- Logbuch der Nordstern -

Im Hafen von Havena - Teil 4 - (Von Siegern und Verlierern) - 30. Efferd, 28 n.H.

IN HAVENA - In Immanstadion: Wundersame Weltenwanderung - Radisar


Ihm ist, als würden viele Stein schwere Lasten von seinem Brustkorb genommen werden und es kommt ihn vor, als könne er zum erstenmal seit vielen Götterläufen wieder frei atmen. Seine Schritte sind leicht und federnd, doch worauf läuft er im Augenblick eigentlich. Da ist nirgendwo Materie, nur ein dunkles Nichts, diese lichten, kleinen, geflügelten Gestalten und das wunderbar ausgeleuchtet Tor, das sich vor ihm auftut und mit der ganzen Macht seiner Schönheit lockt, es zu durchschreiten.

Doch man muß Radisar nicht lange locken, Schritt für Schritt bewegt er sich dorthin. Er fühlt sich unbeschwert und frei und auch die Frage, auf welchem Weg er nun gehe, welcher Pfad ihn da trägt, kann ihn nicht lange bedrücken.

Doch in einem ist er schon neugierig geworden.

"Woher kennt ihr mich und warum seid ihr so freundlich zu mir!"

Radisar hört nur nur lautes, helles, silbern klingendes Lachen um sich herum. Das Lachen klingt nicht hämisch, nein, die Geflügelten lachen ihn nicht aus. Es ist ein warmherziges Lachen, ein gutmütiges Lachen, eine Art mildes Lachen, dass man einem Kind entgegen bringen würde, wenn es im Überschwang der Gefühle etwas Törichtes gemacht hat.

"Ach, kleiner Radisar ..." erklären die strahlenden Wesen und Radisar fragt sich nun langsam ernsthaft, mit welchem Recht ihn diese winzigen Geschöpfe fortwährend einen Kleinen nennen " ...du bist uns kein unbekannter, wir warten schon lange auf dich, du bist unser Prinz!"

"EUER PRINZ!" fragt Radisar erstaunt und erschrocken zurück "Ich habe doch wirklich nichts Edles oder Erhabenes an mir, wieso nennt ihr mich einen Prinzen? Ist dies eine neue Art der Verhöhnung?"

"Nein, nein!" antworten die Geflügelten schnell "Du bist in der Tat unser Prinz und ehe du dich selbst weiter erniedrigst, sieh lieber erst einmal her!"

Nach diesen Worten teilt sich vor ihm die Finsternis und färbt eine große Fläche füllt sich silbern. So ist vor Radisars Augen ein Spiegel aus dem Nichts gewachsen. Zögernd tritt der kleine Diener näher. Und er sieht die leuchtende Farbenpracht der kleinen geflügelten Mädchen und ... sich selbst!

Aber was ist geschehen. Nicht das Bildnis eines kleinen, feisten Mann's, mit einer ewig schwitzenden Glatze und in geduckter Haltung offenbart sich ihm da, sondern ein aufrechter, starker Mann, mit kantigen Gesichtszügen und vollem, lockigem Haar.

Eine kleine Freudenträne rinnt an Radisars Wange herab, es ist einfach zu schön um wahr zu sein. Er wischt sich die Träne vom Gesicht und ebenso tut es der Edle ihm gegenüber. Es scheint also kein Trugbild zu sein, es ist wirklich ein Spiegelbild.

Ein gelb leuchtendes Wesen schwirrt ihm nun vor das Gesicht. Radisar kann kleine, zarte Körperumrisse erkennen, diese Mädchen scheinen wirklich lediglich mit Licht bekleidet zu sein. SIe lächelt ihn lieb an und fragt mit süßer Stimme:

"Nun, kleiner Radisar, willst du unser Prinz sein?"

Und Radisar nickt.



"Wie kann das denn funktionieren?" fragt Radisar die geflügelten Mädchen "Ich sehe keinen Weg, da ist nirgendwo ein Untergrund, so, als ob ich im Leere laufen würde. Un doch spüre ich jeden meiner Schritte. Wie kann das sein?"

Die kleinen, geflügelten Wesen lachen und kichern, so, als ob Radisar jetzt etwas ganz Dummes gesagt hätte. Ein kleines, violett strahlendes Wesen schwirrt vor das Gesicht Radisar und erklärt ihm mit sanfter, geduldiger Stimme, so wie eine Mutter einem verstockten Kinde zureden würde:

"Es sind deine Erinnerungen, mein Prinz, auf Dere wart ihr es gewohnt euch flach und gebunden fort zu bewegen. Hier beginnt eine andere Welt. Sie ist groß in alle Richtungen, doch mag es dem Prinzen anstehen sich dorthin zu begeben, wo immer er hin möchte. Und wenn du deinen Weg fühlen möchtest, dann fühle ihn doch einfach. Und wenn du deinen Weg sehen möchtest, dann mache dir ein Bild davon. Du bist der Prinz, du bist der Herr und du gebietest. Brauchst du einen Horizont, so denkt euch einen aus und er wird wahrhaftig für euch sein!"

Radisar wird nachdenklich. Noch nie hat er über seinen Weg bestimmen dürfen und doch ist er jeden Weg gerne gegangen. Warum sollte er sich also jetzt und hier Gedanken machen? Aber es macht Spaß seinen Weg bestimmen zu dürfen, ihn sichtbar und berechenbar zu machen. Radisar räuspert sich:

"Ein Weg? Nun gut ... er sei!"

Und mit diesem Wort sieht Radisar seinen Weg zu dem strahlend hellen Tor hin. Der Weg ist gewunden zu zahllosen Kurven und Wendungen. Nun, ein bißchen geradliniger hätte Radisar sich 'seinen' Weg schon vorgestellt.

Das sagt das gelbe Lichtwesen, fast mit einer Spur Mitleid in der Stimme:

"Ich sehen schon, ihr seid noch nie den gerade Weg gegangen, auch auf Dere nicht ...!"

So richtig zufrieden ist Radisar nun nicht mehr, die Wegführung befriedigt ihn nicht. Und so versinkt er erneut in Konzentration ... und siehe da ... der Weg streckt sich und wird zu einer gerade Linie. Doch was ist das? Kurz vor dem Tor der Helligkeit befindet sich eine Kreuzung, bei der sich der Weg in zahllose Nebenarme verteilt.

"Das sind wahrhafte Knotenpunkte, mein Prinz, einem Herrscher euerem Formats würdig, da wird wohl noch eine schwere Entscheidung fallen müssen!" erklärt das violette Wesen.

Die Grüne und die Rote kommen herbei geschwirrt und rufen laut:

"Sing das Lob des Prinzen!"

Und sogleich ertönt ein heller, wohltönender Gesang, der sich wie ein Mantel der Zufriedenheit über Radisars Seele hüllt. Sofort vergißt er alle seine Bedenken. Wozu braucht er einen sichtbaren Weg, wenn ihm doch alles vorbestimmt zu sein scheint. Das Kommende wird herrlich und schön werden. Warum sich also weiter sträuben?

Der Weg verblasst und schon bald da nichts mehr, als ein strahlendes Tor, ein buntes Geschwirre kleiner, geflügelter Wesen ... und Radisar, umrandet von einem Nichts, dass nicht Angst und Not verheißt, sondern Ruhe in Sorglosigkeit.

"Gehn wir also!" spricht Radisar.



IN HAVENA - In Immanstadion: Heiler auf der Ehrentribüne - Reckinde


Besorgt setzt Lhyrian von Schwanental die Untersuchung des Dieners fort, um sich dann schließlich ein wenig zu erheben, und in Richtung der Freifrau und ihres männlichen Begleiters zu sagen:

"Es ist ein merkwürdiger Fall. Wie ich schon sagte, körperlich fehlt ihm wenig, es wäre für ihn wohl nicht schwer, wieder zu uns zurückzukehren. Nur... da ist etwas, dass das verhindert."

Er hält an dieser Stelle inne, da er sich nicht wirklich sicher ist, ob das , was sich als Vermutung in seine Gedanken drängt, so wirklich zutrifft, und weil er sich noch unsicherer ist, ob er das so auch aussprechen kann vor diesen Leuten.

So beugt er sich wieder herunter, und setzt die Untersuchung weiter fort, wobei er aus dem an seiner Seite hängenden Lederbeutel verschiedene Fläschchen nimmt, und sie dem Diener unter die Nase hält.



Die Freifrau erhebt sich von ihrem Sitzplatz und starrt den Medicus an. Mit den Fingern spielt sie an den Ringen der jeweils anderen Hand. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Frau Reckinde sehr nervös sein könnte, vielleicht ist es aber heranreifender innerlicher Ärger, so genau kann man das bei der Freifrau nicht erkennen und selbst Menschen, die im Glauben sind, die Freifrau besonders gut zu kennen, sind schon oft in Blakharazens Küche gelandet, wo sie sogleich feststellen mussten, dass sie, so gut wie sie dachten, die Freifrau eben doch nicht kennen.

"Was soll das heißen? Was bedeutet: Da ist ein Hindernis? Was für ein Hindernis, bei Firuns heiligen Namen?"

Die Freifrau scheint verwirrt zu sein.

"Das Herz schlägt wohl noch, sein Atem geht auch, soweit ich sehen kann. Ist er vielleicht von Schlagfluß gerührt?" fragt sie forschend den Heiler und beobachtete dabei argwöhnisch dessen eifriges Hantieren mit den verschiedenen Fläschchen, die er so geschwind herbei 'gezaubert' hat.



Seltsam, dieser Mann spricht auf die schärfsten Mittel nicht an, die sonst eigentlich fast einen Toten zurückholen, oder zumindest aber Menschen, denen es weit schlechter geht als diesem Diener hier.

Aufmerksam setzt Lhyrian seine Untersuchungen fort, während ihm immer mehr klar wird, dass dieses Problem nicht nur der körperlichen Art ist, nein, da ist noch mehr.

In früheren Jahren, als er noch mit seinen Freunden Ardor, Safiriel, Leocadia und Waienn durch die Lande gezogen ist, hatten ihm Heilereien jener anderen Art eher grössere Probleme bereitet, aber die vielen Jahre in Havena, nicht zuletzt auch durch die engen Kontakte zu Wyben Berlind, haben ihn dieses Defizit zumindest aufholen lassen.

"Nein", antwortet er der Freifrau so nach einer durch die Untersuchung bedingten kurzen Pause, "so einfach ist das nicht. Ein Mensch besteht nicht nur aus seinem Körper, da ist noch mehr. Seinem Körper geht es gut, nur seiner Seele wohl nicht so ganz. Es ist, als wenn..."

Der Heiler zögert, sucht nach Worten, während er sich wieder etwas aufrichtet.

"Es ist, als wenn er nicht zurück WILL, als wenn es nichts gibt, was ihn zurück zieht."

Sein Gesichtsausdruck ist dabei eine Mischung aus Sorge und Frage, kennt er doch schließlich die näheren Lebensumstände dieses Mannes nicht weiter.



"So ... also so ist das ..." murmelt die Freifrau vor sich hin. Unruhig geht sie auf und ab und schwenkt dabei gedankenverloren ihren ausgestreckten Zeigefinger der rechten hand umher. Irgendwie sieht es so aus, als führe die Freifrau mit einem unsichtbaren Partner ein angeregte Konversation.

"Hmm ... er kann oder will nicht zurückkehren sagt ihr?" befragt Frau Reckinde den Heiler lauernd "Wie darf ich mir das konkret vorstellen? Das Herz schlägt, die Lunge zischen und der Magen gurgelt, aber das Hirn will nicht in den Wind ziehen, ist das so?"

Reckinde hält inne und denkt noch einmal nach.

"Das Ross scharrt also mit den Hufen, jedoch der Reiter ist entfernt, weil er sich unter Umständen in einer entfernten Kneipe noch ein Bier in den Hals schüttet. Könnte man das so sehen? Das Ross ist gesund, kommt aber nicht in den Trab, da es keinen Herren hat, der es anspornt. Ist das so, kann man es wie gesagt annehmen?"

Herr Rastburger wollte noch etwas beifügen, hielt aber dann doch zurück, da er den Eindruck hatte, die Lage nicht mehr zu überblicken. Hilflos fragend blickt der hohe Herr den Heiler an ....



Lhyrian folgt den fragenden Erklärungen oder den erklärenden Fragen der Freifrau nur mit einem halben Ohr, wendet sich ihr aber dennoch nach ihrem letzten Wort augenblicklich zu.

"Ja, so in etwa kann man das erklären. Ihm fehlt nichts wirklich lebensnotwendiges, nur der Willen, wirklich zurückzukommen. Kann es sein, dass er..."

Der Heiler hält inne, mustert die Freifrau und den Mann neben ihr kurz, und fährt dann nach einigen Momenten der Überlegung, welche Worte hier wohl am angemessensten wären, fort:

"... dass er momentan mit seinem Leben nicht glücklich ist, und darum den Lebenswillen verloren hat?"



"So, so ... er will also nicht. Es fehlt ihm wohl an Beweggründen .... !"

Die Freifrau murmelt gereizt vor sich hin, während sie auf kleinem Raum abwägend hin und her hastet und den kleinen, dicken Diener nicht einen Moment lang aus den Augen verliert. Herr Rastburger, der Heiler, im Prinzip das ganze Immanstadion sind für frau Reckinde im Augenblick kleine, fast nichts bedeutende Nebensächlichkeiten und ihre Augen verraten eine konzentrierte Aufmerksamkeit, die den bewusstlosen Radisar fast zu durchbohren schien, als könne sie mit der Kraft ihres Blickes bis auf den Grund der Seele Radisars blicken.

Plötzlich bleibt Frau Reckinde stehen. Sie wirkt entschlossen, doch gibt sie keinen Hinweis über das, was sie vorhaben könnte. Sie schaut dem Heiler noch einmal tief in die Augen und man könnte den Eindruck gewinnen, als suche sie dort Rat und Ermunterung. Ganz gewiss, dessen sit sich Frau Reckinde sicher, ist der Heiler ein Meister seines Faches, nicht etwa einer dieser Quacksalber aus der Herde jener Betrüger, wo sich jeder einen Medicus nennt und dabei nur verzweifelten oder gutgläubigen Menschen mit üblen Tricks oder zweifelhaften Methoden das letzte Hemd vom Leibe ziehen.

Nein, dieser Mann ist anders. Schon allein die Tatsache, dass er seine Hilflosigkeit bekennt, zeichnet ihn als ehrlichen Heiler aus und das imponiert der Freifrau. Zugleich bedeutet das alles aber, dass die Lage ernst ist und sich Radisar in größerer Gefahr befinden könnte, als dies bisher den Anschein gebabt hatte.

Oder ist alles vielleicht sehr viel einfacher als sich dies momentan darstellt? Frau Reckinde tippt sich mit dem linken Zeigefinger auf die Lippen, eine Geste der Nervosität, fürwahr, doch es sieht so aus, als wolle sie entscheidende Worte zurückhalten, aus einem Grund, den nur sie alleine kennt.

Doch dann holt sie tief Luft und brüllt aus Leibeskräften:

"RADISAR, DU FAULER TAUGENICHTS! AUF DER STELLE MELDE ER SICH BEI MIR UND GEBE BERICHT - ABER HURTIG!"



Ratlos betrachtet Lhyrian den bewusstlosen Diener weiter, und geht im Kopf die Möglichkeiten durch, die noch bleiben. Viele sind das nicht - zum einen könnte er weiter mit seinen Mitteln versuchen, dann könnte er versuchen, körperliche Reaktionen zu erzwingen... dann wäre es noch eine Möglichkeit, den alten Wyben um Hilfe zu bitten... oder aber Magie. Letztere ist in Havena zwar inzwischen leichter zu finden als zu der Zeit, als Lhyrian als junger Mann die Stadt das erste Mal betrat, doch einfach ist es darum auch nicht. Die Freifrau könnte natürlich...

Ein gewaltig lauter Schrei reißt den Medicus jäh aus den Überlegungen, und lässt ihn zusammenfahren.

Da schreit die Freifrau den armen Bewusstlosen an, und zwar auf eine Art und Weise und mit einer Lautstärke, dass dem Heiler erst einmal die Worte fehlen, und er mit einiger Verzögerung sehr leise, eigentlich nur zu sich selbst, sagt:

"Das wird wohl kaum helfen..."



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wunderbare Weltenwanderung - Radisar


Irgend etwas läuft nicht richtig. Die Musik die er hört ist ein Labsal für die Seele und das Licht, das aus dem großen und prächtigen Tor heraus strahlt verheißt ewiges Glück. Im Kreise seiner kleinen, geflügelten Freundinnen, die ihn so ehrfürchtig 'ihren Prinzen' nennen, fühlt er den Segen einer Freundschaft, die jeden Ort der Welt zur Heimat werden lassen könnte.

Und dennoch spürt Radisar tief in den Falten seiner Seele einen gewaltigen Stich, der ihm wehtut. Im Rausch seines Glücks vermag er dieses bestimmte Gefühl nicht zu deuten, doch noch vor kurzem, da er auf Dere weilte, hätte er es als seine unermessliche Trauer erkannt. Nun, da er sich anschickt alles zu gewinnen, nimmt ihn die Ahnung gefangen, dass er eben dabei ist wertvolles zu verlieren.

Als hätte sie seine Gedanken erraten, fragen ihn die geflügelten Ladies:

"Ist euch etwas, mein Prinz, ihr seht bekümmert aus. Wie können wir euch helfen?"

Radisar schüttelt traurig den Kopf.

"Eurer Hilfe bedürfte ich wohl, doch kann ich euch keinerlei Hinweise geben, was an drückenden Ahnungen mich heimsucht."

Besorgt schwirren die Geflügelten hin und her, jede von ihnen sagt, fragt oder erklärt etwas. So kann Radisar kaum mehr verstehen, als ein mehrstimmiges Gezwitscher. Nicht lange, dann ordnen sich die Sätze, solange, bis alle der geflügelten Ladies wie mit einer Stimme sprechen.

"Es ist der Schmerz, nicht wahr?"

Und Radisar nickt bestätigend. Eine gelb strahlende Lady flattert vor das Gesicht des kleinen Dieners.

"Oh mein Prinz, wir kennen diesen Schmerz und er besagt, dass ihr Pflichten zurückgelassen habt. Pflichten, die euch wert, lieb und teuer sind und deren Vernachlässigung euch einer Sünde gleichkommt. Ist das so?"

Radisar beginnt zu weinen, wie ein kleines Kind, dem man das wertvollste geraubt hat. Er schluchzt derart, dass es selbst einen Orkschamanen gerührt hätte. Alle LAdies schwirren herbei, um den Unglücklichen zu trösten.

"Es ist ... ", versucht Radisar mit stockender Stimme zu erklären "es ist ... die Freifrau! Ich höre sie rufen und ich fühle, ich muss zu ihr gehen!"

Eine grün leuchtende Lady flattert herbei. Ihr kleines Gesicht verrät ihr tiefes Mitgefühl.

"Armer, kleiner Radisar! Hast du dir nicht schon genug Prüfungen auferlegt? Ist es nunmehr nicht an der Zeit in den Frieden heimzugehen?"

Radisars Tränen fallen wie dichter Regen herab. Doch kein Boden fängt sie auf, sie fallen in ein Nichts.

"Aber was sollen sie denn machen, ohne mich? Die Freifrau, die junge Herrin Alkinö und ... "

Rasdisar zögert ein wenig, ehe er dann fortfährt:

" ... der liebe Boto, der treue Beschützer der Herrin, was sollen sie denn machen, wenn ich sie nicht mehr versorgen kann?"

"So ist deine Aufgabe noch nicht erfüllt, kleiner Radisar .... !" geben die Geflügelten zu "Aber wir können dich leider nicht so ohne weiteres ziehen lassen!"



Es wird dunkler und Radisar kann sich zunächst nicht erklären warum dies so ist. Ungläubig blinzelt er in der Gegend herum, es wird tatsächlich immer finsterer. Aber wie? Eine Sonne hat er dort nicht gesehen, auch keine Wolken, die sie hätten verdunkeln können. Also, was passiert da?

Doch dann erkennt er, dass sich das Tor langsam schließt und sich, in Folge dessen, so das Licht der anderen Welt, diese herrliche und wunderbare Licht, wieder von ihm zurück zieht. Wehmut erfasst Radisar's Herz, ist ihm auf einmal doch so, als ob ihm die Heimat entfliehe. Traurig blickt er die Geflügelten an.

"Werde ich euch wiedersehen?" fragt er mit stockender Stimme. Und die Ladies lachen.

"Natürlich, mein Prinz, wir werden uns wiedersehen! Wir sind ewig und wir werden warten, bis auch du für die Ewigkeit bereit bist!"

Obwohl ihm gar nicht danach zu Mute ist, Radisar muss lächeln. Ist es nicht eine Ehre von einem ganzen Schwarm kleiner Feen willkommen geheißen zu werden, dazu noch für eine zeit, die erst noch kommen muss? Radisar fühlt sich reich beschenkt. Mit den Händen fährt er sich durch das nunmehr volle Haar, richtet sich in seiner ganzen Größe auf und verkündet:

"Ihr lieben, kleinen Frauen, ich werde euch vermissen. Noch weiß ich nicht, was mich beherrschen wird, schmerzende, wehmütige Sehnsucht oder wohltuende, begleitende Verheißung. Doch wird immer die Hoffnung mit mir sein, mich wieder in euerem Licht glücklich fühlen zu dürfen. Ihr habt so viel Gutes an mir getan und ich bin euch von Herzen dankbar. Doch muss ich erst wieder ein Diener sein, bevor ich euer Prinz sein darf!"

Das Tor hat sich nun fast völlig geschlossen und nur noch das Licht der Geflügelten erhellt die Szene, die insgesamt eingebettet ist von äonischer Dunkelheit. Selbst der Limbus mag dem menschlichen AUge noch mehr zu bieten haben.

"Fahre wohl, mein Prinz und wisse, dass die Zeit für die Unsterblichen keine Bahn beschreibt. Selbst für die Götter ist Zeit ein Gesetz, doch nicht für uns. Und wisse, dass es wohl menschliche Gebote gibt, die sich dem göttlichen Willen beugen müssen, doch auch die Höchsten und Mächtigsten sind nicht frei. Aber du wirst es sein, wenn du die zeit nicht zu deinem Joch machst! Radisar, geliebter Prinz, wir werden warten, wie wir schon imer gewartet haben, seit Satinav das Schiff bestieg!"

Ihre Stimmen werden nun leiser und auch ihr Leuchten läßt nun nach. Radisar kann schon fast die einzelnen Farben der Ladies nicht mehr unterscheiden. Sie vermengen sich und es ergibt sich eine unbekannte diffuse Farbe, die sehr, sehr hell ist, dem Auge jedoch nicht schmerzt und deren Leuchten kaum die Umgebung noch erhellt. Dennoch hält Radisar seine Hand vor die Augen, als fürchte er, durch einen plötzlichen Blitz geblendet werden zu können. In fahlem Licht muss er erkennen, dass seine langen, edlen Finger wieder kürzer und wieder wurstförmiger werden. Erschrocken fährt er mit der rechten Hand über seinen Kopf. Doch dort, wo noch vor kurzen wallendes Haar auf seien Schultern sank, ist nun wieder seine altbekannte Glatze.

"Auf wiedersehen, Prinz und vergiss nicht, du bist schön!" erklären die Geflügelten mit sinkender Stimme, als ob sie seine Gedanken erraten hätte und wahrscheinlich haben sie das auch. Doch der Trost mag nicht so recht bei dem kleinen, dicken Diener ankommen.

"Schön .... schön .... schön ....!"

Die Stimmen verhallen. Nun ist es ganz finster und ganz still! Nach einer Weile, (doch was ist schon Zeit?) dringt ein gewaltiges Rauschen an Radisar's Ohren, wie ein Meer, dass sich wütend in eine Kreideklippe beißt und die Finsternis weicht einem zarten Blauton. Nun, da es wieder ein wenig lichter wird, hält sich Radisar noch einmal die Hände vor die Augen und betrachtet seine feisten Finger, die doch kurz vorher noch so edel schlank gewesen waren und erneut rinnen ihm Tränen aus den Augen ....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Freifrau Reckinde und Lhyrian


Frau Reckinde starrt den Körper Radisar's an, verbissen, hilflos, ängstlich. Sie spürt den Blick des Heilers auf sich ruhen und sie muss ihm dabei nicht ins Gesicht sehen, um zu spüren, dass er ihre Handlung auf das Äußerste mißbilligt. In der Tat hat auch sie für einen kurzen Moment das Gefühl gehabt, dass alle Mühe vergebens sein würde. Auch eine von Beibach und Bruch gebietet nicht über einen Diener, der sich weit an fremde Gestade abgesetzt hat.

Nervös beißt sie an ihrem Fingernägeln und es ist ihr egal, dass dies eine feine Dame sonst nicht tut, sie hat sich noch nie sonderlich um Etikette gekümmert. Für Frau Reckinde war der Tod noch nie ein unberührbares Thema gewesen, nur allzu oft hat sie ihm ins Gesicht schauen müssen, doch ist sie sich der inneren Erkenntnis sicher, dass Golgaris Schwingen heute die Ehrentribüne im Immanstadion zu Havena nicht überschatten werden.

Auf einmal reisst sie die Augen auf, als hätte sie ein Gespenst gesehen.

"SEHT NUR! Er weint und er bewegt die Hand ....!"

Fassungslos betrachtet sie Radisar's Hände, die sich in einer langsamen Bewegung immer wieder zur Faust schließen und dann wieder öffnen, um sich gleich darauf wieder zu schließen, so, als ob Radisar nach dem Leben greifen wolle.

Reckinde stürzt zu Radisar hin, packt ihn am Kragen und schüttelt ihn. Boto gesellt sich zu ihr und er leckt dem kleinen Diener die Tränen von den Wangen.

"NUN MACH SCHON, DU FAULER MAULTIERTREIBER!!"

Halb weinend, halb lachend ruft sie dem Heiler zu:

"SEHT IHR DAS? SEHT IHR DAS?"



Ziemlich überrascht beobachtet Lhyrian, wie zunehmend Leben in den Körper des Dieners kommt - anscheinend zeigt die rabiate Heilungsmethode der Freifrau doch eine erstaunliche Wirkung.

"Ich sehe es..." sagt er leise, und nicht wirklich auf diese Worte konzentriert, denn er hockt sich bereits wieder neben Radisar und setzt seine Untersuchung rasch fort - besser gesagt, er beginnt sie von vorne, denn immerhin ist er der Heiler, und falls das, was gerade geschieht, nur ein kleiner Ansatz des Auflebens ist, dann ist es gut möglich, dass seine Arbeit sehr wohl noch gefragt und von hoher Wichtigkeit ist.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wunderbare Weltenwanderung - Radisar


Nun, da es immer dunkler um ihn wird, wird ihm auch jede Ahnung von einem 'oben' oder 'unten'. Er schwebt im freien Raum, umgeben von einem schmeichelnden 'Nichts'. Nein, er hat keine Angst vor dem Fallen, auch wenn er, von welcher Richtung aus auch immer, einen grauen Schimmer mit wahnwitziger Geschwindigkeit auf sich zu rasen sieht. Er ist sich so sicher, wie ein Mensch sich nur sicher sein kann, dass es ihn nicht zerschmettern wird.

Mag sein es ist ein neues Tor, wie eben jenes vor kurzer Zeit, aus dem so überderisch herrlicher Schein gedrungen war und das sich söben auf unbestimmte Zeit für ihn verschlossen hatte. Was immer da auch einladend lockte, Radiar darf es nicht kennen lernen, nicht jetzt, nicht hier!

Die kleinen leuchtenden Mädchen mit ihren kleinen, silbernen Flügeln haben sich mehr und mehr im Dunkel der Ewigkeit versteckt, doch fühlt der kleine, dicke Diener noch immer ihre Gegenwart. Sie sind nicht wirklich fort und das tröstet Radisar. Sie noch bei ihm und sie warten auf ihn. Und mag es noch viele Götterläufe dauern, man wird sich wiedersehen.

Langsam teilt sich das Universum, das 'graue Tor' oder was immer es auch sein mag, nimmt die eine Hemisphäre ein und auch aus der anderen Halbkugel schimmert ein diffuses Licht, als Vorboten des Seins. Jetzt da Radisar wieder so etwas ähnliches wie einen Horizont schauen darf, fällt es ihm leichter diese seltsame Zwischenwelt in ein erklärbare Dimensionen zu ordnen.

Nun fühlt er auch deutlich das er fällt und fällt. Schwindel packt ihn, auch eine leichte, aber stetig steigende Furcht erklimmt aus der Tiefe seiner Seele den Steilpfad zu seinem Bewußtsein. Seltsame Geräusche dringe an Radisar's Ohr. Erst ist es ein Rauschen, denn ein Pfeifen, zuletzt zergliedert es sich in eine Ansammlung vermischter, aber in Grundzügen doch erkennbar verschiedener Laute. Es klingt wie der Schrei eines Ungeheuers mit zahllosen Kehlen.

Auch der graue Grund zergliedert sich mehr und mehr. Er sieht aus wie eine große Steinfläche, was Radisar schwer in Sorge drängt, da er sich keine Illusionen machen kann, darüber, wie wohl sein Aufpralle ausfallen wird. Das Gefühl von Leichtigkeit entflieht ihm immer mehr und läßt ihn Schwere spüren, große Schwere, ja sogar Überschwere.

Ein schrecklicher Kopfschmerz setzt ein, Übelkeit überwältigt ihn. Sein Herz schlägt so unregelmäßig, wie im Takt eines sterbenden Spechts. Radisar's Hände krampfen sich zusammen und er bekommt irgend etwas zu fassen. Es ist hart, es ist kalt und es ist unangenehm rau, doch es ist Materie, es ist ein Halt und im Augenblick Radisar's einziger Anker zum Derischen.

Erst sehr viel später wird ihm klar werden, dass es sich bei diesem kalten Stein um die Stufen zur Ehrentribüne des Immanstadion's zu Havena handelt. Doch so weit wollen seine Gedanken nicht gehen. Er fühlt sich wie ein Schiffbrüchiger, der nach Tage langem, hilfosem Paddeln im Meer, entkräftet und ausgezehrt, endlich seine Finger in einen Sandstrand krallen darf, der ihm verheißungsvoll ein Weiterleben verspricht. Soll es doch eine einsame Insel sein, die von einem Haufen hungriger Menschenfresser bewohnt wird. Was soll es schon, es ist Land, es ist Leben, zumindest für dem Moment. Und so ergeht es auch Radisar, der den kalten, kratzigen Stein genießt, da er sich wieder in einer Ordnung wähnen darf, die ein 'Oben' und ein 'Unten' kennt.

RAdisar mag sich zwar innerlich freuen, als habe er seiner Wiedergeburt beiwohnen dürfen, doch kann er es nicht so einfach auf die Seite schieben, dass es ihm daneben auch sehr schlecht geht. Scharfe und beißende Schmerzen nagen an nahezu jedem Gelenk seines Knochenbaus, der Magen revoltiert und er hat Blutgeschmack auf der Zunge. In seinen Ohren pfeift es, als würde in seinem Schädel gerade ein Hummer gekocht und vor seinen Augen tanzen bunte Ringe, die allerdings in ihrer Farbenpracht elendig hinter der leuchtenden Anmut seiner kleinen, geflügelten Damen hinterher hinkt.

Ein langer, klagender Ton dringt aus seiner Kehle .....



Wie war es doch schön, als er noch schweben konnte, als es keinen Boden und keinen Himmel gab. Doch nun liegt er schwer auf kaltem Stein und er kann den Himmel über sich gar nicht sehen, da er auf dem bauch liegt. Alles tut ihm weh und fast bereut er schon, sein kleines, farbenfrohe, schwirrendes Gefolge verlassen zu haben.

Ächzend wendet er sich um und sieht einem unbekannten Mann in die Augen. Noch ist seine Sicht verschwommen und unklar, doch die Gestalt, die sich hinter diesem mann aufbaut, das könnte durchaus die Freifrau sein. Und das, was ihm feucht die getrockneten Tränen von den Wangen abschleckt, dass muss wohl Boto sein. Radisar fühlt sich wirklich krank und elend, aber irgendwie freut er sich 'wieder zu Hause' zu sein.

Ach, er hätte so viel zu erzählen, jedoch die Stimme versagt noch ihren Dienst. Jedes mal, wenn er zu sprechen versucht, gelingt ihm nur ein brüchiger, ächzender Laut, den wohl keine Mensch als Sprache erkennen könnte. Es kostet Radisar viel Kraft die Hand zu heben, doch es ist ihm ein dringendes Bedürfnis die Freifrau zu grüßen und da er noch nicht reden kann .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Freifrau Reckinde, Radisar und Lhyrian


Besorgt beugt sich Lhyrian, der gerade einige Worte in Richtung der Freifrau sagen wollte, wieder über seinen Patienten, als er den langen klagenden Ton aus dessen Kehle vernimmt.

Aufmerksam lauscht er dem Atem, legt dann kurz seinen Kopf auf Radisars Brust, um den Herzschlag zu hören, und richtet sich dann wieder auf, während seine Aufmerksamkeit vollkommen dem Diener gewidmet bleibt.

All die anderen Leute auf der Ehrentribüne, vielleicht mit Ausnahme der Freifrau, sind für ihn ebenso vergessen wie das Immanspiel, das da irgendwo ein Stück tiefer hinter seinem Rücken weiter läuft.



Und wieder hat Radisar den Eindruck als schwinde ihm das Gefühl für oben und unten. Mühsam dreht er seinen Kopf hin und her, bis er den Himmel und den Steinboden wieder etwas sortiert und er wieder neue Orientierung in dieser Welt gefunden hat. Langsam kann er auch wieder sein Arme und Hände bewegen, doch ist er noch zu schwach sich darauf stützen zu können.

Sein Blick wird wieder klarer und an seine Ohren dringt das Geschrei sehr vieler aufgeregter Menschen. Wie kleine, unscheinbare Pfeile eines unbekannten Schützen, flirren ihm Erinnerungsfetzen ins rotierende Bewußtsein.

"Was ist los ...? Boto ... ? Immanstadion ...? Die Freifrau ... ? Die Geflügelten ...?"

Fragen um Fragen dringen auf ihn ein, wobei sich, mit der Zeit, eine ganz bestimmte Frage in den Vordergrund zwingt: Wer ist der Mann, der sich mit sorgendem Blick über ihn beugt?

Radisar kennt das Gesicht nicht, er ist diesem Mann noch nie begegnet. Und so fragt er ihn mit krächzender Stimme, ebenso, wie er es seit jeher gewohnt war zu fragen:

"Wen darf ich bitte melden?"



Auch wenn es der Situation im Moment vollkommen unangemessen ist, so haben die mehr als ein Dutzend Jahre als Heiler in Havena, in denen Lhyrian immer wieder auch mit Vertretern der höheren und höchsten Kreise zusammengekommen ist, dazu geführt, dass sich bestimmte Verhaltensweisen herausgebildet haben. Und so antwortet er, ehe er wirklich darüber nachdenkt:

"Lhyrian von Schwanental, Heiler."

Erst einige Augenblicke später wird ihm das Groteske der Situation und dieser Antwort bewusst, und er fragt:

"Wie geht es Euch, wie fühlt Ihr Euch?"



Stöhnend hebt Radisar den Kopf und versucht sich aufzurichten, gestützt von seinen kraftlosen Armen. Das will aber noch nicht so recht funktionieren und nach ein paar vergeblichen Anläufen sinkt der Körper des kleinen, dicken Dieners wieder auf den Boden zurück. Radisar atmet tief durch und fragt mit brüchiger Stimme:

"Ein Heiler seid ihr? Ja, ist denn jemand krank?"

Radisar erschrickt. Ein schrecklicher Gedanke ist ihm ins Bewußtsein gerutscht.

"Wo ist die Freifrau Reckinde? Geht es ihr gut?"



So hat das bange Warten nun doch ein glückliches Ende gefunden. Die Freifrau ist wahrhaftig sehr erleichtert. Sie hatte sich schon die allergrößten Sorgen gemacht und wohl auch schon insgeheim befürchtet, Radisar könnte sich auf einer Reise ohne Wiederkehr befinden. Aber nun scheint alles überstanden zu sein. Frau Reckinde erklärt grinsend:

"Unser guter Radiar ist offensichtlich über dem Berg, schließlich redet er schon wieder dummes Zeug!"

Frau Reckinde reibt sich die Hände. Jetzt da die Zeit des Wartens abgelaufen ist, beginnt für sie wieder die Zeit des Handelns.

"Herr Lyhrian vom Schwanental, ist seid wahrhaftig ein Meister eueres Faches. Alleine Dank zu sagen, für das, was ihr Gutes an meinem Diener geleistet habt, kann nicht ausreichen. Ich würde euch bitten, uns noch bis zur NORDSTERN zu begleiten, für alle Fälle. Sodann dürft ihr mir euere Dienste in Rechnung stellen!"

Augenzwinkernd fügt sie noch leise an:

"Es darf ruhig das dreifache eueres üblichen Satzes sein!"

Herr Rastburger lacht auf und ergänzt die Rede der Freifrau:

"Ich würde dieses Angebot sofort annehmen, Herr Lhyrian. In einer solchen Geberlaune hat man die Freifrau nur selten gesehen und ich persönlich noch nie. Ihr dürft euch froh und glücklich schätzen!"

Dann wendet sich Herr Rastburger an die Freifrau:

"Vor dem Stadion steht meine Kutsche. Verfügt über sie nach Belieben. Ich werde sie später wieder vom Hafen abholen lassen!"

Frau Reckinde bedankt sich höflich. Auch sie will sich die spendable Laune ihres Gastgebers zu Nutze machen. Schnell hilft sie Radisar auf die Beine. Der kleine, dicke Diener kann zwar noch nicht richtig stehen und wirkt in den starken Armen der Freifrau wie eine Vogelscheuche vor dem Ortswechsel, doch Frau Reckinde gibt ihm Halt und fast könnte man meinen, Radisar könnte schon wieder auf seinen eigenen Beinen gehen.

Herr Rastburger versucht unterdessen noch ein paar Eindrücke vom Spielfeld zu gewinnen. Das Spiel ist ja durch die letzten Ereignisse schon etwas arg ins Hintertreffen geraten. Der Schiedsrichter hat die Begegnung zwischen den Bulle und den Pottwalen zwar schon beendet, aber vielleicht lässt sich doch noch herausfinden, wer das Spiel gewonnen hat.

Frau Reckinde dagegen, ist völlig egal wer das Spiel gewonnen hat. Auf jeden Fall fühlt sie sich sehr gut. Es war ein prächtiger Tag. Sie hat ein gutes Geschäft gemacht, Radisar weilt wieder unter den Lebenden und sie darf endlich aus diesem fürchterlichen Stadion hinaus. Eigentlich gehört ein solcher Tag gefeiert, mit Wein und einem guten Essen. Aber das hat Zeit. Zuerst muss sich Radisar wieder erholen, zumindest einigermaßen. So lange wird eine gute Speise schon noch warten können.



"Die Freifrau ist ganz in Euer Nähe", erwidert der Heiler leise dem Diener, doch die Hilfe, die diese ihm beim Aufstehen leistet, macht diese Antwort mehr als überflüssig.

Er hilft ihr statt weiterer Worte darum bei diesem Unterfangen, und geht erst danach auf ihre Worte ein:

"Es ist mir eine Ehre, Euch zu Eurem Schiff zu begleiten, und dort dann auch noch mal nach Eurem Diener zu sehen. Ich muss nur noch..."

Kurz hebt er den Blick, um nach Wyben Berlind Ausschau zu halten, dem alten Heiler, mit dem zusammen er das Stadion betreten hat.

Lhyrians Augen finden ihn rasch, denn auch wenn langsam alles dem Ausgang zustrebt, so ist die Ehrentribüne doch bei weitem nicht so zugestopft wie der Rest des Stadions, und die Menschen dort bewegen sich auch weit "gesetzter".

Der alte Heiler winkt kurz, was Lhyrian mit einem knappen Nicken und einem kurzen Wink erwidert. Mehr ist auch nicht nötig, sie kennen sich lange genug, um sich über solches zu verständigen.

"So, ich bin bereit", stellt er dann schlicht fest.




IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Im Reich der 'Stute'


Sanft gleitet ein Kohlestift über eine leicht dunkle Haut und hinterlässt eine nachtschwarze Spur. Wie ein Rahmen zieht sich diese Spur um ein grünes Augen, in dem es lebendig und freudig glänzt.

'Eigentlich freue ich mich auf den Tanz. Ich fühle mich immer wie... in einer anderen Welt, wenn ich mich zu Musik bewege und meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.'

Marueca betrachtet ihre Augen in einem kleinen Handspiegel.

'Schön, aber... '

Vorsichtig setzt sie wieder den Kohlestift an - diesmal am äußeren Rand ihres linken Auges und zeichnet den Strich ein bißchen weiter nach außen. Mit dem rechten Augen verfährt sie ebenso. Kritisch betrachtet sie sich wieder im Spiegel.

'Sieht ... anders aus. Aber es hat was!'

Marueca legt den Kohlestift in ein Kästchen, zieht dann aber einen Pinsel und ein Tiegelchen hervor, das sie öffnet. Sie streicht ein paar Mal über die rote 'Salbe', die sich darin befindet, und verteilt diese dann vorsichtig auf ihren Mund. Langsam zieht sie als erstes die Konturen ihres leicht geschwungenen Mundes nach, dann füllt sie den Rest aus, wobei sie darauf achtet, nicht zuviel Lippenrot auf ihre sowieso von Natur aus schönen Lippen, die sie regelmäßig mit Honig weich und zart macht, zu 'klatschen'.

Kurz drückt sie die Lippen aufeinander, dann wieder der kritische Blick in den Spiegel, worauf ein zufriedenes Lächeln von ihr folgt.

Marueca greift in ein anderes Kästchen und zieht etwas Schmuck aus Messing und blank polierter Bronze hervor: ein Oberarmreif, auf dem ineinander verschlungene Blumenranken eingraviert worden sind, ein Ensemble bestehend aus einem relativ breitem Ring und einem Armband, die mit einem Kettchen miteinander verbunden sind und zum Schluss noch ein Stirnschmuck bestehend aus einem dünnen braunen Lederband, an dem ein bronzener Anhänger, in dem wiederum ein Hämatit schimmert, hängt.

Leise summt sie bei alldem eine almadanische Weise, die sie noch aus der Zeit kennt, als sie dort gelebt hatte.


***


Yria war der kurze Disput zwischen dem Barden und dem Comte nicht entgangen, doch sie brauchte erstmal einen kurzen Moment, um zu realisieren, was sich dort im Reinigungsbecken des Rahjatempels langsam entwickelte.

Aber bevor das passierte, was sie fürchtete, war es auch schon vorbei und anstatt sich zu streiten, stellen sich die beiden Herren nun tatsächlich vor.

Leicht kopfschüttelnd geht sie zu einem Tisch, nimmt sich zwei kleine Gläser und kehrt dann zurück zu den Liegen mit dem Praioten und dem Magier.

So als wäre nichts geschehen, lächelt Yria die beiden Männer an.

"Eine exzellente Wahl, aber wir haben hier auch noch einen sehr leckeren Kirschlikör. Den müsst ihr unbedingt probieren!"

Sie stellt die beiden Gläschen auf dem Tisch vor den beiden Liegen ab und schnappt sich dann eine Flasche mit einer dunkelroten Flüssigkeit.

"Nun?" fragt sie geradezu herausfordernd.


***


Aska schaut reichlich überrascht zwischen dem Comte und Lyrian hin und her. So schnell, wie der Streit gekommen war, war er auch schon wieder verflogen. Wenn es denn überhaupt ein richtiger Streit war...

Aber was soll's! Um so besser, denkt sich die junge Geweihte und geht mit raschen Schritten aus dem Becken, um sich schnell abzutrocknen und dann zwei Tücher für die beiden Gäste bereitzuhalten.


***


Felion, der noch immer die Harfe spielt, ist es nicht entgangen, dass Marueca in die hinteren Räume verschwunden ist. Ganz leise seufzend blickt er kurz zu den beiden Trommeln hinter ihm.

'Ihren Tanz in Ehren, aber wenn er wieder so lang geht, wie beim letzten Mal, streike ich! Ich mag Trommeln doch eigentlich gar nicht! Ich muss mir dringend mal ein tulamidisches oder novadisches Saiteninstrument besorgen - wenn ich eines finde... und wenn es überhaupt so etwas gibt!'

Gedankenversunken zupft er weiter...


***


Dalena dagegen hat langsam Geschmack an 'ihrem' Rahjaanbeter gefunden. Komplimente, so süss wie Honig, fliessen von seinen Lippen in ihre Ohren. Sie massiert weiter seine starken, breiten Schultern und spürt die Muskeln darunter.

'Ein Krieger und noch dazu ein besonders reicher! Oh, wenn ich keine Geweihte wäre... dann würde ich sofort mit ihm reisen!'

Leicht weggetreten betrachtet sie ihn, hört kaum noch seine Worte oder die Musik. Sie nimmt auch schon gar nicht mehr das Treiben im Tempel wahr - so versunken ist sie in ihrem Traum von der Freiheit und dem Abenteuer!

SO versunken, dass Dalenas Wachsamkeit sie mehr und mehr im Stich lässt... denn welcher reiche Krieger trägt schon ein uraltes, schlichtes und schartiges Schwert mit sich?



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Plaudereien - Di Vespasio, Ottam, Onaskje, Lyrian


Di Vespasio folgt dem Barden aus dem Becken und läßt sich ebenfalls ein trockenes Tuch geben. Der Blick Lyrians zu Aska entgeht ihm, da er gerade seinen Stock kurz an der Wand abstellt, um beide Hände zum Abtrocknen frei zu haben.

"Ja, oh weh, der Alkohol, nein, da könnte ich Geschichten erzählen, über Menschen, die beim starken Wein, und Schlimmerem, jedes Maß verloren haben und, mit dem Maß, auch den Sinn für alle wirklichen Freuden, bis auf die plattesten."

Geziert beginnt der Adlige sich trockenzureiben, stets darauf bedacht, nicht das Puder im Gesicht zu verschmieren.

"Würdet ihr mir denn die Freude machen und mir ein wenig von der Heimat erzählen? Ich stelle euch eben seiner Gnaden und dem gelehrten Herren vor, und dann können wir ein wenig plaudern. Ich müßt wissen, ich war seit Urzeiten nicht mehr in der Nähe Vinsalts und brenne auf Neuigkeiten."



"Heimat?!"

Allein Lyrians Tonfall bei diesem Wort ist schon anzumerken, wie sehr 'Heimat' das Horasreich für ihn war. Zwar hatte es ihm dort durchaus gefallen, ja, er hat sich oft sogar sehr wohl gefühlt und hatte manches Mal mit dem Gedanken gespielt, für den Rest seines Lebens als Musiklehrer im Hause Shumir zu lehren.

Aber...

"Tja, als Heimat würde ich das Horasreich nicht bezeichnen. Ich habe dort nicht allzu lang gelebt. Andererseits ist es ein sehr reizvolles Land... "

'Manches ist dort nur etwas zu reizend!'

"... ganz besonders die Baronie Shumir. Oh, allein dieser köstliche Wein aus Shumir! Ach, und die Feste!"

Lyrians Stimme bekommt mehr und mehr einen schwärmerischen Klang, während er redet und dabei auf die Ecke mit den beiden bereits besetzten Liegen und noch ein paar freien zusteuert.

"Der Baron wusste zu feiern! Selbst mancher mittelreichische Graf oder gar Fürst kann da nicht mithalten und seid versichert: ich war schon auf vielen Bällen und Feiern! Egal, ob im Mittelreich, in Aranien, im Horasreich oder sogar im Bornland! Nirgends waren sie prunkvoller und sorgloser als in Shumir!"



"Ach ja, der Wein. Wenn ich nur an den köstlichen Shadirer Goldbrunn denke. Kein Wunder, das der Baron so schöne Feste feiern kann, zumal man ihn ja verdächtigen muß, die Besten der Besten für seinen eigenen Keller zurückzuhalten. Nicht daß man ihn dafür tadeln könnte."

Inzwischen hat di Vespasio auch seinen Stock wieder aufgenommen und geht mit dem Barden zu den Liegen. Dort angekommen bleibt er jedoch erst noch stehen und spricht leiser weiter mit Lyrian, während er wartet, daß die Tempelvorsteherin ihm Zeit gibt, seinen neu gefundenen Begleiter vorzustellen.

"Aber ihr sagtet, Shumir sei euch keine Heimat? Woran hängt denn dann euer Herz? .. Oder ist es so flüchtig wie ein Schmetterling, daß es sich nur dann und wann, von Shumir bis zum Bornlande, niederläßt?"

'Das ist ein hübsches Wortspiel. Mußt du dir wirklich merken. Oder ist es aus einem Gedicht? Aber woher?'



Der Schiffsmagus blickt Yria mit einem sehr freundlichen Lächeln an und erwidert,

"Nur zu gerne, von euch angeboten würde sicher selbst Wasser wie Wein munden, wie verlockend ist da erst die Vorstellung des lieblichen Likörs"



Gemeinsam mit Ottam hat Wulff beobachtet, wie der Comte sammt Begleiter das Bad verlassen haben um danach auf sie zuzusteuern. Allerdings titt gerade auch Yria näher und bietet einen Likör an. Wulff nickt kurz dem Magus zu, um dann Yria anzulächeln.

"Gewöhnlich liegt mir der süße Likör nicht, dennoch werde ich ihn einmal versuchen, ein Angebot von Euch kann ja nur reizvoll sein."

Kurz blickt er zu den anderen Gästen und den beiden hinzutretenden hinüber.

"Ich bin doch ein klein wenig überrascht, welch hohen Zuspruch der Tempel um diese Zeit erfährt, zumal doch gerade ein Immanspiel gespielt wird bei dem Jung und Alt der Stadt zugegen sind. Wie ich auf den Straßen hörte. Aber andererseits ist es ja immer sehr erfreulich, viele Gläubige um sich oder besser im Tempel des Gottes, hm, der Göttin versammelt zu sehen, nicht war?"

'Meine Glaubensbrüder in den tiefer liegenden Landen haben mir da manchmal ganz was anderes erzählt über den Zustrom für die Gottesverehrung...'



Yria merkt man an, dass ihr das Kompliment des Magus sichtlich gefällt. Lächelnd füllt sie ihm ein Glas ein und reicht es Ottam.

Dann wendet sie sich dem Praiosgeweihten zu. "Nun, probiert ihn ruhig. Als süß würde ich den Likör nicht unbedingt bezeichnen, denn er wurde aus Sauerkirschen hergestellt. Er hat einen ganz interessanten Geschmack. Irgendwie... "

Yria bewegt die Hand ein wenig kreisend in der Luft, sucht nach dem richtigen Wort...

"Ach, trinkt einfach!" fährt sie weiter fort, giesst auch dem Geweihten neckisch zulächelnd ein Gläschen ein und bemerkt dann die beiden weiteren Gäste hinter sich.

"Oh, nehmt ruhig Platz," sagt sie zu dem Comte und dem Barden gewand und deutet auf zwei freie Liegen.

"Möchtet ihr ebenfalls einen Schluck von diesem köstlichen Kirschlikör?"


***


Aska wiederum sieht, dass der Barde bei dem anderen Gast wohl vorerst gut aufgehoben ist und sie möchte sich auch nicht in das Gespräch der beiden einmischen.

Statt dessen wendet sie sich der Dame in der anderen Ecke zu. Diese ist zur Zeit allein und Aska weiss, wie gerne die Frau mit jemanden redet, der geduldig zuhört.



"Oh, danke!" antwortet Lyrian der Geweihten rasch, wendet sich dann aber wieder Frizzi zu.

"Hmm, vielleicht nicht ganz," antwortet Lyrian, "man könnte das, was ich oft für manche Städte und Landschaften empfinde wohl eher als eine Art... temporäre Heimat bezeichnen. Ich glaube, das ist eine passende Bezeichnung."

Lyrian spricht etwas gedämpfter, damit die Rahjani nicht bei der Unterhaltung mit den beiden anderen Herren und beim Ausschenken des Liköres gestört wird.

"Ich bin zwar unstet, aber andererseits bin ich auch ein geselliger Mensch, der überall gerne Menschen um sich hat und sich rasch mit ihnen anfreundet. Dann kommt schon oft ein Gefühl auf, als wenn mein Herz sagen möchte, dass ich bleiben soll. Aber dann wiederum siegt die Neugier und die Flatterhaftigkeit über mein Herz und oft genug auch über meinen Verstand und ich suche mir einen weitere 'Heimat'."

Lyrian ist selbst fast ein wenig überrascht, wie viel er wieder redet. Noch vor wenigen Stunden stand er am Kai des Hafens von Havena und blickte einem Sarg nach, und jetzt steht er hier, nackt wie Tsa ihn schuf, redet über Heimat und trinkt gleich auch noch einen Likör!



"Für mich bitte auch." wirft di Vespasio kurz ein, dann lauscht er wieder auf Lyrians Erzählungen, während er darauf wartet, daß die Geweihte ihm das Glas reicht.

Er hebt den Kristallkelch etwas in die Höhe und läßt es ein wenig in dem kleinen Glas herum schwenken. Beim Betrachten der glutroten Flüssigkeit steig eine sehr feurige Erinnerung an einen anderen Likör in ihm empor, den er erst vor wenigen Tagen genießen konnte, auch wenn das Vergnügen eher von zweifelhafter Natur war. Doch darf man in einen Rahjatempel wohl kaum derartiges erwarten, selbst wenn es sehr rot ist.

"Dann will ich mein Glas erheben, natürlich auf den Liebreiz Rahjas, und auf die temporäre Heimat, wo auch immer sie liegt, ... in der Weisheit der Bücher ..."

Hier stockt der Adlige und blickt etwas unsicher in die Runde.



Lyrian betrachtet kurz das blutrote Getränk in seinem Glas, doch dann erhebt er es ein wenig und prostet allen zu.

"Auf Rahja, die Schönheit der Geweihten hier, Bücher, Musik und auf dass der Kirschlikör uns nicht zu sehr zu Kopf steigen werde!" sagt er lächelnd und führt dann das Glas zu seinen Lippen.

'Ich hoffe, der Comte stellt mich gleich seinen Begleitern vor. Einfach vorzupreschen und mich ihnen mit meinem Namen aufzudrängen erscheint mir doch etwas zu impertinent."



"Ja, auf die Holde Schönheit!" ergänzt Wulff, auch er erhebt ein kleines Likörgläschen, und entleert es dann in einem Zug.

'Nicht gerade schlecht, aber der Wein ist doch eher mein Fall...'

Dann wendet er sich direkt an Frizzi.

"Nun, Comte, wen habt Ihr da denn hergeleitet, einen weitgereisten Sangesmann will mir scheinen?"

Mit einem freundlichen Grinsen im Gesicht nickt Wulff dem Spielmann zu, und fährt mit süffisantem Lächeln ('das wäre ja fast was gewesen, vorhin im Becken') fort:

"Ihr..."

'...könnt Euch wohl wirklich in kürzester Zeit aus Opfern neue Freunde machen.'

Wulff zögert kurz und deutet dann auf zwei der drei leeren Liegen in unmittelbarer Nähe.

"...solltet Euch vielleicht diese Liegen wählen, mir scheint, sie eignen sich recht gut, um den gesammten Raum im Blick haben zu können. Vielleicht haben wir Glück und können noch einer Vorführung beiwohnen, in den Tempeln der holden Göttin wird viel und gerne getanzt."



Auch der Adlige führt das Glas mit der Linken an die Lippen und nippt kurz, kaum genug um den fruchtigen, schmackhaften Kirschlikör wirklich zu schmecken, bevor auf Wulff eingeht.

"Oh, ja, ein Tanz, das wäre schön."

Di Vespasios Blick gleitet kurz durch den Raum, den er bisher nicht wirklich hat würdigen können. Doch auch jetzt wartet noch eine versprochene Pflicht auf ihn.

"Aber vorher, Euere Gnaden, wohlgelehrter Herr, darf ich noch die Ehre beanspruchen, den Barden Lyrian Nachtigall vorstellen."

Sein Blick geht kurz über die beiden Geweihten und zum Magus, bevor er sich freundlich lächelnd mit einer leicht deutenden Handbewegung wieder dem neu Hinzugekommenen zuwendet.

"Wie wir festgestellt haben, war er Hauslehrer bei einem guten Freund, Baron Shumir. Er ist jetzt auf dem Weg in den Norden und hat versprochen mir einige Neuigkeiten aus meiner Heimat zu erzählen. Und dies sind Magus Ottam Trosson, Seine Gnaden Wulff Onaskje und Ihre Gnaden Yria, die Vorsteherin dieses Tempels."

Eine vorzüglich und nahezu perfekte Vorstellung, vielleicht mit dem kleinen Fehler, daß die Beteiligten fast nackt sind.



Lyrian Nachtigall leistet eine nahezu formvollendete und gegenüber den anderen drei Personen standesgemäße Verbeugung ab - aber auch nur nahezu, denn die Nacktheit ist bei dieser Geste schon ein wenig seltsam.

Doch dann stockt Lyrian.

"Oh nein, ich bin nicht auf den Weg in den Norden," korrigiert er Frizzi.

'Wann habe ich so etwas erwähnt? Wahrscheinlich glaubt er das, weil ich zuletzt beim Baron verweilt habe und eigentlich wären wir ja auch weiter nach Norden gereist, wenn... '

Lyrians Miene verfinstert sich leicht.

"Ich bin eigentlich schon wieder auf dem Weg in den Süden. Genauer gesagt suche ich hier in Havena ein Schiff, mit dem ich weiterreisen kann."

Mit diesen Worten nimmt er auf einer der ihm dargebotenen Liegen Platz.



Auch di Vespasio besetzt eine der Liegen, balanciert dabei vorsichtig sein Glas, während er den Stock an das Kopfteil der Liege lehnt.

'Nicht nach Norden? Aber wie ... ? Sagte er nicht er war beim Baron in Dienst? Wieso will er dann in den Süden?'

Den Adligen drängen zwar einige Fragen, aber noch will er erst den gerade Vorgestellten Gelegenheit geben, einige höfliche Floskeln auszutauschen.



"Nun, auf jeden fall freue ich mich, Eure Bekanntschaft zu machen, und zusammen mit Euch die Genüsse dieses Tempels zu erforschen."

'Ein Schiff nach Süden sucht er? So viele fahren derzeit gar nicht, soweit ich weiß.'

"Und wer weiß, vielleicht haben wir ja das Vergnügen Eurer Bekanntschaft über diese Stunden hinaus, denn auch wir reisen derzeit nach Süden. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß wir uns noch einmal sehen werden. Und vielleicht werdet dann sogar Ihr es sein, dessen Kunstfertigkeit wir lauschen werden, in einem Gasthause, auf einem Festplatze oder gar in einem Fürstenhofe. Äh, sagtet Ihr bereits, zu welchem Ort Ihr reisen wollt?"

'Hatte er nicht gerade so etwas...'

Und noch ein wenig weiter schweifen Wulffs Gedanken.

'Ob es noch mehr dieser hübschen Tempeldienerinnen gibt?'



Lyrian macht es sich auf der Liege bequem, stellt das leere Likörgläschen auf einem Tisch ab, schüttelt kurz ein Kissen zurecht und 'knautscht' es dann so, dass er sich darauf mit seinen Armen abstützen kann.

"Erstmal nur runter in den warmen Süden. Ich werde wohl sowieso in mehreren Etappen reisen müssen, da ich nach Anchopal muss und es gibt wenige Schiffe, die eine so lange Fahrt von Havena nach Khunchom machen."

'Gibt es überhaupt irgendwelche, die so einen langen, gefahrvollen Weg nehmen würden? Wenn ja... vielleicht wäre ich auf einem Kahn, der sowieso zum Untergehen verurteilt ist, besser aufgehoben!'

Lyrian betrachtet gedankenverloren, wie seine langen, schlanken Finger mit einem Troddel an dem Kissen spielen.

"Aber ich bezweifle, dass ich noch irgendwo musizieren werde," sagt er mehr zu sich selbst.

'Eigentlich verrückt... aber ich mag nicht mehr!'

"äh," schnell versucht er wieder das Thema zu wechseln, "wie reist ihr nach Süden? Per Schiff oder per Kutsche?"



Yria verfolgt das Gespräch zwischen den Herren stillschweigend. Aber in Gedanken ist sie nicht ganz bei der Sache. Stattdessen fragt sie sich, wo Marueca bleibt, die doch eigentlich schon soweit sein müsste.

'Vielleicht liegt es am Kleid. Bis sie da alles so sitzen hat, wie es sein soll, mag sicher einiges an Zeit vergehen. Sie wird sicher gleich kommen und mit dem Tanz beginnen.'

Sie nimmt auf einer der Liegen Platz und sieht sich im Tempelraum um. Alle scheinen soweit 'versorgt' zu sein und um die vier Herren wird sie sich kümmern. Aber diese sind im Moment ja sowieso in ein Gespräch verwickelt und dabei möchte sie nicht stören.

Dennoch haßt sie es, wenn sie untätig dasitzt und so nimmt sie sich eine Karaffe mit einem Rosé, ein paar entsprechende Gläser dazu und nähert sich wieder dem Grüppchen.

Ohne ein Wort zu sagen, damit sie nicht stört, gießt sie ein Glas von dem Wein ein und blickt als erstes fragend zu Wulff, dann zu dem Rest der Gruppe, so als wenn sie stumm fragen möchte, ob jemand etwas davon trinken möchte.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Gespräche im Reich der 'Stute' - Ottam und Lyrian


Ohne zeitdruck nimmt Ottam den Duft des Likos auf.

'Ja das scheint mir ein wahrlich gutes Tropfchen zu sein' denkt er sich und leert den edlen Trunk wie die Anderen bereits zuvor in einem Zug.

Dann blickt er zunächst wieder zu Yria denn es ist ihm nicht entgangen, dass sein Kompliment die beabsichtigte Wirkung gezeigt hat, weswegen er ihr ein wohliges Lächeln entgegen bringt.

Die Rahjani scheint jedoch gerade über etwas nachzudenken, so das der Magus seine Aufmerksamkeit dem neu hinzugekommenen Gast widmet. Dieser redet von der Suche nach einem Schiff in den Süden und da kann er nicht anders, sein Geschäftsinteresse bricht durch und er spricht den Barden an.

"Wenn ihr ein Schiff in den Süden sucht, so habt ihr Glück, wir alle sind mit eben so einem Schiff hier in Havena vor Anker. Die NORDSTERN, deren Schiffsmagus ich bin, fährt soweit in den Süden wie es eben geht, bis nach Brabak, um genau zu sein."



"Brabak?!"

Lyrian zieht eine Augenbraue leicht hoch, denn das, was er bisher immer über diese Stadt im speziellen und dem tiefen Süden im allgemeinen gehört hatte, war nie sonderlich schmeichelhaft.

'Mukhadin sagte immer, Brabak und Al'Anfa wären voller Analphabeten und Barbaren, die sich besonders am Tod anderer ergötzen. Menschliche Hunde hatte er sie genannt und dann noch hinzugefügt, dass das sogar eine Beleidigung für Hunde wäre!'

"Bis nach Brabak... das erscheint mir vorerst weit genug. Unterwegs lässt sich sicherlich ein Schiff finden, dass einen der tulamidischen Häfen ansteuert."

'Und warum eigentlich nicht mal Brabak? Ich war dort noch nie.'

Lyrian nimmt ein Glas Wein, den Yria anbietet, mit einem leisen "Danke" an. Ohne genau auf das zu achten, was er gerade macht, riecht er kurz an dem Wein und schwenkt ihn dann vor dem Licht einer kleinen Kerze. Dann erst nimmt er einen Schluck und lässt diesen einen gewissen Moment in seinem Mund verweilen, damit sich der Geschmack des Weines auch gut entfaltet.

'Unterwegs hätte ich sehr viel Zeit. Zeit, um mein Buch zu Ende zu lesen und um vielleicht ein wenig zu zeichnen, wenn es mir denn gelingt. Hmmmmm, etwas guter Käse zu dem Wein wäre jetzt nicht übel.'

Keine Frage - der Wein schmeckt gut, wenn auch fast ein wenig zu trocken für Lyrian und so schluckt er ihn hinab, um gleich darauf einen weiteren Schluck zu nehmen, den er aber nun 'normal' trinkt.

"Tja, warum nicht. Wenn noch Platz auf eurem Schiff ist, dann würde ich gerne eine Passage buchen."

Doch da gibt es noch etwas, das Lyrian neugierig gemacht hat.

"Ihr sagt, ihr seid der Schiffsmagus. Was genau macht eigentlich ein Schiffsmagus?"

In seinen Gedanken sieht Lyrian Ottam an der Reling stehen und einen Feuerball nach dem anderen auf riesige Seeschlangen 'schießen'...

und er nimmt wieder einen Schluck, wenn auch nun einen etwas größeren.



An Lyrian gewendet antwortet der Magus

"Ja Brabak, von dort aus sind weitere Schiffsverbindungen nach Osten bzw. Nord Osten häufig zu bekommen."

Dann fähert er fort:

"Als wir das Schiff verließen waren noch einige Plätze frei, da Havena das Ziel mehrerer Gäste war, ich denke das sicher noch ein Platz für euch frei ist. 100%ig kann dies nur der momentan auf der Brücke befindliche Offizier sagen. Aber wenn ihr mögt könnt ihr uns ja nachher auf dem Rückweg begleiten"

Die Antwort auf Lyrians zweite Frage ist schon etwas komplexer.

"Nun, Als Schiffsmagus ist man vieles in einer Person. Man ist der Gelehrte, der Heiler, Mitglied der Schiffsführung und vieles mehr. Magie spielt dabei gar nicht so oft eine Rolle, aber wenn, dann meist eine entscheidende, sei es im dichtesten Nebel die Suche nach versteckten Hindernissen, die Heilung von Matrosen die sich bei der schweren Arbeit verletzt haben oder auch bei der Abwehr von Seeräubern, letztere sind, den Zwölfen zum Dank, nicht so häufig, wie sie in den Geschichten der Seemänner auftauchen, dennoch sind sie eine reale Bedrohung für jedes Schiff."



Lyrian nickt, als Ottam ihm vorschlägt, sie später zum Schiff zu begleiten. Dafür aber zerstört der Magus unwissentlich ein paar Vorstellungen die Lyrian von Magie und ihrem Einsatz im alltäglichen Leben hat.

"Aha...," kommt es nachdenklich langsam über seine Lippen, "Heilen und so. Hmmm... "

'Ich weiß so wenig über Magie und das, was ich weiß, kenne ich nur aus tulamidischen Geschichten.'

Der Barde trinkt den Rest aus seinem Glas aus und während er weiter redet, greift er nebenbei zu einer Karaffe, um sich noch einmal Rotwein einzuschenken.

"Aber ihr habt doch sicherlich nicht nur solche Sachen wie Heilen und so erlernt. Ich kenne mich mit der Materie nicht so gut aus, aber... ihr setzt doch sicherlich auch Dschinne bei euerer Arbeit ein, oder?"

Kaum, dass der Satz zünde gesprochen wurde, trinkt Lyrian auch schon wieder einen guten Schluck des edlen Tropfens, der sich in seinem Kelch befindet.

'Oh, der ist besser! Die Karaffe sollte ich mir merken!'



'Worauf will er hinaus' denk sich Ottam, der zugleich ein wenig von den Geschehnissen um ihn herum abgelenkt wird.

"Nun ein Dschinn ist ein mächtiges und nicht zu unterschätzendes Wesen. Es wäre Frevel es für alltägliches einzusetzen, selbst ein Flaute rechtfertigt dies erst bei absoluter Ausichtslosigkeit und zur Neige gehenden Vorräten. Ein Umstand der auf der NORDSTERN kaum eintreten dürfte."

Nach einer kurzen Pause fährt er fort.

"Die Magie kennt viele Sparten und auf meinen Reisen habe ich viel Gelegenheit sie zu studieren, Wisst ihr die Spektakulären Zauber, wie Feuerbälle oder eisige Kälte sind effektive Waffen, doch wahrhaft mächtige Zauber sind diejenige die und Wissen schenken. Wissen kann viel mehr bewegen als manch einer glaubt"

Während der Magus seinen Blick auf den Barden richtet, nimmt er noch einen Schluck von Wein, der ihm vorzüglich mundet.

'Ich muss mich wundern, dass ein Mann wie er einer zu sein scheint in Sachen Magie die Effekthascherei zu bevorzugen scheint.' denkt er sich.



"Ja, natürlich," antwortet Lyrian leicht enttäuscht dem Schiffsmagus und nimmt noch einen Schluck von dem köstlichen Wein.

'Puh, ist mir warm!'

Ein wenig nachdenklich blickt er in sein Weinglas.

"Versteht mich nicht falsch! Ich finde es sogar sehr löblich, dass ihr euch in erster Linie auf euer Wissen stützt, um den Menschen auf dem Schiff zu helfen. Aber ich bin nun mal sehr an Magie und all das, was damit zusammenhängt, interessiert."

Lyrian schwenkt den Wein im Kelch ein wenig, bis sich kleine Wellen bilden. Wie ein rotes, leicht aufgewühltes Meer wirkt das Getränk nun und würde der Barde sich nicht gerade im Gespräch mit dem Schiffsmagus befinden, sondern noch mehr trinken, dann würde es sicher auch nicht lang dauern, bis er dort ein kleines Schiff sehen würde...

"Wisst ihr, meine Mutter war eine Halbelfe. Ich habe aber die Gabe, Magie zu wirken, nicht geerbt. Leider."

Mit einem weiteren Schluck nähert sich der Kelch weiter seiner Inhaltslosigkeit.



"Das ist sehr schade, doch habt ihr die Möglichkeit euch im theoretischen Bereich der Magie zu beschäftigen, was interessiert euch den am tiefgreifensten an der Magie?" antwortet der Magus auf die Worte seines Gesprächspartners.

Dann erkennt er die hübsche Geweihte, die den großen Raum betritt und er kann nicht anders als ihr äußerst anerkennende Blicke und ein herzliches Lächeln voller Vorfreude zuzuwerfen.



"Theorie... "

Man hört schon aus dem einen Wort heraus, wieviel Lyrian an der theoretischen Magie liegt, doch bevor er noch mehr sagen kann, wird seine Aufmerksamkeit vom Magus abgelenkt und er betrachtet die schöne Rahjani, die in den Raum gekommen ist. Auch der Wein in seinem Kelch beruhigt sich langsam wieder.

'Hmm, wirklich sehr schön. Sieht nur etwas nervös aus.'

Dennoch hat Lyrian seine guten Manieren (noch) nicht verloren und so wendet er sich, wenn auch leicht abgelenkt durch die Geweihte, wieder Ottam zu.

Nebenbei hört er noch, wie der Halbelf beginnt auf zwei Trommeln einen Rhythmus zu spielen, und aus den Augenwinkeln sieht der Barde, wie die Geweihte Position einzunehmen scheint, indem sie, passend zu den Trommeln, kurz zwei Zimbeln, die sie an den Fingern trägt, erklingen lässt und die Arme in weichen, langsamen Bewegungen graziös erhebt.

"Ich hatte mich schon ein paar Male an einer autodidaktischen Lehre versucht, aber die Bibliotheken der Akademien blieben mir, als einfacher Bürger und Laie, leider oft verwehrt."

Noch einen letzten Schluck nimmt er aus dem Weinkelch, wobei sich das Wärmegefühl wieder etwas verstärkt und seine Wangen anfangen etwas rötlicher als zuvor zu schimmern. Sein Blick geht unwillkürlich zu der Tänzerin und er sieht, wie sie ihre Hüften unendlich langsam kreisen lässt, die Augen dazu geschlossen, als wenn sie einer inneren Musik lauschen würde und auch den restlichen Körper in zeitlupenartigen Bewegungen tanzen lässt.

Ohne seine Augen von ihr zu nehmen, greift er zu einer Karaffe, die in seiner Nähe steht und von der er ausgeht, dass aus dieser der köstliche Wein von eben stammt. Ein weiteres Mal gießt er sich etwas ein, ohne zu bemerken, dass das Getränk nun eine bräunlich-goldene Flüssigkeit ist.

Nur kurz blickt er wieder zurück zu Ottam, doch ihre an Geschwindigkeit langsam, aber stetig zunehmenden Tanzschritte und -bewegungen, fesseln ihn mehr und mehr.

"Ich denke, letztlich fehlt mir auch wohl das gesamte Verständnis für die Vorgänge. Ich bin wohl eher für die Musik und all die anderen schönen Dinge des Lebens geboren."

Passend zu seinen Worten, hebt er das gefüllte Weinglas hoch und betrachtet wie durch eine goldene, verzerrte Scheibe die tanzende Geweihte. Die Nervosität scheint offenbar ganz und gar von ihr abgefallen zu sein. Einen sinnlichen Blick hatte sie ihm, Lyrian, eben kurz zugeworfen.

Ihr zulächelnd senkt er das Glas in Mundhöhe, nimmt einen ordentlichen Schluck und stellt dabei unangenehm fest, dass solch eine Menge Weinbrand auf einmal, nicht unbedingt zu den angenehmsten Dingen gehören, die einem durch Hals und die Brust hinunter in den Magen laufen können.



Interessiert hört Ottam den Ausführungen Lyrians zu, dennoch fällt sein Blick immer wieder in Richtung der Tänzerin, bis er sein Sitzposition schließlich so verändert, dass er sowohl sie relativ leicht betrachten kann, jedoch dabei nicht unhöflich den Blick von seinem Gesprächspartner abwenden muss.

"Nun, da sprecht ihr in der Tat ein Problem an, jedoch gibt es ein Gebiet der Magie, welches ich selbst als eines meiner großen Forschungsziele betrachte, in dem man, auch ohne die Möglichkeit eigene Zauber zu wirken, viel erreichen kann. Es handelt sich dabei um die Erforschung magischer Pflanzen. Wisst ihr, solch lange Reisen wie die der NORDSTERN bieten sich geradezu an Pflanzen zu studieren, die in der Heimat nicht oder nur schwerlich zu kultivieren sind."



Lyrian hält zwar mit seiner rechten Hand immer noch sein Weinglas, mit der Linken krallt er sich allerdings krampfhaft in sein Kissen fest. Tief holt er Luft, dann geht es wieder etwas, auch wenn ein ungutes Gefühl in der Magengegend zurückbleibt.

'So was trinke ich zu selten. Puh, und gegessen hatte ich heute eigentlich auch noch gar nichts recht.'

Langsam entspannt sich der Barde etwas und stellt vorsichtig das filigrane Glas auf den Tisch ab. Zudem schenkt er wieder den Menschen um sich herum seine Aufmerksamkeit. Die schöne Tänzerin, die gerade die Zimbeln im Tanz rasch ablegte, auf ein Kissen schmiß und sich nun ein paar Mal schnell drehte, wobei sie ihre Weste geübt auszog...

Ach, und da sind ja noch die drei Herren, von diesem Schiff... wie auch immer das hieß...

Sich mit der Hand kurz etwas Luft zuwedelnd dreht sich der Barde wieder zu dem Magus. Die Röte auf seinen Wangen hat scheinbar noch etwas weiter zugenommen und ein leicht weinseliges Lächeln ziert sein Gesicht.

"Ganz schön warm hier drin!"



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Lampenfieber und anderes


Grüne Augen verfolgen die Linien des Holzbodens bis sie wieder an ein Paar nackter Füsse ankommen. Tief in sich lauscht Marueca und sucht nach etwas, was sie scheinbar verloren hat. Leidenschaft und mehr... all das hatte sie gefühlt, als sie diesen Tanz zum ersten Mal probiert hatte, nahm gar nicht mehr das wahr, was um sie herum geschah und folgte nur noch der inneren Stimme.

'Ist das mein Problem? Ich höre nicht mehr auf diese innere Melodie, wenn ich tanze. Ich höre nur noch auf das, was durch mein Ohr dringt und mühe mich ab, damit ich auch jeden Schritt richtig mache. Aber ich finde bei alledem diese Melodie nicht mehr wieder.'

Wieder schweift ihr Blick auf dem Boden entlang.

'Mama würde mich schelten... Sie war immer so stolz auf mich und mein 'Talent'. Aber wo ist es jetzt, dieses Talent?'

Marueca denkt zurück an eine Zeit, bevor sie Geweihte wurde. Sanfte Hügel kommen ihr in den Sinn, ein breiter Fluss, in dem abends der Mond sich spiegelt, ein Lagerfeuer, fröhliche, zwanglose Menschen...

Langsam beginnt sie die Hüften ein wenig zu bewegen, so als wenn sie noch nicht so sicher wäre, ob es richtig ist. Ein leiser, vorsichtiger Klatscher in der Hand, ein zaghaftes Aufstampfen mit dem Fuss...

'Das war das erste Mal, wo ich den Sinn und die Bedeutung des Tanzes wirklich verstanden hatte.'

Ein paar schnellere Klatscher, ein paar schnelle Schritte...

'Ich war damals vollkommen in mein Element und hatte mich um nichts mehr gekümmert.'

... schneller und schneller ...

'So wie jetzt... '

Marueca lässt sich auf ihr Bett fallen, wobei ihr Schmuckkästchen nach unten purzelt und den restlichen Inhalt auf den Boden verteilt.

'Aber: schaffe ich es auch vor Publikum?'



Nackte Füsse tapsen leise über einen Gang hin zu einer Tür, die lediglich mit einem roten Vorhang 'geschlossen' ist. Einen kurzen Moment verharrt Marueca neben dem Eingang zum grossen Tempelraum und lauscht den Geräuschen. Dann aber wagt sie mehr und schiebt den Vorhang nur ganz leicht zur Seite, damit sie wenigstens etwas vom Tempelraum sieht.

