschen kaum zu hören ist.

"Mein Name ist Hirkan", stellt er sich kurz vor, als der Lärm wieder etwas abebbt.



Phexane wendete sich wieder Hirkan zu.

'Komisch, mir war so, als hätte er eben noch etwas näher gestanden. Aber wahrscheinlich bilde ich mir das nur ein.'

"Der Kapitän hatte mir gesagt, Ihr würdet über diese Reise schreiben. Seid Ihr schon viel herumgekommen? Mich interessieren Erzählungen aus fremden Ländern sehr, müßt Ihr wissen."



Erneut wendet sich die Frau mit dem Namen Phexane ihm zu. Naja, solange sie bleibt, wo sie ist, wäre es doch sehr unhöflich, sich überhaupt gar nicht erst mit ihr zu unterhalten. Doch so ganz wohl ist ihm dabei nicht. Gut, daß sich in dem Beutel an seinem Gürtel noch immer nur ein Teil seines Geldes befindet. Aber, vielleicht hat die arme Frau ja auch nur dank ihrer Eltern einen solchen Namen erhalten und ist eine ehrbare junge Dame ...

Während seine Gedanken so wandern, antwortet Hirkan ernsthaft:

"Es tut mir leid, Euch da nicht weiterhelfen zu können. Dies ist meine erste Reise und so stehe ich gerade erst am Beginn meiner Studien. Ihr selbst seid sicherlich wesentlich weiter gereist als ich."

Der letzte Satz ist als Feststellung formuliert, doch Hirkans neugieriger Blick zeugt davon, daß er durchaus interessiert an einer Antwort wäre.



"Kommt darauf an, was Ihr als 'weitgereist' betrachtet. Ich komme ursprünglich aus Albernia, genauer aus Havena. Vor zwei Jahren habe ich dann meine Reise begonnen. Erst über das Koschgebirge nach Gareth. Dann ins Herzogtum Weiden und dann bin ich mit einem kleinen Gauklertrupp über Wehrheim, Greifenfurt und Andergast bis nach Thorwal gekommen. Eigentlich wollte ich weiter in den Norden, aber ich wollte auch nicht alleine durch die Wildnis reisen. So suchte ich nach einer Reisegruppe. Leider vergebens. Da es jetzt ja wieder kälter wird, habe ich beschlossen in den Süden zu reisen."

Phexane zuckt mit den Schultern.

"Nicht sonderlich aufregend, nicht wahr?"



"Nun ja, immerhin kann ich mich einer derartigen Erfahrung nicht rühmen. Doch wenn Ihr vergebens nach einer Reisegruppe in den Norden suchtet, so werdet Ihr den Anlaß dieser meiner Reise vielleicht verstehen. Es sind so viele Reisende unterwegs und jeder versucht, für sich allein den schnellsten und sichersten Weg auszukundschaften. Deshalb hat es sich mein Mentor zum Ziel gemacht, eine Sammlung von Erfahrungsberichten zu erstellen, die späteren Reisenden helfen soll, wenn sie auf bereits erprobten Pfaden unterwegs sind. Doch leider sind die Berichte, die man von erfahrenen Wanderern erhält, nicht immer zuverlässig, wenn Ihr versteht, was ich meine ..."



Phexane nickt.

"Ja, ich glaube, ich weiß, was Ihr meint. Diese Leute wollen besonders mutig und heldenhaft dastehen und aus einer harmlosen Eidechse wird ein wilder, feuerspeiender Drache."

Sie grinst.

"Ich für meinen Teil fühle mich in Städten eh' viel wohler. Vor allen Gareth ist sehr beeindruckend."

Phexane schaut wieder zu dem Gaukler, in Gedanken ist sie aber in Gareth. Dann plötzlich sieht sie nachdenklicher aus.

"Bei Hesinde!" ruft sie urplötzlich und schlägt mit der flachen Hand gegen ihre Stirn.

Ohne weiter auf Hirkan zu achten, läuft sie wie von Difar persönlich gejagt zum Niedergang, rennt diesen hinunter und in die Gemeinschaftskabine hinein.

Dort geht sie an ihren Spind, öffnet ihn und holt ihren Beutel hinaus. Sie wühlt eine Weile darin herum.

"Nein! Ich habe es verloren!" ruft sie in die Leere des Raums hinein. Dann schaut sie ins Nichts.

'Wo kann es sein? Wo habe ich es verloren? Oder habe ich es vergessen? Wann hatte ich es das letzte Mal in der Hand gehabt?'

Angestrengt denkt sie nach .....



Phexane fällt es wieder ein: in dem Gasthaus, in dem sie zuletzt übernachtet hatte! Dort wird sie es wohl vergessen haben.

'Wie konnte ich nur! Wenn Nimion das wüßte, wäre er sehr enttäuscht von mir!'

Sie packt den Beutel in den Spind zurück, schließt ihn ab und verläßt mit eiligen Schritten die Kabine. Sie geht zum Oberdeck hinauf, schiebt sich durch das Gewühl der Feiernden, ohne noch weiter auf die Vorführung des Gauklers zu achten und geht dann die Planke hinunter.

Unten im Hafen angekommen läuft sie nun wieder schneller zur Stadt hinein ....



Hirkan wollte Phexane gerade ein wenig über ihren Aufenthalt in Gareth ausfragen, da schlägt sie sich die Hand vor den Kopf und läuft ohne Erklärung weg. Nun, er zuckt mit den Schultern. Wenn sie in der gleichen Kabine reisen würde wie er, würden sich schon noch genug Möglichkeiten ergeben, das Gespräch fortzusetzen.

Als sie weit genug weg ist, kontrolliert er verstohlen den Sitz seines Geldbeutels. Erleichtert läßt er die Luft zwischen seinen Zähnen entweichen: Alles ist, wo es sein sollte.

Von der Fortsetzung des Auftritts des Gauklers hat er leider nicht allzu viel mitbekommen. Zu sehr war er mit seiner Vorsicht, Phexane gegenüber, beschäftigt. Doch jetzt sieht er wieder hin. Ein großer Matrose schlägt dem Gaukler immer wieder auf die Schulter und das Publikum tobt. Hm, da hat er wohl wirklich etwas verpaßt. Aber vielleicht ist der Auftritt ja noch nicht beendet.



Im Mannschaftsraum


Als Sylvhar so wartend an der Wand lehnt, blickt er zu Sigrun rüber. Dann sagt er zu ihr:

"Vorhin, als wir auf dem Deck uns durch die Leute drängten, ist mir aufgefallen, dasßsehr viele an Fiana nicht so alltägliche Worte richteten und ihr Gegenstände übergaben. Wieso haben sie das gemacht?"



Gerade wollte Sigrun Sylvhar erklären, was ein Tsatag ist und warum Fiana gerade diesen so ausgiebig feiert, da betritt Nirka mit einem weiteren Magier den Mannschaftsraum. Sigrun hat diesen Mann noch nicht an Bord gesehen, aber vielleicht hat die Feier ja auch abendliche Gäste angelockt. Sie nickt dem Neuankömmling zu.

"Efferd zum Gruß, Herr."

Anschließend tritt sie ein wenig zur Seite, um den Blick auf Aleara freizugeben.



Geduldig hat Sylvhar auf Sigruns Antwort gewartet. Statt dessen erscheint Nirka wieder im Mannschaftsraum, in Begleitung. Das ging aber schnell. Sie ist doch eben erst gegangen. Ihr Begleiter soll also helfen. Hm. Schon wieder einer, der in eine lange, bemusterte Robe gekleidet ist. Das scheint irgendeine Bedeutung zu haben. Nun, rein durch das Äußere läßt sich wohl schwer beurteilen, ob dieser hier wirklich helfen kann.

So tut es Sylvhar Sigrun gleich, und macht - wie nannte ihn Nirka? - Alrik, ihm Platz.

Alrik? Alrik? Den Namen hat er doch auf diesem Boot, äh Schiff, auch schon gehört. Ist es möglich, daß Menschen gleiche Namen haben? Undenkbar! Oder hat sich Sylvhar verhört. Er schaut den Berobten sehr eindringlich an, als ob er in dessen Gesicht eine Antwort auf seine Gedanken finden könnte.



Auch Nirkas Blick ruht fragend - und neugierig - auf Alrik Fuxfell.

'Hoffentlich kann er helfen! Und hoffentlich kriegt er raus, WARUM sie das tat!'



Die verwirrte Matrosin beginnt langsamer zu atmen, zittert jedoch weiter. Zwar hält sie die Augen geschlossen, aber man erkennt deutlich die Augenbewegungen unter den Lidern. Auch ihr Gesicht wirkt nicht mehr so eingefallen. Man könnte fast meinen, daß ein kleines Lächeln ihre immer noch blauen Lippen umspielt.



Alrik beugt sich über die Kranke. Ihm sind die besorgten Gesichter der Umstehenden nicht entgangen. Nach einer kurzen Untersuchung kommt er zu der Feststellung, daß ihm die Symptome nicht bekannt sind. Laut sagt er:

"Das beste wird sein wenn Aleara erstmal schläft, vielleicht könnt ihr einen Tee aus Schwarzem Mohn zubereiten. Ich selbst verfüge momentan leider nicht über dieses Kraut."

Alrik wendet sich zu dem Elfen um:

"Könnt ihr nichts für sie tun? Ich bin schon mit einigen von eurer Art durchs Land gezogen und das wahren alles hervorragende Heiler. Schafft ihr es, Aleara mittels eines Zaubers in einen heilsamen Schlaf zu versetzen."



Sylvhar beobachtet den Menschen, wie er Aleara 'untersucht'. Ah, siehe da, er ist auch der Meinung, daß sie in der Traumwelt am besten aufgehoben ist. Dieser hier scheint eine gewisse Vernunft zu haben. Menschen sind schon ziemlich unterschiedlich!

Als der Berobte ihn anspricht, blickt Sylvhar kurz in Nirka's Richtung. Dann lächelt er das Lächeln einer Mutter nachdem ihr Kind eine 'neue' Entdeckung gemacht hat und es der Mutter zeigt, für die Mutter aber alles alltäglich ist. Er blickt dann den Berobten an und sagt nickend:

"Ich werde ihr dabei helfen, ihr Mandra im Traum zu stärken."

Dann geht er zu Alearas Hängematte. Er bleibt einige Herzschläge mit geschlossenen Augen stehen und atmet tief durch. Er öffnet die Augen wieder, beugt sich über Aleara und legt den linken Zeigefinger und den linken Mittelfinger auf ihr Auge sowie den rechten Zeigefinger und den rechten Mittelfinger auf das andere Auge.



Fast ein wenig entsetzt guckt Nirka von dem Magier zum Elfen, dann wieder vom Elfen zum Magier, dann wieder anders herum.

Da macht schlägt der Magier doch genau das vor, was der Elf auch vorhatte? Und das wiederum bedeutet, daß er wohl... recht hat. Nirka sucht... vergeblich... für einige Sekunden nach spitzen Ohren bei dem Magier, doch dann nickt sie langsam.

"Nun denn... Ihr habt davon weit mehr Ahnung als Sigrun oder ich... also tut es."



Auch Sigrun wundert sich darüber, daß dem Magier nichts anderes einfällt, als den Elfen um Hilfe zu bitten. Obwohl, 'heilsamer Schlaf' hört sich ja auch irgendwie schon anders an als 'Traum'. Da kann man sich schon eher vorstellen, daß das helfen könnte ...

Als Nirka den Elfen auffordert, tätig zu werden, nickt sie ihr daher aufmunternd zu und beobachtet anschließend die Handlungen des Elfen.



Gleich nachdem Sylvhar's Finger Aleara berührten, hört sie auf zu zittern und ihr Körper verkrampft sich leicht und bleibt in derselben Lage. Sylvhar's Hände fangen dabei leicht zittern an, und auch seine Gesichtsmuskeln zucken ein wenig. Dann beginnt Aleara's Körper wieder zu zucken, während Sylvhar sich entspannt. Das gleiche geschieht noch einmal, ehe sich Aleara's Muskeln entspannen und sie tief und langsam atmend auf ihre Hängematte sinkt.

Ein warmes Lächeln macht sich in Sylvhar's Gesicht breit. Er entspannt sich ebenfalls, nimmt seine Hände von Aleara's Augen und richtet sich auf.

"Wenn sie aufwacht wird es ihr besser gehen."



Alera hört auf zu zittern, und sie atmet langsamer und gleichmäßiger. Ihr ganzer Körper scheint sich zu entkrampfen, und sie legt den Kopf zur Seite. Auch die Augenbewegungen haben nun aufgehört. Wellen von Ruhe durchströmen Aleara, sanft treibt sie in Borons Arme...



Nirka beobachtet den Elfen aufmerksam, vielleicht sogar mißtrauisch. Dann, als Aleara sich entspannt, nickt sie langsam.

"Damit bleibt uns jetzt wohl nur noch übrig, bis morgen zu warten, nicht wahr? Oder sollte ab und zu jemand auf sie achten?"

Die Frage richtet sich primär an den Elfen, aber auch ein wenig an den Magier. Die Bootsfrau selbst steht jetzt wieder - zufällig? - dicht neben Sigrun.



Als Aleara unter der Einwirkung des Elfen zunächst zu zucken beginnt, kommen Sigrun erneute Zweifel an dessen Fähigkeiten. Doch dann scheint die andere Matrosin sich zu entspannen und schläft wirklich ein. Sigrun atmet erleichtert auf. Vielleicht bringt ihr der Schlaf ja wirklich die ersehnte Entspannung.

Auch sie möchte gerne wissen, ob es notwendig sein wird, Aleara zu überwachen. Jetzt langsam wird ihr nämlich bewußt, daß dort oben an Deck ein rauschendes Fest völlig ohne sie und Nirka stattfindet. Ja, sie haben es noch nicht einmal geschafft, Fiana ihr Geschenk zu übergeben. Und ein kleiner Happen zur Stärkung und ein Schluck zum Aufwärmen der durch die Feuchtigkeit klamm gewordenen Hände könnten wirklich auch nicht schaden ...



Nirkas Blick folgt fast synchron dem von Sigrun, wechselt zwischen Alrik und Sylvhar hin und her.

Im Halbdunkel kaum oder gar nicht zu sehen, zumal sie ja so dicht neben Sigrun steht, findet Nirkas Hand wie von alleine in die von Sigrun.



"Ihr Mandra ist tief in der Traumwelt und wird nicht so schnell in diese Wirklichkeit zurückkehren. Ihr Schlaf wird ruhig und lang sein."

Bei diesen Worten streckt sich Sylvhar ein wenig. Von der ungewohnten Arbeit auf diesem Schiff ist er doch auch etwas müde geworden. Ein kurzer Blick streift das Stoffstück, auch Hängematte genannt, das ihm zugeteilt wurde, bevor er noch hinzufügt:

"Ich werde hier unten bleiben bis sich Sha wieder am Himmel zeigt. Wenn sie aufwacht, werde ich sie hier empfangen."



Alrik schaut auf die schlafende Aleara hinab. Anscheinend gibt es hier für ihn nichts mehr zu tun. Da er im Moment von niemandem beachtet wir entschließt er sich kurzerhand wieder auf Oberdeck zu gehen.

'Vielleicht bekomme ich ja noch ein Gläschen Wein', denkt er sich hoffnungsvoll. Also nickt er den Umstehenden kurz zu und verläßt den Mannschaftsraum.



Ohne ein weiteres Wort zu sagen wendet sich Sylvhar in Richtung 'seiner' Hängematte und bewegt sich auch schon dorthin. Als er an seiner Schlafstelle ankommt, zieht er sich seine Fellweste aus. Er steigt sodann in die Hängematte, räkelt sich etwas hin und her bis er bequem liegt und legt sich dann die ausgezogene Weste als Decke über sich. Er folgt dann seinen eigenen Ratschlägen und stärkt sein Mandra in der Traumwelt.



Nirka sieht kurz dem entschwindenden Magier und dem sich ebenfalls zurückziehenden Elfen nach, und umfaßt dann Sigruns Hand fester.

"Damit wäre Aleara versorgt, auch wenn wir sicher noch öfter nach ihr sehen sollten. Wollen wir wieder hochgehen?"

Die Bootsfrau scheint diese Entscheidung der Freundin überlassen zu wollen.



"Natürlich mag ich", erwidert die Bootsfrau, und fügt hinzu:

"Du guckst auch schon ganz hungrig... also laß uns zusehen, daß wir noch etwas vom Essen abkriegen... aber vorher sollten wir zu Fiana gehen."

Sie geht auch prompt los, ohne Sigruns Hand loszulassen - aus dem Mannschaftsraum und in Richtung des Aufganges zum Oberdeck.



Für einen Moment schlägt Sigruns Herz schneller, als Nirka ihre Hand nimmt. Doch die Bootsfrau hat wohl recht: Sylvhar wundert sich über so vieles hier an Bord, da werden ihm Vertraulichkeiten zwischen der Bootsfrau und einer Matrosin kaum als etwas besonderes auffallen, und dem Passagier kann es schließlich völlig egal sein. Also begrüßt sie die suchende Hand mit einem leichten Gegendruck.

Sie ist ein wenig hin und her gerissen. Einerseits könnte sie sich gut vorstellen, die Gunst der Stunde einfach zu nutzen und sich mit Nirka zurückzuziehen, andererseits gibt es auf einem Schiff nicht so oft Gelegenheit zum Feiern. Außerdem möchte sie Fiana wenigstens gratulieren, man wird schließlich nicht jedes Jahr 30, und da ist ja auch noch das Geschenk, das übergeben werden sollte. Und letztlich, der Wildschweinbraten hat einfach zu gut gerochen, als das man vollständig auf ihn verzichten könnte, erwartet die Mannschaft doch demnächst wieder das mehr oder weniger gelungene Essen, das der unerfahrene Koch auf See zustande bringt.

Nein, Zeit sich zurückzuziehen ist immer wieder, Zeit zum Feiern eher eine seltene Ausnahme!

"Ich würde gerne noch etwas nach oben gehen. Magst du?"

Erwartungsvoll sieht sie Nirka an.



Mucksmaus


Nachdem der Mäuserich sich erst einmal in einer Ecke erleichtert hat, riecht er sich genauer um.

