- Logbuch der Nordstern -

Im Hafen von Havena - Teil 3 - (Das 'ewige' Fest) - 30. Efferd, 28 n.H.

IN HAVENA - In dunklen Straßen: Lyrian's Erinnerungen


"Hell strahlten die Sterne am Himmelszelt, nur wenige Wolken zogen am Firmament entlang, um hin und wieder kurz die weiße Sichel zu verdecken. Ich sog die kühle Nachtluft tief, kurz und panisch ein, spürte, wie die Kälte in meinem Hals schmerzte. Doch dieser Schmerz und auch der an meinem Handgelenk war nichts, im Vergleich zu dem, den ich in meinem Herzen spürte.

Zitternd ließ ich die rechte Hand sinken, hörte das leise, helle Scheppern des Dolches, wie er auf dem festgetrampelten Grund der schmalen, dreckigen Gasse landete, auf deren Boden ich zusammengekauert an einer kalten Hauswand saß.

Irgendwo in der Ferne bellte ein Hund, dann war Stille. Eine Stille, wie sie nur des Nachts weit nach der Praiosstunde herrscht, wenn noch das Sonnenlicht auf sich warten lässt und man sich noch einsamer fühlt, weil kein Geräusch ans Ohr drängt.

Mit müdem Blick schaute ich hinab an meinem Handgelenk und betrachtete die rote Spur, die mein Blut auf den Weg zum Boden hinterließ. Ich betrachtete geistesabwesend wie die ersten Tropfen hinab fielen, auf Sumus kalten Leib trafen und dort kleine Teiche bildeten, die sich langsam zu Seen vermengten, die wiederum ein blutiges Meer bildeten. Die Zeit raste an mir vorüber und kleine Sterne tanzten vor meinen Augen, während ich die rasch anwachsende rote Lache beobachtete. Mehr und mehr trat der Schmerz zurück und ich schloss müde meine Augen.

Wann ist es bloß endlich soweit?

Wann werde ich sterben?

Wie lange dauert so etwas?

Oder bin ich vielleicht schon tot, nur merke ich es nicht?

Unendlich langsam öffnete ich meine Augen wieder, sah die rote Pfütze an meiner linken Seite und die schlaff und taub an meinem Arm hängende linke Hand mittendrin. Habe ich mit dieser Hand wirklich einst auf einer Laute romantische Lieder zu Ehren schöner Maiden gespielt?

Kraftlos kippte ich zur Seite. Ich wollte schlafen und nur noch fort von dieser kalten Welt, die mich nicht so lassen kann, wie ich will! Langsam verblassten die tanzenden Sterne und machten der Dunkelheit Platz. Schlief ich ein, wurde ich blind oder starb ich nun endlich?

Das letzte was ich noch sah, war das im Mondlicht schimmernde Blut vor meinen Augen. Dann hörte ich ihn! Ein Rauschen, wie von mächtigen Flügeln, dann, wie durch einen dunklen Nebel hindurch sehend, ein Mann, in weiten, dunklen Gewändern, der auf mich zukam und zu mir in einer unverständlichen Sprache sprach...

"Boron, nun hast du mich endlich gefunden!"


***


Nachdenklich schließt ein Mann am Kai von Havena ein kleines Büchlein mit dunkelblauen Einband. Sein weißblondes, langes Haar flattert leicht im Wind und legt ein vollkommen ebenmäßiges und schönes Gesicht mit smaragdgrünen Augen frei. Er mag noch keine Mitte Zwanzig sein, doch sein Blick scheint um Jahre älter zu wirken.

'Ist es jetzt wirklich schon zehn Jahre her?'

Mit ernster Miene blickt er auf zu einem kleinen, dunklen Ruderboot, das Kurs auf die Boronsinsel genommen hat. Auf dem Boot befindet sich, neben dem Borongeweihten, lediglich ein schlichter Sarg aus schwarzbemalten Holz. Doch für den Mann treibt mit diesem Boot wesentlich mehr davon. Eine Träne rinnt langsam über seine Wange hinab und fällt auf den Boden.

'Und wieder bin ich allein. Wieder ist ein Teil von mir gestorben.'


***


Die Strassen von Havena sind immer voll und belebt, insbesondere, wenn ein wichtiges Immanspiel in der Stadt stattfindet, doch heute erscheint es Lyrian Nachtigall so, als wäre Havena ein einziges Gebilde aus wimmelnden Gewürm. Mit ernster Miene und manchmal auch vor Ekel verzogenem Gesicht drückt sich der schlanke und gut gekleidete Mann durch die Menge, wobei er oft schützend einen Stab vor sich hält, der über und über mit bunten Mustern, die denen der thorwalschen Knoten ähneln, verziert ist. Auf seinen Rücken trägt der fast 9,5 Spann große Mann einen großen Rucksack und über seine linke Schulter hängt eine gefütterte Tasche, die unverkennbar eine Laute beherbergt.

'Schlimmer als auf einem Basar bei den Tulamiden! Selbst diese unerträgliche Lautstärke fehlt nicht!'

Lyrian war in den letzten zehn Jahren selten schlechter Laune gewesen. Mit seinem Charme hatte er reihenweise die Menschen in Verzückung gebracht und so manches Mal ist er in Betten aufgewacht, ohne zu wissen, wie er dorthin gekommen war. Die Leute hatten seine Stimme, seine Kunst und oft auch seinen Körper geliebt und er hatte es genossen und ohne Scham und Reue ausgenutzt.

Doch seit einigen Tagen ist sein Leben nicht mehr so, wie es war.

'Kranke! Auch hier sind sie. Überall strecken sie ihre vergifteten Finger auf gesunde Menschen aus und verpesten die Luft mit ihrem Todesodem. Können sie nicht einfach irgendwo vor sich hinsiechen?'

Kalt gleitet Lyrians Blick an einem alten, blassen Mann, der am Straßenrand bettelt, entlang.

'Warum ist nicht dieser kranke, unnütze Mensch gestorben? Warum Mukhadin?'

Hass schießt wie ein tödlicher Pfeil aus seinen Augen auf den Bettler, der wiederum nicht auf den Barden achtet, sondern eine reiche Frau anfleht, ihm ein paar Kreuzer zu geben. Diese eilt allerdings rasch, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, vorbei.

Auch Lyrian geht, allein mit seiner düsteren Stimmung, weiter.

Nein, in dieser Stadt will er nicht mehr länger verweilen! Aber...

einen Ort gibt es noch, den er aufsuchen möchte und sei es auch nur aus der 'Tradition' heraus, dass er den Ort und die ihm gleichartigen IMMER aufsucht!



Für viele Havener ist dieser sonnige Traviatag wohl einer der letzten, denn lange ist es nicht mehr hin bis die Zeit der Herbststürme und Regentage kommt und mit ihnen unaufhaltsam der Nebelmond Boron und somit auch der Winter. Daher gehen heute auch die meisten entsprechend gut gelaunt ihrer Wege, vor allen Dingen, da sich viele auf das Immanspiel und die Möglichkeit kurz den Alltag mit allen Sorgen und Nöten zu vergessen, freuen.

Aber es gibt auch viele, die den kalten Winter des Lebens erlebt haben. Vielleicht nicht durch den Willen des normalen Lebenslaufs, aber sie haben bereits die Erfahrung gemacht, wie es ist, mit Marbo anzubändeln und Boron herauszufordern, bis sie kurz vor der Schwelle stehen und dann doch noch einmal davon heruntergerissen werden, um ein anderes, neues Leben zu beginnen.

Doch was ist, wenn der Retter von einst selbst Boron gegenübertritt?

Lyrian Nachtigall schlurft müde durch die Straßen Havenas. Es ist nicht allein die Tatsache, dass er die letzten Nächte auf einem unbequemen Stuhl neben einem Krankenbett verbracht hatte und keinen Schlaf gefunden hatte, die ihn müde macht. Er hat das Gefühl jegliche Lebenskraft wäre wie von einem Vampir aus ihm herausgesaugt worden.

Er fühlt seine Augen unter den schweren Lidern brennen. Fast die gesamte letzte Nacht über hatte er geweint und wollte das Geschehene nicht wahrhaben. Er hatte die Medica beschimpft, die letztlich nur das tun konnte, was in ihrer Macht stand. Er hatte über den kranken und ebenfalls bereits toten Bauern geflucht. Aber all diese Verwünschungen, Flüche und Beschimpfungen hatten seinen Mentor, Freund und 'Vater' nicht zurück ins Leben holen können.

Er ist wieder so allein, wie damals vor gut 10 Jahren und am liebsten würde er das vollenden, was er damals begonnen hatte. Aber davor hat er noch etwas anderes, sehr Wichtiges zu erledigen.

Unsicher tastet er kurz nach dem Rucksack auf seinen Rücken, fühlt durch das nicht allzu dicke Leder und spürt den Grund seines Weiterlebens. Er lässt seine smaragdgrünen Augen kurz über die Passanten in seiner Nähe schweifen. Sicher, keiner von denen weiß, was er da mit sich schleppt, aber manchen Dieben ist das egal und sie nehmen einfach das, was sie greifen können.

Diese Erkenntnis vertreibt ein wenig die Müdigkeit aus Lyrians Kopf, denn nun gilt seine Aufmerksamkeit wieder etwas mehr der Umgebung.

Lyrian geht weiter seinen Weg zum Rahjatempel, wobei er in erster Linie die größeren, bekannteren Straßen nimmt. Er weiß, dass er sich mit fast hundertprozentiger Garantie verlaufen würde, wenn er eine der kleinen Nebengassen nehmen würde. Wie oft hatte er sich als Kind bzw. als Jugendlicher allein in Gareth, seiner Heimatstadt, verlaufen!

Mehr und mehr nimmt die Menschenmasse zu - ein Umstand, der dem Barden gar nicht gefällt! Schützend hält er die Tasche mit seiner Laute in seinen Armen, damit das kostbare Instrument nicht von einem Rempler beschädigt wird und dann, nach einigen weiteren Schritten, kann er auch den Grund für das Zunehmen dieser 'Menschenansammlung' erkennen - das Immanstadion!

Gequält seufzt Lyrian auf.

'Imman! So ein unnützes Spiel! Männer und Frauen, die nichts Geistreicheres zu tun haben, als einem KORKball hinterherzulaufen! Und dann dieses Publikum! Gewalt- und Sensationsgeil oder nur darauf aus, stumpfsinnige Zugucker auszurauben - alles im Grunde das gleiche dumpfe Pack!'

Reichlich missmutig betrachtet Lyrian im Gehen die Menge und fühlt sich dabei auch noch von seinem Urteil bestätigt, als er zwei grölende Anhänger der Havena Bullen über den Platz vor dem Stadion wanken sieht.

Doch dann bleibt sein Blick kurz am Eingang haften und auch Lyrian kommt zum Stehen, während er sichtlich überrascht zu einer jungen Frau hinüberblickt.

'Eine Rahjani? Hier? Vielleicht um ein paar Raufbolde zu bekehren? Möglich.'

Wieder fühlt Lyrian kurz an seinem Rucksack entlang. Gut, es ist noch da und so macht er sich langsam wieder auf seinen Weg zum Rahjatempel, auch weiterhin darauf achtend, niemandem zu nahe zu kommen.



Mit einem langen Gähnen biegt Lyrian in eine Gasse ein. Er hat seinen Blick nachdenklich auf den Boden gerichtet und grübelt, bis sich langsam ein anderer Gedanken in sein müdes Gehirn schiebt.

'Weit kann es eigentlich nicht mehr sein.'

Er bleibt stehen, sieht sich um ... und umklammert hektisch seinen Wanderstab.

"Wo bin ich?" murmelt er entsetzt.

Die Strasse, in der er sich befindet, ist ziemlich eng. Die alten Häuser mögen wohl schon seit Jahrhunderten hier stehen und dadurch, dass zwischen den einzelnen Gebäuden kein oder kaum Platz gelassen wurde und einige durchaus ein paar Stockwerke hoch sind, dringt wenig Sonnenlicht in die Gasse.

Mit vor Schreck angehaltenem Atem sieht er die Straße hinauf und wieder hinab. Sehr oft war er in Havena bisher nicht, und wenn er hier war, dann nur, um gleich darauf mit einem Schiff weiterzureisen. Nie hatte er sich genauer in dieser Stadt umgesehen, denn dann wäre er wohl in genau dieser Situation gelandet.

Kurz wendet Lyrian sich in die eine, dann in die andere Richtung, doch keine gefällt ihm so recht und unentschlossen bleibt er erstmal stehen.

Unsicher sieht er sich um. Menschen sind im Moment keine zu sehen, aber er hat das seltsame Gefühl, dass böswillige Augen aus den dunklen Fenstern auf ihn herabsehen, wie hungrige Raubtiere im Dunkel des Dschungels auf Beute wartend. Er spürt, wie sie auf seinen Rucksack sehen, erkennen, welcher Schatz darin liegt und dann ihre Giftdolche bereit machen, nur um ihn, Lyrian Nachtigall, ein Barde, kein Kämpfer, in einem unfairen Kampf zu töten.

Vorsichtig zieht er seinen leuchtend roten Umhang mehr um sich herum, denn für diese Gegend ist er mit seinen relativ sauberen Stiefeln, seiner schwarzen Samthose, seinem weißen und zudem sauberen Rüschenhemd und der weinroten Samtweste eindeutig zu reich gekleidet.

Leise knarrend öffnet sich plötzlich zu Lyrians Linken eine niedrige Holztür. Mit vor Angst leicht geweiteten Augen blickt er in das gähnende Maul dieses Monst.... äh, des Hauses und sieht... wie ein alter Mann, schwer auf einem Stock gebeugt, nach draußen humpelt, den Barden kurz freundlich mit einem "PRAios zum Gruße!" begrüßt und sich mit einem Seufzer auf die Bank vor dem Haus setzt, um sich eine Pfeife anzuzünden.

Lyrian dagegen murmelt lediglich "RAHja zum Gruße" und entschließt sich endlich, den Weg, den er gekommen war, wieder zurück zu gehen.



NORDSTERN - Oberdeck: Der Kapitän und die Kurierin- Jergan und Jandara


Wieder nickt die junge Frau.

Das Gespräch nimmt jetzt so langsam eine Wendung die ihr nicht behagt.

"Ja, ich hoffe es lenkt EFFerds wohlwollenden Blick auf die NORDSTERN, aber so gefährlich ist eine Schiffspassage bis Grangor wohl auch nicht. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass ein Schiff auf der kurzen Strecke verunglückt sein soll, oder?"

Vielleicht ist es ja doch noch möglich Kapitän Jergan ein paar Informationen über Grangor zu entlocken.



Der Kapitän runzelt augenblicklich die Stirn, als er diese Worte vernimmt.

"Es gibt, da bin ich sicher, keine Seestrecke von mehr als einigen Meilen, auf der nicht schon mindestens ein Schiff verunglückt ist. Dazu sind uns Sterblichen die Launen der Götter einfach zu unvorhersehbar, und die See einfach zu gefährlich."

Er hält kurz inne, und überdenkt seine Worte, denn schließlich will er ja niemanden vergraulen oder abschrecken.

"Vergleicht es mit einer Strecke an Land. Ihr könnt nicht einmal davon ausgehen, dass man auf der Strecke von hier bis zum Immanstadion nicht verunglücken kann, richtig? Es passiert sicher nur ganz, ganz selten, aber passieren kann es. Und so ist es auch auf See. Bis Grangor sind es von hier aus vierhundertzwanzig Meilen, das ist nicht wirklich wenig. Mir ist mehr als ein Zwischenfall auf dieser Strecke bekannt, aber die haben meist mit Unwettern zu tun - oder mit Piraten, die sich in diese Gewässer verirrt haben. Ihr habt natürlich recht, beides ist sehr unwahrscheinlich."

Aufmerksam sieht Jergan in das Gesicht der "Kurierin", um die Wirkung seiner Worte zu erkennen.



Jandara merkt, dass es nur sehr schwer ist dem Kapitän Informationen aus der Nase zu ziehen, er bleibt zwar immer höflich, aber von allein spinnt er keinen ihrer Gesprächsfäden weiter, die sie ihm zuwirft.

Außerdem drängt es sie danach, sich um Zach zu kümmern. Der arme Kerl sitzt nun schon seit ein paar Stunden dort unten in der Dunkelheit und es wird Zeit ihn einmal ans Tageslicht zu holen.

"Ja, passieren kann immer etwas Unvorhergesehenes, aber mal ganz ehrlich, Kapitän Jergan, ist nicht gerade das der Grund, der uns immer wieder zum Reisen verleitet? Doch ich muss nun in mein, ähem, Quartier, ich habe mich dort immer noch nicht so richtig eingerichtet und außerdem denke ich, ist es besser, wenn ich hin und wieder mal schaue, was mein Gepäck so macht, schließlich kann ich es ja in dem Laderaum dort unten nicht wirklich vor neugierigen Blicken schützen."

Sie versucht ihre Worte nicht vorwurfsvoll klingen zu lassen, aber es ist ihr auch nicht unrecht, wenn der Kapitän weiß, das ihre Unterkunft in Laderaum vier eigentlich nicht angemessen für sie ist.



Der leichte Vorwurf, der im letzten Satz mit schwingt, entgeht dem Kapitän nicht ganz, und sofort schleicht ein Gedanke in seinen Kopf. Doch zuvor...

"Da habt Ihr freilich recht, auch wenn es für uns von der Besatzung eher der Alltag ist, zu reisen. Unvorhergesehenes mag da zwar spannend klingen, aber meist ist es eher sehr störend."

Er lächelt dabei jedoch, denn die Spannung ist etwas, an dem auch er Gefallen hat.

"Aber ich möchte Euch nicht länger aufhalten. Und was die Unterbringung betrifft - gestern und heute früh haben wohl einige der anderen Fahrgäste das Schiff verlassen, ich könnte schauen, ob in unserer Gemeinschaftskabine eine Koje frei ist, falls Ihr möchtet."



Eine Gemeinschaftskoje? Nein, das ist nicht das, was Jandara sich wünscht. Nie ist man für sich allein, ständig schnarcht irgendn jemand oder erzeugt gar schlimmere Geräusche.

So gern sie auch aus dem Laderaum ausziehen würde, so sieht sie doch ein, dass die Gemeinschaftskoje wohl die schlechtere Alternative darstellt. Auch müsste sie Zach weiterhin ständig versteckt halten. Und das würde der Rabe ihr sicher sehr übelnehmen.

"Ach nein," antwortet sie darum, "Ich bin schon ganz gern für mich allein dort unten. Außerdem habe ich so meinen Korb im Blick. Ich transportiere nämlich Ware für den größten Parfümeur Belhankas. Aber ich danke Euch, und falls mal eine Einzelkabine frei werden sollte, dann dürft ihr gerne wieder an mich denken."

Damit nickt sie dem Kapitän noch einmal zu, dreht sich um und macht sich auf den Weg zum Niedergang.



"In Ordnung, das werde ich tun", erwidert der Kapitän der schon fast entschwindenden Frau.

Seine Gedanken verharren dann auch bei den beiden Einzelkabinen - die eine hat der Adlige Frizzi Di Vespasio, der sie sicher nicht so bald aufgeben wird, und die andere der junge Magus Darian Durenald, für den ähnliches zutreffen sollte. Und die beiden Doppelkabinen - die sind auch belegt, und dürften das wohl noch für eine Weile bleiben. Außerdem sprach sie ja von einer Einzelkabine, und da sie es halbwegs eilig zu haben scheint, verzichtet Jergan auf eine entsprechende Frage.



IN HAVENA - In den Straßen: Der Weg zum 'Liebesnest' - Perval und Traviana


Kurz überlegt Preval, ob und was er Traviana über das Haus erzählen soll. Nicht das sie denkt, er würde sie jetzt in eines der Hurenhäuser hier führen. Denn das war das Haus der Comtesse damals wirklich nicht und wird es hoffentlich heute auch nicht sein. Vielmehr ein Gasthof, wo man halt auch stundenweise die Zimmer bekommt, um ein kurzes Nickerchen zu machen oder so. Die Comtesse hatte immer drauf geachtet, daß ihr Haus nicht den Ruf eines Hurenhauses bekam. Vielmehr hatten sich die "Paare" schon immer vorher zusammengefunden und sind dann zur Comtesse für ein Zimmer gegangen. Aber wer weiß, ob Traviana in dieser Hinsicht nicht ein wenig penibel ist. Wenn sie erst mal auf dem Zimmer sind, wird er sie schon daran hindern, zuviel über das Haus nachzudenken. Aber bis dahin besser nicht zu viel erzählen.

"Zu eenem Huus, wo ich denk, dat wir een sauberes Zimmer bekommn. Is in der Näh det Hafens." antwortet er daher nur kurz und wendet sich dann wieder den Strassen zu. Zum einem, damit Traviana keine weiteren Fragen über das Haus stellt, zum anderen, da er sich wirklich nicht ganz sicher ist, wie sie jetzt am besten zur Comtesse kommen.

"Da lang müssn mir" sagt er, um Traviana weiter abzulenken und setzt in Gedanken hinzu 'glaube ich zumindest'.



Mit der Erklärung von Perval kann Traviana nicht viel anfangen...

Sie wundert sich immer noch, woher er sich hier auskennt, hält es aber nicht für nötig ihn danach zu fragen, denn sie vertraut ihm.

"Okay, dann ist es ja nicht mehr weit..."



"Nene, nur noch ein paar Schritte." untertreibt Perval, denn nach einigen Schritten sind sie immer noch auf dem Weg.

Hin und wieder bleibt Perval stehen, um sich zu orientieren. Ist halt doch schon einige Jahre her, seit er das letzte Mal das Haus der Cometesse in Anspruch genommen hatte. Aber nach und nach findet er den Weg durch Havena auch wenn er ein- oder zweimal eine Strasse zurückgehen muß.



'Ein paar Schritt, hm? '

Traviana grinst...

Offensichtlich muss er auch erst einmal überlegen, wo er eigentlich hinlaufen will...

Jetzt will es Traviana aber doch wissen! Woher kennt er das Haus, und überhaupt, woher kennt er Havena - mehr oder weniger???

"Sag mal, wie bist du denn auf dieses Haus gekommen? Warst du früher schon einmal hier?"

'Naja, das muss er wohl gewesen sein...'

Aber sie wundert sich doch ein wenig, immerhin kommt er wie sie aus Salza.

'Vielleicht war er schon einmal mit einem Schiff dort...'

Das hatte Traviana bis jetzt noch gar nicht bedacht. Vielleicht, weil das ihre erste Reise auf einem fremden Schiff war. Außer die kurzen Reisen mit dem kleinen Schiff ihres Vaters war sie noch nie weg gewesen...



'Jetzt fragt se doch noch. Wat sag ich denn jetzt?'

Schnell denkt Perval nach, was er sagen soll, um Traviana nicht zu vergraulen. 'Erst mal mit m einfachen anfang. Der Rest gibt sich schon.'

"Joo, bin schon öfters auf Reisn hier gwesn. Besonders währnd de Zeit beim Hochseeschwadron' Een paar Kameradn warn det öftern bei der Comtesse und habn davon erzählt." 'Na, dat klingt doch plausibel'. Da entdeckt Perval bei der Suche nach dem richtigen Weg einen Händler, der wohl auch Alkoholika verkauft. Zum einen ist ein Schlücken auf dem Zimmer bestimmt gut, um Traviana noch ein weniger locker zu machen, zum anderen lenkt es sie jetzt vielleicht ab, weiter zu fragen. Er bleibt stehen und nickt in Richtung des Händlers.

"Schau, dort is n Händler mit Wein un Schnaps. Wir könnt uns ne Flasche mitnehmn. Ich hab meene leider uf dem Schiff gelassen."



"Aha, ich wusste gar nicht, dass du schon einmal hier warst.."

Weiter geht Traviana aber nicht darauf ein, es ist ja auch nicht weiter wichtig...

Da macht Perval sie schon auf einen Händler aufmerksam, der gerade in der Nähe ist.

'Ja, ich erinnere mich.. die Flasche auf dem Schiff...'

"Klar, gehen wir doch einfach mal hin.."

Ihr ist natürlich klar, dass das nur eine weitere Verzögerung ist, und sie das Haus dann später erreichen werden, aber es ist keine schlechte Idee, so ein Schlückchen könnte ihr bestimmt nicht schaden...



Jetzt wo sie stehen, läßt Perval seine Hand auf Travians rechte Pobacke klatschen und legt dann seinen Arm um ihre Hüfte.

"Na, wat wolln wir denn trinkn? Nen starken Fruchtigen oda magst de lieber wat andres?"

Dabei wandern seine Augen bereits über die Auslage.



"PHEx zum Grusse" begrüßt auch Traviana den Händler.

Dann sieht sie sich erst einmal den Stand an.

'Hmm....'

Sie blickt etwas unentschlossen zu Perval.

"Such du nur etwas aus."

Sie weiß ja nicht, was Perval bevorzugt, und ihr ist es mehr oder weniger gleich, WAS sie nun nehmen, also überlässt sie das Perval......



"Haste keene Vorliebn? Ich nehm sonst ne kleene Falsche von de Plfaumeschnaps dort." erwidert Perval und deutet mit der freien Hand auf ein kleines Faß, vor dem ein Bild steht, auf dem herrliche blaue Pflaumen aufgemalt sind. Wer auch immer diese Zeichnungen gemacht hat, hatte ein Gespür für die Früchte, so lebensecht sehen sie aus. Aber solche Gedanken macht sich Perval nicht weiter, da auch schon der Händler, jetzt wo sich die Kundschaft wohl entschieden hat, rasch von seinem Faß aufsteht, und zu den zweien hinüber kommt.

"Darf es etwas von diesem herrlichen zuckersüßen Pflaumenschnaps sein, für den meine Frau nur die besten und prallsten Früchte ausgesucht hat und den ich eigenhändig gebrannt habe?" preist der Händler seine Ware an. Dabei sieht er erst Perval an, läßt dann seinen Blick zu Traviana und an ihr hinunter und hinauf gleiten, bevor er sich wieder dem Mann zuwendet, der augenscheinlich der Käufer sein wird.



Traviana sieht sich noch einmal um, obwohl sie sich eigentlich schon entschieden hat. Sie findet Pervals Vorschlag gut, sie hätte ähnlich entschieden.

"Ist okay, dann nehmen wir was davon, okay?"

Sie sieht zu Perval....



"Eine vorzüglich Wahl. Ein ganz entzückendes Tröpfchen. Kunde, die diesen probiert haben, kommen immer wieder, um sich die Flasche neu füllen zu lassen. Ihr wißt wahrlich was ein guter Tropfen ist. Darf ich Euch eine kleine Flasche füllen?" fährt der Händler in seinen Lobpreisungen seiner Ware fort, nachdem Traviana sich für den Vorschlag ausgesprochen hat und bevor Perval überhaupt Luft holen kann.

"Wenn de so gut is, dann habst Ihr jo sicher nichts dagegn, wenn wir dat Tröpfchen erst en mal probiern, oda?" fragt Perval bevor er seinerseits auf die Frage des Händlers eingeht. "Erzähln kann ma ja viel, aber ob de dann uch zu RAJha's Ehren gereicht is ne andre Frage."

"Ich könnt versichert sein, das das ein ein besonderes Tröpfchen ist. Ich würde Euch doch niemals etwas Falsches erzählen, bei PHEx." antwortet der Händler ein wenig beleidigt, dreht sich dann aber doch, um aus einem Regal zwei sehr kleine Becher zu holen. Währenddessen zwinkert Perval Traviana kurz zu und leckt sich in Vorstellung des kommenden genüßlich über die Lippen.



Da hat Perval eigentlich recht... Klar, preist der Händler seine Waren an, er will ja verkaufen...'

Aber Traviana ist recht zuversichtlich, dass sie es mögen wird. Immerhin ist sie schon länger nicht zu solch einer Gelegenheit gekommen...

Und genau darum freut sie sich auch schon darauf, mal wieder so etwas zu trinken...

Sie sieht dem Händler zu, wie er die Becher holt, sie war nicht ganz sicher, ob er das wirklich tun würde, aber anscheinend ist er davon überzeugt, dass seine Ware gut ist, und das ist doch schon mal ein gutes Zeichen!

Traviana lächelt Perval an. Sie hat es gern, wenn er ihr zu zwinkert.....



Der Händler füllt beide Becher mit dem von Perval genannten Schnaps. Er steht hierbei mit dem Rücken zu den beiden und nimmt ihnen dadurch die Sicht auf das Faß. Perval unterdessen beugt sich vor und küßt Traviana. So kommt es, daß er sich nicht darüber wundert, wie schnell der Händler mit dem Füllen fertig ist.

Mit einem "Ihr werdet sehen, das beste Tröpfchen, das Ihr in Havena findet werdet. Laßt es Euch munden" stellt der Händler die beiden Becher auf den Tresen.

Mit einem "Habt Dank." ergreift Perval beide Becher und reicht einen an Traviana weiter. Hierbei stellt er zum ersten Mal fest, wie klein die Becher sind. Und als er seinen Becher an die Nase hebt, um daran zu riechen, muß er noch betrübter feststellen, daß zumindest sein Becher nicht einmal zu Hälfte gefüllt ist.

'Alter Geizkragen.' denkt er aber der Duft des Schnapes beruhigt ihn wieder etwas. Es scheint sich wirklich um eine guten Schnaps zu handeln. Wenn der Geschmack hält was der Duft verspricht, wird er sich diesen wahrhaft schmecken lassen und eine gute Einleitung zu den nächsten Stunden bilden.

Dann prostet er Traviana zu bevor er den Becher an die Lippen führt.



'Wie schön es ist, wenn er mich küsst...'

Traviana ist auch überrascht, dass der Händler die Becher so schnell gefüllt hat, und lächelt Perval noch einmal zu, bevor sie den Becher nimmt.

Sie sieht sich den Becher an.

'Der Händler scheint seine Waren nicht umsonst so angepriesen zu haben, es scheint wirklich nicht schlecht.....'

Sie prostet auch Perval zu und will jetzt persönlich testen, ob der Händler ihnen auch nicht zuviel versprochen hat....



Mit einen Schluck ist die kleine Menge des Schnapes verschwunden. Perval steht noch einem Moment da, den Kopf leicht in den Nacken gelegt und spürt dem Schnaps nach, wie er über die Zunge die Speiseröhre hinunter in den Magen rinnt. Hierbei hinterläßt er eine spürbare Rinne, die brennt als wenn Ingerimm persönlich ein Feuer entfacht hätte und doch so lieblich ist, als käme sie direkt aus RHAjas Gärten. Als das Brennen nachläßt, kommt der Geschmack des Schnapes durch. Ein Geschmack nach reifen, süßen, saftigen Pflaumen, ganz so als würde man sie direkt vom Baum weg essen.

"Aaahhh! Wirklich een guta Tropfn. Das wohl!" tut Perval mit einem der Lieblingssprüche der Thorwaler kund. "Ihr habts wirklich net zu viel versprochen, Händler."

Dann wendet er sich Traviana zu.

"Wie isses? Wolln ma ne Flasche mitnehmen?"



Traviana nimmt einen Schluck von dem Schnaps. Und wartet einen Moment ab, um den Geschmack genauer schmecken zu können.

'hmm...gar nicht schlecht...'

Der Geschmack gefällt Traviana. Sie mag besonders den süßen Geschmack der Früchte den man bei diesem Schnaps besonders gut heraus schmecken kann.

"Das schmeckt wirklich gut....ihr hattet recht, Händler..."

Sie sieht zu Perval.

"Ja, gerne."



"Es freut mich, daß Euch dieser edle Tropfen so sehr mundet. Wie sehr wird sich meine Frau über Euer Lob freuen, wenn ich es ihr heute abend erzähle." freut sich der Händler offensichtlich über das Lob der beiden Kunden.

"Dann ma tu, Händler. Mach uns ma ne kleene Flasche von dem Schnaps da voll." ordert Perval dann denn Schnaps und wendet sich dann Traviana zu während der Händler sich daran macht, eine Flasche aus dem Faß zu füllen. Unterdessen beugt sich Perval erneut zu Traviana vor, um die letzte Feuchtigkeit des Schnapes von ihren Lippen zu küssen.

Als der Händler sich wieder umdreht, steht Perval noch immer da und liebkost Travianas Lippen. Die Gedanken des Händler drehen sich allerdings mehr um phexische Angelegenheiten.

'Das werden sicher ein paar sehr schöne Stunden, die die zwei da miteinder verbringen werden. Da fällt denen doch bestimmt nicht auf, das die Flasche nicht ganz gefüllt ist. Du bist doch ein alter Fuchs.'



Traviana ist gerade dabei, sich zu überlegen, wo sie das letzte Mal so einen guten Schnaps getrunken hat, als Perval sie küsst.

Sie ist ein wenig überrascht, aber es ist auf jeden Fall eine positive Überraschung. Traviana erwidert den Kuss gleich. Auch auf Pervals Lippen kann man noch ein bisschen den Schnaps schmecken.

Wieder dieser süße Geschmack, den Traviana so mag...

Dann fällt ihr ein, dass der Händler bestimmt daneben steht, und wartet, ihnen vielleicht sogar zusieht...

Nicht ganz freiwillig löst sie sich von Pervals Lippen, und grinst ihn und den Händler an, der anscheinend schon vorher damit fertig gewesen ist, die Flasche zu füllen....



Als Traviana sich ihm entzieht, wendet auch er sich dem Händler zu.

"Wat bin ich Euch schuldig?".

"Vier Silber nur kostet Euch dieser beste aller Schnäpse, den Ihr in weitem Umkreis bekommen könnt."

Auch wenn Perval dieses ein wenig überteuert findet, so zahlt er denn doch die geforderten vier Silber. Schließlich will er vor Traviana nicht wie ein Geizkragen dastehen und außerdem wird es Zeit, daß sie weiterkommen. Schließlich hat man ja noch was vor.

"Na denn, PHEx mit Euch und dat Euer Schnaps immer gut bleibn mag." verabschiedet er sich vom Händler, nachdem er bezahlt und die Flasche genommen hat.

"Komm lat uns weitergehn. Sonst komm ma nich mehr an."

Damit faßt er Traviana mit der anderen Hand um die Hüfte.



'Vier Silber?...nicht gerade billig.... aber es ist ja auch ein sehr guter Schnaps..'

