- Nordstern -

Auf Ifirn's Ozean - Efferd, 28 n.H.

Der blinde Passagier


'Was ist denn los?'

Diese Frage hat er sich wohl in den letzten paar Minuten schon 20-mal gestellt. Auf seiner Stirn drohen sich schon Falten abzuzeichnen - so angestrengt versucht er mit seinen Sinnen das Treiben um ihn herum zu ergründen.

Noch vor ein paar Augenblicken war es eigentlich relativ ruhig geworden auf dem Boot. Er hatte schon daran gedacht, diesen düsteren Raum zu verlassen. Der Hunger plagt ihn und sein Wasservorrat neigt sich auch dem Ende zu. Doch dann plötzlich sind die Menschen auf diesem Boot förmlich`explodiert`. Ein Geschreie. Ein Herumgerenne. Ein Gepolter. Und auch das Boot hat angefangen viel unruhiger zu werden als vorhin. Auch das Geplätscher des Meeres, das vorher noch friedlich zwischen dem Boot und der Steinmauer und um das Boot selbst zu hören war, hat sich verändert.

'Was geht hier vor sich?'

Ein mulmiges Gefühl breitet sich in seinem Bauch aus. Was, wenn er diesen dunklen Raum nicht mehr verlassen kann? Dieser Gedanke gefällt ihm ganz und gar nicht. Ganz langsam rinnt ein kleiner, warmer Tropfen an seiner Stirn herunter. Er wischt sich den Schweißtropfen mit dem Ärmel ab.

'Worauf habe ich mich wieder eingelassen?'



Sigrun an Deck


An Deck angekommen, wirft auch Sigrun sich wieder ins Geschehen. Sie faßt überall mit an, wo dies erforderlich erscheint und stellt fest, daß die Mannschaft gut zusammenarbeitet. Bei den vielen kleinen und großen Handgriffen bleibt wenig Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, doch zwischendurch sieht sie sich kurz um und stellt zufrieden fest, daß Ole offensichtlich in seinem Element ist. Nein, hier braucht er wahrhaftig keine Einführung, es scheint eher so, als hätte er sich zum Ziel gesetzt, alle Arbeiten alleine zu erledigen. Während sie ein Seil befestigt, lächelt Sigrun leicht vor sich hin.

'Nachher werden ihm die Knochen weh tun und beim nächsten Mal wird er etwas kürzer treten. Aber was soll's, Hauptsache er fühlt sich wohl', denkt sie.



Nirka an Deck


Nirka stellt wieder einmal mit ziemlicher Begeisterung fest, wie effektiv diese doch recht kleine Mannschaft arbeitet. Sie muß kaum eingreifen, und auch die Zahl der Kommandos, die sie geben muß, halten sich sehr in Grenzen. Fast ein wenig belustigt beobachtet sie den Neuen, der voller Enthusiasmus dabei ist, obwohl er augenscheinlich nicht mehr zu den Jüngsten gehört.

Die NORDSTERN gleitet indes mit zunehmender Geschwindigkeit in Richtung des offenen Meeres, und die Gestade von Olport werden hinter dem Heck immer kleiner...



Ole im Glück


Wenn das Schiff erst einmal in Fahrt ist und die Bedingungen so günstig sie im Moment, dann hat ein Seemann durchaus einmal die Zeit den Blick über EFFerd's unendliches Reich zu schwenken und die Seele dabei baumeln zu lassen. Ole kennt dieses Gefühl schon lange, dieses 'innere Aufatmen', dieses 'umfassende Verbundensein' mit EFFerd's blauer Natur. Das erste mal, als Ole eben solches verspürte waren es noch, zum größte Teil, die schwärmerischen Träumereien eines Schiffsjungen gewesen, der seine gute Zeit noch zu kommen sehen glaubte. Inzwischen hatte das Leben mit seinen Schattenseiten dem alten Schiffszimmermann so manche bittere Lektion erteilt und viele seiner Träume sind mittlerweile ins Nichts zerstoben, fort und dahin und mit ihnen die Hoffnung auf bessere Zeiten. Doch dieses eine Gefühl von Freiheit und Ewigkeit war ihm, durch alle Götterläufe hindurch geblieben, immer dann, wenn er über die Weite des Meeres hinaus schauen durfte und dabei einen kalten Wind an seinen Haaren und an seinem Körper zerren spüren konnte, dann war es wieder da und dann glaubte auch Ole noch daran, dem Leben wieder mit Freude begegnen zu können. Alle Melancholie und alle Kümmernis weicht dann aus ihm fort und er fühlt sich erhellt und glücklich.

Ole schließt manchmal die Augen und lauscht dem Geräusch der Wellen, dem Pfeifen und Heulen des Windes und dem Geschrei der zahlreichen Möwen, die alle Schiffe in Küstennähe gerne begleiten, um sie willkommen zu heißen oder sie, wie im Falle der NORDSTERN, in das Meer hinaus zu verabschieden. Der 'graue Riese' fühlt sich nunmehr losgelöst, nach Blicken zurück steht ihm nicht mehr der Sinn. Vorwärts, nur noch vorwärts will er schauen und letzten Endes auch denken, die Vergangenheit hinter sich lassend. Angestrengt blinzelt er gegen das Licht der Praiosscheibe an, vielleicht kann man schon die Gestade von Dibrek oder Skerdu am Horizont erahnen. Doch entweder Ole's Augen lassen nun doch langsam nach oder sie sind eben doch noch zu weit entfernt. Denn das Kap um Irfinet ist noch nahe zu sehen, die NORDSTERN mag ein schnelles Schiff sein, aber um den geradezu fiebernden Erwartungen Ole's zu genügen ist sie dann doch nicht schnell genug. Gewaltiger Tatendrang erfüllt Ole's Brust. Zu allem ist er bereit und wenn es auch gälte der alten Tula von Skerdu einen Ulk zu spielen.

Jetzt wird es aber Zeit die Pfeife wieder in Brand zu setzten ...........


Sigrun geht in den Laderaum


Das Schiff ist jetzt unterwegs und die hektische Betriebsamkeit, die durch das Verlassen des Hafens ausgebrochen war, hat nachgelassen. Die Matrosen nicken sich gegenseitig zu und verständigen sich mit jahrelang trainierter Routine darüber, wer zunächst die Arbeiten an Deck weiterführt, wer sich hinlegt, um später die Nachtschicht zu übernehmen und auch, wer für andere anfallende Tätigkeiten zuständig ist. Sigrun hat es nicht eilig damit, sich für eine der beiden ersten Gruppen zu entscheiden, sie weiß ganz genau, was sie jetzt machen möchte. Sie sieht sich nach Nirka um und ruft ihr, so laut daß auch die meisten anderen Matrosen es hören können, zu:

"Ich gehe mal das Ladedeck kontrollieren!"

Anschließend macht sie sich auf den Weg, um genau dies zu tun. Sie geht hinab aufs Ladedeck, wo sie zunächst in Laderaum 2 ankommt und beginnt, die verschiedenen Stapel auf ihre Standfestigkeit zu testen und die Seile zu kontrollieren.



Jergan und Nirka


Jergan führt die NORDSTERN immer weiter weg von der Küste Olports. Ihm gefällt, wie gut das Schiff Fahrt macht, das Wetter, einfach alles. Da hört er den Ruf der neuen Matrosin, und zuckt zusammen.

''DAS hätten wir im Hafen tun sollen!'

Er weiß zwar, daß der zweite Offizier irgendwo da unten gewesen ist... aber was genau der da gemacht hat... Außerdem... Offiziere und solche praktischen Dinge - das paßt nicht unbedingt zusammen. Jergan nimmt sich vor, die neue Matrosin dafür zu belobigen, doch das hat Zeit - jetzt muß die Aufgabe erst einmal erfüllt werden.

"NIRKA!"

Die Bootsfrau wirbelt sofort herum, fast, als hätte sie schon darauf gewartet.

"Geh runter und guck dir das selbst mit an. Wer weiß, wie die Ladung in der Hektik verstaut worden ist!"

Die Frau ist inzwischen ein Stück nach hinten gekommen, so daß der Kapitän in normaler Lautstärke fortfahren kann - fast nur für Nirak hörbar:

"Wir hatte kaum eine andere Wahl als diesen hektischen Aufbruch - aber jetzt haben wir Zeit. Kontrolliere das ordentlich - ich muß dir ja nicht sagen, was das bedeuten kann, daß weißt du vermutlich besser als ich. Wenn IRGEND ETWAS nicht in Ordnung ist, sag sofort Bescheid. Noch können wir mühelos umdrehen - wenn in einem Sturm die Packen durch die Gegend fliegen, dann hilft nichts mehr."

"Zu Befehl, Kapitän! Die Leute haben zwar ordentlich gearbeitet ... aber ihr habt das Recht!"

Die Bootsfrau dreht sich um und rennt fast zum nächsten Niedergang. Dennoch ist sie nicht außer Atem, als sie in den Laderaum zwei stürmt. Noch ehe ihre Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt haben, im Grunde sogar, ehe sie richtig im Raum ist, ruft sie:

"Sigrun?"



Laderaumkontrolle


Sigrun hat bereits eine Ecke des Laderaums kontrolliert und nur kleinere Mängel, wie etwa ein etwas zu locker gespanntes Seil, entdeckt, als Nirka eintrifft. Leicht ist es ihr nicht gefallen, sich darauf zu konzentrieren, doch in die Nervosität, mit der sie auf die andere Frau gewartet hat, hat sich auch immer wieder der Ehrgeiz, diese nicht durch schlampige Arbeit zu enttäuschen, geschlichen. So hat sie sicherheitshalber die Stellen, an denen sie das Gefühl beschlich, unaufmerksam gewesen zu sein, ein zweites Mal untersucht. Gerade hatte sie diesen Abschnitt für gut befunden und beschlossen, sich dem nächsten Bereich zuzuwenden, da hört sie schnelle Schritte und wird gerufen. Ihr Herz scheint einen Moment auszusetzen und erst jetzt wird ihr bewußt, wie sehr sie sich diesen Augenblick herbeigesehnt hat. Schnell tritt sie aus den Schatten hervor und geht auf Nirka zu.

"Hier bin ich."



Nirka geht langsamer weiter, während hinter ihr die Tür zufällt, nicht genau in Sigruns Richtung, und läßt scheinbar sehr interessiert den Blick über die Ladung im Raum gleiten. Dann, plötzlich und unvermittelt, bleibt sie stehen, ist mit einem Sprung bei Sigrun und drückt die andere Frau in einer festen Umarmung an sich.

"Und hier bin ich..."Sie flüstert es leise.


Der blinde Passagier


Die große Aufregung, das Gerufe und Geschrei und all die Geräusche sind jetzt schon seit ein paar Minuten verstummt. An ihrer Stelle ist eine seltsame Stille getreten. Diese Ruhe, dieses Schweigen läßt in ihm eine leichte Beklommenheit aufkeimen. Jetzt, da der Lärm und die Hektik verschwunden sind, ist er sich gar nicht mehr so sicher, ob er sich in dieser Stille wohler fühlt. Bei diesen Gedanken vernimmt er Schritte, die von oben zu ihm herunter kommen. Es sind leichte, behende Schritte. Nicht hastig, aber bestimmt. Ein wenig erleichtert stellt er fest, daß die Schritte im Nebenraum bleiben. Sie gehen zwar umher, aber es scheint nicht so, daß die Person, vermutlich eine Frau, Anstalten machen würde, in `seinen` Raum zu schauen - oder noch nicht. Hier und dort hört es sich an, als wenn die Frau sich an den Dingen, die auf das Boot gebracht wurden, zu schaffen macht. Nun hört er ein zweites Paar Schritte. Auch diese Schritte kommen von oben herab. Jedoch hat es die Person, zu der sie gehören, viel eiliger als die Frau, die schon hier unten ist. Auch diese Schritte sind eher leicht - vermutlich auch eine Frau. Noch bevor sie den Nebenraum betritt, ruft sie etwas:

"Sigrun?"

Ja, es ist eine Frau. Und da es eine Frage war, ist Sigrun wahrscheinlich der Name der anderen Frau. Er konzentriert sich jetzt darauf, kein einziges Geräusch von sich zu geben, und lauscht aufmerksam den Geschehnissen im Nebenraum.



Sigrun und Nirka


Fast hat Sigrun schon gedacht, Nirka wolle an ihr vorbeigehen, da findet sie sich plötzlich in einer festen Umarmung wieder. Zugleich erleichtert und überrascht lacht sie auf und schlingt ihre Arme

schwungvoll um Nirka. Während sie sie ebenfalls an sich drückt, sagt sie leise und ein wenig kichernd:

"Wie kannst du mich so erschrecken?..."



Nirka lacht leise.
"Habe ich das?"

Während dessen drückt sie Sigrun immer noch an sich. Sie ist sich immer noch ein wenig unsicher, aber das versucht sie, zu überspielen. Sie wendet das Gesicht der anderen Frau zu und versucht, ihre Nase mit deren in Berührung zu bringen, während ihre Augen in eine virtuelle Ferne schweifen. Die Lippen spitzt sie etwas - bereit, geküßt zu werden, aber auch, um zu küssen... doch vorerst verharrt sie.



"Nur ganz wenig", antwortet Sigrun leise, fast flüsternd. Sie steht ganz still, nur ihre Hände beginnen langsam wieder, über Nirkas Rücken zu streichen.



Nirka beugt sich ein klein wenig weiter vor, so daß ihre Lippen ganz sanft die von Sigrun berühren. In dieser Position verharrt sie reglos, und genießt das Rücken-Streicheln.



Als Nirkas Lippen die ihren berühren, verharren die Hände für einen kurzen Moment an einer Stelle, um dann mit ihrer Bewegung fortzufahren. Vorsichtig erwidert Sigrun den Kuß.



Nirka beteiligt sich nun aktiv an dem Kuß, während ihre noch immer um Sigrun geschlungenen Arme ebenfalls auf Erkundung gehen. Langsam suchen ihre Hände auf Sigruns Rücken einen Zugang unter die Kleidung der anderen Frau, um dann ganz vorsichtig entlang der Wirbelsäule nach oben zu streicheln. Der Druck, mit dem sie Sigrun an sich drückt - oder sich an Sigrun drückt? - läßt dabei jedoch nicht nach. Wieder einmal vollkommen vergessen scheint die Umgebung.



Adrian und der Schiffsmagus


Adrian geht gerade auf Ottam zu und sagt zu ihm:

"Ich habe gehört ihr seit der Schiffsmagus, ich bin auch ein Magiekundiger. Wir könnten einiges von einander lernen, was habt ihr denn schon so auf euren Fahrten für Magie angewendet? Ich bin sehr interessiert an euren Erlebnissen. Auf welche Art der Magie habt ihr euch den spezialisiert, ich bin ein grauer Beherrschungsmagier."



Ottam scheint erfreut zu sein als er den anderen Magus sprechen hört.

"Hesinde zum Gruße, es freut mich euch an Bord begrüßen zu können. Ich zähle mich ebenfalls zu den Graumagiern, mein Spezialgebiet ist die Hellsicht. Mein Studium habe ich in der Schule der Hellsicht zu Thorwal absolviert. Doch um auf eure Frage zurück zu kommen, also normalerweise sind nur ein paar Verletzungen zu heilen. Doch Überprüfe ich auch verdächtige Ladung, auf das niemand versucht uns evtl. Gefährliche Magische Artefakte unterzuschieben ohne darauf hinzuweisen. Doch kommt das praktisch nie vor."

Nach einer Kurzen Pause sagt er:

"Ich denke wir werden einiges finden, über das man sich unterhalten kann. Wie weit werdet ihr den auf dem Schiff mitfahren ?"



"Also ich hatte mal vor mit bis nach Brabak zu fahren, ich habe dort ein paar Erledigungen zu machen."

Adrian sieht zum Himmel und atmet tief ein.

"Ich liebe die Seeluft" sagt er darauf "Was habt ihr denn schon so alles auf der Fahrt hierhin erlebt? Viele Stürme? Ich bin in Havener aufgewachsen und liebe daher die Schifffahrt und das Meer."



Der Kapitän und Fiana


Auf dem Brückendeck wendet Fiana sich an den Kapitän:

"Melde mich zur Ablösung Kapitän." sagt sie und wartet auf eine Antwort des Kapitäns.



Jergan dreht das Steuer um einige Grad, dann wendet er sich Fiana zu.

"Gerne! Dann kann ich mich den Finanzen widmen - es gibt ja nun schließlich einiges zu tun in dieser Beziehung. Du rufst mich, wenn es Probleme gibt."

Er tritt vom Steuer zurück, macht aber erst einmal keine Anstalten, das Brückendeck zu verlassen.



Fiana tritt an das Steuer und meint:

"Hier habe ich noch Geld der Passagiere die eine Überfahrt gebucht haben".

Mit ihrer Linken greift sie in ihre Tasche und zieht ein Beutelchen hervor, welches sie extra dafür mit sich führt. Dieses reicht sie Jergan, während ihre Starke Rechte das Steuer sicher im Griff hat. Freundlich lächelnd atmet sie die frische Seeluft tief ein, man kann erkennen das sie gerne hier am Steuer steht.



Jergan nimmt das Geld, das Fiana ihm gibt, und macht sich dann geradewegs auf dem Weg in seine Kabine, wo er beginnt, die Ausgaben und Einnahmen sorgsam in ein ledergefaßtes Buch einzutragen, auf dessen Rücken in verschnörkelten Lettern das Wort NORDSTERN steht.



Sigrun und Nirka


Auch Sigrun ist völlig versunken, von der Welt um sie herum nimmt sie zur Zeit nichts wahr. Das Einzige was zählt, sind die forschenden Hände auf ihrem Rücken und die feste Umarmung, in der sie sich zugleich sicher und nervös fühlt. Diese Nähe ist ihr neu und noch immer ist sie überrascht von dem Vertrauen, daß sie Nirka entgegenbringt. Doch dies schreckt sie nicht, hat sie doch ein Gefühl, als wäre es irgendwie richtig, mit dieser anderen Frau zusammen zu sein.



Nirka hält mitten in der Umarmung inne und läßt Sigrun fast los.

"Komm, laß uns den nächsten Laderaum kontrollieren!"

Sie zeigt vage in Richtung des Durchganges zum Laderaum 1 und fügt flüsternd hinzu:

"Dort kann uns KEINER überraschen, und wir haben mehr Zeit, falls wir Schritte hören!"

Eine Hand Nirkas verläßt Sigrun's Rücken, und streicht kurz über deren Wange. Dann senkt sie sie - um dabei - zufällig? Sigrun's Brüste zu berühren - ganz sanft und ganz kurz.



Sigrun lächelt, als sie Nirkas Vorschlag hört.

'Das ist gut, bis uns da jemand überrascht, müssen wir wirklich sehr unachtsam sein', denkt sie.

"Oh, ja, wir sollten dringend auch dort die Ladung kontrollieren!", lautet die leicht scherzhafte Antwort, die sie Nirka gibt. Sie geht los und umfaßt dabei leicht Nirkas Taille.



Der blinde Passagier


Die beiden Frauen sind jetzt schon einige Augenblicke im Nebenraum. Von der anfänglichen Hektik ist nicht mehr viel übrig geblieben. Das Gesprochene wurde immer kürzer und leiser, bis nur noch tiefes Atmen und das Rascheln von Kleidung zu hören war. Er konzentriert sich einige Herzschläge genauer auf die Geschehnisse - dann macht sich ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht breit. Ja, denkt er sich, die beiden Frauen müssen sich sehr nahe stehen.

"Komm, laß uns den nächsten Laderaum kontrollieren!"

Leicht erschreckt durch diese lauten Worte denkt er sich 'Hm, seltsam. Das paßt jetzt wirklich nicht in dieses friedliche, ruhige und leidenschaftliche Bild. Hm... sehr seltsam die Menschen. Aber moment mal. Den nächsten Laderaum? Das ist doch... oooh!' Hastig suchen seine Augen das kleinste Detail in diesem Raum ab. Irgend etwas muß es doch geben, wo er sich verstecken kann!! Die geflüsterten Worte von nebenan kriegt er nicht mehr mit. Seine Gedanken beschäftigen sich jetzt nur noch mit den Versteckmöglichkeiten.



Nirka und Sigrun


Nirka schlingt ebenfalls einen Arm um Sigruns Taille, und so betreten die beiden Frauen den nächsten Laderaum. Ein schneller fachkundiger Blick sagt Nirka, daß zumindest oberflächlich alles in Ordnung ist, kein Stapel neigt dazu, bei der geringsten Neigung des Schiffes umfallen zu wollen, und scheinbar ist auch alles ordentlich festgezurrt. Das muß freilich noch genauer überprüft werden, doch das ist Nirka erst einmal egal. Irgendwo im Laderaum, an einer Stelle, die vom Eingang aus durch die Ladung nicht einzusehen ist bleibt sie schließlich stehen.

"Dann wollen wir mal sehen, ob alles gut verpackt ist!"

Ihre Hände umfassen Sigruns Taille wieder und arbeiten sich langsam in Richtung der Brüste nach oben.



Der blinde Passagier


Die beiden Frauen sind jetzt auf dem Weg.

'Was soll ich...?... Wo kann ich...??'

Hastig, nervös schaut er sich um. Die Frauen sind jetzt schon fast im Raum. Da. Ein grobes Bündel Fell und Pelze. Das ist es. Das muß es sein. Behende, mit einer schnellen, lautlosen Bewegung entwirrt er einStück des Bündels, legt sich hinter eine Kiste und bedeckt sich mit dem Fell. Keine Sekunde zu früh - schon sind die beiden Frauen eingetreten. Jetzt heißt es absolut lautlos zu sein. Die Frauen kommen näher, haben sie ihn etwa schon entdeckt? Nein das kann nichtsein! Kurz vor ihm bleiben sie stehen. Sie scheinen mit dem fortzufahren, womit sie im Nebenraum schon beschäftigt waren.



Die beiden Frauen sind jetzt schon längere Zeit miteinander beschäftigt. Nun gut, solange sie ihn nicht entdecken. Obwohl, was wäre eigentlich so schlimm daran, daß man ihn finden würde?? Hm, nein, wahrscheinlich ist es doch besser, diese Sache zu beenden, ohne große Aufmerksamkeit zu erregen. Die Frauen scheinen sowieso SEHR abgelenkt zu sein - ein Lächeln huscht über sein Gesicht - wenigstens einige Menschen zeigen Gefühle! Bis jetzt ist er nicht vielen solcher begegnet. Ja gut, begegnet ist jetzt auf diese beiden Frauen bezogen vielleicht das falsche Wort. Da, jetzt sind sie wieder in die harte, unbarmherzige, gefühllose Realität zurückgekehrt. Aber was machen sie jetzt? Oh nein! Sie fangen an, all die Sachen hier drin zu durchstöbern. Wieso nur?? Jetzt scheint seine Entdeckung unvermeidlich....



Alrik an Deck


Alrik mußte den jungen Reisenden derweil verlassen. Segelmanöver haben nun einmal Vorrang und auch der Schiffsjunge bedarf keiner gesonderten Einladung, um zu wissen, welche Aufgaben er zu erfüllen hat. Als es daran geht, das Segel zu setzen, faßt der Junge tüchtig mit an. In der letzten Zeit hat er immer mehr Routine an Bord bekommen, kein lästiges Zwischenfragen stört die Zusammenarbeit mit den anderen Matrosen. Einfache Gesten und auffordernde Blicke genügen, um sich miteinander zu verständigen und schon bald ist alles Notwendige erledigt. Nachdem es wieder etwas ruhiger geworden ist, finden sich einzelne Gruppen von Matrosen zusammen, die sowohl unter Deck als auch auf dem Oberdeck die wohlverdiente freie Zeit genießen. Nach der anstrengenden und eiligen Verladearbeit im Hafen erscheint das auch nur recht und billig. Auch der Schiffsjunge hat zur Stunde nichts dringendes zu erledigen, keine Auftrag, der noch der Ausführung harrt, belastet sein Gewissen. So schlendert er ein wenig über das Oberdeck, schaut mal hier, mal dort, und kann sich augenscheinlich nicht so recht entscheiden, wo er sich nun dazu gesellen soll.



Firutin an Deck


Die NORDSTERN wird immer schneller, was dem Waldläufer Anlaß genug ist, um sich vorne an die Bugspriet zu stellen. Da er sich gerade mit niemandem unterhält und alle Matrosen beschäftigt zu sein scheinen, geht er geradewegs zum Vordeck. Die Gischt spritzt an den Bug und Firutin spürt leicht Wipp-Bewegungen. Doch, ein bißchen langweilig wird es ihm jetzt doch, was kann man auf so einem Schiff schon machen, alleine?



Ole allein


Der alte Schiffszimmermann setzt sich langsam in Bewegung. Er hat nun genug im Wind 'gebadet' und es drängt ihn mittlerweile sehr, die Pfeife wieder zu entzünden, die er immer noch, offensichtlich kann er schon gar nicht mehr anders, eisern zwischen den Zähnen hält, auch wenn schon lange keine Rauchwolken mehr aufsteigen wollen. In den Mannschaftsraum will er gehen, dort liegt ja auch noch sein Seesack, einfach so wie er ihn, kurz vor der Führung durch das Schiff, hingeschmissen hatte und wenn er sich da an das wohl gerichtete Lager Sigrun's erinnern mußte, dann wollte er der Matrosin um nichts nachstehen und sein Lager wenigstens halbwegs so ordentlich gestalten wie sie, nicht, daß irgend jemand auf den Gedanken kommen könnte, ein Oger hätte es sich dort bequem gemacht.

So war Ole schon auf dem Weg zum Abstieg zum Unterdeck, als er dann doch, kurz vor den Stufen seinen Plan ändert und in die Richtung der Vordecks weiter schlendert. Auf dem Vordeck sieht er nur den Passagier, der, seiner Kleidung nach, wahrscheinlich ein Jäger sein dürfte. Aber der scheint gerade sehr mit sich selbst beschäftigt und das kommt Ole entgegen, denn er sucht im Augenblick Einsamkeit, nur für einen Moment, ein klein wenig Zeit mit sich selbst, das würde ihm genügen.

Ole schaut sich um, ob gerade jemand her schaut, dann greift er mit seiner Zimmermannspranke in seinen Hemdausschnitt, anscheinend sucht er etwas. Endlich wird er fündig und er befördert eine kleine Halskette zu Tage. An dieser Kette ist ein winziger Behälter aus Metall befestigt. Dieser Behälter hat eine öffnungsmechanik, die Ole jetzt bedient. Der Behälter klappt auf und Ole sieht hinein. Der 'graue Riese' steht ganz still da und rührt sich nicht. Der Wind spielt mit seinem struppigen Haar und macht es noch ein wenig struppiger. Seine Augen bekommen nun einen feuchten Schimmer und auf einmal rollen kleine Tränen an seine Wangen herab und verschwinden sofort wieder in seinem buschigen Bart. Kurze Zeit später klappt er den Behälter wieder zu, er tut dies fast hektisch und zerfahren, blickt sich wieder um, ob noch immer unbeobachtet sei und läßt dann in auffälliger Hast die Kette samt Behälter wieder hinter seinem Hemdkragen verschwinden.

Hörbar laut, auch durch den lärmenden Wind hindurch, seufzt er auf und verstohlen wischt er sich die restlichen Tränen aus dem Gesicht, es soll schließlich keiner sehen. Jetzt wird es wirklich Zeit für eine Pfeife.......



Smirnoff an Deck


Nachdem Smirnoff sein Rapier wieder auf seine Kabine gebracht hat, beobachtet er das Ablegen von der Reling aus. Als die die Küste von Olport am Horizont verschwindet, schlendert er über das Deck, immer sorgsam darauf bedacht, niemanden im Weg zu sein. Da sieht er Firutin an der Reling stehen und geht auf ihn zu.

"Ah, Herr Fuxfell. Hattet Ihr Zeit, Olport zu genießen? Ich mußte leider einen Teil eines herrlichen Mahls stehen lassen. Ein gar ausgezeichneter Seewolf."



"Ahh, Herr Smirnoff! Nein, ich war die ganze Zeit auf dem Schiff. Ich hatte gehört das wir schnell wieder fahren wollten, und da wollte ich dieses tolle Schiff nicht verpassen. Aber was ist mit ihnen, wie war Olport?"



"Ich hatte gerade noch Zeit, meine Lieblings-Taverne zu besuchen. 'Zum Goldenen Wal' heißt sie. Nicht weit vom Marktplatz und sehr zu empfehlen. Der beste Seefisch, den man kriegen kann."



Ole plant ...


Ole hat das Oberdeck verlassen und geht nun auf den Mannschaftsraum zu. Er hat ja nicht weit in den Raum hinein zu gehen, sein Lager ist gleich neben der Tür. Da liegt ja auch noch sein Seesack. Bevor er diesen endlich richtig verstaut, öffnet er ihn und fischt nach Zunder, Stahl und Glimmspan. Rasch hat er eine kleine Flamme erzeugt, es ist ein geübter Handgriff und ein Außenstehende könnte fast annhemen, etwas Magisches wäre im Spiel, so schnell, so überraschend kommt die kleine Flamme. Doch das hat nichts mit Zauberei zu tun, mehr mit Geschicklichkeit und Übung, denn Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Das Löschen des Span's wird wieder durch ein punktgenaues Spucken erledigt.


Endlich steigen wieder kleine Rauchwolken aus seiner Pfeife aus. Voller genüßlichem Entzücken schließt Ole die Augen und gibt sich völlig dem würzigen Geschmack hin. Doch was dem einen würzig erscheint, mag dem anderen als beißender Gestank vorkommen, darum beeilt sich Ole mit seiner qualmenden Pfeife aus dem Mannschaftsraum heraus zu kommen, es hat in der Vergangenheit schon mehrmals ärger gegeben mit Kameraden, die Ole's Hingabe zu deftigem Pfeifenkraut überhaupt nicht teilen wollten. Vorher allerdings verstaut er noch seinen Seesack, er muß ja nicht so offen vor den Augen aller hier herumliegen. Er möchte ja keinem der Kameraden Böses unterstellen, er will allerdings auch nicht unbedingt dazu einladen, daß man in seinen Sachen herumwühlt, nur weil sein Seesack so provozierend offen herumgelegen war.

Nun ist Ole sehr befriedigt. Endlich ist er wieder auf wogender See, das Unbekannte hat er vor sich und Olport ware schon längst hinter dem Heck am Horizont verschwunden. Er zieht an seiner Pfeife und es zischt die Glut. Was sollte er nun tun? Das Schiff weiter anschauen oder an Deck gehen, wieder zurück in den salzigen Wind?

Vielleicht trifft er dort Babo, er hatte ihn ja noch gar nicht richtig grüßen können, inzwischen dürfte er auch schon etwas wacher sein. Ole grinst bei diesem gedanken! Vielleicht trifft er auch wieder den rührigen Schiffsjungen, wie hieß er doch noch gleich? Ach ja, richtig: Alrik! Vielleicht war es aber auch einfach geschickt sich noch einmal bei Kapitän zu melden.....

Während Ole leise vor sich hin überlegt hat er das Oberdeck erreicht .....


Der "tüchtige Babo"


Nachdem Babo das letzte Paket im Laderaum verstaut hatte, war er danach sofort wieder aufs Oberdeck zurückgekehrt. Aber jetzt steht er hier rum und es gibt nichts zu tun. Ein herzhaftes Gähnen erinnert ihn daran, daß es noch andere Sachen zu tun gibt. Das bißchen unfreiwilliger Schlaf vorhin war überhaupt nicht ausreichend gewesen, im Gegenteil, es hatte ihn noch müder gemacht. Babo schaut sich nochmal auf dem Deck um, ob er nicht doch noch zur Arbeit 'gezwungen' wird. Aber weil er nichts entdeckt, wendet er sich dem Niedergang zum Mannschaftsraum zu.



Ole hat soeben die letzte Stufe des Aufstiegs genommen, als ihm Babo begegnet, der offensichtlich gerade auf dem Weg in die Tiefe des Schiffes war. Aber Ole hätte ihn beinahe nicht wiedererkannt. Dieser Babo, der ihm da gerade entgegen taumelt, hat nicht mehr viel gemeinsam mit jenem Babo, den Ole letzthin, bei der Schiffsführung im Mannschaftsraum angetroffen hatte, als sich der unselige Matrose aus der Hängematte abwärts auf die Bodenbohlen hin, auf kurze Distanz, sozusagen, heraus aus Marbos Armen, direkt hinein in die gnadenlose Wirklichkeit des Praios geworfen und gestoßen sehen mußte. Babo sah im Augenblick so aus, wie ein Fährtenleser, angesetzt auf die Spur Bishdariel's.

Eine steile Rauchwolke steigt aus Ole's Pfeife auf und steht für kurze Zeit , wie ein qualmendes Signal in der Luft.

"Hallo Babo - schön dich so schnell wieder zu sehen!" erklärt Ole leutselig. Ob das Babo wohl gehört hat?



Nirka und Sigrun


Auch Sigrun wirft beim Betreten des anderen Laderaums zunächst einen oberflächlichen Blick auf den Zustand der Ladung, doch um sich damit zu beschäftigen, wird später noch genug Zeit sein. So wendet sie sich, als diese stehenbleibt, wieder Nirka zu und beginnt nun ihrerseits, den Körper der anderen Frau unter der Kleidung zu erkunden.



Zeit vergeht... Augenblicke reihen sich zu Minuten... doch den beiden Frauen ist das nicht bewußt. Glücklicherweise betritt niemand den Laderaum... außer denen, die schon drin sind... und so wird der blinde Passagier zumindest akustischer Zeuge der gemeinsamen Augenblicke, die Sigrun und Nirka erleben. Selbstverständlich vernachlässigen sie in dieser Zeit die Pflicht der Kontrolle ziemlich. Doch auch die schönsten Momente enden irgendwann, und so kommt der Moment, in dem sie sich beide voneinander lösen und anfangen, ihre Kleidung wieder in Ordnung zu bringen.



Sigrun streicht noch einmal über ihr leicht zerknautschtes Hemd. Ihr Gesicht ist leicht gerötet, die Haare noch etwas ungeordneter als normal. Noch ist sie nicht ganz Herrin ihrer Gefühle. Mit einer Mischung aus Verlegenheit und Freude sieht sie wieder zu Nirka, die neben ihr steht und ebenfalls mit ihrer Kleidung beschäftigt ist.

"Ich ... Das war wunderbar!", stottert sie etwas unbeholfen in dem Bedürfnis, Nirka zu zeigen, wie wohl sie sich fühlt.

Dann scheint sie wieder ein wenig zu sich selbst zu finden. Das leichte Grinsen, das Nirka inzwischen bekannt sein müßte, breitet sich wieder auf ihrem Gesicht aus und sie meint:

"Tja, jetzt werden wir uns mit der Ladung wohl etwas beeilen müssen. Ich fang schon mal an!"

Sie dreht sich um und geht einen Schritt näher an die Pakete (und damit auch an einen Packen Felle) heran. Im letzten Moment wirbelt sie noch einmal zurück, drückt Nirka einen schnellen Kuß auf den Mund, und entfernt sich wieder, um genau dort wieder zu landen, wo sie diese fast akrobatische Übung begonnen hat.



Nirka reagiert rasend schnell auf Sigruns Akrobatik, und so wird daraus ein richtig ordentlicher Kuß.

"Dann laß uns mal die Arbeit tun... irgendwie sieht es hier nicht so ordentlich aus wie drüben im anderen Laderaum."

Nirka zerrt an einer Verschnürung, die aber trotz des nicht so ordentlichen Aussehens stabil gebunden zu sein scheint.



Babo und Ole


Immerhin hat Ole wieder angenehmen, hart würzigen Geschmack in seinem Gaumen, den er, Zug für Zug an seinem Mundstück, trefflich zu pflegen weiß. Das bringt ihn wieder auf eigene Bedürftigkeiten zurück. Er kennt hier kaum irgendwelche Leute. Den Kapitän vielleicht, der nette Kerl, mit dem er in Olport verhandelt hatte. Dann kennt er noch Sigrun, die ihm das Segel brachte und ihn durch das Schiff führte. Er weiss von Nirka, die ihm Sigrun beschrieb und gleichzeitig sehr schätzte, Ole kann das nicht erklären, es ist mehr so ein Gefühl. Aber da ist noch Alrik, der kleine Schiffsjungen, behenden und sehr abgeklärt für sein Alter. Aber da ist auch Babo! Und es scheint so, als wäre dieser Matrose eine kleine Herausforderung für Ole. Aber wenn dieser nicht reagieren sollte? Dann bliebe nur noch der Weg ans Oberdeck, hoffend auf eine Berührung des Glücks! Babo scheint nicht unbedingt freundlich zu ein. Will er nur seinen Weg gehen? Ole hat Sigrun's eindringliche Mahnung noch im Ohr. Kann es sein.............? Für den Moment gibt Ole den Weg frei, gute Ratschläge, aber auch vergangene kommen ihm in den Sinn. So schwankt er zwischen Tradition und Hoffnung ......



Babo steigt flink die Stufen zum Unterdeck hinab, glücklich darüber, daß die Offiziere ihn übersehen haben oder es tatsächlich nichts mehr zu tun gibt. Doch plötzlich spricht ihn ein lauter Bass von der Seite an. Babo fährt kurz zusammen, wendet sich dann aber der Stimme zu. Als er den fremden Mann aus dem Mannschaftsraum erkennt, nimmt sein Gesicht einen fröhlichen Ausdruck an, weil hier doch kein Vorgesetzter vor ihm steht. Babo grinst, plötzlich gut gelaunt, zu Ole hinüber. Er erwidert ein schlichtes, aber sehr freundliches "Efferd zum Gruße!", das aber etwas lauter heraus kommt, als es Babo lieb wäre.



Als Ole den launigen Gruß Babo's hört und außerdem erkennen darf, daß der Matrose freundlich lächelt, legt sich seiner Unsicherheit, die ihn für kurze Zeit übermannt hatte, ebenso schnell wieder , so schnell sie auch über ihn gekommen war. Wie konnte er nur darauf kommen, daß Babo ihm noch gram sein könnte. Schließlich konnte Ole nichts dafür, daß der Matrose von Frau Marbo so lange gefangen gehalten worden war, während die anderen mit dem Beladen beschäftigt gewesen waren. Und dennoch war es eine sehr unangenehme Situation gewesen, vor kurzer zeit noch, im Mannschaftsraum, als die Nordstern noch im Hafen von Olport lag. Mit Unbehagen erinnert sich Ole an seine innere Spannung, als da Sigrun und Babo sich ziemlich lautstark auseinandergesetzt hatten. Aber er erinnert sich auch daran, daß Sigrun wenig später im Sinne Babo's gesprochen hatte. Warum sollte nicht auch der Matrose daßelbe Naturell haben, sowie die Kameradin. Es ist recht, wenn in er Mannschaft ein gutes Wir-Gefühl vorherrschend ist, der Gedanke an Konflikte ist Ole zuwider und so ist er froh und glücklich, daß offensichtlich auch für Babo die Geschichte im Mannschaftsraum angeschlossen ist. Obwohl .... ein klein wenig rührt sich bei Ole schon noch der Verdacht, daß Babo eben dabei sein könnte, sich wieder abzuseilen ....

Und so streckt Ole seine Hand zum Gruß aus und sagt:

"Möge Swafnir alle Zeit dir seinen Schutz und sein Wohlwollen schenken!"

Und seine Pfeife begleitete alle seine Worte mit kleinen, kurz aufeinanderfolgenden Wölkchen ....

"Ich bin Ole Draggensson - bin ein Seemann und ein Zimmerer - Holz und Wasser sind mein Leben! Du bist Babo, wenn ich mich recht erinnere ...."



Babo hebt stolz die Brust und sagt mit frisch belebtem Geist in der Stimme:

"Babo Darbol! Ich komme aus Hot Alem! Dieses Schiff ist mein Leben! Ich habe hier angefangen und werde hier für immer bleiben! Jawohl ja!"

Babo verkündet diese Worte mit einer Überzeugung in der Stimme, daß man fast meinen könnte, man hätte einen Praiospriester vor sich. Aber Babo schaut viel zu gutmütig drein, als daß man Angst vor ihm haben kann.



Laderaumkontrolle


"Ja, du hast recht. Der andere Raum war wirklich in Ordnung, ... an Backbord zumindest", bemerkt Sigrun. "Aber hier scheint beim Ablegen schon einiges durcheinander gekommen zu sein."

Sie beugt sich ein wenig vor und stellt fest, daß dort wirklich ein ganzer Stapel Pakete einfach aufeinandergelegt aber nicht befestigt wurde.

"Das sind diese ganzen neuen Felle, die hat jemand hier einfach so aufeinander gestapelt. Von Befestigung keine Spur!" meint sie mit leichtem Kopfschütteln. "Ich gehe mal ein Seil holen und dann, fürchte ich, müssen wir das hier alles neu stapeln."



Nirka wirft einen kurzen Blick auf die bewußte Stelle und schüttelt dann den Kopf.

"Welcher Trottel das da hingestapelt hat... der kann bestimmt einen Karren nicht von einem Schiff unterscheiden!"

Während Sigrun unterwegs ist, um das Seil zu holen, macht sich die Bootsfrau schon an das Abstapeln. Etwa nach der Hälfte verharrt sie reglos.

"Bei Efferd!"

Sprachlos starrt sie auf den Platz hinter den Fellen.



"Was ist los?", fragt Sigrun erstaunt, als sie Nirkas entgeisterten Ausruf hört und sieht, wie die Bootsfrau plötzlich reglos stehenbleibt. Schnell legt sie die verbleibenden Schritte zurück und

sieht Nirka fragend an. Noch hat sie nicht bemerkt, was? die andere Frau gefunden hat.



Nirka steht mit offenem Mund neben dem Stapel und zeigt nur in die betreffende Richtung. Sie will offenbar etwas sagen, aber das wird nicht so recht etwas.



Jetzt wirft auch Sigrun einen Blick in die betreffende Richtung. Völlig schockiert reißt sie die Augen auf und sieht genauer hin.

"Nein! ..." Mehr fällt auch ihr nicht zu dem Anblick ein.





Hirkan


Hirkan hat lange Zeit das Entschwinden der Stadt Olport und später sämtlichen Festlandes beobachtet und die Fahrt genossen. Nun wird er es nicht leid, die Vorgänge an Bord zu beobachten. Die allgemeine Hektik, die mit dem Auslaufen aus dem Hafen verbunden war, hat schon eine Weile nachgelassen und der Kapitän hat der Offizierin das Steuer überlassen. Da die Passagiere ihm allesamt unbekannt sind und sich untereinander unterhalten, beschließt er, sich ihnen zunächst nicht anzuschließen. Doch diese Offizierin wirkt nicht gerade überanstrengt, so wie sie das Steuer hält, sie hat einen ziemlich ruhigen und zufriedenen Gesichtsausdruck. Also kommt Hirkan zu dem Schluß, daß es wohl an der Zeit ist, seine (rein berufliche) Neugier auf ein weiteres Feld, nämlich die Funktionsweise des Schiffes und die Streckenführung, auszudehnen. Langsam schlendert er zur Brücke herüber.




Inzwischen ist Hirkan auf der Brücke angekommen und geht jetzt auf direktem Weg zu Fiana hinüber.

"Es ist wirklich wundersam, dieses Schaukeln des Schiffes. Aber sagt, wie läßt sich die Fahrt an? Werdet Ihr uns sicher durch die See manövrieren können?" Er klingt dabei nicht besorgt, eher interessiert. Hirkan hat diese Offizierin schon vor der Abfahrt kennengelernt und sie wirkte relativ offen. Er geht selbstverständlich davon aus, daß Fiana ihm ehrlich antworten wird.



Fiana, die bei dem ruhigen Seegang nicht das Geringste Problem hat das Schiff auf Kurs zu halten, beobachtet aufmerksam die umgebung des Schiffes, auch die Segel werden immer wieder mit einem einschätzenden Blick bedacht, doch alles sieht gut aus, die Mannschaft Arbeitet gut, der Kurs stimmt und auch die Segel stehen gut im Wind. Da bemerkt sie den Mann, der sie kurz darauf anspricht.

"Ihr braucht euch keinerlei sorgen zu machen. Ihr seid auf einem Hervorragenden Schiff mit einer sehr guten Mannschaft. Das schaukeln ist ganz normal, Ihr müßt wissen das dieser Schiffstyp absichtlich so gebaut ist, daß das Schiff auf den Wellen 'Reiten' kann. Es gibt Andere die sie durchschneiden. alles hat seine Vor- und Nachteile. Im Sturm neulich war es ein großer Vorteil, auf dem Wellenberg reiten zu können, dafür schaukelt es jetzt ein wenig, aber das ist, wie gesagt, kein Grund zur Sorge."

In ihren Worten ist deutlich Stolz zu hören, Stolz auf einem so guten Schiff 1.Offizier zu sein und stolz, so eine gute Mannschaft zu haben.



Dajin sieht etwas


Dajin steht noch immer ein wenig gelangweilt an der Reling und schaut auf's Meer hinaus. Da - war dort nicht was im Wasser - eine Fontäne? So etwas hat er bisher nur in den Gärten der Reichen im Horasiat gesehen, aber auf hoher See? Er starrt angestrengt auf die grauen Fluten und es ist ihm als würde er einen großen Körper durchs Wasser gleiten sehen. Bei der Schönheit der Welt was für ein Fisch ! Und er ändert seinen Kurs und hält auf die NORDSTERN zu. Ziemlich hektisch schaut Dajin sich an Deck um ob er jemanden der Mannschaft sieht.



Wal


Der günstige Wind bringt die NORDSTERN schnell voran. Mit unverminderter Geschwindigkeit bahnt sich das Schiff seinen Weg durch Ifirns Ozean, gen Südwesten. Die Küste vor Olport ist längst schon am Horizont entschwunden. Einmal ist ein anderes Segel in der Ferne zu erkennen. Doch zu weit ist die Entfernung, selbst der Scharfsichtigste kann kaum feststellen, um was für ein Schiff es sich dabei handelt. Schon bald verschmilzt das Segel wieder mit dem Horizont und die NORDSTERN ist wieder allein auf dem weiten Meer. Allein? Nun, wer so vermessen ist und behauptet, man sei auf einem so großen Ozean auch nur für einen kleinen Moment allein, der irrt gewaltig....


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´Huch, was ist das für ein riesengroßes ... ?´ Denkt sich der kleine Krebs noch, da haben ihn die mächtigen Barten auch schon eingesaugt. Er fällt viele, viele Schritt weit durch die Dunkelheit, bis er endlich zum Liegen kommt. Er befindet sich in einer Höhle von schier gigantischen Ausmaßen, es ist finster, heiß, feucht und ein stechender Geruch herrscht, aber er ist nicht allein, sondern bei tausenden und abertausenden von Artgenossen, denn der Grünwal hat sich den ganzen Schwarm zum Frühstück genehmigt. ...

´Ah, das war lecker´ denkt dieser ´jetzt erst einmal Luft holen´.

Langsam dreht sich der quaderschwere Leib zum Auftauchen in Richtung Oberfläche, dann beginnt die große Schwanzflosse zu schlagen und er gelangt nach oben. Dort angekommen stößt er prustend das Wasser aus, das er während des Tauchganges geschluckt hat, eine weithin sichtbare Fontäne zeichnet sich vor dem Horizont ab. Er blickt sich um. In der Richtung, die die Menschen Norden oder Firun nennen ist nichts besonderes zu sehen, auch im Süden oder Praios erblicken seine Augen nur Efferds unendliche Weiten. Ebensolches Bild ergibt sich im Westen, auch Efferd genannt. Doch was ist das dort im Osten, gen Rahja gelegen ??? Ein seltsames großes Tier erregt seine Aufmerksamkeit. ´Was ist das bloß für ein Tier?´, denkt sich der Wal, ´Ein Fisch ist es nicht - dafür ist es viel zu groß. Es hat dreieckige Flossen und streckt sie in den Himmel - ein Hai? Nein dafür ist es auch zu groß, außerdem hat es ja zwei Dreiecksflossen und der Hai nur eine. Es ist kleiner als ich, aber es könnte dennoch auch ein Wal sein, aber was für einer? Er guckt beim Schwimmen sehr weit aus dem Wasser, und er hält seine Floßen hoch in die Luft, wozu nur? ...´

Seine Überlegungen scheinen wenig Aussicht auf Erfolg zu haben, da fällt es ihm plötzlich ein, ´ Das muß einer dieser »Hohl- wale mit den Luftflossen, die niemals tauchen« sein, von denen meine Mutter mal erzählt hat !´, schießt es ihm durch den Kopf. ´Und wenn es die »Hohlwale« wirklich gibt, dann gibt es vielleicht auch die »Zweibeinchen, die auf ihnen im Trockenen leben«? Das muß ich mir näher ansehen .´

Ein paar geschickte Bewegungen mit seinen Flossen bringen das Tier auf Kurs, dann treibt es seine gewaltige Schwanzflosse auf jenen »Hohlwal« zu, den die »Zweibeinchen, die auf ihm leben« als Schiff oder genauer als Karavelle bezeichnen und dem sie den Namen NORDSTERN gegeben haben.



Smirnoff, Firutin und der Wal


Firutin will sich gerade zu Smirnoff umdrehen als er von dem Anblick der aufspritzenden Fontäne gefesselt wird.

"WO wir gerade beim Thema sind: Sehen sie Herr Smirnoff, Ein Wal! Er taucht auf und läßt eine Fontäne spritzten! Das habe ich noch nie gesehen!"

Staunend beobachtet Firutin den Wal den er genau erkennen kann.



Der Norbarde schirmt seine Augen mit einer Hand ab.

"Ich habe auch noch keinen auf offener See gesehen. Ein wahrlich majestätischer Anblick. Ich frage mich, was die Thorwaler dazu sagen."



Hirkan und Fiana


Na, da hat Hirkan ja wohl genau den richtigen Ton getroffen. Die Frau scheint in Plauderlaune zu sein, genau so wie er es sich erhofft hat.

"Das Schiff reitet auf den Wellen? Ihr meint damit, daß es mit den Wellen schwimmt und nicht quer zu ihnen, nicht wahr? Das ist ja wirklich interessant. Und es gibt auch Schiffe, bei denen das anders ist? ... "

Er überschüttet die arme Fiana mit Fragen, denn jetzt erhofft er, seine Kenntnisse über Schiffe um ein vielfaches zu erweitern. Doch da ...

"Aber was ist das? Habt Ihr das gesehen, da drüben am Horizont! Es sieht aus wie eine Wassenfontaine!"



Gerade wollte sie sich über Schiffstypen auslassen, da bemerkt auch sie den Wal

"Oh, diesen anblick solltet ihr genießen, es ist ein Wal. Er wird nicht gefährlich sein, kostet es aus und betrachtet ihn, sie sind sehr selten."

Obwohl sie Hirkan gesagt hat das der Wal harmlos ist, achtet sie nun sehr genau auf ihn, um nicht zu riskieren das sich Wal und Nordstern zu nahe kommen. ständig führt sie minimale Kurskorrekturen aus, ruhig und routiniert. Ja sie macht das sicher nicht das erste mal.



"Ein Wal?"

Hirkan ist begeistert. So eine Seefahrt bringt doch wirklich anregende Überraschungen mit sich! Und er hat auch noch geradezu unverschämtes Glück, denn nicht viele Plätze auf dem Schiff bieten einen so guten Ausblick wie die Brücke. Fasziniert beobachtet er das Auftauchen des riesigen Tieres, er hat sich nicht vorgestellt, daß Wale wirklich so groß sind.



Der Wal


Der Wal schwimmt, nur wenig oberhalb der Wasserlinie, weiter auf die NORDSTERN zu. Er bewegt sich dabei mit einer Geschwindigkeit, die man ihm aufgrund seines etwas plumpen Aussehens gar nicht zugetraut hätte. Schon bald ist er dem Schiff sehr nahe gekommen, er läßt die Schwanzflosse ruhen und treibt von seinem Schwung getragen noch ein wenig weiter auf den >>Hohlwal<< zu. Dann dreht er sich ein Stück herum, so daß er neben der Karavelle her schwimmt.

Die grüne Farbe seines Rückens und die Größe von gut 40 Schritt lassen beinahe den Eindruck entstehen die Götter hätten aus einer Laune heraus eine Insel an das Schiff heran geschoben. Dann jedoch taucht diese >>Insel<< ein wenig weiter aus dem Wasser auf um den vermeintlichen Artgenossen mit großen Augen zu begutachten.



Firutin und Smirnoff


"Thorwaler? Keine AHnung, aber die werden so was bestimmt schon öfter gesehen haben. Für die ist das bestimmt Alltag."

In diesem Moment kommt der Wal näher an das Schiff heran. Der Waldläufer eilt daraufhin zur Seite des Schiffes um diesen näher zu betrachten.

"Kommen sie Herr Smirnoff! Das will ich mir näher anschauen!"



Der Norbarde eilt Firutin nach und beobachtet dann ebenfalls den allmählich näherkommenden Wal.
"Nun, soviel ich weiß, sind die Wale den Thorwalern heilig."


"Oh, das wußte ich nicht. Nun, man wird sicher bemerken wie SEHR sich das hier ausbreitet. Schauen sie mal wie sich die Leute an der Reling scharen, sie scheinen recht zu haben.

Naja, ich war schon in vielen Bereichen auf Dere, aber ich habe mich nie in die Religionen anderer Menschen oder ähnlichem eingemischt. Meiner Meinung nach wäre das unklug. Mein Herz gehört Firun, ihres wahrscheinlich Phex, was nützen mir da die Glaubensrichtungen der anderen? Fassen sie das bitte nicht gotteslästerlich auf aber..."