'Die drei Männer, ein weiterer Mann, dann dieser Abenteurer oder was auch immer er ist und die Frau Ehrenbrecht aus der Nachbarschaft... Das reicht mir auch an Publikum!'

Vorsichtig schließt sie den Vorhang so, damit es niemand bemerkt. Dabei fällt ihr ein Schleier, der noch zuvor an ihrem Kleid hing, hinab. Rasch hebt sie ihn auf und befestigt ihn wieder an der Stelle, wo er zuvor hing.

'Soll ich es wagen? Was, wenn mich alle anstarren? Oder wenn jemand darüber lacht? Oder... wenn niemand zusieht und mich nicht beachtet? Eigentlich ist diese Ignoranz noch schlimmer als Anstarren.'



Marueca steht noch einen Moment hinter dem Vorhang da, atmet tief ein und aus. Sie spürt, wie ihr gesamter Körper vor Aufregung kribbelt. Ein kalter Schauer nach dem anderen läuft geradezu genüßlich ausgiebig ihren Rücken hinab und hinterlässt einen Gänsehaut.

Doch dann kommt wieder Bewegung in die Geweihte und sie öffnet den Vorhang endgültig. Fast wie in Trance geht sie in den großen Tempelraum hinein. Ihre Augen sind starr auf Felion gerichtet, der noch sein Lied auf der Harfe spielt.

Doch auch er hat sie gesehen und beendet mit wenigen Griffen passend das Lied. Rasch, aber nicht übereilt, steht er auf und holt aus seiner Ecke zwei tulamidische Trommeln hervor.

'Mach kein Fehler, Junge! Du müsstest den Rhythmus noch kennen!'

Marueca sieht fast so aus, wie sich wohl so mancher Mittelreicher oder sonst wer aus den nördlichen Ländern eine tulamidische, novadische oder aranische Prinzessin vorstellt: ein knappes, bauchfreies Oberteil aus rotem Stoff, darüber eine kurze Weste aus dunkelrotem Stoff, eine Art Rock aus Unmengen von einzelnen mehr oder weniger durchsichtigen Schleiern, der aber nichts von ihrem Körper preisgibt. Dazu noch noch Schmuck bestehend aus einem dünnem Lederband mit einem kleinen, Bronzeanhänger, in dem wiederum ein Hämatit im zarten Licht des Tempels glänzt, ein Messingarmband, das mit einem Fingerring aus dem selben Material verbunden ist und ein Oberarmreif aus polierter Bronze. Ihr rotbraunes Haar hat sie sorgfältig gebürstet, so dass es nun wie alanfanische Seide glänzt und, bis auf ein paar einzelne, kleine Flechtzöpfchen, trägt sie es offen.

Ihre grünen Augen suchen nervös die Gesichter der Besucher im Tempel ab.

Ist da vielleicht Spott zu sehen?

Unsicher denkt sie an ihre Hüften, die sie eigentlich viel zu breit findet, ebenso wie ihren Po. Und ihre Oberschenkel!

'Ich will hier raus!'

Aber sie kann nicht. Sie hat sich dazu entschlossen, in den grossen Tempelraum zu treten und zu tanzen. Wie würde das bloß aussehen, wenn sie nun einen Rückzieher machen würde?


***


Yria wiederum sieht doch etwas überrascht aus, als Marueca so urplötzlich in den Raum kommt. Sie bemerkt, dass die Rahjani noch etwas steif und unsicher dasteht und so nickt sie ihr aufmunternd zu.

'Nur zu! Du kannst es! Da bin ich mir sicher.'


***


Felion dagegen macht es sich mit den Trommeln auf ein großes Kissen gemütlich. Er kennt noch genau den Rhythmus, zu dem Marueca damals getanzt hatte.

Nur noch auf ein kleines Zeichen von ihr wartend sitzt er da und lächelt sie freundlich an.


***


Auch Dalena wird aus ihren Tagträumen von Reisen und Abenteuer gerissen. Den Tanz, den Marueca damals aus Fasar oder was auch immer das für eine Stadt war, hatte sie bisher noch nicht gesehen.

Der Abenteurer bei ihr richtet nun ebenso seinen Blick auf die noch unsichere Geweihte, geniesst aber dennoch die noch immer andauernde Massage von Dalena. Kann es vielleicht sein, dass er doch nicht die 'richtige' Geweihte erwischt hat?

'Die Kleine hier scheint sich zwar leicht zu beeinflussen, aber die andere in diesem Kostüm hat doch zwei ganz gut ausgeprägte Vorteile... '


***


"Ja, das habe ich auch schon gehört. Schon schlimm, wenn man nicht mehr sich... "

Aska wird im Plausch mit der Dame aus der Nachbarschaft jäh herausgerissen, als sie Marueca sieht.

'Bei Rahja! Sie sieht wirklich schön aus!'



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Gespräche im Reich der 'Stute' - Onaskje und Di Vespasio


'Hej, das war dein Gesprächspartner. Na warte, gut, dann wirst du eben ihn auch ignorieren.'

So wendet sich di Vespasio dem Praiosgeweihten zu und stellt ihm eine Frage, die ihn schon länger beschäftigt hatte.

"Da wir ja gerade über Reiseziele sprechen, wohin wollte euer Gnaden eigentlich reisen? Auch bis Brabak?"



Mit interesse hört sich Onaskje das Gespräch des Barden an, schließlich scheint es möglich, daß er in Zukunft noch mehr mit ihm zu tun haben könnte. Aber nun ist wieder volle Aufmerksamkeit gefragt.

"Ja, es ist tatsächlich so, daß auch ich bis nach Brabak reisen werde. Den Süden kenne ich zwar schon ein wenig aus früheren Reisen, die Stadt Brabak jedoch noch nicht sonderlich gut. Ich war erst einmal da..."

'Aber das war wirklich eine - interessante Erfahrung.'

"...aber so viel sollte sich wohl nicht verändert haben, seit meinem Besuch vor drei Götterläufen. Ihr wißt nicht etwa zufällig, ob der Präfekt Jascan von Pelis noch der Kommandant der Stadtgarde ist?"

Das freundliche Lächeln auf Wulffs Gesicht läßt in keinster Weise darauf schließen, daß Wulff mit von Pelis seine Schwierigkeiten hatte - korrupt und selbstherrlich wie der Kerl war. Und dummerweise waren beide an einer vorübergehend in der Stadt weilenden jungen Frau interessiert. Das zumindest Wulff nur recht oberflächlich an der Dame engagiert hatte den Kommandanten nicht wirklich abgehalten Schwierigkeiten zu machen.



"Nein, leider, ich muß gestehen, daß der Name mir nichts sagt."

Di Vespasio richtet sich von seiner Liege wieder auf, um ein wenig die Kissen in seinem Rücken neu aufzuschichten. Dann legt er sich wieder, ganz entspannt, zurück und greift zum Glas.

"Allerdings war ich auch immer froh, keine Bekanntschaft mit der Wache zu machen, meist haben mir die Zollbehörden schon gereicht."

'Es ist ganz erstaunlich, wie sie es ihnen in den Tempeln der Rahja immer gelingt, eine solch warme Luft zu erzeugen. Ob es wohl mit den Farben zusammenhängt? Vielleicht macht Rot ja heiß? Dann, mein lieber, könntest du ja den Wintergarten mit den roten Tapisserien aus der Halle einhängen lassen.'

"Ist er ein guter Freund eurer Gnaden?"



"Oh nein! Es ist vielmehr so, daß er ein - hm, ein 'geliebter' Feind ist. nicht wirklich, versteht Ihr? Aber er ist ein rechter Hitzkopf, nicht schlau, aber sich einer Stellung bewußt, von der er meint einen willkürlichen Machtanspruch auf Auswärtige ableiten zu können. Wir interessierten uns damals beide für die selbe weibliche Bekanntschaft. Es endete für uns beide ohne den gewünschten Erfolg, nämlich mit einem klärenden Glas guten Weines für mich und einer schallenden Ohrfeige für ihn, in meiner Gegenwart... Ich konnte - und wollte - ein Lachen nicht unterdrücken..."

Kurz zögert Wulff, um dann doch fortzufahren.

"Und anschließend gab es noch endlose Diskussionen und unverschämte Bußen von mehreren dutzend Silberlingen auf der Wache um nicht in den Arrest zu müssen, wegen Beleidigung in der Öffentlichkeit. Naja, der Gesichtsausdruck dieses Einfaltspinsels war das gute Geld schon fast wieder wert."

Kurz gleitet Wulffs Blick durch den Raum und bleibt an dem Vorhang hängen. 'Nanu, versteckt sich dort etwa eine Geweihte? Nein, vielmehr scheint sie mir zu beobachten. Vielleicht ob es uns an nichts fehlt? Oder ist sie etwa schüchtern?'

Aufmunternd und unauffällig nickt Wulff dem fast verborgenen Schatten zu, fast nur mit den Augen. Denn daß es sich um eine Geweihte handelt, dessen ist er sich sicher, hat er doch die roten Stoffe gesehen.

Nach einem kurzen Augenblick fährt er fort.

"Aber ich weiß nicht, wie es um ihn bestellt ist, vielleicht sinnt er nicht weiter auf seine kleinen nichtigen privaten Rachzüge, aber so wie ich den Mann einschätze wird er weiterhin versuchen, mir Schwierigkeiten zu machen. Und das könnte ihm durchaus gelingen."

Forschend schaut Wulff dem Comte ins Gesicht. Ein Geck ist er, ohne Zweifel kein 'Mann' der in wesentlichen Dingen für sich selber sorgen kann. Doch wenn sich sein Reichtum auf seinen Geschäftssinn gründet, muß er zumindest in dieser Disziplin fast unschlagbar sein. Und gewiss verfügt ein einflußreicher Geschäftsmann über eine Menge nützlicher Kontakte. Nur - wie weit kann man solchen Geschäftsleuten trauen?

"Es sei denn - vielleicht..."

Wulff rückt sich auf seiner Liege zurecht, um es sich bequemer zu machen. Anschließend ist sein Kopf ein Stück näher an den des Comte gerückt. Sich vergewissernd, daß die anderen gerade nicht besonders auf ihn achten fährt er leise fort:

"Werter Comte, wenn Ihr es gestattet, möchte ich Euch eine Frage stellen, eine intime Frage, die Ihr mir wahrheitsgemäß beantworten müßt, es sei denn Ihr sagt mir dann gleich, daß Ihr sie leiber GAR NICHT beantworten wollt. Bedenkt dies bitte, bevor Ihr mir gestattet, diese Frage zu stellen. Andererseits möchte ich noch hinzufügen, daß mir an einer Antwort Eurerseits sehr viel läge."

Durchdringend schaut er den Comte an.



Die Geschichte der Brabaker Ereignisse verfolgt di Vespasio mit Amüsement. Schließlich ist es erfreulich zu hören, daß nicht nur man selbst die Verhältnisse an der Südspitze des Kontinents für korrupt und niederträchtig hält, sondern auch andere in deren Mühlen geraten sind.

Als der Geweihte beginnt sich merkwürdig zu verhalten, ja geradezu nach Verschwörerart näher rückt, bleibt der Adlige nach außen hin entspannt und nimmt noch einen kleinen Schluck des köstlichen Likörs, bevor er ruhig antwortet. Innerlich jedoch ...

'Was wird denn das? Ein Praiot, der dich zur Ehrlichkeit auffordert. Das muß eine Warnung sein. Ob er von ´Elixiere´ erfahren hat? Die Siegel waren doch intakt. Oder ein Verhör? Geht es um die Dodekanaer?

Verfluchter Tempelbesuch! Überall sonst hättest du dich seiner Gnaden entziehen können, jetzt stehst Du ohne Rock im Regen. Von Hemd und Hose ganz zu schweigen. Geschickt eingefädelt. Warum warst du nur so unvorsichtig.'

"Aber ich bitte euch, euer Gnaden. Natürlich beantworte ich euch gern jede Frage. Schließlich haben wir schon gestern gemeinsam für einen perfekten Tag des EFFerd gesorgt, da sollte uns Travia doch nicht weniger wert sein."

Freundlich gelangweilt erwidert di Vespasio den Blick Onaskjes. Auch seine Hand mit dem Glas zittert nicht, lediglich die freie Hand ist zur Faust geballt, wenn auch unauffällig.



"Es freut mich das zu hören, wirklich." entgegnet Wulff. Jetzt gilt es sorgsam die Formulierung zu wählen und aufmerksam zu beobachten. Rasch und mit gesenkten Wimpern gleitet Wulffs Blick über Frizzi, sieht auch die scheinbar zufällig zur Faust geballte Hand.

'Sieh an, was erwartet er wohl, was ich fragen möchte?'

"Es ist so. Ein Mann welcher über - Fähigkeiten ähnlich den Euren verfügt, könnte bei einem gewissen Projekt, mit dem ich zu tun habe, hilfreich sein, allerdings dürfte seine Loyalität nicht durch ältere, ähnlich schwerwiegende Ansprüche gebunden sein. Dies ist zur Vermeidung von Interessenskonflikten unabdingbar. Ihr versteht was ich meine? Ich meine, wir sind hier im Tempel von einem der Zwölfgötter, aber auch anderen wird die verdiente Aufmerksamkeit gezollt. Ab einem gewissen Grad der Verbundenheit jedoch - schließt es sich aus, den gleichen oder einen höheren Grad des Vertrauens mit einer weiteren, hm, Institution zu erreichen."

Der Geweihte des Praios atmet tief durch und lehnt sich wieder leicht zurück. Schnell und konzentriert nimmt er einen kleinen Schluck des geharzten Weines, der in einem Kelch vor ihm steht.

'Ich weiß nicht, ob ich deutlicher werden kann?'

"Versteht Ihr?"

Wieder mustert Wulff den Comte aufmerksam.



'Nein.'

Das würde di Vespasio wohl gerne antwortet, aber vermutlich ist diese Antwort nicht richtig.

"Jja... hm .."

'Fähigkeiten? Projekt? Ältere Loyalität? Schwerwiegende Ansprüche? Andere Zwölfgötter? Rahja? Oder Travia? Du meine Güte, er will doch nicht mit dir...? Hier?'

Für einen Moment muß di Vespasio schlucken und seine Augen weiten sich unmerklich, in verschreckter Erinnerung an einen längst vergessenen Tag, als die Welt noch ohne Grenzen war, bevor der Südländer sich wieder unter Kontrolle hat und gelassen den Likör etwas im Glas schwenkt, wie manche es tun, wenn sie Kraft für ein wahres Wort sammeln.

'Nein, dafür schaut er die Geweihten zu interessiert an. Aber was dann?'

Di Vespasio löst seinen Blick vom Glas und läßt seinen Blick über den etwas neben ihm Liegenden gleiten. Und auch wenn ein leichtes, rotes Tuch vieles verdeckt, ist die physische Stärke dieses Mannes nicht zu übersehen. Ebensowenig, wie die Narben und damit die Tatsache, daß der Geweihte sie nicht bei religiösen, theoretischen Disputen oder in der Ehrenwache eines Hochgeweihten erworben hat.

Dann trifft sein Blick den eintätowierten, roten Greifen, der mit aufgerissenem Schnabel und scharfen Krallen aus einer Sonnenscheibe kommt, die schließlich den Adligen erleuchtet, wenn auch nur ein wenig.

'Praios! Natürlich! Er spricht von der Praioskirche und einem Auftrag! Aber wie solltest du gerade einem Bannstrahler und Krieger mit deinen Fähigkeiten dienen können?'

Di Vespasio hebt den Blick und schaut Wulff direkt an, ohne seinen freundlichen Ausdruck zu wechseln.

'Oder doch eine Falle? Die Kraft der Bannstrahler wäre im Osten viel besser aufgehoben, als im Westen uns Dodekanaer zu verfolgen. Was aber wiederum kein Hindernis wäre. Was sollst du nur antworten?'

"..hm.. ich, nun ja, ich bin nur ein einfacher Diener der Zwölf. Ich kann nicht sagen, daß ich bisher einem der ihren mehr zu Diensten war als einem anderen. Oder einer."



"Hm, ich verstehe."

'Ich muß wohl doch deutlicher werden, aber das geht nur unter vier Augen. Eventuell auf dem Rückweg? Oder vielleicht doch erst auf dem Schiff?'

"Nun, Götter und kirchliche Instanzen wären sicherlich diejenigen, an die auch ich zuerst denken würde. Natürlich kann es aber auch andere geben."

Wulffs Blick wandert kurz zu Ottam hinüber, um sich zu vergewissern, wie sehr dieser noch in das Gespräch mit Lyrian verwickelt ist. 'Zum Beispiel gäbe es noch Akademien und ähnliche Zirkel.' Behutsam formuliert Wulff die nächsten Sätze.

"Auf jeden Fall dürfte es nichts und niemanden geben, der die Möglichkeit hat, Euch zum Berichten über bestimmte Informationen zu bringen, oder dem Ihr Euch von Euch aus verpflichtet fühlt. Wie Ihr Euch denken könnt, geht es um eine, äh, Information, die die Praioskirche interessiert. Traditionellerweise hat meine Kirche gelegentlich Interessenskonflikte mit, zum Beispiel der des Phex."

Ein leichtes Lächeln huscht über Wulffs Gesicht. 'Und welcher Händler legt sein Glück nicht in PHExens Hand?' Dann fährt er leise fort:

"Aber wenn es tatsächlich so sein sollte, daß Ihr meiner Kirche einen kleinen Dienst erweisen wolltet, müßte ich darauf bestehen, daß Ihr Diskretion gegenüber jedwedem anderen Geist wahrt. Eine solche Zusicherung im Angesichte PRAios ist eine ernste Angelegenheit, das wißt Ihr, und bezeugt großes Verantwortungsbewußtsein."

'Und Verantwortlichkeit, denn PRAios hintergeht man nicht', ergänzt Wulff in Gedanken.

"Einer Information von solcher Vertraulichkeit und Wichtigkeit steht natürlich auf der anderen Seite ein beträchtlicher Betrag als Anerkennung gegenüber, den Auszuzahlen ich ermächtigt bin", erklärt Wulff gutmütig.

Nach einem Augenblick der Pause, in dem er wieder einen Schluck zu sich nimmt, ergänzt er:

"Oh, seht einmal, diese zauberhafte Tänzerin! Wir haben also wahrhaftig das Vergnügen einer solch schönen Darbietung beiwohnen zu dürfen."

Begeistert mustert Wulff die anmutige Dame.

'Und wer weiß, vielleicht wird sie sich anschließend noch um mich persönlich kümmern?' freut sich Wulff. Dann wendet er sich wieder direkt dem Comte zu.



Auch di Vespasio wendet der neu hinzugetretenen Schönheit zu.

'Oh, wie schön, ein Schleiertanz. Wie schade, daß gerade jetzt ...'

Wieder geht der Blick des Adligen zum Geweihten des Praios zurück.

'Zumindest ist er hinter einer anderen Sache her. Ob er einen deiner Kunden sucht? Demelionë? Jabar? Wie solltest Du ihm da helfen können? Oder die Falle ist so raffiniert angelegt, daß du die Widerhaken erst merkst, wenn sie tief in deinem Fleisch stecken. Ob es wohl angebracht ist, beleidigt zu sein? Vermutlich schon.'

Mit leicht sauer Stimme antwortet di Vespasio auf das unausgesprochene Angebot.

"Es ist keinesfalls so, daß die Loyalität eines jeden, der aus dem ein oder anderen Grund mit Waren oder Wissen handelt, per se käuflich ist."



'Nanu, wie kommt der Edelmann denn zu solchen Worten?'

Überrascht über den Tonfall des Comte überdenkt der Geweihte noch einmal, was er gesagt hat.

"Vielleicht sollten wir das Gespräch rasch beenden und an geeigneterer Stelle weiterführen."

'Er hat mich missverstanden.... Das einzige, was ich gesagt habe, ist doch, daß er für den Fall, daß er mir helfen möchte, mir vor Praios' Allgegenwart zusichern muß, zu niemandem ein Wort dringen zu lassen. Ich will doch nicht seine Loyalität erkaufen, ich will lediglich ein absolut diskretes Vorgehen zugesichert haben!'

"Werter Herr di Vespasio, ihr müßt mich da irgendwie falsch verstanden haben."

Freundlich aber ernst blickt Wulff den anderen an.

"Aber ich sehe schon, es ist sicherlich vernünftiger, dieses intime Gespräch in geeigneterer Umgebung fortzusetzen, alleine schon deshalb, weil wir sonst einen wahrscheinlich einzigartigen Auftritt verpassen werden."

Wulffs Finger gleiten zu seinen beiden Anhängern und fummeln wieder an ihnen herum. Wieder gleitet des Geweihten Blick über die entzückenden Geweihten dieses Tempels und verharren anschließend auch einen Wimpernschlag auf dem Barden, der gerade wieder einen Schluck zu sich genommen hat.

'Na, ob der Gute das auch verträgt?'

Anschließend blickt er sehnsüchtig auf den anderen Burschen, der sich einige Schritt beiseite genüßlich durchwalken läßt.

'Ja, das wäre jetzt was... So eine schöne Massage... vielleicht von diesem jungen Mädchen, dieser Geweihten, die zusammen mit Lyrian den Tempel betreten hat?'

Suchend schaut sich Wulff um, um zu sehen, was sie wohl gerade macht. Anschließend wendet er sich wieder dem Comte zu, um das Gespräch zu vertagen; die verschiedenen Blicke haben alle zusammen nur wenige Augenblicke in Anspruch genommen.

"Darf ich Euch noch ein wenig Wein nachschenken?"



"Ja, reinen Wein bitte."

Di Vespasios Gesicht zeigt jetzt wirkliche Verärgerung, die Augen sind zu schmalen Schlitzen verengt. Leise aber deutlich zischt er zwischen den Zähnen seine Erwiderung hervor.

"Was denken sich Euer Gnaden eigentlich, Sie könnte hier eine Reihe unzusammenhängender Andeutungen verlautbaren, die meine Person nacheinander als einen Anhänger verabscheuungswürdiger Kulte, als unseriöse Plaudertasche und schließlich käuflichen Handlanger zweifelhafter Moral darstellen und dann das Thema übergangslos wechseln und zu einer rahjagefälligen Annehmlichkeit überleiten?"

Sicherlich würde er normalerweise bei jedem Punkt mit seinem Stock auf den Boden schlagen. Dieses Mittels beraubt schlägt er statt dessen mit dem gestreckten Zeigefinger auf die Polsterung der Liege, was sicher nicht den gleichen Effekt auslöst, zumal bei jeder Bewegung auch das Gläschen mit dem Kirschlikör in der anderen Hand ein wenig erzittert und die sirupöse, rote Masse sich schwallweise über den Rand ergießt, die Außenwand herunter rinnt und seine Hand benetzt.

Dem Adligen selbst entgeht dieses Detail, er ist viel zu sehr damit beschäftigt, den Geweihten verärgert anzustarren.

"Das brauchen wir uns nicht gefallen zu lassen. Ich bestehe auf einer Erklärung. Jetzt ist euer Gnaden aufgefordert, die Wahrheit zu sprechen und keine Wahrheit zu verschweigen."



Kurz verharrt Wulffs Hand mit der Karaffe in der Hand, dann setzt er sie brüsk wieder ab. Er setzt sich aufrecht auf seine Liege, Ärger brandet in ihm hoch. Dieser unverschämte alte Knochen, was fällt dem eigentlich ein? Wulff will vorsichtig ein heikles Geschäft ansprechen und nach nur wenigen Augenblicken schon meint dieser Kerl pampig werden zu müssen, noch bevor er überhaupt weiß, um was es geht. Kein Ausloten, nichts. Kaum vorstellbar, das dieser Mann tatsächlich so ein erfolgreicher Geschäftsmann sein soll. Jedenfalls wäre er mit der selben Ungeduld in anderer Umgebung wahrscheinlich längst nicht mehr am Leben... Wulffs Gesichtszüge verhärten sich leicht, und abgesehen von einem leichten Kratzen ist seine Stimme neutral.

"Ihr wünscht die Wahrheit? Bitte, Ihr sollt sie hören! Eure Unterstellungen, ich würde Euch unter schlechten Leumund stellen sind absolut verfehlt, keineswegs habe ich irgendeine Eurer Vorwürfe geäußert - in meiner Position noch dazu! Ich wollte lediglich ein Geschäft vorbereiten, in dem Ihr mir mit Eurem Fachwissen als Handelsmann, Euren daraus resultierenden Beziehungen und Eurem Hintergrund der guten Bildung hättet helfen können, in einer Rolle als vertrauenswürdiger Vermittler."

Wulffs Tonfall wird noch eine Nuance spröder.

"Aus Eurer Reaktion schließe ich jedoch, das ich mich geirrt habe. Ich bedauere dies zutiefst und bitte um Entschuldigung, Euch damit belästigt zu haben, noch dazu an diesem Ort."

Kurz schließt Wulff die Augen.

'Rahja, verzeihe mir meine Verfehlung, ich bitte Dich inständig!'

"Entschuldigt!"

Mit pochendem Herzen steht Wulff auf, sein Blick geht bedauernd durch die schöne Tänzerin hindurch. Einen Augenblick lang überlegt er, ob es jetzt das Vernünftigste ist, den Tempel zu verlassen und an einem anderem heiligen Ort innere Einkehr zu finden, oder ob er eventuell doch bleiben soll.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Auch die Premer Fans starren mit angehaltenem Atem auf das Spielfeld. Von oben kann man deutlich sehen, daß sich etwas zusammenbraut. Das sieht nicht gut aus. Das sieht sogar richtig bös aus. Auch die ruhigen Naturen, die sich auf die mitgebrachten Fäßchen gesetzt und schonmal vorab den Sieg gefeiert hatten, stehen jetzt wieder und brüllen mit allen anderen Hinweise, nur jeweils unterschiedliche.

"ZURÜCK! ALLE ZURÜCK!"

"DIE MAUER! MACH DIE MAUER!"

"VOOOR! AAAAANGRIFF!"

"RAN! RAN DA! RAN!"



Zwar gibt es schon einige besonnene Spieler in den Reihen der Premer 'Pottwale', aber es gibt auch Spieler in der Nordmannschaft, die eine nahende Gefahr auch dann nicht ernst nehmen könnten, selbst wenn sie sich drohend vor ihnen aufbauen würde. Die beiden Frenhild's, sowohl die 'Fee' als auch die 'Tigerin' gehören im Augenblick aber weder zur einen, noch zur anderen Kategorie von Spielern. Doch sind sie es, welche die veränderte Situation als erste der 'Pottwale' hautnah erleben dürfen.


***


Chatal's Augen verengen sich zu kleinen Schlitzen udn er presst seien Lippen aufeinander, dass der Mundraum schon ganz weiß wird. Er wirkt zu allem entschlossen und er sammelt Kraft. Im Gegensatz dazu blickt Tibraide etwas rastlos in der Gegend herum. Man merkt es genau, sie fühlt sich nicht besonders wohl. Es mag sein, dass sie sich mit Chantal's Plan zur Offensive nicht so recht anfreunden kann, vielleicht geht es ihr aber auch nahe, dass es ihre Idee war die 'Pottwale' derart zu reizen, dass sie sich haltlos dem Angriff ergäben, um in der zweiten Halbzeit krafztlos eine leichte Beute der 'Bullen' sein würden. Niemals hätte sie mit einem solchen Spielstand gerechnet, niemals hätte sie geglaubt, jetzt und hier eine deratig riskanten Angriff mit einleiten zu müssen.


***


Rumpo macht sich über überhaupt nichts Gedanken. Er setzt um, was ihm der Kapitän aufträgt, das ist seine Aufgabe, das ist seine Stärke. Und nun hat ihn der Kapitän in die Spitze der Angriffslinie beordert. Platz machen, hat er gesagt, der Kapitän und das heißt im Prinzip nichts anderes, als alles umhauen, was sich in den Weg stellt. Rumpo liebt klare, verständliche Aufträge. Dahinter steckt gewiss ein Plan, dessen ist sich Rumpo sicher, aber einzelheiten interssieren den stämmigen Spieler nicht.


***


"JETZT!" zischt Chatal seinen Mitspielern zu. Dunvallo nickt grimmig und es geht los ...


***


'Jetzt!' hat er gesagt der Kapitän. Rumpo nickt grinsend und geht los

...


***


"Es geht los!" sagt Cun zu Cuil. Und der Bruder nickt erbleichend und treibt die Korkkugel vor sich her. Nicht lange und er schiebt den Ball zu Cun hinüber, der den Kork wieder ein paar Schritt voran treibt und dann wieder zu Cuil passt ....


***


Dies alles geschieht so blitzartig, dass die erste Linie der 'Pottwale' wie von einer Sturmflut getroffen nachgeben muss, sozusagen zerbröselt wie ein trockenes Brot unter der Faust eines Riesen.

Die 'Tigerin ist nicht einmal mehr dazu gekommen Dunvallo eine freche Bemerkung entgegen zu werfen. Es war kein harter Schlag den Dunvallo da ausführte, genau genommen hatte er die Hand noch nicht einmal zur Faust geballt. Er benötigte tatsächlich nur zwei Finger um die 'Tigerin' zu fällen. Er traf sie genau in der Körpermitte und raubte ihr dadurch für etliche Zeit die Atemluft, worauf sie, nach Luft ringend, zusammensackte. Dunvallo lächelte dabei milde. Er hatte sehr sorgfältig darauf geachtet, die schöne Tigerin nicht allzu sehr zu beschädigen, zumindest nicht an den Körperteilen, die er, gleich nach dem Spiel, noch zärtlich zu streicheln die Absicht hat. Er zuckte noch leicht mit den Schultern und lächelt die sich windende Gegnerin an.

"Nimm's nicht persönlich, betrachte es als Vorspiel!" flüstert er der Hilflosen zu und rennt weiter ...


***


Einer solche Nachsicht kann sich Frenhild, die 'Fee' nicht erfreuen. Rumpo rennt einfach über sie hinweg. Sie hat nicht den Hauch einer Chance den 'Brecher' aufzuhalten und begreift eigentlich die Situation erst halbwegs, als sie auf dem Rücken im Gras liegt und staunend den großen Fußabdruck auf ihrem Trikot, genau zwischen ihren Brüsten betrachtet und sich fragen muss, wie der denn da hingekommen sein könnte. Sie ist noch leicht benommen und bekommt fast nicht mit, dass Tibraide leichtfüßig über sie hinweg springt. Ebenso entgeht ihr, dass vor ihren Füßen Cuil zu Cun passt und der den Ball rechts an ihr vorbei führt, während Cuil auf der linken Seite der Liegenden vorbei rennt, um danach den Ball wieder von Cun zu empfangen. Klassischer kann man in so kurzer Zeit so oft nicht ausgespielt werden. Tränen der Wut und der Scham sammeln sich in Frenhilds Augen.


***


Auch die andere Frenhild ist nicht gerade in bester Laune. Schwer atmend erhebt sie sich und schaut zornig dem davon rennenden Dunvallo nach.

"Das hat ein Nachspiel, du Sack!" murmelt sie leise vor sich hin und macht sich dann stolpernd auf Verfolgungsjagd.


***


Immer weiter treibt sich er Angriffskeil der 'Bullen' in die Spielhälfte der 'Pottwale', begüsntig dadurch, dass viel der 'Pottwal'-Spieler viel zu offensiv eingestellt sind und die 'Flankenzange' mit der die Premer im bisherigen Spielverlauf immer wieder in Ballbesitz gekommen waren, will jetzt nicht mehr so greifen, da die ballführenden Cun und Cuil im linken Feld bestens durch Chatal, Scibor und Raika abgedeckt sind, während Dunvallo, Faerwyn und die schöne Lyn die rechte Flanke bestens abdecken. So haben die 'Pottwale' im Augenblick keine Möglichkeit überhaupt in die Nähe des Balls zu kommen, denn der Havenaer Keil steht dicht und macht die Räume eng. Wütend verstärken die Premer ihr Flanken-Attacken, denn was soll es schon nützen, wenn der Mannschaft fast das gesamte Spielfeld beherrscht, aber eben nicht den Ball ...


***


Tula fällt den 'Bullen' in die Flanke. Doch es ist ein nur ein einzelner, völlig unkoordinierter Angriff, mehr asu Verzweiflung, denn aus Übersicht heraus geboren. Sie will sich Dunvallo entgegen werfen, denn der scheint ein wenig abgelenkt zu sein, da er sich, ihm zum Nachteil, Tula zum Vorteil, ein wenig zu oft nach Frenhild umschaut. Doch erreicht sie ihr 'Angriffsziel' nicht. Faerwyn hat sich aus der Formation gelöst und nähert sich der ahnungslosen Tula von der Seite. Sofort rückt Lyn auf und schließt die Lücke, die Faerwyn aufgemacht hat.

Der alte Spieler weiß noch immer, wie man eine Überraschungsattacke durchführt. Er senkt aus vollem Lauf die rechte Schulter und rammt sie Tula in die Seite. Sie fliegt in hohem Bogen gut über ein und ein eine halben Schritt durch die Luft ehe sie schwer auf den Boden prallt und dort erst einmal benommen liegen bleibt.


***


Da die rechte Flanke nun geschwächt ist rücken Tamlin und Romolosch auf und flankieren, sozusagen in einem inneren Kreis die ballführenden Zwillinge.


***


Thinmar und Algrid haben außerordentlich schnell reagiert, den Aufforderungen Ifirnsgiron folgt man besser schnell, der Kapitän ist da sehr heikel in diesen Fragen. Schnell hat Thinmar aufgeholt, denn die 'Bullen' laufen ja in Formation, da geht es eben nicht so hurtig. Als Thinmar an Scibor vorbei läuft überfällt ihn doch sehr der Wunsch dieser kleinen Schlange in die Seite zu fahren, doch unterdrückt er diesen Impuls, denn Chatal ist der weitaus gefährlichere Mann und den gilt es nun auszuschalten. Chatal selbst kann den Angreifer fast nicht ausmachen, zudem ist er zu beschäftigt sein 'Bullen' in Reih' und Glied zu halten, nur mit einer haargenauen Mannschaftsleistung ist die 'Stampede' zum Erfolg zu bringen. Jetzt ein Ballverlust, das wäre fatal!


***


Scibor sieht den verhassten Feind an sich vorbei rennen. Ein paar seitliche Schritte nur, dann könnte er an ihn heran kommen und dem verfluchten Nordmann mit dem Schläger einen neuen Scheitel ziehen. Zu gerne würde er diesen 'Mörder' auf dem Boden sehen. Was wäre es doch schön, könnte er auf seinem Grab tanzen. Aber Scibor müsste dazu die Formation verlassen und das traut er sich nicht so recht. Chatal hat ihm sehr deutlich gemacht, was dann passieren würde ....

Scibor knirscht vor Wut mit den Zähnen.

'Später ... !' denkt er sich hämisch 'Später werde ich noch mit dir abrechnen und dich in die Niederhölle schicken, dort wohin du und deinesgleichen hingehören!'

Wenn er auch körperlich an seinem Platz im Angriffskeil geblieben ist, gedanklich hat er sich weit, zu weit fort tragen lassen, sonst hätte Scibor sicherlich bemerkt, dass auch er zum Angriffsziel geworden ist. Es trifft ihn mit einem dumpfen Schlag an der Seite, genau in der Höhe des Nierenbeckens. Wahrscheinlich war es ein Knie oder die Keule eines Ogers, so genau läßt sich das nicht erfühlen. Scibor reißt es augenblicklich von den Füßen. Er ist zwar stämmig, doch dafür nicht besonders groß und hat daher sehr viele Nachteile bei einem so vehementen und unerwarteten Angriff. Er dreht sich förmlich um die eigene Achse, so schwer hat es ihn getroffen. Doch er fällt zu Glück sehr weich. Algrid war vom Schwung ihrer eigenen Attacke ebenso ins Straucheln geraten und zu Boden gestürzt. Unglücklicher Weise gerät sie dabei unter den fallenden Scibor. Sie spürt, wie sein Kopf gegen ihren Brustkorb gerammt wird und merkt, dass zwei Rippenbögen diesem Aufprall nicht gewachsen sind und mit einem leichten Knacken nachgeben.


***


Der Keil ist nun leicht beschädigt, doch die 'Stampede' ist noch nicht gestoppt. Nicht mehr lange und sie erreicht das Tor von Isleif.


***


Nachdem Scibor ausgefallen ist, rückt Raika an seine Position. Sie fühlt sich etwas schuldig am Ausfall des Kameraden. Wie hatte ihr Vater immer zu vermitteln versucht? Er sagte:'Wenn du ein Rudel Wölfe verfolgst, mein Kind, dann versichere dich, dass du hinter ihnen bleibst und nicht schon mitten im Rudel läufst!' Recht hat er gehabt der Vater! Viel zu spät war ihr die seitlich heran stürmende Algrid aufgefallen. Vielleicht hätte sie die Premerin doch noch abdrängen können, dann liefe Scibor jetzt noch in seiner Position. Doch der Spruch des Vater sagt noch so viel mehr. Er ermahnte sie nicht nur den Blick zurück nicht zu vergessen, sondern auch den Blick nach vorne nicht zu versäumen. Und so erkennt sie, dass sich Chatal in großer Gefahr befindet. Dieser Premer Stürmer mit dem kurzen feuerroten Haar nähert sich dem Kapitän rasant und Chatal scheint es nicht zu bemerken. Doch soll sie nun ihre Postiton verlassen? Dann wäre die linke Seite des Keils nahezu aufgerieben! Doch noch einmal will sie sich einer Unterlassung nicht schuldig machen. Zudem gilt schließlich: Was nützt es dem Messer, wenn der Schaft heil ist, dafür aber die Klinge bricht. Die Klinge, das heißt also Chatal, muss gerettet werden. So steigert sie ihr Tempo, sie gibt alles, um die Klinge zu retten ....



Soeben hat Rumpo Rorlif auf die Seite geräumt. Nun ist Rorlif beileibe kein Hänfling und dennoch hat ihn Rumpo aus der Bahn geworfen, als wäre der kräftige Nordmann nicht mehr eine leblose Gliederpuppe, die lästig im Weg hängt. Es scheint als könne nicht auf dem Dererund diesen Mensch gewordenen, stürmenden Büffel aufhalten ...


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Ähnliche Gedanken mag sich im Augenblick Ingvar machen, obwohl sich dieser nicht dem 'Rammbock' Rumpo, sondern Dunvallo entgegen gestellt hat. Ingvar fühlte sich urplötzlich wie von einer gigantischen Windhose gepackt und umher gewirbelt. Dunvallo hat den Schwung aus dem Angriff seines Gegners aufgenommen und mit eine paar geschickten Griffen auf den Angreifer zurück geworfen. Als Ingvar dann wie ein Blatt im Wind auf den Erdboden zurück wirbelte, verpasste ihm Dunvallo noch ein paar Fersenstöße, dass dem Permer Spieler danach der harte Aufprall auf dem Boden wie eine Liebkosung einer Rahjani vorgekommen sein muss.

Dunvallo nickt grimmig, keiner wird ihn jetzt noch aufhalten können, so denkt er wenigsten. Doch auch der Weiseste der Weise soll schon einmal geirrt haben.


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'JETZT! denkt sich Thinmar triumphierend. Er hat Chatal nun fast erreicht, er braucht eigentlich nur die Hand auszustrecken, um den Havena-Kapitän am 'Kragen' packen zu können. Doch das allein genügt ja nicht, denn dieser Mann muss ausgeschaltet werden. Man erzählt sich von Chatal und seiner Kunst des Immanspielens ja die reinsten Wundergeschichten und es mag ja sein, dass die eine oder andere Erzählung ein wenig übertrieben sein könnte, doch Thinmar hat Chatal schon oft genug spielen sehen, um zu wissen, dass der Mann aus Havena zu den Größten des Imman gezählt werden muss und höchstens noch von Ragnid übertroffen wird.

Thinmar zieht die rechte Schulter vor und senkte den Kopf. Es wird Chatal in der Nierengegend treffen, er wird nicht einmal mehr einen Schmerzenslaut abgeben können. Thinmar lächelt innerlich, er ist sich seine Sache sicher. Und dann springt er ...

Thinmar trifft hart, sehr hart ... doch ZU FRÜH ... VIEL ZU FRÜH!

Der Premer stürzt und noch im Fallen sieht er Chatal unbehelligt davon laufen. Thinmar ist fassungslos. Er hat Chatal nicht zu Fall bringen können.

Doch was, in SWAfnis Namen hat er dann getroffen?

Er blickt zu Seite und entdeckt die große Frau mit den seltsamen grün-braunen Augen, die zu Beginn des Spieles die 'Pottwal'Abwehr so schwindelig gespielt hatte. Blass ist sie ja schon immer gewesen, doch jetzt wirkt sie noch blasser als sonst. Sie scheint auch keine Luft zu bekommen. Wie konnte sie sich nur derart waghalsig in Thinmar's Angriff auf Chatal hinein werfen. So viel Wagemut imponiert Thinmar ...


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Rumpo läuft lächelnd weiter. Das Spiel gefällt ihm jetzt. Der letzte Zweikampf hat ihn nicht einmal ein Arschrunzeln gekostet. SO darf es weitergehen. Und auch der stämmige Kahlkopf, der sich da vorne ihm in den Weg stellt wird das nicht verhindern, den wird er auf die Seite räumen, wie alle anderen vorher auch ....


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'Das haben Algrid und Thinmar aber gut gemacht!' denkt sich Ifirnsgiron 'Die Bullen-Flanke steht nun offen wie ein PERaine-Tempel zum Fest der eingebrachten Früchte!'

Ifirnsgiron lächelt grimmig über diesen Vergleich. Er sieht die Zwillinge nun fast ungedeckt vor sich laufen. Romolosch hat sich ein wenig zurückfallen lassen, nachdem Tamlin die Position der aufgerückten Lyn übernommen hatte. Cuil und Cun schieben sich noch immer gelassen die Korkkugel zu.

'Das soll nun anders werden,' beschließt Ifirnsgiron,'die Früchte werden nun eingebracht!'

Entschlossen nimmt er Kurs auf Zwillinge zu.


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Äußerlich ist er ganz ruhig und wie es in seinem Inneren aussieht, das weiß kein Mensch. Faenwulf nimmt den heran rollenden Fleischberg Rumpo fest in den Blick. Das dümmliche Lächeln des Gegners ärgert ihn sehr und steigert seinen Kampfwillen. Gelassen stellt er sich in die Bahn des Kolosses. Erst als Rumpo nur noch wenige Schritte von ihm entfernt ist, geht aenwulf in die Hocke und stemmt sich mit dem rechten Bein nach hinten ab.

So kommt es zum Zusammenstoß und es klingt, als schlüge INGerimm mit seinem heiligen Hammer den Steineichenwald platt.

Die meiste Kraft Rumpo's fliegt über den leicht geduckten Faenwulf hinweg und das, was den 'Vollstrecker' trifft, kann er mit dem rechten Bein abfedern. Doch von eigenen Schwung getragen, fällt Rumpo über den Premer hinweg, wie ein Bär, der in eine Fußfalle geraten ist. In diesem Augenblick erhebt sich Faenwulf, umschlingt Rumpo mit beiden Armen um die Hüfte und hebt den schweren Angreifer von den Füßen. Dann läßt Faenwulf den schweren Körper einfach zur Seite abgleiten und Rumpo fällt der Länge nach auf den Rasen wie ein totes Wildschwein. Doch dann sinkt auch Faenwulf in die Knie, diese Aktion hat ein sehr viel Kraft gekostet, wird aber seinen Ruf als einer der besten Bremser des Kontinents sicherlich stärken können. Doch kann er nicht verhindern, dass Tibraide nun an ihm vorbei zieht.


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Dunvallo sieht mit Sorge dem starken Rumpo stürzen. Zwar übernimmt Tibraide sofort die 'Keilspitze' und sorgt dafür, dass der Angriff weitergeht, doch niemand hat eigentlich damit gerechnet, dass Rumpo bei dieser Aktion zu stoppen wäre. Chatal läuft nun fast in gleicher Höhe mit Dunvallo und vielleicht, so denkt sich der Stürmer mit der Bronzehaut, wäre es besser dichter an Tibraide heran zu gehen, nun kann jederzeit der entscheidende Pass kommen ...


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Ifirnsgiron hat sich nun fast schon auf Tuchfühlung an Cun und Cuil heran gekämpft. Hinter sich hört er das wütende Gebrüll Romoloschs, das die Zwillinge zu warnen versucht.

Gleich kommt die Attacke und dann: Gute Nacht, Havena!


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"JETZT!" brüllt Dunvallo und will in die Spitze stürmen ...


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Es war nicht leicht, diesen beiden Muskelpotzen auszuweichen. Fast wäre Tibraide in den liegenden Rumpo hinein gelaufen, da sich sich Faenwulf nicht allzu sehr nähern wollte. Aber sie sprang leichtfüßig über das Hindernis hinweg und rennt nun weiter ...

Tibraides Lauf wird aber jäh abgebremst, denn Thorlif stellt sich ihr in den Weg. Tibraides Gedanken laufen wie ein Feuerwerk. Eine direkte Konfrontation gegen die 'Otter' kann sie sich nicht leisten, der Kerl ist zu gut und zudem völlig ohne Skrupel.

"JETZT!" hört sie jemanden brüllen und der Ruf lköst Erleichterung in ihr aus, denn die Entscheidung naht. Und so macht sie sich auf Thorlif zu attackieren, obwohl sie weiß, dass sie unterliegen wird ...


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Irgendetwas hat Dunvallo getroffen, genau in die Kniekehlen und der Stürmer aus Havena sackt zusammen wie abgemähtes Getreide, just in dem Augenblick, da er in den Torraum der 'Pottwale' eindringen wollte. Mit ausgestreckten Armen landet er im Gras. Seine bronzefarbene Haut färbt sich rot vor Wut und mit einem deftigen Ruck dreht er sich um, zu erforschen, wer oder was ihn da umgehauen hat. Er sieht hinter sich, ebenso auf dem Boden liegend eine ziemlich ramponierte 'Tigerin', die ihn nicht minder zornig anfunkelt.

"Ich hab dir gesagt, dass ich es dir heimzahlen werde, du Scheisskerl!"


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Der Kampf dauert nur wenige Augenblicke. Thorlif hat Tibraide, einfach und leicht, mit einer kurzen Bewegung umgestoßen, doch schien es so, als hätte sich die Spielerin aus Havena dabei nicht sonderlich gewehrt. Der Trick wird offenbar, als sich die liegende Tibraide, wie ein Schlange um die Beine Thorlifs windet und ihn so an den Ort bindet.


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"Jetzt? Was heißt JETZT?!" denkt sich Ifirngiron erstaunt 'JETZT kann nur bedeuten, dass ich dich JETZT kriege...."

Gleich darauf geht er mit schmerzverzerrten Gesicht zu Boden. Ein Muskelkrampf hat seine Waden 'verknotet'. An eine weitere Verfolgung ist nicht mehr zu denken ...


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In diesem Augenblick drisch Cuin den Kork steil nach vorne. Chatal ist nun in die Spitze gelaufen und hat den Ball angenommen. Einzig die 'Otter' hätte ihm nun noch im Weg stehen können, doch Thorlif ist durch Tibraide wunderbar ausgeschaltet worden. Er ist nun durch ....


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Isleif's Körper spannt sich ....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Es geht heiß her auf dem Spielfeld, sehr heiß sogar!

Als Dunvallo die Premerin regelrecht niedermacht, geht ein Sturm der Begeisterung durch die Reihen der Einheimischen, der sich noch verstärkt, als die andere Frenhild von Rumpo ebenso niedergerannt wird, und dann Tula einfach aus dem Weg geräumt wird.

Das ist Imman, so wollen sie es sehen, und so kennen sie es von ihren Helden!

Algrid und Scibor schalten sich quasi gegenseitig aus, aber auch wenn die Details für die meisten Zuschauer nicht so klar ersichtlich sind, so sieht es doch deutlich so aus, als hätte die Premerin den Kürzeren gezogen, und das mögen die Fans der Bullen natürlich so.

"WEITER!!! REIN IN DAS TOR!!! MACHT SCHON!!!"

Es geht weiter, zwar nicht mehr ganz so gut, und die Bullen müssen auch "Verluste" einstecken, aber was zählt, ist die Richtung, und die geht eindeutig und mit Macht in die richtige Richtung, die des Premer Tors nämlich, und mit jedem Schritt, den der Ball diesem näher kommt, steigert sich das Gebrüll der Zuschauer weiter...



IN HAVENA - In Immanstadion: 'Schlachtfest' und Gelächter - Hjaldar. Alberik und Garulf


Als Vorausgehender bekommt Hjaldar erst einmal gar nicht mit, wie Alberik nu mit Garulf 'nen Klönsnack anfangen will, als ob dafür nicht nachher noch Zeit wäre.

Statt dessen kämpft er sich weiter vor, immer ein Auge auf das Spielfeld gerichtet und was er da sieht will ihm gar nicht gefallen. Anstatt die Bullen mit hämischen Grinsen selbstsicher zu empfangen, wuseln die Pottwale eher wie aufgeschreckte Hühner herum.

So ist sein nächster Rempler, diesmal gegen einen bulligen Havena-Fan, schon fast ein echter Boxhieb in die Seite.

"Wech door!"



Während der größte Anteil der Havenaer mit gespannten Blicken dem Spiel folgt, und fiebernd einem Tor der Lieblingsmannschaft entgegensieht, gibt es für einige wenige von ihnen andere, dringlichere Probleme.

So liegt einer von ihnen auf dem Boden, und hält sich einige schmerzende Körperteile, ein anderer flucht drei brutalen Kerlen hinterher, und ein dritter schließlich stemmt die Hände in die Seite und brüllt einen Thorwaler an, der ihn gerade angerempelt hat.

"Hey, Junge, pass auf, wo du deine Hände lässt, sonst breche ich dir jeden Finger einzeln!"

Bei diesen Worten packt er den Arm des Remplers, um ihn brutal zur Seite zu drehen, oder das zumindest zu versuchen.



Die Spielsituation auf dem Feld schärft sich zu und Hjaldar hat gar keine Augen mehr für seine direkte Umgebung.

Nur so ist es zu erklären, daß sein 'Rempelopfer' tatsächlich seinen Arm zu fassen bekommt, schlimmer noch: Hjaldar merkt es tatsächlich erst am plötzlichen heftigen Schmerz, als sein Arm in eine für Sehnen und Bänder äußerst ungute Lage verdreht wird.

Doch ist Hjaldar nun schon lange genug im Kriegshandwerk, als daß er sich nicht zu wehren wüßte. Viele Götterläufe Erfahrungen in Kämpfen, in denen es ernsthaft ums Überleben geht, hinterlassen ihre Spuren.

So ist seine Reaktion auch mehr instinktiv als bewußt. Ungebremst und mit voller Kraft schießt seine freie Linke zur Faust geballt auf die sträflicherweise völlig ungedeckte Seite des Angreifers zu, während Schmerz und hjaldische Wut in einem lauten Brüller und einem hochroten, wutverzerrten Antlitz Ausdruck finden.

Dieser Hieb soll nicht warnen - er soll fällen!

Und ein jeder, der einen Blick auf das Gesicht des Thorwalers werfen kann, mag ahnen, daß hier an der Oberfläche einer Äonen alten und sehr, sehr gefährlichen Wut gekratzt wurde...



Alberik hört dem Schiffskoch zwar zu, und merkt sich auch den Namen Garulf, aber gleichzeitig achtet er darauf, was ein Stück weiter vorne passiert, dort wo sich Hjaldar befindet.

'Das ist keine harmlose Schubserei mehr gewesen. Das war ein gezielter Schlag!'

So langsam geht ihm das rüpelhafte Verhalten der beiden Thorwaler doch gegen den Strich. In dieser Enge eine Schlägerei anzufangen ist nichts, was den Zwergen gerade begeistert, auch wenn ihn normalerweise nichts davon abhalten würde, sich mit zu prügeln, wenn es etwas zu prügeln gibt. Wenn sich das Gesicht allerdings so ziemlich in Kniehöhe befindet, und es kaum Möglichkeiten gibt auszuweichen, dann denkt auch der Angroschim darüber. Bevor die Lage noch schlimmer wird, eilt Alberik schnell weiter zu den beiden Kämpfenden, um zwischen sie zu gehen.

"He, ihr solltet das lieber sein lassen, bevor ich mitmische," wirft er dem Thorwaler und dem Havenaer entgegen, während er auf sie zugeht.



Von der Faust des Thorwalers getroffen, läßt der Havenaer sofort dessen Arm, den er so grob verdreht hatte, fahren und geht keuchend in die Knie.

Doch etwas in Hjaldar will sich damit nicht zufrieden geben. Seine geballte Faust reckt sich in die Höhe, um mit vernichtender Kraft auf den Kopf des Gegners niederzufahren, als sich Alberik dazwischen drängelt. Wütend fixiert Hjaldar den Zwerg einen Herzschlag lang und es mag der Eindruck entstehen, daß er sich überlegt, ob er nicht statt dessen die Faust auf den Zwergen niedergehen lassen soll, doch reicht dieser Augenblick der Ablenkung, einen echten Wutausbruch des Thorwalers zu verhindern.

So verbleibt nur mehr die kalte Wut und der nicht unbeträchtliche Schmerz im Arm, als er ohne ein Wort zu Alberik zu sagen wieder zum Havener herumfährt und zischt "Dat nächst Mol, wen Du dat mookst, kann de Golgari in lütten Stücken tosamenreken, das WOHL!"

Zähne zusammen beissend seinen Arm massierend wendet er sich wieder Alberik zu.

"Wie steit's denn?" fragt er säuerlich, obwohl im die Rufe rundherum schon mehr Auskunft über den Spielstand geben, als ihm lieb ist.



Der Hanvenaer bekommt, während er nach Luft ringt, sehr wohl mit, dass ihm nur durch einen glücklichen Umstand einer mächtigen thorwalschen Kopfnuss entgeht. Ihm ist auch klar, wem er dieses verdankt, und das will ihm gar nicht gefallen - so sind seine Chancen, das ganze zu überleben, nämlich drastisch gesunken.

Doch... eines ist noch geblieben, und das ist der pure Umstand, dass rings herum ebenso wie er Bullenanhänger stehen, und die werden, wenn es gegen "Fremde" geht, sicher auf seiner Seite stehen, und dann ist die Übermacht wohl ziemlich erdrückend für die anderen.

"Verschwindet zu euren Pottwalen", stößt er mit immer noch zusammengebissenen Zähnen hervor, aber immerhin laut genug, dass sich auch andere zu ihm und den Kontrahenten umdrehen.



'Das ging ja besser als erwartet.'

Zumindest sieht es für den Zwergen im ersten Moment so aus, als hätte er die beiden Kontrahenten auseinanderbringen können. Doch Ruhe kehrt keineswegs ein. Alberik kommt nicht mehr dazu, dem Thorwaler zu antworten, ganz abgesehen davon, daß er auch gar nicht wüßte, wieviel es gerade steht. Denn der Mann, der sich mit Hjaldar gerade noch fast an die Gurgel gegangen wäre, sieht wohl nicht, wann es besser wäre aufzuhören. Gerne würde Alberik ihm zeigen, daß ein Angroschim nur dahin geht, wohin er selber gehen will. Und wäre er alleine mit dem Mann, würde er dies auch sofort machen. Doch da sind noch eine ganze Menge anderer Menschen, die wohl zu dem Hanvenaer halten und sich nun in ihre Richtung gehen.

Zögernd schaut sich Alberik zu Hjaldar und Garulf um, denn wenn es hier gleich zu einer Schlägerei kommen sollte, möchte er keinesfalls alleine stehen müssen.



Da ist man einmal großzügig und läßt Gnade vor verdienter Tracht Prügel walten und schon schnappt das Kleinvieh wieder nach den Hacken.

Verärgert wirbelt Hjaldar herum und brüllt den Havenaer an, ohne sich um die Herumstehenden Havena-Anhänger zu kümmern.

"Geh doch sülvens in diin Viechstall, oder shall ück di straat zum Abdecker bringen?"

Zur Unterstreichung dieser Drohung will er eigentlich mit der rechten Faust in die linke Handfläche schlagen, doch sein ramponierter Arm nimmt ihm das sichtlich übel, so daß außer einer angedeuteten Geste und einem schmerzerfüllten Lufteinziehen nicht viel passiert.

Zwischen zusammengebissenen Zähnen knurrt er den Havener an:

"Ück geh wohin ÜCK will, Shiethannes, malliger!"



Der Hanvenaer, der das Pech hat, Hjaldar gegenüberzustehen, weicht nun doch ein kleines Stück zurück - gerade so weit, bis er merkt, dass die neben ihm stehenden entsprechend aufrücken, und er nun in einer Front mit ihnen dem Thorwaler gegenüber steht.

Einigkeit macht stark, auch gegen Individuen, denen man sonst wohl im weiten Bogen aus dem Wege gehen würde.

"Dann geh mal", tönt aus dieser Sicherheit die Antwort, "irgendwohin, wo wir dich nicht riechen und sehen müssen! Am besten zu den Fischen im Hafenbecken!"

Ein fast schon dreckiges Lachen begleitet diese Worte, aber es kommt nur von jener einen Person, nicht von seinen Nachbarn, denen das Spiel wohl doch wichtiger zu sein scheint, denn wer weiß, ob sich eine Halbzeitschlägerei nicht doch zu lange ausdehnt, und man dann verpasst, wie die Bullen es den Premern endgültig besorgen.



Was zuviel ist, ist zuviel! Der dicke Smutje schiebt sich neben Hjaldar und baut sich vor dem pöbelnden Havener auf:

"HOLT ENDLÜCH DIEN DRECKSMUL, DU HRANGAR VERFLUCHTER HORNOCHSE!!" brüllt er den Aufmüpfigen faustschwingend an.



Alberik zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. Er hätte nicht damit gerechnet, daß der Hanvenaer so unbedingt darauf aus ist, eins von Hjaldar aufs Maul zu bekommen. Und wenn man einen Freund von Alberik, Sohn des Atosch beleidigt, beleidigt man damit auch den genannten Angroschim.

Doch im Gegensatz zu den beiden Thorwalern hält er nicht viel davon, erst noch große Reden zu schwingen. Er schlägt die Hände in Brusthöhe voreinander und reibt sie warm, während er mit einem bösartigem Grinsen die Anwesenden anspricht.

"So, können wir jetzt endlich zur Sache kommen, und dem Dorfdeppen mal eine Lektion erteilen, wie man Zwerge und Thorwaler ordentlich behandelt, wenn man sein restliches Leben nicht nur Suppe essen will?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Entsetzter Smutje - Garulf


Da läßt die Premer Abwehr die Bullen so mir nichts, dir nichts, durchmarschieren, dann läßt man dem Oberhornochsen alle Zeit Deres zum zielen ... und zu allem Überfluß fliegt der Kork auch noch über die Latte.

"HRANGAR NOCHMOL, DAT DORF JO WOHL NICH WAR SIEN!!"

Wutentbrannt schwingt der dicke Smutje seine geballte Faust. Doch wie durch ein Wunder und zum Glück für die Umstehenden, durchschneidet diese nur wirkungslos die Luft.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wasuren im Konflikt


Wasuren hebt ruhig und gelassen erst einmal seinen Spiegelpanzer wieder auf. Sein Gesicht ist vor grimm nur so verzerrt, aber er weiß genau das er hier ganz schön Tief in der Bredoullie sitzt wenn ihm nur ein falsches Wort zu viel über die Lippen kommt.

Mürrische Blicke und ein Knurren sind alles was er dem Lagerarbeiter neben sich zu wirft. Bevor er dazu kommt auf die Frage eine clevere Antwort zu finden, legt sich eine regelrechte Anspannung über die Kurve. Die Stille kommt Wasuren etwas komisch vor und so lenkt er seinen Blick wieder auf das Spielfeld.

'Oh die Hanvenaer versuchen einen gewaltigen Angriff.'

Gespannt verfolgt er ebenfalls das geschehen. Der Angriff steigert sich und als die Bullen gewaltsam durch die Reihe der Pottwale brechen, rutscht Wasuren eine Aufschrei heraus, den er vielleicht doch lieber hätte lassen sollen :

"Verflucht und Zugenäht, POTTWALE mach endlich das Feld DICHT!!! "



"He, der ist ja wirklich für die Pottwale", stösst der Lagerarbeiter neben dem spiegelpanzertragenden Matrosen hervor, auch wenn das niemand besonders gut hören kann bei dem allgemeinen Krach.

"Mach dich besser aus dem Staub, wenn dir dein Leben lieb ist, oder halt die Schnauze, sonst ergeht es dir wie der Tussi eben auf dem Feld!"

Er zeigt dabei in etwa in Richtung der Stelle, an der Dunvallo Frenhild niedergerannt hat.



Die Havena-Fans steigern sich in einen regelrechten Anfeuerungsrausch und Wasuren schaut nur noch gebannt auf das Spielfeld.

Da schreit ihn von der Seite wieder dieser Lagerarbeiter an.

"He, sprich nicht so mit mir du Halbe Portion von einem Bullen-Fan. Ich werd dir zeigen, was Die Pottwale mit euch machen werden !!!"

Wütend über diesen aufmüpfigen Typ, geht seine Temperament mit ihm durch und Wasuren rammt kurzer Hand dem Lagerarbeiter seinen zwergischen Spiegelpanzer in den Bauch.



Der Lagerarbeiter kommt nicht dazu, seine Drohung in die Tat umzusetzen, denn kaum ist sie ausgesprochen, muss er selbst genau das erfahren, was er dem Matrosen versprochen hat.

Hart trifft der Spiegelpanzer seinen Bauch, und er sieht Sterne vor den Augen tanzen, während er verzweifelt nach Luft ringt.

Ganz unbemerkt bleibt das indes nicht, denn die benachbarten Zuschauer merken auch, dass hier etwas im Argen ist, und so trifft eine harte Faust von hinten - zuerst den Lagerarbeiter, den das noch mehr ins Taumeln bringt, und dann den Matrosen.

"Hey, prügelt euch nachher, ich will da zuschauen, wie DIE sich prügeln!"

Ein kräftiger Mann spricht das aus, der sich dabei den beiden kaum wirklich zuwendet, viel zu sehr ist seine Aufmerksamkeit vom Vorsturm der Bullen gefesselt.



"Hah! " brüllt Wasuren dem neuen Wortschwinger entgegen, "Die Bullen sind nen Haufen Pferdedreck, die Packen das NIE !!"

Langsam drückt sich Wasuren mit seinem Rücken an die Mauer und bringt den Spiegelpanzer zwischen sich und die Bullen-Fans. Hinter der Mauer geht es fast 3 Schritt hinunter bis zum Spielfeldrand und dort unten hatte Wasuren vorhin niemanden entdecken können.

Wasuren schaut schon gar nicht mehr zum Spielfeld. Nicht nur das er befürchtet das die Bullen wahrscheinlich doch noch ein Gegentor erzielen könnten, nein er hat viel mehr Angst davor das ihm jemand gewaltig in den Rücken schlägt.

Mit tiefer rauher Stimme versucht Wasuren die tobenden Havena-Fans zu übertönen :

"Pottwal macht die Flanken dicht, Pottwal du zerbrichst mir nicht !!!"

Wasuren grölt einfach gerade heraus was ihm in den Sinn kommt und wundersamer weise klingt das sogar etwas nach einem Saufgesang. Der Seebär schein wie verändert und voll in seinem Element, doch läst er nie die gegnerischen Fans aus dem Auge. Schließlich ist er ja nicht Lebensmüde



Das Pro-Bullen-Geschrei der Umstehenden übertönt Wasurens kontraproduktive Rufe fast vollkommen - zumindest, was die Hörbarkeit nach außen hin angeht, aber kaum im näheren Umkreis.

Und dort taucht jetzt der Lagerarbeiter wieder auf, den der Matrose so gemein ausgeschaltet hat.

"Dich Stück Dreck werde ich..."

Mit geballten Fäusten springt er vor, und feuert eine kraftvolle Rechte in Richtung auf Wasurens Kinn ab. Schräg hinter ihm schiebt sich der andere Mann nun ebenfalls vor, dem langsam aufgeht, was hier vorgeht.



"Uuufff"

'Arrrg der Schlag war hart.'

Der Lagerarbeiter trifft Wasuren volle ins Gesicht. Sein Kinn rückt zur Seite und er spürt heißen Schmerz von diesem ausgehen.

Kurz entschlossen und viel zu sehr überrascht von dem plötzlichen starken Schlag des Bullenfan´s schmeißt Wasuren den Spiegelpanzer über die Mauer hinter sich.

Er schafft es gerade noch sich selbst hinüber zu schwingen, bevor ihn noch solchen ein Schlag treffen kann.

"Scheiß Bullenpack" brüllt er als er die drei Meter auf der Spielfeldseite die Mauer hinunter stürzt. Unsanft aufgekommen rappelt er sich zusammen und schnappt sich den Panzer.

'Nun aber nix wie weg hier, doch wohin'

Orientierungslos guckt sich Wasuren um.



Wasuren hebt den zwergischen Panzer auf und läuft immer an der Innenwand des Stadions entlang. Ehrfürchtig hält er Abstand zum Spielfeld und lässt seine Augen flink über die Mauer schweifen.

'Irgendwo muß es hier doch einen Ausgang geben.'

"Da !" ruft er freudig aus, als er einen Torbogen entdeckt. Gerade als er hinein treten will, hört er lautes Rufen hinter sich.

" Hey du da, was machst du da! Halt bleib stehen !!!"

Wasuren guckt sich nicht mal um, sondern rennt aufs gerade wohl in den dunklen Gang hinein. Rechts abgebogen, links abgebogen ... ein paar Türen aufgerissen und weiter geht seine Flucht. Den Panzer des Zwerges immer an sein Brust gedrückt rennt er wie ein wilder durch die Gänge und Räume. Ein Raum ist fast leer bis auf zwei große Bänke, ein paar Schränke und eine Menge Klamotten, kurz bleibt er stehen und verschnauft zwei, drei mal. Verwirrt schüttelt er den Kopf und schaut sich panisch um.

' Wo ist bloß dieser Ausgang'

Und dann läuft er auch schon weiter ... Ein leises Tosen und Jubeln tönt an seine Ohren, als er auf eine wirklich dicke Mauer stößt.

" Das muß die Außenmauer sein, bald bin ich hier raus!"

Wasuren latscht erschöpft den Gang an der Mauer entlang und kommt auf einem der großen Ausgänge. Zwei, drei Schritte und er steht wieder draußen. Einige Menschen verlassen das Stadion oder unterhalten sich schon in kleinen Gruppen davor. Drinnen scheint das Spiel zuende zu sein, denn der Jubel scheint unerschöpflich immer stärker zu werden.

Wasuren wendet sich entkräftet von Stadion ab und schlürft über den Platz in eine der Gassen Richtung Markt. Den Schuppen Panzer zieht er ein Stückchen über den Boden, bis ihn das zusätzliche Gewicht wieder daran erinnert. Wasuren kommt wieder das Bild dieses aufgebrachten Zwerges vor Augen und wie sauer der auf Ole gewesen war.

' Na dann trag ich diesen Zwergenpanzer halt lieber wieder.'



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Bei den Premer Fans wird es immer stiller. Jeder Angriff auf den vorrückenden wird mit einem leiseren Jubel begrüßt, zu deutlich ist es, daß der eigentliche Vormarsch nicht gestoppt wird.

Auch muß der ein oder andere Zinnkrug seinen Inhalt auf den Boden leeren. Feinstes Premer Feuer, sonst der Augapfel der Fans, ist jetzt nur zweitrangig vor der Katastrophe, die sich anbahnt.

Als schließlich Chatal das Holz hebt, hält die Hälfte den Atem an, die Anderen knirschen mit den Zähnen und der Rest tut beides.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Irritierter Fuchs - Torin


Torin Rotmarder kann die Spannung der Leute um sich herum fast körperlich spüren. Waren die Menschen vor wenigen Augenblicken noch euphorisch, so ist es nun bedeutend ruhiger um ihn herum geworden - zu still für ihn. So etwas ist gar nicht gut, wenn man in Ruhe 'arbeiten' will.

Trotz allem kann er ein "Miu pikusch!" nicht unterdrücken, als er für einen Augenblick hinunter auf das Spielfeld schaut.

"Was wird das denn?" fragt er sich selbst halblaut.

"Nix Gutes! Sieht man doch!" und andere gegrummelte Meinungen schwingen ihm entgegen. Doch alle starren gespannt auf das Spielfeld tief unter ihnen. Und selbst Torin - der diesen Moment eigentlich besser nutzen sollte - lässt sich von der Spannung mitreißen.

Je näher die sich langsam auflösende 'Meute' der Spieler dem Tor entgegen stürmt, desto leiser und unruhiger werden die Menschen um Torin herum und auch er selbst kann den Blick nicht mehr vom Spielfeld lösen.

Als die Spieler den Korkball immer weiter dem Tor entgegen schlagen, hält auch er gespannt den Atem an...



Vor der Stadt - In der Wildnis: Rückkehr der Druidin - Joanna


Nachdem die beiden Druiden gestern das Schiff verlassen hatten, vertrieben sie sich die Zeit noch etwas in der Stadt und gingen schließlich ein Stück des Weges gemeinsam landeinwärts. Fargus und Joanna wechselten ein paar Worte, doch ein richtiges Gespräch schien nicht zustande zu kommen, da ihre Gedanken hauptsächlich an die Zukunft gerichtet waren.

"Darf ich euch fragen was eine noch so junge Dame wie Ihr es seid an solch einen Ort verschlägt?"

Die Druidin schenkt Fargus ein trauriges Lächeln und ihre schwarzen Augen beginnen zu glänzen, da sich Tränenflüssigkeit darin ansammelt. Die letzten Tage hatte sie die Gedanken an ihren Mentor total verdrängt.

'Ist er nun .... ' Die ersten Tränen beginnen über ihre Wangen zu rollen. '... Tod...?'

Sie schluchzt leise und wendet ihr Gesicht von dem Druiden ab, da sie sich etwas schämt. Mit einer Hand wischt sie sich die Tränen weg und streicht eine Strähne ihrer braunen, leicht gewellten Haare, die nach vor gerutscht war und ihr ins Gesicht hängt wieder zurück hinter die Ohren. Schweigend gehen die beiden noch weiter.

Die Landschaft scheint sich nicht zu verändern. Rundherum ist ein kleiner nicht sehr dichter Wald. Bei jedem Schritt versinken die Füße etwas in dem sumpfartigen Boden. Im Hintergrund ist das leise Zwitschern der Vögel, das Rauschen eines Flusses und des Windes in den Blättern der Bäume zu hören. Joanna denkt zurück an ihre Heimat.

'Was werden sie sagen, wenn ich zurückkehre, ohne IHN gefunden zu haben. Selbst wenn ich kein geborenes Kind Sumu bin, lebe ich schon seit fast 20 Götterläufen bei den Druiden. Und auch wenn sie mich von meinen leiblichen Eltern geraubt haben, möchte ich jetzt nicht mehr zu diesen zurück. Diese Fähigkeit, die starke Bindung zu Osin al Gossara meinem Mentor - das kann alles kein Zufall sein. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und ich denke, nein, ich weiß dass er nicht in Borons Reich eingetreten ist.' "....noch nicht" murmelt sie leise vor sich hin. Zu leise, als dass es jemand hätte hören können.

Als Joanna noch immer nichts sagt, sieht Fargus sie fragend an, bemerkt dabei aber die leichte Rötung ihrer Augen nicht. "Das ist eine lange Geschichte. Wahrscheinlich zu kompliziert um sie hier zu nennen."

Der Wind weht ihren schwarzen Umhang nach hinten und spielt mit dem schwarzen Kleid. Es ist mit silbernen Stickereien besetzt und verleiht der Druidin dadurch einen magischen aber eher rätselhaften Eindruck.

"Außerdem möchte ich niemandem meine Probleme aufdrängen."

Schon seit einiger Zeit verwendet sie ihren Kampfstab als Hilfe zum vorankommen. 'Vielleicht ist diese Fähigkeit mehr ein Fluch? Jedenfalls kommt es mir so vor. Hätte ich damals kein Versprechen gegeben nicht ohne meinen Mentor zurückzukehren könnte ich jetzt ohne Probleme wieder in meine Heimat wandern.' Schön langsam beginnt der ansonsten so leichte lederne Rucksack sowie der Köcher und der Langbogen den sie über ihren Oberkörper gestreift hat schwer zu werden.

"Es tut mir leid, aber ich denke hier trennen sich unsere Wege."

Fargus deutet in eine Richtung, die von ihrem ursprünglichen Weg abweicht. "Außer ihr habt Lust mich noch ein wenig zu begleiten."

Er zwinkert der Druidin noch einmal zu und beginnt dann mit einem Lächeln auf den Lippen in die angedeutete Richtung zu marschieren.

Joanna blickt ihm noch eine Weile nach bis er aus ihrer Sichtweite verschwunden ist und sieht sich um. Ohne ihrem guten Orientierungssinn wäre sie wahrscheinlich verloren, alles sieht so gleich aus. Sie legt den Bogen mitsamt Köcher, Rucksack und Kampfstab auf den Boden neben einem Baum und beginnt sich zu strecken.



Joanna schlendert durch den nicht sehr dicht besiedelten Wald, während ihr Blick ist auf den Boden gerichtet ist. Sie pfeift leise ein Lied vor sich hin, doch an den Tönen die von ihr kommen scheint es so, als ob sie nicht gerade sehr musikalisch ist. 'Ein Glück, dass hier keine Leute sind' Die Druidin kichert und ihre Lippen formen sich zu einem Lächeln. Eigentlich konzentriert sie sich nicht besonders auf den Weg, sondern lässt sich durch Intuition und dem guten Orientierungssinn in Richtung der Stadt leiten. 'Soweit ich mich erinnere, kann es nicht mehr sehr weit sein.'

Und tatsächlich findest sie sich wenig später in einer der zahlreichen Straßen Havenas wieder.



Langsam und nach dem richtigen Weg suchend geht Joanna die Straße entlang. Unterwegs trifft sie ein paar Kinder, die zu spielen scheinen, an. Verträumt denkt sie an ihre Kindheit zurück, als sie sich nachts des öfteren hinausschlichen.


***


Der Sommertag ist noch nicht ganz vorbei, noch ist das Silbergrau der Dämmerung in der Luft und im Westen, wo die Sonne hinabging, ist noch ein tiefes Grün. Da glüht es hinter den Bäumen auf, das Rot nimmt zu, es flammt, eine mächtige, blutorangerote Kugel rollt herauf, der Mond. Effek, Novalis und Joanna liegen entspannt und noch kein bisschen müde auf dem Hügel der Waldlichtung. Sie bewundern die Feuerkugel. Bei längerem Beobachten merken sie, dass es keine Kugel sondern eine Scheibe ist, eine Scheibe aus einer Blutorange herausgeschnitten, gelbrot, gelbfeuerrot, von einem kriegerischen Glanz. Aber dann wird das Rot gedämpfter, es verblasst, und die Scheibe steigt höher und wird nun gelb, und wie sie gelb wird, wird sie kleiner und Sterne stehen um sie herum und das bläuliche Mondlicht fließt über den Fluß, über das Dorf, über die Brücke, weit hinaus über die Wälder, viel weiter als sich die drei erträumen hätten lassen können. Von unten rauscht der Strom herauf. Grün sieht er aus, und wo er sich an den Pfeilern bricht, schäumt er weiß, und je höher der Mond steigt, um so stiller wird es und um so lauter redet der Fluß. Das Dorf steht kohlschwarz im Licht, mit so schwarzen Konturen, so überscharfen, rasiermesserschneidigen, dass man denkt, der Nachtvogel, der auf einem der Häuser sitzt, könnte von der Schärfe des Daches zerschnitten werden und geteilt auf den Boden schmettern. Seine Rufe hallen durch die Wälder, und der Vogel sitzt unzerschnitten auf dem Dach, schwarz gegen den mondblauen Himmel bis er sich schließlich in die Lüfte erhebt, und im Dunkeln verschwindet. Unbeweglich und gelb spiegelt sich der Mond in Joannas pechschwarzen Augen wider. Sie wendet sich Novalis zu, der herzhaft gähnt.

"Bist du müde?"

Dieser schüttelt den Kopf, um die doch so eindeutige Tatsache zu verneinen und nickt mit dem Kopf zu Effek. Als Joanna sieht, dass sie die Augen geschlossen hat und wahrscheinlich auch schon schläft, beginnt sie zu kichern. Joannas kichern klingt so klar und rein wie das Rauschen des Flusses.

"Lass uns noch ein wenig hierbleiben und die Schönheit der Natur geniessen, bevor wir zurückgehen, ja!?"

Doch schon bald darauf schlafen auch die beiden ein und erst am Morgen werden die jungen Druiden von den ersten Strahlen der Praiosscheibe geweckt.


***


Joanna steht noch immer da und sieht zu den Kindern, auch wenn es ihnen wahrscheinlich nicht so recht ist, wenn ihnen eine 'ältere' Dame beim Spielen zusieht, und lächelt in ihre Richtung.



Joanna würde gerne noch so ungezwungen wie diese Kinder spielen können. Selbst, wenn es nur für einen Augenblick wäre. Jeder Moment ist zu kostbar um ihn zu verschwenden. So frei zu sein wie damals, bevor sie ging. Ihn, und vor allem sich selbst der Einsamkeit und dem Zwang anderer aussetzte.


