- Nordstern -

- Olport -

Ankunft in Olport


Eine sanfte Dünung wiegt die See nördlich von Olport. Der Wind, der in den letzten Tagen noch für heftige Wellen sorgte, hat fast vollkommen aufgehört. Eine Möwe dreht in dem sanften Wind weite Kreise, die sie auf das Meer hinaus tragen. Ihr Kreisen scheint ziellos, doch das ist es nicht:

Ein kleiner Punkt wird größer, während der Vogel näher heran fliegt, dann werden für das Möwenauge Einzelheiten erkennbar:

Der hölzerne Rumpf eines Schiffes wächst aus dem Punkt hervor, darüber zwei Masten, die große weiße Havena-Segel tragen. Die Möwe fliegt weiter, und auf dem Schiff sieht sie immer mehr Details: Die Reling, die Menschen dahinter, schließlich die Wanten und all das Tauwerk an Bord. Wenn die Möwe Ahnung von der Seefahrt hätte, würde sie dieses Fahrzeug als Karavelle einordnen. Doch das berührt sie nicht weiter, sie dreht lieber eine weite Kurve um das Schiff, das für sie nicht mehr ist als ein bisher unbekannter Punkt, auf dem man sich ausruhen kann. Sie huscht vorbei an der Schrift am Heck, den dem Schriftkundigen den Namen NORDSTERN offenbart, und breitet dann die Flügel bremsend aus, um auf der Spitze des Großmastes zu landen.

Ein ganzes Stück weiter unten, auf dem Brückendeck am Heck des Schiffes, weist der Kapitän nach oben:

"Sieh, Alrik! Der erste Vorbote des Landes, der erste Gruß aus Olport!"

Seine Worte gelten dem Schiffsjungen, der ein Stück hinter dem Kapitän damit beschäftigt ist, die Utensilien einzusammeln, die er zuvor gebraucht hat, um den vor sieben Tagen begonnenen Anstrich des Hecks zu beenden. Weiter vorne, am Bug neben dem Geschütz, zeigt die Bootsfrau Nirka in Fahrtrichtung und ruft:

"Die Gestade von Olport sind in Sicht!"

Die Möwe beobachtet, wie unter ihr geschäftige Aktivität losgeht, die für sie nicht im geringsten verständlich ist. Dennoch bleibt sie sitzen und genießt den Ausblick, den ihr dieser hohe Punkt mitten über dem Wasser bietet, ohne daß sie sich dafür anstrengen muß.



*********************


Stunden später, die Möwe hat inzwischen längst Gesellschaft bekommen, stößt ein kleines Boot sanft gegen den Holzrumpf der Nordstern. Helfende Hände unterstützen den Mann, der aus dem Boot an Bord kommt und sich sogleich zum Kapitän begibt.

Jergan begrüßt den Lotsen freundlich, und hält sich im folgenden genau an seine Anweisungen, dank derer die NORDSTERN sicher den Weg zwischen beiden Kreidefelsen mit der darauf thronenden Festung hindurch bewältigt,

die den Hafen der Stadt Olport bilden.

Mit stark verringerter Segelfläche treibt die Karavelle schließlich durch das Hafenbecken, bis unter Führung der Bootsfrau Nirka auch das letzte Segel eingeholt wird. Antriebslos, nur vorangetrieben durch den eigenen Schwung, treibt die NORDSTERN auf den Kai zu, an dem eine ganze Menge Schaulustiger - und Reisewilliger? - bereits wartet.

Souverän werfen zwei der Matrosen die Leinen hinüber, die von geschickten Händen gefangen und an den Pollern festgemacht werden.

Während der Kapitän auf dem Brückendeck dem Lotsen dankt, und diesen auszahlt, wird weiter vorne bereits die Planke ausgelegt, die Schiff und Festland für eine kurze Zeit miteinander verbinden wird.



*****************************


Unten an der Kaimauer, dicht neben dem Wasser, sitzt regungslos ein riesiger Mann auf einer kleinen wackligen Kiste. Das morsche Holz vermag das Gewicht des Hünen kaum zu tragen. Er verweilt dort wie teilnahmslos, womöglich schon seit Stunden, doch dem aufmerksameren Betrachter mag es vielleicht nicht entgangen sein, daß die Augen dieses Mannes eine große Wachheit andeuten und nichts von den Geschehnissen um ihn herum dürfte ihm entgehen.

Sein Gesicht sieht aus, wie von Wind und Wetter verwüstet. Die langen Haare stehen struppig in alle Richtungen und werden nur unvollkommen von einem Haarband gezähmt. Aus dem mächtigen Vollbart ragt eine klobige Pfeife, die hin und wieder große Rauchwolken ausstößt. Der Mann trägt einfache Kleidung und einen alten, bodenlangen Ledermantel, der seine beste Zeit wohl hinter sich hat, aber noch immer bestens gegen Kälte und Regen zu schützen vermag. Es hat ganz den Anschein, als habe er seinen gesamten Besitz um sich herum abgelegt. Vor ihm steht eine Drehleier auf dem Boden und neben ihm lehnt ein großer Seesack an der ohnehin schon stark strapazierten Kiste, dicht daneben liegt eine in ölige Tücher gehüllte Waffe, vermutlich eine Skraja. Jedem, der ihn im Vorübergehen dort sitzen sieht, könnte die Vermutung naheliegen, daß dieser Mann auf irgend etwas wartet.



Smutje an der Reling


Während die Nordstern in der Olporter Hafen einläuft, steht der Smutje irgendwo an der Reling, wo er möglichst niemanden stört und weicht vorsichtig jedem Matrosen aus, der auch nur in seine Nähe kommt. Er stützt sich mit beiden Armen auf und blickt zu Beginn angestrengt in die Ferne und später, als der Kai nur noch wenige Schritt entfernt ist, neugierig in die Runde der Schaulustigen. Er genießt das neue Erlebnis sichtlich, sein breites Grinsen seine leuchtenden Augen legen ein beredtes Zeugnis davon ab.



Ottam auf dem Oberdeck


Schon seid einiger Zeit steht Ottam auf dem Oberdeck. Die Hafeneinfahrt von Olport hat etwas beeindruckendes, die Gewaltigen Kreidefelsen und des gefährliche Efferdspfeiler mitten in der Einfahrt. Das tückische ist nicht einmal der Pfeiler selbst, vielmehr die Flachen Felsen, knapp unter der Wasseroberfläche die ihn weiträumig umgeben. Kaum das Ottam seinen Blick vom Efferdpfeiler abwendet, da erblickt er auf der Rechten der beiden mächtigen Klippen aus Kreidefels ein Gebäude das mehr als nur den Namen des Unendlichen Gottes trägt. Der Efferdtempel zu Olport, das alte Gebäude aus grau weißem Stein strahlt etwas Majestätisches aus, aber auch etwas unheimliches. Viel hat dieser Tempel nicht mit dem Bild eines gewöhnlichen Tempels gemein. Viel mehr erinnert er an eine trutzige Burg, fast eine Festung. Genau als solche diente das Gebäude wohl schon öfters während Zeiten der Belagerung. Fast hätte Ottam seinen Blick in der Unendlichkeit des Tempels verloren, als ihm bewußt wird das es ja noch eine weitere berühmte Einrichtung in der Hafeneinfahrt gibt. Er wendet sich zur Linken und erblickt auf dem Ausläufer der Linken Klippe eine von einer Palisade eingefaßte Ansammlung von Langhäusern. Dabei muß es sich zweifelsfrei um die Berühmte Halle des Windes handeln, die wohl älteste Akademie Aventuriens, soll sie doch bereits seit über 2000 Jahren existieren.


'Hoffentlich reicht die Aufenthaltszeit aus um dort einmal hin zu gehen' Denkt sich Ottam bevor er sich endgültig in seinen Eindrücken verliert er kommt erst wieder zurück zur Realität als die NORDSTERN gerade vertäut wird. Wie aus einer fremden fernen Welt gerissen blickt er zum Kai.



Sigrun


Als sich die ersten Zeichen für eine Annäherung ans Ufer zeigen, fühlt Sigrun Erleichterung in sich aufsteigen. Diese Fahrt war um Einiges anstrengender verlaufen, als sie es sich vorgestellt hatte: Erst der Sturm mit all seinen Folgen und dann war tagelang so viel zu tun, daß sie kaum noch wußte, wo ihr der Kopf stand. Sie beginnt sich zu fragen, wie lange die NORDSTERN wohl Aufenthalt in Olport haben wird und ob die Matrosen die Möglichkeit haben werden, das Schiff zu verlassen.

Doch schon im nächsten Moment reißt sie sich zusammen. Es gibt noch viel zu tun, bevor der Hafen erreicht ist und es ist nicht die richtige Zeit, um in Gedanken zu versinken. Konzentriert folgt sie den Befehlen des Kapitäns und Nirkas, bis das Schiff nur noch ohne Segel auf seinen Anlegeplatz zutreibt. Erst jetzt beginnt sie sich zu entspannen und wirft einen Blick auf die Stadt, in deren Hafen das Schiff gerade einläuft. Doch auch daran hält sie sich nicht lange fest, sondern erwartet die Arbeiten, die nach dem Anlegen auf sie zukommen.



Jergan


Jergan wendet sich nach der Verabschiedung des Lotsen und der sicheren Vertäuung des Schiffes an diejenigen der Mannschaft, die sich auf dem Deck aufhalten. Zu diesem Zwecke tritt er bis nach vorne an die vordere Reling des Brückendeckes - ein Ort, der hervorragend für diesen Zweck geeignet ist.

"Wir werden nicht lange hier bleiben - wahrscheinlich laufen wir noch heute abend, oder spätestens morgen früh aus. Urlaub gibt es darum keinen, wer aber etwas in der Stadt erledigen möchte, möge sich an mich oder einen der anderen Offiziere wenden."

Er fährt nach einer kurzen Pause fort:

"Sorgt dafür, daß die Trinkwasservorräte aufgefüllt werden, und schafft das gerissene Segel zum Segelmacher."

Er selbst geht nach diesen Worten auf das Oberdeck hinunter in Richtung der an Land führenden Planke.



Alrik


Bereits seit dem frühen Morgen, als die ersten Vögel vom nahen Land kündeten, ist Alrik von einer gespannten Erwartung erfüllt. Das kribbelige Gefühl in der Magengegend, läßt sich selbst durch fleißiges Arbeiten nicht ganz vertreiben.

Olport! Fast meint Alrik mit dem kalten Wind den Geruch von frisch gefällten Hölzern, von Fischabfällen im Hafen, von rauchigen Spelunken, kurzum den Duft der großen bunten weiten Welt, wahrnehmen zu können.

So zieht der Schiffsjunge ein wahres Firunsgesicht als der Kapitän kundtut, daß man beabsichtigt schon am morgigen Tag in der Frühe oder wohlmöglich noch heute - nach wenigen Stunden - wieder abzulegen. Schon sinkt er förmlich in sich zusammen und läßt die Schultern hängen. Welche Enttäuschung! Welch' Niederschmetterung!

Etwas wird Ariks Schrecken jedoch gemildert als Jergan die Möglichkeit gewährt, mit Genehmigung der Offiziere das Schiff zu verlassen.

Neugierig beobachtet er die Reaktionen der einzelnen Besatzungsmitglieder. 'Was erledigen' - das kann ja vieles heißen und unter Umständen hat tatsächlich jemand 'was zu erledigen'. Alrik Aufmerksamkeit wandert abwechselnd von den Offizieren zur Mannschaft. Innere Unrast und Ungeduld zeichnen seinen Blick, jetzt gilt es, bloß den richtigen Moment nicht zu verpassen, um sich bei anstehenden 'Erledigungen' der anderen nützlich zu machen. Alrik ist bereit, und die ganze unbekannte Stadt wartet auf ihn...



Sigrun


Sigrun hat Jergans Aussage über die kurze Anlegezeit ebenfalls gehört. Sie zuckt mit den Schultern. Zwar hätte sie sich die Stadt gerne ein wenig angesehen, aber es würde ihr nie in den Sinn kommen, so zu tun als hätte sie dort etwas Wichtiges zu erledigen, wenn dies doch nicht der Fall ist. Daher wirft sie sich in das Gewühl der Matrosen und konzentriert sich wieder auf die Arbeit.



Der graue Riese


Sowie die NORDSTERN an der Kaimauer vertäut liegt, kommt Leben in den seltsamen, grauen Riesen, der da, einer Statue gleich, auf dieser brüchigen Holzkiste sitzend, treu und geduldig neben dem Hafenbecken ausgehalten hatte. Er kann seinen Blick, der vordem noch teilnahmslos ins Leere gerichtet war, nun nicht mehr von dieser herrlichen Karavelle abwenden. Seine Augen bekommen einen lichten Schimmer, als ob ein innere Dunkelheit von ihm gewichen wäre. Langsam erhebt er sich von seiner Kiste, die dabei ein ächzendes Geräusch von sich gibt, als freue sie sich über die plötzliche Entlastung. Langsam und gemächlich, fast schon ein bißchen zögernd geht er Schritt für Schritt an der Anlegestelle der NORDSTERN auf und ab. Daß er dabei einigen geschäftigen Schauerleuten im Weg steht, stört und kümmert ihn nicht. Sogar seine geringe Habe läßt er unbewacht zurück. Es schien, als sei er im Banne einer verzückten Entrücktheit gefangen. Hektische Rauchwolken steigen aus seiner Pfeife

auf. Mit einem Augenmerk, welches eine gewisse Kennerschaft andeutet, beäugt er die Schiffskonstruktion, von der Takelage bis hinunter zur Wasserlinie. Ganz in Gedanken nickt er einige Male anerkennend vor sich hin, es scheint ihm zu gefallen was er so eingehend betrachten kann. Sinnend bleibt er stehen, versunken in einem inneren Disput, der aber in Art und Inhalt nicht nach außen drängt. Doch dann geht ein Ruck durch seinen Körper und mit einer Behendigkeit, die ihm jene, die ihn noch kurz zuvor auf seiner Holzkiste sitzend gesehen hatten, nie im Leben zugetraut hätten, geht er zurück zu seinem Lagerplatz, nimmt seinen Seesack auf, verstaut darin sein Instrument, schultert seine Waffe und wendet sich wieder hin zur Anlegestelle der NORDSTERN, dorthin wo die Planke liegt, ein schmaler Steg in die großen Weiten Deres, dort, wo sich die Wellen von "Ifirns Ozean" mehr und mehr mit den Wassern des "Meeres der sieben Winde" vermengen.

Waren noch Wehmut und Traurigkeit vor wenigen Augenblicken seine Wegbegleiter gewesen, so strahlt er jetzt Kraft und Entschlossenheit aus. So eilt er auf die NORDSTERN zu und er lächelt, ja wirklich, er lächelt........


Der Smutje und Larian an der Reling


Larian, der in seinem kleinen Zimmer gelegen und in einem kleinen Buch gelesen hatte, horcht auf. 'Sind das nicht Befehle die da gerufen werden? Hmm, wir haben wohl angelegt.' Larian wirft noch einen Blick auf den mal wieder abwesenden Barden und macht sich auf den Weg nach oben.

'Hoffentlich bleibt Zeit um für ein paar Stunden von Bord zu gehen.'
Als er auf dem Oberdeck ankommt wendet er sich Richtung Reling, wo er den Smutje anspricht:
"Na, wie lange bleiben wir hier vor Anker? Ich hoffe lange genug um einer Kneipe einen Besuch zu machen."


Sören wendet sich von dem Hafen ab und blickt Larian gespielt herausfordern an.
"Schmeckt's Euch bei mir etwa nicht?"


Ob dieses "Angriffs" errötet Larian kurz, bis er sich wieder im Griff hat.

"Nein, nein, ganz im Gegenteil! Euer Essen ist wohl als eines der besten auf dem Wasser, wenn nicht auf dem Festland zu nennen."

Trotz dieser offensichtlichen Übertreibung läßt sich Larian nichts anmerken, will er es sich ja nicht schon zu Beginn der Reise mit dem Koch verscherzen.

"... Aber was mir abgeht ist ein Becher voll gutem Wein. Wenn ihr Zeit und Lust habt lade ich euch gerne auf einen Krug 'Engasaler' ein."



"Da sag ich nicht nein", erwidert Sören lächelnd, auch wenn er nicht wirklich weiß, was "Engasaler" eigentlich ist.

'Oha, eines der besten... naja, mit Lob kann man nie übertreiben, hm?'

Nachdem er dann einige Sekunden schweigend und nachdenklich den Kai gemustert hat, fällt ihm plötzlich ein, daß Larian ja auch noch etwas von ihm wissen wollte.

"Ach ja, ähm, der Kapitän meinte, wir bleiben bis heute abend oder morgen früh hier.

"Nkeiun gut, dann wollen wir uns nach einer guten Kneipe umsehen. Müssen wir uns dazu beim Kapitän abmelden?"



"Wäre wohl nicht schlecht. Am Ende legen sie noch ohne uns wieder ab",
erwidert der Smutje schmunzelnd.


Die Katzen


Traumauge erwacht als das Schiff anlegt, Die lauten Befehle dringen ohne Probleme auch hier unten noch an seine zarten Katzenohren. Er ist in den letzten Tage in der Nähe seiner Mutter geblieben, hat ihn doch sein letzter größerer Alleingang zutiefst erschreckt. Wäre nicht der liebe Zweibeiner gekommen und hätte ihn von dem seltsamen Monster befreit das erst so harmlos und Weich wirkte währe er wahrscheinlich längst verhungert. Zärtlich leckt er seiner Mutter über den Kopf und maunzt dabei als wolle er ihr sagen:

"Komm laß uns nachschauen wo die schwimmende Höhle diesmal gestoppt hat"


Smirnoff, der Pelzhändler


Vom Anlegen und dem Geräuschen des Hafens aufgeweckt`, reibt sich der Pelzhändler die Augen.
'Bei Firun, wie lange habe ich geschlafen? Wo sind wir denn? Ist das schon Olport?'

Smirnoff macht sich an seinem Gepäck zu schaffen und fördert frische Wäsche und Kleidung sowie Rasierzeug und einen kleinen Handspiegel zu Tage. Er blickt in den Spiegel und erschrickt. Auf seinem sonst so glatt rasiertes Kinn sprießt ein dichter Mehrtagebart! Der wuchtige, aber normalerweise sorgsam gestutzte Schnauzer sieht auch ziemlich wild und verlegen aus.

'Ich muß mindestens vier Tage weg gewesen sein, bei dem Bart. Na warte!'

So greift Smirnoff zum Rasiermesser und macht sich an die Morgentoilette. Frisch rasiert und gekleidet wirft er sich den Pelzmantel über die Schultern und begibt sich ans Oberdeck, wo er erstmal auf der obersten Stufe stehenbleibt, um sich an das helle Licht zu gewöhnen und sich umzusehen.



Der graue Riese


Der Hüne steht nun bei der Planke, dieser schmalen und wackligen Verbindung der NORDSTERN mit dem Festland. Er wirkt nun sehr angespannt und unruhig. Offensichtlich haben die kommenden Schritte eine maßgebliche Bedeutung für ihn, als stünde eine Entscheidung an, die sein Leben nachdrücklich verändern könnte; vielleicht sollte es auch sogar so sein. Nervös verlagert er sein Körpergewicht ständig von einem Bein auf das andere. Nachdenklich mustert er prüfend jede Person, die er auf dem Oberdeck wahrnehmen kann. Die meisten, die er dabei erblickt, sind sehr beschäftigt und eilen hantierend auf dem Deck herum. Nur eine Person von denen, die er dort sieht, hat sichtbar die Zeit, die Arme locker über die Reling hängend, das Treiben auf dem Kai zu beobachten. Der Hüne lauscht den Befehlen, die dort drüben gegeben werden und er bemüht sich den Kapitän oder einen der Offiziere dabei zu erkennen. Doch das ist schwer!

Beim Anlegen geht es immer etwas durcheinander zu. Der Riese lächelt, oh ja, er kennt das, so war es immer, so wird es immer bleiben! Schließlich ruft er mit einer rauhen, fast heiser klingenden Stimme zum Schiff hinüber:

"Efferd zum Gruße, Brüder der See! Ist der Kapitän zu sprechen für einen Wanderer der Meere, der ihm Herz und Hand zum Dienst anbieten will?"

Nun steht er wieder still und hält die linke Hand hinter das Ohr, um die Antwort, die da kommen könnte, nicht zu verpassen.




Nachdem sich Fiana davon überzeugt hat, das das Schiff ordnungsgemäß und sicher vertäut ist macht sie sich auf den weg zur Planke, um evtl. zusteige Willigen Personen behilflich zu sein. Als der Hüne sich zu Wort meldet blickt sie zunächst zum Kapitän um zu sehen ob sich dieser persönlich angesprochen fühlt. Wenn er nicht reagiert wird sie das übernehmen. Doch erst wartet sie ab.



Jergan vernimmt gerade noch das Wort Kapitän, das der Mann unten auf dem Kai ausspricht, dann spitzt er die Ohren und stellt sich neben Fiana.

"Jergan Efferdstreu mein Name, Kapitän der NORDSTERN."

Er redet laut genug, um die Geräusche an Bord und an Land zu übertönen.



Als der Riese die Worte des Kapitäns vernimmt, ändert er sofort seine Haltung. Eben noch mächtig und stolz stehend, umgeben von einer Aura fast kindlich zu nennender Freude, beugt er sich nun mit seinen Oberkörper leicht nach vorne. Nicht Demut zeigt er, aber Respekt - eine Geste angemessener Höflichkeit! Er nimmt die Pfeife aus dem Mund und verzieht sein Gesicht zu einem strahlenden Lächeln. Sein Zähne sind schneeweiß, ungewöhnlich für einen Mann, der dem Pfeifenkraut so im Übermaß zuspricht. Und er spricht mit dröhnender Stimme, in einer Rauheit, die charakteristisch für ihn zu sein scheint:

"Seid mir gegrüßt, Kapitän! Möge der Herr EFFERD allezeit die Wellen vor euerem Bug glätten und sein Sohn Swafnir übles Gezücht von eurem Kiel fernhalten! Wenn ich mir es, euer Wohlwollen vorausgesetzt, erlauben darf, so möchte ich bemerken, daß ihr da ein sehr schönes Schiff unter euerem Kommando habt, ein Schiff so stark und mächtig, wie man es nur selten sehen kann. Doch auch dem trutzigste Schiff kann übelwollender Sturm und böse Driftung manchen Schaden beibringen und selbst wenn es die ZWÖLF gut mit euch meinen, so findet Satinav's Zahn stets neue Nahrung. So ihr Bedarf habt möchte ich euch in jedem dieser Fälle meine Dienste anbieten, denn ein Zimmerer bin ich und die See ist mein Zuhause, schon viele Jahre. So suche ich eine neue Heimat für mich und meine Fähigkeiten. Auch kenne ich mich aus mit der Segelmacherei, auch wenn es nicht unbedingt mein Beruf zu nennen ist. Nicht der Meister, sondern das Leben war mir Lehrherr! Durchaus habe ich Geschick im Umgang mit Nadel und Faden. Und nicht nur kaputte Hosen habe ich zur Zufriedenheit aller wieder flicken können, auch habe ich zerfetzte Segel repariert und wieder in den Wind gebracht und auch manche klaffende Wunde wieder schließen können. Ole Draggensson ist mein Name, Sohn des Swafnian, der mir die Liebe zur See vererbte. Und so ihr meine Dienste gebrauchen könnt, zögert nicht mich an Bord zu nehmen, ich will es euch mit feinster Arbeit vergelten!"

Nach dieser Rede holt der Hüne noch einmal tief Luft, doch er redet nicht weiter, sondern seufzt tief und seinen Schultern sacken nach unten dabei. Er wartet und er nimmt noch nicht einmal die Pfeife wieder in den Mund......



Der Kapitän überlegt kurz. Einerseits wäre ein Zimmermann und Segelmacher an Bord eine wirklich gute Sache, andererseits muß er das wenigstens mit Ottam abstimmen - und dann ist da noch diese Unsicherheit. Schließlich kann jeder etwas behaupten - wenn sie erst einmal auf See sind, dann ist es dafür zu spät. Aber... der Mann macht einen sehr erfahrenen Eindruck, und er scheint jedes Wort exakt so zu meinen, wie er es sagt.

"Ich mache Euch einen Vorschlag: Wir hatten auf der Fahrt von Riva nach hier einen Sturm, der eines unserer Segel recht zerfetzte. Wir wollten es hier zu einem Segelmacher bringen, aber es wäre eine gute Gelegenheit für Euch, Eure Kunstfertigkeit zu beweisen."

Grinsend fügt er hinzu:

"Solltet Ihr dann keine Lust haben, an Bord zu bleiben, so bezahlen wir Euch dies selbstverständlich. Wenn es so ausfällt, wie ich es auch zutraue, dann könnt Ihr Euch als Mannschaftsmitglied der NORDSTERN betrachten."



Auch Ole muß nun lächeln, er hatte es noch nicht oft erlebt, daß ein Kapitän so leutselig mit ihm verhandelt hat. Immerhin ist er nicht sofort abgewiesen worden. Leicht hätte es sein können, daß die Besatzung schon komplett gewesen wäre und kein Platz mehr für den alten Ole. So hat er nun eine echte Gelegenheit seine Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Bisher war noch jeder Kapitän mit ihm hoch zufrieden gewesen, Grund genug dem eigenen Können zu vertrauen. Dieser Gedanke verleiht ihm Sicherheit und erzeugt in ihm eine tief empfundene, grundehrliche Freude, die ihm regelrecht von seinem strahlenden Gesicht abzulesen ist und er ist beseelt davon seine Chance zu nutzen.

"Aye, aye - Kapitän! So soll es recht sein! Harte Arbeit hat mich noch nie verschreckt. Man soll mir den Weg weisen und ich werde, mit der Hilfe der Dame Tsa, aus den Fetzen wieder ein Tuch machen. Ich bin zuversichtlich, daß ihr mit mir zufrieden sein werdet. Das wohl!!"

Ole setzt sich in Bewegung und betritt die Planke. Das Holz biegt sich schwer unter seinem Gewicht, hält aber brav stand. Ole lächelt immer noch, doch auf seiner Stirn bilden sich einige Falten, die der Volksmund gerne Sorgenfalten nennt, so, als wolle er sich selbst wieder aus verzückter Höhe auf den Boden der Wirklichkeit zurückrufen.

Große Worte, die du da vergibst, so dachte er bei sich, dafür, daß du das Segel noch nicht einmal gesehen hast, nimmst du dich schon arg in die Pflicht. Aber was soll's, du hast in deinem Leben schon Segel wieder zusammengeflickt, da hätten andere nicht einmal mehr ein Taschentuch daraus machen können. Dieser innere Dialog erheiterte ihn wieder, gab ihm wieder eine gute Portion Unbekümmertheit und die Falten auf seiner Stirn waren schon längst verschwunden, als er das Oberdeck betritt.........



"Willkommen an Bord, Seemann!"

Er sieht sich suchend nach einem Matrosen um - und sein Blick fällt auf die Neue. Wie hieß sie gleich?

"Sigrun!!! Bring mal das kaputte Segel und Arbeitszeug aufs Vordeck!"



Fiana bemerkt wie der Kapitän sich neben sie stellt und mit dem Mann am Kai spricht. Gut so dann kann sie die luft genießen. Mancher wird sagen das es im Hafen stinkt, zugegeben, so frisch und angenehm wie auf hoher See ist die Luft nirgendwo, doch bedeutet der Geruch im Hafen so etwas wie ein besuch zuhause, egal wo sich der Hafen befindet. Tief zieht sie den Geruch ein, sie Freut sich das sie alle den Sturm so gut überstanden haben. Das hätte schlimmer ausgehen können. Doch so paradox es klingt, obwohl sie froh ist hier zu sein vermißt sie schon den Wellengang und die Frische Brise die ihr am Steuer immer um die Ohren weht. Sie ist halt nicht für einen ruhigen untergrund geschaffen. Glücklicherweise dümpelt die NORDSTERN wenigstens etwas.


Während dieser Gedankengänge beobachtet sie aufmerksam den Hafen, wird jedoch durch die Antwort des Hünen unterbrochen. 'Wenn der man halten kann was er verspricht wird er sicher ein gutes Mannschaftsmitglied. Doch noch ist sie skeptisch. Zu viele haben schon versucht anzuheuern und sind schneller als der Wind wieder verschwunden als sie das erste mal Arbeiten mußten.



Ottam kehrt langsam in die Reale Welt zurück. Als er sich umsieht erkennt er das Sowohl Jergan als auch Fiana an der Planke befinden. Offensichtlich scheint jemand an Bord zu kommen, doch der Mann sieht nicht wie ein typischer Reisender aus, naja, eigentlich kann man die ja nicht über einen Kamm scheren, so verschieden sind die Leute die auf einen Schiff reisen. Doch der Mann der da kommt wirkt auch auf Entfernung eher wie ein Seemann. Davon muß er sich genauer überzeugen und schreitet mit aller Würde die er so kurz nach seinen Tagträumen aufbringen kann in

richtung der Planke

"Einen Göttergesegneten Morgen wünsche ich"

Dabei blickt er die drei an der Planke stehenden an.



"Aye, aye, Käpt'n", ruft Sigrun, als sie Jergans Auftrag vernimmt. Schnellen Schrittes macht sie sich auf den Weg unter Deck, wo sie zunächst die Flickutensilien zusammensucht. Anschließend zerrt sie das gut verstaute defekte Segel hervor und trägt es wieder auf das Oberdeck. Ein wenig ärgert sie sich über ihre eigene Nachlässigkeit: ein solches Segel alleine zu tragen ist ziemlich schwer. Aber jetzt ist es zu spät, die anderen Matrosen sind alle oben beschäftigt. Also beißt sie die Zähne zusammen und es gelingt ihr, wenn auch etwas mühsam, das Segel aufs Oberdeck zu bringen. Dort angekommen hält sie kurz inne und wendet sich erneut an den Kapitän:

"Wo soll das Segel denn abgelegt werden?"



Jergan zieht die Brauen hoch. Hatte er nicht gesagt, wo das Segel hin soll?

"Alles auf das Vordeck. Dieser Seemann hier", er zeigt auf Ole, "wird es reparieren. Zeig ihm am besten den freien Platz neben der Rotze - da kann er es tun."

Dem Kapitän entgeht nicht, daß die Frau sich mit dem Segel quält, aber das ist ihre eigene Schuld - sie hätte ja Hilfe mitnehmen können. So fordert er auch jetzt niemanden auf, ihr auf dem letzten Stück des Weges zu helfen.

An Ole gewandt sagt er lediglich:

"Dies ist das Segel, und Sigrun wird Euch den Arbeitsplatz zeigen."


Nun, endlich, steht Ole wieder auf dem Deck eines Schiffes. Es scheint als würde ein Traum für ihn wieder wahr. Für einen kurzen Moment schließt er die Augen und überläßt den Rest seiner Sinne ganz den Meeresgeräuschen und dem spürbaren Schaukeln des schwankenden Standortes. Doch gleich darauf ist er wieder völlig Herr seiner selbst, reibt sich geschäftig die Hände und konzentriert sich auf die umstehenden Personen und die bevorstehende Aufgabe.