Firutin stockt kurz als er merkt was für einen Schwachsinn er da von sich gibt, blickt auf das weite Meer hinaus, und beginnt dann von neuem:

"Ähm, nein, ich wußte nicht das Wale bei Thorwalern sind, aber vielleicht hat sich der Name ThorWALer ja aus diesem Glauben heraus entwickelt."



"Es war mitnichten meine Absicht, den Glauben der Thorwaler in irgendeiner Weise anzuzweifeln. Ich stimme Euch zu, jeder soll an das glauben, was er für richtig hält, solange dies keinen Einfluß auf die Menschen in seiner Umgebung hat."

"Was die Herkunft des Namens Thorwaler betrifft, da müßt Ihr schon jemand fragen, der sich mit sowas besser auskennt. Vielleicht kann uns da ja der Schiffsmagus weiterhelfen, der scheint einer zu sein, seinem Namen nach zu schließen."


"Hmmm, der Schiffsmagus, ja ich werde ihn mal fragen, nachher, wenn ich ihm mal über den Weg laufe, aber das hier ist jetzt interessanter.

Sagen sie Herr Smirnoff, was haben sie eigentlich die letzten Tage über gemacht?"

Der Waldläufer lehnt sich, dabei mit den Unterarmen abstützend, über der Reling und schaut dabei auf den großen Grünwal.



"Äh, der Sturm ist mir nicht gut bekommen, und ich habe mich in meine Kabine zurückgezogen. Irgendwie bin ich erst in Olport wieder aufgewacht."

Um seine Verlegenheit etwas zu überspielen, kramt Smirnoff aus seinem Mantel seine Pfeife und den Tabaksbeutel hervor. Flink stopft er die Pfeife und hält dann Firutin den Beutel hin.

"Auch ein Pfeifchen gefällig?"



Der Waldläufer schmunzelt ein wenig über die Verlegenheit des Händlers, und erwidert auf seine Frage nach Tabak einfach neutral:

"Danke sehr gerne."


"Wo wollen sie eigentlich hin?"



"Bitte sehr. Eine sehr aromatische Mischung aus Brabak."
"Ich fahre bis Havena, aber Gareth ist mein eigentliches Ziel. Und Ihr?"


"Och, ich fahre einfach bis Ende der Reise mit. Ihr müßt wissen, ich bin nicht lange an einem Ort. Man lebt nur einmal, jede Minute die man verweilt, hat man quasi verschenkt. Das ist meine Philosophie, und ich richte mich danach.

Ich mächte ihnen nicht zu nahe treten, aber was hat man beispielsweise davon als Händler sein Leben lang nur Geld zu horten? Was hat man als Geweihter davon sein Leben lang nur einem höheren Wesen zu dienen?"



Jergan horcht auf


Jergan hat das Geld sicher verstaut und die Eintragungen fast abgeschlossen, als er merkwürdige Bewegungen spürt. Nichts, was bedrohlich ist, aber... irgendwie anders. Irgendeine der Bewegungen des Schiffes in den Wellen ist

anders, als sie sein soll, anders, als es normal ist bei diesem Kurs und diesem Wind. Ganz so, als würde das Schiff in den Wellen eines anderen Fahrzeuges fahren, oder als ob sie in flachem Wasser die Auswirkungen der Grunddünung zu spüren bekämen.

Doch von oben erklingen keine Warnrufe, also hat Fiana alles unter Kontrolle. Nicht mehr ganz so ruhig wie zuvor setzt Jergan seine fast beendete Tätigkeit fort.



Alrik und der Wal


"Dort! Seht nur!" erklingt ein Ruf über's Deck. Der entsprechende Rufer wirbelt mit den Armen durch die Gegend und deutet schließlich auf die grüne Wanderinsel, die sich aus den Fluten erhoben hat.

Als der Grünwal schließlich längsseits geht, hat fast ein jeder auf Deck mitgekommen, welch wundersames Schauspiel sich dort gerade abspielt.

Die Neugierigsten unter den Matrosen buhlen bereits um die besten Plätze an der Reling, damit ihnen bloß kein entscheidender Moment bei diesem herausragenden Anblick entgeht.

So gelingt es Alrik nur mit Mühe sich zwischen dem dicken Olof und dem noch fetteren Arnulf durch zu quetschen. 'Kein Wunder, daß sie so aufgeregt sind, wann kriegen sie schon einmal was zu sehen, was sogar ihr eigenes Lebendgewicht noch übersteigt,' sind Alriks schäbige Gedanken, als es ihm endlich gelungen ist, den Anblick der zwei stämmigen Fettleibigen, gegen den Anblick eines noch gigantischeren Fettleibigen auszutauschen.

"Bei Swafnir!" poltert Arnulf und haut mit der Hand auf die Reling. "Bei Swafnir, was für ein Koloß!" wiederholt er ein ums andere Mal.

Auf Alriks anderer Seite steht immer noch Olof. Mit entrücktem Gesichtsausdruck und glänzenden Augen betrachtet er den Wal. Seine Lippen bewegen sich, wie zu einem stummen Gebet.

Mit beiden Händen hält sich Alrik an der Reling fest, stets bereit, seinen guten Platz in der ersten Reihe zu verteidigen. Aufgeregt wippt er mit den Füßen auf und ab. Dieser Meerbewohner ist wirklich ein ungewöhnlicher Anblick, allein, daß er sich SO nah an das Schiff herangewagt hat.



Der Wal


Aufmerksam beobachtet der Grünwal die >>Zweibeinchen<< auf dem >>Hohlwal<< - ´ ob die ihn gar nicht stören ? Er könnte sie doch mit sein großen Luftflossen leicht abschütteln, aber er tut es nicht .´ Diese Beobachtung erinnert den Wal schmerzlich an die vielen Muscheln an seinem Bauch, die er trotz mühsamster Verrenkungen mit seinen Flossen nicht erreichen kann. Zwar hat er sich mit dem Gedanken abgefunden damit zu leben, dennoch muß er sich kurz schütteln, geradezu so als könne er die lästigen Fremdkörper dadurch vertreiben. Doch schnell hat er sich wieder beruhigt und die von ihm geschlagenen Wellen haben sich wieder geglättet. Erneut richtet er seine Augen auf die NORDSTERN, diesmal sind die Luftflossen das Ziel seiner Neugier.

´ Was nützen ihm die Flossen bloß, wenn er sie aus dem Wasser streckt und noch nicht einmal bewegt ?´

Diese Frage läßt ihn einfach nicht los. ´ Oder ob er noch weitere Flossen unter Wasser hat ?´ Er läßt sich hinter das Schiff zurückfallen und taucht dann ein Stück unter, um sich das seltsame Tier von unten anzusehen. ´Ah, er hat auch eine große Schwanzflosse´ Denkt sich der Wal als er jenes Bauteil der Karavelle entdeckt, daß die Seeleute und Schiffsbauer als Ruder bezeichnen. Aber auch diese Erkenntnis zerplatzt recht bald: ´ Die Schwanzflosse hält er ja auch völlig ruhig !´ Allmählich beginnt er an allem zu zweifeln, was er er

die Bewegung im Wasser zu wissen geglaubt hat.


Der blinde Passagier


Als Nirka die `schlampig gestapelten` Felle wegzieht, blickt sie zunächst auf weitere Felle. Diese jedoch haben eine andere Farbe, und irgendwie scheinen sie sowieso etwas seltsam zu sein. Sie sehen so bearbeitet aus. Sie sehen sogar wie Kleidungsstücke aus. Es sind Kleidungsstücke. Und darin steckt auch jemand!

Die Gestalt, die dort liegt, ist in einen weißen Pelzkapuzenmantel (die Kapuze hat sie nicht auf), weißgraue Fellhosen und Lederstiefel gekleidet. Sie trägt auch einen breiten, ledernen Gürtel, an dem noch weitere Dinge hängen, aber auf solche Details achtet Nirka in dem Moment nicht besonders. Was sie aber sieht, ist der beinerne, reich verzierte Bogen, der neben der Gestalt auf dem Boden liegt. Worauf aber ihr Blick zur Zeit am meisten gerichtet ist, ist das Gesicht dieses Fremden. Ein Gesicht, so fein gezeichnet, so sanft geformt, heller noch als die blasseste Haut, die Nirka bis jetzt gesehen hat. Hohe, weich gerundete Wangenknochen beherrschen neben den großen, etwas schräg stehenden Katzenaugen sein Antlitz. Schneeweißes, scheinbar leuchtendes Haar fließt um dieses Gesicht wie der Wasserfall eines Gebirgsbaches und verschwindet beim Hals im dicken Pelzmantel. Die Haare fließen auch um die beiden Ohren, die eine lange, deutliche Spitze aufweisen. Was Nirka aber am meisten im Bann hält, sind die Augen. Rubinrot und magisch funkelnd wie Edelsteine! Diese Augen starren Nirka an, ängstlich, verwirrt, einsam.

'Jetzt ist es soweit. Jetzt werden sie mich finden.' Diese Gedanken schiessen ihm durch den Kopf, als sich eine der beiden Frauen an den Fellen zu schaffen macht, unter denen er sich eine sichere Zuflucht erhofft hatte. Mit einem Ruck wird das letzte Fell über ihm weg gezogen, und vor ihm steht sie. Die Frau, dessen Namen noch nicht genannt wurde. Sie starrt ihn an, sagt irgendwas, was er in dem Moment auch nicht versteht, zeigt auf ihn und scheint dann kein Wort mehr über ihre Lippen zu bringen. 'Was soll ich jetzt nur tun?' hektisch schiessen ihm alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Was er jetzt tun könnte/sollte, was nicht, und was sie mit ihm machen könnten/werden. Während dessen tritt auch die andere Frau, Sigrun, dazu und starrt ihn ebenfalls an. Einige Herzschläge werden die drei von Schweigen eingehüllt. Ein drückendes, unangenehmes Schweigen. Dann hebt er langsam eine Hand, schwenkt sie leicht, wie er es bei manchen Menschen gesehen hatte, und sagt mit seiner feiner, klaren, melodiösen Stimme ein schlichtes, etwas unsicheres: "Hallo.“


Nirka steht immer noch wie erstarrt neben ihrer Entdeckung. Sie erfaßt das Bild, scheint aber nicht klar denken zu können, denn sie starrt die merkwürdige Erscheinung noch immer an. Dann, als wäre es das Natürlichste der Welt, kommt dieses 'Hallo'. Dabei ist das, wie es Nirka erst GANZ langsam bewußt wird, etwas, das es seit ihrer Anheuerung auf der NORDSTERN noch nie gegeben hat: Ein blinder Passagier! Leicht stotternd fragt sie:

"Was bist du?!?"

Deutlicher, lauter und selbstbewußter folgt:

"Was machst du hier?"

In dem Satz ist schon fast wieder die nirka'sche Strenge zu finden.



Hatte er was Falsches gesagt? Aber, die Menschen, die sich sonst so angesprochen hatten, erwiderten diesen `Gruß` freundlich. War es vielleicht doch kein Gruß? Jedenfalls hat die Frau nicht so reagiert, wie er sich eigentlich erhofft hatte. Könnte sein, daß das mit dieser Situation zusammenhängt? Wäre möglich... Da richtet sie stotternd eine Frage an ihn:

"Was bist du?!?"

"Was machst du hier?"

Was ich bin? Wie meint sie jetzt das?' Irgendwie hatte er jetzt so eine Frage nicht erwartet. Will sie jetzt wirklich nur wissen, welchem Volk er angehört, oder steckt da mehr dahinter? Er denkt einige augenblicke darüber nach und entschließt sich, ihr nur dem Inhalt der Frage nach zu antworten.

Die zweite Frage verwirrt ihn fast noch mehr. 'Was, was mache ich hier?' Das sieht sie ja! Und anscheinend hatte sein erster Versuch mit dieser Begrüßung wirklich nicht hingehauen, der Strenge in der zweiten Frage nach. Aber wieso scheint sie jetzt leicht verärgert zu sein? Bei all diesen Gedanken hätte er beinahe vergessen ihr zu antworten. Dabei sieht sie ihn nicht gerade geduldig an.

"Ich gehöre zum Volke der Grinfeya - ich glaube ihr nennt uns Elfen? Und jetzt habe ich mich gerade vor euch versteckt, sozusagen."

Er sagt dies mit ruhiger, friedlicher Stimme. Vielleicht kann er damit erreichen, daß die Frau sich nicht noch mehr ärgert. Anscheinend sehen es die Menschen nicht gerne, wenn man zu nahe an sie herankommt, wenn sie in ihren Behausungen verschwinden. Und dieses riesige Boot dient einigen als Heimstatt, da war er sich jetzt sicher.



Sigrun kann es einfach nicht glauben. Da liegt jemand, ein Elf offensichtlich, einfach so unter den Fellen, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. Und dann begrüßt er Nirka auch noch mit einem simplen 'Hallo' und hält es überhaupt nicht für nötig, seine Anwesenheit zu erklären. Ihr fällt dazu einfach nur gar nichts ein, die Gedanken überschlagen sich und springen ständig zwischen einem 'was machen wir jetzt bloß mit dem' und 'er muß die ganze Zeit über hier gewesen sein' hin und her. Sie ist heilfroh, daß es Nirka, als der Bootsfrau, zusteht, jetzt irgend etwas zu tun.

'Was für ein Glück, daß wir wenigstens zu zweit sind', denkt sie. 'So kann eine von uns den Kapitän benachrichtigen, während die andere hier aufpaßt. Soll ich Nirka das vorschlagen?'

Sie überlegt noch ein wenig hin und her, dann wendet sie ihre Augen wieder von dem blinden Passagier ab und zu Nirka hin.

"Soll ich den Kapitän holen?" fragt sie leise, nicht etwa, um zu verhindern, daß der Elf sie hören kann, das wäre wohl kaum möglich. Sie möchte vielmehr Nirka wissen lassen, daß sie dies zwar für vernünftig hält, aber auch mit jeder anderen Entscheidung der Vorgesetzten - und Geliebten -

einverstanden ist.



Sigruns Worte holen Nirka förmlich in die Welt zurück, und erinnern sie an ihre Verantwortung als Bootsfrau dieses Schiffes. Sigruns Vorschlag hat durchaus Vorteile - aber auch gravierende Nachteile. Und da ist noch etwas...

"Ich glaube, das ist nicht nötig - wir werden ihn zum Kapitän bringen."

In Richtung des Elfen sagt sie:

"Steh auf und komm aus dem Versteck. Aber schön langsam, und komm nicht auf die Idee, irgendwelche Waffen zu ziehen."

Ihre Hand liegt dabei am Griff des Dolches. Sie will die Sache sichtlich hinauszögern, denn noch ist ihr nichts eingefallen, wie sie den blinden Passagier davon abhalten kann, das, was er zweifellos mit angehört hat, für sich zu behalten.



Die Antwort Nirkas akzeptiert Sigrun mit einem Nicken und einem knappen "Gut!". Als sie sieht, wie Nirkas Hand sich zu ihrem Dolch bewegt, spannt auch sie ihren Körper an. Zwar trägt sie keine Waffen, nur das kurze Messer, das ihr bei diesen oder jenen Arbeiten dienlich ist, doch auch ein gut trainierter Körper kann eine große Hilfe sein, wenn es zum Kampf kommt. Abwartend beobachtet sie die Reaktion des Elfen.



Die Situation nimmt einen immer schlechteren Verlauf. Die Nicht-Sigrun Frau scheint immer mehr verärgert zu sein. Und aggressiv wird sie auch noch. Dabei hat er doch gar niemandem etwas zu leide getan! Wieso reagieren die Menschen immer gleich so feindselig??

"Steh auf und komm aus dem Versteck. Aber schön langsam, und komm nicht auf die Idee, irgendwelche Waffen zu ziehen."

Aufstehen wäre wohl keine schlechte Idee. Aber wieso er aufstehen muß ist schon seltsam. Und zudem langsam. Wieso sollte er hastig oder überhetzt aufstehen?? Das macht doch gar keinen Sinn. Und das mit den Waffen! Warum bei allen Schneeflocken sollte er eine Waffe ziehen?!? Für was halten die ihn denn, einen Schwerverbrecher, einen Mörder?? Wie badoc!!

Während dessen ist er auf seinen Füßen. Er mißt etwa 1 Schritt und 4 Spann. Er wirft einen Seitenblick auf die Frau namens Sigrun, die nicht im entferntesten so aggressiv und befehlshaberisch ist wie die andere Frau. Wer oder was wohl ein Kapitän ist? Er läßt seinen Blick wieder auf der anderen Frau ruhen. Diese hat jetzt schon eine Hand auf dem Griff eines Messers oder so. Mit ruhiger, unschuldiger und wirklich neugieriger Stimme spricht er sie an:

"Habe ich dir etwas getan?"

Er meint das wriklich ehrlich, könnte ja sein, daß er echt etwas falsches getan hat, um so eine Reaktion hervorzurufen.



Nirka schüttelt verwundert den Kopf. Da schleicht sich jemand auf das Schiff, versteckt sich... und ist sich anscheinend keiner Schuld bewußt.

"Mir nicht... aber ich glaube kaum, daß du rechtmäßig auf diesem Schiff bist!"

Sie bemüht sich um einen streng wirkenden Gesichtsausdruck.



Auch Sigrun weiß nun langsam gar nicht mehr, was sie denken soll. Ob dem Elfen überhaupt klar ist, daß man nicht einfach so auf einem Schiff mitfahren kann? Sie glaubt fast, daß er seine Anwesenheit hier für völlig rechtmäßig hält. Oder aber er kann sich gut verstellen? Etwas nervös blickt die junge Frau nun zwischen Nirka und dem Elfen hin- und her.



Immerhin mal was Positives. Er hat ihr persönlich nichts getan. Es hätte ihn auch ziemlich verwundert, wenn das der Fall gewesen wäre, aber man weiß ja nie. Auf seiner Stirn bilden sich leichte Schatten von Falten, seine Augen verengen sich ganz leicht, als er offensichtlich über etwas nachdenkt. 'Rechtmäßig? Was hat das jetzt wieder zu bedeuten?' Er sucht in seinen bisherigen Erfahrungen mit Menschen nach der Bedeutung dieses Ausdruckes. Vergebens. Es ist zwar schon öfters vorgekommen, daß er nicht alle menschliche Ausdrücke begreift, aber dieser hier scheint in der momentanen Situation doch recht wichtig zu sein. Auch wie die Frau das Wort ausgesprochen hatte läßt darauf schließen, daß es mit diesem Ausdruck etwas auf sich hat, daß ihn nicht unbedingt in gutem Licht dastehen läßt. Aber was wohl? Seine rubinroten Augen blicken die ältere Frau fragend an.

"Rechtmäßig?"



Das ist ja geradezu unglaublich. Sigrun hat große Mühe, ihr Kinn nicht vor Erstaunen absacken zu lassen. Zwar hat sie schon immer gehört, daß Elfen manche Dinge ein wenig anders sehen. Aber es kann doch wirklich nicht sein, daß DIESER Elf noch nicht einmal weiß, daß er sich unrechtmäßig auf dem Schiff befindet. Jedes Wort deutlich betonend und ignorierend, daß der blinde Passagier sich eigentlich an Nirka wendet, erklärt sie:

"Nun, in diesem Fall würde ein Aufenthalt auf dem Schiff rechtmäßig, wenn Ihr dafür bezahlt hättet, eine gewisse Strecke mitzufahren!"

Eine gewisse Ironie ist durchaus aus ihrer Betonung heraus zu hören, noch immer ist sie eigentlich eher der Auffassung, daß es sich bei dem Unwissen des Elfen um einen ziemlich lächerlichen Trick handeln muß.



'Weiß er es wirklich nicht...?'

Nirka sieht den Elfen fragend an, dann sagt sie:

"Also eines nach dem anderen. Zuerst: Mein Name ist Nirka, und ich bin auf diesem Schiff, der aus Riva stammenden Karavelle NORDSTERN, die Bootsfrau."

Da er damit vermutlich wenig anzufangen weiß, ergänzt sie:

"Das bedeutet, daß ich hier in gewisser Weise etwas zu sagen habe. Dieses Schiff transportiert Ladung und zahlende Passagiere. Alle anderen, die an Bord sind, gehören wie wir beide zur Mannschaft. Nur du... zur Mannschaft gehörst du auf keinen Fall, und ein Passagier bist du auch nicht. Nach unserem Verständnis bist du ein blinder Passagier."

Nirka ahnt bereits die nächste sprachliche Verwechslung, aber sie will dem Elfen eine Chance geben, auch etwas zu sagen.



Sören und der Wal


Zunächst bemerkt der in seine Gedanken versunkene Schiffskoch den Grünwal überhaupt nicht, erst durch die restlichen Mitfahrer wird seine Aufmerksamkeit geweckt. So sieht er sich zunächst an Bord der "Nordstern" nach der Ursache für die allgemeine Begeisterung um und wendet sich, nachdem er dort nichts entdecken konnte, dem Wasser zu. 'Donnerwetter, groß ist er ja. Aber irgendwie hatte ich sie mir... anders vorgestellt...'

Bereits nach wenigen Sekunden hat Sören sich an dem Wal satt gesehen und wendet sich kopfschüttelnd wieder ab.

'Was finden die bloß an dem Vieh?'

Mit einem Schulterzucken macht er sich sodann auf dem Weg in seine Kombüse, wo sich bestimmt etwas zum Putzen oder Aufräumen findet. Und vielleicht auch eine Kleinigkeit zum Naschen...



Ole und Babo


"Du bist aus Hot Alem????"

Ole spricht diese Worte aus, als wäre ihm in diesem Augenblick alle Weisheit Dere's gegenwärtig geworden!

"So weit aus dem Süden? Davon mußt du mir unbedingt erzählen, Kamerad!"

Ole versucht Babo treppabwärst zu drängen, sanft zwar, aber bestimmt, ohne ihn zu allzusehr zu zwingen.

"Ich denke, ich habe in meinem Seesack noch etwas 'Premer Feuer', dabei wird es dir hoffentlich leichter fallen, mir aus dem Süden zu erzählen!"

Den Tumult, den Ole vom Oberdeck hört, versucht er so gut es geht zu ignorieren. Es scheint nicht wichtig, geht es da um Wale ...............???



Der Wal


´Also er streckt seine Flossen aus dem Wasser und bewegt sie nicht einmal, dennoch schwimmt er vorwärts und das sogar recht schnell.´ faßt der Grünwal seine bisherigen Beobachtungen an dem seltsamen anderen Wal zusammen.

´Ob ich das auch kann ?´

Er schwimmt ein wenig schneller. um wieder zu dem >>Hohlwal<< aufzuschließen. Als er wieder neben ihm ist taucht der Grünwal so weit aus dem Wasser auf wie er kann. Er ist jetzt mehr als zur Hälfte zu sehen und man kann jetzt deutlich die Ausmaße des grünen Riesen

erkennen: Vom Kopf bis zur Schwanzflosse ist er fast doppelt so lang wie das Schiff.

´So und jetzt die Flossen aus dem Wasser ´

Er atmet tief ein um einen großen Luftvorrat anzulegen, dann dreht er sich langsam auf den Rücken, so daß nun sein Bauch, der mitnichten auch glatt und grün, sondern weiß und gefurcht aussieht, oben ist. Er streckt seine Vorderflossen aus, so daß sie in den Himmel zeigen. Etwas grotesk sieht es aus als er seinen Hinterleib krümmt, um auch die Schwanzflosse in die Luft zu halten.



Walgesang


Mit einem Male wird Ole sehr schwindlig und ein Schleier legt eich vor seine Augen, alles was er jetzt noch sehen kann beginnt plötzlich vor seinem Auge zu tanzen, eine Reigen zum Takt und zur Melodie der Meergeräusche. Alle Farbe ist aus seinem Gesicht gewichen und er schwankt. Hätte er sich nicht festgehalten, zuerst an Babo's Schulter, danach an der Holzwand, dann wäre er sicherlich gestürzt.

'Oh Swafnir! Es ist tatsächlich ein Wal und ein ziemlich großer zudem. Ich kann ihn spüren, seine Macht, seine übergroße Anwesenheit. Ist es Schicksal, ist es eine Botschaft? Oh Swafnir ist es etwa sogar dein Kurier?'

Ole's Gedanken wirbeln durcheinander und seine Selbstbeherrschung reduziert sich auf ein Mindestmaß, gerade eben noch genug, um vor Babo nicht als altersschwacher Greis dazustehen.

Ole sammelt sich, atmet tief ein und wieder aus und wieder ein .....

Langsam wird er wieder Herr seiner selbst, doch das Gefühl der Macht und der Grösse, das ihn einhüllt und zu erdrücken droht bleibt!

"WAL, WER BIST DU? WAS WILLST DU HIER UND WER HAT DICH GESANDT?"

Ole hatte schon mehrmals Euer Gnaden Ragnar Greifsson die Wale besingen hören. Damals schon hatte Ole den Eindruck, obwohl die Kunst der Zwiesprache mit Walen nur den Geweihten des Swafnir vorbehalten ist, daß auch er die Antworten der Wale hatte verstehen können, nicht im Sinne eines deutlich vernehmbaren Satzes vielleicht, aber immerhin immer wieder eine Botschaft, die Ole teil verwirrten und zum Teil aber auch erleuchteten. Dieser Umstand hatte ihm damals im Kreise der Geweihten den ehrenvollen Beinamen 'der graue Riese' eingebracht, eine Bezeichnung, die nicht nur ausschließlich eine Anspielung auf Ole's Aussehen gewesen war.

Nun taucht ein Wal hier auf, kurz nachdem er auf einem Schiff angeheuert hatte, nach all den Jahren. War das Zufall oder ein Plan des Walgottes?

Wieder konzentriert sich Ole und die Kraft seiner Gedanken lassen seinen riesigen, starken Körper gebückt und gebrechlich erscheinen.

"WAL - ANTWORTE MIR......... SPRICH ZU EINEM UNWÜRDIGEN DIENER DES SWAFNIR!"

Ole hält sich den Schädel. Der Druck auf seinen Kopf nimmt zu, doch noch hört er nicht mehr als das Rauschen des Meeres und das Rauschen seines aufwallenden Blutes in seinem Kopf ....

"WAL - BITTE ........!"



Dajin und Alrik


Immer noch fasziniert von dem Anblick des Wal wendet sich Dajin dem in der Nähe stehenden Schiffsjungen zu:

"Ist das nicht gefährlich wenn dieser Riesenfisch so nahe an uns ran kommt? Er sieht so aus als könne er dieses Schiff leicht versenken!"



Jergan's Rückkehr auf die Brücke


Jergan verstaut schließlich das Schreibzeug und das Buch seegangsicher, und geht dann zur Tür. Das erste, was er sieht, sind die vielen Leute an der Reling, dann erblickt er den Wal. Er weiß, daß die Tiere in der Regel harmlos sind, doch er weiß auch, wie selten diese Begegnungen sind, und ihn interessieren sie sehr. Nur stellt man sich als Kapitän nicht zu den Gaffern, man hat andere Methoden: Jergan eilt die Treppe auf das Brückendeck empor und beobachtet von dort aus, nachdem er dem Passagier, der bei Fiana steht, kurz zugenickt hat. daß Fiana alles im Griff hat, steht wohl außer Frage.



Hirkan erwidert das Nicken des Kapitäns, als dieser die Brücke betritt. Noch immer beobachtet auch er den Wal, dessen nun sichtbare Länge ihm einfach den Atem verschlägt. Ein so großes Tier hat er wirklich noch nie gesehen. Fast macht sich ein wenig Verzweiflung in ihm breit, als er feststellt, daß er die vielen Eindrücke, die er aufgenommen hat, seit er dieses Schiff betreten hat, kaum alle schriftlich wird festhalten können. Aber trotzdem überwiegt die Begeisterung angesichts des grünen Kolosses, dem er mehr und mehr Respekt entgegenbringt. Er hat das Gefühl, als könne dieser Wal mit einer einzigen Bewegung das Schiff völlig aus der Bahn werfen, vielleicht sogar zum Kentern bringen. Aber die Frau am Steuer bleibt völlig ruhig, also scheint so etwas wohl fast normal zu sein. Daher läßt sich auch Hirkan nicht allzu sehr beunruhigen.

"Ein wirklich beeindruckendes Tier", bemerkt er, weder direkt an Fiana noch an Jergan gerichtet, doch gleichzeitig beide ansprechend.



Firutin und Smirnoff


"Das Geld ist eher nebensächlich. Natürlich ist es schön, wenn man sich etwas mehr Luxus leisten kann, aber was mich am Handeln reizt, sind in der Welt herumzukommen, interessante Menschen und Angehörige andere Völker zu treffen und ihnen mit meinem Waren eine Freude zu machen. Was das Geld angeht, Ihr scheint ja auch nicht gerade wenig zu besitzen, wenn Ihr Euch eine solche Reise leisten könnt."



Firutin lächelt aufgrund des Kommentars des Händlers. Er hat scheinbar damit gerechnet.

"Nun, da haben sie recht, ich bin wohl eher reich als arm. Ich halte auch nichts von Sprüchen wie: 'Geld hat man nur, man spricht nicht drüber.

' Es muß einem nicht peinlich sein Geld zu besitzen, solange es ehrlich erworben wurde. Ich für meinen Teil Streife durch Aventurien, ständig auf der Suche nach neuen Abenteuern, ein Dach über dem Kopf habe ich selten, meine Nahrung bekomme ich aus dem Wald. Sie glauben gar nicht was da für Festmähler zu finden sind. Nun, hin und wieder kehre ich nach langen Wanderungen in ein Gasthaus ein, und esse und trinke dort.

Das Geld verdienen tue ich durch Gelegenheitsarbeiten. Und da ich nichts ausgebe bekomme ich immer mehr. In diesem Falle kann ich mir dann auch mal so eine Seefahrt leisten. Ich finde eure Absichten, als Händler durch ferne Länder zu reisen und Leute kennenzulernen ehrenhaft. Ihr scheint mir aus dem richtigen Holz geschnitzt zu sein, doch ich kenne eine Menge von eurem Gewerbe, skrupellos, korrupt, Halsabschneider. Nur um des Geldes wegen am Leben, und immer mehr mehr mehr willen sie besitzen. Solche Leute, gegen solche hege ich eine Greul."

Firutin spricht die letzten Sätze etwas zorniger. Ungewohnt für den sonst so ausgeglichenen Waldläufer.



"Ich denke, da kann ich Euch beruhigen. Würde ich Euch sonst von diesem sündhaft teuren Tabak anbieten, ohne eine Gegenleistung zu verlangen?

Aber Scherz beiseite, schade, daß Ihr bis ans Ende der Reise mitfahrt. Ich könnte noch jemanden gebrauchen, der meine Ladung von Havena nach Gareth begleitet. Es soll Euer Schaden nicht sein."



Der blinde Passagier


Dieser Begriff `Rechtmäßig` ist wirklich was wichtiges. Jetzt reagiert auch schon die jüngere Frau. Stand sie vorhin noch schweigsam neben der anderen Frau, richtet sie jetzt auch Worte an ihn. Obwohl was sie sagt, versteht er auch nur zum Teil. Ihrer Aussage nach bedeutet rechtmäßig, daß er nur hier auf diesem Boot sein darf, wenn er dafür bezahlt hat. Bezahlt? Hm, das ist, soviel er sich erinnern kann, der Austausch von geformten, blinkenden, harten scheiben. Dieser Brauch hat er auch nicht ganz so richtig verstanden. Er will gerade etwas darauf erwidern, als die andere Frau wieder spricht.

Dieses Mal geht sie auf seine Frage ein. Und ihr Name weiß er jetzt auch. Nirka. Und das, sein Blick schweift kurz die jüngere Frau, ist Sigrun. Seine Stimmung hebt sich etwas, was man ihm auch ansieht. Jedoch muß er jetzt erst mal die Informationen, die ihm Nirka gegeben hat, etwas ordnen. Dieses Boot, oder Schiff, transportiert Ladung und zahlende Passagiere. Ladung ist klar. Passagiere? Und schon wieder zahlend. Ganz langsam. Was hat sie denn noch gesagt? Mannschaft. Hm, das scheint die Bezeichnung für die Leute zu sein, die das Boot seetüchtig halten. Ja gibt es denn auch noch andere Leute auf so einem Boot? Anscheinend schon - eben diese Passagiere. Auch er wird als solcher bezeichnet. Nein nicht ganz, als blinder. Blind?? Jetzt hat er langsam ein chaos im Kopf. Grübelnd steht er einige Augenblicke da und kommt zu keinem brauchbarem Schluß. Aber eigentlich hat Nirka recht, eines nach dem anderen. Er atmet hörbar, aber kurz ein und sagt dann:

"Meine Eltern gaben mir den Namen Sylvhar und ich gehöre, wie sie, zur Sippe Gletscherlied. Ich grüße dich Nirka, und dich Sigrun?"

Bei Sigrun's Namen blickt er schnell fragen in ihre Richtung, aber das sie nichts einwendet, fährt er fort:

"Verzeiht mir meine Fragerei, aber ich verstehe nicht ganz alles, was ihr beide gesagt habt. Ich verstehe euch Menschen sowieso noch nicht, ich habe meine Heimat erst vor kurzem verlassen. Jedenfalls: Was meinst du genau mit Passagieren?"

Er wendet sich an Nirka.

"Und diese Passagiere müssen zahlen? Das tut ihr Menschen doch mit so runden harten Scheiben? Und ... wieso sollte ich blind sein??"

Er blickt noch einmal auch zu Sigrun, die letzten beiden Fragen waren an beide gerichtet.



Nirka seufzt noch einmal. Dann beginnt sie, in bewußt ruhiger Tonlage zu erläutern - seinen Gruß irgendwie ignorierend:

"Passagiere sind Menschen, die dieses Schiff von einem Hafen zum anderen bringt. Und sie bezahlen mit Geld - den runden, harten Scheiben, wie du richtig erkannt hast. Ein blinder Passagier ist nicht wirklich blind, sondern damit meinen wir jemanden, der sich ohne unser Wissen einfach an Bord geschlichen hat, so, wie du es getan hast."

Sie schweigt kurz, dann fragt sie:

"Aber nun sage endlich, was du hier an Bord treibst!"



Sigrun ist noch verwirrter als zuvor. So etwas hat sie wirklich noch nicht erlebt. Langsam kommt sie zu der Überzeugung, daß der Elf wohl wirklich nicht versteht, was Nirka und sie ihm zu erklären versuchen, doch noch immer nagt in ihr der Zweifel. Schon einige Seiten von Nirka hat Sigrun kennen- und schätzengelernt, sowohl 'privat' als auch in ihrer Funktion als Bootsfrau. Hat sie bisher Respekt für ihre Strenge empfunden, so ist sie jetzt erneut beeindruckt von der anderen Frau. Ein wenig Stolz erfüllt sie, als sie bemerkt, welche Ruhe Nirka ausstrahlen kann, wenn dies nötig ist. Sie selbst muß sich ein wenig beherrschen, denn die offensichtliche (oder zur Schau getragene) Unwissenheit des Elfen zerrt an ihren Nerven. Geduld ist nicht Sigruns Stärke und da sie sich dessen bewußt ist, überläßt sie es nun wieder Nirka, die Mißverständnisse aufzuklären. Ein wenig nervös steht Sigrun neben Nirka, bereit ihr jederzeit zu Hilfe zu kommen, wenn dies nötig werden sollte.



Er hatte also mit seiner Vermutung des Bezahlens in die richtige Richtung gedacht. Immerhin, er weiß jetzt so ungefähr wie es die Menschen mit diesem Bezahlen handhaben - wieso sie das so tun, das wiederum ist etwas anderes. Er neigt den Kopf etwas zur Seite, seine Augen blicken in keine bestimmte Richtung. Mit ruhiger, etwas trauriger Stimme sagt er dann:

"Einige Menschen in diesem Ort wollten mir was antun. Sie hatten Waffen und verfolgten mich. Ich hatte Angst und bin vor ihnen weggerannt. Ich weiß nicht wieso sie das getan haben."

Jetzt schaut er wieder in Nirka's Gesicht als er weiter redet:

"Ich weiß es wirklich nicht! Jedenfalls bin ich schlußendlich auf dieses Boot gekommen, weil ich mir dachte, daß sie mich hier nicht finden werden. Vor euch habe ich mich versteckt, weil ich nicht wußte, was ihr tun werdet, wenn ihr mich findet - ob ich dann vielleicht doch noch in den Händen dieser Bewaffneten ende."

Seine Stimme nimmt wieder den ausgeglichenen, sanften Ton an:

"Ich hätte nicht gedacht, daß ich euch dafür was geben müßte. Und daß euch das so verärgert! Ich muß ja auch nicht unbedingt von diesem Boot an einen anderen Ort gebracht werden - wenn es euch besser gefällt, gehe ich wieder. Sie müßten mittlerweile auch nicht mehr da oben sein."

Der letzte Satz sprach er leiser und eher hoffnungsvoll aus.



Die ersten Worte des Elfen klingen plausibel, doch dann ist es Nirka, als könne sie ihren Ohren nicht mehr trauen. Sie wirft Sigrun einen Blick zu, der besagen könnte:

'Kneif mich mal, damit ich weiß, daß ich das nicht alles bloß zusammen phantasiere...!'

Fast mit dem gleichen Gesichtsausdruck wendet sie sich dem Elfen zu:

"Was meinst du denn, wo dieses leichte Geschaukel herkommt? Du kannst gerne wieder gehen - aber du kannst dir sicher sein, daß du die Küste inzwischen wohl nur noch ganz weit in der Ferne sehen kannst! Das hier ist ein SCHIFF, kein kleines Boot, mit dem man über Flüsse fährt!"



Sigrun bemerkt Nirkas ungläubigen Blick und kann sich gut in die andere Frau hineinversetzen. Sie selbst kommt aus dem Staunen nicht heraus, dem Elfen scheint wirklich noch nicht einmal klar zu sein, daß sie sich mitten auf Ifirns Ozean befinden! In ihrem Gesicht sind jetzt neben der Verblüffung auch ein leichtes Lächeln um die Mundwinkel und eine kleine Falte der Besorgnis auf ihrer Stirn zu erkennen. Sie kann sich nicht ganz dagegen wehren, die Situation in ihrer Absurdität ein wenig amüsant zu finden, doch befürchtet sie auch, daß alle Erklärungen Nirkas diesem Blinden Passagier nicht einleuchten werden. 'Nun, daß er nicht über den Ozean wandern kann, wird der Elf wohl hoffentlich einsehen', denkt sie und verfolgt weiterhin schweigend das Gespräch.



Auf der Brücke


Dem ankommenden Kapitän Nickt Fiana zu. Es handelt sich um ein Fianatypisches 'Alles in Ordnung Kapitän, habe die Lage völlig im Griff' Nicken, das Jergan zu deuten wissen wird. Sie beobachtet weiterhin aufmerksam den Wal und führt weiter ab und an minimale Kurskorrekturen durch. Zu Hirkan bemerkt sie:

"Eine Begegnung mit einem Wal ist selten und immer etwas besonderes. Vielleicht ein gutes Omen Swafnirs. Der Wal ist sicher genauso neugierig wie wir. Deshalb schwimmt er so dicht bei uns. Ich bin sicher, er beobachtet uns genauso wißbegierig wie wir ihn"



Alrik und Dajin


Inzwischen beobachtet Alrik das Walverhalten mit offenem Mund. Was macht das Tier dort bloß? Rückenschwimmen? Wo hat man so was schon gesehen? Alrik steht vollkommen im den Bann dieses seltsamen Anblicks, daß er die aufspritzenden Wassertropfen, die den Weg von der schlagenden Schwanzflosse des Wals auf die Höhe der Reling finden, gar nicht bemerkt.

Plötzlich ertönt eine Stimme von hinten, die Alrik für wenige Augenblicke von dem Walgeschehen ablenkt. Nur ganz leicht dreht er sich zur Seite, doch das genügt schon. Seine Hände gleiten von der Reling ab, und schon ist ihm sein schöner Platz mit der guten Aussicht verlustig gegangen.

"Gefährlich?!" Wiederholt Alrik Dajins Frage. "Ich... öhm... weiß nicht. So nah habe ich noch nie einen Wal gesehen. Immer nur aus weiter Ferne. Aber er ist riesig! Er könnte bestimmt ... "

Alrik zieht die Augenbauen zusammen und eine nachdenkliche Falte überzieht seine Stirn. Wie Rat suchend wendet er seine Aufmerksamkeit den Personen auf dem Brückendeck zu. Die werden es wissen! Dort scheint alles ruhig zu sein, von Aufregung keine Spur. Folglich kann der Wal auch keine Bedrohung für das Schiff darstellen, so einfach ist das! Mit erneuter Zuversicht erwidert Alrik Dajins Blick.

"Vollkommen harmlos, der Wal," stellt der Junge altklug fest.




Dajin schaut ziemlich verwirrt auf das Schwimmverhalten des Wals.

"Na sieht auch eher so aus als sei er nicht mehr ganz richtig im Kopf. Aber hoffentlich kommt er nicht auf die Idee mit dem Schiff zu spielen. Ich nehme mal an solche Begegnungen sind nicht allzu häufig oder?"



Babo und Ole


Babo wollte gerade freudig verkünden, daß er gerne von Hot Alem erzählen würde, als mit Ole eine merkwürdige Veränderung vor sich geht. Als sich dieser an seiner Schulter festhält, packt Babo Ole am Arm und versucht ihn aufrecht zu halten, aber der Schiffszimmermann gewinnt schnell seine Kraft zurück. Doch jetzt lehnt er an der Wand und redet wirres Zeug, das Babo Angst einjagt. Vielleicht wurde der arme Kerl ja von dem neuen Smutje verhext?! Ein Schauer läuft Babo über den Rücken.



Der Wal


Schon bald merkt der Wal, daß seine seltsame Haltung nicht zu der erhofften wundersamen Fortbewegung führt. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Nun antriebslos wird der schwere Walkörper langsamer und langsamer, so daß er schon bald um ein bis zwei Wallängen hinter dem Schiff zurückbleibt.

´So geht es nicht´ dieser Gedanke geht ihm durch den Kopf, als er seine Schwanzflosse mit einem lauten Platschen wieder ins Wasser fallen läßt. Anschließend taucht er mit dem Kopf zuerst unter um auch die anderen Flossen wieder ihrem eigentlichen Zwecke zuzuführen. Dabei zeigt seine

große Schwanzflosse noch einmal gen Alveran, diesmal allerdings ohne unbequeme Krümmung. Unter Wasser dreht er sich wieder herum so daß nun alles wieder in die Richtung zeigt wie es soll.

´Und ewig die Luft anhalten kann ich auch nicht, bin ja schließlich kein Fisch´ bei diesem Gedanken taucht er, nun wieder neben der NORDSTERN, auf. erneut stößt er eine Fontäne aus - und was vorhin aus der Ferne wie ein Zierspringbrunnen eines Liebfeldischen Lustgartens aussah, zeigt

sich nun in wahrer Größe: 8 Schritt hoch schießt das Wasser in den Himmel ! Eine zufällige Bö sorgt dafür das auch die »Zweibeinchen« an der Reling einige Tropfen abbekommen.



Was ist das ? Plötzlich hat der Wal das Gefühl jemand wolle mit ihm Reden ! Zunächst ist er völlig verwirrt, hält in alle Richtungen nach anderen Walen Ausschau, dann aber begreift er daß die Gesprächsinitiative nur von seinem mysteriösen Artgenossen mit den Luftflossen kommen kann. Daß dabei so etwas unbedeutendes wie die winzigen Zweibeinchen eine Rolle spielen könnte kommt ihm natürlich nicht in den Sinn und so schwimmt er einfach so neben den »Hohlwal«, daß dieser ihn gut sehen müßte, obwohl er bis jetzt keine Augen an dem Luftflosser entdeckt hat, und stimmt seinen typischen Walgesang an. Diese, aus teils fiependen, teils langgezogenen tiefen Tönen bestehende, Melodie ist für die Zweibeinchen jedoch kaum zu hören, da der Walgesang im Wasser stattfindet.

"Hallo, Du da mit den großen Luftflossen" würde ein Artgenosse aus dem Gesang heraus hören, "Wie heißt Du ? Und wie machst Du das mit den Luftflossen ?"

Doch irgendetwas ist anders, fremdartig. Plötzlich formen sich Gedanken in seinem Kopf, die nicht seine eigenen sind:

"WAL - ANTWORTE MIR ... SPRICH ZU EINEM UNWÜRDIGEN DIENER DES SWAFNIR !"

und

"WAL - BITTE .... !"

´Was geschieht mit mir ??????´ Denkt der Grünwal erschrocken. Aufgeregt peitscht er mit den Flossen, geradezu so als wolle er Ifirns Ozean umrühren. Doch bevor er das Meer vollständig zu Schaum geschlagen hat, erinnert er sich an eine alte Geschichte von seinem Großvater. Von den Zweibeinchen hat er erzählt, davon daß manchmal welche, von denen die auf den Hohlwalen auf dem Meer reiten, mit den Walen reden könnten und davon daß sie dazu nicht singen, sondern ihre Gedanken in die Köpfe der Wale pflanzen. Immernoch verunsichert formt er gedanklich eine Antwort:

´Hallo, ... sprechendes Zweibeinchen ... reitest Du auf dem Hohlwal ... ?´

Aber da ihm diese Methode der Kommunikation allzu fremd ist, läßt er die Worte gleichzeitig in seiner singenden Walsprache hören. Aufgeregt beobachtet er die Zweibeinchen, die alle auf einer Seite des Hohlwales stehen und ihn angucken. Jedoch kann er nicht sehen welches davon mit ihm spricht.

"Sprechendes Zweibeinchen, wo bist Du ?" singt er zunächst, dann bemerkt er seinen Fehler und denkt ´Sprechendes Zweibeinchen, wo bist Du ?´

Innerlich ist er immer noch völlig aufgeregt, aber der große Körper liegt nun völlig ruhig neben der NORDSTERN im Wasser. Das gleichmäßige Schlagen seiner Schwanzflosse scheint er gar nicht zu bemerken. Er bewegt sie auch nur gerade so schnell, daß der neben dem Luftflosser her schwimmt.


Der Druck auf Ole's Kopf nimmt zu, stöhnend hält er sich den Schädel. ' Aber warum dagegen ankämpfen, warum nicht treiben lassen?' denkt sich Ole und versucht sich zu entspannen, so gut es ihm im Augenblick möglich ist. Tatsächlich, der Druckschmerz läßt nach, jedoch das Schwindelgefühl bleibt ihm. Mit einem mal glaubt Ole ein hohes, lang gezogenes Quietschen zu hören, das von der Tonhöhe rasch abfällt und in ein dunkles, brummiges Schnarren absinkt. Aber Ole muß sich eingestehen, daß er solche Töne gar nicht gehört haben kann, kein anderer, der in der Nähe Ole's steht, hatte auf diese Tonfolge reagiert, so als hätte es nur Ole vernehmen können.

Ole entschuldigt sich bei Babo mit einigen gestammelten Worten, die dem fassungslos, ja sogar ein bißchen entsetzt dreinschauenden Matrosen erklären sollen, daß Ole jetzt auf das Oberdeck müsse, Luft holen oder ähnliches, eben halt eine kurze. flüchtige Erklärung und so kehrt ihm dann Ole den Rücken, um mit wankenden unsicheren Schritte auf das Oberdeck zu steigen.

' Er sucht mich ...' schießt es ihm durch den Kopf. 'Es ist ein Riesenwal und er ist freundlich.' Ole hat keinerlei Ahnung, wer ihm diese Gedanken in den Kopf pflanzt, immerhin, der Kopfschmerz läßt noch weiter nach und als Ole dann endlich auf dem windigen Oberdeck steht, fühlt er sich fast schon wieder kräftig wie immer, wäre da nicht immer noch dieser Schwindel, der seinen Blick bisweilen arg trübt.

Als Ole den Wal selbst erblickt ist er starr vor Faszination. In diesem herrlichen Tier ist die Gnade Swafnirs Fleisch geworden, als ein Geschenk an die Welt. Ole fühlt leidenschaftliche Zuneigung zu diesem Tier, daß ihm Sinnbild für Leben, Schutz und Geborgenheit ist, so wie es eben allen Anhänger des Swafnir zu eigen ist. Auf einmal fallen Oles Gedanken Jahre zurück und sein geistiges Auge findet sich wieder im Kreise der Geweihten um Hochwürden Ragnar Greifsson, stehend an einer hohen Klippe. Der Meister hatte die Arme ausgebreitet und stimmte sein Wal-Lied an und alle Geweihten sangen mit ihm. Schon damals hatte sich Ole mitgerissen und davongetragen gefühlt, als dann am Horizont eine riesige Fontäne auftauchte, und mit dem Erscheinen dieses Wals heute setzten bei Ole eben wieder jene Anzeichen ein, die er schon damals im Kreise der Walsänger gespürt hatte. Ihm war offensichtlich als Gabe geschenkt, was sonst nur Geweihten vorbehalten ist und auch denen ist es erst nach jahrelangem, intensiven Üben möglich.

So wie es Euer Gnaden Greifsson vor Jahren getan hatte, so breitet Ole nun seine Arme aus, räuspert sich noch einmal und stimmt sein 'Lied' an, eine Cascade sich ständig wiederholender Töne, die gleitend nach oben gezogen werden, am Ende einer Sequenz leiser und leise und schließlich ganz verstummen. Ole kann sich an dieses Lied noch gut erinnern, Meister Ragnar hatte ihm erklärt, es bedeute "FREUNDSCHAFT". Ole versucht auf das Meer hinaus zu 'spüren' , ob er von dem Wal nicht eine Botschaft erhaschen könnte. Als er dann endlich eine solche erhielt traf es ihn trotzdem fast unvorbereitet, hatte er doch gedacht, daß ihm die Nachricht wie ein gesprochenes Wort von außer entgegenkommen würde, aber sie entstand tief in ihm, schüchtern und zaghaft, aber ständig wachsend, bis Ole die Botschaft offenbar wurde. Der 'graue Riese' kann es schier nicht glauben, so deutlich spürt er die Beweggründe des Wales, wie Neugier oder Spieltrieb. Außerdem glaubt Ole erkennen zu können, daß der Wal wohl ein bißchen zu viel gefressen hatte.

Ole schließt die Augen und konzentriert auf ein weiteres Lied "FRIEDEN", dem er gleich ein zweites anschließt "SEGENSWUNSCH", eine Huldigung an Swafnir, dem Herren aller Wale und der Dank seine ewigen Kampfes gegen Hranngar, der bösen Schlange. In Oles Gedanken formiert sich plötzlich der eine Wunsch, den er seinen Lieder als Botschaft beimengt:

"LIEBER FREUND - ZEIGE MIR DEINE FONTÄNE - GIB MIR SO EIN ZEICHEN, DASS SICH DAS LEBEN NICHT VON MIR ABWENDET!"

Und Ole schließt ab mit dem Lied "IN DEN TIEFEN DES MEERES", ein sehr schwieriges Lied, da es sehr viele, sehr tiefe Töne enthält. Ole hofft, daß sein ungeschicktes Gegrunze noch laut und deutlich genug gewesen war, dem Wal verständlich zu sein........



Alrik und Dajin und die seltsamen Gesänge


"Also, ich hab' sowas jedenfalls noch nicht erlebt," meint Alrik an Dajin gerichtet. Der Junge ist sichtlich unruhig und kann sich nur schwerlich auf höfliche Antworten konzentrieren. Immer wieder blinzelt er in die Richtung der Reling und der See. Die ganze Aussicht ist ihm inzwischen versperrt und immer drückender wird das Gefühl, gerade etwas Einzigartiges zu verpassen. Schon wieder spritzen ein paar Wassertropfen über das Deck, gefolgt von Ausrufen des Erstaunens und der Begeisterung seitens der Matrosen.

"Ich... äh..." stottert Alrik und schaut hektisch in die Richtung, wo er eben noch den Wal sah. "He, was war denn?" fragt er zaghaft, während er auf seinem Standpunkt auf- und abhüpft. Im Grunde rechnet er sowieso nicht damit, daß man seinen Worten Beachtung schenkt.

In eben diesem Moment dringen seltsame Geräusche aus gar nicht so weiter Entfernung zu Alrik vor. 'Ein zweiter Wal?!' Irritiert hört Alrik mit der Hüpferei auf und schaut sich nach dem Verursacher dieser schrägen Klänge um. Schließlich sieht der Junge, daß es der neue Segelflicker ist, der seiner eigenwilligen Musikalität Ausdruck verleiht. Mit offenem Mund und vollkommen fassungslos beobachtet der Junge das seltsame Schauspiel, das sich ihm hier bietet.



Dajin merkt das der Junge viel lieber den Wal weiter beobachten will als auf seine Fragen zu antworten. Er versucht zwischen den Matrosen ein wenig Platz zu machen damit Alrik wieder sehen kann was der Wal treibt als er plötzlich den eigenartigen Gesang hört.

`Was ist denn das nun wieder für ein Tier?`denkt er sich bevor er feststellt das die Geräusche anscheinend von einem Matrosen ausgehen.



Der Wal


Angestrengt beobachtete der Grünwal die Zweibeinchen um herauszufinden welches nun mit ihm spricht. Da sieht er wie ein Zweibeinchen, etwas weniger winzig als die anderen, aus dem Hohlwal herauskommt ?

´Sie reiten nicht nur AUF ihm, sie krabbeln auch IN ihm herum !´ Diese Erkenntnis versetzt ihn in großes Erstaunen und vollendet seine Verwirrung - zu viele neue Eindrücke für einen Tag ! Das etwas weniger winzige Zweibeinchen streckt jetzt seine Flossen aus und ...