Oh, welch ein Paradies! Wo es oben schon viel zu holen gab, so ist hier alles im Überfluß vorhanden. Erlesenste Gaumengenüsse locken mit ihren vielfältigen Düften. Das muß Eratsmus unbedingt seinen Leuten erzählen! Hier kann man bestimmt die gesamte Sippe verköstigen und einen engeren Kreis von ein-, zweihundert Freunden.

`Hicks!' Aber zuvor könnte noch ein kleiner Verdauungsimbiß nicht schaden. Mit ein paar unsicheren Sprüngen gelingt Eratsmus der Aufstieg über ein paar Kisten zur Arbeitsfläche, wo diverse Zutaten wirr versammelt sind. Er schnüffelt hier, kostet da, als ihm unversehens ein Gewürzbecher davon rutscht. Eratsmus kann sich gerade noch halten, das Behältnis aber poltert zu Boden.



Nun, da unten ist das nicht schlechter aufgehoben als hier oben. Überhaupt ist es recht eng hier, wo doch der Boden so viel Platz bietet. Deshalb schert sich Eratsmus nicht darum, wie sein Bauch oder Schwanz weitere Kleinigkeiten hinab stoßen, sondern macht sich lieber begeistert über herumliegendes Obst her.



Schnell noch das Revier markiert, dann springt Eratsmus wieder hinab. `Hicks!' Voll genug ist er nun wirklich erstmal; man kann also die Verwandtschaft einladen.

Er huscht wieder auf den Gang hinaus. Vorhin war er nach rechts gegangen, also tut er dies wieder - Rattenlogik. Als sich der Gang dann allerdings weitet, ist er doch ein wenig überrascht. Wo ist denn die Hinabstürzanlage mit den vielen Stufen?



`Hicks!'

Hier riecht es seltsam gefährlich - Mäusefresserkurzschwanzgroßratte? Vorsichtig tappelt Eratsmus durch das Halbdunkel, immer die Wand entlang - nach rechts natürlich - sowie schnuppernd und lauschend.



Vor Eratsmus tut sich eine Wand hervor, daß er nach links abbiegen muß.

`Hicks!'

Wo ist nur diese blöde Fallvorrichtung geblieben? Langsam wird ihm doch etwas unheimlich so allein auf fremden Gelände und mit diesem wenig anheimelnden Geruch. `Ist da wer?' piepst er. Aber dann tapsen seine nervösen Füßlein wie von allein nur um so schneller, bis er wieder links herum muß. So findet er die Stufen ja nie! Die waren schließlich rechts! Ah, endlich wieder rechts!

`Hicks!'



Zweite Lage


"Es ist ein Gaukler, wie es mir scheint!" stellt Ole leidenschaftslos fest. Er scheint nicht sonderlich interessiert, vielleicht ist er aber auch nur in Gedanken versunken. Dennoch blickt er, Alriks deutendem Arm folgend auf das freie Rund auf dem Oberdeck. Ein kleines Lächeln kehrt in seine Züge zurück.

"Fiana hat sich ihr Fest schon einiges kosten lassen, das muß ich sagen!"

Bevor er den Feuerrest aus seinem Glas die Kehle hinunter rennen läßt sagt er noch:

"Auf Rahjana ..... !"

Dann schenkt er sich aus der Flasche nach.



ALRIK nickt nur stumm. Die Betrübnis, die ihn so plötzlich ergriffen hat, läßt sich immer noch nicht abschütteln. Aber vielleicht läßt sie sich ja ertränken?

Abermals setzt ALRIK das Glas an die Lippen, doch inzwischen sind seine Geschmacksnerven nur noch betäubt - oder auch abgetötet. Trotzdem bleibt ein Rest des Ekelgefühls, das trotz erneutem Feuerzuspruch nicht ganz verschwindet. Aber was macht das schon? Ist das nicht alles egal?

ALRIK fühlt sich seltsam beschwingt, als er auf Ole zu trippelt und mit einem weiten Ausfallschritt vor Ole zum Stehen kommt.

"Holla... haben wir stärkeren Seegang...?" murmelt der Junge mit einem entrückten Lächeln. Dann hält er Ole das leere Trinkgefäß auffordernd entgegen.



Ole sieht Alrik auf sich zuschwanken, eine Hand mit leerem Glas entgegen streckend. Bisher war doch alles nur eine lockere Feier gewesen und dennoch spürt Ole nun einen Hauch von Trauer und Melancholie. Und dies nicht nur innerlich, sondern auch von außen. Ole lächelt müde. Der Knabe Alrik ist wohl heute mehr zum Manne geworden, als sich dies der Schiffszimmermann hatte vorstellen können. Der Schiffsjunge fühlt sich wohl jetzt, dessen ist sich Ole sicher, in einem Zwischenraum von von gewonnen haben und verlieren werden. Nachdenklich blickt der alte Schiffszimmermann auf das leere Glas, das Alrik in der Hand hält. Oh ja, er kennt diese Situation, daß das 'Feuer' alle schmerzlichen Erinnerungen weg brennen soll. Doch der 'graue Riese' weiß, daß dies nicht gelingen kann. Doch wie sehr kann er mit dem Schiffsjungen mitfühlen. Seine Erinnerung eilt zurück und noch weiter zurück. Ole kennt den Verlust. Er kennt den Sieg und die Niederlage! Er kennt das Streben noch perfektem Handeln und Sinnen, genauso wie alle Unzulänglichkeiten, mit denen alle Menschen geschlagen sind.

Und so hat Ole das Gefühl, Alrik brauche ihn nun und er drückt alle Traurigkeit wieder in sein Innerstes zurück, um klar zu werden. Eben wie er es schon so oft getan hatte.

"Sag ehrlich, Alrik: Willst du lieber trinken oder lieber reden und erzählen? Ich werden dir die Flasche ebenso geben, so wie ich dir mein Ohr leihen würde. Du mußt dich nur entscheiden zwischen Klärung und Betäubung!"



ALRIK läßt Oles wohlmeinende Worte auf sich wirken. Seine Gedanken sind bereits etwas benebelt und so dauert es etwas länger, bis er sich über ihre Bedeutung klar wird.

Es ist der Moment gekommen, um eine Entscheidung zu treffen, da hat Ole sicher recht.

ALRIK dreht sich unbeholfen um. Seine Augen scheinen etwas zu suchen, doch die Dunkelheit, die sich inzwischen über die Stadt gelegt hat, ist allumfassend.

"Ole," beginnt ALRIK zögernd und fragend, "würdest du mein Fortbleiben decken, wenn ich jetzt noch einmal in die Stadt gehe?"

Zweifelnd sucht ALRIK Oles Blick, denn die direkten Befehle des Kapitäns lauteten ja anders. Niemand von der Besatzung sollte das Schiff in der Nacht verlassen. Außerdem hatten Sigrun und Nirka ALRIK ausdrücklich zum Aufräumen verdonnert, auch das dürfte Ole sicher nicht unbekannt sein.

"Ich bin vor dem Morgengrauen wieder zurück...." ergänzt Alrik, kaum hörbar flüsternd.



Ole zieht die linke Augenbraue hoch, das tut er immer, wenn ihm viele Gedanken auf einmal durch den Kopf gehen. Aber er lächelt dabei, er kann den Jungen nur allzu gut verstehen. Jedoch, der Gedanke, daß Alrik zu nachtspäter Stunde noch in Prem herum schleicht, ohne Begleitung und Schutz, will dem Schiffszimmermann nicht gefallen. Auf der anderen Seite kann sich Ole aber auch gut denken, daß der Junge nicht unbedingt gierig nach Begleitung sein könnte. Es ist Ole absolut klar, warum Alrik noch einmal in die Stadt gehen möchte.

'Ich würde da nur stören!' denkt sich Ole, doch wohl ist ihm nicht bei dem Gedanken, Alrik alleine ziehen zu lassen. Aber Alrik ist pfiffig und schließlich kann er nur das lernen, was man ihm an Handlungsfreiheit gibt. Der Junge muß nun lernen auf eigenen Beinen zu stehen.

Ole seufzt und spricht mit gedämpfter Stimme zu Alrik:

"Nun gut! Aber bist du auch sicher, daß du alleine gehen willst? Prem ist nicht gerade ein Dorf und so eine junge Sprotte wie du eine bist, ist schnell verloren gegangen in der Dunkelheit."

Ole macht eine kurze Pause und es ist ihm wirklich anzumerken, daß momentan zwei Seelen in seiner Brust wohnen.

"Wenn du alleine gehen willst, dann gehe bitte allem Ärger aus dem Weg und komm pünktlich zurück! Nirka zerfetzt mich sonst in tausend kleine Stücke, die dann anschließend vom Kapitän an die Haie verfüttert werden. Und als Fischfutter bin ich mir eigentlich zu schade!"

Ole versucht ein Lächeln, aber es gelingt nicht ganz.



"Ja, natürlich. Allein!" bestätigt ALRIK leise.

"Ich werde mich ganz gewiß nicht verspäten," verspricht Alrik noch, bevor er Ole sein leeres Schnapsglas in die Hand drückt. Jetzt aber nicht, um es erneut aufzufüllen zu lassen, sondern um den unnötigen Ballast loszuwerden.

"Danke!"

ALRIK zieht die kühle Nachtluft tief ein. Es wird Zeit, daß sie aufsteigen Nebelschwaden in seinem Geist sich ein wenig lichten. Der nächtliche Ausflug durch Prem, wird da bestimmt recht dienlich sein, hofft der Junge.

Mit noch unsicheren Schritten geht er noch einmal bei den aufgetischten Leckereien vorbei. Der fettige Braten ist wohl kaum das Richtige, aber eine der dort liegenden Kanten Brot wird vielleicht den üblen Geschmack auf seiner Zunge vertreiben.

ALRIK steckt das Brot ein und schaut sich unauffällig auf dem Deck um. Doch alle sind beschäftigt, niemand nimmt Notiz von dem Aufbruch des Schiffsjungen. Einzig Oles sorgenvolle Blicke glaubt ALRIK noch auf sich ruhen zu sehen, als er vorsichtig über die Planke schleicht.



Mit gemischten Gefühlen sieht Ole den Schiffsjungen verschwinden. War er bis vor wenigen Momenten noch der erhärteten Meinung gewesen, es wäre dringend an der Zeit, daß der Junge nun langsam auf eigenen Beinen zu stehen lernen müßte, so wird der Schiffszimmermann nunmehr von dem unbehaglichen Gefühl heimgesucht, einen unverzeihlichen Fehler damit gemacht zu haben, Alrik allein ziehen zu lassen. Er ist doch fast noch ein Kind.

Wer mit seinen Sorgen allein ist, der ist wahrscheinlich der einsamste Mensch auf der Welt. Und Ole fühlt sich auf einmal einsam. Er tastet nach seinem Instrument, ohne sich danach umzuschauen, denn sein Blick ist immer noch fixiert an jene Stelle in der Dunkelheit des Kais, dort wo er Alrik vorhin gerade noch hatte ausmachen können. Der Junge selbst war natürlich schon längst von der Finsternis verschlungen worden. Ole spielt ein paar traurige Melodien, ganz leise, mehr für sich selbst, als für die Gesellschaft an Bord.

"Viel Glück für dich Alrik" flüstert er. Dann hebt er noch einmal den Blick und schaut auf den Kai hinüber, dann ergänzt er:

"Viel Glück euch beiden!"



Der große Auftritt


"Oh. Oho!" entfährt es Eilif. Der arme Matrose kann es gar nicht begreifen, wie schnell und geschickt der Gaukler mit seinen Werkzeugen umzugehen vermag. Das ist fürwahr ein Kerl, der sein Handwerk versteht.

Nachdem Jarun ihm so abrupt den Dolch zwischen die Hände geklemmt hat, muß Eilif nach dem Auftritt doch noch einmal nachsehen, ob er auch wirklich keine Schnittwunde an den Händen davongetragen hat. Schmerz konnte er jedenfalls nicht verspüren. Und tatsächlich - alle Finger sind noch dran und nicht einmal ein winziges Häarchen wurde ihm gekrümmt!

Begeistert applaudiert Eilif mit und er kann es sich auch nicht verkneifen, dem Gaukler zwei, drei Mal kräftig auf die Schultern zu hauen. Aber vielleicht ist er ja auch einfach nur froh, daß er den Auftritt unbeschadet überstanden hat....



Beobachtende Matrosin


An den Großmast gelehnt verfolgt aus einiger Entfernung eine Matrosin das Spektakel, das der Papagei dort bietet. Sie hat ein etwas schmales, fein geschnittenes Gesicht mit graublauen Augen, von der Seeluft und der Sonne Al'Anfas dunklen Teint und etwas über schulterlange, leicht gewellte, dunkel-rot-braune Haare, die sie meistens zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hat. Sie ist mittelgroß und schlank, aber durchaus etwas muskulös - wie das bei Matrosen eben so ist -, obwohl sie kaum älter als 20 Götterläufe sein kann. Mit beiden Händen umfaßt, hält sie einen Weinkrug, aus dem sie ab und zu einen großen Schluck nimmt. Die Matrosin hat ein beiges Leinenhemd an, hohe Lederstiefel und eine helle gefütterte Wildlederhose, die von einen durch ein Seil improvisierten Gürtel um ihre schlanke Taille gehalten wird. Dieser "Gürtel" ist vorn zu einer Schleife gebunden und an der Seite hängt eine ziemlich abgewetzte recht kurze Scheide, aus der der Griff eines kleinen Dolches ragt. Um den Hals trägt sie eine Lederschnur, an der eine kleine geschnitzte Holzfigur hängt, die sich bei genauerem Hinsehen als ein Löwe mit Adlerflügeln und -vorderkrallen sowie einem Skorpionenschwanz herausstellt. Allerdings ist eine der Flügelspitzen bereits abgebrochen und die andere ebenso wie der Stachel am Ende des Schwanzes abgerundet, so daß die ganze Figur recht alt und abgenutzt aussieht.

Wenn sie von ihrer Position aus auch nicht alles mitbekommt, so sieht sie doch die durch die Luft fliegenden Messer und Bälle, hört das Geklingel und sieht die näher Stehenden applaudieren. Sie genießt die ausgelassene Stimmung an Bord - es kommt schließlich selten genug vor, daß ein solcher Geburtstag gefeiert wird.

'Vorgestern hatte Nadir Geburtstag - ob ich meinen kleinen Bruder jemals wiedersehen werde? Es ist so schön hier...'

Ein melancholisches Lächeln umspielt ihre Lippen.

'Auf keinem Schiff war es so nett wie jetzt auf der Nordstern. Hoffentlich bleibe ich hier etwas länger...'

Schnell wischt sie eine einzelne Träne aus dem Augenwinkel und sieht sich anschließend verstohlen um, ob es jemand bemerkt hat.



Der große Auftritt


Der Papagei genießt den Applaus und verbeugt sich mehrmals in alle Richtungen.

"Danke den beiden mutigen Helfern." Er zeigt dabei in Richtung von Eilif und Armen.

Schließlich endet der Applaus und er hebt die Arme auf eine beschwichtigende Art und Weise.

"Liebe Zuschauer, ich möchte sie alle einladen, wenn sie sich mal in der Nähe von Greifenfurt befinden, dort in meiner Gauklerschule vorbeizuschauen. Dort gibt es sowohl mehr von dem Papagei, als von einigen jungen Talenten, zu sehen."

Nach einer kurzen Pause fährt er fort.

"Das nun folgende Kunststück ist das Letzte dieses Abends, den auch ich möchte diesen Abend noch ein wenig die Feier genießen und einige Bierchen trinken."

Er schaut kurz ins Publikum und ruft dann einem der Matrose zu:

"Werter Herr könntet ihr mir bitte die drei leeren Bierhumpen dort von der Reling herüber werfen."

Wenige Sekunden später kommen die Krüge einer nach dem anderen zu Jarun geflogen.

"Ihr alle kennt sicher daß Problem, daß es nicht unproblematisch ist, drei Bierhumpen ohne Henkel zu tragen. Nun, ich habe eine Möglichkeit gefunden, es problemlos zu schaffen."

Langsam beginnt Jarun mit den dreien zu jonglieren. wobei sich die Krüge um die eigene Achse drehen. Doch schon nach kurzer Zeit bricht er ab.

"Ihr werdet jetzt wahrscheinlich sagen, daß die Krüge ja leer sind und daher dieses Kunststück ohne sinnvolles Anwendungsgebiet ist, weil ja nur volle Krüge, gute Krüge sind."

Während dieser Worte bewegt er sich schnellen Schrittes zu den Bierfässern herüber und füllt dort jedes bis knapp unter die Hälfte.

Die Krüge umständlich zwischen Arme und Brust geklemmt, kommt er zur Mitte der Bühne zurück. Vorsichtig nimmt er die Krüge mit den Fingerspitzen in die Hände.

"So, dann bleibt mir nur noch eines zu sagen. PROST!"

Mit diesem Wort schmeißt Jarun ein Bierhumpen nach dem anderen in die Luft. Obwohl sie teilweise in der Luft auf dem Kopf stehen, fällt das Bier nicht auf die Planken des Schiffs. Ab und an schwappt ein bischen des Bieres über den Rand. Doch an sich gelingt dieses Kunststück zu Jarun's vollster Zufriedenheit.

Bis zu dem Zeitpunkt, wo einer der Bierkrüge aus seiner Hand entgleitet und scheppernd auf den Brettern in viele Scherben zerspringt. Mit verlegener Miene schaut Jarun in die Runde der Zuschauer.

"Ich denke Phex will mir ein Zeichen geben, daß es wirklich genug für heute ist."

Dabei setzt er wieder ein breites Grinsen auf und nimmt einen Zug aus einem der Humpen.

Ein letztes Mal verbeugt er sich, in jeder Hand einen Krug haltend, vor dem Publikum.



Beobachtende Matrosin


Weiterhin sieht Xenia der Vorführung zu, allerdings nur mit halber Aufmerksamkeit, denn sie läßt ihren Blick über die Zuschauer schweifen.

'Alle scheinen glücklich zu sein - das sollte ich eigentlich auch...'

Sie zuckt zusammen, als Jarun den Bierkrug fallenläßt und beißt unbewußt die Zähne aufeinander.

'Was ein Glück, daß das nicht vorher bei den Messern passiert ist!'

Die Matrosin blickt nachdenklich in ihren Weinkrug, während sie sich ausmalt, was alles hätte passieren können. Dann schüttelt sie sich kurz und nimmt einen tiefen Schluck aus ihrem Krug.