Er nickt dem Kapitän freundlich, doch entschlossen zu, ebenso der Frau die neben ihm steht und die manchmal in Gedanken versunken, dann aber wieder voll in der Wirklichkeit verhaftet scheint. Er spürt, daß sie ihn sehr kritisch betrachtet, doch fühlt er sich nicht unwohl dabei, er kann ja nicht erwarten, daß man ihn so ohne weiteres mit offenen Armen empfängt. Gleichwohl begegnet er dieser Frau mit gebotenem Respekt, in der Annahme, daß sie auf diesem Schiff durchaus etwas zu sagen hat. Bootsfrau vielleicht, wer kann dies schon wissen, nach einem ersten flüchtigen Eindruck.


Noch während Ole mit seinem Blick nach der Matrosin sucht, die der Kapitän 'Sigrun' genannt hatte, Ole hätte ihr gerne beim Tragen des Segels geholfen, wird er jäh in seinen Gedanken unterbrochen, als ein Mann hinzugetreten war, der die Umstehenden im Namen der Götter höflich grüßt.

"Die ZWÖLF mögen auch euch einen angenehmen Tag bereiten, mein Herr"

antwortet Ole pflichtschuldig und etwas verunsichert wendet er sich Hilfe suchend zum Kapitän hin, in der Hoffnung, daß in dieser aufkläre, wer dieser freundliche Herr sei......



Ottam und der Kapitän


Auf die Erwiderung seines Grußes nickt Ottam dem Mann Freundlich zu, wendet sich jedoch dann an den Kapitän "Wie hab ihr es so schnell geschafft den Segelmacher zu holen, wenn mir nichts entgangen ist, ist doch noch gar niemand von Bord gegangen ?"



"Mögen die Zwölf dir einen schönen Tag schenken"

Erwidert Fiana auf Ottams Gruß



Gut, daß der Magier ihn darauf anspricht! Jergan tritt ein ganzes Stück von der Planke zurück - soll Fiana die Begrüßung etwaiger Passagiere übernehmen. Er grinst den Magus an und beginnt dann ziemlich leise:

"Ich habe niemanden geholt. Dieser Mann sucht Arbeit, und seinen Worten zufolge ist er erfahren - und genau diesen Eindruck macht er auf mich. Das defekte Segel ist eine gute Gelegenheit, sein Können zu testen. Er sagt, daß er Zimmermann und Segelmacher ist - beides haben wir an Bord nicht. Wir brauchen es zwar auch nicht unbedingt, da wir so weite Strecken zwischen den Häfen kaum fahren, aber wenn er so gut ist, wie ich erwarte, sollten wir ihn durchaus nehmen. Was meint Ihr?"



Freundlich, aber auch etwas leiser, erwidert Ottam

"Ich denke ihr habt recht, Durch den Sturm ist mir wieder bewußt geworden was alles auf so einer weiten Reise passieren kann. Wenn er das Segel vernünftig in Ordnung bringt sollten wir ihn nehmen. Auch wenn wir in Küstennähe fahren ist unser Weg einer der Weitesten den man fahren kann und nur Wenige Schiffe tun so etwas. Wenn wir Pech haben treibt uns ein Sturm weit vom Land weg und dann ist es wirklich besser jemanden zu haben der Schäden Reparieren kann."

nach einer Kurzen Atempause fügt er hinzu:

"Wenn wir ihn nehmen, sollte noch jemand mit ihm ein paar Ersatzteile besorgen und ggf. fehlende Werkzeuge"



Ole schreitet zur Tat


Die Zeit des Handelns scheint gekommen, denn die Zeit der Plaudereien ist offensichtlich zu Ende. Ole schüttelt seine aufkeimende Unsicherheit ab, er würde die wichtigen Leute schon noch kennenlernen, später vielleicht, doch gilt es zunächst die Arbeit zu tun. Die Anweisungen des Kapitäns waren eindeutig und unmißverständlich, also rafft er seine Habe zusammen und begibt sich in die Richtung des Vordecks.



Ottam und der Kapitän


Der Kapitän sieht den Magus etwas entgeistert an.

"Meint Ihr, ich würde auf so eine Fahrt gehen, ohne Ersatzteile für den Notfall dabei zu haben? Oder das Werkzeug? Im NOTFALL kann jeder ein Segel flicken, und wenn ich das selbst tue. Es wäre fahrlässig, nichts mitzunehmen."



Sigrun


Als sie den kritischen Gesichtsausdruck des Kapitäns wahrnimmt, ärgert Sigrun sich noch mehr über sich selbst. Sie hätte wirklich gleich daran denken können, daß das Segel ziemlich schwer ist. Schnell sieht sie sich um und zum Glück stehen ein paar andere Matrosen in ihrer Nähe.

"Kannst du eben mit anfassen?", fragt sie den Nächststehenden.

Sie ist erleichtert, als dieser sofort mit einem "Klar, wohl 'n bißchen schwer, hm?" herüber kommt und den hinteren Teil des Segels nimmt. Mit der jetzt wesentlich leichteren Last legt Sigrun auf dem Weg zu dem vom Kapitän vorgeschlagenen Platz ein Tempo vor, das den anderen Matrosen auf halbem Wege zu einem leicht gestreßten "Wer hat dich denn gebissen?" veranlaßt. Sigrun beantwortet diese Frage nicht, ein leichtes Lächeln überfliegt allerdings ihr Gesicht und einem genauen Beobachter könnte auffallen, daß der freudige Ausdruck in den Augen verbleibt: jetzt ist sie wieder mit sich zufrieden.

Auf dem Vordeck angekommen, legen die beiden Matrosen das Segel vorsichtig ab. Sigrun breitet es anschließend ein wenig aus, so daß der große Riß sichtbar wird.



Ottam und der Kapitän


Damit hatte Ottam jetzt nicht gerechnet, er wollte doch eigentlich nur mal Freundlich sein, da seine Stimmung heute irgendwie Höhenflüge ansetzt, was wohl an der Nähe der uralten Akademie liegt. 'Warum muß sich der Kerl nur immer gleich auf den Schlips getreten fühlen'

"Natürlich bin ich davon überzeugt, das ihr alles mitgenommen habt und auch davon das ihr in der Lage seid ein Segel zu Flicken. Was ich meinte war lediglich, das wenn der Mann dort wirklich ein gelernter Segelmacher ist, so wird ihm vielleicht ein spezielles Werkzeug, Garn oder was auch immer bekannt sein, das wir, die diese Tätigkeit nicht Täglich ausführen nicht kennen. Das heißt ja nicht das wir hilflos währen, nur das es vielleicht etwas gibt das alles schneller und effektiver macht. Darüber hinaus würde er, wenn er die Werkzeuge und Ersatzteile die wir an Bord haben in augenschein nimmt auch gleich wissen wo alles ist."

Seine anfänglich, durch die unerwartet forsche Antwort, etwas verzogenen Gesichtsmuskeln haben sich wieder beruhigt und er hat zu seinem Lächeln wieder gefunden.



"Das ist freilich eine Idee - soll er sich, wenn wir ihn nehmen, ansehen, was wir so an Werkzeug haben. Wobei ich auch da wenig Zweifel habe..."

Der Kapitän senkt die Stimme, so daß ihn nur noch der Magus hören kann:

"Ihr könnt ja mal mit Euren... Fähigkeiten... vorsichtig ein Auge auf ihn werfen..."



"Ich werde ihn im Auge behalten"

sagt er zu Jergan und geht in Richtung des ausgebreiteten Segels, wo er sich anschaut was der Mann denn jetzt macht. Allerdings schaut er ihm nicht direkt auf die Finger, sondern versucht eher nebenbei zu schauen wie gut er sich bei seinen Reparaturversuchen anstellt.



Firutin, der Waldläufer


Firutin kommt aus seiner Kabine, und bemerkt das sie nun in einem Hafen liegen. Es ist jetzt wohl Gelegenheit ein bißchen zu meditieren und zu beten er hatte lange keine Gelegenheit mehr dazu seinen spirituellen Werten nachzukommen.

Er ging über das Oberdeck zum Bug, wo einige Leute arbeiten.

'Hmmmmmm Überall ist so reger Betrieb. Was soll da ein einfacher Waldläufer machen?'

Er schaut sich ein wenig um, seiner Clevernis hat er zu verdanken das er schon bald einen passenden Platz gefunden hat. Er klettert auf den Bugspriet. Bis vorne auf die Spitze, und schafft es irgendwie sich dort im Schneidersitz hinzusetzen. Merkwürdigerweise fliegt er auch nicht herunter. Er hat die Augen geschlossen und blickt in sich hinein. Plötzlich stößt er einen lauten Schrei aus und murmelt ein paar Worte.





Firutin und Fiana


Als Fiana den seltsamen schrei vom Bug vernimmt glaubt sie zunächst jemand sein ins Wasser gefallen, als dann aber das Platschen ausbleibt hält sie es für besser einmal nach dem rechten zu sehen. An Jergan gewannt sagt sie "Ich werde mal nachschauen was da passiert ist"

Dann begibt sie sich zum Bug und spricht Firutin an, wobei es sie wundert das er offensichtlich unverletzt so schreit "Ist alles in ordnung ?"



Firutin entspannt sich aus seinem Trance Zustand öffnet die Augen und dreht sich zu Fiana um. Dann lächelt er und sagt:

"Oh, natürlich. Sie müssen verstehen, ich brauche einen ruhigen Ort um zu meditieren, sollten sie auch mal versuchen, es entspannt ungemein."

Dann denkt er einen Augenblick lang nach und erschrickt dann ein wenig:

"Ohh, sie meinen meinen Ruf? Oh, damit ist alles in Ordnung, nur manchmal muß man so etwas einfach machen um sich ein wenig zu beruhigen und um so sein inneres Gleichgewicht wiederzufinden. Ich schätze mal sie denken ich rede Schwachsinn, aber das habe ich auf einer Magie Schule gelernt in der ich mal' zwei Nächte zu Gast war. Aber ich bin jetzt auch fertig."

Mit diesen Worten richtet er sich auf und begibt sich wieder auf das Deck.Er ist sichtlich erleichtert.



Sichtlich verwundert blickt Fiana den Mann an 'seltsamer Kauz' dann rappelt sie sich auf und findet ihre Fassung wieder, jetzt steht wieder die Offizierin und nicht die verwunderte Frau vor im und sagt

"Nun wenn ihr das nötig habt so könnt ihr es meinetwegen machen, nur hättet ihr von dererlei seltsamen Angewohnheiten vielleicht etwas erwähnen sollen, ich dachte es sein jemand am Ertrinken.oder etwas Schweres sei auf ihn gefallen"



Elyagor von Bidenfels geht von Bord


Die eine Woche auf See hat Elyagor von Bidenfels, seines Zeichens Barde, gereicht. Anfangs erschien es sehr verlockend, eine Seereise ist schnell, so sagte man ihm allerorts. Welch' ein Hohn! Schon am ersten Tag als es anfing zu stürmen, wurde ihm bewußt, daß zunehmende Geschwindigkeit doch sehr zu Lasten der Gemütlichkeit geht. Nach einer elend verbrachten ersten Nacht verwünschte er seine Entscheidung und seine grüne Gesichtsfarbe. Am zweiten Tag konnte er immer noch nichts essen. Am dritten Tag versuchte er sich am trockenen Schiffszwieback, doch schon am nächsten Tag wurde ihm klar, daß er sich bis Kuslik unmöglich ausschließlich von Zwieback ernähren könnte. Als er zwei Tage darauf feststellte, daß die salzig-feuchte Meeresluft seine geliebte Laute verstimmt hatte, war es endgültig um ihn geschehen. Er ging zum Kapitän und teilte ihm mit, daß er bei der nächst möglichen Gelegenheit das Schiff verlassen würde. Nach diesem Gespräch ging er in seine Kabine und verließ diese bis Olport nicht ein einziges Mal.

Doch jetzt sind sie endlich da! Aves und Efferd zum Danke! Noch einmal wirft er einen prüfenden Blick zurück über die Schulter, um sich zu vergewissern, daß er auch wirklich nichts in der Kabine vergessen hat. Als er sich somit abschließend davon überzeugt hat, daß er auch wirklich alle Habseligkeiten beisammen hat, schließt er die Tür hinter

sich und geht nach oben.

Stumm überquert er das Deck, nur kurz nickt er dem Kapitän zum Abschied zu. Doch selbst da ist er sich nicht sicher, ob man ihn überhaupt bemerkt, befindet sich der Kapitän doch gerade in einem angeregten Gespräch mit dem Bordmagus.

Nur die schwankende Planke trennt den Barden jetzt noch vom rettenden Festland. Mit grimmiger Verachtung und einem hektischen Augenzwinkern nimmt Elyagor die letzte Hürde, dann hat er es geschafft. Erleichtert, so als hätte man ihm eine riesen Last von den Schultern genommen, läßt er den Blick durch die Hafengegend schweifen.

Linker Hand scheint etwas Unruhe zu herrschen, versuchen doch dort einige Leute eine frei umherirrende Kuh einzufangen. Bei dem komischen Anblick muß selbst Elyagor wieder lachen, als er weitergeht. Schon bald darauf ist er in der Menge verschwunden.



Ole und das Segel


Ole hat nun das Vordeck erreicht. Ohne sich weiter für die Umstehenden zu interessieren, nimmt er sogleich das Segel, das Sigrun für ihn ausgebreitet hat, zur Hand. Er betrachtet den größten Riß und scheint sehr beeindruckt zu sein. Da hat der Herr EFFERD aber sehr schlechte Laune gehabt, denkt er sich. Ole prüft die Leinwand und stellte fest, daß sie, abgesehen von den Rissen, keine weiteren Schwächen oder Fehler aufweist. Er begutachtet das Flickzeug, daß Sigrun mitgebracht hatte und nickt anerkennend.

"Fast alles da, was man so braucht!" murmelt er in seinen Bart und seine Pfeife gibt dabei wieder etliche Qualmwolken ab.

Er legt den Mantel ab, faltet ihn zusammen und setzt sich darauf, benutzt ihn als eine Art Kissen. Kein Wunder, daß der Mantel mittlerweile etwas schäbig aussieht. Dann öffnet er er seinen Seesack, wühlt darin herum und fördert als Resultat seiner Bemühungen eine grobe Nadel hervor.

"Hallo, kleine Freundin! Es ist lange her, daß wir uns gesehen haben!"

Er prüft das Garn und beginnt mit der Arbeit. Die Leinwand ist unhandlich und normalerweise nicht eben einfach zu bearbeiten. Doch bei Ole sieht es aus, als flicke er eine Seidentuch. Es kostet ihn kaum Kraft die Nadel durch das Segeltuch zu stoßen. Er hat eine eigenartige Technik dabei, aber, so wie es scheint, eine sehr wirkungsvolle und immer wieder überprüft er zwischendurch die Qualität seiner Arbeit. Sie hält immer wieder allen prüfenden Belastungen stand und so fährt Ole bestens gelaunt fort in seinem Tun. Während er arbeitet, fällt er langsam in einen monotonen Singsang, der nur aus wenigen Tönen besteht, dafür aber sehr rhythmisch klingt und sich ständig wiederholt. Und seine Finger tanzen zum Takt über das Segel. Er arbeitet schnell und mit feinster Genauigkeit. Unter seinen Händen schließt sich langsam der Riß im Tuch und das Segel wird langsam wieder stark genug den Wind zu fangen. Unter dem Einfluß der eigenen Musik arbeitet er immer schneller. Dabei wirkt er gelassen und sicher, trotz seines Arbeitstempos läßt er keine Hektik aufkommen. Hin und wieder blickt er sogar auf, um nachzuschauen, ob, und wenn ja,wer ihn bei der Arbeit beobachten könnte. Allerdings ohne seine Arbeit zu unterbrechen.......



Alrik


Kaum daß das Schiff für fünf Minuten im Hafen liegt, schon überstürzen sich die Ereignisse. War eben noch in aller Ruhe von Landgängen die Rede, so herrscht jetzt wieder hektische Betriebsamkeit. Die Versammlung auf dem Oberdeck hat sich so abrupt aufgelöst, daß es Alrik gar nicht so schnell reagieren konnte, wie er es beabsichtigt hatte.


So steht der Junge da jetzt recht verloren auf dem Oberdeck und betrachtet sehnsüchtig verträumt das Hafenpanorama. So recht zu beschäftigen weiß er sich jetzt nicht, daher greift er vorerst zu einem schlampig aufgerollten Seil und beginnt langsam damit, es ordentlich zusammenzulegen.


Der Schrei auf dem Vordeck läßt ihn kurz aufblicken. Dort balanciert doch tatsächlich einer der Passagiere auf dem Bugspriet herum. Unglaublich, das! Insgeheim wünscht sich Alrik eine größere Welle herbei, dann könnte der Mann unter Beweis stellen, ob seine Schwimmkünst mit seiner Gauklerakrobatik mithalten kann.



Nirka und Sigrun


Die Bootsfrau, die sich während des Anlegens mit der Beaufsichtung und Anleitung der Matrosen auf dem Deck und an den Segeln beschäftigt hat, beobachtet mit zunehmender Verwunderung die Aktion mit dem Segel. Sie ist schon geneigt, Sigrun zu befragen, doch dann sieht sie einen ihr bisher unbekannten Mann dorthin gehen und sich sogleich an die Arbeit machen. Mehr noch - auch der Magus, dem Nirka bisher, so weit es ging, aus dem Weg gegangen ist, geht nach einer Tuschelei mit dem Kapitän dorthin.

Schließlich gibt sich die Bootsfrau einen Ruck und schlendert über das Deck nach vorne, geschickt den herumlaufenden Matrosen ausweichend.

Sie braucht nur einen Blick auf das Werk des Mannes zu werfen, um zu erkennen, daß er sein Handwerk versteht. Beifällig nickt sie, und bleibtdann neben Sigrun stehen.

"Hast du gerade etwas zu tun?"


Ole und das Segel


Das Tuch strafft sich, doch auch bei kräftigstem Zug: Die Naht hält ! Ole ist sehr zufrieden mit sich selbst.

"Na also," spricht leise zu sich selbst "Du hast es noch nicht verlernt, alter Junge, auch nach all den Jahren nicht. Allerdings ......"

Ole legt Werkzeug und Segel für einen Moment nieder, um ausgiebig die verkrampften Hände zu lockern.

"... die alten Knochen müssen sich erst wieder daran gewöhnen!"

Nun nimmt er die Arbeit wieder auf, in gewohntem Tempo, er ist um keinenTakt langsamer geworden, die Hände haben sich offenbar gut erholt, so alt scheinen die Knochen dann doch nicht zu sein. Ole kommt gut voran, doch das

Segel ist schon arg beschädigt, es dürfte noch eine ganze Weile dauern bis er die Arbeit abschließen würde können.



Smirnoff, der Pelzhändler


Nachdem er sich ein paarmal gereckt und gestreckt hat, sieht sich Smirnoff um.
'Ah, tatsächlich Olport. Na, da will ich mal sehen, daß ich festen Boden unter die Füße bekomme.'
Der Norbarde sieht sich um, sieht den Schiffsjungen herumstehen und geht auf ihn zu.

"Entschuldige, Junge, wie lange bleiben wir denn vor Anker? Ich möchte nämlich gerne einen kleinen Landgang machen."



"Der Käpt'n hat gesagt, daß wir denn mindestens noch bis heut' abend hier vor Anker bleiben. Vielleicht auch bis morgen in der Frühe, da hater sich noch nicht festlegen wollen," antwortet Alrik, während erweiter das Seil aufwickelt.



"Danke Alrik, dann habe ich ja Zeit, ein paar Besorgungen zu machen."
Smirnoff marschiert zur Planke, nickt dem Kapitän grüßend zu, der gerade den Fahrpreis mit einem neuen Passagier verhandelt und verläßt das Schiff. Auf der Mole angekommen, atmet er erst einmal tief durch.
"Puh, das ist schon viel besser."


Sigrun auf dem Vordeck


Das ist Sigrun wirklich noch nicht oft passiert, aber von dem Können dieses neuen Mannes muß man einfach beeindruckt sein. Zwar kann sie nicht so ganz verstehen, wie sich jemand freiwillig mit solch lästigen Pflichten wie Segelflicken beschäftigen kann, aber der Mann scheint gleichzeitig Geschick und Kraft nutzen zu können und so etwas hält sie für sehr bemerkenswert. Geradezu gebannt hat sie Ole beim Flicken des Segels zugesehen, so daß sie eine Weile etwas sinnlos herumgestanden hat. Als Nirka sie anspricht, wendet sie sich zwar erfreut, aber trotzdem fast ein wenig zögerlich, von dem Schauspiel ab und sieht die andere Frau lächelnd an.

"Ich fürchte, jetzt hast du mich beim Rumstehen ertappt. Nein, im Moment habe ich wirklich nichts zu tun."

Sie zögert einen kleinen Moment, bevor sie anfügt:

"Hast du einen Auftrag für mich ... oder ... hast du vielleicht auch ein wenig Zeit."

Den Mann und das Segel scheint sie jetzt schon vergessen zu haben, sie hat sich beim Sprechen weiter zu Nirka umgewendet und blickt diese jetzt offen an.



Nirka und Sigrun


Nirka lächelt. Sie wundert sich, daß sie beide gerade jetzt, unmittelbar nach dem Anlegen scheinbar Zeit haben, aber sie weiß auch, wie rasch sich das ändern kann - ganz besonders deshalb, weil sie ja als Bootsfrau für vieles verantwortlich ist.

"Nein, keine Angst, Sigrun. Ich habe ja gesehen, wie du das schwere Segel her geschleppt hast. Ich habe in der Tat einen Auftrag für dich: Komm mit!"

Das Lächeln ist dabei nicht aus ihrem Gesicht verschwunden, und wie zufällig berührt ihre Hand die der anderen Frau ganz kurz.

"Ich brauche Hilfe bei einer schweren Kiste."
Sie sagt das so, als wäre es wichtig, und geht in Richtung auf den vorderen Niedergang los.


Ole und das Segel


Es mag sein, daß es den Beobachter ermüdet, aber Ole hat nun, den richtigen Rhythmus gefunden für seine eintönige Arbeit. Unter dem Takt seines fremdartigen Gesanges, setzt er Stich um Stich und verlängert die Naht, die aus Fetzen wieder ein Segel machen sollte, in einer Eile als gelte es ihm damit das Leben zu sichern. Die Arbeit macht ihm sichtlichSpaß, sein Lied ist fröhlich.

Es ist ihm nicht entgangen, daß die Matrosin, die der Kapitän 'Sigrun' nannte, ihm aufmerksam bei seiner Arbeit zugesehen hatte. Ole fühlt sich unwohl, ihr gegenüber, hat er sich doch noch immer nicht entschuldigt dafür, ihr beim Tragen des Segels nicht geholfen zu haben. Er verspürt viel Sympathie für sie, vielleicht würde er ihr seine Kunst noch genauer erklären, wenn sie sich dafür interessieren könnte. Sie ist so jung, dachte er sich bei sich, doch einschränkend kam ihm der Gedanke: Vielleicht bin ich auch nur so alt. Wie dem auch sei, er würde sie fragen, nur für den Fall, daß er an Bord bleiben dürfte, ob er sie von unterrichtet werden wolle, in der Kunst Segel wieder zusammen zu flicken.

Seinen Gedanken wurden unterbrochen, als er die Frau bemerkte, die Sigrun ansprach. Die hat hier an Bord bestimmt auch etwas zu sagen, dies bemerkt Ole sofort. Doch scheint es ihm noch nicht an er Zeit zu sein, sich über die Rangordnung der NORDSTERN Gedanken zu machen. Und so dachte er sich:

'Bleib doch geordnet, du alter Narr, mach deine Arbeit, erst dann darfst du dich hier zu Hause fühlen!'

In der Tat sind während seiner Gedanken keine Fehler unterlaufen. Jeder Stich sitzt und die Naht gelingt gut. Nur knapp mehr als ein Fingerbreit an Breite dürfte dem Segel fehlen an Fläche, wenn es Ole endlich fertig repariert haben wird.



Ottam beobachtet


Ottam beobachtet immer noch wie nebenbei den Mann der sich am Segel zu schaffen macht, er muß sich eingestehen das er es gut macht. Sehr schnell und präzise. Wahrscheinlich wird es gut sein einen etwas älteren und wohl wie es schein recht erfahrenen Mann an Bord zu haben. sicher kann der eine oderandere sich da noch was abschauen denkt er sich.



Der junge Herr Magus


Der Betrieb im Hafen hat alleine schon durch die Ankunft der NORDSTERN zugenommen. Händler versuchen, ihre Waren loszuwerden, andere, die das schon geschafft haben, bemühen sich, die entsprechenden Waren wohlbehalten auf das entsprechende Schiff verladen zu lassen, und wieder andere stehen einfach nur da und betrachten den Trubel und die Schiffe - vielleicht träumen auch sie von einer Fahrt in ferne Gegenden. Und noch andere sind unterwegs - einige Kühe, die von eilig hinterherlaufenden Menschen verfolgt werden...


Etwas vom Hafen entfernt tritt ein Mann aus der Tür eines Gasthauses. Er trägt ein sauberes weißes Hemd, eine dunkelblaue Stoffhose, und eine blaue Jacke. Er ist durchschnittlich groß, schlank, hat braunes Haar und braune Augen und wirkt noch ziemlich jung. Trotzdem begegnen ihm die Leute mit Respekt, denn der lange Magierstab, den er in der Rechten hält, und sein Auftreten machen schnell klar, daß er ein Zauberkundiger ist.


Sein Weg führt ihn geradewegs zum Hafen, wo er das Treiben weitgehend ignoriert und angesichts der Kühe, die nun wirklich nicht an diesen Ort gehören, nur den Kopf schüttelt. Zielstrebig geht er auf die NORDSTERN zu und bleibt am hafenseitigen Ende der Planke stehen. Laut und selbstbewußt ruft er hinauf:

"Ich habe gehört, Ihr fahrt nach Brabak. Wieviel kostet mich die Überfahrt mitsamt Kabine? Und wie lange wird es dauern, bis wirangekommen sind?"


**********************


Jergan, der noch in Richtung Bug zu dem Zimmermann gesehen hat, wendet sich, als er den Ruf vernimmt, dem Fragenden zu und tritt wieder ein Stück dichter an die Reling. Sein erfahrener Blick schätzt den Mann sofort als das ein, was er ist - ein Magus.

Er ruft zurück:

"Wir haben noch eine freie halbe Doppelkabine, NEIN... zwei halbe Doppelkabinen, Kojen in unser großen Kabine, und selbstverständlich die große Luxus-Suite."

Er weist auf die Tafel mit den Preisen für die Überfahrt, die ein eifriger Matrose neben der Planke an der Reling befestigt hat.


# Preise für jeweils 100 Meilen Fahrstrecke:
#
# Suite : 25S
# Einzelkabine : 12S
# Doppelkabine : 8S
# Gemeinschaftskabine : 4S
# Unterdeck : 2S
# Oberdeck : 1S (nur bei gutem Wetter für kurze Strecken)

Er fügt hinzu:

"Bis nach Brabak sind es 2200 bis über 2500 Meilen, abhängig davon, welche Strecke wir genau nehmen, das steht nämlich noch nicht ganz fest. Ich würde Euch, wenn Ihr so weit mitfahren wollt, 2000 Meilen in Rechnung stellen."

Erwartungsvoll sieht er den Magier an.


"Ausgezeichnet, ich denke ich werde eine halbe Doppelkabine nehmen." sagt der Magier und fügt hinzu: "Mit wem werde ich die Kabine teilen? Ist es möglich, daß ich sie mit einem anderen Zauberkundigen teile, damit wir auf der langen Fahrt Wissen austauschen können? Mit wem habe ich Übrigens das Vergnügen, ihr seit nicht der Kapitän das weiß ich, mein Name ist Adrian, Adrian Sternenstaub, grauer Beherrschungsmagier."

Sagt er voller stolz.

"Wartet, ich werde meine Sachen in das Gasthaus holen gehen, dann können wir weiter plaudern."

Adrian war offenbar etwas unter Druck, die Hektik die am Kai herrschte steckte ihn anscheinend an, er wollte unter keinen Umständen das Schiff verpassen.



Verwundert sieht Jergan den Magier an. Hat er tatsächlich in der Hektik vergessen, seinen Namen zu nennen? Aber wie kommt der andere darauf, er sei NICHT der Kapitän?

Ehe dieser sich davon machen kann, um seine Sachen zu holen, antwortet er:

"Verzeiht, ich vergaß, mich vorzustellen. Mein Name ist Jergan Efferdstreu, und ich bin, nun, der Kapitän dieser Karavelle."

Er überlegt kurz, ob dem Mann das Sachenholen wichtiger ist als die Information über eventuelle Kabinenmitbenutzer, ehe er sich dafür entscheidet, hinzuzufügen:

"Zauberkundig sind die beiden nicht, aber Ihr könnt sie selbst fragen. Die Herren Larian und Fuxfell befinden sich hier auf dem Oberdeck."
Der Kapitän weist in die entsprechenden Richtungen.


„Verzeiht, ich muß ... ich muß mich wohl geirrt haben, nehmt es mir nichtübel.“

Mit diesen Worten wendet sich Adrian wieder zum Gasthaus, aus dem er nach zehn Minuten mit einem bepackten Rucksack wieder heraustritt und das Schiff wieder über die Planke besteigt. Er sieht sich kurz um, erblickt Fuxfell, mit dem er versucht ein Gespräch anzufangen:

„Fuxfell, Fuxfell“ sagt er leide zu ihm „Ich kenne jemanden, der ebenfalls so heißt. Er scheint ziemlich verbreitet zu sein. Ich bin Adrian, Adrian Sternenstaub, Magier. Darf ich aus euerem Namen schließen, daß ihr Jäger seid? Man hat mir angeboten einen Platz bei euch in der Kabine zu nehmen.“



Die Händler


Während sich der Kapitän um mitreisewillige Personen kümmert, hat sich auch der Dritte Offizier Wulf Lowanger an Land begeben. Dort angekommen, tritt er in Verhandlungen den verschiedenen Händlern, die offenkundig auf der Suche nach einer geeigneten Transportmöglichkeit für ihre Waren sind. Bald darauf sieht man ihn schon umringt von einigen Personen, die ihre Reden durch ausladende Gesten und unermüdliches Händegefuchtel untermalen. Nur Lowanger allein legt eine stoische Ruhe an den Tag, das hektische Geschwafel scheint an ihm abzuprallen. Hin und wieder gibt er einen kurzen Kommentar ab, ein beipflichtendes Nicken oder ein entschiedenes Kopfschütteln.

Nach einer ganzen Weile kehrt er zur Planke zurück, wo er eine kurze Gesprächspause nutzt, um Jergan eine knappe Zwischenfrage zu stellen.

"Tschuldigung, aber hier wären einmal noch zwölf Quader Pelze bis Grangor, und noch mal zehn Quader bis Kuslik. Geht das klar?"



Jergan wendet seine Aufmerksamkeit nur für wenige Augenblicke von dem Magier ab, und dem dritten Offizier zu.

"Ja, das geht klar. Laß es verladen."

Er wendet sich wieder dem Magier zu, wobei er sich kurz wundert, was um alles in der Welt denn Kühe im Hafen suchen?!? Da will doch nicht etwa jemand die NORDSTERN als Transportmittel dafür benutzen?