***


"Deine Stimme klingt heute so fremd. Deine Augen, die ich voller Wärme kenne, schauen auf einmal so ernst und verraten nicht mehr, was du fühlst. Und ich hoffe wie ein kleines Kind, dass deine Worte nicht die Wahrheit sind, dass du lügst wenn du sagst, dass du gehst."

Einige Tränen rinnen aus Novalis Augen.

"Abschied ist ein bißchen wie Sterben, ist wie alles verlieren, weil es dich nicht mehr gibt. Wenn du nicht mehr bei mir bist, wofür habe ich dann gelebt?"

Seine Stimme beginnt sich in den Worten zu verlieren. Das Gefühl, dass etwas in seinem Hals steckt wird er nicht mehr los, und doch setzt er mit leisen und heiseren Lauten fort.

"Ich brauche deine Geborgenheit. Es ist nicht nur die Angst vor der Einsamkeit, die mir den Atem nimmt und mich traurig und fassungslos macht. Du bist für mich nicht bloß eine Frau, die man vergessen kann, denn selbst als es uns schlecht ging, hast du unter Tränen gelacht. Bitte lass mir die Hoffnung noch. Denk noch einmal darüber nach, ob der Traum den du träumst, deine Visionen, die du siehst, es auch wert sind, so einfach zu gehen. Du sollst wissen, ich kämpfe um dich, so wie du um deinen Mentor, nein.... viel stärker noch. Wenn du sagst, dass du gehst, dann glaube ich das nicht, denn ich brauche es dich reden zu hören und dein Lachen zu sehen. Du weißt wohl, was ich fühle! Soll das nun zu Ende sein?"

Er legt eine kurze Pause ein um auf eine Antwort zu warten. Es ist still, fast so, als ob rund um die beiden die Zeit stehengeblieben ist. Es ist so still, dass es schon fast in den Ohren weh tut und ein Gefühl von Druck im Kopf entsteht. Als von Joanna keine Meldung kommt und noch nicht einmal eine Gefühlsregung in ihrem Gesicht zu erkennen ist, setzt er fort.

"Und ist dir wirklich klar, was uns dann noch bleibt?"

Novalis räuspert sich um das ungute Gefühl im Hals loszuwerden, doch es will einfach nicht verschwinden.

"Auf den Trümmern der Liebe kann man keine Zukunft mehr bauen."

Nur zu gerne würde er sich nun von Joanna abwenden um seine Trauer zu verbergen, doch das Schwarz ihrer Augen hält ihn zu sehr gefangen. Liebevoll ergreifen ihre zarten Hände sein Gesicht. Sie zieht es langsam an sich heran und sanft nach unten. Ohne ein Wort zu verlieren drückt sie ihm einen Kuss auf die Stirn und tritt dann ihre Reise an. Eine Reise die wohl ihr ganzes Leben verändern würde.


***


Joanna schenkt den Kindern noch ein mildes Lächeln und einen fast sehnsüchtigen Blick bevor sie sich abwendet, um ihren Weg fortzusetzen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Ohne darauf zu achten, dass ihr Umhang dabei schmutzig werden könnte, setzt sich Joanna ebenfalls auf den Boden unter den Baum. Sie nimmt ihren Lederrucksack und beginnt ihn zu durchwühlen. Da sie nur das nötigste zusammengepackt hatte als sie ihre Heimat verlassen hatte befindet sich nicht wirklich viel darin. Die Druidin bekommt einen harten Gegenstand zu fassen und zieht ihn heraus. Mit freudigem Glanz in den schwarzen Augen blickt sie auf den Vulkanglasdolch in ihren zarten Händen. Auf die Worte ihres Mentors kann sie sich noch genau erinnern, obwohl es schon einige Götterläufe her ist, als sie den Dolch erhalten hatte. Doch die Erinnerung wird ihr wahrscheinlich ewig bleiben, da dies eines der überwältigendsten Erlebnisse im Leben eines Druiden ist.


***


Joanna war damals ziemlich aufgeregt als sie den Dolch in Empfang nahm und wartete gespannt auf die bevorstehende astrale Verschmelzung bei der bestimmte magische Muster auf den Obsidian geleitet werden. Nach der Zeremonie würde ihr Vulkanglasdolch endlich für seine 'Taufe', die Kraft des Dolches, bereit sein.

"Unser Vulkanglasdolch ist die traditionelle Waffe, mit der wir in erster Linie unsere spirituellen Bräuche pflegen. Sie ist von niemand anderem zu tragen, da sie leicht verunreinigt werden kann. Davon ganz abgesehen ist der Obsidian bis vor Vollendung des dritten Dolchrituales sehr zerbrechlich und so mit höchster Sorgfalt zu behandeln. Zum Angriff wird er nur in äußerster Not verwendet. Gib stets Acht auf deinen Dolch, denn er bildet den Focus des Sumuseins und ein Verlust ist nur durch einen erneuten Ictus und eine anschließende Taufe wieder gut zu mache. Deswegen ist es auch nicht möglich den Vulkanglasdolch eines anderen Druiden zu benutzen, denn der Dolch wirkt als Arktefakt nur wenn sein Erschaffer ihn aktiviert."


***


Die Traurigkeit weicht aus dem Körper der Druidin und ein Gefühl der Kraft und Selbstsicherheit macht sich in ihr breit.

'Versprochen ist versprochen.... So wie du mich nie im Stich gelassen hast, werde ich auch dich nicht im Stich lassen.' Joanna steht auf und beginnt sich langsam im Kreis zu drehen. Mit herausfordernder Stimme ruft sie:

"Wo bist duuuuuu?"

Ihre Stimme hallt durch die einsame Landschaft.

"Sag mir wo du bist!?! Ich werde dich finden....!" Leise fügt sie dann noch hinzu: ".....selbst wenn es das Letzte ist was ich tue."

Joanna steckt den Vulkanglasdolch den sie noch immer in der Hand hält wieder zurück in den Rucksack Die Druidin will gerade den Langbogen hochnehmen, als sie plötzlich stockt.

'Nein, die brauche ich jetzt nicht mehr. Allein durch meine spirituelle Verbindung kann..... werde ich es schaffen.'

Sie dreht sich noch einmal zu ihren Waffen um und eilt dann schließlich in die Richtung aus der sie zuvor gekommen war.

'Hoffentlich liegt das Schiff noch im Hafen.'



Der Durchbruch ist geglückt und nun hat Chatal eigentlich alle Zeit der Welt. Der Verteidigungsring der 'Pottwale' liegt danieder, keiner der Premer Bremser hat jetzt noch die Möglichkeit Chatal's Handlungen zu stören.

Und Chatal läßt tatsächlich Ruhe einkehren. Er verlangsamt seine Schritte und atmet erst einmal tief durch. Auf jeden Fall möchte er sich jetzt zu einer unüberlegten Handlung hinreißen lassen. Er nimmt sich sogar die Zeit den Premer Torhüter direkt in die Augen zu schauen.


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Es gibt wahrscheinlich keinen Torhüter, der diese Situation nicht fürchtet. Der Gegner ist durchgebrochen und der Torhüter steht allein. Isleif zwingt sich zu langsameren Atmen, doch seine Nervosität macht ihm das nicht einfach. Sein Herz schlägt wie eine Trommel und seine Hände werden schweißnaß. Dem Blick Chatal's begegnet er mit einem trotzigen Gegenblick und er hofft, dass ihm seine Furcht nicht allzu sehr anzumerken ist. Die langsame Spielweise des 'Bullen'-Kapitäns geht ihm gehörig auf die Nerven. Der soll doch endlich schießen, dann ist es wenigsten vorbei - so oder so!


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Nervös betrachtet Dunvallo die Szene.

"Was macht da Chatal denn bloß? Das geht bestimmt in die Hose ...!"


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Nervös betrachtet Ifirnsgiron die Szene.

"Was macht da Isleif denn bloß? Das geht bestimmt in die Hose ...!"


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Nun wird Chatal wieder schneller. Er treibt den Kork vor sich her und tänzelt dabei um den Ball herum, dass der Torhüter unmöglich ausmachen kann, in welche Ecke der Ball einmal gehehen wird, wenn er, getrieben durch einen kräftigen Schlag Chatal's Schläger verlassen wird.


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Isleif ist verwirrt. Die Körperhaltung des 'Bullen' zum Ball ändert sich ständig. Er kann einfach nicht erkennen, ob der Stürmer nun schon schießen will oder den Ball noch ein wenig vorantreiben. Es ist ja auch nicht auszuschließen, dass Chatal plant den Torhüter zu umspielen, um dann in aller Ruhe den Ball zwischen die Pfosten und über die Latte zu heben. Das wäre der größte Triumph, den sich ein Spieler vorstellen könnte.

Isleif bewegt sich etwas nach links, damit macht er zwar das kurze Eck ein wenig zu offen, doch das gehört zum Plan. Er will Chatal dazu verleiten, die günstige Gelegenheit zu nutzen um den Ball abzuschießen. Darauf wäre Isleif aber dann geistig vorbereitet und hätte dann wahrscheinlich wenig Mühe, den Ball unschädlich zu machen.


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Chatal sieht die Lücke am kurzen Eck des Tors und muss lächeln. Vor vielen Götterläufen hätte er diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen und wie ein wilder auf den Ball eingedroschen, doch heute weiß er das besser. Das ist eine Falle, dass ist ihm klar, aber vielleicht läßt sich diese Falle auch zum eigenen Vorteil benutzen .....


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Bei allen Gehörnten, der Kerl schießt nicht, er schießt einfach nicht .....

Nun wird Isleif sehr unruhig und sehr angespannt. Er umfasst den Griff seines Schlägers fester. Gleich wird irgend etwas passieren und er wird eben nicht darauf vorbereitet sein können, aber er wird sich nicht kampflos geschlagen geben.


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Chatal hebt den Schlägerfast bis über den Kopf hinaus, geht einen kleinen Seitenschritt nach links und zieht die linke Schulter nach vorne, geht also in eine Grundstellung, die eigentlich sehr deutlich verrät, dass er auf das kurze Eck des Tores zielt.


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Isleif spürt eine gewisse Erleichterung, als er sieht, in welcher Weise Chatal ausholt um zu schießen.

'Das kurze Eck .... Na also!'


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Krachend trifft Chatals Schläger den Korkball ...


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DER BALL KOMMT! Isleif wirft sich ins kurze Ecke, sowie er das Geräusch hört, das ihm kündet, dass der Ball nun unterwegs ist. Er muss das tun, würde er warten, bis er die Flugbahn des Balls genau erkennen könnte, würde er auf jeden Fall zu spät kommen. So wie Chatal für seinen Schuß ausgeholt hat, muss der Ball in einer 'Affengeschwindigkeit' kommen....


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Es hat so ausgesehen, es hat sich so angehört, aber Chatal hat den Ball eben nicht voll getroffen, es war auch gar nicht die Absicht Chatal's den Ball voll zu treffen. Der alten 'Fuchs' hat ein paar Fingerbreit vor dem Ball in den Rasen geschlagen und dann erst den Kork. Dadurch wurde nicht nur die Wucht des Schlages erheblich abgebremst, sondern zudem der Ball in einer Weise getroffen, dass seine Flugbahn eben nicht, so wie erwartet, schnell und gerade sein würde.


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Als Isleif seinen Fehler erkennt ist es schon zu spät. Er liegt bereits hilflos auf dem Boden, als der Ball endlich daher kommt, hoch und gemütlich trudelnd, über ihn hinweg, ohne jede Möglichkeit ihn jetzt noch aus seiner Bahn bringen zu können ...


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Der Ball fliegt in hohem Bogen und ist derart langsam, dass ihn Isleif, würde er noch stehen, wahrscheinlich mit den Zähnen auffangen könnte. Doch der Premer Torhüter liegt geschlagen auf dem Boden und kann mit seinen Zähnen nur noch wütend knirschen.

Der Ball fliegt nun, als wolle er die gesamte Premer Hintermannschaft verspotten, mit einem leichten Bogen nach unten, langsam und würdevoll, wie eine Prinzessin beim Betreten des Ballsaals. Er kommt auf den Fingerbreit genau ins kurze Ecke, passiert die Torposten, berührt noch leicht die Querstange und das, zum Unglück der Premer auch noch von oben.

Dann fällt der Ballins weiche Gras hinter dem Tor und bleibt still liegen, als müsse er sich von seiner langen Reise nun endlich ausruhen.


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Damit steht fest: Drei Punkte für die 'Bullen' aus Havena! Und gerade so, als ob dieser Umstand noch mit Fanfarentönen gewürdigt werden sollte, ertönt nun das Signal zu Halbzeitpause .....



Noch vor wenigen Augenblicken wäre das Zeichen für die Halbzeitpause noch lieblicher ins Ohr gedrungen als der reinste Alveransgesang, eine Zeit des Luftholnes und der Erneuerung der Kräfte gewesen, um dann danach, in der zweiten Halbzeit, der hart erkämpften Vorsprung zu halten, ja vielleicht sogar noch auszubauen. Jetzt allerdings ist das Spiel wieder offen, es steht unentschieden. Fast die gesamte erste Halbzeit beherrschten die 'Pottwale' das Geschehen, es war ein Sturmlauf, wie unter EFFerd'S Gebrause, und nun hat Chatal, mit seinem Treffer im letzten Augenblick der ersten halbzeit alles wieder ausgeglichen.


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Müde und enttäuscht lassen die Pottwal-Spieler die Köpfe hängen. Algrid's Brustkorb schmerzt mit jedem Atemzug, so dass sie sich kaum noch zu hecheln getraut, Ifirnsgiron massiert sich den 'verschlungenen' Schenkel und auch Tula hält sich mit Schmerz verzerrten Gesicht die Seite. Die 'Fee' versucht noch immer Rumpo's Fußspur von ihren Trikot zu entfernen und die 'Tigerin' erhebt sich ächzend, obwohl sie jetzt liebend gerne an der Seite Dunvallos liegen geblieben wäre. Denn, obwohl sie ihn beschimpfte, fühlt sie sich dennoch stark zu ihm hingezogen. Allerdings denkt sie auch an diese unselige Wette, die sie mit dem Mann aus Havena eingegangen ist. Demnach müsste sie, sollte das Spiel ungünstig für die Nordleute enden, ihm rundum ergeben sein und diese Möglichkeit möchte Frenhild dann doch ausgeschlossen wissen.


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Hasgar und Aki stehen schreckensstarr. Sie sind von den letzten Ereignissen völlig kalt getroffen worden und nun schämen sie sich ihrer Überheblichkeiten.

Isleif liegt noch immer am Boden. Er fühlt sich genarrt und gedemütigt und auch der Trost Faenwulfs kann ihn nicht trösten.


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Ragnid allerdings scheint von allem völlig ungerührt zu sein. Lediglich ein leichtes Kopfschütteln verrät ihre tiefe Enttäuschung.


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Die Zeit des Jubelns liegt also nunmehr bei der Mannschaft aus Havena. Doch auch bei den 'Bullen' sind die Zeichen der Freude sehr zurückhaltend, denn der letzte Angriff hat ihnen alles, aber auch wirklich alles abverlangt.


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Scibor hat sich wohl am schnellsten erholt, er befindet sich bereits auf dem Weg ins Mannschaftslager. Romolosch hat ihn, mit Hilfe Tamlins so rasch wie möglich von Spielfeld gedrängt, damit der kleine, jähzornige Spieler sich durch unbeherrschte Handlungen nicht noch im letzten Augenblick schuldig macht.


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Rumpo steht auch schon wieder und er blickt verwirrt umher. Er kann sich das, was ihm durch Faenwulf widerfahren war nciht so recht erklären. Und nur langsam sickert es ihm ins Bewußtsein, dass die 'Bullen' einen Treffer erzielt haben. Das freut Rumpo außerordentlich, aber die Leute einfach zu überrennen oder zur Seite zu schieben, das war auch sehr schön gewesen.


***


Zunächst war Duvallo fürchterlich erzürnt gewesen, auf Frenhild, die Tigerin, da sie ihn von hinten attackiert hatte, aber auch auf sich selbst, da er diesen Angriff viel zu spät bemerkt hatte. Doch das Tor durch Chatal hat ihn augenblicklich wieder mit der Situation versöhnt. Grinsend sieht er zu wie sich Frenhild stöhnend erhebt. Die Dinge stehen jetzt wieder gut und vielleicht lohnt es sich ja auch schon, sich die 'Tigerin' in der Phantasie einstweilen einmal ohne Kleider vorzustellen. Mal sehen, ob sich Vorstellung und Wirklichkeit treffen.


***


Chatal ist der Mann des Augenblicks! Er steht da, stark und ruhig wie die Rondra zu Norburg, hebt triumphierend die rechte Faust nach oben, die Pose des Siegers. Zwar ist erst die halbe Spielzeit vergangen und es steht alles offen, doch zweifelt Chatal nunmehr keinen Moment mehr daran, dass es zum Besten für die 'Bullen' ausgehen wird. Eine augeklügelte Taktik, seine meisterhafte Einzelleistung und ein außerordentlich diszipliniert spielendes Team haben, innerhalb kurzer Zeit, den gesamten Sturmlauf der 'Pottwale' vergessen lassen. Chatal badet in der brausenden Anerkennung. Noch immer hält er die Faust steil nach ober gestreckt.

Tibraide ist als erste bei ihm, um ihn ihre Gratulation auszusprechen. Sie fühlt sich schon sehr erleichtert, dass das Spiel nun wieder offen ist und dass ihrer kleine taktische Spielerei vor dem Beginn des Spiels nun nicht mehr die fatale Auswirkung hat, wie sie sich in der letzten Zeit der Begegnung schon angedeutet haben mag. Das Spiel steht unentschieden und die zweite Halbzeit wird eine total ausgelaugte 'Pottwal'-Mannschaft sehen. Chatal's Siegerpose locker sich nun und bescheiden nimmt er den Dank der Gefährten entgegen. Er wiegelt ab, spielt seine Leistung herunter, doch seine Augen leuchten vor Stolz. Wieder einmal hat er bewiesen, warum man ihn einen der Besten des Immansports nennt.



IN HAVENA - Im Immanstadion - Zuschauereaktionen


Unter den Premer Fans ist es stockstill. Das einzige Wort, was man noch hört ist 'Drei', als man diejenigen, die die Schmach schon kommen sahen und nicht mit ansehen wollten, über den noch schrecklicheren Schrecken aufklärt.

Lediglich ganz vorne am Tor brüllte ein Premer mit riesigem Hörnerhelm und hochrotem Gesicht:

"ISLEIF, DU PFEIFE! DU ANFÄNGER! DU BIST KEIN TORWART, DU BIST EIN RÜBENSACK!"

Den Premer Fans jedenfalls scheint dieser unverdiente Ausgleich nach einer hervorragenden Halbzeit wie eine Niederlage.



"TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!!!!!!!!!!!!!!!!!"

Aus mehreren tausend Kehlen hallt dieser Ruf durch das Stadion, ein Ruf, in den sich die Freude über das Tor ebenso äußert, wie sich die aufgebaute Spannung entlädt, denn schließlich ist es nicht nur irgendein Tor, sondern ein wahres Meisterwerk von Tor, das den schmählichen Rückstand aufholt, und dazu die Premer so wunderbar ausgetrickst hat.

"WEITER SO!" Rufe dieser und ähnlicher Art begleiten die Bullen auf dem Weg vom Spielfeld in die Mannschaftsräume, und auch deren Wände sind kaum geeignet, solche stimmgewaltigen Rufe fernzuhalten.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Knurrende Reue - Fiana, Ole


In der Tat ist Fiana völlig überrascht und steht mit offenem Mund da und betrachtet Ole.

" O.. O.. Ole.....Was..."

Es dürfte für Ole nicht schwer sein an ihrem Blick zu erkennen, dass hier eine Grenze der Toleranz überschritten wurde.



Nach dem kurzen Begeisterungstaumel, der Ole förmlich hinweg gerissen hat, setzt nun langsam bei dem alten Schiffszimmermann eine Wahrnehmung ein, die nicht durch den, für die 'Pottwale' so günstigen Spielstand getrübt ist und es wird ihm mit einem mal bewußt, WEN er da so leidenschaftlich abgeküsst hat. Und nun kann man etwas sehen, dass man bei dem alten Haudegen Ole nicht sonderlich oft sehen kann: Er errötet!

"Oh ... auch du meine Güte .... nehmt mir das bitte nicht so krumm .. Herrin .. es ist ... es war ... nun ja ..." stammelt Ole vor sich hin, die rechten Worte wollen ihm einfach nicht einfallen. Verlegen kratzt er sich am Hinterkopf, streicht durch seinen wallenden Bart und schaut schuldbewusst auf seine Füße hinunter. Dann räuspert er sich, richtet sich auf und sagt mit klarer, sachlicher Stimme:

"Es steht drei zu null für die 'Pottwale', Herrin!"

Ein heiteres Lächeln schleicht sich wieder in sein Gesicht, denn es kann für Ole im Augenblick nichts Schöneres geben, als den Umstand, den er so eben verkünden durfte.



Fianas Blick ist streng, aber nicht böse, denn Ole hat sicher schon einige Premer intus und die Freude über das Ergebnis hat ihn in einen Ausnahmezustand versetzt.

Sie blickt sich kurz um und ist sicher recht sicher, dass niemand von der Mannschaft etwas mitbekommen hat.

"Bei SWAfnir und EFFerd Das kommt nie wieder vor Ole ist das Klar! Dann werde ich über den Ausrutscher ausnahmsweise wegen der freudigen umstände hinwegsehen"

Die Tonlage Fianas läst keinen Zweifel daran, dass eine falsche Antwort mindestens drei Monde Deckschrubben nach sich zieht, wenn nicht Schlimmeres.



Ole ist ziemlich zerknirscht. Er lächelt unsicher und läßt schuldbewußt alle Vorhaltungen Fiana's über sich ergehen. Ergeben senkt er den Blick, allerdings nicht ohne hin und wieder noch einmal kurz auf Fiana zu schauen, und dies nicht nur, um nachzuforschen, ob sie noch immer verärgert sein könnte, sondern um sich zudem noch an ihrer wunderbar fraulichen Gestalt zu erfreuen. Ihm war bisher noch niemals aufgefallen, wie anmutig Fiana aussehen kann, wenn sie nicht gerade am Steuer der NODRSTERN steht und wie eine Steinstatue zum Horizont starrt. Ihre liebliches Aussehen kommt eben nicht so gut zum Ausdruck, wenn sie einen vom einen Ende des Schiffs zum anderen hin und her kommandiert. Wenn EFFerd seinen Tribut fordert, dann muss RAHja außen vorstehen.

Es ist eigentlich schade, dass sie ein Offizier der NORDSTERN ist, sei wäre wirklich ein schmuckes Frauenzimmer, die einen echten mann wahrhaft reichlich glücklich machen könnte. Und so bitte Ole geduckt nach Pardon, aber irgendwo tief in ihm ist eine standhafte Stimme, die ihm rät, das Geschehen zwar zu bedauern, aber nicht zu bereuen.

In diesem Moment fällt der Ausgleich für die 'Bullen'. Ole hat das Tor, Chatal soll es geschossen haben, nicht gesehen. Aber er hätte es auch niemals sehen wollen. Dennoch fliegt Ole's gute Laune dahin, wie der Sand in der Khom. Im Nu ist sein Stimmung im Keller. Und auch die drei Küsse, die er Fiana aufgenötigt hatte, eben für jedes Tor der 'Pottwale' einen, kommen ihn nun so unbedeutend, ja sogar unpassend vor. In der Stimmung, in der er sich jetzt befindet, könnten ihn alle Rahjaha des Kontinentes gemeinsam ihn nicht zu einem Kuss heraus fordern.

Auch die Gestalt Fiana's verändert sich in seinem Augen von einem Augenblick auf den Anderen. Nun sieht Ole nicht mehr ihre wohlgeformten Rundungen und ihr anmutige, hochgewachsene Gestalt, sondern nur ihren strengen Blick und ihre menschliche Entfremdung, die einem außenstehenden Beobachter glauben läßt, dass sie ein herzhaftes Lachen für eine disziplinäre Verfehlung halten könnte. Auf einmal wirkt sie gar nicht mehr lustig und überhaupt nicht mehr begehrenswert. Nun bedauert Ole den Vorfall nicht nur, er bereut ihn zusätzlich, seiner inneren Stimme, die allerdings nach dem 'Bullen-Tor' erschrocken verstummt war, zum Trotz.

"Ja, Herrin! Es wird ganz bestimmt nicht mehr geschehen, mein Wort darauf!" brummt Ole vor sich hin. Und selten war ihm etwas ernster gewesen als dies!



Auch Fiana bleibt weder die Veränderung um Ole, noch der gefallene Ausgleichstreffer verborgen, dennoch konzentriert sie sich mehr auf Ole, als auf den Havener Jubel um sie herum. Ein Gedankliches 'Verfluchtes Bullenpack' kann sie sich jedoch nicht verkneifen.

"Gut Ole, dann ist der Vorfall vergessen."

Fianas Gesicht wandelt sich zwar nicht zum Lächeln, das liegt aber nicht an Ole, sondern an dem Tor der Bullen, aber ihr Gesicht wirkt deutlich freundlicher.

"Und jetzt lass uns mal sehen was die Kälbchen da treiben, nicht dass die noch ein Ei legen!"

Und da Fiana nicht alles mitbekommen hat, muss der herhalten, der es so oft muss.

"Wetten das der Schiedsrichter geschlafen hat, sonst wären die nie durchgekommen"

Sprachs und sucht die Schuld überall nur nicht bei -ihren- Pottwalen.



NORDSTERN - Im Laderaum: Diebische Gesellen - Anselm und Jarun


Die Schritte draußen auf dem Ladedeck hat Anselm kaum vernommen, so daß er sich voll und ganz darauf konzentriert hat, jede Kiste und jeden Sack innerhalb dieses großen Schrank zu untersuchen. Doch als dann plötzlich jemand da draußen zu reden beginnt und ihn anscheinend auch noch anspricht rutscht Anselm beinahe das Herz in die Hose.

Blitzschnell dreht Anselm sich um und schaut in Richtung Tür, doch er kann niemanden erblicken. In seinem Kopf schwirren wilde Gedanken wer ihn da wohl entdeckt hat... Die Stimme kommt ihm seltsam bekannt vor..

Sein Herz schlägt ihm noch bis zum Hals, während er in's dunkle flüstert:

"Jarun, seit ihr das?"



"Das Wohl! Würden wohl unsere Matrosen antworten. Aufmerksamkeit und Intuition sind die grundlegensten Talente, die man in unserem Handwerk besitzen muß."

Neugierig lugt Jarun in den kleinen Laderaum.

"Und diese Fähigkeiten scheinen euch eigen zu sein. Sicher habt ihr schon etwas Brauchbares gefunden?"

Doch einige geschlossenen Kisten und Beutel lassen Jarun erahnen, daß Anselm keineswegs so weit mit durchstöbern ist, wie er erhofft hatte.

"Ich glaube, ich helfe euch besser. Mir ist nämlich so, als würde das Schiff nicht mehr allzu lange so ruhig vorsichhinschwanken."

Doch bevor sich Jarun auf die geschlossenen Kisten stürzt, giert er doch noch einmal nach dem bereits gefundenen.

"Zeigt mir doch schon mal, was wir bereits gefunden haben."



"Gefunden?! Nun ja, ich bin einigermaßen froh die Hand vor Augen zu sehen. Zumal hier nicht nur Sachen von Wert sind." Anselm zeigt dabei auf einen großen Kartoffelsack.

"Aber zwei Augenpaare sehen mehr als eins, und da ihr ja auch ein fähiger Mann zu sein scheint wird das ganze sicherlich ein Kinderspiel. Aber jetzt keine Zeit verlieren. Ihr schaut am besten dort drüben nach und ich suche weiter hier, ja?"

Anselm deutet in eine Ecke des Laderaums und schaut Jarun dabei verschmitzt an.



"Wenn es hier etwas zu holen gibt, dann finden wir es!" flüstert Jarun und widmet sich der Seite des Laderaums, auf die Anselm gedeutet hatte.

Natürlich sind gute Augen unersetzlich für einen guten Dieb, gerade, wenn es darum geht, den genauen Wert eines Gegenstandes zu schätzen. Doch für das schnelle Durchsuchen eines kleines Raumes reichen Jaruns geübte Finger vollkommen aus. Blitzschnell gleiten die Finger über und in die Säcke, Kisten und andere Behältnisse, die sich in dem Laderaum aufbewahrt werden. Ab und zu verharren die Finger an einem Gegenstand, um seine Beschaffenheit genauer zu untersuchen.

Wie zwei kleine Nagetiere, auf der Suche nach Nahrung huschen die Hände völlig unabhängig durch den Raum. Immer auf der Such nach etwas 'Essbarem'. Auch das leise Trippeln der Fingerspitzen über die Kisten, erweckt den Eindruck, ein Mäusepärchen würde den Laderaum inspizieren.

Ein, zwei Mal, während seiner Suche, bleibt Jarun ruhig stehen, um in die Stille des Ladedecks zu horchen.



Ein relativ großer, aber nicht schwerer Sack, erweckt Jaruns Neugier. Vorsichtig entwirrt er den Knoten des Seiles, das den Inhalt momentan vor den diebischen Fingern des Gauklers schützt.

'So, dann woll'n wir mal sehen, was du in deinem Bauch trägst. Aha! Eine sorgfältig verpackte Rolle Stoff.'

Jarun streift die Öffnung des Sack über die Rolle um den Stoff genauer zu untersuchen. Langsam und behutsam, als würde er den sanften Körper einer Frau streicheln untersucht er den Stoff auf seine Beschaffenheit.

'Sehr glatt und angenehm kühl. Wahrscheinlich Seide! An den Rändern scheinen schon einige Stickereien eingearbeitet zu sein.'

Eine genauere Untersuchen der Stickereien, bringen Jarun aber keine neuen Erkenntnisse. 'Sicherlich einiges Wert. Aber zu sperrig, um es ungesehen von Bord zu bekommen. Schau'n wir mal weiter.' Sorgfältig bringt er den Sack in seinen Urzustand und setzt dann seine Suche fort.

Beim zurücksetzten des Sacks, bemerkt Jarun ein kleines Kistchen, das sich wohl hinter dem Sack befunden hat. Mit einem siegessicheren Lächeln bückt er sich nach dem Kästchen, das wohl höchstens eine Elle mißt. Lautlos stellt er es auf einer der großen Kisten ab.

Das Abtasten des Kistchens verrät, daß es mit keinem Schloß bewährt ist. Mistrauisch schaut Jarun in die Dunkelheit. Schnuppernd hält er seine Nase vor den winzigen Spalt der Kiste. Ein süßlicher Duft, der einen kleinen zwiebelhaften Unterton besitzt, ströhmt kaum merklich aus dem inneren des Kistchens.

Angewiedert richtet sich Jarun wieder auf und dreht das Kistchen gleichzeitig in Richtung der Rückwand des Laderaums. Mit einer Hand seine Atemwege durch den Umhang bedeckend, öffnet der das kleine Behältniss.

"Sssssssiiiirrrrrr - TOK"

Ein kleiner Pfeil schnellt aus der Kiste und findet das Ende seines Fluges in den Holzplanken der Rückwand.



'Kelmon!'

Nach Jaruns Meinung handelt es sich bei diesem Waffengift um das effektivste Gift, um einen Dieb davon abzuhalten sein Beutezug fortzusetzen. Recht günstig in der Anschaffung und doch so effektiv.

Nur zu gut kann sich der inzwischen gealterte Gaukler an seine Jugend erinnern, die in manchen Situationen durch das Glück des Gläubigen geprägt war.

'Wie eine Ewigkeit kam mir damals mein erster Kontakt mit dem Lähmungsgift vor. Unbeholfen und ein wenig tolpatschig, irrte ich schon vor dem Auslösen der Falle durch das kleine Haus des Händlers, dessen Arroganz mich mehr zu dieser Tat trieb, als daß ich es wirklich wollte. Doch schnell wich dieser Drang, nachdem ich die Falle an dem Schreibtisch übersehen hatte und machte Platz für eine weitaus mächtigeres Gefühl: ANGST. Ich schaffte gerade noch die ersten drei vier Schritt in Richtung der Tür zu machen, bevor meine Beine ihren Dienst versagten.'

Der Gedanke an die Minuten der Furcht lassen Jarun trotz der vielen Jahre noch immer einen Schauer über den Rücken laufen.

'Minute um Minute verbrachte ich auf dem Boden liegend. Unfähig mich auch nur wenige Finger von seinem momentane Ort zu bewegen. Einzig meine Ohren arbeiteten mit doppelter Leistung. Jedes Geräusch, wenn es auch noch so gering war, lies neue Angst in mir aufleben. Schließlich hörte ich wirklich etwas, daß mich fast in Ohnmacht fallen lies. Schritte in der unteren Etage des Gebäudes, die immer wieder hin und her, hin und her gingen. Einzig der Glaube an den Schutz des Fuchsgottes, gab mir Hoffnung. Ebenso schnell, wie sie gekommen war, verging die Lähmung wieder und ich wagte den Sprung aus dem Fenster. Humpelnd lief ich so schnell ich konnte in den nächsten Tempel und dankte PHEx für sein Wohlwollen.'

Recht glimpflich, mit einem verstauchten Fuß, aber ohne jede Beute, hatte er eine neue Lektion gelernt. Denn wenn auch die Angst vor solchen Situationen gewichen war, was wohl die Erfahrung mit sich bringt, so blieb der Respekt vor dem Gift doch ungebrochen.



Kaum das Jarun sich in die Ecke des Laderaums begab, hatte Anselm schon wieder die Suche nach potentiellem Diebesgut begonnen. Dabei betastete er vorsichtig ein paar größere Kisten die anscheinend versiegelt wurden.

'Die werden wir so nicht aufbekommen.. ich suche lieber woand--'

Der Gedanke bricht ab als Anselm hört wie Jarun anscheinend eine Falle auslöst. Blitzschnell eilt er rüber zu Jarun in der Hoffnung das nichts passiert ist.

"Jarun!" Anselm vergaß für einen kurzen Augenblick daß er sich leise verhalten müsste, besinnt sich doch wieder und flüstert:

"Jarun, was war das? Seid ihr in Ordnung?"



"Mir geht es gut! Könnt ihr einen Dorn mit Kelmon gebrauchen? Dort in der Rückwand der Laderaums steckt nämlich einer."

Die Ironie in Jarun's Worte ist durch das Lächeln des Gauklers auch in der Dunkelheit noch deutlich zu hören.

"Ein gefährliches Zeug! Zum Glück hat es einen starken, sehr eigenwilligen Geruch, der meist sogar durch eine geschlossene Truhe zu riechen ist. Aber schauen wir doch mal, was sich in dem Kistchen befindet. Wenn etwas dermaßen gesichert ist, sollte es doch einige Dukaten wert sein."

Neugierig dreht Jarun das Kistchen herum und tastet in das innere der Truhe. In ihr befindet sich ein Tuch, in dem sich ein paar Gegenstände hineingelegt wurden. Jarun faltet das Tuch auseinander und findet einige Ringe und Armbänder aus Metall, sowie eine Halskette mit einem großen Stein. Eine genauere Bestimmung des Metalls und des Steins ist auf Grund der Dunkelheit nicht möglich. Doch Jarun überlegt nicht lange über den Wert nach, sondern läßt die Schmuckstücke schnell in seiner Umhängtasche verschwinden.

Anschließend schließt er die Truhe, um sie wieder an ihren alten Ort zurückzustellen.



Anselm beobachtet was Jarun alles einsteckt und nickt ihm wohlwollend zu. Sofort begibt er sich selbst wieder an die Arbeit. Vor ihm steht eine große Truhe mit Schloß, welches Anselm kurz begutachtet. Schnell zückt er ein weiteres Mal seine Dietriche. Nach wenigen Momenten hat Anselm auch diese Hürde überwunden und er kann freudig lächelnd den Deckel der Truhe vorsichtig anheben.

Zum vorschein kommen viele kleine Beutelchen in denen sich allerhand befindet. Zum einen Teil eine Art Steinsammlung, die sowohl anscheinend aus billigen Kieslchen besteht wie aus selteneren Steinen. Anselm nahm auf gut Glück ein, zwei Säckchen dieser Steine mit. Des weiteren fand er eine Brille, welche separat in einem Säckchen aus besonders dickem/weichen Stoff lag. Auch diese wird mitgenommen. Danach schließt Anselm die Truhe vorsichtig und schafft es sogar mit dem Dietrich sie wieder zu verschliessen.

Sodann wendet er sich zu Jarun und spricht:

"Hör mal, ich bekomme so ein ungutes Gefühl, wir sollten hier nicht mehr allzu lange bleiben."



Jarun, der gerade ein kleines Säckchen, auf die Truhe vor ihm gestellt hat, um den Inhalt genauer zu untersuchen, flüstert nur ein kurzes, "Geht mir auch so.".

"Nur einige Augenblicke dann sollten wir gehen." fügt er hinzu während er einige hühnerei große Tonfläschchen aus dem Leinensäckchen zieht. Die Tongefäße sind alle mit einem Korken verschlossen und anschließend mit Wachs versiegelt worden. Langsam entfernt Jarun den Wachs eines Fläschchens und öffnet es mit gebührender Vorsicht.

Ein Duftwolke strömt ihm aus dem Tongefäß entgegen und läßt unwillkürlich das Bild des fasarer Basars vor seinen Augen entstehen. Gleichzeitig ist eine leises Magenknurren zu hören. 'Kräuter aus der Heimat! Wenn die Götter mir damit nicht ein Zeichen geben wollen, in Fasar einen längst überfälligen Besuch nachzuholen?'

Zufrieden verschließt Jarun das Tongefäß mit dem Korken und legt es zurück in das Säckchen. Sorgsam verschnürt verschwindet auch diese Beute unter seinem Umhang.

"So, wir können."

Ohne eine Antwort abzuwarten huscht er aus dem 'Ladeschrank' und bezieht Posten recht neben der Tür, um dort auf seinen Begleiter zu warten.



Schnell folgt Anselm seinem Kumpan raus aus dem Laderaum. Während er mit seinen Dietrichen die Tür verschließt sagt er zu Jarun:

"Ich glaube es ist das Beste wenn wir außerhalb des Ladedecks so tun als wäre nichts gewesen und uns dann still und heimlich davon machen, oder?"



Jarun nickt zustimmend.

"Also verhalten wir uns ruhig, bis es Nacht ist. Dann sollte es ein Leichtes sein, daß Schiff unentdeckt zu verlassen."

Einen Anflug von Trauer angesichts der Tatsache, daß Jarun das Schiff an diesem Abend noch verlassen muß, kann er er nicht verhehlen, zu schön und interessant war die Zeit auf dem Meer, zu stark die Gefühle, die ihn mit den Passagieren und der Besatzung verbinden.

'Es ist gut zugehen, bevor die Bindung zu stark wird, denn eigentlich ist sie schon stärker, als es mein Profession erlaubt.'

Mit diesen Gedanken schleicht er den Aufgang zum Unterdeck hinauf.



"Gut, so machen wir's." brummt Anselm Jarun nach, während er ihm in Richtung Unterdeck folgt. Als beide oben angelangt in Richtung Kabine weitergehen tut er so als hätte er mit Jarun 'nur einen Spaziergang' gemacht.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Viel zu kurz ist eine Halbzeitpause. Dem Publikum mag sie ja wie eine Ewigkeit vorkommen, aber für die Spielern ist sie rascher vorbei, als ihnen manchmal lieb sein kann. Missmutig trabt die mannschaft aus Prem wieder auf das Spielfeld. Man kann es den 'Pottwalen' ansehen, dass sie alles andere als ein vergnügte Pause erlebt haben, eingehumpeln, andere halten sich die Seite, der Rest läßt den Kopf hängen. Nur Faenwulf und Ifirnsgiron machen ein Gesicht als gälte es nun einen Lindwurm mit bloßer Hand zu erwürgen und Ragnids Haltung scheint so unbeteiligt, als berühre sie das alles überhaupt nicht. Sie ist die einzige, die lächelnd aus der Pause kommt, mit federndem Schritt, den Schläger lässig geschultert.


***


Algrid hält sich mit von Schmerz verzerrtem Gesicht die Seite. Sie atmet nur flach und alles deutet darauf hin, dass sie sich bei den letzten Aktionen der ersten Halbzeit eine oder mehrere Rippen gebrochen haben muss. Doch die 'Pottwale' sind ohne Ersatzspieler angereist und so hat sich das 'Feuerhaar' entschlossen

weiter zu spielen, allen Einwände Faenwulfs und Ifirsgiron zum Trotz. Tula humpelt. Ihr Knie rechtes Knie ist dick geschwollen, dennoch geht sie eisern aufrecht. Das Äußere kann täuschen, Tula wird sich von einem kaputten Bein nicht einschüchtern lassen. Ihr Kampfwille ist ungebrochen.


***


Thinmar sucht das Feld nach Scibor ab. Der 'Schlangen-Arsch' soll dafür bezahlen was er Algrid angetan hat. Das Scibor eigentlich gar nichts dafür kann, dass Algrid so verletzt wurde, ist für Thinmar von keinerlei Belang. Er braucht eigentlich keinen Grund mehr, um Scibor zu hassen, er braucht nur noch Scibor ......


***


Man kann es Frenhild, der Fee, ganz deutlich ansehen, dass sie unzufrieden ist mit ihrer Leistung bisher. Sie hat das Trikot gewechselt, das alte Trikot, zwangsweise geziert mit dem Fußabdruck Rumpos, mochte sie nicht mehr anbehalten. Lieber wäre sie ohne Trikot wieder eingelaufen, als immer dieses Zeichen des Versagens tragen zu müssen. Sie ist fest entschlossen ihre Sache in der zweiten Halbzeit besser zu machen.


***


Die Zuschauer sehen eine arg gebeutelte Mannschaft aus Prem einlaufen. Mehr noch als die kraftraubende erste Halbzeit, als das niederschmetternde Gegentor, ist den Spielern in der Pause Ifirnsgiron's Rede ins Gebein gefahren. Der Kapitän der Mannschaft hat es sich nicht nehmen lassen, während er sich selbst die Krämpfe aus dem Bein massierte, der Mannschaft deutlich zu machen, was er von ihrer bisherigen Leistung hält. Mit keinem Wort geht er auf das leidenschaftliche SPiel der Premer ein, er bemängelt vielmehr, dass sie aus der drückenden Überlegenheit in der ersten Halbzeit keinen größeren Vorsprung heraus schiessen hatten können. Auch auf den völlig aufgelösten Zustand der Abwehr beim Gegentor ging er ein und er verteilte Schelte großzügiger als FIRun Schnee im Winter. Jeder andere hätte bei einer solchen barschen Kritik den Schläger aus Eschenholz für immer auf die Seite gelegt. Nicht so die Spieler von 'Pottwal' Prem, die ihrem Kapitän bedingungslos vertrauen, auch wenn es Schimpfworte nur so hagelt. Und so gelingt es Ifirsgiron seine Wut auf die anderen Spieler zu übertragen, dass sie nun nicht mehr mit den Schicksal hadern, sondern mit sich selbst, verbunden mit dem Willen, alle Wut am Gegner auszulassen.

Als Ifirnsgiron seine Rede abschloss, hört er nun noch ein trotziges:

"Ho, ho, ho ..."

Der kapitän lächelt. Dennoch brüllt er:

"IST DAS ALLES?"

Sofort kommt die Antwort und es ist wieder ein:

"HO,HO,HO ... !"

Doch diesmal ist es schneller und sehr viel lauter. Und wieder lächelt Ifirsngiron, diesmal etwas ehrlicher als vorher. Dann sieht er mit sorgenvoller Miene zu, wie sich die Spieler müde erheben, um in das Spiel zurück zu kehren.


***


Nur die 'Tigerin' hat der Rede des Kapitäns nicht so richtig zugehört. Sie ist in eigene Gedanken versunken. Immer wieder erinnert sie sich der Wette mit Dunvallo. Ihre Siegeszuversicht ist, alles in allem, nicht mehr zu kräftig wie noch vor Kurzem. Was könnte sie nur tun, wenn die 'Bullen' das Spiel tatsächlich gewinnen sollten. Dunvallo wird mit Sicherheit kommen, seinen Gewinn einzufordern. Frenhilf seufzt, denn alle Ausreden, die sie sich für diesen Fall zurecht gelegt hat, klingen derart hirnverbrannt, dass es unter ihrer Würde sein würde, sie auch wirklich anzuwenden. Auf der anderen Seite kann sie sich aber auch nicht mit dem Gedanken anfreunden, sich einfach für Dunvallo hinzulegen. Frenhild, die 'Tigerin' presst ihre Lippen zusammen. Da hilft nur noch eins: Siegen oder Unterliegen! Wobei Frenhild selbstspöttisch feststellen muss, dass das 'Unterliegen' in ihrem Fall sogar wörtlich zu nehmen wäre.


***


Die beiden Frenhilds und Ifirnsgiron versammeln sich im Mittelfeld. Gleich wird der Korkball für die zweite Halbzeit eingeworfen werden.


***


Ein Pfiff ertönt...



Die Bullen dagegen kommen mit einem Lächeln aus ihren Kabinen. Aufrecht und energiegeladen marschieren sie ein. Sie erwecken den Eindruck, als wären sie schon die Sieger - und genauso fühlen sie sich.

Sicher, noch steht es unentschieden, doch sind die Premer sicherlich total verausgabt (auch wenn sie etwas Zeit hatten um sich zu erholen) und der Drei-Punkte-Treffer kurz vor Schluss muss ihnen gezeigt haben, wie schwach sie sind.


***


Wo manche der Premer deutlich Federn lassen mussten, sehen die Bullen fit aus. Sicher, viele haben sich blaue Flecke und Schürfungen eingefangen, doch das ist nichts, was einen echten Immanspieler aufhalten könnte. Einzig Raika sieht noch blasser aus als sonst - doch wer lernen musste, mit den Wölfen zu laufen, der verlässt das Rudel nicht wegen eines kleinen Bisses.


***


Lange hatte Cathal überlegt, ob er Scibor in der zweiten Halbzeit wieder mit aufs Feld nehmen sollte. Sicher, nach der Ermahnung hatte er sich benommen, doch der Kapitän ist sich nicht sicher, ob der rasende Zorn nicht wieder erwachen wird. Schließlich hatte ihr Trainer entschieden: er spielt mit. Das einzige was Cathal tun kann ist nun, ihn im Auge zu behalten. etwas, worum er auch andere Spieler gebeten hat...


***


Und so läuft Scibor wieder mit gewohnt grimmigen Gesicht mit ein. Seine tiefliegenden Augen suchen die Spieler der Premer Mannschaft. Zufrieden nimmt er zur Kenntnis, dass einige der "Piraten" kaum noch laufen können und das freut ihn.

`Und am Ende des Spiels werden noch weniger von Euch dazu in der Lage sein` denkt er grimmig.


***


Tibraide hatte zugeben müssen, dass sie die Kraft und Ausdauer der Premer unterschätzt hatte. Das würde ihr nicht noch einmal passieren. Auch wenn die Premer nun erschöpft scheinen - Tibraide kann sich nicht vorstellen, dass sie sich kampflos ergeben werden. Sie würde auf der Hut sein, die Abwehr noch besser organisieren! Und dann würden sie die Pottwale vom Platz fegen!!!


***


Genau das wurde auch während der Besprechung der Bullen in der Kabine gesagt. Cathal zeigte sich zwar zufrieden über das perfekte Zusammenspiel am Ende der Halbzeit - die Leistungen am Anfang konnte er dagegen nicht loben.

"Behaltet sie im Auge!!! Sie sind gut - noch immer! Unterschätzt sie ja nicht noch einmal!"

Aufmerksam sah er sich in der Kabine um, sah seinen Spielerinnen und Spielern in die Augen. Sie alle waren noch trunken von dem Tor am Ende. Doch dies war kein Grund so zu jubeln, im Gegenteil.

"Denkt daran, dass wir noch nicht führen! Also, ich will Tore sehen!!!"

Zustimmendes Gemurmel brandet ihm entgegen. Die Freude der Havener hatte einen Dämpfer erhalten - doch ihre Entschlossenheit ist stärker als zuvor.


***


Und so sind die Bullen gefangen zwischen zwei Stühlen. Einerseits gilt es, die Premer nicht zu unterschätzen, ihnen keine Möglichkeit zu geben, weitere Tore zu erzielen. Andererseits gilt es, offensiv zu werden, in Führung zu gehen. Doch bei dem Anblick der Premer hegen die Bullen keinen Zweifel mehr: Das ist zu schaffen!!!

Und sie würden es schaffen!

Das sind sie sich und den Fans schuldig. Und sicherlich haben sie die Unterstützung der Mehrheit der Zuschauer auch weiter sicher...


***


Dunvallo blickt suchend über die Reihen der Pottwale. Dann hat er sie gefunden, die »Tigerin«, deren Hartnäckigkeit und Kraft ihm imponiert hat. Das Lächeln, das vage in ihre Richtung blitzt ist nicht etwa überheblich siegessicher, sondern eher freundlich und aufmunternd. Aus diesen Wettkampf ist für ihn inzwischen schon beinahe mehr geworden. Sie ist eine Frau, wild und stürmisch, die erobert werden will.

`Was sie wohl gerade denkt`


***


Mit blitzenden Augen und doch angespannt nehmen die Bullen ihre Plätze ein. An der Aufstellung hat sich im großen und ganzen nichts verändert. Noch immer bietet sie ein gesunde Mischung aus Abwehr und Angriff, auch wenn sie gerade in der »Mitte« etwas nach vorne gerückt scheint.


***


... und der Ball fliegt ....


***


Sofort sind die Bullen im Angriff! Cathal schnappt sich den Ball, schnell wie RONdras Blitz und treibt ihn nach vorne. Dunvallo ist nahe an seiner Seite wie auch andere Bullen aufrücken.


***


Doch die Premer schlafen nicht - und sie sind weit davon entfernt aufzugeben. Mit vereinten Kräften bringen sie den Vormarsch zum Stehen und sammeln ihre Kraft um zum Gegenangriff auszuholen, der jedoch ebenfalls bald auf eine Mauer prallt. Eine Zeitlang wechselt der Ball hin und her, wogt vor und zurück, mal in jenes, dann in dieses Feld. Ganz klar, die Bullen sind momentan die kräftigeren Spielern und könnten das Spielgeschehen bestimmen. Doch gelingen will es ihnen nicht wirklich. Was den Pottwalen an Kraft fehlt, machen sie durch Einsatz und Entschlossenheit wieder weg. Ein echter Thorwaler gibt sich nicht geschlagen, hört nie auf zu kämpfen - es sei denn, er reitet schon auf Golgaris Rücken...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Hey .. O

HEY .. O

Ball VOOR

Pottwal

ejn TOOR


Mit leichtem Entsetzen haben die treuen Fans der Premer den Einmarsch ihrer Spieler mit angesehen. Aber wenn die Kraft nicht mehr in den Beinen steckt, dann muß sie eben aus den Lungen der Fan kommen. So geben sich die Premer alle Mühe, die zahlenmäßig überlegenen Anhänger der Bullen zumindest durch Lautstärke zu schlagen. Jeder Spielzug der eigenen Mannschaft wird von Jubel und Gesängen begleitet.



IN HAVENA - Auf dem Marktplatz: Stockfisch - Silana und Darian


Nachdem der schlacksige Blonde mit seiner Beute zur Seite getreten war und die Novizin und der Adeptus stehe vor einer Art Theke. Von vorne strömt ihnen Rauch und Hitze entgegen, aber eben auch der verlockende Duft der Fische. Der hünenhafte, korpulente Verkäufer, ohne es zu wollen, kommt Silana das Wort 'bullig' in den Sinn, steht gerade mit dem Rücken zu ihnen, um an den Stecken, an denen die Fische aufgespießt sind, zu drehen.

Silana öffnet kurz den Mund, in der Absicht, ihn anzusprechen, schließt ihn aber sofort wieder. Sie erinnert sich an den Gesichtsausdruck Darians, als sie den Mann vor dem Stadion nach dem Weg befragt hatte, da hatte sie so etwas wie Peinlichkeit drin gesehen und daraus schlussfolgert die junge Frau, dass es Darian wohl lieber ist, wenn er die Gespräche führt.

So sieht dreht sie sich zu ihrem Begleiter um und sieht ihn Erwartungsvoll an.



´Was ist denn jetzt los?´ denkt sich Darian.

Will Silana ihn etwas fragen?

Aber warum sagt sie dann nichts?

Oder erwartet sie, daß er das Gespräch mit dem Händler führt?

Zwar ist es in `besseren Kreise` oftmals üblich, daß der Mann für seine Frau die Geschäfte übernimmt, aber weder sind der Adeptus und die Rahjani ein Traviapaar, noch ist Silana eine Vinsalter Zierdame. Sie ist eine Geweihte der Zwölfgötter und sollte somit doch durchaus zu selbständigem Denken und Handeln in der Lage sein. Oder sollte mit dem Stand irgendetwas nicht stimmen?

Aber Darian kann daran nichts anstößiges erkennen.

Da Silana nicht sagt, was nicht stimmt, bleibt dem jungen Adeptus kaum etwas anderes übrig, als ebenso fragend zurück zu gucken.



Der Gegenblick Darians bring die im Leben außerhalb des Tempels recht unerfahrene Silana erneut in's Grübeln. Wollte er gar nicht den Händler ansprechen? Oder hat sie jetzt wieder etwas anderes falsch gemacht?

Während sie noch überlegend in die Augen ihres Gegenübers sieht, fällt ihr zum ersten Mal ihre schwarze Farbe auf. Was für eine ungewöhnliche Färbung, beinahe kann man die Iris kaum von der Pupille unterscheiden, oder ist es nur ein sehr dunkles Braun?

Während sie so in sich versunken unverwandt in Darians Gesicht sieht, reisst sie plötzlich ein lautes Räuspern aus ihre Gedanken, dass sie zusammenzucken lässt.

Das Räuspern wird sogleich von den Worten

"Na, ihr Turteltäubchen, was darf's denn sein", gefolgt, das auf Silanas Gesicht mal wieder sanfte Röte zaubert.



Es kommt, wie es kommen mußte: Natürlich führt der direkte Blickkontakt mit der jungen Rahjani nicht zu einer Klärung der Situation, sondern nur dazu, daß der Adeptus Minor völlig in den blauen Augen der jungen Frau versinkt.

Erst eine nur allzu männliche, erwachsene Stimme reißt ihn in die Wirklichkeit zurück.

´Nandus! Wie sieht das denn jetzt wieder aus? Heute scheint wirklich nicht mein Tag zu sein ...´

Um den peinlichen Moment nicht noch unnötig zu verlängern, ergreift nun doch Darian die Initiative:

"Wir hätten gern zwei Eurer Stockfische gekauft, am besten von jenen dort."

Der junge Magier zeigt auf eine Reihe von besonders großen Exemplaren, denn sein Hunger ist recht groß.



Mit großen Augen sieht Silana zu den Fischen, auf die ihr Begleiter zeigt. Die Grösse ist auch ganz nach ihrem Geschmack, denn während ihre der Geruch von Fisch und verschiedenen Gewürzen das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt, macht sie sich keinerlei Gedanken darüber, dass sie bei diesem Mengen bereits nach der Hälfte satt sein könnte.

Während sie mit glückstrahlender Miene zusieht, wie der Händler zwei wahrhaft riesenhafte Fische samt Stock aufnimmt, kommt ihr plötzlich ein Gedanke. Vorsichtig stellt sie sich auf die Zehenspitzen und flüstert Darian so leise wie möglich zu:

"Was sind das eigentlich für Fische, die man da aufgespießt hat?"



Während der Händler die beiden Stockfische zum Verkaufe fertig macht, fragt Silana den jungen Adeptus leise, um welche Art von Fischen es sich denn handele.

"Na, Stockfische", gibt dieser ebenso leise mit einem Lächeln zurück.



Silana verzieht ein wenig das Gesicht. Versucht der junge Adept, ihr hier einen Stockfisch aufzubinden? Oder heißen die Fische tatsächlich Stockfisch? Vielleicht sollte sie in den nächsten Tagen, einen Efferdgeweihten dazu befragen, obwohl sie eigentlich Darian vertraut.

Verwundert sieht sie in das Gesicht des Jungmagus, kann aber außer dem freundlichen Lächeln nichts weiteres entdecken.

"Na, ihr beide kommt ja heute echt nicht voneinander los."

Lässt die kräftige Stimme des Händlers, der die Fische jetzt soweit hat, die Rahja-Novizin abermals zusammenzucken.



Erneut reißt eine kräftige, männliche Stimme den jungen Adeptus vom Anblick der Rahjani los.

´Bei Mada! Schon wieder!´

Diese Stimme ist es auch, die Darian ablenkt, so daß er nicht richtig mitbekommt, ob Silana auf seinen kleinen Scherz nicht eingeht oder ob sie seine Aussage bezüglich des Namens der Fische tatsächlich für bare Münze genommen hat. Zwar hat Darian, trotz seines Hungers, derzeit größeres Interesse an der jungen Geweihten, als an zwei geräucherten Fischen, doch wenigstens einmal an diesem Tag, will er ein wenig Beherrschung und Geistesgegenwart zeigen. So nimmt er also die Fische entgegen, von denen er einen sogleich an Silana weiter reicht. Noch bevor er erneut an ihren Augen ´hängen bleibt´, wendet er sich wieder an den Händler:

"Was macht das dann?" Daß er beide Fische zu zahlen gedenkt erwähnt er nicht extra, das sieht er als selbstverständlich an.



Silanas größtes Interesse gilt dem ihr überreichten Fisch, eigentlich symbolisiert er recht gut diesen Tag, vereinigt er doch das EFFerdstier mit der Gastfreundschaft TRAvias, zudem duftet er einfach unwiderstehlich.

Dennoch reißt sich die Novizin gedanklich von ihm los, hat man ihr doch beigebracht, dass es in Städten wenig ohne metallisch glänzende Gegenleistung gibt.

Also greift sie mit der Linken in ihre Gewandung und holt von dort das wohlverschnürte Seidentüchlein, das ihr als Geldbeutelchen dient, hervor, während auch sie den Händler fragend ansieht.



Darian bekommt aus den Augenwinkeln mit, wie Silana sich offenbar anschickt, ebenfalls ihren Geldbeutel zu zücken. Dazu passend antwortet der Händler auf die Frage nach dem Preis mit einer Gegenfrage: "Zusammen oder getrennt?"

"Zusammen", antwortet der Adeptus, bevor ihm Silana zuvorkommt.

´Selbstverständlich´, ergänzt er in Gedanken.

"Das macht dann 16 Kreuzer."

Darian wühlt ein wenig in seinem Geldbeutel, kann dort jedoch keine 16 Kreuzermünzen finden und übergibt dem Mann daher zwei Heller. Während dieser das Wechselgeld abzählt, gleitet der Blick des Jungmagus einmal mehr zu Silana, ein Lächeln ziert sein Gesicht ...



Ein Lächeln ist ebenfalls auf dem Gesicht Silanas zu sehen. Der Grund sind nicht die eingesparten Kreuzer, sondern die Freude über die Erkenntnis, wie galant doch ihr junger Begleiter ist.

Somit wird Darian als 'sehr nett und hilfsbereit' eingestuft und bekommt direkt einen Platz hinter Hjaldar, der Silanas "Sympathieliste" noch eindeutig anführt.

"Vielen Dank," strahlt sie den großzügigen Adeptus an und wünscht dem Händler, der das Wechselgeld nun bereit hat, einen schönen Feiertag.



... "und vier zurück"

Mit einem beiläufigen "ja, danke" nimmt Darian das Wechselgeld entgegen und läßt die Münzen wieder im Geldbeutel verschwinden. Seine Augen verweilen nur für einen sprichwörtlichen Augenblick bei Händler und Kreuzern, dann sind sie auch schon wieder auf Silana gerichtet. Auch die Worte an Silana, "aber das war doch selbstverständlich", sind wesentlich geformt, als die an den Fischverkäufer. Wieder einmal lächelt er sie an, reißt sich dann aber noch einmal los, um den Weg Richtung Brunnen einzuschlagen.



Sich rundum wohlfühlend und vollkommen zufrieden läuft Silana leicht federnd neben Darian her. Sie kann es kaum erwarten, endlich den Fisch zu verzehren, deswegen beschleunigt ihre Schritte noch ein wenig, wohl aufpassend, dass sie mit niemanden zusammen stößt.

Die warmgoldenen Strahlen der Traviasonne spürt sie wohlig auf ihrem schwarzglänzendem Haar, das immer wieder ihren Nacken und Rücken kitzelt.

Gerade ist niemand sonst am Brunnen, also setzt sich Silana an dessen steinernen Rand und sieht kurz in die dunkle Tiefe hinunter, bevor sie sich endlich dem Stockfisch zuwendet, nich ohne vorher Darian ein

"Lass es Dir schmecken" zuzurufen und sich innerlich bei TRAvia und EFFerd für die folgende Mahlzeit zu bedanken.



Auch Darian läßt sich auf der Brunneneinfassung nieder.

"Du auch, einen traviagesegneten Appetit wünsche ich Dir", erwidert er die Worte Silanas. Wieder einmal lächelt er die junge Rahjani an, bevor er sich - vorläufig - seinem Fisch zuwendet.



Das lässt sich Silana nicht zweimal sagen. Wie ein ausgehungerter Waldwolf macht sie sich über den Stockfisch her, als ob die Götter für die nächsten Monde eine Hungersnot geplant hätten.

Doch es ist nicht nur Hunger, der Silana so essen lässt, als sei sie unter Ogern großgeworden und nicht in einem Tempel, denn es ist offensichtlich, wie sehr sie die Abwechslung eines unzivilisierten Essens, ohne Beaufsichtigung genießt, bei dem sie nicht ermahnt wird, sie solle doch auf ihre grazile Handhaltung achten, gerader sitzen und nur so wenig in den Mund nehmen, dass sie jederzeit in der Lage ist, die Bemerkung eines Gastes zu erwidern.

Erst nachdem sie den gröbsten Hunger gestillt hat, schlägt sie eine gemäßigtere Essgeschwindigkeit ein.



Darian schlingt den Fisch zwar nicht ganz so schnell hinunter, wie die Rahjani, doch auch er ißt nicht gerade wie ein Vinsalter Höfling. Ein Stockfisch auf dem Marktplatz ist auch nicht unbedingt das rechte Menü, um auf höhere Tischmanieren zu achten. So macht sich der junge Magus recht zügig über den geräucherten Hering her und achtet dabei wenig auf das Verschmutzen seiner Finger. Lediglich für einen kurzen Blick auf Silana hält Darian gelegentlich einen sprichwörtlichen Augenblick mit dem Essen inne.



Während einer solchen Augenblicke, hat Silana gerade zufällig den Mund leer, Die noch immer schmutzigen Füße, streifen über die angenehm kühlen Steine des Brunnens.

Bevor sie einen weiten Bissen nimmt, beschließt sie, ein wenig Kommunikation einfließen zu lassen.

"Darf ich fragen, seit wann Du schon an Bord der NORDSTERN bist?" lächelt sie Darian mit ihren kristallklaren Blauaugen an.



Fast ein wenig hastig schlingt Darian den Bissen hinunter, um die Frage der Schönen nicht mit vollem Munde beantworten zu müssen. Wieder einmal schaut er in ihre kristallblauen Augen, wieder einmal hält ihn ihr Blick gefangen.

"Ich ging in Prem an Bord", antwortet er schließlich nach einiger Verzögerung.

Gleichzeitig reifen in seinem Kopf Worte heran, deren Überflüssigkeit seiner hesindianischen Lebensweise geradezu zuwiderläuft: Es liegt ihm auf der Zunge, der Rahjani zu sagen, daß er sie als schön empfindet. Wenn Silana eine einfache Bürgerin wäre, dann wäre es sicherlich angemessen, doch sie ist eine Geweihte der RAHja, eine Rahjageweihte WEIß, daß sie schön ist. Sie auf ihre Ausstrahlung hinzuweisen wäre etwa so, als würde man ihn, angetan mit Robe und Stab, darüber aufklären, daß er die Kraft besäße ...

Doch schließlich triumphiert dann doch HESindes hübsche Schwester:

"Du hast wunderschöne Augen", spricht der Adeptus. Fast ein wenig entfernt klingen seine Worte, so sehr konzentriert er sich auf eben jene Augen, in die er noch immer blickt.



Noch ein kleines Stück rücken die Augenbrauen der Rahja-Novizin zusammen, irgendwie scheint ihr der sprichwörtliche Faden des Gesprächs entglitten zu sein, denn als sie in ihrem gedanklichen Handbuch der gepflegten Konversation nachschlägt, wäre die Antwort auf die ihr gestellt Frage eine Gegenfrage nach ihrem Ankunftsziel gewesen. Die Sache mit den Augen und anderen Körperteilen hatte sie erst einige Dialoge später erwartet.

Auch wenn die Bemerkung ihr schmeichelt, ist sie sich unsicher, wie sie darauf reagieren soll, schließlich wird von ihr als Vertreterin der schönen Göttin Perfektion in der Aufnahme von netten Komplimenten erwartet.

So stellt sie sich im Geiste ihre wunderschöne Mentorin vor, wie würde Rahjina wohl das Gespräch weiterführen?

"ähm, danke," strahlt sie Darian lieblich an "Ihr habt ebenfalls interessante Augen, ich habe Augen solcher Farbe noch nie gesehen."

Beinahe körperlich spürt sie in dieser Sekunde den Schlag auf den Hinterkopf, den ihr die Rahjine vor ihrem inneren Auge, ihr versetzt.



Es dauert ein wenig, bis die Worte der jungen Rahjani Geist und Bewußtsein des Adeptus erreichen.

´Sie findet meine Augenfarbe interessant?´

Fast schwarz ist seine Iris, kaum noch zu unterscheiden von der Pupille, so sieht man auch nicht, daß sich seine Pupillen beim Anblick Silanas merklich geweitet haben.

Darian kommen die Scherze seiner Kommilitonen an der Akademie in den Sinn: "Schwarzes Auge" ist der Name eines sehr begehrtes Artefakt, von dem wohl jeder Magier bisweilen träumt eines zu besitzen. Nun, für die meisten bleibt es auch beim Traum, so daß es nicht weiter verwunderlich ist, daß jemand auffällt, der eben schwarze Augen hat ...

Kaum einen Herzschlag später, macht Silana plötzlich den Eindruck, als habe sie sich "auf die Zunge gebissen", als schäme sie sich für ein falsches Wort.

´Was hat sie nur?´

Ohne weiter darüber nachzudenken, rezitiert er einen, der eben in Erinnerung gerufenen Scherze, um sie aufzuheitern:

"Ja, so ein schwarzes Auge ist sehr mächtig, man kann damit an jeden Ort der Welt sehen."

Sein Gesicht verzieht sich zunächst zu einem Lächeln, doch dann ist es plötzlich Darian, der verunsichert dreinschaut.

´Und was ist, wenn sie nun noch nie von Schwarzen Augen gehört hat? Artefaktkunde steht wohl kaum auf dem Lehrplan einer Rahjatempelschule.´



Mit großen Augen starrt Silana Darian an, doch der intensive Blickkontakt wird durch einen jähen Hustenanfall der sich am Fisch verschluckenden Novizin unterbrochen.

Es dauert ein paar Sekunden, bis sie sich wieder unter Kontrolle hat und ein wenig heiser fragt sie den mächtigen Magier, während sie sich mit einer Hand die kleinen Tränchen aus den Augenwinkeln wischt:

"Und was seht Ihr momentan?"

Vor lauter Respekt vor den unheimlichen Fähigkeiten, entschlüpft ihr nun doch wieder die förmlichere Anrede.



Unklarer hätte Silans Reaktion kaum ausfallen können. Ihre Antwort läßt wirklich vollkommen offen, ob sie nun auf Darians Scherz eingegangen ist und ihn nun fortführt oder aber ihn gar nicht verstanden hat.

Weniger aus bewußter Überlegung, vielmehr aus der Intuition heraus, entscheidet sich der Adeptus für ersteres:

"Nun, momentan sehe ich junge Geweihte der Rahja, die die Schönheit ihrer Herrin wahrhaft vortrefflich in der hiesigen Sphäre zu repräsentieren versteht."

Ein bißchen wundert sich der Adeptus über sich selbst, da er nun einen Satz, den er vor noch gar nicht so langer Zeit für überflüssig und unpassend befunden hat, so ernsthaft und geschraubt formuliert, als gelte es mit einem Kollegen über die Sphärologia zu disputieren.



Einen Moment lang scheint Silana durch Darian hindurch in's Nichts zu schauen, zwar versteht sie den Sinn der einzelnen Worte und auch den Kontext, jedoch braucht sie eine Weile, um zu überlegen, in welche Schublade sie die Bemerkung wohl stecken soll.

schließlich entscheidet sie sich für das Schubfach 'Komplimente', denn schließlich ist es sehr nett und schmeichelhaft, wenn ein so großer Magier, dessen Augen in der Lage sind, alles zu erspähen, sich mit einer jungen Novizin beschäftigt.

"Vielen Dank," lächelt sie mit strahlenden Augen und zeigt dabei kurz ihre ebenmäßigen, weißen Zähne.

"Jedoch bin ich ja erst Novizin und noch lange nicht würdig mit der Schönsten auch nur verglichen zu werden, denn zu viel habe ich noch zu lernen."

Dabei kommen ihr wieder ihre schmutzigen Füsse in den Sinn und sie beschließt, diese sofort zu waschen, wenn der große Magier sein Mahl beendet hat



"Nun, auch wenn Du erst Novizin bist, so tut dies doch deiner Schönheit keinerlei Abbruch. Auch ich bin erst Adeptus Minor, habe also erst kürzlich die heimische Akademie verlassen. Dennoch besitze ich von Geburt an die Kraft, denn wem HESinde die Kraft verleiht, dem verleiht sie sie stets vom Anbeginn an."

Kurz zögert der junge Magus, dann korregiert er den letzten Satz ein wenig:

"Oh, versteh mich nicht falsch, ich verstehe mitnichten, was die Allwissende oder einen anderen der Zwölf bewegt, kein sterblicher kann dies, es ist nur vielmehr so, daß wir von keinem Fall wissen, bei dem es anders gewesen sei."

Wieder einmal gibt es eine kurze Pause, als Darian bemerkt, daß er völlig vom Thema abschweift.

"Nun, wie dem auch sei - Du bist eine Novizin der RAHja. Auch wenn du noch nicht die Weihe empfingst, also die endgültige Anerkennung durch die Göttin noch aussteht, so wurdest du doch ins Novizitat aufgenommen, also von ihren Geweihten akzeptiert. Wärest du nicht von erlesener Schönheit, so hätte man dich wohl kaum aufgenommen, wie auch keine Akademia einen Scolaren annimmt, der nicht die Kraft besitzt."

Wieder einmal verstummt der Adeptus apruppt.

´Heilige Noionia! Erst stottere ich, wie ein Bauernjunge beim Anblick des Schlangenhalsbandes, jetzt rede ich als referierte ich über das Ergebnis meines letzten ANALÜS ARCANSTRUKTUR!´

Wie passend, daß der letzte ANALÜS, den Darian wirkte, auch noch mißlang ...

Um etwas Zeit zu gewinnen, nimmt er erstmal einen weiteren Bissen seines, bereits merklich geschrumpften, Herings. Als er wieder aufschaut, verzichtet er lieber vorerst ganz aufs reden. Ein von Herzen kommendes Lächeln, das nun wieder das Gesicht des Adeptus ziert, sagt ohnehin mehr, als Worte, die akademisch hochgestochen und zugleich völlig ungelenk sind. Wieder einmal verliert sich Blick des jungen Magus in den blauen Tiefen Silanas Augen, wie in fernen Sphären.



Ein kleiner Schauer jagt bei den Worten Darians nun doch Silanas Rücken hinunter. Wenn es stimmt, dass dieser alles sehende Meister der Magie erst am Beginn seiner Ausbildung steht, dann möchte sie nicht wissen, über welche Macht wohl ein solcher Mann am Ende seiner Ausbildung verfügt.

Sie selbst dagegen ist sich bewusst, dass es zu ihrer Weihe noch sehr, sehr lange dauern kann, auch wenn die meisten Geweihten in ihrem Alter das Novizentum bereits abgeschlossen haben. Doch in ihrem Fall scheint es ihr, als wäre sie der Göttin so nah, dass sie sie fast mit den Fingerspitzen berühren könnte, doch dann stets an eine gläserne Wand stößt, die sie von der Schönen trennt.

Je mehr sie sich bemüht, eins mit der Göttin zu werden, desto fremder scheint ihr die Angebetete zu werden, da ist ihr ihre äußerlich Schönheit nur ein geringer Trost.

Als sie sich aus ihren Gedanken reißen kann, sieht sie in das lächelnde Gesicht des Adepten. Auch wenn sie sich nicht sicher ist, warum er jetzt lächelt, lächelt sie mal für alle Fälle zurück.

"Vielleicht sollte ich jetzt mal besser meine Füße waschen," schlägt sie vor, ohne dass das Lächeln, von ihrem Gesicht verschwindet.



Zwar erwidert die Rahjani sein Lächeln, doch zuvor scheint es, als sei sie irgendwie ... besorgt? Unsicher? Oder gar ängstlich? Dann lenkt sie schnell vom Thema ab und will sich lieber erstmal die Füße waschen. Innerlich seufzend beschließt Darian, nun doch einen anderen Weg im Gespräch mit Silana einzuschlagen:

"Wenn dich meine Worte verunsichert oder gar beleidigt haben, so bitte ich vielmals um Entschuldigung ..."

Wider einmal verliert sich ein Satz des Adeptus in der Unendlichkeit, statt zu einem klaren Ende geführt zu werden. Die Rahjanovizin macht es ihm aber auch nicht leicht, die rechten Worte zu finden, ist die hesindianische Weltsicht dem Adeptus doch um einiges vertrauter, als die rahjanische.



'Warum entschuldigt er sich?' geht es der Rahjani durch den Kopf, schließlich hat Darian doch gar nichts Schlimmes getan oder gemacht.

"Ihr.. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen," erwidert sie und steht nun endlich auf, um Sandalen und Fischüberreste erstmal auf dem Boden zu lassen.

Ein wenig hilflos sieht sie den steinernen, kühlen Brunnen hinab, um dann Darian ebenso hilfesuchend anzusehen.



´Wenigstens nimmt sie es mir nicht übel.´ stellt der junge Adeptus erleichtert fest.

Die letzten Bissen des Stockfisches verschwinden im Mund und schließlich im magen des Magiers, dann legt er die Gräten auch erstmal einfach zur Seite. Er blickt die Rahjani an, die ihn ihrerseits fragend ansieht. Auch Darians Gesicht nimmt einen fragenden Ausdruck an.

Mit einem, nicht unfreundlichen, sondern einfach nur ahnungslosen, "Stimmt etwas nicht?" durchbricht er schließlich das Schweigen.



Irgend jemand hatte Silana einmal in einem Moment der Redseligkeit anvertraut, dass manche Männer in der Lage seien, schönen Frauen jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Ein wenig enttäuscht es die Novizin, dass Darian scheinbar nicht zu diesen Männern gehört, aber sie hält ihm zu Gute, dass ihm wahrscheinlich noch die dazu nötige Erfahrung fehlt.

Oder war das mit den augenablesenden Männern nur eine Flunkerei?

Wie es auch immer sein mochte, bleibt Silana in diesem Falle nichts weiteres übrig, als die Lippen statt den Augen sprechen zu lassen, aber gedanklich behält sie sich vor, das mit den Augen in einem günstigeren Augenblick noch einmal zu versuchen.

"Doch, es stimmt schon alles... ich wollte nur fragen, ob Du mir... mit dem Wasser behilflich sein könntest."

Es war der jungen Frau klar, dass sie, sollte das mit den Augen unschaffbar sein, an ihren rhetorischen Fähigkeiten feilen mußte.



"Aber selbstverständlich", antwortet Darian hastig und macht sich auch sogleich an die Umsetzung.

´Da hätte ich auch gleich drauf kommen können´ schilt er sich innerlich, während er den Eimer hinunter läßt.

Doch auch andere Gedanken gehen im durch den Kopf, Gedanken, die mehr dem hesindianischen Lebensstil des Adeptus entsprechen:

´Zu dumm, daß wir hier in Havena sind ... wann wir wohl die nächste Akademiestadt erreichen? ... Grangor? Jedenfalls sollte er nicht schwer zu beschaffen sein ... auch sagt man ihm nach, daß er leicht zu erlernen sei ... wie lange wir wohl in Grangor liegen werden? ... Aber für eine Abschrift sollte die Zeit reichen ...´

Gegenstand dieser Überlegungen ist die Formel OHNE SEIFE, BÜRSTE, BAD mit der er bei Silana sicher großen Eindruck hinterlassen hätte - so er ihn denn beherrschte ...

Nach einer Weile befindet sich der Eimer wieder auf dem Brunnenrand, diesmal wohlgefüllt. Nun nimmt das Gesicht des jungen Magiers wieder einen fragenden Ausdruck an.

´Wie weit wünscht sie meine Hilfe jetzt?´

Nicht, daß Darian etwas dagegen hätte, der hübschen Geweihten auch beim waschen der Füße selbst behilflich zu sein, ganz im Gegenteil, aber er weiß auch, daß er ihr diese Art Hilfe niemals aufdrängen darf.



Momentan stehen auch Silana weder Seife, noch Bürste oder Bad zur Verfügung, dafür Finger und ein Eimer kaltes Wasser.