Sie sieht den Händler aber doch ein wenig skeptisch an. Aber Perval hält den Preis wohl für angemessen, da er gleich bezahlt...

"PHEx mit Euch!" verabschiedet sich Traviana von dem Händler.

"Ja, dann geh'n wir ma weiter..." 'sind ja nur noch ein paar Schritt - angeblich...'



Den Gruß des Händlers und sein phexisches Grinsen bekommt Perval schon gar nicht mehr mit. Zu sehr ist er schon wieder damit beschäftigt, den richtigen Weg zu finden und Travianas Pobacke zu tätscheln. Doch nach einigen weiteren Strassen kommen sie langsam dem Haus der Comtesse näher und sind schließlich in der Strasse, in der das Haus liegt.

"Hier in de Strasse am Ende is dat Haus." erklärt er.

Die Straße unterscheidet sich nicht von vielen anderen in Havena. Sie liegt in einer der nicht ganz so schlechten Wohngegenden Havenas, nicht zu weit vom Hafen, als daß sich nicht die Seemänner und -frauen hierher verirren könnten, aber doch weit genug weg vom Schmutz des Hafenviertels. Die Häuser sind zumeist gut instand gehalten und sauber. Auf der Strasse ist kaum Betrieb, ein Grund mag das gerade stattfindende Immanspiel sein. Zwei oder drei Päarchen begegnen Perval und Traviana auf der langen Straße, von denen man meinen könnte, daß sie nicht unbedingt zusammen passen, so unterschiedlich sind sie. Aber doch scheinen sie sich bestens zu amüsieren.



'Das Spiel ist den Menschen hier wohl ziemlich wichtig... hier auf den Straßen ist jedenfalls nicht viel los...'

Traviana sieht die Straße entlang....

'Ja, das dahinten muss es sein...dann sind wir ja gleich da!'

Während sie die Straßen entlang laufen, sieht sich Traviana ein wenig um, denn immerhin, wenn sie schon mal in Havena ist, will sie sich doch wenigstens einen Eindruck der Gegend machen....

Aber dazu wird sie wohl nicht richtig kommen. Aber das ist ihr auch nicht soo wichtig, dass sie darauf auf Schöneres verzichten würde, was sie hier, bei Perval, bestimmt eher erleben wird....Was ist da schon im Vergleich Havena?!?!

Sie legt ihren Arm um Perval und sieht dem Haus am Ende der Straße entgegen.....



IN HAVENA - In den Gassen: Ameg allein .....


Ameg hebt noch einmal kurz die Hand und winkt Níalyn.. Phexane.. zu als sie sich zum letzten Mal umdreht. Als sie wieder nach vorne schaut lässt er die Hand langsam sinken. Er blickt den beiden die da mit der Fremden verschwinden hinterher.

...selbst als sie schon lange verschwunden sind schaut er noch in diese Richtung.

Wind spielt mit Amegs Haaren. Ein paar Tränen kommen aus Amegs Augen.. doch weinen tut er nicht. Der Wind fühlt sich kalt an, aber er trocknet die Tränen schnell. Noch immer schaut er in die Richtung in der die beiden verschwanden.

Abschied...

Ameg fühlt sich leer als er sich nach unten beugt um seinen Beutel wieder aufzuheben. Langsam dreht er sich danach um und geht.

Ziellos und Gedanken-leer wandert er durch Havena.......



Ameg wandert durch Havena und versucht nachzudenken. Doch immer wieder bleibt er zwischendurch irgendwo stehen und beobachtet Menschen, die arbeiten, die handeln, die nichts tun, die glücklich und die traurig sind und welche scheinbar ganz ohne Gefühle.. und Kinder, die spielen. Sollte er einfach mit spielen?

Aber wie sollte es weiter gehen? Er war jetzt auf sich alleine gestellt. Die NORDSTERN erschien keine so gute Idee mehr. Torin und Níalyn war weg. Und wie gehört hatte wollte auch dieser Jarun aufbrechen. Abgesehen davon, daß er wahrscheinlich eh keine gute Gesellschaft wäre. Hesindian und Alkinoe waren nett. Doch Hesindians Aufmerksamkeit war ständig woanders... der Geweihte hatte es ja nicht mal geschafft die Unterrichtsstunde abzuhalten die er geplant hatte. Und Alkinoe... sie lebte in einer anderen Welt.

Ameg könnte vielleicht auf der Nordstern arbeiten, aber als was? Am Ende würde er vielleicht noch als Gehilfe des Schiffsjungen enden. Nichts gegen Alrik, er konnte nett sein, aber das war nicht das was Ameg sich vorstellte. Ameg schüttelt den Kopf. Nein.. das war wirklich nicht das was er wollte.

"Hey.. was ist? Gefallen Dir etwa meine Waren nicht?", fragt ein Händler nahe Ameg.

"Eh.. was?", fragt Ameg verwirrt.

"Stell dich nicht neben meinen Stand und schüttel den Kopf, Kleiner. Das vertreibt mir die Kunden. Verschwinde besser, bevor ich wütend werde.", sagt der Händler.

"pff....", macht Ameg und streckt ihm die Zunge raus bevor er wegläuft.



Ameg ist sich nicht sicher was er als nächstes tun soll. Erst schien alles so klar, doch nun schien der Weg verschwunden. Gute Ideen sahen in anderem Licht betrachtet manchmal ganz anders aus.

In Gedanken spielt er seine Möglichkeiten und die vermutlichen Konsequenzen durch. Eine anstrengende und etwas verwirrende Angelegenheit für ihn. Eigentlich hat er keine Lust mehr zu planen, sondern möchte einfach irgendetwas machen, einfach leben. Eine gemeine Welt die so viel forderte und wenig gab. Ameg ist ein wenig sauer, daß er arm ist und so wenig hat. Aber wäre er reich., vielleicht würde er eines Tages so schrecklich werden wie dieser seltsame 'Edelmann' der sich mit Torin an Bord der NORDSTERN gestritten hatte.

Ameg geht immer weiter während er nachdenkt. Und so langsam führt ihn sein Weg immer mehr aus dem Zentrum der Stadt heraus. Irgendwann ist er am Ende der Strasse.. ohne es zu merken geht er noch eine Weile über lockeren Erdboden und spürt schließlich, daß seine Füsse auf irgendwie matschigem Untergrund stehen.

Ameg schaut sich um. Er ist dort angelangt wo er und die anderen gestern einige Male waren. Ein Stück vor der Stadt in einem Gebiet, welches sich irgendwie als wilde Mischung aus Wasser, Matsch, Moor und Strand beschreiben liess... und welches auch heute wieder als Kinder-Spielplatz zu dienen schien.

Eines der Kinder kommt auf Ameg zu. Ein Junge, einige Jahre älter als Ameg mit dunklen Haaren und recht dunkler Hautfarbe. Ein etwas ungewöhnliches Bild in dieser Gegend.

"Hallo", begrüsst ihn der Junge freundlich und vielleicht eine Spur zu enthusiastisch, "willste bei uns mitspielen?"



IN HAVENA - Im Tempel des EFFerd: Caiden


Caiden macht ein nachdenkliches Gesicht als Efferdan ihn nach seinem Vater fragt. Caiden hatte immer irgendwie vermutet, daß Efferdan wenigstens eine ungefähre Vorstellung von seinem Vater haben müsste. Aber Aillil hatte ihm scheinbar wirklich überhaupt nichts erzählt.

Und Caiden hatte nur Vermutungen...

"Dein Vater war vermutlich ihr größtes Geheimnis", sagt Caiden schließlich. "Auch mir gegenüber wich sie immer aus. Ich weiss, dass sie ihn wirklich liebte..."

Caiden macht eine Pause und denkt nach. War es gut Efferdan mehr zu erzählen von dem was er vermutete? Was, wenn es ihn nur noch mehr in Grübeleien stoßen würde oder seinem Bild von sich selbst schaden würde?

Aber Efferdan war inzwischen wohl alt genug. Und als Freund und Mentor von Aillil musste er wohl wenigstens einen Teil dessen vollbringen was sie nicht mehr geschafft hatte ihrem Sohn zu erzählen.

Doch Efferdan sollte selbst entscheiden ob er mehr wissen wollte:

"Nun", sagt Caiden gedehnt nach einer kleinen Pause, "sie hat nie gesagt wer dein Vater war.. Aber es gab kleine Andeutungen, Hinweise .. und ich habe Vermutungen. Ich kann dir zwar nicht seinen Namen nennen... aber vielleicht könnten meine Vermutungen und Dinge die ich zu erzählen weiß dir doch weiter helfen?"

Caiden stellt das letzte eher als Frage und schaut dabei Efferdan an. Sein Blick stellt dabei noch eine andere Frage.. er sagt:

'Bist du wirklich bereit mehr zu hören?'



Mit zittrigen Lippen bleibt Efferdan stehen.

`Das größte Geheimnis - mein Vater. Warum? Wer... wer ist er? Ein gesuchter Verbrecher? Ein Adliger, der besorgt ist wegen der Thronfolge? Ein umherziehender Elf? Oder doch ein...`

Den letzten Gedanken wagt Efferdan gar nicht weiter zu denken. »Dämonenbalg« haben ihn die anderen Jungs manchmal gerufen. Was, wenn da doch etwas Wahres dran wäre? Würde er es ertragen? Andererseits - seine Mutter war Geweihte und Dämonen können sich doch nicht an Geweihten der Zwölf vergreifen, oder? Und Aillil wäre dann wohl kaum im Tempel geblieben, oder? Und er wäre bestimmt nicht hier aufgewachsen, schließlich können Dämonen doch keine Tempel betreten, oder? Nein, das kann es nicht sein.

Doch seine Mutter muss einen Grund gehabt haben, es ihm, es all den anderen zu verschweigen. Wer war sein Vater wirklich? Vielleicht der legendäre Schwertkönig oder ein mächtiger Magier aus der Ferne, wie es sich Efferdan als Junge manchmal in seinen Träumen ausgemalt hatte?

Caiden hat Vermutungen. Immerhin etwas. Er konnte ihm vielleicht Dinge erzählen, die ihm halfen, seinen Vater zu finden.

Nur, sollte er ihn finden?

Wieder geht Efferdan der Gedanke durch den Kopf, dass es doch einen Grund geben musste, dass seine Mutter es ihm nie gesagt hat. Wollte sie ihn vor etwas schützen? Verstieß er gegen ihren Wunsch, wenn er weiter suchte?

Efferdan ringt mit sich selbst. Sein ganzer Körper scheint zu zittern, die Hände krampfen sich umeinander. Was soll er tun?

`Mutter ist tot. Aber mein Vater - vielleicht lebt er noch?`

Langsam reift in Efferdan ein Entschluss heran. Tapfer wagt er einen weiteren Schritt auf der schwankenden Brücke, der er nun einmal betreten hat.

`Zu wissen, wer mein Vater ist - selbst wenn es ein Scheusal sein sollte, der nichts von mir wissen will... das ist doch immer noch besser als diese ewige Ungewissheit, oder?`

Eine Stimme in seinem Verstand schreit »Nein«, warnt ihn davor, dass er es bereuen könnte, dass sie einmal erlangtes Wissen nie wieder auslöschen lässt, dass Nichtwissen manchmal ein Segen sein kann. Doch da ist noch eine andere Stimme. Leiser und doch durchdringender, eine Stimme, die ganz deutlich wipsert »JA«. Die Stimme seines Herzens.

`Vater ist nicht böse. Bestimmt nicht!`

Tief in seinem Inneren hat er das Gefühle, als wüßte er dies, so sicher, wie ein Mensch überhaupt etwas wissen kann.

"J--a... bitte." bringt Efferdan stockend hervor. "Jedes... jedes winzige Bißchen... würde mir... ich wäre froher... vielleicht..."

Efferdan bricht ab, unfähig weiter zu reden. Seine großen meerblauen Augen sehen zu Caiden, flehentlich und voller Hoffnung, endlich mehr von dem zu erfahren, was ihn seit langem quält.



Caiden bemerkt, daß Efferdan scheinbar wirklich sehr durcheinander ist. Der junge Mann hat sich wohl viele Sorgen gemacht wer wohl sein Vater sein mochte und was für eine Person er war. Irgendwie muß er sich dabei wohl schreckliche Sachen zusammen phantasiert haben. Caiden jedenfalls kann sich nicht so recht vorstellen, warum Efferdan so überaus große Angst zu haben scheint.

"Efferdan", sagt er ruhig, "wer auch immer dein Vater war. Und so wenig ich auch weiß, so bin ich mir vollkommen sicher, daß deine Mutter ihn wirklich geliebt hat. Ansonsten..."

Caiden stockt. Ja was weiß er denn wirklich?

"Es schien eine schwierige Liebe gewesen zu sein. Schließlich hat nie jemand deinen Vater gesehen und Fragen über ihn ist sie immer ausgewichen."

Caiden beobachtet Efferdan. Hat ihn das beruhigt? Was mag ihn nur an seinem Vater so schrecklich erscheinen.

"Hat Sie nie Dir gegenüber erwähnt, daß sie deinen Vater liebt?"

Caiden weiß nicht so recht wo die Frage herkommt und im selben Moment bereut er sie gestellt zu haben. Schließlich könnte sie Efferdan noch viel tiefer in eine seelische Krise stürzen. Doch andererseits ist Caiden auch neugierig was Efferdan weiß.



`Ob meine Mutter meinen Vater wirklich geliebt hat?`

Efferdans Gedanken schweifen zurück, zu einem lange vergangenem Zeitpunkt. Eine flüchtige Erinnerung, halb verborgen unter all den anderen Erlebnissen, ein kurzes Gespräch.


***


Efferdan sieht sich wieder, wie er acht Jahre alt ist. Er sitzt an dem alten, verkratzen Holztisch in ihrer Küche. Draußen prasselt der Regen auf das Dach und der zugige Herbswind presst das Wasser gegen die Holzläden. Überall knarrt Holz. Es ist kühl im Haus, denn es brennt kein Feuer, doch weder seine Mutter noch ihn stört das.

Vor ihm steht eine Schale mit rohem Fisch und eingelegtem Seetang. Möwenschrei von draussen durchbrechen das hohe Pfeifen des Herbststurmes. Ein einziger kleiner Gwen-Petryl ruht auf der Spitze einer Halterung in Form eines aufrechten Delphins auf dem Tisch und spendet warmes Licht. Aillil, seine Mutter, steht am Schneidebrett und hackt etwas Gemüse. Ihr Haar fällt hinten wie Wellen über ihr einfaches, mit Stickereinen - allerlei Wellenmuster, Efferdfrüchte und Meeresgetier - geschmücktes Kleid.

»Mama« hört Efferdan sich sagen.

»Mama, wie war mein Vater jetzt eigentlich?«

fragt er nun schon zum wiederholten Male, da seine Mutter ihm bisher immer irgendwie ausgewichen ist. Vielleicht würde sie ihm heute etwas sagen? Aillil hört auf zu schneiden. Sie sieht ihn nicht an, statt dessen sieht sie schräg an die Decke, es ist, als würde ihr sonst so klarer Blick in weite Ferne schweifen.

»Er ist ein wundervoller Mann. So freundlich und warm und...«

»Ja, aber warum ist er dann nicht hier?«

Aillil Blick wird fast schlagartig traurig.

»Ach mein Schatz... Komm, iss auf, ich muss noch einmal in den Tempel...«


***


`Ja, sie hat ihn geliebt...`

Efferdan spürt ein Brennen in seinen Augen und sieht hastig wieder zu Boden. Eine zeitlang steht er schweigend da. Dann öffnen sich seine Lippen und er antwortet leise.

"Doch, ich glaube, das hat sie..."

Wieder ein kurzer Moment des Schweigens.

"Aber - ich glaube... sie war oft traurig... und irgendwie hatte sie Angst... manchmal... vor irgend etwas..."

Efferdan beißt sie auf die Lippen. Er ist sich nicht sicher, woher er das weiß, doch er ist sich sicher, dass es so war. Manchmal kam es ihm so vor, als könne er es regelrecht spüren, es war, als wäre dieses Gefühl direkt greifbar im Raum gewesen. Als hätte es alles durchtränkt und sie eingehüllt.

`Warum nur? Warum?`



IN HAVENA - Im Immanstadion: Rosenquarz


Mit leuchtenden Augen verfolgt Tara ihren Bruder, als er sich durch die Menge schlängelt und sich den beiden Männern nähert, ohne daß sie ihn bemerken.

Tara bewundert ihren großen Bruder sehr. Er weiß immer, was man machen muß und was richtig ist. Solange er bei ihr ist, kann ihr gar nichts passieren. Als er ihr die Zeichen gibt und damit deutlich macht, wen sie ablenken soll, zaubert sich ein Lächeln auf ihr Gesicht, daß ihrem Bruder zeigen soll, wie sehr sie ihn mag, bevor sie zu den beiden Männern geht und sich vor sie stellt.

Mehr macht sie nicht. Sie steht einfach nur da, vor demjenigen, den sie ablenken soll, und schaut ihn mit großen Augen an. Dabei nagt sie anscheinend schüchtern an ihrem linken Daumen.


***


Isleif Torbensson bemerkt nur am Rande, daß die Premer einen Punkt erzielen konnten. Im Moment überlegt er, wo man so einen Edelstein wohl am besten loswerden könnte. Er hat keine Erfahrung mit so etwas und kennt auch niemanden, der ihm dabei weiterhelfen könnte.

Erst das kleine Mädchen, das vor ihm steht und ihn seit kurzem anstarrt, reißt ihn zurück aus seinen Gedanken. Zuerst schaut er nur kurz nach unten, lächelt die Kleine kurz an und versucht sich nicht weiter von ihr ablenken zu lassen. Doch sie gibt keine Ruhe und Isleif erwischt sich, wie er immer wieder zu ihr hinunter schauen muß, nur um zu überprüfen, ob sie es noch nicht aufgegeben hat ihn anzustarren.

Es mögen wohl ein paar Minuten vergehen, bis sich der blonde Thorwaler schließlich dazu entscheidet, die Kleine doch einmal genauer zu betrachten.

Trotz des abgetragenen Kleides und des viel zu großen Wollhemdes macht das Mädchen in Isleifs Augen einen niedlichen Eindruck. Vor allem die großen himmelblauen Augen haben es ihm angetan. Und dieses zurückhaltende Knabbern am Daumen.

Isleif kann nicht anders und muß die Kleine einfach anlächeln. Dann geht er in die Knie, so daß er selber nun sogar kleiner erscheint als das Mädchen.

"Was ist denn, Kleines? Kann ich dir helfen?“



Tara bleibt genauso stehen wie vorher, als der Mann in die Knie geht, nur ihr Köpfchen dreht sich so, daß sie ihm weiterhin in die Augen schaut.

Gial hat es ihr genau beigebracht, wie sie schauen muß, wie sie reden muß, wie sie sich bewegen muß, damit die Erwachsenen sich auf die Art und Weise um sie kümmern, wie es jetzt auch der Mann vor ihr tut. Gial hat ihr sogar beigebracht, wie man im richtigen Augenblick weinen kann. Als sie nun mit zuckersüßer und hilfloser Kinderstimme anfängt zu sprechen, löst sich tatsächlich eine Träne aus ihrem Auge.

"Ich weiß nicht, wo mein Papa ist. Hebst du mich hoch? Dann kann ich ihn bestimmt sehen."


***


Isleif bekommt Mitleid mit der Kleinen. Der Anblick des kleinen Mädchens, das nun auch noch anfängt zu weinen, berührt sein Herz, und er würde nichts unversucht lassen, um ihr zu helfen.

Auch wenn er selber nicht daran glaubt, daß die Kleine ihren Vater in der Menge wirklich entdecken wird, streckt er trotzdem die Arme nach ihr aus. Zumindest wird er so ihr Vertrauen gewinnen können.

"Wir werden deinen Papa schon finden. Komm! Ich hebe dich auf meine Schultern."

Schon faßt Isleif dem Mädchen unter die Arme, und in einem Schwung hat er sie nach oben auf seine Schultern gehoben. Die Hände umfassen ihre zierlichen Hüften, damit sie ja nicht herunterfallen mag.

"Kannst du ihn sehen?"


***


Genauso wie ihr Bruder es geplant hatte, hat der Mann Tara geholfen, und sie sitzt nun oben bei ihm auf den Schultern. Sie schaut sich um, als ob sie wirklich suchen würde, während ihre kleinen Hände sich im langen Haar des Mannes festhalten. Doch eigentlich achtet sie nur darauf, daß Gial nun den Rest seines Planes in die Tat umsetzen wird, und weit genug weg ist, wenn sie behaupten wird, ihren Vater entdeckt zu haben.



Wäre der kleine rosa Edelstein sich seines Seins bewußt, würde er sich aus seiner Ruhe gerissen fragen, was geschieht.

Es ist nicht mehr so gemütlich wie gerade eben noch. Obwohl das neue Heim genauso geblieben ist, wie vorher, hat sich doch etwas verändert. Es schaukelt und wackelt, und eine Hand hält das neue Heim fest umschlossen.

Der Rosenquarz würde die Nähe des Körpers spüren, an den er gedrückt wird. Ein neuer Körper, nicht der gleiche, der ihn vorhin in der Hand gehalten hat und ihm dann sein neues Heim geschenkt hat.

Es wäre dem Stein egal, wer ihn gerade in der Hand hält, denn seine Herrin ist es nicht. Er würde sich fragen, ob er jemals wieder die Nähe seiner Herrin spüren dürfte und würde hoffen, daß sie ihn suchen wird und ihn zurück in sein eigentliches Heim bringt.

Doch erst einmal muß sich der kleine rosa Edelstein gefallen lassen, was mit ihm geschieht.



Auch wenn der blonde Mann nicht bemerkt, wie ihm gerade der Geldbeutel abgenommen wird, Tara beobachtet ihren Bruder dabei und paßt auf, daß ihm nichts geschieht.

Auch wenn noch nie etwas schlimmes passiert ist, klopft ihr Herz jedesmal schneller vor Aufregung, denn sie weiß genau, was sie mit ihm und ihr machen, wenn er beim Stehlen erwischt wird.

Und als Gial mit der Beute verschwunden ist, macht ihr Herzchen wie jedesmal einen Freudensprung. Er ist wieder in Sicherheit, und das beruhigt Tara sehr. Denn für sie selber ist es sehr viel einfacher wieder wegzukommen.

"Da, da vorne ist mein Papa!"

Sie zeigt auf einen Punkt in der Menschenmenge, ohne wirklich auf jemanden zu deuten, und fängt an sich unruhig auf den Schultern des Mannes zu bewegen, damit dieser sie wieder hinunterläßt.


***


"Hast du ihn gesehen?"

Isleif faßt die Hüften des Mädchens und läßt das zappelnde Ding wieder hinunter. Er kann die Aufregung der Kleinen verstehen und freut sich, daß sie ihren Vater so schnell wiedergefunden hat.

Als sie auf ihren Beinen ist, kann er gerade noch fragen:

"Sollen wir zu ihm hingehen?", als sie sich auch schon schnell durch die Leute von ihm wegbewegt. Ein paar Schritte in dem Versuch ihr zu folgen macht er noch hinter ihr her, aber als sie von der Menge verschluckt wird, gibt er auf uns stellt sich mit leichten Sorgen wieder zurück zu Branwin.

'Hoffentlich hat sie ihren Vater wirklich wiedergefunden.'


***


Sobald sie wieder auf ihren Beinen steht, läßt sie keine Zeit verstreichen und beeilt sich möglichst schnell von dem Mann wegzukommen. Gial hat ihr erklärt, daß man sie nicht verfolgen darf, weil man sie beide sonst erwischen könnte. Und bei so vielen aneinander gedrängten Menschen ist es für das kleine Mädchen kein Problem, schnell vorwärtszukommen und den Mann zurückzulassen.

Die meisten Menschen machen ihr ein wenig Platz, aber auch wenn nicht, ist Tara klein genug, um sich an den Beinen vorbei zu schieben. Nur einmal schaut sie sich um, ob der Mann sie auch nicht mehr verfolgt. Gial sagt zwar immer, daß man sich nicht umdrehen darf, wenn man verfolgt wird, aber sie möchte trotzdem sicher sein. Denn erst dann will sie zum Ausgang des Stadions, wo ihr Bruder sie erwartet.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Aki ist überglücklich. Triumphierend reißt er die Arme hoch und fuchtelt mit Schläger in der Luft herum, als wolle er damit eine Möwe vom Himmel holen. Das ihm ein Tor mit höherem Punktgewinn versagt geblieben ist, kann seine überschäumende Freude nicht trüben. Und er brüllt seine Begeisterung stolz ins Feld.

"HO-HO-HO !!!"

Selig lächelnd nimmt er die Glückwünsche Ragnid's entgegen, ebenso die Gratulationen Hasgar's und Frenhild's.

"Gut gemacht, Kleiner!" erklärt die 'Fee'.

"Glück gehabt !" bemerkt Hasgar scherzend und klopft dem erfolgreichen Schützen anerkennend auf die Schultern.


***


Ifirnsgiron Arm geht nach oben, die hand zur Faust geballt. Das ist der süße Geschmack des Erfolgs. Eine Labsal für den Geist des Spiels, jawohl, das ist Imman!

'Jetzt gleich nachsetzen!' denkt sich der Kapitän der Premer Mannschaft 'Die Flammen schlagen schon hoch, und doch sollte noch nachgeschürt werden, bis sich das Stadion in Havena zur Flammenhölle wandelt ... !'

Ifirsgiron's Gedanken überschlagen sich fast ....


***


"Nimms leicht, Süßer!" bemerkt die 'Tigerin' zu Dunvallo. Aufmunternd gibt sie ihm einen Klaps auf den Hintern und kann es nicht unterlassen, kurz einmal kräftig hinein zu kneifen, so wie es 'ausgelassene' Herren in den Tavernen gerne mit den Schankmaiden zu tun pflegen. Was diesen Kerlen recht, kann der 'Tigerin' nur billig sein. Frenhild fühlt sich jetzt weider etwas befreiter und kann sich wieder ohne Unbehagen an die Wette mit Dunvallo erinnern.


***


Aki läuft, nein, er taumelt glückselig zur Mittellinie zurück. Sein Weg führt ihn an der schönen Lyn vorbei. Er grinst sie überlegen an und erklärt:

"Bei dir werde ich auch noch treffen!"


***


Auch Tula läuft wieder zurück und zieht ein hochmütige Grimasse, als sie an Faerwyn stolz vorbei geht, fast schon provokativ langsam. Nahezu alle Spieler der 'Pottwale' wollen nun wieder ihre Verteidigungspostionen einnehmen, eine doch sehr nahe liegende Strategie, denn die 'Bullen' werden ihre Bemühungen verdoppeln, jetzt, da sie im Rückstand liegen. Doch Faenwulf schickt sie mit herrischen Gesten alle wieder an die vorderste Linie zurück.

"Wir verteidigen nicht! WIR GREIFEN AN! UND WEHE DEM, DER DABEI NICHT BLUT SCHWITZT!!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen - Garulf


Da fliegt der Kork, unaufhaltsam schießt er auf das Tor der Kälbchen zu, doch dann ... eine handvoll hochspannender Augenblicke später liegt der Ball dann doch noch hinter der Torlinie, zwar nur unterhalb der Latte, aber besser als nichts.

Ist es bei einem Immanspiel nie besonders leise, so bricht nun ein geradezu rondrikanartiges Getöse los:

"TOOOOOR!! TOOOOOOR!! TOOR FÜR POTTWAL!!" erschallt es aus dem Mund des Smutje, der den fragenden Angroscho in seiner Nähe längst vergessen hat.

"TOOOOOR!! TOOOOOOR!!" erschallt es hundertfach aus der Kurve der Premer Anhänger. Zwischen die Rufe mischen sich vereinzelt einige Zeilen des Trutzburgliedes und schon bald stimmen sich mehr und mehr Premer auf die Melodie ein, so daß nach kurzer Zeit das gesamte Stadion davon erfüllt ist:

"DAS FEUER VON PREM, DAS IST MIR GENEHM!"

Doch nicht nur verbal huldigt man dem Feuer, auch durchaus handfeste Flaschen mit feurigem Inhalt werden gezückt, im Rhythmus des Liedes über den Köpfen geschwungen und schließlich geleert. Endlich ist es geschafft, Pottwal führt und das ist erst der Anfang, gemeinsam wird man SWAfnirs Willen vollstrecken.

Eine Flasche Premer Feuer fehlt einem Schiffskoch und Thorwaler, etwas abseits der eigentlichen Kurve. Seiner Lautstärke tut dies allerdings keinen Abbruch ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Aus einer Befürchtung wird innerhalb weniger Augenblicke eine traurige Gewissheit, als der Ball den Torpfosten trifft und dann IM Tor landet. Enttäuschte Schreie hallen durch das Stadion, die im infernalischen Jubelgeschrei der Premer allerdings ungeachtet ihrer eigentlichen zahlenmäßigen Übermacht unterzugehen drohen.

Die Tatsache, das es "nur" ein einzelner Punkt ist, geht dabei ebenso unter, denn es bleibt dabei, dass die Premer das erste Tor geschossen haben, und dass sie damit im Moment führen.

Doch... es gibt auch Havena-Fans, die weiterdenken, und aus dieser Richtung kommt jetzt:

"RÄCHT EUCH! KNALLT DEN BALL IN DAS ANDERE TOR!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Spiegelpanzer - Alberik


Alberik wendet sich in die Richtung, die der Schiffskoch ihm gedeutet hat, um trotz seiner geringen Größe vielleicht Wasuren ausmachen zu können, als Hjaldars Jubelschreie ihn wieder herumfahren lassen.

Das ganze Stadion scheint in diesem Moment zu brodeln, und ein wenig entsetzt muß der Angroschim feststellen, daß ihn die anfeuernden Rufe und Schreie von den Tribünen an etwas ganz anderes erinnern.

'Als ob eine Schlacht stattfinden würde. Als ob sie gleich alle ihre Waffen greifen und aufeinander zustürmen würden.'

Alberik kann sich lebhaft vorstellen, wie die Massen im Stadion sich selber mit Kampfrufen auf den Lippen anfeuernd einander auf dem Schlachtfeld gegenüber treten, um für ihre Mannschaft den sieg zu erringen.

Viele Fragen und wenig Antworten strömen auf den Angroschim ein, als er diese Feststellung macht. Erst Hjaldars Worte lenken ihn wieder davon ab.

"Meine Rüstung? Wo ist sie?"

Als ob er dadurch die Möglichkeit bekommen würde, tatsächlich über die Menschen schauen, stellt sich Alberik auf die Zehenspitzen und streckt sich so weit er kann.

"Ist sie noch bei Wasuren? Was macht er denn damit?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Spiegelpanzer - Hjaldar


"Bifall scheppern, so wie sich dat ankiekt." grinst Hjaldar. "Da ganz vörne, bi dem Tor von den fußlahmen Karrenochsen..." wieder deutet er die Richtung an.

Jetzt kann er sich die Frage aber nicht verkneifen:

"Wat di eegentlich towarm, oder wieso hess din zwoote Haut ut trekken?"



'WAS macht er?' denkt Alberik entsetzt.

Ein Bild erscheint vor seinem geistigen Auge. Es zeigt Wasuren mitten in der Menge mit seinem Spiegelpanzer und einem großen Hammer, mit dem er immer wieder auf die Metallplatten der Rüstung schlägt, um so ein möglichst lautes Geräusch zu erzeugen.

Als Hjaldar ihn fragt, weshalb denn nicht er selber seine Panzerung trägt, wird der Angroschim schon ein wenig unruhig. Vor lauter Aufregung fällt ihm noch nicht einmal auf, daß er den Thorwaler trotz seiner schrecklichen Aussprache deutlich verstehen konnte.

"Das ist eine lange Geschichte, Hjaldar."

Kurz hält er inne und überlegt, wieviel Zeit ihm noch bleibt, bis Wasuren die einzelnen Platten völlig verbeult hat. In seinen Gedanken kann Alberik schon sehen, wie der Matrose andere Zuschauer mit einem Lächeln dazu einlädt, mit ihm zusammen Krach zu machen und ihnen allen einen weiteren Hammer in die Hand drückt, um den Spiegelpanzer weiter zu zerstören.

"Kurz gesagt, jemand kam auf den dummen Gedanken, mich provozieren zu wollen. Und ich bin ja eigentlich ein ruhiger Genosse, aber trotzdem wäre ich beinahe ausgerastet. Ich war schon drauf und dran, ihm eine tüchtige Abreibung zu verpassen, und deswegen habe ich mich meines Panzers entledigt."



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Spiegelpanzer - Ole


Dort zieht Alberiks Spiegelpanzer blinkend wie eine silberne, schwebende Schildkröte über den Köpfen der Zuschauer entlang und die Hände die ihn tragen gehören bestimmt Wasuren.

Dort, weit und doch so nah von dem glänzenden Rüstungsstück entfernt hält Alberik Ausschau nach seinem metallischen Edelpanzer. Wie ausdauernd und beharrlich er doch in die falsche Richtung schaut, obwohl ihm doch Hjaldar ganz deutlich die Richtung markiert hat.

Und dort unten, auf dem Spielfeld, fällt das erste Tor, zudem noch zu Gunsten der Premer Mannschaft und Ole hat es nicht gesehen.

ER HAT ES NICHT GESEHEN - da er gebannt auf die Tribüne gestarrt hatte, zu beobachten, ob Alberik seine Rüstung nun bekommen und danach wieder zurückkehren zu dem Schiffszimmermann. Und so hat Ole das erste Tor glatt versäumt.

Verflucht seien alle gepanzerten Zwerge .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Dunvallo sieht etwas finster der »Tigerin« hinterher. Als sie ihm in den Hintern kniff, war er nahe daran, sie blitzschnell zu Boden zu schicken. Aber einerseits wird das von den Schiedsrichtern bestimmt nicht gern gesehen und zum anderen - was wichtiger ist - könnte sie sich ja dabei verletzten. Und da schnitte er sich ja ins eigene Fleisch, wenn er seinen Preis noch abholen will...


***


Lyn hat für Aki nur ein kühles, fast verächtliches Lächeln übrig, als er an ihr vorbei schwebt und diese frechen Worte äußert, die eben zeigen, dass er doch ein »Barbar« ist (`aber immerhin ein gutaussehender`).

"Lern du erst einmal richtig laufen"

Ihre Worte klingen spitz und kalt wie Eiszapfen.