Doch das Problem kann später gelöst werden - die Beschäftigung mit potentiellen Passagieren ist wichtiger.



"Gut!" meint Lowanger und macht sich schon wieder auf den Rückweg.

Sein Blick huscht über die Reling der Nordstern und bleibt an drei dort untätig lehnenden Matrosen haften. Mißmutig zieht er die Augenbrauen zusammen, auch wenn die letzten Tage anstrengend waren, gerade jetzt ist wohl kaum die Zeit für eine Pause. Er führt eine Hand zu den Lippen und schon erschallt ein gellender Pfiff, der die Leute, trotz der allgemeinen Unruhe, aufschauen läßt.

"Hey, ihr da! Herkommen!" schreit er herüber und schon machen sich die drei so rabiat Angesprochenen auf den Weg.

"Mitkommen!" lautet der nächste Befehl, während forschen Schrittes weiter wandert. Dabei deutet er auf die Fellballen und Säcke, die sich rechter Hand stapeln.


"Verladet mal die Packen und Säcke hier, und die Pelze von dort drüben, alles in Laderaum Eins! Aber bringt sie mir nicht mit denFellen vom Smirnoff durcheinander, klar?!"

Lowanger wartet noch eine kurze Bestätigung der Matrosen ab, dann richtet er sein Augenmerk zur abschließenden Regelung der Zahlungsmodalitäten wieder auf die Händler.



Der Flüchtling


Für die Menschen in Olports Hafen ist heute ein Tag wie fast jeder andere auch. Fleißig, oder auch weniger, gehen sie ihren Geschäften nach - wie es schon immer war, und es auch immer sein wird. Waren werden auf Schiffe und von Schiffen geladen, sie werden quer durch den Hafen und zurück transportiert und auch sonst kann überall reges Treiben beobachtet werden.

Dieses Bild verschwimmt jedoch vor seinen Augen, es wird zu einem Gemisch an Farben, Mustern, Gerüchen und Geräuschen - von denen sein schnelles Atmen und die Schläge des Herzes in seiner Brust bei weitem die lautesten sind. Voller Hast, aber doch behende, bahnt er sich einen Weg durch die Menschenmenge, peinlichst darauf bedacht, nicht zu stürzen oder sonstwie aufgehalten zu werden. In unregelmäßigen Abständen blickt er immer wieder ängstlich hinter sich, doch er sieht jedesmal dasselbe - die Menschen in den blinkenden, metallenen Gewandungen und mit den langen Waffen in den Händen jagen ihn noch immer. Er weiß eigentlich gar nicht, wohin er rennt, nur eines will er, weg von diesen Leuten.

Als er ein weiteres mal hinter sich blickt, nimmt er wahr, daß die Zahl der Leute um ihn herum abgenommen hat, und als er wieder in seine Laufrichtung schaut muß er urplötzlich seine Beine zum Stehenbleiben zwingen, seine ganze Konzentration wird nun gebraucht, damit er aufrecht auf seinen Füßen bleiben kann! Er rudert noch mit den Armen in der Luft, bis er sich sicher sein kann, daß er nun stehengeblieben ist und nicht mehr umzufallen droht. Vor ihm gibt es keinen festen Boden mehr, nur noch Wasser! Einige Schritte unter ihm züngelt das Wasser an den bearbeiteten Felsen, auf dem er steht.


Die Wassermassen erstrecken sich über den gesamten Horizont. Das Meer!! Er hat es schon lange nicht mehr gesehen! Seine Gedanken schweifen ab... in seine Heimat, zu seiner Sippe, zu all den schönen Dingen, die er dort erlebt hat... ein kleiner Teil in ihm nimmt jedoch Geräusche war, Rufe..

"Haltet ihn!" "Macht Platz!!" "Da vorne ist er!"

... die ihn heftig wieder in die Wirklichkeit zurückholen - die Verfolger sind nicht mehr weit!! Die Angst in seinem Bauch wird stärker und stärker, sie droht ihn zu überwältigen, was soll er nur tun? Hinter ihm kommen diese gewalttätigen Menschen immer näher, vor ihm liegt der endlose Ozean....


Halt, was ist das? Seine Augen richten sich auf die großen Dinge, die da im Wasser schwimmen. Es sind Boote! Ja eindeutig. Es befinden sich auch viele Menschen darauf. Jedoch sind sie wahnsinnig groß und haben hohe Pfähle in der Mitte. Dies ist jedoch im Moment ganz und gar nicht wichtig, womöglich kann er sich auf einem solchen Boot verstecken! Ein rascher Blick auf seine Verfolger zeigt ihm, daß sie nicht mehr weit sind. Keine Sekunde länger zögert er und hastet auf eine Ansammlung dieser Boote zu....



Wieder zwängt er sich durch die Menschenmassen. Einige rufen ihm noch etwas nach, aber das kümmert ihn nicht sonderlich. Er muß einfach, so schnell wie möglich, irgendwo ein Versteck vor seinen Verfolgern finden. Er kommt den großen Booten immer näher, ein Blick nach hinten zeigt ihm jedoch, daß die Bewaffneten auch näher gekommen sind. Jetzt muß er sich schnell was einfallen lassen, sonst ...


Da, die Rettung! Er stößt auf einen großen Haufen Kisten, Säcke und sonstiges Zeugs, daß er im Moment nicht weiter identifizieren kann und will. Er hechtet mitten in diese Ansammlung, zieht sogleich Arme und Beine an und bleibt ruhig liegen. Jetzt spürt er sein Herz in der Brust schlagen, als wolle es ihm herausspringen. Er konzentriert sich ganz darauf, so lautlos wie möglich zu atmen, was ihm in seinen Ohren kläglich mißlingt. Kurze Augenblicke vergehen, da hört er schon wieder das Herantrampeln und -klimpern der Verfolger. Für diesen einen Moment versucht er, seinen Körper zu "töten". Nicht die kleinste Bewegung, kein Atemzug, nichts soll ihn verraten. Das schwere Aufschlagen mehrere Stiefel rauscht an ihm vorbei, und wird immer leiser. Erleichtert läßt er seinen Atem durch die Zähne zischen und entspannt seine Muskeln. Zwei, drei Herzschläge bleibt er noch so liegen, dann hebt er vorsichtig den Kopf und schielt über einen Kistenrand. Die Bewaffneten sind jetzt etliche Schritte von ihn entfernt. Mit der Hand wischt er einige Schweißtropfen von seiner Stirn ...

'Das es hier auch immer so warm sein muß'.

Bei diesem Gedanken nimmt er plötzlich eine Anwesenheit in seiner Nähe wahr. Zwei Menschen, nichts Auffälliges, machen sich daran eine Kiste gemeinsam anzuheben. Einer von beiden schaut nun in seine Richtung, ganz so als erwarte er etwas von ihm. Nun steht er auf, währenddessen tragen die beiden Männer die Kiste auf eines der großen Boote zu, daß ganz in der Nähe mittels eines Brettes mit dem Land verbunden ist. Kurz schaut er nochmals nach seinen Verfolgern, die jetzt, zu seinem Erschrecken, stehen geblieben sind und eifrig umher blicken. Genau in diesem Moment schiebt sich eine dieser gehörnten Vierbeiner und einige aufgebrachte Leute drumherum zwischen ihm und die Bewaffneten und verhindern somit seine Entdeckung. Das wird aber nur wenige Augenblicke so sein. Das große Boot gleich vor ihm im Wasser wäre das ideale Versteck. Jedoch sind dort eine Menge Menschen daruf, wie soll er nur ungesehen an denen vorbeikommen? Noch bei diesem gedanken streift sein Blick wider die beiden Männer, die die Kiste jetzt über das lange Brett auf das Boot tragen.

'Das ist es!'

Er schnappt sich einen der Säcke, schultert ihn und zwar so, daß der Sack seinen Kopf vor den Blicken der Bewaffneten verbirgt. Daß andere seinen Kopf sehen können stört ihn nicht, da die Kapuze seines Pelzmantels ihn vor den neugierigen Blicken schützt. Nun stapft er den beiden Kistenträgern nach, auf das Boot zu. Behende bewältigt er das lange Brett. Am landseitigen Ende steht ein in blau gekleideter Mensch, der mit einem anderen spricht, de auf dem Boot steht, was ihn aber nicht weiter interessiert. Er möchte nur schnell und ungesehen an den beiden vorbei. Die Kistenträger steuern jetzt auf eine größere Öffnung mitten auf dem Boot zu. Aus den Augenwinkeln schaut er sich schnell alle die Leute an, die sich auf dem Boot befinden und ihn sehen können. Weiter vorne stehen gleich einige Menschen um einen herum, de am Boden über ein großes Stück Stoff gebeugt ist. Eine solche Menge Stoff an einem Stück hat er noch nie gesehen! Aber jetzt ist nicht die Zeit für diese gedanken. Er erblickt noch zwei weitere Menschen, die offenbar in eine Diskussion vertieft sind. Nun hat er die Öffnung erreicht und sieht noch, wie die Kistenträger an einer dafür vorgesehenen Vorrichtung die Kiste hinuntertragen. Er tut es ihnen gleich und verschwindet samt Sack im Bauch des Bootes. Seine Augen gewöhnen sich nach kurzer Zeit an die Dunkelheit, die hier unten herrscht.

'Ideal Hier finden die mich nie!'

Die beiden Kistenträger haben ihre Last mittlerweile hier unten abgesetzt und machen sich wieder auf den Weg nach oben. Er legt seinen Sack zu den anderen, die schon dort sind. Jetzt erblickt sein Auge auch ein Muster auf dem Sack, das von Menschenhand stammt: NORDSTERN. Was das wohl zu bedeuten hat?

Das findet sich hier auf allen Säcken wieder - sogar in einer der Wände haben die Menschen es geritzt. Das ist jetzt aber auch nicht wichtig, da draußen vor dem Boot noch einige Kisten stehen, die wahrscheinlich auch noch hier her getragen werden. Er kann also nicht einfach hier unten bleiben.


Er schaut sich weiter um und entdeckt eine Art Treppe, die weiter hinunter führt weiter hinunter? Wie tief mag es wohl noch gehen? Der Gedanke daran sich soweit vom Tageslicht und der Luft zu entfernen läßt ihn leer schlucken. Aber hier kann er auch nicht bleiben, also los. Er steigt sie Treppe hinunter und erreicht einen größeren Raum, de auch mit Kisten und Säcken angefüllt ist. Hier unten riecht die Luft schon etwas abgestandener und sie besteht aus vielen einzelnen Düften, doch jetzt ist er nicht in der Lage, diese einzeln zu deuten. Über sich vernimmt er wieder einigen Lärm, der ihn dazu treibt,von der Treppe weiter ins Dunkel zu gehen. Er begibt sich durch eine Öffnung in der Wand zu seiner Linken und befindet sich wieder in einem ähnlichen Raum. Auch dieser ist mit vielen Kisten und Säcken und so weiter angefüllt, die ihm eine gute Tarnung verheißen. Es wird ihm bewußt, daß es jetzt nicht mehr weitergeht, nur noch zurück. Doch das will er ja nicht, somit setzt er sich zwischen den ganzen Plunder und will einige zeit hier unten bleiben, bis sich der ganze Trubel um ihn gelegt hat.



Ole und das Segel


Das Werk geht gut voran. Der Riß im Segel läßt sich größtenteils gut schließen. An einigen Stellen, dort, wo die Leinwand doch sehr eingerissen ist und das Gewebe hoffnungslos zerschlissen scheint, muß Ole Flicken aufsetzen. EFFERD sei Dank, Ole hatte er noch ein paar Reste in seinem Seesack, nicht viel, aber genug für die besonders schadhaften Stellen im Segel. Es ist ihm recht, jetzt nicht nach Leinwandresten aus dem Schiffsvorrat fragen zu müssen., denn es kommt ihm entgegen nicht mehr so sehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, wie noch kurz zuvor. Zwar macht es ihn nicht weiter unruhig, wenn man ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schaut, aber lieber ist es ihm dann doch, sich alleine und ungestört seinem Werk widmen zu können.


Der Alltag des Hafenbetriebs hat das Schiff und seine Besatzung nun wieder voll im Griff. Ole hat in der letzten Zeit gar nicht so viel davon bemerkt, zu sehr hatte er sich auf seine Arbeit konzentriert. Aber nun ist ihm plötzlich die Pfeife erloschen. Eben stiegen noch lustig Rauchwolken auf, nun ist sie kalt. Ole nimmt die Pfeife aus dem Mund, steht auf, geht an die Reling und klopft sie aus. Die kalte Asche fällt heraus und verteilt sich sofort in der frischen Hafenbrise. Danach fischt Ole, zurückgekehrt an seinen Arbeitsplatz, aus irgendeiner, für das unwissende Auge nicht so schnell erkennbaren Tasche seines Mantels einen kleinen Beutel, dem er reichlich Pfeifenkraut entnimmt und damit, in genüßlicher Langsamkeit seine Pfeife wieder vollstopft. Aus seinem Seesack holt er sich er sich einen Glimmspan, Zunder und Stahl, gleich wird sie wieder rauchen, die Pfeife. Nach einer schnellen Handbewegung, zu schnell, um genau sehen zu können. was Ole da genau getan hatte, tanzt eine kleine Flamme auf dem Span und Ole schützt das kleine Feuer mit beiden Hände vor dem kräftigen Küstenwind. Mit dieser Flamme zündet sich Ole schnell seine Pfeife an und gleich darauf steigt wieder Qualm aus dem Pfeifenkopf auf. Es zischt und brazzelt noch eine Weile, das Pfeifenkraut war nicht sehr trocken und außerdem sehr grob geschnitten, dann aber ist die Glut perfekt. Die kleine Flamme auf dem Span löscht Ole mit einem sehr gezielten Spucken, wahrscheinlich ist ihm das ein kleines liebgewonnenes Ritual, denn die Flamme wäre im Wind ungeschützt sowieso erloschen. Nun verstaut er alle Utensilien wider dort, wo er sie hergeholt hatte, faltet seinen alten Mantel wieder zu einer Art Sitzkissen zusammen und läßt sich nieder, bereit seine Arbeit fortzuführen.

Wo war denn gleich die Nadel? Natürlich, verstaut im Stirnband, wie immer! Eine dumme Angewohnheit, Ole hatte sich früher deswegen schon öfter ins Ohr gestochen. Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr praktisch, denn wie schnell kann so eine dünne Nadel in den Zwischenräumen der Planken verschwunden sein.


"Na, kleine Freundin, da bist du ja wieder. Darfst mich jetzt nicht allein lassen, du nicht! Dieses Segel kann uns nicht schrecken, nicht wahr? Wir werden es heil machen - du und ich!"


Damit macht sich Ole nun wieder frisch ans Werk ........


Nirka und Sigrun


Sigruns Blick wirkt nun etwas verunsichert. Was hat Nirka vor? Soll sie ihr wirklich helfen oder hat Nirka, genau wie Sigrun, den Wunsch, das begonnene Gespräch fortzusetzen? Sie zuckt leicht mit den Schultern:'Was soll's, ich werde es gleich wissen, sie ist schließlich auch meine Vorgesetzte', denkt sich Sigrun. Laut sagt sie nur:

"Natürlich, ich komme!" und wartet darauf, daß Sigrun vorausgeht.

Nirka geht weiter, die Treppe hinunter und dann nach vorne in den leeren Mannschaftsraum - schließlich hat die Mannschaft oben zu tun. Erst vor der Tür zu dem kleinen Verschlag, der ihre Behausung ist, bleibt sie stehen und dreht sich um.



Nirka geht weiter, die Treppe hinunter und dann nach vorne in den leeren Mannschaftsraum - schließlich hat die Mannschaft oben zu tun. Erst vor der Tür zu dem kleinen Verschlag, der ihre Behausung ist, bleibt sie stehen und dreht sich um



Der Magier und der Jäger


Der Waldläufer schaut den Magier etwas fragend an, und legt dann den Kopf schief. Ohne zuerst darauf einzugehen das Adrian mit ihm das Zimmer teilen will sagt er nur:

"Fuxfell? Wo habt ihr den Namen Fuxfell schon mal gehört? Ich habe ihn nur ein mal gehört und zwar bei mir und meiner Familie. Aber außer mir ist niemand aus unserer Stadt auf Reisen gegangen. Mein Kompletter Name ist übrigens Firutin Fuxfell und, ja, ihr habt recht, ich bin ein Jäger, obwohl ich die Bezeichnung Waldläufer für mich treffender finde. Und ich schätzte ihr, Werter Herr, seit eures Zeichens ein Herr der Magie?"

Prüfend mustert Firutin den Mann.


"Sehr wohl, das bin ich. Ich erlebte einst ein paar interessante Abenteuer mit einem gewissen Wakak Fuxfell, wie schon gesagt der Name scheint sehr verbreitet zu sein. Was mich betrifft, so habt ihr in der Annahme recht, ich bin ein Magiekundiger."

Adrian macht eine kurze Pause und sieht sich um, die frische Seeluft tut ihm gut und er genießt sie in vollen Zügen, kurz später wendet er sich lächelnd wieder Firutin zu:

"Was die Kabine betrifft, habt ihr noch Platz für mich?".


"Sicher."
Sagt Firutin trocken, und schaut Adrian gespannt an.


Ole und das Segel


Nun passiert es also doch. Ole hat gerade wieder eine Stelle des Segels gemustert, die derart zerschlissen war, das Nähen alleine nicht mehr hilft. An dieser Stelle muß ein Flicken angesetzt werden. Doch so sehr er auch in seinem Seesack wühlt, er kann kein geeignetes Material mehr finden. Nun muß er doch irgend jemanden fragen, obwohl er dies tunlichst zu vermeiden versucht hatte.

Sigrun, so hieß sie wohl , kann er nicht mehr sehen, sie wird mit anderen Aufgaben betraut worden sein. Aber auch sonst kann er niemanden mehr sehen, zumindest keinen, den er kennt. Er steht auf und blickt sich um. Da ist ja noch der freundliche Herr, der sich dazu gesellte, als er mit dem Kapitän im Gespräch gewesen war. Er steht anbei, als ob er bei allen Geschehnisse an Bord unbeteiligt wäre und schaut hin wieder zu ihm herüber. Gehört er zur Mannschaft? Könnte sein! Und so winkt ihm Ole aufmuntern zu.

"Hallo, mein Herr! Darf ich euch um Hilfe bitten?"

Ole ist sich nicht sicher, ob er gehört worden ist. Deshalb ruft er erneut, diesmal um eine Spur lauter.

"Verzeiht, wenn ich euch störe, aber mein Anliegen wäre wichtig!"

Ole ist sich unschlüssig. Will ihn dieser Mann nicht hören, kann er ihn nicht hören oder ist er gar mit Gedanken beschäftigt, bei denen es ungehörig wäre ihn weiter zu bedrängen? Wie dem auch sei, aber ein Flicken in passender Größe muß irgendwie her! Nun ja, vielleicht reagiert der Mann auch noch .......



Smirnoff und die Händler


Der Pelzhändler schlendert auf der Mole herum, wo fleißige Leute dabeisind, neue Ladung an Bord zu bringen.

'Wem wohl die Pelze gehören? Womöglich der Konkurrenz?"



Nachdem Lowanger seine Unterredung mit den hiesigen Händlern beendet hat, wendet er sich ab und marschiert zurück Richtung Schiff. Mit einem angedeuteten Nicken grüßt er den mitreisenden Pelzhändler:

"Ihr habt noch Geschäftliches in der Stadt zu regeln?"



"Nein, nein, meine Geschäfte erledigen sich erst in Gareth. Mich interessiert nur, wer hier seine Waren verschiffen läßt. Vielleicht kenne ich die Herren ja. So viele Pelzhändler gibt es nun auch wieder nicht."



"Nun, dann laßt Euch nicht aufhalten!" entgegnet der Offizier noch, bevor er sich wieder an die Arbeit macht. Die Handelsleute hingegen halten noch ein kleines Schwätzchen, während sie die Verladung ihrer Waren beobachten.



Der Norbarde gesellt sich zu den anderen Händlern.

"Na, wie laufen die Geschäfte?"



Die Runde der Händler öffnet sich ein bißchen und mit geschäftsmännisch-taxierenden Blicken wendet man sich dem neugierigen Frager zu.

"Gut geht's! Wieso? Wollt Ihr was kaufen?"



"Eher das Gegenteil. Meine ganze Ware ist allerdings schon vergeben und versprochen. Ich bin nämlich ein Kollege von Euch. Gestatten: Agor Smirnoff, Pelzhändler auf dem Weg nach Gareth."



"Angenehm. Nun, dieses hier ist der werte Herr Kulmansson und zu meiner rechten, das ist mein Geschäftspartner, der Herr Loraneff. Mein Name ist Name ist Bellenthor, Fredo Bellenthor vom Handelshaus Banell&Bellenthor. Wir beliefern vorzugsweise das Modehaus Liegerfeld, Kusliker Mode für die Dame von Stand."

So stellt der altere Herr mit den graumelierten Haaren seine Gesprächspartner und sich selbst vor.



"Erfreut Eure Bekanntschaft zu machen. Darf ich fragen, aus was Eure Ladung besteht?"



"Verschiedenste Pelze und Felle und dazu ein paar Vorbestellungen der besonderen Art. Silber-Weiß soll die begehrte Farbe der nächsten Saison sein. Nun ja, der Herr Liegerfeld wird's schon wissen. Die Beschaffung hat sich allerdings nicht einfach gestaltet, aber das könnt Ihr Euch gewiß vorstellen, wenn Ihr auch aus dem Geschäft seid,"

antwortet der Graumelierte.



"Was glaubt Ihr, warum meine Ladung größtenteil aus Silberfuchs besteht",

unterbricht ihn Smirnoff mit einem Grinsen.

"Man braucht nur eine Mannschaft aus erfahrenen Fallenstellern und muß wissen, wo man suchen soll, das ist alles."



Auch der Graumelierte deutet ein Lächeln an, jedoch ist es schwer zu sagen, ob es aufgesetzt ist oder wirklich ehrlich gemeint.
"Zum größten Teil Silberfuchs? Wieviel Quader habt Ihr denn verschifft? Ich hoffe doch, daß Ihr damit nicht den kompletten, ohnehin spärlichen Fuchsbestand ausgerottet habt."


Sigrun und Nirka


Sigrun folgt Nirka schweigend. Obwohl die Gedanken in ihrem Kopf hin- und her schwirren, läßt sie sich von dieser Verunsicherung nichts anmerken. Als Nirka an ihrem offensichtlichen Ziel angekommen ist, bleibt auch Sigrun stehen.



Nirka sieht Sigrun weiterhin nur an - mehr als nur einige Augenblicke lang. Dann fragt sie:

"Hattest du schon mal eine... richtig enge Freundin?"

Sie senkt den Blick, nachdem sie etwa die Hälfte der Frage ausgesprochen hat.



Als sie Nirkas Frage hört, überfliegt eine plötzliche Röte Sigruns Gesicht. Sie weiß nicht so genau, wie sie reagieren soll. Einerseits findet sie Nirka sehr sympathisch und schon lange sehnt sie sich nach jemandem, der sie wirklich versteht. Andererseits ist sie es gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein und niemandem sonst wirklich zu vertrauen.

"Du ... meinst mehr als eine Freundschaft?"

Dies klingt wie eine Mischung aus einer Frage und einer Feststellung und es gehört nicht allzu viel Feingefühl dazu, Sigruns Unsicherheit heraus zu hören.

"Nein, ich habe noch nie jemanden gekannt, dem ich so nahe gekommen bin."



Sigruns Antwort bestätigt Nirka zwei Vermutungen, die sie hatte. Und bringt sie zu einem sehr ähnlichen Problem - sie, die normalerweise immer einen Ausweg weiß, hat keine Ahnung, wie sie weitermachen soll. Und dazu kommt nochder besondere Anspruch durch ihre Stellung hier an Bord... immerhin ist sie Sigruns Vorgesetzte...



Sigrun atmet ein wenig auf. Die andere Frau scheint ihre Sicherheit wiedergefunden zu haben und auch sie beginnt, sich wieder wohler zu fühlen.

'Wir sind wohl beide nicht geschaffen für vorsichtige Worte',

denkt sie. Schließlich faßt auch sie sich ein Herz, wagt sich sogar noch etwas weiter vor als Nirka:

"Ich wäre gern mit dir zusammen, aber ... ich bin daran gewöhnt, für mich zu bleiben - und außerdem - ich bin noch ziemlich neu hier an Bord und du, naja, du bist immerhin meine Vorgesetzte."

Jetzt, nachdem sie ihre Bedenken formuliert hat, hat sich Sigruns Unsicherheit fast völlig gelegt. Sie sieht Nirka jetzt wieder direkt an.



Auch Nirka hebt den Blick wieder.

"Da hast du recht. Genau das sind die beiden Gründen - was die anderen dazu sagen würden, ist mir im Grunde recht egal."

Sie zögert.

"Ich könnte vermutlich auch mit dem anderen leben, aber für dich wärs schwer. Aber immerhin hat meine Position auch einen gewissen Vorteil hier an Bord."

Sie grinst die andere Frau schelmisch an.

"Beispielsweise lege ich fest, wer die Laderäume zu den unmöglichsten Zeiten kontrollieren muß..."

Ihre Hand hat bei diesen Worten die von Sigrun wieder berührt und vorsichtig umfaßt.



Jetzt muß Sigrun lachen. "Du meinst, Laderäume zu kontrollieren könnte vielleicht demnächst eine meiner Lieblingsaufgaben werden?"

Vorsichtig beginnt sie, den Druck von Nirkas Hand zu erwidern.



Nirka freut sich über die kleine Bestätigung ihrer Vorgehensweise und erwidert den Händedruck ihrerseits auch wieder.

"Hmmm... möglicherweise... zumindest so lange, bis sich jemand wundert, daß ich das immer persönlich kontrollieren muß..."

Sie läßt sich von Sigruns Lachen anstecken und lacht ebenfalls - etwas, das man bei Nirka nicht gerade oft erleben kann.



Auch Sigrun freut sich, hauptsächlich darüber, daß sie und Nirka offensichtlich nicht nur eine gegenseitige Anziehung sondern auch die Fähigkeit, sich über die selben Dinge zu amüsieren, verbindet. Der erneute Händedruck vermittelt ihr ein Gefühl der Nähe, das Sigrun erstaunlich richtig erscheint. Als das Lachen langsam verebbt, bleibt ein Blitzen in Sigruns Augen zurück.

"Es ist merkwürdig, ich weiß so wenig über dich, aber ich habe das Gefühl, als würden wir uns schon lange kennen."



Nirkas freie Hand findet wie von selbst den Weg zu Sigruns Haaren und streicht

regelrecht zärtlich über diese.

"Das stimmt, diesen Eindruck habe ich auch. Und was das andere betrifft... das können wir ändern, oder?"




Dajin der Maraskaner


Es ist so einiges los im Hafen zu Olport. Oder sollte man besser sagen: Es sind so einige los hier im Hafen. Denn zu dem ersten schwarz-bunten Rindvieh hat sich inzwischen ein zweites gesellt. Gemütlich wiederkäuend und mit einem gelangweilten Ausdruck in großen, braunen Kulleraugen stehen sie neben einem Stapel Kisten und genießen ihre Freiheit.

Bald sieht man in der Ferne zwei weitere Kühe, die, verfolgt von einem aufgebracht wirkenden, stockschwingenden Mann, ohne Rücksicht auf entgegen kommende Passanten recht zügig auf den Hafen zulaufen. Verfolgt werden die beiden Vierbeiner von einem aufgebracht wirkenden, stockschwingenden Mann, der laut zeternd versucht, ein paar Meter auf die Tiere hin gutzumachen.


************************************


Von einer anderen Seite aus, bahnt sich ein südländisch wirkender Mann seinen Weg durch die Menschenmengen. Sein Gesichtsausdruck kündet deutlich von unterdrücktem Ärger.

'Schon wieder aus einem Tempel rausgeflogen! Dabei sagt man den Thorwalern nach, sie seinen tolerant. Naja, immerhin haben sie mich länger gewähren lassen als im Horasreich.'

Der Gedanke an die zweite Heimat stimmt ihn wieder ruhiger. Endlich nach langer Reise wieder mal "zu Hause"! Schließlich erreicht er den Hafen, hier soll sie liegen die "Nordstern". Das Schiff, das als nächstes nach Süden segelt.

Geschickt bahnt er sich einen Weg durch die Menge. Nicht wenige schauen ihn verwundert an oder machen schnell platz: Ein Südländer ist hier anscheinend ein seltener Anblick oder liegt das an den zwei Schwertgriffen, die links und rechts über seine Schulter ragen? Auch die einstmals teure lederne Kleidung, die aber jetzt arg gebraucht aussieht, ist nicht gerade sehr vertrauenserweckend.

Nach kurzer Zeit erreicht er den Kai an dem das Schiff liegen soll, eine Karavelle hatte man im gesagt. Also ob ihm das weiterhelfen würde! Suchend schaut er auf das Vorderteil des Schiffes und tatsächlich dort steht "Nordstern".

'Welch ein Glück, direkt das erste Schiff!'

Das Schiff kritisch begutachtend, geht er zum Ende der Nordstern.

'Ah ja, dort oben, das muß der Kapitän sein'

"Preiset die Schönheit der Welt Herr Kapitän!" schreit er hinauf. "Ich habe gehört, Ihr fahrt südwärts. Ist bei euch noch eine Kabine frei? Ich möchte eine Fahrt bis Grangor buchen!"



Jergan will sich gerade abwenden, als der nächste Passagier seine Anfrage stellt.

Er ruft zurück:

"Efferd zum Gruße! Ja, Platz ist noch, auch wenn die Kabinen wenigstens zur Hälfte belegt sind... es sei denn, Ihr wollt die Luxus-Suite."

Er macht mit der Hand Fiana ein von unten nicht sichtbares Zeichen, daß sie sich weiter um diesen Mann kümmern soll - er muß sich schließlich noch vergewissern, daß alles andere ordnungsgemäß läuft, und der Magier mit dem Jäger einig geworden ist.



Pflichtbewußt macht sich Fiana wieder auf den Weg zur Planke, auf das neue Mitreisewillige die gelegenheit haben jemanden anzusprechen.



Fiana versteht das Zeichen des Kapitäns schnell und gibt ihm dies mit einem ebenso von unten nicht sichtbaren Zeichen zu verstehen.

Sie wendet sich an den Fragenden und meint:

"Wir haben noch in allen Klassen etwas Frei, die Doppelkabinen sind allerdings schon alle zur hälfte belegt."

Fiana erläutert dann noch das der Preis von Kabine und Entfernung abhängt. Darauf rasselt sie die Preisliste runter.



Daijn wirft einen mißtrauischen Blick in seine Geldbörse

`Hmmm hat ziemlich gelitten die Reisekasse`

Dann wendet er sich wieder Fiana zu

"Nun gut ich nehme eine Doppelkabine bis Grangor.

Leider bin ich in der Geographie nicht allzu bewandert. Wie weit ist es bis dorthin ?"



"Gut eine Doppelkabine, die Strecke ist im übrigen etwa 1650 Meilen lang."