Zwar ist dies nicht die vornehmste und sicherlich auch nicht die gründlichste Form der Reinigung, aber bis zum Tempel ihrer Göttin wird es seinen Sinn erfüllen, schließlich will sie der Schönen und auch ihren Mitmenschen nicht mit völlig verdreckten Füßen entgegentreten.

Auf dem Brunnen sitzend hebt sie die Beine, damit sie leichter an die Sohlen kommt. Da sie nicht gleichzeitig rubbeln und schütten kann, überlegt sie einen Moment, ob sie Darian bitten soll, für sie das Schütten zu übernehmen, oder es noch einmal mit den Augen versuchen soll.

schließlich entscheidet sie sich aber doch für die direkte Bitte, um den hohen Herrn Magus nicht erneut in Verlegenheit zu bringen.

"Könntest Du mir bitte beim Waschen helfen?"



Während Darian noch so dasteht und überlegt, wie es jetzt weitergeht, spricht Silana die Bitte um Hilfe auch schon aus. Trotz seiner Unerfahrenheit in solchen Situationen, ist ihm klar, daß sie mit `helfen` das Schütten - und nicht etwa das Schrubben - meinen wird.

"Aber, selbstverständlich", antwortet er eilig.

Dann greift er erneut nach dem Eimer, um das Wasser nun vorsichtig über die Fußsohlen der Rahjani zu gießen. Die Dosierung ist mit dem schweren Eimer gar nicht so einfach, schließlich soll weder die Kleidung in Mitleidenschaft gezogen werden, noch der Schmutz trocken abgerieben werden. Nach einer etwas tolpatschigen `Einschwingphase` gelingt es ihm aber recht gut, einen konstanten Wasserfluß zu erzeugen.

Der Adeptus nutzt die Gelegenheit, um Silanas Füße eingehend zu betrachten, diese zarten Füßchen, von denen man kaum glauben mag, daß sie das Gewicht eines Menschen tragen können.

´Rahja hat wirklich alles bedacht - sogar die Füße´ denkt er verträumt.



Das Wasser ist kälter, als Silana eigentlich angenommen hat, doch sie schafft es gerade noch, einen kleinen Quietscher zu unterdrücken, als der eisige Schwall auf ihre schlanken Füßchen niedergeht und beginnt, fleißig mit den Fingern zu rubbeln.

Die Tropfen des Wassers, die ihre Haut benetzen, glitzern diamant artig in der Sonne, doch dort, wo die Finger schrubben, bekommt es eine unschöne, schmutzfarbene Färbung.

An ihren beiden großen Zehen finden sich die meisten Rinnsale wieder und fließen gemeinsam gen Boden, wo sie auf Nimmerwiedersehen versickern.

Als der Eimer leer ist, kann man die Füße noch immer nicht wirklich sauber nennen, auch wenn man jetzt wieder mehr von der nun etwas geröteten Haut erkennen kann, doch Silana ist für's erste mit dem Ergebnis zufrieden und schlüpft wieder in die Sandalen, die nun allerdings ein wenig unangenehm reiben.

Nun bleibt nur noch die Frage, was sie mit ihren nassen Händen machen soll, schließlich kann sie sich nicht so einfach an ihrer seidenschimmernden Kleidung abwischen. Sie löst das Problem, indem sie die Hände schnell und hundeartig schüttelt, so dass die Tropfen durch die Luft fliegen, auch wenn ein paar auf Darian landen. Den Rest wird wohl die Sonne übernehmen.

"Vielen Dank", erneut fliegt ein strahlendes Lächeln in Darians Richtung "Dann können wir ja langsam wieder weitergehen."

Bei diesen Worten steht Silana auf und klopft mit den Händen reflexartig ihre Kehrseite ab, nicht bedenkend, dass die Hände ja noch recht nass sind.




NORDSTERN - Im Laderaum vier: Rattenjäger - Meergrün und Traumauge


Auf Meergrüns Brummen antwortet Traumauge mit seinem behaglichen Schnurren.

Er legt sich jetzt vor dem Klabauter auf die Planken des Laderaums und reibt sein Köpfchen noch sanfter an dem neuen Freund.



So eine Katze ist ein toller Freund. Das Fell ist wirklich so weich wie feinster Samt. Sogar besser, weil warm und flauschig. Und mit ihrem magischen Schnurren können sie sogar griesgrämige Trolle glücklich machen.


"danke meiin freund

du giibst miir trost"


So umarmt Meergrün weiter den Katerkopf und streichelt sanft mit seinen kleinen Fingern darüber. Alle Sorgen sind vergessen, Trauer und Ratte und Wut auf die Welt. Das Einzige, was ein wenig stört, sind die Körner, die wie Wasser aus dem Loch hervorquellen, Meergrün auf den Rücken fallen bevor sie eine trockene Pfütze auf dem Boden bilden.

Aber das ist keine echte Sorge, Meergrün schiebt sich einfach etwas zur Seite und entkommt so dem Körnerregen, der munter weiter herab plätschert.



Auch Traumauge vergisst die Probleme, die sich mit der Ratte noch ergeben könnten und ist im Augenblick vollauf damit beschäftigt den Freund zu trösten.

Daher verstärkt er die Wirkung des Schnurrens noch, indem er die Tonhöhe noch weiter nach unten schraubt, ein winziges Wesen wie der Klabauter mag das daran spüren das eine Welle des Schnurrens wie ein sanftes Streicheln des Bauches erscheint, alles andere als unangenehm und der hörbare Ton verbreitet eine geradezu ansteckende ruhe und Gelassenheit, wohlige Freude und zufriedenheit, ja das liegt im Schnurren des kleinen Schiffskaters.



Langsam und zögerlich trennt sich Meergrün wieder aus dem weichen Fell.


"danke es geht

miir wiieder gut"


Meergrün schaut dem Kater tief in die Augen. Wie geheimnisvoll Katzenaugen glänzen. Bisher ist ihm das noch nie aufgefallen.


"deiin fell es iist

wunderbar weiich


sehr mag iich diich

mhoohiianiin


und biin so froh

wiie iich diich fand"



Die Freundlichen Worte Meergrüns lassen Traumauges Schnurren noch ein wenig weicher und sanfter werden.

Tief blickt der kleine Kater dem Klabauter in die Augen und langsam schließen und öffnen sich die Katzenaugen, ganz so als wolle er sanftheit und ruhe so sehr ausstrahlen, das auch der Freund von dieser ergriffen wird.

"Meau Mee Maui Iaue Meiieaiu Majaui"



Meergrün sieht dem jungen Kater tief in die Augen und blinzelt ihm vergnügt zu.


"alles schaffen

wiir zusammen


gehen wiir dann

ratten fangen"


Meergrün trennt sich zögerlich aus der warmen Zärtlichkeit des Freundes und geht zwei Schritte über die weiter hervorquellenden Körner auf seinen Ger zu.

Gerade als er seine Hände heben will, um den Holzspeer zu greifen, gelangt ihm ein Korn unter die Füße und er landet auf dem Hintern in einem flachen Hügel von Getreide. Auch das Aufstehen in dem rollenden Gut ist nicht so leicht, so daß er etwas zögerlich zu seinem Ger aufblickt, der fest im Leinen des Sackes steckt.


"viier siind besser

als meiine zweii


Mhooiianiin

meiin freund darf iich


kurz diir auf den

rücken steiigen"



Traumauges Ohren, Augen und Nase zeigt deutlich an das der kleine Kater von Meergrüns Vorschlag sehr angetan ist, ja man könnte fast sagen er ist begeistert, denn das wird sicher lustig, im kopf des Schiffskaters galoppiert ein mächtiger schwarzer Hengst rasant und unaufhaltsam voran.

Zu schade nur das Katzen nicht grinsen können, denn könnten sie es, so wäre Traumauge sicher jetzt ein Meister darin. Traumauge duckt sich flach auf den Boden und maunzt dem Klabauter dann auffordernd zu.



Vorsichtig steigt Meergrün auf die Schultern des Katers. Dadurch hat er noch mal Gelegenheit in das samtweiche nachtschwarze Fell zu greifen, das ihn so sehr fasziniert, daß er es kaum loslassen will. Nie hätte er erwartet, daß der Kater ihn so bereitwillig auf die Schultern nimmt.

Oben angekommen und vorsichtig balancierend streckt er sich nach dem Ger, kann aber nicht ganz heranreichen.


"iich komme niicht

ganz biis heran


kannst du noch was

höher reiichen"



Traumauge miaut nur bestätigend und reckt und streckt sich auf das er ein ganzes Stück größer wird. Doch offensichtlich reicht das noch nicht, so das er sich mit den Vorderpfoten in zwei drei Finger höhe in den SAck verkrallt. Dadurch ist die Höhe jetzt wohl ausreichend um die Waffe aufzunehmen, jedoch muss Meergrün jetzt auf die balance aufpassen, da der Katzenrücken nun zwangsläufig eine Schräglage vorweist.



Meergrün hält sich vorsichtig an Traumauges Fell fest. Aber irgendwie geht das nicht. Wenn er sich mit beiden Händen festhält, kann er den Ger nur mit den Zähnen raus ziehen. Und wenn er mit beiden Händen den Ger packt, rutscht er über das glatte Katzenfell ab. Und wenn er Katze und Holz je eine Hand gibt, wird beides nichts und es gibt Klabauterkopf auf Schiffsdielen.


"Mhooiianiin

wenn es diich drückt


dann giib miir laut

und iich hör auf"


Der Klabauter setzt sich rittlings auf den Katerrücken, dicht beim Hals, und klammert sich mit den Beinen fest. So hat er beide Hände frei und zieht den Ger mit Leichtigkeit heraus.


"da iist er raus

iich habe iihn"


Mit Freude blickt er auf den Ger seinen Großvaters und achtet nicht auf den steten Strahl von Körnern, der jetzt zu dem fingerdicken Loch heraus fließt.



Vorsichtig geht der Schiffskater wieder in eine Normale Standposition über und versucht vorsichtig einige Schritte zu gehen 'Mal sehen ob er sich halten kann'

Dabei achtet Traumauge sorgsam darauf nicht auf den hervor rieselnden Körnern auszurutschen.



"meiin freund wohiin

jagen wiir jetzt?"


Meergrün blickt sich kurz nach links und rechts, um sich zu orientieren. Den tollen Plan auf dem Boden hat er jetzt schon vergessen. Der Sitz auf dem er sitzt ist sehr bequem. Im Moment hätte er durchaus Lust noch ein Weilchen dort zu bleiben.


"kannst du das biiest

hierrum riiechen?"


Gleichzeitig hebt er die Nase und saugt prüfend etwas von der Laderaumluft ein.



Gerüche sind hier viele an der Zahl. Recht starke zum Teil, so dass Traumauges Nase ein wenig beeinträchtig ist, doch das wichtigste Peilorgan der kleinen Katze funktioniert prächtig: Sein Gehör.

"Mi Ma Mieaue"

gibt er von sich und dann drehen und peilen seine Ohren, als handele es sich um einen Südweiser. Nach kurzer Zeit richten sie sich schräg nach vorne aus und Traumauge schickt sich an auf eine Wand zuzuhalten. Zielstrebig schleicht er auf ein loses Brett zu und taucht darunter hindurch, denn bei der Berührung klappt es leicht nach vorne, wohl einer der unzähligen Gänge die nur ein Schiffskater entdecken und nutzen wird.

Im Laderaum zwei angelangt hält der Kater kurz inne und peilt erneut nach dem leisen tippelnden Geräusch, das so typisch für eine Ratte ist.

Kaum wahrnehmbar maunzt er:

"Meau ma miu meau"



Meergrüns Ohren sind nicht so gut wie die des Katers. Er lauscht etwas in die Dunkelheit, kann aber nichts hören. Und von vorne sieht die Kiste ganz normal aus. Daher beugt er sich vor und flüstert der Katze ins Ohr.


"kannst du noch was

näher heran"


Zuerst ist er erstaunt, wie laut seine Stimme noch ist. Dabei hatte er sich so viel Mühe gegeben leise zu sein. Aber gegen die zauberhafte Lautlosigkeit der Katzen ist selbst ein unsichtbarer Klabauter noch ein rotes Tuch.


'katzenpfote

leiise schriitte


rattenkralle

das deck zerkratzt


klabauter siitzt

unsiichtbar da'


Hoffentlich hat die Ratte sie nicht gehört. Gerade wo Meergrün doch noch glaubt, daß ihre Jagd etwas werden könnte.



Vom Geplapper seines Reiters einmal abgesehen, bewegt sich der Schiffskater vollkommen Lautlos voran.

Die Worte des Klabauters lassen die Beute innehalten und das Rascheln verstummt für einen Augenblick. Traumauge hält in jenem Augenblick inne, verharrt still, als sei er eine steinerne Statue in irgendeinem reichen Liebfeldschen Herrenhaus. So dauert es auch nicht lange und das kaum hörbare, für eine Katze jedoch gut wahrnehmbare Scharren setzt wieder ein und Traumauge tut genau das, er schleicht sich näher heran, langsam und lautlos, gelangt er immer näher an das ersehnte Ziel. Antworten tut er jedoch nicht, vielleicht ist es eine stumme Warnung an seinen neuen Freund nicht so laut zu sein, doch er folgt auch kein Hinweis darauf, denn dieser würde auch einen Laut erfordern.



Meergrün beugt sich über den Hals des Katers ein wenig vor, um neugierig um die Ecke zu spähen. Der Klabauter ist ganz gespannt, und läßt sich durch nichts von der Jagd ablenken.

Außer vielleicht von den Kribbeln, das ihm langsam in der Nase aufsteigt. Wie wild beginnt Meergrün mit dem Zeigefinger unter der Nase hin und her zu reiben, so wie sein Großvater das immer gemacht hat. Das wäre peinlich, jetzt los zu niesen!



Trip trip trip trip.

Gemütlich und mit dem selbstgefälligem Wissen um die absolute Alleinherrschaft in allen tiefen und versteckten Regionen des Schiffes trabt Renzo Attus durch die Finsternis. Das es hier dunkel ist stört ihn nicht, ganz im Gegenteil, hier fühlt er sich sicher und wohl.

R. Attus hält kurz inne um an gewohnter Stelle das Revier zu markieren. Das ist mehr als eine bloße Pflichtübung, gibt es doch in seiner Großen Sippe mehr als einen gierigen Anwärter auf die Führungsposition...

Plötzlich beschleicht den Ratterich ein seltsames Gefühl.

'Nanu? Noch jemand in der Nähe? Hab ich da nicht was gehört?'

R. Attus hält inne und reckt Ohren und Näschen in die Höhe. Zu hören ist im Augenblick nichts mehr, und zu riechen auch nicht. Viel Wind weht ja hier unten nicht.

So beschließt er erst einmal, die Götter eine gute Familie sein zu lassen und einmal unter der Kombüse nachzuschauen, da fällt schließlich immer mal wieder was Leckeres durch die Ritzen zwischen den Decksplanken.

Trip trip trip trip...



Das Kribbel in Meergrüns Nase steigt immer höher. Wie verzweifelt reibt Meergrün an der Nasenspitze. Zwei kleine Ameisen laufen links und rechts in der Nase hoch. Meergrün reibt mit der ganzen Hand die ganze Nase.


'nur niicht niiesen

niicht jetzt biitte'


Die Ameisen sind oben in der Stirn angekommen und feiern ein Wiedersehensfest. Laut und mit viel Hergetrampel. Meergrün zwickt sich in die Nase. Es soll einfach bitte aufhören.

Jetzt fangen die Ameisen an sich einen Festschmaus aus der Nase heraus zu beißen. Meergrün tränen die Augen. Der Klabauter schiebt einen Zeigefinger ganz tief in die Nase. Vielleicht kann er so eines der Tierchen in der Nase erwischen - hoffnungslos.

Er muß den Mund öffnen und tief einatmen. Er schließt die Augen. Plötzlich ... ist das Kribbeln weg. Nichts mehr da. Wie weggeblasen. Erleichtert stößt Meergrün den Atem aus.

"puuuh war das knapp"

Als ihm bewußt wird, daß er normal laut gesprochen hat, schlägt er beide Hände auf dem Mund übereinander, schaut sich schuldbewußt um und murmelt leise zwischen den Fingern hervor.

"huch, tschuldiigung"



Ungebannte Anspannung entspringt dem Geiste des kleinen Katers und so erwidert Traumauge erneut keinen Laut auf des Klabauters Worte, schließlich dürfte seine Stimme nicht so erschreckend wirken, wie die eines Katers.

Vorsichtig und lautlos schleicht er voran, immer näher an die verräterischen Geräusch, bis er erneut den dicken, fiesen Schwanz der Ratte zu Gesicht bekommt...

Zu einem gewaltigen Sprung setzt er an und springt...

Eigentlich hätte er die fette Ratte sicher genau getroffen, hätte seine Reißzähne in ihren Nacken schlagen können, doch das kleine, aber eben zusätzliche Gewicht des Klabauters lassen seinen Sprung fehl gehen, lediglich das hintere Ende des Rattenschwanzes erreichen seine Krallen bewehrten Pfoten.

Messerscharf stechen sie in den fetten Schwanz, doch vermag das wohl kaum zu reichen den riesigen Körper zu halten, zumal Traumauge sich erst einmal auf die neue Situation einstellen muss.



Plötzlich sind Traumauge und Meergrün über der Ratte. Mit einem Kampfruf sticht auch der Klabauter gegen das riesige Ungetüm, von dem im Moment nur der riesige Hintern zu sehen ist.


"ratteriich du

übelnager


horch, das war deiin

letztes glasen"


Naja, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und für einen ersten Stoß war er gar nicht so weit daneben. Hoffentlich steht RONdra auch Klabautern und Katzen bei, denn die Ratte hat bei weitem das größere Kampfgewicht.



Gerade noch hat er sich so sicher gefühlt, wie überhaupt nur möglich, da wird Attus durch ein Geräusch alarmiert. Noch während er sich orientiert, und sich gerade umdrehen will, wird er sogar attackiert!

Er! Hier! Auf seinem Schiff! Unerhört!

Natürlich nimmt R. Attus den Schmerz in seinem Schwanz war, aber das ist nichts, was ihn von einer Demonstration seiner Macht abhalten könnte! So wirbelt er herum und bleckt seine feisten gelben Riesennagezähne.

"Hah, lächerlich! Wollt Ihr mich damit beeindrucken?"

Aus böse glänzenden Äuglein schaut Attus auf einen kleinen entschlossen-erschreckt wirkenden Katernachwuchs und auf ein seltsames kleines Männlein, daß sich auf seinem Rücken festklammert.

"Da muß Euch schon was besseres einfallen, denn hier ist mein Revier!"

Mit einem leisen Knurren reißt der Ratterich sein Maul auf und stürzt sich ohne zu zögern auf das seltsame Reitergespann.



"aaahiiii giib acht"


Von dem Sprung gerät Meergrün doch recht aus dem Gleichgewicht. Weit vornüber gebeugt über den Kopf des Katers erhält es es zurück. Zufälligerweise ist das gerade die Haltung, in der der Schwertmeister von Havena immer seine Lanzengänge gewonnen hat. Glück braucht der Klabauter.


"du rattenviieh"



Auge in Auge mit dem Rattenungetüm muss der Kater in der Tat kurz bangen, doch mit seinem neuen Freund fühlt er sich sicher, zu zweit kann ihnen nichts passieren - 'hoffentlich'!

Von diesem Mut getrieben, blickt Traumauge auf die riesigen, scharfen Zähne und erwidert seinerseits scharfe Drohgebärden.

Zunächst ein lautes Fauchen und Präsentieren der nadelspitzen Fangzähne, dann ein gewaltiges, grollendes Maunzen, das mehr an das Knurren eines Hundes oder das Rollen eines tiefen "RRRRRRRRRRRR" erinnert. Allesamt Geräusche, die man einem so kleinen und zarten Kater wohl kaum zutrauen würde, die aber dennoch seine Kehle verlassen.

Dann, als sich das Untier erdreistet auf ihn anzugehen, springt der Schiffskater gleichzeitig mit allen Vieren senkrecht in die höhe, weswegen die Ratte einfach unter ihm hindurch taucht.

Kaum gelandet dreht er sich sofort um und ein noch lauteres und wohl selbst auf dem Gang noch hörbares "RRRRRRRRRRRRRRRCHHHHHH" ertönt, unmittelbar bevor er zur Verfolgung des Rattenmonsters ansetzt. Es ist der Mut des Verzeifelten, der ihn treibt. Jetzt heißt es dranbleiben und hoffen, dass man die Überraschung nutzen kann.



Gerade beißt er zu, da stellt er auch schon fest, daß seine Zähne ins Leere schnappen. Verdutzt schaut Renzo Attus nach vorne, wo gerade noch dieser kleine Kater war. Doch statt kleinlaut davon zu rennen, hat dieser äußerst bedrohlich gefaucht und ist dann plötzlich verschwunden. Als dann auch noch hinter dem Ratterich ein lautes Fauchen ertönt ist es plötzlich um Attus Selbstbeherrschung geschehen.

Schnell wie eine Ratte saust er los, mit wild peitschendem Schwanz verschwindet er zwischen einer Batterie Fässer und taucht auf der anderen Seite an einigen Säcken wieder auf, von denen einer beschädigt ist.

'Ah, Körner... wenn ich diesen Teufel los bin, muß ich hier vorbeischauen!'

Mit mächtigen Sätzen springt die Ratte die Stufen des Niederganges hinauf und wieselt flink bugwärts. Mit der überlegenen Logik einer Chef-Ratte saust Renzo nach oben. Schließlich würde er selbst sich zwar unten am wohlsten fühlen, allerdings hat er dort ja auch dieses Katzenvieh getroffen. Und das muß von dort verschwinden!

Mit scharrenden Pfoten geht es weiter, den Atem des Todes im Nacken, der ihn zu erstaunlicher Geschwindigkeit antreibt. Kurzerhand saust er den vorderen Niedergang hinauf, wo er gleich in den Schatten der Relingsbeplankung ausweicht. Etwas geblendet von dem ungewohnten Sonnenlicht bleibt Attus erst mal in guter Deckung zwischen einer Taurolle und einem der Spanten sitzen.

'Denen habe ich es aber gezeigt!'

Dann dreht er sich siegesgewiß um.



Traumauges Mut wächst mit jedem Sprung der Ratte. Ja, er hat es geschafft! Sie hat Angst und diese Gefühl beflügelt ihn zu weiteren Höchstleistungen. Den Klabauter auf dem Rücken, kann der kleine Kater zwar nicht ganz so schnell folgen, wie er das gerne hätte, doch sie feinen Katzenohren wissen genau, wohin das Ungeheuer flüchtet und so liegen nicht mehr als eine Hand voll Schritt Abstand zwischen den Kontrahenten. Beim empor jagen des niederganges hat er kurz das Gefühl der Klabauter müsse hinunter purzeln, doch der scheint sich mittlerweile ja ganz gut halten zu können und so jagt er, das Gewicht beständig noch spürend weiter.

Kaum, dass die Ratte siegessicher zurückblickt, erscheint der Schiffskater, mitsamt seinem Reiter, auf dem Oberdeck. Ein, für seine Körpergröße gewaltiger Sprung bringt ihn direkt ans Licht der Praiosscheibe.

Das Siegessichere im Blick der Ratte bringt in ihm das Jagdfieber weiter in Wallung. Ein unsäglich tiefes Grollen steigt seiner Kehle empor, durchbrochen von schrillem Fauchen, wer nie eine Katze bei der Jagd erlebt hat, muss glauben hier wird eine Sau abgestochen oder ein Hund verteidigt sein Revier. Ohne das Grollen abzubrechen spurtet Traumauge urplötzlich auf den Ratterich zu, eiskalte Entschlossenheit liegt in dem, sonst so niedlichen Gesicht des Katers.



"halt neiin stop jetzt

niicht da autsch lang


langsambiitte

großvaterhiilf


gleiich falle iich

iich fall runter"


Ganz so schlimm ist es nicht, aber mindestens einmal sieht es so aus, als würde der Klabauter verkehrt herum auf dem Kater sitzen. Doch als die fiese Ratte auf dem Oberdeck Halt macht, ist Meergrün noch dabei. Er hat sogar den Ger noch. Jetzt wird es ernst, als Traumauge auf die Ratte losgeht.


"ei da kann iich

niicht hiinschauen"



IN HAVENA - Im Tempel des EFFerd: Caiden - Efferdan


'traurig', denkt Caiden und nickt. 'Traurig war Aillil oft, und teilweise auch sehr vorsichtig und ängstlich, wenn es um ihre große Liebe ging. Dennoch schien diese Liebe immer größer zu sein als alle Gefahren die damit verbunden gewesen waren. Bis eines Tages...'

Caiden wundert sich ein wenig ob Aillils Tod vielleicht irgend etwas mit ihrem Liebsten zu tun hatte, aber er konnte sich nicht wirklich vorstellen wie das zusammen hängen sollte. EFFerd hatte sie zu sich geholt. Daran gab es nichts unerklärliches oder geheimnisvolles. Caiden äußert keinen dieser Gedanken gegenüber Efferdan. Er glaubt nicht, daß es in irgendeiner Weise helfen würde über Aillils Tod zu reden. Aber über ihre Ängste...

"Du hast Recht. Sie war oft traurig und besorgt wegen irgend etwas. Und das du deinen Vater nicht kennen gelernt hast mag vielleicht daran liegen, daß deine Mutter wohl selbst Schwierigkeiten hatte ihn gelegentlich zu sehen. Ich glaube es war eine Verbindung, die zwar EFFerd und RAHja erfreute, aber aus menschlicher Sicht nicht hätte zu Stande kommen dürfen. Vielleicht war dein Vater von hohem Adel, Efferdan. Aber ich weiß nicht so Recht wer in Frage käme. Er muß dir wohl recht ähnlich sein. Aillil erwähnte einmal etwas in dieser Richtung."

Caiden überlegt noch einmal ein wenig welche Person von Adel in Frage käme, die auch noch etwas mit Efferd zu tun hatte, aber es mag ihm immer noch niemand einfallen. Außerdem passte zu niemanden der Name. 'der Name...'

Entgegen seiner sonstigen Ruhe wird Caiden fast ein wenig hektisch als es ihm einfällt:

"Efferdan.. eines weiß ich doch über deinen Vater. Dein Nachname... der Teil 'Aquirial'.. das ist der Name oder ein Teil des Namens deines Vaters."

..und schon ist Caidens plötzliche Hektik wieder vorbei. Denn wie soll dieser Name Efferdan weiter helfen?



Efferdan sieht Caiden mit offenem Mund an. Seine Augen schillern Caiden meersblau entgegen, wogendem Wasser gleich, das einen Pfad sucht. Die Dinge, die Caiden ihm da offenbart lassen ihn schwindlig werden.

"Aquirial... mein zweiter Vorname ...mein Vater?" haucht er hervor. Schon oft hatte er sich gefragt, woher dieser Name - so ungewöhnlich - stammt. War er wirklich sein Vatername? Doch - wer hies so? Efferdan ist sich sicher, dass der Name keiner Sprache entstammt, die er kennt und doch... Irgendwie klingt er so vertraut und das nicht nur, weil es auch sein eigener Name ist (den er eigentlich nie benutzt). Etwas tief hinter seiner Stirn regt sich. Für einen Moment ist ihm so, als kenne etwas tief in ihm die Bedeutung des Namens, doch je mehr er sich darauf konzentriert, desto weiter weg rückt dieser flüchtige Funke des Wissens.

Und da ist noch etwas:

"Ich ähnle ...meinem Vater? Wie?"

Auch dies ist Efferdan neu und wieder wird ihm schmerzlich bewusst, wie wenig er eigentlich weiß. Caiden dagegen scheint einiges zu wissen und so ist der Geweihte ein Quell des Wissens für ihn.

`...mir recht ähnlich sein...`

Würde er seinen Vater erkennen, wenn er ihn sähe. Wie sieht er ihm ähnlich? Konnte es wirklich sein dass... Aber, solch helles Haar, solche Augen... Efferdan hat so etwas ähnliches bisher nur bei Elfen gesehen.

Efferdan ist verwirrter als vorher. Jede kleine Antwort wirft ei Berg neuer Fragen auf. Ihm ist so, als würde ihn jemand von dem unsicheren Boden auf dem er die ganze Zeit stand wegnehmen und ihn ins Nichts setzen. Woran sollte er sich klammern? Unsicherheit steht in seinen Augen, Ratlosigkeit, ja, vielleicht sogar eine Spur Furcht. »Wo gehöre ich nur hin« scheinen sie zu flehen.



"Du sollst wohl ähnliche Haare und Augen wie dein Vater haben und..."

Caiden stockt. Das was er noch erfahren hatte, hatte er nicht gerade auf feine Art erfahren. Eines Tages hatte Aillil mit einer Freundin geredet in einem Moment wo sie dachten, daß sie wohl unbeobachtet gewesen wärem. Aber Caiden hatte in der Nähe zu tun gehabt. Und anstatt ein wenig lauter zu werden, um auf sich aufmerksam zu machen war er leiser geworden und hatte den beiden gelauscht.

"..und... einmal hat deine Mutter etwas erwähnt, daß die Lippen ihres Liebsten ganz weich seien."

Caiden ist sichtlich unwohl dabei das zu äussern, was eine Frau über ihren Liebsten sagte und schnell fügt er hinzu:

"aber das gehört wohl nicht ganz hierher."

Caiden schweigt einen Moment und betrachtet Efferdan von der Seite. Er versuchte heraus zu finden wieviel von Efferdan ihn an Aillil erinnerte und wieviel wohl von dem was nicht passte wohl zu Efferdans Vater gehören mochte.



`Meine Augen und Haare...`

Gedankenverloren fährt Efferdan sich mit der rechten Hand seitlich über das Haar, die Ange hinab, berührt seine Lippen

`...weiche Lippen...`

und lässt die Hand wieder sinken.

Die Frage nach dem wer ist noch immer nicht geklärt, doch Efferdan weiß nun, wie er seinen Vater erkennen kann - wenn er ihn jemals trifft.

`Wo er wohl ist...`

Fragend sieht er wieder zu Caiden hin.

"Weißt... weißt du, woher er kam...?"

Es ist als habe Efferdan beinahe völlig vergessen, wer vor ihm steht. Er sieht in Caiden nicht mehr den Geweihten, sondern einen Freund seiner Mutter. Er sieht wieder vage ein jüngeres Gesicht vor sich, dass auf ihn aufgepasst hat, wenn seine Mutter beschäftigt war. Caidens Stimme erinnert ihn wieder an einen mann, auf dessen Schoß er einst saß... Ein Onkel, dessen Erinnerungen ihm helfen können.


***


Eine schattenhafte, schlanke Gestalt verharrt still und unbemerkt wie ein Raubfisch auf Beutefang in einem Seitengang, ganz von einem Wandvorhang verdeckt. Das schon leicht verblichene Muster zeigt einen weißen Delphin, der kraftvoll aus dem sturmumpeitschten Wasser springt, ein Wegweiser für ein verirrtes Schiff. Und ganz klein in der Ferne, schon beinahe hinter dem Horizont, liegt das rettende Land, in silbriges Licht getaucht. Normalerweise ist es nicht ihre Art, doch jetzt wartet sie wie ein stiller Teich, lauscht dem murmelnden Wasserfall der Worte. Schon gestern war ihr ein junger Mann aufgefallen, dessen ungewöhnliches Äußeres sie an etwas erinnerte. Und nun... Sie glaubte zu wissen! Sie, die viele Geheimnisse kannte, die der uralte Tempel vor den Augen und Ohren der meisten Menschen verbarg. Noch war sie sich nicht ganz sicher. War der Lachs bereit für das Süßwasser?



"Woher er kam?"

Caiden schüttelt etwas energischer den Kopf. Ein Zeichen, daß er sich zwar viel damit beschäftigt hatte, aber es nie heraus gefunden hatte.

"Ailil hat nie erwähnt woher dein Vater kam. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, daß sie ihn relativ häufig traf. Gelegentlich ließ sie sich entschuldigen und war dann irgendwo anders. Üblicherweise sprach sie nicht darüber wo sie war, aber ich schätze sie traf deinen Vater."

Caiden runzelt ein wenig die Stirn.

"Seltsam eigentlich, daß nie jemand sie häufig mit einem Fremden zusammen gesehen hat. Vielleicht war es jemand der sogar allgemein bekannt ist, aber ich könnte wirklich nicht sagen wer. Ich schätze jedoch, daß er nicht sehr weit entfernt lebte oder sogar noch lebt. Allerdings ist es auch möglich, daß er nur auf Reisen hier halt machte. Wenn man Ailil nach deinem Vater fragte hieß es meist er sei auf See."

'Zu jemanden der viel auf Reisen war und nur gelegentlich jeden Ort mal besuchte passt allerdings nicht, dass er sich dann wohl doch relativ häufig mit Ailil getroffen hat', fügt Caiden nur in Gedanken hinzu, aber er war sich sicher, daß Efferdan selbst darauf kommen würde. Andererseits wollte Caiden Efferdan keine falschen Hoffnungen machen, daß sein Vater vielleicht sogar noch in der Nähe war.

'Bei EFFerd... was machst du dir darüber Gedanken, wenn du nicht mal die geringste Ahnung hast wer es sein könnte', schimpft Caiden in Gedanken mit sich selbst... 'ob es vielleicht noch andere Leute gibt, die Efferdan weiter helfen können?'



Der Schimmer der Hoffnung in Efferdans Augen flackert, wird kleiner. Irgendwie wirkt er ziemlich niedergeschlagen, als er wieder nach unten sieht, die Fliesen anstarrt.

"Schade"

Nur dieses eine Wort kommt aus Efferdans Mund und das nicht einmal besonders laut. Und doch drückt es all die Empfindungen aus, die Efferdan in sich fühlt:

Niedergeschlagenheit. Ersterbende Hoffnung, je etwas zu erfahren. Trauer. Wut. Verzweiflung. Einsamkeit. Furcht vor der Zukunft. Unsicherheit. Zweifel an sich selbst. Und die bohrende Frage »Was nun?«


***


Die Gestalt hinter dem Vorhang späht durch einen Spalt um die beiden Gesprächspartner genauer zu betrachten.

`Caiden... du standst ihr immer schon sehr nahe. Und Efferdan war wie ein Neffe für dich. du weißt viel. Doch das wichtigste hat man auch dir nicht gesagt. Noch immer kratzt du nur an der Oberfläche...`Der Blick der Gestalt bleibt auf dem blassen Matrosen hängen. `So ratlos... Fest entschlossen, das Geheimnis deiner Herkunft zu ergründen, doch wo du hinkommst stößt du auf eine Mauer. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, dass du dich erkennst. Lange ist es schon her... Vielleicht wird es Zeit, dass du einiges erfährst. Die Schleier über den Tiefen sollten gelüftet werden. Muss ihm Bescheid geben...`

Und so lautlos wie die Muräne im tiefen Wasser, still, wie sie gekommen ist, huscht die Gestalt wieder zurück durch den Gang um bald darauf hinter einer reich mit efferdgefälligen Motiven verzierten Tür zu verschwinden. Wer an ihr vorbeigehen würde, könnte kurz darauf zwei Stimmen vernehmen. Die einer jungen Frau und die eines alten, aber immer noch rüstigen Mannes...


***


Tränen sammelt sich in Efferdans Augen. Seine Hände sind zu hilflosen Fäusten geballt. Seine Lippen zittern.

"Gibt - es - denn - niemand - der - mir - helfen - kann?"

Jedes Wort durchtrennt die Luft wie das Beil eines Henkers.


***


Die Götter sind keineswegs taub und erhören verzweifelte Fragen wohl - manchmal. Und ganz ganz selten hören sie sie schon, bevor die Frage überhaupt ausgesprochen wurde. Dann ist die Antwort schon auf dem Weg...



Caiden hat einen Fehler gemacht. Er wollte Efferdan nicht zu viel Hoffnung machen, damit er nicht zu enttäuscht wäre, falls er zu keinem Ergebnis käme. Doch darüber schien Efferdan schon längst hinaus. Caiden hätte beinahe auch noch den letzten Rest Hoffnung der noch in Efferdan war zerstört. Doch wer mochte Efferdan weiter helfen können. Wem hatte Ailil vertraut und somit vielleicht mehr anvertraut als ihm selbst.

Caiden versucht darüber nachzudenken während er versucht Efferdan zu beruhigen. Er legt beruhigend die Hand auf Efferdans Schulter, schaut ihn an und spricht dabei ruhig:

"Keine Angst Efferdan. Wenn die 12 es wollen werden sie dir helfen und ich bin mir sicher, daß keiner von ihnen einen Grund hätte dir zur zürnen und dich absichtlich im Dunklen lässt. Es gibt sicherlich noch andere die dir weiter helfen können. Nur ich bin nicht der Quell der dir alle Antworten liefern kann und ich denke es wird kein einfaches Unterfangen bleiben mehr über dich und deinen Vater herauszufinden."

'Das war nicht sehr hilfreich...', meckert Caiden in Gedanken mit sich selbst, 'über all die Jahre solltest du es doch langsam gelernt haben wie man Menschen beruhigt und ihnen neuen Mut gibt.'

"Graustein...", sagt Caiden als ihm die Antwort auf die Frage kommt die er sich selbst stellte. "Vielleicht weiß der Hochgeweihte Graustein mehr", vervollständigt Caiden die Information, "Ailil vertraute ihm. Du solltest vielleicht erst einmal mit ihm reden. Falls Du von ihm nichts neues erfährst, so können wir uns später gerne noch einmal zusammen setzen und sehen ob uns noch mehr einfällt."

Caiden hofft, daß Graustein Efferdan wirklich weiter helfen konnte. Ansonsten schien es schwierig an weitere Informationen zu kommen.

'Vielleicht sollte ich selbst noch ein wenig nachforschen, damit ich Efferdan später vielleicht noch ein wenig mehr helfen kann.'



"Vielleicht hast du Recht, Illarea. Es wird Zeit, dass die Gestaden des ewigen Ozeans wieder einmal ein Geheimnis enthüllen."

Der Mann erhebt sich. Schon will die Frau ihm stützend zu Hilfe kommen, doch der alte Mann wehrt ab.

"Schon gut."


***


Als Caiden ihm die Hand auf die Schulter legt zuckt Efferdan - beinahe schon aus Gewohnheit - zusammen. Gerade noch kann er den Impuls unterdrücken, zurückzuspringen. Traurig starrt er geradeaus, auf Caidens Brust und hört stumm Caidens tröstenden Worten zu, die ihn doch nicht so recht trösten wollen. Niedergeschlagen wirkt er und irgendwie auch so als hätte er beinahe aufgegeben.

`Caiden kann mir nicht helfen - wer dann???`


***


Mit einer Geschmeidigkeit, die ihm niemand, der ihn nicht kennt, zugetraut hätte, schreitet der alte Mann den Gang entlang, dicht gefolgt von der Illarea Efferdtreu, einer der Geweihten des Tempels.

Schon können die Beiden den Wandteppich sehen und auch die Stimmen derer hören, die dahinter stehen und reden. Der alte Mann lächelt, als er die Stimme Caidens erkennt und sein Lächeln wird zu einem Grinsen, als er den Namen vernimmt, den der Geweihte aufgeregt hervorbringt. Der Mann vollführt eine abwinkende Geste in Richtung der Geweihten.

"Ich gehe alleine, schließlich wollen wir ihn nicht verschrecken"


***


Efferdan sieht auf, als er den Namen des Tempelvorstehers hört.

`Sollte er? Aber kann ich...?`

Hoffnung und Verunsicherung widerstreben in seinen Augen.

"Glaubst... glaubst du wirk..."

Abrupt hält Efferdan plötzlich inne. War da nicht ein Geräusch hinter dem Wandvorhang? Efferdan hatte schon immer scharfe Ohren gehabt und eben war ihm so, als hätte er eine Stimme gehört.

Doch noch bevor er dazu kommt, etwas zu sagen, schiebt eine schmale, runzlige, von Altersflecken gezierte Hand den Teppich zur Seite.


***


Wie bereits erwähnt, erteilen die Götter die Antwort auf eine Frage ganz selten noch, bevor sie richtig gestellt wurde. Und manchmal muss ein Sterblicher nicht nach der Antwort suchen, sondern sie findet ihn.


***


"Ich glaube, dass wird nicht nötig sein, Caiden" nimmt der Alte auf Caidens letzte Worte bezug.

"Dein Einfall war richtig. Ich denke, ich kann dem Jungen wirklich helfen"

Efferdan reißt die Augen auf und starrt die Gestalt an. Erst einige Augenblicke später wird ihm überhaupt bewusst, wen er da sieht und sofort verneigt er sich tief.

"Eurer... Hochwürden..." stammelt er.

Hochwürden Graustein wirkt trotz seines Alters nicht gebrechlich. Seine sehnige Gestalt steht noch immer aufrecht, die Haut wettergegerbt und noch immer strahlen seine Augen mit dem Feuer. Er trägt die Robe eines einfachen Geweihten, lediglich das Stirnband aus Blutrochenhaut, dass sich deutlich von seinen ergrauten Haare abhebt, zeugt von seiner Würde als Tempelvorsteher.

"Schon gut, Efferdan."

Seine Stimme ist klar und freundlich.

"Es ist lange her... 8 Jahre, seit du das letzte Mal hier warst, nicht?"

Seine Worte klingen nicht tadelnd, eher bedauernd.

"Sieht man einmal von gestern ab..." fügt er rasch hinzu.

"Fast neun" erwidert Efferdan kläglich. Er erinnert ich noch gut an seinen TSA-Tag Anfang des letzten Mondes, den er ganz still für sich gefeiert hatte. Und er erinnerte sch noch genau daran, wie er damals, kurz nach seinem 12. Tsatag zum Hafen gegangen war und als Schiffsjunge angeheuert hatte. Seitdem hatte er nie den Mut gefunden, während eines Aufenthaltes in Havena den Tempel, seine alte Heimat und die seiner Mutter, zu besuchen. Zu schmerzlich schienen ihm die Erinnerungen. Und auch jetzt rinnt ihm eine Träne die Wange hinunter.

"Schon gut, ist nicht schlimm" spricht Graustein sanft auf den jungen Matrosen ein. "Du bist groß geworden! Hast wohl viel erlebt? Und doch ist da eine brennende Frage, auf die du nach all den Jahren noch keine Antwort finden konntest."

Graustein mustert Efferdan eindringlich, fast so wie ein Vater, der erkennt, dass sein Sohn erwachsen geworden ist.

"Ich glaube, es gibt da etwas, was ich dir sagen sollte. Deine Mutter hat sich mir anvertraut, weißt du? Wir wollten warten, bis du alt genug wärst, weißt du? Und dann warst du plötzlich weg..."

Nachdenklich blickt er auf.

"Caiden? Könntest du dich bitte um das Nachmittagsgebet kümmern? Illarea und ich sind beschäftigt..."

Sanft legt sich seine Hand um Efferdans Schulter.

"Komm mein Junge, wir sollten in mein Zimmer gehen...


***


Gerade kommt Efferdan noch dazu, Caiden ein aus tiefsten Herzen kommendes "Danke" zuzuwerfen, als ihn Graustein auch schon zu seinem Zimmer führt. Auch Illarea schließt sich den beiden an. Etwas mulmig ist Efferdan schon, doch endlich sollte er etwas erfahren. Endlich!


***


"Also" beginnt Graustein. "Alles begann etwa anderthalb Jahre vor deiner Geburt, als..."

Und so erzählt Graustein Efferdan eine Geschichte, eine Geschichte, die ihm viele seiner Fragen beantwortet.

So kommt es, dass der junge Matrose den ganzen Mittag lauschend, staunend, verwirrt, verblüfft und von vielen Gefühlen mehr geschüttelt in diesem Zimmer verbringt und es erst verlässt, als andernorts Menschen aus einem gewissen Stadion strömen und die zwischenzeitlich recht leeren Gassen und Tavernen Havenas wieder mit pulsierendem Leben füllen...



Auf dem ersten Blick könnte man meinen, der junge, blasse Mann, der da aus dem Tempel tritt und die Stufen hinunter stolpert, wäre krank. Taumelnd ist sein Schritt und in seinem Blick steht Verwirrung.

Efferdan weiß nicht, was er denken und fühlen soll. Zu ungeheuerlich sind die Dinge, die man ihm soeben, nach all den Jahren eröffnet hatte. Er wußte jetzt, wer sein Vater war - oder ist, denn ob er noch lebt konnte auch der Hochgeweihte ihm nicht mit Sicherheit sagen - dafür weiß Efferdan jetzt noch weniger, wer er selbst ist.

Stammelnd hatte er sich bei dem Hochgeweihten und seiner Vertrauten bedankt und war einfach hinaus getaumelt. Er brauchte Zeit - Zeit um sich über so einiges klar zu werden.

Vieles in seinem Leben wurde deutlicher - doch auch neue Fragen taten sich vor ihm auf. Es war nicht so, dass die Fragen verschwunden wären - sie hatten sich nur verändert. Aus "Wer? wurde "Wo?", aus "Was?" "Warum?".

Halt suchend tastet seine Linke nach einer Säule, während seine rechte den Kopf voller umherschwirrender Gedanken stützt. Er bereute nicht, endlich Antworten erhalten zu haben - auch wenn er sich wünscht, die Antworten wären... nun »einfacher« gewesen.


***


Besorgt sieht Illarea immer noch zur Tür, durch die Efferdan vor Kurzem verschwunden war

"Meinst du, er kommt damit klar?"

Vor ein paar Stunden noch erschien es ihr eine gute Idee zu ein, Efferdan alles zu sagen, doch jetzt, nachdem sie gesehen hatte, wie der junge Mann reagiert hatte, ist sie sich da nicht mehr ganz so sicher.

Sie selbst hatte von der ganzen Sache erfahren, als sie zufällig auf ein altes Tempelbuch stieß, dass offensichtlich nur von den jeweiligen Hochgeweihten geführt wurde. Neugierig wie sie war hatte sie es durch geblättert und war dabei auf einige, schon von Graustein verfasste Einträge gestoßen. Und SIE hatte ihr mehr erzählt, als sie gefragt hatte.

"Er wird. Und er wird froh sein es zu wissen" antwortet die sanfte Stimme des Hochgeweihten. "Mach dir keine Sorgen. Er ist stark, wie seine Mutter."

"Warum hast du ihm nicht gesagt, wo er seinen Vater finden kann. ich bin sicher, SIE weiß es. SIE weiß alles darüber."

Graustein schüttelt bedächtig den Kopf.

"Das wäre nicht gut gewesen. Er muss ich erst klar werden, wer er ist und was er will. Er wird es schon selbst herausfinden, wenn es an der Zeit ist."


***


Tränen treten Efferdan in die Augen

`Und was jetzt?`



IN HAVENA - Im Immanstadion: Stürze und Zusammenstöße - Hjaldar, Alberik und Garulf


Eigentlich erscheint Hjaldar die Aussicht auf eine Rauferei mit mehreren Bullenfans gar nicht mehr so rosig und spaßbringend wie gestern/vorgestern auf der Brücke ... zum einen ist sein rechter Arm kaum einsatzfähig und ein empfindlicher Angriffspunkt dazu und zum anderen fehlt hier auch das Geländer für den taktischen Rückzug nach moralischem Sieg.

Aber der Schulterschluß von Garulf und Alberik, sowie der nicht wirklich vorhandene Zusammenhalt der Havener gibt ihm wieder Oberwasser

"Wat is Bangbüx, hess din Büx voll? Komm hierher Bulle, ick wull Di wat!!!" ruft er dem Entweichenden mit einladend winkender Geste der linken Hand zu.



Der Ruf des Thorwalers bringt den Hanvenaer, der zu Beginn die Schmähungen ausgestoßen hatte, dazu, sich noch schneller flüchtender Weise zu entfernen.

Allerdings... zu seinem großen Pech und dem großen Gelächter der Umstehenden schafft er es dabei nicht wirklich weit, denn ein korpulenter Handwerker, den er zur Seite zu schubsen versucht, hebt nur kurz den Fuss und tritt ihm damit das Bein weg, so dass er in nur wenig mehr als drei Schritt Entfernung von den beiden Thorwalern und ihrem zwergischen Freund der Länge nach hinschlägt - DAFÜR machen die umstehenden Zuschauer bereitwillig Platz, auch wenn ihre Aufmerksamkeit sich zunehmend dem wieder anlaufenden Spiel zuwendet.



Eben noch wollte Garulf dazu ansetzen, den flüchtigen Havener am Kragen zu packen und zurückzuziehen, doch dann zieht der Feigling es vor, sich freiwillig in den Matsch zu werfen. Eben noch die Fäuste geballt, fängt der Smutje jetzt lautstark an zu lachen:

"Nu kiek di den an! ... HA HA HA ... konn nichma op twe Benen gen un mokt hi den Lauten! ... HO HO HO"



Laut fällt Alberik in das Gelächter des Thorwalers mit ein und hält sich den Bauch.

"HA HA HA! Ja genau!"

Mal wieder versteht er eigentlich gar nichts aufgrund des thorwalschen Akzents, aber das ist im Moment auch nicht wichtig, denn jeder weiß, worüber gelacht wird. Und deswegen kann man ruhigen Gewissens zustimmen.

"HUA HUA HUA!"



Hjaldar stimmt in das spöttische Gelächter von Alberik und Garulf ein.

"Wat is Bangbüx, biss uff'em eegenen Mumm aafglitscht? Hess din Büx vullschieten? Pass up, ick hol Di!"

Er macht einen schnellen Schritt nach vorne, so als ob er sich den Flüchtenden jetzt greifen wollte, um dessen Angst noch ein wenig anzuheizen, bleibt aber gleich wieder stehen und lacht weiter.



IN HAVENA - In Immanstadion: Der Gestürzte auf der Flucht


Mit einem Mal wird dem Hanvenaer klar, dass er keinesfalls in einer gewaltigen Übermacht EINEM Thorwaler gegenübersteht, sondern zwischen seinesgleichen DREI Gegnern! Und... seinesgleichen steht nicht so sehr auf seiner Seite, wie er das zu glauben scheint, denn fast parallel zu dem hilfesuchenden Blick, den er nach links zu einem kräftig gebauten Nachbarn wirft, stösst dieser hervor:

"Könnt ihr das nicht draußen ausmachen? Oder nach dem Spiel?"

Es gilt Hanvenaern und den "anderen" gleicher maßen, und ist in einem fast gelangweilten Ton ausgesprochen.

Der erste der Hanvenaer Fans, der die Stimme gegen den Thorwaler erhoben hat, zieht sich nun noch weiter zwischen die anderen zurück, bereit, sich jeden Moment flüchtend zwischen diesen in Sicherheit zu bringen.

"FEIGLING!" stößt sein Nachbar auf der anderen Seite hervor, während er ein Stückchen zur Seite weicht.



Der Gestürzte hat mit einem Schlag nicht nur ein Problem, sondern gleich deren drei. Zum einen ist er immer noch durch die Thorwaler bedroht, und möchte so weit wie nur irgend möglich fliehen, aber zum anderen schmerzen seine Knie ziemlich, mit denen er hart auf einer Steinkante gelandet ist, und zu guter (oder unguter?) Letzt hat die zweite Halbzeit begonnen, und damit ist er den Umstehenden vollkommen egal, ihnen ist das Spiel viel wichtiger als er dort auf dem Boden, der dabei auch den einen oder anderen nicht beabsichtigten Fußtritt abbekommt.

So ist an eine Flucht nicht wirklich zu denken.



Bei dem schnellen Schritt des Thorwalers rappelt der Gestürzte sich auf, um weiter zu fliehen, was aber nicht wirklich von Erfolg gekrönt ist, denn zwischen den Beinen der Zuschauer ist einfach nicht genug Platz, und diese zu sehr vom Spiel mitgerissen, um auf derlei "unwichtiges" zu achten.

schließlich schafft er es aber doch, wieder auf die Beine zu kommen, nicht, ohne dabei den einen oder anderen Ellbogen oder das eine oder andere Knie abzubekommen, und schaut sich gehetzt um, auf welche Weise und in welche Richtung er am schnellsten entkommen kann.



IN HAVENA - In Immanstadion: In der Arena


Auch wenn sich das Bild gegenüber der ersten Halbzeit nun, nach dem Signal zur zweiten Spielhälfte gründlich gewandelt hat, man kann nicht sagen, dass die 'Pottwale' sich verloren geben. Auch wenn die 'Bullen' momentan aufspielen, als hätten sie wesentlich mehr Spieler auf dem Feld als die Mannschaft aus Prem, so können sie aus ihrer Überlegenheit, genauso wie die 'Pottwale' vorher, keinen zählbaren Vorteil heraus streiten. Allerdings wehren sich die Premer mehr mit dem Mut der Verzweiflung, als aus taktischen Überlegungen heraus. Doch gerade die angeschlagenen Spielerinnen der Mannschaft erzwingen sich dabei eine zentrale Bedeutung. Auf der einen Seite des Feldes ist es Algrid, die sich, trotz ihrer Verletzungen, immer wieder erfolgreich in das Aufbauspiel der 'Bullen' wirft, auf der anderen Seite entwickelt sich Tula zu einer schier unüberwindbaren Barriere. Tula humpelt zwar zusehends mehr und mehr mit jeder weiteren Handlung, jedoch, wenn die Lage es verlangt bewegt sie sich leicht und behende, auch wenn man an ihrem von Schmerz verzerrtem gesicht gut ablesen kann, was sie diese Abwehrtaten kosten.


***


Frenhild, die Fee, bemüht sich verzweifelt um einen geordneten Spielaufbau im Mittelfeld, doch nur selten bekommt sie den Ball zugespielt und wenn sie ihn dann doch einmal führen darf, mangelt an Anspielpartnern. Waren die Stürmer der 'Pottwale' in der ersten Spielhälfte noch sehr offensiv eingestellt, so lassen sie sich nun etwas zu weite nach hinten fallen. Doch die Kraft für einen schnellen Gegenangriff reicht bei Hasgar und Thinmar einfach nicht mehr aus. Allein Ragnid und Aki scheinen noch im Vollbesitz ihrer körperlichen Kräfte zu sein. Jedoch hat Aki die unheilvolle Neigung etwas planlos nach vorne zu stürmen und er stellt sich meistens in eine Position, von der aus er einen guten Weg zum Tor der 'Bullen' antreten könnte, nur kann man ihn dort nicht anspielen. Aber auch Ragnid ist schlecht in das Aufbauspiel einzubinden, da sie nun doppelt und dreifach abgedeckt wird, offensichtlich ist man sich der Gefährlichkeit dieser Spielerin auch in den Reihen der 'Bullen' bewusst geworden und ist nun versucht ihre 'Kreise' zu beschneiden. So kommt es, dass Frenhild oftmals den Ball vertändelt oder nach einem riskanten Abspiel an den Gegner verliert.


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Thinmar ist erschöpft. Mehrmals muss er lange Balle ziehen lassen, obwohl er sie noch vor kurzer Zeit mühelos erlaufen hätte. Aber Algrid läßt immer mehr nach, obwohl sie ihre Sache noch sehr gut macht, dennoch öffnen sich für die 'Bullen' zu oft freie Räume, durch die sogar solche Hau-Ruck-Spieler wie dieser kleine 'Schlangenkopf' einen ANgriff einleiten könnten. Thinmar ist nunmehr derart in die Verteidigung eingebunden, dass er an den Angriff schon längst nicht mehr so recht denken mag. Der Ausgleichstreffer der 'Bullen' hat ihm viel von seinem spielerischen Elan geraubt.


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Was er in de ersten Halbzeit an Wegen hat sparen können, das holt Thorlif nunmehr ordentlich nach. Die 'Otter' agiert außerordentlich schnell, in einer Weise, dass man den Eindruck bekommen könnte, er wäre sogar mehrmals auf dem Platz. Seine Leidenschaft kommt aber auch keinen Moment zu früh, denn immer öfter dringen die 'Bullen' in eine gefährliche Nähe zu Tor Isleif's. Thorlif spielt sehr geschickt und hat manchen Angreifer den Ball vom Schläger geholt, ohne den Mann oder die Frau selbst zu behelligen. So kennt man die 'Otter' gar nicht, was mag nur dahinter stecken ... ?


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Faenwulf ist unzufrieden, sogar sehr unzufrieden. Es ist ja nicht so, dass ihm das Verteidigen keinen Spaß machen würde, aber immer nur verteidigen, den Ball weg schlagen und darauf zu warten, dass ihm der nächste Angriff entgegen brandet, das ist auch nicht seine Vorstellung von einem guten Spiel. Sicherlich hat er gefordert, dass die Abwehr verstärkt werden sollte, aber doch nicht um den Preis, dass nach vorne gar nichts mehr geht. Außerdem verlangt der momentane Spielstand nun wirklich etwas mehr Druck auf das gegnerische Tor und ein Tor ist nur dann zu erzielen, wenn man sich auch in die gegnerische Hälfte wagt.

Faenwulf brummt mürrisch. Doch als er noch so seinen Gedanken nachhängt, wie das Spiel nach vorne besser zu gestalten wäre, wird er plötzlich von Ifirnsgiron anspielt. Faenwulf flucht innerlich, er hat bei seinen Überlegungen um eine mögliche Zukunft ein bißchen zu sehr die Gegenwart aus den Augen gelassen und nun hat er den Ball, dafür aber keinerlei Überblick und daraus resultierend auch keine Ahnung wohin er ihn abspielen könnte. Es tut sich im Augenblick auch keiner seiner Mannschaftsfreunde hervor, denn die sind offensichtlich recht froh, den Ball, also die Verantwortung nicht zu haben. Und da Faenwulf überhaupt nichts besseres einfällt, fängt er an zu rennen und den Ball vor sich her zu treiben. Immer geradeaus läuft er und er erspart sich jeden Blick nach links und nach recht, da er nicht erwartet, dass er dort günstiges erblicken könnte. Faenwulf rennt nicht schnell, doch wird er, seltsamer weise kaum attackiert. Vielleicht hat man von ihm ein derartiges Vorgehen nicht erwartet. Einzig die beiden Frenhilds erkennen die Besonderheit der Lage und eilen herbei, nicht um von Faenwulf den Ball, sondern um ihn an den Flanken abzusichern. Auch Aki verhält sich ausnahmsweise der Mannschaft dienlich und bereitet freie Räume Mittelfeld.


***


Auf diese Weise kommen die 'Pottwale' endlich wieder einmal in geschlossener Formation in die Hälfte der 'Bullen'. Es ist das erste mal inder zweiten Halbzeit, dass ein Spielzug der 'Pottwale' wieder geordnet wirkt. Vielleicht hat dieses Aufbäumen einer ausgezehrten Mannschaft die 'Bullen' zu diesem Zeitpunkt überrascht, vielleicht war es auch die plötzliche Ordnung in einem sonst so chaotischen Spiel 'Pottwale' oder unter Umstände die Rückkehr zu einer Spielmoral, die man dieser Mannschaft in dieser Situation nicht mehr zugetraut hätte, vielleicht war es aber auch alles miteinander, auf jeden Fall bahnt sich momentan ein Spielzug an, der den bisherigen Spielverlauf in der zweiten Halbzeit auf den Kopf stellen könnte, denn schon sind die 'Pottwale' tief in die Hälfte der 'Bullen' eingedrungen.


***


Ragnid betrachtet die Situation und beginnt zu lächeln. Zur Verwirrung aller Abwehrspielerinnen und -spieler unternimmt die Yeshinna nicht, aber auch gar nichts, um ihren Leuten zu helfen oder sie zu unterstützen. Sie stützt sich einfach nur auf ihren Schläger und schaut zu, wie Faenwulf und seine 'Eskorte' näher kommen ....


***


Nur selten ist Faenwulf jemals in einem Spiel nervös geworden. Das war schon früher so, als er damals, als Grünschnabel, zum erstenmal in die Mannshcaft aufgenommen worden war. Nun ist er erfahren und er gilt als einer der abgebrühtesten Spieler im Immansport. Doch war seine Position immer die eines Bremsers gewesen und das war und ist er mit Leib und Seele. Seine Auflüge jenseits der Mittellinie sind seltener gewesen als Regen in der Khom und nun ist ihm tatsächlich so, als habe er seine angestammte Heimat verlassen und er fühlt sich wie ein Fremder, so kurz vor dem Tor des Gegners. Da sieht er Ragnid, die sich untätig auf ihren Schläger lümmelt, er sieht ihr Lächeln und fast muß Faenwulf auch lächeln.

'Wollen wir es zu Ende bringen!' denkt er sich, hebt den Schläger und treibt den Korkball mit einer immensen Geschwindigkeit auf das Tor Brendan's zu .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


In der zweiten Hälfte des Spieles gibt es auch für die Fans der Premer Mannschaft nichts zu lachen. Allzuhäufig steht nur noch Thorlif zwischen dem Kork und dem Tor. Und wenn der Mann seine Pflicht tut, so ein echter Grund zum Jubel ist das nicht. Auch ist der ein oder andere der Zugereisten noch ziemlich sauer auf den letzten Mann.

Und der Rest des Haufens in der Arena ist auch nicht viel besser dran. Kaum kommt mal ein richtiger Spielzug zustande und wenn man gerade anfängt sich warmzubrüllen ist der Ball auch schon wieder weg. Holz und Gras und Gehumpel. Kein Grund zu Feiern. Bis dann ...


Faenwulf

Faenwulf

Faenwulf!


Faenwulf!

Faenwulf!Faenwulf!

Faenwulf!Faenwulf!Faenwulf!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wechsel der Aufmerksamkeit - Hjaldar und Garulf


Noch eine ganze Zeit lang dröhnt Hjaldars spöttisches Gelächter den nicht wirklich erfolgreichen Fluchtversuchen des Haveners entgegen und wird von einigen bösartigen Grimassen begleitet, wenn dieser sich gehtzt nach den drei 'verfolgern' umdreht.

Bis seine Aufmerksamkeit schließlich wieder dort landet, wo sie eigentlich die ganze Zeit hätte sein sollen: auf dem Spielfeld, verursacht durch die lauten 'Faenwulf' Rufe der Thorwaler Anhängerschaft.

"Garulf, kiek, dat wird'n Dreefacher Eumel! Faenwulf los, giffem Saures!!!"



In der ganzen Zeit in der die zweite Spielhälfte nun schon währt, üben die Bullen Druck auf die Premer aus. Wie Hammerschläge prasseln die Angriffe der wesentlich ausgeruhteren Mannschaft auf die erschöpften und angeschlagenen Pottwale ein. Doch durch viel Einsatz - und vielleicht auch etwas Glück - hält das »Schild« der Premer, etwas, was die Bullen immer mehr anstachelt, wie ein angriffslustiger Hornissenschwarm schwirren sie über das Feld. Doch wie so oft, wenn ein Kämpfer wild mit dem Schwert zu treffen versucht, ist das eigene Schild gesenkt. Noch dazu weil Ragnid eine »Ehrengarde« erhält.

Mehr und mehr hat sich die Linie der Bullen nach vorne verlagert, so dass die Bullen wie in der ersten Halbzeit schon die Premer sehr offensiv spielen - entgegen aller anordnungen Cathals. Es ist, als wollten sie endlich noch ein Tor erzwingen - nach dem sie auf das erste so lange warten mussten.

Sie sind selbstsicher die Bullen - zu selbstsicher? Manchmal wird man dafür bestraft...


***


Es scheint so, als würde Faenwulf zu anfangs gar nicht beachtet. In ihrer Euphorie kommen die meisten Bullen gar nicht auf den Gedanken, dass Faenwulf seinen wichtigen Platz in der wankenden Premer Abwehr verlassen könnte um nach vorne zu stürmen. Irgendwie erwarten sie, dass er gleich abspielen wird - und so machen sie die Abspielmöglichkeiten dicht.

Doch die Augen der Bullen werden immer erstaunter, als sie Faenwulf weiter rennen sehen - und fluchend erkennen, dass er wirklich das beinahe undenkbare wagt: Er öffnet die Abwehrreihen um 'aufs Tor zu stürmen'!


***


`Verdammt!`

Cathal spurtet los, dem vorbeigezogenen Faenwulf hinterher.

"Abfangen brüllt er"

Der Blick auf die eigenen Abwehrreihen bereitet ihm Bauchschmerzen - löchrig wie ein Fischernetz.

Dunvallo hat gar nicht auf nicht auf Cathals Anweisung gewartet - wie dieser hat er erkannt, was los ist - und handelt.

Er spurtet los, um Faenwulf aufzuhalten.

Auch Romolosch setzt sich in Bewegung. Doch im Gegensatz zu den anderen beiden stürmt er Faenwulf nicht hinterher, sondern entgegen.

Lyn erwacht ebenfalls aus ihrer Erstarrung, als sie Cathals Ruf hört. Den Premer würde SIE aufhalten - und sich damit natürlich wieder glänzend in den Mittelpunkt rücken. Schließlich muss man sie doch einfach bewundern, oder?


***


Da, Eine Chance - die Pottwale scheinen plötzlich von neuer Vitalität erfüllt. es ist, als würden sie ihre Müdigkeit abschütteln, um sich ganz auf den ersten geordneten Angriff in dieser Halbzeit zu konzentrieren.

Tula beißt wieder die Zähne zusammen und stellt sich Dunvallo in den Weg. Sie würde nicht weichen und wanken, nein! Ihm würde sie es zeigen, er würde Faenwulf nicht erreichen!


***


Frenhild und Frenhild laufen immer noch auf den Flanken, haben sich aber etwas von Faenwulf gelöst. Allein hat Faenwulf wohl keine Chancen, jetzt, da die Bullen aus ihrem erstarrten Staunen erwacht sind. Aber, wenn sie sich anstrengen und mit etwas Glück...


***


Faenwulf stürmt weiter. Mittlerweile hat die Aufregung die Unsicherheit fast verdrängt. Er kann es noch kaum fassen - er, auf dem Weg zum Tor. Ganz ruhig und sicher läuft er nach vorne, den Kork feinfühlig am Schläger und die Augen auf dem kleinen Hindernis, dass von vorne immer näher kommt...


***


Dunvallo sprintet weiter, direkt auf Tula zu, die sich ihm entschlossen in den Weg stellt. Kurz überlegt er, ob er sie durch einen Schlag in den Magen ausschalten kann, doch ihre Körperhaltung und ihr entschlossenes Gesicht lassen ihn zu dem Schluss kommen, dass das wohl doch nicht so einfach wäre.

`Verdammt, ich habe keine Zeit für lange Spielchen - wird Zeit die Taktik zu ändern!`

Und so tut er etwas, was wohl keiner erwartet. Während er auf Tula zurennt wird er immer gebückter und hält den Schläger waagrecht vor seine Brust


***


Tula stutzt `Was hat er vor?`


***


Kurz vor Tula bremst Dunvallo ab, geht etwas in die Knie, spannt seine Muskeln und springt. Exzellente Körperbeherrschung drückt sich nun in einem eleganten Salto aus, mit dem Dunvallo geradezu über Tula segelt.

`Die Yeshinna ist nicht die einzige...`


***


Überrascht sieht Tula nach oben

"Wie...???"


***


Ragnid zieht überrascht die Augenbraue hoch, während sie diese Szene auf ihren Schläger gestützt beobachtet.

`Das hätte ich ihm nicht zugetraut...`

Bisher hatte sie geglaubt, dass solche Manöver allein ihre Domäne wären - doch anscheinend wird sie in Zukunft auch ein Auge auf Dunvallo haben müssen...


***


Aki - ebenfalls vorne mit dabei, um »den Weg frei zu räumen«, wie es so schön heißt - grinst, als er die schlanke, blonde Gestalt erblickt, die sich da vor ihm in Richtung Faenwulf schiebt. Wie ein Raubtier auf Beutefang bleckt der juneg Thorwaler die Szene. So gefällt es ihm. Er kann einen Gegner für Faenwulf aus dem Weg räumen und wahrscheinlich dabei auch noch Spaß haben.

"Na, meine Süße?" ist das letzte was Lyn hört, bevor sie ein schwerer Körper, auf den sie in der ganzen Aufregung gar nicht geachtet hatte, anspringt und einfach zu Boden reißt.

Verdutzt weiten sich ihre Augen

`Was!!!`

Das nächste was zu hören ist, ist ein spitzer Schrei, aus dem man

"Geh runter von mir, du Flegel" heraus hören könnte - so man sich für diese Stelle des Spielfelds interessiert...


***

Faenwulf mustert die mehr als 1.40 Schritt kompakte Muskelmasse, die in Form Romoloschs auf ihn zuhalten. Die felsgrauen Augen funkeln wild und die Kohlenstreifen auf der Wange wirken nicht gerade einladend. Für einen Moment sieht er ein Bild vor seinem inneren Auge: Kleine, schwerbewaffnete »Felsen«, die plötzlich lebendig geworden zu sein schienen stürmen die Berge herab. Kettenhemde glitzern im Licht, Axtklingen verheißen funkelnd Schärfe, lange Bärte wehen im Wind. Grimmige Gesichter... Faenwulf schüttelt das Bild ab.

`Ich muss an ihm vorbei!`

Hastig sieht er sich um, um zu sehen, was für Möglichkeiten ihm bleiben.

"Frenhild!" brüllt er plötzlich

Romolosch stürmt weiter vor, den Schläger erhoben, bereit Faenwulf den Ball vom Schläger zu schlagen.


***


Beide Frenhilds spannen sich. Jetzt!

Gleich würde der Ball kommen, bestimmt.


***


Wenn zwei Spielerinnen den gleichen Namen haben, kann es naturgemäß dazu kommen, dass die Aufmerksamkeit geteilt wird, geteilt werden muss. Doch diesmal scheint die Situation klar. Die Augen vieler Bullen richten sich auf Frenhild, »die Tigerin«. Sie hat in der ersten Halbzeit bewiesen, dass sie gefährlich ist, während die »Fee« eher dadurch glänzte, vielfach Bekanntschaft mit dem Boden gemacht zu haben.

Dunvallo ändert die Richtung - auf Frenhild, natürlich die Tigerin, zu.

Cathal unterdessen hällt immer noch auf Faenwulf zu.


***


Brendan lockert seine Schultern und spannt seine Beinmuskeln. Es gefällt ihm gar nicht, dass die Pottwale plötzlich so nahe am Tor sind. Seine Augen fixieren den Kork an Faenwulfs Schläger.


***


Faenwulf hatte wirklich einen Moment lang erwogen, die Tigerin anzuspielen. Denn in dieser Situation versuchen Romolosch auszuweichen ist riskant und Frenhild stünde durchaus günstig. Doch...

Faenwulf holt aus und schlägt den Kork ab.


***


Die Tigerin sieht sich um. Wie schon so oft fällt ihr Blick auf Dunvallo. Seid sie ihm die Wette angeboten hat, wird sie ihn kaum noch los, er scheint ihr wie ein Schatten zu folgen. Eigentlich logisch, bestimmt will er sicher gehen, dass er seine Wette gewinnt.

`Diesmal nicht, mein Süßer`

Entschlossen beschleunigt sie ihren Schritt.


***


Die Fee hingegen fühlt sich irgendwie niedergeschlagen. Klar, dass der Kork zur Tigerin fliegt, schließlich hatte sie sich heute nicht mit Ruhm bekleckert. Sie verlangsamt ihren Schritt... und hätte beinahe den Kork verpasst, der in IHRE Richtung geflogen kommt!

Hastig springt sie nach vorne, stoppt den Ball mit ihrer Brust. Sie kann es gar nicht fassen. Vor ihr, der Weg zum Tor. Nur noch ein kleines Stück - und alles frei! Sogar Brendan scheint seine Konzentration für einen Moment in die andere Richtung verlagert zu haben.

Stille! Alle Geräusche scheinen verstummt. Die Fee hat nur Augen für das Tor vor ihr. Es kommt ihr sogar so vor, als hätte Satinav selbst die Zeit um sie herum verlangsamt,m als würden sich alle außer ihr nur noch halb so schnell bewegen.

"Danke Faenwulf" flüstert sie, holt aus und schickt den Ball nach vorne, auf eine schnelle Reise auf das Tor der Bullen zu.


***


Brendan zuckt zusammen

`Was?`

Wie all die anderen hatte er seine Aufmerksamkeit zur Tigerin gerichtet, als klar war, dass Faenwulf einen Seitwärtsschlag ausführen würde. Doch jetzt...

Fluchend wirft er sich zur Seite. Sein ganzer Körper streckt sich, in der Hoffnung, den Kork rechtzeitig aufzuhalten.


***


Kerzengerade folgt der Ball seiner Flugbahn. Hart schneidet der Kork durch die Luft. Schnell ist er, mit aller Kraft geschlagen die Frenhild aufbringen konnte. Wie ein kleiner Komet zischt er fort, direkt auf den gewünschten »Einschlagspunkt« zu. Und doch ist nicht sicher, ob er trifft, den Brendans Hand rückt immer näher...


***


"VERDAMMT!" brüllt Brendan, als er hart auf dem Boden aufkommt. Stöhnen breitet sich wie eine Welle innerhalb der Bullen aus, während es die Premer gar nicht fassen können. Dumpf schlägt der Kork an die Stadionwand hinter dem Tor. Ulferts Pfeife verkündet, was sie alle schon wissen - es steht wieder 4:3 für die Pottwale!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Nach einem Moment der ungläubigen Stille, als der Ball plötzlich weg ist und dann erst, während andere noch bei der Tigerin danach suchen, das laute, befreiende Pochen gegen die Torbande von einem Siegpunkt kündet, braust der Jubel unter den Fans der zukünftigen Siegermannschaft auf:

Frenhild!! TOOOOR! Faenwulf! JauJauJauJau! TOOOR! Feeeeehiiiild!

Der Jubel legt sich langsam zu einem siegessicherem Sprechgesang:


Metzger ins Stadion

Metzger ins Stadion

jetzt sind die Bullen dran



IN HAVENA - In Immanstadion: Leidenschaft und Beherrschung - Fiana und Ole


Gerade und aufrecht steht Ole in der Menge, starr und steif, als hätte er ein Gelübde abgelegt einen Wehrheimer im 'stramm stehen' zu übertreffen. Jetzt nur keine Leidenschaft mehr zeigen! Er steht wie ein Leuchtturm im aufgewühlten Meer, da er die umstehenden Zuschauer um mehr als zwei Haupteslängen überragt. Auch die hoch gewachsene Fiana wirkt fast klein und zierlich neben ihm, obwohl auch sie wesentlich grösser ist, als jene, die sich um sie herum aufhalten.

Der alte Schiffszimmermann stopft sich eine Pfeife und ignoriert dabei die Proteste seines Vordermannes, dem er dabei eine stattliche Menge Tabak über den Kragen ins Genick bröselt. Aber Ole zündet sie nicht an. Das hat allerdings kaum etwas mit rücksicht auf seine nebenleute zu tun, als mehr mit dem Umstand, dass er in diesem engen Gedrängel nicht an seinen Glimmstab herankommt. Aber Ole ist dennoch zufrieden, auch eine 'kalte' Pfeife hilft ihm seinen Blick, seine Gedanken auf das Spielfeld zu konzentrieren, weg von Fiana, weg von der steten Frage, ob sie wohl mehr Offizier oder Frau sein könnte.

Ein bisschen neidisch ist Ole allerdings schon. Während er krampfhaft bemüht ist alle Leidenschaft zu verbergen, um sich nicht wieder auf unerwünschte Weise gehen zu lassen, läßt Fiana ihrerseits alle Begeisterung im Überfluss heraus.

"Ja, Herrin!" sagt er immer wieder bestätigend, wenn Fiana eine Szene aus dem Spiel aus ihrem Gesichtspunkt heraus kommentiert, auch wenn er dieselbe Szene ganz anders gesehen hat oder auch anders werten würde. Das Spiel selbst ist ja mittlerweile mehr als unansehnlich geworden. Ole ist sich in diesem Punkt mit Fiana einig. Auch der Schiffszimmermann kann sich nicht an den gelungenen Spielzüge und Kombinationen der 'Bullen' ergötzen, das einzige, was ihn begeistern könnte wäre ein Erfolg der 'Premer', Lokalpatriotismus geht ihm wesentlich näher, als die Freuden des 'edlen' Immansports im Allgemeinen.

Doch zwischendurch verliert Ole ein wenig seiner Selbstbeherrschung und er blinzelt forschend zu Fiana hinüber. Doch immer wieder ruft er sich selbst zurück, als müsste er fürchten beim Anblick Fiana's das Augenlicht zu verlieren. Seine Laune sinkt immer tiefer, wie ein Kiste voll mit Steinen, die man ins Meer geworfen hat. Seine Stimmung erhellt sich noch nicht einmal, als Faenwulf den ersten, ansehnlich Angriff der 'Pottwale' seit Beginn der zweiten Halbzeit einleitet.

Er verfolgt das Geschehen auf dem Spielfeld mit versteinerter Miene und als Frenhild den Ball über die Torlinie peitscht nimmt er nur gelassen die Pfeife aus dem Mund und erklärt ruhig und sachlich:

"Tor!"



Ein Wandel der Gefühle, ja - das ist es, denn jetzt, wo Ole eher sachlich das Geschehen beobachtet, da scheint das vorangegangene Geschehen für Fiana tatsächlich, so wie sie gesagt hat, vergessen zu sein.

Die 1. Offizierin beobachtet das Spiel mit Herzblut, jubelt und leidet mit jedem Spielzug, der dort unten gemacht wird. Als sich dann abzeichnet, dass sich DIE Chance anbahnt, da wird sie ganz hibbelig und hüpft auf und ab. Das Ganze gipfelt in einem die Ohren betäubenden:

"TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Des Smutjes Freude - Garulf


Eben noch hat Garulf dazu angesetzt, sich zwischen die Havener zu schieben und dem flüchtenden nachzusetzen, als ihm bewußt wird, daß das Spiel längst weitergeht. Hastig wendet er seinen Blick wieder zum Spielfeld, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie die Fee den Kork dorthin befördert, wo er hingehört: Ins Tor der Bullen!