***


Mittlerweile haben die beiden Mannschaften wieder Aufstellung genommen. Die Bullen fast so wie am Anfang, die Premer irgendwie aggressiver, offensiver und dabei ausgeglichener, nicht mehr so flügellastig.


***


Cathal steht zusammen mit Dunvallo am Anspielpunkt. Alle Bissigkeiten zwischen ihnen sind momentan vergessen. Die Premer haben das erste Tor erzielt, etwas, was schnellstmöglich wieder gut gemacht werden muss, denn natürlich kann es nicht angehen, dass die Pottwale in der Heimarena der Bullen lange in Führung bleiben.

Etwas nachdenklich ist er schon, der Kapitän der Bullen. Wie kam es, dass die Premer so durchbrechen konnten, nachdem der Ball doch fast in deren Tor gelandet war?

`Auf jeden Fall braucht Raika dringend Unterstützung!`


***


Ulfert hebt die Pfeife zum Mund, sieht noch einmal zu »seinen« Schiedsrichtern, ob die auch ja bereit sind, zuckt noch einmal Herz erweichend mit den Schultern - es ist eines jener Schulterzucken, die einem lauten Stoßseufzer in nichts nachstehen - und bläst zum Anspiel.


***


Sogleich ruckt Cathals Schläger vor, fängt den Ball ein und der Kapitän der Bullen stürmt los, nach vorne. Keine drei Schritt neben ihm läuft Dunvallo, die Augen auf die Gegner herichtet, doch immerzu bereit, den Ball entgegen zu nehmen, sollte Cathal abspielen.


***


Auch auf den Außenflügeln bewegt sich etwas. Auf der linken Seite ist wieder Raika losgelaufen, während Scibor wie gehabt sichert, den Blick voller Grimm auf Thinmar und Algrid gerichtet. Auf dem rechten Flügel der Bullen stürmt Faerwyn nach vorne, fast direkt auf Aki und Haldar zu.


***


Rasch rückt das Mittelfeld nach, besonders die Zwillinge bereiten sich auf eventuelle Rückpässe vor. Nur die Abwehr bleibt wo sie ist, entschlossen, ein undurchdringliches Bollwerk aus Muskeln und Schlägern dazustellen, sollten die Premer noch einmal bis hierher kommen...


***


Links vor sich sieht Cathal Frenhild, die Fee, während sich direkt von vorne Ifirnsgiron nähert. Cathal führt den Ball behutsam und doch voll Kraft. Im letzten Augenblick schwenkt er um Frenhild herum, täuscht vor Ifrinsgiron an - und gibt sauber an den etwas zurückgebliebenen Dunvallo ab. Sanft bremst dieser den Ball, mit viel Gefühl und Schlägerbeherrschung. Ein paar Schritte führt er den Ball kraftvoll über das Feld um dann plötzlich aus der Ballführung heraus diesen mit einigem Schwung nach rechts außen zu passen, während er ganz automatisch etwas nach links läuft, um Gegenspielern auszuweichen.


***


Cathals spurtet. Mit einem kecken Sprung bricht er durch die Premer Reihen, um sich als Anspielpartner anzubieten.


***


Und natürlich weiß dies der erfahrene Faerwyn. Unzählige Male hatten sie diese Spielzüge besprochen - und mag er auch nicht der beste sein, der schlechteste aller Züge ist er bestimmt auch nicht.

Mit einer drehenden Bewegung seines Schlägers fängt er den gut gezielten Ball Dunvallos, nutzt den Schwung - und schickt ihn weiter, auf eine Reise, deren Ziel der Kapitän der Bullen sein soll...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


"BULLEN VOR! HAUT DEN BALL INS TOR!"

Wieder versuchen die Einheimischen, ihre zahlenmäßige Übermacht gegen die Nordmänner durch zu schreien, und diesmal gelingt es auch, weil die Einigkeit über das zu schreiende angesichts des Premer Erfolges rasch fester wird.

So kann das ja nun wirklich nicht bleiben, dass die Gäste hier führen!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Freifrau Reckinde und Herr Rastburger


Was für ihn herzliches Wiedersehen. Die Freifrau kann sich kaum erwehren, gegen die überschäumende Freude des riesigen, schwarzen Hundes. Man könnte glauben, die beiden hätte sich seit Jahren nicht mehr gesehen, dabei waren sie doch erst seit einem halben Tag getrennt. Doch dem hund muss die vorgekommen sein wie ein halbe Ewigkeit, denn er will sich nicht beruhigen. Noch immer schlabbert er das Gesicht der Freifrau ab und der Schwanz kreist so schnell hin und her, als wäre er einer der Klingen des legendären 'Schwertkönigs' Raidri Conchobair.

"Ihr müsst entschuldigen, werter Herr Rastburger, aber dieses Tier ist wirklich sehr anhänglich!"

Frau Reckinde presst die Worte fast heraus, Boto gibt ihr nicht viel Gelegenheit für länger Erklärungen. Herr Rastburger aber lächelt und erwidert in fast erheitertem Ton:

"Liebe Freifrau, ich weiß doch wohl, und wer sollte das besser wissen als ich, dass es euch gegeben ist, mit 'großen' Tieren, nach Belieben umspringen zu können!"



Die Freifrau Reckinde hatte alle Hände voll zu tun, um sich der ausschweifenden Wiedersehensfreude Boto's zu erwehren. Langsam, sehr langsam beruhigt sich der Hund und die Freifrau bekommt Gelegenheit ihrem Gastgeber das eine oder das andere zu erklären, zumindest versucht sie dies.

"Ich müßt wissen, Herr Rastburger, dieses Tier ist auf geheimnisvolle Weise sehr treu mit gegenüber. Und ich kann nur sagen, dass mir das Tier so ans Herz gewachsen ist, dass ich über die wilden Unarten des Hundes gerne hinweg sehen. Ich sehe in ihm einen treuen Freund und ich denke, dass mir der Hund bei der nächsten Jagd sehr gute Dienste leisten wird!"

Reckinde hat es endlich geschafft den Hund von ihrem Schoß zu drängen. Boto aber, wuselt noch immer um den Sitzplatz seiner Herrin herum und sein Schwanz wedelt schneller im Takt, als der Schmiedehammer eines Angroscho.

"Das ist ..." so verkündet die Freifrau dem Herrn Rastburger, der distanziert, aber nicht uninteressiert dem Geschehen beiwohnt " ...also Boto!"

Frau Reckinde krault dem Hund das Nackenhaar und Boto scheint dies sehr zu genießen, denn er wird noch ruhiger und hält seinen Hals ergeben hin. Nur ab und zu, immer dann, wenn der Herrin Intensität im Streicheln merkbar nachlässt, tupft er mit seiner Schnauze an den Unterarm Reckindes, die Herrin zu verstärktem Tun zu ermuntern.

Herr Rastburger indessen lächelt still vor sich hin, hat er doch die Frau Reckinde bisher nie so eingenommen erleben können. Es freut ihn die Freifrau, die in der Welt der Kaufleute eher den Ruf genießt, unangreifbar zu sein, derart berührt zu sehen, in einer zur Schau angebotenen Menschlichkeit, die zu beobachten sich bisher noch kaum jemand rühmen durfte. Mit sanfter Stimme spricht er:

"Ich sehe schon, hier hat Herr FIRun zwei Wesen aneinander gebracht, die, getrennt voneinander, bisher einen unnatürlichen Aspekt darstellten!"

Und die Freifrau nickt eifrig.

Sogleich beginnt ein Gespräch über die Jagd als solche. Schnell stellt sich heraus, dass sich Herrn Rastburger's Interesse an der Jagd mehr in der Theorie ansiedelt, während Frau Reckinde in diesen Fragen eine absolute Praktikerin zu sein scheint. Wahrscheinlich hätte sie, in dieser Weise, noch sehr lange aneinander vorbei geredet, wenn sie nicht von Boto getsört worden wären.

Boto hat nämlich die unmittelbare Gegenwart Frau Reckindes hinter sich gelassen und sich, nicht nur ausschließlich von Neugier getrieben, Radisar gewidmet. Er schnüffelt an dem, am Boden liegenden Diener herum und versucht ihn durch das Stubsen mit der Schnauze zu irgendwelchen Bewegungen zu drängen. Allein, der Diener bleibt regungslos. Kopf oder Arme Radisar's, was immer auch der Hund in Bewegung zu versetzen versucht, fallen sofort und endgültig in ihre Ausgangsstellung zurück. Und als der Hund auf diese Weise kein Lebenszeichen von Radisar provozieren kann, beginnt er Herz erweichend zu winseln, als trauere er um einen dahin gegangenen Freund.

Diese Klagelaute des Hundes bleiben auch den hohen Herrschaften nicht verborgen. Stirnrunzend betrachtet Frau Reckinde den leblosen Körper Radisar's.

"Bei FIRun, was ist mit ihm?" murmelt sie vor sich hin.

Auch Herr Rastburger wird auf die Situation aufmerksam und seine sprichwörtliche Souveränität bringt ihn sogleich zum Handeln. Mit zwingender Stimme befielt er:

"Man hole einen Medicus, aber rasch!"



Nun wird die Freifrau Reckinde doch langsam unruhig. Es stimmt sie nicht so sehr in Sorge, dass Radisar schlaff und leblos am Boden liegt, denn dies hat sie schon öfter erlebt. Radisar ist nicht unbedingt der Kräftigste und hat sich bei körperlicher Betätigung schnell verausgabt.

Aber es stimmt sie sehr nachdenklich wenn sie Boto und sein seltsames Gebaren beobachtet. Der Hund schleicht mit gesenkter Rute um den Körper Radisar's herum und winselt derart, dass man am liebsten mitweinen möchte. Reckinde weiß, dass Tiere ein ganz besonders Gespür haben, für Dinge die der Aufmerksamkeit der Menschen entgehen. Und so wie sich Boto nun aufführt, kann das nur eine Bedeutung haben, er spürt einen nahenden Tod.

Nun wird die Freifrau ganz bleich im Gesicht. Sie fühlt sich hilflos und sie hasst einen solchen Zustand. Nichts tun zu können, ist ihr das Schlimmste, was ihr passieren kann. Und im Augenblick hat sie nicht einmal eine entfernte Ahnung davon, was jetzt und hier richtig und wichtig sein könnte zu tun.

Mit fast tonloser Stimme, gepresst, als säße eine Kröte auf ihrem Kehlkopf, flüstert sie:

"Oh ja, man hole einen Medicus!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wundersame Weltenwanderung - Radisar


Kurz bevor Radisar das Bewusstsein verloren hatte, hat ihn ein Gefühl übermannt, als müsse er sich dringend übergeben. Aber er hat tapfer gegen diesen Drang angekämpft, nachdem er erkennen musste, das er dabei wahrscheinlich die feinen Schlangenhautstiefel des hohen Herren, neben dem die Freifrau sitzt, ungebührlich besudelt hätte. Nein, das wollte Radisar unbedingt unterlassen, er wäre wohl lieber an seinem Erbrochenen erstickt.

Doch das spielt für ihn nun keine Rolle mehr, denn er fühlt sich leicht und leichter und es ist ihm als würde er, wie eine Daunenfeder in einem sachten Wind, hochgetragen werde, höher und immer höher. Es ist ein angenehmen Gefühl und alle Schmerzen, sowie alle sonstigen körperlichen Beschwerden, die er sich in Folge der Hetzjagd durch Havena zugezogen hatte, fallen von ihm ab und hinterlassen in dem kleinen, dicken Diener eine Stimmung grenzenloser Erleichterung.

Süße Musik dringt an sein Ohr. Es ist angenehm dunkel um ihn herum und die Finsternis umgarnt ihn wie eine geschickte Verführerin. Radisar hört Stimmen, kleine, feine, silbern helle Stimmen. Es sind deren viele und sie reden alle durcheinander, so dass Radisar kaum verstehen kann. Doch so viel kann er erkennen: Wer immer zu ihm spricht, sie freuen sich ihn zu sehen.

"So bist du also endlich gekommen, kleiner Radisar ...." flöten sie den kleinen Diener ins Ohr. Es ist wie Musik und Radisar hört es gerne. Nur einmal wird diese Idylle gestört, als ein unsichtbares, aber mächtiges Monster, vielkehlig und lautstark verkündet, dass es nun eins zu null für Pottwal Prem stehen würde .....



Kleinen geflügelten Wesen schwirren um Radisar's Kopf. Noch immer hat der kleine Diener keine Ahnung, in welcher Welt er sich im Augenblick befindet. Aber er fühlt sich glücklich, so unsagbar glücklich und zufrieden. Diese kleinen Wesen scheinen recht freundlich zu sein und ihr Empfang war mehr als warmherzig. Noch immer hört er den Sing-Sang ihrer Stimmen, die ihn zum wiederholten Male willkommen heißen.

"Wir haben lange auf dich gewartet, Radisar!" sagt eine der Schwirrenden und fliegt ihn direkt vor das Gesicht. Nun kann Radisar endlich Genaueres erkennen. Diese Wesen sehen aus wie die Blütenjungfern aus den alten Legenden. Schön sind sie! Ihre Leiber sind die wohlgestalter, junger Frauen, die in ihrer natürlichen Blöße eine liebreizende Anmut verstrahlen. Auf ihren Rücken befinden sich dünne, schwirrende Flügel, zart und durchsichtig, wie die Flügel von Libellen. Und ihre ewig lächelnden Gesichter verheißen eine reine, aufrichtige Liebe.

"Wer ... wer seid ihr?" stammelt Radisar vor sich hin, sichtlich beeindruckt von der außerordentlichen Schönheit dieser Wesen.

"Ist das wichtig?" fragen die Wesen im Chor zurück.

Nun, so wirklich wichtig ist ihm diese Frage nicht. Radisar ist es viel wichitger, dass es diese Wesen gibt, als zu wissen wer sie sind. Die kleine Diener sieht zu umschlossen von einer großen Menge dieser Wesen. Jede von ihnen erstrahlt in einer anderen Farbe, die im Ensemble gebunden, einen großen Raum in einer alles verschlingender Finsternis schaffen. Es ist Radisar als würde er Zeuge werden von der Erschaffung einer neuen Welt im Gefüge des Kosmos.

"Nein, Radisar, wir sind keine Weltenerbauer, wir sind Begleiter derer, die würdig sind die Reise in die letzte, aber vollkommene Welt anzutreten!"

'Die letzte, aber vollkommene Welt?' denkt sich Radisar erstaunt 'Heißt dies, dass ich sterbe?'

"Ja, mein kleiner Radisar, das heißt es!" erwidert eines der schwirrenden Wesen, das in einem kräftigen Blau erstrahlt, während diejenige, die bisher zu ihm gesprochen hatte, ein sattes Rot ausstrahlt, so daß sich im Raum zwischen diesen Wesen ein zartes violett bildet.

Radisar hat sich das Sterben ganz anders vorgestellt. Schon als Kind hatte er sich vor dem Ritt auf Golgari's Rücken sehr gefürchtet. Schon allein die Vorstellung davon, wie BORon's Bote unter Umständen aussehen könnte, hatte ihm zu jeder Zeit seines bisherigen Lebens einen eisigen Schauer ins Herz getrieben. Hätte er von der Existenz diese kleinen, geflügelten Schönheiten auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt, er hätte sich vor dem Sterben nicht mehr so fürchten müssen. Und so hat ihm diese neue Gewissheit überhaupt keinen Schrecken einjagen können. Alles würde sich zum Besten wenden, dessen ist er sich nun sicher.

"Bist du bereit?" fragt ihn ein anderes der Wesen, dass die Finsternis mit einem leuchtenden Grün erhellt und Radisar nicht eifrig.

Sodann tut sich ein Tor auf, das, im geschlossenen Zustand, der kleine Diener bisher nicht hatte erkennen können. Strahlende Licht strahlt aus diesem Tor heraus und die Musik, welche die Szene so dezent untermalt hatte, wird nun zu einer tosenden Fanfare. Die kleinen leuchtenden Wesen bilden eine Eskorte links und rechts von Radisar, sie scherzen und kichern. Das alles sieht so gewaltig aus und wirkt dennoch so bescheiden.

'So wird mein Buch des Lebens alsbald geschlossen sein!' denkt sich Radisar ohne jede Furcht und macht sich auf den Weg, hin zum Tor, begleitet von allen flirrenden Farben dieser Welt ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Der Medicus


Bereits das zweite Mal wird das Wort "Medicus" gerufen, und es bildet sich zwar nicht gerade ein Auflauf von Menschen, aber es führt doch immerhin zu einiger Erregung unter den Zuschauern auf der Ehrentribüne. Denn... diese trägt ihren Namen nicht umsonst, und damit hat natürlich nicht jeder Zutritt, und das wiederum führt dazu, dass hier richtig Platz ist, ganz im Gegensatz zu dem Gedränge da ganz unten.

Etwas weiter hinten auf dieser Tribüne, aber immerhin noch auf sehr guten und auch nicht gerade billigen Plätzen, sitzen zwei Männer, die, wenn man das aus dem Verhalten der anderen schlussfolgern darf, wohl eine ziemliche Achtung genießen. Einer von ihnen ist ein würdiger alter Herr, der die siebzig sicher schon überschritten hat, und der andere mag vielleicht halb so alt sein, ein Mann mittlerer Größe, sehr schlank und mit kurzen braunen Haaren.

Er reckt sich etwas, um dann entschlossen zu nicken.

"Wyben, ich werde mal nachschauen, was dort unten los ist. Das scheint mir nach Arbeit auszusehen."

"Geh nur", erwidert Wyben Berlind, seines Zeichens alteingesessener Heiler dieser Stadt und ziemlich guter Freund des jungen Heilers, der nun gerade aufsteht und durch die Reihen nach vorne geht.

Auch dabei merkt man, dass ihm bereitwillig Platz gemacht wird, was auf der Ehrentribüne ja kein großes Problem ist. Das gleiche Verhalten wiederholt sich beim Ring, der sich mittlerweile um die Freifrau und den auf dem Boden liegenden Mann gebildet hat - er öffnet sich regelrecht, und lässt den Mann eintreten.

Sein Blick schweift schnell über die Gesichter der Anwesenden, identifiziert die Freifrau als das, was sie wohl ist, und sagt dann, während er sich schon neben dem auf dem Boden liegenden in die Knie sinken lässt:

"Lhyrian von Schwanental, Heiler. Was genau ist passiert?"



Ein Mann der Heilkunst ist da! TSA sein Dank! Herrn Oreis Rastburger ist diese sehr spontane Hilfe äußerst willkommen, er atmet richtig gehend auf, nun die Möglichkeit zu haben, alle notwenigen Handlungen in die Verantwortung eines kompetenten Mannes legen´zu können.

"Also wißt ihr .... nun ja... dieser kam und er schien sehr abgehetzt zu sein. Er brach hier zusammen .. und er ... nun ja ... er ....!"

Irgendwie bringt Herr Rastbruger seine Nachricht nicht mehr zusammen und blickt hilfesuchend auf die Freifrau Reckinde und ie läßt sich nicht lange bitten und fährt die begonnene Erklärung des hohen Herren Rastburger fort.

"Ihr seht hier meinen Diener vor euch liegen! Er ist mir jede Summe wert, deshalb lasse ich euch jeden Betrag zukommen, wenn ihr ihn zum Leben zurück bringt. Er ist wahrscheinlich sehr erschöpft, doch das Tier ...."

Frau Reckinde deutet auf den Hund ....

" ... will andeuten, dass es ihm sehr schlecht geht! Tut euer Möglichstes und euere Schaden soll es nicht sein!"

Wer die Freifrau kennt, der dürfte im Augenblick sehr verwundert sein, denn in in ihrem Gesicht, von dem sonst nur Herrschaft und Dominanz ausstrahlen, liegt nun etwas Flehendes, und das ist man von Reckinde sonst nicht so gewöhnt.



Lhyrians Blick schweift nur kurz über den Hund, denn er sieht beinahe augenblicklich, dass dieser Mann nicht von dem Tier angefallen oder verletzt wurde.

So setzt er seine ursprüngliche Idee fort und lässt sich neben dem Diener auf die Knie sinken und unterzieht ihn einer ziemlich raschen Untersuchung. Wer jedoch halbwegs Ahnung vom Gewerbe hat, wird dabei jedoch sehen, dass er es sehr wohl professionell und sorgsam tut.

"Also", sagt er dann, während er aufschaut, "körperlich ist er weitgehend unverletzt, wenn man von diesen Schürfungen hier absieht, und der Tatsache, dass er sich bis an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit angestrengt hat."

Er zögert kurz, und fügt hinzu: "Oder auch darüber hinaus. Aber... Euer Hund hat wohl recht, denn es geht ihm schlechter, als das sein dürfte."

Wieder beugt sich der Medicus herab und betrachtet den Diener, dann setzt er seine Untersuchung fort, rascher, und auch besorgter als zuvor.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Der Ball wird hin und her geschoben, dann wieder her und hin. Das sieht sehr gefällig aus, ist aber doch eine sehr starke Herausforderung an die Premer. Der alte, erfahrene Spieler der 'Bullen' der den Ball im Augenblick führt, fühlt sich offensichtlich sehr sicher. So lässt er Ruhe walten, um sich, die Lage außerordentlich gründlich prüfend, nach einem Anspielpunkt umzusehen. Tula kocht vor Wut. Für sie ist das Herumgetue des Havenaer's eine blanke Provokation, zudem Faerwyn sie keines Blickes würdigt, da sie in seinem Rücken steht und eigentlich auch viel zu weit entfernt ist, um Einfluss auf das Spielgeschehen nehmen zu können. Aber nur dastehen und 'Daumen drehen', nein, eine solche Tula gab es nie und wird es auch niemals geben. Faenwulf hatte recht: Angriff ist die beste Verteidigung! Tula sammelt sich und rennt los .....


***


Ifirnsgiron betrachtet nachdenklich den Spielaufbau der 'Bullen'. Solange Chatal und Dunvallo im Mittelfeld nach Belieben verfahren können, ist der Angriff der Bullenmannschaft erst in der eigenen Hälfte anzuhalten. Doch die Spieler der 'Pottwale' sind weit aufgerückt, der Rückraum bietet kaum noch Barrieren, sieht einmal von Faenwulf und Torlif ab, die ja für sich alleine schon als Abwehrblock gezählt werden können. Doch der Angriff vorhin, bevor das Tor für 'Pottwale' erziehlt werden konnte, hat doch einige Schwächen der Verteidigungslinie offenbart. Faenwulf mag sich vielleicht irren, wenn er nun den bedingungslosen Angriff fordert, eine solche Taktik könnte sich rächen. Doch Ifirnsgiron weiß um die Mentalität seiner Mitstreiter und Mitstreiterinnen, die ihr Glück schon seit jeher nicht im Zusammenspiel sondern im Kampf und in Einzelaktionen gesucht haben.

Der Kapitän schüttelt sich alle besorgten gedanken aus dem Kopf. Grübeleien stören den Spielfluss und es gilt nun Chatal und Dunvallo nicht aus den Augen zu lassen. Ifirnsgiron ist sich sicher, dass der Ball einen der beiden wieder erreichen könnte. Im Spiel der 'Bullen' geht nichts ohne die zwei .....


***


Tula ist nicht die einzige, die Faerwyn zu attackieren versucht. Auch die Frenhild, die 'Tigerin' hat sich auf den Weg gemacht. Sie versucht den Ballführer frontal zu attackieren. Sie ist jedoch noch sehr entfernt und kann im Prinzip nciht mehr tun, als zu rennen wie eine Gazelle auf der Flucht und dabei schreckliche Schreie auszustoßen, um Faerwyn zu verwirren, muss sich aber eingestehen, dass sie den Gegner auch mit Satináv's Hilfe nicht mehr rechtzeitig würde erreichen können, wenn dieser auch nur halbwegs normal reagieren wird ...


***


Nun - Frenhild kann Faerwyn in der Tat nicht mehr erreichen, aber Tula kann es. Als sie nur nochg ein paar Schritte von ihrem Gegenspieler entfernt ist und nunmehr annehmen muss, dass die Schrittgeräusche und ihr keuchender Atem ihr Nahen verraten könnten, springt sie ab wie ein Panther, wirft sich aus vollem Lauf auf den Boden und gleitet nunmehr, auf dem Bauch liegend, über die Rasendecke dahin, den Schläger kraftvoll nach vorne streckend. Noch ahnt Faerwyn nichts, zumindest verrät keine Regung seines Körpers, dass er sich der Bedrohung bewusst sein könnte. Breitbeinig steht er da und wägt wahrscheinlich noch immer taktischen Maßnahmen ab. Wie eine Kvillotter rutscht Tula über das Gras und fährt, einem Geschoss gleich zwischen die Beine Faerwyn's. Sie stößt mit dem Schläger den Ball aus der Reichweite des alten 'Bullen' und rutscht dann zwangsläufig mit ihrem Körper nach. So rollt der Ball in langer Linie weiter ins zentrale Mittelfeld und Tula's Rutschpartie kommt zum Stehen. Sie liegt nun zwischen den Beinen Faerwyn's, dort wo noch wenige Zeit vorher der Ball hin und her tänzelte. Sie dreht sich auf den Rücken und grinst den Gegenspieler hämisch an.

"Nicht hauen ... alter Mann!" erklärt sie in spöttischem Ton.


***


Der Ball ist nicht lange ohne Kontrolle. Als habe er sich selbst das so ausgesucht, rollt er Frenhild entgegen. Die weißblonde Spielerin mit dem kurzen Haar hält kurz inne, dann hebt sie den Schläger über die Schulter und drischt den Ball, an Freund und Feind vorbei, zur anderen Frenhild, die dort im Mittelfeld lauert.


***


Die 'Fee' sieht den Ball auf sich zukommen und zuckt ein wenig zusammen. Der Ball kommt mit hoher Geschwindigkeit. Das sollte für sie kein Problem sein, sicherlich würde sie den Ball gut annehmen können, doch was sie dafür so sehr nervös macht, ist die Gegenwart Dunvallo's und Chatal's. Die beiden sind schließlich gut genug, um ihr den Ball wieder abnehmen zu können, sogar dann, sollte sie den Kork in ihrer Hose verstecken.

Doch da erkennt sie, nach einem raschen Blick zurück, ihre einzig verbleibende Möglichkeit aus der misslichen Lage einen echten Vorteil heraus arbeiten zu können. Frenhild beugt sich vor, so als wolle sie den hohen Ball mit der Schulter abfangen, doch als der Korkball dann endlich angeflogen kommt, zieht sie die Schulter plötzlich zurück und läßt den Ball passieren. Und der Ball fliegt ungebremst weiter ....


***


Ein bisschen überrascht war Ragnid schon, als der Ball von Frenhild nicht angenommen worden war. Aber die Yeshinna ist nicht so schnell zu erschüttern. Schnell hat sie die Flugbahn des Ball's berechnet und erkannt, dass er direkt auf Algrid zufliegt. Das hat sich Frenhild aber gut ausgedacht. Ragnid lächelt. Damit wäre der Ball erst einmal aus der Reichweite Chatal's und Dunvallo's gebracht. Zudem hat sich nun eine Riesenlücke in der Verteidungslinie der 'Bullen' aufgetan. 'Na, das sollte man sich doch einmal ordentlich bedanken!' denkt sich Ragnid und spurtet los. Sicherheitshalber macht sie einen kleineren Bogen um Dunvallo, kennt sie doch um dessen Fähigkeiten selbst eine Steinsäule in wenigen Momenten auf den Boden schicken zu können, doch dann geht sie auf maximale Geschwindigkeit ...


***


Blitzschnell hat Algrid den Ball mit dem Schläger aus der Luft gefischt und unter ihre Kontrolle gebracht. Doch sogleich erkennt sie das Problem, das sie nun hat. Sie kann den Ball zwar sichern, doch sie kann ihn nirgendwo hin abspielen. Nur Faenwulf und Thinmar bieten sich als Partner an, doch dafür müsste sie den Ball weit zurück spielen und das wäre nicht im Sinne von Faenwulf's Erwartungen an die Mannschaft. Doch bleibt ihr nicht viel Zeit, denn Raika sitzt ihr im Nacken und Scibor lauert wenige Schritt entfernt. Zwar kann die 'Feuerhaarige' erkennen, dass es der Yeshinna gelungen ist die Mittelfeldreihen der 'Bullen' zu durchbrechen, aber abspielen kann Algrid dorthin noch nicht, der Winkel wäre einfach zu steil. Also beschließt Algrid eine Einzelaktion und trabt an, den Ball sichernd vor sich her treibend ....


***


Ragnid legt sich schwer ins Zeug. Sie erkennt die Schwierigkeiten Algrid und versucht sich nun in eine Position zu bringen, die eine sichere Annahme erleichtern könnte. Dazu muss sie den direkten Weg halblinks nehmen und dort steht der wuchtige Gun. Gun zu umgehen, dafür reicht die Zeit nicht, denn wenn Algrid nun eine steile Vorlage gibt, dann ist es mehr als zweifelhaft, ob Ragnid den Ball noch vor Tibraide, Neelke oder Conn würde erreichen können, obwohl dort ja mehr als genug Platz zur Verfügung stünde, denn due 'Bullen' haben sehr viel Mühe den Raum abzudecken, das Spieltempo der 'Pottwale' ist momentan viel zu hoch, um sichere, raumgreifende Abwehrreihen aufbauen zu können.

Schon ist Ragnid nahe an dem schmächtigen Gun heran gekommen. Vielleicht ist es auch Cuil, Ragnid kann die beiden Zwillinge einfach nicht auseinander halten. Aber das ist auch nicht wirklich wichtig, an diesem Kerl vorbeizukommen, sei es Gun oder sei es Cuil, ist wahrlich keine Kunst. Aber Ragnid hat es sehr eilig und dieser Mann steht einfach im Weg. Noch in vollem Lauf beugt sich die Yeshinna nach vorne und rammt dem Havenaer Abwehrspieler die Schulter in die Seite und schafft sich so den benötigten Raum. Sie richtet sich wieder zur vollen Größe auf und rennt weiter, als habe es keinerlei Hindernisse gegeben ....


***


Algrid täuscht links an, geht aber dann auf der rechten Seite vorbei. Für einen kleinen AUgenblick hat sie mit dem Gedanken gespielt dem kleinen 'Schlangenkopf', ähnlich wie es Thinmar gemacht hatte, den Ball zwischen den Beinen durch zu spielen und so sehr sie diese Vorstellung auch zu reizen vermochte, es siegt der Verstand, der ihr erklärte, dass Scibor nicht zweimal hintereinander auf den gleichen Trick hereinfallen würde. Aber auch auf das Manöver, das sie statt dessen unternahm, schien Scibor vorbereitet gewesen zu sein. Scibor wirft seinen Körper schwer zur Seite und hätte damit Algrid wahrscheinlich damit aus der Bahn geworfen. Aber Algrid, die Schnelle, verfügt über einen bemerkenswerten Antritt, zu schnell, um die rohe Handlung Scibor's wirklich Erfolg versprechend werden zu lassen. Zwar wird sie getroffen und sie strauchelt auch, doch die 'Feuerhaarige' fängt sich wieder, legt sich den Ball weit vor und rennt hinterher. Scibor hat das Nachsehen .....


***


Unterdessen hat sich Haldar auf der anderen Seite des Spielfeldes unbemerkt nach vorne geschlichen und näher sich nun aus halbrechter Position dem Tor der 'Bullen'. Es ist ungefähr der gleiche Weg, den Aki genommen zuvor hatte, als er dann für die 'Pottwale' erfolgreich punkten konnte. Schließlich spricht alles dafür, dass der Ball bei diesem Angriff der Premer genau den gleichen Kurs nehmen könnte. Algrid hat sich gegen Scibor durchgesetzt und hat nun fast freie Bahn, wie vorher schon Thinmar bei seinem Sturmlauf. Außerdem hat Haldar gesehen, das sich Ragnid vehement durch die Mitte geht. Warum also sollte es nicht noch einmal so geschehen können .....


***


Entgegen allen Erwartungen Haldar's nimmt Algrid eben nicht den Kurs, den kurz zuvor Thinmar eingeschlagen hatte. Warum sollte sie das auch tun. Nun, da Scibor überannt ist, gibt es genügen Raum und Platz die Yeshinna zu bedienen. Und schon wechselt der Kork den Besitzer.


***


Nicht um einen Deut ist Ragnid langsamer geworden, als sie den Ball von Algrid angenommen hatte. Wie ein Sturm braust Ragnid auf das Tor Brendan's zu. Und da sie eine wahrhafte Ausnahmespielerin ist, verliert sie auch im vollen Lauf die Übersicht nicht. Sie sieht Haldar in Position laufen, sie müsste nun den Ball nur noch über Romolosch, Tibraide und Rumpo hinweg heben, Haldar könnte den ball nahezu unbedrängt annehmen und schießen. Doch ist das wirklich so einfach? Ist das Naheliegende wirklich immer die beste Wahl. Ragnid wird stutzig, da weder der Zwerg noch die Havenaer Abwehrspielerin wirklich entschlossen auf sie zu gehen, um den Angriff und den Ball abzufangen. Könnte es sein, dass sie auf naheliegende taktische Maßnahmen vorbereitet sind? Die Yeshinna beschließt für sich das Unmögliche zu tun, etwas, mit dem niemand rechnen kann und alle überraschen wird. Sie täuscht einen Heber an, als wolle sie Haldar bedienen, doch dann holt sie mächtig aus und drischt den Ball flach auf die kurze Ecke von Brendan's Tor ......



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Das Publikum tobt, als der Ball nach so kurzer Zeit schon wieder in Richtung des von Brendan bewachten Tores unterwegs ist. Damit hatte wohl keiner so richtig gerechnet, und so mischt sich auf Havenaer Seite fast so etwas wie Angst oder Entsetzen in die Schreie.
"BRENDAN! HALT DAS DING!"

Auch wesentlich härtere und unnettere Dinge werden gerufen, die im wesentlichen davon handeln, was der jeweilige Rufer mit dem armen Torwart machen würde, falls der Ball wieder trifft.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Für einen Augenblick ist Faerwyn wie vom Donner gerührt. Er hatte den Ball verloren, gerade als er ihn weiter schlagen wollte. Früher ist im das nie passiert, jedenfalls nicht so.

Gerade noch bringt er den Schläger zum Halten.