Dajin geht die Planke hinauf zu Fiana

"Das wären dann 132 Silbertaler"

Er kramt die Taler aus seiner Börse und überreicht sie ihr. Dann schaut er sich erstmal auf dem Schiff um

"Wer ist denn mein Zimmernachbar ?"



"Vielen Dank" Sagt Fiana als sie das Geld entgegen nimmt.

„Euer Zimmernachbar heist Larian", sie blickt sich um und entdeckt ihn schon nach einem kurzen Moment.

"Er steht dort drüben,“

sie deutet auf den Bunten, der gerade mit dem Koch spricht.
"Der andere Mann ist der Smutje. Ich lasse euch einen Schlüssel holen."
Mit diesen Worten wendet sie sich um und ruft
"Findal!"
Darauf hin dreht sich ein jüngerer Matrose um und kommt schnellen schrittes zu Fiana.
"Hol bitte den zweiten Schlüssel zu D2 und gib ihn diesem Herrn"
Der Matrose nickt eifrig und macht sich so gleich auf den Weg den Schlüssel zu holen.
"So, er wird ihn euch gleich bringen. Ihr könnt ja schon mal zu eurem Zimmernachbarn gehen wenn ihr wollt"


Dajin geht über das Deck zu seinem Zimmernachbarn Larian der sich mit dem Smutje unterhält.
"Preiset die Schönheit der Welt, Bruderschwester! Entschuldigt meine Störung ich wollte mich , da wir die Reise bis Grangor Zimmernachbarn sind, vorstellen : Dajin von Tarschoggyn mein Name"
und er reicht Larian die Hand.


Ottam, der Beobachter


Ottam Beobachtet immer noch den Mann der dort recht Geschickt das Segel wieder in einen benutzbaren zustand bringt. Dabei wundert er sich doch über die seltsame Melodie, das hat er bisher noch bei keinem Segelmacher feststellen können. Nähen im Takt der Musik, hmmmm denkt er sich interessant. Das sollte ich genauer im Auge behalten.



Alrik


Eine ganze Weile hat sich der strubbelhaarige Schiffsjunge nun mit kleineren Arbeiten beschäftigt. Mal hier faßt er mit an, mal dort hilft er mit aus, ganz wie man es ihm gerade aufträgt.

Zwischendurch wird seine Neugier aber immer wieder von den Geschehnissen am Vordeck angestachelt. Erst diese seltsame Vorstellung von dem Herrn Fuxfell und jetzt versammeln sich dort äußerst illustre Gestalten.Selbst die Aufmerksamkeit des Gelehrten Herrn Trosdotters scheint geweckt. Zwar steht er im Hintergrund, doch Alrik kennt inzwischen diesen Blick, diesen heimlichen Lauerblick. 'Dann mußt du schnell die Augen abwenden,' sagte Jezabella damals, 'dann sieh sie nie an.'

Diesen guten Ratschlag beherzigend, stapft Alrik die Treppe zum Vordeck hoch, wo er schließlich staunend stehenbleibt.

'Na, holla! Das Segel ist ja fast wieder heil!'

Ole und Alrik


Der Mann hat seinen Hilferuf offenbar nicht gehört, dabei hätte Ole schwören können, daß ihn dieser Mann beobachtet hatte.

'Ach Ole, du alter Narr!' , denkt er in sich hinein ' Die Einsamkeit der letzten Zeit scheint dir gar nicht bekommen zu sein, du erliegst langsam einem Verfolgungswahn. Warum sollte dich dieser Mann beobachtet schon haben, du bist schließlich nur ein Zimmermann und kein der Hochwohlgeborenen, die von den Leuten allzu gerne begafft werden. Konzentriere dich jetzt lieber auf deine Arbeit!!!'

Ole sieht sich diese ausgefranste Stelle Segels noch einmal genauer an. Vielleicht geht es wenn .....? Es könnte auch klappen durch eine.......! Oder funktioniert auch ein ......? Irgendwie kann er keinen seiner Gedanken zu Ende führen. Doch in seinem Durcheinander der verschiedensten Ideen gelingt es ihm dann doch einen roten Faden zu ergreifen, der seine überlegungen langsam ordnet und mehr und mehr einen Plan reifen läßt. Das Ergebnis seines Grübelns stellt Ole zufrieden. Ja, so könnte es gelingen, dieses arg zerfetzte Teilstück des Segels wieder heil zu machen.

Er seufzt, mit einem etwas größerem Flickenstück wäre das überhaupt kein Problem gewesen und hätte wesentlich weniger Mühe und Zeit gekostet, aber im Moment haben wohl alle etwas Wichtigeres zu tun, als einem alten Segelflicker zur Hand zu gehen. Ole schreckt aus seinen Gedanken auf. Hatte da nicht irgendjemand etwas gerufen? Er blickt zum Treppenansatz hin und sieht dort einen Jungen, wahrscheinlich der Schiffsjunge.

"Hallo Junge!" ruft er ihm zu "Dich schicken mir die Alveraner! Du bist doch der Schiffsjunge, nicht wahr? Ich könnte deine Hilfe gebrauchen, sogar sehr!"

Ole wartet, hoffentlich hatte ihn der Junge gehört. Es könnte dem alten Ole viel Arbeit ersparen....



"Wie? ... nö, mich schickt gerade niemand, ich wollte nur mal gucken. Ich bin Alrik."

Alrik tritt näher herbei.

"Was... äh, wobei soll ich Euch denn helfen?"

Er deutet auf das Segeltuch. "Sowas kann ich aber nicht. Da mach' ich nur was bei kaputt," verkündet der Junge. Es klingt aufrichtig, und gewiß nicht so, als wolle er sich vor unliebsamer Arbeit drücken.



"Keine Angst, mein Junge!"

Ole antwortet mit ruhiger, fast beschwörender Stimme. Er lächelt, jawohl er lächelt, aber nicht, weil ihn die Unsicherheit des Jungen amüsieren würde, es rühren ihn vielmehr die offensichtlichen Befürchtungen Alrik's, er könnte etwas Falsches gemacht haben. Ole kann sich gut erinnern: ähnliches war ihm auch schon widerfahren.

"Alrik, du kannst mir sehr helfen! Paß einmal auf, komm schon , bleibe doch locker.....!! Du weißt sicher wo sich die Zeugkammer hier auf diesem Schiff befindet! Suche mir einen einzigen Leinenflicken, groß genug, um diese Stelle, hier an diesem Segel, zu reparieren!"

Ole zeigt ihm die Stelle am Segel und deutet, mit Handmaß, die Größe des Flickens an, den er braucht. Nun ja, er macht es ein bißchen größer, damit der Flicken, den Alrik holen könnte, auf jeden Fall reichen wird.

Beschwichtigend fügt er an:

"Wenn du dir nicht sicher bist, dann führe mich zu euerem Zeugraum, damit ich mit holen kann, was ich brauche!"

Und hinter vorgehaltener Hand, als wäre ein Verschwörer, flüstert er Alrik zu:

"Wenn du willst und wenn es dich ehrlich interessiert, dann lehre ich dich meine Kunst!!!"

Und dann zwinkert er Alrik zu ........


Alrik nickt ein paar Mal verstehend, als Ole ihm sein Anliegen erklärt. Aufmerksam lauscht er Oles Erklärungen und prägt sich dabei die Größe des benötigten Leinentuches ein.

"Ah, sicher, ich gehe gleich. Ich weiß schon, wo sowas liegt. Das finde ich schon," verkündet er.
Auf das Oles Angebot hin, meint der Junge vorsichtig: "Ja, also, lieber würde ich erstmal etwas zugucken, wenn das möglich ist. So weiß ich ja gar nicht, ob das überhaupt was für ich ist."
Nicht minder verschwörerisch flüstert er dem freundlichen Nordländer zu:
"Und wir legen auch schon bald wieder ab, ich bin hier der Schiffsjunge und da kann ich doch keine Handwerkslehre hier in Olport machen. Außerdem mag das Meer und die Seefahrt..."


Ole lächelt und fast fällt ihm dabei seine Pfeife aus dem Mund. Aber sein makelloses Gebiß rückt sie wider zurecht. Der Junge gefällt ihm.
"Gut gesprochen, mein Junge! Da höre ich das alte Erbe der Hjaldinger - Leute wie wir haben das im Blut!"
Und dann zwinkert er dem Jungen aufmunternd zu. Ole hat alle Mühe jetzt nicht in schwelgenden Erinnerungen zu fallen. Wie viele Götterläufe mag der Junge schon gesehen haben und war er, Ole, auch jemals so jung gewesen wie dieser Alrik? Ole hat die Zeiten, da er damals als Schiffsjunge die Meere durchkreuzen durfte schon fast vergessen gehabt. Jetzt sind sie alle wieder da und wenn er nun Alrik in die Augen schaut, dann sieht er gleichzeitig mit dem Schiffsjungen auch den jungen Ole, pfiffig und stark, aber auch jung und dumm und in der Hoffnung verweilend auf eine große Zukunft und auf viele glückliche Tage. Hoffentlich wird Alrik mehr Glück haben als er ....

"Nun spute dich, mein Junge! Das Segel muß schnell fertig werden. Glaube mir, kein Kapitän der Welt wartet gerne, da sind sie alle gleich!"

Und mit abgesenkter Stimme fährt er fort:

"Alrik, junger Freund, du hast zwei gesunde Hände und du scheinst mir auch sonst ein flinker Bursche zu sein. Du wirst es erleben, ein Schiff ist eineWelt für sich und was du hier an Bord lernen kannst, das wird dir keinMeister in irgendeiner tumben Stadt vermitteln können. Das Leben selbstwird dich lehren!"

Nach dieser leisen, aber eindringlichen Ansprache zog Ole an seiner Pfeife, daß es aus dem Pfeifenkopf nur so heraus funkte und knisterte und einleichter Qualm senkte sich wie eine kleine Sturmwolke auf das Vorderdeck herab......



Man sieht es dem Jungen an, daß die letzten Worte etwas in ihm bewegen. Vielleicht rufen sie auch bei dem noch so jungen Alrik eine Erinnerung wach, denn er antwortet nur mit leicht belegter Stimme:

"Das ist wohl wahr, denn das hat meine Schwester auch immer gesagt."

Sichtlich nachdenklich ergreift er die günstige Gelegenheit, um nun endlich den Segelflicken zu holen, was im Moment Vorrang vor Lebensweisheiten hat, mögen sie auch noch so wichtig und richtig sein.

"Bin gleich zurück," ruft er noch im Weggehen und kurz darauf den schwarzhaarigen Schopf des Jungen an dem vorderen Niedergang unter Deck verschwinden. 'Auweh, auweh, auweh. Das Erbe der Hjaldinger... ooh, ooh.'

Rein äußerlich hat Alrik denn auch wenig mit den heranwachsenden nordländischen Naturburschen gemein. Für sein Alter, er mag vielleicht dreizehn Götterläufe zählen, ist er recht klein und noch nicht so in die Höhe geschossen wie andere. Dafür sind seine Bewegungen aber weder schlaksig noch linkisch, sondern gewandt und sicher. Einzig die Kraft, um wirklich schwere Arbeiten zu verrichten, fehlt ihm noch, obwohl er sich redlich darum bemüht.


Sein schwarzes Strubbelhaar ist sehr kurz geschnitten und auch so kaum zu bändigen, denn es steht lustig wirr in allen Richtungen. Sein Teint ist recht dunkel. Schon der kleinste Praiosstrahl scheint seine Haut zu bräunen. Anders als bei den meisten sommersprossigen oder praiosverbrannten Nordländern. Nur seine hellen, grünen Augen passen

nicht so in das südländische Bild. Der sehnsüchtige Blick, der in ihnen geschrieben steht, unterscheidet sich aber durch nichts von dem eines blondhaarigen, blassen, nordländischen Jungen, den es in die Ferne treibt.


Kurze Zeit später ist Alrik wieder zurück auf dem Vordeck und breitet vor Ole einen Segelflicken aus der gut und gerne einen knappen Schritt in der Länge und einen halben Schritt in der Breite mißt. Das Tuch ist zwar schon recht vergilbt und fleckig, aber von der Beschaffenheit her noch fest und gut erhalten.

"Reicht das so? Was Kleineres hab ich so schnell nicht gefunden," fragt der Junge, während er Ole das Stoffstück überreicht.



Ole blickt überrascht auf, als ihm unvermittelt das alte Segeltuch vor die Nase gehalten wird. Beim Swafnir, das ging aber schnell, mit Alrik hat er zu diesem Zeitpunkt noch nicht gerechnet. Er ergreift das Tuch und sagt lächelnd zu Alrik:


"Das war eine prompte Lieferung, mein Junge! Ich habe doch gewußt, daß du ein gewitztes Kerlchen bist. Etwas Kleineres hast du nicht gefunden, sagst du? Nun! Das mag unser geringstes Problem sein!"

Ole wühlt in seinem Seesack und bringt ein firnelfisches Jagdmesser ans Licht und hält es bedeutungsschwer in die Höhe..

"Kleiner ist schnell etwas gemacht" , sagt er zu Alrik und leise fügt er hinzu "Mit dem größer machen ist es da schon schwieriger!"

Ole zieht die alte, gelbe Leinwand ein paar Male durch seine seine Hände und mißt dabei das Tuch mit seinen Augen ab. Dabei brummelte er leise vor sich hin, als erkläre er sich sein eigenes Tun in einer fremden Sprache, Worte, deren Bedeutung niemand, außer ihm selbst, auszulegen weiß. Es ist ein eine Art Gemurmel, wie sie als typisch betrachtet wird für Einzelgänger und Leuten, die lange Zeit in Einsamkeit verbracht hatten. Dann setzt er entschlossen das Messer an. Er durchtrennt das schwere Tuch mit einer Leichtigkeit als schneide er Butter. Er trennt ein angemessen großes Stück ab und dennoch wirkt die alte Leinwand fast noch wie unbeschädigt, es ist kaum zu sehen, an welcher Stelle das Tuch angeschnitten worden war. Triumphierend hält Ole das Flickenstück in der Hand. Das wird ihm sehr viel Arbeit ersparen, obwohl er, bei aller Freude, doch noch ein wenig darüber nachdenkt, ob seine, in Erwägung gezogene Arbeitsalternative nicht auch geklappt hätte. Sei's drum! Wichtiger ist

es, die Arbeit schnell und zur Zufriedenheit des Kapitäns zu Ende zu bringen. Er reicht das restliche Tuch wieder zurück zu Alrik. Ole braucht keine Flicken mehr, den Rest des Risses im Segel wird er mit Nadel und Faden schaffen können.

"Ich danke dir, Alrik! Bitte bring die restliche Leinwand jetzt wieder zurück ... und denk daran - du hast etwas gut bei mir. Das wohl! Beim Swafnir!"



"Hmmhmm, gut zu wissen," kommentiert der Junge mit einem spitzbübischen Grinsen, als er das Reststück entgegennimmt.


"Dann gehe ich jetzt mal wieder." Sodann macht er sich auf den Rückweg, um den Segelflicken wieder an seinen angestammten Platz zu bringen.



Nachdem Alrik, so wie ihm aufgetragen wurde, den Restflicken verstaut hat, kehrt er wieder auf das Oberdeck zurück. Er ist etwas unschlüssig, was er jetzt tun soll, daher verharrt er einen Moment dort. Mit dem Rücken lehnt er sich an die Reling und beobachtet schweigend die Umgebung. Ein seltsamer Mensch dort, der Segelflicker auf dem Vordeck, geht es ihm durch den Kopf. Er unterdrückt den Impuls, einfach wieder dorthin zurückzugehen, neugierig ist er schon. Sicher. Aber bevor er dort im Weg herumsteht ... oder sollte er doch wieder, vielleicht könnte er ... Nachdenklich beobachtet er weiter.



Der Schiffsjunge hat das Vordeck noch nicht richtig verlassen, da vertieft sich Ole bereits wieder in seinen Auftrag. Ole tastet an seinem roten Haarband entlang, irgendwo muß sie doch stecken, die Flicknadel, die er immer seine 'kleine Freundin' zu nennen pflegt. Er findet sie nicht - sie findet ihn! Lächelnd betrachtet er seinen blutenden Finger.

"Du hast Temperament, kleine Freundin! Doch genug gescherzt nun, jetzt wartet wieder die Arbeit auf uns. Laß es gut angehen, kleine Freundin!"

Er schließt für einen Moment die Augen, stimmt sich, auf eine Neues, in seinen merkwürdigen Singsang ein, dann läßt er die Nadel wieder über das Tuch fliegen, schnell, kraftvoll und sehr genau. Nun scheint er der Welt wieder entrückt, verweilend in einer anderen Welt, die nur Ole selbst kennen kann.


Sein ganzer Oberkörper ist in Bewegung und sein Haar flattert umher wie ein Fähnchen in wechselnden Winden, so sehr treibt Ole die Nadel durch die Leinwand, immer wieder, immer schneller werdend. Schon ist das, bereits etwas „angejahrte“ Flickenstück, daß Alrik ihm gebracht hatte, mit dem Tuch verwoben. Nun muß er nur noch die letzten Rissen beseitigen, die Tuchränder etwas verstärken, dann wird er dem Kapitän Meldung machen können. Sein Werk ist ihm nicht schlecht gelungen - vielleicht nicht so gut wie vor Jahren, aber immer noch feinste Qualität - der Kapitän dürfte zufrieden sein.

Je mehr sich sein Werk der Fertigstellung nähert, desto schneller scheint Ole zu arbeiten. Sein murmelnder Sing-Sang wird dabei immer lauter. Was er da singt klingt wie Kauderwelsch, aber ab und zu könnte ein näher gerückter Zuhörer schon das ein oder andere Wort aus Ole's melodischem Gemurmel heraus hören, wahrscheinlich aber ohne dabei einen inhaltlichen Sinn des Textes erfassen zu können. Doch wie es scheint, kommt es auf den Text gar nicht an, sondern nur auf den Rhythmus. So scheint es zumindest.......



Jergan


Jergan, der unweit von Fiana an der Planke steht, läßt seine wachsamen Blick über das Deck und den Platz vor dem Schiff schweifen. Ihm gefällt die Betriebsamkeit, die er sieht, und er freut sich, daß Passagiere und Fracht hier in Olport an Bord kommen.

Sein Blick wandert weiter, zum Vordeck, wo der Mann, der anheuern möchte, das Segel repariert. Ein kurzer Blick zu Fiana sagt Jergan, daß er nicht unbedingt hier stehen muß, und so geht er nach vorne.



Ein neuer Passagier


Bei der allgemeinen Unruhe, die im hiesigen Hafen herrscht, bei den von Unrast geplagten Menschen, den ständig lamentierenden Händlern und den kräftig zupackenden Hafenarbeitern, schenkt man einer Begebenheit am Rande des Hafens kaum Beachtung.

An einer Ecke, in der Nähe der Handelskontoren verabschiedet sich Jüngling von einem älteren Mann. Ein letztes Mal schlägt ihm der ältere aufmunternd auf die Schultern, dann trennt sich der junge Mann von seinem Begleiter und betritt den Kai.

Rein äußerlich erweckt der Jüngling einen erstaunlich gepflegten Eindruck (was auch schon relativ häufig mißverstanden wurde), er ist von mittlerer Größe und schlank. Die dunkelblonden Haare liegen frisch geschnitten und säuberlich frisiert am Kopf und reichen bis in den Nacken. Auch die Kleidung ist nicht fein aber gut gepflegt, er trägt eine dunkle Stoffhose, ein helles, leicht verziertes Hemd und eine Weste.

Er trägt in beiden Händen jeweils einen Koffer, wobei der links getragene Koffer einfach, alt, verbeult und abgewetzt ist, während der rechte fast neu zu sein scheint. Beide Koffer sind ungefähr gleich schwer, also geht er gerade, bei genauem Hinsehen, kann man aber feststellen, daß er sehr darauf achtet, daß der rechts getragene Koffer nicht aus Versehen den Boden berührt.



Adrian Sternenstaub und der Kapitän


Nachdem Adrian mit Firutin gesprochen hat nickt er ihm zu und steuert geradewegs auf den Kapitän zu, der am Oberdeck ist.

"Kapitän" sagt er, als er ihm gegenübersteht, "ich habe mit Firutin gesprochen und wir werden uns auf der Reise die Doppelkabine teilen. Könntet ihr mir bitte den Schlüssel aushändigen damit ich meine Sachen

dort abstellen kann?". Er sieht den Kapitän erwartungsvoll an und fügt hinzu:
"Wie ist das außerdem mit der Bezahlung, sofort oder erst bei Ankunft?".


Jergan hält auf dem Weg nach vorne inne, als der neue Passagier ihn anspricht.

"Der Schlüssel..."

Er sieht sich um.

"Fiana, laß diesem Herren mal einen Kabinenschlüssel für die Doppelkabine 1 holen!"

Leiser, und an den Passagier gewandt, fährt er fort:

"Wie es Euch lieber ist. Wenn Ihr gleich bezahlt, können wir Euch einen Rabatt einräumen."

Er bleibt in Erwartung der Antwort stehen.



"Wird erledigt", antwortet Fiana pflichtbewußt und läßt ihren Blick übers Deck streifen. Da ist ja Alrik und scheint gerade nichts zu tun zu haben.

"Alrik, komm einmal her" ruft sie in Alriks Richtung.



'Huch!'

Alrik fühlt sich recht unsanft von Fianas Worten aus den Gedanken gerissen. Gerade war er so schön darauf konzentriert des Segelflickers Gesang zu belauschen, was gar nicht so einfach ist, bei dem allgemeinen Lärmpegel an Bord. Ergeben folgt er dem Ruf der Ersten Offizierin und überquert das Deck.

"Ja?"



Fröhlich schaut Fiana Alrik an und sagt:

"Ah da bist du ja, ich habe einen Auftrag für dich, Hole bitte den Schlüssel für Doppelkabine 1 und gib ihn dem Herrn dort"

wobei sie auf Adrian deutet.



Nickend nimmt Alrik Anweisung entgegen. Kurz darauf wird die Aufmerksamkeit der Ersten Offizierin aber auch schon wieder abgelenkt. Nun gut, es ist ja auch schon alles gesagt.

Höflich richtet Alrik nun das Wort an den neuen Passagier.

"Efferd zum Gruße, Herr! Soll ich Euch jetzt gleich den Weg zu Eurer Kabine zeigen, oder soll ich Euch vorerst nur den Schlüssel bringen? Er wird sowieso unter Deck aufbewahrt."



Adrian denkt einen Augenblick nach und meint dann zu Jergan:

"Ich gehe in meine Kabine und verstaue meine Sachen, ich komme bald wieder, mit dem Geld."

Dann ergreift er den Schlüssel und sucht sich die Kabine D1. Kurze Zeit später kehrt er wieder zurück und drückt dem Kapitän 16 Dukaten in die Hand, nickt ihm zu und bedankt sich.



Der Kapitän steckt das Geld ein und sagt:

"Dann wünsche ich Euch eine angenehme Reise!"

Er sieht sich um. Was wollte er gleich tun? A, ja! Entschlossen geht er weiter in Richtung Vordeck.



Smirnoff und der Händler


"Nein, nein, ich will ja nicht mein Geschäft ruinieren. Was ich meinte war, der Teil der Ladung, der mir den größten Gewinn einbringen wird."



"Ach, so!" Ein verstehendes Nicken untermalt die Worte des Händlers.

"Gareth ist Euer Ziel, sagtet Ihr? Wenn Ihr so viele wertvolle Stücke mit Euch führt ... liefert Ihr dann gar an den Garether Hof?"



"Der Empfänger meiner Waren möchte nicht genannt werden, und ich respektiere diese Bitte, Ihr versteht dies sicher."



"Verstehe." Zwischendurch reckt sich der Händler ein wenig, um den Fortschritt der Verladearbeiten zu beobachten.

"Wann legt das Schiff wieder ab, sagtet Ihr?"



"Äh, das hängt wohl davon ab, wie lange das Verladen dauert und wie viele neue Fahrgäste mitreisen wollen. Der Kapitän hat keinen eindeutigen Zeitpunkt genannt. Ein paar Stunden wird die Nordstern sicher noch vor Anker liegen."



"Soso. Nun, dann werden wir wenigstens noch vor Ort warten, bis unsere Waren an Bord sind," verkündet der Händler und seine Begleiter nicken zustimmend.



"Ihr fahrt nicht mit?"



"Nein, nein. Ich habe noch Verschiedenes hier in der Stadt zu regeln. Eine weitere Lieferung erwarte ich ebenfalls noch in Kürze. Mein Geschäftspartner wird die Waren am Ziel in Empfang nehmen, diese Regelung hat sich in eiligen Fällen oftmals schon bewährt."



"Verstehe. Ich kann diese lange Reise aber recht gut dazu nutzen, alte Verbindungen zu pflegen und evtl. neue aufzubauen. So, ich werde mich etwas in der Stadt umsehen. Solltet Ihr mal nach Riva kommen, würde ich mich freuen, wenn Ihr einmal bei meinem Kontor vorbeischauen würdet. Firun und Phex seien mit Euch."



"Vielen Dank. Wenn ich gelegentlich mal in Riva bin, werde ich versuchen, mir die Zeit dazu zu nehmen."

Der Händler greift in eine seiner Innentaschen und zieht ein kleines rechteckiges Kärtchen hervor:

"Hier, bitte. Meine Karte. So Euch die Geschäfte nach Kuslik treiben, seid Ihr mir natürlich ebenso willkommen."

"Eine gute Reise wünsche ich Euch, und Phexens Gunst auf allen Wegen!" verabschiedet sich der Händler freundlich.



Ole, das Segel und ein düsteres Lied


Ole hat das Segel nun schon fast vollendet, doch mag sich jemand die Frage stellen, ob er das im Moment noch so richtig wahrnimmt. Er hat sich und seine Bewegungen derart in den Rhythmus seines Liedes eingepaßt, daß es dem zufälligen Beobachter der Szene wie Zauberei vorkommen muß. Oh ja, die Arbeit geht gut voran, unglaublich schnell sogar, aber da ist ja noch diese Lied, daß er da die ganze Zeit über singt. Seine Stimme ist unterdessen etwas lauter geworden und aus dem unverständlichen Gemurmel, daß er noch vor kurzer Zeit von sich gegeben hatte, ist nun ein klarer und verständlicher Text geworden. Und so traurig und Furcht einflösend die Melodie war, so ergreifend ist auch der Text, der durch den sonore, heiseren Klang von Ole's Stimme eine besondere Tragweite erhält. Um ihn zu verstehen muß man nicht einmal mehr besonders lauschen, Ole singt nun laut genug .....


"Einst war er mächtiger, prächtiger Held,

seine Sinne geschärft, seine Arme gestählt.

So zog er über alle Meere dahin,

sprach selten ein Wort, seine Axt sprach für ihn."


Arme und Körper wiegen sich im Takt. Ole hat in seinem Arbeitstempo nicht nachgelassen und dennoch wirkt er kaum angespannt, sondern locker und beschwingt.


"Nach außen aus Eis und nach innen voll Glut,

bei Wasser und Feuer erwachte die Wut.

Auf allen Wegen, die er befuhr

blieb Schmerz und Verderben, eine blutige Spur."


Langsam schließt sich der letzte Riß und ein Ende der Arbeit ist nun schon sehr in Sichtweite. Jeder andere Mensch würde jetzt mit seinem Arbeitseifer nachlassen, den Abschluß so dicht vor den Augen, Ole jedoch

nicht.


"Er wurde gefürchtet, verflucht und gehetzt,

der einsamste Streiter auf Dere zuletzt.

Der Tod war sein Leben und Blut war sein Lohn,

so sang er den Wölfen, da die Menschen entfloh'n."


Der letzte Faden ist etwas zu lang. Es ist ein grobes, aber außerordentlich starkes und reißfestes Garn. Ole beißt es einfach mit den Zähnen durch. Dafür muß er kurz seinen Gesang unterbrechen, doch sogleich macht er weiter.


"Nur ein Diener des Swafnir, des göttlichen Wal's,

hob ihn vom Grunde des finsteren Tal's.

Machte auf seine Kreise und bat ihn herein,

ein Kind des Swafnir sollt' er jetzt sein."


Der Riß ist nun geschlossen. Ein paar Fransen, die etwas über der Naht standen, schneidet er mit seinem Messer weg, eine eigentlich überflüssige Arbeit, die streng genommen nur dem Auge dient.


"Einst war er mächtiger, prächtiger Held,

seine Sinne geschärft, seine Arme gestählt.

Es blieb ihm das Eis und es blieb ihm die Glut,

doch nun war er Herr und nicht Diener der Wut."


Die Reparatur des Segels ist nun abgeschlossen. Ole unterbricht seinen Gesang, springt auf und wirbelt das Segel mit spielerische Leichtigkeit in der Luft herum, als wäre es das Seidentuch einer tulamidischen Sharisad. Ole freut sich und da macht es auch nichts, wenn er sich, als er die Nadel wieder in sein Stirnband stecken will, doch noch ins Ohr sticht!



Ole schwingt das Segel wie eine Fahne umher, unterbricht sein Spiel aber jäh. Unsicher schaut er sich um, ob vielleicht ein paar umher stehende Leute Zeuge seiner Tollereien geworden waren. Fast könnte man meinen, daß er in diesem Moment leicht errötet, doch ein mächtiger Bart,so wie der Ole's, verdeckt solche körperlichen Erscheinungen aufkeimender Verlegenheit hervorragend.


Ole legt das Segel auf den Planken zusammen. Gleich darauf ist er fertig damit und er betrachtet das Bündel, so wie ein stolzer Jäger ein erlegtes Wildschwein betrachten würde. Er verstaut seine Nadel, seine "Freundin" in seinem Seesack, ordnet das Material, das ihm der Kapitän zur Verfügung gestellt und Sigrun im Schweiße ihres Angesichtes an Deck geschleppt hatte.


Ole blickt sich um! Er sucht den Kapitän, kann ihn aber zunächst nicht sehen. Dabei steht er unweit von ihm, ist aber im Gespräch vertieft mit einem Mann, der nach Aussehen und Verhalten ein Passagier sein dürfte.


Nein, da will Ole nicht stören! Er nimmt das zusammengefaltete Segel und hängt es sich über die linke Schulter. So wartet er auf den Kapitän, es geht immerhin darum, ob er nun anheuern kann oder nicht! Er will lieber warten, hatte er doch den Eindruck, daß der Kapitän ohnehin auf das Vorderdeck kommen wollte. Ole hat Zeit ! Noch ............


Sigrun und Nirka


Sigruns widerspenstige Haare lassen sich durch Nirkas Hand kaum von ihren unmöglichen Aufenthaltsorten vertreiben. Sobald der leichte Druck wieder nachläßt, liegen sie wieder genau so verquer wie zuvor.

Sigrun genießt die Berührung und sieht Nirka weiterhin direkt an. Auch sie hebt ihre Hand und streicht damit vorsichtig an den Augenbrauen entlang über Nirkas Stirn.



Nirka schließt langsam die Augen, während Sigruns Finger über ihre Stirn fahren. All die Vorsicht und das Mißtrauen, die sie sonst immer an den Tag legt, sind wie weggewischt, man kann ihr regelrecht ansehen, wie wohl sie sich

fühlt.