Die Vorführung scheint beendet, so daß sich Xenia fragt, was sie wohl als nächstes tun kann. Nach Feiern ist ihr eigentlich immer noch nicht recht zumute...

Leicht unschlüssig stößt sie sich vom Großmast ab und bahnt sich ihren Weg Richtung Backbord, wo sie an der Reling stehenbleibt und ins tiefschwarz scheinende Wasser hinab blickt.



Schließlich stößt sich Xenia auch von der Reling wieder ab, dreht sich um und blickt über das Schiff, mustert die Matrosen, Gäste und Vorgesetzten, die sich dort tummeln.

'Nanu, vor kurzem war der alte Zimmermann doch noch in Gesellschaft - wo ist Alrik nur hin?'

Suchend blickt sie sich auf dem Oberdeck um.

'Hm, wird wohl unter Deck gegangen sein...' tut sie den vorigen Gedanken mit einem Schulterzucken ab und nimmt zum wiederholten Male einen großen Schluck aus ihrem Weinkrug - um festzustellen, daß er inzwischen leer ist. Xenia reckt den Hals und dreht über ihrem Mund den Krug ganz auf den Kopf, um spielerisch die letzten Tropfen Wein mit der Zunge aufzufangen, wobei sie nur ein kleines bißchen schwankt.



Beobachtender Kapitän


Auch bei der neuen Aufführung applaudiert der Kapitän, und angesichts des zerschellendes Kruges huscht ein kurzes Lächeln - fast ein beruhigtes - über seine Züge, beweist dies doch, daß da keine Magie am Werke ist, sondern daß auch dieser Künstler ein Mensch ist, der auch einmal kleine Fehler macht.

Er steigt unbewußt noch eine Stufe höher, und überdenkt die zurechtgelegten Worte noch einmal, während seine Augen auf dem Deck zwischen den Feiernden nach Nirka suchen.



Magier unter sich


"Eine wirklich beeindruckende Vorführung, findet ihr nicht Adept ?"

Wendet sich Belvolio an Darian als der "Papagei" die Vorstellung beendet hat.



Darians Augen hängen gebannt an der Vorführung des Papageis, verfolgen das Spiel der Bälle, der Dolche und der Krüge.

´Die besten Zauber sind die, die gar keine Magie benötigen,´ das hatte einmal ein anderer Magier gesagt, als er die Naivität der abergläubischen Bevölkerung ausnutzte um einen ´Fluch´ zu sprechen, der keinerlei astrales Wirken enthielt, jedoch grosze Wirkung zeigte. Dieser Satz geht Darian jetzt durch den Kopf als er die Kunst des Gauklers beobachtet, der die Menschen besser zu beeindrucken weisz, als so mancher Illusionist.

Als am Schlusz einer der Krüge zu Boden fällt musz er lächeln, ´ja auch dem besten Zauberer geht mal ein Spruch fehl.´

Als Jarun dann das Ende seines Auftritts verkündet, wendet sich der Adeptus von der Bühne ab und wieder den anderen Magiern zu.



Moritat


Eine kleine Weile denkt Ole noch über Einsamkeit und Zweisamkeit nach, darüber was die Liebe dem Menschen bringt und was sie ihm zerstört und über das Glück oder Unglück, das einem dabei ereilen kann. Doch als er bei seinen Überlegungen zu keinem brauchbaren Ergebnis kommen kann, nimmt er wieder sein Instrument etwas fester zur Hand. Bei seinen Grübeleien ist ihm ein Lied eingefallen, daß ihm im Moment gut zu seiner inneren Traurigkeit zu passen scheint. Es ist mehr eine Moritat, als ein Lied und so beginnt Ole, und es ist ihm völlig egal, ob ihm jemand zuhört oder nicht, mit seiner musikalischen Geschichte.

"Höret, höret, höret die traurige Geschichte der 'Liebenden zu Liskor'. Es ist eine Gschichte, wie sie sich jeden Tag abspielen kann und die sich fortpflanzt durch alle Generationen, seit es die Seefahrt gibt und solange es die Seefahrt geben wird."

Und nach einem kleinem Vorspiel, im leiernden Rhythmus einer Moritat, mit reichlichen Moll-Klängen, die scharf darauf hindeuten, daß die Geschichte wohl keinen heiteren Verlauf nehmen wird, beginnt Ole zu singen:


"Es lagen zu Liskor am Strand

zwei glücklich Verliebte im Sand.

Sie waren allein ringsumher

und gaben Frau Rahja die Ehr'.


Nicht ungetrübt war wohl ihr Glück,

es lag ihnen Trauer im Blick.

Es gibt keinen Trost oder Rat,

weiss man, der Abschied, er naht!


Das Mädchen weinte gar sehr:

'Du willst hinaus auf das Meer?

Warum denn zieht es dich fort,

weg von der Liebsten am Ort?'


Der Jüngling schaute sie an:

'Du weißt selbst, daß ich nicht anders kann.

Auch ich fürchte stürmischen Tod,

doch es ist ein stattliches Boot.'


Sie sagte:'Ich warte auf dich!

Es ist ein Prüfung für mich!'

Und gab ihm zum Abschied als Gruß

noch einen letzten zärtliche Kuß!


Es war im Monde des Phex

da stand er am Rande des Decks

und sah in die Ferne hinaus,

dachte an die Liebste zu Haus.


So zogen die Jahre durchs Land,

doch einsam und leer blieb der Strand!

Sie wartete hoffnungsvoll, doch:

Nur der Traum, nicht das Wissen blieb noch.


Sie fragt sich, mit sinkendem Mut:

Ob am Grunde des Meeres er ruht?

Mit blutendem Herzen sie schreit:

'Frau Marbo, bitte gib ihm Geleit!'


Es stand zu Liskor am Strand

eine Mutter, den Sohn an der Hand

und sah hinaus auf das Meer,

der Liebste, er kam niemals mehr.


Der Knabe mit fragendem Blick,

sucht seines Lebens Geschick.

So blieb es ihm eisern im Sinn,

hinaus auf das Meer muß ich hin."


Damit schließt Ole und er senkt den Blick. Es scheint, als habe er keine Lust mehr weiter zu singen.



Ein Brief

Als Torin die Tür zu seiner angemieteten Dachkammer öffnet, kommt ihm ein Schwall warmer, miefiger Luft entgegen.

'Phuh,' entfährt es Torin, als er die kleine Kammer betritt 'das riecht vielleicht streng!'

Er blickt sich um. An der rechten Wand unter der Dachschräge steht ein hölzernes Bett. Dem gegenüber steht ein kleiner Schrank; beide haben ihre besten Tage längst hinter sich. Sonst steht in der Kammer nur noch ein Tisch, auf dem eine Kerze für die Nacht steht.

Torin schließt die Türe ab, wirft seinen Stab auf das Bett, stellt seinen Rucksack vor den Schrank und stellt den Vogelkäfig vorsichtig daneben. Dann öffnet er das Fenster, das in der Wand vor ihm eingelassen ist. Frische kühle Luft strömt in die Kammer.

'Ah, das tut gut.' denkt er sich. Dann schiebt er den Tisch vorsichtig an das Fenster. Als der Tisch am Fenster steht, kramt er aus seinem Rucksack Pergament, Feder und Tinte hervor, setzt sich und beginnt zu schreiben:


_______________________________________________________

I Phex zum Gruße, Vater

I

I endlich bin ich in Prem angekommen. Zur Zeit wohne ich in einer Taverne.

I Morgen früh habe ich eine Audienz bei Krull, dem Sohn des Born, Graf

I von Prem. Von ihm hoffe ich den Aufenthaltsort von Liasanya zu erfahren.

I

I Dies ist meine letzte Brieftaube, weshalb meine nächste Nachricht wohl

I etwas später kommt.

I

I Grüße an dich und den Rest der Sippe

I

I Torin Rotmarder

I

_______________________________________________________


Torin faltet den Brief, holt die Taube aus ihrem Käfig und bindet ihr den Zettel an den Fuß.

'Flieg, meine Kleine, flieg nach Hause!' ruft er ihr nach, als er sie aus dem Fenster wirft. Er sieht ihr nach, wie sie im Dämmerlicht der untergehenden Sonne über die Stadt fliegt. Dann wendet er sich ab und zündet die Kerze an, um die aufkommende Dunkelheit zurückzudrängen.

'Ja Liasanya, meine Elfe;' murmelt Torin leise zu sich selbst 'trotz all dem Schmerz und dem Kummer, den du über mich gebracht hast, kann ich dich dennoch nicht hassen. Aber sobald ich das Goldeichenherz wiederhabe, bin ich endlich frei.'

Im flackernden Licht der Kerze kommen Torin die Geschehnisse wieder in den Sinn:

'Die Suche nach dem verschwundenen Vater Rotmarder, das erste Treffen mit Liasanya, ihre gemeinsame Nacht und das Goldeichenherz, das er eigens für sie anfertigen ließ. Das Versprechen, immer für sie zu sorgen und der Schwur auf das Goldeichenherz.'

Torin schüttelt in Gedanken den Kopf.

'Warum mußte uns das Schicksal trennen?'

Mit leeren Augen blickt er in die Dunkelheit über der Stadt.



Erst als die Kerze verlischt, merkt Torin, wie lange er schon regungslos vor dem offenen Fenster steht. Die kalte Nachtluft weht in die Kammer. Gerade, als er das Fenster schließen will, um im Schankraum zu essen und seinen Kummer im Wein zu ertränken, bemerkt er im Mondlicht auf einem der Dächer eine Bewegung. Einem normalen Reisenden wäre diese nicht aufgefallen, doch Torins geschulte Augen kennen diese Bewegungen gut. Zu oft haben er und seine Geschwister auf den Dächern Gareths geübt. Ein Lächeln umspielt Torins Lippen.

'So weit in der Fremde trifft man doch noch Bekannte. Das wird ein Spaß!'

Gewandt entledigt er sich seiner Lederkleidung und des Hemdes und legt seine schwarze Samtkleidung an. Er zieht seine schwarze Haube über den Kopf und schwingt sich auf das Dach.



Vorsichtig schleicht Torin über die Dächer. Er weiß, daß hier oben ein falscher Schritt auch der letzte sein kann.

'Es ist doch schon eine ganze Weile her seit meinem letzten Ausflug dieser Art.'

Er blickt vorsichtig in die Tiefe. Etwa zehn Schritt unter sich befindet sich die nahezu leere Gasse. Nur ein junger Bursche hat scheinbar den Weg nach Hause noch nicht gefunden.

Die kühle Brise, die vom Wind her weht, trägt die Geräusche einer Feier an seine Ohren. Aus dem Augenwinkel sieht Torin, daß auf einem der Schiffe ein Fest im Gange sein muß. Jedenfalls ist bis auf dieses Fest alles ruhig.

Torin hebt den Kopf und orientiert sich wieder nach dem Schatten, der noch zwei Dächer von ihm entfernt ist. Leise läuft er los.



Prem bei Nacht


Unbeirrt stapft ALRIK durch die Dunkelheit. Obwohl die Straßen und Gassen ganz anders wirken als im hellen Sonnenlicht des Tages, fällt es ihm nicht schwer, sich an den Weg zum Badehaus zu erinnern. Jede Einzelheit, jedes kleine Detail scheint sich fest in sein Gedächtnis verankert zu haben.

Anfänglich fällt ihm das forsche Gehen noch etwas schwer. Er fühlt sich müde und seine Beine sind träge. Das Verkosten des ungewohnten Premer Feuers hat deutliche Spuren bei ihm hinterlassen.

Es ist recht ruhig in den Strassen der Stadt. Nur vereinzelt kann ALRIK Gestalten erblicken, die sich langsam aus der Dunkelheit lösen, näher kommen, um dann schließlich wieder mit der Dunkelheit zu verschmelzen.

Nun ist es nicht so, daß ALRIK Begegnungen fürchten würde, er geht diesen einfach nur aus dem Weg. Einmal versteckt er sich in einem dunklen Hauseingang, als zwei gröhlende Zecher seinen Weg kreuzen, beim nächsten Mal wartet er so lange hinter einer Strassenecke, bis eine Gruppe von lärmenden Matrosen vorbeigezogen ist.

Doch gibt auch willkommene Eigenschaften, die das Feuer in ALRIK zum Vorschein bringt. Der Junge fühlt sich zuversichtlich. Nicht einen Gedanken verschwendet er daran, daß Rahjana gar nicht beim Badehaus sein könnte, oder daß sie ihn vielleicht sogar überhaupt nicht sehen möchte. Nein, so was wird nicht passieren. Sie wird dort sein - sie muß einfach dort sein! Mit dieser festen Zuversicht geht ALRIK weiter, bis er schließlich vor dem Badehaus ankommt.

'Doch was nun?'

Das Haus liegt im Dunkeln, keine Menschenseele ist hier zu sehen oder zu hören. Nachdenklich tritt ALRIK von dem imposanten Eingangsportal wieder zurück.

'Vielleicht gibt es irgendwo... ein Fenster... ein Lichtschein...irgend etwas... ein Hinweis... ein Wink, der ihn zu Rahjana führt...'

ALRIK schickt sich an, das Haus zu umrunden.



Das Badehaus liegt ruhig und stumm in der Dunkelheit der Gasse, aber es zeigt sich nicht leblos. In den Fenstern der oberen Stockwerke ist immer noch Licht zu sehen, das Badehaus ist also noch in Betrieb, der späten Stunde zum Trotz oder vielleicht sogar gerade deshalb, da die Nacht schon fortgeschritten zu nennen ist, also zu einer Zeit, da ein Badehaus weniger wegen der Reinlichkeit des Körpers wegen, sondern mehr zur Huldigung der 'schönen Göttin' aufgesucht wird. Kein Laut aber dringt auf die Straße, das Mauerwerk des Hauses ist dick genug, um jedes Geräusch von innen diskret zu unterdrücken. Doch hinter den beleuchteten Fenstern kann man öfter die bewegten Konturen menschlicher Körper sehen, die dem Betrachter von der Straße ein frivoles Schattenspiel anbieten.

Links neben dem Haus führt eine kleine Gasse den Hang hinauf, es ist die einzige Möglichkeit von Außen zur Rückseite des Gebäudes zu gelangen, allerdings steht ein mannshohe Mauer im Weg, die einen kleinen Park einfriedet, der offensichtlich zum Haus gehört. Doch trotz dieses Hinternisses ist auch hinter dem Gebäude deutlich auszumachen, daß in dem Haus noch Hochbetrieb zu sein scheint.

Durch den Lichtschein in den oberen Fenstern ist der kleine Platz vor dem Badehaus leidlich gut ausgeleuchtet, jeder, der sich dem Haus nähert oder sich von ihm entfernen will, ist gut zu sehen. So wie jene zwei Männer, vornehmer Bürger, wie ihrer Kleidung auszusagen versucht, die sich mit unsicheren Schritten, zweifellos ein Folge ungehemmten Alkoholgenußes, dem Portal des Badehauses nähern, um dort lautstark Einlaß zu verlangen. Nach kurzer Zeit öffnet sich das Portal langsam und knarrend.



Etwas verblüfft nimmt ALRIK zur Kenntnis, daß es beim Badehaus trotz der fortgeschrittenen Stunde gar nicht so verlassen ist, wie er es zuerst vermutet hat. Kaum hat der Junge die Seitenfront des Hauses erreicht, schon kann er die Schritte mehrerer Personen, tiefe Stimmen und dann sogar das Knarren der Eingangstür vernehmen.

Vorerst drückt sich ALRIK weiter unauffällig an die kalte Hauswand und wartet still ab, was geschieht. Er mag es kaum glauben, daß den Herren tatsächlich jetzt noch Einlaß in das Badehaus gewährt wird.

Doch wer mag ihnen wohl aufgemacht haben, vielleicht ist es gar Rahjana selbst? Von einer plötzlichen Unruhe ergriffen, hastet ALRIK schnell an die vordere Hausecke zurück und späht vorsichtig um die Ecke.



Als die Tür geöffnet ist, fällt Lichtschein aus dem Haus und beleuchtet die beiden Männer, Seefahrer, wie es scheint. Doch es sind keine einfachen Seefahrer, denn eine helle Stimme gibt Kund:

"Efferd zur Ehre, Herr Kapitän, wie haben euch schon erwartet!"

Der Angesprochenen wirft sich in die Brust, als versuche er Würde durch Strammstehen zu dokumentieren und bemüht sich, seines alkoholbedingt lädierten Zustands zum Trotz, geraden Wegs in das Haus zu kommen. Sein Begleiter hat da weit weniger Glück. Als er sich anschickt es dem Kapitän nachzutun, rutsch er aus und fällt böse auf die Stufen. Offensichtlich hat er sich dabei verletzt, denn er hält sich wehklagend das rechte Schienbein. Doch lange muß er nicht liegen, eine Frau eilt aus dem Haus und hilft ihm wieder auf die Beine. Die Frau trägt einen wallendes, sehr leichtes Kleid, doch sie ist schwarzhaarig, es ist nicht Rahjana. Mühsam schleppt sie den Gestürzten ins Haus. Die Türe läßt sie offen stehen und sie ruft, noch ehe sie mit dem Verletzten im Haus verschwindet:

"Könnte jemand einmal die Türe schließen? Ich habe hier alle Hände voll zu tun!"



Daraufhin hält es ALRIK nicht mehr in seinem Versteck aus. Gleich wird gewiß jemand zur Türe kommen, den man fragen kann. Das ist allemal besser, als hier wie ein gemeiner Dieb um das Haus zu streifen und dann wohlmöglich unverrichteter Dinge wieder gehen zu müssen.

Kurzum biegt ALRIK um die Ecke, saust auf die Tür zu und hält diese dann mit einer Hand fest, um zu verhindern, daß sie wieder zugetan wird, noch bevor er seine Fragen stellen kann. Die unverhoffte Helligkeit blendet ihn ein wenig, als er schließlich zögernd in den Eingang tritt.

"Verzeihung, aber ist hier jemand?!"



Auf den Dächern von Prem


Leise huscht Phexane von Schatten zu Schatten. Sie hat nun die Kapuze ihres Umhangs übergezogen und versucht möglichst keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Als sie in eine etwas belebtere Straße einbiegt, bleibt sie wie angewurzelt stehen: der Thorwaler, dem sie das Geld gestohlen hatte, stand zusammen mit noch zwei Kumpels vor einer der Tavernen und lallte irgendwas.