"TOOOOOR!! TOOOOOOR!! TOOOOOOR FÜR SWAFNIR!!" brüllt er aus Leibeskräften, daß allein seine Worte den ängstlichen Zuschauer weiter flüchten lassen sollten.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Es trifft die siegessicheren Havenaer wie ein Schock, als die so schwach und dem Aufgeben nahe scheinenden Premer auf einmal ein Tor schiessen. Ein Schock, der das die letzten Minuten beherrschende Jubeln jäh abwürgt, und einer fast grabesähnlichen Stille weichen lässt - zumindest wäre es eine solche, wenn nicht die Premer Anhänger ihrerseits für den ausgleichenden Lärm sorgen würden.

"BULLEN VOR!" schreit ein wohlbekannter stimmgewaltiger Bootsmann, doch erst einmal bleibt das einer der ganz wenigen optimistischeren Rufe.

Und ebenso ist die Freude darüber, dass es "nur" ein 1-Punkte-Tor war, und kein solches, dass ganze drei Punkte bringt, recht gedämpft, denn eigentlich dürfen die Pottwale GAR KEIN Tor mehr schiessen, und erst recht keines, dass sie so in Führung bringt.



IN HAVENA - In Immanstadion: Der Gestürzte auf der Flucht


Die Thorwaler toben, und die Hanvenaer sind geschockt - eine ideale Chance für den am Boden Liegenden, dem der Spielstand im Moment angesichts der dreifachen Bedrohung recht egal ist. Wieselflink krabbelt er ein Stück zwischen den Beinen der Zuschauer hindurch, dann kommt er auf die Füsse und verschwindet in der unübersichtlichen Menge der Bullen-Anhänger.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Prioritäten - Alberik, Garulf und Hjaldar


Alberik verfolgt noch einen kurzen Moment lachend den fliehenden Hanvenaer, der sich stolpernd und stürzend durch die Menge bewegt. Doch die lauten Rufe seiner Nachbarn veranlassen den Zwerg dazu, sich zu dem brüllenden Schiffskoch zuzuwenden.

'Muß man denn wegen einem Spiel gleich so ausrasten?'

Alberik schüttelt sein Haupt, als wenn er seine gedachte Frage damit beantworten würde, und ein leises "Tz Tz Tz" ist von ihm zu hören.

"Sagt mal, können wir jetzt weiter Wasuren suchen gehen,damit ich noch heute meinen Panzer zurückbekomme? Oder wollt ihr noch länger schreiend hier herumstehen?"



Die feige Ratte ist geflüchtet, aber das ist ja nun auch egal, jetzt, wo die Pottwale wieder angefangen haben Imman zu spielen. Eigentlich könnte man jetzt einfach hier stehenbleiben und sich das Spiel angucken ... eigentlich, wäre da nicht ein Zwerg, der immer noch seiner Rüstung nachläuft ...

"Nu, guck Di doch erstmo dat Speel an, dien Blech wart di schon nich weglöpen!" ist dementsprechend auch Garulfs Reaktion.



"Ha- HAAAA!" begleitet Hjaldar den Flug des Korks in das Tor der Havener. Das es dabei doch nur ein Punkt wird und nicht drei, ist zwar schade, aber kein Grund die Thorwaler nicht noch anzufeuern.

"Pottwal vor, noch een Tor!" brüllt er laut, als die Spieler wieder auf ihre Positionen gehen.

Schieres Unverständnis ist daher Hjaldars Reaktion auf Alberik, der wieder mal nörgelnd nichts anderes im Sinn zu haben scheint als seine dumme Rüstung.

"Nu frei Dik doch uk mal, Manneken!!! Dat wat en Siegpunkt! Allweil ..." er blickt suchend nach vorne in den Bereich, in dem er das lette mal Wasuren gesehen hat "... is Wasuren sounso nich mehr da vörn."



"Blech? Das ist kein Blech! Wie kann man einen Spiegelpanzer, der extra für mich mit größter Sorgfalt von einem Zwergen angefertigt wurde, Blech nennen?"

Alberik wird etwas unruhig. Nervös kratzt er sich an seinem Unterarm, und wirft einen kurzen Blick in die Richtung, wo Wasuren vorhin vermutet wurde, denn das, was Hjaldar gesagt hat, hörte sich gar nicht gut an.

"Und weglaufen tut er anscheinend doch. Zumindest der Matrose, bei dem sich mein Panzer befindet."

Zu dem nervösen Kratzen gesellt sich jetzt auch ein leichtes Trappeln mit dem Fuß.

"Und was meinst du damit, daß Wasuren nicht mehr da vorne ist? Wo ist er denn hin?"

'Wasuren sollte meine Rüstung nur kurz halten, und nicht damit weglaufen. Wenn ich den in die Finger bekomme, dann.....dann.....ja dann wird er schon sehen.'

Alberik wird immer unruhiger. Immer wieder schaut er zu dem Punkt, an dem sich der Gesuchte aufgehalten haben soll, auch wenn er wegen der Menge und der eigenen Größe nichts entdecken kann.

'Wehe mein Spiegelpanzer geht verloren. Den wird er mir auf Heller und Kreuzer zurückzahlen.'



"Dat wet ick doch net." antwortet Hjaldar Alberik auf dessen Frage nach dem Verbleib Wasurens. "Der wat schon wedder uftauchen, das Wohl! Nu kiek di mol dat Speel an, wir sin' ja nun al weet jenug bugwärts, ooch für Di!"

Tatsächlich haben die drei bei ihrem Vormarsch, der erst durch die Grösste Bangbüx Havenas aufgehalten wurde, eine Position erreicht, die Garulf und Hjaldar quasi freies Blickfeld auf das Spiel gibt und auch Alberik mag, wenn auch nicht alles, so doch vieles vom Spielgeschehen mitbekommen, 'wenn er es denn man wollen dät und nich' um si'n olle Rüstzeug heulen dät, das wohl!'



IN HAVENA - Irgendwo in der Stadt / Im Hafen: Die beste Schülerin


Ein letztes Mal sieht sich Zoraklea in dem Zimmer um. Gut zwei aufregende und anstrengende Sommer lang hatte sie es bewohnt, zusammen mit dieser biestigen Valissa. Zum Schluß war sie unerträglich geworden und das nur weil sie gelb vor Neid war.

'Aber ich bin die beste!' denkt Zoraklea und lächelt vor sich hin. 'Wenn Blicke töten würden wäre ich spätestens heute morgen gestorben, als Meisterin Yashima vor allen gesagt hat, daß ich die beste Schülerin bin, die sie je hatte, und daß ich eines Tages besser sein werde als sie selbst es je sein könnte. Hah, wie Valissa geguckt hatte!'

Grinsend erinnert sie sich daran, wie sie kurz darauf Valissa die Zunge herausgestreckt hatte, nur um sie noch mehr zu ärgern.

'Fast hätte mich die blöde Kuh angesprungen, aber statt dessen ist sie über die Teppichkante gestolpert. Das hat die verdient.'

Zorakleas Blick wandert über die fertig gepackte Reisetruhe und über ihr gemachtes Bett, vor dem die Truhe steht. Sanft streicht sie mit ihren Händen über das glattpolierte Ebenholz der Kiste und versuchsweise hebt sie die Truhe auf einer Seite ein Stück an.

'Puh, ist die schwer! Dabei sind nur Kleider und meine Leibwäsche darinnen und natürlich meine Tanzkleider, und ein klein wenig Schmuck, meine Schuhe, die Öle und Schminken, Spiegel, dann die Duftflakons und die Pinselchen. Die Kämme und Bänder. Das Buch der Geistigen Bewegung und das Buch der Vollendeten Tanzkunst, das mir Yashima zum Abschied geschenkt hat und den dicken Brief, den ich meiner Mutter überreichen soll. Was wohl darinnen steht? Und dann ist da natürlich auch noch die gefütterte Jacke, die ich vorgestern bei der Schneiderin abgeholt hat. Es soll ja selbst im Spätsommer auf dem Meer sehr kalt werden können. Und sonst ist ja fast nichts mehr drinnen, nur noch mein Kästchen.'

Noch einmal versucht sie die Truhe hochzuheben. Mit zusammengebissnen Zähnen und angehaltener Luft schafft es Zoraklea, die Kiste zwei Schritte in Richtung der Türe zu tragen, bevor sie sie mit einem leichten Poltern unsanft wieder zu Boden fahren läßt.

'Nein, das schaffe ich einfach nicht, verflixt! Kalid wird mir wieder einmal helfen müssen, und es wird ihm gefallen, daß ich auf ihn angewiesen bin. Wie ich das hasse! Wenn ich eines der anderen Mädchen bitte, mir zu helfen? Nein, lieber nicht, sonst tanzt mir Valissa auf meinen Nerven herum ehe ich mich versehe. Das auch ausgerechnet sie die stärkste von uns sein muß, und ausgerechnet ich.'

Mit einem tiefen Schnaufen tritt Zoraklea vor den großen Wandspiegel, der gegenüber dem Fenster angebracht ist. Aufmerksam mustert sie das Bild, daß der Spiegel zeigt.

Eine junge Frau, eher noch ein Mädchen von knapp 17 Sommern und fast 1 Schritt 60 Größe blickt ihr entgegen. Gekleidet ist sie in ein grünes kurzärmeliges Kleid von der Farbe der Birkenblätter im Frühling. Es ist knielang und gibt den Blick auf die bis zu den Knien hochgeschnürten Sandalen frei, die die Füße gut stützen. Ab der Taille aufwärts ist das Kleid bis unter den in dunkelgrünem Stoff extra angesetzten Brustaufsatz fest geschnürt; kritisch betrachtet Zoraklea ihre schlanke Gestalt. In den letzten Monaten hatte sie sich mehrfach ermahnen lassen müssen, nicht zu viel zu essen, denn nur eine ranke Gestalt könne die erforderliche Anmut und Geschwindigkeit mancher Techniken entwickeln, sagte Yashima immer. Alleine die Brust schien sich nicht um die Vorstellungen ihrer Lehrerin zu kümmern, im vergangenen Sommer hatte ihr Umfang zu Zorakleas Irritation um mehrere Fingerbreit zugenommen.

'Ach weißt Du, so schlimm ist das nicht, den Männern gefällt es, und Dir werden die Männer auch bald gefallen' hatte Valissa neulich zu ihr gesagt, als sie ihr in einem seltenen Moment ihre Sorgen mitteilte. Hätte sie bloß ihren Mund gehalten, sie hätte wissen müssen, daß sie nur eine schnippischen Antwort erhalten würde!

"So schlimm ist das nicht!" äfft Zoraklea mit heruntergezogenem Mundwinkel Valissa nach.

"Pute!" setzt sie hinzu, dann wandert ihr Blick weiter aufwärts, über den schmalen Hals auf das helle, zart gebräunte Gesicht. Große, leuchtendgrüne Augen mit goldfunkelnden Sprenkeln blicken sie an, Wimpern und Brauen sind mit Kohlestiften leicht nachgezogen, die Lieder hat sie mit ihrer Lieblingsfarbe passend zu den Augen leicht grün gefärbt. Die Nase wird verziert von einem Schwarm Sommersprossen, die sie abwechselnd ganz nett findet und dann wieder hinter den Mond wünscht. Passend zu den schmalen Wangen und den hervortretenden Wangenknochen sitzt unter der Nase ein kleiner Mund, mit gerade kritisch herab gezogenem linken Mundwinkel. Die Lippen sind heute ungeschminkt, die neue Lippenpaste hatte sie heute morgen nicht finden können, und daß, wo diese so teuer gewesen war. Dafür hatte sie einen Verdacht, wer jetzt neue Besitzerin des Tiegelchens war. Wieder steigt ihr die Wut auf Valissa ins Gesicht. Auf den Wangen haben sich leichte rote Flecke gebildet, nicht zuletzt wegen der Anstrengungen, die Kiste tragen zu wollen.

Weiter wandert ihr Blick, auf die kastanienrote Haarpracht, die sich in unzähligen Löckchen aus ihrer Frisur zu ringeln versuchen. 'Ein ewiger Kampf!' denkt sie, noch mit einem säuerlichen Lächeln auf den Lippen. Rasch greift sie einige besonders vorwitzige Ringelsträhnen, die es wieder einmal geschafft haben, sich dem festen Griff der acht Kupferspangen zu entziehen, mit denen die Haare kunstvoll zu einem zweifachen Knoten hochgesteckt und gehalten werden. Diese Frisur läßt ihre Ohren fast ganz frei, und nachdenklich streicht sie mit der Hand über deren Kontur. Die beiden Spitzen, die die langgestreckten Ohren zieren, sind ebenso wie die Augen und die zierliche Gestalt eine Gabe ihres Vaters, während sie von ihrer Mutter die Haare und die vollen Lippen geerbt hat.

Das leise Knirschen von herannahenden Schritten auf den Dielen vor ihrer Türe läßt sie aus ihrer 'Bestandsaufnahme' schrecken.

'Wer das wohl ist?'


***


Mit zügigen Schritten schreitet ein nicht mehr ganz junger Mann den Kai des Hanvenaer Stadthafens entlang und nähert sich stetig der Laufplanke, die an Bord der NORDSTERN führt. Er ist gekleidet in eine schwarze Hose und eine ebensolche Weste, die er über einem blauen Hemd aus feinstem Leinen trägt. Auf seinem Kopf sitzt eine schwarze Samtkappe, die mit einer feinen Silberborte verziert ist. Auch die Weste trägt solche Borten, zudem noch einen aufgestickten Schlüssel über einer Schriftrolle und auf der anderen Brustseite einen feingestickten Schuh unter einer Schelle, die traditionellen Wahrzeichen eines Majordomus und jenes der Schule.

'Ja', denkt er bei sich, 'jetzt ist es also bald soweit, daß uns unsere beste Schülerin verläßt. Schade, aber ihre Zeit ist um. Die einen gehen, die nächsten kommen, das ist so und wird auch so bleiben.'

Bevor er das Schiff betritt wirft er noch einen ausführlichen prüfenden Blick auf das Schiff, dann klettert er an Bord und bleibt auf dem Deck stehen, wo er sich nach dem Kapitän oder einem Offizier suchend umsieht.



´Na, hier ist ja einiger Andrang, von unten habe ich das gar nicht gesehen.´

Langsam tritt er an den Mann, den er aufgrund seines Verhaltens für den Kapitän hält heran, hält sich jedoch noch drei Schritte zurück und wartet darauf, daß er sein Gespräch beendet. Um nichts in der Welt würde er sich unnötigerweise unhöflich verhalten, und so beschränkt er sich auf eine dezente Musterung des vermeintlichen Kapitäns und seiner weiblichen Gäste. So entgeht ihm auch keinesfalls der hinzutretende Matrose, in dessen Tonfall er auch sogleich eine gewisse Unmotiviertheit heraus hört. Fast unmerklich hebt er seine linke Braue an.

´Faules Pack gibt es wohl auf jedem Schiff... Auf See wird dem Burschen hoffentlich Wind unter dem Allerwertesten gemacht.´

Nach kurzem Gerede werden den ersten Damen die Kabine gezeigt, wie nicht anders erwartet kümmert sich der Kapitän, dass er es ist, ist sich Kalid inzwischen sicher um die andere Frau, die augenscheinlich erst kurz vor ihm das Schiff betreten hat.

´Ein anständiger Mann als Kapitän ist jedenfalls Gold wert. Yashima hatte wohl recht, mich zur Nordstern zu schicken. Die Kleine wird bei ihm wohl in guten Händen sein.´


***


Unterdessen ersterben die Geräusche vor der Türe, und nach einem kurzen Zögern öffnet sich die Türe. Herein tritt die Dame, die in der Stadt unter ausgewählten Kreisen als Yashima von Fasar bekannt ist. Sie ist eine eindrucksvolle Gestalt, groß, schlank und mit Feuer im Blick.

"So, da bist Du ja, mein Täubchen." Ernst Blickt sie Zoraklea an. "Jetzt geht es also wieder los für Dich. Siehst Du, letztendlich sind diese Jahre doch sehr schnell umgegangen, nicht wahr? Fast zu schnell, doch ich kann dich nichts mehr lehren, das liegt nun in den Händen anderer. Nun, bist Du aufgeregt wegen der Seereise?"

"Ja, Meisterin, ein wenig." In der Tat fliegt Zorakleas Blick unruhig durch den Raum, und das liegt nur teilweise an den heißen Gedanken, die sie sich gerade noch über ihre Rivalin gemacht hatte.

"Du solltest mich nicht Meisterin nennen, und schon gar nicht, wenn wir alleine unter uns sind."

Mit einem Lächeln schaut sie ihren Schützling an.

´So jung und manchmal so schwierig!´

Gut erinnert sie sich an den Tag, an dem sie in der Schule ankam. Auf der Überfahrt von Teremon an das Festland hatte sich der Kapitän des kleinen Schiffes nicht anders zu helfen gewusst, als die immer nervöser werdende Zoraklea mit zwei Bechern schweren Gewürzweins betrunken zu machen, um sie schließlich Borons schützendem Mantel anzuvertrauen; so hatte es der Kutscher Kalid unter Lachen erzählt. Ja, Zoraklea hatte Angst vor dem Meer, das wußte sie inzwischen selbst. Aber was sollte sie machen? Eine Reise zu Lande käme nicht mehr in Frage, das Jahr war zu fortgeschritten und es gab viele Gerüchte von Überfällen.



Auch Kalid nickt dem Kapitän freundlich zu, aber dann macht er doch lieber wieder einige Schritte in Richtung Reling. Nicht, das sich der Kapitän doch noch durch ihn gedrängt fühlt! Fest legt er seine Hand um eines der Seile, das zu dem hinteren Mast hinaufläuft, und blickt über das Hafenszenario. Ein plötzlicher frischer Windstoß vom Meer her läßt ihn ein wenig frösteln.

'Es wird doch schon kühler, als ich es erwartet hätte. '

Ruhig bleiben Kalids Augen nun auf einem dicken Fischer liegen, der gemütlich mit dem Boot an der Nordstern vorbei rudert. Er trägt Stiefel, eine schmuddelige Hose und eine so dick gefütterte Jacke, daß sie gerade mit dem Sonnenschein unangemessen warm wirkt.

'Dennoch scheint er sich wohl zu fühlen, und das beim rudern! Ich werde nachher auf dem Rückweg Zoraklea noch etwas Warmes für die Beine besorgen, ich glaube, sie besitzt keine einzige Hose. Yashima ist es diesmal besonders wichtig, daß die Schülerin unbeschadet in ihrer Heimat angelangt, das hat sie deutlich gemacht. Und ich glaube, sie hat einen Narren an ihr gefressen, wie man so sagt.'

Ein leises Schmunzeln stiehlt sich bei den Gedanken über die Sprichwörter dieser Region auf sein Gesicht. Nun dreht sich Kalid wieder um und lehnt sich mit dem Rücken gegen die Reling. So kann er Schiff und Kapitän gut im Auge behalten und einer weiteren optischen Untersuchung unterziehen.


***


"Ja," flüstert Zoraklea mit einem kleinen Kloß im Hals. Jetzt wo der Abschied naht, spürt sie plötzlich, wie sehr sie Yashima vermissen wird.

Yashima scheint zu spüren, wie dem Mädchen zu Mute ist. Sie nimmt sie in den Arm und drückt sie sanft an sich.

"Behalte mich einfach in deinem Herzen, dann wirst Du mich nicht vergessen und der Abschied wird Dir leichter fallen. Und damit dir das leichter fällt werde ich Dir noch ein Geschenk mache, wenn du es annehmen möchtest."

Sie führt Zoraklea zum Bett und drückt sie auf die Kante, und setzt sich auch daneben.

"Du hast schon einige der Gebräuche aus meinem Heimatland kennengelernt, und vielleicht weißt Du ja auch schon, wie dort die vollständigen Namen der Töchter lauten und zustande kommen. In Anlehnung daran möchte ich Dir Deinen zukünftigen Künstlernamen schenken: Als meine Tochter im Herzen nenne ich Dich jetzt 'Zoraklea saba Yashima', und ich würde mich freuen, wenn Du diesen Namen verwenden wolltest."

Tief schaut sie Zoraklea in die Augen, in diese großen seltsamen Elfenaugen, die sie wie zwei - gerade etwas sehr feuchte - tiefe Seen anblicken, in denen man glaubt versinken zu können, wenn man sich nur treiben lassen wollte.

"Magst Du?"

"Ja, danke..." Gerührt schaut Zoraklea zu Boden. "Ich habe leider kein Geschenk für Dich... Doch, warte! Darf ich?"

Mit einer flinken fließenden Bewegung zieht sie ihrer Meisterin einen winzigen scharf geschliffenen Dolch aus deren Stiefel, noch bevor Yashima diesen zur Seite ziehen könnte, und löst rasch mit der anderen Hand eine Locke aus ihrer Haartracht. Mit einer schnellen Handbewegung ist die Strähne abgetrennt.

'Und immer noch verblüfft mich ihre unglaubliche Beweglichkeit...'

Überrascht blickt sie auf Zorakleas Handfläche, auf der sich nun die rote Strähne ringelt.

"Hier... als Erinnerung an mich, damit auch Du mich nicht vergessen mußt!" sagt ihre Schülerin.



NORDSTERN - Oberdeck: Rückkehr der Druidin - Joanna


Die Druidin sieht, den schrillen Aufschrei der Dame noch in den Ohren, wie sich deren Gesicht ärgerlich verzieht. Joanna knickt mit einem Fuß ein, stürzt und schlägt auf den Boden. So verärgert das Gesicht der angerempelten Dame auch war, so besorgt ist jetzt auch der Blick den sie Joanna zuwirft. Sie bemüht sich wieder auf die Beine zu kommen, wobei die entgegengestreckte Hand sehr hilfreich ist. Eine Welle von Schwäche steigt von ihren Knien auf, wird fast zur Übelkeit. Das hätte ihr gerade gefehlt, angerempelt und auf der Straße liegen, eine gaffende Menge und das Schiff verpassen. Nach zwei taumeligen Schritten hat sie nun wieder Kontrolle über ihren Körper, und der Zusammenstoß ist schnell vergessen. Sie darf jetzt nicht schwach werden, nur weiterlaufen, weiterlaufen zwischen den vielen auf der hellen Straße. Langsam lässt das Klopfen im Hals nach. Unzählige Menschen gehen an ihr vorbei, kommen ihr entgegen. Einem Platzregen von Gesichtern ausgesetzt achtet sie darauf, dass sie sie nicht streifen. Joanna strengt sich an, den Schritt der vielen anzunehmen, mit zu schwimmen in dem Strom. Stimmen, abgerissene Gesprächsfetzen schlagen an ihr Ohr. Die Druidin biegt in eine Seitenstraße ein, der Menschenstrom wird dünner. Noch ein paar Abbiegungen und die Rinnsale lösen sich auf, zerfallen in einzelne Gestalten, einzelne Schritte.

Der Wind bringt einen Lufthauch vom Hafen her und die Menschenmasse beginnt sich wieder zu verdichten. Groß und mächtig liegt die NORDSTERN vor Joanna.

'Soll ich es nun wirklich wagen?'

Sie schließt die Augen, sammelt ihre Kräfte und als sie die letzten Schritte auf das Schiff, über die Planke macht, öffnet sie diese wieder. Unsicher blickt sie sich um.



Der Ruf des Kapitäns nach dem Matrosen ist kaum verklungen, als jemand die Planke betritt, die auf das Schiff führt. Fast ein wenig überrascht stellt Jergan fest, dass es niemand anders als Joanna ist, die sich ja eigentlich mit dem anderen Druiden zusammen verabschiedet hat und von Bord gegangen ist. Oder hat sie etwas vergessen?

Während der wenigen Augenblicke, in denen Jergan zwischen einer Frage in ihrer Richtung und einer Erklärung in Richtung der beiden Frauen schwankt, kommt schon die nächste unbekannte Person, ein nicht mehr ganz junger Mann, der zumindest wichtig aussieht, an Bord der Karavelle.

Jergan sieht sich damit von einem Moment zum nächsten mit einem regelrechten Ansturm konfrontiert, aber ist das nicht immer so - nach einer langen Phase der Ruhe kommt alles auf einmal.

Er wendet sich jedoch erst einmal noch nicht von den beiden Frauen ab, denn Höflichkeit ist wichtiger als Eile, und zudem etwas, das jeder verstehen wird.



Die Nervosität steht Joanna sichtlich ins Gesicht geschrieben. Ihre ansonsten so schüchterne Art macht sich auch jetzt wieder bemerkbar. Ganz hin und hergerissen will sie einerseits zum Kapitän hingehen, andererseits auch abwarten bis sie angesprochen wird. Am liebsten jedoch würde sie wieder das Schiff verlassen und sich einfach in der Abgeschiedenheit eines Waldes verkriechen, wo sie sich heimisch und geborgen fühlt. Keine Regeln einhalten zu müssen oder auf andere Leute Acht geben.

'Willst du jetzt so schnell wie möglich zurück oder nicht? Reiß dich zusammen!', befiehlt sie sicht selbst, doch so recht gelingt es ihr nicht. Die Druidin kommt sich ziemlich hilflos vor und blickt Jergan Efferdstreu an.

'Soll ich jetzt einfach fragen?'



Angar hat seinen Befehl erhalten, dass er diesen ausführen wird, steht für den Kapitän der NORDSTERN vollkommen ausser Frage, also verfolgt er die Handlungen des Matrosen gar nicht weiter.

Die Druidin tritt derweil an ihn heran, und aus ihrem Gesicht spricht regelrecht, dass sie eine Frage hat - fast schon hilflos spricht das daraus. So wird das Gesicht des Kapitäns gleich deutlich freundlicher, als es das beim Befehl an den Matrosen war, und ruhig sagt er:

"EFFerd zum Grusse, und willkommen zurück an Bord der NORDSTERN."

Er zögert, doch da er es für wahrscheinlich hält, dass sie nur gekommen ist, um etwas vergessenes abzuholen, fährt er gleich fort, solange Angar noch in der Nähe ist:

"Habt Ihr etwas in der Kabine liegen gelassen?"



Die Freundlichkeit des Kapitäns bringt Joanna dazu ihre Nervosität ganz beiseite zu legen. Sie schenkt ihm ein schüchternes Lächeln.

'Etwas in der Kabine vergessen?'

Die Druidin ist etwas verwirrt.

'Habe ich das etwa? Nein, ich denke nicht. Oder?'

Ganz sicher ist sie sich nicht, nimmt dies aber im Moment gelassen und setzt fort.

"Ähh, nein!?"

Joanna überlegt kurz.

"Ich hatte eigentlich vor ab hier landeinwärts zu reisen, doch die Umstände haben es anders ergeben. So würde ich gerne die Reise auf Eurem Schiff fortsetzen, insofern noch genügend Platz ist."

Sie versucht sich an die Preise zu erinnern.

"Genügend Geld habe ich dabei, also soll es daran nicht scheitern."

Ihre schwarzen Augen strahlen ihm entgegen.



Der Kapitän lächelt die Druidin an, etwas anderes ist bei diesem Strahlen in den Augen auch kaum möglich. Zudem hat sie es geschafft, ihn mit ihrem Anliegen zu überraschen, denn bislang sind alle, die noch einmal an Bord gekommen sind, nachdem sie das Schiff verlassen haben, nur gekommen, um vergessene Gegenstände zu holen. So jedoch...

"Das ist kein Problem, wir haben noch genügend Platz in der Gemeinschaftskabine."

'Sollten wir jedenfalls', geht ihm durch den Kopf, während er sich vornimmt, die diesbezügliche Liste bald einmal zu aktualisieren.

"Wie weit wollt Ihr denn mitfahren - bis nach Brabak wäre das Südlichste, das möglich ist."

Seine Augen schweifen dabei auch wieder zu den anderen hinüber, und insbesondere zu dem Herren, der als letzter an Bord gekommen ist.



Gerade fällt Joanna ein, dass sie in ihrer Aufregung ganz vergessen hat zu grüßen und ihr Gesicht bekommt eine leicht rötliche Farbe. Einfach so ihr Anliegen heraus zu posaunen ist nicht gerade die höfliche Art. Sie verlagert ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen, kaut an ihrer Lippe und blickt sich um. Erst jetzt realisiert die Druidin so richtig die anderen Leute die um sie herum stehen.

'Habe ich mich jetzt vielleicht auch noch vorgedrängt?'

"Das ist schön!"

Obwohl sie sich nicht gerade freut wieder in die Gemeinschaftskabine zu ziehen ist sie doch froh darüber an einem Ort zu sein, den sie wenigstens kennt.

'Brabak?'

"Hmmm..."

Viel sagt ihr das nicht.

'Wenn dies das südlichste ist kann es von dort nicht mehr sehr weit sein.'

Joanna räuspert sich und setzt fort:

"Ja, warum eigentlich nicht!?"



NORDSTERN - Oberdeck: Besichtigung der Kabine - Angar und Shuhelia


Mit einem kaum hörbaren "Jo" wird der Befehl bestätigt. Dann dreht sich Angar zu den beiden Frauen um und spricht diese an:

"Ich zeig Euch dann die Kabine", dabei weist er mit einer Hand in Richtung des hinteren Niederganges.



Die letzten Sekunden sind an Shuhelia vorbei gezogen, ohne, dass sie irgend etwas wahrgenommen hat. Als ob ihr Fenster zur Außenwelt zugeschlagen sei.

Aha, ein Mann in einer Art Uniform und eine Frau in wildnisfähiger Kleidung sind auf das Schiff gekommen. Ein Matrose wird sie zu den Schlafplätzen führen, der Kapitän unterhält sich mit der Neuen, die er anscheinend kennt und Amalthea wird ihr Gepäck abholen lassen.

Erwartungsvoll dreht sie sich zu dem Matrosen um, bereit, mit der Besichtigung anzufangen.



Sich vor dem führenden Matrosen in den schmalen und sanft schwankenden Durchgang zu begeben gehört nicht zu Shuhelias geheimsten Wünschen. Amalthea scheint da schneller entschlossen zu sein, sie ist schon vorausgegangen. Shuhelia aber wird warten, bis der Bursche sich wieder in Bewegung gesetzt hat und HINTER ihm ins Schiffsinnere gehen.



Da ist der Auftrag kaum bei Angar angekommen, da flitzt die eine Frau schon wie vom Difar gestochen - so kommt es Angar jedenfalls vor - den Niedergang hinab.

´Mist, nu rennt die auch noch voraus ...´

Etwas träge setzt sich der Matrose in Bewegung und geht zum hinteren Niedergang, er dreht sich noch einmal kurz um, um zu sehen, ob die Frau ihm auch folgt, dann steigt er die Stufen hinab.

´Achja, is ja ne Landratte ...´

"Achtung, geht steil runter hier", warnt er die Passagierin.



Als der Matrose sich in Bewegung setzt, strafft auch Shuhelia ihre Gestalt wieder und geht mit wiegendem Schritt hinter ihm her.

'Blind bin ich nicht, ich sehe selbst, dass dort eine Treppe ist!'

Dann folgt sie ihm auf den Stufen, sich mit den Händen leicht abstützend.



NORDSTERN - Oberdeck: Rückkehr der Druidin - Jergan und Joanna


Der Matrose nimmt sich der ihm anvertrauten Fahrgäste an - das ist gut, wenn auch selbstverständlich und vom Kapitän nicht anders erwartet. Angar ist nun mal einfach noch nicht lange genug auf der NORDSTERN, als dass der Kapitän persönlich um dessen Eigenarten in Hinblick auf zu erledigende Arbeiten weiß.

Der wichtig aussehende Mann, der auf das Schiff gekommen ist, wartet höflich, was der Kapitän mit einem Nicken in dessen Richtung quittiert, und hinzufügt:

"EFFerd zum Gruße, und seid willkommen an Bord der NORDSTERN! Ich habe gleich Zeit für Euch."

Mit einer verzeihenden Geste wendet er sich dann wieder der Druidin zu, die ihre Reisewünsche ausspricht.

"Kein Problem", erwidert Jergan, "das macht dann..."

Er überschlägt es im Kopf.

"Das sind ungefähr eintausend und achthundert Meilen, vielleicht ein paar mehr, vielleicht ein paar weniger, denn so genau wissen wir die Route noch nicht. Für die Gemeinschaftskabine würde Euch das sieben Dukaten kosten."

Wie üblich rundet er dabei den Betrag von zweiundsiebzig Silber ein wenig zu Joannas Gunsten, ohne das weiter zu erwähnen - ein guter und ehrlicher Geschäftsmann hat derlei auch nicht nötig. Wenn der Kunde, oder in dem Fall die Kundin, das nachrechnet, wird sie es bemerken und würdigen können, auf jeden Fall aber wird niemand angesichts solcher Rechnungen der NORDSTERN Wucherei oder Geldmacherei vorwerfen können.

'Warum müssen sie jetzt alle auf einmal kommen... erst bin ich hier stundenlang alleine auf dem Deck, nun gleich vier auf einmal!'

Jergan Efferdstreu bemüht sich recht erfolgreich, diese Gedanken ganz für sich zu behalten, und kein wenig nach außen sichtbar werden zu lassen, auch wenn er innerlich schon ein wenig unruhig ist, weil solch eine "Massenabfertigung" nicht wirklich die Möglichkeit lässt, sich jedem einzelnen angemessen zuzuwenden.



Schätzen war noch nie Joannas Stärke, und schon gar nicht rechnen. Ganz anders ist es da mit ihrer Menschenkenntnis. Und dass Jergan Efferdstreu die Passagiere ausnehmen möchte, kann sie sich ganz und gar nicht vorstellen. So nimmt sie den Geldbeutel aus dem Lederrucksack und sucht den genannten Betrag heraus.

"PLING"

Ein Geldstück macht sich selbständig, rollt ein Stück am Boden entlang um schließlich glänzend liegenzubleiben. Die Druidin bückt sich um die heruntergefallene Dukate aufzuheben. Beinahe triumphierend überreicht sie Jergan die sieben Dukaten und mustert ihn, als sich ihre Hände berühren. Irgend etwas an ihm, vielleicht seine Ausstrahlung oder auch nur der Ausdruck seiner Augen, bewundert sie.

"Ich hoffe doch, dass wir irgendwann noch einmal die Zeit finden um uns zu unterhalten. Es gäbe da noch einiges, das mich ..."

Joanna überlegt kurz, wie sie es formulieren könnte.

"...interessieren würde. Doch im Moment..."

Die junge Frau wirft einen Blick zu dem neu hinzugekommenen Mann hinüber.

"...ist es wohl nicht der rechte Augenblick." Im Falle, dass er noch etwas hinzufügen möchte wartet sie und blickt ihn hoffnungsvoll an.



Der Kapitän reagiert zu langsam, um die der Druidin entfallene Dukate aufzufangen, und er ist auch zu langsam, als es darum geht, diese wieder aufzuheben. Das hängt jedoch nicht mit der Ausstrahlung der jungen Frau zusammen, die zweifellos vorhanden ist, sondern einfach damit, dass er in Gedanken mit der Verteilung von Schiffskabinen und Kojen beschäftigt ist - und damit, wer wie lange an Bord bleibt und welches Ziel hat.

"Verzeiht", sagt er darum nur sehr leise, und nimmt das Geld entgegen, ohne der kurzen Berührung der Hände etwas beizumessen.

"Das ist leider wahr, im Moment scheinen sich sehr viele gleichzeitig dazu zu entscheiden, auf unserem schönen Schiff mitzufahren. Seid Euch aber gewiss - es wird Gelegenheiten zum Plaudern geben, und bestimmt mehr als eine, denn bis Brabak ist es in der Tat noch ziemlich weit, und ich werde so manche Wache am Steuer stehen oder auch einfach so Zeit haben."

Er sieht Joanna während dieser Worte höflich an, und fügt dann noch hinzu, während sich auf seinem Gesicht ein Lächeln breitmacht:

"Das ist ja auch einer der Vorteile eines Schiffes - niemand ist weiter weg als knapp zwei Dutzend Schritt."

Erst jetzt lässt er die sieben Dukaten in dem kleinen Geldbeutel verschwinden, dessen Gewicht in den letzten Minuten ordentlich zugenommen hat - und das vielleicht auch weiter tun wird, wie die Anwesenheit des geduldig wartenden Herren zeigt.



'Dann wäre ja alles geklärt!?"

Auf dem Gesicht der braunhaarigen Druidin spiegelt sich das Lächeln des Kapitäns wider, während ihr nochmal seine Worte durch den Kopf gehen.

'Niemand ist weiter weg als knapp zwei Dutzend Schritt. Vorteil?'

Innerlich lacht Joanna auf. Nicht nur einmal wäre sie am liebsten einer Person und den damit verbundenen Problemen aus dem Weg gegangen. Und hier an Bord kann das ganz schön unangenehm werden, insbesondere wenn man die Gemeinschaftskabine miteinander teilen muss.

"Gut, ich freue mich schon."

Irgendwie erstaunt über den neugewonnen Mut wendet sich ab um den wartenden Mann nicht länger aufzuhalten. Noch ein nicken zum Kapitäns und sie macht einige Schritte, Schritte in Richtung Freiheit? Wer weiß das schon so genau? Innerlich schreit es aus Joanna heraus.

'Freiiiiiiheiiiiiit!.....Ich komme....:!'

Sie genießt den Windhauch, der ihr entgegen weht.



NORDSTERN - Oberdeck: Im Auftrag der 'Meisterin' - Jergan und Khalid


Zufrieden beobachtet Kalid, wie der Matrose zwei Frauen unter deck eskortiert und der Kapitän nach und nach den Ansturm der Frauen abfertigt.

'Nur gut, das die Meisterin nicht selbst hergekommen ist, womöglich noch mit Zoraklea an der Hand. Eine solche Herde Weiber, die alle gleichzeitig einen Mann bedrängen, kann selbst den besonnensten Burschen aus der Haltung werfen...'

Weiterhin beschränkt sich Kalid darauf, an der Reling zu stehen und geduldig auf seinen Moment zu warten, schließlich hat er ja einiges mit dem Kapitän zu besprechen.



Der Kapitän der NORDSTERN blickt der Druidin noch kurz nach, dann wendet er sich dem Mann zu, der höflich ein wenig entfernt wartet. Jergan geht die wenigen Schritte, die ihn von diesem trennen, und sagt nach einer knappen Verbeugung:

"Seid noch einmal willkommen an Bord der NORDSTERN. Mein Name ist Jergan Efferdstreu, Kapitän. Was kann ich für Euch tun?"



'Ah, nun scheint es soweit zu sein, der Kapitän kommt auf mich zu.'

Jetzt hat Kalid doch wirklich ein bißchen vor sich hingeträumt, etwas daß im Dienst wirklich außerordentlich selten vorkommt. Schnell stellt er sich gerade auf und beginnt, sein Anliegen zu erläutern.

"Herr Kapitän, es ist mir eine Freude! Ich bin der Verwalter der hiesigen Havenischen Tanzakademie der Yashima von Fasar, mein Name ist Kalid."

Ohne weiter zu zögern ergreift er die Hand des Kapitäns und schüttelt diese kurz. Dann fährt er fort.

"Meisterin Yashima hat mich geschickt, eine Passage zu buchen für eine junge Dame, die sich in ihrer Obhut befindet. Die Dame stammt von der Insel Hylailos und ich möchte dem entsprechend eine Einzelkabine bis nach Rethis buchen. Ich hoffe, Eure Reiseroute führt Euch über die Inseln? Mir wurde nur gesagt, daß Ihr in den nächsten Tagen weiter nach Süden segeln werdet, sogar über die Zyklopeninseln hinaus."



Das Händeschütteln erwidert der Kapitän sogleich, denn auch in seinen Kreisen ist diese Art der Begrüssung nicht ganz ungebräuchlich, auch wenn es längst nicht alle tun, die auf das Schiff kommen.

"Das wurde Euch richtig gesagt, unsere Reiseroute führt in den Süden. Genaugenommen sogar sehr weit in den Süden, denn die NORDSTERN wird bis Brabak fahren. Die Zyklopeninseln sind bislang allerdings kein Reiseziel dieses Schiffes."

Ein leichtes Schulterzucken begleitet diese Worte, während der Kapitän beim Sprechen überlegt, wie er die zweite nicht so gute Nachricht unterbringen kann.

"Aber von Drol oder Neetha aus sollte es sehr leicht sein, eine Überfahrt nach Hylailos zu finden, und es ist auch nicht ganz ausgeschlossen, dass wir unsere Route ein wenig ändern, wenn Bedarf besteht. Jedoch... es gibt noch ein Problem mit eurem Wunsch - wir haben im Moment nämlich keine freie Einzelkabine."



"Hmm. Keine Einzelkabine... Ja natürlich, das ist ja gar nicht so unwahrscheinlich. Also gut, ein Platz in einer Doppelkabine wird es notfalls auch tun. Allerdings muß ich darauf bestehen, daß der zweite Platz dieser Kabine nur an weibliche Mitreisende vergeben wird."

Freundlich und bestimmt schaut Kalid dem Kapitän in die Augen.

"Es ist nicht so, daß ich nicht Verständnis für die wahrscheinlich beengten Bordverhältnisse habe. Jedoch ist Meisterin Yashima ausgesprochen bestimmt gewesen, was gewisse Umstände der Unterbringung angeht, versteht Ihr? Da wir schon bei der Unterbringung sind, Ich möchte Euch bitten, darauf zu achten, daß die junge Dame nicht in schlechten Umgang gerät, wenn das Schiff zwischendurch in anderen Häfen anlegt, jedenfalls soweit Euch das möglich ist."

Kurz überlegt Kalid, wie er den Kapitän am besten dazu bekommt, die Zyklopeninseln vielleicht doch direkt anzulaufen. 'Immerhin hat er ja nicht gleich völlig ausgeschlossen, dorthin zu fahren. und, nun, dieses Schiff fährt, um Gewinn zu bringen, andererseits mag es manchmal ausreichen, keine Verluste zu erwirtschaften.'

"Kapitän Efferdstreu... Ich habe folgendes Problem. Die junge Dame muß auf die Zyklopeninseln und Ihr seid der Kapitän des einzigen Schiffes, das in den nächsten Tagen direkt dort hinfahren könnte. Auf Rethis wird die Dame erwartet, aber weder in Neetha noch in Drol. Und auch wenn es wahrscheinlich ist, daß es dort ein Schiff gibt, so ist es nicht sicher; geschweige denn, daß die Dame sicher auf dieses Schiff findet. Darum bin ich befugt, Ihnen zusätzlich zum regulären Fahrpreis eine Prämie anzubieten, dafür, daß Ihr Rethis anlauft."



Wieder bleibt dem Kapitän nichts anderes übrig, als entschuldigend mit den Schultern zu zucken.

"Es tut mir leid, aber auch unsere Doppelkabinen sind beide im Moment voll belegt - das kann sich natürlich bis zu den Zyklopeninseln noch ändern. Wir haben eine Gemeinschaftskabine, in der im Moment auch andere Damen untergebracht sind - unter anderem eine Geweihte der schönen Göttin und eine der beiden Damen, die Ihr gerade im Gespräch mit mir gesehen habt."

Erwartungsvoll blickt Jergan sein Gegenüber an, während er über Kurse nachdenkt, auf denen das Schiff ohne große Umwege auch Rethis anlaufen kann. Im Grunde ist es wirklich nicht weit, und angesichts der Tatsache, dass die Frage der Unterkunft nicht so lösbar ist, wie es gewünscht ist, wäre es kein zu großes Entgegenkommen.

'Aber erst einmal sehen, ob es überhaupt geht, ehe wir über den Kurs reden.'

So bleiben diese Überlegungen erst einmal unausgesprochen.



"Bis zu den Zyklopeninseln?"

Kalid zeigt sich erfreut.

"Darf ich Eurer Bemerkung entnehmen, daß Ihr doch bereit seid, die Inselgruppe anzulaufen? In diesem Fall werde ich auf jeden Fall verbindlich einen Kabinenplatz anmieten. Das wäre wirklich ein hervorragendes Entgegenkommen."

Kalid greift in ein längliches, aus schwarzem Rindleder gegerbtes Lederetui, das er an seinem Gürtel trägt. Ihm entnimmt er ein schmales, kunstvoll mit knöchernen Einlegearbeiten verziertes schwarzes Lackkästchen. Das Motiv besteht aus nur zwei feinen Linien und zeigt dennoch klar erkennbar eine hohe Bergkette, deren höchste Spitzen in den Wolken verschwinden. Das Kästchen ist eine wahrlich meisterliche Handwerksarbeit und sicherlich ein kleines Vermögen wert. Vorerst behält Kalid es allerdings nur in der Hand, es sind ja noch einige Dinge zu klären.

"Und was die Unterbringung anbelangt..."

Nachdenklich macht Kalid einige Schritte auf dem Deck hin und zurück, während dessen er verschiedene Möglichkeiten erwägt. Allerdings gibt es da nur eine, die den Vorgaben der Meisterin Yashima entspricht. Und Kalid wäre nicht Kalid, wenn er nicht immer im Sinne seiner Herrin, und man könnte auch sagen, im Sinne seiner guten Freundin handeln würde.

"Nun, Kapitän, die Geweihte scheint durchaus eine geeignete Kabinengefährtin werden zu können. Vielleicht ist ja sie, oder auch eine der anderen Damen bereit, mit der Dame Zoraklea eine Doppelkabine zu teilen. Ihr als Kapitän solltet doch ein entsprechendes Arrangement ohne Probleme treffen können, bestimmt werden die betroffenen Mitreisenden Verständnis zeigen."

Davon überzeugt, das dies wirklich so ist, betrachtet Kalid dieses Problem an sich nicht als Problem, einzig, es gilt den Kapitän zu überzeugen.

"Haltet Ihr das für möglich?"

Zufrieden mit den Möglichkeiten, die der Kapitän gerade hat durchblicken lassen, schaut er ihm erwartungsvoll ins Gesicht.



"Nun", erwidert der Kapitän, während seine Augen Kalid mustern, was sie auch während dessen Umhergehens getan hatten, "das ist etwas, das ich nicht versprechen kann. Wenn jemand eine Kabine mietet und bezahlt, dann ist das etwas, das ihm zusteht, das ich ihm gewissermaßen zugesichert hätte. Ich hätte ein sehr schlechtes Gefühl dabei, sie ihm dann wieder abzunehmen."

Er hält kurz inne, um die Worte zu sortieren.

"Stellt Euch nur vor, im nächsten Hafen kommt dann jemand, der mich bittet, mit Euer Herrin ein entsprechendes Arrangement zu treffen. Wenn ich es jetzt tun würde, was wäre dann die Sicherheit, dass ich es dann nicht wieder tun würde? An der Stelle möchte ich einfach nur ganz offen und ehrlich zu Euch sein. Und da ist die Gemeinschaftskabine das, was ich Euch anbieten kann, ohne ein gegebenes Versprechen oder einen abgeschlossenen Handel zu brechen. Und dazu die Zusage, dass Eure Herrin die nächste freie Kabine erhält, und bis dahin in der Gemeinschaftskabine reist, wo sie, wie ich bereits sagte, in guter Gesellschaft reist."

Ehrlich blickt Jergan sein Gegenüber an, während er in Gedanken weiter nach Alternativen sucht, diesen Wunsch zu erfüllen, ohne bereits gegebenes Wort zu brechen.

"Was die Zyklopeninseln betrifft, so ist das nicht alleine meine Entscheidung, auch wenn ich dabei ein gewichtiges Wort mitzureden habe, und insbesondere angesichts dieser für mich peinlichen Situation mit der fehlenden Kabine werde ich das ganz sicher zu Gunsten Euer Herrin einlegen, wenn Ihr das wünscht."

Ganz dunkel erinnert sich Jergan daran, dass die Augen der ersten Offizierin bei irgend einer Erwähnung der Zyklopeninseln begeistert geleuchtet hatten - sie würde bestimmt nicht zum Hindernis werden. Und Ottam... was hatte der schon in nautischen Dingen zu sagen?



Zögerlich antwortet Kalid dem Kapitän, dabei denkt er daran, daß die angebotenen Bedingungen eigentlich nicht das sind, was er sich vorgestellt hatte.

"Nun, Kapitän, dann bleibt mir wohl nur, den Platz in der Gemeinschaftskabine zu akzeptieren, auch wenn ich nicht ganz glücklich damit bin. Nun, aber da Ihr als Kapitän immerhin zusagt, den nächsten freien Platz einer Doppel- oder besser noch Einzelkabine der jungen Dame Zoraklea zu übergeben, scheint Euer Angebot doch das beste zu sein, das ich unter den gegebenen Umständen erhalten kann.

Die junge Dame ist übrigens nicht meine Herrin, vielmehr - man könnte sagen... das Mündel meiner Herrin."

Damit wäre zumindest der eine Teil der Verhandlungen fast abgeschlossen. Nun muß Kalid nur noch die Routenplanung zu einem zufriedenstellenden Ende bringen. Jetzt erlaubt sich Kalid doch ein leichtes Lächeln.

"Kapitän Efferdstreu, kann ich denn damit rechnen, daß Ihr die Entscheidung über die Wahl der Reiseroute noch vor Eurem Auslaufen aus Havena treffen werdet? Und wann wird dies sein, wann sollen die Passagiere an Bord kommen? Ihr werdet verstehen, daß meine Herrin diese Informationen benötigt, um in dem Falle, daß Ihr die Inseln nicht direkt anlaufen werdet, Vorbereitungen für eine sichere Weiterreise treffen zu können. Oder habt Ihr vielleicht selbst eine Idee, wie eine sichere Weiterreise von beispielsweise Neetha aus gewährleistet sein könnte?"

'Das muß er doch verstehen, daß wir einfach sicher sein müssen, daß Zoraklea unbeschadet in Rethis ankommt.'



Der Kapitän überlegt kurz, ehe er den Mund wieder öffnet. Einerseits ist Rethis keine grosse und zeitraubende Kursänderung, andererseits sind Kursänderungen etwas, das gut bedacht werden muss. Und auf der wieder anderen Seite versteht er Kalid sehr wohl mit seinen Bedenken über die Sicherheit der Reise der ihm Anvertrauten.

Wie wäre es denn...

Ganz plötzlich erhellt ein Lächeln das Gesicht des Kapitäns, als ihm ein Gedanke kommt:

"Versteht bitte, dass ich jetzt nicht entscheiden kann und möchte, wie unser Kurs aussieht. Da spielen einfach zu viele unbekannte Größen herein, nicht nur menschlicher Natur, auch das Wetter kann uns leicht einen Strich durch die Rechnung machen. Aber - von Neetha oder Drol aus sollte es sehr leicht sein, sicher nach Rethis zu kommen. Wie wäre es denn, wenn ich Euch mein Ehrenwort als Kapitän dieser Karavelle gebe, dass ich dafür sorge, dass das Mündel Euer Herrin Rethis sicher erreicht? Entweder an Bord dieses Schiffes, oder ab Neetha oder Drol dann an Bord eines zuverlässigen Schiffes - in dem Fall würde ich mich darum kümmern, das Schiff aussuchen und mit dem Kapitän verhandeln. In dem Fall wäre es nicht nötig, die Entscheidung über den Kurs schnell zu treffen, und ihr habt die gewünschte Sicherheit auch für den Fall, dass das Wetter uns das Anlaufen von Rethis unmöglich macht. Ansonsten ist nämlich nicht mehr so sehr viel Zeit, die NORDSTERN wird übermorgen mit der Morgenflut auslaufen - das ist etwa zwischen der achten und neunten Stunde des Tages. Es wäre in dem Fall also gut, wenn die Dame morgen abend an Bord kommen würde."

Er hält inne, als ihm bewusst wird, dass er im Grunde viel zu viel gesagt hat, denn all die Informationen über die Abfahrt sind ja irrelevant, wenn die Dame gar nicht an Bord kommen wird.

"Aber... ehe ich Euch weiter mit Informationen überschütte - wäre dieser mein Vorschlag für Euch annehmbar?"



Ein erfreutes Lächeln geht über Kalids Gesicht als er den Vorschlag des Kapitäns hört.

'Wunderbar, das ist ja genau das, was ich erhofft hatte. Aber es ist schon besser, er kommt von alleine drauf, als daß ich es vorschlage.'

"Ausgezeichnet, wirklich ganz ausgezeichnet, Euer Vorschlag. Diese Vorgehensweise gewährleistet in jedem Fall eine sichere Passage bis nach Rethis. Ich danke Euch für Euer freundliches Angebot!"

Kalid unterbricht sich kurz und öffnet nun das Kästchen, daß er in den letzten Minuten in der Hand gehalten hat. Er schlägt den Deckel um einen Halbbogen zurück und das leise Schnappen einer Feder ist zu hören, als er in dieser Position einrastet. An der Oberkante und zwei Finger oberhalb der Unterkante befindet sich eingelassen in das Kästchen je ein dünnes Röllchen, auf denen ein feines Papier gewickelt ist. Darauf sind mehrere fein geschriebene Worte und drei Spalten mit Zahlen zu sehen, nicht allerdings hinter der letzten Eintragung. Kalid entnimmt nun einem schmalen Fach im untersten Abschnitt der Fläche einen Federkiel und tunkt diesen in ein kleines, mit dunkler Flüssigkeit gefülltes Glaszylinderchen ein, dessen Verschlusskork sich beim Öffnen des Faches ebenfalls geöffnet hat.

"Nun, Kapitän, wenn ihr mir dann bitte den Fahrpreis für die gesamte Strecke nennen wollt, bitte inklusive des möglichen Umweges über Neetha, den Kosten für die weiterführende Passage sowie einer Entschädigung für den Aufwand, in den Zwischenhäfen auf die Sicherheit der Dame zu achten - das geht doch?"

Mit offenem Blick freundlich bittend sieht Kalid den Kapitän bei den letzten Worten an, dann fügt er noch hinzu:

"Vielleicht könnt Ihr ja einem verläßlichen Matrosen diesen Auftrag geben, auch er sollte einige Silberlinge für die entgangene Freizeit von mir erhalten."

Noch einmal zögert Kalid einen Augenblick, dann erklärt er dem Kapitän leise.

"Wisst Ihr, die junge Dame ist wirklich etwas ganz besonderes. Wenn Ihr sie kennengelernt habt, werdet Ihr das bestimmt selbst feststellen. Es würde meiner Herrin schier das Herz zerreißen, wenn ihr etwas geschähe..."

So weich wie Kalids Gesichtszüge bei den Gedanken an Zoraklea aussehen könnte man fast meinen, daß es nicht nur seiner Herrin das Herz zerreißen würde, sollte ihr etwas ernstes zustoßen.



Sicherungsaufgaben sind zwar nicht das übliche Geschäft des Schiffes und seiner Besatzung, aber derlei lässt sich sicher einrichten, insbesondere, wenn für die betroffenen Seeleute dabei eine Extraprämie herausspringt.

"Die reine Wegstrecke dürfte bei etwa eintausend Meilen liegen, wobei ich das nicht sehr viel genauer sagen kann, weil ja noch recht unklar ist, wie wir genau fahren werden. Wenn wir Rethis direkt anlaufen, und Neetha oder Drol erst danach, dann ist das deutlich kürzer, als wenn wir es umgekehrt tun. Aber...

ich rechne jetzt einmal mit dieser Strecke. In der Gemeinschaftskabine kostet das dann vier Dukaten, in einer Doppelkabine derer acht. Für die Sicherheit der Dame... das kann ich schlecht kalkulieren, da das einfach nicht unser Gewerbe ist, und es ja auch noch unklar ist, wie viele Häfen wir anlaufen werden, bis wir Rethis erreichen. Ich denke aber, dass so fünf weitere Dukaten angemessen wären - dafür werden unsere Matrosen sicher acht geben. Diese Summe könnt Ihr natürlich beliebig variieren - ich werde dafür sorgen, dass sie vollständig an die geht, die auf die Dame aufpassen. Was meint Ihr?"

Fragend blickt der Kapitän seinen Verhandlungspartner an, während er in Gedanken schon die Matrosen durchgeht, die als zuverlässig in Frage kommen würden für solch eine Zusatzaufgabe.



Zustimmend nickt Kalid zu den Ausführungen des Kapitäns. Die Feder schwebt nun über die leere Stelle hinter der letzten Eintragung, verharrt kurz...

'Vier Dukaten... Also acht, da ja hoffentlich eine Doppelkabine frei werden wird, fünf für das Aufpassen... Angesichts der Unwägbarkeiten kommt mir das recht günstig vor. Allerdings sind ja Matrosen, wenn auch für unsere Belange absolut ausreichend, so doch weit unerfahrener als ein professioneller Begleitschutz, wie zum Beispiel die Söldner des Abu-Dschebel-Karawanenschutzes in Fasar. Die haben allerdings auch pro Mann und Tag stolze zwei Dukaten gekostet. Die sie aber auch Wert waren, wenn ich an all das Raubgesindel außerhalb jener Stadt denke!

Das wären dann dreizehn Dukaten - nein, das geht nicht, TRAvia und HESinde bewahre mich!

Mal sehen, ich werde für das freundliche Entgegenkommen um zwei Dukaten für den Kapitän persönlich aufstocken, Anstand soll sich ab und an eben auch auszahlen. Weitere fünf Dukaten für unvorhergesehene Sonderkosten, sollte er sie nicht benötigen werden sie auch nicht vergeben sein, und das Rad ist rund.'

...und trägt dann mit kleinem Schwung eine feine '20 D' ein.

"Dann macht das zusammen fünfzehn Dukaten, zwei davon für Euch persönlich. Ich habe um weitere fünf aufgestockt, verwendet sie, um bei Bedarf unvorhergesehene Ausgaben decken zu können. Sollte dies nicht notwendig geworden sein, so wollen wir den Göttern danken und diese Summe Ihren Tempeln überantworten. Ich überlasse dabei Eurer Weisheit die Verteilung, empfehle jedoch, EFFerd, TRAvia, HESinde und TSA in die engere Auswahl einzubeziehen."

Kalid wirft dem Kapitän einen kurzen freundlichen Blick zu, dann greift er wieder in seine Weste, aus der er ein schweres Säckchen aus (schwarzem) Samt holt. Er legt es auf sein aufgeschlagenes Schreibkästchen und öffnet es. In seinem Inneren kommen neben vielen Silbermünzen mehrere Dukaten und zwei satt glänzende Kusliker Räder zum Vorschein, von denen er eines nimmt und dem Kapitän reicht.

"Bitte sehr."

Dann schließt er denn Beutel wieder und verstaut ihn sorgfältig im Innern der Weste. Anschließend taucht er erneut den Federkiel in die Tinte und dreht das Kästchen zum Kapitän hin.

"Wenn Ihr noch so freundlich sein wollt und den Empfang mit Eurem Zeichen bestätigen wollt. Hier."

Er deutet mit dem Finger auf eine leere Stelle hinter der '20 D' und hält dem Kapitän die Feder hin.



Schweigend beobachtet der Kapitän, wie Kalid nachdenkt und dann zu dem fast schon zu erwartenden Schluss kommt. Einzig eine Augenbraue Jergans hebt sich, als er die Summe vernimmt - das ist wahrlich ein fürstlicher Preis für solch eine Mitfahrt!

"Selbstverständlich werde ich mit dieser Bezahlung angemessen umgehen, und danke Euch für Euer tiefes Vertrauen."

Nach diesen Worten schreibt er sein "Jergan Efferdstreu" an die angegebene Stelle, um danach das Kusliker Rad entgegen zu nehmen.

Solcherlei Währung wird bei den Summen, die auf der NORDSTERN üblicherweise anfallen, sehr selten benutzt, so dass der Kapitän ein solches erst zweimal in seinem Leben in der Hand gehalten hat, und damit eigentlich auch bezüglich der Echtheit nicht wirklich sicher sein kann, aber das Gewicht spricht für sich - außerdem verzichtet er auf jeden Zweifel an dieser Stelle, denn alleine das Auftreten Kalids ist für ihn Zeugnis genug.

"Bitte sehr", kommentiert er seine Unterschrift, "damit wäre das klar, und ich werde die restliche Summe den genannten Tempeln zukommen lassen, wenn sie nicht benötigt wird. Was die Euch Anvertraute angeht - ich schlage vor, dass sie morgen am späten Nachmittag an Bord kommt, dann muss sie nicht zu lange warten, und kann alles in Ruhe tun, ohne den Tag zu früh beginnen zu müssen. Lässt sich das einrichten?"



Zustimmend nickt Kalid. Er läßt das Kästchen noch für einige Augenblicke geöffnet, um die Tinte trocknen zu lassen. In dieser Zeit verstaut er den Kiel sorgfältig in seinem Fach und denkt kurz über des Kapitäns Vorschlag nach.

'Da wird uns Zoraklea nicht dankbar für sein, eine Nacht länger als unbedingt nötig auf dem Schiff verbringen zu müssen. Allerdings wird der Kapitän schon seine Erfahrungen mit Passagieren gemacht haben, und vielleicht kann sie sich ja schon ein wenig an das Schiff gewöhnen.'

"Ja, nun, wenn Ihr meint, so läßt sich das natürlich einrichten." entgegnet Kalid mit einem ansatzweisen schiefen Lächeln.

"Leider hat die junge Dame eine - gewisse Abneigung gegen das offene Meer und entsprechend auch gegen Schiffe. Vielleicht sollten wir sie darum erst früh am nächsten Tag an Bord bringen, um sie nicht unnötig lange an Bord haben zu müssen, was meint ihr?"

Jetzt klappt Kalid das Lackkästchen zu, wieder ertönt dabei ein leises Schnappen. Sorgfältig verstaut er es in seinem Futteral, dann hat er wieder beide Hände frei.



Der Kapitän zuckt mit den Schultern.

"Es ist, so denke ich, für sie besser, wenn sie morgen schon an Bord kommt. Dann kann sie sich zum einen besser einrichten und auch noch Gegenstände holen, die ihr fehlen. Und, was noch wichtiger ist: Morgen ist alle Zeit der Welt, übermorgen früh ist das nicht der Fall - da müssen wir nämlich auf jeden Fall mit der Flut auslaufen."



"Nun gut, da habt ihr wohl recht. Also, ich denke, Ihr könnt damit rechnen, daß ich die Dame morgen am späteren Abend her geleiten werde. Dann muß sie nicht so lange auf das Auslaufen warten und kann den morgigen Tag noch an Land verbringen."

Kalid wendet sich bei diesen Worten kurz vom Kapitän ab und schaut in Richtung Land hinüber. Ein gemütliches Treiben am Rand des Hafens sowie das eine oder andere kleine Schiffchen sind zu sehen. Die Stimmung ist recht ruhig und friedlich.

'Ja, gibt es denn noch etwas zu besprechen? Da will mir doch wirklich nichts mehr einfallen, es sollte alles geklärt sein. Etwas früher oder später am Tag, und ich wäre mit dem Kapitän noch in die 'Meerjungfrau' gegangen, soweit ich mich erinnere gibt es dort um diese Jahreszeit immer leckeren Seewolf im Speck... So etwas ist immer eine schöne Abwechslung zu Aneskas frucht- und gemüsereicher Kost.'

Mit einem kleinen innerlichen Seufzen des Verzichtes wendet sich Kalid wieder dem Kapitän zu, um sich zu verabschieden.

"Es war mir ein Vergnügen, Euch kennengelernt zu haben. Und ich habe auch ein gutes Gefühl dabei, die Dame in Eurer Obhut zu lassen. Möge also EFFerd auf allen Euren Reisen seine schützende Hand unter Euch und Euer Schiff halten. Solltet Ihr wieder einmal in Havena weilen und auch einen Abend Zeit haben, so besucht doch die Akademie in der Silberkirschengasse. Die Meisterin Yashima und ich würden uns sehr freuen, von Eurer Fahrt berichten zu hören, und Ihr könntet Euer gewohntes Bett auch mal gegen eines vertauschen, das nicht ständig schaukelt."

Mit einem Lächeln reicht Kalid dem Kapitän seine Hand zum Abschiedsgruß.



"Das Vergnügen war ganz auf meiner Seite", erwidert Jergan, "und wenn wir das nächste Mal in Havena sind, und ich mehr Zeit habe als bei diesem Mal, dann werde ich Eure nette Einladung annehmen."

Er ergreift die dargebotene Hand dabei, und schüttelt sie.

"Ob ich allerdings in einem Bett schlafen kann, das nicht schaukelt, da bin ich mir nicht so ganz sicher."

Eigentlich wollte er dabei lächeln, aber dieses gelingt nicht so ganz, denn unwillkürlich huschen seine Gedanken zu einem Bett in Riva, das nicht schaukelt, und dennoch ihm gehört - in dem dieser Tage seine Frau alleine schläft (vermutlich...), und vielleicht die Tage zählt, bis er wieder da ist.

"Falls ich morgen abend, wenn die Dame auf das Schiff kommt, nicht anwesend sein sollte, dann werden sich meine Offiziere darum kümmern - ich werde sie selbstverständlich über alle Abmachungen informieren."

Er überlegt kurz, ob noch etwas zu sagen ist, aber vermutlich ist in der Tat alles gesagt, so dass er dazu ansetzt, Kalid das kurze Stück bis zu der an Land führenden Planke zu begleiten.



"Schön, dann wäre ja alles geklärt."

Befriedigt über den doch recht akzeptablen Verlauf der Verhandlungen wendet sich Kalid zum gehen.

Auch wenn die Kosten für diese Fahrt in der Summe deutlich über den normalen liegen, so hatte sich die zusätzliche Investition in die Sicherheit gelohnt. Besonders der Meisterin, die ja zu bezahlen hatte, würde dies ein gutes Gefühl geben. Kalid hatte erst in den letzten Monaten wirklich verstanden, welche Beziehung sich zwischen ihr und Zoraklea aufgebaut hatte. Denn eine Tochter hatte sie sich immer gewünscht, alleine, es ergab sich nie. Und wenn sich die Frau und das Mädchen verstanden, spielte es nun wirklich keine Rolle, daß das Mädchen eine Halbelfe war.

Gemeinsam mit dem Kapitän geht Kalid bis zu der Planke, um sich dort von ihm zu trennen, er betritt das obere Ende der Planke, und schaut dem Kapitän ein letztes mal in die Augen.

"Mögen die Götter mit Euch sein, und mit Eurem Schiff!"



Neben dem Teil der Reling, das man für die Planke herausgenommen hat, bleibt der Kapitän stehen.

"Die Zwölfe mögen auch mit Euch sein, und mit Euer Herrin und deren Akademie" erwidert er auf den Gruss.

Er bleibt höflich neben dem schiffsseitigen Ende der Planke stehen, denn wieder einmal hat sich die Arbeit - erst einmal - abgebaut, und die Routine der Wache wird wohl nur allzu schnell zurückkehren.

Vorsichtig geht Kalid die leicht geneigte Planke hinab, Schiffe sind seine Sache nicht. Nach wenigen Schritten hat er seine Füße wieder auf festem Grund. Unbewusst atmet er tief durch, besinnt sich kurz und wendet sich dann Stadt einwärts, in Richtung des zentralen Marktes. Nach einigen Augenblicken wendet er sich noch einmal um, und sieht zu dem Kapitän zurück, der an Deck stehen geblieben ist.

'Wird es schon gut machen, der Mann. So, und jetzt will ich mal sehen, ob ich noch etwas Warmes Anzuziehen für Zoraklea bekomme.'

Es dauert nicht besonders lange, da ist Kalid auch schon außerhalb des Hafens und in den engen Gassen der Stadt verschwunden...



Wieder einmal ist der Kapitän, der Kalid noch kurz nachschaut, alleine. Diesmal zwar nicht auf der Brücke, sondern auf dem Oberdeck, aber das ist ja im Grunde egal.

Drei neue Fahrgäste waren es in den letzten Minuten, das ist etwas, das den Kapitän recht glücklich stimmt. Zwar verdient man damit nicht wirklich Geld, aber darum geht es ja auch nicht in erster Linie. Wobei, das muss Jergan sich eingestehen, die neueste Passagierin durchaus auch finanziell etwas bringt - zumindest später den Matrosen oder vielleicht auch anderen Fahrgästen.

Mit einem Lächeln im Gesicht wendet der Kapitän sich schließlich von der Planke ab, und geht langsam in Richtung Achteraufbau über das Oberdeck.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Was war dies doch ein Überraschung für alle jene, welche die Mannschaft aus Prem schon aufgegeben hatten. Alles hat an und für sich dafür gesprochen, dass die 'Bullen' in der zweiten Spielhälfte leichtes Spiel mit ihren Gegnern haben würden. Die Mannschaft aus Havena ist bei weitem ausgeruhter und erfrischter aus der Pause gekommen und hatte zudem noch den Auftrieb gehabt, plötzlich und unerwartet den Ausgleich erzielt zu haben. Die Premer dagegen wirkten zerschunden und ausgelaugt, hatten zudem den Nachteil den plötzlichen Ausgleich verkraften zu müssen. Es wäre wirklich nicht an den Haaren herbei gezogen, nun einen hohen Sieg der 'Bullen' zu erwarten. Jedoch, die 'Pottwale' führen wieder mit einem Tor Vorsprung und das zählt letztlich, auch wenn es den Spielverlauf der letzten Zeit kräftig auf den Kopf stellt.


***


In der Tat hat dieses Tor den 'Pottwalen' wieder Hoffnung gegeben. Frenhild, die glückliche Schützin, lächelt nun wieder und ihr Klagen über ihre eigene schlechte Leistung ist nur noch 'Schnee von gestern'. Ihr Wille zum Kampf ist wieder erwacht und so wie ihr, ergeht es der gesamten Mannschaft der Nordleute. Als der Jubel verebbt stehen die Reihen der 'Pottwale' wieder gut geordnet und alle Spieler udn Spielerinnen brennen vor Eifer, auch wenn sie schon von Erschöpfung und etlichen Blessuren, teilweise ernsterer Art, arg gezeichnet erscheinen.

Bei den 'Bullen' ist der schwungvolle Elan erst einmal wieder verschwunden. Chatal und Dunvallo machen ernste Gesichter und vor allem der grimmige Ausdruck des Spielführers läßt die Mannschaftskameraden leicht erschaudern. Chatal ist ein Immanspieler durch und durch, er schont sich nie und sein Einsatz geht manchmal über menschliche Möglichkeiten hinaus. Jedoch verlangt er ähnlichen Einsatz auch von seinen Nebenspielern und sollte dieser aus irgendeinem Grunde patzen, dann tut er gut daran Chatal mehr zu fürchten, als den Gegner. Chatal ist kein Wüterich, im Gegenteil! Er ist umsichtig und gerecht. Aber er ist auch ehrgeizig und er hat den Drang zum Sieg. Wahrscheinlich ist er auch deshalb schon zu Lebzeiten zu einer Legende des Immansports geworden.

"NUN ABER ALLES NACH VORNE!! UND DASS IHR MIR AUCH HINTEN ALLES DICHT MACHT! NOCH SO EIN DING VERKRAFTEN WIR NICHT!


***


Rumpo ist ein wenig ratlos und fragend blickt er die Zwillinge an. Er hat Chatal's Anweisung nicht so recht verstanden. Alles nach vorne? Ja, das klingt gut! Das klingt nach dem lustigen Spielzug, bei dem er mit nach vorne durfte und alles auf die Seite räumen durfte. Das könnte Rumpo schon gefallen. Aber wie sollte er dann gleichzeitig hinten alles dicht machen?

Zum Glück für die 'Bullen' haben andere Streiter der Mannschaft genauere Vorstellungen, wie der Auftrag Chatal's in die Tat umgesetzt werden könnte.


***


Die 'Bullen' spielen nun nicht mehr so drückend überlegend, so wie es noch vor kurzer Zeit zu sehen gewesen ist, jedoch bleibt ihr Elan erhalten. Sie spielen überlegt und diszipliniert, schon deshalb, da Chatal jeden, der jetzt aus der Reihe tanzen würde, in der Luft zerreißen würde. Wie schon so oft in den letzten Jahren, kann Romolosch zu diesem Zeitpunkt seine ungeheure Erfahrung ausspielen. Zudem hat der Zwerg noch Kraft für zehn Spieler und als Tamlin die Luft auszugehen droht, übernimmt er zudem auch noch dessen Position. Er scheint an allen Ecken und Ende der Spielhälften im 'Bullenrevier' zugleich zu sein, zumal sich Tibraide immer öfter aus der Abwehr löst, um ins Mittelfeld vorzudringen. Dann halten der Zwerg und Neelke oftmals allein die Stellung, manchmal auch Rumpo, halt immer dann, wenn er sich wieder auskennt.


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Seit das Spiel der 'Pottwale' wiede etwas mehr Kontur bekommen hat, läßt sich Ragnid zuweilen ins Mittelfeld zurückfallen, da Romolosch die Räume weiter vorne sehr eng macht. Immer dann nimmt sich Dunvallo ihrer an und die beiden schenken sich nichts. Einmal hat Dunvallo die Yeshinna mit einem kurz angesetzten 'Hüftüberwurf' zu Boden geschickt, doch auch er wurde auf Gras gelegt, als Ragnid ihm mit einer 'Beinschere' von den Füßen holte. Die Zweikämpfe der beiden hatten Rasse und Klasse und ließen manchem Immanfreund das Herz höher schlagen, egal für welche Mannschaft dieses Herz auch zu schlagen hatte. Doch haben die Rangeleien der beiden auch den Nachteil, dass sie sich derart miteinander beschäftigen, dass keiner der beiden seiner Mannschaft noch spielerische Impulse geben kann.


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Die Abwehr der 'Pottwale' hat in diesem eil des Spielverlaufs wieder etwas mehr Zeit zu verschnaufen. Ähnlich wie Romolosch auf der anderen Seite, hält Faenwulf seine Räume sauber, unterstützt durch die emsige Mithilfe Thorlif's, der nun mehr Zeit findet, hin und wieder durch gekonnte Attacken einigen 'Bullen' das Fliegen beizubringen. Der Applaus der Anhängerschar aus Prem ist ihm jedesmal sicher, kann ihn aber nicht darüber hinweg trösten, dass ihm die quirlige Raika immer wieder entwischt. Kurz vor dem Tor Isleifs aber, ist auch die Kunst der kleinen rothaarigen Spielerin an ihre Grenzen gekommen, spätestens bei Faenwulf ist Endstation.


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Es mag ein Glück sein oder auch nicht, je nachdem wie man es sehen will, aber Scibor und Thinmar sind bisher noch nicht aneinander geraten, obwohl sie einander regelrecht suchten. Doch der Spielverlauf und die strikte Einhaltung angesprochener Formation läßt immer genügend Distanz zwischen ihnen. Das hat bis zu diesem Zeitpunkt eine unkomplizierten Spielverlauf garantieren können, den Schiedsrichtern zur Freude. Zwar tauschen die beiden hasserfüllte Blicke, mehr passiert allerdings nicht, die vorgegebene Position zu verlassen trauen sie sich nicht, dazu hat jeder zu viel Respekt vor seinem jeweiligen Mannschaftskapitän, denn genau wie Chatal, ist auch Ifirnsgiron sehr unnachgiebig gegenüber Spielern, die ihre Wünsche über jene der Mannschaft als Ganzes stellen wollen.


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Es gibt kaum aufregende Szenen zu diesem zeitpunkt, das Spiel verflacht ein wenig, weil es keiner Mannschaft gelingen will gefährlich vor das Tor der anderen Mannschaft zu kommen. Sowohl Brendan als auch Isleif verleben nun eine erholsame Zeit. Wann immer eine Mannschaft den Kork in ihren Besitz bringen kann, wird sie sofort noch im Mittelfeld empfindlich gestört, was meistens wieder zum Ballverlust führt. Das Spiel ist schnell, hart und aggressiv, jedoch kommt keine Mannschaft vom Fleck, alles spielt sich in der Mitte des Feldes ab. Diese Phase des Spiels ist für das Publikum wenig attraktiv und sowohl die Leute aus Prem, als auch die Leute aus Havena murren ein wenig, sie sind mit dem Spielverlauf nicht zufrieden, obwohl die Nordleute wenigsten den Trost haben, dass ihre Mannschaft mit einem Tor vorne liegt. So mag es nicht verwundern, dass es als ein kleiner Höhepunkt beklatscht wurde, als Hasgar, der eigentlich eine größere Ausdehnung von Spielfelder gewohnt ist, das Stadion von Havena ist im Vergleich zu anderen Stadien auch wirklich winzig, in seinem Eifer mit voller Wucht gegen eine Bande gerannt ist und dann, mit en Beinen nach oben, über die Absperrung gekippt ist. Da war die Erheiterung in den Rängen groß, das Spiel selbst vermochte keinen von den Stühlen zu reißen.


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Fast schien es so, als ob sich die Dramatik eines Immanspieles auf Nimmer-Wiedersehen verabschiedet hätte, aber dann ....


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Ein erstes zartes Zeichen mag gewesen sein, dass Tibraide schon lange nicht mehr im Mittelfeld aufgetaucht war. Das hat kurzfristig zu eine augenscheinlichen Überlegenheit der 'Pottwale' geführt, die sich jedoch nicht wesentlich in Raumgewinn umsetzen konnte und jeder Vorstoß, der die ersten Reihen der Abwehr durchstoßen konnte, blieb an Tamlin, Tibraide oder Conn hängen. Aber wo war Romolosch?