Ihre eigene Hand streicht über Sigruns Gesicht und hält schließlich am Kinn inne.



Während sie noch das Gefühl von Nirkas Fingern auf ihrer Haut genießt, nimmt Sigrun gespannt die Reaktion der anderen Frau wahr. Worte scheinen sich erübrigt zu haben.

'Es stimmt, wir werden uns noch früh genug mehr erzählen können', denkt sie, als ihre Hand sich langsam weiterbewegt und über Nirkas Schläfe und Wange streicht. Sie ist dankbar für ihre gut trainierten Arme, denn in dem Bedürfnis, diesen Augenblick so langsam wie möglich verstreichen zu lassen und die Hand ganz ruhig zu halten, muß sie sich ziemlich anstrengen. Noch immer hat Sigrun ihre Augen geöffnet, sie versucht, jede Kleinigkeit in Nirkas Gesicht zu bemerken.



'Wie konnte ich das übersehen, als SIE an Bord kam? Das hätte mir doch auffallen müssen!'

Nirka verfolgt den Gedanken aber nicht länger, sondern läßt ihre Hand weiter wandern, vorsichtig an Sigruns Hals hinunter. Die Berührung ist noch immer ganz sanft und vorsichtig, fast so, als fürchte sie, jeden Moment zurückgewiesen zu werden. Inzwischen beginnt auch ihre rechte Hand, in das Geschehen einzugreifen:

Sie stößt die Tür des kleinen Verschlages mit einem kurzen Stoß fast zu, und wechselt dann hinüber zu Sigruns Taille, die sie vorsichtig streichelt.

Und gaaaaaanz schwach im Hintergrund ist der Gedanke an die Pflicht...



Als Nirka die Tür (fast) schließt, wird es Sigrun schlagartig bewußt:

'Da stehen wir hier die ganze Zeit herum, wo ständig jemand vorbeikommen kann. Und wer weiß, wie lange schon ...'

Doch diese Gedanken verschwinden fast so schnell wieder im Hintergrund, wie sie aufgetaucht sind, denn jetzt wird sie sich Nirkas Hand an ihrer Taille doch allzu bewußt. Ihre eigene Hand, jetzt frei geworden, läßt sie folgen, um sie anschließend, beginnend beim Handgelenk, an Nirkas Arm aufwärts streichen zu lassen.



Nirka tritt langsam einen Schritt vor, so daß zwischen ihnen beiden nur noch wenige Finger sind - viel Platz läßt die kleine Kabine der Bootsfrau ohnehin nicht.

Ihre eine Hand streicht an Sigruns Hüfte entlang, während die andere sanft die Linien des Halses und der Schultern verfolgt.

Ihre Augen sind immer noch geschlossen, aber die Gedanken an die Pflicht, die eben noch ziemlich stark waren, treten wieder mehr in den Hintergrund zurück.



Sigrun hält unbewußt die Luft an, als der Abstand zwischen den beiden Frauen auf ein Minimum zusammenschrumpft. Ihre eine Hand bleibt an Nirkas Schulter liegen und auch die andere gleitet über den Hals weiter herab.

In ihren Gedanken kämpfen derweil zwei gegensätzliche Parteien um die Vorherrschaft. Die eine Partei, der sie zu gerne nachgeben möchte, rät ihr, diese neu gewonnene Vertrautheit so ausgiebig zu genießen, wie nur irgend möglich. Immer häufiger aber meldet sich auch die andere Partei zu Wort, die sie daran erinnert, daß sie sich erst seit kurzem auf diesem Schiff befindet und sie einen guten Eindruck machen möchte, daß die Arbeit im Hafen sich nicht von allein erledigt und, letztendlich, daß sie befürchtet, das Vergehen der Zeit nicht bemerkt zu haben. Endlich trifft Sigrun mit dem Pragmatismus, der ihr fast verloren gegangen zu sein schien, eine Entscheidung: wenn sie die Möglichkeit haben möchte, noch öfter mit Nirka zusammen zu sein, sollte es nicht gleich beim ersten Mal auffallen. Sie kann nur hoffen, daß die andere Frau sie verstehen wird.

Der Druck ihrer Hände an Nirkas Gesicht und Schulter wird unbeabsichtigt etwas stärker, als sie leise beginnt:

"Es ist sehr schön, mit dir hier zu sein ... Ich, ... ich glaube aber, wir haben die Zeit vergessen ..."



Sigruns Worte reißen Nirka jäh in die Realität zurück, und sie öffnet die Augen. Die andere Frau hat recht!

"Ja..."

Es klingt nicht sehr überzeugend, doch dann reißt sie sich zusammen. Die Bootsfrau beugt sich nach vorne und drückt Sigrun einen schnellen Kuß auf den Mund. Dann öffnet sie die Tür wieder.

"Gehen wir..."



Sigrun weiß nicht, wie ihr geschieht. Im einen Moment steht Nirka noch so dicht bei ihr und dann, ein schneller Kuß und das war's? Zunächst ein wenig zögernd folgt sie dann Nirka aus deren Reich. Sie versucht, noch einen Blick auf Nirkas Gesicht zu werfen, um zu ergründen, was es mit dieser plötzlichen Eile auf sich hat.

'Hoffentlich habe ich jetzt nicht alles vermasselt', denkt sie und bemerkt, daß sie sich bei diesem Gedanken ziemlich elend fühlt. 'Oder will sie jetzt einfach nur zurück an die Arbeit?'



Nirka meint, so etwas wie Unsicherheit bei Sigrun zu verspüren, aber vielleicht ist das auch eine Täuschung, schließlich ist sie sich selbst auch alles andere als sicher.

Sie flüstert kaum hörbar:

"Wenn die Ladearbeiten abgeschlossen sind, kontrollieren wir beide die Laderäume, einverstanden? Hier kann jeden Moment jemand kommen, und es wäre kein Wunder, wenn mich jemand sucht."

Ihre eine Hand drückt dabei eine von Sigruns Händen, während die andere wieder den Weg zu Sigruns Taille findet und sie dort kurz kraulend, kitzelnd, berührt.



Befreit lacht Sigrun leise auf und erwidert noch einmal schnell den

Händedruck. Ihre Stimme klingt verschwörerisch:

"Wir werden den Laderaum seeehr gründlich kontrollieren, darauf kann der Kapitän sich verlassen."

Leiser fügt sie an:

"Ich freue mich schon darauf."

Erstaunt stellt Sigrun fest, daß das mehr als die Wahrheit ist. Die Notwendigkeit, noch ein wenig beim Be- und Entladen zu helfen, ist ihr heute nicht wie sonst immer eine Selbstverständlichkeit. Statt dessen empfindet sie den Gedanken an Arbeit als lästige Störung und ertappt sich bei dem Wunsch, das Schiff möge möglichst bald beladen sein.



Ebenso verschwörerisch antwortet Nirka:

"Glücklicherweise ist hier an Bord alles ordentlich, so daß es nicht weiter auffällt... aber... ich freue mich auch drauf!"

Sie drückt Sigrun noch einmal an sich, ehe es in Richtung des Aufganges weitergeht, und sie so laut sagt, daß es zufällig Anwesende auf jeden Fall mitbekommen müssen:

"So... dann ist hier unten alles klar, werden wir mal zusehen, daß die Laderäume sich rasch füllen!"



Sigruns Augen blitzen amüsiert, sie stellt fest, daß so ein Versteck-Spiel seine eigenen Reize hat. Doch sie reißt sich zusammen und unterdrückt ein breites Grinsen, denn jetzt sind die beiden Frauen wirklich in einem Bereich des Schiffes, in dem ihnen ständig jemand begegnen kann. Statt dessen versucht sie, eine geschäftsmäßige Miene aufzusetzen, was ihr auch, abgesehen von den Augen, relativ gut gelingt.

"Ja, wollen wir doch mal sehen, wie weit die Anderen oben schon gekommen sind", antwortet sie in normaler Lautstärke. "

Auf dem Anleger stand einiges an neuen Versorgungsfässern und auch der ein- oder andere Händler sah aus, als würde er unserem Kapitän etwas mitgeben." Bei diesen Worten folgt sie Nirka zum Aufgang.



"Ja, das stimmt. Dem ganzen Gepolter nach zu urteilen, müßte ein Teil davon schon an Bord sein."

Sie geht den Aufgang hinauf auf das Oberdeck, wobei sie die Augen zusammenkneift, um sich rascher an das helle Tageslicht zu gewöhnen - der Unterschied zu dem Halbdunkel des Unterdecks ist nicht gering.

Sie dreht sich zu Sigrun um und sagt:

"Sieh mal nach, ob die da draußen noch mehr Hilfe beim Verladen brauchen!"

Der Tonfall ist schon wieder der ganz gewohnte nirka'sche Befehlston, nur ein kleines Blitzen der Augen, als sie Sigrun genau ansieht, zeigt dieser, daß es nur Maskerade ist.



"Alles klar, bin schon unterwegs", antwortet Sigrun, während sie ebenfalls auf das Oberdeck geht. Das leichte Glitzern in Nirkas Augen ist ihr nicht entgangen und so läßt sie sich auch nicht von dem etwas rauhen Ton der Bootsfrau verunsichern. Im Vorbeigehen lächelt sie ihr noch einmal kurz zu und

geht dann zielstrebig auf eine kleine Gruppe von Matrosen zu, die offensichtlich gerade damit beginnen, Kisten und Fässer, die sie schon über die Planke an Bord gebracht haben, unter Deck zu bringen. Den von den schweren Ladearbeiten schon ziemlich angestrengten Matrosen fällt kaum auf, daß die junge Frau neu hinzugekommen ist. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, ihre Kräfte auf die schweren Kisten zu richten und haben kaum einen Blick für ebenso schwer arbeitende Kollegen übrig. Wortlos nimmt Sigrun eine Kiste hoch, bei deren Gewicht ihr klar wird, warum die anderen Matrosen so verkniffen aussehen und die neuen Waren teilweise zu zweit tragen. Sie wüßte gern, was da drin ist, fühlt es sich doch so an als wären es Steine. Nun, diese Kiste wird sie erst einmal alleine tragen müssen, denn sonst könnte doch noch jemand auf die Idee kommen, sich zu fragen, wo sie bis eben war. Entschlossen sammelt sie ihre Kräfte und schließt sich der Reihe von Matrosen an, die sich jetzt langsam in Richtung Ladedeck auf den Weg macht.



Ottam, der Beobachter


Ottam hat die ganze Zeit über versucht so unbemerkt wie möglich herauszubekommen, ob dieser merkwürdige Sing Sang des Segelmachers wohl irgendwelche arcane Muster beschwört. Es ist nichts außergewöhnliches ein Segel zu reparieren, doch kommt es ihm recht seltsam vor das so schnell und gleichmäßig zu tun. Entweder könnte es sich um eine art meditativen Gesang handeln, der Körper und Geist so in Einklang bringt das Höchstleistungen möglich sind, oder es schwingt tatsächlich etwas Magisches in den Noten. Wie dem auch sei er wird es heraus bekommen.



Der neue Passagier


Der junge Mann mit den zwei Koffern hat sich jetzt genähert. Als er nah genug herangekommen ist, um den Schriftzug auf dem Schiff zu lesen, nickt er erleichtert. 'NORDSTERN, ja, das ist es', denkt er zufrieden und lenkt seine Schritte zur Planke. Dort sieht er eine Frau stehen, die ansprechbar wirkt.

"Guten Tag, Efferd sei mit Euch, dies Schiff fährt doch nach Thorwal, nicht wahr?"



Da hat Hirkan sich wohl getäuscht. Die Frau, von der er annahm, sie könnte ihm sagen, ob es an Bord noch Platz für ihn gibt, scheint doch ziemlich beschäftigt zu sein und hat ihn wohl nicht gehört. Also nimmt er erneut seine Koffer und geht über die Planke an Bord. Dort bleibt er bei Fiana stehen und sieht sie an, geduldig wartend, bis sie etwas Zeit hat.



Gerade fertig damit Alrik zu beschäftigen wendet sie sich wieder um und stellt überrascht fest das dort schon jemand neben ihr steht.

Die Überraschung überspielend sagt sie:

"Efferd zum Gruße und Willkommen auf der NORDSTERN, wünscht ihr eine Überfahrt ?"



Der junge Mann strahlt über das ganze Gesicht, als sich die Frau nun doch zu ihm umwendet.

"Seid auch Ihr im Namen Efferds gegrüßt, werte Dame. Ja, genau, wenn es möglich ist, würde ich gern die Gastfreundschaft dieses stolzen Schiffes bis Thorwal in Anspruch nehmen. Oh, ich vergesse die gröbsten

Lehren der Höflichkeit, man nennt mich Hirkan."

Während dieser Ansprache setzt Hirkan die Koffer ab und hält Fiana die Hand zum Gruß hin.



Fiana nimmt die Hand und unterstreicht den Gruß mit einem Kräftigen Händedruck

"Mein Name ist Fiana Ohlson, ich bin hier die 1 Offizierin und Navigatorin"

Und schelmisch fügt sie hinzu:

"Wenn wir also einen Eisberg rammen sollen dürft ihr euch bei mir darüber beschweren"

Dann fährt sie in gewohnter Art fort:

"Nach Thorwal, kein Problem. Die Einzel und Doppelkabinen sind alle belegt. Die Luxussuite, der Gemeinschaftsschlafraum und alles darunter ist noch frei."



"Oh, einen Eisberg rammen, das wäre bestimmt ein bemerkenswertes Erlebnis!", ruft Hirkan aus. Er behält sein überschwengliches Grinsen bei, es ist allerdings keine Ironie in seinen Worten zu erkennen. Dann fügt er etwas leiser an:

"Nun, ich glaube, die Luxussuite wäre nicht ganz das Richtige. Ich hätte dann gern ein Bett in der Gemeinschaftskabine."




"Kein Problem, das macht dann eine Strecke von 900 Meilen also 36 Silberstücke"



"Ah, gut, ja, dann gebe ich Euch wohl am besten erstmal das Geld." Etwas umständlich löst er den Geldbeutel von seinem Gürtel und zählt Fiana das Geld in die Hand. Anschließend befestigt er den Geldbeutel wieder, wobei er sich mehrfach versichert, daß dieser auch nicht zu locker ist.

Anschließend sieht er sich etwas orientierungslos um. Er würde ja jetzt ganz gern erstmal sein Gepäck loswerden, um dann bereit zu sein, wenn das Schiff ablegt. Schließlich hat er sich vorgenommen, diesen Vorgang ganz genau zu dokumentieren. Aber diese Fiana kann er auf keinen Fall bitten, ihm den Weg zu der Sammelkabine zu zeigen. Da drüben, könnte das vielleicht ...? Seine Augen sind dort hängengeblieben, wo

sie es auch am besten sollten, und haben einen Jungen entdeckt, der ein wenig gelangweilt an der Reling steht. Kurz entschlossen nimmt Hirkan seine beiden Koffer wieder auf, wirft Fiana ein "Vielen Dank!" zu, und macht sich auf den Weg zu Alrik.



"Ich Danke euch" erwidert Fiana und wollte eigentlich gerade Alrik rufen als sie sie das der Mann sich schon praktisch dort befindet.


'Hmm wohl sehr eilig dran' denkt sie sich und beschießt erst einmal zu warten wie Alrik reagiert.



Larian


Larian schüttelt die Hand des Mannes erfreut. Mit der anderen Hand deutet er dem Koch zu warten.

"Ich bin sehr erfreut mein vorheriger Zimmernachbar war, hmm ... sehr schweigsam. Kommt ihr etwa aus Maraskan? Ich habe von dieser Anrede gehört, aber ich war noch nie auf Maraskan."


"Wollt ihr uns nicht begleiten? Wir wollen uns in der nächsten Kneipe einen Becher Engasaler zu Gemüte führen."



"Oh ja ich komme von Maraskan obwohl ich meine Heimat leider schon seit einiger Zeit nicht gesehen habe."


"Sicher gerne ! Aber was ist ein Engersaler ?"



Mit einem ergebenen Lächeln wendet Sören sich von Larian und dessen Gesprächspartner ab und betrachtet weiter den Hafen.



"Engasaler ist eine Weinsorte, die ich bevorzuge und wohl eine der bekanntesten sein dürfte. Aber daß können wir auch später in der Kneipe besprechen, aber dazu müssen wir erst den Kapitän fragen."

Und mit diesen Worten wendet er sich schon in Richtung des Kapitäns, scheinbar erwartend, daß die anderen ihm folgen.



"Nun dann werde ich eueren Wein wohl mal probieren müssen"

Dajin folgt Larian zum Kapitän



Der blinde Passagier


Im düsteren und schal riechenden Raum sitzt die Gestalt nun schon einige Zeit fast gänzlich regungslos zwischen allerlei unbekannten Dingen.

'Wie lange sitze ich schon hier? hm, naja, was spielt das überhaupt für eine Rolle?'

Ihm wäre danach ein Lied anzustimmen. Ein Lied, in das er alle seine Ängste und Sorgen, seine Angespanntheit und das Unwohlsein in diesem finsteren Raum legen könnte, und das all diese Gefühle mit jeder Silbe in der Luft zerstreuen würde. Ja, genau das würde er jetzt so gerne tun.


Aber das kann er nicht - man würde ihn hören. Genauso wie er vor ein paar Augenblicken noch Stimmen über sich gehört hat. Zwei Stimmen. Zwei menschliche Stimmen. Zwei Frauenstimmen. Die genauen Wort vermochte er nicht zu verstehen, waren sie doch in der ihm nicht so geläufigen Menschensprache. Kurz war sogar ein Gelächter der beiden zu hören. Er versteht die Sprache schon, und wenn er sich sehr darauf konzentriert hätte, wäre ihm die Unterhaltung sicherlich nicht entgangen. Aber er fühlte sich nicht danach.


Es war auch sonst sehr laut über ihm. Wahrscheinlich die Männer, die er schon vorher gesehen hatte beim Kistentragen. Doch einmal Drang ein Geräusch zu ihm hinab, daß ihn kurz aufhorchen ließ. Jemand stieg trampelnd die Treppe zu dem Stock über ihm hinab. Für einen kurzen Moment setzte sein Herz fast aus. Waren sie ihm doch

gefolgt? Hatten sie ihn etwa doch gesehen? Er lauschte nun ganz genau dem Geräusch. Jemand hatte es eher eilig. Es waren eindeutig hastige Tritte, die er da vernahm. Sie waren menschlich. Doch irgendwie stimmte was nicht ganz. Er lauschte noch genauer (falls das überhaupt ging). Es waren schon menschliche Tritte, aber sie waren erstaunlich ¨leicht¨. Eine Frau vielleicht? Nein auch nicht. Womöglich noch kein Erwachsener? Ja, das war es! Also, es mußte es sein. Die Tritte hielten kurz inne, dann vernahm er ganz leise Geräusche, die darauf schließen ließen, daß die Person dem Anschein nach etwas suchte, so wie die Waren verschoben wurden. Ein paar Herzschläge vergingen, da eilten die Tritte wieder hinauf und wurden durch die sonst lauten Geräusche da oben ganz verschluckt. Er atmete auf.

Mittlerweile war auch das Gespräch direkt über ihm verstummt.

'Ein Schluck Wasser würde mir jetzt gut tun'.

Er schnallt sich den ledernen Wasserschlauch vom Gürtel, öffnet ihn und nimmt einen tiefen Schluck. Blinzelnd schielt er in den Schlauch hinein. 'Hm... nicht mehr so viel übrig. Bald muß ich mich auf die Suche danach machen.' Dieser Gedanke erfreut ihn wirklich nicht unbedingt, da er dazu seinen momentanen Platz verlassen müßte.

Doch noch ist es nicht soweit, deswegen packt er den Schlauch wieder weg und atmet tief ein. Es bleibt ihm nichts anderes übrig als abzuwarten.


Ole träumt


Ole hat das Segel locker auf seine linke Schulter gelegt. Das sieht ziemlich unbequem aus, aber das scheint diesem Riesenkerl nichts auszumachen. Um dann doch ein bißchen angenehmer stehen zu können lehnt er sich gegen die Reling und schaut durch die schmale Hafenpforte auf das offene Meer hinaus. Viel ist ja nicht zu sehen von 'Ifirns Ozean' und dennoch ist die enge Einfahrt für Ole das Tor zur Unendlichkeit. Sein Blick fällt auf den westlichen Kreidefelsen. Dort oben stehen die 'Hallen des Windes', so glaubt Ole wenigsten, diesen Teil Olports hat er nur selten betreten. Sehr viel häufiger war er auf dem 'Ifirnssteig, fast siebzig Schritt erhebt sich die Spitze dieser Klippe über dem rauschenden Wasser. Ole hatte diese Spitze tatsächlich einmal bestiegen. Oh ja, es ist lange her und die Erinnerung schmerzt., denn von dieser steinigen Höhe dort hatte er seiner Thania einmal einen kleinen Kiesel mitgebracht, so wie es Brauch war für die jungen Männer am Ort, wenn sie ihrem Mädchen einen überzeugenden Liebesbeweis überbringen wollten.

'Ach Thania ..... ! Gewiß, die NORDSTERN ist ein gutes und sicheres Schiff, doch leider nicht gut und sicher genug, um mich wieder zu dir zu bringen.' denkt sich Ole.

Armer Ole. Man kann ihm von außen ansehen, daß ihn melancholische Gedanken bewegen. Seine Stirn scheint dunkel umwölkt und dies ist sicher nicht nur verursacht von jenen Rauchschwaden, die ihm aus der Pfeife heraus um den Kopf wallen. Dann wandelt sich sein Mienenspiel und seine Gesichtszüge entspannen sich. Seine Augen scheinen Dinge zu sehen, die sich anderen entziehen. Dem verträumten Blick Ole's zufolge befindet sich sein Geist schon auf der Reise, lange bevor das Schiff auslaufen wird, hin zu jenen Gefilde, die hinter dem dunstigen Horizont auf die NORDSTERN noch warten müssen.

Eine ganze Weile steht er so da und rührt sich nicht. Auch das Segel, das noch immer auf seiner Schulter ruht, scheint ihm nicht schwerer oder gar zu schwer zu werden. Aber dann kehrt sein Geist wieder an den Ort und in die Zeit zurück. Er wendet seinen Blick zurück flußaufwärts, dort, wo die Torstor-Om-Brücke die Stadt über den Nader hinweg verbindet. Er schüttelt heftig den Kopf und der Rauch aus seiner Pfeife schlägt lustige Kapriolen dabei. Nein! Das liegt nun alles hinter ihm, er will nun das Land, die Leute zurücklassen und wenn es ginge auch seine Erinnerungen. Das, was er jetzt noch braucht trägt er in seinem Seesack mit sich, hängt ihm am Gürtel oder auch über der Schulter.


Ach ja, das Segel, fast hätte er es vergessen. Bewegung kommt in Ole's riesigen Körper, Unruhe bemächtigt sich seiner. Wo bleibt denn nur der Kapitän? Ob er wohl noch immer mit dem Magus im Gespräch ist?



Ole und der Kapitän


Jergan bleibt schließlich bei Ole stehen, und wirft neugierige Blicke auf das Segel, das dieser auf der Schulter trägt.



Ole scheint keinen Moment zu früh aus seinen Träumen und Visionen erwacht zu sein. Eben hat er noch an den Kapitän gedacht, so steht dieser doch nun auch schon vor ihm. Vor Schreck wäre ihm beinahe die Pfeife erloschen, doch eine gute Glut verdirbt nicht so schnell und ein Ole Draggensson ist nicht so leicht von der Planke zu stoßen. Schnell hat sich der Hüne wieder gefaßt und ein breites, offenes Grinsen zieht über sein Gesicht. Er entblößt dabei ein Gebiß, das selbst einen Perlbeisser beschämt in die Flucht geschlagen hätte.

"Hier, Herr Kapitän! Hier ist das gute Stück!"

Dabei klopft er mit der flachen Hand auf das Segel, das ihm immer noch, wie ein eingerollter Teppich auf der Schulter ruht. Reichlich Staub wirbelt dabei aus dem Tuch heraus, es scheint gut trocken zu sein. Dann läßt Ole das Segel von der Schulter gleiten und zu Boden klatschen. Feierlich, als enthülle er eine Kostbarkeit, breitet er es auf und präsentiert sein Werk.

"Gut - zugegeben, es sieht nicht gerade aus wie ein Gobelin aus dem Hause der Hetleute, aber damit könnt ihr ihr wieder den Wind einfangen, vom lauen Lüftchen hin bis zum grimmen Sturm!"

Ole zieht an seiner Pfeife und bläst genüßlich den Rauch wieder aus, der sich dann hoch und höher kringelt und etwa einen Spann über dem Kopf des Hünen, aber dies können nur diejenigen erkennen, die des Lesens kundig sind, zwei Formen bilden, die entfernt an ein 'A' und ein 'O' erinnern.



Jergan betrachtet das Segel ausführlich und mit Sachverstand, wie ein kundiger Beobachter feststellen wird. Er nickt mehrmals, dann sieht er den Seemann an, der schon durch sein Auftreten den Eindruck von Erfahrenheit und Kompetenz vermittelt.

"Das sieht verdammt gut aus, und ging schnell."

Prüfend faßt er das Segel noch einmal an.

"Wirklich sehr gut... Ihr wollt sofort anheuern? Wollt Ihr es für eine bestimmte Zeit, oder erst einmal unbestimmt?"



Der "Riese" wirkt zufrieden und auch ein klein wenig erleichtert, obwohl er sehr aufgepaßt hat darauf, daß keiner, vor allem der Kapitän nicht, sein Durch- und Aufatmen bemerkt. Nun steht er wieder da, groß und 'raumgreifend', wie "Fleisch" gewordene Gelassenheit. Man könnte meinen, er denke darüber nach, was er dem Kapitän als Antwort geben sollte, aber wahrscheinlich genießt er nur den Augenblick.

"Nach Süden, Herr Kapitän, einfach nach Süden, immer dem Herren PRAIOS entgegen! Ich habe kein bestimmtes Ziel. Wir werden sehen. Vielleicht nach Kuslik, vielleicht zu den Zyklopeninseln, ich weiß das noch nicht. Aber wenn mich meine Ahnung nicht trügt, und sie hat mich selten enttäuscht, könnte ich mir unter Umständen auch vorstellen länger an Bord zu bleiben. Herr Kapitän, ihr habt mich freundlich empfangen und eingeladen ein Mitglied euere Mannschaft zu werden. Das ist eine große Ehre für mich! Swafnir möge euch dafür gutes Geleit geben, auf allen euren Fahrten! Herr, ich kann es sehen und wenn sich diese alten Augen nicht irren, dann seid ihr ein wackerer Seefahrer und ein gnädiger Kapitän. Eure Mannschaft steht gut im Futter und euer Schiff ist von EFFERD gesegnet. Mögen alle ZWÖLF meine Zeugen sein - Ich sagen euch, wenn es mir hier gefällt, dann segle ich mit euch bis nach Brabak und wenn ihr das Kommando dafür geben würdet, dann auch noch weiter in den Süden hinein, was immer wir da auch

finden würden."

Nach diesen Worten verstummt Ole und zieht an seiner Pfeife, daß es aus dem Pfeifenkopf heraus glüht, wie aus Ingerimm's Esse. Als der Rauch, der daraufhin aus Ole's Nase strömt wie aus Famerlor's Nüstern, ein bißchen lichter wird, beugt sich Ole dem Kapitän entgegen und fragt ihn mit leiser Stimme und ohne das Pathos, daß seinen vorangegangenen Aussagen innewohnte:

"Auf ein Wort Herr Kapitän, wie steht es mit der Heuer? Habt keine Bedenken, ich will nicht handeln, ich möchte nur bedenken können, welche Grenzen mir gesteckt sein werden, wenn ich mir in dem ein oder anderen Hafen, das eine oder das andere leisten wollte.......................!"

Dann wird Ole wieder ruhig und bleibt auch ruhig, man mag es nicht glauben.........



Jergan sieht Ole immer noch an.

"Das klingt gut. Wir werden bis Brabak fahren, und dann wieder zurück nach Riva, und so weiter. Es sei denn, es ergeben sich irgendwelche Gründe, die Änderungen des Plans nötig machen - etwa ein Kaufmann, der gegen gutes Geld ganz dringend eine Ladung zu einem Hafen bringen möchte, der nicht zu der Route gehört, oder anderes in dieser Art."

Er schaut kurz in Richtung des Schiffsmagus, dann wieder zurück zu Ole.

"An was für eine Heuer dachtet Ihr denn so?"



Ole kratzt sich ausgiebig am Hinterkopf und denkt nach.

'Keine leichte Antwort', denkt er sich und kratzt sich noch ein bißchen weiter um Zeit zu gewinnen. Zwei Punkte machen ihm die Entscheidung schwer. Zum einen will er natürlich ordentlich verdienen und sein Geldbeutel, der ohnehin nicht viel Fassungsvermögen hat, ist bedenklich leer geworden in der letzten Zeit. Auf der anderen Seite will er dem freundlichen Kapitän natürlich entgegenkommen, denn Ole findet ihn sehr sympathisch. Oho, da hat er schon ganz andere Rauhbeine kennengelernt. Ole glaubt, es spüren zu können:

Dieser Jergan Efferdstreu ist ein ordentlicher Kerl. So möchte Ole dann auch seine Forderungen an die Schiffskasse so milde wie möglich gestalten. Aber auf die Dauer hat die Gier keine Wirkung in Ole's Denkweise und Geld ist es nun ja auch nicht wonach er wirklich strebt. So neigt sich die Waage seiner Entscheidungsbereitschaft doch nun langsam zur Seite hin. Und der Gedanke endlich aus Olport wegzukommen mag dabei den entscheidenden Impuls gegeben haben .........

"Ich mache euch ein Angebot, Herr Kapitän! Zahlt mir drei Silbertaler den Tag, das ist der Betrag, der auf dem Schiff, auf dem ich zuletzt anheuerte, den Vollmatrosen ausgezahlt wurde. Schiffszimmerleute erhielten das Doppelte. Aber das war auf eine Schivone, welche die Meere fernab der Küste zu befahren hatte. So zahlt mir einfach die Heuer eines einfachen Matrosen und zahlt es mir extra, wenn ich als Zimmermann tätig werden muß."

"Solche Arbeiten, wie die hier ...." er unterbricht sich und zieht einmal schnorchelnd an seiner Pfeife. Dabei deutet er mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf das geflickte Segel, energisch wie er es tut sieht es fast

so aus, als wolle er dem Segel drohen und dann wiederholt er:

"Dererlei Arbeiten wären dann im Lohn inbegriffen!"

Er übt sich in einer Geste, die Gleichmut und Großzügigkeit auf einmal ausdrücken sollte und irgendwie gelingt ihm das auch. Sogar jede Faser seiner Kleidung, die wahrhaft schon bessere Tage gesehen hat, unterstützt nun Ole's Ausstrahlung als 'Mann von Welt'!

"Nun, Herr Kapitän, ist das ein Angebot?"

Dabei streckt Ole die flache Hand aus, um dem Kapitän die Gelegenheit zu geben hurtig einzuschlagen.



Jergan überlegt nicht lange, und läßt auch den ursprünglichen Plan fallen, die Sache erst mit dem Magier zu besprechen.

Entschlossen schlägt er ein.