Eine spöttische Stimme reißt ihn aus seiner Erstarrung. Mit Augen wie Schlitzen sieht er hinunter, zu der jungen Premerin, mit der er vorhin schon zu tun hatte. Ihre Worte versetzen ihm einen tiefen Stich. Wuchtig durchstößt sein Schläger die Rasendecke dicht neben Tulas linkem Ohr.

"Ich bin nicht alt, Grünschnabel!" zischt er wütend und tief getroffen. Seinem Gesichtsausdruck ist deutlich zu entnehmen, dass er dies überhaupt nicht spaßig findet und dass Tula in seinen Augen zu weit gegangen ist. Nichts mehr ist von dem gönnerhaften, väterlichen übrig.

"Ich bin immer noch gut genug, um es mit dir aufzunehmen!"

Seine Stimme klingt leise - fast wie ein Wispern - aber sehr entschlossen.

`Der werde ich es zeigen. Von wegen Alter Mann...`


***


Der weiter vorne stehende Cathal sieht sich verwundert um. Eigentlich sollte der Ball bei ihm gelandet sein. Doch was muss er da sehen? Wieder sind die Premer im Ballbesitz. Laut schallt sein "Verdammt" über den Platz - doch geht es wohl im Johlen und Aufschreien der Menge unter - und er wirft sich herum, um wieder zurückzukommen, den Kork wieder zurück zu erobern.

`Wenn man nicht alles selbst macht...!`


***


Dunvallo nimmt »Feenhild« aufs Korn. So wie sie dasteht, schreit es ja geradezu danach, dass sie den Ball annimmt. Mit panthergleichen Sätzen sprintet er auf sie zu. Schon will er mit seinem Schläger ansetzen, um ihr den Ball quasi beim Absstoppen vor der Nase weg zu stehlen, als er sehen muss, wie sie die Schulter zurück zieht und damit dem Ball freie Flugbahn gewährt. Einen Augenblick vergisst er zu bremsen, als er dem Kork hinterher sieht. Er bemerkt die in einen kleinen Bogen vorbeihuschende Ragnid, machtlos, etwas dagegen zu tun. Und so kommt es, dass er mit seiner Schulter die zufrieden schauende Frenhild anrempelt - etwa mit dem Schwung, mit dem sich ein ausgewachsener Panther auf sein Opfer stürzt.

Stolpernd fängt er sich nach ein paar Schritten wieder, gleitet regelrecht um die eigene Achse und spurtet wieder los, zurück an der taumelnden Frenhild vorbei.


***


Als Gun verwirrt in die Sonne blinzelnd, liegt er schon mit schmerzender Schulter auf dem Rücken im Gras. Wenn ihn jetzt jemand fragen würde, was eben passiert ist, so würde er (oder sie) wohl von ihm die Antwort bekommen, dass ihn ein Nashorn angerempelt hat. Cuil streckt ihm die Hand entgegen und hilft ihm hoch.

"Mach dir nichts draus, Bruder, die hält so schnell auch kein anderer auf!"


***


Der Abwehrblock der Bullen bereitet sich vor. An wen auch immer der Ball gehen soll, sie würden ihn hart bedrängen. Auf dem rechten Flügel hat sich wieder ein Premer plaziert. Sollten sie wieder dasselbe Manöver versuchen? Zuzutrauen wärs ihnen, diese Thorwaler sind ja manchmal so phantasielos...


***


Brendan tritt zur Seite, um an dem riesenhaften Rumpo vorbei einen Blick auf den Ball zu haben. Doch was muss er da sehen? Ragnid, die Yeshinna, wie sie zu einem Heber ansetzt.

`Wirklich?` - Brendan hat viel von der Premerin gehört und sie könnte statt dessen auch so verwegen sein, einen direkt Schuss zu versuchen! Und tatsächlich! Brendan sieht wie sie die Bewegung nicht ganz ausführt und statt dessen schießt. Flach und schnell wie ein Armbrustbolzen schießt er auf sein Tor zu. Ein wirklich gut gezielter Ball! Sofort wirft sich zur Seite, die einzige Chance um den mit hoher Geschwindigkeit heran sausenden Kork aufzuhalten - oder besser gesagt er versucht es.

Sein linker Fuss rutscht - vielleicht ob der hastigen Bewegung, vielleicht ist die Stelle auch noch vom gestrigen Regen etwas aufgeweicht - auf dem Rasen leicht seitlich weg, gerade als er den heran sausenden Kork anvisiert. Hart knallt er auf den Boden, nicht soweit seitlich wie vorgesehen. Verzweifelt streckt er die Hand aus, dehnt sich soweit wie möglich. Schon ist der Kork heran, die Finger strecken sich ihm entgegen, berühren ihn - und werden vom Schwung mitgerissen, der Ball entflieht der Berührung und knallt hinter dem Tor an die Bande.


***


Ein Pfiff hallt durch das Station. Kreide quietscht auf der Schiefertafel, die nun deutlich sichtbar einen Spielstand von 2:0 für die Gäste verkündet


***


Brendan schlägt mit der Faust auf den Boden. Schon der zweite Ball, der ihm durch die Lappen geht. Hätte er ihn gehalten, wenn er nicht weggerutscht wäre? Vielleicht - vielleicht aber auch nicht. Manche Bälle kann selbst der beste Torwart nicht halten und dieser könnte verdammt gut einer von eben diesen gewesen sein.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Es ist wieder passiert. Schon das zweite Mal, und das innerhalb so weniger Augenblicke.

Während die Stimmung bei den Premern förmlich explodiert, sinkt sie bei den Havenaern noch weiter ab - wenn sie vorher auf dem Nullpunkt war, dann dürfte sie jetzt schon ein deutliches Stück im Minus sein. Zumindest für die ganz wenigen Gelehrten, die hier zusehen, die anderen stellen derlei Überlegungen sicher nicht an.

"RÄCHT EUCH! HAVENA VOR, SCHIESST ENDLICH EIN TOR!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Spiegelpanzer - Hjaldar, Garulf und Alberik


Während Hjaldar noch mit dem Angroscho redet, anstatt diesen einfach weiter zu schicken und sich wieder auf das Spiel zu konzentrieren, wie Garulf es getan hat, setzen unten auf dem Feld die Premer Pottwale erneut zum Sturm an. Nach Tulas ´Schlangenattacke´ geht alles sehr schnell, bis schließlich Ragnid mit dem Kork ganz vorne steht.
"RAGNID! HAU REIN DAT DING!!" brüllt der Smutje aufs Feld hinaus, dann nur ein paar Herzschläge später:
"TOOOR!! TOOOR!!! TOOOOOR!!!"
Das Publikum zerfällt derweil immer deutlicher in zwei Gruppen: Auf der einen Seite die Bullenanhänger, teils betrübt und enttäuscht, teils wütend. Auf der anderen die Premer, für die es jetzt, nach dem zweiten Treffer in so kurzer Zeit, kein Halten mehr gibt. Zwar steigt der Lärm diesmal nicht so stark an, doch das liegt einzig allein daran, daß die Jubelschreie nach dem ersten Tor noch gar nicht vorbei waren.

Aus den Augenwinkeln nimmt Garulf war, daß Hjaldar immer noch mit dem Zwerg quatscht ...



Unwillig wandert Hjaldars Blick vom Zwergen aufs Spielfeld und wieder zurück. Eine lange Geschichte ... das klingt zwar interessant, ist aber eher was für einen gemütlichen Tavernenabend. Er und Alberik haben ja allweil noch eine Sauftur zu verzechen.

Aber der Zwerg hebt schon an zu erklären und so hört er halt zu, ohne allerdings Alberik Worten vollständig folgen zu können:

"Wat mal ... du hesst di kloppen woll'n und hess deswegen di'n Blech ut trekken? Tööfste uk di'n Helm ab, wenn de mit'm Kopp anne Wand störm tust?"

So ganz kann Hjaldar jedenfalls Alberiks Erklärung nicht nachvollziehen und mustert den Zwerg irritiert.

Wobei es ihm wie Ole grad eben noch ergeht: er verpaßt den zweiten Punkt der Pottwale. Erst das Geschrei des Publikums macht ihn wieder auf das Spiel aufmerksam.

"Dausend räudige Sumpfrantzen ... nu heff ik dat Tor nich seh'n!!!" flucht er.



Von Hjaldars Flüchen unbeirrt versucht Alberik dem Thorwaler zu erklären, warum er die Rüstung vor dem Kampf abgelegt hat.

"Vor einem richtigen Kampf lasse ich meine Rüstung natürlich an. Aber es wäre doch kein gerechter Kampf geworden, wenn ich meinen Panzer anbehalten hätte und sich mein Gegner die Finger daran wund geschlagen hätte. So macht eine Prügelei doch keinen Spaß."



Die Argumente des Zwerges sind Hjaldar nicht wirklich eingängig. Wenn einer 'ne Rüstung anhat, dann haut man eben nicht auf die Rüstung, sondern wo anders hin. Wenn man's doch tut, ist man selbst schuld. Und da der andere durch seine Rüstung behindert, wird, ist's auch immer irgendwie ausgeglichen.

Doch im Augenblick hat er Wichtigeres zu tun als sich mit Alberik's fast schon 'rondrianischen' Anwandlungen auseinanderzusetzen, immerhin gibt's da unten was zu sehen, was er mit lauten 'HOO!' und 'ZUGABE!' Gebrüll kommentiert.

So dauert es wieder eine ganze Weile, bis er sich Alberik erneut zuwendet.

"Wieso? Dat scheppert doch erst so richtig schön, wenn De eenen mit Plattenharnisch uffde Bretter schickst. Dersft allweil net so bredenklötrig sin, di'n Knökels anner Rüstung platt to haun."

"Oder wat sechst Du da to, Garulf?" grinst er zum Smutje hinüber.



Das Spiel ist schnell geworden, sehr schnell und chaotisch. Doch ein Thorwaler liebt bisweilen das Chaos und wenn das Chaos dann auch noch seinen Landsleuten zugute kommt - um so besser! Also achtet der dicke Smutje gar nicht mehr auf Hjaldar, soll er doch selbst sehen, was er davon hat, mit dem, in Garulfs Augen reichlich begriffsstutzigen, Zwergen zu sabbeln, statt aufs Feld zu sehen. Doch das ändert sich natürlich schlagartig, als Hjaldar ihn direkt anspricht.

"Wie, wat?"

Ist seine erste Reaktion, denn damit hat er nicht gerechnet. Dann erreicht die Frage langsam sein Bewußtsein, doch das ändert an der Situation nicht viel. Garulf ist Thorwaler und quasi von Geburt an Seemann, zwar ist jeder thorwalsche Seemann auch ein Kämpfer, aber schwere Rüstungen sind im Thorwalschen nicht sonderlich beliebt, schon gar nicht auf See, wo allzuviel Blech am Körper lebensgefährlich ist.

Schließlich kann man damit viel schwerer bei Seegang das Gleichgewicht halten und wenn man dann tatsächlich über Bord geht, dann kann man im Plattenpanzer nichtmal schwimmen. Dementsprechend fällt dann auch die Antwort aus:

"Is doch logen, wenns ans kloppen geit, don trekst dat Blech an, wanns an schwimm geit, trekst es ut!"



"Äh...ja."

Alberik hat kein Wort von dem Verstanden, was die Thorwaler da von sich geben. Nur einzelne Worte kann der Zwerg übersetzen, aber viele andere bleiben ihm ein Geheimnis. Nur etwas übers schwimmen hat er verstanden.

"Aber schwimmen gehen wollte ich sowieso nicht," wirft Alberik mal einfach so in den Raum, in der Hoffnung, daß diese Antwort einigermaßen paßt.



Hjaldar stutzt für einen Augenblick bei der Antwort Alberiks - das Bild eines wild um sich paddelnden Zwergen in einem seichten Bachlauf (in dem selbst ein Kleinkind hätte mühelos stehen können) schiebt sich aus der Erinnerung an vergangene Abenteuer vor seine Augen.

Dann prustet er lachend los.

"Dat -- glöv ik di -- uff's Wort - ... - aber denn hättest di'n -- Rüstung ers recht nit -- uttrekken müssen."

Immer wieder bricht er den Satz lachend ab.



"Ja, ja."

Auch wenn Alberik wieder einmal nicht sonderlich von dem versteht, was Hjaldar prustenderweise von sich gibt, kann er sich sehr wohl denken, daß man sich über ihn amüsiert. Er hätte nichts davon erwähnen sollen, was mit ihm und schwimmen zu tun hat. Die meisten Menschen halten es für nötig, sich die seltsamsten Gedanken dabei zu machen, und daß nur, weil Angroschs Volk nicht dafür gemacht worden ist, um sich in die nassen Fluten des EFFerd zu werfen.

"Ich würde gerne mal sehen, wie du in einem Bergwerk stehst, und versuchst, die richtigen Steine aus dem Fels zu schlagen," murmelt der Zwerg in Gedanken in seinen Bart. Doch auch gemurmelt kann man ihn sehr gut verstehen.

Aber Alberik hat nicht vor, sich jetzt deswegen zu streiten. Auch wenn der erste Travia ein recht angenehm sonniger Tag ist, ist es doch nicht mehr so warm, um die ganze Zeit mit nacktem Oberkörper herumzulaufen. Eine Gänsehaut hat sich auf seinen Armen gebildet, und die zahlreichen Haare auf ihnen richten sich nach oben. Alberik legt die Arme an seinen Körper und versucht sich zu wärmen, indem er mit seinen Händen seine Oberarme reibt. Gleichzeitig schaut er noch einmal in die Menge und versucht Wasuren mit seiner Rüstung auszumachen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Tanz des Schiffzimmermanns - Ole


Ole ist über alle Maßen verzückt. Er schreit vor Vergnügen und tanzt aus seiner Freude heraus auf den Zehen seiner Nachbarn ein Jubelpolka. Die Leute fühlen sich schon nicht gering gestört von Ole's Freudenausbrüchen, zumal sie den Grund seiner Ausgelassenheit nicht unbedingt teilen können. Des einen Freud soll ja, will man in diesem Punkt dem 'Volksmund' trauen, bekanntlich das Leid des anderen sein. In diesem Fall allerdings bewahrheitet sich diese Volksweisheit, denn Ole bejubelt den zweiten Treffer der Pottwale und darüber können sich die Leute um ihn herum, allesamt gestandene Bewohner Havena's, auch beim besten Willen nicht begeistern.

Doch Ole bleibt sorglos und kann auch in den finstersten Gesichtern, die ihn gerade grimmig anfunkeln, keine besondere Bedrohung für sich erkennen.



IN HAVENA - Im Garten der RAHja: Das 'Reich der Stute'


Yria, eine Frau um die Ende 30 herum, trägt vorsichtig einen mit unterschiedlichen Früchten und Beeren gefüllten Korb durch den hinteren Teil des Rahjatempels von Havena.

Mit einem lauten "Puh!" stellt sie ihn kurz vor einem Fenster ab, um Luft zu schnappen, denn insbesondere die vielen Äpfel und Birnen erzeugen ein ziemliches Gewicht und dann ist da auch schon wieder diese freche, goldblonde Locke, die ihr wieder ins Gesicht fällt und die sie nun mit einer schon oft ausgeführten Handbewegung in den lockeren Haarknoten zurück steckt.

Eigentlich hat sie sich eine Pause verdient, denkt sie sich, auch wenn sie als Vorsteherin des Tempels und somit als Gastgeberin des Ewigen Festes, gewiss mehr Verpflichtungen hat als die anderen Geweihten. Aber andererseits soll dieses Fest auch jedem im Tempel gefallen und wenn hinter all den Vorbereitungen und Inszenierungen nur noch harte Mühe steckt, dann fehlt dem ganzen irgendwo die rahjanische Leichtigkeit und Heiterkeit.

Somit blickt die schöne Rahjani mit dem knöchellangen, aber auf der rechten Seite bis zur Hüfte geschlitzten, roten Seidenkleid, das eine Schulter frei lässt, durch ein Fenster in dem von der gerade erst vor kurzem zur Priesterwürde gelangten jungen Geweihten Aska gut gepflegten Garten.

Sie stibitzt aus dem Korb eine der süßen, reifen Pflaumen, sieht durch das halbrunde Fenster, in denen einzelnen, rote Scheiben so eingelassen wurden, dass sie Rosenblüten bilden, dass auch jetzt im Herbst noch eine Blumenpracht im Rahjagarten herrscht - Dahlien in allen möglichen Farben und Formen, weiße Rosen, die Aska als Muskatrosen bezeichnet, flammend-orangerote Chrysanthemen, lila und blaue hochgewachsene Gladiolen, die sich hier im Garten der Schönen Göttin offenbar ganz besonders wohl fühlen und sogar ein paar Schwertlilien, die normalerweise das leicht feuchte und oft kühle Klima Havenas nicht unbedingt mögen, ließen sich hier kultivieren. Während vereinzelte Bäume noch ein sattes grünes Blätterkleid tragen, zeigen sich bei einigen schon das goldene Herbstlaub. Lediglich ein paar Rotbuchen tragen wie immer ihr weinrotes Blättergewand.

Weiter hinten kann Yria ein paar der Rebstöcke erkennen, woher die kleinen, grünen Trauben in ihrem Korb stammen. Eigentlich schade, dass hier in Havena nicht so ein Klima wie im Horasreich herrscht, das ja bekanntlich die besten Weine liefert. Aber sie mag dennoch den leicht säuerlichen Geschmack der havenischen Trauben, stellt er doch einen angenehmen Kontrast zu kandierten Früchten oder süßen Keksen da.

Während die Rahjani auf dem Pflaumenkern lutschend dasteht, hört sie, wie die leise Harfenmusik des einzigen männlichen Geweihten dieses Tempels, Felion, in ihr Ohr dringt. Sie blickt zu dem Durchgang, der zu der Gebetshalle führt und lediglich durch einen blickdichten roten Vorhang verhangen wird, hin. Das Lied, das der unter Menschenaufgewachsene Halbelfe, der anscheinend über keinerlei Magie verfügt, spielt, ist ihr nur allzu gut bekannt, denn meistens singt sie mit ihrer vollen und gut ausgebildeten Stimme dazu. Soll dieses Lied etwa ein Aufruf zum Beenden ihrer kleinen Pause sein?

Sie lächelt, öffnet kurz das Fenster und spuckt den Kern hinaus. Dann hebt sie wieder den Korb auf und geht in die große, runde Gebetshalle.

Hier sind nur wenige Gläubige versammelt - kein Wunder, denn die meisten Havener und Besucher der Stadt werden jetzt wohl beim Immanspiel sein. Aber es gibt dennoch genügend Leute, die die Harmonie, den Frieden und die heitere Ausgelassenheit des Rahjatempels zu schätzen wissen und somit hat auch Yria eigentlich keine Zeit für eine Pause.

Und wer weiß, wie viele nach dem Spiel noch kommen werden?

Sie setzt den Korb auf einem niedrigen Tisch, dessen hölzerne Beine so geschnitzt sind, dass sie rahjagefällig-unbekleidete Männer und Frauen darstellen. Der Tisch wiederum steht vor einer der vielen großen Liege. Auf dieser Liege wiederum liegt, nur mit einem roten Seidentuch notdürftig die Blöße verdeckend, eine Dame, die in direkter Nachbarschaft zum Tempel wohnt und daher hier sehr oft Gast ist.

Meistens lauscht sie nur dem Harfenspiel und dem Gesang, nascht ein paar Beeren, trinkt ein wenig Wein und badet kurz in dem großen Becken, dass sich in der Mitte des Raumes befindet.

Den Mann allerdings, um den sich gerade Dalena kümmert, indem sie ihn ausgiebig massiert, hat Yria hier noch nie gesehen. Sie hört ihn irgendwas leise flüstern, woraufhin Dalena leise kichert.

Yria blickt sich kurz um: ist alles perfekt?

Wein, in bauchigen Karaffen abgefüllt, steht ausreichend bereit, ebenso wie einige ausgewählte Säfte aus Beeren, Äpfeln oder Birnen, kleine Tabletts mit Keksen oder ein paar kandierten Früchten - alles steht auf kleinen Tischchen verteilt bereit.

Und wie sieht es mit den restlichen Sinnen aus, überlegt sich Yria. Für Musik ist gesorgt, denn Felion ist ein ausdauernder Spieler und zur Not kann auch Marueca, eine Almadanerin und außergewöhnlich gute Tänzerin, die Harfe übernehmen, wenn der junge Mann sich um eine Gläubige kümmern möchte.

Die Nase dürfte ebenfalls bei dem Duft, der hier im Tempel vorherrscht, nicht beleidigt sein: in einigen kleinen Nischen stehen versteckt Rosenpotpourris, in das Badewasser wurden ein paar Tropfen vom kostbaren Rosenöl geträufelt und in unzähligen Vasen und Schalen stecken die schönsten und einfallsreichsten Blumenarrangements ganz Albernias!

Und das Auge? Nun, derjenige, der den Anblick des Inneren eines Rahjatempels nicht ertragen kann, muss wohl erst noch geboren werden, denkt Yria sich, weiss aber, dass es auch solche Menschen gibt. Dennoch - dieser Rahjatempel schmeichelt auf jeden Fall den Augen: Säulen aus rosé farbenem Marmor, nirgendwo Ecken oder scharfe Kanten, sondern nur sinnliche Rundungen, Malereien von liebenden Menschen sowie Weintrauben und Pferden verzieren die Wände und die Decke. Hier und da werden die Wände zudem noch von kleinen, runden, bunten Fenstern durchbrochen, die gedämpftes Tageslicht in den ansonsten mit Duftöllampen ausgeleuchteten Tempel lassen.

Vorherrschende Farben sind, wie wohl in jedem Haus der Schönen Göttin, Rot, Rosé, Rosa und ein wenig Altrosa. Hier und da wurde noch zur Zierde ein wenig Blattgold verwendet.

Das Schmuckstück schlechthin in diesem Tempel ist aber die auf einem Podest sich verführerisch räkelnde Rahja aus weißem Marmor - so perfekt und ebenmäßig in ihren Formen, dass man meinen könnte, der Bildhauer wäre der Göttin persönlich gegenüber gestanden. Jeder, der durch das Reinigungsbecken im vorderen Bereich den Gebetsraum betritt, blickt unweigerlich in ihr schönes Gesicht mit Augen, die realer kaum sein können und vollen, sinnlichen Lippen, die nur auf einen Kuss zu warten scheinen.

Und die restlichen Sinne? Nun, die werden geweckt, wenn die Geweihten sich um die Gläubigen kümmern...

Mit dem Inneren des Tempels zufrieden geht sie zu dem Eingang, um nachzusehen, ob auch draußen alles seine Richtigkeit hat.

Sie geht an der Seite des Reinigungsbecken vorbei, damit ihr Kleidung nicht nass wird, durchschreitet den Eingangsbereich, der dazu dient, dass sich die Besucher des Tempels hier entkleiden und ihre Sachen in schmale Schränke verstauen können und öffnet dann die Tür aus Rosenholz, die mit eingeschnitzten Blumenranken verziert ist.

Draußen wird der Eingang von zwei Rosenstöcken flankiert, die allerdings mittlerweile leider ausgeblüht haben, so dass lediglich das grüne Laub und die stacheligen Stiele an jeweils einer breiten Pergola hochrankt.

Wo allerdings keine Rosen an den Wänden empor wachsen, klettert rötliches Weinlaub an der Außenwand entlang und lässt den Tempel jetzt im Herbst rot aufleuchten.

Yria nickt. Es ist alles perfekt! Sie wird wohl auch heute wieder als Gastgeberin des Ewigen Festes die Göttin zufrieden stellen können und dreht sich so wieder zur Straßenseite hin. Ein freundliches Lächeln zaubert sich auf ihr bis dato (für eine Rahjani) ernstes Gesicht - so wie es aussieht, wird sich der kleine Tempel doch noch vor dem Spiel füllen, denn durch den Garten kommt eine kleine Gesellschaft, bestehend aus drei Männern, auf den Tempel zu.

"RAHja zum Gruße!" ruft sie den Herren zu und geht die wenigen Schritten zur Gruppe hin.



"RAHja zum Gruße!" entgegnet di Vespasio freundlich.

'Kein leichtes Problem, insbesondere nicht gegenüber einer Rahjani, die ja nicht immer großen Wert auf Ränge legen, zu schnell könntest du ihr mit allzu korrekter Höflichkeit dieses bezaubernde Lächeln von den Lippen wischen.'

Der Südländer setzt, nachdem er flink Buch, Hut und Stock zwischen seinen Händen verteilt hat, zu einer ehrerbietigen Verbeugung an, die jedoch, wie die Fußstellung dem kundigen Auge verrät, einen deutlich familiären Unterton hat. Ehrerbietig - ja, denn schließlich ist sie ja eine Geweihte einer der Zwölfgötter und hat damit den höchsten Respekt des Edelmannes. Aber freundlich - denn einer Rahjani gegenüber Distanz ausdrücken zu wollen, wäre ... unschicklich.

'Viel schwieriger ist die Frage, wer von uns die Vorstellung übernehmen soll. Da wir drei von unterschiedlichem Stand sind, ist der Vergleich von Rängen immer unbefriedigend. Zwar wärst du als Comte vermutlich von höherem Rang, aber weder seine Gnaden noch der Schiffsmagier haben bisher auf einem Titel bestanden, was bei weitem nicht ausschließt, daß sie einen tragen. Gerade die gelehrten Herren sind damit ja unter Umständen sehr zurückhaltend.'

Aber schon während er sich aufrichtet hat di Vespasio eine Entscheidung gefällt und sein Blick ruht vertrauensvoll erwartend auf Wulff.

'Heiliger Boden will heilige Worte. Außerdem steht er in der Mitte.'



NORDSTERN - Brücke: Der Kapitän und die Kurierin - Jergan und Jandara


Wieder nickt die junge Frau.

Das Gespräch nimmt jetzt so langsam eine Wendung die ihr nicht behagt.

"Ja, ich hoffe es lenkt EFFerds wohlwollenden Blick auf die NORDSTERN, aber so gefährlich ist eine Schiffspassage bis Grangor wohl auch nicht. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass ein Schiff auf der kurzen Strecke verunglückt sein soll, oder?"

Vielleicht ist es ja doch noch möglich Kapitän Jergan ein paar Informationen über Grangor zu entlocken.



Der Kapitän runzelt augenblicklich die Stirn, als er diese Worte vernimmt.

"Es gibt, da bin ich sicher, keine Seestrecke von mehr als einigen Meilen, auf der nicht schon mindestens ein Schiff verunglückt ist. Dazu sind uns Sterblichen die Launen der Götter einfach zu unvorhersehbar, und die See einfach zu gefährlich."

Er hält kurz inne, und überdenkt seine Worte, denn schließlich will er ja niemanden vergraulen oder abschrecken.

"Vergleicht es mit einer Strecke an Land. Ihr könnt nicht einmal davon ausgehen, dass man auf der Strecke von hier bis zum Immanstadion nicht verunglücken kann, richtig? Es passiert sicher nur ganz, ganz selten, aber passieren kann es. Und so ist es auch auf See. Bis Grangor sind es von hier aus vierhundertzwanzig Meilen, das ist nicht wirklich wenig. Mir ist mehr als ein Zwischenfall auf dieser Strecke bekannt, aber die haben meist mit Unwettern zu tun - oder mit Piraten, die sich in diese Gewässer verirrt haben. Ihr habt natürlich recht, beides ist sehr unwahrscheinlich."

Aufmerksam sieht Jergan in das Gesicht der "Kurierin", um die Wirkung seiner Worte zu erkennen.



Jandara merkt, dass es nur sehr schwer ist dem Kapitän Informationen aus der Nase zu ziehen, er bleibt zwar immer höflich, aber von allein spinnt er keinen ihrer Gesprächsfäden weiter, die sie ihm zuwirft.

Außerdem drängt es sie danach, sich um Zach zu kümmern. Der arme Kerl sitzt nun schon seit ein paar Stunden dort unten in der Dunkelheit und es wird Zeit ihn einmal ans Tageslicht zu holen.

"Ja, passieren kann immer etwas Unvorhergesehenes, aber mal ganz ehrlich, Kapitän Jergan, ist nicht gerade das der Grund, der uns immer wieder zum Reisen verleitet? Doch ich muss nun in mein, ähem, Quartier, ich habe mich dort immer noch nicht so richtig eingerichtet und außerdem denke ich, ist es besser, wenn ich hin und wieder mal schaue, was mein Gepäck so macht, schließlich kann ich es ja in dem Laderaum dort unten nicht wirklich vor neugierigen Blicken schützen."

Sie versucht ihre Worte nicht vorwurfsvoll klingen zu lassen, aber es ist ihr auch nicht unrecht, wenn der Kapitän weiß, das ihre Unterkunft in Laderaum vier eigentlich nicht angemessen für sie ist.



Der leichte Vorwurf, der im letzten Satz mit schwingt, entgeht dem Kapitän nicht ganz, und sofort schleicht ein Gedanke in seinen Kopf. Doch zuvor...

"Da habt Ihr freilich recht, auch wenn es für uns von der Besatzung eher der Alltag ist, zu reisen. Unvorhergesehenes mag da zwar spannend klingen, aber meist ist es eher sehr störend."

Er lächelt dabei jedoch, denn die Spannung ist etwas, an dem auch er Gefallen hat.

"Aber ich möchte Euch nicht länger aufhalten. Und was die Unterbringung betrifft - gestern und heute früh haben wohl einige der anderen Fahrgäste das Schiff verlassen, ich könnte schauen, ob in unserer Gemeinschaftskabine eine Koje frei ist, falls Ihr möchtet."



Eine Gemeinschaftskoje? Nein, das ist nicht das, was Jandara sich wünscht. Nie ist man für sich allein, ständig schnarcht irgendn jemand oder erzeugt gar schlimmere Geräusche.

So gern sie auch aus dem Laderaum ausziehen würde, so sieht sie doch ein, dass die Gemeinschaftskoje wohl die schlechtere Alternative darstellt. Auch müsste sie Zach weiterhin ständig versteckt halten. Und das würde der Rabe ihr sicher sehr übelnehmen.

"Ach nein," antwortet sie darum, "Ich bin schon ganz gern für mich allein dort unten. Außerdem habe ich so meinen Korb im Blick. Ich transportiere nämlich Ware für den größten Parfümeur Belhankas. Aber ich danke Euch, und falls mal eine Einzelkabine frei werden sollte, dann dürft ihr gerne wieder an mich denken."

Damit nickt sie dem Kapitän noch einmal zu, dreht sich um und macht sich auf den Weg zum Niedergang.



"In Ordnung, das werde ich tun", erwidert der Kapitän der schon fast entschwindenden Frau.

Seine Gedanken verharren dann auch bei den beiden Einzelkabinen - die eine hat der Adlige Frizzi Di Vespasio, der sie sicher nicht so bald aufgeben wird, und die andere der junge Magus Darian Durenald, für den ähnliches zutreffen sollte. Und die beiden Doppelkabinen - die sind auch belegt, und dürften das wohl noch für eine Weile bleiben. Außerdem sprach sie ja von einer Einzelkabine, und da sie es halbwegs eilig zu haben scheint, verzichtet Jergan auf eine entsprechende Frage.



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Neuer Weg - Silana und Darian


Zwar waren Speis und Trank, die Silana genossen hatte, und das nicht gerade in kleinen Mengen, was der Rahjanovizin einen missgünstigen Blick eingebracht hatte, wie doch in eine so schlanke Person solche Unmengen von Nahrungsmitteln spurlos verschwinden konnten, mehr als vorzüglich gewesen, das änderte jedoch nichts daran, dass bei dem Gedanken an einen rotwangigen Apfel ihre Augen zu strahlen beginnen und sich in ihrem Schritt ein leichter Hüpfer einschleicht.

"Das ist eine wundervolle Idee", erwidert sie beinahe einen Tick zu schnell, falls sie vorgehabt haben sollte, sich ihre Hungrigkeit nicht anmerken zu lassen.

Nachdem hinter ihnen der Lärm anschwillt, wirft sie einen Blick durch den Eingang zur Arena, den sie eben passiert haben. Es ist schön, dass die Menschen sich die segensreiche Gabe erhalten haben, sich wie die Kinder freuen zu können, auch wenn für Silana der Grund dieser Freude ein wenig rätselhaft ist.

Um den Eingang herum wird es ein wenig enger, da von dem Jubel angezogene, neugierige Passanten nun versuchen, sich Zugang zu verschaffen. Aber auch vor dem Stadion sind viele Personengruppierungen anzufinden.

"Vielleicht sollten wir einen von diesen nach dem Weg fragen", schlägt Silana in Richtung Darians vor, während sie recht wahllos auf die Gruppierungen bestehend aus Schaulustigen, Buchmachern, Wetteifrigen, Bauchladenhändler und einfach so dazu Gekommenen zeigt.



Zwar würde der junge Adeptus immer noch nicht wahrhaben wollen, daß ihm Silana immer mehr zu gefallen beginnt, aber dennoch stiehlt sich ein Lächeln auf seine Lippen, als seine Idee so offensichtlich genau die momentanen Bedürfnisse der Rahjani getroffen hat.

Aus den Augenwinkeln bekommt er mit, wie ein Straßenkind Silana beinahe anrempelt. Es dauert zwar eine Weile, bis er die Gefahr realisiert, die von rempelnden Straßenkinder und rempelnden Personen allgemein ausgeht. Aber besser spät als nie, prüfend greift er an seinen Gürtel und stellt erleichtert fest, daß sich sein Geldbeutel noch am vertrauten Platz befindet und auch offensichtlich nichts von seinem Inhalt eingebüßt hat.

"Vorsicht, hier scheint sich auch allerhand phexgefälliges Volk herumzutreiben", warnt er Silana, auch wenn er nicht glaubt, daß sich ein Phexdiener an einer Geweihten vergreift.

"Ach ja, der Weg", fällt ihm erst hinterher wieder ein, "ja, das sollten wir tun."

Sogleich keimt erneut Unsicherheit in ihm auf. Wer soll denn das Fragen übernehmen? Eine Rahjani, die den Weg zum Tempel ihrer eigenen Gottheit nicht kennt wirkt doch etwas seltsam. Ansonsten ist es schwer, so etwas wie eine Rangfolge aufzustellen. Darian ist woll nur unwesentlich älter und auch seine Bildung stellt ihn sicher nicht über eine Geweihte der Zwölf zumal eine Geweihte ja auch nicht ungebildet ist. So beläßt er es erst einmal bei seiner allgemeinen Feststellung und geht auf diese Frage nicht näher ein.