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Tula hat nun den Ball, kann aber Faenwyn nicht mehr umspielen, gibt den Kork daher zur linken Seite zu Aki. Der junge Stürmer ist noch schnell und agil. Er legt sich den Ball weit vor und sprintet nach. Lyn stellt sich ihn in den Weg, muss den Ball passieren lassen, versucht aber Aki auszublocken. Aki rennt voll in die junge SPielerin aus Havena hinein und muss feststellen, als er sich anschließend die schmerzende nase reibt, dass Lyn's Oberweite nicht nur groß, sondern auch kräftig ist und lange nicht so weich, wie der junge Premer das gedacht hat. Den ersten Kontakt mit Lyn's Brüsten hat er sich sehr viel anders vorgestellt, jedenfalls nicht so schmerzhaft.


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Von altem Schwung getragen rollte der Ball nun herrenlos weiter und iwrd dann von Tamlin gestoppt. Tibraide verlangt nach dem Ball, sie erhält ihn auch und sofort startet sie einen Gegenangriff. Als sie gleich von zwei Frenhilds angegriffen wird, gibt sie den Ball nach links weiter zu Scibor. Dieser treibt den Ball vorwärts. Chatal läuft zum linken Flügel hinaus und bekommt ihn auch sofort. Scibor ist immer wieder froh, wenn er den Ball in der Offensive weiter geben kann, seine Stärken liegen mehr im defensiven Bereich.


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Sehr zu seinem Unmut kann Chatal den Ball nicht sehr kontrolliert weiter geben, da er gleichzeitig von Ingvar, Thorlif und Algrid angegriffen wird. Einer solchen Übermacht hat auch ein Klassespieler wie Chatal nur wenig entgegen zu setzen. Also bringt er den Ball hoch in die Mitte zurück. Doch gerade dort, wo eigentlich niemand stehen dürfte, genau dort taucht, wie von Geisterhand gerückt, Romolosch auf, der den Ball halbhoch in vollem Lauf aus der Luft herunter stoppt und mit dem Fuß halblinks weiter treibt. Er erwischt Faenwulf auf dem falschen Fuß und hat dann keine Mühe mehr, den Ball über die Torlinie zu schießen. Isleif hat sich dem Angreifer quer entgegen geworfen, kann den Torschuss nicht verhindern, aber wohl, dass es wieder ein drei-Zähler-Treffer werden würde.


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Der Jubel der 'Bullen' kennt keine Grenzen, es sei denn in der zeitlichen Dauer ...


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Als der Ball wieder ins Spiel kommt, erobern die 'Pottwale' sofort den Ball. Sie haben den erneuten Ausgleich der 'Bullen' erstaunlich gut weggesteckt, mehr noch, er scheint sie sogar noch beflügelt zu haben. Beide Frenhilds wirbeln über das Feld und schieben sich gegenseitig den Ball zu. Die 'Tigerin' gibt den Kork steil vor und die 'Fee' erläuft ihn sich sofort, führt den Ball aber gar nicht weiter, sondern 'kickt' ihn quer nach hinten, wo er sofort wieder am Schläger der aufgerückten 'Tigerin' landet und Chatal hat das Nachsehen. Auch einem Ausnahmespieler wie Chatal kann das passieren!


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Auf der linken Seite bietet sich Aki an, bekommt den Ball aber nicht ....


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Die 'Tigerin' spielt den Ball wieder steil vor und die 'Fee' erläuft ihn sich wieder, spielt diesmal aber nicht quer, sondern auch steil und die 'Tigerin' muss ganz schön die beine in die Hand nehmen, um den Ball wieder an den Schläger zu bekommen. Das gelingt ihr auch, wenn auch denkbar knapp, Cuil war schon hart heran gekommen. Zwar hat die 'Tigerin' den Ball nun in ihrem 'Besitz', ist aber in der größten Gefahr den Kork wieder zu verlieren, als Cun von de Seite her aufschließt.


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Ragnid läuft auf halbrechte Position ...


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Rechts außen beginnt Algrid einen Sturmlauf ...


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Cun rempelt die 'Tigerin' glatt um, kann aber nicht an den Ball kommen, Frenhild hat den Kork im letzten Augenblick nach rechts gegeben.


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Nun hat Ragnid den Ball und sie sieht die Lücke, die Cun durch seine Attacke auf Frenhild gelassen hat. Mit zwei schnellen Schritten ist sie jedem Zugriff entwischt, denn sie weiß, ja, dass ihr Dunvallo im Genick sitzen könnte.


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Algrid stürmt und kommt aus halbrechter Richtung auf das Tor Brendan's zu ...


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Ragnid stürmt, stoppt aus vollem Lauf und spurtet wieder los und lässt so den angreifenden Romolosch ins Leere laufen. Sie rennt auf das Tor zu und als sie nur noch wenige Schritte entfernt ist, sich also auf einen Distanz vor gekämpft hatte, da ein 'Pottwal'-Spieler schon lange nicht mehr gewesen war, stoppt sie den Ball, hüpft über ihn hinweg und rennt ohne Ball weiter. Diese tat mag manchem als unsinnig erscheinen und den Kopf schütteln lassen, aber da ist auch schon Algrid heran und drischt den Ball über die Torlinie. Brendan bliebt nicht einmal die Zeit zu reagieren.


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Wer erwartet hat, dass das Spiel neues Feuer gewinnen könnte, jetzt, da der alte Vorsprung wieder hergestellt ist, der sieht sich getäuscht, Zwar erhöhen die 'Bullen' ihren Druck und man kann sehr deutlich sehen, dass die Heimmannschaft nun deutlich über mehr Kraftreserven verfügt, als die Gastmannschaft, doch was den Gästen an Kraft fehlt, das machen sie durch leidenschaftliches Spiel wieder wett. Doch: Richtige Höhepunkte konnte man dem Spiel nun bislang nicht mehr abgewinnen, obwohl im Verlauf dieser Spielphase noch zwei Tore fallen sollten.


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Es sieht fast so aus, als wären die beiden Mannschaften mit dem Ergebnis zufrieden, was verwundert, denn immerhin liegen die 'Bullen' in ihrem Heimatstadion mit einem Tor zurück und zu Hause hatten die Meister des Eschenholzes eigentlich noch nie verloren. Genau dieser Gedanke muss Raika durch den Kopf geschossen sein, als sie von Dunvallo auf der linken Seite den Ball zugeschoben bekommt. Sie stürmt vorwärts, vorbei an Thorlif, den sie wieder einmal zum Narren hält, vorbei an Thinmar, den weiträumig umläuft und vorbei an Ingvar, der sich allerdings sehr tölpelhaft angestellt hatte und es der jungen Hanvenaerin leicht gemacht hatte weiter in die Hälfte der Premer einzudringen.


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Chatal fordert von Raika den Ball, denn er hätte, so meint er, freie Bahn bis hin zum Tor Isleif's. Er hat allerdings nicht bemerken können, dass schräg hinter ihm Faenwulf lauert, dem es eine Freude sein würde, den Kapitän der 'Bullen' mit einem Spreizschlag zu überraschen.


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Raika erkennt die Falle. Wie sagte ihr Vater immer: Wenn du den weißen Wolf im Schnee jagst, dann suche nach seinem schwarzen Schatten, auf dass du ihn in Firuns Land erkennen kannst. Ja, und Faenwulf wirft wirklich gewaltige Schatten.

Also gibt sie den Ball nicht an Chatal weiter, eine mutige Tat, denn Chatal hat wenig Verständnis dafür, wenn man seinen Anweisungen nicht Folge leistet. Aber da Faenwulf an Chatal 'gebunden' ist, kann er für Raika kein Hindernis mehr sein. Sie stürmt direkt vor das Tor, Isleif kommt ihr entgegen, verkürzt den Winkel, doch Raika zieht den Ball noch etwas nach rechts und schießt ins lange Ecke. Der Ball steigt zwar noch ein wenig, aber nicht mehr genug, um über der Latte die Torlinie zu überfliegen. Havena hat wieder ausgeglichen.


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Nun gewinnt das Spiel wieder etwas an Klasse. Die 'Bullen' wittern Morgenluft und die 'Pottwale' geben sich noch lange nicht geschlagen. Tula wird nun immer langsamer und Faerwyn gewinnt fast jedes Duell und auch Algrid hat nach ihrem Torerfolg sehr nachgelassen. Ififrnsgiron kämpft wie ein Löwe, wird aber in immer kürzer werdenden Zeitabständen von Wadenkrämpfen geschüttelt.


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Die 'Bullen' haben nun einen unbedingten Drang nach vorne, während die Premer den ball gern lange in ihren eigenen Reihen hin und her schieben. Zu einen haben sie kaum noch die Kraft für einen schnellen Sturmlauf, zum anderen hat Romolosch die Abwehr seiner Mannschaft geradezu ideal positioniert und auch Rumpo ist unterdessen wieder voll orientiert. Die Räume sind dicht und da gibt es kaum ein Durchkommen. Die 'Pottwale' scheinen im Mittelfeld ein gewisse Überlegenheit heraus zu spielen, doch mag dies täuschen, denn zwingende Situationen entstehen daraus nicht, während die 'Bullen' das Mittelfeld mit weiten Schlägen kurz und bündig überwinden.


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In dieser Phase, so scheint es, bekommt die 'Tigerin' wieder leichtes Oberwasser und Dunvallo hat immer mehr zu tun damit, die 'Tigerin' ins Abseits zu drängen. Darüber muss er zwangsläufig die Yeshinna etwas mehr ziehen lassen und das sollte sich rächen ....


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Frenhild, die 'Tigerin' führt den Ball und wird von Dunvallo attackiert. Sie kommt zu Fall und kann den Ball nicht mehr weiter spielen. Dennoch kommt Ragnid vor Tibraide an den Ball. Die Yeshinna tänzelt mit dem Ball vor der Abwehrreihe der 'Bullen' herum, kann aber den Ball nicht spielen, da Aki von Tamlin, Algrid von der zurückweichenden Tibraide und Hasgar von Rumpo äußerst genau gedeckt werden. Zu allem Überfluss hat sich nun auch noch Romolosch vor ihr aufgebaut und Ragnid weiß, dass mit dem Zwerg nicht gut Kirschen essen ist. Es scheint so, als habe sich die Stürmerin nun in eine ausweglose Sackgasse hinein begeben.


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Ifirnsgiron sieht Ragnids Dilemma und er rennt los. Schon nach den ersten Schritten spürt er wieder ein schmerzhaftes Ziehen in der rechten Wade. Er beißt die Zähne zusammen und läuft weiter. Das Ziehen wird heftiger. Egal - es muss einfach gehen. Das Ziehen wird noch heftiger. Nun kann Ifirnsgiron schon nicht mehr richtig rennen, er humpelt mehr, das rechte Bein will einfach nicht mehr mitmachen. Dennoch hält der Kapitän der 'Pottwale' nicht an. Unter dem Laufen, es war wohl mehr ein Stolpern und Humpeln ruft er Ragnid zu, den Ball nach rechts zu legen.


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Ragnid legt den Ball nach rechts ...


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Ifirnsgiron nimmt den Ball in Empfang. Nun will das Bein aber überhaupt nicht mehr laufen, die Wade verkündet krampfend einen stürmischen Protest gegen die fortwährende Überforderung. Da er nun wirklich nicht mehr rennen kann, bleibt dem armen Ifirnsgiron nichts anders übrig, als das Unmögliche zu versuchen. Er schlägt mit der Wucht eines Schmiedes auf den Ball ....


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Der Ball steigt und fliegt über die Köpfe der Spieler beider Mannschaften hinweg. Dann senkt er sich wieder und fliegt auf das Tor der 'Bullen' zu. Brendan braucht eine Weile um zu erkennen, dass hier allerhöchste Gefahr auf ihn zukommt. Er geht ein paar Schritte zur Seite und wirft sich dann mit ausgestreckte Hand nach dem Ball. Er hat die Flugbahn ausgezeichnet berechnet und wäre wohl rechtzeitig angekommen, um den Ball mit der Hand abzufangen, doch kurz vor sein Hand, die schon freudig zum Zugriff bereit ist,prallt de Ball noch einmal kurz auf den Boden, springt hoch ab und hüpft ein paar Finger breit über der Hand Brendans über die Torlinie. Wäre der Ball auch nur einen halben Schritt eher auf den Boden gekommen, hätte es ein Dreier werden können. So aber gibt es nur einen Punkt für die 'Pottwale'. Das bedeutet aber immerhin wieder die Führung für die Nordleute.


***


Nein, die 'Bullen von Havena' sind nicht niedergeschlagen, im Gegenteil, sie verstärken ihre Angriffe und bei den 'Pottwalen' geht wieder einmal nichts mehr zusammen. Nun machen die Männer und Frauen aus Havena erheblichen Druck und die Abwehrreihen der Premer bekommen wieder viel mehr zu tun, als ihnen lieb sein kann. Chatal peitscht seine Leute nach vorne und ruft sie in die Abwehr, er stellt sie in das Mittelfeld, wie es halt das geschehen auf dem Rasen vorgibt. Chatal hat eine wahrhaft meisterliche Übersicht und unter seiner Anleitung spielen die 'Bullen' eine deutliche Überlegenheit heraus. Jedoch ein weiteres Tor will ihnen nicht gelingen.


***


Wie es schon so oft passierte beim Imman, immer dann wenn eine Mannschaft so einseitig überlegen aufspielt, ohne zählbare Erfolge verbuchen zu können, dann wendet sich das Blatt urplötzlich. Ragnid, die sich im Sturm der 'Pottwale' nunmehr sehr einsam vorkommt, da sie kaum noch ein Ball erreicht, hat sich ins zentrale Mittelfeld begeben, um sich, wenn sie schon keinen Pass mehr erwarten kann, den Ball selbst zu holen. Da geschieht es, dass Tula tatsächlich wieder einmal einen Zweikampf gegen Faerwyn gewinnt, den ersten seit langem, und gleich darauf Ragnid bedient. Die Yeshinna beginnt sofort einen Alleingang, da ja niemand der eigenen Spieler mit aufgerückt war. Sie entwischt den Zwillingen, umspielt Rumpo und geht in Zickzack-Linie über den Platz, allerdings in einer Geschwindigkeit die zu diesem Zeitpunkt mehr erstaunt als ein Yeti in der Wüste. Sie umspielt Neelke und Tamlin und ist nun schon kurz vor dem Tor. Sie hat wohl das Glück, dass Romolosch und Tibraide etwas weit aufgerückt waren in diesem Augenblick, an diesen wäre die Yeshinna nicht so einfach vorbei gekommen, aber nun gilt es nur noch Brendan zu überwinden. Der Torwart kommt ihr entgegen und es ist ihm anzusehen, dass er innerlich flucht auf seine nachlässige Hintermannschaft, die ihn so schmählich im Regen stehen lässt. Fast hätte er der Yeshinna den Kork von Schläger gefischt, es fehlte nur ein Fingerbreit, doch dann sit Ragnid auch an ihm vorbei gezogen. Wäre sie etwas langsamer gewesen oder hätte Brendan auch nur einen Augenblick später reagiert, dann hätte die Premerin den Ball sicherlich über die Latte heben können, so aber hat sie zu tun, dass sie dem Kork eben noch die Richtung mitgeben kann, der ihn über die Torlinie führt.


***


Die 'Bullen' bestimmen das Spielgeschehen, doch die 'Pottwale' bauen ihren Vorsprung aus. Das mag ungerecht klingen, aber das ist Imman .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Es ist schon seltsam - da sind die Bullen so deutlich besser als die Pottwale, und können mit diesen quasi machen, was sie wollen, aber doch sind es letztere, die die Tore schiessen und damit wieder einmal ein Führung liegen.

Dementsprechend ist die Stimmung der Bullen-Anhänger ebenso seltsam - zum einen genießen sie das bestimmende Spiel ihrer Helden, aber zum anderen ist da immer im Hintergrund dieses Fehlen der Tore.

So bleibt auch der Jubel - abgesehen von dem Tor, das die Bullen schiessen - eher verhalten, auch wenn jede Einzelaktion zumindest in Teilen des Stadions zu Freudenausbrüchen führt.



Die Premer Fans haben Oberwasser.

Gut, es könnte eine etwas dickere Führung sein, aber, was solls, solange man noch einen Schluck Feuer hat, ist der Krug nie leer, und solange am Ende bei den Gästen die höhere Zahl steht, hat sich die Reise gelohnt.

Die Fans geben sich alle Mühe die müden Knochen ihrer Spieler mit

hauptsächlich lauten Worten wieder aufzufrischen. Jedes Tor wird bejubelt,

jede Abwehr mit Gesängen gefeiert.

PottWal UnSer WapPenTier - Ins SchlachtFeld Wolln Wir Folgen Dir Hinten dicht - Prem haut weg den Bullenschiß

Zudem kursiert folgende Rätselfrage unter den Premern: Was gibt's, wenn Pottwal auf die Bullen trifft? Etwa fünfzig Quadratschritt Bullensteak - schön flachgeklopft.



NORDSTERN - Oberdeck: Der Kapitän, endlich allein ... - Jergan


Wieder einmal ist der Kapitän, der Kalid noch kurz nachschaut, alleine. Diesmal zwar nicht auf der Brücke, sondern auf dem Oberdeck, aber das ist ja im Grunde egal.

Drei neue Fahrgäste waren es in den letzten Minuten, das ist etwas, das den Kapitän recht glücklich stimmt. Zwar verdient man damit nicht wirklich Geld, aber darum geht es ja auch nicht in erster Linie. Wobei, das muss Jergan sich eingestehen, die neueste Passagierin durchaus auch finanziell etwas bringt - zumindest später den Matrosen oder vielleicht auch anderen Fahrgästen.

Mit einem Lächeln im Gesicht wendet der Kapitän sich schließlich von der Planke ab, und geht langsam in Richtung Achteraufbau über das Oberdeck.



Nach nur wenigen Schritten bleibt Jergan Efferdstreu erneut stehen. Hatte er nicht, ehe die beiden neuen Fahrgäste, die Frau, die schon einmal an Bord gewesen ist, und der Mann, der für eine Mitfahrt vermittelt hat, gekommen sind, gerade darüber nachgedacht, ein wenig über das Schiff zu wandern?

Das Unterdeck fällt dabei weg, denn gerade im Hafen sollte schon jemand oben sein, aber auch da gibt es ja noch mehr als das achtern gelegenen Brückendeck und den Oberdeck-Bereich neben der Planke.

Der Kapitän dreht sich prompt um, nachdem er den Aufgang zur Brücke schon fast erreicht hat, und geht schräg nach Steuerbord bugwärts wieder über das Oberdeck - sein offensichtliches Ziel im Moment ist wohl das verkehrt herum auf dem Deck liegende Beiboot, das seit Salzerhaven das Wasser nicht mehr berührt hat. Zumindest das Wasser des Meeres, denn das Regenwasser der letzten beiden Tage hat es natürlich ordentlich abbekommen.



NORDSTERN - Hafen/Oberdeck: Noch mehr Frauen an Bord - Jandara, Widirza und Jergan


Jandara ist ein wenig überrascht, als sich Widirza bei ihr einhakt. Das hatte sie von ihr jetzt nicht erwartet.

Aber egal - auf zum Schiff!

"Absaufen... ich hoffe nicht!" entgegnet sie Widirza, "Das Schiff sieht allerdings schon stabil aus. Finde ich."

'Welcher Mensch redet von sich auf diese Art und Weise? Gut, dass sie mir wohl langsam vertraut - dann erfahre ich vielleicht auch irgendwann, was das alles zu bedeuten hat.'

Die beiden Frauen gehen durchs Fischerdorf zum Hafen. Dort angekommen steuern sie, während sie über ein paar Belanglosigkeiten, wie das Wetter der letzten Tage und Havena im allgemeinen, plaudern, auf die NORDSTERN zu.

"So, das ist dein 'Kahn'."

Jandara zeigt mit dem freien Arm auf die Karavelle und grinst Widirza zu. Dann steigen die beiden Frauen die Planke hinauf.

Oben angekommen zeigt Jandara auf einen Mann, der beim Beiboot steht.

"Und das dort ist der Kapitän. Bei ihm kannst du eine Kabine buchen."



'Aha, das ist also das Schiff, auf dem ich die nächsten Tage oder Wochen eingesperrt bin.' denkt sich Widirza, als sie über die Planke die NORDSTERN betritt.

Ihr Blick folgt Jandaras Hand und so fällt auf den den knapp zwei Schritt grossen und schmalen Mann.

'Und der Schmalhans da ist der Kapitän? Aha!'

"He, ihr da drüben." ruft Widirza Jergan zu. "Seid ihr hier der Käptn?"



Der Kapitän hat das Beiboot noch nicht ganz erreicht, als ein nicht wirklich freundlicher Ruf seine Ohren erreicht.

Er dreht sich herum, und mustert kurz die beiden Frauen. Sein zuerst nicht ganz freundlicher Gesichtsausdruck wechselt rasch, als er die "Kurierin" erkennt, die vor gar nicht so langer Zeit in die Stadt gegangen ist, nachdem sie sich mit ihm unterhalten hat, und der er freundlich zunickt.

Der anderen antwortet er:

"Jawohl, der bin ich. Jergan Efferdstreu, Kapitän der Karavelle NORDSTERN aus Riva, auf derem Deck ich Euch begrüße. Was kann ich für Euch tun?"



'So mürrisch wie der schaut ist er es.' beantwortet sich Widirza ihre Frage, noch bevor der Kapitän dies bestätigt.

'Und die Stoppeln im Gesicht könnte er sich auch mal abrasieren.'

"Was ihr für mich tun könnt..." wiederholt sie langsam und genußvoll den letzten Satz während sie ihr Gewicht vorsichtig dem leichten Schwanken des Schiffes anpasst.

'Nichts. DU ganz sicher nichts. So hohl wie du bist. In deinen Adern steckt auch nicht der kleinste Funken Energie. Ganz im Gegensatz zu meiner Jandara.'

Sie setzt ihr Lächeln auf und blinzelt.

"Ich will eine Weile auf euerem Schiff mitfahren, Käptn. Dorthin, wo es auch meine Freundin Jandara hinzieht - wenn es euch nichts ausmacht."



Der Gesichtsausdruck des Kapitäns bleibt freundlich, auch wenn es ihn schon verärgert, dass die Frau es nicht nötig hat, ihren Namen zu nennen.

"Das ist kein Problem, wir haben sowohl in unserem Laderaum, als auch in der Gemeinschaftskabine noch Platz."

Kurz überlegt Jergan, wohin genau Jandara wollte, aber er ist sich da nicht ganz sicher - bei all den Fahrgästen ist das Bordbuch doch weit zuverlässiger als die Erinnerung, und sie jetzt zu fragen, wäre doch peinlich.

'Es war aber wohl Grangor', überlegt er, 'denn von da waren ja diese Parfüm-Sachen - oder sie sollten dahin.'

"Also bis Grangor, ja? Wollt Ihr wie sie in den Laderaum, oder ist Euch die Gemeinschaftskabine lieber?"



Noch immer lächelt Widirza den Kapitän an.

'Du kannst vielleicht Fragen stellen.'

"Ich reise natürlich dort, wo auch meine Gefährtin reist." entgegnet sie ihm freundlich aber bestimmt. "Ja, Grangor ist mir recht."

'Der Laderaum ist mir ohnehin lieber - Gemeinschaftskabine, das hört sich ja an wie ein Schweinepferch.'

Dann schließt sie ihre Augen für einen Augenblick. Sie spürt den rauhen Seewind, hört das leise Knarren der belasteten Planken des Schiffes und vernimmt am Rande auch das Knattern der gerefften Segel.

'Es scheint hier soweit alles in Ordnung zu sein. Aber im Schiffsbauch scheint es Energien zu geben.'

Als sie die Augen wieder öffnet nickt sie und meint:

"Habt ihr eigentlich einen Schiffsmagier?"



"Bis Grangor macht das dann acht Silber und vier Heller, zu zahlen im Voraus. Für das Bordbuch müsste ich dann noch Euren Namen wissen, dann wäre das soweit klar."

Es klingt nett und höflich, so dass man dem Kapitän den ärger über die immer noch nicht erfolgte Vorstellung nicht im geringsten anmerkt.

"Was Eure Frage angeht - ja, wir haben einen Schiffsmagier."

Jergan würde gerne wissen, warum sie das fragt, aber er stellt keine entsprechende Gegenfrage, denn zum einen geht ihn das nicht wirklich etwas an, und zum anderen scheint diese Frau eher nicht zum Plaudern aufgelegt zu sein. Vielleicht fragt er das besser später auf See bei Jandara nach, falls es dazu auch nur eine Spur von Notwendigkeit geben sollte.



'Gut. Wenigstens einen Magus hat dieses Boot. Somit werde ich schon nicht in Versuchung kommen, meiner Freundin etwas anzutun.'

Ohne zu zögern greift Widirza in eine kleine Tasche ihrer schwarzen Tunika, zieht einige Münzen heraus und streckt sie ohne nachzuzählen dem Kapitän entgegen.

"Hier habt ihr zehn Silber. Den Rest könnt ihr dem Magus mit einem Gruss von Widirza übergeben."

Dann legt sich ihre Stirn für einen Augenblick in Falten, bevor ihre tiefe Stimme abermals zu hören ist.

"Und das könnt ihr auch in eueren Büchern vermerken."



Der Kapitän nimmt das Geld entgegen, und lässt es in der Tasche verschwinden.

"Habt Dank. Soll ich einen Matrosen damit beauftragen, Euch den Laderaum zu zeigen, oder geht Ihr gemeinsam mit Euer Freundin hinunter?"

Jergans Blick schweift dabei von Widirza hinüber zu Jandara, der er im Gegensatz zu ersterer ein Lächeln schenkt, denn sie ist stets höflich zu ihm gewesen, was man von Widirzas Auftreten ihm gegenüber nach wie vor nicht behaupten kann.



Widirza blickt sich etwas verdutzt auf dem Oberdeck um.

'Welchen Matrosen sollte er schon mitsenden? Hier ist doch gar keiner.'

Dann blickt auch sie ihre Freundin an und ihr aufgesetztes Lächeln verändert sich - es wird zu einem echten, aufrichtigen Lächeln.

"Na Jandara, das schaffen wir schon noch selbst, oder nicht?"



Der Kapitän der NORDSTERN kann die Gedanken Widirzas regelrecht spüren, als sie sich nach seiner Bemerkung suchend umsieht.

Kurz spielt er mit der Idee, ihr zu beweisen, dass sehr schnell ein Matrose zur Stelle sein kann, wenn er das nur möchte, doch das bleibt ein Gedanke, von dem nicht mehr als ein Lächeln an die Oberfläche dringt.

schließlich wäre es mehr als unfair, für derlei einen der Matrosen extra hochzuscheuchen, die Bereitschaftsdienst haben und sich unten im Mannschaftsraum ausruhen oder vielleicht mit kleinen Reparaturen beschäftigen.

'Wobei dem Geräuschpegel nach im Moment das Ausruhen wahrscheinlicher ist...'



"Ich...ja...moment...was?!"

Verblüfft blickt Jandara Widirza an. Ach je, das alles ging so entsetzlich schnell! Erst jetzt wird ihr richtig klar, dass sie von nun an für einige Tage ihr Quartier mit Widirza teilen muss.

Kurz schaut sie hilflos zu Jergan hinüber. Aber was soll der schon sagen? Es muss ja für ihn so aussehen, als sei zwischen ihr und ihrer neuen Freundin schon alles so gut wie abgemacht.

Eine kleine Zornesfalte bildet sich zwischen ihren Augenbrauen.

'Wie konnte ich nur zusagen? Hat sie mich überhaupt gefragt?'

Diese Frage kann Jandara sich gleich selbst beantworten. Natürlich hat es für Widirza so ausgesehen. Wieder einmal ist die Hexe ihrer Schwäche unterlegen, die anderen nicht ernst genug zu nehmen. Aber was soll's? Es könnte ja schlimmer kommen, als ein paar Tage mit Widirza in einem Laderaum zu verbringen, nicht wahr?

Zweifelnd wandern ihre Augen über ihre neue Freundin. Dann seufzt sie unhörbar.

"Sicher, komm ich zeig dir den Laderaum."

Damit nickt sie Jergan kurz zu und geht hinüber zum Niedergang, in der Annahme das Widirza ihr folgt.



NORDSTERN - Oberdeck: Zur 'Kabine' - Wdirza und Jandara


Widirza blickt sich etwas verdutzt auf dem Oberdeck um.

'Welchen Matrosen sollte er schon mitsenden? Hier ist doch gar keiner.'

Dann blickt auch sie ihre Freundin an und ihr aufgesetztes Lächeln verändert sich - es wird zu einem echten, aufrichtigen Lächeln.

"Na Jandara, das schaffen wir schon noch selbst, oder nicht?"

"Ich...ja...moment...was?!"



Verblüfft blickt Jandara Widirza an. Ach je, das alles ging so entsetzlich schnell! Erst jetzt wird ihr richtig klar, dass sie von nun an für einige Tage ihr Quartier mit Widirza teilen muss.

Kurz schaut sie hilflos zu Jergan hinüber. Aber was soll der schon sagen? Es muss ja für ihn so aussehen, als sei zwischen ihr und ihrer neuen Freundin schon alles so gut wie abgemacht. Eine kleine Zornesfalte bildet sich zwischen ihren Augenbrauen.

'Wie konnte ich nur zusagen? Hat sie mich überhaupt gefragt?'

Diese Frage kann Jandara sich gleich selbst beantworten. Natürlich hat es für Widirza so ausgesehen. Wieder einmal ist die Hexe ihrer Schwäche unterlegen, die anderen nicht ernst genug zu nehmen. Aber was soll's? Es könnte ja schlimmer kommen, als ein paar Tage mit Widirza in einem Laderaum zu verbringen, nicht wahr?

Zweifelnd wandern ihre Augen über ihre neue Freundin. Dann seufzt sie unhörbar.

"Sicher, komm ich zeig dir den Laderaum."

Damit nickt sie Jergan kurz zu und geht hinüber zum Niedergang, in der Annahme das Widirza ihr folgt.



Selbst als Jandara auf den Niedergang zusteuert, fühlt Widirza noch die verblüfften Augen der Freundin auf sich gerichtet. Was war los? Hatte SIE etwa etwas falsch gemacht?

'Nein. Was denn auch?'

Trotzdem kann sie die verblüfften Augen nicht aus dem Gedächtnis streichen.

'Aber wieso hat sie mich so angesehen, sie ist doch meine Freundin?

Oder nicht?'

Aber bevor Jandara wirklich im Niedergang verschwindet, will sie ihr nach.

"Danke Käptn." sind die Worte, die sie Jergan Efferdstreu noch zukommen lässt, dann macht auch sie sich zum Niedergang auf.

Sie beeilt sich, und so kann sie Jandara kurz vor dem Niedergang einholen.

"Ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht in Verlegenheit gebracht, aber..." ihre Stimme senkt sich. "der Käptn ist ein komischer Kauz. Ich hatte mir solche Leute immer ganz anders vorgestellt. Etwas fülliger und stämmiger und mit Vollbart eben. Und der..." Sie nickt mit dem Kopf in die Richtung des Kapitäns. "sieht ja ganz anders aus."

'Er kann hoffentlich trotzdem das Schiff auf Kurs halten - obwohl er so schmal ist.'

"Was meinst du dazu?" fragt sie leise.

'Oder bist du jetzt sauer auf mich?'



Etwas in Widirzas Stimme lässt Jandara aufhorchen. Zweifel? Unsicherheit? Direkt vor dem Niedergang stehend dreht sie sich zu ihr um. Forschend betrachtet sie das Gesicht ihrer Freundin und lächelt dann.

Sanft greift sie nach Widirzas Arm und zieht sie ein Stück von der Treppe weg, hinüber zur Reling.

Mit verschwörerischem Gesichtsausdruck flüstert sie ihr zu:

"Der Käpt'n ist schon in Ordnung. Aber du solltest mal Lowanger sehen, einen der Offiziere hier an Bord, der ist süßer als maraskanischer Honig..."

Dabei verdreht sie übertrieben schwärmerisch die Augen. Dann räuspert sie sich kurz und sagt ernst:

"Ich freue mich, mit dir zu reisen. Wir werden uns bestimmt gut verstehen, denkst du nicht auch? Und du musst unbedingt Zach kennenlernen, meinen Vertrauten. Es ist nur so, dass ich dachte, der Kapitän würde uns in getrennten Quartieren unterbringen. Deshalb war ich ein wenig überrascht. Aber ich bin wohl schon zu lange allein unterwegs, es wird Zeit, dass ich mich wieder an die Nähe anderer gewöhne."



Das Lächeln Jandaras brennt sich tief in Widirzas Gedanken ein.

'Es ist so schön.'

Doch bevor sie überhaupt zu einer Regung kommt, zieht die Hexe sie auch schon zur Reling hin und erzählt ihr schwärmerisch von einem Offizier und noch einem anderen Mann - Zach.

"Ich bin mir sicher, das wir uns gut verstehen werden." antwortet Widirza langsam. "Aber wieso sagst du, dass du schon zu lange alleine bist?"

'Besonders, wenn du von diesen Männern erzählst? Aber eines ist ganz klar! Kein Käptn Deres hätte mich von dir trennen können.'



Widirzas Frage bringt Jandara ins Grübeln. Was soll sie antworten?

"Oh, das erzähle ich dir später mal, vielleicht bei einem Glas Wein oder so. Komm, ich zeig dir jetzt mal den Laderaum. Soll ich vorgehen?"



"Geh du ruhig vor, du kennst dich hier besser aus." antwortet Widirza.



NORDSTERN - Unterdeck: Zum Quartier - Amalthea


Mit einem Lächeln und einem kurzen:

"Ich danke Euch!" in Richtung des Matrosen begibt Amalthea sich in die von jenem gewiesene Richtung.

'Anscheinend genießt dieses Schiff einen guten Ruf... warum würden sonst so viele Leute mitfahren wollen?'

Sie wirft einen kurzen, prüfenden Blick auf den Raben, der noch immer auf ihrer Schulter sitzt. Sieht nicht so aus, als hätte er etwas dagegen, mit unter Deck genommen zu werden.

Langsam, damit ihre Augen Zeit genug haben, sich an das schummrige Licht des Unterdecks zu gewöhnen, steigt die Magierin die Treppe hinab, bleibt dann nach ein paar Schritten den Gang hinein stehen, um auf ihren Führer und Shuhelia zu warten.



Die zweite Passagierin ist ebenfalls unten angekommen, dann kann man es ja jetzt schnell zu einem Ende bringen. Doch halt, jetzt ruft die eine plötzlich irgend etwas nach oben. Angar verdreht kurz die Augen, blickt dabei aber in eine Richtung, in der die beiden Frauen es nicht sehen. Dann wendet er sich an die erste Frau, die bereits vor ihm hier unten war:

"So, hier müss´n wir lang", er zeigt dabei in den Gang, vor den Offizierskabinen.



Amalthea hatte ihren Blick neugierig durch die Gänge schweifen lassen. Ein wenig Eng kommt es ihr hier unter Deck ja schon vor, und allzu hell ist es auch nicht.

'Ich hoffe nur, daß das Wetter gut bleibt. Oben ist es doch viel angenehmer... und bei einem Unwetter hier unten quasi gefangen zu sein...'

Ein wenig schaudert es ihr bei dem Gedanken, und auch der Rabe auf ihrer Schulter scheint ein paar mal unruhig hin und her zu treten. Die Stimme des Matrosen reißt sie jedoch aus diesen Gedanken, auch das kurz erloschene freundliche Lächeln kehrt zurück.

"Ah ja... diese Türe?" meint sie dann, mit zwei Fingern der linken Hand auf eine der Türen weisend. Als sie keinen Wiederspruch hört, öffnet die Magierin vorsichtig die Holztüre und tritt in den dahinter liegenden Raum, bleibt kurz im Türrahmen stehen, um sich umzuschauen.

Einige kleine Staubteilchen tanzen schimmernd in den schmalen Lichtstreifen, die den Raum und die darin befindlichen Kojen nur mäßig erhellen. Als Amalthea einige Schritte in den Raum hinein macht, schleicht sich erneut ein leicht beklemmendes Gefühl in ihre Magengegend ein. Mit einem kurzen Kopfschütteln versucht sie es fort zu jagen.

'So schlimm ist es gar nicht... wenn man über das glucksen des Wassers hinweg sieht ist es genau wie damals...'

Sie atmet einmal Tief durch, dreht sich dann zu dem Matrosen um:

"Danke sehr. Ich denke, ich komme jetzt alleine zurecht..."



Nachdem der Matrose sie allein gelassen hat, setzt Amalthea sich erst ein mal probeweise auf eine der Kojen.

'Hm... naja... könnte schlimmer sein.' entscheidet sie sich dann. Noch einmal sieht sie sich in dem Raum um, der wohl für die nächsten Praiosläufe ihr Zuhause sein wird, und wendet sich dann an den Raben, der immer noch auf ihrer Schulter hockt:

"Tja, mein hübscher, dann will ich mal sehen, daß ich es mir hier gemütlich mache." Leiser, so daß sie auf dem Gang niemand hören kann, fügt sie hinzu: "Und dann suchen wir deine Besitzerin!"

Mit einem kurzen Seufzer steht sie auf und tritt wieder in den Gang hinaus. Zeit, die Sachen aus der Taverne zu holen... allerdings kommt sie erst ein mal nicht weit. Anscheinend herrscht jetzt rege Betriebsamkeit, denn nicht nur Shuhelia, sondern auch noch drei weitere, Amalthea unbekannte, Damen kommen gerade den Niedergang herunter.

Also wartet die Magierin erst ein mal ab, bis alle die Treppe verlassen haben. Ist schon eng genug hier, da muß man ja nicht auch noch einen Drubbel bilden... neugierig betrachtet sie die ihr entgegen kommenden.



Zach tritt ein paar Mal unruhig auf der Schulter von Amalthea hin und her. Dann aber krallt er sich wieder bei ihr fest. Die Dunkelheit gefällt ihm, als tagaktiver Vogel, ganz und gar nicht. Dunkelheit ist was für Eulen, die es wohl auch noch nötig haben, sich zu verstecken!

Aber er, mit seinem schönen schwarzen Gefieder, das vor allem in der Sonne wie ein nachtschwarzer Kristall schimmert, hat diese Dunkelheit wahrhaftig nicht nötig!

Kurz plustert er sich auf und hockt sich wieder etwas angespannter auf die Schulter der Magierin. Nicht, dass noch irgendeiner dieser törichten Menschen glaubt, er würde sich hier nicht wohl fühlen und womöglich noch Angst haben!



IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Schleiertanz - di Vespasio und Onaskje


Die Miene di Vespasios wechselt von ersten Anzeichen der Verwirrung zu verwundertem Erstaunen, bis sie auch noch Züge von Unbehagen annimmt, als der Geweihte schließlich aufgebracht aufsteht. Leise entfährt ihm zunächst nur ein erstaunter Ausruf.

"Ein Geschäft!"

Der Blick des Adligen wandert, sucht einen Fokus der Ruhe, der dem Menschen Erholung geben mag, das zornige Gesicht des Praioten scheint nicht der rechte Ruhepunkt zu sein und auch die näherkommenden, allzu ablenkenden Formen der Tänzerin erlauben dem Augen ebenfalls keine Entspannung. So trifft sein Blick schließlich den kleinen Kristallkelch in seiner Hand, welchen er dann in einem Zug leert - sicher ein kleines Vergehen an Rahjas Wunsch und Willen - aber jetzt einfach notwendig.

'Wer soll auch ahnen, daß die Praioten ihre Geschäfte einleiten wie eine hochnotpeinliche Befragung. Dein Herz schlägt noch wie Ingerimms Hammer auf den Amboß! Beruhige dich erst einmal! Ganz tief einatmen. Und ausatmen.'

Di Vespasio schließt kurz die Augen, auch seine Arme entspannen sich, die eine Hand legt er sich auf den Bauch, während die andere, mit dem Glas, leicht anfängt zu zittern, jetzt wo alles vorbei ist.

'Was kannst du denn jetzt noch sagen? Offenbar habt ihr euch gründlich mißverstanden. Hoffentlich hast du dir keinen Feind geschaffen, zudem dem noch aus einem möglichen Freunde. Ein Praiot zum Feind, auf einer Seereise, eingesperrt auf einem Schiff, keine dutzend Schritte voneinander entfernt, bei deiner Ware, mein Freund, das ist kein guter Start. Vielleicht solltest du plötzlich krank werden und dann das nächste Schiff nehmen?'

In jedem Fall ist es jetzt zu spät, ein klärendes Wort zu sagen, die tanzende Geweihte ist nahe herbei gekommen und scheint Onaskje mit ihrer Aufmerksamkeit zu beglücken. Einen Schleiertanz in einem Rahjatempel zu ignorieren, wäre Frevel, wie Feuer zu EFFerd tragen. So blickt di Vespasio wieder mit einem Lächeln auf den Lippen zwischen Marueca und Wulff hin und her, wenn auch das Lächeln jedem der beiden ganz verschiedene Botschaften ausrichten will.



Auch Wulff wird plötzlich der Tänzerin gewahr, oder besser der Tatsache, daß sie plötzlich bis auf Nahkampfreichweite heran getanzt ist.

'Ob das ein Zeichen der Göttin ist, soll ich wohl hierbleiben, hat sie sich etwa gar nicht an meinen Absichten gestört?'

Fasziniert beobachtet Wulff, wie die Rajani sich das seidene Tuch um die Handgelenke windet. Dies löst langsam wieder Gefühle ganz anderer Art in ihm aus, jedoch kann er sich ihnen nicht unbefangen hingeben, jedenfalls nicht, solange der Comte nur schweigt.

Also setzt er sich kurzerhand erstmal wieder hin, und schaut konzentriert der Geweihten zu, achtet dabei aber auf mögliche Äußerungen seiner Begleiter.



Mit etwas trübem Herzen sitzt Wulff da und weiß nicht so recht, was er aus der Lage machen soll. Der Händler scheint also recht eigenwillige Vorstellungen zu besitzen, besser nicht mehr dran rühren. Und so wie er lächelnd mal ihn, mal die Rahjani ansieht könnte man zwar meinen, daß es ein Vergebung heischendes Lächeln sein sollte. Nur, sicher sein kann sich Wulff bei diesem schwierigen Charakter leider nicht, und etwas mehr als ein Lächeln würde Wulff an di Vespasios stelle auf jeden Fall anbieten, um die Lage wieder einzurenken.

'Da kommt man in einen Tempel der Schönen um ihr in entspannter Demut zu huldigen, aber irgendwie läuft nichts so wie es soll. Nun, zumindest der junge Barde und auch unser lieber Ottam hier scheinen das Spiel der Sinne einfach nur genießen zu können.'

Der Geweihte versucht sich gegen die dunklen Gedanken und Stimmungen seiner Seele abzuschotten und nur noch auf das Geschehen des Tempels und seiner Bewohner zu konzentrieren. Einziger, dafür geradezu wahrhaftiger Lichtblick ist die zauberhafte Tänzerin, die ihre mit Schleiern verwobenen Arme jetzt Ottam unter die Nase hält. Zu faszinierend war dieser Anblick gerade noch für Wulff gewesen und zu vollendet die Harmonie des Tanzes, als daß er sich gleich getraut hätte, der Aufforderung der schönen Geweihten nachzukommen.

Jetzt jedoch, wo auch Ottam zögert, kribbelt es ihm immer mehr in den Händen, um hinüberzugreifen und den Schleier an sich zu nehmen.

'Wenn er sich das Ding nicht gleich schnappt, werde ich es tun...'



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Magische Pflanzen und Schleiertanz - Lyrian und Ottam


Lyrian pustet eine Strähne seiner langen weißblonden Haare aus dem Gesicht. Er spürt wie seine Wangen mehr und mehr 'brennen'.

"Magische Pflanzen?"

Das Interesse an den Ausführungen des Schiffsmagus ist wieder ein entfacht. Nur aus den Augenwinkeln bemerkt der Barde, wie die Rahjani sich langsam und anmutig tänzelnd der kleinen Gruppe und insbesondere dem Praioten, nähert und dabei den ersten von vielen Schleiern, die ihren Rock bilden, zieht.

Kunstvoll und noch dabei ihren tulamidischen Tanz darbietend, verdreht sie ihre Handgelenke in den Schleier, wobei sie sich mehr und mehr mit dem hauchzarten Gewebe 'fesselt' und hebt dann die Arme hinauf. Aufreizend blickt sie den Praioten an, während sie weiter ihre Hüften wiegt. Fast könnte man meinen, sie wolle von ihm entfesselt werden...

Lyrian ist zwar auch in gewisser Weise von dieser Darbietung gefesselt, aber er verspürt seit diesem kräftigen Schluck Weinbrand ein flaues, leeres Gefühl im Magen, das mittlerweile noch stärker geworden ist, als sein Durst nach vom Wein hervorgerufenem, süßem Vergessen.

"Was genau meint ihr mit magischen Pflanzen?" fragt er ehrlich interessiert.

Eine Erinnerung an einem, im wahrsten Sinne des Wortes, berauschenden Fest irgendwo auf dem Lande im Horasreich kommt ihm wieder in den Sinn. Ein kleines, aber dennoch feines Jagdschlösschen, junge Adlige, die noch unbeschwert und frei von jeder Pflicht waren und dazu noch ein paar Burschen und Mädels aus der Landbevölkerung - welch' idealer Ort für so manche verbotene Sünde, worunter auch die 'Experimente' mit ein paar Pflanzen, die eine angebliche Bauerstochter mitgebracht hatte, fielen!

An diese Nacht denkend, nimmt sich Lyrian lächelnd ein paar reife Trauben aus einem Obstkorb.

'Wenn ich so etwas noch einmal erleben könnte! Irgendwann in der Nacht wusste ich schon gar nicht mehr, wer ich war!'



"Ja, magische Pflanzen, gerade die Regenwälder des Südens sind wahre Fundgruben für Forschungen auf diesem Gebiet. Riesige Gebiete, die praktisch nicht erforscht sind, unzählige Pflanzen, die niemals ein Gelehrter gesehen hat. Regelrechte Wunder sind dort noch zu entdecken. Es gibt Pflanzen, die Magie verändern, verstärken oder gar verhindern können, aber auch solche die selbst Magie zu wirken scheinen oder über die Maßen von ihr durchflossen werden" schwärmt der Magus auf Lyrians fragende Bestätigung.

Die Unterhaltung des Comte und des Praioten hat er inhaltlich nicht mitbekommen, wohl aber die Abkühlung des Klimas dort neben ihm, Sprache und Klang scheinen einen alles andere als Rahja gefälligen Rahmen einzunehmen. Daher mochte er eigentlich einen stillen ermahnenden Blick in deren Richtung werfen, doch bevor er dieses Vorhaben vollenden kann, erscheint jene anbetungswürdige Blume in seinem Blickfeld und selbiges erfasst zunächst den Tanz, doch vermag der Magus nicht zu verbergen, dass ihm die beiden, offensichtlich üppigen Rahjakuppen in ihren Bann gezogen haben.



"Was für Magie wirken solche Pflanzen?" fragt Lyrian Ottam, denn bis eben hatte er sich unter dem Begriff 'Magische Pflanze' doch eher etwas anderes vorgestellt.

Lyrian hat schon viele Bücher gelesen und er kann sich auch noch an einen Bericht über den Dschungel Maraskans erinnern, den er irgendwo weit hinten im Bücherregal seines Vaters gefunden hatte.

Das Buch hatte ihn sowohl fasziniert, als auch schockiert. Insbesondere das Bild eines mittelreichischen Soldaten, der von einer gewaltigen Pflanze gefressen wird. Zwar war es eine ziemlich schlichte Zeichnung; den Effekt, den sie aber vermitteln sollte, verfehlte sie ganz und gar nicht!

Das Buch war angefüllt mit Horrorgeschichten von wandernden Bäumen, Blumen, die unvorsichtige Abenteurer mit ihren Duft und ihrem Anblick vollkommen in ihrem Bann schlagen oder Giftpflanzen, die Menschen gefangennehmen, ihnen ihr Gift gewaltsam eintrichtern und danach langsam verspeisen.

Als er es damals gelesen hatte, konnte er nächtelang nicht schlafen und brachte seine Eltern für eine gewisse Zeit fast bis zum Wahnsinn, weil er sich nicht mehr in den Garten traute (wer weiss, was dort so alles angepflanzt wurde?) und weil er alle Zimmerpflanzen und die nähere Umgebung mit ein paar eher unbeholfenen Säbelhieben (ein altes Erbstück vom Urgrossvater, der in der Armee kämpfte) vernichtete.

'Wenn es solche Pflanzen dort unten auch gibt, werde ich wohl besser die meiste Zeit auf dem Schiff bleiben!'

Nachdenklich und immer noch innerlich bei der Erinnerung an das Buch schaudernd, blickt er zur Rahjani, die zu seiner Überraschung sich ihm und Ottam nähert.

Im Rhythmus der verlockenden Klänge, die der Halbelf kunstvoll seinen beiden Trommeln entreißt, wiegt sie ihre Hüften. Vor der Liege des Schiffsmagus bleibt die Geweihte stehen, dreht sich um, so dass sie ihm ihren Rücken zukehrt, geht dann aber langsam in die Knie, wobei die Handgelenke immer noch vom Schleier gefesselt sind.

Als ihre Knie den Boden berühren, biegt sie ihren Oberkörper weit nach hinten, so dass sie Ottam lächelnd in die Augen blicken kann. Ihre Arme biegt sie ebenso nach hinten. Selbst in dieser eigentlich unbequemen Lage tanzt sie noch etwas weiter und bewegt ihre Hüften so und anmutig wie es geht. Dabei hält sie ihm ihre Handgelenke mit dem roten Schleier drum herum hin.

Kurz zwinkert sie ihm zu. Vielleicht wird er auf das Angebot eingehen?



Ottam registriert zwar die Worte seines Gesprächspartners, doch in jenem Moment fordert die zauberhafte Tänzerin seine gesamte Aufmerksamkeit.

Aufmerksam und mit einem glücklichen Lächeln betrachtet er ihre anmutigen Bewegungen. Als sie dann direkt vor ihm zu Boden tanzt gibt es keinen Zweifel mehr, dass sie seine wohlwollenden und begeisterten Blicke bemerkt hat.

So nahe wie sie jetzt bei ihm ist, ist es ein leichtes ihr verlockendes Angebot anzunehmen, so ruckt er noch ein wenig näher heran und streicht mir einer sanften kaum spürbaren und doch vorhandenen zarten Berührung, beginnend an ihren Ellenbogen, entlang des makellosen Unterarmes bis hin zu den schönen Händen, um dort die Spitze des Schleiers zu ergreifen und diesen ganz behutsam langsam, gefühlvoll und sichtlich genießend zu entblättern.

Es wurde wohl mehr als eine Monsterschar brauchen, um den Blick des Magus, in dem sowohl Bewunderung, als auch Verlangen und Begehren liegen, wieder von der Rahjani abzuwenden.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Ein bisschen Neid - Lyrian und di Vespasio


Nicht ganz ohne Neid beobachtet Lyrian die Szene zwischen der tanzenden Geweihten und Ottam. Eigentlich hatte er schon sehr viele Liebschaften in seinem Leben gehabt und bis vor kurzem gehörte ein täglicher Flirt für ihn zum Alltag wie das Frühstück zum Morgen. Aber wenn dann ein anderer Mann ihm vorgezogen wird, ist das schon ein Grund zur Besorgnis.

Mit einem bemühtem Lächeln schaut er sich das an, was sich da zwischen der Rahjani und dem Magus anbahnt. Nicht nur, dass dieser Schiffsmagier ihr so zärtlich über den Arm streicht, dass Lyrian schon leicht unruhig wird, nein!, jetzt dreht sie sich auch noch zu ihm um! Leise, aber nicht unbedingt hörbar, seufzt er ein wenig gequält auf!

'Versteh einer die Frauen! Gut, er ist ein Magier, aber diese Leute haben doch oft keine Ahnung vom wahren Leben!'

Wieder geht Lyrians Griff zu einer der Karaffen und auch dieses Mal achtet er weniger auf den Inhalt. Statt dessen sieht er sich das Schauspiel neben sich an.

Mit dem Oberkörper verführerisch wiegend und neigend, so dass dem Magier so manch tiefer Einblick in ihr Dekollte nicht erspart bleibt, erhebt sie sich.

'PFFH!'

Leicht angesäuert öffnet der Barde die Karaffe und giesst sich von dem Getränk etwas ein, wobei er eher nebenbei registriert, dass diese Flüssigkeit sehr klar ist. Viel interessanter ist die Tatsache, dass die schöne Geweihte Ottam noch kurz mit ihren zarten Fingern unter dem Kinn neckisch entlang streicht.

'Sie hat mich irgendwie übersehen. So muss es sein!'

Er sieht ihr nach, wie sie sich von den beiden wieder etwas entfernt und dem Magier den Schleier wohl als eine Art Geschenk und Andenken (oder vielleicht auch ein Versprechen?) an diesen Tanz zurück lässt.

Dann nimmt er einen recht großen Schluck.



'Ja was soll den das? Und wie siehst du aus? Jung und voller Energie?'

Auch der Adlige beobachtet das Treiben um sich herum nicht ganz ohne Neid. Offenbar haben der Magier und der Geweihte jeweils die Aufmerksamkeit der Rahjani gewinnen können während er ignoriert worden ist. Zumindest ist es dem Barden nicht besser ergangen, was zwar kein Trost ist, aber zumindest vor vollendeter Demütigung rettet.

'Ist denn etwas falsch an dir? Vielleicht hättest du doch noch mal den Sitz deiner Haare prüfen sollen, bevor du das Schiff verlassen hast.'

Di Vespasio tupft sich zögerlich das Haar zurecht und muß entsetzt feststellen, daß die Finger an den Haaren kleben bleiben.

'Iiiih! Was ist denn das?'



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Des Magier's Begierden - Ottam und Marueca


Der Schiffsmagis blickt regelrecht verträumt in die Augen der Tänzerin. Das Feuer in seinen Augen ist für sie wohl kaum zu mißdeuten. Die hat dein Verlangen geweckt und er nimmt das Tuch nur zu gerne an sich, nicht ohne leise, aber für eine aufmerksame Zuhörerin nicht unhörbar zu sprechen:

"Ich werde es für dich aufbewahren!"

Dann genießt er aufs Ganze den wunderbaren Anblick, der sich ihm bietet und ist gespannt, was sie wohl als nächstes für Überraschungen bereit hält.



Gedankenverloren und mit einem Blick, der nicht von Dere zu kommen scheint, blickt Ottam der schönen Tänzerin nach, während er ihren Schleier an sein Wangen drückt.

'Welch wundervoller Stoff, doch um wieviel noch zarter mag ihre wunderschöne Haut wohl sein...'

Der Magus ist sich nicht ganz sicher, doch so glaubt er in ihrem Blick etwas bemerkt zu haben, das ihm sagt, sie sicher wird wiederkommen...



Es ist Ottam unmöglich seine Augen von der schönen Tänzerin zu lassen und ebenso unmöglich ist, dass diese das nicht bemerken würde. Alles um ihn ist weitestgehend an den Rande des Geschehens gerückt und Außenstehende mögen bemerken, wie sein Kopf rhythmisch mit ihren Bewegungen einher geht

'Hoffentlich ist sie bald wieder hier' ist der einzige Gedanke, der ihm derweil im Kopfe umher schwirrt und genau das ist gut so, endlich gelingt es ihm all die anderen Gedanken beiseite zu drängen und sich nur auf die Gaben der schönen Göttin einzulassen. Lange ist es her seit ihm das gelang, genaugenommen, seit.. - der Gedanke verstummt, das ist nicht die rechte Zeit, um daran zu denken, wozu müßte er es sonst beiseite schieben.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Entspannung für der Praioten - Yria und Onaskje


Yria entgeht die gespannt Haltung und das Unwohlsein des Praioten nicht. Dieser Anblick gefällt ihr ganz und gar nicht!

Nun, wenn ihn das Schauspiel eines Tanzes nicht aufzuheitern vermag, dann vielleicht doch etwas anderes.

Leise, um nicht die Aufmerksamkeit von Marueca zu nehmen, huscht sie zu der Liege von Wulff und nimmt hinter ihm Platz. Vorsichtig legt sie eine Hand auf seine Schultern und nähert sich seinem Ohr, um ihm zuzuflüstern.

"Ihr seht etwas verspannt und müde aus. Was haltet ihr davon, wenn ich eure Muskeln mit einer Massage und etwas Rosenöl wieder lockere?"



Überrascht schaut Wulff auf, so in Gedanken ist er gewesen, daß er gar nicht bemerkt hat, wie Yria hinter ihn getreten ist. Eine Massage wäre jetzt genau das richtige! Von der ihn berührenden Hand aus rieseln warme Schauer seinen Rücken hinab, alleine die leichte Berührung löst schon Wohlbefinden aus. So seufzt er bei der Vorstellung leise auf und legt sich in entspannter Haltung auf der Liege zurecht, nicht jedoch, ohne die Tänzerin aus den Augen zu lassen.

"Das wäre wunderschön", sagt er leise.

In diesem Augenblick hört er den angewiderten Ausruf des Comte. Unauffällig schielt er zu ihm hinüber, um zu sehen, was geschehen ist, kann aber nichts auffälliges entdecken. So widmet er sich wieder voll und ganz der zauberhaften Darbietung und freut sich auf die gleich beginnende Massage.

Ganz leise, um nicht die Harmonie des Tanzes zu stören, sagt er:

"Wißt Ihr, verehrte Yria, Ihr bietet mir wirklich ein seltenes Vergnügen an, denn die Kunst des Körperknetens beherrschen nur die allerwenigsten, denen ich bisher begegnet bin."



Yria greift zu einem Fläschchen, dass unter einem der Tische steht.

"Nun, ich habe diese Kunst bei einer wahren Meisterin in Aranien erlernt. Sie hatte sogar behauptet, dass sie schon Prinz Arkos massiert hätte."

Sie öffnet die kleine Flasche, woraufhin gleich ein angenehmer Duft ihr entströmt.

"Ihr seht, ihr werdet hier geradezu königlich behandelt!"

Freundlich zwinkert sie ihm zu und lässt dann etwas öl in ihre linke Handfläche tropfen. Dann stellt sie die Flasche wieder an ihren Platz und verreibt das Öl in ihre Händflächen. Durch die Wärme, die wiederum vor allem durch das Reiben entsteht, wird der Rosenduft noch intensiver.

"Entspannt euch und genießt den Tag," sagt Yria noch, dann legt sie ihre Hände sanft auch seine Schultern und beginnt langsam Wulffs Rücken hinunter zu streichen.



Mit fast geschlossenen Augen genießt Wulff die festen und einfühlsamen Hände dieser himmlischen Geweihten.

*seufz!*

"Hmm, das tut guut!"

Mit einem halbgeschlossenen Auge beobachtet Wulff, wie sich der Tanz der Schönen immer mehr dem Höhepunkt nähert, mit dem anderen will er Yria dankbar in die Augen schauen. Natürlich misslingt dieses Manöver, und so rollt er nur die Augen seltsam hin und her. Wulffs Gedanken wandern noch einmal zu dem vorhin mit dem Comte geführten Gespräch.

'Ich muss schon sagen. Was für ein Hammel. Na ja. Vielleicht bin ich ja nicht ganz schuldlos, hier in diesem Tempel beginnen zu wollen, ein Geschäft einzufädeln. Aber wenn man gerade so am plaudern ist... Die Gelegenheit schien mir günstig. Es ist eben nicht leicht, alles richtig zu treffen. Überhaupt, das Leben ist nicht leicht. Nun, manchmal schon, da kann es sogar außerordentlich leicht und angenehm sein, so wie jetzt gerade. Die Geweihte ist wahrlich fast selbst eine Gött - nein, das wäre nun wirklich vielleicht fast ein bißchen blasphemisch, aber sie ist ganz ausgezeichnet!'

"Mmmmm" macht Wulff genießerisch. Langsam verfliegt der letzte düstere Schatten aus seinem Gemüt. Er nimmt wieder die feinen Unterrhythmen der Trommeln war, das leise Schaben der Füße im Takt und wieder ein Schleier, der sanft wie ein Windhauch zu Boden gleitet.

'Was soll's - Nachher lade ich die beiden in ein gutes Gasthaus ein, als Friedensangebot gegenüber dem Comte. Schließlich wollen wir noch einige Zeit gemeinsam auf See verbringen, da sollte man erstens jede Gelegenheit zu einem herzhaften Essen an Land nutzen und zweitens dafür sorgen, mit seinen Mitreisenden gut auszukommen. Ach ja, Mitreisende. Den Barden nehme ich natürlich auch noch mit, wie heißt er doch gleich, Lyrian - aber wie weiter?'

So vor sich hin denkend liegt der Geweihte da und genießt die Schönheit des Augenblickes.



Fast zu schnell ist die Darbietung wahrer Schönheit beendet. Mit Bedauern sieht Wulff die hübsche Tänzerin hinter dem Vorhang verschwinden. Und das zwischen dem Fall des Brusttuches und ihrem Zurückziehen nur so wenige Augenblicke lagen... Wie schön sie doch ausgestattet war.

Der Anblick hatte gereicht, in Wulff ein weiteres Verlangen zu schüren.

"Ja, rahjengleich!", muß Wulff dem Comte im liegen beipflichten.

'Aber ich werde immer noch massiert, während für die übrigen der Genuß ein Päuschen macht. Allerdings fühle ich mich jetzt auch herrlich entspannt! Und ich glaube, es ist ja auch ein wenig anstrengend, diese kraftvolle Kneterei länger durchzuhalten.'

Mit einem letzten Seufzen setzt sich Wulf auf und dreht sich halb zu Yria um.

"Ich danke Euch aus tiefstem Herzen für die erwiesene Wohltat. Leider verstehe ich mich kaum auf solche Tätigkeiten, alleine eine einzige fällt mir ein, mit der ich Euch Eure Zuwendung vergelten kann, und die ebenfalls in Rahjas Sinne ist. Wenn auch Ihr möchtet..."

Mit pochendem Herzen und vor Zufriedenheit strahlenden Augen sieht Wulff die Rahjageweihte an. Mit der linken Hand züpfelt er dezent das Seidene Tüchlein zurecht, das sich während der Massage leicht gelockert hat, schließlich ist man ja nicht ganz alleine. Mit der rechten Hand spielt er bei den letzten Worten an den Amuletten der Sonnenscheibe und dem Delphin, die um seinen Hals baumeln.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Schleiertanz - Lyrian und di Vespasio


'Seine Gnaden ist wohl schon ganz in RAHjas Rausch gefangen. Oder vielleicht ist er noch eingeschnappt? Naja, was soll's, das wird sich schon wieder einrenken. Praioten zeigen zwar donnernden Zorn, aber noch hast du nie erfahren müssen, daß sie die Sonne allzu lange hinter dunklen Wolken verbergen.'

Ganz in Gedanken hat der Adlige begonnen an seiner verklebten Hand herum zu knabbern. Tatsächlich ist der Likör, auf diese ungewöhnliche Art genossen, nicht minder reizvoll.

'Vielleicht ist von dem Tropfen ja doch noch etwas für dich da?'

Sein Blick geht zu dem Tischen bei der Liege des Barden und des Magiers. Während Ottam noch ganz in Gedanken bei der schönen Tänzerin ist, scheint Lyrian den scharfen Geistern schon mehr zugesprochen zu haben.

So ist das Gesicht des Spielmannes nun wesentlich gelöster als noch vorhin. Auch sein lauter - und völlig unpassender - Ruf kündet davon, daß er wohl die eine oder andere Flasche schon probiert hat.

'Nun, wer würde ihm in einem Rahjatempel einen Vorwurf machen. Normalerweise solltest du ja auch nicht mehr. Andererseits ...'



Wieder muss Lyrian Luft holen, denn auch dieses Getränk scheint es schwer in sich zu haben. Dieses Mal weiß er sich aber wesentlich besser zu beherrschen.

'Erwisch' ich heute nur so ein Levthanszeug? Aber ich glaube, das habe ich schon mal getrunken. Das war doch in...'

Nachdenklich riecht er an dem noch leicht gefüllten Glas. Eine auffällige Anisnote steigt ihm in die Nase und er weiss sofort wieder, was es ist.

'Gorischer Ka'ari! Jetzt weiß ich es wieder. Es war in... Anchopal! Oh Boron, schenke mir endlich Vergessen! Ich will mich nicht mehr erinnern!'

Er stellt das Glas mit einem leisen Seufzer auf einem Tisch ab und nimmt sich ein neues. Vielleicht schafft er es doch noch, seinen Schmerz zu ertränken? Vielleicht bringt ihn der Alkohol auch um, weil er diese Mengen nicht gewöhnt ist und erst recht nicht verträgt. Was auch immer - es ist Lyrian vollkommen egal! Auch die Tatsache, dass die Tänzerin einen anderen Mann mit ihrer Aufmerksamkeit beglückt hat, ist ihm egal - zumindest redet er sich das ein.

Dennoch fällt es ihm schwer, seinen Blick von ihr zu nehmen.

Es entgeht ihm dabei nicht, dass sie sich mittlerweile mehr und mehr von den Schleiern, die an ihrem Rock hingen, 'befreit' hat. Der hauchzarte Stoff lässt silhouettenhaft ihre wohlgeformten Beine durchschimmern.

Sein Blick streicht an ihrem wundervollen weiblichen Körper entlang, doch dann stockt er! Unverkennbar tanzt sie nun auf di Vespasio zu!



'Oh nein, bitte nicht gerade jetzt!'

Di Vespasios Blick huscht hecktisch zwischen der Hand, die er eben unter Mühen von seinen Haaren getrennt hat, und der jungen Tänzerin hin und her.

Die Hand ist von einem roten, klebrigen Saft benetzt, in dem der Adlige, nach einem Moment der Verwirrung, den Kirschlikör erkennt, eben den Rest davon, der es nicht mehr über seinen Gaumen in den Magen geschafft hat, sondern einem leichten Zittern zum Opfer und dann über den Kelchrand auf die Hand fiel.

Alle fünf Finger sind teilweise bedeckt. Und kleben lästigerweise aneinander. Widerlich. Di Vespasio spreizt im Ekel den kleinen Finger ab und verdreht die Handfläche nach außen.

'Schrecklich. Wie wirst du das schnell wieder los. Ablecken? - undenkbar. Die Matratze? - barbarisch. Und kein Tuch in der Nähe.'

Tatsächlich bewegen sich im Moment einige, wenige Tücher auf den Südländer zu. Nur gibt er seinen hektischen, suchenden Blicken zu wenig Zeit diese Tücher wirklich wahrzunehmen. Vielmehr ist er gerade daran interessiert durch die Tücher hindurch einen kurzen Blick auf ihre Trägerin zu werfen.

Wie so oft ist es das fast Verhüllte, welches am interessantesten ist. Denn nur allzu häufig kommt die Sinnlichkeit besonders gerne, wenn auch ihre Schwester, die Phantasie, eingeladen ist. Und an diesem Vormittag haben sich die beiden Schönen wohl entschlossen, vereint dem Tanz der Schleier beizuwohnen, vorgetragen von einer Rahjani, an der sich Männeraugen schon satt sehen könnten, würde sie in dicker Pelzkleidung keinen Finger rühren.

Di Vespasio ist mehr als angetan von ihrer Kunst.



Di Vespasio fühlt sich in mehrfacher Hinsicht befangen. Zum einen hält ihn ein dünner Seidenschleier im Nacken fest und übt einen beharrlichen Zug aus. Wesentlich schwerer wiegen sich im Takt des cresscendierenden Trommelschlages andere ... Dinge vor seinem Kinn, kaum eine Handbreit entfernt. Zumindest erscheint es dem gefangenen Blick des Adligen so.

Gleichzeitig preisen die grünen Augen jede Einzelheit an dem Wunder der Schönheit vor ihm, in einer Sprache, der er sich nicht entziehen kann, voller Verheißung auf mehr als nur Tanz und Augenkontakt.

Gerne würde er den Raum dazwischen mit seinen Händen überbrücken, doch -ach- während die eine Hand ihm für dieses rahjagefällige Tun zu kirschsaftrot verklebt erscheint, ist der andere Arm damit beschäftigt in lockerer Haltung über der Hüfte liegend ein dem Comte ein etwas peinliches, wenn auch nicht minder rahjagefälliges Werden zu verbergen.

So bleibt dem Edelmann nichts weiter, als die feuchte Zungenspitze kurz über die Lippen gleiten zu lassen und diese dann mit einem verzückten Lächeln der Rahjani entgegen zu spitzen. Man mag di Vespasio zu gute halten, daß er es zumindest schafft, den Kopf im Takt des Tanzes langsam nach oben zu bewegen.



Ein wenig enttäuscht ist di Vespasio ja doch, als er den erwarteten Kuß lediglich auf die Stirn erhält, statt auf den dargebotenen Mund.

'Nun ja, lerne bescheiden zu sein, mein Freund. Du hast kaum erwartet in diesen Stunden mehr zu gewinnen als ein wenig Zerstreuung. Bald wirst Du wieder zuhause sein und Küsse anderer Art genießen können.'

Der Adlige seufzt einmal und verfolgt den weiteren Tanz mit leiserer Erregung und größerer Freude an der Kunstfertigkeit der Darbietung als solcher.

Als der Tanz zuende geht, wendet er sich wieder an den Geweihten und seine Begleiterin, in leisem unaufdringlichen Tonfall, um die Massage nicht zu stören.

"Ein hervorragende Tänzerin. RAHja ist wirklich mit ihr."



Lyrian fühlt sich so verlassen, wie schon lange nicht mehr. Erst der Tod eines guten Freundes und nun diese Schande! Er sieht, wie die bezaubernde Rahjageweihte vor di Vespasio tanzt und dann langsam einen weiteren Schleier von ihrem Rock löst.

Seufzend legt er seinen Kopf auf seine verschränkten Arme.

'Vielleicht war es doch ein Fehler hierher zu kommen. Ich hätte sofort ein Schiff nehmen und verschwinden sollen. Statt dessen war ich so töricht und habe erwartet hier Ablenkung zu finden.'

Er schaut einen Moment lang zu Ottam.

'Naja, kurzzeitig war ich abgelenkt.'

Dann aber schweift sein Blick wieder zurück zur Rahjani, die sich wiederum ein wenig herabgebeugt hat, beide Enden des Schleiers in jeweils der rechten und linken Hand hält und dann - schwupp! - in den Nacken des Comte legt.

Sinnlich und wie in einer anderen Welt lebend, tanzt sie immer noch vor Frizzi, wobei sie an dem Tuch sachte und sanft zieht. Aber auch sie nähert sich ihm, spitzt die Lippen ein wenig, schaut ihm mit ihren grünen Augen tief in die seinen...



Lyrian zieht eine Augenbraue immer weiter hoch - höher geht es kaum noch! Sie wird ihn doch nicht.... ?

Mit eben diesem ungläubigen Blick beobachtet er das Treiben nur wenige Liegen von sich entfernt. Immer näher kommt die Tänzerin Frizzi und auch er nähert sich ihr. Doch dann, kurz bevor sich tatsächlich die Lippen der beiden berühren, ruckt - schwupp! - ihr Kopf ein wenig höher und sie gibt ihm lediglich einen zarten Kuss auf die Stirn. Rasch entlässt sie den 'gefangenen' Comte, wobei sie ihm noch einmal freundlich zuzwinkert. Den Schleier lässt sie dagegen zu Boden sinken.

"Na, offenbar hat sie doch Geschmack!" gibt Lyrian trocken und so leise, dass wohl nur Ottam diese Worte hören kann, von sich, wobei sich ein hämisches Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnet.

Er will schon wieder zu einem der herumstehenden Getränke greifen, wobei er stoppt und sieht, wie die tanzende Geweihte sich nun immer schneller zu der Musik, die ebenfalls beständig an Tempo zunimmt, dreht.

Dann, als eine Art Kür des Ganzen, greifen, tänzerisch-bewegend, ihre Arme an ihren Rücken bzw. an ihr Oberteil, wobei ihre Pirouetten, die Lyrian an novadische Derwische erinnern (die aber wiederum wesentlich weniger Bein zeigen), anscheinend immer schneller werden. Es sind nur wenige, geübte Handgriffe, dann löst sich das Oberteil, das sich als ein grosser, mehrmals zusammengefalteter Schleier entpuppt. Sie wirbelt, nur noch mit ihrem durchsichtigen Rock und den Schmuck bekleidet, durch den Raum, wobei sie das grosse Tuch, in beiden Händen haltend, durch die Luft flattern lässt.

Lyrians Blick geht kurz bewundert zu dem Trommler.

'Nicht schlecht - perfekt auf ihren Tanz abgestimmt. Oder hat sich ihr Tanz nach seiner Musik gerichtet?'

Doch keine Sekunde will er ihren schönen, weiblichen Körper verpassen! Somit sieht er noch, wie sie zu der mit dem Vorhang verhangenen Tür tanzt, dort kurz stehenbleibt und einen charmanten Kuss in den Raum hineinhaucht.

"Bravo! Zugabe!" ruft Lyrian noch laut hinterher, ohne darüber nachzudenken, dass er sich nicht in einem Konzert von einer Gruppe Spielleute, sondern in einem Tempel befindet. Auch wenn sie sich ihm nicht so gewidmet hatte, wie den anderen Herren, so fasziniert ihn diese Tanzkunst doch immer wieder.



Ein (noch) gefülltes Glas wandert, gehalten und geführt von schlanken, langen Fingern, die nie was anderes, als Schreiben und Musizieren (und das Halten ebensolcher fragiler Gläschen) kennengelernt haben, zu einem Mund und der rote Inhalt wechselt mit einem raschen Zug den Ort.

'Dieser Magier hat wirklich Glück. Und dieser Geweihte da hinten hat ja auch einen hübschen Fisch... nein, eine Nixe an der Angel!'

Seufzend stellt Lyrian das Glas auf dem Tisch ab und sinkt wieder auf die Liege nieder. Er fühlt, wie seine ganzer Körper immer schwerer wird. Seine Wangen scheinen zu brennen und als er seine eigentlich warme Hand auf eine von ihnen legt, hat er das Gefühl, als wären seine Finger Eisstäbe im Gegensatz zu seiner brennenden Haut, unter der scheinbar Drachenblut durch seine Adern pocht.

'Aber vergessen... kann ich immer noch nicht!'

Müde sinkt sein Kopf wieder auf die verschränkten Arme.

'Wann habe ich das letzte Mal richtig geschlafen? Es muss Tage her sein!'

Herzhaft gähnt er, wobei er sieht, wie sich der Trommler von vorhin auf ihn zubewegt. Überrascht hält er in seinem Gähnen inne.

'Jetzt, wo Boron mir zumindest einen Teil seiner Gunst gewährt, will doch noch jemand was von mir?'



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Nach dem Tanz - Marueca


Marueca huscht durch den Vorhang. Dahinter bleibt sie stehen, um tief Luft zu holen. Ein paar Minuten mag es wohl dauern, dann endlich fängt sie sich wieder etwas.

Jegliche Unruhe ist von ihr abgefallen. Sie fühlt nur noch eines - Ruhe und Glück! Ja, es hat tatsächlich geklappt. Kein Fehler, kein Patzer und Felion hat sich genau nach ihren Bewegungen und ihrer Geschwindigkeit gerichtet.

Sie lehnt sich an die Wand und lächelt.

"Danke, RAHja," flüstert sie leise.

Doch dann fällt ihr noch etwas ein. Vorsichtig lugt sie noch mal durch den Vorhang und schaut zu dem Mann hin, der ihr die 'Fesseln' so zärtlich abgenommen hat. Eigentlich verdient er ja ihren 'Dank'...



Yria lächelt wohlwissend, was der Praiosgeweihte meint, Wulff zu.

'Gut, dass es noch immer so ruhig hier ist. Wahrscheinlich feiern die meisten Immanzuschauer in den Tavernen. Warum also nicht?'

Sie will eigentlich eine der blonden Locken, die sich ihr schon wieder vorwitziger Weise ins Blickfeld geschoben hat, in den lockeren Haarknoten zurück 'verfrachten', als sie sich endlich anders entscheidet und eine Spange aus dem Haar nimmt, so dass ihre wie reines Gold glänzende Haarpracht offen hinabfällt.

Mit einem verführerischen Blick, der wahrscheinlich schon Unmengen von Männern ihren Verstand gekostet hat, streicht sie mit ihrer rechten Hand über Wulffs Schulter und den Oberarm.

"Gerne würde ich eine Vorstellung eures Könnens genießen."


***


Marueca dagegen sieht das Lächeln auf Ottams Gesicht. Dann schaut sie kurz zu Yria. Die aber scheint in einem Gespräch mit einem der Herren, die dort in der Ecke sitzen bzw. liegen vertieft zu sein und offenbar will auch die Vorsteherin sich mal eine 'Pause' der besonderen Art gönnen.

Warum sollte es ihr da schlechter gehen?

Vor Erfolg und Glück fast ein wenig schwebend geht Marueca auf den Magier zu.

'Sein langes Haar glänzt wie alanfanische Seide,' bemerkt sie, während sie ihren Blick auf ihn gerichtet hat. Dann hat sie die Liege erreicht.

"Offenbar hat euch meine kleine Vorstellung gefallen," sagt sie mit ihrer sanften Stimme.

Kurz nickt sie zu einem Platz neben ihm auf der Liege.

"Darf ich mich zu euch setzen?"


***


Felion packt die Trommeln wieder zur Seite. Diese Marueca! Am Ende glaubte er sich schon in der Trommelhölle, so schnell tanzte sie und er musste mithalten!

Sein Blick schweift durch den Tempel.