"So sei es, bei Efferd!"



"Das ist ein Wort, beim Swafnir!!! Herr Kapitän, ihr werdet es nicht bereuen!! Das sagt euch ein alter Salzwasser-Holzwurm, so wie ich einer bin! Das wohl!"

Ole's Stimme tönt, als hätten die 'Posaunen von Perricum' zum Tanz aufgespielt, obwohl er noch nicht einmal die Pfeife aus dem Mund genommen hatte dabei. Das ist ja eigentlich sehr unhöflich, aber Ole denkt

praktisch, denn die eine Hand umschließt noch immer Jergan Efferdstreu's Hand, um den Handel perfekt zu machen und die andere packt gerade den Seesack an seiner Seite, damit er möglichst schnell Quartier beziehen kann, als hätte er die Sorge, der Kapitän könnte es sich noch einmal überlegen. Da hat er natürliche keine Möglichkeit mehr die Pfeife aus dem Mund zu nehmen und so denkt er sich, da sie wohl dann, zwischen den Zähnen noch am Besten aufgehoben sei. Es ist vielleicht auch besser so, denn wer weiß, wie laut er geworden wäre, hätte er das Maul noch weiter aufreißen können.


Ole ist begeistert und er läßt seiner Freude freien Lauf. Eifrig drückt und schüttelt er dem Kapitän die ausgestreckte Hand. Ole hat eine kräftigen Händedruck, einen sehr kräftigen, vielleicht sogar eine überaus kräftigen. Wohl dem der einen solchen Händedruck hat, wenn es gilt eine Kokosnuß ohne Werkzeug zu öffnen. Als nicht so glücklich ist wohl derjenige zu benennen, der einen solchen Händedruck entgegen nehmen muß. Doch Ole meint es ja nicht böse. Er ist halt ein sehr leidenschaftlicher Mensch, wenn er sich so freuen kann. Und nach wenigen Minuten ist der gröbste Schmerz ja dann auch schon fast wieder vorbei.



Der Kapitän erwidert den Händedruck des Seemanns mit gleicher Stärke. Dann sieht er sich, animiert durch den Anblick des Seesackes, den Ole bei sich trägt, um, und erblickt Nirka, die in Begleitung der neuen Matrosin ankommt. Er erinnert sich daran, daß diese das Segel alleine geholt hat - nun, dann soll sie jetzt etwas einfaches tun.

Mehr in Richtung Nirkas, als in Richtung Sigruns, ruft er:

"Sigrun, zeig Ole doch mal unseren Mannschaftsraum!"

Die Lautstärke macht die falsche Richtung allerdings mehr als wett - es ist sowohl auf dem ganzen Schiff, als auch auf dem Kai gut zu hören.



Sigrun


Sigrun schrickt zusammen. Gerade hatte sie gehofft, sich den Matrosen unauffällig anschließen zu können, da ruft sie ausgerechnet über das ganze Deck hörbar der Kapitän. Sie murmelt eine kurze Entschuldigung an den Matrosen hinter sich und tritt einen Schritt zur Seite, so daß er an ihr vorbeikommt. Dort stellt sie die Kiste kurz ab und sieht sich nach dem Kapitän und diesem Ole um. Erst als sie ihn direkt neben Jergan stehen sieht, erinnert sie sich, daß das der Mann ist, der vorhin so beeindruckend mit dem Flicken des Segels beschäftigt war. Nach einem kurzen "Aye, Kapitän", wendet sie sich Ole zu und ruft:

"Du kannst gleich mitkommen, ich will erst diese Kiste wegbringen, damit sie hier nicht so im Weg steht. Aber das macht ja nichts, dann siehst du gleich fast das ganze Schiff."



Ole reibt und massiert sich noch immer die Hand, als der Kapitän nach Sigrun ruft. Er erlebt es nicht allzu oft, daß sein massiver Händedruck in gleicher Weise erwidert wird. Dieser Kapitän ist offensichtlich noch ein Seemann vom "alten Schlag". Ole imponiert das sehr!

Ole ist noch ein wenig mit dem Gedanken beschäftigt, daß er ziemliches Glück gehabt haben muß, als die NORDSTERN seinen Weg gekreuzt hat, als Sigrun ihn ansprach und etwas zerfahren antwortet er:

"Gewiß, so machen wir das!"

Er schultert seinen Seesack, geht einen Schritt nach vorne und wäre dabei beinahe über das Segel gestolpert, daß ja noch immer vor ihm liegt.

'Nein', denkt er sich ' Das kann nicht hier liegenbleiben!'

So stellt er seinen Seesack wieder ab und nimmt das Segel auf, nachdem er es wieder sorgsam zusammen gelegt hatte. Er wuchtet das schwere Tuch mit Leichtigkeit über die Schulter. Dann geht er einen Schritt vorwärts und wäre dabei beinahe über seinen Seesack gestolpert.

'Nun ja', denkt er sich 'Der sollte ja nun auch nicht hier liegen bleiben!'

Obwohl ihn das Segel auf seiner Schulter doch etwas behindert, Ole schafft es in die Knie zu gehen, den Seesack zu greifen und über die andere Schulter zu ziehen. Nun steht er da und sieht ziemlich grotesk aus, etwa wie ein bepackter Lastenesel, dem ein geiziger Herr viel zu viel aufgebunden hatte. Das Gewicht könnte er ja noch tragen, aber derart sperrig beladen würde es ihn wahrscheinlich bei der nächsten Treppe oder Stiege der Länge nach hinstrecken, zumal er ja noch fremd ist auf der NORDSTERN und er die Stolperfallen, die einen während eifriger Arbeit gerne auf's Maul fallen lassen, ohnehin noch nicht kennen kann. Ole befindet sich in einem kleinen Dilemma. Schließlich sagt er zu Sigrun:

"Ich mach dir einen Vorschlag. Wenn du mir beim Tragen dieses Segels hilfst, dann helfe ich dir anschließend bei deiner Kiste. Einverstanden? Oder kann ich das Segel hier einstweilen liegenlassen?"



Gerade wollte Sigrun die Kiste wieder anheben, da sieht sie Ole mit dem Segel und seinem Seesack hantieren. Es ist offensichtlich, daß er nicht beides auf einmal mitnehmen kann, aber sie möchte auch die Kiste nicht hier mitten im Weg, direkt ein paar Schritte vor dem Abgang zum Unterdeck stehen lassen. Außerdem möchte sie die anderen Matrosen nicht aus den Augen verlieren, damit die Ladung nicht an verschiedenen Stellen gestapelt wird. Sie ruft also erneut herüber:

"Ich bringe sie doch lieber erst runter und komme dann wieder hoch. Dann kann ich dir auch beim Tragen helfen und es bleibt nichts im Weg stehen."

Sagt es, nimmt die Kiste wieder auf, und beeilt sich, hinter den anderen her zu kommen.

"Bin gleich wieder da!" ruft sie noch über die Schulter, bevor sie im Abgang verschwindet.



'Tapferes Mädchen, diese Sigrun', denkt sich Ole ' Sie hätte mich um Alles bitten können. Aber das tat sie nicht !! '

Ole wartet auf sie, wo immer sich auch der Lagerraum, dort wo die Kisten gestapelt werden sollen, auch befindet, darauf, daß Sigrun zurückkehrt. Ab dann wird man sehen. Ole ist sehr begierig darauf, die NORDSTERN kennenzulernen.


Nirka


Die Bootsfrau hat, während sie neben der Luke steht und sich um den Verladevorgang kümmert, fast nur Augen für Sigrun, die sie aus den Augenwinkeln unauffällig beobachtet. Widerwillig vertreibt sie dieses Verhalten, und wendet sich der Arbeit zu. Es wäre peinlich und störend, wenn jemand sie beim Träumen erwischen würde...

Außerdem... nach dem, was sie von Jergan gehört hat, soll es heute recht flott gehen, und das bedeutet zum einen jede Menge Arbeit, aber wohl auch die Gelegenheit, den Laderaum zu inspizieren - denn das ist sowohl verantwortungsvoll, als auch extrem wichtig: Es muß nämlich sichergestellt werden, daß NICHTS bei Seegang verrutschen kann, daß alles, was womöglich Flüssigkeiten enthält, dicht verschlossen und möglichst voll ist, daß nichts feucht geworden ist, und vieles andere mehr. Nichts wäre ein schlimmerer Alptraum, als tonnenschwere Teile der Ladung, die bei schwerer See von einer Seite zur anderen fliegen und mit vernichtender Wucht Trennwände - oder auch die Bordwand - durchschlagen...

Und bei dieser Arbeit wird auch Gelegenheit für anderes bleiben...



Alrik


Etwas bekümmert steht Alrik immer noch auf dem Deck. Kleine Leute werden auch einfach immer zu oft übersehen. Sei's drum. Der Passagier scheint ja soweit versorgt, auch ohne Alriks angebotene Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Um so besser, ein Gang gespart!

Langsam steigt bei Alrik das Gefühl auf, so mitten auf dem Deck den vielen fleißigen Leuten, die mit Verladungsarbeiten beschäftigt sind,im Weg herumzustehen.

Da geht er doch lieber zur Reling, bevor man noch beginnt ihn herum zu schubsen. Er stellt sich dort neben Sören hin und stützt sich mit den Armen dort auf dem Holz ab. Ein kurzer Seitenblick in Sörens Richtung, dann starrt der Junge an ebenso wortlos in die Ferne...



Zunächst bemerkt der Smutje Alrik gar nicht, doch dann fällt ihm plötzlich ein, daß der Junge vorhin etwas verärgert wirkte. So setzt er also sein freundlichstes Lächeln auf und nickt ihm zu.

"Na, noch sauer oder geht's wieder?"

'Man muß es sich ja nicht gleich zu Anfang mit derart einflußreichen Persönlichkeiten verderben...'



Nachdem er von Sören angesprochen wurde, dreht sich Alrik ein etwas zur Seite. Für einen kurzen Moment, kann er nicht einordnen, was genau der Smutje meint. Doch schon im nächsten Augenblick verwandelt sich der fragende Blick in einen verstehenden.

"Ach, wegen neulich... ja, ja. Ist vergessen." Kurz überlegt der Junge noch, ob das Lächeln des Smutjes nicht doch ein wenig zu aufgesetzt ist. Den unterschwellig aufkeimenden Zweifeln an der Ehrlichkeit des Friedensangebotes trotzend, macht auch Alrik gute Miene zum wie-auch-immer Spiel.

"Wenn du's mir auch nicht mehr nachträgst..."



"Kein Problem, ich hab's dir nicht übelgenommen", erwidert der Smutje und wendet sich dann nach erneutem Kopfnicken von Alrik ab und folgt Larian in Richtung Kapitän.



Hirkan und Alrik


Als Hirkan fast bei dem Jungen angekommen ist, spricht er ihn an:

"Äh, entschuldige bitte, vielleicht kannst du mir helfen. Ich bin auf der Suche nach der Gemeinschaftskabine."



"Aber sicher," ertönt die spontane Antwort. "Efferd zum Gruße, Herr. Ich bringe Euch gern hin. Dort geht's entlang."

Alrik deutet mit dem ausgestreckten Arm zum nächsten Niedergang. Mit neu geweckter Geschäftstüchtigkeit setzt sich Alrik in Bewegung, um den neu zugestiegenen Passagier nach unten zu geleiten.



"Efferd zum Gruß. Na, da habe ich wohl gleich den Richtigen gefragt, was?", freut sich Hirkan über Alriks spontane Reaktion. Allerdings hatte er auch nicht wirklich daran gezweifelt, denn auf den meisten Schiffen, die er im Hafen von Olport bisher gesehen hat, fahren Schiffsjungen mit und was würde ein Junge in dem Alter sonst auf dem Schiff zu suchen haben?

"Du bist hier der Schiffsjunge, hab' ich recht?"

fragt er trotzdem etwas penibel nach, während er Alrik folgt.



"Jaha, das bin ich. Alrik ist mein Name," antwortet eben dieser freundlich als er Hirkan unter Deck führt. Auf halben Weg kommt ihnen eine junge Frau mit nivesischer Kleidung entgegen, die sich mit gepacktem Bündel anschickt, das Schiff zu verlassen. Freundlich tauschen Schiffsjunge und Nivesin Abschiedsgrüße aus, dann setzen beide ihren Weg in verschiedene Richtungen fort.

"So, da ist es auch schon," bestätigt Alrik, als er mit Hirkan vor der Tür der Gemeinschaftsraumes ankommt.

"Ihr werdet praktisch die freie Auswahl hier haben, die anderen Passagiere aus dem Gemeinschaftsraum gehen nämlich auch hier in Olport von Bord," erklärt Alrik noch nebenbei. Dann öffnet er die Tür des Raumes für Hirkan.



"Das ist natürlich ein wenig schade, ich hoffe, daß noch jemand zusteigt. Ich hatte mich nämlich sehr darauf gefreut, mit den anderen Reisenden zu diskutieren. Aber vielleicht ergibt sich das ja trotzdem während der Fahrt. Vielen Dank für's Herbringen, Alrik. Mein Name ist Hirkan, wir werden uns bestimmt später noch sehen."

Nachdem er sich bei Alrik bedankt hat, sieht Hirkan sich im Gemeinschaftsraum um und sucht sich eine der Hängematten am hinteren Ende aus. Zielstrebig geht er mit den beiden Koffern darauf zu und stellt sie so an der Schiffswand ab, daß sie nicht umfallen können. Kurz wirft er einen Blick auf die Hängematte, sie scheint in Ordnung zu sein. Anschließend nimmt er den neueren der beiden Koffer, legt ihn auf eine saubere Fläche am Boden und öffnet ihn.




Sari geht


Still und reglos liegt Sari auf ihrem Lager im Gemeinschaftsraum. Es ist recht düster in der Kabine und das leichte Schwanken des Schiffes scheint ebenfalls eine einschläfernde Wirkung ausgeübt zu haben. Leise Geräusche dringen zu ihr vor. Nur schwerlich läßt sich die Benommenheit abschütteln, die sie noch ergriffen hält. Langsam wird sie von einer Ahnung erfüllt, daß sich etwas verändert hat und gleichermaßen geht die schöne Zeit zwischen den letzten Traumfetzen und dem ersten Wachsein dem Ende zu.

Noch während sie die ersten Überlegungen zu möglichen Ursachen der Veränderung anstellt, wird es ihr auch klar. Das Schiff macht keine Fahrt mehr! Das wiederum läßt nur einen Schluß zu: Die Nordstern ist in Olport angekommen.

Mit einem unterdrücken Gähnen setzt sich Sari auf ihre Pritsche. Sie fühlt sich immer noch ziemlich erschöpft nach dieser langen Krankheit. Nur gut, daß ein befähigter Magus an Bord war, der ihr mit fachkundiger Hilfe beistand.

Nachdenklich betrachtet sie den neuen Verband an ihrer Hand. Es ist doch nur so eine kleine Wunde gewesen, wer hätte ahnen können, daß es sich so schwer entzünden würde. Fast die ganze Zeit der Reise hatte sie fiebernd hier verbracht, und das Einzige, daß sie dem hilfsbereiten Magus und dem freundlichen Kapitän dafür geben konnte, war ein schlichtes, gesagtes 'Dankeschön.'

Es war Sari sehr unangenehm, allen so zur Last zu fallen. Man hatte ihr als sie so krank war auch noch untersagt, die vereinbarten Arbeiten zu erledigen, mit denen sie ihre Reisekosten ausgleichen sollte. Der Magus hatte es einfach nicht zugelassen, und auch die Meinung des Kapitäns war diesbezüglich unerbittlich. Noch nicht einmal ihre wenigen Silbermünzen wollten sie annehmen.

Gerne hätte Sari ihre Reise weiter fortgesetzt, doch da sie durch ihre Schwäche immer noch keine Arbeit als Gegenleistung bringen konnte bzw. durfte, traf sie schweren Herzens die Entscheidung in Olport von Bord zugehen.

Ein freundlicher Matrose nivesischer Herkunft steckte ihr schließlich noch einen Zettel mit einer Adresse in Olport zu. Dort würde sie Anschluß an Mitglieder ihres Volkes finden, dort würde man sich gewiß um sie kümmern, versicherte er ihr.

Schweigend steht Sari auf und beginnt dann damit, ihre wenigen Habseligkeiten einzupacken. Mit einem freundlichen "Gehabt Euch wohl!" verläßt die junge Frau die Gemeinschaftskabine und geht an Deck.

Dort angekommen geht sie direkt auf Fiana zu: "Vielen Dank für alles. Vielen Dank, auch an alle anderen! Ich kann das gar nicht wieder gutmachen. Danke." Kurz schließt sie die Offizierin in die Arme, dann löst sie sich von ihr und überquert vorsichtig die Planke.

Nachdem sie festen Boden unter den Füßen hat, dreht sie sich noch einmal um und winkt zurück zur Nordstern und seiner arbeitsamen Besatzung. Dann ist endgültig der Zeitpunkt gekommen, um zu gehen.



Sigrun kehrt zurück


Da hat Sigrun gerade noch Glück gehabt. In dem Moment, in dem sie endlich den anderen Matrosen auf das Unterdeck folgen kann, sieht sie gerade noch die letzten beiden im Niedergang auf das Ladedeck verschwinden. Schnell folgt sie ihnen, damit ihr nicht entgeht, in welchem Laderaum diese Fracht abgestellt wird. Sie hat schon genug Aufmerksamkeit erregt und möchte auf jeden Fall vermeiden, daß sie den anderen als 'irgendwie ständig mit etwas anderem beschäftigt' auffällt. Schließlich will sie nachher noch das Ladedeck kontrollieren

... Bei diesem Gedanken setzt ihr Herz einen Moment aus und ein Lächeln stiehlt sich auf ihr Gesicht. Nie hätte sie gedacht, daß ausgerechnet ihr so etwas passieren könnte, aber sie ist auch noch nie einem Menschen begegnet, von dem sie sich so gut verstanden gefühlt hat, wie von Nirka. Als sie bemerkt, daß sie unbewußt wieder langsamer geworden ist, während sie sich diesen Gedanken überlassen hat, schüttelt Sigrun kurz unwillig den Kopf. Ein wenig Privatleben ist ja schön und gut, denkt sie, aber die Arbeit darf nicht darunter leiden. Inzwischen ist sie auf dem Ladedeck angelangt und sieht die anderen Matrosen, die beginnen, ihre Last im Laderaum 4 zu stapeln. Schnell schließt sie sich ihnen wieder an und stellt ihre Kiste ordentlich auf eine andere. Es ist ihr egal, wenn diese Ordnung ein wenig mehr Zeit erfordert, aber die Ladung muß vernünftig gestapelt und befestigt werden, sonst gibt es nur später mehr Arbeit, wenn alles noch einmal umgeräumt werden muß.

Als diese Arbeit erledigt ist, begibt sich die ganze Matrosengruppe wieder auf das Oberdeck, wo sich Sigrun erneut von den anderen trennt und zu Ole geht.

"So, das wäre geschafft. Wenn du den hinteren Teil des Segels und deinen Seesack tragen kannst, nehme ich das Segel vorne hoch und gehe voran, okay. Dann zeige ich dir als erstes, wo das Segel hinkommt und danach den Mannschaftsraum."



Ole erschrickt leicht als ihn Sigrun anspricht. Während des Wartens auf die Matrosin waren seine Gedanken wieder etwas abgeglitten, doch nun ist er wieder voll auf der Höhe. Lächelnd antwortet er der Frau:

"Das ist mir recht, ich freue mich schon auf die Führung durch das Schiff. Mein Name ist Ole Draggensson und ich bin eigentlich ein Schiffszimmermann und kein Segelmacher. Aber man eignet sich im Lauf der Jahre so nebenbei dies oder das an."

Ole schultert seine Seesack und hebt das hintere Ende des Segels auf und klemmt es sich unter den Arm.

"Du hast dich ganz schön mühen müssen als du das Segel an Deck gebracht hast. Ich hätte dir gerne geholfen vorhin, wenn ich ein wenig mehr Herr der Lage gewesen wäre, aber die Ereignisse brandeten für mich ziemlich rasant heran. So ist es nur recht und billig, daß ich nun tragen helfe."

Und nach einer kurzen Pause fügte er an, die Worte mehr an sich selbst gerichtet:

"Die erste Zeit auf einem neuen Schiff ist immer wieder das Gleiche und dennoch immer wieder neu.......!"



Sigrun hebt schon den vorderen Teil des Segels an, während sie Ole antwortet:

"Ich bin Sigrun Persdotter. Willkommen an Bord. So sehr viel kann ich dir auch noch nicht zeigen, ich bin nämlich auch noch ziemlich neu hier, ich habe erst in Riva angeheuert. Aber wieso meinst du, du hättest mir mit dem Segel helfen sollen? Es war schließlich meine eigene Dummheit, daß ich alleine losgegangen bin und gerade du hattest sicherlich andere Sorgen."

Zielsicher dirigiert sie Ole und das Segel in Richtung Niedergang und dann auf dem Unterdeck zu dem Platz, an dem das Segel gelagert wird.

"So, hier kommt das Segel hin", bemerkt sie und legt die vordere Hälfte vorsichtig ab. Schnell wirft sie noch einen Kontrollblick auf die Art und Weise, in der Ole das Segel zusammengelegt hat. Wie sie erwartet hat, ist das Segel ordentlich gelegt, so daß keine neuen Schäden daran entstehen können und es, wenn es gebraucht wird, schnell entfaltet werden kann.



Ole läßt den Seesack von der Schulter gleiten. Dann legt er das hintere Ende des Segels in Position, langsam und ohne Hast. Anschließend hat er allerdings sehr eilig, er reißt die rechte Hand nach oben und reibt er sich hektisch die Stirn. Dabei murmelt er dumpf vor sich hin, man kann die Worte nicht verstehen, aber dem Klang nach sind es ein paar deftige Verwünschungen. Dann aber fällt sein Blick auf Sigrun und plötzlich ist Ole sehr verlegen, so als wäre er bei etwas sehr Peinlichem überrascht worden. Er sieht Sigrun an, ringt um Worte und nachdem ihm nichts Rechtes einfallen will, lächelt er nur etwas verlegen und schweigt vorerst. Offensichtlich hatte er auf dem Weg hinunter ins Unterdeck ein paar Male den Kopf nicht schnell genug einziehen können, wenn der Gang ein bißchen niedriger gewesen war. Das passiert ihm auch nicht zu erstenmal und er sieht es nun schon fast als ein unabwendbares Schicksal für Leute, die etwas zu groß geraten sind, daß sie sich hin und wieder die Stirne irgendwo anrennen müssen. Aber ein bißchen findet er es schon als unangenehm, denn es sieht jedesmal so tapsig und ungelenk aus und es hat schon sehr oft zur allgemeinen Erheiterung an Bord beigetragen, wenn sich Ole, wieder einmal mehr irgendwo den Kopf gestoßen hatte. Er reibt sich noch immer den Schädel, als er Sigrun fragt:

"Du bist also auch nicht so lange hier an Bord? Na, ja! Aber dies wirst du mir schon sagen können, wie steht es mit dem Kapitän und den Offizieren? Behandeln sie die Mannschaft gut? Ich habe den Kapitän ja schon kennengelernt, scheint ja ein ordentlicher Mensch zu sein? Und wie ist die Verpflegung? Der Smutje, taugt er was?"

Ole gerät ein wenig ins Plappern, als er Fragen über Fragen stellt, ohne eine einzige Antwort darauf abzuwarten. Es könnte fast der Eindruck entstehen, daß Ole nur deshalb so hektisch fragt und spricht, um von seinem Mißgeschick abzulenken, das sich, in Form einer mittelgroßen Beule auf seiner Stirn abzeichnet. In der Tat hat er die heimliche Befürchtung Sigrun könnte ihn auslachen.

Ole nimmt seinen Seesack wieder auf und macht sich bereit Sigrun weiterhin durch das Schiff zu folgen.



Sigrun hat noch das Segel befestigt, damit es nicht verrutschen kann, wenn der Seegang zu stark wird. Als sie sich wieder aufrichtet, bemerkt sie, daß Ole sich die Stirn reibt. Ein leichtes Schmunzeln droht sich auf ihrem Gesicht abzuzeichnen, aber sie versucht, es zu unterdrücken, sieht sie doch Oles Verlegenheit. Ihr Gesichtsausdruck ist daher ein wenig verzerrt, als sie meint:

"Halt, halt, nicht alles auf einmal."

Sie dreht sich um und schlägt die Richtung zum Mannschaftsraum ein.

"Also, ich will versuchen, die Fragen der Reihe nach durchzugehen, ja?

Der Kapitän und die Offiziere sind in Ordnung. Wir hatten auf der Fahrt hierher einen Sturm, ach ja, das weißt du ja, du hast ja das Segel geflickt, jedenfalls war der nicht so ganz ohne. Aber der Kapitän hat uns da wirklich gut da durch manövriert. Ich glaube, er ist ziemlich anspruchsvoll, aber er ist auf jeden Fall gerecht. Ich habe jedenfalls noch nicht erlebt, daß er jemanden ungerecht behandelt hätte ..."

Während sie vor sich hin erzählt, nähern sich Sigrun und Ole dem Mannschaftsraum. Als sie diesen betreten, macht Sigrun eine Pause in ihrer Erzählung. Es klingt weniger so, als wolle sie schon aufhören, den neuen Mannschaftskameraden zu informieren, eher scheint sie irgendwie den Faden verloren zu haben. Abwesend bleibt Sigrun stehen und sieht zu der Stelle hin, an der sie vorhin mit Nirka gestanden hat. Erneut spürt sie die Berührungen der anderen Frau und ein sinnendes Lächeln legt sich auf ihr Gesicht. Ob Nirka ihr Versprechen halten und sie nachher mit in den Laderaum nehmen würde? Und was wird dann passieren? ...



'Das ist also der Mannschaftsraum', denkt sich Ole. Aufmerksam blickt er sich um. Nun, es ist nicht gerade ein Prunkraum, aber das hat Ole auch gar nicht erwartet. Zuviel Bequemlichkeit wäre ihm ohnehin nicht recht gewesen. Das ließe einen, und Ole würde seinen letzten Heller darauf verwetten, dann doch nur zu schnell verweichlichen.

Es muß, auf der anderen Seite, ja auch nicht unbedingt dasselbe sein wie bei dieser nostrischen Kogge, wie hieß sie denn noch gleich, bei der Ole vor etwa fünfzehn Götterläufen angeheuert hatte. Nein, der Name dieser Kogge will Ole nicht mehr einfallen, aber an die Räume dort kann er sich noch gut erinnern. Alles war klamm und naß dort gewesen, daß Holz schwammig und die Düfte derart selemitisch, daß selbst den Ratten auf dem Schiff übel davon geworden war. Im Vergleich dazu erscheint ihm der Mannschaftsraum der NORDSTERN so gemütlich wie ein Rosengarten im Palast des Kalifen zu Mherwed.

Es war ihm, während seiner Erinnerungen an diese nostrischen 'Seelenverkäufer', noch gar nicht aufgefallen bis dahin, daß Sigrun ihre Erzählungen über Schiff und Mannschaft abgebrochen hatte. Doch jetzt, da die Stille im Raum anhält, abgesehen von den Hafengeräusche draußen, dem Ächzen und Quietschen des Schiffsholzes und dem dumpfen Poltern, welches die arbeitenden Matrose auf dem Oberdeck erzeugen und das sich durch die Holzkonstruktion des Schiffes ebenso rasch und deutlich verbreitet, wie ein Paukenschlag in der Trommel eines horasischen Gardisten, merkt auch Ole, daß sich Sigrun träumend dem Schweigen überantwortet hat. Da steht sie nun, den Blick in eine andere Zeit oder an einen anderen Ort gerichtet. Ole lächelt, er kennt diesen Zustand und ist nun fast erleichtert darüber, daß er nicht der einzige sein wird auf diesem Schiff, der, hin und wieder, einer Neigung zu schwärmerischen 'Geistreise' nachgeben würde.

Es müssen sehr angenehme Gedanken sein, denen Sigrun da nachhängt, bei der Art wie sie steht, den Kopf zur Seite legt. Diese sinnliche Lächeln kennt Ole sonst nur bei Verliebten. Und sein Lächeln verbreitert sich zu einem Grinsen. Um so mehr ist es ihm nun sehr unangenehm Sigrun aus ihren Träumen zu reißen, aber er hat noch sehr viele Fragen und er hätte auch noch gerne mehr von dem Schiff gesehen.

Ole räuspert sich leise. Man hat ihm zwar schon oftmals nachgesagt, daß sein Räuspern so stark dröhnen kann, daß im Umkreis von drei Schritten Mumien zu Staub zerfallen könnten, aber schließlich will er Sigrun nicht zu Tode erschrecken. Sicherheitshalber läßt er noch seinen Seesack lärmend fallen, um Sigruns Aufmerksamkeit wieder zu gewinnen. Und dann sagt er mit lauter Stimme, bei der er jedes Wort fast unnatürlich lange dehnt:

"Das ist also der Mannschaftsraum!"

Das ist gewiß eine sehr banale Bemerkung, aber Besseres wollte Ole nicht einfallen um die Situation taktvoll zu überspielen ...........



Plötzlich hört Sigrun ein ganzes Getöse von Geräuschen auf einmal. Erst ein Räuspern, dann einen polternden Seesack und schließlich noch die Feststellung Oles, daß dies wohl der Mannschaftsraum sei. Sie schrickt heftig zusammen, weniger wegen der unerwarteten Unterbrechung ihrer Gedanken, als weil ihr bewußt wird, daß sie ihre Gefühle und Gedanken heute wirklich sehr schlecht unter Kontrolle hat.

'Was soll er denn von mir denken?', schießt es ihr durch den Kopf. Als sie sich dann aber zu Ole umdreht, hat sie sich wieder im Griff. Der versunkene Gesichtsausdruck ist verschwunden und sie grinst ihn jetzt offen an.

"Entschuldige, ich war wohl etwas in Gedanken. Ja, wie man sieht, ist das hier der Mannschaftsraum. Du hast leider nicht gerade die freie Auswahl, das da drüben ist die einzige freie Koje."

Dabei zeigt sie, wie kaum anders zu erwarten war, auf den Platz direkt neben dem Eingang zum Mannschaftsraum, der wegen des ständigen Kommens und Gehens nicht sehr beliebt ist. Um Ole gar nicht erst allzu lange darüber nachdenken zu lassen, fügt sie an:

"Ich schlafe da hinten", und zeigt auf ein ordentliches Lager in der Mitte. "Wenn du willst, kannst du dich hier erstmal einrichten, ansonsten kann ich dir aber auch noch ein bißchen mehr vom Schiff zeigen."



Ole strebt sofort auf das freie Lager zu, daß ihm Sigrun angezeigt hatte und stellt, ohne einen weiteren Kommentar von sich gebend, sein Gepäck dort ab. Er tut dies flüchtig und mit schneller Hand, als habe er es furchtbar eilig.

'Einrichten kann ich mich später auch!' denkt er sich 'Zuerst will ich mir das Schiff anschauen!'