"Bei Schwafnir - dasch gansse Geld h-hat sie genommen! Wenn ich die kriech, dann..." Er versucht noch anzudeuten, daß sie sich auf eine Tracht Prügel gefaßt machen kann, fällt aber dabei beinahe um.

Phexane bleibt im Schatten stehen. Ein ungutes Gefühl bemächtigt sich ihrer, doch dann fällt ihr Blick auf das niedrige Dach des Hauses, das gegenüber von ihr steht. Geschickt klettert sie hinauf.

Oben angekommen schaut sie sich kurz um - von hier aus kann man bis zum Hafen blicken - sogar die "Nordstern" ist zu sehen. Doch dann macht sie sich auf, schleicht behende von Dach zu Dach - wie eine Katze, die sich auf die Jagd gemacht hat.

Kurz darauf erreicht sie ein Dach nahe des Thorwalers. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen.

'Hätte ich jetzt Pferdedung, würde ich es herunter schmeißen - egal, wie gefährlich das wäre!'

Sie sieht in die Richtung, in der das Gasthaus, zu dem sie hin will, liegen muß. Wieder läuft sie leise von Dach zu Dach, wagt Sprünge, die ein normaler Mensch nicht machen würde. Doch dann stoppt sie. Unten in der Gasse scheint sie etwas gesehen zu haben, was ihre Aufmerksamkeit erregt: Gardisten! Sie hockt sich nahe des Randes hin und sieht nach unten. Glücklicherweise haben sie sie nicht entdeckt.

Sie bleibt so noch einen Moment länger hocken und guckt den Gardisten nachdenklich hinterher.



Auf den Dächern von Prem


Sicher setzt Torin einen Fuß vor den anderen, doch er merkt rasch, daß der andere Schatten ebenfalls sehr geschickt ist. 'So werde ich ihn nie erreichen.' denkt er sich und schickt ein kurzes Gebet an Phex. Und als hätte dieser ihn erhört, kniet die Person plötzlich nieder.

Er lächelt innerlich 'Phex zum Dank!'

Dann setzt Torin zu einem Sprung über die Gasse an und landet erwartungsgemäß leise auf dem Dach des anderen Hauses. Er sieht die Person, die am Rand des Daches kniet und herunter späht. Leise schleicht er sich die letzten Schritte heran und bleibt hinter der Person stehen. Dann zischt er sie auf füchsisch an:

„He Mark, kleiner Bruder, was machst du hier in Prem?"



Phexane dreht sich rasch um und zieht ihren Dolch. Aufgrund dieser schnellen Drehung, rutscht die Kapuze herunter, und ihr Haar weht offen im kühlen Nachtwind. Ihr Herz klopft ihr bis zum Hals, und sie schaut die Person mit vor Schreck geweiteten Augen an - ein vollkommen schwarzgekleideter Mann.

Doch sie überlegt nicht lange - sie schlägt ihm den Knauf ihres Dolches an die Schläfe!



Torin stockt der Atem. Im fahlen Licht kann er ihr hübsches, angsterfülltes Gesicht erkennen, ihr langes Haar weht im Nachtwind.

"Du bist nicht mein Bruder, du bist... ein Mädchen!" stammelt er.

In seiner Überraschung reagiert Torin kaum, als ihm der Knauf des Dolches am Kopf trifft. Ihm wird schwarz vor Augen, als er getroffen niedersinkt.



Als dieser Unbekannte zu Boden sinkt, steht sie noch einen Moment lang da und schaut zu ihm herab. Sie war, als er von hinten an sie herantrat, vollkommen in Gedanken gewesen und hatte sich somit ziemlich erschrocken.

Sie kniet zu ihm hinab; immer noch mit dem Dolch in der Hand.

'Was wollte der von mir? Er hat füchsisch gesprochen. Ist er vielleicht ein Dieb? Oder ein Phexgeweihter?'

Sie mustert ihn. Anscheinend trägt er keine Waffen. Zumindest nicht sichtbar. Sie tastet ihn ab, kann aber nichts finden - weder Waffen, noch irgendwelche Wertsachen, die sie hätte mitnehmen können.

'Ich sollte aufpassen - daß ich ihn nicht kommen gehört habe, zeigt doch, wie unaufmerksam ich sein kann.'

Phexane steht wieder auf, steckt den Dolch weg und setzt ihren Weg zu dem Gasthaus fort.

Es dauert nicht lange, bis sie es erreicht hat. Sie springt auf einen niedrigen Schuppen, der zu dem Gasthaus gehört und späht zum Fenster hin. Es ist offen, aber kein Licht brennt.

Leise klettert sie auf die Fensterbank. Dank dem hellen Mondschein kann sie erkennen, daß auf dem Tisch ein Rucksack liegt. Dennoch befindet sich im Moment niemand in diesem kleinen Raum und so schleicht sie leise hinein.

'Ich hatte es mir noch mal im Bett angesehen - daran kann ich mich jetzt wieder erinnern. Also wird es wohl dort irgendwo liegen.'

Sie geht zum Bett hinüber und tastet die Oberfläche ab. Doch offenbar scheint es hier nicht mehr zu liegen. Sie geht auf die Knie und tastet den Boden unterhalb des Bettes ab. Es dauert einen kleinen Moment, doch dann hat sie tatsächlich etwas in ihrer Hand: einen kleinen blauen Samtbeutel! Ihr Gesicht hellt sich nun auf und sie drückt den Beutel kurz an ihr Herz.

Sie schaut dann noch mal zum Rucksack, der auf dem Tisch liegt, aber da hört sie auch schon Schritte auf dem Gang. Schnell schwingt sie sich durch das Fenster wieder hinaus.

Draußen springt sie auf ein nahes Dach. Dort setzt sich hin und holt den Inhalt des Beutels hinaus: ein braunes Lederband, an dem ein geschnitzter Holzanhänger baumelt.

Der Anhänger soll wohl so etwas wie ein Tier darstellen: es hat vier Beine, wobei jedes eine andere Dicke und Länge hat; es besitzt etwas, das Ähnlichkeit mit einem Pferdekopf hat und einen knubbeligen Schwanz. Für einen Erwachsenen wäre es wohl eine schlampige Arbeit; für einen Fünfjährigen aber, der bisher noch nie ein Messer in der Hand gehalten hatte, war es schon eine beachtliche Leistung. Sie streicht gedankenverloren über den Anhänger.

'Wie ist Dir wohl jetzt geht, mein Kleiner? Ich wünschte, ich könnte mich an die Seßhaftigkeit gewöhnen!'

Sie seufzt noch einmal leise, schaut zu den Sternen hinauf und packt dann den Anhänger samt Lederband in den Beutel.

''Schon komisch: ich trage ihn nie, weil ich Angst habe, ihn zu verlieren. Aber dann verliere ich ihn doch!'

Sie steckt den kleinen Beutel in eine Hosentasche und macht sich dann auf den Weg Richtung Hafen.



Etwas außer Atem kommt Phexane am Hafen an. Sie will möglichst wenig von der Feier verpassen und hofft darauf, daß auch der Gaukler noch ein paar Kunststücke zum besten geben wird.

Sie geht die Planke hinauf an Bord und schaut sich erstmal um, ob sie irgendwo ihren Bruder Alrik entdecken kann.



Jarun nach dem Auftritt


Die Vorstellung ist vorbei und das Publikum wendet sich langsam von der Bühne ab, um ihre Gespräche weiterzuführen. Jarun kramt in seinem Geldbeutel und holt zwei Silbertaler heraus. Bevor Eilif in der Menschenmenge verschwindet, ruft er ihm hinterher:

"Eilif, kannst du bitte dafür sorgen, daß der Schiffsjunge oder irgend jemand anderes den zerbrochenen Krug wegräumt. Hier ist ein Silberling für den Schiffsjungen und einer für den zerbrochenen Krug. Danke!"

Mit diesen Worten schnipst er dem Matrosen nacheinander die beiden Silbertaler zu.

Nach der Schuldbegleichung sammelt er seine Schwerter und Jonglierbälle auf, orientiert sich kurz auf dem Deck und schlendert zielstrebig mit den beiden Krügen in der Hand auf eine Matosin zu, die an der Reling steht und sich gerade den letzten Tropfen ihres Getränkes in den Rachen schüttet.

"Möge Phex dafür sorgen, daß eure Kehle immer geölt ist." Spricht er die Matrosin lächelnd an, wobei er ihr einen der beiden halbvollen Krüge reicht.



Zerbrochenes

Ole spielt doch noch ein paar wenige Stücke auf seinem Instrument, doch kaum einer hört noch zu. Die Stimmung ist wohl auch ohne Begleitmusik auf dem Höhepunkt und diejenigen, die Oles Melodien zu mit zu gröhlen versuchen, singe derart falsch, daß es einem empfindlichen Gehör schmerzen muß. Also klemmt sich Ole das Bandoneon unter den einen Arm, die Flache mit 'Premer Feuer' unter den anderen und schlendert dem Abstieg zum Unterdeck entgegen, um das Instrument wieder aufzuräumen. Er fürchtet Schaden für das Bandoneon wenn er es auf dem Oberdeck lassen sollte, denn es geht schon ziemlich wild zu, hier auf den Planken.

Ole schaut kaum nach links oder rechts als er über das Deck geht, das Treiben interessiert ihm kaum noch, auch nicht der Gaukler, der gerade seine Utensilien zusammen räumt. Er wird erst hellhörig, als der Gaukler Eilif gegenüber die Bitte äußerst, er möge den Schiffsjungen beauftragen, die Scherben eines Kruges zusammen zu kehren. Ole hält ein und sagt zu Eilif:

"Laß mal gut sein, ich räume das schon weg, ich habe im Augenblick sowieso nichts zu tun!"

Ole bemüht sich seiner Stimme einen besonders gelangweilten Unterton zu verleihen, um Eilif glaubend zu machen, daß dem alten Schiffszimmermann momentan nichts schöneres passieren könnte, als Scherben vom Boden zu fegen. Hoffentlich stellt Eilif keine Fragen.


Unruhig sieht sich Ole nach einem Gegenstand um, den man als Besen gebrauchen könnte. Nachdem er allerdings zunächst beim besten willen nichts finden kann, beginnt er erst einmal die großen Scherben vorsichtig vom Boden aufzuheben. Dann breitet er ein kleines Tuch aus, auf dem er die Bruchstücke legt. Ole muß ganz schön umher suchen, alle Scherben ausfindig zu machen, das Gefäß muß mit ungeheurer Wucht aufgeprallt sein, soweit liegen die Trümmer verteilt. Aber endlich hat sie der alten Schiffszimmermann alle zusammen gesammelt, zumindest, soweit er sie entdecken konnte. Kleinere Scherben sind im Flackerlicht der Laternen kaum auszumachen. Da er keinen Besen hat, nimmt Ole einfach eine herumliegende Jacke und 'wedelt' alles, was an Scherben sich noch zwischen den Planke verbergen könnte in ein dunkles Eck des Schiffes. Dort kommt keiner hin, gewöhnlicher weise nicht, dort kann sich keiner verletzen. Und morgen wird das Tageslicht schon anzeigen wieviel Unrat allgemein und im speziellen noch entfernt werden muß. Ole hält die Jacke über die Reling und schüttelt sie tüchtig aus. Um ein Haar wäre sie ihm entglitten. Es wäre ihm schon etwas peinlich gewesen, wenn irgendeiner der Gäste die treibende Jacke auf den Wellen entdeckt hätte und dabei hätte mutmaßen müssen, daß ein Mensch über Bord gegangen sein könnte. Dsa hätte vielleicht ein Hallo gegeben. Ole legt die Jacke wieder zurück, genau dort, woher er sie genommen hatte, niemand hatte sie unterdessen vermißt. Das ist auch ganz gut so. Ole wischt hin und wieder, sozusagen stichproben mäßig, mit dem Fuß über das Deck. Nichts knirscht, nichts holpert, die Scherben sind also gut entfernt.

'Braver Ole!' denkt er sich und nimmt, da er denkt er habe nun eine Belohnung verdient, einen angemessenen Schluck aus seiner Flasche.



Ole lehnt sich an die Reling, etwas abseits vom turbulenten Treiben an Bord, hängt ein bißchen seinen Gedanken nach und stopft sich eine Pfeife dabei. Er versucht möglichst ruhig zu bleiben und mag sich nicht eingestehen, daß er von einer steigenden Nervosität befallen wird. Immer öfter ertappt er sich dabei, daß er die Hafengegend absucht, ob er nicht den Schiffsjungen wieder zurückkehren sehen könnte. Doch könnte er ohnehin nicht viel erkennen, obwohl das Madamal hell leuchtet und auf der NORDSTERN zahllose Laternen entzündet sind. Die Häuser am Kai schlucken das Licht wie ein Wal das Plankton und so ist die Gegend in schwärzeste Finsternis getaucht. Er hätte Alrik erst sehen können, wenn dieser schon ganz nahe beim Schiff gestanden hätte und so scheint es nutzlos auf eine weitere Distanz nach ihm Ausschau zu halten. Doch Ole kann nicht anders. Er macht sich Sorgen. Niemals hätte er den Schiffsjungen alleine ziehen lassen sollen. Mehrmals muß der alte Schiffszimmermann den Impuls unterdrücken, aufzuspringen und die Stadt nach Alrik abzusuchen. Aber dann kann er immer wieder selbst überzeugen, daß bei einer solchen Handlung wohl kaum viel Erfolg zu erwarten gewesen wäre.

Aber irgend etwas ist nicht in Ordnung! Ole spürt das! Die Hilflosigkeit und der Zwang zu Tatenlosigkeit machen ihn schier verrückt. So sucht er Trost im Gebet:

"Herr SWAfnir - stehe ihm bei, gib ihm Schutz und Kraft. Es ist ein guter Junge und er hat deine Aufmerksamkeit verdient! Bringe ihn sicher zurück!"

Ole wartet.........



Prem bei Nacht


Nicht nur die Helligkeit, sondern auch Dampfschwaden, die mittlerweile, seit dem Nachmittag, da Ole und Alrik das Badehaus besucht hatten, sogar schon bis dem Gang zum Vorraum vorgedrungen sind, behindern die Sicht. Es ist unglaublich schwül und warm hier, der Boden und die Wände sind tropfnaß.

Irgend jemand kommt auf Alrik zu, doch der Schiffsjunge kann nur Konturen erkennen. Die Person ist barfuß, das kann Alrik hören, weitere Einzelheiten bleiben ihm aber verborgen. Wahrscheinlich ist es die Person, die gebeten worden war, die Türe zu schließen. Es ist eine sehr schlanke, nicht eben große Gestalt, die sich ihm nun nähert, nicht unbedingt eine Erscheinung, vor der man Angst haben muß. Doch ehe Alrik mehr erkennen kann, hört er eine klare, reine und nicht ganz unbekannte Stimme:

"Herr Alrisco, was macht ihr den hier zu so später Stunde??????"

Aus dem Dampf, der das Licht wie eine Korona rund um ihren Körper erstrahlen läßt, tritt Rahjana hervor. Ihr Haar hängt ein bißchen feucht strähnig herab, zweifellos eine Folge der Schwüle hier. Sie trägt eine leichte, sehr kurze, seidene Tunika, die ihr an verschiedenen, durchaus reizvollen Stellen an der Haut klebt. Rahjana ist ehrlich verblüfft Alrik zu sehen, doch kann sie schon nach kurzer Zeit ihre Verwunderung abschütteln und reine Freude verbreitet sich auf den glatten Zügen ihres Gesichtes.

"Alrik!!!" sagt sie, und nicht Herr Alrisco, wie sie es sonst beharrlich zu tun pflegt "Ich freue mich dich zu sehen. Was hat dich denn hierher getrieben, wollte ihr nicht auf euerem Schiff feiern? Und wo sind denn die schönen Kleider, die wir dir schenkten, haben sie dir nicht gefallen ............... ?"

Rahjana merkt, daß sie etwas ins Plappern geraten war, darum unterdrückt sie jetzt ihren Redefluß und senkt, etwas beschämt, den Blick.



Und schon haben sich für ALRIK alle Fragen erübrigt. Vergessen sind die Worte, die er sich eben noch so schön zurechtgelegt hatte. So lächelt er nur verlegen, bis er dann schüchtern die Hand der blonden Schönheit ergreift und sanft drückt.

"Nicht was mich hierher getrieben hat, ist die rechte Frage, sondern wer", beginnt ALRIK. Doch kaum hat er es ausgesprochen, da kommt ihm diese Bemerkung auch schon wieder furchtbar dumm und albern vor.

Noch immer hält der Junge Rahjanas Hand fest, fast wirkt es so, als hätte er Angst, daß sie fortlaufen könne, wenn er sie jetzt loslassen würde.

"Ich bin so froh, daß du noch hier bist. Kannst du... hast du... vielleicht etwas Zeit für mich...?" fragt ALRIK vorsichtig nach.



Noch immer im Banne der Überraschung offensichtlich, starrt Rahjana auf ihre Hand, die von Alrik umklammert wird. Hin und her wird sie gerissen und der Ausdruck ihrer Augen wechselt ständig zwischen Freude und Besorgnis.

"Wegen mir bist du gekommen?" fragt sie ungläubig "Darf das sein, daß Rahjas Geschick auch mein Dasein erhellen würde?"

Sie zögert einen Moment, dies ist ganz genau zu spüren, doch dann geht ein Ruck durch sie hindurch und sie breitet die Arme aus, umarmt den Jungen wie ein Krakenmolch, doch nicht wie ein solcher, um ihn zu erdrücken, sondern um ihn ganz nah bei sich zu spüren, als wäre er eine Vision, deren Substanz sie nur glauben kann, wenn er ihrer handgreiflich würde, der er ihr sonst entfliehen könnte. Ein tiefer Seufzer dringt aus ihrer Brust und sollte Alrik jemals an ihrer Liebe gezweifelt haben, dann könnte er kein deutlicheres Zeichen erleben, seine Bedenken zerstreuen zu können.

"Alrik, mein Alrik!" sagt sie in auffälliger Weise "Laß mich etwas überziehen, denn so kann ich nicht nach draußen gehen und nach draußen will ich gehen, zusammen mit dir, um dort mit dir alleine zu sein!"