Lächelnd sieht Silana dem kleinen Mädchen hinterher, sie mag Kinder - Spötter pflegen zu behaupten das sei deswegen so, weil Silana selbst noch ein Kind war - und dass man bei dem Gedränge mal jemanden anrempelt, ist ja selbstverständlich.

Verträumt denkt sie an die Zeit zurück, in der sie als junger Wirbelwind tanzend und wie ein junges Fohlen springend durch den Tempel gesaust ist und sich dabei den einen oder anderen strengen Blick eines oder einer Geweihten zuzog. Wie lange war das doch her - es musste mindestens zwei ganze Monde zurückliegen, dass sie das zum letzten Mal getan hat.

In diese Gedanken vertieft, wird erst jetzt der Novizin die Warnung Darians bewusst. Sie zögert, als sie darüber nachdenkt, warum er sie ausgerechnet jetzt warnt, dann lächelt sie ein Lächeln, dass ehrliches Vertrauen in das Gute im Menschen zum Ausdruck bringt. Die zweite Überlegung gilt dem Umstand, ob es denn etwas Böses sein könnte, einem Gott gefällig zu sein, schließlich ist ja auch sie die Dienerin einer Göttin, die auf deren Gunst hofft.

"Keine Sorge, ich trage das Geld, das man mir zum Ausgleich der Reisekosten mitgegeben hat, direkt an meinem Körper, da kann nichts passieren", plappert sie munter, und natürlich viel zu laut, vor sich hin.

Wohlgemut geht sie auf einen Mann, der gerade an ihr vorbei will, einen blonden, etwas stämmigen Riesen, der eben, wenn auch nicht gerade bester Laune, aus der Arena kommt, zu und spricht ihn mit einem kleinen, niedlich wirkenden Knicks an.

"RAHja, zum Gruße, lieber Herr, meine Freund und ich", sie deutet zu Darian "haben uns auf dem Weg zum Rahjatempel verlaufen. Wäret Ihr so nett, uns den richtigen Weg zu weisen? Ach ja... und vielleicht einen, der über einen Marktplatz führt?"

Dabei sieht sie mit ihren kristallblauen Augen, ähnlich wie eben Tara und auch mit einem ähnlichen treuen Hundeblick, zu ihm auf.



Der blonde Riese hält mitten im Schritt inne, und sein Gesicht verfinstert sich für einen Moment, bis die Stimme ganz in seine Ohren gedrungen ist, und seine Augen die Fragerin fixiert haben. Solch einer Person mit solch einer Stimme kann man einfach nicht widerstehen!

"Die Zwölfe zum Gruße! Kein Problem, auch wenn ich sagen muss, dass der Marktplatz nicht gerade auf dem Weg liegt. Dafür findet Ihr den aber auch ganz einfach - geht einfach zur gegenüber liegenden Ecke des Stadions, da seht Ihr ihn im Grunde schon."

Eine weit ausholende, raumgreifende Handbewegung begleitet diese Erklärung.

"Und zum RAHja-Tempel, da geht am besten nach Nordwesten, bis Ihr einen kleinen Flussarm überquert. Welche Straße Ihr da nehmt, ist recht gleich, es sind ohnehin viele verwinkelte Gassen."

Wieder zeigt seine Hand ungefähr die Richtung.

"Benutzt eine der Brücken, und dann seid Ihr im Grunde auch schon in der Straße 'An den Rahjagärten'. Die dürften nicht zu übersehen sein, und damit habt Ihr dann den Tempel gefunden."

Er verbeugt sich noch einmal kurz, und dreht sich schon fast wieder um, um weiterzugehen.



"Vielen Dank," bedankt sich Silana bei dem netten, zuvorkommenden, hilfsbereiten Mann und nachdem sie ihm noch einen schönen, von den Göttern gesegneten Tag gewünscht hat, dreht sie sich Darian wieder zu.

"Siehst Du, es ist ganz einfach", strahlt sie ihn an, obwohl die die Hälfte der Wegbeschreibung schon wieder vergessen hat, aber man kann ja immer wieder fragen und so viele nette Menschen in dieser hübschen Stadt kennenlernen.

Sie sieht sich um, ob Hesindian sie mittlerweile erreicht hat, kann ihn aber nirgendwo unter den sie umgebenen Gruppen entdecken.

Ob er das Stadion verlassen hat, ohne dass sie ihn bemerkt haben?

"Hast Du schon Hesindian entdeckt?" fragt sie den jungen Magus, während sie weiterhin nach dem Hesindegeweihten Ausschau hält.



Während Darian noch so vor sich hin grübelt, schafft Silana einfach vollendete Tatsachen und fragt den nächstbesten Passanten nach dem Weg. Als sie dann auch noch bemerkt, wie einfach das doch sei, fühlt sich Darian doch ziemlich unwohl in seiner Haut. Da sind sowohl Mutter, als auch Vater Geweihte HESindes, da verbringt man fast sein ganzes Leben mit dem Studium der Magie und dann steht man doch da wie der letzte Bauerntrampel.

Zum Glück wechselt die Rahjani gleich anschließend selbst das Thema indem sie sich fragt, wo den Hesindian bleibt.

"Hesindian scheint es ja wirklich schwer zu haben in dem Gedränge", merkt er an, da auch er den Geweihten nirgends entdecken kann, "oder ob er einen anderen Ausgang genommen hat? Vielleicht sollten wir einfach mal das Stadion umrunden, wenn wir zum Marktplatz wollen, müssen wir das ja ohnehin."



Selbst wenn Hesindian diesen Weg hier gewählt hatte, wie konnten sie sich so sicher sein, dass sie sich in dem Gewimmel einfach nicht gesehen hatten? Und was war, wenn er genau dann um die Ecke bog, wenn sie sich auf den Weg zur anderen Seite machten? Oder wenn er just in diesem Augenblick von der Menschenmenge niedergetrampelt würde? Vielleicht war es ja besser, einfach kehrtzumachen und ihn im Stadion zu suchen?

Doch der Magen der jungen Novizin stimmt Darians Lösung zu und weil der Gedankengang ja auch nicht völlig von der Hand zu weisen ist, nickt das Mädchen zustimmend und rafft ihre leichte, rotschimmernde Gewandung ein Stück.

"Ja, lass uns zum Marktplatz...zum anderen Ausgang gehen, vielleicht wartet er schon bereits auf uns" erwidert sie, bereit, dem Magus durch die Mengen zu folgen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Verloren in der Menge - Hesindian


"Ent... entschuldigt... HESinde Dank... wenn ich... würdet Ihr mich bitte... darf ich hier mal vorbei?!"

Keuchend und stöhnend kämpft sich Hesindian durch die tobende Menge, die in diesem unpassenden Moment irgendeine Barbarei auf dem Spielfeld mit wildem Gejohle und Gehopse bejubeln. Unglücklicherweise hat Hesindian dadurch auch die junge Rahjageweihte Silana und ihren Begleiter, den Adeptus Darian Durenald, aus den Augen verloren; mysteriöserweise war diesen beiden eine unbeschadete Passage durch diesen Mahlstrom der Begeisterung beschieden gewesen.

Hesindian selbst hat in erster Linie unter den spitzen Ellenbogen und den schweren Körpern der Zuschauer zu leiden, die es nicht einsehen wollen, weshalb sie sich von irgendeinem dahergelaufenen Wicht in einem so wichtigen Moment des Spiels ablenken lassen sollten. Mit Ausdauer und nicht unwesentlichem Einsatz seiner eigenen Ellbogen, nachdem der Schlangenreif um seinen Hals die erhoffte Wirkung verfehlt hatte, gelingt es dem Geweihten schließlich aber doch, sich aus den Reihen der Immananhänger zu befreien und in lichtere Gebiete jenseits des Stadions vorzudringen, wo ihm das Atmen gleich bedeutend leichter fällt und er die Luft gleich in tiefen Zügen kostet.

"Euer Gnaden?"

Suchend sieht er sich nach Silana und Darian um, doch der Weg durch die Menschenmenge muss ihn abgedrängt und aufgehalten haben, ist von den beiden doch keine Spur zu entdecken. Auch eine schnelle Suche der Umgebung bringt kein besseres Ergebnis, und so entschließt sich der Geweihte, sein Glück auf eigene Faust zu suchen und sich ein wenig geistiger Nahrung im örtlichen Hesindetempel zu verschaffen. Schließlich würde er während der Passage selbst nur wenig Gelegenheit haben, in den Schriften der Kirche zu blättern.




IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Ausschau nach Hesindian - Darian und Silana


Noch einmal guckt sich Darian nach dem Hesindegeweihten um, kann ihn jedoch immer noch nirgends entdecken. Also beginnt er seinen Vorschlag in die Tat umzusetzen und setzt sich in Bewegung. Er geht nicht besonders schnell und schaut auch im Gehen immer wieder nach links und rechts. Zum Einen um Silana nicht auch noch aus den Augen zu verlieren zum Anderen um vielleicht doch noch irgendwo Hesindian zu entdecken.



So wie auch Darian, hält auch Silana Ausschau. Doch auch jetzt kann sie den Hesindegeweihten nirgends entdecken, dennoch sind ihre Sinne geschärft. So fühlt sie die weiche oder rauhe Kleidung derer, die sie streift, riecht Schweiß, Schmutz, gebratene Fische... ihr Blick schweift über die Gesichter der Leute, viele davor gehören Männern im 'besten' Alter, die einen strahlen vor Freude und Glück, die anderen blicken grimmig vor sich hin.

Plötzlich hält sie inne. Hört sie da nicht Kinderstimmen? Fragend sieht sie zu Darian, ob er es denn auch gehört hat, denn wieder in die Richtung, aus der die Stimmen kommen. Es klingt nach Streit. Die junge Novizin seufzt, als sie sich auf das Geschehen auf dem Immanspielfeld erinnert, wie dort erwachsene Menschen aufeinander los gingen. Dort konnte sie nichts tun, wurde dieses blutrünstige Massaker nicht nur geduldet, sondern sogar bejubelt wurde.

Aber vielleicht kann sie hier etwas tun. Entschlossen geht sie in Richtung der Kinderstimmen, nicht ohne noch zum jungen Magus zu sehen, ob er ihren Richtungswechsel mitbekommen hat, damit sie sich nicht im Getümmel verlieren.



IN HAVENA - Im Immansstadion: Nicht gesund! - Sigrun und Nirka


Am liebsten würde Sigrun jetzt einfach 'ja' sagen, aber Nirka hatte sich so auf das Spiel gefreut. Sigrun möchte auf gar keinen Fall der Grund dafür sein, dass Nirka etwas verpasst, was sie gerne erleben möchte. Also gibt es nur eine Möglichkeit.

"Nein, es geht mir bestimmt gleich wieder besser."



"Wie du meinst", antwortet Nirka, ohne dass das wirklich überzeugt klingt. Zudem ist Sigruns Zustand im Grunde nicht übersehbar, und die Triebkraft hinter der Antwort recht klar ersichtlich.

"Nimm aber keine Rücksicht auf mich, ja? So sehr interessiert mich das Imman nun wirklich nicht."

Besorgt mustert sie Sigrun weiter, und noch nicht einmal das laute Gebrüll rings herum, das wohl auf ein gefallenes Tor hinweist, bringt sie dazu, in Richtung des Spielfeldes und des dortigen Geschehens zu sehen.



Sigrun überlegt. Sie kennt Nirka zwar jetzt schon eine ganze Weile und, wie sie glaubt, recht genau, aber an Bord ist selten die Gelegenheit, sich über Freizeitinteressen auszutauschen. Natürlich erzählt man sich von den Dingen, die einem wirklich wichtig sind, aber alles andere ergibt sich einfach nicht. Sigrun war einfach davon ausgegangen, dass Nirka, wie die meisten Seeleute, den gelegentlichen Besuch eines Imman-Spieles als absolutes Muss ansieht. Aber wenn dem, wie sie sagt, gar nicht so ist, wäre das Ausharren trotz der starken Erkältung unsinnig und sogar dumm. Vielleicht würde ein wenig Erholung immerhin bedeuten, dass die junge Matrosin noch vor dem Auslaufen aus Havena wieder voll bei Kräften wäre und dann könnten Nirka und sie die versäumte Zeit viel sinnvoller nutzen ...

"Wenn es dir wirklich nicht so wichtig ist ...", meint Sigrun nach einer Pause etwas nachdenklich.

"...aber du musst auch nicht unbedingt mitkommen ..."



Die Bootsfrau nickt entschieden.

"Es ist mir wirklich nicht wichtig, und selbst wenn es mir wichtig wäre..."

....sie hält kurz inne, um die Wirkung der Worte zu verstärken...

"...bist du mir unendlich WICHTIGER."

Jedes Wort, die Betonung jeder einzelnen Silbe zeigt, dass Nirka diese Worte genau so meint, wie sie sie sagt.

"Natürlich komme ich mit, das steht doch vollkommen außer Frage.

Anderenfalls würde ich mir doch noch viel mehr Sorgen um dich machen, Sigrun."

Sie dreht sich bei diesen Worten bereits um, um zu sehen, wie man sich am besten einen Weg durch die Zuschauermengen in Richtung des Ausganges bahnen kann.



Normalerweise hätte Sigrun sich sicher sehr über Nirkas selbstverständliche Unterstützung gefreut, doch im Moment fühlt sie sich einfach mit allem überfordert. Mechanisch nickt sie mit dem Kopf, kaum bemerkend, dass Nirka das schon gar nicht mehr sehen kann, und wendet sich ebenfalls um.

"Gut", meint sie daher nur etwas lahm und wartet darauf, dass Nirka vorangeht.



Nirka greift beinahe automagisch nach Sigruns Hand, und beginnt, für sie beide einen Weg in Richtung des Ausganges des Stadions zu bahnen. Sie nimmt dabei relativ wenig Rücksicht auf die anderen Zuschauer, und den meisten ist es auch klar, dass angesichts des entschlossenen Gesichtsausdruckes der Bootsfrau Ausweichen beziehungsweise Platz machen wohl die bessere Alternative ist. Nur wenige bleiben störrisch oder in das Spiel vertieft stehen, und an diesen drängelt sich Nirka ausreichend rücksichtslos vorbei.

Endlich ist ein eher freier Bereich hinter den eigentlichen Zuschauerreihen erreicht, der im Grunde auch nur deshalb frei ist, weil man von hier aus das Spielgeschehen nicht sehen kann. Damit ist es endlich möglich, nebeneinander zu gehen, und so wechselt die Bootsfrau an die Seite ihrer Freundin.

"Jetzt noch durch das Gedränge da vorne am Eingang durch, dann sind wir endlich draußen", sagt sie, während sie selbiges bereits zielstrebig ansteuert.



Sigrun hat kaum bemerkt, dass Nirka bei ihrem gemeinsamen Weg durch das Immanstadion keine schon vorhandene Gasse gewählt hat, sondern diese erst mit gewohnt energischer Vorgehensweise bahnen musste. Hat sich die junge Matrosin auch bisher standhaft geweigert, ihre Schwäche einzugestehen, so scheint ihr jetzt, nachdem Nirka erst einmal weiß, wie schlecht es ihr geht, alles egal zu sein.

Mechanisch lässt sie ihren Blick dem Nirkas folgen, als diese von dem Gedränge am Eingang spricht, doch es ist ihr viel zu mühsam, sich darüber Gedanken zu machen.

"Gut", antwortet sie nur kurz und setzt an der Seite der Freundin einen Fuss vor den Anderen.



Nirka führt ihre Freundin fast schon elegant durch das Gedränge am Eingang, und dann stehen sie ENDLICH auf der Straße vor dem Immanstadion. Zwar ist hier, mitten im Herzen Havenas, noch immer sehr viel los an diesem Travia-Feiertag, doch das ist gar kein Vergleich zu dem, was IM Stadion los ist.

Die Bootsfrau bleibt nach ein paar Schritten erst einmal stehen, und atmet tief durch.

"Wollen wir gleich zum Schiff zurück, oder möchtest du dich auf einer Parkbank oder am Brunnen erst ein wenig erholen?" fragt sie dann. Die ersten Worte sind noch unverhältnismäßig laut, doch dann mäßigt sie sich, denn es ist regelrecht still im Vergleich zu den grölenden Menschenmassen des Stadions.



IN HAVENA - In den Gärten der RAHja: Ankunft im Tempel - Onaskje, Di Vespasio und Ottam


Nach einigen Schritten durch den prächtigen Garten sind die drei Männer dem Tempelportal näher getreten. Mit einem entspannten Lächeln verbeugt sich Wulff Onaskje vor der Dame, die wie zum Empfang von lieben Gästen neben einer weinberankten Torsäule steht.

Interessiert mustert er Ihr Gesicht, dann ihren Körper und blickt ihr wieder in die Augen.

"Schöne Frau, ich entbiete RAHja des PRAios Gruß."

Er macht einen halben Schritt zurück und wendet sich zu seinen Gefährten um.

'Nanu, was lächelt mich dieser Händler so vertraulich an? Will er vielleicht - ja, er wird wohl erwarten, daß ich die Vorstellung übernehme?'

Nach einem kurzen Zögern hebt der Praiosgeweihte die linke Hand und weist auf den Comte:

"Erlaubt, daß ich vorstelle: Der Comte Frizzi de Vespasio,"

Wulff deutet nun mit der rechten Hand auf den Magier, "und dieser Herr hier ist der Magister Ottam Trosdotter ('glaube ich'). Ich selbst heiße Wulff Onaskje."

Der Priester hält es für unnötig zu erklären, daß er Praiosgeweihter ist.

"Wir würden uns glücklich schätzen, uns für einige Stunden Eure Gäste nennen zu dürfen."



"Di. Comte Di Vespasio. Aber auch als solcher würde ich mich sehr glücklich schätzen, Euer Gast zu sein."

Mit einem freundlichen Lächeln korrigiert der Südländer die Vorstellung.

'Praioten! Alles mußt Du selber machen, wenn es richtig gemacht werden soll.'



Ottam nickte dem Praioten zu und nach einem einladenden Blick in Richtung des Comte setzte auch er den Weg fort, hinein in den wundervollen Garten des Rahjatempels. Ottam ist sich sicher, dass in diesem herrlichen Garten auch im Firunsmond noch Blüten zu Rahjas Ehren erblühen werden.

Die innere Aufregung und die schweren Gedanken an die eigene Vergangenheit bewirken das Ottam mehr den jeh aufnahmefähig für das schöne und angenehme ist und daher treibt er die erst kürzlich gemachten Gedanken schnell wieder aus dem Kopf und Lächelt - ja er Lächelt - die sie begrüßende Geweihte freundlich an und setzt der Vorstellung Wulffs nur ein:

"RAHja und die andern ELF zum Gruße, Ottam Trosson"

Damit übergeht er die Falsche Nennung seines Zunamens einfach



Yria nickt bei der Vorstellung jedem der drei Herren freundlich zu, dann aber stellt auch sie sich vor.

"Mein Name ist Yria und ich bin die Vorsteherin dieses Tempels. Es wäre mir eine große Freude, wenn ihr mir folgen und an dem Fest teilnehmen würdet."

Mit einer einladenden Geste deutet sie kurz zu der Tür des Tempels, sagt dann nur noch "Folgt mir bitte." und geht langsam voran.

Je näher man der Tür kommt, desto mehr hört man auch von der zarten Harfenmusik und Yria verfällt leise ins Summen. Eigentlich ein seltsames Trio, dass ihr da gerade folgt, denkt sie sich. Ein Magier, dem Namen nach ein Thorwaler, ein Praiosgeweihter und dazu noch ein horasischer Adliger - und dennoch scheinen sie einen friedlichen Eindruck zu machen!

'Wahrlich, dieser Tag wird wohl etwas Besonderes werden.'

Der Eingang des Tempels ist rasch erreicht, wo sie nun die Tür öffnet und die Herren mit einem weiteren Lächeln wortlos herein bittet.



"Sehr gerne doch Yria, nennt mich einfach Ottam" erwidert Ottam in freundlichem Tonfall auf die freundlichen Worte der Geweihten, wohl wissend, noch keine Rahjani getroffen zu haben, die anders als mit ihrem Vornamen angesprochen werden wollte. Titel passen auch nicht recht zur heiteren Göttin, es würde die gesellige Atmosphäre stören, denkt er sich still hinzu.
Dann folg er wie geheißen und betritt langsam den Tempel.

Im Inneren verharrt er kurz und schließt einen kurzen Moment die Augen um den lieblichen Duft gebührend zu vernehmen.



Dicht dem Magier auf den Fersen folgt der Geweihte der Tempelvorsteherin in das Innere des Gebäudes. Er läßt den Raum und die Musik auf sich wirken, als er durch die geschnitzte Türe tritt.

"Ahh. Ist das schön hier." Sagt er ganz leise, fast zu sich selbst, als er seine Augen umherwandern läßt.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Geweihter im Bade - Onaskje und Yria


Auch di Vespasio folgt Yria gerne in den Tempel. Jedoch hält er vor der Schwelle noch mal kurz inne. Wie jeder Aventurier ist er sich der Realität der Zwölfgötter immer bewußt. Und wie viele hofft auch er, daß sie nie wirklich in sein Leben treten werden, zu schrecklich und unberechenbar wäre ihm ihr Eindringen. Statt dessen glaubt er, daß sie durch Opfer und Dienste beruhigt und ferngehalten werden können, auch wenn er das so nie sagen würde.
Die schöne Göttin jedoch ist im Vergleich mit den anderen ungewöhnlich. Sie scheint mehr zu schenken, mehr auf das Wohl der Menschen bedacht zu sein, als fordernd von ihnen Gehorsam zu verlangen. In gewisser Weise ist das verwirrend für di Vespasio und der Adlige hat sich vorgenommen, deshalb in keinster Weise die Göttin anders oder gar nachlässiger zu behandeln als die anderen, nein sogar noch mehr Hingabe und Selbstdisziplin zu zeigen, als sonst.
So bleibt er vor der Schwelle stehen, besinnt sich kurz, murmelt ein leises 'Dein gehorsamer Diener' und tritt als letzter in den Vorraum.
"Oh, Schnitzerei in der Art der Tulamiden." entfährt es ihm, als er wieder den Blick hebt und die herrlichen Holzarbeiten im Vorraum erblickt.
Das Rosenmuster der Eingangstür setzt sich in den schmalen Holztüren der Schränke und den runden Bänken, die das Entkleiden erleichtern sollen, fort, jedoch leicht abgewandelt, zum Teil zu anderen Blüten, zu Menschenleibern oder Teilen derselben oder zu rein abstrakten aber nicht minder gefälligen Mustern und Formen.

So bietet auch der Vorraum schon dem Auge einen gefälligen Anblick, der den Betrachter mit seinen Einzelheiten der filigranen, oft durchbrochenen Miniaturenschnitzerei ganz gefangen nimmt. Zudem ist das Holz mit vielerlei Farben in roten Tönen eingefärbt und mit duftenden Ölen glänzend poliert.



Mit einem zustimmenden Kopfnicken gehen Wulffs Blicke über die Inneneinrichtung hinweg. Holzschnitzereien sind nicht gerade seine Spezialität, wenn es nicht gerade Waffenschäfte sind. Dennoch vermag auch er Handwerkskunst und Eleganz in den Arbeiten zu erkennen.

"Ja, wirklich schön."

Wulff Onaskje atmet tief den leichten Duft der verschiedenen Badeessenzen ein und wird wieder ein wenig lockerer.

Bedächtig entledigt er sich seines Umhanges und der schweren Stiefel. Trotz der Entspanntheit der Atmosphäre überkommt ihn aber doch ein leichtes Gefühl der Anspannung, als er daran denkt, sich hier weiter entkleiden zu müssen. Zwar ist ihm dieser Brauch auch schon aus dem Tempel zu Gareth bekannt, doch hat es ihn immer ein wenig Überwindung gekostet, die schützenden Hüllen ganz abzulegen.

So schindet er einige Augenblicke mehr, während denen er seine Augen über Ysiras Figur wandern läßt.

'So anmutig und sicher sind die Bewegungen... ich bin überzeugt, daß auch sie ihren Körper gut beherrscht.'

Wulff schaut nun zu dem marmornen Reinigungsbecken hinüber, in das flache Stufen hineinführen, dann auf die Schemel und Schränke zum Auskleiden. 'Nun denn also!' Mit einem Schritt hinüber zu dem Stapel der leichten Seidentücher ergreift er eines, denn er hat nicht vor, sich gänzlich entblößt den Tempelgenüssen hinzugeben, jedenfalls noch nicht.

Mit leichtem Schwung wirft er Umhang und Stiefel in ein Schränkchen und fährt dann fort sich zu entkleiden. Vorsichtig legt der Geweihte nun das Sonnenszepter in das Schränkchen, dann fliegen Hemd und Beinlinge hinterher, den Abschluß bildet das Schamtuch. Anschließend nimmt er wieder das rotseidene Tuch in die Hand, daß er nach dem reinigenden Bade in trockenem Zustand anzulegen gedenkt.

Seinen Begleitern hat er bisher nur den Rücken zugewendet, gerade trainierte Beine, fester, knackiger Hintern, und ein muskulöser Rücken mit breiter Schulterpartie, auf der der sehnige Hals sitzt, der Kopf mit dem kutzgeschorenen weißen Haupthaar bildet den Abschluß. Langsam wendet er sich um und zeigt seine kraftstrotzende Brust, den fettfreien Bauch. Im völligen Gegensatz zu dem makellosen Rücken sind Brustkorb, Bauch, Arme und teilweise die Beine von vorne betrachtet mit zahlreichen kleineren und größeren Narben verschiedensten Alters und Formen überzogen.

Für manch einen könnte erstaunlich wirken die recht frisch scheinende Tätowierung auf dem Herzen, die in meisterlicher Ausführung einen roten Greifen zeigt, der mit aufgerissenem Schnabel und scharfen Krallen aus dem gelb-goldenen Praiosrund hervorschießt.

Ein wenig herausfordernd schaut er seine Begleiter an, als wolle er sagen, 'Na?', dann wird sein Blick etwas unsicherer, und bleibt schließlich auf den Augen der Rahjageweihten liegen.



Yria bemerkt die Schamhaftigkeit des Praiosgeweihten, aber auch mit solchen Situationen weiß sie umzugehen. Sie weiß, dass es bei diesen Situationen im Grunde nur zwei Arten gibt, wie man mit Gästen umzugehen hat.

Die erste Art wendet sie bei denen an, die geradezu freudig aus ihren Klamotten springen und sich, ohne sich an ihrer Nacktheit zu stören, ins Geschehen stürzen. Diese Leute haben ein starkes Selbst- und Körperbewußtsein und stören sich nicht daran, wenn man sie von oben bis unten betrachtet oder sie freundlich neckt.

Denjenigen aber, die etwas mehr Scham zeigen, kann man nicht so übermütig begegnen. Stattdessen richtet man den Blick nur auf ihr Gesicht, ohne dabei krampfhaft zu starren. Es gilt, auf die Wahl der Worte zu achten, denn so manch einer bekam in Yrias Anwesenheit früher schon mal einen hochroten Kopf, wenn sie allzu offen über gewisse rahjanische Dinge sprach.

'Ich war am Anfang ein ziemlicher Trampel!'

So lächelt sie nun den Praioten ebenso freundlich an und mustert seine Augen und das Gesicht. Eigentlich ist das Gesicht sowieso das Reizvollste an einem Menschen, findet Yria. Der Glanz der Augen, die Art und Weise, wie das Haar fällt oder getragen wird, die zarten Schwingungen der Lippen und wie sie sich bewegen, wenn sie sprechen. Zudem lässt sich aus der Mimik, kombiniert mit der Gestik, viel mehr erschließen, als ein langes Gespräch.

Yria streckt mit einer graziösen Bewegung ihre rechte Hand einladend zu Wulff aus.

"Kommt, folgt mir ins Bad," sagt sie auch an die beiden anderen gerichtet, "am anderen Ende liegen außerdem Tücher zum Abtrocknen."

Auch das Hinhalten der Hand soll die restlichen Spannungen noch ein wenig abbauen. Vertraulichkeit, ohne dabei den Gast zu bedrängen (denn immerhin ist er es, der - hoffentlich! - die Hand ergreift) ist ein probates Mittel, um auch die letzten Spannungen abzubauen.



Eine Frau, die Wulff eine Hand reicht - fast ist es Instinkt, der ihn zugreifen läßt. Aus welchen Motivationen auch immer, sei es hilfesuchend, grüßend, aus Koketterie oder aus Zuneigung, nie gab es einen Grund, nicht zuzugreifen. Nichts von Yrias Gedanken ahnend freut er sich einfach über diese Geste und nimmt ihre grazile Hand in seine festen Finger.
"Ja, gerne," antwortet er und läßt sich von ihrem leichten Zug an den Rand des Beckens führen. Er setzt einen Fuß auf die erste unter Wasser liegende Stufe und fühlt das Wasser, nicht so warm, wie er es erwartet hatte ('nun, dies ist natürlich auch kein Badehaus, in dem einem das heiße Bad das Wasser austreibt!'), aber lange nicht kalt. Seine beiden Gefährten vergessend steigt er tiefer in das Becken hinein.
'Was sagte sie vorhin im Scherze? Dieses Bad diene dazu, die Gläubigen vom Gestank der Straßen zu reinigen? So falsch ist das eigentlich gar nicht.'
Schuldbewußt denkt er daran, daß sie auch nicht vorher ein Badehaus zur Reinigung aufgesucht haben, sondern sich mit den eher eingeschränkten Mitteln an Bord der NORDSTERN begnügt haben.
Mit beiden Beinen im Wasser stehend fühlt er, wie herrlich erfrischend das duftende Bad auf ihn wirkt, es drängt Wulff, ganz hinein zu tauchen und dieses frische kühle Kribbeln am ganzen Körber zu spüren. Besonders groß ist das Becken eigentlich nicht, nur wenige Schritt im Durchmesser; dennoch ausreichend für Wulffs Vorhaben.
Er läßt Yrias Hand los, lächelt die Rahjani kurz an, atmet leicht aus und läßt sich mit dem Kopf voran in das Wasser gleiten, hinab auf den Grund des Beckens. Ohne nennenswert Luft in der Lunge treibt er auch nicht sofort wieder auf und kann sich so ganz der Einwirkung auf seine Sinne hingeben. Bedächtig streicht er sich durch die Haare, läßt kleinste Luftblasen nach oben perlen. Eine dicke Luftblase aus seinem Mund folgt ihnen. Wulff genießt ganz das Gefühl der Schwerelosigkeit.
'Ich sollte öfters baden, das denke ich jedesmal, wenn ich mal in einen See tauche oder durch einen Fluß schwimme. Aber dann, wenn ich der Gewässer ansichtig werde, entsinne ich mich meistens nicht an die Freude des letzten Bades und reite weiter. Warum eigentlich.'
Lange Herzschläge bleibt er unter Wasser, läßt sich ganz langsam nach oben tragen, ohne selbst einen Schlag dazu zu machen. Selbst die ansteigende Anspannung in seiner Lunge läßt er außer acht; er weiß, daß er bald auftauchen wird; wenn es eng wird könnte man ja sogar doch noch ein wenig paddeln - oder einfach die Füße auf den Boden stellen.
Wie so oft in Augenblicken der Entspannung, Nachdenklichkeit oder Langeweile gleitet seine rechte Hand zum Hals und an die beiden Amulette, die dort an feinen Lederschnüren baumeln und die er so gut wie nie abnimmt, seit sie sich dort befinden. Die Sonnenscheibe, ein kleines Schmuckstück aus Gold, und der Delphin, aus einem ihm unbekannten bläulich durchlässig schimmernden Stein.
'Nanu, wo ist der denn? Fast scheint es, als wolle er davon schwimmen. Wer weiß, vielleicht wohnt mehr von Efferds Kräften in ihm, als ich gedacht hätte. Immerhin, ich habe diesen Anhänger aus dem Tempel in Salzahaven.'
Die tastende Hand findet das Amulett und Wulff hält sich den Delphin unter Wasser vor die Augen und bewegt ihn leicht hin und her, so daß einzelne Lichtstrahlen auf seiner Oberfläche reflektiert werden.
'Wirklich, kaum zu sehen. Fast - echt!' Mit einem versonnenen Lächeln auf den Lippen treibt er langsam nach oben, die Stiche in seiner Lunge einfach ignorierend.

'Den habe ich kurz vor meiner Abfahrt erstanden - als ich das kleine Mädchen, diese Streunerin, in die Obhut der Geweihten übergeben habe. Wie es ihr wohl inzwischen geht? Ich hoffe doch gut.'



Noch schmunzelnd über Yrias Bemerkung zum Zweck des Beckens, sucht er sich eines der wunderschön gearbeiteten Schränkchen um seine Kleidung hinein zu legen.
Er wählt eines, auf dem die Siluette einer tanzenden Schönheit eingearbeitet ist. Man könnte meinen die Schleier der Tänzerin bewegen sich mit jeder Änderung des Blickwinkels, so kunstvoll und geschickt ist sie geschnitzt.
Er legt gerade seinen Umhang hinein, als er vom Geräusch des Abtauchens heimgesucht wird und einen Blick auf das Becken wirft, wo Wulff gerade ganz im Wasser verschwindet.
'Schon ein seltsamer Kauz, man könnte meinen er sei Geweihter des EFFerd' denkt dich Ottam grinsend als ihn Di Vespasio anspricht.
"Da habt ihr wohl recht" erwidert Ottam immer noch grinsend "Er scheint wohl auch dem Herrn EFFerd zugetan zu sein" wobei er weiterhin grinsen muss und mit dem Augenwinkel in Richtung Yrias schaut oder auch deutet.
Dann entledigt er sich seines Hemdes und dabei wird erstmalig sichtbar, das auch Ottam der thorwalschen Leidenschaft für Hautbilder gefrönt hat, denn auch seinen Rücken ist eine hervorragende Arbeit erkennbar.
Groß und sich über den Rücken auf voller Breite erstreckend ist mit grüngoldener Hautstichfarbe ein Mächtiger Drache erkennbar, für den Kenner der Hesindekirche zweifelsfrei als Abbildung Nacladors, dem Drachen der Weisheit, einem der Hohen Drachen Alverans erkennbar.
Das Bild ist exakt gestochen und muss die Arbeit eines begnadeten Künstlers sein, denn selbst filigranste Details sind gut und sauber erkennbar.
Nun entledigt sich der Schiffsmagus auch der restlichen seiner Kleidungsstücke und blickt noch einmal kurz zum Comte um zu sehen, ob er auch bald soweit ist, bevor er dann ebenfalls in das Becken steigt in dem sich bereits Yria und der tauchende Praiot befinden.