´He, er kann ja doch singen !´ bemerkt der Wal erfreut, ´aber er singt nicht wie ich, es klingt ein bißchen wie die Lieder, die die Pottwale singen, aber doch noch irgendwie anders. Dann meint der Wal plötzlich so etwas wie eine Bitte heraus zu hören. ´Das singende Zweibeinchen will, daß ich ihm etwas zeige ??´



Ole hält die Augen geschlossen und dennoch kann er Bilder sehen. Herrliche Unterwasser-Landschaften eröffnen sich seinem Blick, das Gefühl von Frieden und Freiheit erfüllt seine Seele, und er spürt Erinnerungen nach, die nicht die seinen sind, fremd und doch vertraut als Baustein einer Botschaft, die tief in seiner Seele wächst, empfangen von einem der umwerfendsten Lebewesen Dere's, wie es scheinen mag. Er hört tief in seinem Inneren Meister Ragnar's mahnende Stimme, als er damals zum jungen Ole sagte:

"Sieh junger Ole! Alles hat eine Seele, jeder für sich und alle miteinander, so wie jedes Riff, das aus dem Wasser ragt einzigartig ist und doch einiges mit allen anderen gemeinsam hat. Die Welt besteht aus Klang und Schwingung und sie ist zu beeinflussen nur durch Tanz und Melodie. Die Zauberei verändert das Wesen der Dinge, die Musik der Seele fügt sich schmeichelnd ein in das Weltengeschehen. Es gibt nichts auf der Welt, das du nicht mit Musik beschreiben könntest, auf das sich jedes Ding deinem geistige Auge offenbare. Beachte, Ole, die Musik ist Mittler und nicht Werkzeug, benötigst du ein Werkzeug, dann gebrauche deine Hände und deinen Verstand, deine Hände wenn es gilt an der Oberfläche zu scharren, deinen Verstand wenn es an der Zeit ist, in die Tiefe zu blicken. Dann wird die Dunkelheit aus der Tiefe des Meeres weichen und du wirst erkennen, daß alle Riffe und Landmassen einen gemeinsamen Untergrund haben und nichts wirklich für dich alleine steht.!"

Damals hatte Ole diese Worte nicht verstanden, heute wird ihm klar was sie bedeuteten. Die Gesänge der Wale, Melodie und Schwingung, die Andeutung der Wahrheit hinter der Wahrheit. So singt er nicht dem Wal, sondern sich selbst und seine Gedanken werden durch Melodie und Schwingung hinausgetragen, gehen in das Wasser und werden vom Wal empfangen und verstanden. Und auf dem gleichen Weg gelangen die geistigen Schwingungen wieder zu Ole zurück. Es ist wie ein Wunder, aber es ist Tatsache, Ole kann den Wal ein bißchen verstehen, wenn auch nur sehr verworren. Kann es sein, daß bei Walen die Bezeichnung für Menschen wirklich "Zweibeinchen" sein könnte oder mag es sein, daß Ole's Phantasie zu viele Blüten treibt. Nein, wirklich, Ole hört eine wispernd rauschende Stimme, die nach einem 'sprechenden Zweibeinchen' verlangt.

Ole versucht sich wieder zu sammeln. Er sucht in seiner Erinnerung nach den alten Liedern seines Seelen-Meisters Ragnar und er findet eine Weise mit dem Titel 'BEKENNTNIS UND WAHRHAFTIGKEIT', vielleicht nicht unbedingt der passenste Titel, aber leicht zu singen. Alle Töne sind in mittlerer Lage und kaum Kopfstimmen sind dabei. In der laufenden Tonfolge sammelt konzentriert sich Ole, sammelt seine Energien in seinem Kopf, sich sein Geist, formiert sich in Schwingung, dann hängt er seine Gedanken an die Melodie und den Klang des Liedes und läßt anschließend seine Gedanken frei, auf das sie sich wellenförmig verstrahlen können, einem wartenden Empfänger zur Botschaft - in diesem momentanen Fall, dem Grünwal entgegen.

Der Wal - das gesegnete Lebewesen aller Meere, Freund der Menschen, Helfer der Seeleute - Die Gnade Swafnir's auf wogender See. Wal - mein Freund - gibt es einen Namen für dich, das ich dich rufen könnte in der Weite der See! Die Gruppe der 'Walsänger' aus dem Kreis der 'Kinder Swafnir's' nannte mich 'den grauen Riesen', die Bedeutung dieses Namens ist nur wesentlich unter den Menschen, die ihr 'Zweibeinchen' nennt, hat keine Bedeutung für euch. Ole ist sich natürlich bewußt, daß seine Botschaft so wortgetreu er sie sendet, niemals so bei dem Wal ankommen wird. Vielleicht doch, man kann es ja nicht wissen. Es ist ihm wichtig, daß der Wal sich eventuell selbst benennt, so daß er gerufen werden könnte, sollte einmal Gefahr drohen und daß der Wal ihn als Gegenüber erkennen kann. Sollte dies gelingen, dann wäre alles gelungen....

Ja, und da wäre noch, beinahe hätte Ole es vergessen, sein Zeichen, daß er sich so wünscht. Laut sagte er in die tosenden Wellen hinaus:

"WAL - ZEIGE MIR DEINEN NASSEN ATEM"
und Ole unterstützt den Gesang mit Gesten die eine Fontäne verdeutlichen sollen ......


Der Grünwal lauscht weiterhin dem sprechenden Zweibeinchen. Jetzt meint er so etwas wie einen Namen heraus zu hören: Das sprechende, etwas weniger winzige Zweibeinchen wird von seines gleichen "grauer Riese" genannt. Mit dem Namen verbunden spürt er den Wunsch des Zweibeinchen seinen Namen zu erfahren.

"Meine Eltern nennen mich ´Kleiner´", singt er, es ist eine scherzhafte Bezeichnung, ist er doch mit über 40 Schritt Länge und gut 150 Quadern Gewicht ein recht stattlicher Vertreter seiner Art, "aber mein wirklicher Name ist ... ", es folgt eine Tonfolge, die sich nur sehr schwierig in eine Menschensprache übersetzen läßt. Sie bedeutet in etwa:

"Der, der lange oben schwimmt"

Aber noch eine weitere Bitte ist im Gesang des Zweibeinchens enthalten, langsam entsteht im Kopf des Wal ein Bild von spritzendem Wasser.



Nur einen kurzen Moment wundert sich Ole über die quietschenden und schnarrenden Töne, die er gerade wahrnehmen kann, obwohl er dies gar nicht können dürfte, da es Klänge sind, die aus einer völlig anderen Welt kommen, fremd und unnahbar, sogar manchmal sehr feindlich. Und dennoch begegnen sich hier zwei Lebewesen, deren Verständigung die Grenze der Wunderbaren um einiges überschreitet, da hier Wege der Götter eingeschlagen werden, die den meisten Menschen unbekannt sind und darüber hinaus auch sehr gefürchtet, vor allem von jenen, die den Menschen gerne als Krone des Weltenkreises sehen wollen. Obwohl Ole die geheimen Wege HESindes und NANdus nur am Rande kennengelernt hatte, so hatte ihm das Schicksal derart reichlich mit Talent ausgestattet, daß ihm das harte Studium der Sensibilität in diesem Bereich nicht fehlen muß, ihm zu ermöglichen auf unmöglichen Pfaden zu wandeln. Vielleicht ist es aber auch Ole's kindliche Demut vor der Natur und allem was ihr entspringt, vielleicht ist es sein Fähigkeit über alles staunen zu können, vielleicht aber auch sein ständiges Üben, Ängste einzudämmen und Liebe walten zu lassen, wahrscheinlich ist es die Kombination aller seiner Eigenschaften, die es ihm gestatten sehend an der Grenze menschlichen Seins und darüber hinaus zu wandeln.

Wie verschieden diese Welten sein können, was Ole ohnehin schon sehr bewußt. Auch der Wal lebt zwar, wie die meisten Geschöpfe, in guten Einverständnis in seiner Welt. Allerdings in einer Welt, die ihn töten würde, wäre da nicht die andere Welt, in der der Wal Luft schöpfen könnte. So ist auch Ole ein Geschöpf der festen Lande und dennoch zieht es ihn immer wieder hinaus in die weite Wasserwüste, die ihm eigentlich nur Gefahr und Tod sicher versprechen kann und dennoch mußte er tun, was er tat, er mußte wieder hinaus auf die See. Und so wird ihm der Wal zum Sinnbild eines neuen Lebens, zur Bestätigung dessen, was Ole als Lebensplan für sich erdacht hatte. Ole verspürt große Dankbarkeit gegenüber dem Wal.

Wird dieses gigantische Tier wirklich 'Kleiner' genannt und wie groß mögen die sein, die sich eine solche Bemerkung erlauben dürfen. Zunächst glaubt Ole an einen Wahrnehmungsfehler seiner selbst, aber dann wird ihm klar, daß dies eben eine der Unstimmigkeiten ist, verursacht, durch die Fremdheit beider Welten. Er hatte sich ja auch als 'grauer Riese' vorgestellt, einem Namen der seine Äußerlichkeit im Kreise der Menschen zwar schon definiert, aber geradezu - lächerlich - vergleicht man die Größe Ole's mit der des Lebewesens, daß man möglicherweise den 'Kleinen' nennt. Doch Namen scheinen etwas Relatives zu sein, denn nun empfängt Ole weiter Botschaften, die, ihrer Art nach, eigentlich mehr auf Wesensarten hinweisen, von denen der alte Seemann aber doch steigend den Eindruck bekommt, es handle sich um den eigentlichen Namen des Wal's. Er bekommt ihn Wortgetreu nicht ins bewußtsein, aber es hat mit Schwimmen zu tun, 'oben' schwimmen oder 'frei' schwimmen. Ist es eine Analogie oder eine äußere Beschreibung. Da ist etwas mit Ausdauer oder Kraft, vielleicht auch ein zeitlicher Begriff. Es könnte "lange" heißen oder auch "mehr".

Ole ordnet die Worte in "Lange", "oben" und "schwimmen", in dieser Formation ergeben die Worte für Ole einen Sinn. "Lange oben schwimmen". Und bezieht man den Wal als Person noch mit ein, so müßte es lauten:

"Der, der lange oben schwimmt!"

Ob das so stimmt weiß Ole nicht mit Sicherheit, aber für ihn ist dies jetzt der 'Name' des Wal's. Ole spürt, gekoppelt mit seinen Überlegungen, Wellen von Neugier und Spieltrieb, die den alten Seemann fast überwältigen, da sie hohe, unbekannte Formen des Glücksgefühls beinhalten ........

"ZEIG MIR DEINEN NASSEN ATEM .."

Ole streckt die Arme nach oben und sieht ein bißchen aus, wie ein Beschwörer, doch macht er sich im Augenblick keine Gedanken darüber, wie sein stummer Dialog nach außen hin aussieht. Ole's Lied klingt laut:

"FREUND!" will es sagen und immer wieder "FREUND!"


Alrik, Dajin und die Walgesänge


Wie gebannt bleibt Alriks Blick an Ole hängen. Er vermag es zwar nicht genau zu benennen, aber etwas sehr Seltsames geht hier vor sich. Dergleichen hat er auf seinen Reisen durch die nördlichen Gewässer bislang noch nicht erlebt. So manche der Schauermärchen, die man ihm in durchwachten Nächten erzählt hatte, gelangen in Alriks Erinnerung zurück.

Hat der Segelflicker etwa den Wal zum Schiff gerufen? Ist es überhaupt möglich einem Tier etwas mitzuteilen? Oder beschwört er gerade die Seelen der ertrunkenen Seeleute? Olof hatte in der Sturmnacht von dergleichen berichtet. Außerdem kannte ein anderer Matrose jemanden, der mit jemandem befreundet war, dessen Vater so was überlebt hatte...

Alrik tritt einen Schritt näher an Dajin heran, schutzsuchend wäre zwar nicht ganz das richtige Wort, aber dem Jungen scheint sehr daran gelegen zu sein, etwas im Hintergrund zu bleiben.

Doch dann erhebt der verwegene Hüne die Stimme und tatsachlich erweckt es den Anschein, als spräche er wirklich mit dem Wal. Den letzen Satz hat Alrik jedenfalls genau verstanden und die begleitende Geste dazu braucht auch keine weitere Erklärung.



Instinktiv tastet Dajin nach den zwei Schwertern die er auf dem Rücken trägt. Der Kerl wird doch wohl kein Magier sein ...oder? Er behält den Segelflicker weiterhin mißtrauisch im Auge. Aber es sieht eher so aus als wolle dieser mit dem Wal sprechen.



Dem kleinen Schiffsjungen wird immer mulmiger zumute. Was in Zwölfgötternamen geht hier blosßvor sich?

Daß sich nun auch so mancher Matrose an der Reling umdreht und argwöhnisch auf das neue Besatzungsmitglied starrt, trägt nicht sonderlich zur Beruhigung von Alriks strapazierten Nerven bei. Aber irgendwie scheint auch niemand eingreifen zu wollen. Alrik versucht das Mienenspiel der anderen Menschen zu deuten. Unverkennbarer Argwohn, maßloses Erstaunen, schlichte Ergriffenheit, andächtige Ruhe... alles dieses meint Alrik aus den Gesichtern der anderen herauslesen zu können.



Sören geht


Noch immer ohne jedes Interesse an Walforschung setzt der Smutje seinen Gang in die Kombüse fort. Dort angekommen kramt er erst einmal etwas Zwieback aus dem Schrank heraus, lehnt sich dann gegen die Wand und beißt ein Stück Zwieback ab.

"Waff die blof alle an dem Vieh finden..." fragt er sich noch einmal mit vollem Mund.



Ein "blinder" Passagier wird langsam "sehend"


Sylvhar schaut Nirka bei diesen Worten nachdenklich an. Sein Gesicht zeigt deutlich, wie er an dem Gesagten hin und her überlegt, bis er ihre Botschaft `Wir sind auf dem Meer` deuten kann. Seine Augen weiten sich zu einem leicht ungläubigen Blick und er sagt:

"Du meinst wir sind jetzt auf dem Meer? Nicht mehr in Küstennähe??"

Da dringen ihm seltsame Geräusche an's Ohr. Er lauscht dem Geräusch kurz, seine Augen bewegen sich hin und her. Dann zieht er unbewußt eine Augenbraue hoch. Es hört sich an, als ob ein Mensch Walgesang nachahmen möchte. Schrecklich! Aber das ist jetzt nicht wichtig. Er blickt wieder Nirka an und sagt halblaut mehr zu sich selbst:

"Auf dem Meer! Ja aber ich... also ich meine....das wollte ich nicht...ich..."

Seine Augen schielen zur Seite...

"Ähm..."

... dann zur Decke

"Also naja..."

Jetzt blickt er wieder Nirka an, spricht zu ihr mit festerer Stimme und einem Lächeln:

"In diesem Fall werde ich dir und den anderen hier wohl noch etwas Gesellschaft leisten. Ich werde dann wieder gehen wenn wir zurück sind. Tut mir leid falls dich das verärgert. Ich wußte nicht, daß dieses Schiff gleich auf's Meer raus fährt."

Dann fügt er noch interessiert hinzu:

"Seid ihr wegen dem Fischfang hier draußen? Sind hier die Fischgründe sehr ertragreich?"

Das müssen sie wohl sein, sonst würden die Mensch nicht mit so einem großen Boot fischen gehen. Und vor allem nicht so weit (wie Nirka dies beschrieben hat) draußen.



"Fischen?????"

Nirka wirkt allmählich verärgert.

"Das ist ein Handelsschiff. Wir transportieren Personen und Waren von einem Hafen Aventuriens zu einem anderen - Fischfang... bah!"

Sie überlegt kurz.

"Sag mal, bist du vielleicht zum ersten Mal mit Menschen zusammen?"

Irgendwo hat sie mal gerüchteweise gehört, daß Elfen sich dann höchst merkwürdig benehmen.



Walgesänge


Je weiter der Dialog zwischen ihm und dem singenden Zweibeinchen fortschreitet desto stärker spürt der Wal den Wunsch des Zweibeinchens nach spritzendem Wasser. Er wundert sich zwar was dem Zweibeinchen daran so wichtig ist, aber dennoch will er ihm diesen Wunsch erfüllen, denn er spürt, daß dieses Zweibeinchen den Walen sehr nahe steht.

Doch dazu musz er zunächst einmal tauchen. Der schwere Körper wendet sich vom Schiff ab und taucht dann mit dem Kopf zuerst unter Wasser. Beim Abtauchen streckt er seine Schwanzflosse erneut in den Himmel, deutlich ist nun an Deck der NORDSTERN die dreieckige Form der Flosse zu erkennen. Zunächst hat es den Anschein als habe der Wal genug von der Karavelle, denn er schwimmt unterhalb der Wasserlinie vom Schiff weg und taucht dabei tiefer. Für eine gewisse Zeit ist der grüne Riese gar nicht mehr zu sehen, da das Wasser zwischen ihm und den Augen der Beobachter zuwenig von PRAios Schein durchläßt.

Doch unter der Oberfläche von Ifirns Ozean tut sich was: Als der Wal ein wenig mehr Abstand vom Schiff gewonnen hat, wendet er sich zum Auftauchen um. Doch nicht wie sonst langsam und gemächlich, sondern mit äußerster Eile. Wild schlägt die große Schwanzflosse hin und her, den Körper des Wals immer schneller und schneller werden lassend. Als er kurz davor steht die Grenze zwischen Ozean und Luftmeer zu durchbrechen hat er seine höchstmögliche Geschwindigkeit erreicht. Doch weder wird er nun langsamer noch ändert er seine Richtung, unbeirrt jagt er weiter der Sonne entgegen ...



Noch immer ist sich Ole nicht darüber im Klaren, wie weit er seinen Empfindungen trauen darf. Zwar sind ihm die Bilder, die sich ihm bei der Begegnung mit dem gewaltigen Tier, innerlich formiert haben, klar und deutlich, und eigentlich unmißverständlich, doch mag er sie nicht unbedingt ausschließlich einer äußeren Quelle zuschreiben. Wo hört Feinsinnigkeit auf, ab wann beginnt die Spekulation oder gar die Phantasie. Es war Ole, als gäbe es einen Anteil in ihm, der sich gegen seine Gabe wehrte, als müsse man darüber den Mantel des Schweigens breiten, als wäre es eine Schande. Doch Ole wollte sich nicht täuschen lassen, zu intensiv, zu markant spürte er diesen Wal in diesem Momenten.

Und es sind durchaus sehr angenehme Empfindungen, die Ole da in sich aufnehmen kann. Es sind Glücksgefühle, Schwingungen die Zuneigung ausdrücken sollen, unaussprechliche Freude darüber, daß jemandem ein lang gehegter Wunsch erfüllt werden soll. Es ist wie ein wärmender, heller Sonnenschein auf dem Rücken des Bedürftigen in kalter, abweisender Dunkelheit. Nun endlich ist sich Ole sicher, das dieser Wal, sollte er doch ein Botschafter Swafnir's sein, die Wege des 'grauen Riesen' deshalb kreuzt, um den alten Zimmermann zu segnen und nicht, um ihn zu ermahnen, um ihn zum Weitergehen zu ermutigen, nicht zur Einhalt oder Umkehr.

Dann auf einmal verschwindet der Wal in den Fluten des Ozeans, plötzlich und unerwartet. Er taucht längsseits ins Wasser, geht steil unter die Wellen und ist wenige Augenblicke später verschwunden. Nur noch die mächtige Flukke pendelt in der Luft hin und her, dann klatscht auch sie auf die Wasseroberfläche und ist weg. Na, das hat ja ganz schön geklatscht und Ole ist schon ein wenig erleichtert, das der Wal, bevor er abtauchte, so viel Distanz zu dem Schiff gewonnen hatte, zwischen dem mächtigen Körper des Tieres und dem, vergleichsweise zerbrechlichen Schiff, gab es doch ein sehr großes Mißverhältnis der Masse. Da hat es ganz schön Wellengang gegeben, als der Wal tauchte, und bei geringerer Entfernung hätte es auch ein Schiff wie dei NORDSTERN ganz schön durchschütteln können. So aber lag die Karavelle gut im Wind, und wurde kaum mehr durch geschaukelt, als die Wellen des Wales gegen den Schiffskörpers brandeten.

Neugierig versucht Ole nachzuspüren, warum der Wal so spontan reagiert hatte. Doch er fühlt nur die Lebenslust des Tieres, eine Art Lust, die sich darin äußert, ein 'Geschenk' machen zu wollen. 'Ein Geschenk?' wundert sich Ole. Doch nicht etwa die Fontäne, der er sich als äußeres Abbild innerer Freiheit so sehr von dem Tier gewünscht hatte. Warum dann ein solches Manöver? Ole spürt die Macht des Wales und seine unbändige Kraft, das Gleiten im Wasser, daß ihn tiefer und tiefer bringt. Ole wird es kalt und immer kälter und der Druck von allen Seiten verstärkt sich, er wird immer dunkler! Dann Umkehr, eine Wende, der Druck läßt nach - Erleichterung! Da ist ein Licht, kreisrund und noch mehr Erleichterung. Das Licht (die Sonne?) verstärkt sich und das Tempo nimmt zu, nimmt noch mehr zu - und plötzlich versteht Ole den Wal ............

Ole wird kreidebleich im Gesicht und sein Blick wird hektisch. Unruhig und nervös sucht er die Wassseroberfläche ab. Er solches schon einmal erlebt, es fällt ihm ausbruchsartig ein. Es war vor vielen Götterläufen, das Meer war damals schon alt, aber Ole war jung. Er fuhr mit der Otta der 'Klippenschleifer' und sie waren, wie die NORDSTERN heute einem Wal begegnet, ein junges, ungestühmes Tier, nicht feindselig gestimmt, aber wild und unberechenbar. Ole hatte damals eben genau daßelbe beschissene Gefühl wie heute. Damals hatte man rund aufquellendes Wasser auf der Meeresoberfläche sehen können, kurz vorher.......

Ole schaut zur Seite, als ihm wegen der angestrengten Suche die Augen weh tun und sein Blick ruht plötzlich auf Alrik, der unweit neben ihm steht, mit aufgerissenen Augen und offenen Mund. Ole, noch immer kreidebleich im Gesicht raunt ihm mit halblauter Stimme zu:

"Alrik, es ist möglich, daß ich mich irre. Aber besser wäre es, wenn du dich jetzt gut festhalten würdest, egal was passiert! Tust du das für mich?"

Dann stellt sich Ole aufrecht hin, nimmt die Hände trichterförmig an den Mund, um seiner Stimme mehr Macht zu geben und dann ruft er , so laut er kann:

"WAL - DA SPRINGT ER !!!!!!!!!!!!!!!!"

Er versucht die Flutwelle zu berechnen, die entstehen wird, wenn ein Wal dieser Größe, durch eine harte Landung nach einem mächtigen Sprung derart gewaltige Wassermassen verdrängt, daß es genügen würde eine Kleinstadt zu überschwemmen. Ole hofft inständig, daß der Wal auch diesmal eine ordentliche Distanz einnehmen wird, doch ist er sich fast sicher, daß sich hier jeder an Bord nassen Füße holen wird. Dies ist allerdings das Ergebnis der günstigsten Berechnung. Die Ergebnisse der weniger günstigen Berechnungen will Ole im Augenblick gar nicht wissen.

"WAL - DA SPRINGT ER !!!!!!!!!!!!!"

Und während er dies ruft, versucht er sich zu erinnern, wie damals die Sache mit den 'Klippenschleifern' ausgegangen war ....



Alrik sucht Halt


Nachdem der Wal abgetaucht ist, legt sich eine unheimliche Stille über das Schiff. Die Stimmen der anderen Matrosen sind verstummt und auch die hypnotischen Gesänge des Segelflickers scheinen ein Ende gefunden zu haben, jedenfalls dringen sie nicht mehr zu Alrik vor. Sollte das wirklich das Ende dieser sonderbaren Begegnung sein? Alrik kann es kaum glauben. Sein Blick aus großen, geweiteten Augen ruht weiterhin auf Ole. Dann richtet der Segelflicker das Wort an Alrik. Bei der gegenwärtigen Stille dringt der Klang der Worte ungehindert zu Alrik vor, allein der Sinn, die Aussage, die Bedeutung, die dahinter steht, bleibt für den Jungen erst verschlossen. Festhalten? Aber ich habe einen sicheren Stand. Festhalten? Aber die See ist doch ruhig. Festhalten? Aber ... der ... Wal - da springt er... FESTHALTEN!

Wie angewurzelt bleibt Alrik an der Stelle stehen. Festhalten! Wo? WO?? An der Reling scheint sich die Versammlung der Matrosen ein wenig aufgelockert zu haben. Dort dürfte am besten Halt zu finden sein...



Gespannt schaut Dajin auf Ole so das er dessen Worte erst gar nicht wahrnimmt. Wal springt? ..... WAL SPRINGT ? fast ein wenig panisch greift sich Dajin Alrik und zieht ihn zum Mast

"Halt dich da fest !"

Dann klammert sich auch Dajin an einige Seile. Wenn das Schiff den Walsprung überlebt wird Ole einiges erklären müssen.



Jergan bereit .....


Noch ehe Ole ruft, ist Jergan, der wie die meisten an Bord den Wal beobachtet hat, mit einem Sprung am Steuer neben Fiana, um ihr im Notfall zu helfen, das Schiff auf Kurs zu halten. Seine Hände packen zwar das Holz des Rades, aber noch überläßt er die Entscheidungen seiner ersten Offizierin.



Firutin und Smirnoff


"Hmmmm"

Entgegnet Firutin auf das Angebot des Händlers.

"Reizen würde es mich ja schon, aber wer weiß was noch passieren wird. Außerdem habe ich schon bezahlt, aber ich glaube das kann man wieder rückgängig machen. Ich werde ihnen meine Entscheidung in Havena mitteilen, einverstanden?"



"Aber sicher. Überlegt ruhig, wir haben ja noch ein Weilchen Zeit."

Smirnoff deutet auf die See, wo der Wal verschwunden ist und jetzt wieder die Wasseroberfläche durchbricht.

"Seht mal, er springt!"


Der springende Wal


... Da bricht der Wal ans Licht, und es hat den Anschein als wolle er seinen Weg auch in der Luft in gleicher Richtung fortsetzen, es den Vögeln gleichtun.

Tatsächlich hebt sich der riesige Körper komplett aus dem Meere. Nun sind die waren Ausmaße des Tieres klar zu sehen. Doch führt seine gewaltige Größe nicht zu Trägheit und Langsamkeit wie mancher denken könnte, sondern sie ist gepaart mit einer ebenso überwältigenden Kraft, die es sogar ermöglicht für kurze Zeit in die Lüfte zu steigen. Viele Schritt hoch steigt der Wal in den Himmel, wobei er einen flachen Bogen beschreibt. Und mögen für menschliche Augen auch alle Wale etwas plump aussehen, bewegt er sich doch mit einer Eleganz, wie sie nur den wenigsten gegeben ist. Doch irgendwann siegt Sumus Griff auch über diesen Giganten der Meere, das Wiedereintauchen in EFFerds Reich ist unvermeidlich.

Der Grünwal trifft sauber mit dem Kopf voran auf dem Wasser auf, wobei sein Körper eine große große Menge des nassen Elements verdrängt. Eine Welle so hoch wie sonst nur in RONdras Sturmgebraus baut sich auf um sich in alle Richtungen des Himmels und des Meeres auszubreiten - und eine dieser Richtungen führt zur NORDSTERN. Ein Berg aus Wasser rollt auf das Schiff zu ...

"Ihr müsst wissen das dieser Schiffstyp absichtlich so gebaut ist, daß das Schiff auf den Wellen ´Reiten´ kann. Es gibt Andere die sie durch- schneiden. Alles hat seine Vor- und Nachteile."

Dies hat Fiana vor gar nicht allzu langer Zeit zu Hirkan gesagt. Nun ist die Bauform der Karavelle ein eindeutiger Vorteil, denn die Welle, die der Wal verursacht hat erreicht nun das Schiff.

War schon die kleinere Welle die der Grünwal beim Absprung geschlagen hat deutlich zu spüren gewesen, so ist diese wie eine Riesenfaust, die von unten gegen die NORDSTERN schlägt. Ruckartig wird das Schiff in die Höhe gerissen, wer sich nicht festhält fällt zu Boden, was nicht festgemacht ist fliegt übers Deck oder durch den Laderaum. Ebenso plötzlich geht es wieder bergab als das Schiff in das anschließende Wellental stürzt, wer nicht schon am Boden liegt stürzt spätestens jetzt so er sich nicht weiterhin gut festhält. Die rasante Talfahrt rüttelt das Schiff ziemlich unsanft durch, Wasser schwappt über Deck, läuft in Sturzbächen wieder ins Meer. Dann kommt der nächste Wellenberg, nicht mehr ganz so heftig wie der erste, doch immer noch stark genug um Mensch, Tier und Ding an Bord gehörig durcheinander zu wirbeln. Wieder ins Tal, wieder Wasser an Deck, wieder nasse Füße, doch noch hält alles zusammen was zusammengehört. Einmal, zweimal, dreimal wiederholt sich das auf und ab noch, schwächer werdend. Dann sind die Walwellen so flach geworden, daß sie nicht mehr zu spüren sind, nur noch das stete schaukeln durch den Wind und seine Wellen.

Die reitende Rumpfform der Karavelle und das saubere Eintauchen des Grünwals haben dafür gesorgt, daß die NORDSTERN zwar heftig geschüttelt und alles an Deck reichlich durchnäßt wurde, das Schiff jedoch zu keinem Zeitpunkt in eine bedenkliche Schräglage geriet. Bis auf einige Beulen und unordentlich herumliegende lose Teile auf den Decks, hat die Berg- und Talfahrt keine bleibenden Schäden hinterlassen und die NORDSTERN setzt ihren Kurs unbeirrt fort.



Alle Hände am Steuer


Die Plötzliche Stille nach dem Abtauchen des riesigen Tieres beunruhigt Fiana etwas, wenn sie auch nicht weiß wiso. Dann plötzlich springt der gigantische Körper aus den Fluten empor, um kurz darauf mit einer gewaltigen Welle wieder in Efferds Element abzutauchen.

All ihre Routine, all ihr Können und nicht zuletzt tatkräftige Hilfe des Kapitäns sind notwendig um ein blitzartiges Steuermanöver durchzuführen. Leichte, nicht befestigte Gegenstände würden wohl alleine durch die apprupte Drehung umfallen.

Doch notwendig ist dies, Der Bug hält nun direkt auf das Zentrum der Wellen zu, um unter allen Umständen eine Breitseite zu vermeiden.

Erst als die Wellen wieder abflauen kehrt Fiana auf den ursprünglichen Kurs zurück. Wer weiß ob der Wal wieder auftaucht und rammen möchte sie ihn wirklich nicht.



Jergans Schritt in Richtung Steuer war genau richtig gewesen, denn so kann er Fiana nun helfen, die Karavelle mit fester Hand auf Kurs zu halten und den Gewalten zu trotzen, die ihnen beiden das Steuer aus der Hand zu reißen drohen.



Von Elfen und Menschen


Sylvhar stellt ungern fest, daß er Nirka anscheinend schon wieder etwas verärgert hat. Dabei will er das ja gar nicht!

Aber wieso ärgert sie das, wenn er denkt, daß die Menschen hier mit diesem Schiff Fischfang betreiben?? Fischfang ist doch etwas natürliches, etwas notwendiges und eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe.

Handelsschiff sagt sie dem. Ja also mit den Menschen gehandelt hat er auch schon, obwohl auch das ziemlich seltsam ist - wie die Menschen so sehr an in ihren Augen wertvollen Gegenständen interessiert sein können, aber Lebensnotwendige Dinge dabei außer Acht lassen. Jedenfalls ist er mit seiner Sippe mit den Eisseglern an diesen Menschenort tauschen gegangen, aber deswegen braucht die Sippe die Eissegler auch zum Fischfang. Wieso sollte also dieses Schiff hier nicht auch dazu gebraucht werden? Das ist auch typisch Menschlich, für jede Aufgabe verschiedene und spezielle Dinge brauchen, dabei könnte man vieles auch mit den selben Sachen machen.

Nirka's Frage läßt ihn diese Gedanken wieder beiseite schieben.

"Sag mal, bist du vielleicht zum ersten Mal mit Menschen zusammen?"

Ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen als er ihr antwortet:

"Falls du damit meinst, daß ich das erste Mal Menschen erlebe, dann nicht. Ich habe auch schon mit Menschen Dinge getauscht in diesem Menschenort, einige Tage Eissegeln von meiner Heimat entfernt. Aber du hast schon etwas Recht, ich bin zum ersten Mal soweit in Richtung Sha gewandert. Und bin auch noch nie vorher in so einem großen Menschenort gewesen, wie dort wo ich auf dieses Schiff gekommen bin. Aber vieles was ihr Menschen tut, oder nicht tut, verstehe ich nicht. Wie dies hier," er breitet dabei seine Arme aus und will mit dieser Geste andeuten, daß er das ganze Schiff meint "Du hast Recht in dem Sinne, daß ich zum ersten Mal mit Menschen auf so einem großen Schiff bin."

Sanft fügt er noch hinzu:

"Und du? Bist du in deinem Leben vorher auch schon ein Mal einem Fey begegnet?"



Nirkas Gesichtsausdruck kann immer noch beim besten Willen nur als ärgerlich bezeichnet werden. Jetzt stellt ihr dieser Elf noch solche Fragen!

"Ich..."

Sie bricht ab, denn in dem Moment spürt sie, wie das Schiff sich bewegt, und die gewaltige Woge es nach oben reißt. Die wenigen Augenblicke des Anschwellens der Welle genügen den beiden Frauen, um sich festzuhalten, aber dennoch reißt die Wucht sie fast von den Beinen.

Ungehindert fliegen dagegen die losen Ballen durch die Gegend, die glücklicherweise nur aus Stoff bestehen...



Der Walsprung


Noch immer hat Ole das gewaltige Rauschen im Ohr, daß der Wal bei seinem unglaublichen Sprung erzeugt hatte. Der alte Seemann starrt noch immer fasziniert auf die Stelle der Wasseroberfläche, da der Wal eintauchte und verschwand. Und noch immer gehen ringförmige Wellen aus einem Zentrum

auseinander, wenngleich auch schon die Strömungen der Meeres jetzt wieder die Form der Wasseroberfläche zu bestimmen versuchen, gegen die Kaskaden des Wassers, die aufstiegen, als der Wal dort eintauchte. Das Wasser tropft von der Takelage herunter und die Planken des Oberdecks haben sich in eine nasse, schmierige Rutschbahn verwandelt. Ein Eimer rollt scheppernd hin und her, den Schiffsbewegungen folgend.

Ole fühlt sich befreit, wenn auch tropfnass. Eine seltsame Empfindung, mag man meinen, aber sie ist wahrhaftig. Die Haare hängen ihm tropfend vom Haupt herunter, über Stirn und Gesicht und sein langer grauer Bart klebt ihm strähning am Stoff seines durchtränkten Hemds. Das rote Stirnband liegt ihm nun sehr schief auf dem Schädel und aus dem Pfeifenkopf steigen statt kleiner, blauer Wölkchen nur dunkle, ekelhafte Wasserspritzer auf. Angewidert klopft Ole die Pfeife an der Reling aus. Sein Gesicht ist leicht gerötet, irgend etwas ist ihm ganz schön an die Wangen geklatscht, als die erste Welle die NORDSTERN traf. Aber das kann Ole's Laune in keiner Weise trüben. Er ist nun fest davon überzeugt, EFFerd hat seine Weg gesegnet und ihm seinen Wal geschickt, um ihm dies mitzuteilen. Auf den Gedanken, der Walsprung könnte etwas anderes bedeuten als die Zustimmung des Meergottes zu den Wegplänen des See- und Zimmermannes kommt Ole gar nicht. Für ihn ist die Tatsache, daß er jetzt noch lebt, ein Zeichen göttlichen Wohlwollens!

Aus und Schluß!

Ende der Grübeleien!


Der Zimmermann hat einen entsetzlichen Geschmack im Mund, eine Mixtur aus Tabak, Asche und Meerwasser. Es drängt ihn ein paar Schlucke zu nehmen, von welchem Getränk auch immer, um dieses niederhöllischen Geschmack zu vertreiben. Doch vorher konzentriert er sich ein letztes Mal, um dem Wal seinen Dank und seine Segenswünsche zu erklären. Viel Singen wird er allerdings nicht mehr können, zuviel Meerwasser hatte Ole schlucken müssen und das Salz war seiner Stimme abträglich gewesen. Aber ein bißchen geht schon noch, gerade eben genug, um seine Gedanken noch einmal zu sammeln, zu formen und auf die Reise zu schicken:

" WAL - FREUND - ICH, DANKE DIR - ICH ERBITTE SEGEN FÜR DICH - WUNSCH:

GUTE FISCHGRÜNDE ......!!"

Abgehackt und holpernd klingen seine Botschaften und sie verlieren an Energie. Ole kann sich nur noch mit Mühe konzentrieren und auch seine Stimme überschlägt sich nun häufiger, oft an sehr unpassenden Stellen, ohne, so hofft Ole zumindest, die Botschaft an den Wal zu arg zu verstümmeln.

Langsam verlassen Ole die mentalen Kräfte. Immer schwieriger wird es ihm seine stummen Botschaften gedanklich zu bündeln und auch seine Stimme wird nun sehr rauh und brüchig.

"Der, der lange oben schwimmt und der 'graue Riese' sind Freunde - Vergiß mich nicht .......!" ......so dann ist Ole zu erschöpft um noch eine weitere Botschaft weiter zu geben. Die Knie sind ihm nun weich wie Butter geworden, er selbst fühlt sich wacklig wie ein angebrochener Mast in einer steifen Brise und er muß sich nun an der Reling festhalten, um nicht zu stürzen. Aber seine Sinne sind hellwach, auch für Dinge aus anderen Wahrnehmungsbereichen. Doch zunächst einmal hört er das Gegrummel und das Fluchen jener an Bord der NORDSTERN, die ebenfalls von der Flutwelle des Wals empfindlich getroffen worden waren. Das bringt dem alten grauen Hünen den Schiffsjungen wieder in Erinnerung. Wo ist er geblieben ...? Unsicher blickt sich Ole auf dem Deck um.

"Alrik? Wo bist du .....?"



Der Grünwal hat seinen Sprung vollendet. Nach dem auftreffen auf dem Wasser mit der damit verbunden Welle, sinkt der schwere Körper, durch Sumus Griff getrieben, tief in EFFerds Reich hinein.

Doch SWAfnir sorgt für seine Kinder, so daß der ´Kleine´ weder bis auf den Grund absinkt, wo er sich verletzen könnte, noch in Dunkelheit der Tiefe die Orientierung verliert. Nachdem er sich gefangen hat wendet er sich wieder zum Auftauchen. Diesmal mit der gewohnten Ruhe und Gelassenheit bewegt er sich wieder nach oben. Als er fast am Ziel ist blickt er sich kurz nach dem »Hohlwal« um und schwimmt unter Wasser wieder an diesen heran.

Langsam hebt sich der Wal wieder aus dem Wasser. Er schwimmt nun wieder neben der NORDSTERN. ´Ob dem Zweibeinchen mein Sprung gefallen hat ?´ überlegt er.



Ole hat Alrik noch nicht entdecken können, da taucht neben der NORDSTERN der Wal wieder auf, langsam und gemächlich. Wie eine 'neugeborene, bewegliche Insel' schwimmt er neben dem Schiff her. 'So Menschliches steckt in seinem Tun.' denkt sich der alte Schiffszimmermann. Ole ist gerührt, so sehr, daß er seine Sorge um Alrik für den Moment auf die Seite drängt und seine Aufmerksamkeit wieder voll dem Wal widmet.

Ole muß lächelnd, seine Zuneigung zu dem mächtigen Tier ist ungebrochen. Der Wal hatte sie zwar sehr in Gefahr gebracht, aber Ole konnte ihm dafür nicht böse sein. Er verzeiht ihm, so wie man einem lebhaften, etwas ungestümen Kind verzeihen würde, wenn man Lebenslust vor Benehmensregeln stellt. Aber Ole ist ihm auch dankbar für den seelischen Anstoß, den ihm dieser Meeresbewohner gegeben hatte und der ihn befähigen wird, so hofft Ole zumindest, sich voll dem Leben wieder hinzugeben.

Singen kann er nun nicht mehr - ist ist ja auch schon fast alles gesagt worden und Ole ist dabei mehr zuteil geworden als er sich je erhofft hatte, seit der Zeit, die er im Kreise der Kinder Swafnirs verbracht hatte, da er zum ersten Mal zu lernen versuch hatte, den Walen zu singen. Und Ole winkt dem Wal zu, ermattet zwar, aber aus tiefstem Herzen glücklich!



Smirnoff wird überrrascht


Mit der Pfeifenspitze deutet Smirnoff auf den springenden Wal:

"Seht nur, wie elegant. Man glaubt gar nicht, wie sich so ein massiges Tier bewegen kann."

Die heran rollende Flutwelle bringt den nicht darauf gefaßten Pelzhändler jedoch aus dem Gleichgewicht. Er rudert mit den Armen, bekommt aber noch die Reling zu fassen. Dabei muß er allerdings die Pfeife loslassen, die auf dem Deck in zwei Teile zerbricht und zu allem Überfluß auch noch von Bord

rollt.

"Niederhöllen! Meine schöne Meerschaumpfeife!"



Alrik wohlbehalten


Die Reling schien schon in greifbarer Nähe, doch dann wurde der Junge plötzlich von festen Händen ergriffen und eiligst und in weiser Voraussicht zum Mast hin gezerrt. Mit beiden Armen umklammert Alrik fest den Großmast, überdies geschützt durch den beherzt eingreifenden Maraskaner. Die Wucht der Welle trifft Alrik dann trotzdem unerwartet. Sein Kinn prallt hart auf dem Holz des großmasts auf. Auf diesen Schreck hin, löst Alrik etwas desorientiert den festen Griff. Wasserfluten plätschern über das Deck, aber glücklicherweise findet der Junge rasch Halt am Arm des Maraskaners.

Als sich die Lage wieder etwas beruhigt hat, grinst Alrik seinen "Retter" tapfer an. Dann murmelt er ein verschämtes "Danke", wohl wissend, daß die Angelegenheit echt schlimmer hätte ausgehen können. Von irgendwoher hört Alrik jemanden, der nach ihm ruft.

"Hier bin ich," krächzt der Junge.

'Verflixt, das salzige Meerwasser tut ganz schön weh auf dem aufgeschürften Kinn ...'



Kapitän Jergan, Herr der Lage


Nachdem der erste Schock vorbei ist, läßt Jergan das Steuer wieder los, bleibt aber in der Nähe, um Fiana zu helfen, falls der Wal noch einmal auf eine solche Idee kommen sollte. Nur einen kleinen Schritt geht er nach vorne, um dann laut zu rufen:

"Alle in Ordnung? Gibt es Verletzte?"

Er sieht dabei hinunter auf das nasse Deck - da, wo er steht, ist das Brückendeck hoch genug, um von dieser Welle verschont gewesen zu sein - und auf mögliche Beschädigungen. Letztere kann er erst einmal aus der Ferne nicht entdecken, aber die Gesundheit der Menschen an Bord ist ohnehin wichtiger.

Und immer wieder schweift sein Blick auf das Meer hinüber, zu dem großen Meerestier, dem das Schiff vollkommen hilflos ausgeliefert ist. Es ist schneller und wendiger als die Karavelle, und mit seiner Kraft ohne jede Schwierigkeit in der Lage, das Schiff in kleine Stücke zu hauen.

Nur... warum sollte es das tun? Jergan schätzt die Wale eigentlich eher als friedlich - und ein wenig neugierig ein, wie es dieser hier auch zu sein scheint.



Rumpeln im ' Bauch ' des Schiffes


Sylvhar sieht, daß sich Nirka's Gesicht noch mehr in ärger hüllt. Was hat er denn jetzt wieder angestellt? Kurz bevor Nirka anfängt ihm zu antworten, teilen ihm seine Sinne seltsame Dinge mit.

Zuerst bemerkt er diese gar nicht so recht, viel zu sehr ist er damit beschäftigt, menschliche Gedankenmuster zu verstehen. Doch dann wird er darauf aufmerksam; das Schiff wiegt sich nun nicht mehr so gemächlich wie vorhin, es wird irgendwie wie auf eine Seite 'gezogen' und kriegt dadurch etwas Schräglage. Und auch ein Geräusch vernimmt er, ganz leise, ganz entfernt, etwas wie ein Rauschen.

Als Nirka dann zur Antwort ansetzt, geht alles unheimlich schnell. Plötzlich wird das Schiff nach oben gerissen. Sylvhar fühlt sich regelrecht so, als würde ihn ein unsichtbarer Eisbär auf den Boden drücken. Wild durcheinander schwingt er mit seinen Armen, um stehen zu bleiben. Die herum fliegenden Pelzballen erleichtern ihm dieses Unterfangen nicht sonderlich.

Da, so plötzlich wie er gekommen ist, läßt der Druck auch wieder nach. Für einen kurzen Herzschlag fühlt es sich an, als wenn er völlig schwerelos irgendwie in der Luft hängt. Dann sackt das Schiff unter ihm weg. Er sucht energisch nach etwas, an dem er sich festhalten könnte - doch leider findet er nichts. Nun ist es ihm nicht mehr möglich, sein Gleichgewicht zu wahren, und er fällt. Doch er schlägt nicht auf dem Boden auf, nein, es scheint fast so, wie wenn der Boden auch von ihm wegfallen würde.

'Was..?'

In diesem Moment klatscht das Schiff wieder auf das Meer und er prallt hart auf den nun stehenden Bretterboden - mitten in ein Gewirr von Pelzballen und Fellen. Zum Glück!!! Diesen ist zu danken, daß er sich bei dem Ganzen nicht verletzt hat. Er liegt zunächst mal regungslos einen Augenblick dort, atmet tief und etwas stöhnend ein, und fängt dann an, sich aus dem Pelz-Chaos zu entwirren.



Nirka stellt mit raschen Blicken fest, daß auch Sigrun und dem blinden Passagier nichts passiert ist - wobei ihr letzterer im Vergleich zu Ersterer recht egal ist.

Sie fühlt sich hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis, nach oben zu rennen, um nachzusehen, was passiert ist - womöglich braucht man sie ja sogar - und dem Erfordernis, die Sache mit dem blinden Passagier zu Ende zu bringen. Doch die Geräusche von oben klingen normal, und sie erinnert sich dunkel, unmittelbar vor dem Ruck einen Ruf gehört zu haben, der das Wort "Wal" beinhaltete. Das ist zwar ein sehr guter Grund, nach oben zu gehen, aber trotzdem: DAS hier muß auch beendet werden. Ein wenig hastig, und ohne dem Elfen unbedingt Zeit zu lassen, sich aufzurappeln, sagt sie:

"Ja, Elfen habe ich schon GESEHEN, auch wenn ich noch nicht direkt was mit ihnen zu tun hatte. Du bist also sozusagen rein zufällig hier?"



Ein Seitenblick sagt Sylvhar, daß die beiden Frauen auch unversehrt geblieben sind. Er kämpft sich dabei aus den Stoff- und Pelzballen heraus. Zum Glück waren die anderen Sachen, wie zum Beispiel Kisten, gut festgemacht. Gar nicht auszudenken, was aus ihm jetzt übrig geblieben wäre, wenn die Ballen, die ihn jetzt bedecken, eben keine Ballen gewesen wären...

> "Ja, Elfen habe ich schon GESEHEN, auch wenn ich noch nicht direkt was mit ihnen zu tun hatte. Du bist also > > sozusagen rein zufällig hier?"

Zufällig? Ja also nein, er ist ja mit Absicht auf das Schiff gekommen. Aber nicht mit der Absicht, die mit der Verneinung von Nirka's Frage angenommen würde. Ja gut, zufällig war eigentlich schon, daß er genau auf dieses Schiff gegangen ist. Aber eben schon mit Absicht. Sozusagen ein absichtlicher Zufall. Nein, eher eine zufällige Absicht. Nun steht er wieder auf seinen Füßen. Er wiegt noch einmal kurz seine letzten Gedanken ab, und antwortet ihr dann mit einem schlichten:

"Ja."

Dann beginnt er sein Beutel und seine Taschen zu durchwühlen. Womöglich ist was nach dieser akrobatischen Einlage nicht mehr dort, wo es vorher war. 'Der Bogen!' Wo er nur geblieben ist? Mit suchendem Blick schauen sich seine Augen jede Einzelheit im Raum an. Besonders an der Stelle, von der er sich seit dem an Bord Kommen nicht mehr wegbewegt hat. Er müsste eigentlich hier irgendwo liegen. Unter alle den Ballen und Fellen. Er macht sich daran, den Haufen Pelz um ihn herum zu umzukrempeln.



Nirka spannt sich sogleich wieder an, als sie sieht, wie der Elf nach irgend etwas zu wühlen beginnt. Bis jetzt sieht es zwar so aus, als wäre er friedlich, aber sie hat keine Lust, hier unten einem plötzlichen Angriff ausgesetzt zu sein.

Ihre Rechte tastet wieder nach dem Messergriff, das ihr bei der ruckartigen Bewegung glücklicherweise nicht aus der Scheide geflogen ist, und sie sagt mit strenger Stimme:

"Falls du da gerade eine WAFFE suchst, dann laß es besser!"



Sylvhar hält bei diesen Worten mit seiner Sucherei inne. Er richtet sich wieder auf und schaut Nirka etwas verblüfft an. Nirka ist nun sehr angespannt und durchaus feindselig. Was ist denn jetzt wieder falsch? Mit unschuldiger und ehrlicher Stimme sagt er zu ihr:

"Ja ich suche eine Waffe, mein Yara. Aber hier hab ich doch gar keinen Grund es zu benutzen. Ich will mich einfach vergewissern, daß es keine Beschädigungen davon getragen hat."

Dabei schielt er noch ein bißchen den Pelzhaufen an - und seine Augen weiten sich in leichter Freude.

"Ah da!"

Er bückt sich und ergreift etwas unter den Fellen. Als er wieder aufrecht steht, hält er einen Bogen in den Händen. Der Bogen besteht aus einem "schmutzig-weißen" Material und ist von oben bis unten mit schnitzereien übersät. Und etwas, was Nirka ganz deutlich erkennen kann; der Bogen ist nicht bespannt!

Nun beginnt er eifrig und liebevoll über die Schnitzereien auf dem Bogen zu streichen. Er scheint in diesem Augenblick das Schiff und gar Nirka selbst vergessen zu haben.



Nirka ist auf das Äußerste angespannt, als sie den Elfen nach der Waffe greifen sieht, doch dann entspannt sie sich sogleich wieder, und wirft Sigrun einen vielsagenden Blick zu, als sie sieht, daß die Waffe harmlos ist. Immer noch streng sagt sie:

"Ich hoffe, du kommst nicht auf die Idee, das Ding da zu bespannen!"

Dann fährt sie sanfter und ruhiger vor:

"Versteh uns nicht falsch - aber für gewöhnlich werden blinde Passagiere aggressiv uns gegenüber. Da ist es dann am besten, sie gar nicht erst an ihre Waffen zu lassen. Verstehst du das?"

Die Frage stellt sie in einem Tonfall, als rede sie mit einem ziemlich kleinen Kind.



Ganz zufrieden stellt Sylvhar fest, daß seinem Bogen nichts passiert ist. Ein fröhliches und glückliches Lächeln macht sich auf seinem Gesicht breit. Er scheint noch immer völlig in einer anderen Welt zu sein...

Erst als Nirka wieder etwas sagt, schreckt er leicht zusammen und wird sich wieder seiner Umwelt bewußt. Bei Nirka's Worten ziehen sich zuerst seine Brauen etwas zusammen, dann aber lächelt er wieder warmherzig.

"Keine Angst, ich sagte schon, daß ich hier absolut keinen Grund sehe, mein Yara zu benutzen. Ich verstehe durchaus, daß ihr euer dhao und mandra schützen wollt. Welches Wesen tut das nicht?"

Das Lächeln verschwindet jetzt von seinem Gesicht und er fährt etwas leiser fort, schon fast zu sich selbst sprechend:

"Was ich aber nicht verstehe, warum seid ihr Talari nur so gewalttätig? Besonders euch selbst gegenüber? Die alten Lieder erzählen zwar davon, aber jetzt da ich schon einigen von euch begegnet bin, verstehe ich es wirklich nicht..."

Dabei schaut er Nirka tief in die Augen. Vielleicht ist die Wiederspiegelung der Gefühle im Gesicht wenigstens ähnlich.



'Dhao? Mandra?' Die Bootsfrau hat keine Ahnung, was der Elf da Wirres redet, aber es wird schon stimmen.

Sie antwortet ihm auf seine letzte Frage ernst:

Es gibt Menschen, die anderen nichts Gutes tun. Und gerade in Situationen wie dieser trifft man auf sie. Da müssen wir einfach auf der Hut sein, verstehst du?"

Aus ihrem Gesicht spricht dabei Ehrlichkeit, aber kein Zeichen von Angriffslust, Wut, oder Angst. Obwohl... eine ganz kleine Spur Furcht ist dabei, aber das ist keine Furcht vor körperlichen Angriffen...



Der Wal


Erneut stößt der Wal eine Fontäne aus, größer noch als die letzte. Durch Zufall - oder SWAfnirs Willen ? - sorgt ein kräftiger Windstoß dafür, daß das aufsteigende Wasser fortgerissen wird, zum Schiff hin. Ein Schwall des nassen Elements ergießt sich, einem Regenguß gleich, auf das ohnehin schon durchnäßte Oberdeck der NORDSTERN.