Mit diesen Worten greift sie nach einem Umhang, den sie sich sofort über die Schultern hängt. Es ist ein dünner Umhang, viel schützen vor der reifenden Kälte kann er nicht, aber in der Eile ist wohl nichts besseres greifbar gewesen. Rahjana drängt Alrik zum Eingang hinaus und während sie das tut, dreht sie sich um und ruft:

"Schließt die Türe noch nicht, ich bin eine Weile auf der Straße!"

Und sie hat es eilig Alrik dorthin zu drängen.



Auch ALRIK drückt Rahjana an sich. Mit diesem spontanen Ausbruch der Zuneigung ihrerseits hatte er gar nicht gerechnet. Als er sie heute am Nachmittag verließ, da wirkte sie plötzlich so unnahbar kühl und beherrscht.

"Ich mußte immerzu an dich denken," gesteht ALRIK, als Rahjana ihn endlich aus der Umklammerung wieder freigibt. Ein bißchen wundert er sich, daß Rahjana so lautstark einen Spaziergang vorschlägt. Wer weiß, wer das noch alles mitbekommen hat. Ins Innere des Badehauses kann man ja so schlecht schauen. Aber es wird wohl schon seine Richtigkeit haben, wenn Rahjana sich auf diese Weise verabschiedet. Jedenfalls wäre es nicht richtig gewesen, sich heimlich davon zu schleichen, das wird ALRIK dadurch klar.

"Ja, gehen wir. Wohin auch immer du möchtest," erwidert ALRIK schließlich auf Rahjanas Vorschlag hin, nach draußen zu gehen.

Dem Jungen ist das gerade recht, denn die Nacht ist wirklich schön und der Schein des Madamals erhellt die Gassen gerade ausreichend genug, um in der Dunkelheit sehen zu können.

Hand in Hand wenden sich die beiden der Gasse zu, die bergab führt und irgendwann nach einigen Biegungen, kleinen Treppenstufen und Wendungen wieder auf die große Strasse mündet, die gen Hafengegend führt.



Da ist kaum noch ein Mensch auf der Straße, Alrik und Rahjana sehen sich völlig alleine. Die alte Piratenstadt liegt in Frieden, keine Gefahr scheint zu drohen, vor allem nicht, wenn man sie durch die Augen eines verliebten Paares betrachtet, das sowieso nur Augen füreinander hat. Das silbern schimmernde Licht des Madamales läßt Rahjanas Gesicht leuchten und ihre stummen Blicke sind in Zuneigung Alrik zugewandt. Von Zeit zu Zeit, entweder da es sie fröstelt oder einfach nur deshalb, da sie die Nähe Alriks spüren möchte, drückt sie sich eng an ihn. Die beiden schweigen, da ihnen kein Wort für diesen erhabenen Moment vornehm genug ist. Sie vergessen den Raum, sie vergessen die Zeit und leider auch den Blick für ihre nähere Umgebung. Sonst wäre ihnen wahrscheinlich diese dunkle Gestalt, die sich zusammenkauernd lauernd in einem finsteren Hausdurchgang verborgen hält, wohl doch aufgefallen. So bemerken sie den Mann aber erst, als er, aus seinem Versteck springend, schon unmittelbar vor ihnen steht. Mit einer blitzschnellen Bewegung greift der Mann nach Rahjanas Umhang.

"Was für ein schöner Mantel! Gerade einen solchen suche ich schon lange für mich. Ich bin mir sicher, daß ihr ihn im Tausch gegen euer Leben gerne mir überlassen werdet!"

Der Mann hält Alrik drohend einen Knüppel unter die Nase, während er mit der anderen Hand Rahjanas Umhang ihr über die Schultern streift und an sich nimmt. Schon will er sich mit seiner Beute zur Flucht wenden, als er noch einmal einen Blick auf Rahjana wirft. Als er sie, in ihrer dünnen und kurzen Tunika stehen sieht, keimen offensichtlich ganz andere 'Interessen' in ihm auf. Seine Lippen verziehen sich zu einem boshaften Lächeln und seine Augen werden starr.

"Eine kleine Prinzessin! Heute muß mein Glückstag sein. Ich glaube, der Abend wird mir noch viel Spaß machen......!!!"

Er gibt mit seinem Knüppel Alrik einen Knuff in die Magengegend, daß dem Junge die Luft wegbleibt und er stöhnend zu Boden gehen muß.

"ALRIK!!" entfährt es Rahjana und sie will besorgt zu ihm eilen, doch der Wüterich hält sie zurück. Er läßt den Knüppel fallen und packt das Mädchen mit beiden Händen. Als wäre sie ein Puppe hebt er sie mit Leichtigkeit von Boden und trägt sie hin zu dem dunkle Eck, daß ihm kurz zuvor noch als Versteck gedient hatte.

"Du brauchst jetzt keinen Alrik mehr, du gehörst jetzt mir!" erklärt er höhnisch "Und du mein Junge, wirst jetzt einen längeren Spaziergang machen!"

Und mit einem Seitenblick auf Rahjana, die sich hilflos in seinem eisernen Griff windet, fügt er hämisch an:

"Das hier kann etwas länger dauern !!!!!"

Dann verschwindet er mit der zappelnden Rahjana in der Finsternis.



Leise wehklagend krümmt ALRIK sich auf dem dreckigen Straßenboden. Doch es ist nicht der körperliche Schmerz, der ihn leiden läßt, sondern die Schmach und die maßlose Verzweiflung über das eigene Unvermögen, sein Mädchen zu beschützen.

Der Junge zieht die Knie an den Körper, richtet sich dann soweit auf, so daß er schließlich auf dem eklig feuchten Untergrund sitzt. Die höhnenden Worte des Unholds lassen ihn zusammenzucken und eine kalte Wut steigt in ALRIK auf als er mitansehen muß, wie der üble Kerl Rahjana in die dunkle Ecke zerrt.

Der Gedanke, das er hier in dieser dunklen, aber eben doch bewohnten Gegend um Hilfe rufen könnte, kommt ihm in keinem Augenblick. Rahjana ist die seine, und so liegt es allein an ihm, die Schandtat zu vergelten und das Schlimmste zu verhindern.

Mit grimmiger Miene blickt ALRIK auf den Knüppel, der nur wenige Spann entfernt neben ihm auf dem Strassenpflaster liegt. ALRIKS Zorn lodert noch weiter auf, als er feststellt, daß der Kerl ihn noch nicht einmal als Gegner erstnehmen wollte. Denn wenn er etwas anderes in ihm gesehen hätte als einen dummen und feigen Jungen, dann hätte der den Knüppel nicht so achtlos hinfort geworfen.

Ohne Nachzudenken, ohne Zögern greift ALRIK nach dem Stecken und richtet sich dann eilig auf. Der Schiffsjunge umfaßt die frisch errungene Waffe fest mit beiden Händen und geht dann fest entschlossen auf den dunklen Hausdurchgang zu.

Ganz deutlich kann er die beiden Gestalten dort in der Ecke entdecken. Der Unhold hat das arme Mädchen derweil niedergerungen und das Geräusch von reissendem Stoff macht ALRIK klar, daß er jetzt wirklich keine Sekunde mehr zu verlieren hat.

"Nimm deine dreckigen Finger von ihr, du Schweinehund!"

ALRIKs Stimme bebt vor Wut. Er richtet seinen Blick starr auf die Schattengestalt, die sich mit einem unterdrückten Keuchen etwas erhebt, um der unerwünschten Störung ein Ende zu bereiten.

Doch ALRIK ist nicht gewillt den winzigen Vorteil, den er im Moment zu haben glaubt, durch zu langes Abwarten zu verspielen. Der Junge holt aus, nimmt Maß und legt seine ganze Kraft in einen Schlag, der auf den Kopf des Unholds zielt.



Der schändliche Wüterich hat vielleicht gerade eben noch die Zeit zu verstehen, was da im Moment auf ihn zukommt, da trifft ihn der Stock auch schon mitten auf der Stirn. Augenblicklich verliert er das Bewußtsein und langsam kippt sein schwerer Körper zur Seite weg. Hart fällt er mit dem Kopf auf das Pflaster und bleibt regungslos liegen. Augenblicklich bildet sich ein riesige Blutlache unter dem Kopf des Mannes. Sein Unterkörper lastet noch schwer und drohen im Schoß Rahjanas. Schnell rappelt sich Rahjana auf und schiebt den Körper des Mannes angewidert weg. Sie springt in die Höhe und bringt mit drei Schnellen Schritten etwas Distanz zwischen sich und dem, auf dem Boden liegenden Mann, als fürchte sie, der Kerl könnte jederzeit wieder erwachen und gierig nach ihr greifen. Doch gelten die folgenden Gedanken Rahajans Ihrem 'Helden' Alrik und seine Wohlergehen, denn gut noch erinnert sie sich mit Grauen an den gräßlichen Schlag, den der Junge erhalten hatte. Sie springt auf Alrik zu, steichelt seine Haar und überdeckt ihn mit Küssen auf Stirn und Wangen.

"Geht es dir gut? Ist dir auch nichts geschehen?" fragt sie ihn immer wieder. Erst nach einer Weile wird sie sich ihrer Blößen bewußt, denn die Tunika, die sie trug, liegt mittlerweile wild und sorgsam zerkleinert auf einer Straße der Stadt. So, wie sie im Moment da steht, kann sie nicht durch die Straßen laufen, auch nicht in finsterer Nacht. Zögernd, aber bestimmt geht sie auf den Elenden zu, der noch immer ohne Regung auf dem Boden liegt. Sie nimmt mit einer raschen Bewegung den Umhang, den er ihr raubte wieder an sich. Dabei überfällt sie, aus dem Nichts heraus, jede Angst zur Seite drängend, derart viel nachträgliche Wut, daß sie dem wehrlosen Kerl drei oder vier Tritte in die Seite verpaßt und erst wieder einhält, als bei einem, der letzten Kicks deutlich hörbar eine oder mehrer Rippen brechen. Sichtlich zufrieden gestellt wirft sie sich nun den Umhang über ihre Schultern, hakt sich bei Alrik ein und spricht:

"Gehen wir zurück, im Hause werden wir deutlich angenehmere Gesellschaft haben. Dort könne wir auch feststellen, ob du dich vielleicht ernsthaft verletzt hast!"

Rahjana hat es nun eilig von hier wegzukommen, um so mehr, als ein lang gezogenes Stöhnen signalisiert, daß der Unhold im Begriffe ist wieder das Bewußtsein zu erlangen.

Als sie zum Badehaus zurück kommen, werden sie schon sehnsüchtig erwartet. Voller Sorge wartet Ratthalde, die ein halbes Dutzend Dienerinnen um sich geschart hat, Ausschau nach Rahjana zu halten. Als Rahjana beginnt von dem Vorfall, drunten in der Stadt zu erzählen, bekommen alle riesige Augen. Und da Rahjana immer wieder betont, wie edel und heldenhaft sich Alrik verhalten hatte, sieht sich der Schiffsjunge in steigendem Maße, erst einer leichten und verdeckten, dann aber einer offen und leidenschaftlichen Bewunderung ausgesetzt. Die schönsten Mädchen Prems geben ihm ein Küßchen auf die Wange, verbunden mit dem innigsten Dank, sich in so selbstloser Weise für Rahjana eingesetzt zu haben.

Und Ratthalde? Frau Ratthalde lächelt still und zurückhaltend. Sie ist wie ein ruhenden Pol inmitten haltloser Begeisterung und sie hört schweigend zu, wie die Mädchen Alrik und Rahjana hochleben lassen.



Magier unter sich


Nun da die Aufführung vorbei ist kann Darian seine Aufmerksamkeit wieder voll und ganz seinen beiden Kollegen widmen.

"Ihr erzähltet vorhin von einem Kontakt mit Alveraniden, könnt Ihr mir noch mehr darüber berichten?" fragt Darian Belvolio. Seine Neugier ist dabei kaum zu überhören - es sei denn man überhörte den Satz aufgrund des Lärmes völlig.


"Sicher könnte ich das, Wissen ist ja dazu da geteilt zu werden. Doch zu allererst möcht ich wissen mit wem ich es zu tun habe, euren Namen kenne ich nun schon, aber woher kommt ihr, wo habt ihr euch euer Wissen angeeignet, und vor allem was ist eure Gesinnung ? Was euer Spezialgebiet ?"

Mit fragenden Augen wartet Belvolio auf die Antwort, stellt seinen Kelch auf die Planken, Holt ein Buch und einen Graphitstift aus einer Tasche seiner Robe, und setzt sich hin um besser Schreiben zu können.

Eine leichte Angespanntheit ist zu bemerken, es geht immerhin darum neue Informationen zu sammeln.



"Hatte ich mich noch gar nicht vorgestellt ?" entgegnet Darian etwas vedutzt auf die Fragen seines Gegenübers.

"Nun, mein Name ist Darian Durenald. Mein Spezialgebiet ist die Magica Mutanda, welche ich an der Akademie der Verformungen zu Lowangen, welche der Groszen Graue Gilde des Geistes angehörig ist, studierte. Ursprünglich stamme ich übrigens nicht direkt aus Lowangen, sondern aus Yrramis und bin selbstverständlich KEIN Dualist."

Beim letzten Satz hebt er kurz sein Weinglas um nach dessen Beendigung einen Schluck zu trinken. Anschlieszend fährt er fort:

"Meine Eltern sind Geweihte der Herrin HESinde und sehen den Dualismus ebenfalls als Blasphemie, da er das Wesen PRAios und BORons mißinterpretiert, RAHja lästert und die restlichen neun Götter schlichtweg ignoriert. Das Ziel meiner Reise ist Kuslik, der Zweck der Besuch der dortigen Akademien und natürlich des HESindetempels."

Er beender seinen Vortrag und läszt seinem Gegenüber erst einmal Zeit das gesagte aufzunehmen.



Ottam schafft es derweil sich aus seinen Gedankengängen zu befreien. Er nimmt noch einen kleinen Schluck vom Wein und macht dann wieder den Eindruck eines aufmerksamen Zuhörers.

'Hmm um was ging es doch gleich, nun erst mal so tun, als hätte ich zugehört, vielleicht bemerkte ja niemand meine geistige Abwesenheit'



Während Darian spricht, schreibt Belvolio alles mit, der Stift fliegt nur so über das Papier. Randnotizen werden der Rede von Darian hinzugefügt.

"Das ist ja sehr interessant was ihr da berichtet doch sagt mir was euch dazu veranlaßt dem Dualismus mit solcher Bestimmtheit zu entsagen ? Was habt ihr gegen den Lowanger Dualismus ? Was überzeugt euch davon das es nicht die Dualisten sind die das Wesen der Gottheit Richtig interpretieren ? Hattet ihr wegen eurer Herkunft vielleicht schon einmal Probleme, mit der Inquisition vielleicht ? Das währe sehr interessant ... Was bedeutet euch Hesinde ? Welche Eigenschaften sprecht ihr, als Magier, Hesinde zu ? Was wollt ihr in Kuslik ? Was erhofft ihr euch von einem Besuch im dortigen Hesinde Tempel ? Erleuchtung ? Wissen ?"



Ottam Stellt den Krug ab und verfolgt inzwischen aufmerksam das glücklicherweise sachte Wortgefecht. Er scheint hin und her gerissen

'Der Junge Magus scheint mir ein eifriger Verfechter der Zwölfe zu sein, und der andere, hmm, nun ja, er scheint sich lieber nur an das zu halten was er selbst glaubt. Alles in allem gut zu wissen'



Darian lauscht den Worten des älteren Magiers. Als dieser zunächst die dualistische Häresie in Schutz nimmt und anschlieszend schon fast ins offen ketzerische abdriftet, in dem er Hesinde in Frage stellt, zeichnet sich ein Ausdruck von Wut im Gesicht des jungen Magiers ab, aber er bleibt ruhig, ein offener Wutausbruch würde einem der besoffenen Matrosen wohl anstehen, nicht aber einem Mann Hesindes. Er atmet zweimal tief durch bevor er zur Antwort ansetzt.

"Was mir Hesinde bedeutet ? Was für eine Frage ! Hesinde gibt den Menschen die Fähigkeit zu denken, zu sprechen, rational zu handeln, zu lesen, zu schreiben, zu rechnen, Kunst zu erschaffen, ja durch Hesindes Gnade wird der Mensch überhaupt zum Mensch, ohne Hesinde würden wir wie niedere Amöben unserem Fresz- und Selbsterhaltungstrieb folgen. Vielleicht haben die Dualisten Recht und alle anderen Unrecht? Was für eine absurde Hypothese! Boron als Bringer allen Übels ? Nun, Boron ist der Gott des Vergessens, so dasz es wohl zunächst scheint er sei Hesinde kontragerichtet, doch macht nicht die Existenz des Vergessens erst wahre Weisheit möglich ? Und ist Boron nicht auch der Herr des Schlafes ? Habt ihr einmal versucht ein oder zwei Nächte ohne Borons Gnade auszukommen ? Dann habt Ihr doch sicher festgestellt, das Hesindes Gabe danach kaum noch wirksam ist. Nein, Boron ist einer der Zwölfe und den Sterblichen wohlgesonnen, der Bringer allen Übels ist und bleibt der Namenlose - oder meinetwegen Borbarad. Praios als Bringer alles, " er betont alles, "Gutem ? Nun er bringt uns das Licht und die Ordnung und ohne Licht liesze sich kaum studieren und ohne Ordnung herrschte Chaos und Anarchie so dasz an Kunst, Forschung und Lehre kaum zu denken waere, aber sind es nicht die Anhänger Praios, die immer wieder Hesinde lästern in dem sie die Ausübung der arkanen Kunst verbieten ? Nein, Praios ist nur einer der guten Götter, nicht der Bringer alles Gutem," er betont einer und alles, "Man musz jeden Frohsinn vermeiden um die Götter wohl zu stimmen ? Welch haltlose und irrige Hypothese! Heilige Noionia ! Freude ist die Gabe Rahjas, einer der Zwölfe, sie zu verschmähen heiszt eine Gottheit des wahren Panteons zu leugnen und zu lästern. Und was ist mit den verbleibenden Neun? Sie kommen im Dualismus schlichtweg nicht vor. So etwas ist schwere Blasphemie ! Die Dualisten befinden sich auf direktem Wege in die Verdammnis !"

Bei aller Aufregung gelingt es dem Adeptus die Fassung zu bewahren und nicht zu brüllen. Er trägt seine Worte zwar gelegentlich etwas lauter vor, doch bleibt sein Tonfall stets hesindegefällig sachlich.