Er streift nun auch seinen langen Ledermantel ab, den allerdings faltet er sorgsam zusammen und legt ihn mit der Behutsamkeit einer Amme neben seiner sonstigen Habe ab. Nunmehr von seiner Traglast befreit, nimmt er die Arme hoch, gähnt, dehnt und streckt sich erst einmal genüßlich, daß es in seinen Gelenken knirscht und kracht wie in einer Takelage, wenn der Wind hart über die Breitseite weht. Mit einem befreienden Seufzer läßt er die Arme wieder sinken. Anschließend wendet er sich wieder Sigrun zu, die ja

noch immer auf die Beantwortung ihrer Frage wartet. Ole wirkt nun etwas entspannter, aber Tatendrang und Neugier lassen ihn dennoch ein klein wenig unruhig erscheinen und so sagt er zu der Matrosin:

"Es würde mich freuen, könntest du mich noch ein bißchen herum führen. Ich muß zugeben, alles was ich bis jetzt von dem Schiff und seiner Mannschaft gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt. Nun drängt es mich natürlich noch mehr zu sehen und noch mehr zu erfahren. Es gibt hier sicher noch viel, was den 'Seemann' auf der einen Seite, aber auch den 'Zimmermann' auf der anderen Seite interessieren könnte."

Während Ole noch spricht, beginnt er seinen Nacken zu massieren, er fühlt sich noch immer ein wenig verkrampft und das hat ganz bestimmt nicht nur die Beule an seiner Stirn alleine verursacht. Er ist wohl doch noch 'geringfügig' aus der Übung und das Zusammenkauern beim Segelflicken hat ihm doch mehr zugesetzt, als er das vor Sigrun oder irgend jemand anderem zugegeben hätte. Die alten Knochen brauchen mittlerweile eben etwas mehr Zuwendung, als dies noch vor Jahren der Fall gewesen wäre.

"Ich glaube, du warst gerade dabei von der Mannschaft zu erzählen. Wenn ich mich nicht irre waren wir beim Smutje stehengeblieben. Kann er etwas? Du mußt wissen, von gutem Essen halte ich was - ich will schließlich bei Kräften bleiben!"

Und wer den alten Hünen da so stehen sieht, der mag ihm seine letzte Aussage wohl glauben .......



"Ja, also, ich will dich ja nicht entmutigen, aber das mit dem Smutje ist so 'ne Sache", antwortet Sigrun langsam und ein wenig nachdenklich. Offensichtlich kann sie sich noch nicht so ganz entscheiden, was sie Ole erzählen möchte, aber da ihm das Thema ja so wichtig zu sein scheint, möchte sie die Frage auch nicht unbeantwortet lassen.



Dem alten Schiffszimmermann ist das Zögern Sigrun's sehr wohl aufgefallen. Seltsam, bei der Frage nach den Qualitäten des Smutje hatte er noch nie eine sofortige Antwort erhalten. Das war bisher immer so, daß über dieses Thema fast auf jedem Schiff der gnädige Mantel des Schweigens ausgebreitet worden war. Ole will aber nicht, daß Sigrun jetzt krampfhaft nach einer höflichen wie wahrhaften Beschreibung suchen muß. Aufmunternd grinsend sagte er zu ihr:

"Du kannst offen mit mir reden! Ich verspreche dir auch tapfer zu sein, sollte deine Antwort anders ausfallen, als ich mir das erhofft habe."

Und leise fährt er fort:

"Ich sag's auch keinem weiter! Da sei Swafnir vor! Nur heraus damit, ich kann einiges vertragen und mein Magen hoffentlich auch."

Ole lächelt noch, ja das kann man sehen. Und wenn man genau hinsieht, dann bemerkt man auch, daß er gerade dabei ist sich innerlich zu wappnen .......



Als sie sieht, wie Ole sich innerlich für eine schreckliche Neuigkeit wappnet, muß Sigrun nun doch lachen. "Also, so schlimm ist es nun auch nicht. Wenn du es unbedingt wissen willst, werde ich es dir nicht verschweigen."

Sigrun sieht Ole aufrichtig an und überlegt ihre Worte. Dann erklärt sie:

"Er ist eigentlich gar nicht so schlecht, der Smutje, also, kochen kann er schon. Das Problem ist nur, daß er nie vorher auf einem Schiff gewesen ist. Das Ergebnis war jedenfalls, daß am ersten Tag das ganze Essen auf dem Boden der Kombüse gelandet ist und schon der Kapitän und die Passagiere sehr spät essen mußten und für die Mannschaft war gar nichts mehr übrig. Jedenfalls hat er sich dann dran gemacht und neu gekocht, aber als das dann endlich fertig war, fing der Sturm an und wir mußten alle ran. Tja, das war dann die Sache mit dem Eintopf, ich meine, der eine Happen, den ich noch probieren konnte, war echt lecker, nur ..."

Sigrun macht eine kurze Pause.

"Also, um es zusammenzufassen, er ist halt nicht gerade ein Organisationstalent, unser Smutje, aber kochen tut er wirklich ganz gut. Ich hoffe nur, daß der Kapitän ein wenig verschüttetes Essen mit eingeplant hat und wir nicht knapp werden an Verpflegung, falls so etwas wieder passiert."



Arve und Igen verlassen das Schiff


Alrik und Hirkan stehen gerade vor der Tür des Gemeinschaftsraumes, als ihnen Arve, der Holberker, und der Zwerg Igen entgegenkommen und kurz grüßen. Beide haben ihr ganzes Gepäck bei sich und sind offenbar nicht bester Laune. Grummelnd sagt der Zwerg:

"Warum sie auch hier so kurz verweilen müssen... das ist kein guter Anfang! Ich werde doch nicht Olport nur vom Hafen aus betrachten... wie soll das denn 'was werden...!"

Die Worte sind an niemanden besonders gerichtet, doch der Holberker bestätigt sie nickend. So sehr hatte er sich auf die Kneipentour durch Olport gefreut, um die sie beide vor zwei Abenden gespielt hatten - und nun mußten sie erfahren, daß das Schiff noch lange vor dem Dunkelwerden wieder auslief.

Kein gutes Zeichen - wer sagt denn, daß es in all den anderen Häfen nicht anders sein wird? Also wartet man doch lieber auf das nächste Schiff, das angemessene Pausen macht, und nicht nach Süden hetzt, als seien Piraten hinter ihm her.

Während dieser Gedanken ist das ungleiche Paar beim Kapitän angekommen.

"Habt Ihr es Euch nicht noch mal überlegt mit dem Auslaufen? Olport hat schöne Tavernen!"

Jergan schüttelt den Kopf.

"Nein, tut mir leid. Wir werden wie geplant heute auslaufen. Es tut mir sehr leid, daß Euch das nicht gefällt... aber ich kann versprechen, daß wir im nächsten Hafen, das wird wohl Prem sein, wenigstens zwei Nächte bleiben werden. Ich lade Euch auch zu einem Premer Feuer ein!"

Die beiden sehen sich an, und fast wirkt es. Doch alleine... Arve hatte dem Zwerg versprochen, ihm die Stadt zu zeigen, und Igen hatte vor, noch einen kleinen Abstecher in Richtung der Grauen Berge zu machen... alles feste Pläne. Sie plaudern noch kurz mit dem Kapitän, um dann in Richtung der Planke zu verschwinden, nachdem sie sich lauthals von der Mannschaft verabschiedet haben.

"Mal sehen, ob wir Sari noch einholen können... sie war plötzlich so schnell weg!"

Der Zwerg lacht lauthals.

"Ich glaube nicht, daß sie mit uns eine Kneipentour macht, so, wie es der Armen ging!"

Und so verschwinden Zwerg und Holberker in der Menschenmenge am Hafen...



Smirnoff


Der Norbarde nickt den Kollegen nochmal zu und schlendert dann, sich aufmerksam umsehend, Richtung Ortsmitte, hinein ins geschäftige Treiben der Hafenstadt. Schnell versichert er sich nochmals, daß sein Geldbeutel möglichst unerreichbar verstaut ist und bemerkt dabei den leeren Gürtel.

'Ach, verd.. mein Rapier liegt noch in der Kabine. Naja, sicher ist sicher.'

Also macht Smirnoff schnellen Schrittes kehrt und begibt sich zurück zur Nordstern. Eiligen Schrittes geht er die Planke hinauf, überquert das Oberdeck und verschwindet dann im Unterdeck, wo er die Tür seiner Kabine aufsperrt.

'Wo ist denn das Ding?' Der Händler wühlt einige Zeit herum, bis er sich schließlich hinkniet und unter die Koje schaut.

"Da bist du ja!" 'Muß wohl bei dem Sturm heruntergefallen und unter die Koje gerollt sein'.

Smirnoff hängt das Rapier an den Gürtel und begibt sich wieder an Land.



Alrik, wieder „auf dem Posten“


"Ja, gern geschehen ... ich geh' dann mal wieder," antwortet Alrik und erläßt sodann den Raum. Leise schließt er die Tür hinter sich. Halbwegs gut gelaunt marschiert er den Aufstieg zum Oberdeck herauf.

Der neue Passagier scheint nett zu sein, aber das ändert nichts an der Tatsache, daß der Aufenthalt in Olport viel zu kurz ist. Oben angekommen, schaut sich der Junge flüchtig in alle Richtungen um. Da aber niemand dringend auf ihn zu warten scheint, stiefelt er geradewegs wieder auf seinen alten Platz an der Reling zu.



Hirkan richtet sich ein


Als er den Koffer geöffnet hat, sieht Hirkan den Inhalt fast liebevoll an. Es handelt sich um viele Stapel sauberen Papiers in zwei verschiedenen Größen, ordentlich gelagert, die zum Vorschein kommen, nachdem Hirkan ein dünnes, aber reich verziertes Brett herausgenommen hat. Neben den Blättern steht aufrecht ein kleiner Kasten, den er jetzt ebenfalls aus dem Koffer nimmt und öffnet. Ein zufriedenes Nicken zeigt an, daß alles in Ordnung ist, das empfindliche Gepäck ist durch den Transport nicht beschädigt worden. Hirkan legt das Brett wieder in den Koffer und schließt ihn, anschließend klemmt er die kleine Kiste, ebenfalls verschlossen, zwischen die beiden Koffer, wohl um sie zu sichern.

Nach dieser Inspektion wirkt Hirkan erleichtert. Er sieht sich noch einmal den Gemeinschaftsraum an und stellt fest, daß dieser trocken und gut gesäubert ist, so daß er hier, mit ein wenig Vorsicht, wohl nicht um sein Gepäck fürchten muß.

Schließlich trennt er sich von seinen Sachen und geht wieder auf das Oberdeck, um die Vorgänge auf dem Schiff so genau wie möglich zu beobachten.



Hirkan hat das Oberdeck wieder erreicht und sieht sich suchend um. Die Menschen auf Deck, die aussehen als wären sie Mitreisende, wirken sehr miteinander beschäftigt, niemand scheint einfach so herumzustehen und ansprechbar zu sein. Naja, niemand ist falsch, nur niemand von den Passagieren. Der Schiffsjunge hingegen hat offensichtlich nicht so viel zu tun, er steht schon wieder an der Reling und sieht aufs Meer. Vielleicht hat er ja noch ein wenig Zeit, bevor das Schiff wieder ablegt. Dann nämlich möchte Hirkan sowieso nicht gerade in eine Unterhaltung vertieft sein.

Der junge Mann entscheidet sich also und geht erneut auf Alrik zu.

"Weißt du, wie lange es noch dauert, bis wir ablegen?", fragt er ihn, als er sich neben ihn stellt.



Alrik dreht sich dem neuen Passagier zu. Mit der Seite bleibt er dabei trotzdem lässig an der Reling lehnen, ein Bild, das mehr dem eines zahlenden Passagiers entspricht und nicht dem eines emsigen Schiffsjungen. Trotzdem wirkt es nicht unhöflich, es sieht lediglich genau nach dem aus, was es ist: Faulenzerei!

"Oehm... wie lange... hm..."

Alrik nimmt wieder die Hafengegend ins Visier, insbesondere den Ort, an dem gerade die Waren gelagert werden, die für die Nordstern bestimmt sind.


"Also, eine ganze Weile vor Einbruch der Dunkelheit legen wir bestimmt schon ab, aber das wißt Ihr bestimmt schon," überlegt der Junge.

"Und wenn ich die Verladung dort unten betrachte," erklärt Alrik und deutet mit dem Arm auf die schwer schuftenden Matrosen, "dann dauert, die bestimmt nicht länger als eine weitere Stunde. Die Fässer mit dem Trinkwasser sind nämlich auch schon da, genau!"

Fröhlich grinst der Schiffsjunge den jungen Mann an.



"Oh, na dann geht es ja bald los! Ich bin nämlich sehr gespannt darauf, wie es ist, ich meine, ich bin noch nie auf einem Schiff mitgefahren. Deshalb will ich auch alles ganz genau mitbekommen!"

Ein Ausdruck echter Besorgnis macht sich auf seinem Gesicht breit.

"Ich hoffe nur, daß nicht allzu ungemütlich wird. Ich weiß ja nicht, wie gut ich es vertrage und es wäre wirklich undenkbar, wenn ich nicht durchhalte ..."

Er scheint mit dieser Frage ein ernsthaftes Problem zu haben. Aber schon sind die trüben Gedanken wieder abgeschüttelt.

"Wenn man immer auf einem Schiff ist, gewöhnt man sich bestimmt daran, oder?"




Larian und die Kneipe


Beim Kapitän angekommen, wartet Larian, bis ihm dieser seine Aufmerksamkeit zuwendet.



Jergan wendet sich dem Passagier, der zu ihm tritt, sofort zu, nachdem er sieht, daß dieser offenbar etwas von ihm möchte.

"Ja?"


Adrian blickt sich auf dem Oberdeck um und geht auf den Kapitän zu,

"Eine Frage hätte ich da noch, wo kann ich den Schiffsmagus finden?".



Jergan, der sich gerade den herankommenden Fahrgästen zuwenden wollte, dreht sich zu Adrian um.

"Den Magus? Kein Problem, dort steht er!"

Jergan zeigt nach vorne zu Ottam. Dann wendet er sich den anderen zu:

"Äh... ich weiß nicht, ob das so gut ist. Wir wollen ablegen, wenn der ganze Kram im Schiff ist."

Er zeigt auf die Verladearbeiten.

"Sehr viel Zeit bleibt da wirklich nicht. Aber ich kann versprechen, daß wir in Prem mehr Zeit haben werden."

Er grinst.

"Und als Entschädigung dafür, daß es hier nicht geht, spendiere ich Euch die erste Runde! Ist das ein Wort?"

Er hält seine Hand hin.



"Ob das ein Wort ist ?" Dajin grinst "oh ja! Oder wie die Thorwaler sagen würden Das Wohl!"

Dajin schlägt ein .



Larian will gerade einschlagen, als ihm der Maraskaner zuvorkommt. Er ist zwar erstaunt, daß der Magier das, nach seinem Empfinden an ihn gerichtete, Angebot annimmt, lächelt aber dann doch, als der andere versucht einen Thorwaler zu imitieren.


"Das ist ein großzügiges Angebot Herr Kapitän, können wir uns vielleicht dafür in Prem revanchieren?"



Jergan grinst, als beide fast zugleich einschlagen wollen.

"Wenn Ihr wollt... In Prem werden wir auf jeden Fall VIEL länger sein als hier in Olport, und es wird Zeit sein für so etwas."


Er läßt den Blick kurz zu den fast abgeschlossenen Verladearbeiten gleiten. Es kann wohl bald losgehen...

"Diesen Hafen werden wir jedenfalls ziemlich bald verlassen..."



Babo erwacht


Babo erwacht, als er doch recht laute Stimmen vernimmt. Doch während er gerade beginnt,Traumgespinste aus seinem Kopf zu vertreiben, donnert ihm plötzlich ein Gedanke durch den Schädel.

'Du bist eingeschlafen, du Idiot!'

Derart schnell in die Realität zurück gerissen, fällt er prompt aus der Hängematte. Zwar rudert er noch mit den Armen, aber da er nichts zu fassen bekommt, schlägt er polternd auf dem Boden auf.



Ole ist sehr erleichtert, als er von Sigrun hören darf, daß der Smutje doch besser zu sein scheint als vorher befürchtet. Abgesehen davon, daß er ein gutes Essen tatsächlich schätzt, Ole hat in vergangenen Zeiten schon oft erleben müssen, daß schlechtes Essen an Bord die Grundlage für Streit, Zank und Handgreiflichkeiten unter der Mannschaft geworden war. Da sind Ole ein gutes Essen und Frieden an Bord schon sehr viel lieber. Die Befürchtung Sigrun's der Proviant könnte nicht ausreichend sein, läßt Ole allerdings auflachen:

"Wenn die Speisekammer nicht ausreicht, dann müssen wir uns eben an das halten, was uns das Meer zu spenden bereit ist. Allerdings hieße das: Fisch, Fisch und noch einmal Fisch! Und zwar so lange bis du das Gefühl hast, daß dir Kiemen gewachsen wären."

Ole lacht laut über diesen Gedanken, der ihn gleichzeitig aber ein bißchen erschaudern läßt. Er mag Fisch gerne, aber ausschließlich Fisch und das jeden Tag? Allein die Vorstellung daran läßt in ihm den Hunger

nach einem saftigen Stück Fleisch erwachen.

Gerade eben will Ole noch etwas sagen, als er jäh von einem seltsamen Gepolter unterbrochen wird. Ist auf dem Oberdeck eine Kiste umgefallen? Nein - dazu klang es zu nah!

"Was, im Namen EFFERDS, war denn das?"



Auch Sigrun schrickt zusammen, als sie das laute Poltern vernimmt. Das kann doch nicht wahr sein, da hat sie die ganze Zeit über nicht mitbekommen, daß jemand hier war. 'Wie lange er wohl schon hier geschlafen hat' und 'hat er wirklich geschlafen?' sind die Gedanken, die sie beunruhigen.

"Das", sagt sie und zeigt auf den Mann neben der Hängematte auf dem Boden, "ist unser Mannschaftsgefährte Babo Darbol."

Während sie dies in ruhiger Stimme zu Ole sagt, funkeln ihre Augen schon wütend in Richtung des gerade abgestürzten Kollegen. Nicht nur, daß sie keine Ahnung hat, was er alles mitbekommen haben mag, nein, er

hat auch einfach die ganze Arbeit, die das Anlegen in Olport mit sich gebracht hat, verschlafen.

"Was tust du hier?" herrscht sie ihn daher alles andere als freundlich an.



Babo rappelt sich auf und grummelt dabei vor sich hin. Offenbar ist es ihm mehr als unrecht, daß man ihn in solch einer Lage erwischt hat, darum gibt er in wütendem Tonfall zurück:

"Ich... Ich hab mich nur kurz ausgeruht!"



Als sich nach den polternden Geräuschen auch der ersten Schrecken wieder verflüchtigt hatte, fühlt sich Ole nun sehr belustigt. Es ist aber auch zu komisch den Matrosen, den Sigrun als Babo Darbol vorgestellt hatte, auf dem Boden liegen zu sehen, mit einem Gesichtsausdruck der sowohl heftigen Schrecken als auch ungläubiges Erstaunen ausdrückt und überhaupt entfernt an den Blick eines neugeborenen Kalbes erinnert, wenn zum ersten mal das Licht der Welt bestaunt.

Gerade als Ole sich dem neuen Gefährten vorstellen will, fällt sein Blick auf Sigrun, die dann gleich darauf beginnt Babo deftige Vorhaltungen zu machen. Wie hatte sich diese Frau doch von einem Augenblick zum andern hin verändert. Noch vor kurzer Zeit war ihre Erscheinung durchwirkt von Sachlichkeit, ja vielleicht sogar von 'Sanftmut'. Jetzt steht sie da wie der leibhaftige Zorn RONDRA'S, gerade eben noch von einem Restposten Milde davon zurück gehalten, Verheerung über den armen Babo zu bringen.

Alles in allem sieht sich Ole genügen motiviert jetzt seinen Mund zu halten, jedes unbedachte Wort könnte ja einen lodernden Brand entfachen. Er würde lieber ein Morfu streicheln, als jetzt in die Schußlinie zu geraten. Um so mehr, als auch Babo's Laune mehr umwölkt als sonnig erscheint und der Matrose ärgerlich zurück stichelt, obwohl, so will es Ole meinen, der Langschläfer ebenso schuldig dasteht, wie eine Katze, die einen Goldfisch im Maul trägt.

Aber wie heißt es so schön: Auf Gewitter folgt wieder Sonnenschein! Ole will es hoffen. Aber auf der anderen Seite könnten mehr Bemühungen um 'besseres Wetter' die Dinge wesentlich beschleunigen, denn er hätte das Schiff schon noch gerne besichtigt bevor die NORDSTERN wieder in See

sticht.

Ole erwägt ein 'Du wolltest mir doch noch das Schiff zeigen, Sigrun!', verwirft diesen Satz allerdings wieder - zu aufdringlich!

Er könnte ja aber auch mit launiger Stimme verkünden: 'Na. da haben wir alle aber einen Schrecken gehabt!', aber diese Worte kommen ihm dann, bei nähere Betrachtung, doch etwas zu blödsinnig vor.

'Hallo Babo! Ich bin Ole Draggensson!' - damit kann man eigentlich nichts verkehrt machen, oder doch?

Ein 'Ich gehe einstweilen, ihr habt sicher noch viel zu besprechen!' erschien Ole ein bißchen zu sehr feige.

'Du bist neu hier auf dem Schiff, halte dich da heraus, du alter Narr'. Oh ja, mit diesem Gedanken kann sich Ole gut anfreunden. So schweigt er und blickt neugierig auf Sigrun, wie diese wohl reagieren wird auf die trotzige Gegenrede Babo's.......



Das kann doch nicht wahr sein, da wird Babo auch noch pampig, anstatt jetzt endlich zuzusehen, daß er irgend etwas Vernünftiges tut. Es ist zwar nicht Sigruns Sache, darauf zu achten, was die anderen Matrosen

tun, aber gerade dann einzuschlafen, wenn wirklich viel Arbeit anliegt, hält sie für eine bodenlose Unverschämtheit. Andererseits ist es auch nicht besonders effektiv, solche Zeiten damit zu verbringen, sich herumzustreiten und Sigrun hat den Auftrag, Ole das Schiff zu zeigen. Mit noch immer blitzenden Augen und einer verkrampften Körperhaltung, an der man merken kann, daß sie sich nur mit Mühe unter Kontrolle halten kann, wirft sie den Kopf nach hinten und sagt mit gepreßter Stimme:

"Daß du dich gut erholt hast, kann ich mir vorstellen."

Und zu Ole gewandt:

"Komm, wir haben noch zu tun."



Es ist weniger das; was Sigrun gesagt hatte, es ist vor allem das, wie sie es gesagt hatte - Ole kann den unterdrückten Zorn Sigrun's regelrecht auf seiner Haut spüren, die Spannungen, die den Raum ausfüllen, liegen wie eine Last auf seinem Körper. Er ahnt von Sigruns innerem Zwist,, der wahrscheinlich zwischen ihrer Spontanität und ihrem Pflichtgefühl anzusiedeln ist, doch fühlt er auch, daß die Wellen ihrer Wut ihm jetzt auf sehr unangenehme Weise sehr nahe kommen, ihn durchdringen, ja sogar inspirieren. Nun gilt es Haltung zu bewahren, den Geist und den inneren Kern des Seins zu schützen, um die eigenen Gefühlsbewegungen nicht zu sehr steigen zu lassen.
Ole versucht sich in einem Grinsen, als er Sigrun antwortet:
"Oh ja, in der Tat, wir haben noch viel zu tun! wer möchte einer zornigen Frau in solcher Situation schon gerne widersprechen!"
Ole ist sehr bemüht den milden Spott seiner Rede so versöhnlich wie möglich vorzutragen. Letzten Endes will er Sigrun ja beruhigen und aufheitern, nicht verletzten, denn im Grunde genommen kann er sie verstehen. Ja , er bewundert sie sogar ein wenig. Innerhalb kurzer Zeit hatte er Sigrun in den verschiedensten Ausdrucksweisen erlebt:
Sigrun, die Tapfere; Sigrun, die Emsige; Sigrun, die Freundliche; Sigrun, die Träumerin; Sigrun, die Wütende! Kurz gesagt: Sigrun, die Vielfarbige!
Das ringt Ole den allerhöchsten Respekt ab, das wohl!
Auf jeden Fall ist Ole jetzt seht erleichtert, daß die Führung durch das Schiff jetzt weitergehen soll und so schreitet er ein wenig zur Seite, um, durch eine aufwendige Geste unterstützt, Sigrun den Vortritt anzubieten. Den unglücklichen Babo hat Ole beinahe schon vergessen. Doch jetzt, da ihm der Langschläfer wieder in das bewußtsein gerückt ist, wendet er sich zu ihm hin und hebt die Hand zum Gruß:
"Wir sehen uns ...!"

Das sollte für den Augenblick genügen .............



Babo bleibt bewegungslos stehen, seine Muskeln sind gespannt vor Zorn, aber nicht vor Zorn über Sigrun, sondern vor Zorn über sich, daß er eingeschlafen war und daß er sich hat erwischen lassen.

Auf das "Wir sehen uns ....." des fremden Mannes, grummelt Babo etwas, daß dieser wahrscheinlich nicht hören, geschweige denn verstehen kann. Als die beiden, Sigrun und der Fremde, abziehen, bleibt Babo noch kurz unentschlossen stehen, macht sich dann aber auf den Weg nach oben.



Am oberen Ende des Aufgangs angelangt, schaut sich Babo kurz unauffällig um. Als er sicher ist, daß ihn niemand beobachtet, betritt er das Oberdeck und versucht beschäftigt auszusehen. Nachdem er sich orientiert hat, geht er zügig, aber nicht hektisch Richtung Planke.



Der blinde Passagier im Laderaum


Der Gedanke entdeckt zu werden wird nun immer stärker in ihm. Der Lärm auf diesem riesigen Boot, das eigentlich eine Behausung zu sein scheint (jedenfalls würde es einer Menge Leute als recht große Behausung dienen können) hat nun stark zugenommen. Überall scheinen die Menschen sehr geschäftig zu sein. Gleich im Nebenraum ist lautes Treiben zu hören. Wahrscheinlich werden noch einige solche Dinge, wie er in diesem Raum um sich hat, dorthin gebracht.

'Was das wohl soll?'

Auch über ihm ist viel los. Ein kommen und gehen. Viele Schritte. Sehr viele Schritte. Lange, schwere sowie auch kurze, leichte - es scheinen wirklich sehr viele Leute umherzugehen. Dieser Gedanke gefällt ihm nicht unbedingt, heißt das doch, daß irgendwer doch mal in diesen Raum schauen könnte. Was würden sie dann mit ihm machen? Deshalb versuchte er nun, den Gesprächen so gut wie möglich zu lauschen. Leider ist das doch recht schwierig - nur einzelne Wörter und Fetzen kann er aufschnappen. Plötzlich - gerade wurde über ihm von Fisch gesprochen, was ihn jäh wieder an seinen knurrenden Magen erinnert - ertönt ein lautes Gepolter. Es hörte sich an wie wenn jemand hingefallen wäre.

So langsam weiß er nicht mehr, was eigentlich um ihn herum so alles los ist. Er hofft einfach darauf, daß es bald wieder still wird auf diesem Boot, so daß er ohne großes Aufsehen zu erregen verschwinden kann.



Die Führung geht weiter ...


Eine zornige Frau, ja, das ist Sigrun wohl zur Zeit. Aber so geht es auch wirklich nicht. Die letzte Woche war, abgesehen von dem Sturm und dem Tag danach, als dessen Folgen beseitigt werden mußten, nicht so schlimm, als daß ein Matrose ausgerechnet im Hafen einschlafen mußte. Und auch wenn Babo um einiges älter und erfahrener ist als Sigrun, hält sie ein solches Verhalten für unentschuldbar. Doch sie kann auch verstehen, daß sich Ole aus der Diskussion heraus hält und versucht, sie zu beschwichtigen. Sie ist selber noch neu genug auf dem Schiff, um zu wissen, wie unangenehm es sein kann, wenn Personen, die man gerade erst kennengelernt hat, sich streiten.

In dem Bemühen, ihren Ärger über Babo nicht an dem Schiffszimmermann auszulassen, dreht sie sich um und verläßt den Mannschaftsraum. Sie hält sich links und zeigt im Vorbeigehen auf Nirka's Kammer:

"Das hier ist die Kammer von Nirka, unserer Bootsfrau. Ich denke, ich zeige dir erst einmal hier das Unterdeck, einverstanden?"

Der unterdrückte Ärger ist noch ein wenig zu spüren, aber man kann deutlich merken, daß Sigrun jetzt versucht, zu ihrer Ruhe zurückzufinden und das Thema auf sich beruhen zu lassen.



Ole nickt zustimmend:

"Ja das ist mir recht. Die spezielleren Sachen, wie Lagerbestand, Ruderwerk und so - die kann ich mir später ansehen. Das Unterdeck .... ja, das machen wir!"

Der Schiffszimmermann ist glücklich, daß sich die Stimmung wieder versachlicht hat und langsam kann er die Unruhe, die er zeitweise in sich hatte aufkeimen spüren müssen, nach und nach wieder ablegen. Flüchtig blickt er in die Richtung, die ihm Sigrun, mit dem Hinweis auf die

Wohnstatt der Bootsfrau zeigt. 'Nirka', Ole versucht sich den Namen einzuprägen und denkt gleichzeitig darüber nach, welche der Frauen, die er heute an Deck gesehen hatte wohl Nirka sein könnte. Nachdem er sich nicht ganz schlüssig wurde fragt er Sigrun:

"Nirka? War das die Frau, die dich vom Vorderdeck abholte, nachdem du das Segel gebracht hattest?"



"Ja genau, das war sie", antwortet Sigrun mit einem bestätigenden Nicken. Vorsichtshalber sieht sie Ole bei dem Thema Nirka lieber nicht an und geht auch schon langsam weiter.

"Sie ist ziemlich anspruchsvoll und manchmal ein wenig reizbar, aber sie packt hart mit an und sieht auch, wenn man gute Arbeit leistet."

An dieser Stelle macht sie eine kurze Pause, um zu überlegen, wie sie ihr nächstes Anliegen formulieren soll. Dann ergänzt sie vorsichtig:

"Wenn du sie nachher kennenlernst, sprich sie bitte nicht darauf an, daß Babo eingeschlafen ist. Ich hoffe eigentlich, daß er selbst weiß, daß es nicht in Ordnung ist und sich jetzt wieder ins Zeug legt. Und Nirka, ... wenn sie so etwas erfährt, kann sie wirklich sehr ärgerlich werden."

Natürlich ist dieser Wunsch Sigrun's nicht ganz uneigennützig, schließlich ist Nirka's gute Laune für sie von einiger Bedeutung. Dennoch steckt trotz ihres eigenen Ärgers über Babo ein wenig Solidarität mit dem Kollegen dahinter. Er würde schon genug damit zu tun haben, den anderen Matrosen zu erklären, wo er die ganze Zeit gesteckt hat und soweit Sigrun weiß, ist dies das erste Mal, daß Babo seine Arbeit vernachlässigt hat. Da möchte sie dann doch verhindern,

daß Ole, den sie bisher als ziemlich offen kennengelernt hat, ihm ohne es zu wollen noch mehr Ärger einbringt.