Die Augen des Grünwals suchen erneut das singende Zweibeinchen. Aber dann stellt ´Der, der lange oben schwimmt´ fest, daß der Gesang des Zweibeinchens verklungen ist. Ein wenig enttäuscht will er sich schon abwenden, um erneut auf Nahrungssuche zu gehen, doch dann siegt doch die Neugier, schließlich hat er noch immer keines der Rätsel gelöst, die ihm der seltsame »Hohlwal« aufgibt. In der Hoffnung das singende Zweibeinchen könnte ihm helfen, stimmt er erneut seinen Gesang an. " Hallo ´grauer Riese´, hörst Du mich noch? Hat Dir mein Sprung gefallen ?" singt er und "Erzähle mir von dem »Hohlwal« auf dem Du reitest."

Obwohl eine Antwort ausbleibt, behält er seine Position zum Schiff bei und beobachtet es weiterhin mit großen Augen.



Der alte Zimmermann hängt über der Reling und würgt. Sein leerer Magen rebelliert gegen die außerordentlichen Anstrengungen seiner meditativen Gesänge. Ole spürt seinen Pulsschlag, als hinge er mit den Ohren unmittelbar an den Fellen der legendären Goblinpauke des entfernten

Bornlandes. Ole hatte zwei Norbarden einmal davon erzählen hören und die Geschichte hatte im mächtig imponiert, doch erleben hätte er sie eigentlich nicht wollen.

Plötzlich vernimmt er eine bekannte Stimme, ja, diese Stimme kennt er. Es ist die Stimme Alrik's, Ole atmet erleichtert auf, EFFerd sei Dank, dem Jungen ist nichts passiert. Wie leicht ist so ein junger Kerl durch eine große Flutwelle von Deck gespült, und dann auch noch dieser schmächtige Alrik ... Ole mag gar nicht weiter denken. Woher kam die Stimme, Ole's Blick ist etwas getrübt, auch seien Sehschärfe hat den Anstrengungen der Gesänge Tribut zahlen müssen. Und was ist mit diesem verdammten Hohlwal? Ein Hohlwal ?? HOHLWAL? Woher kommt ihm nur dieser Begriff und was ist ein Hohlwal, was ist das für ein Ding, dessen Begriff sich geradezu in sein bewußtsein hinein bohrt. Ole's Gedanken verheddern sich immer mehr, wahrscheinlich eine Folge der zunehmenden Kraftlosigkeit, da bekommt sein Körper noch einmal einen plötzlichen und völlig unerwarteten Energieschub, als sich wahre Wassermassen über ihn ergießen, Tropfen groß wie

Männerfäuste und zugleich andere, klein wie Staubteilchen. Das Wasser rinnt Ole über das Gesicht und verleiht ihm wiederkehrende Sehkraft. Und als er den Blick auf das Meer hinaus richtet. Genau vor ihm, in erschreckend geringer Distanz, erhebt sich der Wal aus dem Wasser und beobachtet das Schiff. Nein, nein, doch nicht das Schiff, er beobachtet die Leute auf dem Schiff, die Leute. Und auf einmal wird Ole bewußt, daß er sich schon wieder irrt. Das Tier beobachtet nicht irgendwen oder irgendwas, sondern es beobachtet IHN selbst, den alten Schiffszimmermann und sofort hat Ole das Gefühl dem Wal etwas schuldig zu sein.........

Der Wal prustet noch immer seine Fontäne in die Lüfte, und es ist Ole, als habe Swafnir persönlich gesprochen. Da ist es nun das Zeichen, auf das er so dringend gewartet hatte und er nimmt das viele Wasser, daß sich über ihn und alle anderen an Deck ergießt, als einen sanften, zärtliche Segen SWAfnir's und seines Vater EFFerd. Oh ja, die NORDSTERN wird unter einem günstigen Stern fahren, dessen war sich Ole sicher. Die NORDSTERN ist ein gutes Schiff, stark und wendig, fast wie ein Wal. Ole lächelte als er sich vorstellte, die NORDSTERN wäre ein ein hölzerner Wal ....oder .... ein 'Hohlwal' !! Natürlich, das muß es sein! Ein 'Hohlwal', der Wal meint damit das Schiff !! Der Wal will Aufklärung über uns und unsere Lebensgewohnheiten. Ole lacht laut auf. Die Fontäne hat nun nachgelassen, aber was soll's, Ole hat nun sowieso keinen trockenen Fetzen mehr am Körper. Noch immer läuft ihm Flüssigkeit über das Gesicht, doch es ist nicht Wasser, wie er überrascht feststellen muß, sondern Blut, viel Blut, sein Blut. Woher kommt nur das viel Blut? Das kann es doch gar nicht geben! Ole, du alter, rostiger Enterhaken, lass dich jetzt nicht hängen! Da draußen sieht dich ein Wesen an, den Namen 'Der, der lange oben schwimmt' tragend. Er sieht dich an und erwartet Antwort. So läßt Ole das Blut einfach laufen und konzentriert sich ein letzten Mal. Zum Singen hat er keine Kraft mehr und so packt Ole seine Botschaft in reine Gedanken, die er als unsichtbare Kuriere in die Lüfte, durch das Wasser schickt, immer weiter dem Wal entgegen, diesem mächtigen Tier, daß sich, aus dem Meer heraus vor ihm aufgebaut hat und ein eine Ebene des Austausches gebaut hat. Um seinen Gedanken Kraft und Reichweite zu geben, spricht er mit lauter Stimme:

"Freund Wal, den man den nennt 'Den, der lange oben schwimmt'. Ich danke dir für deine Freundlichkeit und deinen Segen und für das herrliche Geschenk, daß du mir gemacht hast. Du hast aus mir einen glücklichen Menschen gemacht. Dank dem Herren SWAfnir! WIR, die wir hier versammelt sind, das Volk der 'Zweibeinchen', die wir uns selbst Menschen nennen, ein Volk unter vielen an Land, grüßen dich von unserer Heimat aus. Unser Zuhause ist das, was du 'Hohlwal' nennst. Es ist aber kein Bruder Wal, es ist ein schwimmendes Riff, bei dem die Korallen nach innen hinein leben würden, da sie das Wasser von außen töten würde. Wir leben von Luft und wir atmen Luft, genau wie du. Luft ist unser zuhause und unser 'Hohl-Riff' hält uns an der Luft. Luft umgibt uns, Luft treibt uns an, Luft ist uns allen gemeinsam. Bruder Wal, 'Der, der lange oben schwimmt', wir kommen aus verschiedenen Welten, doch es ist uns gemeinsam: Die Bedürftigkeit nach Luft und das allein macht uns schon zu Brüdern in dieser Welt. Bruder Wal, laß uns Freunde sein! Du bist ein junger Wal und ich bin ein alter Mensch, das Meer ist weit und die Zeit rennt, und dennoch hoffe ich, daß wir uns wiedersehen werden, ehe wir die Reise über das Nirgendmeer antreten werden ......"

Ole muß husten. Es ist ein harter Husten, aber es löst sich kein Schleim, sondern er spuckt Blut. Blut fließt ihm aus den Ohren, aus der Nase und von den Mundwinkeln herab. Der Kopf hat sich enorm gerötet, Ole stöhnt leise, er ist nun wirklich am Ende seiner Kraft. Seine Stimme vibriert und schwankt und verliert an Lautstärke, doch seine Gedanken sind noch glasklar. Ole blickt sich unsicher um, während er sich das herunter gelaufene Blut von Kinn und Hals wischt! Es sind nur wenige, die sich in unmittelbarer Nähe zu ihm befinden und die Geräusche aus dem Hintergrund, nicht zuletzt der Lärm, den der Wal selbst macht, haben es eventuellen Mithörern seiner Rede schwer gemacht den Inhalten zu folgen. Vielleicht, daß Alrik und der Mann neben ihm etwas mitbekommen haben, vielleicht die, sonst aber kaum einer!

"Bruder Wal - Du bist ein guter Freund! Dein Sprung war der schönste, den ich je sah, deine Fontäne das beste Geschenk, daß ich jemals erhielt und deine Freundschaft wäre das wertvollste, daß ich je erhalten hätte !!! Tief zu Dank verpflichtet ist dir 'der graue Riese' !!"

Und dann singt Ole doch noch. Es ist ein kurzes Stück und so komisch der Hinweis klingen mag, bis vor wenigen Augenblicken wußte Ole noch nicht einmal, daß er dieses Wal-Lied kennt. Es sind spezielle Muster, die er wahrscheinlich im gedanklichen Kontakt mit dem Wal von dem Tier selbst erhalten hatte. Möglicherweise ist es das Sippenzeichen des Wal, ein Zeichen seiner Herdenzugehörigkeit oder ähnliches. Doch Ole ist sich sicher, daß es mit dem Wal und seiner Einbindung im Volk der Wale zu tun hat. So singt er dieses Lied, dem Wal zur Ehre, solange bis ihn seine Kräfte endgültig verlassen und er langsam ermattet zu Boden sinkt. Seine letzte Botschaft gleicht einem Seufzer und ist in Dankbarkeit und Liebe gesprochen:

"Gute Reise - Freund Wal 'Der,der lange o.................!"

Er kann den Satz nicht mehr vollenden, seine Sinne schwinden und sein massiger Körper fällt schwer auf die Planken des Oberdecks. Sein Gesicht ist blutverschmiert, aber er lächelt, fürwahr, er lächelt.



Die Helfer in der Not


Durch die zweite Fontäne des Wals nun endgültig total durchnäßt schaut sich Dajin Alrik an.

"Bist du in Ordnung ?"

Während er den Schiffsjungen fragt schaut sich Dajin nach dem vermeintlichen Anstifter für den Walsprung an, aber er sieht Ole nirgends. Doch auf den zweiten Blick sieht Dajin ihn am Boden liegen.



Gerade hat sich Alrik etwas beruhigt, schon geht die Überschwemmung wieder los. Wassertropfen, nein, vielmehr Wasserfälle, ergießen sich über das Deck.

"Mir... mir geht es gut," murmelt Alrik und bemüht sich, der nassen und rutschigen Oberfläche zum trotz, wieder auf die Beine zu kommen. Noch ist ihm recht flau zumute und die Knie zittern ihm ebenfalls. Aber der Schreck ist vermutlich größer, als die leichten Blessuren, die er davongetragen hat. Mit dem Handrücken streicht er sich vorsichtig über das lädierte Kinn und die Lippen. Wenigstens sitzen noch alle Zähne dort fest, wo sie hingehören, der Rest kann schon nicht so schlimm werden. Alrik ringt sich abermals ein schiefes Lächeln ab, dann huscht sein Blick über die Reling, Richtung See. Der Wal ist noch immer in unmittelbarer Nähe.

'Verflixt noch mal! Wie konnte ich die Macht dieses Vieches nur nur so unterschätzen? Warum ist es bloß so nah zum Schiff geschwommen? Ha! Der Walbeschwörer! Da steht er wieder an der Reling, fuchtelt mit den Händen in der Luft herum und murmelt was auf walisch.'

Alriks Furcht vor dem Unbekannten ist angesichts der ohnehin verqueren Lage fast vollkommen verblaßt. Argwöhnisch ruht sein Blick auf Ole.

'Recht mitgenommen sieht er aus. Er blutet. Da hat er sich eben bestimmt eine mächtig böse Beule am Kopf geholt, wenn er so blutet...'

Nachdem Alrik ein paar Worte von Oles neuer Rede aufgeschnappt hat, tritt näher herbei, jetzt will er genauer willen, was für wirres Zeug der Mann erzählt. Entweder ist er eine Gefahr für alle oder ein Fall für die Heilige Noiona!

'Der Sprung und die Fontäne waren ein Geschenk für ihn,' fasst Alrik das Gehörte gedanklich zusammen. 'Na, dann ist die Sache klar. Der Segelflicker hat den Wal verhext!'

"Stoppt den...," beginnt Alrik und zeigt aufgeregt in Oles Richtung. In eben diesem Moment fällt der große Mann der Länge nach zu Boden. Kraftlos, stumm und einem nassen Sandsack gleich, schlägt er auf den Planken auf.

Von einem Augenblick zum anderen ändert Alrik seinen Plan. Gründe dafür vermag er selbst nicht zu benennen. Vielleicht ist es einfach die Sorge darum, daß der Mann hier in Borons Reich eingehen könnte, ohne daß es ihm, Alrik, gelungen wäre, die geheimnisvolle Begebenheit aufzuklären. Alrik kniet vor dem Bewußtlosen nieder.

'Göttererbarmen! All das Blut, er erstickt noch daran!' Alrik faßt an der Schulter des Mannes an, in dem Bemühen ihn auf die Seite zu drehen. Ein sinnloses Unterfangen, wie er feststellen muß, denn er schafft es kaum, den massigen Körper des Mannes zu bewegen.

"Herr! Bitte!" schreit Alrik zum Maraskaner herüber, dem einzigen Menschen, der das Unglück inzwischen mitbekommen hat. "Helft mir!"

Doch damit nicht genug, noch lauter brüllt Alrik über das Deck, in der Hoffnung irgendwann und irgendwo bemerkt zu werden.

"Heda! Matrosen! Der Neue hat sich ganz doll am Kopf gestoßen! Da is' was Spitzes durch die Luft geflogen! Er verblutet! WO IST DER ZAUBERER? SCHNELL!"



Dajin eilt zu Alrik und dem Segelflicker und kniet sich neben den Verletzten.

´Mit Schwertwunden kenn ich mich so leidlich aus denkt er aber das hier ist was anderes´ denkt Dajin, untersucht aber Ole und versorgt die Wunde am Kopf mit einem Stoffstreifen dem er vom Gewand des Mannes gerissen hat.

´Na hoffentlich helfe ich hier keinem bruderlosen Schwarzmagier´ geht es ihm durch den Kopf. Nachdem Dajin die Wunde am Kopf notdürftig versorgt hat ist er auch schon mit seiner "Heilkunst" am Ende. Hektisch schaut er sich um ,hier muß es doch einen Heiler geben !



Der Wal


Da er zunächst keinerlei Antwort auf seine Fragen erhält, fürchtet der Wal schon die Stimme des Zweibeinchen sei endgültig verklungen. Doch dann kommt doch noch eine Botschaft vom ´grauen Riesen´.

´Es ist ein schwimmendes Riff ?´ verwundert nimmt der Wal die Worte auf, die jetzt wieder als reine Gedankenbotschaft in seinen Kopf gelangen. ´Die Zweibeinchen atmen Luft, so wie ich´ denkt er ´und ihre Heimat ist eine Welt, die sie »Land« nennen´ Plötzlich erschrickt er, dieses »Land« muß das wasserlose Meer sein vor dem ihn seine Eltern wieder und wieder ein- dringlich gewarnt hatten, wenn er in flacheres Wasser geschwommen war. Er muß an seinen Bruder denken, der ein schreckliches Erlebnis hatte, er schwamm in sehr flaches Wasser und hing dann plötzlich am Grund fest. Wäre nicht das Wasser wieder angestiegen wäre sein Bruder wohl verhungert oder schlimmeres. Ja, sein Bruder hatte es mit eigenen Augen gesehen: Ein Meer ohne Wasser, wo der Meeresboden so hoch liegt, daß er in der Luft ist.

´In dieser schrecklichen Welt leben die Zweibeinchen´ stellt er fassunglos fest. ´Aber was fressen sie dann ? Auf dem Meeresboden ist nichts was man fressen kann !´ Plötzlich wird ihm alles klar:

´Die Zweibeinchen leben im wasserlosen Meer in der Luft, die man zum atmen braucht, aber weil es dort nichts zum fressen gibt kommen sie auf den Schwimmriffen aufs Meer hinaus und die Schwimmriffe brauchen sie, da sie selbst nicht schwimmen können !´

Die Stimme des Zweibeinchens wird schwächer, aber noch ist sie zu verstehen, sie spricht von Freude und Dank. ´ ' 'Ihm hat mein Sprung gefallen ´ der Grünwal ist erfreut darüber, daß sein Geschenk an das singende Zweibeinchen von diesem angenommen wurde. Dann hört er noch einmal den Gesang des ´grauen Riesen´, das Lied, daß er singt klingt fast wie der Walruf mit dem sich seine Familie in den Weiten des Ozeans wiederfindet. Doch auch wenn die Töne die gleichen sind, es klingt seltsam. Eine Mischung von Stimmungen liegt in dem Gesang: Freude und Dankbarkeit, aber auch Anstrengung und Erschöpfung. Dem Zweibeinchen geht es schlecht, es ist verletzt und sehr müde.

Die Stimme des ´grauen Riesen´ bricht ab, als sie gerade seinen Namen formen will, mitten im Wort. Das Zweibeinchen ist plötzlich nicht mehr zu sehen, doch es ist noch da seine Anwesenheit ist noch deutlich zu spüren. Deutlich spürt der Wal eine große Müdigkeit, die von dem Zweibeinchen ausgeht. Doch auch er selbst ist müde, der Sprung hat ihn sehr viel Kraft gekostet, er weiß, daß er seinem Freund nicht helfen kann und doch will er ihn noch nicht allein lassen...



Jergan behält den Überblick


'Dieser verdammte Wal... wenn er nur nicht so gewaltig groß wäre!'

Kurz denkt der Kapitän an die Rotze, aber damit könnte man den Wal höchstens wütend machen, und dann vermochte niemand mehr der NORDSTERN zu helfen.

Er sieht, was auf dem Deck passiert, hört Alriks Worte, und schreit dann laut:

"OTTAM! Helft dem Mann! Sofort!"

Er sieht sich weiter um, würde sehr gerne nach vorne laufen, um selbst eingreifen zu können, doch sein Platz ist hier, auf dem erhöhten und immer noch weitgehend trockenen Brückendeck - alleine könnte Fiana das Steuer nicht halten, falls der Wal noch einmal auf eine solche Idee kommen sollte.

Höchstens die Bootsfrau... Nirka!

Er hat sie zusammen mit Sigrun in den Laderaum geschickt - was treibt sie da nur solange? Oder ist durch den starken Stoß etwas passiert? Immerhin scheint die Ladung NICHT durch die Gegend geflogen sein, denn dann hätte das Schiff jetzt nämlich Schlagseite. Dennoch können kleinere Dinge durch die Gegend geflogen sein...

Es wird für Jergan fast zur Gewißheit, daß da unten etwas passiert ist - entweder mit den beiden Frauen, oder mit der Ladung, denn sonst wäre Nirka schon längst am Deck! Er ruft nach vorne:

"Und jemand soll mal runtergehen, nach Nirka sehen und ihr gegebenenfalls helfen!"


Ole ohne Bewußtsein


Der alte Schiffszimmermann ist leichenblass im Gesicht. Aus den Nasenlöchern und aus den Mundwinkeln fliesst noch immer hellrotes Blut, ohne, daß ein Wunde zu erkennen wäre. Das linke Ohrläppchen ist eingerissen, auch diese Wunde blutet, allerdings sehr viel mehr. Ole stöhnt ein wenig. Seine Augen sind fest geschlossen, seine Mimik ist jedoch unverkrampft. Seine Muskeln sind schlaff und sein Atem geht ein wenig röchelnd, jedoch langsam und gleichmäßig. Er wirkt ein bißchen wie ein friedlicher Schläfer, den sein Mund ist trotz der Blutungen zu einem leichten Lächeln verzogen. Die Finger der rechten Hand bewegen sich leicht, als wolle er irgend jemandem zum Gruße winken oder so ähnlich zumindest.

Wer genau hinhört, der könnte erkennen, daß Ole mit jedem Ausatmen tonlos ein Wort zu bilden versucht, man muß allerdings schon genau hinhören. Man darf sich nicht sicher sein, aber es könnte "Freund" heißen ............



Ottam hilft


Zum gleichen Zeitpunkt als das Brüllen des Kapitäns ertönt setzt sich Ottam, der bisher gespannt das Schauspiel verfolgt hat und sich dabei an einem Seil festgekrallt hat, von selbst in bewegung. 'Warum ist mir das nicht sofort eingefallen, ich hätte ihn eher Stoppen sollen, offensichtlich kann er seine Kräfte nicht richtig einschätzen'

Eiligen Schrittes lauft Ottam zu Ole hinüber und kommt zu dem Schluß das wohl ein Zauber die einzig und allein hier schnell Helfen kann. Er hat wenig Erfahrung mit diesem speziellen Problem und eigentlich ist er ja der Meinung das jeder der seine Kräfte so überstrapaziert selbst schuld ist, doch hier scheint es sich um jemanden zu handeln der nicht viel Erfahrung damit hat, sonst hätte er eher darauf reagiert.

Ottam kniet sich neben den am Boden liegenden Mann. Er legt seine Hand auf dessen Gesicht, wobei er den Daumen auf das Kinn und die restlichen Finger auf die Stirn legt. Er beginnt sich zu Konzentrieren, die Magischen Muster herbeizurufen die er für seinen Zauber benötigt. Langsam wird die Energie Spürbar, baut sich auf und wird immer stärker. Langsam aber Laut und Deutlich spricht er die Worte

"Balsam Salabunde, Heile Wunde" immer wider und wieder. Die Energie beginnt zu fließen, strömt von seinem Körper in den des Mannes der da vor ihm liegt. Es Fällt ihm ein wenig schwer die Konzentration aufrecht zu erhalten, doch gelingt es ihm. Der Zauber tut seine Heilende Wirkung...



Fiana hat einen Verdacht


Routiniert und relativ gelassen hält Fiana das Schiff auf Kurs und Mindestabstand zum Wal. Etwas besorg schaut sie nur als der Kapitän für einen kurzem Moment seltsam nachdenklich wirkt.

'Er wird doch nicht'

doch schnell verwirft sie den Gedanken wieder 'Nein er ist zu erfahren um auf die Idee zu kommen sich mit dem Wal anzulegen, nein nicht Jergan'

"Irgendwie komisch, ich habe das Gefühl das der Neue irgendwie was mit dem Wal zu tun hat das mehr ist als es den Anschein hat". Sagt sie in einer Redepause des Kapitäns.



Der Kapitän dreht sich zu seiner ersten Offizierin um.

"Wie meinst du das? Ich habe ihn nicht weiter beobachtet - was hast du gesehen, daß du auf solche Ideen kommst?"

Sein Blick ist dabei unverändert ernst.



"Eigentlich ist es mehr ein Gefühl, aber ich bin mir sicher das ein teil des seltsamen Gesanges nicht von dem Wal sondern von ihm kam. Leider konnte ich es wegen des Windes nicht genau orten. Wir sollten die Matrosen befragen die dort unten stehen um sicher zu sein"



Der Kapitän wendet sich wieder dem Geschehen vorne zu, wo Ottam die Lage anscheinend unter Kontrolle hat.

"Das mag sein, aber in dem Fall wäre es natürlich eine Angelegenheit des Schiffszauberers, denn ich möchte nur ungern über Dinge urteilen, von denen ich keine Ahnung habe. Und vorerst müssen wir beide ohnehin hier verharren, denn wer weiß, was dem Wal noch so alles einfällt."

Ein wachsamer Blick streift dabei das Tier.



Traumauge in Panik


Durch den Ruck der durch das Schiff ging Purzelt Traumauge einige Meter durch das Ladedeck in dem er sich befindet. Als das Schiff wieder ruhiger wird Schüttelt er sein kleines Köpfchen und gibt ein lautes "MIIAUUU" von sich.

Bevor er richtig wahrnimmt was passiert ist, flüchtet er panikartig an Deck, wo er nach dem erstbesten Gesicht Ausschau hält, der er kennt.

'Der Kleinere Zweibeiner der mich immer so schön Streichelt' denkt er sich als sein Blick auf Alrik fällt. Doch irgend etwas stimmt nicht hier. da liegt ein Zweibeiner am Boden und die anderen stehen drum herum. Etwas gebremst und vorsichtig schleicht Traumauge zu Alrik hinüber, streift ihm um die Beine und Miaut ihn an.



Energisch schiebt Alrik den Kater zur Seite, was eigentlich ungewöhnlich für den tierlieben Jungen ist. Aber für sowas ist nun wirklich keine Zeit.

"Jetzt nicht, Traumauge," flüstert er.

Nach wie vor kniet er neben dem verletzten Ole. Zwar ist Alrik etwas abgerückt, als der Magus herbei trat und sein heilendes Werk begann, aber ganz vertreiben lassen, will sich der Junge nun auch wieder nicht. Aufmerksam verfolgt Alrik die Vorgehensweise des Magiers. Ganz geheuer ist im dabei nicht, was sowohl in der Person des Magiers, als auch in der des Walbeschwörers begründet ist. Auf jeden Fall erinnert er sich an Grundregel Nummer Eins in dem Zusammenhang: Ist der Zauberer am werkeln - Maul halten!



Traumauge ist beleidigt


Ziemlich verstört durch Alriks Zurückweisung sucht sich Traumauge den nächstbesten, um ihn mit ihren Liebkosungen zu beglücken. So macht er sich dann auf in Richtung Firutin und umschleicht dessen Beine...



Dajin zieht sich etwas zurück


Nun da anscheinend ein fähiger Heiler da ist und Ole fachmännisch versorgt wird setzt sich Dajin ein wenig entfernt von der Aufruhr hin und kümmert sich erstmal um seine Waffen. Er zieht sein zwei, leicht gebogenen Schwerter aus den Rückenscheiden und fängt an sie zu trocknen bevor das Meerwasser die Klingen angreift. Fast schon zärtlich poliert er seine Schwerter ,hat aber immer noch ein waches Auge auf die Umgebung geworfen falls wieder irgend etwas passiert.



Ole erholt sich


Langsam kommt wieder Leben in Ole's Körper. Mühsam richtet er sich auf, noch immer ist er sehr erschöpft. Dennoch fühlt er sich auf geheimnisvolle Art genesen. Er stützt sich auf die linke Hand und betaste mit der anderen sein Gesicht. Erstaunt stellt er fest, daß die Blutungen gestoppt sind und auch die Schmerzen, die er noch spürt sind mehr eine Folge der Überanstrengung als von von Verwundungen. Sein Blick wird klarer, die Umgebung nimmt wieder Konturen an und er erkennt zahlreiche Leute, die um ihn herum stehen und ihn mit teilweise starkem Befremden anblicken. Er erkennt den Mann, der sich über ihn gebeugt hat, es ist doch derselbe, den er mit dem Kapitän im Gespräch gesehen hatte, als er die NORDSTERN in Olport betreten hatte und von dem er sich, in der Folgezeit, so intensiv beobachtet gefühlt hatte.

' Vielleicht ist es ein Heiler?' denkt sich Ole, denn er kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß dieser geheimnisvolle Mann erheblichen Anteil an der raschen Gesunden seines alten Zimmermannleibes gehabt haben mußte. Noch will es dem alten Ole nicht gelingen seine Gedanken richtig zu ordnen. Nachdenklich betrachtet er die Risse in seinem Gewand, danach den blutigen Fetzen aus Stoff, der neben ihm lag und langsam wird seinem, noch immer etwas trägen Gehirn klar, was da wohl geschehen ist. Und langsam kommt auch wieder die Erinnerung an den Wal ......

Ole versucht sich zu erheben, es will aber nicht so recht gelingen, seinen Beine scheinen noch weich wie Butter zu sein. Sie wollen den grauen Hünen noch nicht tragen. Ole streckt die rechte Hand aus, damit ihm jemand aufhelfe und mit rauher, fast brüchiger Stimme erklärt er:

"Der Wal, tut ihm nichts, er ist harmlos ..... freundlich ...."

Ein heftiger Husten unterbricht seine Rede. Nach kurzer Zeit hat sich Ole wieder gefangen und fährt fort:

"Sagt es dem Kapitän: Er soll Kurs halten, der Wal wird uns nichts tun, wenn wir ihn nicht erschrecken!"

In diesem Augenblick fällt Ole's Blick auf Alrik. Als er die ' tüchtige ' Schramme am Kinn des Schiffsjungen erblickt huscht ein etwas gequält anmutendes Lächeln über das Gesicht des Zimmermann's.

"Bei Swafnir, wer hat dir denn ein solches Ding verpaßt, Alrik!"

Ole weiß, er ist für gelungene Scherze noch nicht erholt genug, doch ist er im Moment froh, wenigsten die Kraft für schlechte Scherze zu haben. Doch die Kraft zum Aufstehen fehlt ihm noch. Wieder streckt er seine rechte Hand aus.

"Bitte helft mir! Es ist wichtig!"

Ole wollte sich erheben. Er wollte sich kräftig stehend von dem Wal verabschieden. Das ihm soetwas auch passieren mußte.

'Werde ich nun alt oder bin ich nur ein wenig aus der Übung?' denkt er sich. Wie dem auch sei, er muß jetzt aufstehen .... unbedingt!



"Ihr bleibt liegen, das ist ein Befehl!. Wie konntet ihr euch so überschätzen. Hat euch niemand beigebracht wie man die Energien lenken muß und wann es zuviel ist!"

Spricht er mit lauter energischer Stimme. So kraftvoll wie man es dem hageren Mann gar nicht zugetraut hätte. In seiner Stimme ist zu erkennen das er sich ärgert, ärgert über dererlei Selbstüberschätzung. Nach der Predigt richtet er sich an Alrik

"Junge berichte dem Kapitän was passiert ist, und ihr anderen sorgt dafür das der Mann liegenbleibt bis man eine Trage bringt um ihn zur weiteren Behandlung in sein Quartier zu schaffen".



Alrik denkt nach ...


Kaum bemüht sich "Hilfs-Büttel" Alrik um weitere Aufklärung in dem geheimnisvollen Walbeschwörer-Fall, schon wird er von höheren Instanzen zur Berichterstattung weggelobt.

"Ich?!" fragt er da recht perplex. "Äh..."

Der Gang zum Kapitän scheint unvermeidbar, doch was den Inhalt es Berichts betrifft, da hat Alrik für sich noch keine Entscheidung getroffen.

Wenn er jetzt alles, was er gesehen und gehört hat (und dazu das, was er sich dabei gedacht hat), erzählt, dann wird der Kapitän nicht sehr gut auf den Neuen zu sprechen sein. Walbeschwörung mit Schiffs- und Besatzungsgefährdung lautet dann wohl die Anklage.

Andererseits - war es überhaupt eine Beschwörung? Alrik ist sich nicht so sicher. Nachher wird der Neue arrestiert und muß wohlmöglich das Schiff im nächsten Hafen verlassen, ohne daß es ihm, Alrik, gelänge den Fall wahrhaftig aufzuklären.

Allerdings - auf weitere Waldressuren legt Alrik auch keinen gesteigerten Wert. Kann man den Mann einfach so frei herumlaufen lassen, in der Hoffnung, das schon nichts passiert?

Ein weiteres "Äh" begleitet Alriks Gedanken.

Schlußendlich versucht Alrik Oles Blick aufzufangen, vielleicht ist dort eine Antwort auf diese Fragen zu finden.

"Ja, Herr. Ich gehe sofort," verkündet Alrik dabei schon mal vorsorglich.



Der Wal


Die Stimme des Zweibeinchens ist erloschen und zu sehen ist es auch nicht mehr. Der Grünwal spürt förmlich wie die Lebenskraft seines Freundes schwächer wird. Zwar mag er an Größe und Kraft jedem anderen Wesen im weiten Ozean überlegen sein, doch dagegen ist er machtlos. Schon fürchtet er hilflos mit ansehen zu müssen, wie der ´graue Riese´ seine Reise in die ewigen Tauchgründe antritt.

Doch dann geschieht etwas unerwartetes. Etwas seltsames geht mit dem Zweibeinchen vor, seine Lebenskraft kehrt plötzlich und mit großer Schnelligkeit zurück. Auch die unendliche Müdigkeit die es noch vor kurzem ausgestrahlt hat ist verschwunden.

Soll er sich nun abwenden von den Zweibeinchen und ihrem merkwürdigen Schwimmriff ? Nein, noch kann und will er hier nicht weg. Und so bleibt der Grünwal weiter auf Parallelkurs zum NORDSTERN, das Oberdeck aufmerksam betrachtend, in der Hoffnung der ´graue Riese´ könnte erneut seine Stimme erheben oder zumindest ein Lebenszeichen von sich geben.



Ole ärgert sich


Die scharfen Worte, die an ihn gerichtet waren lassen Ole zusammenzucken. Wer war dieser Mann, daß er sich erlauben konnte in dererlei Ton mit ihm zu reden. Es gefällt ihm weder die Aussage, noch der Unterton, den er dabei vernehmen muß. Es klingt wie eine Festsetzung, vielleicht sogar wie eine Verhaftung! Wandelt sich da die vordem gezeigte Fürsorge dieses Mannes jetzt in ein herrisches Gehabe? Soll ihm das Lager, welches ihm zugewiesen war, nun zum Krankenlager oder zum Kerker werden? In den Bruchteilen eines Augenblicks entwickelt sich bei Ole die innere Sorge in Erstaunen, das Erstaunen in Ratlosigkeit, die Ratlosigkeit in Wut und wenn er jetzt nicht sehr aufpaßt, dann bringt ihn die Wut noch zur Raserei. Doch hat der Grimm auch etwas Gutes. Seine Kräfte kehren zurück. Energie fließt wie frische Lava durch seinen gesamten Körper und machen aus dem Geschundenen wieder den 'grauen Riesen' im gewohnten Format..

Von außen sind diese Vorgänge kaum zu beobachten, es sei denn einem Beobachter fällt auf, daß die Blässe im Gesicht Ole's schlagartig verschwindet und einem zornigen Rot Platz macht und daß hinter den Augen Ole's ein unheimliches Feuer zu brennen beginnt. Die hilfesuchende Hand hat er nun zurückgezogen, sie ist nun kräftig genug um selbst helfen zu können.

' Ich habe nichts Unrechtes getan, ich bin auch nicht gebrechlich, noch bin weder ich, noch der Wal eine Gefahr für das Schiff !"

Unter diesen Überlegungen kommt Ole blitzartig die Erkenntnis, daß die Leute hier an Bord, unter Umständen noch nie einen Walsänger gesehen haben. Wie denn auch, es ist eine nicht sehr verbreitete Kunst, vorbehalten nur wenigen Swafnir-Geweihten aus den Reihen der Kinder Swafnir's und diese Leute scheuen normalerweise die Öffentlichkeit oder die Gemeinschaft der Menschen und Ole erinnert sich, wie schwer und bitter es ihm gewesen war, nach Jahren der Einsamkeit der Welt wieder umfassend ins Angesicht sehen zu können. Diese Erinnerung und die damit gewonnene neue Sachlichkeit in Ole's Denken lassen seine Wut langsam verrauchen. Als er versucht aufzustehen,trotz der Anweisungen dieses Mannes, hat sich seine Gesichtsfarbe wieder normalisiert, lediglich das Blitzen in seinen Augen ist noch gegenwärtig. Aber nun ist es mehr eine Wut gegen sich selbst.

' Du bist ein Dummkopf Ole' , denkt sich der Schiffszimmermann ' Meister Ragnar hat uns immer gewarnt davor das Geheimnis unserer Gabe bekannt zu machen. Warum habe ich mich nicht zurückgehalten, jetzt stecke ich bis zum Hals in einem tückischen Strudel !'

Aber bereuen tut Ole nichts. Das Erlebnis war einfach zu wunderbar, als daß er es hätte missen wollen. Doch da draußen schwimmt noch immer der Wal, vom Wunderbaren berührt und verwirrt, genau wie Ole und dennoch will man ihm die Möglichkeit verwehren diese Wunder zu Ende zu bringen? Das ist dumm, womöglich sogar gefährlich.

Ole hat sich unterdessen schon soweit erhoben, daß er vor dem Mann kniet und ist nun dabei sich vollends zu erheben. Seine Bewegungen lassen keinen anderen Schluß zu, als den, daß Ole nun wieder stark und kräftig sein muß, wie zuvor. Er betrachtet dabei den Mann, der ihn so herrisch angesprochen hatte, etwas genauer. Dieser trägt ein Gewand mit allerlei fremdartigen Zeichen als Applikation - magische Runen? Es muß der Schiffszauberer sein.

"Magister, so versteht doch - Es gilt den Kontakt abzuschließen, der Wal wird dann wieder seiner Wege ziehen. Danach will ich euch gerne Rede und Antwort stehen!"

Noch ist das Blitzen in Ole's Augen nicht ganz verschwunden, doch sein Gesichtsausdruck teilt Sorge und aufkeimende Verzweiflung mit .......


Alrik noch immer unschlüssig


Leicht betreten, ja, vielleicht sogar mit einem Anflug von Verlegenheit, registriert Alrik den brodelnden, wenngleich auch noch unterdrückten Zorn von Schiffszimmermann und Zauberer. Das eisige Schweigen, das mittlerweile herrscht, begünstigt nicht gerade seine Entscheidungsfindung.

'Vielleicht sollte ich doch noch ein kleines Weilchen warten... oder... doch lieber gleich zum Kapitän ...'

Mit hängenden Schultern wartet Alrik derweil an Ort und Stelle auf die Dinge oder Worte, die noch folgen werden - oder aber auch nicht.



Firutin und die Geschehnisse


Firutin beobachtet still die Geschehnisse, aber auch interessiert.
"Nun, der Wal scheint ja einigen Wirbel zu verursachen."


"Meine schöne Pfeife! War ein Erinnerungsstück. Die habe ich mir von meinem ersten Silberfuchshandel gekauft."

Noch etwas betrübt kramt Smirnoff in einer Innentasche seines Mantels, zieht eine ähnliche Pfeife heraus und beginnt, sie zu stopfen. Geschickt setzt er den Tabak in Brand und pafft ein paar Züge.

"Naja, die neue zieht auch viel besser, aber schöner war die alte."

Dann schüttelt er den Kopf "Ach was, war doch nur ein Stück Meerschaum, selber Schuld, wenn ich sie mit auf Reisen nehme."



Der Wal singt wieder


Der Grünwal schwimmt weiter neben der NORDSTERN her. Weiterhin versucht er ein Lebenszeichen des Zweibeinchens aufzufangen, doch der ´graue Riese´ ist auch weiterhin weder zu sehen noch sein Gesang zu hören. Erstaunlich klar dagegen kann er die Stimmungen des Zweibeinchens wahrnehmen. Er spürt die zurückgekehrte Lebenskraft, aber da ist noch etwas anderes, negatives Wut oder Streit der Zweibeinchen untereinander. All dies muß er tatenlos mit ansehen, ja er versteht nicht einmal was dort auf dem Schwimmriff vor sich geht, zu fremd sind die Zweibeinigen Wesen, zu anders die Trockenwelt aus der sie stammen.

Doch er will nicht mehr nur warten. ´Vielleicht singt das Zweibeinchen ja wieder, wenn ich es anspreche ?´. Kurz darauf läßt er ein Lied erklingen, eine Freundschaftsmelodie mit der sich Wale untereinander zu verstehen geben, daß sie sich nicht im Streite nähern. Vielleicht lassen sich dadurch ja auch die negativen Stimmungen eindämmen.

Völlig ruhig, bis auf ein langsames, gleichmäßiges Schlagen der Schwanzflosse, im Wasser liegend zieht der Wal neben dem Schiff her. Dabei singt er ein Lied, daß von den meisten Menschen an Bord nicht zu hören ist - den meisten, aber nicht allen.



Ole ist im Zwiespalt


Ole verharrt in der Bewegung, noch steht er nicht vollends auf, noch hat er sich nicht von den Planken erhoben, noch hat er sich dem Befehl des Magus nicht komplett widersetzt. Das mag viele Gründe haben, daß der Schiffszimmermann nun wieder sehr viel friedlicher wirkt, zumindest nach außen hin. Zum einen ist seine Wut weitgehend verraucht, auch wenn es noch wild in ihm glimmen will, zum anderen möchte er es sich auch nicht mit dem Magus verderben, da er an Bord sicherlich viel zu sagen hat, und außerdem verdankt ihm Ole viel. Obwohl ihn in dieser momentanen, angespannten Situation Widerstand schon reizen würde, denn er fühlt sich mißverstanden, bevormundet und zu unrecht gescholten. Aber es ist vor allem die seltsame Empfindung, die sich just im Moment seiner bemächtigt und die ihn in seinem Zwist zum Einlenken drängen will. Es ist ihm, als wäre eine Welle der Freundschaft und Sympathie über ihn gekommen und er hört Gesänge die von Frieden künden. Zunächst ist es sehr ungenau, dann wird es immer deutlicher und zuletzt ist es ihm Gewißheit, daß er wieder eine Botschaft seines Freundes, des Wal's bekommen hat, dem Wesen, dem er sich zur Zeit auf Dee's Weiten am meisten verbunden fühlt.

Frieden will er bringen, so scheint es, Frieden! Und Freundschaft will er pflegen! Treue ist sein Geschenk! Und Ole denkt sich:

' Was haben wir dem Wal im Gegenzug von uns gezeigt, welches Bild der Menschheit haben wir ihm gezeichnet? Müssen wir uns tatsächlich von einem Tier Lektionen in Menschlichkeit geben lassen?'

Und Ole wird traurig, sehr traurig, denn er schämt sich seiner Anmaßung seinem Herren SWAfnir irgendwelche Zeichen abverlangt zu haben, obwohl sich Ole von der Gnade des Walgottes reichlich beschenkt fühlt. Und er schämt sich seines Zorns, den zu begraben er einst gelobt hatte, im Kreise der Kinder Swafnirs. Aber derartige Gefühle sind mächtig und ständig am Werke und sie lassen sich nicht so einfach verdrängen. Ole wird vorsichtig sein müssen, denn er fühlt ganz deutlich, seine Wut auf den Magus ist noch nicht verschwunden und in seinen Augen flackert noch ein gefährliches Feuer.



Ottam entscheidet


Ottam versucht anhand der Mimik und der Stimmlage zu erkennen ob von dem Mann wirklich Gefahr droht, kommt jedoch zu keinem eindeutigen Schluß. 'Was ist wohl gefährlicher, den Mann gewähren lassen und den Wal wegschicken oder einfach abwarten' nach einigem Grübeln ist er der Meinung das Wale eher geduldig sind und evtl. noch lange auf eine Antwort warten könnten.

Mit strenger, aber nicht mehr wirklich zorniger Stimme erwidert der Magus:

"Ich setze jetzt einmal voraus das ihr keine bösen Absichten hegtet. Ihr werdet euch also jetzt verabschieden und den Wal fortschicken UND SONST NICHTS ! ich will euch nicht gleich noch einmal zusammenflicken müssen. Danach werdet ihr dem Kapitän und mir rede und Antwort stehen. Ist das soweit Klar! Denn einfacher Segelflicker oder Zimmermann ist wohl nicht alles! was ihr seid" endet er und wartet auf eine Antwort

Währenddessen fällt sein Blick auf Alrik der immer noch da ist.

"Alrik ich wiederhole mich nicht gerne!" sagt er scharf in seine Richtung.

Ohne auf Alriks Reaktion zu warten richtet er seinen Blick wieder auf den Mann vor sich.



Ole nimmt Abschied


Ole ist sehr erleichtert darüber, daß nun alles einen halbwegs versöhnlichen Weg nimmt und der Schiffsmagus sich hatte überzeugen lassen, wenn auch schweren Herzens, das ist ihm deutlich anzusehen. Dennoch entblößt Ole sein blendend weißes Gebiß zu einem strahlenden Lächeln, als er dem Magus antwortet:

"Danke! Ich danke euch von Herzen, Herr Magister, ihr sollt es nicht bereuen!"

Langsam erhebt sich Ole, etwas ächzend, denn es tut ihm jeder Knochen im Leib weh. Es ist nicht der Gesang alleine, der ihm so zugesetzt hatte, es sind vielmehr die enormen, mentalen Schwingungen des Wal's, die Ole's Körper so sehr erschüttert haben. Doch den alten Zimmermann berührt dies wenig. Zu sehr erfüllt ihn das Wunder dieses Kontaktes mit Freude, um sich jetzt von Schwäche übermannen zu lassen. Und so steht er wieder da, in seiner ganzen imposanten Größe, schwankend zwar, doch sicher und fest. Schritt für Schritt geht er auf die Reling zu, vorsichtig und sachte, denn noch ist er nicht völlig wiederhergestellt.

Er legt die Hände auf die Reling und blickt sich einmal noch hinter sich, blickt in die Augen des mißtrauischen Magus und des verstörten Schiffsjungen, dann reckt er die Nase nach oben und holt tief Luft, hält den Atem für eine Weile und pustet die verbrauchte Luft zischend wieder aus.

Genau so, wie er es seinerzeit bei Meister Ragnar gelernt hatte. Er schließt die Augen und fesselt seine Gedanken auf einen imaginären Punkt, ohne Raum und Ausdehnung, gleich dem Mysterium der ersten Sphäre, sammelt dort seine mentale Energie und befreit sich von Zeit und Raum. In einer Art kurzen Traum formiert er seine Botschaft, er gestaltet sie als Idee, die Materie annimmt und so, als Botschaft losgelassen werden kann, doch nicht, so wie man meinen mag, als Streuwerk, sondern als eine, auf ein Ziel gerichtete Nachricht. Durch seine geschlossene Augen, sieht er, geschaffen als ein Bildnis seines Geistes, den Wal, so groß und mächtig, so freundlich und gewogen. Ihm, dem Wal soll seine Botschaft gelten. Und in Gedanken läßt er seine Worte los und schickt sie auf Pfaden, welche die Götter in ihrem wunderbaren Werk selbst geschaffen hatte, dem Freund entgegen, Worte einer kosmischen Sprache, die, in Gefühlen gebunden, jedem Lebewesen zu eigen sein muß.

Ole beginnt zu summen, eben jenes Lied, daß ihm der Wal noch vor kurzem zugesandt hatte, die Melodie der Freundschaft. Die Melodie mag eine bißchen zittrig klingen, denn Ole's Kehle ist noch arg strapaziert von den Gesängen, die er schon zum Besten gegeben hatte und außerdem war ihm diese Melodie noch sehr neu, doch hofft er sehr, daß der Wal seine Botschaft verstehen möge.

'Lieber Wal - So mag denn jeder von uns nun friedlich seiner Wege gehen, die Zeit ist noch nicht reif, um unsere Freundschaft zu vertiefen. Nicht wenige von uns haben Angst vor dir, vor deiner Kraft und vor deiner Macht. Sie fürchten dich, obwohl SWAfnir selbst von deiner Gestalt ist. Aber auch sie werden dich willkommen heißen, eines Tages, wenn wir uns wieder begegnen, in einer Zeit, da sich Wal und Mensch viel mehr zu sagen haben werden, als dies heute der Fall ist. So ziehe denn deiner Wege, 'Der, der lange oben schwimmt' , ergründe die Tiefe und gedenke derer, die an der Oberfläche bleiben müssen. Und so sagt dir der 'Graue Riese' ein freundliches Lebe wohl!'

Ole ist ganz feierlich zumute. Der Augenblick hat eine gewisse Erhabenheit und er bedauert es sehr, daß keiner der Menschen um ihn herum daran teilhaben kann.



Dajin und Alrik


Dajin ist inzwischen mit der Reinigung seiner Schwerter fertig, zufrieden steckt er sie zurück in die Scheiden. Dann wendet er sich zum gehen um sich in seiner Kabine trockene Sachen anzuziehen denn er ist doch arg durchnäßt und hier im "hohen" Norden ist es ihm eh schon zu kalt. Da bemerkt er Alrik der anscheinend nicht so ganz weiß ob er dem Kapitän die Sache erklären soll.

"Warum willst du nicht zum Kapitän ? Dir wird er schon nicht den Kopf abreißen du hast ja keinen Wal herbeigerufen , oder ? " fragt er ihn mit einem schiefen Grinsen.



Dajin beobachtet wie Alrik zum Kaptän geht. ´Meine Güte der Junge macht den Eindruck als ginge es zur Schlachtbank´denkt sich Dajin mit einem leichten Grinsen. Dann schaut er sich noch mal auf dem Deck um aber es scheint alles wieder in Ordnung zu sein. Auch der Wal entfernt sich wieder von Schiff. Also nutzt Dajin die Gelegenheit und begibt sich in seine Kabine wo er sich endlich was Trockenes anziehen will.



Der Wal entfernt sich


Angestrengt beobachtet ´Der, der lange oben schwimmt´ das Schwimmriff. Seine Augen suchen nach dem singenden Zweibeinchen, daß sich ´grauer Riese´ nennt. ´Da ist er ja !´ Denkt er freudig erregt, als Ole endlich wieder an der Reling steht.

Auch Oles Gesang ist nun wieder zu hören, er singt das Freundschaftslied, daß der Wal ihm kurz zuvor gesungen hat. Ja, dieses Zweibeinchen steht ihm wirklich sehr nahe, und daß obwohl sie so gut wie gar keine Gemeinsamkeiten haben.

Doch die dann folgende Gedankenbotschaft klingt weniger fröhlich, sie handelt von Abschied und von Angst, aber auch von Wiedersehen. Zunächst ist das Alles sehr verwirrend, doch dann wird es ihm allmählich klar: Die anderen Zweibeinchen haben Angst vor ihm ! ´Das Schwimmriff ist kleiner als ich und sieht sehr zerbrechlich aus´ geht es dem Wal durch den Kopf, ´Wahrscheinlich fürchten sie ich könnte es zerstören, aber was hätte ich davon ? Zweibeinchen kann man bestimmt nicht

fressen !´ Bei diesem Gedanken wird ihm bewußt, daß er hungrig ist. Ja der Sprung hat ihn doch sehr viel Kraft gekostet, da kann so eine kleine Stärkung - wie ein Fischschwarm vielleicht - ganz

gut tun.

Aber die Botschaft handelte auch vom Wiedersehen, das singende Zweibeinchen will ´Den, der lange oben schwimmt´ wiedersehen. So singt der Wal ein weiteres Lied, das Abschiedslied, daß man in

seiner Familie singt, wenn jeder wieder seiner Wege zieht. Doch nicht nur dies, auch eine weitere Melodie geht in Richtung des ´grauen Riesen´, eine Botschaft, die in der Menschensprache etwa folgenden Wortlaut hätte:

"Ich schwimme in die warmen Gewässer vielleicht kommt Dein Schwimmriff ja auch dorthin"

Der Wal hofft dies sehr, denn zu gerne möchte er noch erfahren, wie das mit den Luftflossen funktioniert.

Doch noch fällt es ihm schwer die Augen abzuwenden von dem Hohlriff und den Zweibeinchen, die vom Trockenmeer kommen und so dreht sich zwar sein Körper langsam vom Schiff weg, jedoch nur soweit, daß NORDSTERN und Wal nun in einem spitzen Winkel zueinander schwimmen, so entfernt sich der ´Kleine´ ganz allmählich von der Karavelle, wobei er allerdings weiterhin dem ´grauen Riesen´ hinterher schaut, solange er diesen noch erkennen kann.



Fiana am Steuer


Fiana ist erleichtert als sich der Wal aus ihrem Blickfeld davon macht, besteht jetzt wohl keine Gefahr mehr für das Schiff. Behutsam, so das nur für geübte Seeleute überhaupt eine Veränderung bemerkbar ist, führt sie das Schiff wieder gänzlich auf den Richtigen Kurs. Der Wal zwang sie ja zwischenzeitlich zu geringen Abweichungen.



Alrik endlich folgsam


Etwas erschrocken, ob dieser barschen Abmahnung macht sich Alrik schließlich auf den Weg. Zu weiteren Kommentaren ist er nicht aufgelegt, sie wären sowieso nur Anlaß zu weiterer Schelte und obendrein auch recht überflüssig. Wortlos und gedankenverloren trottet er erst langsam über das Oberdeck, spurtet dann aber eiliger den Aufstieg zum Brückendeck empor. Brav und folgsam geht er zu Jergan, so wie ihm aufgetragen wurde, und wartet bis dieser ihm seine Aufmerksamkeit schenkt:

"Herr Kapitän... ?"



Jergan ist froh, daß der Wal endlich den Abstand zu der Karavelle vergrößert, ja sogar Anstalten macht, ganz zu verschwinden. Damit ist dann endlich Zeit, sich dem zu widmen, was dort vorne auf dem Deck geschehen ist. Der Kapitän hat den Gedanken kaum zu Ende gedacht, als selbige Ereignisse in Form des Schiffsjungen auch schon zu ihm unterwegs sind. Der Junge hat seine Aufmerksamkeit somit beinahe sofort.

"Ja, was gibt's?" erwidert er der Frage des Jungen.



"Ja, also, der Neue, äh, der Segelflicker, der hat sich vorhin verletzt, als die Welle herüber schwappte," beginnt Alrik nach bestem Gewissen.

"Der Herr dort mit den zwei großen Schwertern, der hat ihm sofort geholfen, sonst hätte es übel ausgehen können." Alrik deutet mit dem Arm auf den südländischen Passagier, der beherzt geholfen und sich dann unauffällig wieder in den Hintergrund zurückgezogen hat.

"Und der Gelehr... äh... Gelehrige Herr Trosdotter, der hat ihn jetzt geheilt. Es geht ihm also wieder gut, doch der Gelehrige Herr ist sehr erzürnt und will Euch gleich noch mit dem Neuen zusammen sprechen."

Alrik ist offensichtlich vollkommen durcheinander, zwar bringt er die Sätze wohl verständlich vor, doch immer wieder wandert sein Blick auf seine Fußspitzen. Auch die hektischen roten Flecken im Gesicht des Jungen zeugen davon, daß hinter der ganzen Angelegenheit mehr stecken muß, als er mit Worten zugegeben hat.



Jergan hört schweigend zu, wobei er befriedigt nickt, als er hört, daß Ottam den Verletzten geheilt hat. Dann runzelt er die Stirn.

"Er möchte mich mit dem Neuen zusammen sprechen? Warum schickt er dann dich, statt selbst zu kommen?"