Nach dieser langen Rede musz er erstmal seine trockene Kehle mit einem Schluck Wein beruhigen. "Und nicht zuletzt," er hebt sein Glas erneut, "verbietet der Dualismus auch den Genusz des Weines."

Darian holt erneut tief Luft und wartet die Antwort des älteren Magiers ab.



Nachdem Belvolio fertig geschrieben hat blickt er den Jungen Magus an, Zorn funkelt in seinen Augen

'Was denkt dieser Junge eigentlich wer er ist ? Er hat weder die Weisheit von der Ewigen Kha noch kann er wie Ssad'Nav das kommende erkennen, und doch behauptet er die einzig richtige Wahrheit zu kennen. Nun dies ist ein typischer Wesenszug der "Zivilisierten" Menschheit, und eigentlich hätte ich mit Ablehnung rechnen müssen, aber dieser Junge schien so interessiert zu sein, so das es das Risiko wert war.

Und ihm wirft er Blasphemie und Ketzerei vor ? Es ist ein Frevel ohne gleichen gerade IHM so etwas vorzuwerfen und das wo ER doch die wesentlichen Kennzeichen einer Gottheit gar nicht erkannt hat, aber ob seines jungen Lebens werde ich davon Absehen ihn zu Boron oder was auch immer zu schicken.'

Belvolio wendet sich noch einmal kurz ab, erstens um sich noch einmal zu beruhigen bevor er Antwortet und zweitens um Buch und Stift wieder verschwinden zu lassen. Dann erhebt sich Belvolio wieder nimmt seinen Stab in die linke Hand und antwortet.

"Ich höre ihr seid noch nicht bereit mein Wissen zu teilen Adept, euer Vortrag war sehr Aufschlußreich aber VÖLLIG fehlgeleitet. Die Ausbildung an der Akademie war nicht gut für euren Geist wie mir scheint, gewiß ihr habt dort gelernt Zauberformeln zu wirken, habt staubige Bücher gelesen, kopiert und abermals gelesen, habt sie auswendig gelernt, und wieder kopiert.

Ich jedoch empfehle euch Adept reist soviel ihr könnt, mache eure eigenen Erfahrungen verlaßt euch nicht auf das Wissen von Menschen die schon seit Generationen nicht anderes tut als längst verstaubtes Wissen ohne Überprüfung auf Ihre Wahrheit weiterzugeben, lernt andere Völker kennen. Erweitert euer Wissen durch eigene Erfahrung, seid aufgeschlossen gegenüber dem neuen, Nehmt euch den Paradiesvogel zu Vorbild und erkundet mit Aves' Hilfe den Kontinent. Reist zu den Novadi in die glühenden Kohm, zu den Orks im kargen Norden, schließt euch einer Sippe Waldmenschen im Warmen Süden an, lernt ihre Lebensweise kennen und ihr werdet merken wie schnell ihr von euren bisherigen Überzeugungen abweichen müßt, denn es gibt nicht nur eine Wahrheit dort draußen. Es ist nicht richtig das Sumu und Los die Zwölfgötter geschaffen haben, es gibt mehr Götter in Alveran als es sich euer junger Kopf überhaupt vorstellen kann. Und auch die Götter an die ihr glaubt sind teils älter als die Menschheit selbst und haben auch Eigenschaften und Aspekte gehabt die im Laufe der Zeit fast vergessen worden sind und die IHR sicherlich nicht kennt."

Belvolio stellt seinen Kelch ab.

"Denkt mal darüber nach Adept, was euch so sicher macht die einzig richtige Wahrheit zu kennen."

Mit diesen Worten wendet sich Belvolio von den beiden Magiern ab und verläßt das Vorderdeck, dreht sich noch mal um und Ruft dem Adept zu :

"Bedenkt das auch die Götter ab und zu der Göttin Tsa folgen."

Mit diesen Worten wendet sich Belvolio endgültig ab um in seiner Kajüte bis zum Morgen Boron und seinem Aspekt des Schlafes Ehre zu erweisen. Hoffend das er morgen nicht von einem Haufen verblendeter Praios Pfaffen geweckt wird.



Darian hatte ja mit vielem gerechnet, aber damit ? Da wirft ihm dieser Häretiker doch vor, er habe nur verstaubte Bücher gelesen, VERSTAUBT ! Dabei ist die Lowanger Bibliothek geradezu peinlich reinlich und ordentlich. Ja, was hatte der Biblithekarius ihn damals geschollten, als er spät nachts, mit seinen Gedanken noch immer beim IMAGO TRANSMUTABILE, die Bibliotheksräume verliesz und es dabei versäumte den schweren Folianten ins Regal zurückzustellen und diesen auf dem Lesestaender beliesz. IHM wirft er vor fremden Wissen nicht aufgeschlossen zu sein und nur verstaubte Wahrheiten zu rezitieren ? Ausgerechnet IHM, der schon während seiner Akademiezeit mehr Kontakt zu Druiden, Elfen und sogar Hexen hatte, als so manch anderer Magus in seinem ganzen Leben. Doch Trotz aller Verstimmung stiehlt sich ein klein wenig Belustigung in seinen Gesichtsausdruck, als Belvolio den Kampf Los gegen Sumu zum Anbeginn der Zeiten leugnet, zusehr erinnert ihn dieser Satz an den Wirrköpfigen Alten, damals im "Salamanderstein". Es war immer dasselbe Spiel: Zunächts hockte der Alte stumm am hinterer Ende des Tresens, dann später am Abend, nach reichlich Bier und (falschem) Premer Feuer fing dieser an zu "philosophieren", eine ACHTE Sphäre hatte dieser postuliert und dasz alle Götter und Erzdämonen in Wahrheit nur Mirhamionetten seien und dasz ein gewisser Iko Saeder, ein mächtige Wesenheit eben jener achten Sphäre, die Fäden halte. Der Alte sasz jeden Abend im Salamenderstein, schon bevor Darian nach Lowangen kam und auch noch als der Adept die Stadt wieder verliesz, er gehörte gewissermaszen zum Inventar der Schenke, möge Noionia ihn beschützen.

Nun verläszt der ältere Magus die Runde und entzieht sich dem weiteren Disput. Nun ja, es ist nicht Darians Aufgabe den Häretiker zur Rechenschafft zu ziehen, Belvolio wird sich dereinst vor der Herrin HESinde höchstselbst verantworten müssen.

Der junge Magier atmet zweimal tief durch, trinkt noch einen Schluck Wein und wendet sich dann Ottam zu.

"Ich habe den Eindruck unser werter Collega Belvolio ist ein Anhänger Galottas ´Magierphilosophie´, so ein törichter Leichtsinn."

Mehr sagt er erstmal nicht, will er doch erstmal abwarten wie der Schiffsmagus zu diesem Thema steht.



"Nun ich bin mir nicht sicher, ob er nicht vielleicht nur provozieren wollte, um herauszufinden, wie wir zu der Sache stehen, andererseits hat er tatsächlich sehr viel Inbrunst hineingelegt. Wir müssen sehen, wie er sich im weiteren Verlaufe der Fahrt verhält. Ich selbst maße mir nicht an, die einzig wahre Wahrheit zu kennen, doch für die Existenz der Zwölf, wie auch ihrer Gegenspieler habe ich bereits zu viele Beweise erlebt, als das man es leugnen könnte. Letztlich wird es wohl an der Herrin Hesinde sein, seinen Irrglauben zu richten."



"Nun, die einzige und endgültige Wahrheit kenne ich auch nicht, kein Sterblicher kennt sie. Wir sind nicht die erste Rasse die zu den Göttern betet und Kultur schafft und wir werden auch nicht die letzte sein. Doch Ihr spracht gerade davon Beweise für die Existenz der Zwölfe gesehen zu haben, meint er jene kleinen Beweise, die jeder gelegentlich sieht oder habt Ihr tatsächlich schon einmal ein echtes Götterwunder gesehen ?" spricht der junge Magus, wobei er das Wort ´echtes´ stark betont. Aus seinem Tonfall ist deutliche Neugier heraus zu hören.



Beobachtende Matrosin


Mit einem Schulterzucken nimmt die Matrosin den Weinkrug herunter und geht zielstrebig auf die Kisten zu, auf denen das Geburtstagsessen aufgebaut ist. Das Wasser läuft ihr im Mund zusammen. Was für ein Braten! Diese Chance muß man wirklich nutzen! Voller Begeisterung schneidet sie sich ein Stück vom Braten ab. Außerdem füllt sie ihr Weinglas mit weiterem Rotwein auf.

'Wer hätte damals gedacht, daß ich jemals wirklich Wein würde trinken dürfen!'

Verträumt betrachtet sie die tiefrote Flüssigkeit, die sie in ihrem Krug schwenkt, wobei sie sich die Farbe natürlich hinzu denkt, da im Halbdunkel an Bord der Wein eher schwarz als dunkelrot scheint. Schließlich gibt sie ihre Wein-Betrachtung auf und mustert zum vielleicht hundertsten Mal an diesem Abend die am Oberdeck versammelte Gesellschaft.

'Eigentlich sollte ich Fiana gratulieren... aber ich habe doch kein Geschenk!' denkt Xenia unglücklich. 'Ob es ihr auffällt, wenn ich es nicht tue? Aber vielleicht ist es noch schlimmer, wenn ich es tue und kein Geschenk habe... Ach, Efferd hilf, wie ist es richtig?'

Immer noch steht Xenia auf ihrer Lippe kauend mit dem Teller mit Braten in der einen und dem Weinkrug in der anderen Hand verloren da und starrt Löcher in die Luft.


Noch bevor Jarun diesen Satz beenden kann, setzt die Matrosin den Krug von ihren Lippen ab. Und bewegt sich geistesabwesend zu den Kästen, auf denen der Braten und der Wein aufgebaut ist.

Jarun setzt noch kurz zu einem zweiten Satz an:

"Wenn ihr ...", bricht ihn aber nach wenigen Worten ab und führt ihn im Geiste zuende. '... kein Bier mögt, kann ich euch auch etwas Wein holen.'

Wieder streicht sich Jarun mit der rechten Hand über sein bartloses Kinn. 'Scheinbar hat diese Frau schwerwiegender Probleme, als die Wahl des Getränkes. Ich sollte sie in Ruhe über alles nachdenk...'

"Unsinn!" Jarun schüttelt den Kopf.

'Niemand ist besser geeignet Anderen bei der Lösung von Problemen zu helfen als ich. Außerdem bin ich Jarun und lassen mich nicht so schnell abwürgen.'

Mit diesen Gedanken geht Jarun zielstrebig zu der Matrosin hinüber und stellt die beiden Krüge auf eine der Kisten. Mit der rechten und der linken Hand seinen Umhang haltend verbeugt er sich vor der Matrosin, wobei er seine Arme von seinem Körper wegstreckt.

"Möge Phex, der Gott der tausend Wege, euch den Weg zu der Lösung eures Problems weisen!"



Weiterhin steht Xenia verloren neben dem reich gedeckten Tisch und blickt in die kühle Nacht hinaus. Verwundert sieht sie zu, wie der Zimmermann die Scherben wegräumt.

'Hm...eigentlich nicht seine Aufgabe - der Zimmermann der "Valerie Ivette" hätte nie einen Finger für andere gerührt, wenn es ihm nicht befohlen wurde...'

Nachdenklich kaut sie etwas Braten, den sie sich vorher in den Mund gesteckt hat.

'Überhaupt ist die Nordstern in mancher Hinsicht 'anders'. - Also gratuliere ich ihr jetzt noch oder nicht - Geschenk hin oder her...'

Etwas unschlüssig macht sie sich auf den Weg zu Fiana, allerdings nur langsam da diese sowieso gerade mit anderen Gratulanten beschäftigt ist.



Alrik, der Zauberer auf der Feier


Alrik tritt durch den Niedergang erneut aufs Oberdeck, einen Moment lang bleibt er stehen und es sieht so aus als suche er jemanden. Er zupft seine kobaltblaue Magierrobe zurecht. Dann zuckt er kurz mit den Schultern und wirft sich ins Getümmel der Feier.



Eine Weile betrachtet Alrik fasziniert das fröhliche Gewühl auf dem Deck. Dann bahnt er sich schnurstracks einen Weg an die Reling. Er schaut hinaus in die Bucht. Seine Augen trüben sich und er scheint mit seinen Gedanken weit fort zu sein. Nachdenklich schaut er auf das dunkle Nass, welches leise gegen die Bordwand brandet. Vorsichtig zieht er die Kapuze der Robe über seinen wirren Haarschopf.



Phexane kehrt zurück


Phexane sieht Alrik an der Reling stehen und auf das Wasser starren. Ihr rechter Mundwinkel geht nach oben und ihr Gesicht nimmt einen geradezu füchsisch-frechen Ausdruck an.

Die Sache mit dem Feuer scheint sie wohl schon vergessen zu haben oder zumindest nimmt sie es ihm nicht mehr übel. Vielleicht will sie sich aber auch rächen ...

Sie bahnt sich den Weg durch das Gewühl zu ihm. Als sie etwas näher an ihn heran ist, geht sie vorsichtiger, beginnt dann zu schleichen, bis sie direkt hinter ihm steht.

Sie grinst über das ganze Gesicht - er hat sie immer noch nicht bemerkt. Dann holt sie kurz Luft und sagt laut mit möglichst tiefer Stimme:

"Inquisition! Ihr seid verhaftet!"

Sie lacht laut los.



'Dort! Hat sich da nicht eben etwas über dem Wasser mitten in der Bucht bewegt?'

Alrik schaut vorsichtig unter der Kapuze hervor. Tatsächlich, ein heller Punkt der rasend schnell näher kommt. Der Magier in der kobaltblauen Robe prallt entsetzt zurück. Das kann unmöglich war sein, er hatte dieses "Ding" doch schon einmal besiegt. Er erinnert sich plötzlich wieder an seine letzte Schiffsreise und den Kampf gegen den Feuerelementar der...

Ganz leise dringt eine bekannte Stimme in sein Bewußtsein ein. Er weiß er kennt diese Person,trotzdem scheint alles so unnatürlich und er schafft es mit Mühe sich umzuwenden.

Eine Sekunde nur scheint es dem Betrachter, daß seine Pupillen aus brennenden Flammen bestehen Er schaut auf die Menge an Bord und das lächelnde Gesicht seiner Schwester und erwacht aus dem Alptraum.

"Was sagtest du?",fragt er Phexane freundlich.



Phexanes Lachen erstirbt schlagartig.

"Sag mal, wo warst Du eben? Ich wollte Dich doch so schön erschrecken!"

Sie schaut ihn jetzt etwas düsterer an.

"Du hast mir mit dem Feuer einen ziemlichen Schrecken eingejagt!"



"Du hast mir mit dem Feuer einen ziemlichen Schrecken eingejagt!"

Alrik läßt die Worte noch einen Moment nachklingen. Dann geht ihm plötzlich ein Licht auf:

"Ach du meinst meine Illusion, die war doch harmlos. Du hättest damals dabei sein sollen, als wir in Greifenfurt..."

Alrik versinkt wieder in Schweigen. Seine Augen scheinen durch Phexane hindurch zublicken, dann mustert er sie wieder,"wieso hat dich den das Feuer so erschreckt, Schwesterherz?"



"Ääh, naja, es kam halt ziemlich plötzlich! Außerdem sind diese Karten auch nicht gerade billig!" Phexane weicht Alriks Blick aus. Sie versucht den Eindruck zu machen, als wenn nichts wäre, dennoch sieht sie wieder diesen kleinen Raum mit den hohen Flammen. Sie spürt wieder den beissenden Rauch und den Schmerz an ihren Beinen, als die Flammen näher kommen. Sie erinnert sich auch an wieder an die dunkle Gestalt, die sie letztendlich aus den Flammen heraus rettete. Sie hebt nun den Kopf und schaut zum Meer hinaus.



Zärtlich streicht er seiner Schwester eine vorwitzige Strähne aus dem düsteren Gesicht.

"Ich hoffe nur eines Tages werden wir uns gut genug kennen.", seufzt Alrik. Auch der Magier wendet sich nun wieder dem Meer zu.

"Es wird Zeit das die Reise beginnt. Möchtest du mir berichten was dich erneut in die Stadt trieb? Warum setzt du dich einer solchen Gefahr aus, du weißt hoffentlich das ich Angst habe, daß dir etwas zustößt. Es wäre ein schrecklicher Verlust wenn ich dich verlieren würde, nachdem ich dich erst seit so kurzer Zeit kenne."



"Du machst Dir Sorgen?"

Phexane ist sichtlich überrascht. Doch dann lächelt sie.

"Nein, nein, solange Thorwaler nicht fliegen können, kann mir nichts passieren!"

Sie wühlt in ihrer Hosentasche herum, zieht dann einen kleinen Samtbeutel hervor und öffnet ihn. Heraus holt sie ein Lederband, an dem ein vierbeiniges 'Etwas' aus Holz hängt.

"Das war der Grund, warum ich noch mal in die Stadt zurückgelaufen bin. Ich hatte es im Gasthaus vergessen. Ich glaube, ich hatte Dir schon mal von meinem Sohn erzählt, nicht wahr? Er hat es für mich geschnitzt."



"Ein kleiner Fuchs?", man kann es vielleicht nicht genau erkennen, aber es ist zu vermuten das die Beobachtung stimmt, besonders wenn man das Verhalten von Alriks Schwester kennt. Der Magier lächelt und fragt Phexane:

"Ich wollte eigentlich über deine Angst sprechen, aber erzähl mir doch ein wenig von deinem Sohn, kleine Schwester. Wo lebt er, und wie alt ist er?"

Unter sich hört Alrik ein leises Platschen. Er hält seinen Stab ein wenig nach unten und schnippt einmal laut mit den Fingern, an einem Ende seines Stabes beginnt ein Flamme zu tanzen und Alrik versucht die Ursache des lauten Platschers zu erkennen. Als er nichts ungewöhnliches bemerkt schnippt er erneut, diesmal aber zweimal kurz hintereinander, und die Flamme erlischt wieder. Er wendet sich erneut seiner Schwester zu.



Phexane ist schon ziemlich überrascht und erschrickt sich auch kurz, als die Flamme erscheint. Sie sieht wie Alrik nach unten in das Wasser sieht.

'Was hat er bloß? Erst ist er in Gedanken meilenweit weg, dann wird er schon bei einem leisen Platschen nervös.'

"Also, erstmal ist das kein Fuchs! Nimion sagte, daß das ein Pferd sein soll."