Da das Wasser an Bord eines Schiffes selten warm ist, kommt es ihm im Gegensatz zu Wulff überhaupt nicht kalt vor, sondern angenehm behaglich. So tippelt er Schritt für Schritt hinein, bevor auch er untertaucht, jedoch nur nach unten, um einmal ganz von EFFerd's Element umgeben zu sein und die Haare zu durchnässen, die jetzt lang und Nass über dem wieder auftauchenden Ottam hängen, was ihn dazu veranlasst sie zusammen zu streichen und nach hinten zu legen. Dann lächelt er in Richtung der Geweihten und schwimmt ein wenig in Richtung des anderen Beckenufers.



Yria geht, im Gegensatz zu Wulff, eher gemächlich ins Wasserbecken. Offenbar ist jegliche Scheu von den Dreien verflogen - wenn denn überhaupt je eine vorhanden war! Sie lässt ihren Blick durch das Tempelinnere schweifen und schaut sich nach den anderen Geweihten um.

Dalena massiert noch immer den Mann, was offenbar beiden ein ziemliches Vergnügen zu sein scheint. Mittlerweile scheinen ihre Berührungen nicht mehr nur dazu zu dienen, die verspannten Muskeln des Fremden zu lockern. Zudem beginnt er auch mehr und mehr seine Hände an ihren Körper entlang streichen zu lassen.

Felion dagegen fängt wieder ein neues Lied an. Mit geschlossenen Augen konzentriert sich der schwarzhaarige Halbelf ganz und gar auf die Melodie und entlockt seiner Harfe zauberhafte Töne, die durch die Halle schweben und von den runden Wänden in jede noch so kleine, dunkle Nische reflektiert werden.

Aska kann Yria im Moment nicht entdecken. Wahrscheinlich ist die junge Geweihte noch in 'ihrem' Garten.

Marueca dagegen, eine schöne Almadanerin mit rotbraunen, sehr langen Haaren, die mit ein paar dünnen Flechtzöpfen, in die wiederum grüne und blaue Seidenbänder eingeflochten sind, liegt auf einer Liege bei der Dame aus der Nachbarschaft und schwatzt leise mit ihr.

Yria wartet einen kurzen Moment, bis Marueca zu ihr hinüber schaut. Schnell und möglichst unauffällig macht Yria mit den Fingern ihrer rechten Hand ein paar Zeichen - ein kurzes Hinweisen mit dem Zeigefinger auf einen freien Platz in der Nähe von Felion, dann zeigt sie ihr rasch den ausgestreckten Daumen, Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig und deutet dann auf eine der vielen, noch freien Liegen.

Marueca dagegen nickt kurz. Sie kennt diese Art der Kommunikation von Yria mittlerweile gut genug, um zu wissen, was die Tempelvorsteherin von ihr will. Diese Art von 'Sprache' ist zwar kein Atak, aber auch sie dient dem Zweck eher heimlich übermittelt zu werden. Doch hat das keinerlei phexische Gründe! Yria hat diese Kommunikationsform entwickelt, um nicht durch den ganzen Tempel irgendwas brüllen zu müssen und somit die entspannte Atmosphäre zu zerstören. Marueca weiß nun jedenfalls, dass sie einen ihrer Tänze vorführen soll, wenn die drei Herren aus dem Badebecken gekommen sind und es sich auf den Liegen bequem gemacht haben.

"... aber ihr Mann säuft ja sowieso ganz und gar maßlos! Kein Wunder, wenn er dann solche 'Erscheinungen' hat!"

Marueca nickt zu den Worten der Dame bei ihr. Klatsch und Tratsch sind ihr eigentlich zuwider, aber diese Frau ist nunmal eine regelmäßige Besucherin des Tempels und ansonsten durchaus ganz nett. In Gedanken aber überlegt sich Marueca schon, welchen Tanz sie aufführen könnte.

Sie hat mittlerweile ein recht buntes Repertoire, aber diesmal will sie etwas probieren, was sie bisher nur vor einem Spiegel geübt hatte, denn sie war sich nie sicher, ob sie auch gut genug wäre. Mondelang hatte sie immer wieder und wieder geprobt und sich die einzelnen Bewegungen, die sie damals in Fasar erlernt hatte, in Erinnerung gerufen. Dennoch war sie sich nie sicher, ob sie nicht doch noch die ein oder andere bestimmte Bewegung oder Haltung vergessen hatte. Außerdem muss sie noch andere Kleidung anziehen und die Harfe ist für diesen Tanz nicht mehr geeignet, so dass Felion wohl auf ein paar tulamidische Trommeln zurückgreifen muss.

"... verstehe das auch nicht. Männer und Imman! Oh je!"

Noch immer schwatzt die Dame weiter, doch Marueca muss sich langsam vorbereiten.

"Ja, ich verstehe auch nichts von diesem Spiel. Männer sind in der Hinsicht wirklich noch ziemliche Kindsköpfe," antwortet Marueca leise, "aber... ich muss mich für einen Tanz bereit machen. Wenn ihr erlaubt, wuerde ich mich gerne zurück ziehen."

Die Dame nippt kurz an ihrem Weinkelch und nickt dann.

"Natürlich. Ich freue mich darauf!"

Lächelnd steht Marueca auf, nickt noch einmal kurz Yria zu und huscht dann durch einen Vorhang in den hinteren Teil des Tempels, wo die Geweihten unter anderem ihre Quartiere haben.

Die Tempelvorsteherin registriert das Nicken, aber sie achtet nicht so genau darauf. Vielmehr schaut sie zum dem Praiosgeweihten, der offenbar länger im Wasser verweilen will, als manchem gut tut.

Kurz kräuselt sich ihre Stirn besorgt, dann aber taucht auch sie, ohne auf ihrer kunstvolle Frisur zu achten, unter und blickt dem Geweihten direkt in seine Augen. Sie legt kokett und sanft ihre Hand unter sein Kinn, nähert sich ihm ein wenig, fast, als wolle sie ihn küssen, taucht dann aber langsam auf, in der Hoffnung, dass auch er wieder an die Luft kommt.

'Nicht, dass noch etwas passiert!'



Kurz sieht Wulff den Blick der Tempelvorsteherin und spürt ihre Hand flüchtig an seinem Kinn. Er lächelt und schon entschwindet sie wieder aus seinem Blickfeld. Nur wenige Augenblicke später ist es soweit, Wulff fühlt die kalte Luft an seinem Rücken und mit einem Prusten taucht er endgültig seinen Kopf aus dem Wasser.

"Ahhhhhh!"

Tief atmet er aus und ein und aus und ein. Wie wohltuend selbst Luft sein kann! Mit einem Grinsen im Gesicht macht er zwei schnelle Stöße auf den Beckenrand zu und dreht sich dort um.

"Nur herein, das Wasser könnte nicht erfrischender sein." wendet er sich an den Comte.

Und da ist der Magus, ob auch er wegen des Wasserscheuen Adligen grinsen muß?



IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Zaudernder Edelmann - Di Vespasio


'Bei Phexens Fingern, diese Krieger sind aber wirklich von der schnellen Truppe. Kaum hat man mit den Augen geblinzelt, schon stehen sie nackt da.'

Di Vespasio hatte sich mit dem Ausziehen etwas mehr Zeit gelassen und erstmal die Schnitzereien genauer betrachtet. Nicht aus Verlegenheit oder gar Prüderie, nein, derartigen Luxus erlaubten vorausschauende Eltern von Stand ihren Kinder erst gar nicht und der junge Frizzi hatte Nacktheit nie als einen Zustand besonderer Verletzbarkeit kennengelernt. Er ist einfach fasziniert von den merkwürdigen Formen.

Das Schränkchen etwa, das er sich ausgesucht hat, ist verzieht mit einem Ornament von Brüsten und Rosen, wobei, und das ist raffiniert, einige der ersteren als Negativrelief ausgeführt sind, was die plastische Wirkung erstaunlich erhöht. Gerade fährt der Adlige mit dem Finger den wohligen Schwung des roten Holzes nach, als ein Geräusch ihn sich umwenden und einen Blick auf Wulff Onaskje werfen läßt.

'Ein wirklich stattlicher Mann, mein Lieber, ... natürlich rein im ästhetischen Sinn nach Pitons Körperformenlehre gedacht. Was wohl der Greif ... wie auch immer.'

Er nimmt dies zu Anlaß sich von den Hölzern loszureißen und beginnt, nachdem das Buch seinen Platz auf einer kleinen runden Holzbank in der Raummitte gefunden hat und Stock und Hut hinten im Schrank verstaut sind, damit den roten Rock aufzuknöpfen.

Während sich der Geweihte des Praios in die Fluten stürzt und gar nicht mehr auftauchen will, wendet er sich schmunzelnd an den Schiffsmagier.

"Unser Begleiter scheint ja nicht nur ein Lichtbringer, sondern auch noch ein wahrer Raubfisch zu sein."




Auch di Vespasio ist bald mit seinen Knöpfen am Rock fertig. Zunächst ist er etwas verärgert, weil er keinen Bügel hat, aber dann fällt ihm im unbenutzten Nachbarschrank einer auf, den er sich kurzerhand aneignet.
Dem Rock folgt bald auch das Hemd sowie ein Unterhemd, beides in hellstem Weiß. Allerdings macht auch das Fehlen derselben keinen großen Unterschied, denn die darunter zum Vorschein kommende Haut ist büttenweiß, geradezu unbeschrieben. Auch die Konstitution seiner Brust zeigt deutlich, daß der Adlige sein Brot nicht durch harte, körperliche Arbeit unter sengend heißer Sonne verdient, sondern eher in schattigen Palästen lustwandelt und eher den Federkiel in kerzenerhellten Bibliotheken schwingt als die Sichel auf dem Felde.
Die Stiefel machen ihm etwas mehr Probleme, während die Hose und die Unterkleidung wesentlich leichter gehen, insbesondere -was man immer beachten sollte- wenn man vorher die Stiefel ablegt.
Als deutlich Letzter hat sich auch di Vespasio seiner Sachen entledigt. Er wirkt insgesamt etwas schmächtig und hager, was den raubvogelartigen Ausdruck seines Kopfes noch verstärkt. Zusammen mit seiner hellen Haut hat ihm das im Regiment einen Spitznamen eingetragen, den er mit Würde getragen hat, hauptsächlich weil ihm nichts anderes übrig blieb, und an den er lieber nicht erinnert werden will.
'Gerupfter Gockel, so haben sie dich genannt, mein Freund.'
Aus dem Schrank sucht er sich seinen Stock wieder heraus, nimmt das Buch zur Hand und spaziert zum Bad, wohinein er vorsichtig einen Zeh versenkt.

'Brrrrh! Kalt! Gut daß du gestern im Badehaus warst, dies wird eine sehr rituelle Reinigung. Wie können die Beiden es nur so lange darin aushalten?'



Yria bemerkt, dass Frizzi nur kurz den Fuß ins Wasser steckt, aber sich dann wohl noch nicht ganz traut hinein zu steigen. Offenbar ist es ihm wohl ein wenig zu kalt.
Lächelnd geht sie auf ihn zu, wobei ihr schöner Körper mit der makellosen Haut wieder mehr aus dem Wasser hervorkommt. Hunderte von kleinen, dünnen Wasserbächen fließen an ihrem Körper und ganz besonders von ihrem festen Busen hinab und tropfen mit hellem Klang ins Becken wieder hinab.
"Ja, das Wasser ist im ersten Moment nicht sonderlich warm. Aber gerade das weckt müde Geister wieder auf," sagt die Tempelvorsteherin zu di Vespasio, "es bedarf nur eines kurzen Augenblicks der Überwindung und der Vorstellung, dass am anderen Ende weiche Tücher zum Abtrocknen bereit liegen. Außerdem erwarten euch nach diesem kurzen Bad ein paar wundervolle Stunden im Inneren des Tempels."
Das Zwinkern, dass sie ihm zuwirft, ist weder frech noch verspielt, sondern es hat etwas Verheißungsvolles und leicht Erotisches in sich, so als würde sie ihm ein stilles Versprechen geben.


Beim Anblick des zögernden Comtes und den Verlockungen der Rahjani muss Ottam ein wenig schmunzeln und denkt sich beim nächsten Mal auch ein wenig zu zögern, bei der Aussicht auf so eine entzückende Einladung.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Magier zu Wasser - Ottam


Ottam ist mit der Temparatur des Wassers immer noch zufrieden, so entschließt er sich ein zwei mal im Becken hin und her zu Schwimmen um ganz mit dem nassen Element zu verschmelzen.

Dann legt er sich entspannt auf den Rücken und treibt regungslos aber sichtlich zufrieden mit den Armen hinter dem Kopf verschränkt auf der Wasseroberfläche, nur Ausatmen tut er nicht gänzlich, denn im Süßwasser sollte man, um so zu treiben immer ein wenig Luft im Bauch behalten.



IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Der traurige Barde ... - Lyrian


Lyrian hat es endlich geschafft. Mit müdem Blick hebt er seinen Kopf und betrachtet die beiden schoen gearbeiteten Statuen vor dem Rahjatempel. Die kleinen, engen und verwinkelten Gassen hat er endlich hinter sich gelassen und jetzt kann er sich wohlverdienterweise im Rahjatempel entspannen.
Ob er hier allerdings auch für einen Moment seine Sorgen und die Trauer vergisst, bezweifelt er. Aber bevor er ein Schiff, dass in den Süden fährt, nehmen will, will er zumindest ein letztes Mal der Schönen Göttin huldigen.
'Wäre möglich, dass das Schiff unterwegs untergeht und ich nie wieder einen dieser wundervollen Tempel betreten kann.'
Versonnen streicht er über eine reinweisse Blüte, die sich fast durstig zur Praiosscheibe hinstreckt.
'Wie zerbrechlich... ein leichter Druck und sie würde zerfallen.'
Ein besonders schwerer Seufzer entflieht seinen Lippen. 'Auch ich habe mich in den letzten zehn Jahren immer nur dem Licht und dem Ruhme entgegengestreckt. Den dunklen Seiten des Lebens habe ich nie ausreichend Beachtung geschenkt. Ich litt eigentlich nur, wenn man meine Lieder nicht würdigte oder ich nicht ausreichend begehrt wurde. Wie oberflächlich!'
"Gefallen sie euch?"
Lyrian schreckt zusammen, als er eine weibliche Stimme hinter sich vernimmt. Er dreht sich um und blickt in das grinsende Gesicht einer jungen Rahjani, die mit einer Gießkanne dort steht und ihn ganz unverhohlen beobachtet.
"Das sind Muskatrosen. Die sind hier ziemlich selten."
Einen kurzen Moment lang blickt der Barde zwischen den weißen Blumen und der Geweihten hin und her.
'Muskatrosen, schön ..... Bei RAHja! Was für Haare sie hat!'
Letztlich bleibt sein Blick dann doch bei der Rahjani hängen und er lässt ihn verstohlen über ihren Körper gleiten. Lange, schlanke Beine, ein kurzes Tunika-ähnliches Kleid aus roter, leicht durchsichtiger Seide und dazu offenes rotblondes Haar. Sie mag wohl noch keine 20 sein und aus ihren blauen Augen sprüht pure Lebensfreude.
"RAHja zum Gruße, schweigsamer Wanderer," sagt sie neckisch, "meine Name ist Aska und ich kümmere mich um den Garten des Tempels."
Schnell hat Lyrian seine Stimme wiedergefunden, so dass er ihr, kombiniert mit einer eleganten Verbeugung, antwortet:
"Ich bin Lyrian Nachtigall und Barde aus dem schönen Garetien."
Mit einem Lächeln erhebt er sich wieder und es scheint so, als hätte wieder ein wenig Licht in seinem Herzen zurück gefunden.
Auch Askas Grinsen wandelt sich in ein verzücktes Lächeln.
"Anscheinend ist nicht nur Garetien schön... "
'Was ist mit seinen Augen? Sie sehen so müde und rot aus. Er scheint große Sorgen zu haben.'
Sie stellt die Kanne ab und nähert sich Lyrian, weiterhin lächelnd, obwohl ihre Gedanken sich mehr und mehr von ihren schmeichelhaften Worten entfernen.
"Es ehrt mich zutiefst, dass ihr meine Blumen würdigt, bevor ihr den Tempel betretet. Andererseits hat unser Harfenvirtuose kürzlich ein Lied verfasst, dass er heute gerne vor einigen Tempelbesuchern vorspielen möchte. Ich bin mir sicher, dass es euch gefallen wird."
'Nicht darauf ansprechen, umschwärmen, ablenken, ihn mit schönen Dingen beschäftigen - ich hoffe, ich mache meine Sache richtig, damit Yria zufrieden, nein, stolz auf mich ist!'
Aska, erst seit wenigen Monden eine Rahjageweihte, streicht verführerisch durch Lyrians langes, weißblondes Haar, das in der Sonne wie besonders helles Gold glaenzt und atmet dabei das Parfüm ein, das ihn dezent umweht. Es duftet ein wenig nach Rosen, wobei eine leicht herb-holzige Note mit eingefügt wurde.
'Wie mein Garten... ,' denkt sich die junge Geweihte schwärmerisch.
Lyrian dagegen spürt wie sein Herz ein wenig schneller klopft. Die letzten Tage waren anstrengend und voller Sorgen für ihn gewesen, so dass diese Szenerie jetzt ein wenig irreal auf ihn wirkt. Er nimmt Askas Hand, die ihm durch seine Haar streicht, in seine und haucht einen zarten Handkuss darüber, wobei er seine Augen schließt.
'Ist es Frevel, wenn ich mich amüsiere? Oder hätte es Mukhadin so gewollt?'
Er öffnet seine Augen wieder und blickt in Askas.
'Nur einen Moment lang will ich vollkommen vergessen!'
"Erlaubt mir, euch in den Tempel zu begleiten," flüstert Lyrian der Geweihten zu, die wiederum glücklich und erleichtert zugleich nickt.


Lyrian geht zusammen mit der jungen Geweihten Aska auf den Eingang des Rahjatempels zu und öffnet die hölzerne Tür mit einem höflichen:
"Nach euch, euer Gnaden!"
Aska wiederum geht lächelnd und kopfschüttelnd zugleich an ihm vorbei.
"Duzt mich bitte. Solche Förmlichkeiten sind mir eher unangenehm."
Um Lyrians Mund spielt sich ein kleines Lächeln ab.
"Nun gut, Aska, aber dann duze mich bitte auch."
Er spuert, wie sich seine Laune ein wenig hebt und seine dunkle Seele langsam wieder etwas Licht und Waerme bekommt. Mit diesem angenehmen Gefühl betritt er nach der Rahjani den Tempel und sofort umfängt ihn ein wohliger Blumenduft und der Klang einer Harfe und er sieht --- den bleichen Allerwertesten eines hageren Mannes!
Nicht eine Regung ist auf Lyrians Gesicht zu sehen, statt dessen wendet er sich mit einem halblauten "RAHja zum Grusse" den Schränken zu, um dort erstmal seine Tasche mit der Laute abzustellen.
'So ein Käsearsch... '


IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Des Comtes Verlegenheit - Di Vespasio, Ottam


Di Vespasio ist ein wenig zögerlich der verführerischen Einladung Yrias zu antworten, noch viel mehr der ebenso kameradschaftlichen des Praiosgeweihten. Es geht auch nicht um die Temperatur alleine, wenn dies auch ein wichtiger Faktor ist.

'Wirklich, mein lieber, du hättest daran denken sollen, heute morgen. Das ganze Puder wird verlaufen! Ein Dilemma, unmöglich sich jetzt am Becken vorbeizugehen. Du würdest gleich zwei Einladungen ohne Grund ablehnen, ein wirklich blendender Einstieg in einen Rahjatempel. Und die Alternative ist ebensowenig einladend.'

Di Vespasio will gerade der Geweihten antworten, ohne genau zu wissen was er sagen soll, als ihn ein Gruß ablenkt, den zu ignorieren gerade jetzt nicht ratsam ist, zumal er die Möglichkeit bietet, daß doch noch alveranische Hilfe ihn und sein Puder vor dem Wasser rettet.

Daher wendet er sich leicht um und erwidert den Gruß des neu Hinzugekommenen mit einer leichten Verbeugung des Kopfes.

'Oho, ein Spielmann. Aber einer von der besseren Sorte. Diese Weste scheint sogar aus Vinsalter Samt zu sein, wenn dich dein Auge nicht täuscht. Allerdings seinem Gesichte nach zu urteilen wäre er in einem Bett besser aufgehoben. Ja, ja, diese Künstler, ein Fest nach dem anderen.'

"RAHja zum Gruß."

Auch der jungen Geweihten begegnet er mit einer leichten Verbeugung des Kopfes und schließt sie in den so in den Gruß ein, bevor er sich wieder dem Becken zuwendet, immer noch ohne jede Ahnung, was er sagen soll.

"Nun, es ist nicht so sehr die Temperatur des Wassers an sich, die mich abschreckt. Nein, bei weitem nicht, im Gegenteil. Mein alter Lehrer, der Graf, wie wir Kinder in lediglich zu nennen wagten, sagte schon damals, daß ein zuviel an Disziplin nie schaden kann, auch nicht wenn es um Wechselbäder geht... Natürlich nicht nur um Wechselbäder. Eigentlich ging es ihm gar nicht um Wechselbäder."

Irgendwie scheint sich die Pointe des Adligen etwas verloren zu haben, doch da durchzuckt ihn plötzlich ein Gedanke.

"Nein, es geht mir vielmehr um mein Buch hier, von dem ich befürchte, so erfrischend das Wasser auch sein mag, Euer Gnaden, es wird ihm nicht zur Verbesserung seines Zustandes hilfreich sein."

Zufrieden doch noch eine Pointe heraus geschunden zu haben, zwinkert er Yria zurück.



Ottam ist froh das er es gelernt hat seine inneren Gefühle nach außen abzuschotten, könnte er dies nicht, so müsste er jetzt sicher lachen.

'Ein Buch? er will tatsächlich ein Buch mit ins Bad nehmen ???'

denkt sich der Magus und kommt nicht wirklich zu einer logischen Erklärung, denn wenn das Buch so wertvoll ist das der Comte es nicht einmal im Tempel aus der Hand legen mag, warum nimmt er es dann mit? Will er es zum Hesindetempel bringen? warum hat er das nicht gesagt, dann hätten wir anders gehen können und dort vorher vorbeischauen können'

Als Wulff in seine Richtung Blickt muss Ottam einfach seine Augen zum grinsen ein wenig gen Alveran richten, als wolle er etwas wie 'ohje ein Wasserscheuer' ausdrücken, natürlich darauf bedacht das nur Wulff davon mitbekommen kann, aber das ist ja kein Problem, denn schließlich ist ja sowohl er als auch Wulff bereits im Wasser.

Dann wendet er sich dennoch an Di Vespasio und sagt im Anschluss an die Worte des Praioten "recht hat er, es ist wunderbar erfrischend und euer Buch ist doch im Schrank bei den Gewändern bestens aufgehoben, zum Lesen ist doch an Bord der Nordstern mehr als genug zeit."

Ohne auf eine Antwort zu warten schüttelt der Schiffsmagus leicht den Kopf und die langen Haare, jedoch nur um dann am Beckenrand nach unten zu Tauchen, unter Wasser ein Rolle zu machen und dann zum anderen Beckenrand zu Tauchen, so als wolle er beweisen wie angenehm das Wasser ist.

Auf der anderen Seite angelangt streckt er den Kopf wieder aus dem Wasser und blickt in Richtung der Anderen.



Mit einem Augenzwinkern gibt Onaskje dem Magier zu verstehen, daß auch er das Verhalten des Comte absurd findet. Nun nimmt Wulff seinerseits den neuen Tempelbesucher in Augenschein, besonders intensiv schaut er sich dessen erschöpftes Gesicht an.

'Ein Tauchbad im Reinigungsbecken ist genau das, was dieser Bursche braucht. Mann, sieht der fertig aus, als ob er vielleicht sehr wenig geschlafen hat. Die roten Augenränder, ob er um jemanden trauert, vielleicht um seine verstorbene Frau? Und darum der Rahjatempel?'

"Na, dann werde ich hier mal ein wenig Platz schaffen!" sagt Wulff halblaut vor sich hin, und etwas lauter, damit es der Comte ja auch hören kann:

"Ich will ja nicht daran schuld sein, daß jemand das Reinigungsbecken verpaßt.

Ah, verehrter Comte, der junge Mann hat zwar recht, aber Ihr solltet das Buch doch einfach zu Eurer Kleidung legen. Im Tempelinneren werden wir gewiß ausreichend Zerstreuung der angenehmsten Art genießen können."

Leicht vom Beckenrand abfedernd steigt Wulff aus dem Wasser und ergreift eines der bereitliegenden Tücher und beginnt, sich damit abzutrocknen. Dabei beobachtet er abwechselnd das Geschehen im Vorraum und im inneren des Tempels, soweit dieses für ihn erkennbar ist.

Nicht zu übersehen ist eine ältere Dame auf eine der Liegen, die die Neuankömmlinge interessiert mustert und einladend anlächelt. Mit verhaltenem Kopfnicken grüßt Wulff die Dame zurück und wendet sich dann wieder zu dem Magier hin. Vorsichtig tupft er die noch recht frische Tätowierung ab und wirft dabei einen Blick auf diejenige von Ottam.

'Sieht sehr imposant aus, sein Drache. Und die grüne Färbung bildet einen sehr anregenden Kontrast zu seiner hellen Haut.'

Nachdenklich schaut Wulff auf seine eigene sonnengebräunte Haut.

'Was wohl der Comte von mir hält? Schließlich glaubt Seinesgleichen, helle Haut sei nobel und zeuge von geistiger Arbeit. Na, ich denke ja, sie erinnert an Leichen und zeugt von der Unfähigkeit, zu Fuß bis zur nächsten Dorf zu kommen ohne nach stundenlanger Verspätung mit Blasen an Händen und Füßen am Ortsrand zusammenzuklappen. Wobei der gute Comte allerdings wesentlich lebendiger wirkt als die durchschnittliche Leiche, mit der ich es bisher zu tun hatte.'

Da er nicht so recht weiß wohin sonst, legt er sich das feuchte Tuch über die Schulter.

'Ob ich schon mal in das Tempelinnere gehe?'



Nachdem Onaskje es vorgemacht hat fällt auch Ottam wieder ein, dass dieses Bad ja eigentlich nicht zum Planschen gedacht ist und so steigt auch er aus dem Becken und trocknet sich mit einem der bereitgelegten Tücher ab.
Die gebräunte Haut Wulffs ist für Ottam ganz normal, schließlich ist jener Geweihter des Praios und jeder der sich den Strahlen der Praiosscheibe aussetzt, was dessen Geweihte ja durchaus öfters zu tun pflegen, wird früher oder später eine Braunfärbung der Haut bemerken.
Erfreut nimmt er wahr, dass Onaskje offensichtlich ebenso verwundert über das Gebaren des Comte ist.

Noch während er diesen gedanken nachhängt legt er das Tuch zurück und lässt ebenfalls den Blick schweifen. Jedoch bleibt der seine weniger an dem hinzugekommenen Gast hängen, als vielmehr an der ebenfalls hinein gekommenen Geweihten.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Das Buch - Lyrian und Di Vespasio


Lyrian lehnt seinen bunt bemalten Wanderstab an die gegenueber liegende Wand und packt dann seinen Rucksack, der nicht gerade leicht ist, in den Schrank. Darauf legt er dann seinen Umhang, den er relativ sorgfältig zusammenlegt. Während dessen aber nimmt er unweigerlich die Worte des Mannes wahr, der noch vor dem Becken steht.

Während Lyrian seine Weste öffnet, wendet er sich dem Unbekannten zu und spricht ihn mit seiner etwas dunklen, aber sanften Stimme an.

"Wenn es euch nicht stört, dann würde ich auf euer Buch aufpassen, während ihr badet."

Er spricht diese Worte mit solch einer Leidenschaftlosigkeit aus, dass er sich früher darüber mehr als nur gewundert hätte, doch im Moment sehnt er sich nur nach einer Liege in einer ruhigen Ecke, wo er sich dem Wein hingeben und der Musik lauschen kann.



"Oh, keine Angst, ich will mich nicht etwa dem Reinigungsbad entziehen. Es stürzt sich eben nicht jeder so voller überschwenglicher Erwartung in den Tempelraum. Bitte geht ruhig schon voraus, ich werde nur eben das Buch ablegen."

Ein leichter Tadel ist in der Stimme des Adligen durchaus hörbar, auch wenn es so wenig ist, daß man ihn ohne weiteres ignorieren kann. Innerlich hingegen ist di Vespasio aufgebracht.

'Banausen. Allesamt. Werden lediglich von ihren edelsten Teilen in den Tempel gezogen, und das sind nicht ihre breigefüllten Köpfe, wo sie doch offenbar Muße von Mus ableiten. Besonders diese Praiot hat das Fingerspitzengefühl eines Knüppels. Vermutlich wärst du beim dieser wilden Prügelei in der Sportstätte noch besser weggekommen. Allesamt Illiteraten. Banausen!'

"Banausen!"

Di Vespasio wendet sich vom Becken ab und geht auf den Barden zu. Das letzte Wort fährt ihm leise über die Lippen, unbeabsichtigt, gerade als er das Buch etwas heftiger als notwendig auf die Holzbank legt. So hat er das Bedürfnis noch etwas laut hinzuzufügen, schließlich will er ja nicht den Eindruck erwecken, den Spielmann beleidigen zu wollen.

"Vielen Dank, ich erlaube mir einfach mal, Euer Angebot ganz formlos anzunehmen."



"Angst. Wer hätte denn hier Angst!?" sagt Wulff leise vor sich hin, nachdenklich den Comte ansehend.



"Nicht jeder weiß mit HESindes Gaben umzugehen, Euer Hochwohlgeboren," murmelt Lyrian auf Frizzis Bemerkung bezüglich seiner beiden Begleiter und betrachtet interessiert, aber immer noch deutlich müde, das Buch, das der Comte auf die Holzbank gelegt hat.


'*Schöne Verse* von Miriam Abilech - das kenne ich!'


Ein wenig zögerlich greift der groß gewachsene Barde zu dem Buch und blättert kurz darin. In Gedanken taucht das Bild auf, was er noch von seiner Kindheit her kennt: eine große, dunkle Bibliothek mit wuchtigen Büchervitrinen, hinter denen allerlei wertvolle Bücher, aber auch die ein oder anderen 'Buchimitate' aus Holz stehen. Mitten im Raum der große Schreibtisch seines Vaters, wo er nächtelang Konten führte, Gewinn und Verlust berechnete und am Tage immer und immer wieder versuchte in seinem einzigen Kind, seinem Erbe, die Lust am Geschäfte machen zu wecken.

Aber anstatt Geschäftsbücher hatte Lyrian lieber die Romane, Reiseberichte und Gedichtbände gelesen, in Atlanten geschmökert und immer wieder von der weiten Welt geträumt - von gewaltigen Gebirgszügen, wo man das Gefühl hat, den Göttern nahe zu sein; von tiefen, dunklen Wälder, die so manches Geheimnis sorgfältig verbergen; von der blauen, ungezähmten See, die nur sich nur von einem, EFFerd, beruhigen lässt; von Städten, die zwar nicht so groß wie Gareth sind, aber dafür um so lebendiger erscheinen...

Ohne es genau wahrzunehmen, hat Lyrian eine Seite aufgeschlagen und liest in Gedanken leise das dort stehende Gedicht:


'Ewig moege sie dauern

die mich beschuetzende Nacht.

Ewig moechte ich hier lauern,

auf meiner einsamen Herzenswacht.


Doch langsam seh' ich die Sonne erwachen,

will das Liebste mir stehlen.

Leise hoere ich Lerchen lachen,

wie aus hundert höhnisch' Kehlen.


Oh, ihr Goetter, warum laesst ihr dies zu?

Warum muessen wir dies Schicksal ertragen?

Wann komme ich endlich zur Ruh

oder kann meine Liebste um ihre Hand erfragen?'


Lyrian schließt leise seufzend das Buch und legt es zurück auf die Bank. Weiter als die drei Strophen mag er nicht lesen, da die Worte sein Herz wieder schwerer werden lassen.

'Wird Zeit, dass ich mich ablenke!'

Er zieht seine Weste aus und legt sie in den Schrank auf den Umhang. Darunter kommt ein blütenweißes Hemd zum Vorschein, dass er nun auch beginnt aufzuknöpfen.

'Hmmm, sieht so aus, als wäre hier eine recht interessante Gesellschaft versammelt. Der Mann, dem das Buch gehört, wurde mit 'Comte' angesprochen - also ein Horasier! Angenehm. Der mit der Greifentätowierung wiederum wurde mit 'Euer Gnaden' angesprochen - wahrscheinlich ein Praiot. Hm. Der andere dagegen... tja, schwer zu sagen... '



Ob der Bemerkung des Barden zieht di Vespasio leicht den Mundwinkel hoch, antwortet aber nicht. Offenbar hat er hier einen Bundesgenossen der schönen Künste gefunden, denn der Mann blättert im Buch wie jemand, der erfreut einen vertrauten Weg abschreitet, auch wenn sein müdes Gesicht eine andere Sprache spricht. Di Vespasio beschließt, ihn sich für den Augenblick in Ruhe entkleiden zu lassen und schreitet nachdenklich wieder zum Becken, das zu verlassen sich gerade seine beiden Begleiter anschicken, während die junge Geweihte es betritt.
'Obacht, mein lieber. Du hast dich auch nichtigen Gründen provozieren lassen, wie leicht kann das schlimme Folgen haben. Ein Praioasgeweihter und ein mächtiger Magier mögen sich ja mit Rahja per du fühlen, aber du solltest deinen Platz kennen. Streit und Unmut in einem Rahjatempel sind ... verboten.'
Auch der Adlige nimmt die sechs Stufen ins Wasser, dabei die uralten Verse der Reinigung leise auf Bosperano murmelnd.