Jergan schüttelt den Kopf - er ist der Kapitän, und für gewöhnlich kommen die Leute zu ihm, wenn sie etwas wollen. Um den Jungen jedoch nicht die undankbare Aufgabe zu übertragen, das dem Magier zu sagen, fügt er leiser hinzu:

"Solange der Wal in der Nähe ist, möchte ich die Brücke nicht verlassen. Aber Ottam und... äh... Ole sollen dann einfach nach hier kommen."



"Aye, Käpt'n," bestätigt Alrik, dann eilt er wieder dem Oberdeck entgegen. Auf halber Höhe der Treppe stellt er fest, daß die betreffenden Personen ihrerseits bereits den Gang zum Brückendeck angetreten haben.

"Äh... sie sind schon auf dem Weg," ruft Alrik zu Jergan zurück. Eigentlich überflüssig, denn die Beiden sind gewissermaßen unschwer zu übersehen. Eiligst macht sich Alrik an den Abstieg, genauer gesagt, unauffällig von dannen ...



Abschied


' Der Wal hat verstanden, ' denkt sich Ole ' würden doch die Menschen auch endlich verstehen lernen!' Lange sieht er dem davon schwimmenden Wal nach, sein Abschiedslied klingt dem alten Zimmermann noch eine geraume Zeit in den Ohren. Visionen eines Meeres tauchen in ihm auf, Eindrücke, die ihm unbekannt sind. Es scheint, als habe ihm der Wal ein Reiseziel mitgeteilt, ein Meer, das von warmen Strömungen durchzogen sein muß. Wahrscheinlich sind die südlichen Ausläufer des 'Meere der sieben Winde' damit gemeint, auf jeden Fall, so glaubt Ole zu wissen, zieht es den Wal gen PRAios. Ole läßt ihn nicht gerne ziehen, wer unter den Menschen gewinnt schon gerne einen guten Freund, um ihn gleich darauf wieder zu verlieren.

Ole senkt sein strähniges Haupt. Er ist traurig, aber immer noch in einer Stimmung der Erhabenheit. Auch läßt sein Stolz nicht zu, sich gefühlsmäßig gehen zu lassen. Freude und Kummer haben gleichzeitig Besitz von seiner Seele genommen. Ab und zu überkommt ihn doch wieder eine leichte körperliche Schwäche, die er aber schnell und im Willen stark immer wieder überwindet.

Der alte Seemann ist einfach noch nicht bereit, sich bereits jetzt wieder den Menschen zu stellen. Er will die Feierlichkeit des Moments in seinem Geist erhalten, Trauer und Sehnsucht nur langsam abklingen lassen. Dabei fällt ihm der alte Fischer ein, den er vor vielen Götterläufen an einem Ufer nahe der Ortschaft Hoijangar besucht hatte. Es war ein sehr ruhiges Ufer, nördlich des Hjaldingolfs, tief gelegen in einem idyllischen Fjord, der weit in das Land hinein reichte, bis hin zu den südlichen Ausläufern der 'Grauen Berge'. Ole war schon oft in der Hütte des alten Fischers gewesen, doch sein Besuch damals hatte einen besonderen Anlaß, auch wenn die Begegnung an jenem Tag keine Zeichen für Besonderheiten bot. Der Alte hatte sich niedergelassen um mit seinen zittrigen, verbrauchten Fingern Fangnetze zu flicken. Man konnte ihm deutlich ansehen, daß er das Rauschen der Schwingen Golgaris schon in den Ohren hatte und seine Augen schon den Glanz der vierten Sphäre sehen konnten. Dieser Mann hatte damals Ole's ganze Zuneigung gefunden, konnte er doch so schön erzählen, von seinen Taten zur See und von unzähligen Begegnungen mit dem 'heiligen Tier', dem Wal und so oft es ging saß der junge Ole zu den Füßen des Fischers und lauschte dessen Legenden. Und als Ole vernehmen mußte, daß es mit dem alten Mann nun wohl bald zu Ende gehen sollte, war es dem Zimmermann eine freundschaftliche Pflicht, die Hütte des Alten ein letztes Mal aufzusuchen, der rauhen und brüchigen Stimme zu lauschen, die längst schon keine neuen Geschichten mehr zu erzählen wußte. Aber beide, sowohl der alte Fischer, als auch der junge Ole teilten die Hingabe an das Mysterium der Wale, die auch durch uralte Geschichten immer wieder eine Erneuerung finden konnte. Damals lagen sich die beiden Männer ein letztes Mal in den Armen, als die Zeit ihnen einen Abschied gebot und der alte Fischer sang ein Lied, das Ole in jenen Tagen sehr ergriffen hatte und ihn, obwohl versteckt und lauernd, bis heute nicht mehr losgelassen hatte. Es war ein feierliches Lied und Ole weinte damals, denn er wußte, daß der alte Fischer den neuen Tag nicht mehr würde sehen können. Und heute, an Bord der NORDSTERN, mit einem eisernem Griff festgeklammert an der Reling, jetzt, da Ole in seinem erneuten Abschiedsschmerz kaum noch die Tränen zurückhalten kann, dringt das Lied mit Macht in seinen Geist.

Und so singt Ole aus vollem Hals und mit ganzen Herzen dieses Lied, mehr eine Hymne, mit getragener, feierlicher Melodie, gerade so, wie er es damals von dem alten Fischer gelernt hatte:


Wogende Wellen im ewigen Meer,
einzig die Wunder in der Tiefe der See,
ewige Weiten ich liebe euch sehr -
muß alles noch schauen, ehe ich geh',
eh' mich der Tod in das schwarze Schiff zwingt,
daß mich durch Nirgendmeer in Boron's Reich bringt!

Ich liebe die Meere die ich befuhr,
ich liebe die Wale, die reiner Natur
und sagt mir das Schicksal, du mußt jetzt gehn,
dann geh' ich mit Freude, hab' vieles geseh'n
Bleibe mir nah und dann nennen mich Freund,
dann sind wir im Tod und im Leben vereint!

Ole seufzt tief und schwer und schaut dem entschwindenden Wal traurig nach. Dann gelingt es doch noch ein paar Tränen Ole's Blick leicht zu verschleiern. Ole wischt sie weg und hofft, daß es niemand gesehen hat. Dann dreht er sich um ........



Immer weiter entfernt sich der Grünwal vom Schiff, bleibt aber weiterhin über der Wasserlinie und schaut der NORDSTERN nach. Das freundliche Zweibeinchen, den ´grauen Riesen´, kann er auf dem immer kleiner werdenden Schwimmriff schon längst nicht mehr erkennen. Doch für einen kurzen Augenblick nimmt er noch einmal seinen Gesang wahr, es ist eine sehr, sehr fremdartige Melodie, wahrscheinlich von der Art, wie sie die Zweibeinchen in der Trockenwelt singen, aus der sie stammen. Zwar versteht der Wal nicht ein einziges Wort, doch er erkennt eine eindeutige, starke Gefühlsregung in dem Lied - es handelt von Abschiedsschmerz.

Der Grünwal taucht kurz unter als er bemerkt, daß sich ein paar Krebse unvorsichtig genähert haben. Dann taucht er wieder auf, ein letztes Mal ist vom Schiff aus seine Fontäne zu sehen, kleiner als die letzten zwar, doch noch gut zu erkennen, wie einen Abschiedsgruß an seinen Freund stößt der Wal das Wasser in den Himmel.

Dann taucht er erneut unter, um sich auf Nahrungssuche zu begeben. Ein letztes Mal kann man seine Schwanzflosse sehen, doch sieht sie aus dieser Entfernung bereits winzig klein, wie von einem Fischlein, aus - nichts ist mehr zu erkennen von seiner Größe, die aus der Nähe so beeindruckend, ja bisweilen bedrohlich wirkte.

Dann ist er nicht mehr zu sehen, nur noch der Wind und die Wellen begleiten die NORDSTERN auf ihrer Fahrt gen Süden.



Ottam klagt an


Kaum das sich Ole umgedreht hat meint Ottam nur kurz:
"Dann gehen wir jetzt zum Kapitän, folgt mir bitte"
Daraufhin macht er sich auf den Weg zum Brückendeck.


Ole blickt dem Magier finster hinterher und setzt dich dann langsam und zögernd auch in Bewegung, dem Zauberer folgend, nachdem er mit einem mürrischen "Aye, aye, Herr Magister!" widerwillig kundgetan hatte, daß er die Aufforderung verstanden hat. Das Hochgefühl, daß Ole's Geist gerade eben noch hatte in Freude schweben lassen, ist mit dem Wal verschwunden und hat Platz gemacht jenem unterdrückten Ärger, den Ole verspürte, als der Magus ihn vorhin so dominant "heruntergeputzt" hatte. Die zornig lodernde Glut in seinen Augen, während des Dialogs mit dem Wal kurzfristig erloschen, kehrt nun fulminant zurück, und dennoch läuft Ole, wie es von ihm verlangt wurde, gehorsam hinter dem Magus her.

Das, was Ole dabei, für die umstehenden Leuten nicht zu verstehen, grummelnd in seinen Bart murmelt, sind bestimmt keine Lobpreisungen für die Person eines bestimmten Schiffsmagiers. Doch die Vernunft will dem alten Schiffszimmermann raten, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Wie oft hatte Ole schon erleben müssen, daß er sich mit seiner gerechten Empörung letztlich selbst ins Unrecht gesetzt hatte. Das soll ihm nicht noch einmal passieren, hatte er sich geschworen, auf diesem Schiff schon gar nicht, denn Ole fühlt sich wohl auf der NORDSTERN und er findet es wenig erstrebenswert den Rest seiner Reise in Ketten zu verbringen, um dann auf der nächsten Sandbank ausgesetzt zu werden. Ganz zu schweigen davon, zu was ein entrüsteter Zauberer fähig sein könnte, wenn man ihm zu oft und zu schmerzhaft 'ans Bein tritt'. Und trotzdem kann Ole einfach nicht verstehen, daß gerade ein Studierter der arkanen Künste nicht willens sein sollte, eine tief empfundene Spiritualität zu erkennen, die neue Wege und neue Möglichkeiten eröffnet. Schließlich gebietet HESinde nicht nur über das astrale Gefüge, sondern auch über den Foschungsdrang, der die Gelehrten bewegt die geheimen Pfade der Natur Dere's zu finden und gangbar zu machen. Aber vielleicht versteht Ole davon zu wenig. Er ist schließlich weder ein Zauberer, noch ein Gelehrter, sondern nur ein alter Schiffszimmermann, der im Moment dem Kapitän vorgeführt werden soll, wie ein Gesetzloser, um ihm Dinge zu erklären, die er sich selbst augenblicklich nur schwer erklären kann.



Oben am Brückendeck angekommen ergreift Ottam sogleich das Wort, wobei er sich sowohl für den Kapitän als auch für Ole gut verständlich macht.

"Kapitän, dieser Mann hier" dabei deutet er auf Ole "hat sich mit dem Wal in Verbindung gesetzt, dabei verwendete er eine Zaubertechnik die mir selbst nicht unbedingt geläufig ist, ich würde sie am ehesten zu den Magischen Liedern der Elfen zählen. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist viel mehr das er seine Kräfte bis zur Selbstaufgabe überschätzt hat, wäre ich nicht an Bord gewesen wäre er wahrscheinlich jetzt tot. Auch bin ich mir sicher das er den Wal dazu veranlaßt hat zu springen, was für das Schiff ein unheimliches Risiko barg. Das er seine Kräfte überschätzt hat mag entschuldbar sein, so er in diesen Dingen keine richtige Ausbildung erhalten hat. Aber den Wal zu etwas aufzufordern bei dem Gefahr für das Schiff und Leib und Leben der Mannschaft besteht ist in meinen Augen zu verantwortungslos als das es ungestraft bleiben darf, doch als Kapitän obliegt es euch dies zu Entscheiden. Darüber hinaus ist es sein Recht sich zu verteidigen, daher habe ich Ole gleich mitgebracht"

So endet er mit einem entschlossenen Blick zum Kapitän.


Der Blick des Kapitäns schweift hinüber zu Ole. Er sieht den Mann kurz an, dann sieht er wieder zurück zu Ottam. Dieser wird wissen, was die magische Einstufung der Sache angeht, aber mit der Führung von Leuten - da kennt sich der Kapitän ganz sicher besser aus. So geht sein Blick wieder zu dem alten Seemann und verharrt dort.

"Nun, was hast du dazu zu sagen?"

Die Stimme des Kapitäns ist dabei ganz ruhig.



Schweigend hört sich der alte Schiffszimmermann die Rede des Magus an, rührt sich kaum dabei, wechselt aber mehrmals die Gesichtsfarbe. Zorn färbt seine Stirn und Wangen rot und gleich darauf macht sie aufkeimendes Entsetzen wieder weiß, solange, bis ihm der erneut anschwellende Ärger wieder eine mehr rötliches Gesichtsfarbe verleiht. Wie konnte dieser gelehrte Mann auf der eine Seite zugeben, daß er sich von den Vorgängen kein richtiges Bild machen könne, auf der anderen Seite aber dann doch eine derart ins Detail gehende Behauptungen aufstellen, die ihm nun als Grundlage für diese aberwitzige Beschuldigung dient. Ole weiß im Augenblick nicht so recht, ob er lachen, weinen oder vor Wut schnauben soll. Es sind die Prinzipien seines alten Meisters Ragnar Greifsson, die ihn wieder auf die Bahn der Sachlichkeit bringen.

' Es steht dir das Wasser bis zum Hals, du Ungestümer', denkt sich Ole 'mach jetzt also nicht alles noch schlimmer, als es ohnehin schon ist...!'

Ole ist sich im Klaren darüber, daß es nicht leicht werden wird, sich überzeugend zu erklären. Als der Magus seine Rede beendet, holt Ole tief Luft und befreit sich von der, immer drückender werdenden Last auf seiner Seele durch einen langen, schweren Seufzer. Er war froh, als ihm Jergan das Wort erteilt, obwohl es ihn doch sehr verunsichert, mit welcher Gelassenheit dies der Kapitän tut. Seine Stimme war ruhig, zu ruhig für Ole's Geschmack. Wie dem auch sei, jetzt gilt es die eigene Sache zu vertreten.

"Herr Kapitän, ich versichere euch, bei allem, was mir heilig ist: Ich bin kein Zauberer! Wenn der Herr Magus so freundlich sein möchte, dann soll er mich auf arkane Fähigkeiten überprüfen. Er würde nichts finden, der Zugang zu jeglicher astralen Matrix ist mir versperrt. Ich verfüge über keinerlei Fähigkeiten die Dinge der Welt, über die Fähigkeiten eines ganz normalen Menschen hinaus zu verändern. Wohl aber habe ich die Gabe eines speziellen Feinsinnes, die mich befähigt bestimmte Dinge zu sehen, hören oder zu fühlen, die sich aus einem mentalen Kontakt heraus ergeben. Ein solcher Kontakt ergibt sich, ohne mein Zutun, dies will ich betonen, immer dann,wenn ich auf dem Meer Walen oder Delphinen begegne. Wobei, das will ich gerne gestehen, mir die Verbindung zu Walen leichter fällt!"

Der letzte Satz rückt wieder die Erinnerung an den Grünwal in Ole's Bewußtsein und er nutzt die kleine Denkpause, um sich umzudrehen, den Punkt am Horizont erspähend, an welchem er den Wal ein letztes mal gesehen hatte. Dann fährt er mit seiner Verteidigungsrede fort:

"Es ist eine Fähigkeit, wie sie manchem SWAfnir-Geweihten zu eigen ist und sie erwerben diese Fähigkeit nach Jahren des Studiums und des Übens. Meine erste Berührung mit der Kunst der Walgesänge hatte ich, als ich in einem abgelegenen Kloster der Kinder Swafnirs einem Meister dieser Fertigkeit begegnete. Ehrwürden Ragnar Greifsson erkannte mein Talent und schon nach einer kurzen Zeit seiner Anweisungen, hatte ich einen Grad erreicht, den andere, vornehmlich langjährige Geweihte, erst nach Jahren harten Arbeit erreichen. Es stellte sich bald heraus, daß der Gegenstand meiner Übung nicht der sein konnte, einen solchen Kontakt herzustellen, sondern mehr der, mit ihm umzugehen, mich gegebenendfalls davon abzuschirmen, denn, wie zu sehen war, er ist nicht ganz ungefährlich."

Ole läßt seine Worte zunächst etwas im Raum stehen, um sie wirken zu lassen, ehe er weiter redet:

"Ich spürte die Gegenwart dieses Wales lang bevor ich ihn sehen konnte. Ich war gerade in einem Gespräch mit Babo. Er wollte mir aus seiner Heimatstadt erzählen und ich war schon sehr begierig darauf ihm zuzuhören."

Vorsorglicherweise unterschlägt Ole den Umstand, daß er Babo zu einem Schluck 'Premer Feuer' eingeladen hatte. Kapitäne haben in der Regel eine sehr ablehnende Haltung gegenüber privaten Vorräten an 'Premer Feuer' an Bord. Es ist ganz bestimmt besser, wenn Jergan im Augenblick nichts davon weiß!

"Die mentale Ausstrahlung des Wales traf mich mit Wucht, es war aber auch ein sehr großer Wal. Und es war ein sehr junger Wal, fröhlich und neugierig. Er hatte bis dahin noch nie ein Schiff oder Menschen erlebt. DIES hat ihn angelockt, nicht etwa ein Ruf von mir, er kam aus eigenem Antrieb. Natürlich habe ich versucht Kontakt mit ihm zu gewinnen, schon aus eigenem Interesse heraus, denn darf man die Boten SWAfnir's so einfach verkennen? Und es gelang mir der Kontakt und die Macht des Bewußtseins des Wal's drang auf mich ein, in geordneten Bahnen, in beiderseitgem Willen zu mentalem Austausch. Ein ungeordneter Kontakt, was der wohl aus mnir gemacht hätte, wenn schon der geordnete mich an den Rand des Möglichen, sogar ein bißchen darüber hinaus gebracht hatte?"

Ole vermißt jetzt seine Pfeife. Es war ihm bisher gar nicht aufgefallen, daß sie seit der 'Wal-Flut' nicht mehr zwischen seinen Zähnen klemmt.

"Der Wal war und ist freundlich und den Menschen gewogen, ein wenig übermütig vielleicht, wie man an seinem Sprung gut erkennen konnte. Ich habe ihn NICHT dazu aufgefordert, doch ich habe frühzeitig erkannt, daß er sich solches vorgenommen hatte und ich hoffe, mein Warnruf hat jeden rechtzeitig erreichen können. Worum ich ihn allerdings gebeten hatte: Er sollte mir seine Fontäne zeigen! Ich wollte eben prüfen, ob meine geistigen Botschaften den Wal auch richtig erreichen. Und ich wollte ........"

An dieser Stelle wird Ole nun etwas verlegen. Er läßt den Kopf ein wenig hängen und senkt die Lautstärke seiner Stimme .....

"Ich wollte auch ein bißchen meinen Herren SWAfnir versuchen, ob er mir gewogen sei. Es war nicht recht einen Gott prüfen zu wollen und ich schäme jetzt mich dafür und ich werde an geeigneter Stelle Abbitte dafür leisten müssen!"

Jetzt hebt der Schiffszimmermann seinen Kopf, blickt Jergan direkt in die Augen und auch seine Stimme wird wieder lauter.

"Ich will noch einmal betonen: Der Wal war immer sein eigener Herr und niemals eine echte Gefahr für das Schiff. Außerdem erkläre ich, daß ich niemals die Absicht hatte in fahrlässiger Weise das Schiff zu gefährden und ich sehen auch keinen Umstand, der mir dahingehend ausgelegt werden könnte!"

Ole wendet sich sodann zum Schiffsmagus hin:

"Herr Magus! Ich versichere euch: Ich bin ein ganz normaler Seemann und Zimmerer! Und was meine besonderer Fähigkeit betrifft, so überlasse ich es euerem Urteil, ob diese Gabe mehr ein Fluch oder Segen für mich ist!"

Damit endet Ole und er verschränkt trotzig seine Armen vor seinem gewaltigen Brustkorb .......



Ottam hört sich die Rede von Ole geruhsam an, wenngleich er die Gelassenheit des Kapitäns nicht unbedingt gut heißt. Er ist immer noch davon überzeugt, daß der Wal nicht gesprungen wäre wenn Ole nicht mit ihm gesprochen hätte, und was sie alles gesagt haben kann er dummerweise nicht wissen, nur das was laut geäußert wurde. Dennoch bei dem Wort Geweihter stutzt er einen Moment, duch das völlige Fehlen von Erkennungszeichen hat er diesen Gedanken völlig verworfen und ist auch jetzt nicht davon überzeugt oder gar begeistert wie dem auch sei, sich mehrere Kontermöglichkeiten zurechtlegend überläßt er es dem Kapitän etwas zu sagen.



Jergan hört auch dem Schiffszimmermann schweigend zu, dann schwenkt sein Blick wieder zum Magier.

"Hat er arkane Fähigkeiten? Könnt Ihr das überprüfen, was er sagt?"
Noch immer ist Jergans Stimme SEHR ruhig.


Mitten in seinen Überlegungen wendet sich der Kapitän an ihn, damit hatte er nicht so schnell gerechnet.

"Ähm, ja das geht schon in gewissem Masse, also ich könnte ihn überprüfen wie man es mit eventuell Schülern macht um ihr Talent zu prüfen. Aber das braucht einen Moment. Hinzu kommt, das, wenn er das Talent eines Geweihten hat ich davon nichts bemerken würde."



Jergan runzelt die Stirn.
"Dann tut es doch einfach!"


Kopfschüttelnd drängt sich Ole in das Gespräch zwischen dem Kapitän und dem Magus.

"Nein, Herr Magister, bei allem gebührendem Respekt, ich glaube ihr seht meine Gabe noch immer verkehrt. Es ist nicht einfach nur ein Talent, daß unter fachkundiger Aufsicht zu einer gewissen Reife gelangt. Meister Greifsson half mir damals diese Begabung zu ERTRAGEN, denn sie ist gekoppelt mit einer Menge Unannehmlichkeiten, wie ihr schon habt Zeuge werden dürfen. Die Lieder, die ihr im Verdacht habt, sie wären magische Rituale sind teilweise nichts weiter als meditative Hilfen den Konus der Gedanken zu erhalten oder zu erschaffen. Ich gebe zu: Als Technik sind sie der Thesis eines Zauberspruches in ihrer Struktur sehr ähnlich, doch bewegen sie keine astrale Energie, sondern helfen lediglich sinnliche Empfindungen, aber auch ebensolche Ausstrahlungen so zu formieren, daß aus ihnen eine Botschaft wird. Die Walgesänge der Geweihten sind den Schwingungen der Gesänge echter Wale nachempfunden. Sie dienen als Träger eigener Botschaften hin zum Tier und zum Entschlüsseln der Mitteilungen von dem Tier. Im Grunde genommen bewegen wir uns auf einer Ebene des Austausches, die wir selbst kaum begreifen, von der wir nur wissen, und seit heute weiß ich es um so mehr, daß sie funktioniert!"

Nach einer kleinen Pause fügt Ole etwas frech grinsend an:

"Das funktioniert leider nur mit Walen und Delphinen ...!"



Etwas irritiert blickt Ottam den Kapitän an, hat er ihn nicht verstanden ? Er sagte doch das er im Falle von klerikaler Magie nichts finden kann und daß er die Art der Magie die Ole gewirkt hat nicht recht einordnen könne. Doch was soll es, schließlich kann ja nicht jeder so studiert sein wie er, denk er sich, bar jeder Bescheidenheit. Nach Außen hin wird jedoch recht wenig von diesen Erwägungen sichtbar, nur daß seine Miene eine leichte Andeutung von 'vergebener Liebesmühe' zeichnet. Vielleicht durch ein kurzes Funkeln unterbrochen, als er an die eigenen Künste denkt.

"Wie der Kapitän meinen" erwidert er und stellt sich gegenüber von Ole

"Keine Angst, es passiert nichts" sagt er noch, dann greift er mit der linken Hand fest an seinen Stab, während er die flache Hand seiner Rechten langsam an die Stirn Oles drückt. Er beginnt sich zu konzentrieren und spricht einige Worte, die jedoch so, wie er sie ausspricht kaum verständlich wirken, zum einen sind sie sehr leise und wirken etwas in seinen Bart gemurmelt, zum anderen entstammen sie wohl nicht der hiesigen Sprache.



Ohne sichtliche Gefühlsregung nimmt Jergan Oles Erklärungen zur Kenntnis. Auch auf Ottams pikierte Blicke hin, läßt er sich zu keiner weiteren Erwiderung hinreißen.

Lediglich ein langsames Nicken in Oles Richtung, soll diesem begreiflich machen, daß er sich nunmehr fügen soll und dem Magier keine Gegenwehr entgegensetzt. Vielleicht drückt sein Blick sogar etwas Verständnis für Ole aus, denn daß Ole nicht erfreut über eine derartige 'Untersuchung' sein wird, kann er durchaus nachvollziehen. Ansonsten wartet Jergan gelassen ab, bis Ottam seine Aufgabe erfüllt hat.



Ole fühlt sich äußerst unwohl, als sich der Magus vor ihm aufbaut, und das freche Grinsen ist ihm blitzartig entflohen. Obwohl die Mimik des Zauberers im Moment schwer zu durchschauen ist, Ole muß, nach dem Stand der Dinge annehmen, daß der Magus nicht unbedingt gut gelaunt ist. Und wer begibt sich schon gerne in die Hände eines zornigen Magiers, von dem zu erwarten ist, daß er nicht gerade gut auf einen zu sprechen sein könnte! Die Versicherung des Magus, es würde nicht wehtun vermag Ole einfach nicht zu beruhigen, doch der strenge Blick des Kapitäns ermuntert den alten Schiffszimmermann dann doch, seiner Unruhe Herr zu werden. Immerhin hat er selbst den Vorschlag eingebracht, man sollte ihn auf arkane Fähigkeiten überprüfen. Und nachdem eben dies jetzt geschehen soll, darf er sich nun auch nicht widersetzen. Gegenwehr hätte ihn sowieso nur ins Unrecht gesetzt.

Also schluckt Ole ein paar mal trocken und sagt zu dem Magus:
"So sei es, so soll es geschehen ....!"

Und so schließt er die Augen und versucht sich dem Kommenden zu öffnen. Das Geräusch der Meereswellen, das Knarren und Ächzen der Masten und Takelage, die er vordem eher als eine Art Begleitmusik im Hintergrund wahrgenommen hatte, nimmt ihn nun innerlich gefangen, hört sie, alles überdeckend, laut wie eine Fanfare und es gefällt ihm, es gibt ihm Sicherheit. Er zuckt nurganz leicht zusammen, als er die Hand des Magiers auf seiner Stirn spürt, konzentriert sich aber danach aber gleich wieder auf das innere Konzert der Geräusche. Er hört den Magus murmeln, versteht aber kein Wort davon. Das läßt ihn wieder etwas unruhig werden. Wie viele der Nordmänner hegt auch Ole allen Zauberkundigen gegenüber einen tief empfundenen, fast schon furchtsamen Respekt. Die Natur der Dinge bedeutet ihm alles, die Verwicklungen der Magie konnte er noch nie, kann er auch im Augenblick nicht und wird sie wahrscheinlich auch in Ewigkeiten nie richtig verstehen lernen. In diesem Punkt fühlt sich Ole wie eine Eule bei Tageslicht.



Der Magus konzentriert sich, sein Geist scheint Ole zu durchströmen, jeden Winkel nach den bekannten Mustern absuchend, doch will sich keines finden lassen. Keine Spur von bekanntem, nur unbekanntes. Und auch das nur vage zu erkennen. Ottam beschließt die Untersuchung zu beenden. Er sammelt sich ein wenig, nimmt die Hand von Ole und sagt nach einer kurzen Pause:

"Ich kann keine Spur der Muster erkennen die einen Magus auszeichnen. Alles was ich erkenne ist etwas ganz schwaches, seltsames. Irgendwas mit Magie hat es wohl zu tun, doch sicher nicht mit der, die Magier verwenden."



Der Kapitän zieht grüblerisch die Augenbrauen zusammen. Was soll das nun wieder heißen? Jedenfalls war es weder ein einfaches 'Ja', noch ein schlichtes 'Nein'.

"Konkreter könnt Ihr das nicht sagen? Daß er nicht der Magierzunft angehört, das hätte man auch so vermuten können. Kann er nun Magie wirken - welcher Art auch immer - oder nicht?"



Es ist für Ole nun schon ein seltsames Gefühl, daß im Moment nicht mehr mit ihm, sondern nur noch über ihn diskutiert wird, dazu noch über eine Frage, deren Beantwortung dem alten Schiffszimmermann genauso unwichtig erscheint wie die Anzahl der Möwen an Backbord. Er kann einfach nicht verstehen, warum es wichtig sein sollte, ihm irgendwelche magischen Fähigkeiten nachzuweisen. Das er besondere Fähigkeiten hat, daß hat er ja bereits zugegeben, was also soll das noch ........

Ole erlebt es nicht als Befreiung oder Erleichterung, als der Magus die Hand von seiner Stirn nimmt um so mehr, als er in das Gesicht des Zauberers blickt und dort weder Erhellung, noch Befriedigung erkennen konnte. Es ist noch nicht vorbei, so wie Ole gehofft hatte, die Untersuchung wird bestimmt weiter gehen. Der Magier berichtet nichts anderes, als Ole schon vorher hätte erklären können, doch daß der Magier auf etwas seltsames und unbestimmbares gestoßen sein will, überrascht den alten Seemann dann doch. Es macht ihn sogar ein bißchen ratlos. Was könnte das sein, was der Zauberer bei seiner Untersuchung aufgedeckt hat? Doch nicht nur dem Schiffszimmermann, sondern auch dem Kapitän wären tiefer gehende Erläuterungen nicht unwillkommen; dem Kapitän nicht, weil er sich wahrscheinlich endlich einen umfassenderen Eindruck machen möchte und Ole nicht, da er, mit aufkeimenden, unterschwelligem Entsetzen, plötzlich die Angst verspürt, im Rahmen dieser Untersuchungen unvermittelt als "Schwarzmagier" dargestellt und angeklagt zu werden. Er hatte sich doch nur in Kontakt mit einem Wal begeben, da er mit Freude die gnädigen Offenbarungen der geheimen Wege durch Swafnir und Hesinde, begangen hat, um ein Wunder zu vollenden, daß die Götter zum freundlichen Geschenk bestimmt hatten. UND JETZT? Wenn er Pech hat, und das hat er in der letzten Zeit meistens gehabt, muß sich Ole etwas verbittert eingestehen, dann kann es bald um mehr gehen, als um nasse Füße nach einem Walsprung, dann geht es um seinen Hals ......



"Nein, ich kann nur sagen da ist etwas das ich nicht kenne. Daher kann ich nicht mit Sicherheit sagen ob er dies bewußt oder unbewußt anwenden kann."


"Ich kann nur sagen, das nach dem Aktivieren seiner Fähigkeit, ob nun bewußt oder unbewußt sei dahingestellt, daß er nicht abgebrochen hat, sonden den Wal anstachelte."



Ottams Erklärungen befriedigen den Kapitän nicht sonderlich, statt dessen werfen sie nur noch weitere Fragen auf.

"Anstachelte?" wiederholt Jergan. "Das ist in der Tat ein schwerer Vorwurf, den Ihr hier aussprecht. Wie wir gerade gehört haben, behauptet Ole, daß er das Tier zu keinerlei Handlungen bewegen kann, die dem Tier widerstreben. Seine Gabe, was immer das auch seien mag, diene lediglich der Kommunikation."

Ein weiteres Mal schwenkt der Blick Jergans zwischen Ole und Ottam hin und her.

"Wenn Ihr von 'Anstacheln' sprecht, so klingt das für mich allerdings so, als ob Ihr der Ansicht wärt, daß dem Wal ein fremder Wille aufgezwungen wurde. Wenn Ihr das damit meintet, dann hoffe ich sehr, daß Ihr Euch in diesem Fall nicht nur sicher seid, sondern auch Beweise dafür vorbringen könnt."



"Das doch ........ !!!!!"

Ole kann den derben Fluch, der sich schon auf seinen Lippen streitlustig formiert hatte gerade noch unterdrücken und wieder herunterschlucken. Nun ist die Katze also aus dem Sack, er soll den Wal 'angestachelt' haben und wenn nicht bewußt, dann eben unbewußt, wie man es dann auch nehme, er bliebe also immer schuldig, in jedem Fall! Ole spürt den Ärger in sich aufsteigen, zunächst als kleinen schwachen Mißmut, der sich durch ein flaues Gefühl in der Magengegend erkennbar macht. Doch dann steigt im das Blut zu Kopf und in seinen Ohren dröhnt es, als befände er sich in der Mitte einer Horde Moha-Trommlern. Und die ehemals kleine Verstimmung weitet sich aus zum Zorn und steht bereits an der Schwelle zur blanken Wut.

Ole muß sich abreagieren. Er tastet nach seiner Pfeife. Er findet sie, fast noch tropfnaß in einer Tasche seines Gewandes. Auch der Tabak selbst war noch etwas feucht, doch dies kümmert ihn nicht weiter. Aufgeregt und zerfahren stopft er das Pfeifenkraut in den Kopf der Pfeife. Daß er dabei die Hälfte des Krautes auf die Schiffsplanken bröselt, nimmt er gar nicht wahr.

"Ich soll also den Wal angestachelt haben? Ich ...... den Wal ........ angestachelt??"

Ole wiederholt diesen Satz ein paarmal. Wobei er die Worte mit jedem Mal mehr lauter spricht und sehr lange dehnt. Er kann nur noch mühsam, und nicht immer mit Erfolg, seine Stimme von der unterdrückten Wut freihalten. Seine Hände zittern und er verschüttet immer mehr Pfeifenkraut.

"Ist euch schon einmal der Gedanke gekommen, daß ich das Schiff gerettet haben könnte? Ich will ja gar nicht behaupten, daß es wirklich so gewesen ist, aber ist euch wenigstens der Gedanke schon einmal nahe gewesen. Es wäre eine Behauptung gewesen, so unhaltbar und unbeweisbar wie die euere! Aber könnt ihr euch vorstellen, was ein so großer und mächtiger Wal, der noch nie ein Schiff oder gar Menschen gesehen und erlebt hat, wenn er denn seiner Neugier und seinem Spieltrieb gleichzeitig nachgegeben hätte, mit diesem Schiff alles hätte anfangen können?"

Ole will den Satz zwar fortführen, doch dann winkt er ab und konzentriert sich darauf wieder die Kontrolle über seine Hände zurückzugewinnen ..........



Ottam nimmt Oles Reaktion recht gelassen, er reagiert kaum. Soll der Kapitän endlich etwas sagen, wie oft soll er sich denn noch wiederholen grummelt er innerlich vor sich hin.



Der Magus scheint sich nun in trotziges Schweigen zu hüllen, er will offensichtlich nichts mehr zu der ganzen Angelegenheit beifügen, abändern oder aussagen. Ein zorniges Unbehagen krallt sich regelrecht in Ole's Gedärm hinein und verursacht einen dumpfen Schmerz, so wie man ihn auch fühlen kann, kurz nachdem man verdorbenen Fisch zu sich genommen hat. Viele häßliche Gedanken schießen dem alten Zimmermann raumgreifend durch den Kopf und legen sich frivol auffordernd auf seine Zunge. Doch eine tiefe, durch harte Übung einstudierte Vernunft behält die Herrschaft über ihn. Ein guter Geist erlangt die Oberhand gegen seine aufbrausende Natur und hält sie im Zaum, im Moment noch. Und hat er Augenblicke zuvor die Zurückhaltung des Magus noch als einen versteckten Angriff verstanden, so neigt er nun mehr dazu dem Zauberer, wenn auch nur widerwillig, beizupflichten. Es ist wohl alles gesagt worden, was nötig ist ein Urteil zu fällen.

Mit nunmehr ruhigerer Hand stopft er seine Pfeife weiter und es gelingt ihm sogar das komplizierte Fingerspiel, um den Glimmspan zu entzünden. Gleich darauf steigen wieder blaue Rauchwolken auf. Ole entspannt sich zusehends, er will diese Pfeife genießen, er weiß ja schließlich nicht, ob er den Rest der Reise nicht in Ketten verbringt und dies wäre sehr hinderlich für das Rauchen!





Völkerverständigung im Laderaum


'Arme Menschen...'

Mit gleichem Ernst und Ehrlichkeit erwidert er auf Nirka's Frage:

"Wie gesagt, warum ihr Menschen euch gegenseitig angreift, das werde ich wohl nie verstehen. Es spielt wahrscheinlich auch keine Rolle, ob ICH das verstehe. Jedenfalls finde ich es schon traurig, daß man vom eigenen Volk immer Angst haben muß, angegriffen zu werden..."

Seine Miene hellt sich jetzt wieder auf und er lächelt als er dann sagt:

"Aber im Moment sehe hier für keinen von uns eine Gefahr!"

Er schwingt nun seinen unbespannten Bogen mit einer Hand auf den Rücken. Mit der anderen Hand fingert er auch hinter seinem Rücken (anscheinend an einem Gürtel oder ähnlichem) herum. Er zieht, rüttelt, drückt und macht und tut bis er den Bogen losläßt und dieser irgendwie festgemacht ist.

Während dessen hat er keinen Augenblick aufgehört Nirka und Sigrun anzulächeln...



"Na dann..."

Nirka ist vielleicht etwas erleichtert, aber die Anspannung ist keinesfalls von ihr gewichen.

'Wie mache ich ihm nur klar, daß er nichts über das sagen darf, was Sigrun und ich hier taten?'

Bei der Erinnerung läuft ein angenehmer Schauer über ihren Rücken, und sie lächelt Sigrun kurz zu.

Dann sagt sie in Richtung des Elfen:

"Du weißt um den Ernst deiner Lage hier an Bord?"



Die beiden Frauen scheinen sich jetzt doch etwas zu beruhigen - das freut Sylvhar. Die Menschen denken zwar anders, sie handeln ziemlich badoc, aber wenn man sich etwas Zeit nimmt, kann man mit vielen eigentlich ganz gut zu recht kommen. Nirka denkt aber hoffentlich über etwas nach, daß ihr nicht unbedingt Freude bereitet. Dann stellt sie ihm eine Frage, die ihn stutzen läßt:

"Du weißt um den Ernst deiner Lage hier an Bord?"


'Lage an Bord? ernst? was?'

Sylvhar kann sich nicht ganz vorstellen, was Nirka damit meint. Deswegen sagt er ihr:

"Meine ernste Lage hier an Bord?"

Aus seinem Gesicht spricht ehrliches Unverständnis.



"Sicher. Was denn sonst? Hast du es schon vergessen?"

Nirka holt noch einmal tief Luft, atmet hörbar aus, um die nötige Ruhe zu finden, dem Elfen alles noch einmal mit einfachen Worten in Erinnerung zu rufen.

"Du bist hier auf einem Schiff, das Schiff ist mitten auf dem Meer. Du hast dich heimlich an Bord geschlichen, ohne dich ordnungsgemäß anzumelden. Außerdem hast du nicht mit diesen runden, flachen Scheiben, also, mit Geld, dafür bezahlt. Du dürftest eigentlich gar nicht hier sein, aber das ist jetzt wohl kaum noch zu ändern."

"Aber nun komm endlich hinter den Pelzballen hervor, dort hast du ja wohl nichts weiter verloren, oder?"



Sylvhar steht ganz still da und lauscht neugierig und aufmerksam Nirka's Worten. Aha, also über das, was sie vorhin geredet haben, das ist demnach der Ernst seiner Lage. Obwohl so ganz versteht er den Zusammenhang zwischen dem was er angeblich verbrochen haben soll, und den Reaktionen der beiden Frauen darauf noch nicht. Aber zunächst reagiert er auf die letzten Worte - oder sozusagen den Befehl - den Nirka an ihn richtete. Er schaut sich um und tastet dabei seinen Körper ab.

"Du hast recht, ich habe wirklich sonst nichts verloren."

Mit diesen Worten macht er sich daran, dem Pelzgewühl zu entkommen - das Ganze ruhig und gelassen.

"Hm, was war eigentlich vorhin los? Warum hat es uns so durchgeschüttelt?"

Dann macht er ein nachdenkliches Gesicht, und spricht dann Nirka wieder an:

"Ja richtig, ich bin auf diesem Schiff, ohne etwas von dem getan zu haben, was du erwähntest."

Mittlerweile hat er sich von den Fellen befreit und bleibt vor Nirka stehen. Er denkt noch mal kurz nach und fügt dann hinzu:

"Ist das schlimm?"



"Selbstverständlich," erwidert Nirka, wobei der Tonfall etwas barscher ausfällt als beabsichtigt.

Einerseits ist es der Ruck, der durch das Schiff gegangen ist, und seine möglichen Folgen, der Nirka beunruhigt. Zum anderen läßt es sich wirklich nicht länger aufschieben, endlich beim Kapitän vorstellig zu werden. Mit einem Seitenblick auf Sigrun entgegnet Nirka:

"Wir sollten jetzt wirklich nach oben gehen."


"Der Kapitän wird entscheiden, was wir in deinem Fall machen. daß du dich so heimlich versteckt hast, verschlimmert natürlich deine Lage. Es ist ganz und gar nicht gut, daß du dich nicht sofort zu erkennen gegeben hast, als wir hier ... ähm ... die Laderäume kontrolliert haben," redet Nirka belehrend auf den Elfen ein.

"Aber vielleicht können wir uns ja gemeinsam etwas überlegen, damit wir den Kapitän wohlwollend stimmen, was deinen Fall betrifft."



Sigrun hat eine lange Zeit über mit immer größer werdendem Staunen das Gespräch zwischen Nirka und dem Elfen verfolgt. Sie ist schon wesentlich früher zu dem Schluß gekommen, daß dies wohl ein Problem ist, das nur der Kapitän lösen kann. Nirka hat wirklich all ihre Geduld aufgebracht, aber der Elf versteht offensichtlich noch immer nicht so richtig, in welcher Lage er sich befindet. Auf keinen Fall hätte Sigrun Nirka unterbrochen, zum Einen ist die Bootsfrau verantwortlich und nicht eine einfache Matrosin, zum Anderen würde sie die neu gewonnene Nähe zu der anderen Frau nicht aufs Spiel setzen, indem sie deren Entscheidungen anzweifelt. Dennoch ist sie erleichtert, daß jetzt auch Nirka beschließt, daß es Zeit wird, den Kapitän aufzusuchen. Wenn der Elf etwas ausplaudern sollte über die Geschehnisse im Laderaum, nun, der Kapitän würde einschätzen können, welches das größere Problem ist: ein blinder Passagier oder zwei verliebte Mannschaftsmitglieder.

"Ja, du hast recht. Ich denke, der Kapitän weiß als einziger, was hier zu tun ist." Bei dieser Antwort wirft sie Nirka ein zugleich aufforderndes und erleichtertes Lächeln zu. Ein wenig Besorgnis schleicht sich in ihr Gesicht, als sie anfügt:

"Wir sollten auch herausfinden, was es mit dem plötzlichen Stoß eben auf sich hatte."

Zu dem Elfen gewandt, meint sie noch kurz:

"Wenn du etwas zur Seite gehen könntest, ich möchte noch kurz die Felle ordentlich schichten,´bevor wir gehen."

Sie wartet nicht, sondern fängt schon an, die völlig verstreuten Felle ordentlich übereinander zu legen und mit Hilfe der vor einer Ewigkeit geholten Seile zu befestigen.



Bei der barschen Antwort, schreckt Sylvhar ein klein wenig zurück. Wieso wird Nirka jetzt wieder feindseliger?? Und wieso ist das selbstverständlich?? Für ihn ist gar nichts verständlich, schon gar nicht selbstverständlich. Und auf seine Frage nach dem Ruck hat sie auch nicht geantwortet. Hm, vielleicht war das ja die Antwort auf diese Frage. Dann wüßte sie, warum daß Schiff so geschüttelt wurde! Aber ihm will sie das nicht sagen. Es wird immer konfuser. So langsam ist ihm nicht mehr so wohl bei der ganzen Sache. Aber wahrscheinlich meint sie eher seine letzte Frage. Nirka's weitere Worte geben ihm zwar weitere Anhaltspunkte, aber so richtig Licht in die Sache bringen sie auch nicht. Weil er sich heimlich versteckt hatte, ist es selbstverständlich schlimm? Hä? Also er hat sowieso noch nie jemanden nicht-heimlich versteckt gesehen. Und was ist da mit der Entscheidung über ihn? Leichte Falten bilden sich auf seiner Stirn, als er das Wort an Nirka richtet:

"Es ist also schlimm, weil ich mich versteckt habe? Aber eigentlich wollte ich ja gar nicht mit diesem Schiff mitfahren, ich habe mich aus Angst vor einigen von euch versteckt. Weil sie mir was antun wollten! Und woher soll ich wissen, daß ihr aus welchen Gründen auch immer nicht auch so reagiert hättet? Denn so ganz friedlich hast du wahrlich nicht reagiert.... und zudem wollte ich euch auch nicht stören."

Nun drängt sich Sigrun an ihm vorbei und macht sich daran, die Felle aufzuschichten.

"Äh, ja sicher.."

Er guckt ihr mit schief gelegtem Kopf nach.

"Was macht sie denn jetzt mit den Fellen? Wieso legt sie sie so präzise übereinander?'

Er schüttelt diese Gedanken wieder ab und blickt wieder Nirka an. Seine roten Augen verengen sich als er etwas besorgt sagt:

"Was ist der Kapitän? Und wieso müssen wir es wohlwollend stimmen?"


'Was ein Kapitän ist...? '

Nach Sylvhars letzter Äußerung muß Nirka erst einmal tief einatmen und dann wieder tief ausatmen, um etwas Zeit zu gewinnen, damit sie ihre Fassung wieder erlangt.

'Es ist unglaublich! Wie kann ein Mensch nur so hoffnungslos naiv und begriffsstutzig sein? Mensch? Elf?! Egal! Oder ist das Ganze eine trickreiche Masche, mit der dieser... diese Person...'

Vor wenigen Sekunden hatte Nirka noch den Anflug einer Idee, wie man es vielleicht umgehen könnte, daß das heimliche Treffen mit Sigrun beim Kapitän zur Sprache kommt. Doch die hat sie nach der Reaktion des Elfen blitzartig wieder verworfen.

Gerne würde sie Sigrun behilflich sein, doch erscheint es ihr vernünftiger, den Elfen nicht aus den Augen zu verlieren. So wartet sie so lange bis Sigrun fertig ist, ohne Sylvhars Frage zu beantworten.

"Wenn du soweit bist, dann laß uns gehen. Es gibt nichts, was ich verheimlichen müßte," verkündet Nirka entschlossen an Sigrun gerichtet.

Dann wendet sie sich wieder Sylvhar zu:

"Nun, du weißt nicht, was ein Kapitän ist? Dann wird es Zeit, daß du ihn kennenlernst. Das erspart mir viele weitere Worte der Erklärung."

Sie deutet zum Ausgang.

"Dort entlang. Gehen wir."



Es sind nur wenige Felle, die dort locker herumliegen und Sigrun braucht nicht lange, sie zu ordnen und nun endlich ordentlich zu befestigen.

'Jetzt haben wir wenigstens noch einen Teil unserer Arbeit erledigt, bevor wir zum Kapitän gehen,' denkt sie. Etwas unwohl fühlt sie sich bei dieser Aussicht schon. Dieser Elf weiß offensichtlich überhaupt nicht, was er redet, und da kann es leicht passieren, daß er etwas erzählt, das er besser für sich behalten würde ... Da hört sie Nirka stolz verkünden, sie habe nichts zu verheimlichen. Ein letzter Blick auf die Felle, dann richtet Sigrun sich auf und dreht sich erneut zu Nirka um. Ein Lächeln legt sich auf ihr Gesicht und sie strafft die Schultern. Wenn Nirka meint, daß sie nichts zu verheimlichen haben, dann ist das auch so!

"Ich bin soweit, geh ruhig voraus, ich werde unserem Gast folgen," meint sie.



Die beiden Frauen benehmen sich immer seltsamer. Die eine beschäftigt sich mit Fellen, und die andere will irgendwie gar nicht mehr mit ihm sprechen. Und was reden die denn immer von verheimlichen? Was vor wem?

Hm.. vielleicht hat sie recht, und er versteht etwas mehr, wenn man nicht nur darüber redet, sondern auch mal was sieht. Etwas neugierig, gespannt aber auch unsicher und ängstlich - so fühlt er sich beim Gedanken daran, 'Den Kapitän' kennenzulernen. Wer weiß, was ihm da wieder blühen wird. Nirka nimmt ihm jedoch die Last der Gedanken ab, indem sie sagt:

"Dort entlang. Gehen wir."

Nun, gut, wieso noch lange herum studieren. Vielleicht bringt das ja wirklich mehr. Langsam wird ihm auch bewußt, daß sie wahrscheinlich bis ganz nach oben auf das Schiff gehen werden - die beiden Frauen hatten solche Andeutungen gemacht. Der Gedanke diese düstere, einengende Kammer zu verlassen bereitet ihm regelrechte Freude. Wieder an die frische Luft. Sicherheitshalber fragt noch nach:

"Wir gehen jetzt nach oben? Also ganz ins Freie, ja?"

Man sieht es ihm an, daß er wirklich gerne raufgehen will.



"Ist gut." Nirka erwidert Sigruns Lächeln. "Und gib gut auf ihn acht, damit er den Weg nach draußen auch findet," fügt sie halb scherzend, aber trotzdem durchaus ernst gemeint hinzu.

An Sylvhar gerichtet meint sie nur knapp:

"Richtig. Ganz nach oben und ganz ins Freie. Kein Grund ungeduldig zu werden, bleib' schön bei uns, damit du dich nicht wieder verläufst."

Dann macht sie die ersten Schritte in Richtung des Laderaumausgangs.



Sigrun nimmt Nirkas Einverständnis und deren erste Schritte zur Kenntnis. Sie selber möchte, wie sie schon gesagt hat, lieber hinter dem Elfen gehen. Zwar kann dieser an Bord nicht weit kommen, aber es kann sicher nicht schaden, ihn genau im Blick zu haben. Also wartet sie ab, den Blick auf Sylvhar gerichtet, bis dieser losgeht.



Sylvhar blickt kurz noch zwischen den beiden Frauen hin und her. Was wird ihn wohl 'da oben', er blickt dabei auch kurz zur Decke, erwarten? Noch mehr Feindseligkeit, Wut? Aber vielleicht stellt er sich auch alles zu dunkel vor - vielleicht lassen diese Menschen, 'Wie viele mögen es wohl sein?', sehr gut mit sich reden und bringen auch Verständnis auf. Wer weiß?

Nirka hat unterdessen einige Schritte gemacht und ihm wird bewußt, daß Sigrun ihn auffordernd anschaut.

'Gut, finden wir es heraus'.

Wortlos folgt er Nirka aus diesem dunklen Raum.



Schweigend geht Nirka voraus. Nachdem sie den Aufstieg zum Unterdeck hinter sich gelassen hat, schaut sie sich beobachtend um und wartet so lange bis die anderen wieder zu ihr aufgeschlossen haben. Auf dem Unterdeck ist es ruhig, momentan hält sich hier kein weiterer Matrose auf. Von oben her klingen jedoch laute Geräusche herab. Viele Menschen scheinen sich dort aufzuhalten. Einzelne Sonnenstrahlen, die den Weg durch die Lukenöffnung nach unten gefunden haben, zeigen, daß

der Weg ins Freie nicht mehr weit ist.


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Alrik auf Abwegen


Alrik wirft einen letzten Blick über die Schulter gen Brückendeck. Was auch immer dort vor sich geht, seine Person ist jedenfalls nicht mehr gefragt. Um so besser!
Das Geheimnis der rätselhaften Walbeschwörung nagt zwar immer noch an Alrik, doch für den Moment erscheint ihm der taktisch kluge Rückzug vom Schauplatz des Geschehens mehr als ratsam. Unter der Obhut des Kapitäns nimmt die Klärung der Angelegenheit hoffentlich seinen Lauf und er, der kleine Schiffsjunge, wird schon früh genug erfahren, wie sie ausgeht.

Während er diesen Gedanken nachhängt, steigt er langsam, Stufe für Stufe, zum Unterdeck herunter. Unbewußt lenkt er seine Schritte in eine ganz bestimmte Richtung. So ein kleiner Happen für zwischendurch, das wäre jetzt was...


Hirkan


Hirkan hat die Ereignisse mit staunenden Augen und Ohren verfolgt. Nicht so ganz hat er dort auf der Brücke mitbekommen, was dieser große Matrose veranstaltet hat, es klang als hätte er gesungen, und dann war der Wal plötzlich weg. In den nächsten Minuten allerdings hatte Hirkan nur ein Problem, nämlich sein Leben zu retten. Gerade noch konnte er im Fallen eine Planke greifen und an dieser hat er sich mit der Kraft der Verzweiflung festgekrallt, während das Schiff durch den Sprung des Wals furchtbar schaukelte. Noch eine Weile nachdem sich das Wasser wieder beruhigt hatte, blieb Hirkan dicht an diese Planke gelehnt sitzen, offensichtlich schockiert, bis er seine Gedanken so weit gesammelt hatte, daß ihm sein unrühmliches Verhalten bewußt wurde. Die Reste von Kraft und Mut zusammennehmend, die ihm verblieben sind, kommt er zitternd wieder auf die Beine, um sich möglichst unauffällig an der Ansammlung rund um den Kapitän herum vorbei zu schieben.