Phexane guckt selber etwas skeptisch auf den Anhänger.

'Könnte auch ein Hund oder ein Katze mit einem kurzen, dicken Schwanz sein.'

"Er lebt im Garether Hesindetempel. Er ist ziemlich intelligent für einen Fünfjährigen. Es dauert wohl nicht mehr lange, und er wird mir sogar was beibringen können." Sie lächelt.

'Glücklicherweise hat er nur den Verstand seines Vaters.'



"Nimion!", Alrik lächelt versonnen,"ein schöner Name. Wo ist denn sein Vater? Ich dachte Nimion wäre bei ihm."

Der Magier wendet sich seiner Schwester zu



Phexanes Gesicht verdüstert sich wieder zusehends. Sie zuckt mit den Schultern.

"Ich weiß nicht, wo sein Vater steckt!"

Ihr wird das Gespräch langsam etwas unangenehmer.

"Ich glaube, daß war zuviel Aufregung heute. Ich bin müde und würde mich ganz gerne schlafen legen. Gute Nacht!"

Ohne lange auf eine Antwort oder auf noch eine weitere Frage von Alrik zu warten, macht sie sich auf den Weg zum Niedergang.



Fiana sammelt


Fiana löst sich nur ungern aus der Verzückung über den Auftritt des Gauklers. Auch spendet sie ihm sehr lange Beifall. Doch dann kommt ihr in den den Sinn, daß sie ja hier eine gewisse Verantwortung hat und daß vielleicht noch jemand gratulieren möchte.

'Wo ist eigentlich Nirka so lange, es wird doch wohl keine ernsten Probleme geben, vielleicht sollte ich nachsehen, nein sie haben die Sache sicher im Griff und man würde mich informieren wenn es nötig ist.'

Fiana schaut sich um, ob vielleicht jemand auf dem Weg zu ihr ist. Die leichte Brise die ab und an mal aufflammt streift durch ihr langes Haar als wolle sie sie streicheln.



Bei Fiana


Da Nirka sie halb an der Hand hinter sich herzieht, folgt Sigrun ihr auf dem Fuße Richtung Oberdeck.

"Ja, es wird wirklich Zeit, daß wir uns bei ihr sehen lassen," meint sie.



Nirka läßt Sigruns Hand auch nicht direkt los, nachdem sie auf dem Deck angekommen sind, sie hält sie nur nicht mehr so offensichtlich. Es ist dunkel, viele sind betrunken, da mag es eher so erscheinen, als gingen die beiden einfach nur dicht nebeneinander her.

"Hast du das Geschenk dabei?" fragt sie flüstern, während es eindeutig in Fianas Richtung geht.



"Ja," nickt Sigrun nicht allzu leise, denn die allgemeine Lautstärke dürfte das Gespräch weit übertönen. "Ich hatte es die ganze Zeit hier in meiner Tasche."

Sie greift sich mit der freien Hand in eine kleine Tasche, die sie am Gürtel trägt. Doch schon die Ausbeulung läßt erkennen, daß das Geschenk noch heil ist, paßt es doch nur sehr knapp hinein. Sigrun befühlt kurz kritisch die Oberfläche des verpackten Geschenks, nimmt es aber noch nicht heraus.

"Scheint auch nicht naß geworden zu sein", kommentiert sie ihr Vorgehen.


"Das ist prima... übergib du es dann am besten, nachdem wir beide gratuliert haben."

Der restliche Weg bis zu Fiana ist rasch zurückgelegt, und so kommen Bootsfrau und Matrosin bei der ersten Offizierin an. Nirka würde Sigrun natürlich den Vortritt lassen, aber das wäre ziemlich unpassend zu ihrem Rang und auch zu dem Bild, das all die anderen von ihr haben. Also tritt sie vor Fiana, und sagt:

"Herzlichen Glückwunsch zum Tsa-Tag, Fiana! Möge Efferd dir stets wohlgesonnen sein, und mögest du Freude an unserem kleinen Geschenk haben!"

Sie reicht Fiana die Hand, und tritt zugleich zwei Spann zur Seite, so daß Sigrun sich anschließen kann.



"Habt vielen Dank, und möge Efferd auch euch beiden immer wohlgesonnen sein"

Sie erwidert den Händedruck und blickt gespannt auf das was Sigrun da bereithält.



"Auch von mir einen ganz herzlichen Glückwunsch zu deinem Tsa-Tag."

Dann nimmt Sigrun das noch verpackte Geschenk endgültig aus der kleinen Tasche und reicht es Fiana.

"Hier, wir haben uns gedacht, daß der hier dich bestimmt an ... jemanden erinnert."

Ein erwartungsvolles Grinsen liegt auf ihrem Gesicht.



Auch Nirka beobachtet gespannt Fiana und das noch verpackte Geschenk... auch wenn dessen Verpackung und Form zumindest über *einen* Aspekt des Inhalts kaum Rätsel offen lassen. Über den anderen dagegen schon...

Weiterhin steht die Bootsfrau dicht neben Sigrun und läßt sich nicht davon stören, daß auf dem Deck viele stehen, die das sehen könnten.



"Vielen lieben dank Sigrun" Fröhlich und zugleich neugierig packt sie ihr Geschenk vorsichtig aus. Freudig betrachtet sie den Krug und besonders die Darstellung des Wals darauf

"Mir scheint hier hätte jemand geahnt was uns passiert" meint sie freudig lächeln



Nirka runzelt bei Fianas Worten leicht die Stirn, was man bei der Dunkelheit jedoch nicht sehen kann. DAS war doch genau der Grund, warum sie diesen Krug genommen haben... oder meint die Offizierin, daß jemand einen solchen Krug überhaupt hergestellt hat? Dabei sind Wale doch gerade in Hafenstädten wie Prem ein beliebtes Motiv für Verzierungen aller Art...

Die Bootsfrau beschließt, sich darüber nicht weiter zu wundern, und hält schon einmal nach dem glücklicherweise noch nicht ganz verzehrten Wildschweinbraten Ausschau.



Auch Sigrun ist etwas irritiert von Fianas Worten. Doch vermutet sie, daß die Offizierin sich auf den Hersteller des Kruges bezieht. Außerdem, warum soll man sich Gedanken machen, wenn die Beschenkte sich offensichtlich freut. Also beschließt sie, endlich die Feier, und vor allem zunächst einmal ein Stück von dem Braten, zu genießen und Fiana nicht von ihrer Rolle als Gastgeberin abzuhalten.

"Wir sehen uns dann mal ein wenig um", meint sie noch anfügen zu müssen, bevor sie erneut Nirka ansieht.



Nirka nickt der ersten Offizierin noch freundlich zu, und ergänzt:

"Wir werden uns mal was zu essen suchen, solange noch etwas zu finden ist", und 'zieht' dann Sigrun in Richtung des Wildschweinbratens.

Erst dort läßt sie Sigruns Hand los, aus einem ganz praktischen Grund. Die Bootsfrau verzichtet darauf, einen der Matrosen damit zu beauftragen, und greift selbst nach dem Messer. Geschickt säbelt sie das beste Stück ab, das der ganze Braten noch zu bieten hat, und reicht es Sigrun, ehe sie für sich selbst ebenfalls ein Stück abschneidet.

"Guten Appetit!"



Der Braten wartet


Also freut Fiana sich wirklich über das Geschenk. Na, dann hat sich die sorgfältige Auswahl ja gelohnt.

Sigrun läßt sich ohne Widerstand zu den Resten des Bratens ziehen und als sie bemerkt, daß Nirka ihr das beste noch vorhandene Stück zugedacht hat, geht ein dankbares Strahlen über ihr Gesicht. Noch nie hat ihr jemand so nahe gestanden, daß er oder sie für Sigrun auf das beste von irgend etwas verzichtet hätte. Fast ist sie geneigt, Nirka das Stück zurückzugeben, liegt ihr doch Nirkas Wohl viel mehr am Herzen als ihr eigenes. Doch dann zieht sie kurz die Stirn kraus, irritiert über ihre eigene Reaktion.

'Das wäre ja wirklich lächerlich', denkt sie, glättet die Falten und strahlt Nirka an.

"Ein herrliches Stück! Vielen Dank!"

Doch anbeißen tut sie den Braten noch nicht, wenn er auch noch so verführerisch duftet und das Fett langsam beginnt, zwischen ihren Fingern hindurchzulaufen. Sie möchte lieber warten, bis Nirka sich selbst auch ein Stück abgeschnitten hat.



Ein Lächeln huscht über Nirkas Gesicht, als sie sieht, daß Sigrun noch auf sie wartet, und so säbelt sie das andere Stück rasch ab und reicht das Messer einem Matrosen, der auch noch Hunger hat - seinen fettverschmierten Fingern nach wird das wohl nicht sein erstes Stück sein. Die Bootsfrau nimmt ihr Stück in die Finger, und meint:

"Na dann... laß uns den Hunger bekämpfen."

Sie beißt kräftig zu und ein recht großes Stück von ihrem Bratenteil ab.



"Ja, ... auch dir guten Appetit", antwortet Sigrun noch schnell, bevor sie herzhaft in das Stück Braten beißt. Der Hunger hat es wirklich nötig, gestillt zu werden. Genießerisch schließt Sigrun die Augen. So etwas Gutes gibt es wirklich selten an Bord.

"Hmm, ...", entfährt es ihr, während sich ein Teil dieses ersten Happens noch in ihrem Mund befindet. "Grooschartisch ...!"



Nirka kann Sigrun nicht sofort antworten, weil ihr Mund noch voll ist und sie genießerisch kaut - sie bietet dabei fast den gleichen Anblick wie Sigrun.

Im Gegensatz zu dieser - vielleicht auch, um dieser nicht ins Wort zu fallen, wartet sie mit dem Reden allerdings, bis sie den ersten Happen aufgegessen hat.

"Dem kann ich nur zustimmen! Fiana hat gut gewählt..."

Sie hebt das Bratenstück wieder zum Mund, um den nächsten Happen abzubeißen, hält aber noch kurz inne:

"Und es ist genug da - das, was noch übrig ist, sollte ausreichen, um uns satt zu machen, findest du nicht auch?"

Sie fühlt stärker denn je den Drang, die Freundin in die Arme zu schließen, beherrscht diesen diesmal aber, da ihre Hände fettbesudelt sind, sie das Bratenstück noch in der Hand hat, und weil fast die gesamte Mannschaft zuguckt.

In der Freude über das Essen und die Verbundenheit mit Sigrun entgeht ihr völlig, daß der Schiffszimmermann sie beide beobachtet.



Ole beobachtet


Ole kann seiner Unruhe nicht so richtig Herr werden. Das dürfte ihm erst gelingen, dessen ist er sich sicher, wenn Alrik glücklich zurückgekehrt sein würde. Doch der alte Seefahrer will sich nicht unterkriegen lassen und so vertieft er sich, zur Ablenkung, in die Beobachtung der Umgebung. Doch leider will ihm da nichts interessantes oder aufregendes auffallen. Ein paar neue Passagiere scheinen unterdessen an Bord gekommen zu sein, vielleicht sind es aber auch nur Gäste des Festes, hieß es nicht, daß Fiana in Prem einen Onkel hat? Der Gaukler von vorhin fällt ihm auf, Ole glaubt ihn zumindest als solchen zu erkennen, warum sonst sollte der Mann da hinten, der gerade in eine Unterhaltung mit dem jungen Schreiber vertieft ist, auch so knallbunte Kleider tragen.

Da kommen Ole auf einmal Nirka und Sigrun ins Blickfeld. Ole grinst, natürlich stecken die beiden wieder beieinander, wie sollte es auch anders sein.

'Doch halt Was ist das???' Ole stutzt 'Kann das sein, daß die beiden Händchen halten?'

Das erscheint dem Schiffszimmermann ungewöhnlich und es nährt in ihm einen lange verdrängten Verdacht. Als die zwei Frauen Fiana gratulieren, tritt zuerst Nirka vor, das hatte Ole auch nicht anders erwartet, es ist ja nicht ungewöhnlich, daß die Bootsfrau vor der Matrosin 'in der Reihe' steht, doch als dann danach Sigrun ein Geschenk übergibt, das offensichtlich im Namen beider Frauen überreicht worden war, findet es Ole dann doch etwas merkwürdig. Wieder muß er grinsen, diesmal noch breiter und beinahe wäre ihm dabei die Pfeife aus dem Mund gefallen. Da haben die beiden den Nachmittag in Prem also zusammen verbracht und nun überreichen sie gemeinsam ein Geschenk an Fiana. Das ist ungewöhnlicher als ungewöhnlich. Neugierig beobachtet Ole die beiden weiter. Die Frauen gehen weiter zum Braten hin, zumindest an das, was noch von ihm übrig ist. Die zwei scheinen Hunger zu haben und sie bedienen sich erst jetzt, reichlich spät, da andere schon die dritte oder vierte Portion zu holen anstehen. Ach ja, richtig, Nirka hatte ja ziemlich zu tun mit Aleara und Sigrun dürfte da auch nicht weit weg gewesen sein. Klar das die jetzt Hunger haben. Doch was ist das? Nirka schneidet sich eine ordentliche Menge aus dem Braten und übergibt sie Sigrun, anstatt sich selbst zu vesorgen? Und Sigrun wartet brav, bis auch Nirka bedient ist, bevor sie zu essen beginnt und zwar mit gewaltigem Heißhunger? Und überhaupt, wie sich die beiden anschauen. Ole lächelt nun noch ein Stückchen breiter und sein Grinsen nun bekommt schon etwas hinterhältiges.

'Oh Rahja, du schöne Göttin, willst du mich mit Blendwerk necken oder mir nur den sonderbaren Weg deiner Werke darbieten?'

Ole holt sich die Flasche mit 'Premer Feuer' aus der Tasche und nimmt einen tüchtigen Schluck, doch zuvor spricht er einen leisen, fast tonlosen Gruß:

"Auf euch zwei, Nirka und Sigrun. Auf euer Glück, euere Zuneigung und auf euer Geheimnis!"

Ole schnalzt mit der Zunge. So gut hatte ihm das 'Feuer' schon lange nicht mehr getan. Es ist schon besser auf das Glück zu trinken, als das Unglück durch das Trinken zu vergessen.



Auf den Dächern von Prem


Spät in der Nacht erwacht Torin wieder. Das Pochen in seinem Kopf erinnert ihn daran, daß er nicht geträumt hat. Langsam setzt er sich auf, die Schmerzen zucken durch seinen Kopf. Als er die Wunde am Kopf berührt, bemerkt er eine leichte Schorfschicht.

'Wie lange war ich wohl ohne Bewußtsein? Bald wird die Sonne aufgehen und dann sollte ich nicht hier sein.' denkt Torin und versucht sich aufzurichten. Schwarze Schatten tanzen vor seinen Augen, doch er kämpft dagegen an. Es kommt Torin wie eine Ewigkeit vor, bis er endlich steht.



Torin blickt sich um. Niemand scheint ihn hier gesehen zu haben. Er steht auf, streckt seinen rechten Arm in die Höhe, öffnet die Hand und konzentriert sich auf die Worte, die ihn der Wanderer damals lehrte.

'Mara chin dei, komm herbei!' befiehlt Torin in Gedanken.

Doch nichts geschieht. Abermals konzentriert sich Torin, diesmal stärker. Kleine Schweißperlen treten auf seine Stirn. Wieder formt er in Gedanken die Worte. Auch dieses Mal geschieht nichts.

"Du verwünscht sturer Stab! Komm sofort her zu mir sonst kannst du bleiben, wo du bist!" raunt Torin in die Dunkelheit der Nacht. Eine graue Schicht scheint die Luft um Torins Stab zu belagern. Dann schließt Torin seine Hand um seinen Stab.

'Es geht also doch noch.' denkt er sich lächelnd.

Langsam wankt er auf seinen Stab gestützt zurück in sein Quartier.



Als sich Torin endlich durch das Kammerfenster schleppt, streckt die Morgensonne ihre ersten warmen Strahlen über der Stadt aus. Torin schließt das Fenster, behandelt notdürftig seine Wunde mit Alkohol und entkleidet sich dann. Dankbar läßt er sich auf das Bett sinken, das unter seinem Gewicht leise knarrt. Erschöpft schläft er ein.



Jarun sucht Unterhaltung


Als Jarun sich von seiner Verbeugung wieder aufrichtet, ist die Matrosin bereits verschwunden. Nach der Matrosin suchend, schaut er sich auf dem Deck um.

'Ah, da vorne geht sie ja. Scheinbar ist sie auf dem Weg zu Fiana. Sie hat mich tatsächlich schon wieder ignoriert.' Mit einem abfälligen Wink der rechten Hand wendet sich Jarun von der Matrosin ab, um sich auf dem Deck nach einem anderen Gesprächspartner umzuschauen.

'Die drei Magier auf dem Vorderdeck wollen sicher nicht gestört werden. Außerdem sind mir deren Themen etwas zu langweilig. ... Da vorne sind wieder die beiden Matrosen, die mich bei Fiana in der Schlange von hinten ständig angepöbelt haben. Nach deren Gesellschaft steht mir momentan auch nicht der Sinn.'

Bereits etwas resigniert fällt sein Blick auf Hirkan.

'Oh, da vorne der junge Mann scheint auch ein Passagier zu sein. Mal sehen, was er bereits über die NORDSTERN zu berichten weis.'

Jarun füllt sein Bier noch einmal auf und schlendert, während er daß Treiben an Bord beobachtet, zu Hirkan herüber.



Nach dem plötzlichen Abgang von Phexane und dem Ende der Vorführung des Gauklers hat Hirkan sich wieder etwas in den Hintergrund zurückgezogen. Die Matrosen werden ihm jetzt langsam wirklich zu laut und unflätig und andere Gesprächspartner stehen nicht zur Verfügung. So lehnt er leicht an der Reling, als er den Gaukler auf sich zukommen sieht.



Entspannt nach seinem anstrengenden Auftritt geht Jarun zu dem jungen Mann auf der anderen Seite des Decks herüber. Auf halber Strecke bleibt er stehen und nimmt einige vorsichtige Schlücke aus seinem Krug, um seine trockene Kehle ein letztes Mal zu ölen. Dabei aber immer darauf bedacht seine Schminke nicht zu verwischen.