"Haut reinige von Schmutz
Mund entsage dem Wahn
Herz beende der Hatz
Auge verschließe der Gier
Hirn entlöse dem Bann

Mann besinne dich schier"



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Stille Überlegungen - Onaskje und Ottam


Nun wandert Wulffs Blick zu der ebenfalls eingetretenen Rahjadienerin, eine junge Frau, fast noch ein Kind und sehr niedlich anzusehen!
'Ach ja! In den letzten Tagen hatte ich wirklich wieder vermehrt mit jüngeren Leuten zu tun, vor allem in den letzten Tagen... Wenn ich da nur an diese Silana denke oder an den jungen Hesindegeweihten. Und Ameg und .... wie heißt der Schiffsjunge? Alrik. Der ist mir ja bisher immer erfolgreich ausgewichen!'
Wulff bemerkt nicht, wie er so in Gedanken stur auf das Gesicht der jungen Geweihten blickt, manchmal passiert ihm dies, wenn er nachdenkt und er nicht gerade unter Streß ist.
'Ja, dieser Ameg schien mir auch ein wenig verloren auf dem Schiff Und sein Mentor, dieser Torin - Tischler, ha! Dieser falsche Dukat! Seine Hände waren nicht die eines Handwerkers. Und er hatte so gar nichts von Holz an sich. Wenn ich neulich nicht so schlaftrunken gewesen wäre, hätte ich mir so etwas nicht erzählen lassen! Ameg. Ob ich ihn frage, ob er mich ein wenig begleiten will? Er hat eine freche, vorlaute Art, nicht ohne Respekt, die mir gefällt. Ich glaube, er ist nicht auf den Kopf gefallen. Ich bin mir sicher, daß er nicht geeignet wäre, dem Herren des Lichtes direkt und so intensiv zu dienen, wie es mir ein Bedürfnis ist, dazu ist er irgendwie zu ... agil.'
Noch immer liegt Onaskjes Blick unbewußt auf dem Gesicht der ihm unbekannten Schönheit, und bei den Gedanken an den aufgeweckten kleinen Jungen werden seine Gesichtszüge weicher und entspannter.
'Aber er könnte einiges von mir lernen, daß ihm in seinem Leben weiter bringt, egal für welchen Weg er sich entscheidet, wenn er vom Kinde zum Jüngling und dann zum Manne reift. Denn wahrlich, das werden der Welt und seiner Geschöpfe liegt in der Hand unserer Götter, und besonders in der des Fürsten des Lichtes und der Wahrheit. Und er hält viele Pfade für uns bereit, und es liegt sogar in unserem Ermessen, unter einigen von ihnen zu wählen. Für die meisten gilt dies jedenfalls... Ja, heute abend werde ich mal mit ihm reden.
Schon seltsam, welche Gedanken mir in einem Tempel durch den Kopf gehen. Und ich bin sicher, das man solche Gedanken nie als puren Unsinn betrachten sollte.'
Langsam gleitet Onaskjes Blick tiefer und bleibt auf den Brüsten der Geweihten liegen.
'Wirklich eine perfekte Form, die die Götter da ersonnen haben. Ideal, um eine Hand draufzulegen und die Form und das Volumen zu spüren, die samtige Oberfläche der Haut und den leichten Druck der Spitzen...'

Ein Wirbeln liegt vor seinen Augen und dunkle lange Haare umschmeicheln ein Gesicht, daß scheinbar keine feste Formen anzunehmen vermag. Tief in seinem Inneren ziehen sich Muskeln zusammen und der ganze Körper von Wulff nimmt plötzlich eine leichte Anspannung an, um einen Finger scheint er sich zu ducken wie die Raubkatze zum Sprung. Minimale Veränderungen, die einem unbedarften Beobachter sicher nicht aufzufallen vermögen.



Ottam verkneift es sich etwas auf die Reaktion des Comte zu sagen, denn auch wenn er kein Wort von ihm vernehmen kann, so ist es doch offensichtlich das dieser ein wenig eingeschnappt zu sein scheint.
'Ob er noch nie in einem Tempel der Schönen Göttin war? Lesen ist eine Göttergefällige Kunst, doch wer vermag bei der schönheit die es hier zu erblicken gibt seinen Nase in ein Buch zu stecken?' Mit diesen Gedanken meint der Magus nicht einmal nur die Rahjanis sondern auch die zahlreichen Kunstwerke die hier an allen Ecken und Enden des Tempels zu entdecken sind.
Dort die kleinen aus weißem Marmor gefertigten Stuten, welche die Ränder des Reinigungsbeckens markieren. Nicht mehr als 10 Finger ist jede von ihnen hoch, doch von solch filigraner Schönheit und Perfektion, das der Betrachter glaubt sie würden jeden Augenblick davon preschen.
Oder ein wenig weiter in Richtung des Tempelinneren, Ein Lebensgroßes GEmälde einer Tänzerin wie sie anmutiger nicht sein könnte.
Doch hier muss Ottam seinen Blick senken, eine Erinnerung droht zurückzukehren, die Wunde blutet wieder, Niemals hätte ich mich so gehen lassen dürfen wie vorhin, niemals.
'Ottam' sagt er zu sich selbst, so wirst du nie das Ziel erreichen, nur mit eisernster Disziplin, sie werden jede noch so kleine Schwäche gnadenlos nutzen.

Dann fängt er seine Gedanken und blickt wieder hinüber zu der Rahjani und ist irritiert über einen weiteren Gedanken den er niemals für Möglich gehalten hätte. Der Praiot ist ihm im Moment sympathischer - oder vertrauter - er weis es nicht - als der Comte, der gerade dabei ist das ewige Fest der schönen Göttin mit den heiligen Hallen der Herrin HESinde zu verwechseln.



IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Zum 'ewigen' Fest - Yria und Marueca


Yria sieht, dass nun auch der Comte sich zu einem Bad hinreißen lässt und ebenso freut es sie, dass auch Aska wieder im Tempel ist. Er scheint sich stärker zu füllen, als die Tempelvorsteherin angenommen hatte, denn nach den drei Herren kam sogleich noch ein weiterer Mann, offenbar ein Barde, hinein.

Aska wiederum sieht, dass Lyrian sich auszieht, um dann zu baden. Auch sie zieht rasch ihre kurzes Kleid aus und schlüpft aus den Sandalen. Dann aber wendet sie sich noch rasch an den Barden.

"Wenn du etwas wünscht, dann lasse es mich wissen."

Neckisch ihm zulächelnd steigt auch sie in das Bad, wo sie kurz Yria zunickt. Auf dieses Nicken hin steigt nun Yria aus dem Bad. Sie weiß, dass Aska sich gut um die anderen beiden Gästen kümmern wird, wenn diese etwas benötigen oder einen Wunsch haben.

Sie trocknet sich kurz mit einem Tuch ab und verzichtet darauf, ihr Kleid wieder anzuziehen, denn eigentlich mag sie es viel lieber, die Luft direkt auf ihrer Haut zu spüren. Das Kleid ist für sie nur ein Schmuck, wie eine Kette oder ein Ring - außer im Winter natürlich.

Sie wendet sich an Ottam und Wulff.

"Meine Herren, wenn ihr mir bitte folgen würdet."

Sie deutet auf eine Ecke mit mehreren Liegen. Die Liegen sind mit rotem Stoff bezogen und auf ihnen liegen unterschiedlich große Kissen in verschiedenen Rottönen. Nahe der Liegen stehen zwei Tischchen. Auf dem einen befindet sich eine volle Obstschale mit einigen Äpfeln, Birnen, Weintrauben und Pflaumen. Auf dem anderen wiederum ein paar Karaffen, in denen durch die schwache Beleuchtung sowohl alkoholische, als auch nichtalkoholische Getränke dem Betrachter verführerisch entgegen glänzen.


***


Während sich im Hauptraum des Tempels mehr und mehr eine entspannte Stimmung einstellt, sieht es in einem kleinen Zimmer im hinteren Teil des Gebäudes ganz anders aus: Marueca läuft wie ein wilder Derwisch durch die Kammer, die sie sich mit Dalena teilt, durchwühlt einen Stapel mit luftiger Kleidung, schmeißt eine dünne Wolldecke quer durch den Raum, reißt eine Truhe zum x-ten Mal auf, legt sich flach auf den Boden... und kann 'sie' dann entdecken!

"Bei RAHja! Da sind sie ja endlich!!!"

Ein heller Klang ertönt, als sie zwei Metallscheiben unter ihrem ungemachten Bett hervorzieht.

'Jetzt nur schnell umziehen und dann ... oh, ich hoffe, ich schaffe den Tanz!'

Nervös streicht sie über die Kleidung, die sie gleich anziehen wird. Doch noch zögert sie.

'Ich kann ja sagen, ich habe Bauchschmerzen oder... Kopfschmerzen. Oder mir ist schlecht! Das ist ja noch nicht mal gelogen!'

Zittrig schlagen die kleinen Metallscheiben in ihrer linken Hand gegeneinander.

'Ich kann ja noch nicht mal meine Zimbeln ruhig halten! Und dabei bin ich hier noch allein!'

Tief holt Marueca Luft.

'Was sagt Yria immer? Ich soll mich einfach auf meine Angst konzentrieren, sie akzeptieren und nie versuchen sie zu verdrängen? Das klingt so hirnrissig!'

Hektisch setzt sie sich auf ihr Bett und starrt dann nervös auf die Tür...



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Yria's Einladung - Ottam und Onaskje


Der freundlichen Bitte der Tempelvorsteherin kommt der Schiffsmagus nur zu gerne nach, nicht jedoch ohne vorher Wulff noch mit einem Nicken anzudeuten das er jetzt gerne eben dieser Bitte folgen möchte, denn der Höflichkeit sollte man es nicht gerade in einem Tempel mangeln lassen. Der Geweihten antwortet er freundlich:
"Sehr gerne doch".
Lässig trägt er das Tuch und folgt Yria hinüber und sein Blick wechselt immer wieder zwischen den zahlreichen Kunstwerken, die hier wirklich unaufdringlich und dennoch großartig arrangiert wurden, und dem reizenden Anblick der Geweihten die vor ihm geht.

Bei der Ecke welche die Geweihte ansteuert angekommen schnuppert er genießerisch und saugt den angenehmen Duft der Umgebung ein während er ebenso aufmerksam die dargebotenen Köstlichkeiten betrachtet.



„Mit dem größten Vergnügen, schöne Dame! Moment...“

Rasch legt Wulff das feuchte Handtuch ab und ergreift an seiner Stelle das gerade beiseite gelegte rote Seidentuch an einem Zipfel. Mit einem Schlenkern der Hand entfaltet er es zu seiner vollen Größe. Wulff windet es sich zweimal um die Hüften und verschlingt die Enden locker miteinander, so daß sie dann locker an der Seite herabhängen können, ohne sich beim laufen versehentlich zu lösen.

Mit zwei Schritten ist er wieder bei Yria, blickt dann aber noch einmal kurz zurück, wo er den Comte sieht, wie dieser gerade das Becken betritt. Dabei bewegen sich seine Lippen, als ob er vor sich hin murmelte.

„Na, der wird doch nicht etwa wasserscheu sein und mit dem Becken hadern?“

Mit dieser erheiternden Vorstellung schaut er rasch noch einmal auf die junge Geweihte, die sich anschickt, ebenfalls in das Bad zu steigen. Wirklich einen prächtigen Körper hat sie da!

Mit einem fröhlichen Blitzen in den Augen geht Wulff die wenigen Schritte nach nebenan, wo er sich erst einmal umsieht.

„Nun, verehrter Herr Trosson, was denkt Ihr, wo sollten wir wohl Platz nehmen?“



Von Wulff angesprochen überlegt Ottam kurz, antwortet doch dann rasch und mit freundlich gelöster Stimme:

"Nun was haltet ihr von jener Ecke dort?"

Dabei deutet er mit dem Kopf an eine Stelle nur wenige Schritte entfernt "Dort scheint mir ist der gesamte Raum und all die wunderbaren Dinge darin gut zu überblicken. Köstlichkeiten stehen auch bereit und... " jetzt wird seine Stimme etwas leiser, sein sein lächeln verwandelt sich dagegen in ein leichtes grinsen, nicht hämisch einfach fröhlich, "... Außerdem haben wir von hier auch das Reinigungsbecken noch im Blick, falls der gute Comte doch noch vor dem Bade flüchten sollte"

Dann deutet er in Richtung der Liegen und fügt noch ein "Nach euch..." hinzu.



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Lasst Vorsicht walten ... - Lyrian und Di Vespasio


Lyrian hat das Hemd rasch aufgeknöpft, ausgezogen und in den Schrank gelegt. Er schlüpft aus den Stiefeln, legt seinen Gürtel, an der eine schmale, längliche Tasche hängt, ab und zieht letztlich seine Hose aus.

Sein Körper ist weder besonders dünn noch mollig, obwohl er gute Speisen nicht ablehnt. Auch kann man ihn weder als schmächtig, noch als muskulös bezeichnen, wobei sich an seinen Oberarmen durchaus ein paar leichte Erhebungen abzeichnen.

Seine Haut ist weder auffällig hell, noch sonnengebräunt. Kein Muttermal, keine Hautunreinheit und scheinbar auch keine Narbe verunstalten seinen Körper - ein sehr aufmerksamer Beobachter mit guten Augen würde lediglich an seinem linken Handgelenk eine dünne, helle Narbe quer über seinem Puls entdecken können.

Etwas anderes ist, zumindest für Menschen, wesentlich auffälliger: bis auf sein Haupthaar, den Wimpern und Augenbrauen, scheint er keine Behaarung am Körper zu haben - wie ein Angehöriger des Elfenvolkes. Doch sein ansonsten ausgesprochen menschlicher Körper zeugt davon, dass er durchaus menschlich ist.

Kurz blickt Lyrian noch zu seinem Rucksack und scheint zu überlegen, verwirft dann aber anscheinend seine Gedanken.

'Ich werde den Eingang besser im Auge behalten. Dann sehe ich auch, wenn sich jemand an meine Sachen zu schaffen macht und ihn stehlen will. Wenn ich ihn raus hole, ist es wahrscheinlicher, dass ich damit die Aufmerksamkeit auf dieses Kleinod lenke.'

Der Barde geht auf das Reinigungsbecken zu und steigt dann vorsichtig, damit er nicht auf den Stufen ausrutscht, ins Wasser.



'Eijeijeijei. Brrrrr.'

Di Vespasio hat den Boden des Beckens erreicht und auch den Tiefpunkt seiner vormittäglichen Laune. Das Wasser ist kalt. Eisig kalt. Zumindest für ihn. Zudem erkennt er jetzt, daß er besser auch seinen geliebten Stock zurückgelassen hätte. So muß er ihn waagerecht mit beiden Händen in der Luft über dem Wasser halten, was vermutlich so peinlich aussieht wie es sich anfühlt. Zu allem Übel kommt der Spielmann auch noch sofort hinterher und wird ihn vermutlich naßspritzen, so daß sein Puder verläuft. Der Adlige dreht sich um.

'Ups. Der ist ja ganz nackt. Nein, natürlich, im Rahjatempel, nur eben noch nackter. Und ihm fehlt auch noch ..., he moment, dein Buch!'

Böse funkelt er den Spielmann an. Um die Effekt nicht ganz zunichte zu machen, läßt er den Stock mit der linken los, führt ihn über den Kopf und legt ihn auf die rechte Schulter, wo er jetzt nach hinten herausragt und die Wirkung einer schlagbereiten Keule abgibt.

"Hrm-hrm. Werter Mann, sagtet ihr nicht, daß ihr auf mein Buch achtgeben wollen würdet?"



'Könnte wärmer sein,' denkt Lyrian sich, als er in das Becken geht, 'aber diese Zeit beim Baron wird mich doch wohl nicht so sehr verweichlicht haben, dass ich schon auf ein Bad im Rahjatempel verzichte?'

Er geht etwas beherzter hinein, bemerkt dann aber den Blick des Comte, der ihn sofort stehenbleiben lässt.

"Äh, euer Buch... "

Lyrian dreht sich kurz um und blickt zu der Bank mit dem Buch darauf.

'Wo war ich bloß wieder mit meinen Gedanken! Aber andererseits übertreibt er es etwas.'

Mit einem Lächeln, das wohl auf den Comte entwaffnend bzw. entSTOCKend wirken soll, blickt er Frizzi wieder an.

"Macht euch keine Sorgen! In diesem schönen Tempel wird dem Buch sicher nichts passieren. Zudem ist hier heute wohl nicht soviel Betrieb, da die meisten Havener es wohl vorziehen, erwachsene Menschen zu beobachten, wie sie sich gegenseitig die Schädel zu Brei hauen."

Immer noch bemüht, möglichst freundlich und friedfertig zu lächeln, taucht Lyrian bis zu den Schultern ins Wasser ein.



Das kalte Wasser erweicht den Adligen ein wenig, sich eben nicht auf die längere Erläuterung über Pflicht und Eigentum einzulassen, die er eigentlich jetzt für angebracht halten würde. Andererseits, so ganz ohne, will er den jungen Spielmann auch nicht ziehen lassen. Schließlich sind sowohl die Barden als auch die Jugend als solche für ihren Leichtsinn berüchtigt.

"Eine wunderbare Entschuldigung. Wollt ihr vielleicht noch anfügen, daß auch kaum Brandgefahr bestehen würde, und wenn, dann könne man ja mit einem ganzen Reinigungsbecken voll Wasser löschen?"

Di Vespasio behält Lyrian dabei fest im Blick, und dieser Blick sagt, daß 'Ja' nicht die richtige Antwort ist.



'Ich will doch nur meine Ruhe!'

Lyrian versucht weiterhin tapfer zu lächeln, obwohl er am liebsten etwas Patziges sagen möchte. Aber das hier ist nicht der richtige Ort, um sich mit jemanden zu streiten.

'Brandgefahr... jetzt übertreibt er es aber ziemlich!'

"Zwar kann es in einem Rahjatempel schon mal rasch sehr heiß werden, insbesondere wenn so reizende Damen wie hier anwesend sind," bei diesen Worten lächelt er kurz Aska zu, die noch ziemlich unbeteiligt im Becken steht und nicht so recht weiß, wie sie in dieses Gespräch eingreifen soll, "aber ich bin mir sicher, dass sich die Havener Bürger sehr darum bemühen würden, euer Buch zu retten."

Die Art und Weise, wie er dies ausspricht, hört sich ganz und gar nicht sarkastisch oder übertrieben freundlich an. Er spricht es aus, als wäre es selbstverständlich, dass man aus einem brennenden Rahjatempel als erstes das Buch eines Gastes rettet.

Aber Lyrians Gedanken strafen diesen Worten Lüge.

'Der ist fast so schlimm wie der Baron von Shumir!'



"Oh, ich hege durchaus Zweifel, daß die Bürger von Havena herbei eilen würden um ein Buch zu retten. Was ich allerdings bisher nicht bezweifelt habe, war euer freiwilliges Angebot, auf mein Buch zu achten, während ich im Wasser bin. Offenbar müssen mich meine Ohren getrogen haben."

Di Vespasios Stimme verläuft etwa wie seine Temperatur. Sie wird kälter und läßt sich auch von Lyrians Freundlichkeit nicht erwärmen.

'Brrrr.'



Lyrian Nachtigall spürt, wie die 'Temperatur' um ihn herum stetig fällt.

'RAHja, steh mir bei! Wenn ich ein paar schöne Stunden hier verbringen will, muss ich dem Ganzen jetzt ein Ende setzen.'

Sein Gesicht wird wieder ernster und auch seine Stimme wird leiser und ein wenig dunkler.

"Entschuldigt," sagt er so leise, dass es wirklich nur noch Frizzi hören kann, "aber das Gedicht, das ich gelesen habe... es... war so traurig."

Man merkt es dem Barden an, dass es ihm dieses Mal wirklich ernst ist. Aber zugleich fällt es ihm auch ein wenig schwer 'darüber' zu reden. Eigentlich möchte er den Todesfall weit nach hinten verdrängen, um nie wieder mit dieser Trauer und Hilflosigkeit konfrontiert zu werden.

"Ich war ganz in Gedanken und wollte nur noch das tun, wofür ich in den Tempel gekommen bin - mich ablenken und meine Sorgen vergessen."

Kurz holt er Luft.

"Ich bin hier nur auf der Durchreise und suche eigentlich ein Schiff, aber vielleicht bleibt ja dennoch Zeit, damit ich diese... Sache wieder gut machen kann?"



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Der Stock des Comte - Onaskje


"Ja, eine gute Wahl", stimmt Wulff Ottams Vorschlag zu. Zusammen mit dem Magier begibt er sich zu den vorgeschlagenen Liegen und ergreift beim niederlassen eine Rebe der saftigsten Trauben um sich eine von ihnen in den Mund zu schieben.

Gerade erst sitzt er auf der Liege, da schweift sein Blick wieder zum Reinigungsbecken - und erblickt das säuerlich zusammengezogene Gesicht des Comte, der doch tatsächlich seinen Stock mit ins Becken genommen hat, kaum zu glauben!

Mit vor Verwunderung fasziniert halb offen stehendem Mund sieht er, wie di Vespasio sich nicht nur den Stock über den Rücken schwingt wie ein zum Schlag erhobenen Morgenstern, sondern allem Anschein nach den Barden verärgert ansieht!

'Unmöglich! Dieser harmlose Kerl...?'

Schnell schaut Wulff zu Ottam hinüber, dann kann er nicht mehr an sich halten! Ein zwanghafter Drang zu Lachen drängt sich ihm auf, und prustend würgt er an der Traube. Peinlichkeiten besser vermeiden. Schnell schlägt er die Hand vor den Mund und unter Husten und Würgen schafft er es, das Ding runter zu schlucken.

'Absurd, das gibts doch gar nicht, ich will mich gleich ausschütten vor lachen!'

"Hm hmmmmi hi hi! Hm-mmha ha hmm hrm." Kommt es leise zwischen den Fingern hervor.

'Dieser Tag heute ist ein Wechselbad der Gefühle! Bleibt mir denn gar nichts erspart?'

Schnell wendet Wulff sein Gesicht vom Becken und Ottam ab, nicht, daß der Comte noch bemerkt, wie Wulff um seine Selbstbeherrschung kämpft. Erste Lachtränen laufen Wulff die Wangen hinab.

"H - h - h! Hi hi hi ha ha! Hua hua huaaa!"

Das war noch immer mühsam leise gehalten, doch wenn nicht gleich was passiert, wird es ein Unglück geben! Verzweifelt blickt Wulff umher um sich abzulenken und nicht mehr über den wirklich amüsanten Comte lachen zu müssen.



Gemütlich lässt sich auch Ottam auf einer der Liegen nieder. Im gegensatz zu Wulff wählt er ein kleines Obsttörtchen, welches ihn einfach einladend anlächelt.

Gerade möchte er genußvoll hineinbeißen, da scheint sich der Praiot zu verschlucken und instinktiv will Ottam ihm auf den Rücken klopfen, doch bevor er aufstehen kann scheint die Gefahr gebannt und der falsche Bissen sich in einen Lachkrampf zu verwandeln. Erst bleibt ihm die Uhrsache verborgen, doch dann mus auch er beobachten wie der Comte offensichtlich mit seinem Stock über dem Kopf im Reinigungsbecken ist.

'Oh HESinde, ich hielt ihn für einen Gebildeten Mann, wie hat er es nur vollbracht deine Gaben in den Straßen Havenas zu verlieren, und Was bei allen 12 will er mit dem Stock im Becken ??? und warum hält er ihn so drohend, er wird doch wohl nicht in einem Tempel der Schönen Göttin streit anfangen.'

Eigentlich wirkt Ottam eher Pikiert als belustigt, doch das Lachen Wulffs wirk ansteckend und er braucht schon alle Konzentration nicht mit zu prusten. Sich erinnernd wie sehr der Comte doch von seinem Stand überzeugt, und dementsprechend leicht verärgert er ist bwmüht sich Ottam darum das ganze nicht eskalieren zu lassen und versucht daher den Geweihten ein wenig abzulenken.

Ein letztes mal blickt der Schiffsmagus zu di Vespasio hinüber. Glücklicherweise kann dieser den Blick Ottams nicht sehen, denn es gehört nicht viel dazu ein 'Arme verwirrte Seele' daraus zu lesen. Doch dies alles beiseite wischend wendet sich der Magus an den Praioten

"Welchen Wein würdet ihr bevorzugen euer Gnaden?"



IN HAVENA - Im Tempel der RAHja: Der Tanz - Yria und Marueca


Yria stellt zufrieden fest, dass der Praiot und der Magier Platz nehmen. Dann fehlen nur noch der Comte und der neu hinzu Gekommene.

'Dann sollte Marueca mit ihrem Tanz anfangen... '


***


Rhythmisch schlagen zwei kleine Metallscheiben gegeneinander und bilden einen hellen, zarten Ton.

*Pling*

Marueca schaut zwar auf ihre Musikinstrumente, nimmt sie aber nicht wahr, denn gedanklich ist sie ganz woanders.

*Pling*

'Wie oft habe ich damals in Fasar gepatzt? Mal war die Armbewegung zu plump, dann habe ich zu sehr 'gestampft', wie Ayscha es genannt hat.'

*Pling*

'Pffh! Die Frau hat doch keine Ahnung und kennt wahrscheinlich nicht mal den Lamento! Aber... ich bin gestolpert!'

*Pling*

'Sie mag vielleicht sogar recht haben! Bei almadanischen Tänzen lässt man seine ganze Leidenschaft so laut und so wild wie möglich heraus.'

*Pling*

'Aber nicht bei den tulamidischen Tänzen! Da geht es darum, Leidenschaft mit Grazie zu verbinden! Vielleicht fehlt mir das - Grazie!'

*Pling*

'Aber... Felion fand es schön, als ich es ihm vor getanzt hatte. Andererseits... er hat wohl auch noch nie eine tulamidische Tänzerin gesehen... '

*Pling*

'Der kennt ja nur Albernia! Er hat ja eigentlich gar keine Ahnung! Er aber ging einfach zu Yria und sagte, dass ich besonders schön tanzen könnte!'

*Pling*

'So ein Plappermaul!'

*PlingPling*

'Das soll mir der Junge büßen! Er wird heute auf den tulamidischen Trommeln spielen, bis ihm die Finger qualmen! Er soll schwitzen! Ich will sehen, wie aus seinen Augen nur noch eines zu lesen ist: Gnade!'

*PlingPlingPlingPLÄNG*

Mit Schwung lässt Marueca die Zimbeln auf ihr Bett fallen und greift zu ihrem Tanzkleid.

"Ha!"

Lachend und mit einem Feuer in den Augen, dass wohl nur Almadaner tragen können, ohne sich zu verbrennen, entledigt sie sich ihrer Geweihtenkleidung...



IN HAVENA - In Immanstadion: Die Reise des 'Rosenquarzes' - Straßenkinder


Einige Sekunden lang blickt Tara in die Menge hinter sich, bevor sie wirklich sicher ist, daß der blonde Mann ihr nicht gefolgt ist. Erst dann eilt sie zum Ausgang des Immanstadions, durch den sich gerade einige Leute in das Stadion hinein bewegen. Doch Tara ist klein und gewand, und trotz des Ansturms schafft sie es durch die Menge nach draußen zu gelangen.

Auch auf den Straßen vor dem Stadion sind beachtlich viele Leute. Zu viele, als daß das Mädchen ihren Bruder sofort entdecken könnte. Sie geht einfach weiter, auf einen Platz zu, an dem sich nicht ganz so viele Menschen befinden. Sie schaut dabei in alle Richtungen, um Gial irgendwo zu entdecken. Nervosität macht sich in ihr breit.

'Wo ist er nur? Wenn ich ihn nicht wiederfinde, bin ich ganz alleine. Ich will nicht ohne Gial sein.'

Sie achtet nicht auf den Weg vor sich, während sie weitergeht und ihren Bruder sucht. Und beinahe stößt sie mit jemandem zusammen. Erst im letzten Augenblick bemerkt sie die Frau vor sich, und kann gerade noch verhindern, auf sie drauf zu laufen. Erschreckt blickt sie nach oben.

Eine schöne Frau steht vor ihr. Langes schwarzes Haar umrandet ihr sanftes Gesicht, die funkelnden blauen Augen strahlen Güte aus, und der von roten leichten Gewändern bekleidete Körper bewegt sich elegant durch die Menge.

Tara schaut ihr noch einen Augenblick nach, voller Bewunderung für diese junge Frau.

'Später,' so nimmt sich Tara vor, 'werde ich auch einmal so aussehen.'

Dann aber beeilt sie sich weiterzukommen und weiter nach Gial zu schauen.



Gial kommt recht schnell wieder aus dem Stadion heraus, schneller als er es eigentlich in Erinnerung hatte.

Kurz orientiert sich der kleine Straßenjunge und bemerkt dann das er einen ganz anderen Ausgang erwischt haben muß. Suchend blickt er sich um.

'Hmm da hinten müßte die Straße zum Marktplatz gehen. Ich muß mich beeilen damit Tara nicht vor mir dort ist und sich sorgen macht.'

Gial versteckt seine Beute nun vollständig unter seinem lumpigen Hemd und rennt an dem Stadion entlang bis er zu einem Eingang kommt der genau Richtung Marktplatz zeigt. Hier ist eine Menge los. Viele Menschen stehen in Grüppchen gedrängt vor dem Eingang, in dem eine wogende Menschenmasse hinein und heraus drängt.

'Da!! Da ist sie!' fahrt es ihm durch den Kopf als er ein kleines Mädchen unter den Menschen im Eingang entdeckt. 'Ob ich kurz mal pfeife, damit sie mich bemerkt?'

Gial zieht sich ein wenig von den Leuten vor dem Eingang zurück, bis er eine kleine Einfahrt zu einer Art Innenhof erreicht.

Erschöpft und voller Aufregung lehnt er sich an die Mauer und atmet tief durch. Nun etwas ruhiger schaut noch einmal genau über den Platz vor ihm auf den Eingang.

'Da ist sie ja und sie kommt direkt auf mich.' erfreut beobachtet er das Näherkommen seiner Schwester.

Aber als sie fast mit dieser hübschen Frau zusammen stößt, entscheidet er sich doch kurz zu Pfeifen. Ein kleiner langer Pfiff, dann ein kurzer hinterher ging über den Platz. Gial behält seine klein Schwester fest im Auge und wartet.



Tara hört die beiden Pfiffe von Gial. Aufgeregt schaut sie in die Richtung, aus der sie diese ungefähr gehört hat.

Tatsächlich entdeckt sie ihren Bruder an eine Mauer gelehnt, in der Deckung einer kleinen Gasse. Freudig strahlend läuft das Mädchen zu ihm hin. Ihre blonden Locken hüpfen dabei hin und her. Sie breitet ihre Arme auseinander, und als sie bei ihm ist, läßt sie ihm keine Gelegenheit mehr auszuweichen, wirft die Arme um ihn und drückt sich feste an ihn.

"Gial!"



Gial freut sich sehr, seine kleine Schwester wieder unversehrt in die Arme schließen zu können und drückt sie auch ebenfalls ein wenig.

Doch dann spürt er den Beutel unter seinem Hemd und löst Tara´s Umarmung sanft.

"Hier sieh mal was es heute ist. Ich habe es noch nicht auf gemacht, damit du uns heute Glück bringst, wir können wirklich ein wenig Geld gebrauchen."

'Mal wieder etwas richtiges Essen und satt werden.' denkt Gial sich, als er Tara vorsichtig den Beutel reicht.

Aber das Knurren seines Magen vermag der Straßenjunge bei diesen wundervollen Gedanken an Essen nicht mehr zu verbergen. Auffordernd sieht er seien Schwester an.



Nur ungern löst Tara sich von ihrem Bruder. Aber auch sie ist gespannt, wieviel Geld in dem Beutel stecken wird. Sie kann zwar nicht zählen, und deshalb nicht den genauen Wert heraus finden, aber die blinkenden Münzen erfreuen sie immer wieder.

Sie nimmt den ledernen Beutel in ihre Hand und öffnet vorsichtig den Knoten der Schnur, die den Beutel verschlossen hält. Nachdem dies vollbracht ist, schaut sie Gial noch einmal an, als ob sie überprüfen wollte, ob sie jetzt wirklich nachschauen soll, was sich dort drin befindet.

Dann richtet sich der Blick wieder auf den Beutel in ihrer Hand. Mit ihren kleinen Fingern öffnet sie ihn, und schaut gespannt hinein.



Taras Augen kriegen ein seltsames Leuchten, als sie den Inhalt des Beutels überprüft. Es ist ein Leuchten, das sie immer hat, wenn sie etwas aufregendes oder neues entdeckt.

Die vielen Münzen, von denen Gial und sie etwas zu essen bekommen werden, sind nur noch Nebensache. Viel interessanter ist der kleine rosane Stein, der sich auch im Beutel befindet.

Ihre kleinen Finger greifen hinein und holen den Stein heraus, und zeigen ihn Taras Bruder.

"Schau mal! Der war hier drin. Ist der nicht schön?"


***


Wäre der kleine rosa Edelstein sich seines Seins bewußt, würde er aufgeregt die Strahlen der Sonne auf seiner Haut spüren. Gerade eben erst hatte er angefangen, sich an sein neues Heim zu gewöhnen, und die sichere Dunkelheit und Wärme zu genießen, als er dieser Sicherheit auch schon wieder entrissen wird.

Er mag die Sonne und ihre warmen Strahlen, und auch die kleinen Kinderhände, die ihn jetzt halten, scheinen etwas beruhigendes auf ihn auszustrahlen, aber dennoch wäre er jetzt glücklicher gewesen, im Beutel bleiben zu können.



Gial mag das strahlende Glitzern in den Augen seiner kleinen Schwester und staunt nicht schlecht als diese ihm plötzlich einen kleinen funkelnden Stein entgegen streckt.

Erstaunt blickt Gial kurz auf den Stein um dann aber sofort wieder den Beutel an zu schauen.

'Sonst war da nix drin' denkt er geschockt.

Als seine Schwester ihn anspricht fängt er sich wieder. "Gib den Beutel mal her!"

Nervös und etwas ruppig nimmt er seiner Schwester den Beutel weg. Als Gial das Gewicht des Beutels spürt, macht er diesen schnell weit auf und schätzt den ungefairen Inhalt ab.