Hirkan schwankt noch immer ein wenig. Er hat eindeutig genug Seeabenteuer erlebt für seinen ersten Tag an Bord eines Schiffes. Jetzt wird es erstmal Zeit, sich zurückzuziehen und die Eindrücke zu verarbeiten, was in seinem Fall bedeutet, sie niederzuschreiben. Sich immer nahe an irgendwelchen Planken haltend, bewegt er sich über das Oberdeck, um schließlich die Treppe nach unten zu nehmen. Aus dem Augenwinkel sieht er Alrik dort auf dem Unterdeck herumlaufen, doch das interessiert ihn momentan nicht. Er möchte nur noch seine Ruhe und geht, seit er unter Deck ist wieder etwas sicherer, auf den Gemeinschaftsraum zu.



'Na, mal sehen, was die Küche noch so hergibt. Der Smutje war ja noch oben, hab' ihn eben dort noch gesehen, glaub ich.'

Zielsicher stapft der Junge auf die Küchentür zu. Gerade rückt er näher heran, um an der Kombüsentür zu lauschen, als er Schritte hinter sich hört. Alrik fühlt sich etwas ertappt und weicht prompt zwei, drei Schritte zurück.

'Ach, nur ein Passagier, der Schreiberling.'

Kurz nachdem Hirkan an Alrik vorbei und hinter der nächsten Ecke verschwunden ist, lehnt sich der Schiffsjunge wieder an die Kombüsentür.

'Alles ruhig.... dann los.'

Sachte drückt er die Klinge herunter, öffnet die Tür ein wenig und

steckt den Kopf durch den Spalt.

'Huch, er ist ja doch da!'

Dermaßen überrascht bringt der Junge lediglich verdutztes "Oh!" und einen leicht dümmlichen Gesichtsausdruck zustande.



Hirkan ist inzwischen beim Gemeinschaftsraum angekommen, das etwas merkwürdige Verhalten Alriks völlig ignorierend. Er geht zu seiner Hängematte und nimmt den Koffer zur Hand, in dem sich seine Schreibutensilien befinden. Einen kurzen Moment überlegt er, ob er gleich eine Reinschrift anlegen soll, entscheidet sich dann aber kopfschüttelnd dagegen:

'Besser, wenn das gute Papier geschützt im Koffer bleibt. Wer weiß, was auf dieser Reise als nächstes passiert,' denkt er angesichts der bisher gesammelten Erfahrungen an Bord. Daher nimmt er ein paar Blätter etwas gröberen, dickeren Papiers, dessen Oberfläche nicht ganz weiß ist, heraus und sieht sich nach einem geeigneten Platz zum Schreiben um.

'Wirklich ärgerlich, daß die Doppelkabinen schon ausgebucht waren,' denkt er leicht mißmutig beim

Anblick des großen Gemeinschaftsraums, den er zwar zur Zeit alleine bewohnt, der sich aber eindeutig durch das Fehlen irgendwelchen Mobiliars, abgesehen von den Hängematten, auszeichnet. Von einem Tisch und einem Stuhl jedenfalls ist hier absolut nichts zu sehen. Hirkan seufzt. Vielleicht würde sich im weiteren Verlauf der Reise noch eine Möglichkeit ergeben, aber zunächst würde er wohl oder übel mit dem Vorlieb nehmen müßen, was er selbst mitgebracht hat. Er greift nach dem älteren Koffer und legt diesen neben der Bordwand auf den Boden. Vorsichtig setzt er sich auf den Koffer und lehnt den Rücken an die Bordwand.

'Ja, das funktioniert!,' stellt er fest, allerdings hält sich die Bequemlichkeit dieser Sitzgelegenheit in Grenzen und er nimmt sich vor, bei nächster Gelegenheit nach einer anderen Möglichkeit zu

forschen.

'Vielleicht kann man diese Offizierin, Fiana hieß sie, fragen,' überlegt er, 'aber nicht jetzt.'

Er taucht seine Feder in das Tintenfaß und beginnt: Seefahrt von Olport nach Thorwal, 1. Tag, ...



Sören bereit zu neuen Taten


Nachdem er die Hälfte des Zwiebackstückes verspeist hat, bemerkt Sören eine leichte Trockenheit im Hals.

'Ein Glas Milch wäre jetzt nicht schlecht.' denkt er mit vorfreudigem Lächeln, daß jedoch bald wieder verschwindet. Er zuckt die Schultern und fügt hinzu:

"Aber Wasser tut's auch..."

Er beginnt:

"Ich sollte..." und verstummt dann plötzlich wieder.

'Ich sollte mir die Selbstgespräche abgewöhnen, das wirkt... doch etwas kauzig, gerade in meinem Alter!' setzt er den Satz dann im Geiste fort, während er noch ein Stück Zwieback abbeißt und langsam auf eines der Wasserfässer in seiner Kombüse zu schlendert. Er läßt seinen Blick umherschweifen, bis er schließlich auf den großen hölzernen Schöpflöffel stößt, der an einem Lederband an einer Öse am Deckel des Faßes hängt. Einen weiteren Bissen Zwieback später hebt er mit der Linken den Deckel ab und entledigt sich dann mit einem letzten entschlossenen Biß des störenden Backwerks, um dann mit dem Löffel einen großen Schluck Wasser in den geöffneten Mund zu gießen, von dem natürlich einiges danebengeht und deutlich sichtbare Flecken auf seinem Hemd hinterläßt. Dann legt er den Deckel zurück, wischt sich das Wasser aus dem Gesicht und frohlockt:

"Was ist es doch schön, der Koch zu sein..."

Sodann schaut er sich nachdenklich um, auf der Suche nach Arbeit oder anderer passender Beschäftigung.



Als er den Überraschungslaut des Schiffsjungen vernimmt, wendet Sören sich zur Quelle desselben um und mustert Alrik, nachdem er ihn als Urheber der Störung identifiziert hat, mit gehobenen Augenbrauen und einem abwartenden Ich-sag-nichts-vielleicht-sagst-du-ja-was-Lächeln. Nebenher begibt er sich mit einem eleganten Seitenschritt neben den Zwiebackbeutel und angelt mit der rechten ein weiteres Stück Gebäck hervor, daß er jedoch vorläufig noch nicht in den Mund steckt, da er diesen ja vermutlich bald für andere Zwecke benötigt.



Alrik, der noch halb im Türrahmen steht, legt ein Ich-bin's-nur-Grinsen an den Tag, dann betritt er schließlich die Kombüse.

"Äh. Hallo." Kleine Pause, die dazu dient ein unverfängliches Gesprächsthema zu finden.

"Das hat ja ganz schön geschaukelt eben... hier ist hoffentlich nichts kaputt gegangen, oder?" Auch keine sehr geistreiche Bemerkung, wie Alrik noch im gleichen Moment befindet. Obendrein sollte man den Smutje nicht an zerbrochene oder heruntergefallene Gegenstände erinnern...



"Hallo."

Sören runzelt die Stirn und betrachtet Alrik weiter, mit leicht geöffnetem Mund.

'Der kommt hier runter, um mich zu fragen, ob etwas kaputtgegangen ist? Wieso? Und er macht nicht den Eindruck, als hätte er das schon gewußt, als er reinkam... Ach, was soll's, er wird schon kein Attentat planen.'

Die Miene des Schiffskoches hellt sich wieder auf, und mit einem schelmischen Grinsen antwortet er:

"Keine Sorge, die Vernichtung meiner Einrichtung bleibt dein Privileg."



Des Küchenmeisters Laune scheint gerade ungetrübt zu sein, eine günstige Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte...

"Au ja, danke. Fallen Speis' und Trank auch unter Einrichtung? Dann erkläre ich mich hiermit unverzüglich zu deren Vernichtung bereit."



Der Smutje zieht seine Augenbrauen zusammen und schenkt Alrik ein dünnes Lächeln.

"Sag mal, Junge, was hast du für diese Fahrt bezahlt?"


"So viel wie du," kontert Alrik. "Und bei dir war auch ein Zwieback im Preis enthalten, wie ich sehe."


'Lenk nicht ab, du Wurm, ich bau da was auf!' denkt der Smutje mißmutig und beantwortet seine Frage dann mehr oder minder selbst:

"Also gar nichts... Was bringt dich bloß auf die Idee, daß du hier irgendwie previlegiert wärst, hm?" fragt er dann mit einem gehässigen Grinsen.

'So geht's ja nun auch wieder nicht, wir sind doch hier nicht das Seelander...'


'So läuft der Hase also...'
"Priwiligiert? Was heißt das denn?" fragt Alrik ganz unschuldig.

Die Jagd auf den bröseligen, trockenen Zwieback rückt in den Hintergrund, denn es macht doch viel mehr Spaß, den launischen Smutje noch ein wenig zu necken.



'Verflixt, ich fürchte, das weiß ich selbst nicht so genau...'

Sören blickt einige Sekundenbruchteile ins Leere, gerade genug um einem aufmerksamen Beobachter seine Verlegenheit zu zeigen, bevor er mit recht überzeugend dargestellter Sicherheit erwidert:

"Das ist ziemlich kompliziert... Jedenfalls hast du keinen Anspruch auf zusätzliche Rationen, bloß, weil du mal einen Topf fallengelassen hast!"

'Hoffen wir, daß er darauf eingeht!'



Da hat der Smutje den Finger genau auf Alriks wunden Punkt gelegt. Das Eintopfmißgeschick.

"Aber du hast doch gesagt, du wärst mir nicht mehr böse," bringt Alrik die ganze Angelegenheit nochmals zur Sprache.

"Und ich muß doch noch viel essen, weil ich ja noch wachse."

Eine Argumentation, die Alrik letztlich irgendwo aufgeschnappt hat. Das kann man ja mal anbringen, denn die Situation paßt gerade so gut.



Sören runzelt die Stirn, zieht die Augenbrauen zusammen und lächelt nachsichtig.

"Weil du noch wächst, hm? Also, nach meinen Erfahrung wachsen die Leute, die viel essen, zwar wirklich, aber in die falsche Richtung!"

'Eigentlich könnte ich jetzt...'

Nach einen begehrlichen Seitenblick und kurzem Zögern führt Sören schnell das Stück Zwieback in seiner Hand zu Mund, beißt ab und beginnt zu kauen, etwas schneller als gewöhnlich - schließlich möchte er auf Alriks Kommentar antworten können - andererseits gibt ihm der Zwieback im Mund einen Vorwand, sich mit der Antwort etwas Zeit zu lassen.



Alrik überlegt kurz, während er leicht neidisch auf den Gebäck knabbernden Koch schaut.

"Aber doch nicht in meinem Alter," beharrt der Junge, "das mit den anderen Richtungen geht doch erst los, wenn man nicht mehr nach oben wächst. So.. 'in deinem Alter' ... in späteren Jahren."



'So geht's also nicht', überlegt der Smutje, 'Aber... Woll'n doch mal sehen, ob er seinen Hunger über sein Ehrgefühl stellt...'

Er entgegnet mit einem nachsichtigen Lächeln:

"Ja, richtig, du bist ja sozusagen noch ein Kind...", während er wieder in den Beutel greift und

ihm ein Stück Zwieback überreicht.



'Kommt auf die Umstände an, aber in diesem Fall...'

"Ja, genau, das bin ich," grinst Alrik und greift mit der Rechten zum dargebotenen Zwieback. Zufrieden über diesen Teilsieg, beißt er eine Ecke von dem trockenen Zwiebackstück ab. Langsam rieseln dabei die Krümel auf den Küchenboden.



'Da kann man ihn auch nicht packen... Gefährlich, der Kleine.'
"Schmeckt's?"


"Jooh," bestätigt Alrik nickend und schluckt dann den ersten Bissen herunter.

"Ein bißchen trocken vielleicht. Rübensirup oder Pflaumenmus hast du nicht zufällig gerade parat?" Und schon dreht sich Alrik suchend nach allen Seiten um. Man sollte sein Glück zwar nicht herausfordern, aber fragen kann man ja mal...



'Vielleicht kann ich ihn so...' denkt der Smutje und versucht es mal mit einem Trick, den sein halbelfischer Cousin Ethinael öfters bei ihm selbst angewandt hat - selten, aber immerhin gelegentlich erfolgreich.

"Sag mal, Junge, weißt du eigentlich, wie und woraus Zwieback hergestellt wird?" fragt er also beiläufig, als fiele es ihm nur eben ganz zufällig ein...



Immer noch läßt Alrik den Blick suchend über diverse Küchenutensilien schweifen.

"Mehl..." rätselt er leicht abwesend, "...und Wasser."

"Wieso?"


'Na, das rät er...'

Sören kann es sich nicht verkneifen ein wenig hoffnungsvoll zu lächeln, als er erwidert:

"Ja, natürlich, aber das ist nicht alles... Ich war mal in einer Bäckerei, und da habe ich gesehen, wie sie..."

Sören stockt. 'Ja, was denn eigentlich? Darüber hätte ich mir früher Gedanken machen sollen!'

"...wie sie... Weißt du, das Fleisch, daß wir essen, war ja auch mal an den Knochen von irgendwas dran. Und um diese Knochen wäre es ja schade, zumal man aus denen richtig knusprige Sachen backen kann..."

'Naja, Ethinael konnte das besser. Aber es war der erste Versucht, was soll's?'



Gerade hatte Alrik einen weiteren Bissen von dem Zwieback abgeknabbert, als Sören Erklärungen zur Backwarenherstellung von sich gibt. Eher zaghaft kaut Alrik weiter. War das Knischen des Zwiebacks schon immer so laut? Oder war das etwa ein Splitter? Ein Knochensplitter? Nein, das kann nicht sein? Oder doch? Der Bissen im Mund des Schiffsjungen scheint einen immer größeren Umfang anzunehmen.

"Waff? Ehrlich?" fragt Alrik zweifelnd, aber auch nicht vom Gegenteil überzeugt.


'He, er glaubt mir! Das ist doch schon mal was, vielleicht bin ich ja doch auch ein bißchen begabt...'

Ohne seine Zufriedenheit mit sich ganz verbergen zu können antwortet der Smutje, so ernst er eben kann:

"Natürlich! Vergleich das Zeug doch mal mit normalem Brot; aus Getreide KANN man sowas überhaupt nicht backen!"



Angeekelt blickt Alrik auf das Stück Zwieback in seiner Hand herab. Zwieback ist immer kross und knusprig, gleich schon nach der Herstellung, während Brot erst weich und luftig ist.

Sicher, Brot wird auch hart, wenn man es wochenlang lagert, aber dann schmeckt es natürlich auch nicht mehr. Sollte der Unterschied zum Zwieback wirklich an den Geschmacksverstärkern der besonderen Art liegen? Und was ist mit diesen breiige Zwiebackbrocken, der inzwischen wie ein Fremdkörper auf Alriks Zunge liegt? Herunterschlucken? Unmöglich! Kann man dem Schiffskoch Glauben schenken? Immerhin kaut er höchstpersönlich auch an einem Zwiebackstück herum. Forschend blickt der Schiffsjunge in das Gesicht des Kochs...



Sören beobachtet begeistert das Verhalten des Schiffsjungen. 'Klasse, er hat's gekauft, er hat's gekauft!'

Dabei versucht er seine Belustigung zu verbergen, so gut es eben geht. Tatsächlich kann er das starke Bedürfnis breit zu grinsen niederkämpfen, und nur ein sehr aufmerksamer Menschenkenner könnte aus dem Leuchten seiner Augen die Wahrheit lesen.

'Was macht er jetzt? Er hat ja noch was im Mund, das wird er jawohl nicht einfach auf den Kombüsenboden spucken...'



Aufsteigende Ekelgefühle steigern nicht gerade das Urteilsvermögen. Alriks Gedanken kreisen momentan nur um eine Sache:

Weg mit dem Zeugs!

"Ich... muff noch waff erledigen," nuschelt der Junge, während er zum Kombüsenausgang eilt.



"Jaja, viel Erfolg!" ruft Sören ihm nach. Er wartet, bis der Junge außer Sicht ist, reißt dann die Arme hoch und wirft Küsse in die imaginäre jubelnde Menge. Dann führt er einen lautlosen kleinen Freudentanz auf, um sich anschließend wieder wichtigeren Dingen zu widmen: Ein Stück Zwieback muß es noch sein, dann reicht's erst mal wieder...



Hurtig, und immer zwei Stufen auf einmal nehmend, spurtet Alrik nach oben. Jetzt nur nicht aufhalten lassen! Im Laufschritt nähert er sich der Reling. Den Schwung aus dem Anlauf ausnutzend, spuckt er den Ekel-Brocken weit über Bord.

"Bäh!!"



Auf dem Weg zum Kapitän


Sylvhar folgt Nirka weiterhin die Treppe hinauf. Auf dieser Ebene des Schiffes ist es deutlich heller als im Laderaum vorhin. Die einzelnen Sonnenstrahlen schneiden sich wie Klingen durch die verwinkelten Räume. Sylvhar hat das Gefühl, als würden ein paar davon direkt in ihn hinein scheinen und einen Weg in sein Herz finden. Seine Laune heitert sich bei diesem Gefühl außerordentlich auf. Ein Lächeln umspielt seine dünnen, fein gezeichneten Lippen. 'Dieser Kapitän wird schon kein Monster sein' - seine Gedanken füllen sich mit Zuversicht.

Als er so zusehends heiterer daher spaziert, fällt ihm auf, daß sie nicht alleine sind. Aus einem Raum ganz in der Nähe dringen Stimmen an seine Ohren. Zwei Stimmen. Eine männlich menschliche, und eine hellere, jüngere menschliche. 'Ah' , unbewußt zieht Sylvhar eine Braune hoch 'es ist also auch Junge auf dem Schiff'. Die ganze Angelegenheit wird doch langsam interessanter, als sie im Hafen von Olport noch ausgesehen hatte.



Sigrun folgt Nirka und dem Elfen schweigend. Ein wenig irritiert ist sie, als sich die Miene Sylvhars zusehends zu entspannen scheint, ja, er bekommt richtig gute Laune. Sigrun kann sich nicht erklären, was ihn so erfreut, aber vielleicht ist es auch nur ein Gedanke an andere Dinge. Sie zuckt leicht mit den Schultern. Elfen sind ihr ein Rätsel und dieser hier ist ein ganz besonders rätselhaftes Exemplar. Von Sigrun selbst kann man nicht gerade behaupten, daß der Aufstieg in die weiter oben gelegenen Schiffsebenen eine Erleichterung für sie bedeuten würde. Je weiter sie nach oben kommen, desto mehr macht sich das ungute Gefühl in ihrem Magen bemerkbar.

'Hoffentlich kommt er nicht auf den Gedanken, dem Kapitän von uns zu erzählen ...,' denkt sie immer wieder. Trotzdem weiß sie genau, daß es die richtige Entscheidung war, den Elfen jetzt zum Kapitän zu bringen. Schließlich will sie sich wenigstens nicht vorwerfen müssen, Jergan über wichtige Vorkommnisse an Bord zu spät informiert zu haben.

Die kleine Gruppe nähert sich dem Aufgang zum Oberdeck und Sigrun schließt näher zu dem Elfen auf. Sie hält ihn nicht fest, es ist aber leicht an ihrer Haltung zu erkennen, daß sie ihn bei einer unvorhergesehenen Bewegung sofort stoppen würde.



Nirka geht entschlossenen Schrittes weiter nach oben - die Treppe zum Oberdeck empor.

"Jetzt hier hinauf!"

Sie kneift die Augen etwas zusammen, denn draußen ist es doch um einiges heller als unten in den Laderäumen. Oben angekommen, bleibt sie erst einmal stehen, und sieht kurz, ob der Elf Probleme macht, dann erfaßt sie mit einem raschen Blick die Lage auf dem Deck, und weiß nun auch, wo sich der Kapitän aufhält: Mit anderen zusammen auf dem Brückendeck.



Nirka geht entschlossen weiter voran und Sylvhar folgt ihr gemäß ihren Worten den Aufstieg hinauf. Schon auf der Treppe dringt frische, salzige Seeluft in seine Nase.

Also er den Aufgang hinter sich gelassen hat, ist dieser salzige Geruch der See um einiges stärker. Sylvhar bleibt stehen, schließt seine Augen und atmet diese Luft, die ihn an so vieles von "zu Hause" erinnert, tief ein. Langsam öffnet er die Augen wieder und ein wehmütiger, einsamer Blick gleitet über die Unendlichkeit des Ozeans. Das Wasser ist in allen Richtungen unbegrenzt - so weit war er noch nie auf offener See. Und auch noch nie in so warmen Gewässer. Aber dies ist ein Abenteuer. Er sieht etwas mehr von der Welt, in die er und sein Volk von den Träumen hinein erwacht sind. Es fallen ihm Lieder und Erzählungen ein, die über Reisen auf dem riesigen Ozean weit entfernt im Süden berichten - nun kann er es selbst erleben. Und seine wird daran Teil haben können, wenn er wieder zurückkehrt... wenn...

Bei diesem letzten Gedanken kehrt er wieder in die Wirklichkeit zurück. Seine Sinne hatten ihm dies schon längst mitgeteilt, aber er nimmt erst jetzt richtig wahr, was sich alles auch noch auf diesem Schiff befindet. Immer mehr Details nehmen klarere Formen an. Die riesigen Segel, die hohen Masten, die vielen Taue und Schnüre, das Brückendeck, die Menschen... die Menschen... es sind sehr viele Menschen auf dem Schiff. Jetzt wird ihm auch wieder bewußt, daß ein jeder dieser Menschen ihm nicht wohlwollend gesinnt sein könnte. Der Gedanke daran läßt ihn leicht erschaudern. Auf diesem Schiff mitten im Ozean ist er diesen Menschen hilflos ausgeliefert. Aber sie scheinen seine Anwesenheit noch gar nicht richtig mitgekriegt zu haben. Rasch und schon fast unbewußt greifen seine Hände zur Kapuze seines Pelzmantels.

'Es ist vielleicht doch besser, wenn mich nicht gleich jeder als das erkennt, was ich bin.'

Während diesem Gedanken bedeckt die Kapuze auch schon seinen Kopf und verdeckt sein Gesicht und vor Allem die spitzen Ohren.



Sigrun folgt dem Elfen auf dem Fuße, die Augen konzentriert auf ihn gerichtet. Zunächst scheint er das Oberdeck völlig ruhig zu betreten und Sigrun will sich schon entspannen, da fängt er an, schnelle Bewegungen auszuführen. Schon greift sie nach seinen Armen, als ihr klar wird, daß er sich nur die Kapuze über den Kopf zieht. Nicht ganz schnell genug kann sie ihre eigene Reaktion bremsen und berührt Sylvhar kurz an beiden Oberarmen, bevor sie ihre Hände zurückziehen kann.

"Bitte geh einfach nur hinter Nirka her," brummt sie etwas gereizt, um weitere Irritationen zu verhindern, insbesondere weil sie wegen der Kapuze jetzt schlechter sehen kann. Nur sehr kurz ist der Blick, den sie um sich wirft, um das Oberdeck zu überblicken, denn sie wendet ihre Augen sofort wieder dem Elfen zu. So bemerkt sie nur, daß Jergan, Ottam und Ole auf der Brücke stehen und sich insgesamt ungewöhnlich viele Menschen auf dem Oberdeck befinden.



Nirka weist nur grob in die Richtung des Brückendecks und meint lapidar:

"Dort entlang."

Sie geht ruhig voraus, genau wissend, daß sie sich auf Sigrun verlassen kann.



Sylvhar zuckt unwillkürlich leicht zusammen, als er Sigruns Berührung spürt. Verängstigt dreht er sich zu Sigrun um. Diese sagt ihm, er solle Nirka einfach folgen und sonst nichts tun, oder so ähnlich. Verwirrung macht sich wieder in ihm breit. Jetzt hatte er doch gedacht, daß er wenigstens diesen beiden einigermaßen nähergekommen ist, und sie ihn nicht gleich verurteilen und richten. Anscheinend nicht. Wie badoc müssen doch einige Menschen sein, daß sich die anderen so vor allem Möglichem ängstigen?

Er richtet seinen Blick wieder auf Nirka, und folgt ihr. Er zieht seine Kapuze enger um das Gesicht und konzentriert sich darauf, ja keinen zu provozieren. Er schaut kurz zu dem Ort, den Nirka ansteuert. Auf einer Erhöhung stehen einige Menschen zusammen. Sie scheinen in eine tiefe Diskussion vertieft zu sein, und keiner scheint sehr glücklich darüber zu sein. Hoffentlich wird keiner seinen Mißmut an ihm auslassen wollen, besonders nicht dieser Kapitän, der einer dieser Personen dort oben sein muß. Sylvhar schluckt leer, als er schweigend weitergeht.


Als Sigrun den erschrockenen Blick Sylvhars bemerkt, hat sie fast ein wenig Mitleid mit ihm. 'Wahrscheinlich ist er völlig harmlos und unsere Vorsicht übertrieben,' denkt sie, 'aber man kann es schließlich nicht wissen.' Deshalb behält sie den kaum vorhandenen Abstand bei und folgt den beiden Anderen, als sich die Dreiergruppe jetzt langsam der Brücke nähert.



Jergan, Kaptitän und Richter


Jergan ist sich völlig unsicher, was er tun will. Die Behauptungen des Magiers sind so weit daher geholt, daß sie einfach nicht stimmen können! Und außerdem ist nichts schlimmes passiert - wenn das in der Absicht Ole's gestanden hätte, dann hätte er wohl kaum etwas erzählt. Vielleicht stimmte sogar das Gegenteil...

Er ist fast dankbar, als er im Augenwinkel sieht, daß eine Gruppe von DREI Leuten in Richtung des Brückendeckes kommt... eine davon ist ihm völlig unbekannt. Etwas schärfer, als er es eigentlich wollte, sagt er:

"Das sind unhaltbare Behauptungen, werter Schiffsmagus. Wenn Ihr sie belegen könnt, dann tut das, wenn nicht, dann verschwendet nicht unsere Zeit. Ich denke schon, daß Ole dem Wal nicht etwas so widersinniges sagen würde! Er war ja selbst an Bord, und sieht für mich nicht wie ein Selbstmörder aus. Wie wäre es denn, Ottam, wenn Ole Schlimmeres verhindert hat?"

Das sollte dem Magus erst einmal zu denken geben, hofft Jergan. Er wendet sich fast ab, und sieht in Richtung der Ankömmlinge. Hat Nirka da tatsächlich einen blinden Passagier gestellt? Das würde allerdings erklären, warum sie so lange gebraucht hat.



Ole war gar nicht aufgefallen, daß er den Atem angehalten hatte, so sehr war er im Würgegriff innerer Anspannung gewesen. Doch jetzt, da der Schiedsspruch des Kapitäns gefallen war, fühlt er sich von einer ungeheuren Last befreit. Erleichtert bläst er die angestaute Atemluft wieder aus. Da er vorhin aber noch deftig an seiner Pfeife gezogen hatte, entweicht seinen Lungen eine mittelgroße Qualmwolke, die nun, wie ein aufziehendes Gewitter ausgerechnet auf den Magus zufliegt. 'Verflixt noch einmal!' Das hat er nicht gewollt. Das sieht ja schon fast wie eine Provokation aus. Was heißt hier fast! Bei seinem momentanen Unglück, so fürchtet Ole, wird der Magus dies eben als solche auffassen, hat er doch bisher alles, was Ole betraf, zu Ungunsten des Schiffszimmermanns ausgelegt.

Ole hat nun das dringende Bedürfnis sich aus dem Staub zu machen, möchte aber nicht ohne Abmeldung gehen. Die Aufmerksamkeit des Kapitäns ist momentan allerdings gebunden. Ole erkennt, daß Jergan eine nahende Gruppe dreier Leute beobachtet, die über das Oberdeck auf die Brücke zu gehen, die Bootsfrau, Sigrun und noch irgend jemand, den offensichtlich auch der Kapitän nicht zu kennen scheint. Doch wen kümmerts, Ole will jetzt nur noch in den Mannschaftsraum und sich in die Hängematte werfen. Daher wendet sich Ole an den Schiffsmagus:

"Kann ich jetzt gehen?"

Der Schiffszimmermann lächelt unsicher und hofft inniglich, daß die Tabakwolke, die er vorhin ausgestoßen hatte, am Zauberer vorbeiziehen möge .....



Jergan nickt auf die Frage des Schiffszimmermanns lediglich, auch wenn die Frage anscheinend eher dem Magus galt. Dann wendet er sich der ankommenden Nirka zu.

"Wen bringst du denn da?"
Sein Tonfall klingt locker, aber man kann ihm den Ernst ansehen.


Nirka geht auf den Tonfall des Kapitäns ein und erwiderte:

"Den da fanden wir im Laderaum. Er benimmt sich ein wenig merkwürdig - aber das liegt wohl an seinen spitzen Ohren."

Jergan richtet daraufhin den Blick ein wenig neugierig auf den blinden Passagier, während Nirka zur Seite tritt, und - unbewußt oder absichtlich? - neben Sigrun stehen bleibt.



"Was soll das den heißen" Antwortet Ottam empört und entrüstet zugleich

"Ich sagte bereits das ich diese Art von Magie nicht kenne und nicht mit Sicherheit sagen kann was es war. Demzufolge kann ich natürlich keinerlei 100% sichere Aussagen treffen. Dennoch habt ihr es verlangt. Also habe ich gesagt was ich denke und dazu stehe ich immer noch. Und was das Retten betrifft, so glaube ich, daß wir uns langsam auf sehr dünnem Eis bewegen Herr Kapitän! Dieser Wal war nicht der erste den ich in meinem Leben gesehen habe und keiner von denen hat bisher ein Schiff angegriffen wenn nicht irgend ein Trottel auf die Idee gekommen ist auf ihn zu schiessen."



Ein wenig verärgert dreht Jergan sich noch einmal in Richtung des Magiers um.

"Na und? Wenn der Wal etwas dichter bei uns aufgetaucht wäre, wäre das noch immer kein Angriff, auch wenn die Folgen für uns die gleichen wie bei einem Angriff wären. Wenn Ole, wie Ihr es sagtet, den Wal angestachelt hat, dann unterstellt das eine böse Absicht, und das hätte das Schiff versenkt. Wenn ich Ole richtig verstanden habe, dann war der Wal nur neugierig, und dieser Kontakt hat dann bestimmt dazu beigetragen, daß nichts passiert ist. Stimmt das, Ole?"

Jergans Blick streift den Zimmermann, und man sieht ihm deutlich an, daß er sich nichts mehr wünscht, als daß dieses unselige Thema bald vorbei ist. Zumal da ja noch der blinde Passagier wartet...



Sie ist gespannt, was der Kapitän unternehmen wird, aber auch die Diskussion zwischen Jergan, Ottam und Ole, die sie durch ihr Erscheinen unterbrochen haben, scheint problematisch gewesen zu sein. Jedenfalls sehen sowohl Ole als auch Ottam nicht gerade glücklich aus und, ...

'was erzählt Ottam denn da von Magie? Und ein Wal? Das Schiff versenkt?' Sigruns Gesicht verwandelt sich in ein einziges Fragezeichen. 'Diese starken Schwankungen vorhin, kann das ein Wal gewesen sein? Oder Magie? Oder beides?' Sigrun fährt noch nicht lange zur See, einem Wal ist sie dabei noch nicht begegnet. Nur die Erzählungen anderer Matrosen von riesigen wunderbaren Tieren drängen sich in ihre Gedanken. Aber was hat ein Wal mit Magie zu tun und wieso soll Ole ihn angestachelt haben? Derart rat- und verständnislos bleibt Sigrun hinter Sylvhar stehen und sieht von einem Teilnehmer der Diskussion zum anderen.



"Tut was ihr nicht lassen könnt" Ist der lapidare Kommentar Ottams zu den neuerlichen Äußerungen des Kapitäns. Daraufhin wendet er sich ab und geht stolzen Hauptes mit einem reinrassigen "Ich weiß sowieso alles Besser"-Blick in Richtung des Abganges um seine Kabine anzusteuern.



Ole sieht dem davon eilenden Magus mit gemischten Gefühlen hinterher. Er hat in diesem Mann nicht unbedingt einen Freund gefunden und er wird in naher Zukunft, wahrscheinlich darüber hinaus, sehr vorsichtig mit dem Zauberer umgehen müssen, er wird ihm, ab jetzt, wohl weniger gewogen sein. Dem Kapitän nickt er zu und erklärt noch einmal kurz:

"Das wohl, Kapitän! Es war noch ein junges Tier. Es mag ja sein, daß der Herr Magister schon öfter Wale gesehen hat, doch dieses Tier hatte auf jeden Fall noch niemals ein Schiff gesehen. Ich denke, der Wal wird in Zukunft Schiffe als Wohnstatt der Menschen respektieren!"

Mehr wollt Ole dazu nicht mehr sagen, auch ihm war daran gelegen die Sache nun endlich beizulegen, um so mehr, als es eigentlich unerwartet gut für ihn ausgegangen war. Er hatte mit sehr viel mehr Schwierigkeiten gerechnet. So verbeugt er sich noch einmal vor dem Kapitän und geht dabei Schritt für Schritt zurück. Er wäre dabei fast mit der kleinen Gruppe rund um diesen Mann zusammengestoßen.

Nirka und Sigrun haben den Mann ganz schön zwingend in die Mitte genommen. Es wird tatsächlich ein blinder Passagier sein, wenn man ihm auf diese Art so viel Aufmerksamkeit widmet. Spitze Ohren soll er haben? Das ist interessant. Ole kann die Ohren des Fremden nicht sehen, sie sind zu gut verdeckt unter der Kapuze.

'Es wird ein Elf sein', denkt sich Ole ' die spitzen Ohren, diese feinen Gesichtszüge, diese schwingende, fast sichernde Körperhaltung!'

Nun, das ist wohl nicht mehr 'sein Bier' und Ole wendet sich dem Abstieg zum Oberdeck zu.


"Sanyasala, feyiama!" sagt er noch zu dem Fremden "Taladha Ole!"

Dabei nickt er ihm freundlich zu.

"Nurd'dhao !" sagt er noch, ehe er sich endgültig aus der Szene zurückzieht .......



Jergan nickt - beruhigt? - in Oles Richtung, wobei er sich bei dessen Abgang ein wenig über die Vertrautheit zu den Elfen wundert. Es kann gut sein, daß Ole sehr schnell wieder auf der Brücke sein wird, wenn die Kommunikation mit dem Elfen Probleme macht...

Jergan überlegt, wie er den Elfen ansprechen soll. Er hatte zwar schon mit welchen zu tun, aber das ist zum einen eine Weile her, und zum anderen sahen die irgendwie anders aus.

"Mein Name ist Jergan Efferdstreu, und ich bin der Kapitän der NORDSTERN. Nun denn, erkläre dich, Elf! Was tust du uneingeladen hier auf dem Schiff?"

Bei dem Wort NORDSTERN macht er eine Handbewegung, die das Schiff umfassen soll.



Sylvhar gelangt mehr oder weniger unfreiwillig auf das Brückendeck. Auf dem Weg dorthin hat weder er, noch eine der beiden Frauen ein Wort gesprochen. Es war auch nicht nötig, Sigruns Nähe im Rücken und Nirkas `Führung` waren Aufforderung genug.

Nun, auf dieser sogenannten Brücke scheinen die drei Menschen eine schärfere Diskussion zu haben. Um was es genau geht, das bleibt ihm jedoch schleierhaft. Nur einer reagiert auf ihr kommen. Und so wie er Nirka fragt, und so wie sie ihm antwortet, könnte das dieser Kapitän sein. Was sagt Nirka da? Sylvhar blickt zu Nirka herüber. Komisches Benehmen rührt von spitzen Ohren her? Wieso das denn? Und diese Menschen sind gerade die rechten, die über komisches Benehmen reden.... er denkt sich jedoch, daß es wohl besser ist, wenn er jetzt nichts sagt. Sein Blick wandert wieder zu den anderen Menschen.

Während dessen gehen sich die beiden anderen Männer, einer in mit seltsamen Symbolen bedeckten Kleidung gehüllt, und der andere ein Hüne mit vielen Haaren im Gesicht, ziemlich an den Hals. Das ist auch so etwas seltsames mit den Haaren bei den Menschen, wieso haben die einen um das Kinn Haare und andere nicht. Das muß er den da bei Gelegenheit mal fragen. Jedenfalls reden die beiden heftig miteinander, und auch der vermeintliche Kapitän beteiligt sich hin und wieder daran. Obwohl ihm ist anzumerken, daß er diese Diskussion gerne beenden möchte.

Ein Weilchen dauert das Ganze bis schließlich der mit dem komischen Gewand verärgert davongeht. Der Behaarte sagt noch was zum Kapitän und macht sich dann auch auf den Weg. Sylvhars Blick ruht jetzt auf diesem Kapitän. Was wird ihn wohl erwarten? Plötzlich vernehmen seine Ohren etwas völlig unerwartetes. Im vorbeigehen grüßt ihn der Behaarte in rauhem, polterndem Isdira. Sylvhars Kopf wirbelt herum und er blickt den Mann völlig verdutzt an. Dieser nennt ihm noch seinen Namen, dankt ihm dann noch - wofür wohl? - und geht dann weiter. Total sprachlos schaut Sylvhar dem Mann nach.

So langsam kommt er bei den Menschen nicht mehr weiter. Vorhin, als die Frauen ihn unten im Raum entdeckten, sahen sie aus, als würden sie die Welt nicht mehr verstehen. Da dachte er sich, daß es wohl besser sei, wenn er hier oben, bei so vielen Menschen, seine Kapuze überzieht, denn wenn alle so reagieren dann könnte es für ihn ziemlich unangenehm werden. Und dann spaziert dieser da vorbei, sieht ihn ein bißchen von der Seite an und grüßt ihn gleich noch in Isdira. Irgendwie sehnt er sich jetzt tief in seinem Innern nach Hause....

Der verbliebene Mann durchbricht seine Gedanken.

Sylvhar blickt fast ein wenig erschreckt diesen Menschen an. Jergan heißt er. Und ja, er ist dieser Kapitän. Was nun ein Kapitän ist, daß wird er sicher noch rauskriegen, jedenfalls ist er es. Und auch er erkennt ihn sogleich als Elfen. Jedoch was er sagt ist noch verwirrender. Er soll sich erklären? Wie meint er daß denn? Soll er ihm jetzt sagen, wie er aussieht? Das sieht er ja selber... ach, lassen wir das mal auf der Seite. Die Frage scheint wichtiger zu sein. Was er hier tut? Also zunächst mal leben, atmen... Jetzt kommt ihm die Situation vom Laderaum wieder in den Sinn. Nein, wahrscheinlich will er dasselbe wissen wie Nirka. Ja, das wird es wohl sein. Seinen Namen könnte er ihm auch noch nennen...

Sylvhars rote Augen heben sich etwas von seinem dunklen Gesicht unter der Kapuze ab, und sie nehmen einen ehrlich-unschuldigen Blick an als er leer schluckt und dann mit melodiöser Stimme zu sprechen beginnt:

"Ich grüße Dich Jergan, man nennt mich Sylvhar und meine Sippe trägt den Namen Gletscherlied. Ich bin eigentlich.. ," er stockt kurz, als er an das Gespräch mit Nirka zurückdenkt "... zufällig auf diesem Schiff. Menschen wollten mir was antun und ich bin vor ihnen geflohen. Schlußendlich hab ich mich dann auf diesem Schiff versteckt."

Sylvhar wartet nun die Reaktion des Kapitäns ab. Dabei denkt er sich, erinnernd an den Behaarten - wie hieß er noch gleich? Olle? - wie seine Aussprache in dieser Menschensprache klingen mag.



Dajin wieder an Deck


Nachdem er sich umgezogen hat kommt nun Dajin wieder aufs Oberdeck. Er trägt jetzt eine Lederhosen und ein dickes Wollhemd, auf den Rücken geschnallt trägt er weiterhin seine zwei Schwerter.

Er schaut kurz zur Brücke hoch, wo anscheinend immer noch die Diskussion um den Wal im Gange ist. Aber da scheint es sich auch schon aufzulösen denn der "Angeklagte" kommt herunter.



Die "Ruhe nach dem Sturm"


Als er die erste Stufe des Abstiegs zum Oberdeck erreichte, überkam ihn noch einmal das Gefühl einer körperlichen Schwäche und er hatte schon die Befürchtung, er könnte ohne fremde Hilfe nicht mehr weitergehen. Die leiblichen und seelischen Anstrengungen der letzten Stunden lassen sich doch nicht so einfach aus den alten Knochen wieder vertreiben. Doch Ole ignorierte diese Schwäche und jetzt, da er wieder auf den Planken des Oberdecks steht, fühlt er sich gestärkt und kräftig wie ein junger Bär, geheimnisvoll genährt aus einer unbekannter Quelle. Stück für Stück weicht die Anspannung von ihm ab, obwohl ihm schon klar ist, daß die Angelegenheit nur vertagt ist, nicht aufgehoben. Das letzte Wort war noch nicht gesprochen, Furcht und Mißtrauen noch immer nicht aufgelöst. Ist denn in dieser Welt noch Platz für Wunder?

Ole lehnt sich gegen die Reling und zieht an seiner Pfeife. Er überläßt sich völlig den Klängen der Natur. und alles, was sich in ihm an Zorn und Wut angestaut hatte, verdampft im ewig frischen Wind der See, verbrannt in seiner Pfeife und als Rauch ausgeblasen und zerstoben. Das Knarren und Ächzen der Takelage ist ihm wie Musik und die Wellen des Meeres schlagen einen immerwährenden Takt dazu. Meister Ragnar hatte schon recht: Alles ist Klang und alles ist Rhythmus!

Ihm ist sehr paradox zumute. Der Schein der Sonne erwärmt ihn, die leichte Brise dagegen erfrischt. Das Schiff ist ständig in Bewegung, wiegt sich sachte in der Dünung und dennoch vermittelt es ihm Ruhe. Der Horizont scheint friedlich und leer und dennoch ist er der Hüter des Unbekannten, verbirgt unter Umständen Gefahren und Unbill vor den Augen der Wartenden und trotzdem fühlt sich Ole geborgen in der Zukunft.

Das Schiff liegt gut im Wind, macht schnelle Fahrt, auch gegen die Drift. Ole fröstelt es leicht. Ungelenkt fällt sein Blick auf einen Passagier, der eben auf das Oberdeck gekommen war. Ole erkennt ihn ohne Mühe wieder, denn die zwei Schwerter, die der Mann auf dem Rücken trägt, sind schon ein markantes Merkmal, auch wenn er sich inzwischen ungezogen hat. Ole blickt an sich herunter. Vielleicht sollte er es diesem Mann nachtun, auch seine Kleidung ist noch sehr klamm und wahrscheinlich auch die Ursache dafür, daß es dem Schiffszimmermann immer kühler wird. Nur keine Eile, alter Ole, nur keine Eile ............



Dajin und Ole


Dajin sieht den "Angeklagten" an der Reling stehen und entschließt sich zu ihm zu gehen um in Erfahrung zu bringen wie die Sachen denn nun ausgegangen ist.

"Preiset die Schönheit der Welt, Bruderschwester.", grüßt er ihn.

"wie geht es euch? Ihr saht ziemlich angeschlagen aus nach Eurer ...", Dajin fehlen augenscheinlich die Worte

"äh ..´Beschwörung´ ?"



Er hatte es sich doch gleich gedacht, das letzte Wort über diese Sache würde noch nicht gesprochen sein. Und da war es auch schon wieder, das häßliche Wort: Beschwörung! Nun muß Ole allerdings zugeben, daß dieser Mann, ein Maraskaner, wie es scheint, sich redlich bemüht hatte einen anderen Begriff zu finden, um nach längerer, angestrengter Suche dann doch den Begriff nehmen, der dem Erlebten am nähesten kommen könnte. Daher konnte Ole ihm nicht gram sein. Wie soll es auch Begriffe geben für Dinge, von deren Existenz die meisten Menschen keine Ahnung haben. Ole nimmt die Pfeife aus dem Mund, um den freundlichen Gruß höflich zu beantworten.

"Möge Swafnir euch stets ein freundliches Geleit geben, mein Herr!"

Danach steckt er die Pfeife wieder in den Mund und bläst ein paar skurril geformte Wölkchen in die Luft, ehe er fortfuhr:

" Mein Herr! Ihr tut mir da zuviel der Ehre an. Ich bin nur ein einfacher Seemann und kein Zauberer. Magisches Wirken ist mir verschlossen und die Möglichkeiten meines Tuns beschränken sich auf das, was auch euch gegeben ist."

Es klingt ein klein wenig spöttisch, was er da sagt, es sollte aber nicht beleidigend oder provokativ wirken.

"Ich sehe und höre, genau wie ihr, mit Auge und Ohr. Es mag sein, daß unsere Blickwinkel verschieden sind, doch offenbart sich uns die gleiche Welt, die mit den Sinnen zu erfassen ist ......"

In Gedanken ergänzt er:

'...und mit der Seele zu verstehen!'



"Nun ja ihr seht auch nicht gerade aus wie ein Magier aber eure Tracht sieht auch keinem der Geweihten der Zwölfgeschwister ähnlich, so daß ich doch arge Probleme hatte euch einzuordnen. Ihr sagt das sich eure Möglichkeiten auf das beschränken was auch mir gegeben ist, aber mit Walen reden ist mir nicht gegeben, meine Fähigkeiten liegen da auf anderen Gebieten. Wo habt ihr diese Fähigkeit erlernt ? Und gibt mehr Menschen mit eueren Fähigkeiten? "

Dajin hält einen Moment in seinem Redefluß inne

"Entschuldigt wenn ich euch mit meiner Neugier belästige, aber ich habe Reisen im Süden Aventuriens unternommen, aber das ist für mich sehr ungewöhnlich"



"Das sind aber viele Fragen auf einmal ...", antwortet Ole dem Maraskaner lächelnd "Ich hoffe, ich kann sie zu euerer Zufriedenheit erklären!" Für einen Moment blickt Ole gedankenabwesend in die aufgeblähten Segel. Er scheint nach passenden Worten zu suchen, es ist ja kein leichtes Thema.

"Zunächst muß ich euch natürlich Recht geben. So nicht nur kein Magier, sondern auch kein Geweihter, obwohl mir diese Amt dringend angetragen worden war. Ich habe viele Götterläufe meines Daseins auf Dere im Kreide der Magister und Meister der Geweihtenschaft des SWAfnir verbracht. Mein Leben ist dem Walgott gewidmet, dem edlen Sohn der RONdra und des EFFerds, dem Beschützer aller Hjaldinger, doch fühlte ich mich weder berufen, noch würdig genug seiner unmittelbaren Dienerschaft anzugehören. Damals dachte ich noch, mein Daseinszweck läge woanders, doch das ist eine andere Geschichte."

Ole legt eine kleine Pause ein, um seine Gedanken, die etwas abgeschweift waren, wieder auf Kurs zu bringen.

"Hätte ich mich damals seiner Gefolgschaft angeschlossen, dann hätte ihr wahrscheinlich dennoch größte Schwierigkeiten, in mir einen Geweihten zu erkennen, den die Dieners SWAfnir's unterscheiden sich kaum von anderen Seeleuten. Sie dienen dem Gott auf versteckte, aber auf sehr viel direkterer Weise als es die Geweihten der ZWÖLF tun, in ihren prächtigen Tempeln, umgeben von wertvollem Prunk. Es gibt kein geistiges Zentrum und es gibt keine Kirchenorganisation für die Geweihten des SWAfnir. Es gibt nur den Gott, das Meer und eben diejenigen, die beides mehr lieben als ihr Leben."

Ole sieht Dajin direkt in die Augen, als er erklärt:

"SWAfnir, mag nicht der Mächtigste der Alveraner sein, doch seine Heimat sucht er hier, bei den Menschen und er verzehrt sich in seinem ewigen Kampf gegen Hranngar, der bösen Schlange, und verwöhnt seine dienende Schar deshalb kaum oder nur mit wenigen Gaben. Eine davon aber, ist die Kunst Wale zu besingen. Es ist ein meditativer, seelenausströmender Akt, ein Ritual, wie es nur die Meister und Magister nach jahrelanger Übung beherrschen können. Mir jedoch, wurde es als Gabe in die Wiege gelegt und ich hatte dadurch, daß kann ich euch sagen, mehr Schwierigkeiten als Vorteile, in meinem Leben. Das habe ich heute auch wieder erfahren müssen! Es ist wie ein erweitertes Sehen oder Hören, so könnt ihr es euch vielleicht vorstellen, doch war ich lange Zeit nicht auf das vorbereitet, was es da zu sehen und zu hören gibt. Es beherrschte mich und ich gebe mir allergrößte Mühe es meinerseits zu beherrschen, denn es vermittelt auch viel Erfüllung und Freude. Obwohl man teuer dafür bezahlen muß!"

Ole seufzt und schweigt erstmal, zieht an seiner Pfeife, läßt den Maraskaner aber nicht aus den Augen. Noch immer ist sein Blick intensiv auf Dajin gerichtet.



Dajins Lippen umspielt ein wehmütiges Lächeln:

"So wärt auch ihr beinahe ein Geweihter geworden, auch ich wäre beinahe ein Geweihter geworden. Aber das liegt nun hinter mir. Nun ich denke ich ahne nun in etwa was eure Fähigkeit ist, auch wir Maraskaner empfinden in einigen Bereichen anders als zum Beispiel die Garethjas. So erkennen wir die Schönheit der Landschaft und ihrer Bewohner wo ein Garethja nur eine grüne Hölle mit seinen abstoßenden, giftigen Bewohnern sieht."

Dajin schaut aufs Meer hinaus und in seinen Augen erkennt man wie sehr ihm seine Heimat fehlt. Dann wendet er sich wieder zu Ole um:

"Aber sagt was wird nun mit euch geschehen? Wie hat der Kapitän sich entschieden?"



Der alte Schiffszimmermann glaubt das Heimweh des Maraskaners in seinem Herzen spüren zu können, als er dessen Rede hört. Diese Gefühle sind auch ihm nicht ganz unbekannt geblieben. Auch er hatte Jahre lang auf das Meer und auf weite Reisen verzichten müssen. Zwar hatte er gute Gründe dies zu tun, doch die Sehnsucht hatte ihn damals immer wieder eingeholt. Ob auch der Maraskaner gute Gründe hat, sich so fern der Heimat aufzuhalten? Man hört ja viel in letzter Zeit von den gewaltigen Unruhen an der Ostküste. Aber das Leben im hohen Norden ist ein einsames Leben und das macht die Leute geschwätzig. Man darf nicht alles glauben, was man hört! Ob er den Maraskaner einmal fragen sollte?

Und das leichte, spöttische Lächeln Ole's verbreitert sich zu einem beifälligen, breiten Grinsen, als er den Maraskaner so abfällig über die Leute vom Mittelreich hatte reden hören. Mehr an sich selbst gerichtet, denn als Antwort für den Maraskaner gedacht, murmelt Ole:

"Ja, das wohl! Diese Stutzer aus Gareth hatten noch nie einen Sinn für die Natur, ob es nun den dichten Dschungel oder das weite Meer betrifft. Schönheit erkennen die nur auf einer reichlich gedeckten Tafel oder allenfalls noch unter den Röcken ihrer aufgepuderten Konkubinen, aber doch niemals in Gegenden, wo sie sich ihre glänzenden, kleinen Schühchen dreckig machen würden!"

Wie zur Bekräftigung seiner Worte spuckt Ole in weitem Bogen in das Meer, nachdem er heimlich überprüft hatte, ob auch der Wind günstig steht, damit er sich nicht selbst ins Gesicht spucke. Es ist die letzte Frage des Maraskaners, die Ole wieder aus seinen Tagträumen reißt. Wie hat nun der Kapitän entschieden? Das ist gar nicht leicht zu beantworten. Eigentlich gar nichts. Im Prinzip ist noch alles ungeklärt. Und so antwortet Ole:

"Nun, ich denke, ich habe mich vom Verdacht das Schiff mutwillig in Gefahr gebracht zu haben einigermaßen befreien können, wenngleich es mir vordergründig unklar ist, wie ich in diesen Verdacht überhaupt gekommen sein könnte. Vorgänge, die nicht auf Anhieb zu erläutern sind, verkünden doch nicht gleichzeitig übelwollende Absichten. Der Schiffsmagus hatte mich bezichtigt, ihm scheint die ganze Sache sehr nahe gegangen zu sein, warum weiß ich nicht, aber er hat den Kapitän nicht überzeugen können. SWAfnir sei gedankt dafür! "

Nach einigen tiefen Zügen an seiner Pfeife wird Ole plötzlich sehr konzentriert und fragt den Maraskaner sehr interessiert:

"Ihr sagtet, ihr wärt beinahe ein Geweihter geworden? Darf man fragen welcher Gottheit ihr euere Dienste angeboten hättet? Ich habe gehört, daß auf Maraskan neben Rur und Gror auch die Dame TSA sehr viel Verehrung findet!"



"Nun übelwollende Absicht kann man euch nach dem was ich gesehen und von euch gehört habe nicht unterstellen."

Dajin hält einen Moment inne um sich sich die passenden Worte zurecht zulegen:

"Mir erschien es eher so als sein euere Begeisterung mit euch durchgegangen. Mir scheint eure Begabung ist nicht immer nur ein Segen und kann auch gefährlich werden."

Als die Frage zu den Göttern der Maraskani kommt lächelt Dajin ein wenig. Es scheint ihm Freude zu machen über Maraskan und sein Volk zu berichten.

"Nun mir scheint ihr wißt bisher nicht viel über Maraskans Götter. Die Geweihten Rurs und Gror's sind Geweihte aller Götter, denn Rur schuf den Weltendiskus und warf ihn als Geschenk zu seinem Bruder Gror und auf diesem Flug befinden wir uns noch immer. Rur aber wußte das der Diskus auf seinem Weg durch die Sphären der Dämonen führte und so schuf er die Zwölfgeschwister auf das sie den Diskus auf den Flug beschützen mögen. Daher fürchten wir im Gegensatz zu den "normalen" Zwölfgöttergläubigen die Geschwister nicht denn Rur hat ihnen befohlen den Diskus zu behüten und dazu gehören auch wir. Also betreten wir unsere Tempel nicht bangend und zitternd aus Angst vor göttlichem Zorn sondern um die vollkommene Schönheit der Welt zu preisen, auch wenn es uns bisweilen unverständlich ist warum sie so handeln wie sie es tun. Nun, Rur hat ihnen seine Pläne erklärt, uns nicht. Allerdings ziehen unsere Priester auch nicht aus wie Donnerer um ihre kriecherisch Furcht dadurch zu lindern das sie andere damit erfüllen."