'Dalena turtelt noch mit diesem Möchtegern-Raidri herum, Aska tratscht und die beiden anderen Damen vergnügen sich wohl auch bald... '

Sein Blick geht dann aber zu dem Mann mit dem weißblonden langen Haaren, der vorhin noch eine Zugabe verlangt hatte.

'Hatte er beim Reinkommen nicht so eine Tasche bei sich, die aussah, als wenn eine Laute drin verpackt wäre? Vielleicht ist er ja ein Barde!'

Felion entscheidet, dass für die nächsten Stunden eigentlich keine Musik mehr nötig sein wird, außer dieser Spielmann will seine Kunst zum Besten geben. Doch zuvor wird sicherlich noch genug Zeit für etwas 'Fachsimpelei' oder was 'anderes' geben...



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Glücklicher Magier - Ottam


Ottam blickt der Schönen hinterher und bemerkt das sie noch einmal aus dem Vorhang schaut, dabei lächelt er sie sehr einladend an und hofft, dass sie darauf eingehen mag.



Hoch erfreut bemerkt Ottam das die Tänzerin wieder zu ihm kommt und sein Lächeln wird mit jedem Schritt der zwischen ihnen weicht herzlicher, so verwundert es kaum das er ihr ebenso sanft antwortet

"Es war wundervoll, wahrlich der Göttin gefällig, ihr seid ein wahre Meisterin des Tanzes und ich würde mich sehr freuen wenn ihr euch zu mir setzt"

Dabei macht er mit der linken eine einladende Geste.

"Ottam mein Name" stellt er sich den gepflogenheiten eines Rahjatempels gerecht werdend ohne übertriebene Formalitäten freundlich vor.

Seine Augen wandern über ihren fraulichen Körper, doch steckt in dem blick keine niedere lüsternheit, es ist ein Verlangen auf sinnlicher Ebene, ebenso wie aufrichtige Anerkennung für ihre rahjagefällige Erscheinung.

Letztlich bleibt sein Blick in ihrem Gesicht und an ihren wundervollen Haaren haften.

'Diese Haare, als ob sie von der gerade im Ozean versinkenden Praiosscheibe beschienen würden...'



Marueca lacht leise auf.

"Ach, das ist eigentlich noch gar nichts. Es gibt Tänzerinnen, die viel besser sind als ich. Aber die üben auch öfters."

Bei den letzten Worten setzt sie sich zu Ottam.

"Meine Name ist Marueca."

Das sie die Körpernähe zu ihm nicht scheut, ist unübersehbar, denn auf der Liege wird es für zwei Personen schon etwas eng. Marueca aber schmiegt sich sofort an den Magier an und lächelt ihm vielsagend zu.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Es ist doch zum Mäuse melken! Die Bullen sind in dieser Halbzeit die dominierende Mannschaft und doch sind es die Premer, die die Tore schießen. Es scheint fast so, als hätten die Pottwale etwas von einem Schneelaurer: Je angeschlagener, desto wütender und verheerender die Angriffe.

Es muss etwas passieren, da sind sich alle in der Havener Mannschaft auch ohne große Worte einig. Die Situation ähnelt der in der ersten Halbzeit: Wenn die Pottwale ihren Vorsprung noch weiter ausbauen, dann würden sie nicht mehr einzuholen sein.


***


In Scibor regt sich wieder der Grimm. Nicht nur, dass sie zurückliegen! Ständig tänzelt auch noch diese feuerhaarige Schlampe um ihn herum und meint ihn foppen zu können. Soll er sich das gefallen lassen? Dieser dreckigen Piratenhure würde er es zeigen!


***


Die Premer sind durch den weiteren Erfolg beflügelt. Die Schlappe am Ende der ersten Halbzeit scheint vergessen. Die Pottwale spielen nun wieder wesentlich befreiter, auch wenn natürlich nicht zu übersehen ist, dass die Kraftreserven der Premer ziemlich verbraucht sind.

Die Bullen hingegen werden immer unruhiger, ja beinahe etwas verkrampft. Noch immer versuchen sie den Spagat zwischen starker Abwehr und kräftigen, blitzschnellen Angriffen.


***


Ifirnsgiron führt den Ball. Er weiß, er wird ihn nicht lange halten können. Die immer häufiger werdenden Krämpfe in seinen Beinen machen ihm zu schaffen und an lange Sprints ist nicht wirklich zu denken. Doch Ifirnsgirons Stärke liegt auch in der Ordnung seiner Mannschaft und der Fähigkeit Schwächen vorauszusehen und so Spielzüge planen zu können. Beinahe gemütlich treibt er den Kork ins Mittelfeld, ständig das Spielfeld im Augen behaltend.


***


Wenn ein Kapitän ein Ruder ergreift, dann braucht es oft einen anderen Kapitän um eine erfolgreiche Kaperung einzuleiten. Cathal hält auf Ifirnsgiron zu.


***


"Macht dich!" brüllt Tibraide hinten im Raum der Bullen.

"Rumpo, in die Mitte und aufpassen!" ruft sie dem Koloss noch einmal extra zu. Ihr Stimem dabei ist nicht ärgerlich oder mit einem Tonfall belegt, mit dem man etwas für einen besonders dummen wiederholt. Nein, er ist beinahe fürsorglich mütterlich und freundlich.


***


"Mh!" brummt Rumpo und stellt sich, einem Berg gleich, wieder direkt in der Mitte auf.

Die anderen Abwehrspieler kehren wieder zurück und bilden einen Schild. Den Premern nur keine Chance geben, noch ein Tor zu schießen, heißt die Devise!


***


Und wieder kleben die »Yeshinna« und der »Tiger« aneinander. Scheint so, als hätten sie hier zwei ebenbürtige Gegner gefunden. kaum könnte deutlicher werden, dass sich beide in Gewandheit, Kraft und Ausdauer messen können. Die Premerin mag zwar nach wie vor die bessere Technik haben, doch das nützt wenig, wenn man nicht an den Ball kommt. Aber auch Dunvallo hat keine Chance den Ball zu erreichen, denn natürlich ist Ragnid auch nicht gewillt, ihn in solch einer Situation ziehen zu lassen. Und so sind die beiden auch bei diesem Spielzug eher Randfiguren, deren Deckungsbemühungen nichts desto trotz spektakulär anzusehen sind.


***


Aki stürmt nach vorne, entschlossen, den Ring der Bullen auf der (von den Premern aus gesehen) linken Flanke zu durchbrechen.


***


Auch Algrid stürmt los, auf dem anderen Flügel, um genau das selbe zu versuchen. Schließlich haben die Bullen dann das Problem, wieder beide Flügel im Auge behalten zu müssen!

Mit verächtlichem Blick und pfeifenden Lungen stürmt sie trotz ihrer Verletzung auf Scibor zu, der sich ihr einmal mehr in den Weg zu stellen versucht.

`Wann gibst du es endlich auf, Missgeburt?`

Bisher ist es ihr fast immer gelungen, an ihm vorbei zu ziehen. So würde es auch diesmal sein. Punkt!


***


Schwer atmend wird Haldar immer langsamer. Er wollte Ifinsgiron folgen, um ihm den Rücken zu decken und ein Anspielpartner zu sein, doch grimmig muss er erkennen, dass der letzte Spurt ihm einiges von seinem ohnehin knappen Atem genommen hat. Er würde dieses eine mal nicht mithalten können. Schwer atmend bleibt er stehen um Kraft für die nächste Welle zu schöpfen. Sein Atme geht wie ein Blasebalg, die Luft wird von dem sich deutlich hebenden Brustkorb regelrecht in die Nasenlöcher hineingesaugt. Kurz stützt er sich auf seinen Schläger. Nur kurz durchatmen und dann... gleich...


***


`Verdammt, er kommt mir zu nahe!`

Seinen scharfen, aufmerksamen Augen ist natürlich nicht entgangen, dass der Kapitän der Bullen auf ihn zu hält. er sieht, wie Cathal beinahe nebenbei an Frenhild vorbei huscht, so als wäre sie nur ein Baum am Wegesrand.

Natürlich ist Ifirnsgiron ein guter Spieler - doch er ist auch besonnen und realistisch. Wenn er bei vollen Kräften wäre, könnte er es wohl mit Cathal aufnehmen, obwohl er beinahe neidisch zu geben muss, dass Cathal von ihnen beiden wahrscheinlich die bessere Technik hat - auch wenn er das natürlich nie öffentlich zugeben würde!

Aber jetzt, erschöpft wie er ist...

Flink huschen seine Augen über das Spielfeld, während er noch etwas langsamer wird, um noch ein paar Herzschläge bis zur Begegnung der beiden kapitäne heraus zu schinden. Sein Blick fällt auf die Flanken, wo sich je einer seiner Spieler bemüht, in Position zu kommen. Beide stehen momentan ziemlich frei und hätten wohl genug Zeit einen ordentlich gepassten Ball anzunehmen und die Chance sinnvoll zu nutzen.

`Aki ist noch etwas grün und ein Heissporn` schießt es ihm durch den Kopf. Wohingegen Algrid eine gute, besonnerene Spielerin ist.

`Und bisher ist sie mit dem Schlangenwicht ganz gut fertig geworden!`


***


Cathal erhöht noch einmal das Tempo, sprintet direkt auf den Kapitän der Pottwale zu. Jeder Augenblick zählt, denn jeder Augenblick mehr gibt dem Premer Zeit zum Überlegen. Tief im Inneren hat Cathal sich schon lange eingestehen müssen, dass der Thorwaler mehr Weitblick besitzt als er und seine Leute - und den Kork - in schiwerigen Situationen besonnener führt als er selbst dies kann. Dies ist Ifirnsgirons große Stärke. Ergo muss verhindert werden, dass er sie ausspielen kann!


***


Doch ein Mensch kann eine Entfernung nicht so einfach zeitlos überbrücken und so fliegt der Kork davon kurz bevor Cathal hätte versuchen können es zu verhindern...


***


Aus den Augenwinkeln sieht Algrid den Ball in hohem Bogen in ihre Laufbahn segeln. Und der »Schlangenschädel« ist noch ausreichend weit weg. Zwar wäre es ihr lieber gewesen, wenn Ifirnsgiron gewartet hätte, bis sie an ihm vorbei ist, aber auch so sollte es keine Probleme geben.


***


Scibors Augen leuchten. Das rothaarige Piratenhurchen wird gleich den Ball bekommen. Fein, fein! Darauf hatteer schon lange gewartet. Deutlich sind ihm Kalimans Worte im Gedächtnis geblieben. Sich noch einmal zu prügeln wäre fatal. Aber dieser Schlampe würde er ihren Hieb heimzahlen. Und nicht nur dass. Für dass, was mit seinen Eltern passiert ist, sollte sie bezahlen! Ein heimtückisches Funkeln glitzert in seinen Pupillen. Unfälle passieren - und bei Unfällen kann kein Schiedsrichter etwas sagen...

Ein kurzes, fast irres gickern entweicht aus seinem Mund während er nach links schwenkt, Algrid etwas Platz macht, so dass sie rechts an seinem vor den Blicken des Schiedsrichters abschirmenden Körper vorbeiläuft.


***


Für einen Moment zuckt Algrid kurz zusammen, als sie von vorne ein seltsames Geräusch hört. Sie weiß nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund vermutet sie, dass dieses Geräusch nichts gutes verheißt.

`Verdammt, was lächelt dieser Bastard so dämlich?`

Doch da ist die Zeit um sich über so etwas Gedanken zu machen auch schon vorbei. Immer noch recht kräftig kommt der Ball auf dem Rasen auf, springt hoch und wird sogleich von Algrid aufgenommen und nach vorne getragen.

`Wie dumm er doch ist, durch die Lücke könnte sogar ein Wollnashorn spazieren!`


***


Mit großen Schritt stürmt die Premerin auf Scibro zu, ihr Haar wie einen feurigen Schweif hinter sich herwehend. Kurz bevor sie Scibor erreicht, schlägt sie einen Haken, um die Entfernung zu ihm zu vergrößern und - von ihr aus gesehen - links an seiner rechten Seite vorbei zu ziehen.


***


Innerlich könnte Scibor jubeln vor Freude!

`Genau wie gedacht. So du Orkliebchen, jetzt bist du fällig.'

Schwungvoll holt er aus, um in Richtung des balles zu schlagen...


***


Aus den Augenwinkeln sieht Algrid den herbei sausenden Schläger des Havener Spielers und schiebt beinahe schon reflexartig den Schläger etwas zur Seite, womit der Kork außer Schlagbahn des herannahenden Schlägers wäre - wenn er das Ziel des Schlages gewesen wäre.


***


Beinahe wie eine Sense zischt der schwere Eschenholzschläger durch die Luft, ganz knapp an der vorherigen Bahn des Korks vorbei, schwingt weiter nach oben, die durch Zufall dreht sich das schlagende ein wenig - und kracht mit voller wucht gegen den rechten Unterarm der Premer Spielerin


***


Hart gräbt sich das stabile Holz in die Haut, ein lauter Schmerzensschrei entwindet sich Algrids Mund während die Knochen plötzlich nachgeben. Mit schmerzverzerrtem Gesicht stürzt die Premerin zu Boden. Tränen des Schmerzes verklären ihr die Sicht, doch für einen Moment vermeint sie das hämische Grinsen im Gesicht ihres Gegenspielers zu sehen.

»Du verkommener Bastard!!!« will, sie ihm entgegen schleudern, doch aus ihrem Mund erklingt nur ein Schmerzenslaut.

`...mein Arm...`


***


`Na, wie gefällt dir DAS, du Miststück! Hoffentlich tut es schön weh! du verdienst nichts anderes!!!`

Noch kurz gibt er sich der Genugtuung hin, hämisch zu grinsen, bevor sein Gesicht wieder ernst wird, ja beinahe scheint es, als wäre er etwas bestürzt. Innerlich lacht er.

`So, dass war Teil eins, jetzt kommt Teil zwei der Komödie`

Scibor bremst ab und lässt den Ball einfach liegen wo er ist.

`Die Schiri-Pfeife wird ohne hin abpfeifen`

Satt dessen tut er so, als wüßte er noch gar nicht was genau passiert ist. Immerhin war das ja ein »Unfall«...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Für sein Spielchen hat sich Scibor unfreiwillig die falsch Ecke des Stadions ausgesucht. Gar nicht weit von der Stelle, an der jetzt Algrid sich auf dem Boden wälzt, steht ein Pulk von Premer Fans, der die Szene genau beobachten konnte.

Auch wenn kaum zu erwarten ist, daß die Schiedsrichter gerade diese Fans über den Spielhergang befragen wird, scheuen die sich doch nicht, ihre Meinung lautstark zu verkünden.

FOUL! FOUL! Du Schlangenbastard, das kriegst du zurück! Das war Absicht. Wartet, den knöpfen wir uns nachher vor. FOUL!

Auch ein kleiner Holzkrug fliegt in Scibors Richtung, ohne ihn jedoch zu treffen, dafür hatte der Werfer ihn vorher zu oft gefüllt und wieder geleert.



Auch einigen Hanvenaern bleibt nicht ganz verborgen, was Scibor da genau anstellt, nur sind viele von ihnen mittlerweile in einer ähnlichen "Jagdstimmung" wie der Spieler, und würden am liebsten Premer Spieler häckseln.

Einer von ihnen, recht in der Nähe der Gruppe, die das mit dem "Foul" ruft, brüllt in Richtung der Premer zurück:

"Könnt ihr nicht gucken? Sie ist genau in seinen Schläger gelaufen, diese Heulsuse! Was anderes ist ihr nicht mehr eingefallen!"

Aus der anderen Ecke, wo das wahre Spiel des Scibor nicht gesehen wurde, hallen dagegen Begeisterungsrufe durch das Stadion, wie elegant der Bulle doch die Pottwalin ausgetrickst hat.

"LOS JETZT EIN TOR!"



Fiana ist sich sicher, das war eindeutig Absicht! Sie ist fest davon überzeugt im Moment des Wurfes den hämischen Ausdruck im Gesicht des 'Bullen' gesehen zu haben. Daher brüllt sie mit allem, was ihre Stimmbänder hergeben, und das ist zumindest für die Umstehenden gleich einem Orkan.

"FOOOOUUUUL!

Die Hackfresse von Kälberagut hat auch noch dabei gegrinst

FOOOOOUUUUL!!!!!!! "



IN HAVENA - Im Immanstadion: Abzug des Mürrischen - Ole


Es mag sein, dass sich Frau Fiana leidenschaftlich erfreuen kann, an den Spiel dort unten in der Arena. Ole hat jede Freude daran verloren. Missmutig beobachtet er die Offizierin aus den Augenwinkeln. Ach gäbe es jetzt doch nur eine Möglichkeit, sich unauffällig zurück zu ziehen. Der alte Schiffszimmermann hat das dringende Bedürfnis nach einem guten Schluck und nach einer Gesellschaft, bei der man ungestraft ausgelassen sein darf.

Wo wohl Alberik steckt?



Auf dem Spielfeld geht es wirklich sehr rasant zu, doch Ole hat kein Interesse mehr daran. Ein paar mal versucht er Fiana anzusprechen, aber entweder war die Frau Offizieren zu sehr damit beschäftigt das Spiel zu kommentieren oder dem alte Schiffszimmersmann wollte nicht rechtes einfallen, was er Fiana ernsthaft hätte mitteilen könnte. Wie kann man sich nur im Gemenge von über tausend Menschen derart einsam fühlen?

Ole beschließt dieser Frage im Beisein einer Flasche Premer Feuer auf den Grund zu gehen.

"Also dann ... ", spricht er zu Fiana, bekommt aber keine Reaktion. Ole zuckt mit den Schultern.

'Was soll's, ich habe es probiert!' denkt er sich und beginnt sich zurück zu ziehen, Schritt für Schritt, schneller erlauben es die dicht stehenden Menschen nicht. Er kann weder Hjaldar, noch Alberik, noch sonst irgend jemanden von der NORDSTERN ausmachen. Aber das ist ja auch nicht wirklich notwendig, den Weg zurück findet Ole auch alleine.

Es dauert eine Weile, bis Ole sich zum Ausgang durchgedrängt hat und als er endlich einen Blick auf den Vorplatz des Immanstadions werfen kann, kommt er sich vor, wie ein Holzwurm, der sich durch hartes Gestein hat fressen müssen.

'Ein Scheißspiel, ein Scheißtag, was braucht man mehr, um sich das Leben zu versauern!'

Ole hat Havena noch nie so recht leiden können, in dieser Stadt hatte er noch nie Glück gehabt und dem entsprechend ist seine Laune nunmehr auf dem Tiefstpunkt. SWAfnir sei Dank, wird sich die NORDSTERN nicht mehr allzu lange hier aufhalten .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Algrid kann nicht mehr! Selbst eiserner Wille kann ihr nun nicht mehr weiterhelfen. Der Arm ist gebrochen. Der Unterarm ist eingeknickt, es ist ein offener Bruch. Aus der Wunde spritzt das Blut, wie aus einer Fontäne eines horasischen Lustgartens und der Schmerz übersteigt das ertragbare Maß. Algrid sinkt bewusstlos zusammen, der Schmerz, die Entkräftung und der Blutverlust sind zuviel, auch für eine tapfere Frau wie Algrid. SWAfnir allein mag wissen, ob sie mit diesem Sturz ihre Lage verschlimmert hätte, aber Thinmar ist rechtzeitig zur Stelle und fängt die Kameradin auf, als sie wie eine Gliederpuppe, der man die Halteschnüre durchgeschnitten hat, in sich zusammen sackt. Ihr Gesicht ist bleich und kalter Schweiß steht ihr auf der Stirne.

Thinmar spricht mit ihr, es ist ihm egal, ob sie ihn verstehen kann oder nicht. Durchhalten solle sie, flüstert er ihr beschwörend ins Ohr. Hilfe wäre unterwegs, erklärt er ihr weiter und die ganze Zeit über streichelt er ihr das feuerrote Haar. Thinmar spürt, dass die Verletzungen Algrid's wahrscheinlich ernsterer Natur sind, als sich dies im Augenblick andeuten will und er sorgt sich sehr.


***


Schon wenig später, obwohl es den Premer Spielern vorgekommen sein muss, als wäre inzwischen eine kleine Ewigkeit vergangen, erscheinen Helfer, die Algrid vom Spielfeld tragen, sie selbst ist nicht mehr in der Lage auf eigenen Beinen in die Kabine zurück zu gehen.


***


Scibor hat sich abgewendet, um seinen unverhüllten Triumph nicht allzu öffentlich zu erkennen zu geben. Er fühlt sich zufrieden, aber er ist noch nicht satt, denn der andere läuft noch immer herum. Abfällig lächelnd betrachtete er die Liegende und spuckt dabei auf den Boden. Es war eine unbewusste Reaktion und dennoch verschaffte es ihm Vergnügen. Dieser Hure gehört nichts anderes und es ist schade, dass sie sich nicht alle Knochen gebrochen hat. Und dieser Kerl, der ihr gerade das Händchen hält ist auch noch dran, auch der wird sich wünschen er wäre nie nach Havena gekommen. Scibor reibt sich die Hände, die Vorfreude auf das kommende 'Gemetzel' will ihm schier die Brust zerreißen.


***


Lange genug hat er sich beherrscht, aber nun muss es raus. Ifirnsgiron Gesicht ist gerötet von Zorn. Er brüllt Chatal an:

"Das war kein Unfall!! Das hat dieser Dreckfresser mit Absicht gemacht! Nimm diesen Stinker von Platz oder wird werfen ihn aus dem Feld in mehreren Teilen ...!"

Der Kapitän der Premer dreht sich sofort weg, er erwartet keine Antwort. So schnell es ihm noch möglich ist, rennt er zu Algrid, um sich ein genaueres Bild machen zu können. Doch soviel ist ihm klar, die 'Pottwale' werden nun in Unterzahl weiter spielen müssen.


***


Während der Rest der Mannschaft geschockt auf dem Feld steht, geht Faenwulf rasch nach vorne. Natürlich macht auch ihm die Verletzung Algrid's große Sorgen, doch nicht nur dies allein läßt ihn nach vorne eilen. Und so wie es aussieht kommt er auch vielleicht noch zu spät ....


***


Als Algrid vom Spielfeld getragen worden war, kommt langsam wieder Bewegung in Thinmar's Gedanken und es beschäftigt ihn eine Frage in steigendem Maße:

WARUM HAT DER SCHIEDSRICHTER NICHT GEPFIFFEN?

Thinmar hat keine Pfiff gehört und so teilnahmslos, wie die Schiedsrichter im AUgenblick herum stehen, läßt vermutet, dass auch kein Pfiff mehr erfolgen wird. Darf denn das sein? Dieser Schuppenkriecher schlägt eine 'Pottwal'-Spielerin zusammen und soll dann auch noch ungestraft davon kommen.

Was muss er da hören?

Ein Unfall soll das gewesen sein?

War der Orkensturm auch nur ein Unfall gewesen?

Ist Hranngar vielleicht auch nur ein Würmchen?

Thinmar ist in Rage und als Ulfert in seine Nähe kommt brüllt er diesen leidenschaftlich an.

"Bist du vieleicht zu dumm zu pfeifen oder reicht dir vielleicht die Luft nicht mehr? Das hat doch jede tattrige Sumpfrantze sehen können, dass das dieser kleine Giftwurm mit Absicht gemacht hat. Los, nun sag schon, wieviel haben dir die 'Bullen' bezahlt für's wegsehen oder bist du schon von Geburt an blind und taub? Es wäre wohl besser, du machst das nächste mal lieber einen Schiedsrichter beim Schneckenrennen, aber vielleicht sind dir diese Viecher auch zu schnell. Die sind wahrscheinlich schon längst am Ziel bis du die Pfeife findest .... !"

Thinmar mag sich gar nicht mehr beruhigen!


***


Scibor kann sich nun fast nicht mehr beherrschen. Das läuft ja wesentlich besser, als er das je geglaubt hätte. Der verblödete Nordmann schaufelt sich selbst das Grab, denn kein Schiedsrichter der Welt läßt sich solche Schmähreden gefallen. Ein wenig bedauert es Scibor schon, dass er diesen 'Halbmenschen' nicht persönlich in die Finger bekommen hat. Dann hätte es halt noch mal einen kleinen 'Unfall' gegeben, dessen 'unglückliche' Folge ein deftiger Schienbeinbruch gewesen wäre. Es ist eigentlich schade dass es dieser 'Schweine-Pottwal' vorzieht sich selbst aus dem Rennen zu nehmen, aber es sind ja noch genügend andere da. Scibor kichert und sieht sich schon einmal nach einem neuen Opfer um. Vielleicht diese Yeshinna oder vielleicht diese Hure, die sich Dunvallo so schamlos an den Hals geworfen hat? Kommt Zeit, kommt Rat! Scibor hat es nicht eilig. Zunächst gilt es den momentanen Triumph auszukosten .....


***


Der arme Oberschiedsrichter wechselt im Takt des herzschlages die Gesichtsfarbe. Mal wird er bleich wie Toter, dann wieder rötet sich sein Gesicht, um gleich darauf erneut jede Farbe zu verlieren. Noch kann er auf diese Unverschämtheiten des Premer Spielers nicht antworten, so sehr hat es ihm die Sprache verschlagen...


***


Für von Klipp ist die Sache klar wie einen tobrische Gemüsebrühe. Der Spieler aus Prem ist eindeutig zu weit gegangen. Dieser mann hat einen Schiedsrichter beleidigt und der Korruption verdächtigt. Für von Klipp ist dies das schlimmste Vergehen überhaupt in einem Immanspiel. Von Klipp ist derart erzürnt, dass er die Frage, ob Scibor's Attacke nun der Regel gerecht ist oder als ein Verstoß anzusehen ist, völlig in den Hintergrund tritt.

Entschlossen tritt er zwischen den Oberschiedsrichter und den, noch imer randalierenden Thinmar und bedeutet dem premer Wüterich, dass er sofort das Spielfeld zu verlassen hätte.


***


Thinmar verstummt, doch ist es nicht mahnende Einsicht, die ihn dazu veranlasst, sondern mehr der Umstand, dass er sich nun bestätigt fühlt, dass er es mit einer Verschwörung von 'gekauften' Schiedsrichtern zu tun hat. Wäre da nicht Faenwulf doch noch rechtzeitig bei ihm angekommen, um ihn eindringlich zur Ruhe aufzufordern, dann hätte sich Thinmar bestimmt auf die Schiedsrichter gestürzt, um sie zum Verspeisen ihrer Pfeifen zu nötigen. Doch Faenwulf kann den aufgebrachten Thinmar besänftigen. Mit gesenktem Haupt verläßt Thinmar das Spielfeld ....


***


Scibor schüttet sich aus vor Lachen und er feixt dem abziehenden Thinmar nach.

"So ist es recht, du Fischfresser! Und danke deinem breitmäuligen Walgott dafür, dass deine Knochen heil geblieben sind, ich hätte sie dir nämlich gerne auch gebrochen, wie die deines rothaarigen Flittchens!"

Es war Sibor's volle Absicht, dass diese verblödeten Premer nun wissen sollen, dass es eben kein Unfall gewesen ist, als Algrid sich so arg verletzte. Natürlich ist er schlau genug, leise genug zu sprechen, dass ihn nur die umstehenden 'Pottwale' hören können, nicht aber die Schiedsrichter, die im Augenblick mit höchster Befriedigung beobachten, wie sich Thinamr vom Spielfeld trollt.


***


Faenwulf schweigt, sagt kein Wort und tut so, als habe er Scibor's 'Geständnis' nicht gehört. Auch Ifirnsgiron sagt nichts, ebenso Thorlif und Ingvar, die auch in der Nähe stehen und Scibor's Worte nur allzu deutlich verstanden haben. Die Männer blicken sich an und es scheint als verstünden sie sich auch ohne Worte. Ragnid kommt hinzu und auch Hasgar begibt sich auf den linken Flügel. Da möchte dann natürlich auch Tukla und die beiden Frenhilds nicht fehlen. Es sieht so aus, als würden sich die 'Pottwale' versammeln, um den Ball, der nun gleich wieder zum Spiel freigegeben werden würde, unter allen Umständen wieder in ihre Reihen zu bringen.


***


Der Schiedsrichter wirft den Ball ein ....


***


Der Ball fliegt .....


***


Alle 'Pottwale' rotten sich auf einen Punkt zusammen, es wäre unmöglich für einen 'Bullen' in diesen Zirkel einzudringen, die Premer dichten den Raum völlig ab.


***


Der Ball fliegt an dem Haufen der 'Pottwale' vorbei und landet bei Dunvallo. Der Spieler aus Havena zögert nicht einen Augenblick. Da sich die 'Pottwale' auf engsten Raum zusammen drängen, ist der Weg zu Tor nun völlig frei. Dunvallo lächelt. Noch nicht einmal 'seine' Frenhild ist ihm nun noch im Weg. Er kann sich in aller Ruhe auf den Weg machen. Er legt sich den Ball weit vor und spurtet hinterher, obwohl er sich wirklich Zeit lassen könnte, denn keiner der 'Pottwale' folgt ihm. So nachlässig wie jetzt, haben die Premer ihre Abwehr im gesamten Spiel nicht gestaffelt. Es mag wirklich sein, dass ihnen vielleicht nun die Luft fehlt. Wie es auch sein mag, Dunvallo hat noch immer Luft für zwei. Nach einem kruzen schnellen Lauf steht er vor dem Tor der Premer und er hat auch keine Schwierigkeiten, den Ball an Isleif vorbei über die Linie zu drücken. Ärgerlich ist nur, dass der Premer Torhüter ihn doch noch so effektiv behindern konnte, dass es nur für einen Punkt reicht - aber immerhin!

Dunvallo hebt die Arme und lässt sich feiern!


***


Ohne Hast laufen die Spieler der 'Pottwale' wieder auseinander. Dass Havena den Anschlusstreffer erzielt hat scheint sie kaum zu rühren. Das krasse Gegenteil ist der Fall, sie wirken befriedigt. Sie verteilen sich, als wäre nichts geschehen, wieder auf dem Spielfeld, nehmen ihre Positionen ein und warten auf den Anstoss. Dabei ist doch soviel passiert. Havena hat immerhin ein Tor geschossen und dort, wo sich die Premer Spieler und Spielerinnen eben noch so dicht stehend versammelt hatten, liegt nun ein Mann, übel zugerichtet und bewußtlos - Scibor ....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


"WEITERSPIELEN!" wird aus den Hanvenaer Reihen gebrüllt, als einer der Premer versucht, die Schiedsrichter durch Beschimpfungen zu Gunsten der Pottwale zu beeinflussen.

Als diese dann reagieren, begleiten Pfiffe und obszöne Gesten den Premer Spieler nach draußen, doch das hält nicht lange an, denn sehr kurz danach brandet stürmischer Jubel auf, als Dunvallo den Kork in das Tor befördert - so viel Jubel, dass dem Gros der Hanvenaer vollkommen entgeht, was die Premer derweil getan haben.

"TOOOOOR!!! NOCH EIN TOOOOOOR!!!"

Einigen, die näher am Geschehen sind, entgeht es jedoch nicht, und aus dieser Richtung werden nun die ersten "FOUL"-Rufe hörbar, zwar nicht so laut wie zuvor bei den Gegnern, und noch durch das Tor-Gebrülle übertönt, aber immerhin deutlich genug, um gehört zu werden.



Die Premer Fans haben jetzt mehr zu schauen als ihnen lieb ist. Jeder achtet auf etwas anderes. Deshalb sind sie auch recht still, als das Spiel weitergeht.

Die einen beobachten weiter, wie Algrid versorgt wird. Die anderen schauen nach Thinmar, warum er vom Platz geht oder lassen sich von anderen, die die Szene mit dem Schiedsrichter gesehen haben, erklären was passiert ist. Ein paar Arme müssen auch mit ansehen, wie das Gegentor fällt, die meisten versuchen allerdings zu verstehen, warum ihre Mannschaft nichts unternimmt.

Fest steht nur: die Premer Spieler sind unschuldig und die Schiedsrichter sind darin verwickelt.

-DER SCHIRI IST EIN OCHSENTIER!-



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wilder Zorn, stiller Zorn - Garulf und Hjaldar


Das, was der dicke Smutje auf dem "Spiel"feld beobachten muß, treibt ihm mehr und mehr die Zornesröte ins Gesicht: Erst setzt ein Hornochse, der sich noch dazu Schlangen auf den Schädel gemalt hat, seinen Schläger als Waffe ein, noch dazu ohne einen erkennbaren Nutzen für das Spiel, dann wird nicht er, sondern vielmehr der völlig unschuldige Thinmar vom Platz gestellt und zu allem Überfluß erzielen die Hornochsen dann auch noch ein Tor!

"NIEDER MIT DER HRANGARBRUT!!!" ertönt es, lauter als EFFerds Sturmgebraus,

hinaus aufs Feld.

"HAUT EM DE SCHÄDEL PLATT!!!",

"HAKT SIE TO HAIFISCHFUDDA!!!",

"SÖDLÄNDERPACK!!!",

"DÄMONANBETERS!!!" und ähnliche Nettigkeiten folgen.

Nur allzu gerne möchte Garulf selbst, dem Übeltäter das verdorbene Hirn aus dem Kopf prügeln, doch leider ist das Feld unerreichbar. Statt dessen verteilt er wütend Hiebe und Tritte in die Luft um sich. Da jedoch nicht allzu viel Luft zwischen den eng gedrängten Menschen ist, trifft es mal den einen, mal den anderen umstehenden Havenaanhänger, aber was solls, unschuldig sind die schließlich auch nicht ...

Erst als er den schuldigen ohnmächtig auf dem Rasen liegen sieht, weicht sein Zorn einer gewissen Genugtuung.

"DAT WOHL!!! WIETER SO!!! UN DEN SCHIRI GLECH MÜT, DAT HRANGARSCHWIEN!!!"



Während Garulf seine Wut ungehemmt hinausposaunt, bleibt Hjaldar eher still, was nicht bedeutet, daß er nicht ebenso wütend über diese Pfeife von Schiri ist, wie der Smutje und die anderen Pottwal-Anhänger. Aber er versucht, diese Wut zu beherrschen, noch zu frisch ist die Erinnerung an seinen Beinaheausraster vorhin, der, wie er weiß, durchaus jemanden das Leben hätte kosten können.

Alberik ist jetzt, wie so oft, mal wieder nebensächlich, so gerne sich Hjaldar auch mit diesem mehr oder weniger gutmütig bekeifen mag - nicht zuletzt steht ja auch noch ein Wettstreit im Trinken zwischen den beiden aus, verschoben aber nicht aufgehoben.

Aber die Schlacht, denn als Spiel mag auch er es kaum mehr bezeichnen, auf dem Gras hält ihn in ihrem morbiden Bann. Nachdem Algrid vom Platz getragen wird verdüstert sich seine Stimmung weiter zunehmend - die Verletzung sah nicht gut aus, wie Hjaldar befindet und er versteht einiges davon, das wohl. Aber sicherlich haben die Premer wie üblich einen fähigen Heilzauberer dabei, ist ja nicht die erste schwere Verletzung, die sich ein Spieler zuzieht bei diesem Sport.

Daß dann auch noch Thinmar vom Platz gestellt wird läßt ihn die Faust des gesunden Arms ballen, daß die Knöchel sogar bei diesem Lärmpegel noch hörbar knacken und ein tiefes Grollen kommt aus seiner Kehle, mehr dem Knurren eines Wolfes gleich als den Lauten eines Menschen.

Erst der Anblick des niedergeschlagenen Scibors bringt ihn zum lächeln - indes, es ist ein Lächeln, daß einem anderen eiskalte Schauer über den Rücken jagen würde. Hätte er eine Axt und würde dieser Schlangenkopf auf dem Schlachtfeld vor ihm stehen, man würde diesen nur noch in Stücken wiederfinden können, bei SWAfnir!



IN HAVENA - In der Tanzschule: Abschied von der Meisterin - Zoraklea


Mit sachtem Griff nimmt Yashima das Geschenk Zorakleas entgegen, auch den schmalen Dolch steckt sie wieder ein. Versonnen blickt sie auf die Locke.

"Ich werde Dein Geschenk in Ehren halten, Zoraklea, und immer sorgfältig aufbewahren. Doch sei in Zukunft bitte sehr bedacht und vorsichtig mit Gaben dieser Art. Üble Wesen könnten große Macht über Dich ausüben, wenn sie einen solch Teil von Dir in ihren Händen halten. "

Mit einem Seufzen erhebt sich Yashima wieder. Manche Dinge konnte sie nicht lehren, die mußte man eben einfach selbst herausfinden, und wenn sie noch so bitter waren. Etwas verunsichert schaut Zoraklea zu ihr hinüber.

"Nun mach nicht so ein Gesicht, Täubchen! Ich werde immer für dich da sein, und wenn es in deinen Träumen ist. Mit der Zeit wirst Du noch vieles im nachhinein verstehen, was Du von mir gehört hast."

Kurz schaut sie sich im Zimmer um.

"Ich werde Dir nachher Kalid hinauf schicken, damit er Deine Sachen zur Kutsche bringt, ja? hast Du denn alles eingepackt, ich meine, auch die beiden Bücher?"

Ein Lächeln springt auf Zoraklesa Gesicht, und mit einem kleinen Armschwung zeigt sie auf ihre ebenhölzerne Kiste.

"Alles ist eingepackt, die Bücher liegen gut eingepackt im Boden der Kiste, denen wird nichts geschehen. Alles ist bereit..."

"Im Boden? Ich hoffe mal, Du wirst auch ohne mich weiter das lesen üben, und ich meine nicht nur einmal im Mondzyklus! Wenn Du eine wirklich gute Tänzerin werden willst, darfst Du die geistige Bildung nicht vernachlässigen."

'Ich stehe hier und predige, und in wenigen Stunden schon wird sie weg sein, auf hoher See und umgeben von einem Haufen zotiger Matrosen. Vielleicht wird sie sich bei Seegang die Seele aus dem Leib kotzen, wenn ihr nicht schon beim Anblick des Schiffes schlecht wird.'

Liebevoll schaut sie Zoraklea an.

"Wie auch immer, ich werde nun hinuntergehen und Kalid anweisen, die Kutsche fertigzumachen. Wenn Dir noch etwas einfällt, ich werde dann in den Übungsräumen zu finden sein. Und schau noch mal bei Aneska rein, ja?"

Yashima steht auf und ist mit wenigen Schritten aus dem Zimmer gegangen, zurück bleibt die verwunderte Zoraklea.

"Ich soll bei der Köchin vorbeischauen? Warum denn nur?"

Sie zupft ihr Kleid zurecht und macht einige zögerliche Schritte zur Türe. Dann verläßt sie ebenfalls den Raum, blickt sich noch einmal um, und läuft flink die beiden Treppen zu der großen Küche in das Erdgeschoß hinab.



"La la la laa!" trällert Zoraklea vor sich hin. Mit einem letzten Sprung hüpft Zoraklea die letzten drei Stufen der Treppe auf einmal hinab und ist in der kleinen Halle angelangt, der Dreh- und Angelscheibe des großen Hausverbundes. Schnell schlägt sie ein Häkchen auf die von der Küchentüre am weitesten entfernte Ecke des Raumes zu, dort hält sie einen Herzschlag an. Sie nimmt Grundpositur ein und macht einige Sprünge auf die Küchentüre zu, die Arme wirbeln dabei abwechselnd über ihrem Kopf und, ebenso wie ihr Kleid, weit ausgestreckt. Mit einem letzten Wirbel langt sie an der Türe an, Seitschritt, Tür aufreißen, Wechselsprung, Rückschritt und ein Fußtritt gegen die arme Türe. Mit einem lauten Krachen schlägt sie zu.

"Götter!" Erschreckt fährt Aneska herum und blickt in das strahlende Gesicht von Zoraklea.

"Kind, kannst Du denn nicht EINMAL diese Türe normal durchschreiten?"

"Aber warum sollte ich denn? So macht es doch viel mehr Spaß, Dir doch sicher auch, oder?" Mit einem großen Augenaufschlag schaut sie der dicken Köchin ins Gesicht.

"Yashima war gerade bei mir oben und sagte ich soll bei Dir hereinschauen? Hast Du was leckeres zum naschen gemacht?"

Schnell schaut sie in der großen Küche umher. Aber abgesehen von zwei dampfenden Kesseln über dem Herdfeuer, einem großen Berg Gemüse und der Obstschale kann sie auf anhieb nichts Eßbares entdecken. Mit einem verschmitzten Lächeln greift sie darum in den Obstkorb und beißt dann in eine lecker duftende, saftige dicke Birne.

"Du wirst wohl nie erwachsen, was? Na, sei froh und genieße das Leben, solange Du nur kannst. Nein, außer den Leckereien, bei denen Du sowieso gerade zuschlägst habe ich nichts für Dich. Aber Yashima war vorhin hier und bat mich, Dir einige Zweiglein hiervon zu geben."

Aneska nimmt ein kleines Leinenbeutelchen aus dem großen Vorratsregal, in dem sich Gläser und Krüge, Tiegel, Töpfe, Beutel und Dosen mit den verschiedensten Zutaten zum Kochen, Braten und sogar zum Heilen der einen oder anderen Beschwerden befinden. Aus dem Beutel zieht sie ein kurzes festes Zweiglein mit ledrigen, rotbraunen Blättern heraus und hält es Zoraklea unter die Nase.

"Es nennt sich rote Bullengarbe, frag mich nicht warum, ich kann es Dir auch nicht sagen. Aber sollte Dir auf Deiner Seereise durch die Schaukelei eine große Übelkeit aufsteigen, so kannst Du sie damit vielleicht unterdrücken, zerkaue einfach eines der Blättchen und das Gefühl der Übelkeit wird rasch schwinden. Aber sei vorsichtig, allerhöchstens nimmst Du zwei zusammen und nicht mehr als drei am Tag, hörst Du? Sonst entfalten sich weitere Wirkungen, die gefährlicher sein können als ein bißchen Übelkeit!"

"Aha, ja?"

Mit großen Augen sieht Zoraklea die Pflanze an.

"Was passiert denn dann?"

"Leider weiß ich das auch nicht so genau, die Erklärungen waren etwas widersprüchlich, und es ist schon eine Weile her, das mir meine Mutter das Kraut gezeigt hat. Ich weiß nur, daß es zuverlässig Übelkeiten verhindert, ich selbst benutze es regelmäßig."

Überlegend sieht Aneska auf Zoraklea hinab, geht dann jedoch nicht weiter auf dieses Thema ein.

"Aber es wächst gerne auf trockenen, sandigen Böden, wo es viel Sonne gibt, und ganz oft in der Nähe von Jaspissträuchern. Vielleicht findest Du sie ja gelegentlich selbst einmal, wenn Du durch die Natur streifst. Das solltest Du sowieso häufiger machen, die Natur ist die beste Lehrerin, die es gibt."

"Ja, ich bin früher viel mit meinem Vater durch die Wälder gelaufen, das war immer sehr schön! Ich freue mich schon darauf, ihn wiederzusehen."

Mit leuchtenden Augen erzählt sie der Köchin von ihren tagelangen Streifzügen durch Land und Wälder der Inseln Mylamas und Hylailos, die sie ab und an mit ihrem Vater gemacht hat. So vergeht gut und gerne ein viertel Stündchen angefüllt mit vielen kurzen Berichten und Erzählungen über Tiere, Pflanzen, Steine, Geräusche und Gerüche ihrer Heimat.



Mit leisem knarzen öffnet sich die Türe und Kalid steckt kurz seinen Kopf in die Küche.

"Zoraklea, komm und verabschiede Dich! Es wird langsam dunkel, wir sollten bald losfahren, nicht daß das Schiff noch ohne Dich losfährt."

'Das wäre mir gerade egal', denkt sich Zoraklea, 'aber auf meine Mama freue ich mich schon sehr!'

Rasch steht sie auf und umarmt noch ein letztes mal herzlich Aneska. Bis bald, ich werde Euch alle besuchen und dann wieder Dein herrliches Früchtebrot essen. Schnell angelt sie nach dem Beutelchen, wirft es über den Kopf, dreht sich rasch im Kreis und fängt es wieder auf. Dann läuft sie hinüber in die Halle, in der sie Yashima allerdings nicht sieht. Statt ihrer kommt gerade Valissa die Treppe hinab, und versucht erfolglos ein hämisches Grinsen zu unterdrücken.

"Na, Langohr, Du hast Deine Mundfarbe noch nicht gefunden? Das ist aber schade, wo Du Doch gleich fährst..."

Entschlossen, die gehässigen Worte Valissas zu ignorieren, geht Zoraklea weiter in Richtung des Übungsflügels, wo sie Yashima vermutet, als sie aus den Augenwinkeln die dunkelrote Farbe auf Valissas Mund sieht. Und Valissa benutzt nie Gesichtsfarben!

'Du gemeine Schlampe! Du fiese...!' Ein Zucken ohnmächtiger Wut durchschüttelt ihren Körper, aber bisher hat sie noch jede körperliche Konfrontation mit Valissa verloren, ob nun harmloses Gerangel oder einmal sogar eine handfeste Prügelei, bei der Haut- Haar- und Kleidungsfetzen flogen.

Zähneknirschend geht sie weiter in Richtung der Übungsräume und versucht ihre Wut herunterzuschlucken. Auch zum Abschluß hat ihr dieses Stück noch eins verpaßt! Langsam geht sie weiter, durch den hinteren Flur auf die kleine Galerie. Dort bleibt sie stehen und versucht sich erst mal zu beruhigen. Jetzt bemerkt sie erst, daß sie ihre Hände zu Fäusten geballt hat. Tief atmet sie die Luft des mit Kirsch- und Apfelbäumen bepflanzten Innenhofes ein und versucht Tränen der Wut zurückzuhalten, aber so recht will das nicht gelingen. Nach einigen Augenblicken läuft sie in die Übungsräume weiter. Der große Raum ist verlassen, aber im Nebenraum wird sie fündig, dort sitzt Yashima an ihrem Tisch.

"Yashima, äbas ay Valissa-dou! Ya sogar heute selihis ä äbas meine jhabala mädo, am letzten Tag!"

Besorgt schaut Yashima auf. Völlig aufgeregt steht ihr Zoraklea gegenüber und mal wieder versteht sie kein Wort, wie so oft, wenn diese sehr erregt ist.

"Jetzt beruhige Dich erst mal, und sag mir dann langsam, was passiert ist. Und denk dran, das Ich kein elfisch kann."

Nach einigen Augenblicken hat sich Zoraklea soweit im Griff, zu erzählen was passiert ist. 'Nichts ungewöhnliches, denkt sich Yashima, so etwas ist in den vergangenen Sommern doch jede Woche vorgekommen. Aber das sie sich so aufregt... das muß die Seereise sein.'

"Na, komm komm! So wild ist das doch nicht, und Ihr zwei liegt Euch doch ständig in den Haaren, ohne viel dazuzulernen. Und wenn ich mich recht erinnere, war es noch nie ein Beinbruch, weder bei Deiner Mundfarbe noch bei Valissas Spiegelchen oder den anderen hundert Streitereien, die ihr hattet." Beruhigend nimmt sie ihren Schützling in die Arme und wiegt sie ein bißchen hin und her.

"Ich glaube, Du bist nur besonders nervös wegen der bevorstehenden Seereise, hab ich recht? Aber da mußt du Dir keine Sorgen machen. Die NORDSTERN ist kein kleines Schiff und der Kapitän ist ein wirklich netter Mann. Er hat versprochen, auf Dich ein wenig acht zu geben... Und Ihr werdet bestimmt gutes Wetter haben, so daß dem Schiff nichts geschehen wird. Und denke daran, auch wenn das Wetter schlecht werden sollte, was ich nicht glaube, so ist die Nordstern ein großes Schiff, das nicht umkippen kann, hm?"

"Warum kannst Du nur nicht mitkommen..." murmelt Zorakla wider besseren Wissens in Yashimas Arme.

Darauf gibt es keine Antwort, beide wissen, daß Yashimas Welt hier in Havena liegt.

"Sin dschiri lao..."

Diesen Abschiedsgruß versteht Yashima, ihn hat sie nun schon mehrfach gehört, einmal sogar vor Zorakleas Zeit, aus dem Mund eines Waldelfen, dem sie in den Wäldern nördlich der Stadt begegnet war. Allerdings hatte sie ihn damals noch nicht wirklich verstanden.

"Noch nicht. Ich werde Dich doch noch bis zum Schiff begleiten, was denkst Du denn von mir?"

Nun löst sie sich von Zoraklea und gemeinsam gehen sie zurück in die kleine Halle, um von dort aus auf die Straße zu treten, zur dort bereitstehenden Kutsche.



Lange ist der letzte Blick, den Zoraklea auf die Einrichtung der kleinen Halle wirft. Dann tritt sie zusammen mit Yashima durch die schwere Haustür auf die Straße hinaus.

Der Abend beginnt gerade zu dämmern und jemand hat schon dafür gesorgt, daß die Laternen des nahegelegenen Silberplatzes entzündet worden sind. Zoraklea läßt ein weiteres mal die beiden vergangenen Jahre an sich vorbeiziehen, dabei sieht sie ihre Umgebung an, als würde sie sie zum ersten mal betrachten.

Sie betrachtet die leichte Kutsche, die beiden Schimmelstuten mit den Glöckchen am Zaumzeug, die silbrigen Beschläge und Verzierungen an den Kutschrädern und dem Aufbau. Kalid, der auf dem Bock steht und noch einmal den Sitz der Truhe auf dem Dach überprüft. Yashima, die mit kritischem Blick und gerunzelter Stirn in das Innere des Wagens blickt. Das Schnauben der Pferde. Das Kichern der beiden Jungen, die die Gasse entlangeilen. Die unzähligen und ebenso unbestimmbaren Geräusche der Stadt, die die Silberkirschgasse hinauf dringen. Jetzt dreht sich Yashima um und sagt etwas.

'Hm?'

"Was ist?"

"Hör mal, Du stehst hier herum und träumst! Komm und steig lieber ein." Yashima ist nicht unfreundlich, eher etwas ungeduldig. "Wir wollen lieber abfahren, bevor es völlig dunkel ist."

Zoraklea steigt vor Yashima in die Kutsche und überläßt der Älteren den Platz auf seiten der geöffneten Türe.

"Wenn Du bitte so freundlich sein würdest..." wendet sich Yashima an Kalid. Dieser nickt und schnalzt mit den Zügeln, und ohne zu zögern setzen sich die Pferde in einen leichten Trab. Geräuschvoll rollt das Gefährt in Richtung Hafen.

Die vertrauten Konturen und Bilder der Häuser dieses Viertels ziehen an Zoraklea vorbei, selbst in der heraufziehenden Dunkelheit erkennt sie klar die Umgebung. Aufmerksam schaut sie sich alles an, und versucht, sich jedes Detail zu merken.



"Heiei!" tönt es von vorne herein, und die Droschke wird wieder ein wenig schneller, die letzten Schritte die Steigung hinauf. Im Inneren sitzen sowohl Yashima als auch Zoraklea recht schweigsam, beide sind mit ihren Gedanken beschäftigt und schauen aus den Fenstern.

'Warum nur muß ich mit dem Schiff fahren, gleich mehrere Tage, vielleicht sogar einen halben Mond!' Unruhig rutscht Zoraklea auf der Polsterbank hin und her.

'Ich wäre ja auch noch einige Monde geblieben, aber Yashima meint ja, das wäre vergeudetes Talent. Ich brauche ja unbedingt noch eine andere Lehrerin...

Oh, da ist ja Dolgas Backstube! Das Zuckerbrot habe ich immer gerne genascht.'

Wehmütig schaut sie der Feinbäckerei hinterher, dann guckt sie schuldbewußt zu Yashima hinüber, ob sie was gemerkt hat? Schließlich hat sie den Genuß von seinem Zuckerwerk früh verboten, davon werde man so fett wie Dolga selbst. 'Schade das ich jetzt nicht schon in Rethis bin, dann hätte ich es schon überstanden...'

Yashima entgeht die andauernde Unruhe neben ihr nicht.

'Es wird also doch Zeit für einen Kniff aus der Trickkiste!'

Sie kramt in ihrem Täschchen herum und zieht nach einem Moment ein süßes Bonbon heraus. Kritisch mustert sie es, ob es auch das richtige es; befriedigt stellt sie es fest, dann schiebt sie es sich in den Mund. Dabei schielt sie zu Zoraklea hinüber, ob diese mitbekommen hat, was sie gerade getan hat. Dem ist so. Kurz zögert sie, dann holt sie mit einem Lächeln in Zorakleas Richtung eine weitere klebrige Kugel hervor. Mit spitzen Fingern hält sie ihr diese unter die Nase.

"Nun, möchtest Du auch eines? Heute kann ich ja mal eine Ausnahme machen, um den Abschied zu versüßen, sozusagen."

"Ja gerne. Danke - Yashima." Ohne Umstände steckt sich Zoraklea das Naschwerk in den Mund, dabei entgeht ihr das befriedigte Aufblitzen in Yashimas Augen. Wieder wandert ihr Blick zum Fenster.

'Manchmal ist es besser, nicht zu fragen. Und sie wird bald tief und fest schlafen können, ohne sich unnötig zu ängstigen. Und morgen wird sie hoffentlich viele nette Mitreisende kennenlernen und von diesen abgelenkt werden. Das ich überhaupt zu solchen Mitteln greifen muß - seit ich mich aus dem Abenteurerleben zurückgezogen habe, habe ich höchstens fünf, sechs mal zu irgendwelchen Giften greifen müssen. Gut, daß Mutter PERaine für fast jeden Zweck ein probates Mittelchen bereit hält! Letztes Jahr dieser lästige neureiche Junker, den ich nur mit der Brechwurz losgeworden bin, und heute halt die Traumbeeren.'

Nach einiger Zeit hat Kalid das Zentrum der Stadt erreicht und durchquert. Während er das Fahrzeug aus der auch zu dieser Stunde belebten Innenstadt hinaus und in Richtung Hafen lenkt, hängt Zoraklea ihren Gedanken nach und unterdrückt dezent ein Gähnen.

'Das ist irgendwie schon seltsam, ich hätte nicht von mir gedacht, daß ich so ruhig bleiben würde, wo wir doch gleich am Hafen sein müssten. Vielleicht hat daß Konzentrations- und Disziplintraining ja doch mehr gebracht, als ich dachte. Naja, es war ja auch recht hart.'



Langsam biegt die Kutsche um die Ecke eines großen Kontors und rollt den langen Kai entlang, an dem mehrere Schiffe und etliche Schritt weiter hinten auch die Nordstern vertäut liegt.

'Meine letzte Reise habe ich zusammen mit einer Gruppe von Gelehrten und Händlern gemacht, die auf dem Weg nach Gareth waren, mit Zwischenstopp in Havena. Abgesehen von den Fuhrleuten gab es keine jungen Leute, und selbst die waren mindestens zwanzig Sommer alt. Und die Reisenden, allesamt alte Böcke und teilweise auch ein wenig wunderlich, aber doch sehr nett. Die hatten sich richtig um mich gekümmert. Ich wünschte, die Rückreise könnte auch so sein.'

Wieder muß Zoraklea herzhaft gähnen, und auch in die Augenlieder kriecht langsam langsam ein bleiernes Gefühl. Unauffällig kneift sie sich in den Schenkel um wieder munter zu werden.

'Verflixt noch mal, was ist denn bloß los? Ein Benehmen habe ich, gleich werden wir am Schiff sein, und Yashima wird zurückfahren. Und ich? Ich habe das Gefühl, als könnte ich mich hier zurücklehnen, einschlafen und die Kutsche nicht mehr verlassen, bis ich in Rethis bin. Ach! Und dann anhalten, ein Lakai öffnet die Türe, ein anderer vergewissert sich, das der rote Teppich richtig liegt, und mein Prinz hilft mir aus dem Wagen. Und ich gehe zu meinen Eltern und zeige ihnen meinen Prinzen. Seht Ihr? Er hat mich gefunden in der Welt hinter den Meeren, und wird mich in sein Schloß mitnehmen....'

Nachdenklich sieht Yashima zu ihrer Schülerin hinüber.

'Das Schlafmittel scheint doch fast ein wenig stark dosiert gewesen zu sein, oder ob das wohl an ihrem geringen Alter lag? Oder an dem elfischen Blut in ihren Adern?'

Mit einem leisen Lächeln beobachtet sie die unauffälligen und relativ vergeblichen Versuche Zorakleas wach zu bleiben. Mit einem letzten Knirschen hält die Droschke schließlich nicht weit von der Laufplanke, die auf das Schiff hinauf führt.

"Komm, mein Täubchen, wir sind da. Ich werde Dich noch auf das Schiff begleiten, schließlich bin ich neugierig, zu sehen, wie Du untergebracht bist."

Tief und lange sieht Zoraklea in Yashimas dunkle Augen.

'Das ist jetzt also der Abschied... Seltsam, wie leer ich mich fühle...'

"Ja. Laß uns gehen."



IN HAVENA - Vor dem Tempel des EFFerd: Seelentrost - Efferdan und Fiana


Fiana verlässt derweil das Stadion, in dem Wissen, dass die hiesige Mannschaft ein Haufen unfähiger Spieler ist, die nur gewinnen können, weil sie den Schiedsrichter gekauft haben und unter diesem Aspekt betrachtet waren ja 'Pottwale' natürlich die moralischen Sieger und die Niederlage eigentlich gar keine.

Irgendwie kommt ihr dabei ein gewisser Widerspruch zwischen Moral und dem Spiel an sich in den Sinn, doch dererlei tiefgreifende Gedanken verdrängt sie jedoch, dazu mag ein andermal der bessere Zeitpunkt sein, denn die Brüllerei hat die Kehle getrocknet und ein gewisser Hunger regt sich auch.

Eigentlich isst sie gerne beim neuen Smutje, der macht gutes Essen aus dem was an Bord verfügbar ist, ganz anders als der Fraß seines Vorgängers, doch vielleicht tut etwas Abwechslung gar nicht schlecht und während dieser seltsamen Wiederholungen hat sie ganz beiläufig recht schmackhaftes Essen zu Gesicht bekommen.

Noch unschlüssig, welches Gasthaus sie aufsuchen soll, schlendert die 1. Offizierin der NORDSTERN durch die Gassen und Straßen Havenas, bis sie schließlich mehr per Zufall, denn absichtlich am Efferttempel vorbeikommt.

'Nanu, was ist das den, da steht doch jemand und es sieht so aus als ginge es ihm gar nicht gut'

Eilig kommt sie näher und muss dann sehr verwundert feststellen das es sich nicht um irgendeinen Unbekannten handelt, sondern um ein Mitglied ihrer Mannschaft.

"Efferdan, was in der Zwölfen Namen ist dir widerfahren?"

Schon ist sie bei ihm, bereit ihn zu stützen, falls er fallen sollte. Wohlwollend, warm und zugleich fragend blickt sie in seine Augen...



Der junge Matrose zuckt erschrocken zusammen, als er angesprochen wird. Er hatte die Person, die sich ihm näherte nicht vorher bemerkt. Sicher, er hatte ihre Schritte gehört, doch war diese Wahrnehmung eher unterbewusst und wurde von all den anderen Dingen in seinem Kopf verdrängt.

Beinahe vorsichtig schielt er nach vorne.

`Wer ist da, wer kennt mich? Die Stimme klingt so vertraut...`

Durch den feinen Tränenschleier versucht Efferdan etwas zu erkennen. Es will ihm scheinen, als würde alles vor seinen Augen verschwimmen, als würde sich ganz Dere um ihn herum drehen um ihm schwindlig zu machen. Vage erahnt er eine große Gestalt und rotes Haar.

Das Gesicht - oder besser die Gesichter - wabern vor seinen nassen, blauen Augen umher, die nun fast wie in Bewegung geratene Teiche wirken. Sein Gesicht mit den vollen Lippen wirken ernst aber auch etwas fragend.

Hastig wischt er sich über die Augen, um die Tränen wegzuwischen. Endlich kann er erkennen, wer vor ihm steht - und diese Erkenntnis lässt ihn noch einmal zusammen zucken.

"Nichts... nichts. Es... es geht --- schon, Frau Ohldotter. Werde gleich... zum Schiff... ähm, Herrin." stammelt er mit einer Mischung aus Verlegenheit, Überraschung und Angst.

Noch immer hält er sich an der Säule fest. Es beruhigt ihn, den rissigen Stein unter seinen Fingern zu spüren, das schiere alter zu fühlen, dass der Stein fast körperlich ausstrahlt. Mit der anderen Hand fährt er sich fahrig durch das helle Haar, unsicher darüber, wie er sich verhalten, was er tun soll.



Fiana ist überrascht wie Efferdan reagiert, doch merkt man es ihr nicht an.

'Der arme ist ja völlig verstört, ich kann ihn doch jetzt nicht alleine lassen' denkt sie sich.

"Komm in dem Zustand kannst du doch nicht zum Schiff gehen, komm ich habe ein bessere Idee, das wird dir gut tun" spricht sie mit sehr warmer und freundlicher Stimme, zugleich blickt sie ihn ebenso Warmherzig an, nicht wie die Offizierin, eher wie jemand der sich um einen Freund sorgen macht und helfen möchte.

'Was ist ihm nur widerfahren?'

In einem reflex streckt sie ihm einladend eine Hand entgegen. Dabei löst sich aus den offenen wallenden Haaren eine vorwitzige rote Haarstähne, verirrt sich in ihr Gesicht und nimmt so auch die letzte Erinnerung an die strenge Offizierin mit dem akkuraten Zopf.



Ob man es für möglich hält oder nicht: Efferdans Verwirrung wächst weiter.

`Ist das wirklich die erste Offizierin?`

So hatte er sie doch noch nie erlebt - halt, das stimmt nicht! »Gestern«, als sie das Mädchen aus dem Wasser retteten, da hatte sie ihn auch so weich und freundlich angesehen...

Beinahe leer wirkt sein Gesicht während der Augenblicke, die Fianas Worte brauchen, um vollständig zu ihm durchzudringen. Die erste Regung darauf ist Erschrecken

`Was heißt das, ich kann nicht zum Schiff? Wissen sie es schon? Wollen sie mich nicht mehr auf der NORDSTERN haben? Aber, wo soll ich denn hin?`

"Nicht... zum Schiff???"

Die Worte - ganz leise gesprochen - haben beinahe etwas Verlorenes. Ein Zittern läuft durch seine schmale Gestalt, Schultern und Lippen beben, ein Hauch von verzweiflung steht in seinen Augen.

Dann ändert sich das langsam. Beinahe kann man sehen, wie die mühlen seines Geistes arbeiten. Ihm ist, als müssten sich seine Gedanken durch Thorwaler Rübenbrei quälen. Alles dreht sich in seinem Kopf, so viele Gedanken.

»rothaarige - kleine Männer - mit Pfeife - unter Wasser - an ertrinkenden - Tagen die - nie zu Ende gehen - Mutter! - Offizierin - NORDSTERN - gut«

Ganz langsam kommt ihm in den Sinn, dass die Worte wohl doch anders gemeint waren, als er zuerst dachte.

`Sie will mit mir irgendwo hin. Warum? Sehe ich so schlim aus? Ich kann doch nicht ihre Zeit in Anspruch nehmen?`

Langsam zeigt sich eine leichte Röte in Efferdans Gesicht und er wendet seinen Blick nach unten, als ihm bewusst wird, dass er die erste Offizierin anstarrt.

"Danke, Herrin... aber... Eure Zeit... bestimmt kostbar... müsst Euch nicht... ich... es geht schon... ähm, der Kapitän... bestimmt wartet er schon... auf mich, sollte zurück... schon lange weg..."



NORDSTERN - Oberdeck: Zwei Frauen - Joanna und Shuhelia


Dem Kapitän und seinem Gesprächspartner steht die Druidin noch nahe genug um einige Fetzen aufzuschnappen. 'Wenn das Schiff erst übermorgen Früh den Hafen verlässt, könnte ich es mir noch an Land gemütlich machen. Aber was tun? Etwa in eine Taverne gehen, ganz alleine? Oder untätig die Zeit totschlagen und dann vielleicht noch das Schiff verpassen? Jaja, bei meinem Glück...' Sie lacht leise auf. Doch vielmehr verlockt sie die Möglichkeit sich bei den neuen Passagieren 'anzuhängen' um anschließend vielleicht etwas Ruhe in der Gemeinschaftskabine zu finden.

Joanna gähnt und streckt dabei ihre Arme abgewinkelt in die Höhe. Während sie die eine wieder sinken lässt, streicht die andere durch ihre gewellten Haare. Noch einmal muss sie gähnen, hält nun jedoch eine Hand vor ihren Mund.

Eigentlich ist es kein Wunder, dass sie so müde ist. Die letzte Nacht hatte sie kein Auge zugemacht, sondern wanderte lieber mit dem Druiden durch den Wald. Der Schein des Madamals lag über den Bäumen und eine ihr sehr wohl vertraute Stimmung lag in der Luft. Sie wanderten, um von der NORDSTERN wegzukommen, noch keine Ahnung wohín sie ihre Wege führen. Und nun? Nie hätte sie gedacht, dass der Weg eine Wende machen würde und sie wieder zu dem Schiff zurückführt. Die Druidin macht sich nun ebenfalls auf zum Niedergang und ruft Shuhelia, obwohl sie mit dem Rücken zu Joanna steht, freundlich zu:

"Na, auch das erste Mal auf einem Schiff?"



Irgendwie merkt Shuhelia, das der Nachruf ihr galt, und so dreht sie sich im Niedergang stehend um. Und zwar etwas wackelig in den Knien, denn eben erst ist ihr bewusst geworden, dass sie von dem munter gegen die Kaimauer glucksenden Hafenwasser tatsächlich nur ein Schritt Holz und viel Luft dazwischen trennt.

"Kann man sagen, ich hatte bisher noch nicht das - Vergnügen."

Die Pause vor dem letzten Wort ist nicht einmal gekünstelt. Sie weiß tatsächlich nicht, ob es ein solches werden wird. Schnell wirft sie einen Blick auf ihren Führer vor ihr. Nein, es ist nciht nötig, ihm sofort zu folgen. So bleibt also Zeit für noch eine Frage:

"Müsst ihr auch mit unter Deck?"



Auf Shuhelias Frage hin zuckt Joanna mit den Schultern.

"Müssen? Nein. Es mag viel im Leben geben das man machen muss, aber ..."

Sie schüttelt den Kopf.

"...ich folge euch aus freien Stücken."

Frech grinst die junge Druidin die Frau vor ihr an.

"Um ehrlich zu sein, würde mich mein Weg ohnehin bald unter Deck in die Gemeinschaftskabine führen. Warum also nicht jetzt schon in die dunkeln Winkeln des Schiffes vordringen?"

Joanna tritt etwas näher an sie heran. Es sieht so aus, als ob die Druidin ihr etwas zuflüstern möchte, doch plötzlich streckt sie unerwartet ihre Hand aus dem Umhang hervor.

"Wenn ich mich vorstellen darf, mein Name ist Joanna de Clare."

Erwartungsvoll blicken ihr die schwarzen Augen entgegen.



Shuhelia lächelt kurz - möglicherweise auch etwas verkrampft - über Joannas Scherz, auch verlagert sie ihr Gewicht ein wenig nach hinten, als die andere Frau so nahe an sie heran tritt.

Aber unverwandt erwidert sie den Blick der Druidin aus grünen Augen und ergreift (nach kurzem Überlegen zum richtigen Ergebnis gekommen) die dargebotene Hand und drückt sie kurz.

"Angenehm. Nennt mich Shuhelia! Im übrigen soll ICH auf dem Unterdeck schlafen. Der Matrose wird mir den Weg zeigen."



Die Druidin zieht langsam die Hand zurück. Shuhelias Gestik lässt erkennen, dass ihr die Situation etwas unangenehm ist. Auf der einen Seite besitzt Joanna zwar eine sehr direkte, fast schon freche Art und Weise mit den Leutenumzugehen, doch auf der anderen wiederum steht die zurückhaltende, schüchterne, die meist die Oberhand ergreift. Doch dem ist nun nicht so.

"Verzeiht, ich wollte nicht so aufdringlich sein."

Höflichkeitshalber macht sie einen halben Schritt zurück.

'Ich kann aber auch gar nichts richtig machen.'

Auch wenn sich die Druidin ziemlich unsicher ist, erweckt ihr freundliches Lächeln den Anschein von selbstsicherheit. Joanna sieht noch einmal kurz in Shuhelias wunderschöne grüne Augen bevor ihr Blick an ihr vorbei, den Niedergang zum Unterdeck hinunter, schweift.

"Dann wollen wir ihn doch nicht warten lassen!?"

Sie nickt nun mit dem Kopf in die Richtung, noch immer ein zartes Lächeln im Gesicht.



Shuhelia tippt sich mit dem 'Zauberstab' kurz an die Schläfe und erwidert in einem spöttischen Ton:

"Sehr wohl, Kommandantin."



Erstaunt zieht Joanna die Augenbrauen hoch. 'Kommandantin???' Verwundert schüttelt sie den Kopf und runzelt die Stirn. 'Habe ich ihr etwa was getan, dass sie mich in diesem so höhnischen Ton anspricht?' Bemüht darum so zu tun als ob sie das letztere überhört hat, setzt die Druidin ein misslungenes Lächeln auf.

"Naja dann wollen wir mal..." Langsam schreitet sie hinter Shuhelia die Stufen des Niedergangs hinab. Normalerweise ist sie ganz und gar nicht streitsüchtig, es sei denn sie wird stark gereizt, oder hat einen wirklich schlechten Tag. So entscheidet sich Joanna doch für die freundlichere Variante und schweigt, abwartend auf die Reaktion der Frau vor ihr.



'Pffff, was ist die schnell eingeschnappt!'

Trotzdem lacht Shuhelia kurz auf:

"Habt euch doch nicht so! Das war doch nicht böse gemeint!"

Sie dreht sich nun wieder herum, um dem Matrosen folgen zu können.



Eben noch wollte sie sich wieder zu dem Matrosen umwenden, als das Licht hinter ihr durch zwei Gestalten verschluckt wird: Shuhelia fährt wieder herum und sieht an Joanna vorbei. Die beiden neu dazugekommenen verdecken praktisch das helle Rechteck, der einzige Beweis, dass sich in wenigen Schritt Entfernung eine Welt des Elements Erde befindet, fester Boden.

Wieder muss Shuhelia mit Platzangst kämpfen. Sie schluckt hart. Die beiden scheinen sich miteinander zu unterhalten.

'Irgendetwas ist...' Ja, was eigentlich. Seltsam. Ungewöhnlich. Falsch. Nicht auffällig, oh nein, nicht wie eine Rahjastatue in einem Borontempel, sondern wie ein Bild aus tanzende Rahjas, dass sich - unscharf betrachtet - als Totenschädel sehen lässt.

Wieder eine Bewegung hinter ihr, wieder fährt sie herum, rotbraune Locken fliegen. Es ist nur die Magierin, die zurück kommt. Der Rabe, beobachtet er sie nicht?

Was macht Joanna hinter ihr? Zum drittenmal dreht sie sich herum, aber die andere Frau hat in keiner Weise ungewöhnlich reagiert.

'Langsam ist es gut, du dämliche Schnepfe! Führ dich nicht auf wie eine flennende Göre, nur weil du auf einem Schiff bist.'

Shuhelia strafft ihren jugendlichen Körper und lehnt sich an die Schiffswand. Eine Wand! Schwankend wie der Boden und nicht stark, aber eine Wand. Tief holt sie Luft, salzige Meeresluft, zwei dreimal. Dann lässt sie ihren Rückhalt wieder los und geht, wie geplant, die letzten Schritte auf den Grund des Unterdecks.

'Geht wieder.' Die Scharlatanin hat sich unter Kontrolle. Und spürt nicht, dass ihr Gefühl zwar hauptsächlich, aber keineswegs ausschließlich eine sinnlose Panik war...

Das alles hat keine 15 Herzschläge gedauert, auch wenn es bei Shuhelia mehr waren.



Ein seltsames Gefühl steigt in Joanna auf. Dass die beiden Frauen das Licht daran hindern in die dunkeln Tiefen des Unterdecks vorzudringen ist nicht das einzige, dass die Stimmung hier unten verändert hat. Nichts könnte dieses Gefühl beschreiben, das sie im Momant fühlt. Auf der einen Seite ist es angenehm und beruhigend, doch auf der anderen lässt es das Blut in ihrem Kopf pulsieren. Ein kalter schauer läuft ihr über den Rücken. Auch Shuhelia scheint sich nicht sehr wohl zu fühlen.

"Alles in Ordnung?"

Besorgt sieht die Druidin Shuhelia an.

"Es tut mir leid, doch ich fühle mich im Moment nicht so gut..."

Sie findet es keine weitere Erklärung notwendig und verschwindet dann langsam um die Ecke.

Bevor Joanna die Tür zur Gemeinschaftskabine öffnet, lächelt sie Amalthea an. Mit der Zeit lässt das seltsame Gefühl in ihr wieder nach und sie lässt sich auf einer Koje nieder, nachdem sie ihren Rucksack abgestellt hat.



Anscheinend hatte Joanna ebenfalls einen kleinen Anfall von Platzangst oder dergleichen. Sie geht schon in ihre Kabine, sie scheint den Weg zu kennen. Auch recht, jedenfalls schien sie nicht mehr so sauer. Shuhelia zuckt die Schultern und geht nun auf den Matrosen zu, der immer noch herumsteht.

"Kann er, äh, können sie mir jetzt den Weg zum Deck weisen?"

Abgebrannt und mehr oder weniger auf der Fluch, wie sie ist, kann sie sich keine Standesdünkel leisten. Zur Sicherheit setzt sie auch noch ein liebes Lächeln auf, schließlich ist der Matrose auch nur ein Mann.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Natürlich gibt es einen Tumult, als die Bullen Scibor am Boden erblicken. Rufe wie:

"WAS?"

"FEIGLINGE!"

"WAS SOLL DENN DAS?" schallen über das Feld.

Doch die Premer halten dagegen:

"DIESES SCHWEIN HAT NISCHT BESSERES VERDIENT!"

"SCNAUZE!"

"WOLLT IHR AUCH?" kommt es als Antwort zurück.

Die Schiedsrichter und vor allem die Feldgarde haben einiges zu tun, um zu verhindern, dass die Stimmung so explosiv wird, dass sie sich in einem gewaltigen Feuerball entlädt.

"Ruhe! So lasst das doch! Auseinander!" peitschen ihren Rufe den Spielern entgegen, doch die Bullen sind aufgebracht. Und die Pottwale von grimmiger Entschlossenheit erfüllt. Diesem Dreckschwein hatten sie es gezeigt und wenn ein weiterer Havener meint, sie reizen zu müssen, dann soll er doch kommen!

Erst als Ulfert - sehr zur Genugtuung der Havener, obwohl diese Tat den meisten noch lange nicht weit genug geht - eine Verwarnung über das gesamte Pottwal-Team ausspricht halten Cathal und Tibraide, die beide so eine Ahnung haben, dass Scibor wohl nicht ganz unschuldig war, ihre Teamkameraden zurück.

Die Pottwale nehmen die Verwarnung mit einem Schulterzucken hin - längst sind sie zu der überzeugung gekommen, dass die Schiedsrichter sowieso parteiisch sind.


***


Scibor wird derweil vom Platz geschafft. Schon will Glenna Scibors Platz einnehmen, als Cathal sie wieder zurück winkt. Die Premer sind ebenfalls einer weniger. Sollen sie etwa anschließend sagen, die Bullen hätten nur gewonnen, weil sie einer mehr waren?

Sicher, noch führen die Premer mit einem einzigen, mickrigen Punkt - Cathal hat fest vor zu gewinnen und die Pottwale vom Platz zu fegen!


***


Mag das Spiel der Bullen in den letzten Minuten langsamer und vorsichtiger geworden sein, so wird es jetzt wieder schneller, feuriger, ganz so, als ob die Flamme der Wut sie antreiben würde. Schnelle Pässe fliegen nur so über den Rasen. Zum Angriff! heißt die Devise und so könnte man meinen, ein Orkan wäre über die Pottwale herein gebrochen.


***


Doch Thorwaler sind zäh. Wie Felsen in der Brandung blocken und blockieren sie, fangen von ihren Fans schon verloren geglaubte Bälle ab und schleudern sie zurück.


***


Es ist fast so, als wäre diese letzte Phase des Spiels, kurz vor Schluss, die schnellste. Ständig ist der Kork in Bewegung, fliegt von Spieler zu Spieler. Auf der einen Seite die Bullen, nun ihrerseits von Feuer beseelt und entschlossen ein Tor zu schießen, auf der anderen Seite die Pottwale, grimmig dazu bereit, den Bullen zu lehren, wie stark, zäh und unbeugsam ein richtiger Nordmann ist und erfüllt von wohliger Befriedigung über die Bestrafung des giftigen Schlangenzwerges.


***


Ulfert sieht auf die Sonnenuhr, die die noch verbleibende Spielzeit anzeigt. Beinahe ist der Schatten über das ganze gekennzeichnete Feld gewandert. Nur noch ein kleines Stück trennt ihn von der letzten Makierung - und die Zeit schreitet unerbittlich fort.

`Bald ist es vorbei - den Zwölfen sei Dank. Grauenhaftes Spiel. Raufbolde allesamt. Gehören eingesperrt - alle. Warum immer ich?`


***


Ifirnsgiron beißt die Zähne zusammen und stürmt nach vorne. Der Kork klebt an seinem Schläger als hätte er ihn festgebunden. Ihm zur Seite stürmen Aki zur linken und rechts Hasgar. Mit der Gewalt einer Flutwelle brechen sie durch den Sperriegel, den Faerwyn und Lyn aufgebaut haben.