Der alte Schiffszimmermann hatte sehr aufmerksam zugehört. Es war immer wichtig die Vorgesetzten gut zu kennen. Sigrun hat es ihm durch ihre genaue Beschreibung sehr einfach gemacht, sich ein Bild von der Bootsfrau Nirka vor seinem geistigen Augen zu zeichnen. Daß ein Bootsmann oder eine Bootsfrau nicht immer nett und freundlich sein kann, war Ole schon vorher klar gewesen. Immerhin sind auch die Matrosen selten aus "Zucker", da gibt es schon einige "harte Knochen" unter ihnen, die brauchen dann eine starke Hand, sonst läuft gar nichts mehr. Dennoch glaubt Ole aus den Worten Sigrun's heraus hören zu können, daß Nirka zwar streng, aber auch gerecht sein mag. Wenn das so stimmt, dann soll es Ole recht sein. Er kennt zwar Sigrun noch nicht sehr lange, aber er fühlt Zutrauen zu ihrem Wort und ihren Ansichten.

Das sich Sigrun plötzlich so sehr für den armen Babo einsetzt, überrascht Ole dann allerdings doch. Noch vor wenigen Augenblicken stand Sigrun kurz davor Babo die Kehle durchzubeißen und nun sorgt sie sich auf einmal darum, daß Babo's Ansehen keinen Schaden nehmen möge. Oder ist das durch die Person der Bootsfrau zu erklären. Vielleicht ist sie doch nicht so gerecht wie Ole aus Sigrun's Erzählungen heraus anzunehmen gewillt war und Babo's kleine Verfehlung könnte der Anlaß werden, daß das Klima an Bord sich erheblich verschlechtern könnte.

Nein, du alter Narr, denke doch nicht schon von vorne herein so schlecht, beschimpft sich Ole selbst in seinen Gedanken. Sigrun, die Milde, wird schon ihre Gründe haben, wenn sie so und nicht anders handelt. Obwohl Ole schon die heimliche Ahnung beschleicht, Sigrun's Bitte könnte nicht so ganz selbstlos gewesen sein, beläßt es Ole bei seiner ursprünglichen Einschätzung der Lage. Ein Bootsfrau ist eben eine Bootsfrau, und Ole kann sich an keinen Bootsmann und an keine Bootsfrau erinnern, die geschätzt hätten, daß einer ihrer Matrosen das Löschen der Ladung verschläft. Babo steckt also ganz schön in der Scheiße. Aber Ole hat kein Interesse daran, Babo noch tiefer hinein zu drücken und das nicht nur, weil Sigrun ihn darum bittet. Er hat es nicht nötig einen Kameraden ans Messer zu liefern, nur um bei den Vorgesetzten gut dazustehen.

Ole schüttelt den Kopf:

"Nein Sigrun, das hätte ich nie getan. Wir Seeleute sind eine Art Schicksalsgemeinschaft, es ist doch so, oder? Oft genug müssen wir uns gegenseitig das Leben anvertrauen und dazu braucht es eine gute Kameradschaft. Ich würde viel riskieren, um bei Gefahr dir oder Babo beizustehen und dasselbe erhoffe ich mir auch von euch. Und wenn es einmal passieren sollte, daß eine von uns umfällt..."

'... und dabei in der Hängematte einschläft...!' ergänzt Ole in seinen Gedanken, innerlich grinsend,

"...dann halte ich es für meine Pflicht ihn aufzufangen und nicht einfach fallen zu lassen!"

Ole macht eine Pause, stellt mit Erschrecken fest, daß seinen Pfeife erloschen war, ohne das er das bis jetzt gemerkt hätte. Das muß er sofort erledigen, aber er gibt sich noch einmal einen Ruck und sagt zu Sigrun:

"Es zeichnet dich aus, daß du sich für den Kameraden so eingesetzt hast. Du bist noch jung, aber du scheinst schon viel Weisheit in dein Sagen und Handeln zu legen...."

Wo war jetzt nur der Beutel mit dem Pfeifenkraut ......?



Überrascht sieht Sigrun den Schiffszimmermann an. Ein solches Kompliment hat sie nicht erwartet. Zwar gibt sie sich Mühe, sich die Dinge, die sie tut und sagt, genau zu überlegen, doch hält sie dies weniger für Weisheit, als für eine reine Vorsichtsmaßnahme. Auf einem Schiff wie diesem muß man mit vielen verschiedenartigen Menschen zusammenleben und ein zu schnell geäußertes Wort kann die Stimmung für eine sehr lange Zeit verderben. Sigrun ist nicht harmoniesüchtig, aber sie weiß auch, daß Streitereien und Meinungsverschiedenheiten an Bord nicht ausarten dürfen, da sonst die Sicherheit gefährdet ist.

"Danke", antwortet sie einfach. "Ich hatte auch nicht erwartet, daß du anderen in den Rücken fallen würdest, aber mir passiert es manchmal, daß ich schneller spreche, als ich will und dann ... Naja, davon wollte ich dich nur abhalten."

Sie bemerkt zwar, daß Ole irgendwie abgelenkt wirkt, aber auch sie hält dieses Thema jetzt für erledigt und schickt sich an, mit der Führung fortzufahren.

"Wir sind hier jetzt im oberen Laderaum und das hier links ist die Kabine vom Smutje."



Ole kann seine Beutel mit Pfeifenkraut einfach nicht finden. Er weiß genau, er hatte doch ......vorhin .... auf dem Vordeck .... ! Doch er unterbricht sein Grübeln, als er in den Pfeifenkopf hinein schaut. Da wäre ja noch allerhand Pfeifenkraut drin, nur die Glut ist erloschen. Da hatte er in der letzten Zeit doch glatt vergessen am Mundstück zu ziehen. Das letzte mal, so glaubt Ole sich erinnern zu können, hatte er an seiner Pfeife gezogen, als Babo aus der Hängematte gefallen war und sich der alte Zimmermann sich dabei so erschrocken hatte. Daraufhin ist die Pfeife 'beleidigt' ausgegangen. Soll sie doch, dann wird er sie eben neu entzünden. Aber es fällt ihm ein, daß er Zunder, Stahl und Glimmspan in seinem Seesack verstaut hat und der liegt momentan friedlich an seinem Lager im Mannschaftsraum. Er wird langsam nachlässig. Ob er einmal Sigrun fragen sollte, ob sie Zunder und Stahl dabei hätte? Aber was soll's .....


Als Sigrun den Smutje erwähnt wird Ole wieder hellhörig und muß unwillkürlich grinsen. Über den Schiffskoch hatten sie sich doch schon unterhalten. So fragt Ole:

"Das war doch jener, der das Essen auf dem Boden serviert hatte?"

Der Zimmermann findet diese Vorstellung sehr witzig, daß ein Smutje seine Speisen stolz und feierlich auf die Planken klatschen würde und sein Grinsen verbreitet sich zu einer Grimasse. Irgendwie kann er seine Phantasie jetzt nicht mehr stoppen.

" .... oder hatte er nur den falschen Topf, einen Topf der die Öffnung unten und den Boden oben hatte?"

Ole kicherte albern in sich hinein, wie ein junges Mädchen, das eben bei einer Unschicklichkeit überrascht worden war, er scheint sich ganz gut über seine eigenen Scherze erheitern zu können.

"Vielleicht aber war das Essen auch schon so alt, daß es wieder zu leben begonnen hatte und flüchten wollte ..... ?"

Er lachte laut auf, als er sich seinen Gedanken bildhaft vorzustellen versuchte - .... fliehendes Essen ... - Ja, da kann man doch nicht ernst bleiben. Und jetzt, da Ole so herzhaft am Lachen ist, kann er auch nicht so einfach wieder aufhören, da gibt es kein Halten mehr. Immer wenn er denkt, daß er sich wieder unter Kontrolle hat, kommt ihm wieder das Bild von .... - lebendem Essen - ..... vor seine Augen und es geht wieder von vorne los. Er lacht bis ihm die Tränen in den Augen stehen.

Verstohlen blickt er auf Sigrun, als er leicht verkrümmt an der Wand lehnt und nach Luft ringt. Lacht sie auch mit oder findet sie ihn einfach nur unmöglich?

"Verzeihe einem alten Narren! Aber, PRAios sei mein Zeuge, ich habe schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr so gelacht und schon fast vergessen, wie gut das tun kann. Weißt du - ich hatte nicht viel zu lachen in der letzten Zeit!"

Ole beruhigt sich langsam wieder. Zwar grinst er noch etwas blöde vor sich hin, ist aber wenigstens wieder ansprechbar ........

"Hast du Zunder, Stahl und Glimmspan bei dir - zufälliger Weise?"



Als Ole über die Sache mit dem Essen so herzhaft zu lachen beginnt, ist Sigrun etwas irritiert. Erst als er anfängt, von Löchern im Boden der Töpfe und lebendem Essen zu sprechen, bekommt sie eine Vorstellung davon, was er daran so amüsant findet und lacht höflich ein wenig mit. So richtig verstehen kann sie nicht, was daran so witzig sein soll, aber ein befreiendes Lachen kann nicht schaden und sie will ganz bestimmt nicht diejenige sein, die Ole davon abhält.

Seine Frage nach den Feuerutensilien allerdings erwischt sie vollkommen

auf dem falschen Fuß.

"Äh, ob ich was ...? Nein, also das habe ich eigentlich nie so dabei", antwortet sie etwas stotternd.



"Nun, das macht nichts. Es hätte ja sein können ........"

Ole räuspert sich und betrachtet mit einer hochgezogener Augenbraue die erkaltete Pfeife in seiner Hand. Er ist schon noch ein wenig verlegen, daß er sich so hatte gehen lassen. Aber da waren diese Gedanken und Bilder.....

Er muß schon wieder grinsen!

'Nein, nicht schon wieder!' denkt er sich und bringt sich auf diese Weise zur Ruhe.

Als sich Ole umsieht, entdeckt er an backbord einen Abstieg. Der könnte zu weiteren Laderäumen führen.

"Ist unter uns nur noch Laderaum oder gibt es noch andere wichtige Örtlichkeiten dort?"

Er steckt die Pfeife wieder in den Mund, erloschen oder nicht erloschen, er ist es halt einfach gewohnt. Er blickt sich aufmerksam um und nickt anerkennend. Alles hier wirkt alles neu und geordnet.

"Welche Kajüten liegen dort hinten?"

Er zeigt achtern in den Gang hinein. Man kann seiner ernsten Miene ablesen, daß er seine 'Krise der Heiterkeit' nun völlig abgelegt hat. Er ist nun wieder absolut ein Seemann und ein Schiffszimmermann, der sich, in allem gebührenden Ernst, von Schiff und Besatzung ein Bild machen will.

"Fahrgäste oder Offiziere?" erläutert er seine Frage genauer.

Er wartet noch auf eine Antwort, da tragen ihn seine Überlegungen noch ein Stück weiter. Mehr zu sich selbst spricht er:

"Den Kielraum werde ich mir später ansehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er Schaden genommen hat bei dem Sturm, von dem erzählt wurde. Aber ich will doch sicher gehen, daß der Rumpf des Schiffes das Unwetter besser überstanden hat als das Segel von vorhin!"




Alrik mach sich wichtig


"Also, das Schiff ist eine Karavelle. Und wir segeln wirklich bis nach Brabak. Es ist zwar eine richtig weite Reise, aber wir legen ja auch an ganz vielen Häfen zwischendurch an. Und wir haben die Nordstern erst gerade komplett neu überholt. In Riva. In der Werft dort. Sie ist quasi wie neu. Neue Ruderaufhängung ... neue Seile ... "

Dabei deutet Alrik einmal so in die Runde, hebt den Blick und betrachtet die Takelage.

"Und bei der Rumpfreinigung habe ich selbst geholfen. Da bohrt sich kein einziger Bohrwurm mehr durch, so blitzeblank ist das Holz jetzt."

"Außerdem können wir gar nicht untergehen, denn wir haben ja unsere Schiffskatze an Bord. Wenn man den kleinen Traumauge noch mitrechnet, sind es sogar zwei. Ihr braucht Euch wirklich nicht sorgen ..."

Alrik antwortet in einem absolut ernsthaften Tonfall, offensichtlich ist er von seiner Theorie tatsächlich überzeugt. Dem Passagier hat er sich nun vollständig zugewandt. Offensichtlich hat Hirkan bei Alrik den richtigen Ton getroffen, um ihn in Plauderstimmung zu versetzen. Alrik fühlt sich wichtig. Er hat nur selten die Erfahrung gemacht, daß Passagiere ein ernsthaftes Gespräch mit ihm beginnen wollen. Von einem Moment zum anderen fühlt sich Alrik sehr erwachsen.

Da schickt es sich fürwahr nicht, einfach so schief an der Reling zu lehnen. Alrik stellt sich gerade hin, er reckt sich dazu auch noch ein bißchen. So kann man gewiß ein paar Fingerbreit größer, und vor allem erwachsener wirken.



'Die Schiffskatze schützt das Schiff vor dem Untergehen?' Das ist ja wahrhaftig ein gefundenes Fressen für einen neugierigen Berichterstatter. Hirkan betrachtet Alriks Haltung und kommt mehr und mehr zu der Überzeugung, daß der Junge wirklich meint, was er sagt. Sollte der Aberglaube der Seeleute wirklich so weit gehen, daß sie glauben, die Gunst EFFerds durch das Mitführen einer Katze gewinnen zu können? Oder sind das nur Alriks höchstpersönliche Ideen? Fragen über Fragen und man kann sehen, wie sich Hirkans Stimmung zusehends bessert.

"Du meinst, ein Schiff, das eine Katze an Bord hat, kann nicht untergehen?" fragt er noch einmal nach. Es gelingt ihm dabei, nicht ungläubig sondern einfach nur sachlich zu klingen.



"Ganz genau," bestätigt Alrik.

"Katzen sind nicht nur sehr nützlich, weil sie ja die Mäuse ... und so ... fressen, sondern auch sehr eigensinnig und haben ... hach, wie soll ich das sagen," erklärt Alrik grübelnd.

"Na, so Vorahnungen eben. Solange die Katze also freiwillig an Bord bleibt ist alles in Ordnung, aber wenn die Katze also im Hafen das Schiff verläßt... hm, das wäre dann ein wirklich schlechtes Zeichen, versteht Ihr?" formuliert Alrik eher vorsichtig, aber ernsthaft.



"Ach so, jetzt verstehe ich, was du meinst", antwortet Hirkan mit einer gewissen Erleichterung. In dieser Erklärung Alriks steckt doch immerhin eine gewisse Logik, findet er. Man kann sich gut vorstellen, daß sich eine Katze auf einem modrigen oder ständig knarrenden und ächzenden Schiff nicht wohl fühlen würde, doch beschleicht Hirkan trotz allem der Verdacht, daß auch das am besten gepflegte Schiff Probleme mit gewissen Witterungen oder Strömungen haben könnte. Aber dies sind Dinge, über die er besser nicht nachdenken möchte. Er ist zwar kein Angsthase, aber die erste Schiffsreise ist und bleibt die erste Schiffsreise ...

"Dann brauchen wir uns wohl wirklich keine Sorgen zu machen."

Während er sich mit Alrik unterhält, beobachtet Hirkan das nach wie vor geschäftige Treiben der Matrosen. Er ist erstaunt, daß die Waren, die an Bord gebracht werden, kein Ende zu nehmen scheinen. Er hätte nicht gedacht, daß ein Schiff so viel Ladung transportieren könnte.

"Habt ihr immer so viel Ladung an Bord oder ist das alles der Proviant?", versucht er daher, Alriks Plauderstimmung noch etwas weiter auszunutzen.



"Nö, das ist fast alles Ladung. Als wir in Riva ablegten hatten wir noch kaum Ladung an Bord. Nur ein paar Felle, glaub' ich. Auch jetzt ist bestimmt noch viel Platz unten. Hier an Land sieht es oft nach mehr aus als es ist."

Alrik betrachtet die Stapel und Kisten, die dort noch an Land stehen. Zwischenzeitlich sind es schon merklich weniger geworden. Drei, vier Gänge noch, dann dürfte auch der Rest verschifft sein.

"Proviant brauchen wir nicht mehr so viel. Hauptsächlich frisches Wasser und ein paar andere frische Sachen. Das meiste haben wir schon an Bord, das hält sich ja auch 'ne ganze Weile."


"Was schreibt Ihr denn eigentlich? Für eine Zeitung?"

Diese Frage scheint den neugierigen Jungen schon geraume Zeit beschäftigt zu haben. Endlich kann er sie stellen, bevor er wieder Gegenfragen beantworten muß.



'Wenn das alles Ladung ist, muß es für den Kapitän ja ganz gut laufen', denkt sich Hirkan. 'Aber es ist ja auch ganz praktisch, in so ein Schiff paßt wirklich viel rein.'

Ein leichtes Grinsen legt sich auf sein Gesicht, als er sich vorstellt, wie ganze Karawanen benötigt würden, um eine solche Menge an Waren über Land zu befördern.

'Also', vermerkt er, 'ein eindeutiger Vorteil einer Seereise ist offensichtlich, daß man sich bei seinem Gepäck und als Händler bei den Waren nicht einschränken muß.'


Auf Alriks Frage antwortet er etwas zögerlich. Er ist es eher gewöhnt, selber Fragen zu stellen, aber natürlich muß man da auch gelegentlich mit Gegenfragen rechnen.

"Nein, nicht für ine Zeitung, obwohl ich es später vielleicht trotzdem versuche, denen zu verkaufen. Eigentlich soll es ein Buch werden, in dem ich über die verschiedenen Reisemöglichkeiten hier in der Gegend berichten will. Es gibt so viele Leute, die gar nicht so genau wissen, wie man am besten von einem Ort zum anderen kommt, ohne sich allzu großen Gefahren auszusetzen und dabei will ich helfen."



Da macht Alrik große Augen.

"Ein Buch?! Hei, das find' gut," ist die erste spontane Antwort.

Staunend, fast ehrfürchtig betrachtet er den jungen Reisenden. Er muß furchtbar klug und richtig weit gereist sein, wenn er solch ein Ziel gesetzt hat. Dabei wirkt er selbst auf Alrik noch recht jung. Und furchtbar viel Geld muß er auch haben, wenn er einfach so reist, nur um der Reise Willen.

Zu Alriks Erstaunen mischt sich auch ein bißchen Neid. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie es war, als er sich damals getraut hatte in den Hafen zu gehen und erstmalig versucht hatte, anzuheuern. Als er nach langer Suche schließlich erfolgreich war, da waren die anderen Kinder von der Straße auch neidisch. Neidisch auf das Abenteuer, auf die Reisen. Aber jetzt ist es wieder Alrik, der mit unterdrücktem Neid vor einem anderen steht.

Wieder nachdenklich geworden, meint Alrik leise:

"Aber es gibt so viele Leute, die gar nicht so genau wissen, wie man liest..."

''Wie ich,' fügt er in Gedanken hinzu.



Mit seiner Bemerkung, daß es viele Leute gibt, die nicht lesen können, hat Alrik natürlich genau den wunden Punkt bei Hirkans Planung getroffen. Er selber hat in mühevoller Kleinarbeit das Lesen und Schreiben erlernt ... und darüber verdrängt, wie lästig es war, sich immer alles erzählen zu lassen.

"Hm, ja, da hast du schon recht, aber es gibt auch viele Leute, die lesen können und die müssen dann eben den anderen davon erzählen. Also, ... ich hoffe jedenfalls, daß sie das tun. Auf jeden Fall ist mir noch keine bessere Methode eingefallen, wenn man möchte, daß viele Leute etwas erfahren."



"Hm, hm," murmelt Alrik nachdenklich, da ihm zum gegenwärtigen Thema auch nichts Besseres einfällt.


"Es wird bestimmt gut, das Buch. Ganz gewiß werden es viele Menschen lesen und davon erzählen." Freundlich lächelnd steht Alrik vor Hirkan.

"Oh, seht nur, die restlichen Pakete sind jetzt auch fast verstaut. Allzu lange wird es nicht mehr dauern..."



Fiana zufrieden .......


Zufrieden steht Fiana an der Planke und schaut ob nicht doch noch jemand aufs Schiff möchte, lange dauert es ja nicht mehr bis wir ablegen. Denkt sie sich.



Ottam unzufrieden ......


Noch immer ist Ottam an Deck und geht ab und an mal etwas auf und ab, irgendwie scheint er nicht so recht zu wissen was er will, daher gibt er sich verschiedensten Gedanken hin, die meisten davon drehen sich zweifelsfrei um Magie, doch immer wieder schaut er auch umher, ob vielleicht etwas Interessantes passiert.



Adrian sucht Anschluß


Adrian geht gerade auf Ottam zu und sagt zu ihm:

"Ich habe gehört ihr seit der Schiffsmagus, ich bin auch ein Magiekundiger. Wir könnten einiges von einander lernen, was habt ihr denn schon so auf euren Fahrten für Magie angewendet? Ich bin sehr interessiert an euren Erlebnissen. Auf welche Art der Magie habt ihr euch den spezialisiert, ich bin ein grauer Beherrschungsmagier."



Babo „greift ein“ ....


Nachdem Babo endlich Festland betreten hat, ist nur noch ein Packen übrig.

'Muß es denn immer der Größte sein?' Etwas enttäuscht geht Babo zu dem Bündel und untersucht kurz, wie er dieses wohl am besten transportieren kann. Schließlich packt er es an und schwingt es sich über die Schulter. Als sein Schwung endet, strauchelt Babo, ob des plötzlichen Gewichts auf seiner Schulter, kurz. Doch schnell hat er sein Gleichgewicht wieder und geht die Planke hinauf, oben angelangt verkündet er mit professioneller Stimme:

"Das war der letzte!"


Smirnoff in letzter Minute ...


Völlig aus der Puste kommt der Norbarde angerannt, als gerade die Planke eingeholt wird.

"Halt , halt."

Mit einem gezielten Sprung schafft er es gerade noch.

"Uff, das war aber knapp. Ich wußte nicht, daß Ihr so schnell wieder ablegen wolltet."



Die Führung wird abgebrochen ....


Gerade will Sigrun wieder losgehen, um Ole den Rest des Unterdecks zu zeigen, da fängt das Schiff an, sich zu bewegen. Schnell versucht Sigrun sich zu vergegenwärtigen, wie lange sie wohl schon mit Ole hier ist und wie viel Ladung noch im Hafen war, als sie losgegangen sind. Sie kommt zu dem Schluß, daß dies wirklich schon die Ablegemanöver sein könnten.

"Entschuldige, aber ich glaube, wir müssen hier erst einmal aufhören. Es fühlt sich an, als würden wir ablegen und dann muß ich an Deck und beim Setzen der Segel helfen! ..... Ähm, ich weiß nicht, ... du vielleicht auch. Ich erzähle dir gern später noch mehr."

Sigrun spricht ziemlich schnell und beginnt auch bei den letzten Worten schon, sich in Richtung Aufgang zum Oberdeck zu bewegen. Auffordernd sieht sie Ole an, wartet aber nicht auf eine Reaktion, sondern geht einfach mit schnellem Schritt los.



Hirkan wundert sich ...


Hirkan beobachtet noch das Aufladen der letzten Kisten und Pakete. Ein wenig wundert er sich, daß ihm der kräftige Matrose, der den letzten Packen bringt, nicht früher aufgefallen ist, doch darüber macht er sich keine weiteren Gedanken. Vielmehr wartet er jetzt gespannt auf das Ablegen des Schiffs und als es dann losgeht, kann er sich gar nicht entscheiden, wohin er seine Augen zuerst wenden soll. Hektisch versucht er, alles mitzubekommen, sowohl die Arbeit der Mannschaft, die mit dem Setzen der Segel gut beschäftigt ist, als auch die immer wechselnden Ansichten der Stadt Olport, als sich das Schiff immer weiter aufs Meer vorwagt. Die Stadt, die ihm eigentlich so bekannt ist, von dieser Seite aus zu sehen, ist eine ganz neue und beeindruckende Erfahrung, der er sich mit ganzer Seele widmet. Ein leise gemurmeltes:

"Das ist ja unglaublich" kann er sich dann auch nicht verkneifen.



Firutin auf dem Vordeck ....


'Ahhhhh, endlich legen wir wieder ab!' Denkt sich Firutin. Er mag das fahren auf der See, nicht so sehr wie er die Wälder liebt, und doch, dies wird sicherlich nicht die letzte Seefahrt sein die er in seinem Leben machen wird.

Ungeachtet des Magier's, den er nicht, bei was immer dieser auch tut, stören will, geht er aus der Kabine und geht wieder ans Oberdeck, um die Leute beim Ablegen zu beobachten, und um zu sehen wie die NORDSTERN aus dem Hafen zurück auf das weite Meer segelt.



Weiter geht's


Das letzte Paket der recht umfangreichen Ladung, die im Hafen von Olport ihren Weg an Bord der NORDSTERN gefunden hat, ist im Laderaum verstaut, die Träger des Hafens, die die Besatzung unterstützt haben, sind bereits auf dem Weg zu der Karavelle, die vor der NORDSTERN festgemacht hat und offenbar dem Handelshaus Cunda aus Grangor gehört.

Kapitän Jergan Efferdstreu läßt die Planke, die das Schiff mit dem Land verbunden hat, an Bord holen, sobald der Lotse das Schiff betreten hat.

"Ihr wollt schon wieder weg?"

Der Lotse ist der gleiche, der die aus Riva kommende Karavelle vor gar nicht so langer Zeit in den Hafen geleitet hat.

"Ja. Wir wären gerne noch ein wenig hier geblieben, aber, wißt Ihr, der Wind steht günstig, und wir haben noch eine sehr weite Fahrt vor uns. Vielleicht holen wir so die Zeit auf, die uns die Überholung des Schiffes gekostet hat."

"Bis nach Brabak wollt Ihr, habe ich gehört? Ist das denn klug in diesen Tagen?"

Jergan antwortet viel leiser - und nach einem Blick, ob jemand in der Nähe steht:

"Das werden wir sehen. Wir können immer noch vorher umkehren."

Die beiden Seeleute sind inzwischen auf dem Achterdeck angekommen, von wo aus Jergan den Matrosen einige Befehle zubrüllt, die diese unter Nirkas Anleitung in die Tat umsetzen. Der Wind erfaßt die beiden kleinen Segel, und drückt das Schiff von Kai weg, an das es die Leinen fesseln. Allerdings nicht mehr lange, denn schon werfen Arbeiter des Hafens die losgebundenen Ende hinüber auf das Schiff, das langsam in Richtung des Hafenbeckens und der Hafeneinfahrt treibt.

Jergan wirbelt das Steuer bis zum Anschlag herum, während vorne die Segel mit den starken Trossen in die richtige Position gedreht werden. Langsam nimmt das Schiff Fahrt auf, während der Kapitän vom Steuer zurücktritt und zu dem Lotsen sagt:

"Bitte sehr... sie sei die Eure, bis wir draußen sind!"

Wie schon beim letzten Mal freut sich der Lotse, wie gut dieses Schiff dem Steuer gehorcht, und richtet den Bug genau auf die Durchfahrt zwischen den beiden Kreidefelsen. Hoch oben, und von manch einem an Bord mit interessierten Blicken bedacht, steht die Feste, von der aus die Stadt mit sicherer Hand regiert wird. Vorbei an ihr geht die Fahrt, und dann durch das Tor, daß die Klippen bilden, hinaus in das Meer.

Immer noch mit sehr kleiner Segelfläche geht es weiter, bis schließlich das Lotsenboot, das noch vom Empfang der Grangorer Karavelle draußen war, längsseits kommt. Jergan bedankt sich bei dem Lotsen und zahlt ihn aus, dann ist die NORDSTERN wieder alleine - alleine auf den Weiten von Efferds Element.

"Segel setzen!"


Dajin schaut zu ....


Fasziniert von der Präzesion mit der die Mannschaft arbeitet steht Dajin an der Reling und versucht niemandem in Weg zu sein . Ein bißchen besorgt schaut er auf die Felsen an der Hafenausfahrt. `Hoffentlich hat der Steuermann das Schiff unter Kontrolle`denkt er sich. Aber alles geht gut und die Nordstern wendet sich dem offenen Meer zu. Noch immer hat Dajin nicht genug gesehen und schaut weiter dem Treiben der Matrosen zu.



Und weiter geht's ...


Auf einmal hat es Sigrun sehr eilig. Sie wendet sich plötzlich ab und springt in Richtung Oberdeck. Der alte Schiffszimmermann läßt sie gewähren. Auch Ole hat es gemerkt, ein Ruck ging durch das Schiff. Endlich geht es los. Die See wartet!

Ole fühlt sich wie ein kleine Kind. Er ist aufgeregt. Es ist ja nicht das erste mal, daß er mit dem Boot ablegt, aber gerade heute bedeutet es ihm sehr viel. Es geht wieder los! Er hatte es nicht geglaubt, daß er dies noch einmal erleben würde, aber die See wird auf ihn zukommen und er würde sie erwarten!

Schnell springt Ole hinter Sigrun her und findet sich, fast wie von selbst, auf dem Oberdeck wieder. Alle Hände, soweit sie zu Matrosen gehören, haben zu tun und überall dort, wo Muskelkraft gefragt ist, gliedert sich Ole ein. Als der Anker gehoben werden muß, schiebt Ole einen Matrosen beiseite und wirft sich voll ins Zeug. Und siehe da, er hat den schweren Anker fast alleine nach oben gezerrt!

Ole ist nun nicht mehr zu bremsen. Er wirft sich in die Taue und klettert mit seinem riesigen, schweren Körper in die Takelage umher. Jeder Handgriff sitzt und er weiß noch immer, was zu tun ist. Wie ein Eichhörnchen hüpft er zwischen den Strickleitern hin und her. Keiner, der ihn bis daher gesehen hatte, hätte ihm das zugetraut, zu schwer, zu plump wirkte er.

Mit einem Seitenblick bedenkt er die Gewässer. Oh ja, die See um Olport ist voller Tücken! So sieht er unter der Wasseroberfläche manche Untiefe, die früheren Seefahrern schon oft zum Verhängnis geworden waren. Die Lotsen von Olport sind zwar teuer, aber sie sind jeden Heller wert, denn sie kennen jeden Stein unter der Wasseroberfläche.

So fährt die NORDSTERN am "Efferdspfeiler" vorbei und Ole wirft noch einen letzten Gruß an jene, steil hervorragenden Kreidesäule, die sich, fast 25 Schritt über der geifernden Gischt erhebt. Noch haben sie das offene Meer nicht erreicht und schon hat Ole den salzigen Geschmack der Freiheit auf den Lippen. Da macht es fast gar nichts, daß seine Pfeife kalt und erloschen war. Es geht wieder los!

Ein letzter Blick zurück: Da waren die Bootsschuppen, das Lotsenhaus und hoch oben, auf den Klippen links und rechts, die 'Hallen des Windes' auf der einen Seite und die 'Alte Festung' auf der anderen Seite.


NORDSTERN, altes Mädchen, durchpflüge die Wellen und greife Raum nach Süden. Ole ist begeistert. Er hängt noch in den Tauen, als er einen Schrei der Freude von sich gibt, laut genug, um selbst die Möwen, zumindest für kurze Zeit, vom Schiff zu vertreiben.











97