Als Dajin über die Donnerer berichtet schwing ein leicht zorniger Unterton in seiner Stimme mit der sich aber schnell verflüchtigt

"Nun ihr seht als ein Priester Rurs und Grors ist man gleichzeitig ein Priester der Zwölfgeschwister. Aber ihr habt recht wenn ihr sagt das Schwester Tsa für uns Maraskaner besonders wichtig ist schließlich glauben wir an die Wiedergeburt."

Nach seinem langen Redeschwall holt Dajin erstmal ein wenig Luft.

"Ich hoffe ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt mit meiner Rede."



Die letzte Bemerkung des Marakaners war fast überflüssig gewesen. Ole hatte ihn während seiner Erklärungen sehr konzentriert angesehen, die gesamte Rede des Marakaners aufmerksam verfolgt und fast jedes Wort davon verinnerlicht. Nein - es war ihm zu keinem Zeitpunkt langweilig gewesen, sondern sehr interessiert daran ist er, Neues zu erfahren, an den Glaubensdingen anderer Völker eigene Standpunkte zu überprüfen, denn der Maraskaner hatte recht gehabt, sehr bewandert ist Ole nicht, was die Götterwelt der Maraskani betrifft. Auch sonst wußte er wenig von Maraskan, über das Land und die Leute und die Umstände, die dazu führen, daß sich dort die Menschen mit ihrer typischen Anrede 'Bruderschwester' betiteln.

Nun findet sich Ole in einer kleinen Zwickmühle wieder. Auf der einen Seite hätte er natürlich gerne mehr über Maraskan erfahren, auf der anderen Seite werden seine Gedanken noch von den Aussagen des Maraskaners beherrscht, der einige Dinge über die ZWÖLF angesprochen hatte, die dem alten Schiffszimmermann etwas Unbehagen bereitet hatten.

"Verzeiht, wenn ich widersprechend nachfrage. Wenn ich euch richtig verstanden habe, dann versteht ihr unter den 'Donnerern' den berühmten Laienorden der Rondra-Kirche. Ist das so? Wenn dem so sein sollte, dann will ich hoffen, daß euere Abneigung der Wesensart dieser Rittergemeinschaft gilt und nicht allgemein der 'göttlichen Löwin'. Ich müßte auf das Schärfste protestieren, denn schließlich ist die 'Leuin' die Mutter meines Herren SWAfnir. Außerdem möchte ich schon betonen, daß nicht blanke Angst, sondern liebender Respekt, nicht heuchlerische Kriecherei, sondern angemessene Demut den göttergefälligen Kontakt zu den Göttem selbst und den Alveranern markieren. Leider muß ich zugeben, daß oftmals Prunk und Protzerei als äußeres Bild, innere Tugenden gerne und häufig überstrahlen und unerkennbar machen, so, wie es oft geschieht, wenn Menschen um Macht und Einfluß streiten. Und dennoch bin ich froh um die 'Gesetze des Greifen' und das 'Schwert der Löwin', denn der Arm der Niederhölle ist lang und auch der, dem die Götter seinen Namen nahmen, sucht wieder eine neue Möglichkeit, sich in das Fleisch Deres krallen zu können, um der 'sterbenden Mutter' neuen Schaden zuzufügen!"



"Oh natürlich meinte ich nur die Donnerer und nicht Schwester Rondra selbst! Aber aus der Sicht der Maraskaner verhalten sich einige der Orden der Zwölfe recht merkwürdig, vor allem auf Maraskan. Und da tun sich sie Donnerer, aber auch die Bannstrahler, doch sehr hervor. Aber mir käme nie in den Sinn etwas gegen Schwester Rondra oder die anderen Geschwister zu haben. Warum auch ? Ich bin Teil der Schöpfung, wie sie auch, wenn ich sie schmähe, schmähe ich mich selbst und die Schöpfung als solches. Und mit solcherlei Tun versperrt man sich den Weg zu den 64 Fragen des Seins. Was nun die Angst vor den Zwölfen angeht, so habe ich genug Menschen gesehen, die aus Angst vor göttlichen Strafen gehandelt haben und nicht weil sie mit dem Herzen dabei waren. Gerade unter den Praios-Gläubigen ist dies weit verbreitet. Da reden die Geweihten vom göttlichen Zorn, der alle treffen wird die nicht an den einen glauben und stellen so Bruder Praios als unbarmherzigen Rächer dar, mit den Ergebnis das seine Anhänger im Glauben, und mit dem Gefühl des Zwangs, Gutes zu tun Dörfer anzünden und Frauen und Kinder erschlagen."



Ole lächelt still in sich hinein. Es klingt schon etwas zwiespaltig, wenn man einen Mann zuhört, der die gewalttriefenden Untaten seiner Feinde anprangert, aber gleichzeitig feststellen muß, daß der Beschwerdeführer selbst, sich nicht nur mit einem, sondern mit zwei Schwertern gegürtet hat. Selbstverständlich ist Ole weit davon entfernt anzunehmen, daß der Maraskaner sich an wehrlosen Frauen und Kindern vergreifen könnte, aber das kann er sich eigentlich bei keinem ehrhaften Kämpfer vorstellen, erst recht nicht, wenn er für sich den Anspruch geltend macht, im Namen des Greifen oder der Löwin zu handeln. Selbst die Piraten, denen sich der alte Schiffszimmermann schon viel zu oft in den Weg hatte stellen müssen, hatten noch Hemmungen meuchelnd gegen Kinder vorzugehen. Das dies alles, so wie der Maraskaner erzählt hatte, auf dessen Heimatinsel passiert sein sollte, kann sich Ole einfach nicht vorstellen oder besser gesagt: Er will es auch gar nicht! Derartige menschenfeindliche Entgleisungen hatte er nur gehört von ............! Doch an dieser Stelle bricht Ole's Gedankenfluß ab, in diese Richtung will er schon gar nicht denken müssen, es bereitet ihm fast körperliche Schmerzen. Und so bemüht er sich sich schnellstens um neue Gedanken.

Da war dann doch noch etwas, was dem Schiffszimmermann auch noch Unbehagen bereitet hatte. Der Maraskaner hatte, für Ole's Geschmack etwas zu leichtfertig, seine eigene Person, als Produkt einer göttlichen Schöpfung, auf ein und dieselbe Stufe gestellt, wie die Leuin selbst. Dieser Gedanke erscheint Ole ein bißchen sehr blasphemisch. Es will es einfach nicht glauben wollen, daß die ZWÖLF lediglich bestellte Lakaien, wenn auch göttlicher Natur, einer höheren bestimmenden Macht sein sollte, wie bestellte Diener mit ein paar eingeschränkten Aufgaben in Abwesenheit des Herren. Ole seufzte, es ist wirklich alles sehr schwierig!

"So ist die Welt dann doch im Kampf geboren worden, als Väterchen LOS die Urriesin niederrang und bezwang, die dann unsere Geschlechter sterbend gebar, auf daß wir auf ihrem vergehenden Leib unsere Welt bauen könnten, im väterlichen Geleit durch Nayrakis, dem schaffenden Geist des Los!"

Ole zog mit finstererem Gesicht an seiner Pfeife. Er versucht sich zu konzentrieren, es ist schließlich schon lange her, daß er einen mystischen Disput durchzustehen hatte.

"Seht mein Herr, ich nehme doch an, daß euch das Schwert ein treuer Begleiter ist .... ", Ole unterbricht seine Rede mit einem Seitenblick auf die beiden Schwerter des Maraskaners, lächelt dabei und fährt fort:

"Verzeiht meine Nachlässigkeit, ich wollte natürlich sagen, daß EUERE Schwerter euch ZWEI treue Begleiter sind!"

Ole wird jetzt wieder etwas ernster.

"Ihr schätzt wahrscheinlich ihre schlanke Form, ihr mattes, metallenes Strahlen, den leichten schleifenden Klang, den man hört, werden sie aus der Scheide gezogen. Schön sind sie, oh ja, das kann man sagen! Doch nicht nur ihre Schönheit ist von Bedeutung. Man kann mit ihnen gegen das Böse ziehen, Unrecht sühnen, Freiheit erkämpfen und Schwache schützen - doch der Ehrlose wird mit der Hilfe des Schwertes das Böse stützen, Unrecht schaffen, Freiheit erdrücken und den Schwachen verletzten. Die Hand die es führt mag viele Motive haben, doch das Schwert hat nur eine Folge - es bereißt Wunden, es erzeugt Schmerz und bittere Not, es bringt den Tod! Viele Beweggründe und nur ein Ergebnis - Zerstörung! Welche Rolle mag es dem, vom Schwert Gezeichneten spielen, welche Worte die Lippen derer sprachen, deren Faust den Stahl hielten - Ist es wichtig dem zerhackten Leichnam die Botschaft ablesen zu können, ob er für die Freiheit Maraskans oder für die Vorherrschaft des Mittelreiches starb?"



"Ich glaube das wie der Weltentstehung ist eher nebensächlich, wirklich wichtig ist das begreifen um die Schönheit und Ganzheit der Schöpfung. Da ist es dann egal ob wir auf einem Diskus oder einer toten Göttin leben. Was ich jedoch nie begreifen werde ist das Verhältnis der Zwölfgöttergläubigen zu ihren Göttern stehen, ihr stellt sich euch anscheinend als eure Lehnsherren vor, wobei es bei euch demnach nur Tyrannen als Lehnsherren geben dürfte. Dauernd ist bei euch von göttlicher Strafe die reden. Dabei sind die Götter zu unserem Schutz hier, um uns sicher durch die Herausforderungen die uns das Schicksal stellt zu gleiten."

Ein wenig ratlos zuckt Dajin die Schultern, nein dieses komische Bild der Zwölfgeschwister wird er wohl nie begreifen.

Dann lächelt er wieder kurz:

"Nun so treu sind diese Begleiter nicht sie wurden mir erst vor etwa einem Jahr geschenkt von einem horasischen Schmied, dem Vater eines Freundes. Sie sind für mich nichts weiter als Werkzeuge des Krieges. Ich kämpfe seit meinem 16ten Lebensjahr in einem Krieg den alle anderen Völker als ´Aufstand´ bezeichnen. Ich weiß, was Schwerter anrichten können, ich habe selber genug Garethjas zur Schwester geschickt, und wäre ihr beinahe selbst erneut begegnet. Versteht mich nicht falsch, ich mag den Krieg wahrscheinlich genauso wenig wie ihr. aber es gibt Dinge für die muß man kämpfen und die Freiheit meines Landes gehört dazu. Ich habe wahrlich genug Zerstörung auf Maraskan gesehen und ich möchte, daß es wieder das friedliches Land wird das es vor dem Einfall Retos war."



Ole hört die Worte des Maraskaners und er scheint auch aufrichtig entgegenkommend zu verstehen, was der Mann damit auszusagen hat und dennoch schüttelt er hin und wieder den Kopf, als Zeichen stummen Widerspruchs.

"Ich frage mich, ob die Augen der Menschen wirklich sehend genug sind, um die Vielfalt der Schöpfung zu umfassen. Man kann auf dem Meer unendlich weit blicken und trotzdem versperrt der unerbittliche Horizont jede weitere Sicht. Man kann dann durchaus weiterziehen, dem Unbekannten entgegen, man kann den Horizont hinaus drängen, vor sich her schieben, doch überwinden kann man ihn nicht. Zudem muß gelten, daß jede Erweiterung der Aussicht gleichbedeutend mit einem Verlust des Rückblickes ist., Dinge, die man hinter sich läßt und bewußt oder unbewußt dem Vergessen überantwortet. Das dürfte in der Welt eueres Dschungels auf der Insel nicht anders sein, obwohl man, so erzählte man mir, auf den Ausblick zum Horizont hin völlig verzichten muß, da die Sichtweite selten mehr als ein Schritt beträgt. Und wenn ihr auf euerem Marsch den Schritt durch das Gebüsch vor euerer Nase lenkt, fällt hinter euch das Gestrüpp zusammen und entzieht den Ort aus euerem Blick, läßt den früheren Standort vergessen. Vielleicht habt ihr Recht und es ist tatsächlich nicht wichtig, woher die Welt kommt und wohin sie geht. Aber die Gegenwart ist mir wichtig, denn jetzt und hier lebe ich! Es verschafft mit keinen Trost, an den Eckpunkten der Äonen jeweils einen Gott zu wissen, wenn mich der Welten-Jammer mitten auf der Reise trifft und die Erlösung irgendwo hinter dem Horizont auf mich zu warten vorgibt. Der Lauf der Schöpfung und die Situation auf euerer Heimatinsel mögen mehr gemeinsam haben, als dies, im Augenblick noch erkennbar ist. Doch wißt ihr wirklich, was sich hinter dem Horizont der Geschichte für euch aufbaut? Ist die Frage von Frieden und Freiheit tatsächlich nur einer Frage des jeweiligen Herrschers? Oder darüber hinaus wäre zu fragen, bringt die Freiheit den Frieden und umgekehrt? Vielleicht wartete schon der nächste Unterdrücker, wer mag das schon wissen? Ich glaube bemerkt zu haben, daß ihr mit Menschenleben sehr großzügig umgeht. Wenn ich mich richtig erinnere, dann bezeichnet euer Glaube den verblichenen Menschen nicht als tot, sondern lediglich als "vom Leben abwesend", in der Hoffnung ruhend, daß ein neuer Lebenszyklus wartet. Könnt ihr auch nicht auch vorstellen, daß eine derartige Ansicht von der Gestalt des Werdens und Vergehens eine Einstellung zum Leben erzeugt, die unbedacht, leichtsinnig, vielleicht sogar fahrlässig werden lassen kann, im Umgang eben mit diesem Leben? Ihr sagtet, schon mancher Garethjas hätte durch euere Hand den Tod gefunden. 'Zur Schwester geschickt,' das waren euere genauen Worte. Was für euch eine Episode, ein Zyklus ist, war für diese Männer eine endgültige Reise über das Nirgendmeer, ein Abschied für immer aus der Sphäre der Lebenden. So hatte der Kampf sehr ungleiche Folgen und auf den gläubigen Kämpfer des Mttelreiches warten nicht 64 Fragen, sondern nur eine einzige, ob er auch ein tapferer, mutiger und edler Krieger gewesen wäre. Und nur wer diese Frage zu seinen Gunsten richtig beantworten kann hat das Anrecht auf einen Platz an der Tafel in RONdra's Hallen, wo er im Beisein aller gefallener Helden Aventuriens das Ende aller Zeiten abwarten kann. Die Ritter der Rondra sind sehr auf ihre Ehre bedacht und das ist auch gut so, bedenkt man, daß sie doch ein sehr tödliches Handwerk ausüben, das, meines Erachtens, nur wenig Raum für Lust und Spielereien dulden sollte! doch gebe ich zu, daß auch dieser Codex nicht unangreifbar für Leichtsinn, Unbedachtheit und Fahrlässigkeit, wenn es mit auch schwerfällt, in gläubigen Rondra-Rittern schlachtende Berserker sehen zu können, ebensowenig, wie ich von den Aufständischen annehmen kann, es wären nur Banden heimtückischer Wegelagerer, wie sie gerne von Soldaten des Mittereiches beschrieben werden!"

Ole schweigt für einen Moment, offensichtlich hat er sich in eine kleine Sackgassen hinein geredet. Er zieht ein paar mal an der Pfeife und wendet sich danach grinsend dem Maraskaner wieder zu:
"Bei dieser Gelegenheit, darf ich fragen, wie viele der '64 Fragen des Seins' ihr schon beantworten könntet oder ist diese Frage unschicklich? Wenn ja, dann betrachtet sie als nie gestellt!"


"Man muß nicht in die Ferne ziehen um die Schöpfung zu verstehen alles findet sich im kleinen wieder. Ein Stein sieht bei näherer Betrachtung aus wie ein Gebirge, das ist ein Prinzip das wir den Fingerabdruck Rurs nennen. Ein Weiser hat einmal den Umfang des Weltendiskus berechnet indem er sich die Dinge in seinem Vorgarten genau ansah. Wir gehen nicht sorglos mit dem Leben um schließlich ist es eine Gabe von Schwester Tsa aber wir haben andersherum auch keine Angst vor dem Tod. Wenn es mein Tag ist, dann ist es mein Tag und ich werde der Schwester begegnen und abermals leben. Ob wir unter einem Maraskanischen König glücklicher wären kann ich nicht sagen, denn diese Zeiten kenne ich nicht, es ist mir auch egal ob es ein maraskanischer oder ein garethischer König ist, solange er unser Volk mit seinem Glauben und seinen Art respektiert und uns nicht unterdrückt und uns in unserem Glauben beschneidet. Nun es mag euch sicher schwerfallen Rondra-Geweihte als Mörder und Brandschanzer zu sehen und doch auf meiner Insel benehmen sie sich genau so. Mein Mentor, ein Mönch, wurde von ihnen erschlagen und sein Kloster in Brand gesteckt, nur weil sie zu unseren Glauben nicht verstanden oder nicht verstehen wollten, aber ich habe dafür gesorgt, daß sie nun Bruder Boron ihr Tun erklären müssen."

Als die Frage zu den Fragen des Seins kommt grinst Dajin ein wenig.

"Nun wir gehen von Tsa zu Boron und von Boron zu Tsa. Und wie ihr sicher wißt, ist Bruder Boron nicht nur Herr des Todes sondern, für uns, in erster Linie, Herr des Vergessens. Wir werden immer wiedergeboren und Boron schenkt uns vor jedem neuen Leben die Gabe des Vergessens und erst wenn der Diskus Gror erreicht hat und er uns um die Fragen über die Schöpfung bittet, werden wir uns unserer Leben bewußt und können aus unseren Erfahrungen und Erlebnissen die 64 Fragen erahnen."



Ole lacht laut auf. Es ist ein fröhliches, heiteres Lachen, ihm scheint der religiöse Disput mit dem Maraskaner sehr zu gefallen und er lacht deshalb, da ihm gerade die Gegensätze der beiden Standpunkte so sehr imponieren. Die Tiefe des Glaubens der Gemeinschaft derer, die in Treue zu den göttlichen Zwillingen stehen, war ihm bis heute noch eine relativ unbekannte Größe gewesen. Doch die wenigen Erklärungen über diesen Glaubensweg, die ihn in vergangener Zeit erreicht hatten, werden nun teilweise bestätigt, teilweise richtiggestellt, das Bild von Rur und Gror, das bis heute nur sehr fragmentarisch in seinem Geist Bestand hatte, wird nun bunter, erlangt mehr Konturen und bietet Aussagen, die dem alten Schiffszimmermann gut gefallen könnten, wären sie nur etwas deckungsgleicher mit seinem gestandenen Weltbild.

"Mein Herr, ich weiß nicht, was euch damals gehindert hat ein Geweihter und Verbreiter eueres Glaubens zu werden, doch bin ich mir sicher, daß eurer Glaubensgemeinschaft dadurch eine gewichtige Stimme versagt geblieben ist. Indess, so ganz überzeugen konntet ihr mich bisher nicht. Es mag sein, daß wir dieselben Dinge zu verschieden sehen müssen. Was euch als Freizügigkeit wert und teuer ist, bedeutet mir eine verhängnisvolle Sorglosigkeit, während meine Grundlagen im Licht euerer Betrachtungen so gut wie keinen Schatten zu werfen vermögen."

Dann wird Ole wieder nachdenklich und ernst:

"Ich finde euere Betrachtung der Welt sehr beindruckend. Vom Wesen eines Vorgartens auf die gesamte dingliche Schöpfung schließen zu wollen erscheint mir zunächst etwas vermessen. Es klingt, ihr verzeiht, doch sehr verrückt. In der Tat bin ich aber verrückt genug, mich diesem Blickwinkel anschließen zu können, zumindest teilweise. Doch ist es mir unklar, wie sehr man sich den Fragen des Seins nähern kann, wenn man den Stein aus der Nähe als ein Gebirge sehen will, wenn es doch nur den Vergleich geben kann, nämlich in der Betrachtung eines wahrhaften Gebirges aus der Ferne heraus, so man seinen Garten nicht in felsiger Höhe beackert. Schaut hinaus auf das Meer und vergleicht es mit einer Pfütze neben einem Rosenbeet. Habt ihr dann ehrlich das Gefühl euch der Schöpfung genähert zu haben. Ihr habt, mit Verlaub, eine sehr fröhlich verzücktes Weltbild und euer Glaube empfiehlt euch eine nie endende Schöpfung, die unaufhaltsam einem Ideal entgegen fliegt, als gäbe es die Gefahren der Dunkelheit nicht. Als wäre der 'Namenlose', den ihr, soweit ich unterrichtet bin, den 'Bruderlosen' nennt, nur eine kleine Unebenheit in der Flugbahn des Diskus's und die Heerschar der Dämonen nur unbedeutende und machtlose Flugbegleiter. Und so gleitet ihr vom Leben in den Tod und von dort aus wieder ins Leben, so wie es Tag und Nacht wird. Die Angst, daß das Licht für alle Zeiten fliehen könnte und die Finsternis die Herrschaft gewinnt, da die Zeit zum Stillstand kam, ist ja schließlich, so will es mit scheinen, nicht unbegründet. Natürlich ist die Zeit wie ein Wechselbad anzusehen, daß den Menschen Schicksalen unterschiedlichster Natur unterwirft, einmal mit geradezu wollüstiger Wärme, das andere mal wieder mit erschreckender Kälte. Es mögen die Schwingungen Zeit gerade in einem Garten gut übersehbar sein, denn da wird es Tag und Nacht, Sommer und Winter und in den Gezeiten des Lebens wandert der Mensch durch Kindheit, die Jugend, durch die Reife und das Alter. So lebt und erlebt er sie Schwingungen des Leben, jedoch, und dies sei betont, es ist ein menschliches Leben und die Daseinsspanne, die ihm auf Dere vergönnt ist, mag dem Bewahrer Fuldigor nicht mehr bedeuten, als ein Blinzeln seiner alles sehenden Augen. Ihr mögt das Vergessen als Gnade betrachten, für mich ist das Erinnern der Born und die Quelle aller Weisheit. Daher gibt es schriftliche Überlieferungen, Pergamente und Folianten, Erinnerungen alter und weiser Männer, erhalten für die Nachwelt. Um mich dieser Erinnerungen und Weisheiten bedienen zu können, lernte ich, ein einfacher Seemann nur, das Lesen und Schreiben. Es mag sein, daß, Äonen später, wäre euer Bericht kaiserlicher Greultaten verfaßt und archiviert, dem Zugriff interessierter Wissenssucher angeboten sein wird, gleich neben den Berichten ähnlichen Inhaltes, niedergeschrieben von einem Schreiber aus Gareth, der eben solches, so wie ihr es von den Garethern nimmermüde beklagt, auch von den maraskansichen Freischärlern behauptet. Die Wahrheit hat immer zwei Seiten, wie ein Diskus auch. Und die Erinnerung als solche ist nicht nur die der Menschen, sondern auch die der Drachen, der Echsenwesen, der Riesen und der hohen Elfen, Wesen die die Geschicke der Welt bestimmten, als die Menschen das Gesicht noch in den Staub drückten. Soll das alles vergessen sein, kann man solches im 'Kleinen' erleben, damit man es auf's 'Große' folgern kann, ist Pyrdakors's Karfunckel nur ein unbedeutender Stein, gerade eben noch eine Zier für menschliche Augen? Ich sah und erlebte den Wert der Erinnerung aus alten Büchern und der Vorausschau alter Prophezeiungen von hohem Wert und ich erkannte, daß der unausweichliche Weltbrand nicht das Ende bedeuten muß, sondern die Möglichkeit des neuen Anfangs beinhaltet. In diesem Punkt könnten wir einig gehen. Doch bin ich nicht davon überzeugt, daß es Gror gefallen wird, was er da sehen kann, wenn ihn der Diskus erreicht und er die Welt, so wie sie ist, schauen kann. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß es ein neuer Diskus sein wird, den Gror zu Rur zurückwerfen wird, wenn Sumu im Urfeuer vergehen wird, zusammen mit dem bußfertigen LOS und beide, erneuert und geläutert in Harmonie ein neues Zeitalter beginnen wird."



Verhör


Jergan hört der Erklärung des Elfen zu - sie klingt eigentlich logisch, wenn da nicht zwei Stellen wären...

"Ihr sagtet, Ihr wäret zufällig hier an Bord... wie kann es dann sein, daß Ihr an Bord gelangt seid, ohne daß wir es mitbekommen haben? Das ist schließlich ein Schiff, und keine drittklassige Hafenkaschemme!"

Er läßt dem Elfen gar keine Zeit zum Antworten, sondern schießt gleich die zweite Frage ab:

"Diese Menschen werden einen Grund gehabt haben, Euch zu jagen - die wenigsten tun das einfach aus Spaß, und vor denen gibt es besseren Schutz als ein Schiff. Also?"

Der Kapitän der NORDSTERN weiß sehr wohl, daß den Elfen das Konzept von "Ihr" und höflicher Anrede fremd ist, dennoch bleibt er selbst strikt dabei.



Über das was Sylvhar gesagt hat denkt dieser Mensch fast oder gar nicht nach, schon fragt er weiter.

Ihr? Er ist doch nicht in der Mehrzahl! Sylvhar schaut sich um, nein er meint nur ihn. Wieso spricht er ihn dann so an? Und was ist eine Hafenkaschemme? Sylvhar atmet ruhig und gleichmäßig - 'Ganz langsam, das kriegen wir alles hin'. Am besten beantwortet er Jergan mal die erste Frage.

"Wie ich auf dieses Schiff gekommen bin, ohne daß ihr Menschen das bemerkt habt?" Ein breites Lächeln beherrscht nun sein Gesicht. "Fragt der Grünwal die Heringe, die um seine Schwanzflosse schwimmen auch, wie sie das machen, ohne daß er sie sieht?"

Auch er wartet nicht auf Jergans Reaktion, er hat ihm noch die andere Frage zu beantworten. Er erinnert sich an die Geschehnisse in der Menschenstadt, sein Lächeln verschwindet. Wieso sie ihm eigentlich gefolgt sind, das weiß er gar nicht. Wie soll er das nun diesem Kapitän erzählen? Hm... am besten genauso, wie es war.

"Jergan-Kapitän, ich bin da zum ersten Mal in einem Menschenort dieser Größe gewesen. Und vieles, was ihr Menschen macht, verstehe ich nicht. Und ich weiß auch nicht warum diese Menschen da auf ein Mal alle hinter mir her waren. Ich befand mich auf einem großen Platz, auf dem viele Leute waren. Plötzlich gab es einen Aufruhr, und der eine Mann da war sehr verärgert. Er war irgendwie sehr böse auf mich. Und dann begann er herum zu rufen und kurz danach kamen viele Menschen in Metall gekleidet und mit langen Waffen. Ich hatte Angst vor all diesen gewalttätigen Menschen und bin davon gerannt. Schlußendlich kam ich zu diesem Schiff und in dem Moment war es ein sehr gutes Versteck. Wie du siehst haben sie mich auch nicht gefunden."

Dann fügt er noch hinzu:

"Und übrigens bin ich alleine auf dieses Schiff gekommen. Es gibt also keine andere Fey hier."



Jergans Gesicht verdüstert sich bei dem Beispiel mit den Heringen. Will dieser Elf ihn auf den Arm nehmen? Aber er läßt ihn ausreden, auch wenn alles in ihm danach schreit, ihn anzufahren. Ein kurzer Blick trifft Nirka - offenbar hat sie aus dieser merkwürdigen Person auch noch nichts herausbekommen. Dann erzählt der Elf lang und breit, daß er verfolgt wurde, ohne auf den wesentliches Punkt des WARUM einzugehen - daß er das nicht weiß, glaubt Jergan einfach nicht. Schließlich erwidert er:

"Das will ich auch hoffen! Nun - Ihr habt mir eben keine meiner Fragen beantwortet. Wir passen hier eigentlich auf, daß niemand an Bord kommt, der das nicht darf."

Erklärend fügt er hinzu:

"Du machst es uns leichter, wenn du es sagst - sonst muß ich annehmen, daß du auf irgend eine Weise jemanden von der Mannschaft dazu gebracht hast, dir zu helfen, oder gar Magie angewandt hast."

Beinahe unbewußt ist auch der Kapitän auf das 'du' verfallen. Er holt tief Luft, um seine Zweifel an der anderen Aussage zum Ausdruck zu bringen, doch dann stößt er die Luft wieder aus - soll erst einmal die eine, wichtige Frage geklärt werden. Er hofft, daß er aus dem Elfen den Grund der Verfolgung noch herauskriegen wird, denn einem potentiellen gesuchten Straftäter möchte er an Bord eigentlich kein Asyl bieten - nicht daß er denkt, der Elf wüßte, was 'Straftäter' und 'Asyl' bedeutet...


Sylvhar bemerkt, wie sich die Miene des Kapitäns verdunkelt. Aber warum? Was stimmt jetzt schon wieder nicht? Ach, aus diesen Telora wird er wohl nie schlau. Als Jergan sagt, daß er keine seiner Fragen beantwortet habe legt sich leichtes Erstaunen über sein Gesicht.

'Was denn, keine Frage beantwortet? Was glaubt er denn, wieso ich ihm vorher soviel gesagt habe??'

Auf seiner Stirn bilden sich feine Falten und er legt seinen Kopf etwas auf die Seite. Dabei kommt ihm seine dicke Pelzkapuze etwas in den Weg. Eigentlich kann er die ja wieder zurückschlagen - es hat sowieso nicht funktioniert mit dem nicht Auffallen. Und zudem ist es hier im Süden so warm, daß er unter der Kapuze fast schon zu schwitzen beginnt. Er greift mit beiden Händen zu seiner Kapuze, diesmal ganz langsam, und streift sie vom Kopf. Hier draußen fallen die Sonnenstrahlen nun ungehindert auf sein blasses Gesicht und seine schneeweißen Haare, die nun glänzen und fast wie von selbst zu leuchten scheinen. Auch seine Augen funkeln wie Rubine im Sonnenlicht. Eine leichte Brise zerrt an seinen Haaren, die sich jedoch fast nicht bewegen lassen, da sie irgendwo unter seinem Pelzmantel verschwinden und durch diesen festgehalten werden.

Währenddessen spricht Jergan wieder zu ihm. Wieso nur ist der Kapitän so daran interessiert, wie er genau auf das Schiff gekommen ist? Was, er soll jemanden von der Mannschaft dazu gebracht haben, ihm zu helfen?? Mit Magie? Ja wie denn sonst? Aber das hat er ja gar nicht... wie seltsam. Er schüttel leicht den Kopf. Nun gut, wenn er es unbedingt wissen will.

"Ich weiß zwar nicht warum du das unbedingt wissen willst, Jergan-Kapitän, aber ich sehe auch keinen Grund weshalb du es nicht wissen solltest. Nun, vor diesem Schiff lagen ein Haufen Dinge, in denen ich mich zunächst versteckt hatte. Aber das war nur gut für eine kurze Zeit, lange hätte ich dort nicht bleiben können. So habe ich halt eines dieser Pakete genommen und es auf dieses Boot getragen, genauso wie die anderen Männer. Ich hoffte, daß sie nicht auf diese Leute achten werden. Und ich hatte recht. Als ich dann mit diesem Ding unten war, dachte ich mir, daß dieses Schiff im Moment das beste Versteck darstellt, und ich habe mich dann zwischen all das Zeugs gesetzt. Und dann habe ich nichts mehr gemacht, bis die beiden da kamen."

Dabei zeigt er auf Nirka und Sigrun. Schweigend und neugierig auf dessen Antwort blickt er nun Jergan an.


Jergan atmet spürbar auf, als er die plausible Erklärung des An-Bord-kommens hört. Nun, dieser Weg funktioniert tatsächlich - nie kann man alles genau beobachten. Er ist sich allerdings sicher, daß DIESER Trick auf DIESEM Schiff in der nächsten Zeit auf keinen Fall funktionieren wird!

"Aha. Damit wäre klar, wie du an Bord gekommen bist. Offenbar war dir nicht so ganz klar, daß dieses Schiff so rasch abfahren wird..."

Er lacht jetzt sogar - vielleicht vor Erleichterung, um dann wieder ernst zu werden:

"Was ich aber auf jeden Fall wissen muß, ist, WAS du gemacht hast, daß diese Leute dich verfolgt haben. Erinnere dich genau - hast du jemanden etwas weggenommen, oder jemanden verletzt, oder irgend etwas in dieser Art getan?"

Er spricht eindringlich, um die Wichtigkeit dieser Frage zu unterstreichen.



Sigrun steht nach wie vor auf ihrem Platz hinter dem Elfen. Inzwischen hat sie sich etwas entspannt und ist einen halben Schritt zurückgetreten: wenn der Elf jetzt noch irgend etwas versuchen sollte, wären genug Leute da, um dies zu vereiteln. Mit Interesse verfolgt sie die Diskussion zwischen dem blinden Passagier und dem Kapitän, sie möchte jetzt endlich erfahren, was es mit dem Elfen auf sich hat und was der Kapitän mit ihm vorhat. Für einen kurzen Moment hält sie die Luft an, als Sylvhar auf Nirka und sie zu sprechen kommt, doch er erzählt nicht weiter. Gerne möchte sie zu Nirka herüber sehen, um herauszufinden wie diese sich fühlt, aber sie zwingt sich, es zu unterlassen. Der Kapitän könnte einen solchen Blick auffangen und 'richtig' deuten und das möchte sie nicht riskieren. Also heftet sie ihre Augen weiterhin an den Elfen, wenn sich auch durch die nachlassende Aufmerksamkeit Nirkas Nähe wieder mehr und mehr in ihr Bewußtsein drängt.



Nirka macht fast unbewußt einen kleinen Schritt in Sigruns Richtung, als Sylvhar die beiden Frauen erwähnt, sie hat allerdings kaum die Befürchtung, daß Jergan in dieser Richtung irgendwelche Vermutungen anstellen könnte - es sei denn, der Elf erwähnt in seiner naiven Art irgendwelche Details. Bei sich beschließt Nirka, an diesem Tage auf jeden Fall noch die Kontrolle des vorderen Laderaumes abzuschließen...



Seltsam! Wie sich die Menschen doch auf die kleinsten Details konzentrieren und dabei aber den Blick für die ganze Welt verlieren. Aber immerhin hat die letzte Antwort dem Kapitän besser gefallen, er lachte sogar! Gut, das ist also die Art, wie die Menschen sich untereinander verständigen. Das ist sowieso sehr schwierig ohne das Salasandra.

Jetzt fragt ihn Jergan noch etwas. Während der Kapitän spricht, nimmt er leichte Bewegungen der beiden Frauen um sich wahr, er hört jedoch dem Kapitän aufmerksam zu.

"Was ich aber auf jeden Fall wissen muß, ist, WAS du gemacht hast, daß diese Leute dich verfolgt haben. Erinnere dich genau - hast du jemanden etwas weggenommen, oder jemanden verletzt, oder irgend etwas in dieser Art getan?"

Jergan ist wieder ganz ernst geworden und er spricht jedes Wort sehr betont und nachhaltig aus - diese Frage scheint ihm wirklich wichtig zu sein. Aber warum haben ihn diese Menschen eigentlich so verfolgt?? Nachdenklich verlegt er sein Gewicht auf ein Bein und stemmt seine Arme in die Hüften. 'Ich sage ihm einfach was ich alles gemacht habe'. Er zieht kurz die Luft ein und sagt dann:

"Ich... ich weiß nicht was ich falsch gemacht habe. Ich weiß es wirklich nicht. Aber vielleicht kannst du mir ja sagen, wieso diese Leute so verärgert waren. Ich erzähle dir einfach, was ich dort getan habe."

Nun holt er tief und langsam Luft und beginnt mit seiner Erzählung.

"Da waren diese Tiere, die von vielen Holzbrettern eingeschlossen waren. Und sie wollten von dort weggehen. Nun, diese Bretterreihe hatte eine Art Vorrichtung um einige Bretter wegzuschieben. Das habe ich dann auch getan, damit die Tiere gehen konnten wohin sie wollten. Kurz danach entstand ein riesiges Durcheinander. Es waren sehr viele Leute an diesem Ort. Einer davon war sehr, sehr verärgert. Er schrie und tobte umher und schüttelte die Fäuste in der Luft. Als er mich sah, schoß er auf mich zu und schrie mich an. Er rüttelte und schüttelte mich, ja er schlug mich fast. Da habe ich ihn ein wenig weg geschubst. Da fing er an zu rufen. Daraufhin kamen diese Menschen in ihren metallenen Kleider und den langen Waffe durch die Menge angerannt. Ich bin dann weggelaufen weil sie nicht sehr freundlich aussahen und sie haben mich dann verfolgt. Ja, und hier konnte ich mich vor ihnen verstecken."

Sylvhar schaut den Kapitän nun gespannt an, ob dieser ihm vielleicht doch sagen kann, was nicht richtig war.



Jergan hört aufmerksam zu, und zum Schluß nickt er.

"Ich entsinne mich dunkel, im Hafen eine Kuh gesehen zu haben, die da ganz sicher nicht hingehört hat..."

Er wirft den anderen fragende Blicke zu, woraufhin Nirka mit den Schultern zuckt und ihrerseits ebenfalls die anderen ansieht.

"Ja, wenn du ihr Vieh freigelassen hast... das ist kein Spaß für sie! In ihren Augen ist es das gleiche, als wenn du sie bestehlen wolltest!"

Er fügt grinsend hinzu:

"Aber ich nehme mal an, daß du keine Kuh an Bord geschmuggelt hast?"



Jetzt hellt sich Jergans Miene auf. Ja er grinst sogar. Eine Kuh an Bord geschmuggelt, was er wohl damit meint? Na ja, was auch immer es ist, er hat es ganz sicher nicht getan. Jedenfalls grinst ihn Sylvhar auch an.

"Nein"
Er blickt jetzt auch zu Nirka und Sigrun und grinst die beiden auch an.


Der Kapitän fühlt sich nach dieser Aufklärung wohler - einzig: Wie weit kann er dem, was der Elf da erzählt, trauen? Die Naivität des Mannes scheint ihn zu bestätigen, aber was, wenn auch die nur gespielt ist? Er, Jergan Efferdstreu, ist hier an Bord verantwortlich, und das umfaßt auch die Verantwortung dafür, wenn er flüchtige Verbrecher unterstützt - wissentlich, oder nicht...

Er sieht sich um, um den Magier um Rat zu fragen, aber der hat sich ja beleidigt von dannen gemacht. Nicht gerade ein gutes Mittel, um Jergans Eindruck von dieser Zunft zu verbessern.

Er richtet den Blick wieder auf den Elfen:

"Und was gedenkst du jetzt zu tun? Du bist an Bord des Schiffes, und ich kann dir schon jetzt versichern, daß wir deinetwegen NICHT nach Olport zurückfahren werden!"



Sylvhar blickt den Kapitän zunächst schweigend, lange und eindringlich an. Das Grinsen ist aus seinem Gesicht verschwunden. Dann sagt er mit ruhiger, sanfter, in keinster Weise anklagenden oder aggressiven Stimme:

"Wieso denkst du, daß ich nicht die Wahrheit sagen könnte? Warum sollte ich das tun?"

Er hält einen Moment inne. Dann fährt er weiter:

"Ist Olport dieser Menschenort, in dem ich auf dieses Schiff kam?"

Er wartet keine Antwort ab, sondern redet gleich weiter:

"Dahin müßt ihr wegen mir auch nicht zurück - ich will gar nicht mehr dorthin. Ich wollte sowieso weiter Sha entgegengehen, dorthin wo die Gräser und Pflanzen um das drei- vierfache größer sind als man selbst, wo man vor lauter solcher Pflanzen keine 5 Schritt weit sehen kann, wo es nur so von Leben wimmelt und wo die Luft ganz dick und naß ist, so daß man Mühe hat zu atmen."

Wieder hält er einen Moment inne und schaut Jergan leicht neugierig an, ganz so, als würde er hoffen, daß Jergan diesen Ort, an den er gehen möchte, kennt. Dann fügt er noch hinzu:

"Ich kann auch hier bleiben, ist kein Problem - wohin wollt ihr denn mit eurem Schiff fahren?"


Fiana, welche die ganze Diskussion zum Thema Elf beobachtet hat, tut sich etwas schwer, war sie zu Beginn sicher das der Elf lügt, muß sie nun krampfhaft verhindern zu grinsen, ob der offensichtlichen Naivität des Elfen, der wohl wirklich noch nie unter Menschen war.

'Du hast ziemliches Glück gehabt, der Bauer hätte dich bestimmt ans Scheunentor genagelt' denkt sie sich.



Jetzt, wo es zu eher praktischen Fragen kommt, fühlt Jergan sich mehr in seinem Element.

"Wir sind in Olport losgefahren, ja. Nach Sha fahren wir allerdings nicht - wo auch immer das sein mag. Von daher muß ich dich enttäuschen - dieses Schiff hier fährt nach Brabak. Unser nächster Hafen wird Prem sein. Allerdings... wer einfach nur mitfährt, muß bezahlen dafür, oder aber an Bord arbeiten."

Jergan sieht den Elfen nachdenklich an, dann erst wird ihm bewußt, was der erste Satz, den dieser gesagt hat, für Konsequenzen hat.

"Sag mal, liest du meine Gedanken?"

Empört holt er Luft.



Sylvhar lauscht den Ausführungen des Kapitäns über die Reise, die der Nordstern noch bevorsteht. Als der Kapitän sagt, daß dieses Schiff nicht nach Sha fährt, legt sich ein leicht enttäuschter Ausdruck auf sein Gesicht. Bei dem Namen dann wechselt der Ausdruck zu Unwissenheit, Verständnislosigkeit und wird schließlich nachdenklich, als Jergan das Bezahlen erwähnt. Ehrlich antwortet er ihm:

"Ich besitze keine Bezahlen. An Bord arbeiten? Wenn das heißt, z.B. beim Fischfang helfen oder so, dann mache ich das - wieso sollte ich nicht?"

Sylvhars Blick schweift jetzt aufs Meer hinaus. Auf seine Frage erwartet er offensichtlich keine Antwort. Er blickt weit zum Horizont hinaus. Dann scheint er etwas zu fixieren. Ein freudiges Lächeln erscheint nun auf seinen Lippen. Euphorisch dreht er sich wieder zum Kapitän herum und sagt:

"Aber wir fahren doch Sha entgegen!"

Dabei zeigt er auf den gleißenden Lichtspender im Himmel. Jergan jedoch schaut ihn nur nachdenklich an, von Sha will er anscheinend nichts wissen, und sagt:

"Sag mal, liest du meine Gedanken?"

Der Kapitän holt noch tief Luft - er scheint verärgert zu sein. Hä? Wieso denn? Gedanken lesen?? Sylvhars jetziger Gesichtsausdruck erscheint so, wie wenn Jergan ihm im vollen Spurt ein Stück Holz in den Weg gelegt hätte, und er fast darüber gestürzt wäre. Stutzend bringt er nur noch ein:

"Wie... wie bitte was?"

hervor.



"Fischfang..."

Der Kapitän lacht.

"Das machen wir zwar nicht unbedingt, aber keine Angst... wir lassen uns schon

etwas für dich einfallen."

Er nickt, als die Worte des Elfen die Vermutung aufkommen lassen, daß Sha lediglich eine Himmelsrichtung oder ein Wort für die im Süden stehende Praoisscheibe sein könnte.

"Nun, deine Frage entsprach so ziemlich meinen Gedanken, aber die zu erraten, war wohl nicht schwer. Oder hast du doch gezaubert?"



Hirkan ist wieder an Deck


Hirkan hat seine Arbeit beendet. Einige Seiten Papier hat er mit enger Handschrift beschrieben und legt sie jetzt ordentlich übereinander und wieder in den Koffer. Auch Feder und Tintenfaß werden wieder an ihren angewohnten Platz gelegt. Der junge Mann steht auf und streckt seinen strapazierten Rücken.

'So geht es auf die Dauer wirklich nicht,' denkt er und beschließt, sich gelegentlich an den Kapitän zu wenden. Auch seine rechte Hand ist ziemlich verkrampft, so daß er sie zunächst schüttelt und dann Fingerübungen macht, um sie zu entspannen. Noch ein letzter Blick auf seine Habseligkeiten, dann nickt er. Es wird wirklich Zeit, wieder nach oben zu gehen, wer weiß, was in der Zwischenzeit alles schon wieder passiert ist.


Er verläßt die Gemeinschaftskabine und geht zielstrebig wieder auf das Oberdeck, wo er sich zunächst einmal umsieht. Ah, die beiden Passagiere, die dort vorhin schon standen, sind immer noch in ihre Unterhaltung vertieft. Die Matrosen haben sich wieder über das ganze Schiff verteilt und machen ihre Arbeit, als wäre nichts ungewöhnliches geschehen. Der Maraskaner mit den auffälligen Schwertern diskutiert offensichtlich mit dem Matrosen, der vorhin diese merkwürdigen Gesänge von sich gegeben hat. Naja, jetzt wirkt er auf den ersten Blick wieder ganz normal, aber man weiß ja nie ...Hirkans Blick schweift weiter über das Oberdeck und landet schließlich bei der Brücke. Dort steht noch immer die Offizierin am Steuer, irgendwie hat sie, soweit er das von dort erkennen kann, einen etwas merkwürdigen Gesichtsausdruck. Aber noch interessanter ist die Gruppe, die neben ihr steht. Da ist der Kapitän, der in seine Richtung sieht und ein ernstes Gesicht macht. Ihm gegenüber steht eine Person, die Hirkan bisher noch gar nicht gesehen hat. Sollte das ein weiterer Passagier sein? Aber wenn ja, wo schläft er dann? Hirkan zählt noch einmal die Kabinen und die Passagiere, die er bereits auf Deck gesehen hat, durch und kommt zu dem erwarteten Ergebnis: diese Person, ein Mann wohl, aber sehr schlank, hat kein Bett auf diesem Schiff! Zwar hat Hirkan schon davon gehört, daß manche Schiffe auch Reisende in ihren Laderäumen mitnehmen, aber daß jemand so etwas freiwillig wählen könnte, wenn doch viele Hängematten im relativ günstigen Gemeinschaftsraum zur Verfügung stehen, kann er kaum glauben. Da würde er sich auf jeden Fall erkundigen müssen! Es wäre ja eine wirkliche Bereicherung an Information, hierfür eine Erklärung zu kennen. Sonderbar allerdings findet Hirkan nicht nur die Anwesenheit dieser Person, sondern auch die Tatsache, daß in deren Rücken zwei Matrosinnen stehen. Viel kann er nicht erkennen, aber die wirken nicht, als würden sie nur auf den Kapitän warten. Hirkan schüttelt den Kopf: so ein Schiff ist offensichtlich eine wahre Fundgrube für interessante Geschichten.



Der Jäger und der Händler


Firutin blickt lange aufs Meer, und ist scheinbar in Tagträumen verwickelt. Der Wal hat sich entfernt, und auch sein Gesprächspartner Smirnoff hat nichts mehr gesagt, nach seinem letzten Satz.

Plötzlich bemerkt der Waldläufer wie eine kleine Katze zwischen seinen Beinen herum tigert. Er nimmt sie auf seinen Arm, und beginnt sie zu streicheln. Schließlich wendet er sich wieder Smirnoff zu und fragt:

"Was haben sie jetzt vor zu tun?"



"Tja, mehr als warten bis die Reise vorüber ist, kann man hier ja nicht. Die Mannschaft ist vollständig, und als Seemann bin ich sowieso nicht besonders gut geeignet. Ich werde wohl den einen oder anderen Aufenthalt nutzen, um ein paar Geschäftsverbindungen zu pflegen. Am Ende der Reise, in Havena, steht dann natürlich noch die Landreise nach Gareth bevor. Und Ihr?"



"Ich weiß noch nicht. Ich pflege so etwas lieber spontan zu entscheiden. Ein bißchen schade finde ich das auf dieser Reise so wenige Passagiere, und wenn dann zumeist nur männliche mitfahren. Wissen sie was ich meine? Naja, kann man nix machen. Ich muß wahrlich überlegen, was ich als nächstes mache."



"Durchaus. Aber die Nordstern ist ja auch nicht unbedingt ein Passagierschiff, so wie ich das verstanden haben, eher ein Kauffahrer mit ein paar Kabinen."



"Ach, das wußte ich nicht. Hmmmm, das erklärt einiges. Trotzdem wäre es schön wenn einige Passagiere mehr an Bord wären."


"Nun, ich kann mich nicht erinnern jemals in Prem gewesen zu sein. Aber wenn ihr meint. Habt ihr genauere Informationen über diesen Ort?"



"Nicht viel, leider. Es soll vor langer Zeit wohl mal ein Piratennest gewesen sein. Jetzt ist es ein einigermaßen wichtiger Handelshafen für den Norden."



"Hmmmmm, ein Piratennest? Das könnte durchaus interessant werden. Ich bin mir sicher das man noch etwas davon sehen kann. Vielleicht wenn wir Glück haben."



"Solange es nur die Überreste des Piratennests sind und nicht die Piraten selbst, soll's mir recht sein. Übrigens, wißt Ihr, ob es hier welche gibt? Vielleicht sollten wir mal den Kapitän fragen."



Dem Kätzchen den Zeigefinger zum Spielen hinhaltend, meint der Pelzhändler noch:

"Mir scheint, Ihr habt einen neuen Freund gefunden."


Daraufhin lächelt Firutin nur und krault das Kätzchen weiter.

"Soviel ich weiß, legen wir in ein paar Tagen in Prem an. Prem soll immer für ein Abenteuer gut sein, habe ich mir sagen lassen."



Der kleine Fellknäul räkelt sich und gibt Firutin eindeutig zu verstehen das er gerne am Bauch gekrault werden möchte.



Gerne kommt Firutin den Aufforderungen des Kätzchens nach und krault es am Bauch. Er guckt dabei zu dem Kätzchen runter, und beobachtet es.



"Vielleicht sollten wir das. Ich habe von der Seefahrt nicht die leiseste Ahnung. Also auch nicht von ihren Regionen. Wo befindet sich der Kapitän denn zur Zeit?"


'Oha, endlich ein Zweibein das Spielen möchte' Denkt sich Traumauge. Er drückt sich flach auf den Boden, so tief, daß er mit dem Bauch über den Boden schleift. Etwas tapsig wirkt das Ganze schon, man muß ja noch üben... Doch schafft er es einen fast professionell lauernden Blick aufzusetzen, der sich alsbald in einem gewagten Hüpfer entlädt. Traumauge landet direkt vor dem Finger und angelt mit seinen beiden Vorderpfötchen danach, seine Krallen sind dabei brav eingezogen. Auch versucht er an dem Finger zu nagen, wobei er aber nicht feste beißt sondern nur ein bißchen schnappt.



"Der wird wohl beim Steuer zu finden sein..."

Smirnoff wird jedoch von Traumauge abgelenkt, die mit seinem Finger Beutefangen spielt.

"Nana, meine Kleine, nicht so stürmisch."

Sachte versucht der Pelzhändler, seinen Finger zu befreien, um dann das Kätzchen weiter damit zu necken, indem er ihr den Finger zum Zuschnappen anbietet, doch immer im letzten Augenblick wegzieht.



Das Kätzchen und der Pelzhändler


Eine Weile lang scheint es, als wäre dieser kleine Kater nicht sehr lernfähig, versucht er doch immer wieder mit der rechten Vorderpfote den Finger zu haschen und fängt nur Luftlöcher. Doch Geduld ist die Tugend des Jägers, so wartet er ab, bis das Zweibein einen gleichmäßigen Zyklus von Wegziehen und Hinhalten gefunden zu haben glaubt. Doch dann, ganz unverhofft ändert er seine Bewegung, er springt mit einem für das kleine Kerlchen atemberaubendem Satz auf Smirnoffs Hand, dreht sich im Fluge und klammert sich fest, mit seinem Mäulchen knabbert und schleckt er an dem Finger.



Nachden kleinen Kunststückchen des Tierchens muß Firutin schmunzeln, und sagt dann zu Smirnoff gewandt.

"Ach, wir können den Kapitän auch später aufsuchen. Eilt ja nicht."


"Hoppla, ganz schön flink der Kleine. Na, na, na."

Freundschaftlich krault Smirnoff das Katerchen am Bauch.

"Ein schön weiches Fell hast du da."



Dajin und Ole


"Was mich daran gehindert hat war der Tod meines Mentors dem einzigen Mönch in dem Kloster ich hatte eigentlich vor in seine Fußstapfen zu treten und seine Arbeit fortzusetzen, aber das alles löste sich in Rauch auf.

Wir sind uns wohl der Gefahr bewußt die der Bruderlose und die Dämonen für die Schönheit de Welt bedeuten, aber wir sind uns auch dessen bewußt das die Zwölfgeschwister über uns wachen und uns im Kampf gegen diese bruderlosen Bedrohungen beistehen. Aber auch diese Kämpfe und die damit verbundenen Opfer gehören zur Schöpfung. Die Götter schufen nicht nur Hoffnung, sondern auch Verzweiflung. Die Götter schufen nicht nur die Geradlinigkeit sondern auch die List

Sicher ist die Erinnerung an euer Leben wichtig aber könnt ihr mit den Erinnerungen von zahlreichen Leben leben? Wie viele Menschen werden durch ihr Erlebtes wahnsinnig? Könnte der Bettler mit dem Wissen leben einmal ein König gewesen zu sein ? Oder der Ehrenhafte damit einmal ein Schurke gewesen zu sein ?"