"Na, du liegst ja schon wieder" wirft Aki im vorbei Rennen der sich gerade fluchend wieder aufrappelnden Lyn zu.


***


Lyn ist den Tränen nahe. Selten hatte sie so ein schlechtes Spiel erlebt. Sie hatte kaum Gelegenheit sich ordentlich in Szene zu setzen, dieser ungehobelte Bauernsohn von Thorwaler scheint sie zu verfolgen und zu allem Überfluss ist ihr bei der letzten Rempelei auch noch ein Fingernagel abgebrochen!


***


Keuchend spielt Ifirnsgiron den Kork zur Seite, zu Hasgar. Sein Bein schmerzt wieder niederhöllisch. Schwarze Flecken tanzen vor seinen Augen, seine Lungen fühlen sich an, als würden lauter kleine Dämonen sie mit stechendem Feuer füllen.


***


Dunvallos Brustkorb hebt und senkt sich in kurzen Stößen. Die letzten Attacken haben viel Kraft gekostet - und doch will und will das entscheidende Tor nicht fallen. Erschöpft wischt er sich den Schweiß von der Stirn.

`Verdammt, das Spiel ist gleich vorbei!`

Der Krauskopf beißt die Zähne zusammen. Er würde aushalten! Er atmet zweimal tief ein, schüttelt kurz seine Glieder - und rennt erneut los.


***


Zwar fällt Ifirnsgiron zurück doch deswegen ist die Welle nicht gebrochen. Fast augenblicklich gesellt sich die Yeshinna zu den beiden Premern. Auch an Ragnid ist das Spiel nicht spurlos vorüber gegangen. Ihr feuerrotes Haar klebt ihr hier und dort am Schädel und auch das Trikot ist feucht. Doch nichts desto trotz scheint sie diejenige im Premer Sturm zu sein, die noch am fitesten ist, ja fast könnte man denken, sie besitze unerschöpfliche Kraftreserven.

"Los, nicht schlapp machen!" peitscht sie Hasgar und Aki auf. Als Antwort erhält sie nur zweifaches Keuchen.


***


Mit zusammengekniffenen Augen starrt Tamlin auf die näherkommenden Premer. Beinahe unbewusst streicht er sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Schweißnass! Trotzdem läuft er los. Seinen Bewegungen ist anzusehen, dass er am Ende seiner Kräfte ist, trotzdem hat er den Willen, die heran stürmenden Premer aufzuhalten.


***


Aus den Augenwinkeln sieht Ragnid Dunvallo heran rauschen.

`Schon wieder er!`

Im Laufe der letzten halben Stunde hatte es schon viele Begegnungen zwischen ihr und dem Havenaer gegeben und jedesmal konnte keiner der beiden vorher sagen, wer das Duell gewinnen würde. Und auch diesmal ist der Ausgang ungewiss. Aus dem Weg gehen wird sie ihm nicht können. Wenn sie nicht bei Hasgar und Aki bleiben müssten, könnte sie ihn vielleicht abhängen - aber die beiden sind einfach zu langsam. Wie würde es diesmal ausgehen?


***


In Romoloschs Augen funkelt es. Im Gegensatz zu seinen meisten menschlichen Mitspielern fühlt er sich gut und noch kräftig. Viel erzählt man sich über die Zwerge. Dass sie zäh seien wie Granit, stur wie Koschbasalt, ausdauernd wie Vulkane und dabei doch flink wie Quecksilber. Nun, wenn man sich Romolosch so ansieht, dann könnte man denken, dass all diese Geschichten war wären. Zwar hebt und senkt sich auch sein Brustkorb deutlich, doch beileibe nicht so stark und schnell wie die der anderen Spieler. Mittlerweile sind seine kurzen Beine kaum noch ein Hindernis. Denn wo die anderen langsamer machen, teilweise regelrecht taumeln, scheinen die Beine des Zwergen in immer noch mit beinahe unverminderter Geschwindigkeit zu tragen.


***


Irgendwann kommt unweigerlich der Punkt, an dem zwei Wellen gegeneinander prallen. So auch hier.

Ragnid sieht Dunvallos Angriff kommen und wirbelt herum. Der Havener schlittert knapp über den Boden auf sie zu, mit den Füßen voran. Gedankenschnell stößt sich die Yeshinna vom Boden ab und springt nach oben, um einfach über Dunvallo hinweg zu springen. Doch damit hat er gerechnet! Fest schließen sich seine Hände um Ragnids linken Knöchel, ziehen ihn mit Schwung zur Seite. Ragnid wird herum gerissen und rast seitwärts auf den Rasen zu.

Jeder andere wäre wohl brutal dort aufgeschlagen und erst einmal liegen geblieben. Doch nicht die Yeshinna. Mit beinahe unmenschlicher Körperbeherrschung dreht sie sich im Flug, beugt den Oberkörper und trifft mit ihrem Unterarm genau in dem Augenblick Dunvallos Bauch als der Aufprall ihr die Luft aus den Lungen treibt.

"Unent..." stößt sie hervor.

"...schieden" ergänzt Dunvallo keuchend und würgend.


***


Auch Aki und Tamlin liegen nebeneinander auf dem Boden. Tamlin war schurstracks in den Premer hineingelaufen und die Wucht des Aufpralls hatte sie Beide von den ohen hin wackligen Beinen gerissen...


***


Hasgar sucht verzweifelt nach einem Anspielpartner. Wie ein Leuchtfeuer in der Not gerät Frenhild, die Fee, in sein Blickfeld. Müde hebt er seinen Schläger - und lässt ihn keuchend aus der Hand fallen. Etwas hatte ihn im Magen getroffen und ihm die Luft aus den Lungen getrieben. Tränen treten in seine Augen während er keuchend nach Luft holt. Sein Blick senkt sich nach unten.

`Nein...`



Romolosch zieht seine Faust zurück, brummelt ein "Nichts für Ungut" in seinen dichten Bart und treibt den Kork mit einem kräftigen Schlag in die andere Richtung. In die der Pottwale nämlich.


***


Ulfert schielt erneut auf die Uhr. Gleich würde es so weit sein. Nur noch ein winziges Stück. Jeden Moment würde der Schatten die Schlussmarkierung erreicht haben und dann wäre endlich auch dieses Spiel ausgestanden!


***


Wie ein Wolf auf Beutefang segelt eine schlanke Frau durch die Luft. Ihr rotblonder Pferdeschwanz weht wie eine Fahne hinter ihr her. Geschickt fischt sie den heran fliegenden Kork aus der Luft. Katzen gleich landet sie auf beiden Beinen, taumelt kurz, fängt sich und treibt den Ball weiter.


***


Faenwulf lässt die Havenerin nicht aus den Augen. Sie muss an ihm vorbei, wenn sie ihren Weg fortsetzt. Schon ist sie heran. Schief grinsend hebt er seinen Schläger, zieht durch...


***


Raika gibt dem Kork einen kräftigen Schlag, der den Ball schnell nach vorne Rollen lässt. Ihre Beinmuskeln spannen sich, sie stößt sich ab und springt.


***


Pfeifend saust Faenwulfs Schläger durch die Luft. Doch er findet kein Ziel. Noch zu hoch als der Ball unter ihm hindurch schießt ist er doch zu tief um die springende Raika aus der Luft zu pflücken. Fast etwas ungläubig sieht der Premer der weitersprintenden Raika hinterher.


***


Ulfert kramt nach seiner Rohrpfeife.

`Wo hab ich sie denn. Sie muss doch. Achja, hier!`


***


Wirbelnde Flecken tanzen vor Raikas Augen. Ihre Seite sticht als ob irgend jemand ein Messer dort hineingestochen hätte. Taumelnd hebt sie den Schläger, holt aus. Ein befreiender Schrei hallt über das Spielfeld als sie den Kork trifft und nach vorne schlägt. Noch einmal wankt sie kurz - dann fällt sie, vor Erschöpfung kreidebleich, einfach zu Boden.


***


Fest umklammert Thorlif seinen Schläger. Seine Augen ruhen auf dem Kapitän der Havener Bullen, der trotz aller Versuche seitens der Premer ihn unschädlich zu machen tief in die Hälfte der Premer gelangen konnte. Und zu allem Überfluss ist auch die blasse Frau mit den Mandelaugen durchgebrochen!

`Verdammt, der Schiedsrichter muss dich jeden Moment pfeifen. Es kann nicht mehr lange dauern!`


***


Als würden die beiden von jeher zusammen gehören landet der Kork fast unmittelbar vor Cathals Füssen. Rasch nimmt der Kapitän der Bullen ihn auf und strebt rasanten Schrittes auf das gegnerische Tor zu. Abschätzend mustert er die bereitstehende Abwehr in Form Thorlifs und Isleifs.

`Verdammt, gleich ist das Spiel vorbei und wir liegen einen Punkt hinten. Einen einzigen, läppischen Punkt!`


***


Ulfert hebt die Pfeife an den Mund.


***


`Verdammt, ich komme nie rechtzeitig an ihm vorbei. Ich habe nur eine Chance.

Jetzt oder nie!!!`

Weit nach hinten pendelt sein Schläger. Cathal holt aus und zwar mit aller Kraft. Noch einmal taxiert er den Weg zum Tor, dann saust sein Schläger herab und katapultiert den Kork regelrecht in Richtung Isleifs Tor.


***


Der Oberschiedsrichter wirft noch einmal einen Blick auf die Sonnenuhr.

`Puh!`

Seine Backen blähen sich auf...


***


Pfeilschnell saust der Kork dahin, mit solcher Wucht geschlagen, dass es scheint, das nichts und niemanden ihn aufhalten kann. Und: Seine Flugbahn verläuft knapp über der Querleiste des Premer Tores hinweg. 3 Punkte?

Alle Augen richten sie auf den Flug des Balles, denn natürlich sieht jeder, der auch nur einmal ein Immanspiel besucht hat, dass dieser Ball, sollte er vor dem Pfiff ins Tor kommen, den Sieg für die Bullen bedeuten würde.


***


Ein schriller Pfiff ertönt und beendet das Spiel. Sogleich wird der Pfiff von zwei Fanfarenträgern aufgenommen um ebenfalls das Ende dieser Begegnung zu verkünden. Hart klatscht der Kork an die Bande direkt 'hinter' dem Tor der Pottwale.


***


`War er nun noch drin - oder nicht?`

Diese Frage schwebt regelrecht über den Köpfen der erstarrten Spieler.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Auch die Premer Fans stehen erstarrt. Schon siegreich erhobene Fäuste verharren unschlüssig in der Luft. Der Atem, den sie eben noch geholt haben, um den Sieg heraus zu jubeln, vergeht jetzt stimmlos.

`War er nun noch drin - oder nicht?`



"TOOOOOOO!! TOOOOOOOOR!! TOOOOOOOR! TOOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!"

Während auf der Premer Seite der Zuschauer die Lage eher ungewiss ist, steht für die Havenaer spätestens nach dem ersten Ruf dieser Art fest, DASS der Ball in das Tor gegangen ist mit dem Pfiff oder kurz vor diesem. Selbst wenn dem nicht so gewesen war - für sie ist dieses ein Tor, und was für eines!

"HAVENA GEWINNT!" Lautstark gellen die Schreie durch das Stadion, und die pure Menge der Bullen-Anhänger schreit ihre Freude - oder ihren Wunsch? - hinaus.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Warten auf die Entscheidung - Garulf


Die Pfeife des Schiris - der Garulfs Meinung nach selbst eine solche ist - durchbricht den Lärm des Stadions und beendet damit das Spiel.

Doch was ist das? Der Kork befindet sich plötzlich hinter dem Tor der Pottwale! Wie ist der denn jetzt da hingekommen? War das jetzt der Ausgleich oder was? Wer hat denn jetzt gewonnen?

Einfach nur fragend glotzt der dicke Smutje auf das Feld.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Die Entscheidung


Ulfert hasste es! Er hasst die aufgeladene Atmosphäre, die auch jetzt, nach Spielende noch besteht.

Vielleicht liegt es auch daran, dass er Angst hat. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass entrüstete Fans wegen einer - in ihren Augen - Fehlentscheidung auf den Oberschiedsrichter einprügeln. Warum musste auch noch diese Situation entstehen?

Hätte dieser dreimal verwünschte Cathal nicht etwas später oder - noch besser - einfach DANEBEN schießen können? Jetzt hängt es wieder einmal an ihm, eine Entscheidung zu treffen. Und egal, wie er sich entscheidet - der Verlierer ist am Ende doch er selbst.

Er spürt die Blicke ALLER auf sich Ruhen, als er die anderer Schiedsrichter herbei winkt. So etwas will (und kann) er nicht alleine entscheiden. Vielleicht haben die Anderen es ja besser gesehen und kommen zu einem eindeutigen Ergebnis?


***


Zusammen stehen sie nun, die Schiedsrichter: Der junge, rothaarige und picklige Aedin, die teigige Sylna, der strenge Randalbert von Klipp mit seinem Sonnenamulett und der junge Tulamide Kaliman. Und in der Mitte der mürrische und etwas besorgt wirkende Ulfert, der sich momentan wünscht, ganz woanders zu sein.


***


"Was ist jetzt!" ruft es aus den Reihen der Bullen. Die Stimme gehört Conn, dem muskulösen Neuling.

"Das kann doch nicht so schwer sein - wir haben gewonnen, ist doch klar!"

"Täusch dich da mal nicht, Kleiner!" schallt sofort als Antwort von Tula herüber. "Ihr wart zu spät!"


***


'Warum nur immer ich???'

Ulfert blickt seine "Mitstreiter" fragend an.

"Nun, was habt ihr gesehen?"

"Ganz klar, der war drin!" sprudelt es sofort begeistert aus ädin heraus.

Solch ein Tor hatte er noch nie erlebt.

'Das war einfach großartig, klasse, toll! Das kann doch nicht zu spät gewesen sein.'

"Das war eindeutig im letzten Augenblick!"

"Ach was! Der Kork war erst nach dem Fanfarenstoß über der Latte!"

setzt Kaliman rüde an. In seinen Augen waren die Pottwale eindeutig die bessere Mannschaft. Und

dieser Cathal sollte sich nicht immer so aufspielen.

"Das sehe ich auch so." pflichtet ihm Sylna bei.

"Es war zwar ein schönes Tor, aber leider zu spät."

'Zwei zu Eins für die Pottwale' fasst Ulfert in Gedanken zusammen.

"Randalbert?"

'Bitte kein Tor, bitte kein Tor, bitte...'

"Hm" brummt von Klipp. "Ich stand ziemlich nahe am Tor. Und meines Erachtens war der Kork genau mit dem Fanfarenstoß über der Latte. Da bin ich mir ziemlich sicher, weil er die Querlatte novh kurz gestreift hat - von oben! Und da die Innenseiten der Pfosten schon als Tor zählen, wars ein Tor im letzten Augenblick!"

'Nein, verdammt! Warum nur? Herrin HESinde, warum?'

Ulfert ist fast am Verzweifeln. Zwei zu zwei, das bedeutete, dass er die Entscheidung fällen musste.

'Auch das noch!'


***


Obwohl sie es nicht wissen, so hegen doch die Kapitäne beider Mannschaft exakt den gleichen Gedanken.

'Warum dauert das denn solange. Können sie nicht einfach sagen was war und Schluß?'


***


Ulfert grübelt. Das fanatische Jubelgeschei der Bullenfans macht es ihm nicht eben leichter.

'Mal sehen - egal, wie ich mich entscheide, eine Seite ist wütend auf mich. Ach herje... warum passiert nur mir das immer? Verdammter Mist. Ogermist! Trollhaufen!'

Jede Entscheidung kommt einem Anbändeln mit Marbo gleich, so fühlt er sich jedenfalls.

Allerdings: 'Die meisten Premer sind nur noch bis Morgen in der Stadt. Wenn ich mich zurückziehe und verstecke, dann habe ich vielleicht Glück... Die Havener hingegen...'

Ulfert schwitzt Blut und Wasser. Am liebsten würde er gar keine Entscheidung fällen. Aber er ist der Oberschiedsrichter bei diesem Spiel. Er MUSS sie fällen!

"Tor" sagt er leise.

Schon wollen Kaliman und Sylnar protestieren, als sie sein Gesicht sehen. Leidvoll verzogen und doch entschlossen es hinter sich zu bringen. Die beiden schließen wieder ihre Münder und behalten ihren Protest für sich. Ulfert hatte sich entschieden.

Von Klipp nickt und gibt dem Mann an der Punktetafel ein Zeichen. Hektische Aktivität, dann stehen dort drei Punkte mehr für die Havena Bullen.'Bringen wir es hinter uns'

Ulferts Gestalt straft sich. Und doch wirkt er irgendwie wie jemand, der sich auf dem Weg zu einer Hinrichtung befindet - zu seiner eigenen.

"DAS TOR WAR GÜLTIG" verkündet er.

"DAMIT SIEG FÜR DIE HA..."

Seine restlichen Worte gehen im lauten Jubelgeschrei der Bullen unter. Lachend reckt Cathal die Siegesfaust in den Himmel. Die restlichen Spieler stürmen auf ihren Kapitän zu, umarmen ihn und sich gegenseitig, so dass sie eine große Traube aus feiernden Bullen bildet.

Nur zwei Havener Spieler beteiligen sich nicht an dem Fest. Zum einen Lyn, die noch immer etwas abseits steht, ihren abgebrochenen Fingernagel begutachtet und sich nicht so recht freuen kann, da diese Spiel für sie persönlich eine Katastrophe war.

Und auch Dunvallo befindet sich etwas abseits der Traube: Zwar freut auch er sich, doch sein Blick gilt einer ganz bestimmten Person. Das für einen Augenblick enttäuschte Gesicht der "Tigerin" versetzt ihm einen Stich, ohne dass er genau sagen kann wieso. Für einen Augenblick verspürt er den unsinnigen Wunsch, sie hätten NICHT gewonnen, nur um sie Lachen zu sehen.


***


Die Pottwale sind enttäuscht. Sie hatten alles gegeben und waren sich sicher gewesen, für ihren Einsatz mit dem Sieg belohnt zu werden. Und bis zum letzten Herzschlag war der Sieg auch zum Greifen nahe gewesen. Und jetzt...


"Alles Schiebung"

"Die Schiris sind gekauft"

"Das wohl!"

"So eine Enttäuschung!"

"Schlangenbrut!"

"Das wohl, bei Swafnir!"


***


Frenhild sieht auf. Irgendwie spürt sie, dass jemandes Blick auf ihr ruht. Und sie kann sich schon denken wessen. Diese unselige Wette! Doch verloren ist verloren. Und sie würde bestimmt keinen Rückzieher machen, das verbot schon ihr stolz als Nordfrau.

Sie sieht Dunvallo in die Augen - und ist etwas verwirrt, als sie für einen Augenblick meint, so etwas wie Traurigkeit und Bedauern zu erkennen.

'Was soll das denn?'


***


Aki mustert Lyn wie ein Hai auf der Jagd. Wenn sie schon das Spiel nicht gewinnen konnten, so nimmt er sich vor, doch wenigstens hier einen Sieg zu erringen. Immerhin gibt es bei diesem "Spiel" keien Schiedsrichter, die parteiisch sein können...


***


Ifirnsgiron humpelt auf die Traube der Havener zu. Eine Pflicht blieb ihm noch als Kapitän der Premer. Und die würde er erfüllen, auch wenns schwer fällt. Cathal sieht den Kapitän der Pottwale kommen und schiebt sich aus der Traube heraus.

Ifirnsgiron bleibt kurz vor Cathal stehen und sieht ihm in die Augen. Stolz und Stärke stehen in ihnen. Sie mögen zwar verloren haben, aber geschlagen sind sie nicht - niemals.

"Glückwunsch für den Sieg" brummt er tonlos.

Cathal sieht ihn an.

'Wie würde ich mich wohl in dieser Situation fühlen? Hätte ich die Stärke, dies in so einer Situation zu tun?'

Ifirnsgiron hatte ihm schon während des Spiels das ein oder andere Mal Respekt abgenötigt. Auch wenn er nicht wirklich zu den besten Spielern gehörte, so war er doch ein verdammt guter Kapitän.

"Danke. Aber ihr habt auch nicht schlecht gespielt."

Mit diesen Worten hält er Ifirnsgiron die Hand hin.

Der Kapitän der Premer sieht etwas verdutzt auf die dargebotene Hand. So etwas hätte er von Cathal nicht erwartet. Der Kapitän der Bullen war viel zu bekannt dafür sich selbst als den Mittelpunkt aller Dinge zu sehen. Doch nach kurzem Zögern schlägt er ein und drückt die Hand fest.

"Es wird eine Revanche geben, damit das klar ist. Und diesmal gewinnen wir!"

Cathal muss grinsen und schließlich fängt er schallend an zu lachen. Doch es ist eher ein befreiendes, gutmütiges Lachen als ein gehässiges. Und beinahe ohne es zu wollen stimmt Ifirnsgiron laut mit ein.


***


Schließlich schleppen sich beide Mannschaften in ihre Umkleiden. Die Premer etwas früher und sichtlich enttäuscht, während sich die Bullen noch eine Zeitlang von der tosenden Menge feiern lassen.


***


Und Ulfert? Nach der Verkündigung des Siegers ist er nicht mehr zu sehen. Das hat auch einen ganz einfachen Grund: er hält es für besser, schnell nach Hause zu gehen - und dort zu bleiben, bis die Premer aus der Stadt sind.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Kommentare - Garulf, Fiana


Als die Oberflachpfeife ihre Entscheidung verkündet weicht der fragende Ausdruck aus dem Gesicht des Smutje und wird wieder durch glühende Wut ersetzt:

"SCHIEBUNG!!! WAT HÄM DIE DE HORNOCHSEN BETOHLT??? KOMM HER, ÜK SCHLOG DI DEN SCHÄDEL EIN!!! DU HRANGARSAU!!! SCHLANGENSCHWIEN !!!"

Leider stehen die Menschen vor ihm zu dichtgedrängt, als daß man schnell auf das Spielfeld gelangen könnte und leider verschwindet der Hauptschuldige zu schnell, sonst hätte Garulf seine Drohungen sicher sogleich wahr gemacht. Doch auch, wenn es nicht sofort ist, der tobende Thorwaler läßt keinen Zweifel daran, daß er es nachholen wird, sobald er Ulfert oder einen seiner Helfershelfer in die Finger bekommt und dann Gnade PRAios dem korrupten Schiedsrichter - Garulf wird es jedenfalls nicht tun ...



"WAAAAAASSSSSSSS" brüllt Fiana, als sie die gänzlich inkompetente Entscheidung des Schiedsrichters vernimmt.

"Alle gekauft jawohl!" kann sie sich nicht verkneifen und stapft wutschnaubend in Richtung des Ausganges, den Ole oder einen der anderen kann sie in diesem Gedränge nicht mehr finden.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Nicht nur die Bullen jubeln lautstark, ihre Fans, in der weit mehr als hundertfachen Anzahl, tun das auch, in extremer Lautstärke und mit einer schier endlosen Ausdauer. Die Spieler selbst sind schon längst vom Spielfeld, da tobt der Lärm im Stadion noch, und Schmährufe in Richtung der Pottwal-Fans, die so siegessicher und lautstark aufgetreten sind, werden laut.

Vereinzelt kommt es auch zu kleinen Schlägereien, aber der ganz große Krawall bleibt aus, denn der Gedanke an eine zünftige Siegesfeier in der nächsten Taverne ist doch bei vielen stärker als der Wunsch, sich mit den Nordmännern herum zu prügeln - oder verprügelt zu werden.



Für die Premer Fans ist klar, daß nicht ihre Mannschaft verloren, sondern die Schiedsrichter gewonnen haben. Der Freude über diesen Sieg geben die Nordmänner und Frauen Ausdruck, indem sie den Siegern des Spieles Beleidigungen und Schmähungen sowie Krüge, Steine und was sonst noch nicht niet- und nagelfest ist an den Kopf werfen. Glücklicherweise haben die Schiedsrichter sich in weiser Voraussicht bereits zurückgezogen, so daß keine ernsthaften Schäden entstehen.

Völlig unverständlich ist den Fans die Reaktion von Ifirnsgiron. Die Fans sind sich darin einig, die Hand des eingebildeten Oberbullen höchstens mit der scharfen Seite einer Streitaxt berühren zu wollen. Havena ist für die Fans gestorben.

NIE WIEDER HAVENA!



IN HAVENA - Im Bad der 'Bullen': Die 'Aufwartung' - Lyn und Aki


Irgendwie würde sie sich auch gerne freuen, so wie es die anderen tun. Sie hätte nun ja auch, gleich ihre Mannschaftskameraden und Kameradinnen allen Grund dazu. Immerhin haben die 'Bullen' das Spiel noch gewonnen! Dass es eine sehr umstrittene Entscheidung gewesen war, spielt keine Rolle. In ein paar Tagen spricht wahrscheinlich kein Mensch mehr davon, wie das Spiel gewonnen worden war, sondern nur noch davon, dass es für die 'Bullen' siegreich beendet werden konnte. Aber Lyn kann sich nur mäßig daran erfreuen. Erstens hat sie sich, ihrer Ansicht nach, dabei viel zu wenig in Szene setzen können und zweitens ist ihr ein Fingernagel abgebrochen. Für Lyn, die sich gerne als die Schillernde sehen will, ist dies allemal Grund genug,sich ein wenig abseits der wild feiernden 'Bullen'-Mannschaft aufzuhalten.

Während sich die anderen in der Kabine hemmungslos Schaumwein in die Kehle kippen und dabei Gesänge in den Raum schmettern, die selbst einen Oger erschreckt hätten, schleicht Lyn allein, entgegen ihrer sonstigen Art und Weise fast unauffällig zum Tauchbecken. Ein kühles Bad würde sie vielleicht erfrischen, ja vielleicht sogar aufheitern. Mißmutig hüllt sie ihren atemberaubenden Luxuskörper in ihren gelben Leinenmantel, den sie immer trägt, wenn sie in den abgelegenen Baderaum geht. Gelb musster er sein, als sie den Mantel erworben hatte. Gelb, das passt so gut zu ihren Haaren, findet Lyn.

Doch heute kann sie keinen Gefallen daran empfinden. Zögernd blickt sie in das kalte Wasser des Tauchbeckens. Vielleicht ist das Bad doch so keine so gute Idee. Lyn fröstelt es schon im voraus, doch umkehren will sie auch nicht, das würde ja bedeuten, dass sie sich durch die Feiernden hindurch zwängen müsste und nichts liegt ihr im Augenblick ferner als Frohsinn. Sogleich wird ihr noch ein wenig kälter. Sie weiß nicht was sie tun soll. Sich in einem Kreis aufzuhalten, bei dem andere im Mittelpunkt stehen als sie, da will Lyn lieber eben gar nicht zu diesem Kreis gehören. Aber so allein, ja richtig einsam zu sein, das findet sie auch nicht sehr ermunternd.

Lyn streckt prüfend eine Zehe in das Wasser. War es das kühle Nass oder das plötzliche Geräusch hinter ihr gewesen, dass sie erschrocken zusammen zucken lässt, Lyn wird auch später die Ursache ihres Erschreckens nicht so recht erklären können. Sie dreht sich herum. Da war ihr doch jemand in das Bad gefolgt. Will man sie in die ausgelassene Schar zurückholen?

Aber es war gar kein 'Bullen'-Spieler, der ihr in diesem Augenblick gegenüber steht. Es ist Aki, der ihr gefolgt war. Der Premer hält eine Flasche Schaumwein in der einen Hand und mit der anderen Hand hält er eine kleinen Zettel und übedies noch das Tuch fest, das er sich um die Hüften geschlungen hat, um seine Blößen zu bedecken, offensichtlich ist er ansonsten unbekleidet.

"Hallo!" erklärt er in munterem Plauderton. Dann blickt er verstohlen auf den Zettel und nimmt dabei in Kauf, dass das Tuch um seine Hüften ein wenig locker wird.

"Es ist mir eine Ehre euch wieder zu treffen, werte Dame!" trägt er vor, als wolle er aus einem Theaterstück zitieren.

"Was soll das?" fragt Lyn leicht verärgert.

"Ich bin hier her gekommen ...." antwortet Aki und stockt in seiner Rede, fährt dann aber nach einem kurzen Blick auf seinen Zettel fort

"... um ihnen meine Aufwartung zu machen!"

Aki hat noch nicht vergessen, dass ihn Lyn während des Spieles ziemlich hart für seine harten Unziemlichkeiten geschimpft und ihm dabei verächtlich seine barbarische Lebensweise vorgeworfen hatte. Daher hat er sich vorhin noch von Ifirnsgiron ein paar höfliche Sätze und ebenso höfliche Gesten aufschreiben lassen, denn der Kapitän der 'Pottwale' kennt sich da gut aus in den Fragen, wie man sich ordentlich benimmt. Er will bei Lyn schließlich eine gute Figur machen und hat daher den Zettel mitgenommen, denn merken könnte er sich das nie. Nur wäre es eben sehr hilfreich, wenn er das, was ihm Ifirnsgiron da flüchtig notiert hatte, nicht nur besser lesen, sondern auch irgendwie begreifen könnte. Unglücklich blickt er Lyn an und fragt sie:

"Was, bitte schön, ist eine Aufwartung?"

Fast hätte Lyn lachen müssen, die Situation ist ja auch wirklich grotesk. Sie will nicht unhöflich sein, aber es muss doch eine Möglichkeit geben diesen aufdringlichen Kerl wieder los zu werden.

"Eine Aufwartung ist etwas, dass man einer Dame auf keinen Fall dann machen sollte, wenn diese im Begriffe ist, ein Bad zu nehmen und schon halbnackt am Beckenrand steht. Also, nun bewege deine Körper so schnell wie möglich aus dieser Tür hinaus!" doziert sie mit forderndem Ton.

Es scheint fast so, als hätte Aki die Aufforderung Lyn's nicht recht verstanden. Obwohl ihm Lyn ernergisch den Weg zum Ausgang zeigt, kommt er, statt sich zu entfernen zwei Schritte näher.

"Das ist also eine Aufwartung? Komisch!"

Aki kann sich nicht vorstellen, warum ihm Ifirnsgiron aufgeschrieben haben sollte, was man bei einer Dame in ihrem Bad besser nicht tut. Da ergibt irgendwie keinen Sinn.

"Sag mal, hast du mich nicht verstanden?" fragt Lyn entgeistert.

Aki stutzt! Kann das sein, dass er etwas überhört haben könnte? In Gedanken geht er die Worte Lyn's noch einmal durch. Dann erklärt er:

"Nein, ich glaube ich habe alles richtig verstanden. Du hast gesagt, dass du ins Bad gehen willst und das trifft sich gut, denn ich habe vorhin auf dem Spielfeld ja nur deine Brüste gesehen und ... -na ja - ... der Rest interessiert mich irgendwie auch!"

So viel Frechheit ist Lyn noch nie untergekommen. Es mag ja schmeicheln, dass ihr derart viel Interesse angedeutet wird, aber das ganze wird ihr mittlerweile doch etwas zu konkret.

"Ich will baden! Und ich will alleine baden! Ist das denn so schwer zu begreifen?"

Aki wird unsicher. Um den Überblick nicht zu verlieren, zieht Aki noch einmal seinen Zettel zu Rate. Da steht klar und deutlich: Es gilt als höflich, einer Dame aus dem Mantel zu helfen. Diese Notiz bringt Aki wieder die nötige Sicherheit, jetzt kennt er sich wieder aus. Da steht immerhin eine Dame, die zudem auch noch einen Mantel trägt und die erklärt hat, nun ins Badebecken gehen zu wollen. Das wird sie ja wohl nicht mit dem Mantel über dem Leib machen wollen. Aki ist fröhlich und gut gelaunt. Die Aufgabe scheint klar wie Glas zu sein. Endlich hat er die Möglichkeit richtig höflich zu sein ...



Es ist wirklich nicht einfach höflich zu sein. Da hat Aki nun wirklich sein Möglichstes getan, um der Etikette genüge zu tun und hat doch dabei ein kleines Gefühl des Unbehagens, dass irgend etwas nicht richtig gelaufen sein könnte. Es hat doch alles ganz vorzüglich geklappt, aber Lyn scheint dennoch ungehalten zu sein, und dies, obwohl Aki ihr in vollendeter Manier aus dem Mantel geholfen hat. Es hat es Aki schon ein wenig gewundert, dass Lyn bei diesem Vorgang nicht sehr kooperativ gewesen war, aber er ist letztlich trotzdem erfolgreich gewesen und nur das zählt.

Nun steht er da, hat den gelben Mantel in der Hand und weiß nicht recht wo er dieses Kleidungsstück denn nun hinlegen soll, immerhin befinden sie sich in einem Bad und überall hier ist es feucht und klamm. Aki will das gute Stück nicht einfach in eine Pfütze legen, bestimmt ist Lyn dieser Mantel wert und teuer.

Aber Lyn hat ganz andere Probleme. Jetzt, da sie so entkleidet vor dem Premer stehen muss, kann sie sich nicht entscheiden, ob sie mit ihren Händen ihre Blößen bedecken oder lieber entblößt bleiben und eben mit diesen Händen dem Unverschämten das Gesicht zerkratzen sollte. Nachdem sie zu keiner Entscheidung kommen kann, stemmt sie sich ihre Fäuste wütend an die Seite, ihre körperliche Anmut bleibt also offen und das Anlitz Aki's unversehrt, und fordert mit einer Stimme, aus der gut und unüberhörbar unterdrückter Zorn zu vernehmen ist:

"Gib mir meinen Mantel wieder!"

Aki wird nachdenklich, war er doch bis eben noch der Meinung, perfekt höflich gehandelt zu haben. Die offenkundliche Feindseligkeit Lyn's überrascht ihn nun sehr und kommt ihm überdies auch noch sehr ungelegen, denn der momentane Anblick Lyn's geben seiner Sehnsucht nach engerem Kontakt zu dieser Frau neue Nahrung. Aber tief in seinen Gedanken rührt sich die Erinnerung, dass es unhöflich wäre, einer Frau eine Bitte abzuschlagen. Wenn sie ihren Mantel wiederhaben will, dann soll sie ihn wieder bekommen, auch wenn das so nicht auf seinem Zettel steht. Dann könnte er vielleicht auch wieder nach seinem Tuch, das er sich so neckisch um die Hüften geschlungen hatte, schauen, er hat es wohl bei seiner letzten ausgeübten Höflichkeit aus Versehen verloren. Er will Lyn den Mantel reichen, aber die wehrt plötzlich ab.

"Nein danke, ich habe es mir überlegt, du darfst ihn behalten!"

Lyn hat im letzten Augenblick bemerkt, dass nun auch Aki unbekleidet ist, sie hat es nur nicht gleich sehen können, da er ihren Mantel vor sich hin hält. Und mehr will sie auch gar nicht von ihm sehen, daher hat sie sich beeilt ihre Forderung zurück zu nehmen, die Situation ist ohnehin schon peinlich genug.

"Ja was nun?!?" Aki wird langsam etwas ärgerlich. Zuerst will sie den Mantel, dann wieder nicht. Er ist ja nun wirklich so, dass er mehr als reichlich guten Willen gezeigt hat, höflich zu sein, aber Aki glaubt in diesem Augenblick nicht, dass er den Wunsch haben könnte, auch forthin höflich zu bleiben und er wünscht jede Form von Sitte und Anstand in die Niederhölle. Sie wollte ihren Mantel, also soll sie ihn haben. Doch Aki reicht ihn Lyn nicht, er wirft ihn ihr zu.

Lyn ist zu perplex um den Mantel zu fangen. Er prallt ihr an den Bauch und fällt dann auf den Boden, mitten rein in eine große Pfütze. Aber Lyn bemerkt nicht, was da mit ihrem guten Stück, das so gut zu ihrem Haar passt, in diesem Augenblick passiert. Sie ist völlig gefangen von dem Anblick, den sie nicht hatte haben wollen, der sie, nun da er sich offenbart, aber dennoch bis ins Innerste rührt. Aki würde, so wie er dasteht, niemals seine wahren Absichten leugnen können. Dies allein könnte Lyn nicht erschüttern, sie kennt den körperlichen Ausdruck männlichen Verlangens, viel mehr überrascht sie, dass sich ihre eigene Einstellung ändert, aber noch kann sie sich ihre eigene Sehnsucht nicht eingestehen.

"Ich glaube, du verstehst noch immer nicht!" erklärt sie mit belegter Stimme und räuspert sich ein paar mal, um wieder einen überzeugenden Klang in ihre Rede zu bringen.

"Du kannst du nicht einfach zu einer Frau gehen, um sie, mit zur Schau gestellter Höflichkeit, zum Ziel deines Verlangens machen zu wollen. Da könntest du ja gleich Geld anbieten ....."

"Ja, was soll ich denn dann anbieten wenn nicht Höflichkeit oder Geld?" wird sie von Aki unterbrochen. Der junge Premer kennt sich offensichtlich nun gar nicht mehr aus. So viel Unbeholfenheit erheitert Lyn. Doch wird sie gleich darauf wieder ernst. Und wenn es keine Unbeholfenheit wäre, sondern planmässige Raffinesse? Zuzutrauen wäre es ja diesem Flegel! Die überaus dummen Frage Aki's macht es ihr auch nicht gerade leichter sachlich zu bleiben, aber eben jene Sachlichkeit braucht sie dringend, um ihre, immer lauter werdende, innere Stimme zu übertönen, die ihr geradezu hämisch einzuflüstern versucht, dass ihr der junge Premer in der Tat Dinge bieten könnte, die gerne zu empfangen sie sich noch immer verbieten will. Lyn versucht weiter zu sprechen, als habe es den Einwurf Aki's gar nicht gegeben.

"Nun ... du könntest ..." stottert Lyn vor sich hin, verzweifelt nach passenden Worten suchen "Du solltest ... Frauen ... nicht so bedrängen, ... zumindest nicht so .... und überhaupt .... obwohl du ein stattliches Argument hast ... jedenfalls ... ich meine ... sogar ein sehr stattliches Argument ... sieh mal, keine Frau der Welt würde ... und auch ich nicht ... also ... ein außerordentlich stattliches Argument ...!"

Die arme Lyn ist wirklich verzweifelt bemüht, eben nicht an diese aufregende Stelle von Aki's Körper zu starren, doch immer wieder wendet sich ihr Blick dorthin und jedesmal vergisst sie dann, was sie dem Premer eigentlich hatte sagen wollen. Alles kommt ihr plötzlich wie ein Spiel vor, genauso wie das Spiel vorhin auf dem Rasen des Immanstadions. Und Lyn will nicht wieder ein Spiel gewinnen und doch verlieren, sowie das Spiel vorhin, auf dem Rasen des Immanstadions. Vielmehr spürt sie den Wunsch diesmal zu verlieren und dabei zu gewinnen und auf einmal ist ihr alles klar und deutlich vor den Augen und sie wird diesen Weg gehen. Sie bückt sich, um den Mantel aufzuheben, bemüht dabei dem jungen Premer den Po zu zurecken, denn sie weiß, dass diese Geste Männer um den Verstand bringen kann und schreitet dann augenzwinkernd an dem völlig überraschten Aki vorbei zum Ausgang.

Aki hat eigentlich erwartet, dass Lyn wortlos den Baderaum verlassen, ihm vielleicht noch beim Hinausgehen irgendwelche Gehhässigkeiten an den Kopf werfen würde oder Ähnliches. Aber das tut sie nicht! Statt dessen öffnet sie die Tür, wirft den Mantel hinaus in die Kabine und schließt die Türe wieder. Dann geht sie entschlossen auf den regungslosen Aki zu. Sie ist jetzt wieder ganz die alte Lyn, die verführerische, die begehrenswerte, die Abenteuer suchende, eben ganz Lyn, wie man sie kennt! So kommt er nahe, noch näher, solange bis sich die Spitzen ihrer Brüste in den Oberkörper des Premers drücken und sie ihren Schoß hart bedrängt fühlt. Und sie spürt es ganz genau, sie wird gewinnen!

"Genug geredet!" erklärt sie und schlingt ihre Arme um den kräftigen Mann. Und Aki grinst und antwortet:

"Ja, genug geredet, du solltest jetzt singen!"

Lyn ist verwundert, wie erheitert.

"Ich und singen? Ich habe noch nie gesungen und ich werde auch in Zukunft nicht singen, was immer du auch mit mir anstellen wirst. Wie kommst du eigentlich darauf, dass ich singen sollte?"

"Oh, du wirst singen! Bei mir hat noch jede gesungen, das kannst du mir glauben!"

Aki hat mittlerweile den glatten Boden von Anstand und Höflichkeit gerne verlassen und ist wieder völlig ein Nordmann, stark und stur, im vollen Vertrauen an seine Kraft und seine Fähigkeiten. Lyn würde wohl sagen, er wäre wieder ganz Barbar!

"Dann wollen wir doch einmal sehen, wie du das zustande bringen willst. Du kennst die Regeln? Jeder Griff ist erlaubt! Wenn du dich traust, dann greif an ....!"

Und Aki greift an .....


***


Corry und Fieten waren beide ehemalige Immanspieler in den Reihen der 'Bullen von Havena' gewesen. Doch das ist lange her. Jetzt sind sie zu alt für diesen Sport. Da sie dem Korkball nicht mehr hinterher jagen können, haben sie eine andere Aufgabe gefunden der Mannschaft dienlich zu sein. Nach jedem Heimspiel säubern sie die Kabine der 'Bullen'. Sie tun das gerne, denn nur so haben sie noch die Möglichkeit, dem Immansport und der Mannschaft nahe zu sein. Es ist ihnen fast mehr eine Ehre als eine Arbeit, obwohl sie wirklich immer außerordentlich viel zu tun haben, denn die 'Bullen', die ja im heimischen Stadion noch nie verloren haben, hinterlassen die Kabine, nach wüsten Gelagen und Siegesfeiern, immer in einem sehr beklagenswerten Zustand. Aber Corry und Fieten beschweren sich nicht deswegen. Sie habe es, zu ihrer Zeit, nicht anders gemacht und haben daher Verständnis für die jungen Spieler.

"Heute haben sie aber besonders viel Dreck gemacht!" stellt Fieten fest.

"Es war ja auch ein heftiges Spiel. Stell dir vor, sogar Scibor ist zu Boden gegangen!" entgegnet Corry. Fieten nickt eifrig. Er kann sich an die Situation im Spiel noch gut erinnern. Als er Scibor dort liegen gesehen hatte, da war er sehr vom Wunsch beseelt gewesen, dreißig Götterläufe jünger zu sein, um den verfluchten Nordmänner einmal richtig zu zeigen, wo INGerimm den Hammer hin hängt. Aber Satinav's Kurs geht nur in eine Richtung - leider!

Fieten räumt ein paar Branntweinflaschen auf die Seite und stutzt.

"Sag mal, dieser gelbe Mantel, ist das nicht der von Lyn? Du weißt doch, das ist dieser Mantel, den sie immer trägt nach dem Spiel!"

Corry merkt auf.

"Lyn, ja ist die denn noch da? Das hat es noch nie gegeben, normalerweise ist sie doch die erste die hier abhaut!"

Fieten lauscht.

"Ich glaube, sie ist noch im Baderaum! Ich höre sie singen!"

Corry schüttelt grinsend den Kopf. Er kennt Fieten schon lange und er weiß, dass der alte Kamerad oft einmal ein wenig flunkert. Corry hat sich ja schon häufig von Fieten an der Nase herumführen lassen, der gute alte Corry ist ja auch ein wenig gutgläubig, aber dass Lyn hier im Baderaum singen sollte, das kann er nun wirklich nicht glauben. Lyn hat noch nie gesungen, nicht einmal wenn hier die gesamte Mannschaft nach einem Sieg ein Lied anstimmt, hat man es erleben können, dass Lyn mitsingt.

"Fieten, du bist ein Lügenbold, wie ihn selbst PHEx noch nicht gesehen hat! Lyn und Singen, dass glaubst du doch selber nicht!"

Aber Fieten bleibt bei seiner Behauptung und leicht verstimmt antwortet er dem Freund:

"Dann hör doch hin, du alter Narr oder hat dir das Alter schon die Ohren weg gefressen?"

Um einen Streit aus dem Wege zu gehen, spitzt nun auch Corry die Ohren und überrascht muss er feststellen, dass Fieten die Wahrheit gesagt hat.

"Da wird doch der Necker verrückt!" fährt es aus ihm heraus "Das ist tatsächlich Lyn und sie singt! Was mag mag wohl in sie gefahren sein ....?"



IN HAVENA - Am Strand: 'Tiger' und 'Tigerin' - Dunvallo und Frenhild


Aus den Augenwinkeln sieht Dunvallo auf die neben ihm sitzende »Tigerin«.

`Sie ist schön` schießt es ihm nicht zum ersten Mal durch den Kopf.

Er lächelt.

Auch Frenhild lächelt. Wenn sie daran denkt, wie es kam, dass sie nun hier mit Dunvallo auf einem Felsen am Strand sitzt und den Sonnenuntergang beobachtet...


***


"Wo willst du denn hin?" hatte sie Tula in der Umkleide gefragt, als sie sich bereits wortlos gewaschen und umgezogen hatte und in Richtung Tür ging.

"Doch nicht etwa zu diesem Ochsen, dem du dich an den Hals geworfen hast?" hatte Hasgar ungläubig und auch etwas gehässig gefragt.

"Bist jetzt Rindviechliebhaber oder was???"

"Ach halts Maul, wenn dir deine Zähne etwas bedeuten..."

Mit diesen Worten war sie gegangen...

`Diese unselige Wette... Warum habe ich mich nur darauf eingelassen, warum?`


***


Zielstrebig steuert Frenhild auf die Tür zu, die in die Hälfte der Bullen führt. Sie atmet tief einmal ein und aus.

`Es hat keinen Zweck es aufzuschieben - am besten gleich, dann habe ich es hinter mir`

Kneifen und weglaufen kam für sie nicht in Frage. Sie würde sich ihr Leben lang für feige halten, wenn sie jetzt den Preis für die verlorene Wette nicht zahlte - auch wenn sie diese vermaledeite Wette dorthin wünschte, wo Pfeffer wächst.


***


Schweigsam tritt Dunvallo aus der Umkleide. Eine kleine Weile hatte er sich von der Freude über den Sieg mitreißen lassen, gefeiert und getrunken, doch irgend etwas sorfte dafür, dass er sich nicht wie sonst so richtig über ihren Sieg freuen konnte. Deshalb war er einer der ersten, der ging. Nur Lyn war noch früher gegangen, wußte Fuldigor warum.


***


Beinahe wäre er mit der »Tigerin« zusammen gerannt, die schon vor der Tür auf ihn wartete. Etwas überrascht starrt er sie für einen Moment an.

"Du?"

Frenhild verschränkt die Arme vor der Brust und sieht ihm stolz in die Augen.

"Sicher! Ich habe die Wette verloren, also bin ich hier. Oder dachtest du, ich würde kneifen?"

Die letzten Worte enthalten einen lauernden Unterton. Hatte er etwa ihr Wort in Frage gestellt? Oder hielt er das alles für ein Spiel?

"Ähm"

Der sonst so starke und gewandte Dunvallo fühlt sich etwas überrumpelt. Oh, es ist beileibe nicht so, dass er nicht schon öfters direkt nach einem Spiel weibliche Nähe genossen hätte oder dass Frenhild unattraktiv wäre - beileibe nicht, eher im Gegenteil. da ist etwas an ihr, was ihn fesselt.

`Es müssen die Augen sein, ja diese wilden Augen`

Irgendwie kommt sich Dunvallo vor, als wäre er wieder ein kleiner, unerfahrener Junge.

Frenhild hebt die Augenbraue hoch.

"Du musst das nicht tun, wenn du das nicht willst" hört sie Dunvallo sagen.

"Ich meine dass... ich.. äh..."

Verwirrung und auch Verärgerung zeichnen sich auf Frenhilds Gesicht ab. Sie wird einfach nicht schlau aus diesem Kerl. Während des Spiels schien er ganz versessen darauf, diese Wette zu gewinnen, um sie diese Nacht für sich zu haben, und jetzt stellt er ihr anheim einfach zu gehen.

So manche wäre wohl dankbar auf dieses Angebot eingegangen, doch nicht Frenhild. Ihr Stolz gebietet es ihr zu bleiben, denn eine Wette ist eine Wette! das nimmt sie sehr ernst. Und überhaupt...

"Gefalle ich dir plötzlich nicht?" fragt sie fast etwas gekränkt und mit blitzenden Augen. Nicht genug, dass er die Wette gewonnen hat - will er sie jetzt auch noch demütigen, indem er sie zurückweist, als wäre sie eine häßliche Ogerfrau?

Aus irgendeinem Grund würde sie das sehr treffen, genauso, wie sie plötzlich einen Augenblick lang fast körperlich den Wunsch verspürt, Dunvallos kräftige Hände auf ihrer Haut zu spüren.


***


Dunvallo schüttelt den Kopf.

"Nein, natürlich nicht! Ich dachte nur... Verdammt!"

`Wovor habe ich nur Angst? Es ist doch nur eine Frau. Ein recht hübsche...`

Tief in seinem Inneren flüstert eine Stimme, dass es eben nicht »nur eine Frau« ist. Nein, beileibe nicht. sie ist nicht so, wie die unzähligen anderen, die sich im regelrecht versuchten an den Hals zu werfen. Sie ist stolz und stark. Faszinierend. Geradlinig. Direkt. Wild. Eine rechte Raubkatze.

Ein breites Lächeln huscht über sein Gesicht.

"Ich darf also machen, was ich will?" versichert er sich, obwohl er sich sicher ist, die Antwort schon zu kennen.

`Jetzt kommt er also zur Sache. Seis drum` denkt sich Frenhild, als sie bejahend nickt. Eine gewisse Nervosität macht sich nun doch in ihr breit, ohne dass sie es verhindern könnte. Tapfer lächelt sie zurück.

"Das wohl"

Dunvallos Lächeln wird noch breiter, als er fortfährt:

"Dann sollten wir erst einmal etwas trinken gehen..."


***


Sie hatten einige angenehme Stunden verbracht. Dass es nicht zu dem kam, was der Wortlaut ihrer Wette implizierte, hatte ihr Interesse aneinander nur noch mehr angefasst und Frenhild musste sich eingestehen, dass es vielleicht gar nicht so übel war, die Wette verloren zu haben ---


***


Und nun saßen sie hier am Strand, sie beide allein. Sanft und doch kräftig ruht Dunvallos Arm um ihre Hüfte, während sie ihm die Hand fest auf die Schulter gelegt hat.

Rauschend platscht das Meer in Wellen an den Strand und die Praiosscheibe formt einen glühend roten Ball über dem Meer, taucht alles in ein intensives rot, dass von den schäumenden Wellen nur noch verstärkt wird. Einsanfter Wind weht durch die Luft und formt den Sand zu kleinen wellenförmigen Dünen. In der Ferne ist das Kreischen einer Möwe zu hören.

Nachdenklich sieht Frenhild zu Dunvallo hinüber - und bleckt die Zähne...


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Sanft stubst Frenhilds Zeigefinger in Dunvallos Brust.

"Eigentlich dachte ich ja, ich hätte einen Tiger vor mir und keinen Schosskater" sagt sie hinterlistig. Beinahe gleichzeitig versetzt sie ihm einen Schubs und springt auf.

"Hey!"

Dunvallo ist zu überrascht, um sofort zu reagieren. Er hatte gerade die ganze Szene auf sich wirken lassen, hatte Frenhild betrachtet, hatte verträumt den roten Schein verfolgt, der ihre Haut in rosig-roten Schimmer taucht.

"Na warte!"

Er spannt die Muskeln, eine schnelle Bewegung und schon liegt er nicht mehr im feinen Strandsand, sondern steht wieder auf beiden Füßen.

"Dir werde ich..."

Doch Frenhild ist schon nicht mehr dort, wo Dunvallo sie erwartet. Fast spielerisch ist sie ein paar Schritte weg gerannt und grinst ihn beinahe raubtierhaft an.

"Ja? Ich warte..."

`Ja, komm her mein Schöner...`

Die ganze Zeit hatte sie schon dieses Kribbeln im Bauch verspürt. Schon während des Spiels hatte Dunvallo sie fasziniert. Und obwohl er sie das ein oder andere Mal recht unsanft zu Boden geschickt hat, kann sie ihm deswegen nicht böse sein. Ja, insgeheim vermutet sie sogar, dass er nicht so hart vorgegangen ist, wie er gekonnt hätte. Erst hatte sie isch über die verlorene Wette geärgert, doch Dunvallo denkt wohl nicht daran, seinen Wetteinsatz einzulösen. Ob er nicht doch etwas schüchtern ist? Und wenn schon. Dann war er eben ihr Preis - ja, dieser Gedanke gefiel ihr - und sie würde sich ihn nicht entgehen lassen!


***


Zwei Raubkatzen jagen durch den Sand. Nur einige Möwen schauen zu. Immer weiter versinkt die Praiosscheibe im Meer, ihre letzten roten Strahlen tauchen den Strand und die beiden Körper in tiefes Rot. Und dann plötzlich blitzt der Sternenhimmel über ihren Köpfen.


***


"Hab dich" ruft Dunvallo und springt nach vorne.

Katzengleich weicht Frenhild zur Seite aus.

"Denkste" ruft sie lachend.

Gerade noch rechtzeitig erkennt Dunvallo dieses Manöver reißt die Arme nach vorne und rollt sich geschickt ab, bevor sein Kopf über den Sand rutschen würde. Schon steht er wiede auf den Beinen, doch die »Tigerin« ist schon wieder hinter einer Düne verschwunden.


***


Aufmerksam schleicht Dunvallo auf die Düne zu. Seine Füße scheinen kaum den Boden zu berühren. Er wurde in Al`Anfa geboren und dort lernt man schnell eine Lektion: Entweder du bist Räuber - oder Beute. Bisher hatte er sich stets behauptet - aber heute ist er die Beute.

Mit einem raschen Sprung löst ich Frenhild aus der Dunkelheit, schießt auf Dunvallo zu und umschlingt ihn wieder, wie sie es auch schon bei dem Spiel getan hatte. Ihre starken Arme liegen fest um Dunvallos Nacken und ihre Beine umschließen seine Hüften. Ganz nah ist ihr Gesicht dem seinen, so nahe, dass sich ihrer beiden Atme berührt, vermischt.

"Ich habe dich, mein Tiger" schnurrt sie und drückt ihm einen Kuss auf die Lippen. Selbst wenn Dunvallo gewollt hätte - er hätte nichts dagegen gesagt. Immer noch die Lippen fest aufeinander gepresst sinken sie in den weichen Sand der Düne...


***


Zwei Raubkatzen liegen im Sand.

Über ihnen die Sterne

Und von Ferne

hört man nur das Rauschen der Wellen am Strand...




IN HAVENA - In der Kabine der 'Pottwale': Stilles Glück am Leidenslager - Thinmar und Algrid


Der alte Walgrimm streicht sich den langen, eisgrauen Bart und grummelt leise vor sich hin. Das macht er zwar schon immer, solche Äußerlichkeiten haben nichts zu bedeuten, doch für Thinmar klingt es wie eins schlechtes Vorzeichen.

"Wie geht's ihr?" fragt er mit belegter Stimme.

Doch der Alte schweigt und verschwindet wieder in in den abgedunkelten Raum, den er nur kurz verlassen hatte, aus Gründen, die nur dem alten Druiden bekannt sind, wie ein blinder Maulwurf, der mal eben seinen bau verläßt, um nachzusehen, wie das Wetter sein könnte.

Thinmar wollte schon zackig folgen, getieben von Sorge und Ungeduld, doch schon ein mahnendes Stirnrunzeln Walgrimms genügt, um den heißblütigen Stürmer aus Prem wieder brav kehrt machen zu lassen. Es wäre nicht gut, sich mit dem alten Walgrimm anzulegen, selbst Faenwulf, Ragnid und Ifirsgiron begegnen dem Druiden mit ausgesuchtem Respekt. Schon seit ewigen Zeiten, selbst Thinmar's Vater kennt den Druiden noch aus frühesten Jugendzeiten als den Heiler der 'Pottwale', müht sich der Alte darum, die Gebeine der Spieler aus Prem wieder gerade zu biegen, wenn sie krumm und bucklig vom Spielfeld getragen werden

Isleif und Thorlif erscheinen. Sie scheinen in ein heiteres Gespräch vertieft zu sein, denn sie lachen und scherzen. Offensichtlich besprechen sie gerade, welchem Spieler der 'Bullen von Havena' sie beim Rückspiel, zu welchem Zeitpunkt, welchen Knochen zu brechen gedenken und erörtern außerdem die Frage, ob man Schiedsrichter nicht schon VOR dem Spiel windelweich prügeln sollte, damit sie WÄHREND des Spiels nicht auf dumme Gedanken kommen. Doch als sie sich Thinmar nähern, verstummen ihre trotzigen Reden und ihre Gesichter sind von Sorge umwölkt.

"Wie geht es ihr?" fragen sie zögernd, als wüßten sie schon, dass ihnen die Antwort nicht gefallen wird.

Thinmar blickt zu Boden, fährt sich mit der Hand über das Haar, als wolle er Zeit gewinnen, er läßt sich viel Zeit mit der Antwort.

"Es geht ihr schlecht! Walgrimm gibt keine Antworten, er brummt nur vor sich hin. Es muss sehr ernst sein ...!"

Thinmar er setzt sich hin, springt auf, setzt sich wieder .... er kommt einfach nicht zur Ruhe. Thorlif und Isleif stehen ratlos daneben und sehen ihm bei seinen reichlich sinnlosem Tun zu. Sie würden so gerne helfen, aber sie wissen nicht wie. Doch wird ihnen diese Sorge, Tsa sei Dank und immer iweder Dank, prompt abgenommen. Die Türe öffnet sich quietschend, in Havena scheint es kein Schmiere zu geben, und Walgrimm schlurcht in das Zimmer. Er nickt Thinmar zu.

"Sie will dich sehen!"

Thinmar schießt in die Höhe und hastet hin zur Türe. Doch als er an Walgrimm vorbeieilen will, hält ihn der Druide, mit einer für sein Alter erstaunlicher Kraft, am Arm fest und ermahnt ihn.

"Mach's kurz, Söhnchen! Es hat sie schlimm erwischt und sie braucht jetzt Ruhe, verstanden?"

Thinmar nickt, und ob er verstanden hat! Als der Rastlose nun in das Zimmer eilt, lächelt Walgrimm. Führwahr, es hat noch nicht viele gegeben, die den alten Heiler haben lächeln sehen und daher hat dieses Lächeln für Isleif und Thorlif auch etwas bedrohliches an sich.

"Macht euch keine Sorgen, Jungs!" erklärt der Alte "Sie wird's überstehen ..... und Thinmar auch, denke ich!"



Immer wieder gibt bei dem Kampf um den Korkball kleinere oder größere Verletzungen, das ist nichts Neues. Imman ist eben keine Sport für verweichlichte Stutzer. Diesmal aber, war es doch schlimmer gekommen, als dies normalerweise üblich ist. Thinmar ist noch immer ein wenig sauer, dass er nicht mehr die Gelegenheit haben durfte, den kleinen, widerlichen Schuppenkopf selbst zu zerlegen. Er ist aber Faenwulf und den anderen von Herzen dankbar, dass sie dies für ihn erledigt hatten und dem kleinen kriechenden Eierdieb das haben zukommen lassen, was er rechtens verdient hatte.

Doch das ist nun, in diesem Augenblick, alles wie Regen vom letzten Jahr. Leise, fast andächtig nähert sich Thinmar dem Bett, dass dort im Dunkeln steht. Man kann fast nichts sehen, nur eine kleine Kerzen bemüht sich um ein wenig Licht im Raum, das Fenster ist verhangen. Zuviel Licht wäre nicht gut für Verletzte, pflegt Walgrimm zu sagen, aber wahrscheinlich ist das nur eine Ausrede und es ist Walgrimm selbst, der das Licht der Sonne nicht besonders mag. Aber was auch immer, Walgrimm muss es wissen, mehr als drei Generationen Immanspieler aus Prem haben seinen Künsten bedingungslos vertraut und sie sind immer sehr gut damit gefahren.

"SWAfnir mit dir, du Held!" flüstert eine weibliche Stimme in das düstere Zimmer hinein. Algrid würde gerne etwas lauter Reden, aber das strengt sie noch zu sehr an.

"SWAnir auch mir dir, du Heldin!" antwortet Thinmar.

"Ich habe schon davon gehört, wie du dich eingesetzt hast, nachdem mich dieser kleine Dreckfresser über die Keule hat springen lassen. Hast dich ja ganz schön angelegt mit den Schiedsrichtern, kein Wunder, dass du hast hinaus marschieren müssen .... !"

Algrid hustet und man kann hören, es tut ihr noch sehr weh, aber dann geht ihr Atem wieder gleichmäßig und tief, keine Spur mehr von Schmerzen. Zumindest läßt sie sich nichts anmerken. Der alte Walgrimm hat zwar gute Arbeit geleistet, alle Knochen sind wieder heil und auch die inneren Blutungen sind gestoppt. Es heißt, Walgrimm's Heiltränke können sogar Tote wiedererwecken. Aber die beißenden Schmerzen werden Algrid wohl noch einige Zeit begleiten. Auch die hohe Heilerkunst hat irgendwo ein Ende.

"Wie fühlst du dich?" fragt Thinmar leicht unbeholfen.

"Ach, es geht schon wieder! Der alte Walgrimm hat meine Knochen wieder geordnet und zusammen gebaut, so wie er das immer macht, schon seit ewigen Zeiten. Luftsprünge kann ich noch nicht machen, aber ich werde schon bald wieder spielen können!"

"Das mit den Luftsprüngen lässt du mal sauber bleiben. Der Alte hat gesagt, dass du Ruhe brauchst. Hast du mich verstanden, altes Flammenhaar!"

Algrid muss wieder lachen und wieder sind da die Anzeichen heftiger Schmerzen.

"Also, wenn da einer Ruhe braucht, dann nicht ich, sondern mehr du. Du bist ja das reinste Irrlicht, so fahrig und nervös wie du dich gibst!"

Und Thinmar schweigt beschämt. Zwar wollte er Algrids Behauptungen etwas entgegnen, aber er bleibt dann doch lieber still. Auch wenn er sich das im Moment nicht eingestehen will, so muss er Algrid doch irgendwie recht geben. Jetzt, da er sich keine großen Sorgen mehr machen muss, jetzt erst wird er sich seiner großen Unruhe bewußt.

Algrid winkt Thinmar an ihr Lager heran und der junge Premer folgt der Aufforderung zögernd, als hätte er Schelte zu erwarten.

"Sag mal, du hjaldischer Dickschädel, warum hast du das gemacht?"fragt Algrid mit einem verschwörerischen Unterton. Doch Thinmar weiß keine Antwort oder will sie nicht äußern. Er zuckt nur mit den Schulter.

"War es wegen mir?"

Auf diese Frage weiß Thinmar noch weniger eine Antwort und er windet sich, als befände er in den Umschlingungen einer Riesenschlange, die gerade versucht ihm das Gekröse aus dem Leib zu pressen. Das Thema wird ihm unangenehm, mehr oder weniger deshalb, das Algrid schon wieder Recht hat.

Algrid's Hand tastet sich zu Thinmar's Hand vor und drückt sie fest und ergeben. Thinmar erwidert den Druck. Es wird ihm heiß und kalt und auf einmal ist er sehr froh, dass es hier im Raum so dunkel ist, so kann Algrid wenigsten sicht sehen, dass er errötet. Man stelle sich das vor, der gewaltige Stürmer Thinmar, von den 'Pottwalen Prem' wird vor lauter Verlegenheit ganz rot im Gesicht.

"Ich liebe dich auch!" flüstert Algrid ihm zu. Ihre Stimme klingt müde und matt. Sie muss nun völlig erschöpft sein, denn gleich darauf sinkt sie in einen gnädigen, heilsamen Schlummer.

Thinmar hält noch immer ihre Hand und bewacht ihren Schlaf. Er spürt, dass nun immer mehr Ruhe auch in ihn einkehrt. Der alte Walgrimm hat schon recht, wir alle brauchen jetzt ein wenig Ruhe.

"Ich liebe dich auch!" raunt er der Schlafenden zu und Algrid lächelt ...



IN HAVENA - Im Hause der Comtessa: Das 'Liebesnest' - Perval und Traviana


Kurz nach Untergang der Praiosscheibe geht die Blondhaarige zur Tür des Doppelzimmer, wo sich die beiden Seeleute seit einigen Stunden vergnügen. Seitdem diese beiden sich zurückgezogen haben, sind noch zwei Paare eingetroffen. Wegen des Immanspiels und auf Grund des Feiertages kommen heute weniger Gäste als normal. Eines der Paar ist erst vor wenigen Minuten durch die Hintertür gekommen: Ein angesehener Adliger Havenas, der das Haus der Comtesse regelmäßig mit den verschiedensten "Freundinnen" besuchte. Heute ist seine Begleitung ein sehr jung aussehendes, dunkelhäutiges Mädchen, selbst für hiesige Verhältnisse. Kurz verdunkelt sich ihr Gesicht, als sie an das junge Mädchen und diesen fettleibigen alten Dreckssack denken muß, die zusammen in dem besten Zimmer im Hause sind.

Als sie an der Tür zum Doppelzimmer ankommt, verscheucht sie die dunklen Gedanken. Nichts ist zu hören im Flur. Und auch als sie den schweren Vorhang vor der Tür zurückschiebt, um leise gegen die Tür zu klopfen, kann sie von drinnen nichts hören. Mit leiser Stimme, aber so das es im Raum noch gehört werden sollte, spricht sie:

"Es ist jetzt dunkel draussen."

Sie hofft, daß sie nicht deutlicher zu werden braucht.


***


Als Perval das Klopfen an der Tür und die Worte der jungen Frau, die ihnen die Tür geöffnet hatte, vernimmt, öffnet er die Augen. In seinem Arm liegt Traviana. Er kann nicht sehen, ob sie die Augen ebenfalls geschlossen hat, aber er nimmt nicht an, daß sie schläft.

Nach dem letzten Liebesspiel sind sie zusammen in die Kissen gesunken und jeder hatte sich seinen Gedanken hingegeben. Hier im Zimmer, daß die ganze Zeit nur von den Lampen erhellt wird, hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Es hätte ihn nicht verwundert, wenn das Klopfen schon vor einiger Zeit erfolgt wäre. Mit ihrer Aktivität und Kraft hatte Traviana ihn in den letzten Stunden voll in ihren Bann gezogen. Ja, es hatte sich gelohnt, die Investition in die Flasche Schnaps, die jetzt leer neben dem Bett steht, und das Zimmer. Wenn man die Spiele der zurückliegenden Stunden bei nächster Gelegenheit wiederholen würde, ohne sich ein teures Zimmer leisten zu müssen, so würde die Geschichte auf Dauer billiger kommen, als wenn er in den Häfen gewisse andere Häuser aufsuchen würde.

Da er nicht weiß, ob Traviana das Klopfen gehört hat, streicht er ihr sanft über die Wange und flüstert:

"Ich glub, wir müssn dann wohl rus aus dem warmen Bett."



Nachdem Traviana nach einigen Sekunden sich immer noch nicht rührt und nichts erwidert, stupst Perval Traviana leicht an der Nase und sagt in leisem Ton, in der Annahme, das Traviana wohl doch in seinem Arm eingeschlafen ist "Hey du Schlafmütz, wach uff."


***


Da sich in dem Zimmer nichts regt und auch nichts zu hören ist, überlegt die Blondhaarige, ob sie noch einmal Klopfen sollte. Allerdings hatte ihr die Comtesse immer beigebracht, nicht so aufdringlich und drängend gegenüber den Kunden zu sein. Schließlich sollten sie sich in ihrem Hause wohlfühlen und ihren Aufenthalt genießen. Aber zum Genießen hatten die zwei doch wirklich genügend Zeit, denkt sie sich. Doch anstatt gleich noch einmal zu Klopfen, wartet sie doch noch lauschend einige Sekunden.



Traviana muss wohl wirklich eingeschlafen sein, denn sie hatte das Klopfen nicht bemerkt. Jetzt aber, da Perval sie aufweckt, bemerkt sie, dass sie eingeschlafen sein musste. Sie öffnet die Augen und sieht Perval an. Sie begrüßt ihn gleich mit einem warmen Lächeln.

"Bin ich wirklich eingeschlafen? Wie spät ist es? Müssen wir gehen? "



"Jo, du Schlafmütz, sieht so us." erwiedert Perval flüsternd mit einem Grinsen.

"Die Blonde hat jekloppt un sagt, dat es dunkel wär."

Mit lauter Stimme fügt er dann für die Frau vor der Tür bestimmt zu:

"Mir kommn gleech."

Einen letzten schnellen Kuß auf Travianas verlockende Lippen und Perval springt aus dem Bett, als gebe es dafür einen Preis. Wie er nicht nackter sein könnte, beginnt er seine Sachen zusammen zu suchen, die verstreut auf dem Boden liegen. Viel Ordnung hatten sie sich nicht geleistet, als sie vor einigen Stunden sich gegenseitig die Kleider quasi vom Körper rissen.


***


Vor der Tür atmet die Blondhaarige erleichtert auf, als sie die Worte des Mannes drinnen im Zimnmer hört. Und als sie kurz darauf auch noch Schritte nackter Füße wahrnimmt, weiß sie, das man die Aufforderung verstanden hat. Mit einem zufriedenem Lächeln wendet sie sich von der Tür ab und stellt sich einige Schritte weiter im Flur hin, um auf die Beiden zu warten und sie im Sinne der Comtesse zu verabschieden.



'Es ist schon dunkel? Wie schnell die Zeit vergeht...'

Traviana hatte das Klopfen gar nicht gehört. Aber jetzt, da es ihr Perval sagt, beginnt auch sie, sich ihre Kleidung wieder zusammen zu sammeln, in der Hoffnung, es würde nicht jeden Moment die Blonde durch die Tür herein kommen.

Recht schnell hat sie ihre Sachen gefunden. Da auch einige von Perval dazwischen liegen, 'wirft' sie die zu ihm 'rüber....mit einem Grinsen im Gesicht, weil sie sich daran erinnert, wie die ganze Kleidung, dort überall hin gekommen ist...



Perval hat nicht richtig mitbekommen, wie Traviana ihm sein Hemd zuwarf, als er sich gerade mit einem Stiefel in der Hand aufrichtet. So kommt es, daß er es mitten ins Gesicht abbekommt und es an seinen Kopf hängen bleibt. Mit der freien Hand nimmt er das Hemd, das seine Sicht auf null beschränkt, wie wenn Nebel dick wie Erbsensuppe ist, und bekommt gerade noch mit, wie Traviana grinst. Dieses Grinsen falsch deutend sinnt er auf 'Rache'.

'Na warte, du Luder.' Beide Sachen, Hemd und Stiefel, fallen lassend, ergreift er mit flinker Hand eine der Bettdecken und wirft diese über die sich bückende Gestalt von Traviana.



Traviana muss lachen, als sie Perval mit seinem Hemd über dem Kopf sieht...

Damit er das aber nicht merkt, nicht dass er dann beleidigt ist, beginnt sie gleich wieder, ihre anderen Sachen zusammen zu suchen.

Ganz überraschend kommt für Traviana aber, dass Perval eine der Bettdecken zu ihr herüber wirft. Sie merkt das erst ziemlich spät, und kämpft damit, nicht hinzufallen, denn Perval hat gut getroffen. Jetzt muss sie aber lachen, und versucht sich wieder aus der Decke zu befreien, um sich bei Perval zu 'rächen'.

"...Hey, das war gemein, dass bekommst du zurück..." meint sie lachend.

Und als sie sich wieder aus der Decke 'befreit' hat, versucht sie die wieder zu Perval zurück zu werfen, auch wenn ihr Wurf wahrscheinlich nicht so erfolgreich ist, da er es erstens schon wusste, und da sie bestimmt nicht so gut werfen kann, wie er das getan hatte, aber es macht ihr anscheinend richtig Spass....



Lachend schaut Perval zu wie sich Traviana aus der Decke befreit. Unterdessen nimmt er die Hose auf und steigt mit einem Bein hinein. Obwohl er gewarnt war, gelingt es ihm nicht besonders elegant die Decke mit der einen Hand abzuwehren während er mit der anderen die Hose festhält, in die er gerade gestiegen ist. Aber immerhin fällt er nicht um.

Nachdem auch das zweite Bein in der Hose steckt, der Gürtel geschlossen ist, die Füße in den Stiefeln stecken und der Mantel angezogen, wirft er die Decke achtlos aufs Bett. 'Werdn dat Bett ja eh machn.' denkt er bei sich.

Traviana anblickend wartet er nun, das auch sie fertig ist und sie gehen können.



IN HAVENA - Am Marktplatz: Traute Rückkehr - Nirka und Sigrun


Die beiden Frauen sind noch etwa eine Stunde auf dem Marktplatz, während der sie ihre Suppe in aller Ruhe aufessen - Nirka holt sogar noch eine Schüssel Nachschlag, die sie sich freundschaftlich teilen.

Doch auch diese Köstlichkeit ist irgendwann verzehrt, aber da das Wetter so schön ist, und der Platz auf dem Brunnen, von dem aus man dem bunten und geschäftigen Treiben auf dem Platz zusehen kann, ziemlich gemütlich ist, bleiben sie noch eine Weile einfach sitzen, ehe sie dann langsam und über den Platz schlendernd den Rückweg zum Schiff antreten.

Wenn jemand die beiden dabei beobachtet, ist es unverkennbar, dass sie viel Zeit haben. Weder nehmen sie den kürzesten Weg, noch beeilen sie sich sonderlich, oft bleiben sie vor einem Geschäft stehen und betrachten Dinge.

Nur... das einzige, was vielleicht doch auffallen würde, ist die Auswahl dieser Läden, denn so etwas wie Kleidung gibt es dort sicher keine. Es sind eher Läden, die mit Fischerei und Seefahrt zu tun haben, und auch die Auslagen eines Waffenmeisters sind unter dem, was sie betrachten.

schließlich, nach einer längeren Zeit des Spazierengehens und des Unterhaltens, erreichen sie wieder den Hafen, wo sich die gemütliche Art ihres Laufens fortsetzt, denn sie eilen nicht schnurgerade zu ihrem Schiff, sondern betrachten nahezu jedes der anderen Schiffe ausgiebig, und tauschen sich darüber aus.

So vergeht weitere Zeit, bis beide ihre Füße auf die Planke setzen, die sie auf das Deck der NORDSTERN führt.



IN HAVENA - Irgendwo: Späte Rückkehr -Wasuren


Wasuren streunt langsam durch die abendlichen Strassen und immer wieder trifft er Fan-Gruppen. Als er an einer lauten Kneipe in der Hafen Gegend vorbei kommt, hört er das Fangegröle von Pottwalern.

'Na da muß ich jetzt mal rein schaun, weiß ja nicht mal wie das Spiel ausgegangen ist.'

Am frühen Morgen so gegen zwei oder drei Uhr Nachts findet der gut angetrunkene Seemann, den Weg auf die NORDSTERN.



NORDSTERN - In der Suite: Schwerer Schlaf - Alkinoê


Irgend etwas stört.

Alkinoê räkelt sich ein wenig auf dem Lager. Langsam taucht sie aus den Tiefen eines traumlosen Schlafes an die Oberfläche. Sie fühlt sich schwer, unendlich schwer. Selbst ihre Augenlider scheinen ein Gewicht von mehreren Stein zu haben. Doch nach und nach wird sie sich ihrer Umgebung bewußt. Sie liegt in ihrer Kammer auf dem Lager und ihr ist heiß. Irgend etwas hat sich um sie gewickelt. Direkt vor ihrer Nase ist etwas Weiches, Flauschiges. Alkinoê erkennt darin den Pelzbesatz ihres Mantels. Anscheinend ist sie so wie sie war, noch mit ihrem Mantel auf ihr Lager gesunken.

Sie überlegt. Es erscheint verführerisch, dem Drang nachzugeben und einfach wieder einzuschlafen. Andererseits wäre es natürlich viel bequemer, sich auszuziehen und nackt zwischen die kühlen Laken zu schmiegen. Langsam gewinnt der letzte Gedanke die Oberhand, und mit einem tiefen Seufzer richtet sie sich auf.

"Huh"

Ein Schwindelgefühl läßt für einen Moment die Kammer rund um sie rotieren. Sie wartet, bis sich das Kreisen gelegt hat, und beginnt, mit müden, nachlässigen Bewegungen ihre Kleidung abzustreifen. Dabei hört sie ein dumpfes "Plock": Etwas ist auf den Boden gefallen. Ein fast zärtliches Lächeln huscht über ihr Gesicht. Sie hebt ein kleines Lederbeutelchen vom Boden auf und legt es neben das Kopfkissen ins Bett. Endlich sind Kleid und Unterkleid abgestreift und mit einem Schwung ihres kleinen Fußes in die Ecke befördert worden.

Mit einem Seufzer der Erleichterung kriecht sie zwischen die kühlen, glatten Leinendecken und genießt dabei das Gefühl, wie ihre nackten Beine über das Laken gleiten. Ganz kurz tastet die Hand nach dem Beutelchen, doch schon spürt sie, wie ihr Körper wieder hinabsinkt in einen tiefen, erholsamen Schlaf: Ein Wohlgefühl sondergleichen! Das letzte, was sie wahrnimmt, ist das Bild eines kleinen, rotbraunen Tierchens, das für einen kurzen Moment anmutig durch ihre Gedanken huscht, ihr zuzublinzeln scheint und verschwunden ist.

Dann ist Alkinoê wieder tief und fest eingeschlafen.






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