Jarun räuspert sich und bringt die letzten Meter mit den selben bedächtigen Schritten hinter sich, mit denen er auch den ersten Teil der Entfernung zurückgelegt hat. Im Gehen rückt er wieder seine Kleidung und seinen Umhang zurecht. Bei Hirkan angekommen verbeugt er sich und begrüßt ihn mit kräftiger Stimme.

"Phex zum Gruß, werter Herr. Möge euer Geldbeutel stetig prall gefüllt sein."



"Seid auch Ihr gegrüßt im Namen der Zwölf", antwortet Hirkan. "Was meinen Geldbeutel angeht, so bin ich zur Zeit nur froh, daß er sich nicht in fremden Händen befindet."



"Nun ja, ich hoffe hier auf dem Schiff sind wir vor solchen Beutelschneidern sicher." entgegnet Jarun, während er sich von seiner Verbeugung erhebt.

"Aber, ehrlich gesagt, hoffte ich, von euch mehr über die NORDSTERN zu erfahren. Ich selber bin ja erst seit wenigen Minuten an Bord. Ihr seid doch auch ein Passagier?"

Dabei schaut er ihn fragend an.

"Und, ihr seid doch auch schon länger an Bord, oder?. Meine Name ist übrigens Jarun der Papagei." Freundlich lächelnd streckt Jarun seinem Gegenüber die Hand entgegen.



"Sehr erfreut", antwortet Hirkan und ergreift Jaruns Hand. "Euren Namen habe ich ja schon im Zusammenhang mit Eurer Vorstellung erfahren. Eine sehr beeindruckende Vorstellung übrigens ..."

Hier macht er eine kurze Pause, aber nur, um im nächsten Moment doch fortzufahren.

"Ja, Ihr habt recht, ich bin ebenfalls Passagier hier auf dem Schiff. Ich bin in Olport an Bord gegangen und werde bis Thorwal mitreisen."



"Ich freue mich, daß euch meine Vorstellung gefallen hat, Hirkan. Leider war sie nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte."

Dabei deutet er auf den Krug in seiner Hand.

"In Olport seit ihr also an Bord gekommen."

Er macht eine kurze Pause und schaut sich auf dem Deck um.

"Laßt uns dort drüben auf die Kisten setzen." Seine Hand deutet auf einige Kisten die vor dem Vorderdeck aufgestellt worden sind."

Dort können wir es uns etwas gemütlicher machen und ihr erzählt mir warum ihr auf dem Weg nach Thorwal seid."



Hirkan nickt verständnisvoll, als Jarun sich auf den nicht so gelungenen Teil der Vorstellung bezieht. Doch Jarun redet schon weiter. Hirkan hingegen hat eigentlich gar nicht so richtig Lust, schon wieder von sich selbst zu erzählen. Das kann er auch später noch tun. Also antwortet er:

"Ja, ein Sitzplatz ist wirklich eine gute Idee. Aber bevor ich Euch von Dingen erzähle, die Ihr sicherlich längst wißt, berichtet mir, was einen so begabten Künstler zu einer langwierigen Schiffsreise treibt."



Einsame Matrosin


Bei Fiana angekommen befallen Xenia erneut Zweifel, ob sie es wagen kann, ihrer Vorgesetzten so ganz ohne Geschenk gegenüberzutreten. Doch da sie jetzt praktisch direkt vor dem Geburtstagskind steht, kann sie kaum noch unauffällig umdrehen. Also umfaßt sie kurz fest das kleine Holzfigürchen, das ihr an einem Lederband vorm Hals baumelt und macht dann beherzt den letzten Schritt auf Fiana zu. Sich kurz räuspernd beginnt sie:

"Ich... äh... ich wollte Euch auch gratulieren..."

Sie blickt kurz zu Boden und fährt dann nervös mit der Zunge über ihre Lippen.

"Also - ich hab' leider kein Geschenk, aber ich wünsche Euch Gesundheit und Freude und daß alles in Erfüllung geht, was Ihr Euch wünscht - und natürlich den Schutz der Zwölfe in Eurem ganzen weiteren Leben." sprudelt sie hervor.

'Ob sie böse oder enttäuscht ist?'

Erwartungsvoll aber auch etwas ängstlich sieht Xenia die Offizierin an.



Liebevoll lächelnd schaut sie Xenia in die Augen.

"Das macht doch nichts, es braucht ein Geschenk im materiellen Sinne. Ehrlich gemeinte gute Wünsche sind ein wunderbares Geschenk, das auch durch noch so teure Dinge nicht übertroffen werden können. Habe vielen Dank und möge unser Herr Efferd und die anderen elf dich immer begleiten."



Glücklich lächelnd sieht Xenia die 1. Offizierin an und freut sich wie ein Kind, das sie ja fast noch ist, daß Fiana über ihre Glückwünsche offensichtlich erfreut und keineswegs mißgestimmt ist. Die Matrosin ist zwar überrascht aber auch etwas stolz, das Richtige getan zu haben.

"Auch ich danke Euch." sagt sie mit einem Nicken und einer unbewußten, angedeuteten Verbeugung.

'Wenn ich meiner Mutter besser gehorcht und mehr geübt hätte, könnte ich Fiana jetzt zum Geburtstag einen Tanz bieten - aber ohne Musik geht das sowieso nicht und die richtige Kleidung habe ich auch nicht...'

Eigentlich ist Xenia recht erleichtert, genügend Rechtfertigungen für sich selbst gefunden zu haben, um nicht zu tanzen, obwohl sie sich schon fragt, ob sie es nach so langer Zeit noch kann.


Auch Fiana nickt Xenia zu. Sie ist sich nicht sicher, ob diese noch etwas sagen möchte, daher wendet sie sich noch nicht ab, sondern wartet, ob noch etwas kommt oder Xiana sich zum Braten abwendet.



Etwas unschlüssig steht Xenia dort und überlegt, wie sie sich am höflichsten wieder zurückziehen könnte. Schließlich sagt sie einfach:

"Gestattet Ihr, daß ich mich wieder dem wunderbaren Essen und der Feier zuwende?"

Es klingt wie eine echte Frage.



"Aber sicher, nimm dir ein kräftiges Stück vom Braten solange noch genug da ist und habe Spaß soviel du möchtest."



Xenia nickt erleichtert und schlendert dann zu ihrem Platz am Großmast zurück, wobei sie beinahe einen der Feiernden angerempelt hätte.

'Nanu - vielleicht sollte ich langsam zu anderen Getränken übergehen...'

Sie mustert mit anschuldigendem Blick ihr Weinglas, aus dem sie allerdings trotzdem einen Schluck nimmt, als sie am Großmast angekommen ist.

'Ich sollte mir Gesellschaft suchen - sonst fange ich wieder an, mir blödsinnige Gedanken zu machen...'

Sie sieht sich etwas unschlüssig auf dem Oberdeck um.



Mausyssee


Wieder rechts, dann aber links, nach einer Weile besonders links... Das ist ja wie im Labyrinth des Minorattos! Da hört die Wand plötzlich ganz auf. `Hicks!' Was nun? Eratsmus hat sich verirrt! In dunklem, muffeligen Gelände ist er einsam und verlassen. Kein Freund in Sicht, kein rettender Schwanz, der sich ihm zeigte. Dabei wollte er doch nur mal nett ausgehen! Ein Mäusetränchen kullert ihm über die spitze Nase.



Ein rüder Rattenrülpser reißt Eratsmus aus resignativer Ratlosigkeit - und befreit ihn ganz nebenbei von seinem lästigen Schluckauf. Irgendwo muß die stufige Sturzvorrichtung ja sein! Also weiter nach rechts, bis man sie gefunden hat!

Ähm, wo rechts, wenn man keine Wand hat? Achja, die hatte ja hinter ihm aufgehört! Also dreht er sich um. Hm, links oder rechts daran entlang?

Rechts natürlich, denn sonst würde man ja zurückgehen! Rattenlogik ist schon was Feines...

So läuft er also, so schnell ihn seine Beinchen tragen erst auf der rechten Seite der Wand entlang geradeaus, dann einen scharfen Knick nach rechts - sehr schön, hier muß er richtig sein! - dann wieder rechts, dann zweimal links, rechts, rechts, links...

Zwar wundert es ihn, daß es ihm vorhin nicht so weit vorkam, aber vielleicht hat er auch nur zuviel gegessen, also immer hübsch weiter!



In seiner Eile und seiner Angetrunkenheit bemerkt er den Türspalt zu seiner Linken zum Glück nicht. Wohlmöglich hätte ihn dies nur dazu verleitet, sich weiter im Kreise zu drehen. So gelangt er ohne weitere Zwischenfälle endlich am gesuchten Ort an:

`Heureka! Die Sturzvorrichtung!' piepst er - womit er nebenher seine Grundkenntnisse in Alt-Güldenrättisch unter Beweis stellt. Erleichtert springt er die Stufen empor. Allerdings wird sein fröhliches Ungestüm mehr und mehr gebremst, ist es doch ein sehr anstrengender Aufstieg, zumal in seinem alkoholisierten Zustand. Oben angekommen japst er erschöpft nach Luft. Die Schatten wabern wirr vor seinen Augen. Helle Flecken blinken. Für einen Moment vermeint er gar, eine grüne Ringelschwanzriesenratte zu erkennen! Nachdem ihm wieder besser geworden ist, sucht er nach der Rampe, seine Freunde und Verwandten auf dieses Schlemmerparadies aufmerksam zu machen.



Jergan auf der Treppe


Jergan Efferdstreu steht noch immer auf der Treppe, sich mittlerweile jedoch fragend, ob es jetzt noch viel Sinn machen würde, eine kleine Rede zu halten. Die Feier ist schon weit vorangeschritten, und, was wichtiger ist, das Feuer, der Wein und das Bier sind schon reichlich geflossen. Wirklich passend erscheint es ihm in der Tat nicht.

Der optimale Moment wäre etwa zu dem Zeitpunkt gewesen, als Aleara ins Wasser fiel, doch da hätte er es nie tun können - es wäre einfach nicht richtig gewesen. In Jergans Kopf entsteht langsam der Plan für einen Mittelweg, den auch die angeheiterten Matrosen - sogar die betrunkenen - annehmen und verstehen würden.

Mit einem Lächeln im Gesicht steigt er noch eine Stufe höher auf der Treppe, die vom Oberdeck hinauf zum Brückendeck führt.



Sören hat genug


Etwas unschlüssig mustert der Smutje noch immer die Feier und die Gäste und kommt nun endlich zu dem Schluß, daß er jetzt alles Sehenswerte gesehen hat. Das einzige, was ihn davon abhält in seine Kombüse zurückzukehren ist die Frage ob er dem Geburtstagskind noch gratulieren soll.

'Sie scheint mir auch so hinreichend beschäftigt, andererseits könnte sie mir das als Antiapthiebekundung auslegen...'



Vom Ende der Feier und vom Morgen danach


Eine so fröhliche und unbeschwerte Feier, wie sie an Bord der NORDSTERN stattfindet, gibt es natürlich nicht alle Tage. Meistens ist das Leben hart und beschwerlich - auch für die Matrosen, die auf der NORDSTERN im Dienst stehen. So ist es überaus schwierig ein Ende zu finden, denn im Grunde ihres Herzens wünschen sich alle, daß solch ein vergnüglicher Abend andauern würde.

Noch viele Stunden lang wird gezecht, erzählt, gesungen und gelacht und so manche Geschichte mag dem einen wohl schon bekannt vorkommen, hört man sie doch schon das dritte oder vierte Mal. Doch sei es drum, es gibt immer welche, die neu hinzukommen und die dem überraschenden Ausgang der Erzählung gebannt entgegen fiebern und andere die gar nicht genug von dem alten gesponnenen Seemannsgarn kriegen können.

Dann gibt es auch wieder einige wenige, die so gar nicht an dem fröhlichen Treiben an Bord teilnehmen mögen. Doch die NORDSTERN bietet auch ausreichend Platz für diese Menschen, die das Alleinsein suchen und der Geselligkeit ausweichen. Versonnen lehnen sie an der Reling, lassen ihre Blicke in das tiefdunkle Meer versinken oder starren einfach nur in die Dunkelheit, als fänden sie dort, weit draußen auf dem Meer die Lösung für ihren Kummer.


Auch die gelehrten Herrschaften nehmen einen gewissen Anteil an der Feier. Auf dem Vordeck ist man unter sich, fernab vom gewöhnlichen Pöbel und somit auch recht ungestört. Der Wein, den Fiana besorgt hatte, ist ausgezeichnet. Rot und trocken, und nach dem zweiten Viertel läßt es sich gleich viel besser philosophieren. Welche Hypothesen in dieser Nacht noch aufgestellt und auch wieder verworfen wurden - nun, wir, die gewöhnlichen Seefahrer wissen es nicht.


Aber die Nacht schreitet unerbittlich voran und irgendwann wird es ruhiger auf dem Oberdeck. Matrosen und Passagiere ziehen sich nach und nach zurück, wobei der eine oder die andere bereits auf fremde Hilfe angewiesen ist, um den Weg zum Nachtlager zu finden.


Auch die kleine und einsame Maus hat ihren Heimweg angetreten. Unbemerkt von allen Zwei- und Vierbeinern hat sie den Ausgang des Rattenvergnügungsetablissementes gefunden. Geradezu euphorisch jagt sie die Planken hinab und die Hafenanlagen entlang Richtung des Otterndammes, wo sie geboren wurde. Wie könnte sie ahnen, daß das Schiff, das sie soeben besuchte, bei ihrer Rückkehr nicht mehr hier vor Anker liegen wird? Aber vielleicht hätte Eratsmus die richtige Stelle ohnehin nicht wiedergefunden...


In Gedanken versunken macht sich Wulf Lowanger zu dieser nächtlichen Stunde auf seinem Weg auf Deck. Der wortkarge, alte Offizier, der selten mehr als nötig spricht und dessen barsche Anweisungen keine Widerworte dulden, hat es nicht bedauert, die Feier versäumt zu haben. Geselligkeiten waren ihm schon immer ein Greuel und die Übernahme der Nachtwache war ein guter Vorwand, sich vorher ein wenig hinzulegen, um später den Rest der Nacht durchwachen zu können.

Die Nacht ist immer noch sehr klar, kein Wölkchen versperrt den Blick auf den Nachthimmel, wo Madamal und Sterne um die Wette strahlen. Der Blick des alten Navigators bleibt dem Himmelskörper hängen, der der Karavelle ihren Namen gab. Der Nordstern.


In den frühen Morgenstunden, ein paar hellblaue Streifen am Horizont bereits davon, dass der neue Tag bald anbrechen wird, wird es empfindlich kalt auf Deck. Lowanger, der immer noch auf dem Brückendeck steht, schlägt den Kragen seiner Jacke nach oben. Ein leichtes Frösteln überzieht seinen Rücken und er beschließt bei sich, daß ein wenig Bewegung nicht schlecht wäre, um sich etwas aufzuwärmen. So steigt er gemächlich die Stufen zum Oberdeck hinab und wandert mal hierhin, mal dorthin und verschwindet auch mal kurz unter Deck, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Das ist der Moment, auf den ein gewisser Schiffsjunge, ALRIK mit Namen, schon lange gewartet hat. Die Luft ist rein, der Weg ist frei. Unauffällig pirscht er sich näher an das Schiff heran. Der Weg aus seinem Versteck im Hafen bis zur Anlegestelle der NORDSTERN ist weit. Doch in dieser Nacht war ihm nicht nur die Schöne Göttin wohlgesonnen, auch Phex scheint wohlwollend seine schützende Hand über ihn zu halten.

Kaum ist ALRIK auf dem Schiff angekommen, schon ist das Geräusch von knarrendem Holz am Aufstieg zu vernehmen. Blindlinks greift er nach irgendeinem Gegenstand, der gerade in der Nähe liegt, zufällig ist es ein leerer Krug.

"Ich konnte ... ja... nicht mehr schlafen und.... äh... räume schon mal auf..." stottert ALRIK und beugt sich dann schnell nach unten, als hätte er Angst, daß man ihm diese faustdicke Lüge vom Gesicht ablesen könnte.

Doch Lowanger brummelt nur etwas, das wie "Nur zu, Junge", klingt und läßt die Angelegenheit damit auf sich beruhen.

So macht sich ALRIK schweigend an die Aufräumarbeiten, zu denen er ja sowieso schon am Vortag verdonnert wurde. Die Zeit vergeht und bald sind auch andere Geräusche unter Deck zu hören. Kurz nach Sonnenaufgang haben sich bereits einige andere Matrosen auf dem Deck eingefunden. Doch nur der Matrose Eilif ist freiwillig bereit, ALRIK bei seiner Arbeit zu unterstützen. Den meisten ist wohl mehr daran gelegen, etwas frische Luft zu schnappen, während das erste Tagwerk anderer, tierfreundlicher Matrosen darin besteht, sich tief über die Reling zu beugen und in aller Ruhe erst einmal die Fische zu füttern.

Die Aufräumarbeiten machen einen guten Fortschritt, und auch Sigrun löst bereitwillig ihr Versprechen ein, für etwas Ordnung an Bord zu sorgen. ALRIK ist ihr wirklich dankbar dafür, denn momentan scheint es wirklich noch nicht sehr viele Matrosen zu geben, die zu nützlicher Arbeit in der Lage sind und mehr beschickt bekommen als die Überbleibsel der Feier, von links nach rechts zu schieben, ohne zu deren Beseitigung beizutragen.

Als erster der Passagiere kommt Jarun 'der Papagei' an Deck. Unter seinem Arm geklemmt, trägt er eine der Schiffshängematten. Fröhlich pfeifend spannt er sie auf dem Vordeck auf und als er sich schließlich dort hinein bettet, kann man ihm das Vergnügen, daß es ihm bereitet, den verkaterten Matrosen bei der Arbeit zuzusehen, vom Gesicht ablesen.

Bald darauf erscheint auch Kapitän Jergan Efferdstreu auf dem Oberdeck, nach einem kurzen Gespräch mit seinem Offizier Wulf Lowanger, steigt Jergan auf das Brückendeck, während sich Lowanger wieder unter Deck zurückzieht.

Doch bald schon ist es mit der Beschaulichkeit und Ruhe vorbei. Der neue Tag hat längst begonnen, auch für die Matrosen anderer Schiffe und der Arbeiter im Hafen. Alle nehmen ihr gewohntes Tagwerk wieder auf und das lebhafte Treiben kehrt wieder in den Premer Hafen ein.







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