Als Ole von dem Diskus spricht schaut Dajin ziemlich erstaunt:

"Nun ich denke Gror wird den Diskus erblicken und sein Auge wird Boran streifen, dann Sinoda, dann Tuzak und er wird preisen die Schönheit der Welt. Man könnte auch meinen ihr kennt die Heilligen Rollen denn dort steht geschrieben:

´In seinem 41. Jahr zweifelte Rurech, denn es war Hunger und die Surgh waren ein böser Feind. Eine Frau kam zu Rurech, haarig waren ihre Arme und Beine, haarig waren ihre Brüste und ihr Gesicht. Ein roter Umhang bedeckte ihre Schultern, zwei Dolche trug sie. Sie sprach: ´ Wenn die Welt ein Diskus ist, was ist sie, wenn Gror sie einst zurückwirft ?´ So antwortete Rurech: ´ Das, was sie jetzt schon ist.´ Die Frau sprach: ´Wenn die Welt ein Geschenk Rurs an Gror ist, was wird sie sein, wenn Gror sie einst zurückwirft?´ So sprach Rurech: ´Das, was sie jetzt schon ist, Grors Geschenk an Rur.´ So sprach die Frau: ´Erkenne, mein Bruder: Gror ersehnt sein Geschenk.´ So gab sie Rurech neuen Mut, und viel Zeit verging, bis die Kinder Rurechs sie wieder trafen.´"



Der Wind hat etwas aufgefrischt und Ole fröstelt ein wenig. Seine Kleider sind nun fast trocken geworden mittlerweile, dennoch oder gerade deshalb ist ihm jetzt kalt. Während der Unterhaltung mit dem Marsakaner war ihm die zunehmende Verkühlung gar nicht aufgefallen, der Disput hatte seine Gedanken allzusehr gefangen genommen. Doch auch jetzt, da ihm die Kälte, die um seinen Körper herum, langsam unter die Haut kriechen will, bewußt wird, will er kein Wort des Maraskaners verpassen. Neu, fremd und sehr interessant ist ihm das, was er da gerade hört, obwohl er bei weitem nicht mit allem, was vorgetragen wurde übereinstimmen mag.


"Ich fürchte ihr habt mich mißverstanden. Es geht mir nicht um die Erinnerungen einzelner Leute, obwohl ich, das möchte ich euch im Geheimen anvertrauen, schon manchmal zur Meinung neige, es könnte von Vorteil sein, wenn sich hohe Herren an magere Zeiten in ihrem Leben besinnen würden und Mächtige bei vollem Bewußtsein sich im Kreise derer wiederfinden würden, denen sie, im Unbedacht so viel Leid zugefügt hatten. Was ihnen diese Erkenntnis bringen könnte, mögt ihr fragen? Wenn es doch nichts weiter wäre als eine Lehre. Und dem Lernen messe ich sehr viel Bedeutung zu. Wir können viel aus der Vergangenheit lernen und Niederschriften machen diese Vergangenheit wieder lebendig, auch wenn die Autoren auf Golgaris Rücken schon seit langem ihre letzte Reise angetreten haben. Ihr habt aus eueren Heiligen Rollen erklärt. Ich denke, auch diese Rollen sind nicht erst in letzter Zeit verfaßt worden. Sie sind Gegenstand vergangener Erinnerungen, die, vielleicht tot und leblos lange Zeit im Schatten der Geschichte ruhend, nun in euerem Geist zu neuem Leben erwachen. Ihr sagt, die Schöpfung wäre perfekt? Ich sagen euch. Sie ist es nicht. Wenn Gror die Welt in ihrer Schönheit sehen will, dann erkennt er hoffentlich auch, daß Blut und Schmerz der Welt ihre Form gab. Vielleicht auch ist er vertieft in eine Schönheit, die mein Augen nicht sehen kann. Vielleicht ist mein Blick durch Blut und Schmerz auch zu sehr getrübt. Doch wenn ihr schon betont, daß die Schöpfung in ihrem Bestand das Licht genau wie den Schatten gutheißt, so gilt dies auch für Rondraische Ritter, die in ihrem göttlichen Auftrag zur Ehre verpflichtet wären, doch dem weltliche Einfluß mit seinen Eitelkeiten, seinem Machthunger und ....... auch seinen Rachegefühlen erliegen müssen, so wie auch ihr dem Frieden entsagt habt, um Vergeltung zu üben und dies gestärkt durch die Vorstellung einer Schöpfung, die in ihrem so-sein jedwede Handlungsweise rechtfertigt......"

Ole sieht so aus, als wolle er weiter reden, doch läßt er die Atemluft plötzlich stimmlos fahren, wendet sich um und sieht dem Maraskaner direkt in die Augen.

"Wo habe ich nur meine Höflichkeit gehabt? Mein Name ist Ole. Ole Draggensson, ich bin ein Zimmermann und Seefahrer. Und es ist mir, mit Verlaub gesagt, eine Ehre mit euch zu plaudern!"

Dann streckte er seine riesige Pranke aus, um einen kräftigen Händedruck zu erwarten ............



"Nun ihr habt sicher Recht, wenn ihr sagt, daß die Erinnerungen der Ahnen wichtig seien und wir erachten sie auch auf Maraskan für wichtig.

Die Heiligen Rollen stammen aus der Zeit als Rurech mit den Beni Rurech Maraskan besiedelte und sie enthalten größtenteils Rätsel und Prophezeiungen. Ich habe einiges in meinem Leben gesehen, daß mich an der Vollkommenheit der Schöpfung zweifeln ließ. Aber können wir die Gesamtheit der Schöpfung überblicken? Ihr habt glaub ich ein Sprichwort: Das Wesen der Zwölfgötter ist unergründlich. Ich denke das trifft auf alles Göttliche zu, wir Menschen sind nur ein Teil dieses göttlichen Plans, der, erdacht von Rur, den Diskus sicher und vollkommen zu Gror bringen soll. Wir können die Schöpfung nicht ermessen, aber wir sollten es versuchen. Um so die Vollkommenheit des Ganzen zu erkennen. Ihr könnt auch nicht aus einzelnen Noten die Schönheit eines Musikstücks erkennen."

Dajin stutzt ein wenig. ´Haben wir wirklich vergessen uns einander vorzustellen!?´. Dann ergreift er die Hand Oles.

"Mein Name ist Dajin von Tarschoggyn, Mitglied der Sira Roabanak. Es ist mir eine Freude euch kennenzulernen."

Dajins Händedruck ist nicht ganz so kräftig wie es Ole anscheinend erwartet hat



Der Versuch die Schönheit der Schöpfung als unüberblickbare Summe ihrer Details zu beschreiben und das ganze mit dem Vergleich mit einem Musikstück zu untermauern, hat Ole sehr nachdenklich gemacht. Fast hätte er vergessen, die Hand Dajin's wieder loszulassen, so sehr ist er in Gedanken. Doch dann öffnet er doch noch die Pranke und gibt die Hand des Maraskaners wieder frei, als wolle er einer zerbrechlichen Taube die Freiheit wiedergeben.

"Das war ein trefflicher Vergleich, mein Herr, doch so unbedeutend wie ihr glaubt ist eine einzelne Note nicht. Ich stimme zu, daß sich die Melodie aus der einzelnen Note nicht ableiten läßt, doch Schönheit steckt schon in einem einzigen Ton. Kein Klang schwebt völlig alleine, wie bei einer werdenden Mutter, ist in der Note schon der Keim für weitere Noten und der Klang eines einzigen Tons kann alles in seiner Umgebung zum Mitschwingen veranlassen. Wissen heißt, den Klang zu hören und einzuordnen, der Glaube und die Hingabe an Schönheit jedoch,bedeutet den Klang verstehen zu können. SO sage ich euch, Herr Dajin, daß ihr in einer einzelnen Note vielleicht nicht auf die Melodie schließen könnt, aber im Echo ihres Klang die Wunder der gesamten Schöpfung spüren könnt. SO wäre die einzelne Note tatsächlich das Abbild der gesamten Welt. Unmöglich, könntet ihr sagen! Aber war es nicht so, daß ein Stein aus der Nähe aussieht wie ein Gebirge und hat der Weise dem Umfang der Welt nicht bemessen aus den Gegebenheiten seines kleinen Gartens?"



"Ihr habt vollkommen recht. Die einzelnen Noten im Musikstück der Schöpfung sind wir und die Dinge und die Ereignisse um uns. Zusammen spielen wir die Melodie der Welt, aber wenn eine fehlt ist diese Melodie gestört und disharmonisch und sie beeinflußt die umgebenden Töne. Aber nicht nur die hohen süßen Töne gehören dazu, auch die tiefen finsteren gehören dazu und ohne sie wäre die Welt nicht das was sie ist: vollkommen. Aber der Bruderlose und die Dämonen fügen dieser Melodie wahllos Töne hinzu und wollen sie so zerstören. Sie mindern die Schönheit der Welt."



Ole hat dem Maraskaner sehr aufmerksam, ja fast aufgeregt zugehört und Wort für Wort in sich aufgesogen, wie ein trockener Schwamm die Feuchtigkeit. Beifällig nickte er fast bei jeder Aussage die er vernimmt und läßt dazu, sozusagen als Bekräftigung seiner spontanen Meinung, ein lautes, zustimmendes Brummen verlauten. Sein Blick allerdings schwankt hin und her, einmal rückt er den Erzähler fest in das Zentrum seiner Wahrnehmung, das andere mal schaut er, scheinbar ziellos auf das Meer hinaus, wahrscheinlich in Hingabe an beherrschende innere Bilder.

Die Idee, das Weltgefüge in seiner komplexen Art mit den Grundlagen der Musikkunst erklären zu wollen, gefällt ihm immer besser. Nicht zuletzt deshalb, da er nun eine Ebene gefunden glaubt, die er, gemeinsam mit dem Maraskaner zu betreten, wohlwollend bereit sein kann. Es tut ihm gut, bei vielem Trennenden auch etwas handfestes Gemeinsames gefunden zu haben, denn er spürt eine große Zuneigung zu dem, was Dajin ihm erklärte. Insgeheim wundert er sich schon ein bißchen darüber, daß er bei solche Diskussionen, denen zugrunde liegt, das Unmögliche wahrscheinlich und das Unfassbare begreiflich zu machen, immer wieder darauf zurückkommt, was ihm schon vor vielen Jahren Magister Ragnar als Welt- und Lebensformel mit auf den Weg gegeben hat: Die Welt ist Klang und Schwingung, das Leben ist Bewegung, der Weg ist nur ein Weg und das Ziel ist nur ein Ziel, untrennbar und unvereinbar zugleich. In Liebe und Bewunderung gedenkt er seines Meisters und es ist ihm, als höre er, tief in seiner Seele, die Stimme seines Lehrers, als er dem Maraskaner antwortet und tragend kommt es über seine Lippen:

"So ist der Weltenlauf in eine Melodie eingebunden, die jeden Tag auf's Neue komponiert werden muß. Die steten Untertöne, so wie sie den Sackpfeifen zu eigen sind, binden die Bewegung nahezu bis zum Stillstand, geben dem Lied aber dauerhafte Ordnung. Da sie aber schon einen zeitlichen Verlauf haben und nicht in Ruhe verharren, können sie nicht Bestandteil der ersten Sphäre sein, denn das Prinzip Ordnung ist ohne jede Ausdehnung und befiehlt allen Dingen absoluten Stillstand und ist somit der göttliche Gegenpol zu den schrägen Tönen des Chaos's aus dem unendlichen Raum der siebten Sphäre, der Heimat der Dämonen. Takt und Unterton treffen auf grelle Dissonanzen und es wird sich herausstellen, ob sich unsere Melodien, euere Klangfolge, sowie die meine, im Konzert der höheren Mächte Bestand haben wird. Vielleicht warten wir auch nur auf einen einzigen Ton, der unserem Lied eine entscheidende Wendung geben könnte, so etwas soll es ja schon wirklich gegeben haben. Werter Herr Dajin von Tarschoggyn, man hört nicht gerade die günstigsten Nachrichten von euerer Heimat, die, dem Gerücht nach, der Mittelpunkt aufkeimender Finsternis sein soll. Es heißt die Welt sei gefährdet dadurch und der Mißton beherrsche nun das Lied Dere's. Das Dämonenbanner soll nun euer Land erdrücken, sollte es somit nicht euer Wunsch sein, euere Stimmen, mit der Stimme des jungen Kaisersohnes zu harmonisieren, um den Chor des Lichts gegen die mächtige Dunkelheit erstarken zu lassen?"

Ole hätte seine Rede gerne fortgeführt, doch wird er nun von einem heftigen Hustenanfall geschüttelt, als eine unbedingte Folge des Versuches unter dem Reden gleichzeitig an seiner Pfeife zu ziehen ......



"Ja auch ich habe von den Ereignissen auf meiner Heimatinsel gehört. In den heiligen Rollen fanden sich außerdem mehrere Hinweise auf die Art der Bedrohung. Ich kann nur hoffen, daß sich die Bewohner Maraskans, ob Mittelreicher oder Einheimischer, besinnen und gemeinsam gegen den Feind vorgehen. Wenn mein Auftrag im Horasiat beendet ist werde ich wohl auch wieder dorthin gehen, aber zur Zeit harre ich mit Sorge jeder neuen Information aus meiner Heimat"



Bei der letzten Aussage Dajins zuckt Ole etwas zusammen. Sein Gesichtsausdruck hat nun etwas Fragendes, er scheint ein wenig verunsichert zu sein. Und mit großen Augen und einer leicht vibrierender Stimme fragt er:

"Ihr habt eine Mission im Alten Reich? Doch nicht etwa ............?"

Der Schiffszimmermann läßt die Frage unvollendet. Statt dessen bedient er sich einer eindeutigen Geste, indem er das Kinn hoch reckt und mit seinem Pfeifenstiel langsam quer über seinen Kehlkopf streicht, soweit der unter seinem buschigen Bart überhaupt erkennbar ist. Doch sogleich errötet er und mit verschämter Miene erklärte er:

"Verzeiht, Herr Dajin, die Frage ist mir nur so herausgerutscht. Das liegt wahrscheinlich zum Teil daran, daß man sich sehr viel über maraskanische Geheimbünde erzählt, die sich auf das Ableben mißliebiger Personen spezialisiert haben. Außerdem ist es eine dummes Frage, denn wenn es auch so wäre, daß ihr einer solchen Verbindung angehören würdet, dann würde ihr mir das sicherlich nicht zugeben und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich dieses Wissen mit euch teilen wollte! Es gibt Dinge, die weiß man besser nicht!"

Jetzt hat Ole wieder zu seinem leicht spöttischen Lächeln zurück gefunden. Die Verunsicherung ist von ihm gewichen.

"Manchmal ist Unwissenheit gesünder!"



"Oh nein Herr Ole, ich bin mitnichten ein Mitglied eines Meuchlerbundes. Obwohl ihr recht habt, Meuchelmord hat auf Maraskan eine ... gewisse Tradition. Aber mein Auftrag hat nicht damit zu tun, ich bin im Horasiat, um die Gelder, die von diversen Adeligen als Unterstützung an die Rebellen gezahlt werden neu zu organisieren. Einige dieser ´Spenden´ sind in den letzten Jahren nämlich nicht bei uns angekommen sondern vermutlich in die Klauen der Dämonenpaktierer gefallen, die jetzt augenscheinlich mein Land bedrohen."



Der Schiffszimmermann lächelt dem Maraskaner zu:

"Das höre ich gerne, Herr Dajin. Ich hätte es mir nur schwerlich vorstellen mögen, daß ein Mann wie ihr, der so liebevoll von der Schöpfung und so überzeugend von der Ehre eines Kämpfers spricht, zum Kreise von heimtückischen Attentätern zu zählen wäre. Euere Mission wird sicher von den Göttern mit Wohlwollen beobachtet und so möchte auch ich euch meinen Segen nicht verweigern. Um so mehr, als der Feind, den ihr beschreibt, auch mein Feind ist!"

Ole zieht an seiner Pfeife. Es brodelt und zischt ein bißchen dabei, das Pfeifenkraut ist nun wohl langsam schon verglüht, und die aufsteigenden Rauchwolken sind wohl schon Rückstände verbrannten Pfeifenholzes, doch scheint es, als wolle Ole davon noch keine Notiz nehmen. Seine Blicke streifen über einen Ort, fernab seines Aufenthaltes, verhaftete in eine andere Zeit, egal ob sie schon war oder noch kommen wird. Unbeeindruckt vom Augenblicklichen spricht er weiter:

"Wisset, Herr Dajin! Ich habe nicht viel aktuelle Kunde erlangt, zu lange hatte ich mich lange in die Einsamkeit der Grauen Berge zurückgezogen. Es ist mir, als wäre dies schon ein halbes Leben her. Nicht viele Neuigkeiten erzählt man sich dort, zumindest keine, die aus glaubwürdiger Quelle stammten. Was man sich bei den seltenen Gelegenheiten gemeinsamer Treffen erzählen kann, ist meistens mit reichlich 'Schmuck' angefüllt, weniger mit dem, was man gemeinhin die Wahrheit nennt. Doch auch wenn man nur das Wenigste glauben kann, was man dort so hört, bleibt doch genug, um einen das Fürchten zu lehren. Ich kämpfte ein Leben lang gegen blutrünstige Piraten, gegen marodierende Orkenhorden und gegen den menschlichen Abschaum aus Al'Anfa. Doch keiner meiner Feinde hatte jemals so viel Finsternis verbreitet, wie jene, deren Vordringen in das Herz des Kontinentes, jedermann zu Recht so fürchtet. Herr Dajin, ihr habt einen schlimmen Feind, von überderischer Bösartigkeit, ausgestattet mit einer Macht, die sogar die Götter herausfordert und ich muß gestehen, schon der Gedanke an die Horden der Nacht ängstigt mich sehr. Doch wer weiß, was die kommenden Tage bringen werden und ob nach dem Aufkeimen der Dunkelheit neues Licht folgen wird. Sollte uns das Schicksal bestimmen, die nahenden Reihen der grausigen Feinde sichten zu müssen, dann dürftet ihr euch getrost auf meine Hand verlassen. Meine Skraja wußte schon von jeher gut zu überzeugen!"

Während seiner Worte richtet sich Ole immer weiter zu stolzer Größe auf. Trotzig, als gälte es schon jetzt, sich einem heran eilenden Feind zu widersetzen, stemmt er entschlossen seine linke Faust in die Hüfte, während die rechte Hand eine Bewegung andeutet, als wolle er eine Melone zerdrücken. Wenn man ihn so stehen sieht, dann bekommt man eine, sich zur Gewißheit neigende Ahnung davon, welch ein furchteinflößender Gegner Ole im Kampf sein würde.



"Es gibt allerdings durchaus auch Meuchler die von der Schönheit der Schöpfung überzeugt sind, ja sogar glauben sie durch ihr Tun zu schützen. Auch ich weiß nicht allzuviel Neues von der Insel und das macht es fast noch schlimmer. Allerdings sind meine Gefährten im Horasiat schon auf einige Schergen gestoßen, die einmal die Quellen im Horasiat anzapfen wollten aber auch dort für Unruhe sorgen wollten."

Ein Moment verfinstert sich Dajins Gesicht als er an die zurückliegenden Ereignisse denkt.

"Herr Ole, mir scheint wir haben viele gemeinsame Gegner, auch ich stehe bin schon des öfteren mit den Al´Anfanern aneinandergeraten. Von eueren Kampffähigkeiten bin ich überzeugt, jemand der wie ihr soviel herum gekommen ist muß mit dem Schwert oder der Axt gut umgehen können."



Auf die Worte des Marakaners hin lächelt Ole etwas verbittert. Während er mit hektischen, ein bißchen zu kraftvollen Bewegungen seine Pfeife an der Reling ausklopft, sagt er:

"Da mögt ihr Recht haben, Herr Dajin! Oh ja, ich bin herumgekommen und habe viele Dinge gesehen, freundlich und feindselige. Alle diese Dinge mögen, nach eurem Verständnis, eine rechten Platz im Weltenkreis haben. Und wir alle haben unsere eigene Weise dem Leben, daß ohne Mitgefühl auf uns zukommt, entsprechend mit Verständnis oder Wehrhaftigkeit zu begegnen. Das zählt ebenso für die Liebe, wie für den Streit. In den Zeiten verödeter Zuneigungen war mir meine Streitaxt ein willkommener Gefährte. Das Schwert jedoch, liegt mir schwer in der Hand und es hat mir noch nie in Freundschaft gedient. Das mag daran liegen, daß es ein Schwert war, das ich damals, in meiner Kindheit, für alle Zeiten mit Trauer gekennzeichnet hatte. Das waren schlimme Tage damals ....!"

Noch immer lächelt der alte Schiffszimmermann vor sich hin. Wer ihn da an der Reling lehnen sieht, dem mögen in seinem Kopf Phantasien von Frieden und Harrnonie aufkeimen, mehr kann eine oberflächige Betrachtung auch nicht erbringen. Der Maraskaner jedoch steht nahe genug bei Ole, um bemerken zu können, daß Ole's Lächeln wohl wenig mit innerlicher Verzückung zu tun hat. So sehr sich Ole auch zu verstellen versucht, es kann dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß die Bitternis in Ole's Gesichtzügen deutliche Zeichen setzt. Außerdem tastet er, er scheint es selbst gar nicht zu bemerken, immer wieder vorsichtig seinen Oberschenkel ab, als habe er dort schmerzliche Beschwerden, obwohl kein Anzeichen von Verletzung dort zu sehen ist. Darüber hinaus faßt sich Ole mehrmals an die Brust, einen Gegenstand, etwa in der Größe eines Kusliker Rades, suchend, der offenbar unter seinem Leinenhemd verborgen ist.

"Sehr schlimmer Tage ....!" murmelt er in Gedanken noch einmal vor sich hin .........



Dajin zögert einen Moment 'Ob er Ole wohl fragen soll ?'
Dann faßt er sich ein Herz:
"Was hat euch in eurer Vergangenheit soviel Kummer bereitet, werter Herr Ole ?"


Die mächtigen Schultern des Schiffszimmermannes gehen zuckend nach oben, dann hebt er die Hände hoch, die Handflächen gen Himmel gerichtet:

"Was soll ich sagen, Herr Dajin?"

Die Angelegenheit scheint Ole sehr peinlich zu sein. Noch weiß er nicht, wie er reagieren soll. In düstere Gedanken scheint er verstrickt zu sein. Doch plötzlich klart sein Gesichtsausdruck auf:

"Sei es drum ...!" sagt er. Und dann rafft er sein Leinenhemd nach oben, gerade an der Stelle, da es zerrissen und blutverkrustet ist, und er entblößt seine rechte, obere Körperhälfte. Vom Becken aufwärts, bis hin zum Schulterblatt ist eine breite, dunkelrote Narbe zu sehen. Die Wunde hatte keine glatten Ränder gehabt, ausgerissen und zerfranst war sie offensichtlich gewesen. Eine furchtbare Waffe muß sie gerissen haben. Einem Kämpfer wie Dajin muß er verwunderlich erscheinen, daß irgend jemand eine solche Verletzung überleben kann. Ole sieht den Maraskaner nicht einmal an, als er sagt:

"Herr Dajin, seht ihr diese Mal? Mein Vater hat es mir gerissen, mit einem Schwert, dessen Namen man als Bewahrer der Gerechtigkeit tüchtig gelobt hatte. Es war die Schneide eines Schwertes, daß mein Vater selbst geführt hatte, um uns zu schützen. Und dennoch tötete es meine Mutter und brachte mich selbst an die Ufer des Nirgendmeeres. So war unser Blut vergossen, durch meines Vaters Hand. Ich gäbe PRAios, dem Herren große Opfer, könnte ich meinen Vater dafür hassen ....!"



Auf der Brücke


'Wir betreiben keinen Fischfang. Hm, von was leben die denn?'

Für einen kurzen Moment bilden sich ganz leichte Falten auf Sylvhars Stirn. Als der Kapitän dann aber lacht, verschwinden die wieder. Es ist ihm eindeutig lieber, wenn die Menschen lachen, sonst sind sie nur so verwirrend...

Nun, was aber dieses Gedankenlesen sein soll, daß will ihm Jergan doch nicht sagen. Seltsam. Naja, er kann ihn ja dann mal ein anderes Mal fragen.

Was soll er jetzt wieder getan haben? Gezaubert? Aber er hat doch in den letzten Momenten wirklich gar nichts, außer mit dem Kapitän zu reden, gemacht! Diese Menschen unterstellen ihm immer Dinge. Das muß er jetzt aber berichtigen. Jergan ist nun schon in besserer Stimmung, ist wohl allen nützlicher, wenn er jetzt nicht noch mehr nachfragt. Deshalb sagt er zum Kapitän:

"Ich weiß zwar nicht ganz genau, was du damit meinst, aber ich bin mir sicher, daß ich das nicht getan habe."

Die beiden Frauen sind auch sehr still geworden - interessant....



Jergan nickt schließlich. Eine absolute Lösung wird sich nicht finden lassen....

"Also gut. Du kannst also erst einmal bis Prem an Bord bleiben - wenn du willst und entsprechend dafür arbeitest oder bezahlst, auch länger. Die Regeln hier sind ganz einfach: Jeder, der einen höheren Rang hat, darf anderen Mitgliedern der Mannschaft etwas sagen. Da du nicht bezahlst, bist du kein Passagier, also fällst du auch unter diese Regelung und bist natürlich der Niedrigste in dieser Rangfolge. Wenn du dazu noch Fragen hast... wende dich an Nirka und Sigrun, die dir auch zeigen werden, wo du schlafen kannst."

Er weißt auf die beiden Frauen, wobei Nirka mit einem Nicken den in diesen Worten enthaltenen Befehl bestätigt. Ernst blickt er dann den Elfen wieder an:

"Alles klar?"



"Ehrlich gesagt, nein, es ist nicht alles klar. Aber wir müssen ja nichts überstürzen."

Er schenkt dem Kapitän ein Lächeln. Anscheinend ist diese Unterhaltung jetzt beendet, so wie sich die Menschen verhalten. Auch gut. Dann wendet er sein Gesicht Nirka zu, und schaut sie mit einem

nun-gut-was-machen-wir-jetzt Blick an.



Während des Gesprächs zwischen Kapitän und Elf hat Sigrun sich zusehends entspannt. Der Kapitän glaubt offensichtlich, daß die Naivität des Elfen echt ist und Sigrun ist mehr denn je geneigt, dem zuzustimmen. Immer mehr läßt ihre Konzentration auf den Elfen nach und sie wartet nur auf eine offizielle Entlassung von seiten des Kapitäns. Als diese dann endlich ausgesprochen wird, tritt sie einen Schritt zurück, um Sylvhar die Möglichkeit zu geben, neben sie zu treten. Anschließend wendet sie das Gesicht Nirka zu, sie erwartet die Aufträge der Bootsfrau.



Nirka lächelt Sigrun vertrauensvoll an, dann sagt sie:

"Na dann, Sylvhar, zeigen wir dir deinen Schlafplatz. Du..."

Sie unterbricht sich und sieht den Elfen fragend an.

"Wo schläft deinereins denn eigentlich? Auf Bäumen?"

Es sieht jedoch nicht so aus, als interessiere sie das wirklich über die Ausübung ihrer Pflicht hinaus.



"Bäume?"

Sylvhar denkt kurz nach, und sagt dann:

"Wenn ich mich nicht irre, sind das doch diese Pflanzen, die mehrer Schritt hoch werden, oder nicht?"

Er blickt Nirka einen Moment lang an, dann spricht er weiter. Man sieht ihm an, daß er solche Diskussionen bevorzugt, im Gegensatz zu den angreifenden von vorhin - er lächelt.

"Wir schlafen in unserer Sala. In meiner Heimat gibt es fast gar keine Pflanzen, und wenn, dann werden die nicht größer als eine Hand hoch. Schläfst du denn auf diesen Bäumen?"



Die Bootsfrau wirkt fast ein wenig verärgert - will der Elf sie auf den Arm nehmen? Ein fast hilfesuchender Blick trifft die neben ihr stehende Sigrun.

"Ja, diese Pflanzen nennen wir Bäume. Komisch... ich dachte, DAS weiß ein Elf. Mit einem Sala - was auch immer das ist - können wir dir hier an Bord nicht dienen. Natürlich schlafen wir NICHT auf Bäumen, sondern in Kojen oder Hängematten."

Da sie bereits ahnt, was als nächstes kommt, ergänzt sie:

"Kojen sind etwas ähnliches wie Betten, und Hängematten sind Netze, die man aufspannt, um darin zu schlafen."

Aus einigen Schritt Entfernung beobachtet der Kapitän dieses Gespräch - froh, daß er es nicht führen muß - und mit einem leichten Grinsen im Gesicht.



Schon wieder ist Nirka verärgert. Aber was macht er denn andauernd falsch? So langsam kommt ihm das Gefühl auf, daß Menschen von Grund auf immer verärgert sind...

"Wie gesagt, dort wo mein Volk lebt, gibt es fast keine Pflanzen. Von diesen Bäumen wissen wir nur aus den Liedern. Ich hatte aber das Glück, auf meiner Reise zur Menschenstadt welche zu sehen, und jetzt weiß ich auch wie ihr sie nennt."

Dann denkt er darüber nach, was Nirka über Elfen sagte. Mit einem versöhnlichem Lächeln meint er dann:

"Du hast sicher über die Lairfeya und die Biunfeya gesprochen, diese haben ein sehr großes Wissen über die Pflanzenwelt."

Zu den genannten Schlafmöglichkeiten erwidert er:

"Ich bin sicher, daß man in all diesen Schlafplätzen, oder wie ihr sie nennt, gut schlafen kann. Hauptsache man friert nicht, aber hier soweit im Süden stellt das sowieso kein Problem mehr."



Sigrun bemerkt Nirkas verzweifelten Blick, kann sich selbst ein Grinsen aber kaum verkneifen. Spätestens bei Nirkas Versuchen, dem Elfen die Begriffe Koje und Hängematte zu erklären, nimmt ihr Gesicht daher etwas merkwürdige Formen an. Die Diskussion droht sich auszuweiten, doch Sigrun findet, daß es an der Zeit ist, dem Befehl des Kapitäns etwas konkreter Folge zu leisten. Wenn schon nicht konstruktiv, so doch wenigstens etwas vorantreibend, schaltet sie sich daher in die Debatte über die möglichen Schlafplätze ein.

"Ich habe Ole vorhin die letzte freie Hängematte im Mannschaftsraum gezeigt", sagt sie zu Nirka gewandt.



"Sicher kann man gut drauf schlafen", meint Nirka in Richtung Sylvhars, dann wendet sie sich Sigrun zu.

"Stimmt... genau die wollte ich Sylvhar jetzt geben. Aber keine Sorge, wir haben noch welche - und Platz dürfte auch noch sein."

Sie sieht sich kurz um.

"ALRIK!"

In Richtung der anderen beiden fährt sie fort:

"Dann mal los... so siehst du gleich, Sylvhar, was eine Hängematte ist, und wie man sie sicher festmacht."

Sie geht nun entschlossen in Richtung der Treppe zum Oberdeck.



Sylvhar lauscht aufmerksam dem kurzen Gespräch der beiden Frauen. Das mit der letzten Hängematte oder so, naja, das wird er ja noch sehen. Hm, Sigrun erwähnt da diesen Olle, oder Ole, oder war es Ohle? Das war doch dieser Riese mit den Haaren im Gesicht, der ihn auf Isdira angesprochen hatte.


"ALRIK!"


Sylvhar zuckt zusammen. Er reibt sich das Ohr, daß Nirka zugewandt war. Was das jetzt wohl wieder war? Die Gedanken an Ole sind im wahrsten Sinne des Wortes wie weggeblasen.

Als Nirka dann losgeht, wendet sich Sylvhar mit einem Grinsen an Sigrun.

"Hängematte, hm... könnte interessant werden!"

Dann folgt er immer noch Ohr reibend Nirka zur Treppe.



Alrik


Der Schiffsjungenmagen hat sich wieder beruhigt, im Grunde war er wohl auch nie wirklich beunruhigt. Alriks Gedanken hingegen kreisen noch immer um die geheimnisvolle Rezeptur des gemeinen Schiffszwiebacks. Wie viel Mühe würde die Herstellung von Backwaren auf diese Weise machen, während ein gewöhnlicher Strassenköter schon glücklich mit den Rohzutaten wäre. Und warum fressen Hunde Knochen, aber keinen Zwieback? Die Saat des Zweifels an der Glaubwürdigkeit des Schiffskochs keimt langsam auf. Dann erschallt Nirkas Stimme laut über das Deck und ruft Alrik in das Hier und Jetzt zurück. Den angebissenen Zwieback, den er noch in der Hand hält, bedenkt er mit einem letzten verächtlichen Blick, bevor er ihn mit einem lässigen Fingerschnippen ueber Bord wirft. Nach dieser spontanen Vernichtung des Hauptbeweisstückes im Zwiebackfall, trottet der herbeigerufene Alrik Nirka und ihren Begleitern entgegen.

"Ja?"


Nirka ist fast ein wenig erstaunt, daß Alrik so schnell dem Ruf Folge geleistet hat. Oder hatte er etwa nichts zu tun gehabt? Egal, der Auftrag ist wichtiger.

"Alrik, lauf mal in die Segellast hinunter, da hängen an der Steuerbordwand zwei aufgewickelte Hängematten - aufgewickelt, Schnur drum rum, und an dieser aufgehängt. Bring eine davon her... äh... nein, lieber gleich in den Mannschaftsraum, denn da werden wir gleich sein."

Sie achtet nicht weiter auf den Schiffsjungen, sondern geht in Richtung des vorderen Niedergangs zum Unterdeck weiter. Der Bemerkung des Elfen, die ohnehin eher an Sigrun gerichtet ist, ignoriert

sie dabei.



"Wird erledigt," erwidert Alrik prompt, und schon macht er sich auf den Weg in die unteren Regionen des Schiffes. Das spitzohrige Wesen, das Nirka folgt, scheint seiner Wahrnehmung vollkommen entgangen zu sein. Daher macht er sich noch keine tiefsinnigen Gedanken über die Zusammenhänge zwischen uneingeladenen Gästen an Bord, Mannschaftsräumen und Hängematten, während er die beiden düsteren Laderäume durchquert und im finstersten und abgelegensten Teil des Schiffes nach den gesuchten Gegenständen Ausschau hält.

Unglaublich, was sich im Laufe der Zeit alles so ansammelt. Aber dort sind sie ja schon, die beiden Hängematten. Wahllos greift Alrik eine davon heraus und stapft wieder weiter.

'Ein ziemlich ausgefranstes Exemplar hab' ich da erwischt,' stellt er auf halber Höhe des Aufgangs fest, als die ersten Lichtstrahlen eine nähere Sichtkontrolle des Gegenstandes erlauben. Einen Augenblick lang bleibt er unschlüssig auf der Treppe stehen. In seiner Vorstellung sieht er den Neuen, diesen Segelflicker, auf der Hängematte liegen, die dann mit einem ächzenden Geräusch unter der üppigen Last zerreißt.

Seufzend dreht sich Alrik wieder um. Besser ist es wohl, wenn er die Matte gleich umtauscht. Doch auch das andere Exemplar ist bei näherer Betrachtung keinen Deut besser.

'Da kann man jetzt aber wirklich nichts machen,' grübelt Alrik als er abermals den Rückweg antritt. 'Wird schon halten, mehr Matten haben wir schließlich nicht. So oberflächlich betrachtet, sieht sie ja auch noch halbwegs gut aus.'



Hirkan


Langsam ist Hirkan weiter geschlendert, wie zufällig in Richtung des Brückendecks. Er hat gerade noch gehört, wie der Kapitän der neuen Person angeboten hat, bis Prem und, gegen Arbeit oder Geld, auch noch länger auf dem Schiff zu bleiben, als die Versammlung auch schon beginnt, sich aufzulösen. Die junge Matrosin tritt zurück, die ältere nickt dem Kapitän zu...

Hirkan ärgert sich ein wenig über sich ein wenig über sich selbst. Es ist ihm nicht mehr gelungen, den Grund dieser Besprechung herauszubekommen und nun wird er mühsam nachfragen müssen. Denn eins ist klar, irgend etwas ist hier sehr merkwürdig mit diesem neuen Mitreisenden. Nun, er wird es schon noch erfahren ...



Hirkan hat die sich auflösende Versammlung auf dem Brückendeck neugierig verfolgt. Er möchte wirklich gerne wissen, was hier passiert ist. Auch einige andere Fragen liegen ihm geradezu auf der Zunge und er beschließt, daß jetzt, wo wieder etwas Ruhe eingekehrt ist, der richtige Zeitpunkt sein könnte, sich erneut an diese nette Offizierin zu wenden. Zwar steht sie nach wie vor am Steuer, aber die See ist ruhig und vorhin schien sie das nicht von einem Gespräch abzuhalten.

Langsam schlendert Hirkan wieder auf das Brückendeck, und dort auf Fiana, zu.

"Das scheint ja ein wirklich aufregender Tag hier an Bord zu sein," bemerkt er, um das Gespräch zu beginnen. "Wer war denn dieser schlanke junge Mann eben beim Kapitän? Er war mir bisher noch gar nicht aufgefallen."

Die Frage klingt fast beiläufig, so als wäre es ihm gleichgültig, ob er eine genaue Antwort bekommt. Nur in seinen Augen blitzt es ein wenig, vielleicht sichtbar für jemanden, der ihn genau ansieht, bestimmt aber nicht mit einem kurzen Seitenblick zu erkennen.



Freundlich lächelt Fiana zu Hirkan und erwidert auf seine Frage

"Also das..." sie muß schmunzeln "war wohl ein Elf, der noch nie zuvor mit Menschen in Kontakt gekommen ist." nach kurzer Pause fügt sie noch hinzu "und ein blinder Passagier obendrein. Aufregung gab es also in der Tat genug heute"



"Ah, ein Elf, ja, das erklärt wohl zumindest sein Aussehen", meint Hirkan ein wenig sinnend. Die Antwort Fianas scheint ihn nicht sonderlich zu überraschen, hatte er so etwas doch schon fast vermutet.

"Und ein Blinder Passagier, sagt Ihr? Das ist ja wirklich interessant! Wo hat er sich denn versteckt? ... Und ... was hat der Kapitän jetzt mit ihm vor? Ich meine, soweit ich es in den Olporter Hafenschänken mitbekommen habe, wirft man blinde Passagiere von Bord, aber es wirkt fast, als hätte der Kapitän ein Nachsehen?"

Fragen über Fragen, Hirkan ist in seinem Element. Schon ärgert er sich darüber, daß er nicht ununterbrochen auf Deck geblieben ist. An Bord dieses Schiffes scheint sich so viel zu ereignen, daß kaum Zeit bleibt, sich mit einem Ereignis richtig auseinanderzusetzen, bevor schon wieder etwas passiert.



"Also über Bord wird er nicht geworfen, es schien so, als wußte er nicht einmal, daß er an Bord eines Schiffes ist, naja zumindest sagt er das, aber er schien so naiv, daß ich nicht glaube, daß er lügt. Da er, wie die meisten Elfen, denen ich begegnete, kein Geld hat, wird er an Bord arbeiten müssen um sich die Überfahrt zu verdienen. Ansonsten erzählte er noch was von einem seltsamen Land, in dem hohe Büsche oder hohes Gras wächst, ich kann mich nicht so genau erinnern, habe wohl in dem Moment nicht so genau hingehört. Naja, jedenfalls schien es ein elfischer Name für das Land zu sein, es klang so seltsam. Vielleicht kannte es daher niemand, denn der Elf behauptet, daß wir eigentlich dahin fahren würden. Eigentlich kann er das nur am Stand der Sonne beurteilt haben, ich muß ihn irgendwann mal fragen wo er genau hin möchte, wäre ja gelacht, wenn man das nicht rausbekommt."


Fianas Erläuterungen leuchten Hirkan ein, hat er doch bisher noch nicht viele Elfen getroffen und die wenigen, denen er begegnet ist, waren allesamt seltsam. Aber ein Elf auf einem Schiff, der nicht einmal weiß, daß er sich auf einem solchen befindet, das hört sich trotzdem ziemlich unglaubwürdig an. Daß er hingegen von hohem Gras oder ähnlichem gesprochen haben soll, paßt schon besser, aber welches Land kann er gemeint haben ...?

"Wenn er noch nicht einmal wußte, daß er sich auf einem Schiff befindet, woher weiß er dann, wohin wir fahren? Ich meine, daß wir nach Süden fahren, kann er vielleicht an der Sonne erkennen, aber ... vielleicht weiß er doch mehr, als Ihr und der Kapitän denkt!"



"Ich weiß nicht recht, ich glaube auch, daß er erkannt hat wohin wir fahren, also in Bezug auf die Richtung, aber ich denke, spätestens in Prem wird sich eine Gelegenheit ergeben mit ihm zu reden. Andererseits läßt es mir keine Ruhe und ich möchte schon wissen von welchem Land er geredet hat."



In der Kombüse


Mit einem zufriedenen "Ja!" wischt der Smutje noch einmal über den Tisch und sieht sich dann noch einmal prüfend um.

'Ja, hier könnte man vom Fußboden essen, alles in Ordnung.'

Noch einmal nickt er, dann macht er sich auf den Weg zum Oberdeck um mal zu schauen, was die anderen so machen.



Inzwischen dürfte der Schiffskoch wohl das Oberdeck erreicht haben, wo er sich dann gemütlich an die Reling lehnt und entspannt seinen Blick über den endlosen Ozean schweifen läßt.

'Da hat der Herr Efferd schon was, worauf er stolz sein kann', sinniert er.



Sigrun


Sigrun hört den Kommentar des Elfen und sieht ihn verständnislos an. Was soll denn an einer Hängematte so interessant sein?


"Naja, also, es ist eigentlich nichts besonderes. Man fällt jedenfalls nicht raus, wenn das Schiff mal ein wenig schaukelt", lautet ihre etwas hilflose Antwort.


An Nirka gewandt fügt sie noch an:

"Wenn ihr mich dabei nicht braucht, könnte ich noch einmal nach unten gehen. Wir ... waren ja noch nicht ganz fertig."

Ihr Gesichtsausdruck ist fragend. Dennoch wird deutlich, daß sie der Auffassung ist, den Elfen jetzt lange genug eskortiert zu haben. Die Entscheidung ist getroffen und der Kapitän hat beschlossen, Sylvhar nicht als Risiko anzusehen. Sigrun fühlt sich damit nicht mehr verantwortlich und es ist wohl wirklich nicht nötig, den Mannschaftsraum zu zweit zu zeigen.



Nirka zögert ein wenig. Natürlich macht es wenig Sinn, jetzt zu zweit den Elfen unterzubringen, aber sie verspürt nicht die geringste Lust, Sigrun aus ihrer Nähe wegzuschicken, zumal ihr bei Sigruns Erinnerung an die Ereignisse im Laderaum ein angenehmer Schauer über den Rücken gelaufen ist. Doch... Vorsicht kann nicht schaden, und so sagt sie:

"Gut. Dann mach am besten da weiter, wo wir aufgehört haben."

Sie geht dabei weiter auf den vorderen Niedergang zu.



Bei Nirkas Worten wird Sigrun ein wenig rot. Gerne würde sie wirklich genau da weitermachen, wo die beiden Frauen vor einiger Zeit aufgehört haben ... Doch das hat Nirka jetzt wohl nicht gemeint und es wird auch wirklich Zeit, die noch kaum begonnene Arbeit endlich auszuführen. Außerdem ist dies eine günstige Gelegenheit, im Laderaum zu verschwinden, ohne es irgend jemandem erklären zu müssen: Alle werden denken, daß sie mit Nirka und dem Elfen gegangen ist und so wird sich niemand fragen, warum die Laderaumkontrolle noch fortgeführt werden muß. Sigrun lächelt Nirka zu, antwortet mit einem kurzen "Gut!" und folgt den beiden Anderen unter Deck, um dann aber gleich weiter nach unten zu gehen.



Sylvhar und Nirka unter Deck


Sylvhar schweigt seid die kleine Gruppe die Brücke verlassen hat. Den Jungen, der von Nirka Anweisungen erhält und sich sofort darauf davon macht, hat er nur flüchtig begutachtet. Sein Blick schweift über das ganze Oberdeck und konzentriert sich dabei auf die Leute, die zu sehen sind. Der Junge ist bis jetzt der einzige, der nicht ins Altersbild der übrigen Menschen paßt. Ja eigentlich seltsam, Sylvhar hat bis jetzt keine Anzeichen einer ^intakten^ Sippe feststellen können. So ein großes Schiff entspringt normalerweise der Arbeit der ganzen Sippe, die es dann auch als ganzes benutzt. Hm, er wird Nirka mal darauf ansprechen. Es gibt einiges, viel mehr als er gedacht hätte, in dem sich die Menschen von seinem Volk unterscheiden. Die alten Lieder haben schon recht, aber sie erzählen nicht alles. Vielleicht verändern sich die schnelllebigen Menschen halt zu rasch und zu oft.

Währenddessen ist er schweigsam Nirka gefolgt, und gelangt nun mit und Sigrun zur Treppe. Noch einmal schweift sein Blick umher, diesmal jedoch gilt er dem Meer und dem Himmel - nun ja,wieder ins Schiff hinunter, wo es düster und trüb ist. Er holt noch tief Luft, wie wenn er in abgrundtiefes Wasser tauchen werde.



Nirka geht schweigend weiter und betritt schließlich den Mannschaftsraum. Wahllos zeigt sie auf eine der Hängematten der Mannschaft.

"Das ist eine Hängematte - da kann man sich drauflegen und schlafen. Du wirst eine eigene bekommen, die wir am besten..."

Sie sieht sich um, bis sie einen halbwegs freien Platz in der Mitte des Raumes sieht - die besseren Randplätze sind natürlich belegt - und zeigt dorthin.

"... dort aufhängen. Eigentlich sollte sie schon da sein, aber..."

Sie sieht kurz zur Tür, und dann erklingt wieder das dem Elfen - und dem Leser - schon wohlbekannte

"ALRIK!"



"JA, doch!"

erschallt es von der Laderaumtreppe her, gefolgt von eiligen Schritten. Nirkas Stimme macht schon wieder so einen ungeduldigen Eindruck, dabei hat er bei der Besorgung der Hängematte nun wirklich nicht getrödelt. Zum Mannschaftsraum hexen kann er die Dinger jedenfalls auch nicht. Daher ist Alrik auch etwas aus der Puste, als er schließlich im Mannschaftsraum ankommt und dort die Hängematte präsentiert.

"Für wen...?"



"Für Sylvhar."

Nirka zeigt mit einer knappen Geste auf den Elfen.

"Häng das Teil am besten dort auf..."

... sie zeigt wieder auf die freie Stelle...

"... und sieh zu, daß die Seile richtig fest sind. Die anderen würden sich bestimmt ärgern, wenn sie nachts wach werden, nur weil der Elf mitsamt seiner Hängematte auf den Boden klatscht."

Ihre Worte sind im Tonfall so gehalten, als wäre *das* wirklich ihre größte Sorge in diesen Fall.



Jetzt ist der Moment gekommen, wo Alrik die Person, die Nirka wie ein Schatten folgt, mal eingehender betrachtet. Und was er da zu sehen glaubt, das gefällt ihm überhaupt nicht. Es gefällt ihm sogar so wenig, daß es ihm spontan die Sprache verschlägt. Mit einem Ausdruck vollkommener Hilflosigkeit läßt er die Hängematte sinken und stammelt:

"Wie? Wo... schlafen... hier? Aber warum? ... und wir?"



Nirka beobachtet Alrik mit einer gewissen Amüsiertheit - sie kann sein Verhalten durchaus verstehen. Sie wäre aber nicht die gefürchtete Bootsfrau, wenn sie lange Erklärungen dazu abgeben würde.

"Hast du meine Worte nicht vernommen? Du sollst die Hängematte aufhängen - genau dort hin."

Etwas leiser fügt sie hinzu:

"Meinst du, er frißt euch, wenn er mit euch im gleichen Raum schläft? Wenn dich das stört, kannst du gerne auf dem Deck schlafen. Und nun häng das Ding auf."



Da hat sie gut reden - sie muß ja auch nicht hier schlafen, begehrt Alrik gedanklich auf. Jedoch wird er sich hüten, diese Worte in der Gegenwart der Bootsfrau laut zu äußern.

"Du ... äh ... wartest du noch so lange ... ?" fragt er Nirka etwas verschämt.

Dann macht der Schiffsjunge sich daran, die Hängematte an dem dafür vorgesehenen Platz zu befestigen. Zwischendurch schielt er immer wieder zur Tür, ob Nirka noch da ist.



Sylvhar sieht dieser Szene im Mannschaftsraum schweigsam zu. Er mustert den Knaben, Alrik heißt er wohl, mit einem völlig gelassenen, gefühlslosem Ausdruck, da er ihn nicht noch irgendwie verängstigen möchte. Und zudem, wer weiß wie Nirka reagieren würde, wenn er sich jetzt auch wieder einmischt. Nein, es ist wohl besser, die beiden diese Sache erledigen zu lassen. Aber etwas seltsam fühlt er sich schon dabei, wie der Junge für ihn diese Hängematte aufstellen muß. Das könnte er ja eigentlich selber machen. Sieht nicht so schwierig aus. Aber eben, er überläßt das doch lieber den Menschen, diese so zu regeln, wie sie es gerne hätten.

Hier drin wird er also schlafen. Und andere auch mit ihm. Ein leichter Schauer läuft ihm über den Rücken - in diesem düsteren, ungewohnten und beklemmenden Raum. Schon sehnt er sich wieder an die frische Luft und die weite des Wassers. Er schluckt leer. Aber es wird ihm schon gelingen, und wenn nicht, kann man dann immer noch weiterschauen.



Nirka beobachtet schweigend, wie Alrik seine Arbeit verrichtet - seine Frage ignoriert sie. Auch dem Elfen wirft sie ab und zu einen Blick zu, doch dieser ist erstaunlich ruhig... um so besser!



Die Reise geht weiter


Es ist wieder Ruhe eingekehrt auf der NORDSTERN. Die anfängliche Aufregung, die am Tage nach der Abfahrt aus Olport noch herrschte, hat sich gelegt, so wie sich jeder Sturm früher oder später legt.

Die Passagiere auf der NORDSTERN frönen dem Müßiggang. Ist man erst einige Tage auf dem Schiff, so gibt es nicht viel Neues an Bord zu entdecken. Die Mannschaft ist eine gut aufeinander eingespielte Truppe, und es bereitet den Reisenden sicher Vergnügen, den Matrosen bei der Arbeit zuzusehen, ohne selbst auch nur einen Finger krümmen zu müssen.

Plaudernd stehen sie an der Reling oder oben auf dem Brückendeck, wo sie unter günstigen Umständen durchaus schon mal den Kapitän in ein Gespräch verwickeln können. Leider ist Jergan nicht immer zum Reden aufgelegt und bei einer vermehrten Häufung von einsilbigen Antworten ist es einfach ein Gebot der Höflichkeit, sich als Passagier vom Brückendeck zurück zu ziehen.

Und dann stehen sie wieder an der Reling, starren sehnsuchtsvoll auf das weite Blau des Meeres und auf das hellere Blau des Himmels und auf den fernen Horizont, wo sich die Töne sanft vermischen. Doch auch all dieses wird mit der Zeit zum täglichen Einerlei, zum langweiligen Zeitvertreib.

Allerdings gibt es auch zwei Menschen an Bord, für die könnte die Zeit gar nicht langsam genug vergehen. Auch sie haben einen verträumten Ausdruck in den Augen, wenn ihr Blick suchend über das Deck des Schiffes wandert. Doch legt sich dieser sehnsuchtsvolle Blick, wenn die Zeit für Lagerraumkontrollen ansteht. So mancher Seemann kann sich kaum daran erinnern, daß es hier jemals Zeiten gab, zu denen die Lagerräume gründlicher, ausführlicher und intensiver kontrolliert worden sind. Um so verwunderlicher erscheint es, daß noch niemand auf den wahren Hintergrund dieser Kontrollen gestoßen ist. Man freut sich vielmehr über die ausgesprochen gute Laune der Bootsfrau Nirka, die seit den letzten Tagen einen besonders ausgeglichenen Eindruck macht.

Auch in anderen Belangen sind die Lagerraumkontrollen von Erfolg gekrönt. Immerhin hat man schon seit mehreren Tagen keinen blinden Passagier mehr aufgegriffen, und man kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, daß es auf diesem Schiff keinen ungeprüften Pelzballen mehr als Versteck für blinde oder zwielichtige Gestalten gibt.

Die Mannschaft hingegen hat schon genug Kummer mit dem einen nicht mehr blinden, aber dafür spitzohrigen Passagier. Nur unter Murren nehmen sie es hin, daß diese Person den Mannschaftsraum mit ihnen teilt. Das ehrlich gemeinte Bemühen des Elfen doch alles 'richtig' machen zu wollen, vereinfacht das Zusammenleben leider nicht gerade. Und so manches Mal sind ein ruhiges Gemüt oder ein paar harsche Worte - ob nun von Ole, Nirka oder Sigrun - notwendig, um wieder Frieden zwischen den Konfliktparteien zu schlichten.

Doch nach der Flaute wird irgendwann gewiß wieder ein frischer Wind aufkommen ...

... und so warten sie alle auf Prem: die Gelangweilten, die Pflichtbewußten, die Verliebten und die Erzürnten.


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