Dann erst meint er erleichtert zu seiner Schwester :

"Das wird gut für eine Woche reichen Tara. Is das nicht toll?"

Er grinst erfreut über ihre erfolgreichen Tag. Doch dann fällt sein Blick wieder auf diesen wundersamen stein, den Tara ihm da gerade präsentiert. Verärgert raunt er seiner Schwester zu :

" Tara, pack den Stein weg bevor alle Leute gucken! "



Wie sehr sie sich darüber freut, daß Gial sagt, die Beute würde bestimmt für eine Woche reichen, kann man an dem frohen Lächeln erkennen, das Taras Mund formt. Doch bevor sie den Stein wieder verstaut will sie noch etwas wissen.

"Darf ich ihn behalten?"

Sie legt den Kopf ein wenig auf die Seite, und schaut ihren Bruder mit großen fragenden Augen an.



Gial blickt Tara fest in die Augen.

'Ich kann ihr nie widerstehen, das ist meine einzige Schwäche und sie weiß sie langsam aber sicher zu nutzen!'

"Gib ihn mir erst einmal, damit er nicht gleich jedem auffällt!" sag Gial mit gezwungen neutraler Stimme. Aber es gelang ihm nicht ganz seine Besorgnis aus den Worten zunehmen und so umgreift er schnell mit seiner freien Hand, die kleine Hand seiner Schwester mit samt dem Stein.

Immer noch schaut er nun fast dauernd an.

'Sie wird nicht verstehen warum ich das tun muß. Aber wenn etwas passiert, ..'

Gial wagt es gar nicht weiter zudenken. Wut sammelt sich in seinem Bauch. Wut gegen Tara, weil sie den Stein nicht hergibt, gegen ihre Situation als Straßenkinder, gegen die Erwachsenen die immer alles wieder gutmachen wollen und nichts davon halten und gegen die ganze Welt da draußen.

Gials Gedanken brodelt nur so dahin und unbewußt drückt er die Hand seiner Schwester fester.



Tara ahnt, daß Gial den Stein nicht nur einfach so an sich nehmen will. Sie weiß, daß er auch daraus Geld machen will, und nur einen Grund sucht, um ihn an sich zu nehmen. Wenn er ihn dann erst mal hat, wird er ihn nicht wieder hergeben. Als er ihre Hand umschließt, sieht sie in seinen Augen Zorn.

'Ist er sauer auf mich? Ich habe doch gar nichts gemacht.'

Doch der Druck, den Gial auf die Hand ausübt, bestätigt etwas anderes.

"Aua!"

Sie zieht ihre Hand mit einem kräftigen Ruck aus der Umklammerung und legt sie nach hinten auf den Rücken, damit Gial nicht wieder so einfach danach greifen kann. Widerspenstig schaut sie ihn an und tritt einen Schritt zurück.

"Der Stein gehört mir. Ich habe ihn zuerst gesehen."



Gial versteht die Welt nicht mehr. Er wollte seiner kleinen Schwester doch gar nicht weh tun und nun traut sie ihm bestimmt nicht mehr.

'Egal was ich sagen werde sie wird immer nur denken ich wollte den Stein für mich haben wollen.'

"Tara der Stein gehört keinem von uns, versteh mich doch. Wir können damit nichts anfangen."

Gial kann bei diesen Worten nur noch an die Geschichte der Geweihte denken. Dieser kleine Junge der etwas wirklich kostbares und seltenes gestohlen hatte und deswegen von bösen Männer verfolgt und bestraft wurde.

"Dieser Stein ist mir nicht geheuer, Tara." flüstert Gial leise vor sich hin.

Gial weiß nicht mehr ein noch aus und schaut sich aus den Augenwinkeln ängstlich um.



"Das ist mein Stein, und du willst ihn mir wegnehmen. In dem Beutel ist auch so genug Geld. Das kannst du auch gerne alleine haben, wenn ich den Stein behalten darf."

Tara tritt einen weiteren Schritt zurück, den Stein immer noch hinter den Rücken haltend. Mit der anderen Hand deutet sie drohend auf ihren Bruder. Ihre Stimme wird, ohne daß sie es selber merkt, immer lauter. So laut, daß andere Menschen durchaus mithören können.

"Ich habe den Stein zuerst gesehen. Ich möchte auch mal etwas für mich alleine haben!"



"Tara versteh mich doch, ich will deinen Stein gar nicht!" sag Gial, nun auch etwas lauter werdend. Denn so langsam verläßt ihn seine Geduld für die kleinen Eigenheiten seiner Schwester.

Gial packt sie mit einer Hand an der Schulter und hält sie energisch fest.

"Wir haben bisher doch immer alles geteilt, Tara! NUN GIB DEINEM BRUDER DEN STEIN!"

Gials freie Hand tastet instinktiv nach dem kleinen Ärmchen das auf Tara´s Rücken verkrampft den kleinen seltsamen Stein fest hält.



"Wenn du ihn gar nicht willst, warum soll ich ihn dir dann geben?"

Auch wenn Tara keine kräftige Stimme besitzt, ist sie jetzt fast genauso laut wie ihr Bruder. Und während sie ihn anschreit, wehrt sie sich mit der einen Hand gegen ihren Bruder und dreht sich so, daß er es noch schwieriger hat, an die Hand mit dem Stein zu kommen.

"Laß mich los!!"


***


Wäre der kleine rosa Edelstein sich seines Seins bewußt, würde er vielleicht die Wut spüren, die seine jetzige Besitzerin umgibt.

Der Rosenquarz mag es nicht, wenn jemand wütend ist. Seine eigentliche Besitzerin war auch sehr jähzornig und wurde sehr schnell sauer, aber sie konnte sich immer beherrschen und hat ihre Wut nie so offen gezeigt, wie es das kleine Mädchen tut.

Sie scheint sich mit jemandem über ihn selber zu streiten, und das gefällt dem Rosenquarz gar nicht. Könnte er jetzt verschwinden, würde er es sofort tun. Doch leider ist er den Launen der Menschen ausgesetzt, und so kann er nur versuchen, sich möglichst weit in die Hand, die ihn hält, zu verkriechen und abzuwarten bis der Ärger vorbei ist.



Gial hat die Schnauze von den Spielchen seiner kleinen Schwester voll.

'Entweder ich handel jetzt oder wir werden bald großen ärger bekommen.'

Kurzer Hand packt er Tara fest mit beiden armen, hebt sie kurz hoch und stellt sie energisch vor sich ab. Gial drückt sie kräftig mit einem Arm auf die Schulter, damit sie nicht zappelt und greift dann schnell mit der freien Hand hinter sie.

Gial pack ihr kleines Ärmchen und zieht es ruppig nach Vorne. Fest und aufgeregt schaut er ihr in die kleinen süßen Äuglein und weiß ganz tief in sich drin, das er es jetzt schon bereut was er sagen will. Doch dann bricht es aus ihm heraus :

"Ich will DIR NICHT wehtun müssen, Tara. Aber wenn du nicht gleich .."

Gial ist selbst von sich überrascht, so dass er seine Drohung etwas abrupt enden lässt. Das Ärmchen seiner Schwester lässt er jedoch nicht so schnell los.



NORDSTERN - Im Laderaum: Diebische Gesellen - Anselm und Jarun


Konzentriert steht Anselm im halbdunklen Laderaum. Angestrengt lauscht er den Geräuschen, welche der Dietrich im Schloß der Schranktür erzeugt. Immer wieder klickt es leicht im Schloß, doch wirklich bewegen tut sich nichts. Und so dreht Anselm den Dietrich weiter im Schloß, während er gleichzeitig nach anderen Geräuschen lauscht und versucht, selbst so wenig Lärm wie möglich zu machen.



Einige Sekunden bleibt Jarun auf dem Niedergang zum Ladedeck stehen und starrt in die Dunkelheit unter sich.

'Wo ist er? Hmm! Eins ist sicher, diese Gestalt war keiner der Matrosen! Einen herum stapfenden Seebären auf der Suche nach der Ladung eines Passagiers würde ich sicher hören. Aber hier ist nichts.'

Noch einmal läßt Jarun seinen Blick schweifen. 'Dort hinten, an der Tür zum dritten Laderaum, scheint etwas zu sein.' Grob läßt sich der Umriß eine gebückten Gestalt erkennen. Noch scheint sie den Gaukler nicht entdeckt zu haben und so entschließt sich Jarun seinen Vorteil zu nutzen.

Mit einigen leisen Sätzen huscht er von dem Niedergang zur Ecke des dritten Lagerraums und beginnt mit einem Auge um die Ecke zu luken.

'Mal sehen wie lange er braucht!?'

Und so beginnt Jarun im Geiste zu zählen.

'21, 22, 23, ...'



Leise klickt der Dietrich weiter im Schlüsselloch.

'Bist aus der Übung, oder wie?' denkt sich Anselm, während er leicht Stirn runzelnd das Schloß betrachtet. Exakt in dieser Sekunde öffnet sich das Schloß mit einem befreienden 'Klick'.

"Endlich..." murmelt Anselm mit einem Lächeln auf den Lippen.

Vorsichtig versucht er den Schrank geräuschlos zu öffnen...



'..., 26, 27', anerkennend nickt Jarun, aufgrund der schnellen Zeit des Fremden. 'Er könnte mir ohne weiteres Konkurrenz machen.'

Es kribbelt dem Gaukler schon förmlich in den Händen, den Unbekannten zu überraschen, doch sein Instinkt sagt ihm, daß es besser sein wird, zu warten, bis die Gastalt den Laderaum betreten hat. Wenn er den Eingang versperrt, wird der Einbrecher in einer für ihn ungünstigeren Position sein.

Es gilt noch einige Augenblicke abzuwarten, um die Kontrolle über die Situation zu behalten.

Wie eine Raubkatze vor dem Sprung wartet Jarun darauf, die Gastalt im kleinen Laderaum verschwinden zu sehen, um dann selbst den Platz im Eingang einzunehmen.



Leise öffnet Anselm die Tür des 'Schrankes' und schleicht hinein. Innen ist natürlich noch weniger Licht als auf dem eh schon recht dunklen Ladedeck. Selbst für ein erfahrenes Phexkind wie Anselm wird es allmählich schwierig sich zu orientieren. Und so bewegt sich der kleine Mann noch vorsichtiger als er es eh schon getan hat, während er gemächlich die Waren innerhalb des Laderaum betastet.



Lautlos verschwindet die Gestalt im 'Ladeschrank'. Doch bevor sich Jarun in Richtung der nun geöffneten Tür bewegen kann, nähern sich Schritte von einem der anderen Laderäume.

Der Gaukler kauert sich an der Ecke des 'Ladeschranks' zusammen und wartet ab, wer den dort angestürmt kommt.

'Ich hab mich wohl durch die Ruhe auf diesem Deck täuschen lassen.', und schaut angespannt der jungen Frau hinterher.

Nachdem Jandara die Stufen hoch gestürmt ist, entspannen sich Jaruns Muskeln sichtlich. Erleichtert und mit einem zufriedenen Lächeln richtet er sich wieder auf, um sich dann auf leisen Sohlen, einen Fuß vor den anderen setzend, an der Wand des 'Ladeschranks' entlang zum Eingang selbigen zu pirschen.

Neben der Tür bleibt er stehen und presst sich gegen die Wand. Für die Gestalt im Schrank sicher gut zu verstehen, aber wohl dosiert, damit Jarun nicht die Aufmerksamkeit, möglicher Anwesender auf sich zieht, zischt er einige Worte in den Ladeschrank.

"Wenn du Hilfe beim Durchsuchen oder Tragen der Beute benötigst, gib mir nur ein kurzes Zeichen, Partner. Ich möchte die Hälfte meiner Beute schließlich auch verdient haben."

Jarun kann sich ein unwillkürliches Grinsen nicht verkneifen, was wohl auch besonders am Ende gut hörbar in Stimme mit schwingt.



NORDSTERN - Laderaum: Der wachende Rabe - Zach


Da klickt es wieder...

-Klick-...-Klick-Klick-

....macht es aus dem Raum nebenan.

Wäre es im Laderaum nicht so finster könnte man sehen, wie des Raben Herz in seiner schwarz-gefiederten Brust heftig pocht.

Kurz hofft er es sei der Junge, der vielleicht mit einem Tellerchen klappert. Aber selbst Zach weiß, wie sich das Klappern von Tellern anhört. Und Teller machen nicht -Klick-

Zach weiß aber auch, dass es seine Aufgabe ist, das Hab und Gut Jandaras zu bewachen und so versucht er, noch unentschlossen was jetzt genau zu tun ist, den Korb und den Eingang im Blick zu halten ohne dabei aus dem Schutz des Schattens heraustreten zu müssen.



NORDSTERN - Ladedeck: Zwei Freunde - Meergrün und Traumauge


Je mehr Meergrün an dem Bild herum zeichnet, desto irritierter betrachtet Traumauge sein Kunstwerk, nun, an dem Rumpf und den Masten kann er vielleicht erahnen, dass es sich um das Schiff handeln soll, doch selbst das ist zu unsicher als das er es ansprechen würde.

"Aui Meaui Me Iau Meiau Mi"



Die Frage Traumauges hat einen recht zweifelnden Klang. Meergrün blickt nochmal auf den Plan. Naja, er vielleicht bis jetzt wirklich nicht sehr hilfreich. Aber es fehlt ja noch das wichtigste.


"an diiesem ort

siind wiir beiide


ganz da hiinten

iist diie ratte


wiir starten hiier

vorne am bug


und gehen dann

langsam wachsam


nach hiinten durch

zum heck und zack"


Meergrün ist Schritt für Schritt seine Skizze entlan gegangen. Jetzt springt er mit beiden Beinen vom Boden ab und landet hinter dem aufgemalten Schiff.


"diie ratte dann

iins wasser muß


das iist meiin plan

das sollte gehn"


Meergrün dreht sich zum Kater um und nickt zufrieden.


"warte mal kurz

iich hohl eben was"



Traumauge ist zwar immer noch nicht ganz hinter das gestiegen, was der kleine Zweibeiner da meint, aber das mit der Ratte ins Wasser hat er verstanden und somit kann der Rest ja eigentlich egal sein und so maunzt er

"Miau Me Ai Mii Mau Mea"

und schaut dem kleinen Mann hinterher



Meergrün rennt. Ganz schnell. Zumindest für einen Klabauter. Klabauter sind wirklich fix. Menschen machen große Schritte. Aber Klabauter machen viele Schritte schnell hintereinander. Menschen müssen Türen benutzen. Klabauter gehen geradeaus. Fast.

Meergrün verschwindet in der Lücke unter einer Reihe von Säcken. Er kommt in dem Spalt zwischen zwei Wandbretter wieder hervor. Er durchquert den Laderaum an der Steuerbordwand. Bis zu der Stelle, wo sie an die hintere Wand von Laderaum zwei stößt. Dort schieb er ein loses Brett zur Seite und huscht in den heckseitigen Laderaum. Hier ruht, unsichtbar, seine Kiste. Schnell fingert er den Schlüssel aus der Tasche und schließt auf, bevor man einundzwanzig sagen kann.

Im Wohnzimmer schiebt er den Sessel unter die Tür und holt vorsichtig den Rattenger von dessen Stammplatz. Das Ding ist etwa Koboldlang und meistens aus Holz. Die Spitze ist sicher nicht aus Metall und sieht eher stumpf aus, aber das ist der Urzustand aller Waffen in Koboldhänden.


'wiirkliich schwiieriig

iist manchmal es


eiin guter und

umsiichtiiger


klabautermann

miit schiiff zu seiin'


Der Speer liegt Meergrün merkwürdig in der Hand und er muß vor dem eigenen Mut den Hut ziehen. Aber noch nie sind Kobolde vor Ratten geflohen und noch nie haben sie Magie im Kampf eingesetzt. Meergrün will in beiden Dingen nicht der Erste werden.


'ganz schnell zurück

man weiiß ja niie


was er alleiin

für unsiinn macht'



Meergrün springt von Sessel. Er rennt aus der Tür und verschließt sie eilig, bevor er sich auf demselben Weg wieder zurück rennt. Glücklicherweise ist der Kater noch da.

"Mhooiianiin iich biin zurück"



Das ging selbst für einen kleinen Kater rasch und Traumauge wundert sich über den kleinen Stock den Meergrün da anschleppt. Damit will er Ratten verjagen denkt sich der Schiffskater.

"Mii eau Ma Iem Mau"



"das iist keiin stock

das iist eiin ger


der iist nur für

klabauterhand


du kater hast

niicht hände zwar


doch krallentatz

iim pfotenpaar"


Meergrün ist ziemlich froh, daß es das nicht auf Katzisch erklären mußte.


"so und jetzt sieh

was eiin ger kann"


Meergrün holt weit aus und schleudert den Speer durch die Dunkelheit. Der Rattenger dreht sich mehrmals in der Luft. Dann trift er mit dem Ende voran auf einen Sack aus grobem Leinen. Davon prallt er ohne Schaden zu hinterlassen ab und landet auf dem Boden.


'beii großvater

das leiichter klang'



Der Schiffskater wird langsam immer irritierter, '-was will er jetzt mit dem Stock äh ger hmm Stock und es ist ein Stock? Und was ist mit dem ding da vorne, das ist doch keine Ratte'

Aber Krallen hat er in der Tat, feine Spitze sogar und dabei fällt ihm ein das er sie lange nicht gewetzt hat, also geht er zu dem Leinensack und wetzt an diesem erstmal seine Krallen.

"Meaui Mi Auime Miau Ma"



Meergrün stapft mißmutig zu dem Sack, vor dem der Ger liegen geblieben ist. Irgendwie geht heute alles schief. Schon als er aufwacht muß er feststellen, daß sie immer noch in der Menschenstadt sind, obwohl schönes Segelwetter ist und das Schiff die Wellen reiten will.

Dann muß er umziehen, weil eine fremde Frau in seinen Lagerraum gezogen ist. Zuerst hat er ja noch gehofft, daß sie wieder geht. Aber sie ist noch eine zweite Nacht geblieben. Die ganze Nacht hat sie laut geatmet, naja zumindest zu laut für Klabauterohren. Und sie führt Selbstgespräche. Laute Selbstgespräche.

Dann wird er von einer Ratte überrannt. Sie rennt nicht nur über ihn, als ob er ein nasses Stück Holz ist. Nein, sie trifft sogar noch seine Nase mit der Schwanzspitze.

Dann muß er sich auch noch anhören, daß seine Pläne nicht besonders toll sind. Dabei hat der Kater ihn ja nur nicht verstanden. Und schließlich war es auch sein erster Plan überhaupt. Da muß man ja nicht perfekt sein. Und jetzt ist auch noch der Ger von Großvater störrisch und trifft nicht was er treffen soll. Gut, er hat heute auch einen neuen Freund kennengelernt. Aber das ist nur eine gute Sache gegen vier schlechte Sachen und kein Grund für so gute Laune, wie Mhooiianiin zeigt.

Weiter schweigsam hebt er den Ger auf und steckt ihn in den Sack. Die Scheide ist wohl sehr scharf, den Sie schneidet mühelos die dicke Leinwand. Als Meergrün mit etwas Gezerre den Schaft aus dem Sack lösen will, kommt ihm ein Strahl von kleinen Körnern entgegen und fällt vor seine Füße und hüpft lustig weiter über das Deck.



Auch wenn der kleine Schiffskater nicht weiß, was dem guten Meergrün heute bereits widerfahren ist, so spürt er doch instinktiv, dass der kleine Zweibeiner traurig ist. Traumauge kann keine Freunde leiden sehen und der kleine Mann ist ganz bestimmt ein neuer Freund.

So tapst er einige Pfotenlängen weiter und stupst Meergrün mit seiner kalten Katzennase an, um gleich darauf mit seiner weichen befellten Katzenstirn zu streicheln. Ganz so wie er es täte, gälte es einen andere Katze aufzumuntern.



Traumauge ist nur eine handvoll Kater. Für einen Menschen. Für Meergrün ist er ein riesiger Fellberg. Ein Fellberg mit genug Muskeln für zwei Meergrüns. Mit einer eiskalten Schnauze. Und mit genug Kraft in seinen Zärtlichkeiten, um einen ausgewachsenen Klabauter Angst und Bange werden zu lassen.

Meergrün schreckt vor der Kälte zurück und läßt den Ger, der armweit über seinem Kopf feststeckt, los. Dann schiebt ihn die befellte Stirn gegen den Leinensack hinter ihm, während von oben immer noch kleine Körner herunter regnen. Im ersten Moment denkt Meergrün, daß seine letzte Minute geschlagen hat. Katzenfutter.

Doch dann drückt ihn der Katzenkopf nur ganz leicht gegen das Hindernis und beginnt leicht zu reiben. Schließlich merkt der Klabauter an dem fehlenden Fauchen, daß ihm keine wirkliche Gefahr droht. Zumindest nicht mit Absicht.

So legt er seine Arme um den Katerkopf und drückt fest zurück, während er leise anfängt zu brummen. So tief, wie Klabauter nun mal kommen.

"brmmmmiibrmmmmiih brmmmmiibrmmmmiih"



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Zankende Kinder - Darian und Silana


Für den jungen Adeptus ziemlich überraschend wechselt die Rahjani die Richtung. Es besteht zwar keine große Gefahr sich zu verlieren, denn noch immer schaut Darian aufmerksam zu allen Seiten und auch Silana warte offenbar ab, ob er auch folgen kann. Doch der Sinn des Richtungswechsels, der bleibt dem Adeptus zunächst gänzlich verschlossen, zumal Silana überhaupt kein Wort darüber verliert. Als erstes glaubt Darian also, Silana hätte Hesindian doch noch irgendwo erspäht, doch so sehr er sich auch anstrengt, er entdeckt ihn einfach nirgends. Statt dessen bewegt man sich, so scheint es, schnurstracks auf zwei streitende kleine Kinder zu. Ja, das mag tatsächlich das Ziel der Rahjani sein, die Rahjakirche ist schließlich sehr auf Harmonie bedacht und somit neben Travia- und Tsakult wohl die friedfertigste. Ein leichtes Schmunzeln stiehlt sich auf Darians Lippen, ob dieser Erkenntnis. Wahrscheinlich geht es bei diesen Streit um eine, aus Erwachsenensicht geradezu lächerliche, Kleinigkeit, die gewiß nicht gleich eine Schlichtung durch eine Geweihte der Zwölfe benötigt. Man geht ja auch nicht gleich mit dem Ingnissphäro gegen Stechmücken vor ...



Erleichtert registriert die Rahjajüngerin, dass Darian auf ihre Richtungsänderung aufmerksam geworden ist und schreitet nun weiterhin auf die streitenden Kinderstimmen zu. Erstaunt hält sie inne, als sie in der Besitzerin der kreischenden Mädchenstimme die Kleine erkennt, die sie vorhin angerempelt hat. Der andere wird wohl ihr Bruder oder ihr Freund sein.

Der Grund der Streites ist ihr eigentlich egal, gut kann sie sich erinnern, wie sie sich mit den anderen Kindern um Nichtigkeiten gestritten hatte, denn um solches handelt es sich bei Auseinandersetzungen dieser Art oft.

Zu schade, dass solche Probleme nicht friedlich und harmonisch gelöst werden können, was aber auch kein Wunder ist, wenn man sieht, dass selbst die, ach so vernünftigen Erwachsenen ihre oft unbedeutenden Probleme selten ohne Gewalt oder gar Krieg, bei dem auch oft Unschuldige sterben müssen, lösen können.

Unschlüssig bleibt sie vor den zankenden Kindern stehen, dann versucht sie es mit einem vorsichtigen, sanften:

"Hallo."



Stumm folgt Darian der Rahjani, die, wie sich nun endgültig herausstellt, tatsächlich die streitenden Kinder zum Ziel hat. Als diese nun die beiden `Kombatanten` anspricht, hält der junge Adeptus sich abwartend im Hintergrund. Noch sieht er für sich keinen Grund selbst einzugreifen. Der Paralü, der bei der Meuterei den säbelschwingenden Anführer gestoppt hat, wäre hier wohl mehr als unangebracht ...



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Zankende Kinder - Gial, Tara, Darian und Silana


Tara bemerkt nicht, wie die Rahjanovizin und der Magus hinter ihr sich den streitenden Geschwistern nähern. Sie hat genug damit zu tun, sich gegen ihren Bruder zu wehren, auch wenn es im Moment aussichtslos

scheint, denn Gial ist viel größer uns stärker als sie. Sie kann nichts anderes tun, als zu ziehen und zu zerren, um die Hand mit dem rosa Stein wieder frei zu bekommen.

Als die schöne Frau neben ihnen steht und sie anspricht, überschlagen sich Taras Gedanken. Der Zwist mit ihrem Bruder ist vergessen, und panikartig dreht sie sich herum, so weit ihr festgehaltener Arm das zuläßt.

Sie erkennt die Frau, die sie vorhin beinahe angerempelt hat, und obwohl Tara sehr jung ist, weiß sie, daß sie die Geweihte vor sich stehen hat.

'Sie weiß bestimmt, daß wir gestohlen haben. Sie wird uns mitnehmen und Gial und mich in den Kerker bringen.'

Tara bleibt vor Schreck erstarrt stehen. Die Augen angsterfüllt, einige blonde lockige Strähnen durch die wilde Rauferei mit ihrem Bruder ins Gesicht geworfen, schaut sie die Rahjanovizin an.



Silana stoppt ihre Schritte und lächelt die beiden Kinder freundlich an. Sie ist ein wenig irritiert ob der Angst in den Augen des niedlichen Mädchens mit den blonden Locken, ob diese Angst ihr gilt? Aber das kann sich Silana beim besten Willen nicht vorstellen, warum sollte irgend jemand vor ihre Angst haben?

"Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben," fügt sie deswegen mit ihrer lieblichen Stimme hinzu, schnell überlegt sie, wie sie diese Worte auf mit Taten belegen könnte, dann greift sie in ihr Gewand und tut etwas, das sie sonst niemals tun würde.

Praktisch aus dem Nichts hält sie ein kleines Zuckergebäck in der Hand, das sie während des Festbanketts stibitzt hat, für schlechtere Tage auf See, sozusagen. Diese kleine Leckerei hält sie den Kindern nun entgegen.



Gial guckt verdutzt als eine junge Frau auf sie zu kommt und sie in ihrer kleinen Diskussion stört. Verärgert und etwas beunruhigt, der Dinge die da kommen mögen, beißt er die Zähne zusammen.

"Oh nein ne Geweihte!" knurrt er leise vor sich hin.

"Nicht´s wie weg!" murrt er leise zu seiner Schwester, während er sie hart am Arm packt und herum zieht. 'Und wenn sie jetzt noch den Stein verliert, is alles wieder OK. Dann müssen wir nur noch die Geweihte abhängen.'

Gial wendet sich von der Geweihten ab und zieht im drehen seine kleine Schwester mit sich. Dabei drückt er mit seinem Daumen einmal kurz und kräftig in den Handballen von Tara´s immer noch fest geschlossenen Faust.

'Ich hoffe das klappt auch noch so wie mir Bennwir das damals mit dem Befreien aus der Hand eines Erwachsenen gezeigt hatte.'

Bevor Gial richtig los rennt, wartet er auf die Reaktion seiner Schwester. Schließlich ist es das wichtigste, dass sie es schafft mit zu kommen.



Als sich das Mädchen zu Silana umdreht sieht auch Darian deutlich den Ausdruck von Angst, ja geradezu Panik im Gesicht des Kindes. Im Gesicht des Adeptus zeichnet sich dagegen Verwunderung ab. Angst? Vor einer Rahjageweihten? Sicher, es gibt düstere Gestalten, die sich der falschen Seite verschrieben haben und allen Grund dazu haben vor Geweihten der Zwölfe Angst zu haben, aber schließlich handelt es sich hier um Kinder! Wie soll ein Kind, das noch kaum etwas von der Welt weiß, sich dem unheiligen Kult des Namenlosen anschließen? Wie soll jemand, der wahrscheinlich noch nichtmal die Kunst des Lesens erlernt hat, einen Pakt mit einem der Erzdämonen eingehen?

Zuerst gelangen Darians Überlegungen zu keinem Ergebnis, doch dann gleitet sein Blick ganz unwillkürlich zu seiner eigenen Hand und dem Stab, den diese umschlossen hält. Schlagartig wird ihm klar, wovor dieses Kind Angst hat. Nicht Silana ist es, sondern er selbst! Wenn schon die Bauern um Yrramis häufig mit Aberglaube und Furcht reagieren, wenn sie einem Vertreter der arkanen Zunft begegnen, wie muß es dann erst hier sein, in einer Stadt, in der sogar die Herrscherfamilie solche Panik vor der Magie hat, daß sie ihr Wirken innerhalb der Stadtmauern untersagt hat?

Nach einem leisen, auch für die Umstehenden kaum hörbaren Seufzer, versucht also auch Darian, die Kinder zu beruhigen:

"Ihr braucht keine Angst vor mir zu haben," erklärt er mit ruhiger Stimme, "ich werde euch schon nicht in Kröten verwandeln, was hätte ich auch davon?"

Leider baut seine Begründung wohl viel zu sehr Logik auf und richtet sich eher an gebildete - oder zumindest verständige - Erwachsene, als daß sie die gewünschte Wirkung erzielen könnte ...



Darians Worte haben die Angst des Mädchens eher noch verstärkt, denn nun ergreifen sie und auch der Junge die Flucht.

"Heilige Noionia...", entfährt es dem jungen Adeptus in einem seufzenden Tonfall und von einem Kopfschütteln begleitet. "So klein und schon so abergläubisch."

Waren diese Worte eher für Darian selbst bestimmt, richtet er sich nun an die Rahjani, deren Vorhaben den Streit zu schlichten, er ja nun, wenn auch unbeabsichtigt, vereitelt hat:

"Es tut mir leid, ich hätte wissen müssen, wie das einfache Volk auf einen Magierstab reagiert. Wahrscheinlich haben die Eltern ihnen die schrecklichsten Dinge über Magie erzählt. Gerade hier in Havena hat man ja die Angst vor allem arkanem zum Leitfaden der Politik gemacht ..." die Stimme des jungen Magiers wird immer leiser und gleitet in einen nachdenklichen Tonfall ab.



Gial bemerkt nicht wie hinter ihm die Geweihten langsam in dem Tumult auf dem Platz vor dem Stadion unter gehen. Er sieht nur noch die Gassen vor sich und sein kleiner Kopf arbeitet wie wild um den schnellsten und besten Weg weg von hier zu finden.

Gial´s Herz schlägt schon nach den ersten paar Metern wie wild und dann spürt er wie seine Schwester nicht ganz mit kommt. Sofort hält er einen sekunden Bruchteil inne, läst seine Schwester ein, zwei Schritte näher kommen und pack sich in gewohnten Bewegungen Tara´s kleinen Körper Huckepack.

'Kleine halt dich fest, wie du es immer machst. Alles wird wieder gut!'

Gial spurtet japsend die Straßen hinunter um die nächste Ecke herum und weiter Richtung Marktplatz.



Als nun auch noch der Mann aus dem Hintergrund nach vorne tritt, gibt es keinen klaren Gedanken mehr in Taras blondgelockten Kopf. Nur noch die Angst, daß sie und ihr Bruder nun in den Kerker gesteckt werden, und daß sie ihr Gial vielleicht sogar wegnehmen, regiert dort.

Sie registriert auch nicht, was ihr Bruder oder den Mann sagen. Die Worte erreichen ihr Ohr, doch es ist, als ob sie ohne Sinn und Bedeutung wären. Das Mädchen bemerkt noch nicht einmal, wie ihr Bruder ihre Hand mit einem geschickten Griff öffnet, und sie ihren rosa Stein verliert.

Erst nachdem er sie noch einmal kräftig zieht, kann sie wieder soweit zu sich finden, daß sie sich zu ihm umdreht, und sogar bemerkt, daß er vorhat wegzulaufen, bevor die Geweihte sie zu fassen bekommt. Es kommt ihr vor, als ob ihre Beine ganz weich und fast taub wären, und gar nicht daran zu denken wäre zu laufen. Dennoch rennt sie los.




IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Die Reise des Rosenquarz


Zum zweiten mal heute ist der kleine rosa Edelstein von weit oben auf den Boden gefallen. Wieder im Schmutz, wieder auf der von unzähligen Menschen begangenen Erde, wäre er mit seiner Lage sicherlich nicht zufrieden. Vielleicht könnte man ihn sogar vor lauter Ärger stöhnen hören, wenn er dies könnte. Und er würde sich wahrscheinlich die Frage stellen, wie der Tag noch verlaufen wird, was für Unheil ihm noch widerfahren wird, bevor er wieder seine Ruhe haben kann.

Wie schön es doch noch war, als er bei seiner Herrin gelebt hat. Sie hat immer gut auf ihn aufgepaßt, und er wußte, wo er hin gehörte.

Doch nun hier unten im Dreck würde er nicht mehr wissen, wie es weitergehen sollte. Er könnte nur hoffen, daß er noch einmal eine genauso gute Herrin finden würde wie seine alte Herrin.



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Verfolgungsjagd - Silana


"Wartet doch!" verwundert sieht Silana den beiden davon rennenden Kindern hinterher, den Worten Darians schenkt sie wenig Beachtung, zu sehr verwirrt sie die Flucht. Noch nie hat jemand Angst vor ihr gehabt, es fällt ihr schwer, es wirklich einordnen zu können. Daran, dass es an ihrem Begleiter liegen könnte, denkt sie noch nicht einmal, wer könnte schon Angst vor einem so netten, jungen Mann haben? Zwar wurde ihr mehrmals erzählt, dass Magie in Havena nicht gerade gern gesehen wird, doch daran denkt sie nun nicht.

Ein wenig beleidigt, steckt sie das Zuckergebäck wieder ein, als ihr ein auf dem Boden liegender, rosenroter Stein auffällt.

"Sieh mal", meint sie zu dem noch immer nachdenklich vor sich hin murmelden Darian, während sie sich bückt, um den Stein aufzuheben. Vorsichtig nimmt sie den Rosenquarz auf und schließt ihre Finger sanft, fast liebevoll um das glatte Mineral.

"Die Kinder müssen ihn verloren haben"

Hilflos späht sie in die Menge und kann nur noch Taras Blondhaar verschwinden sehen. Diese Kinder sehen nicht so aus, als ob sie besonders wohlhabend wären, wie schrecklich muss dann wohl für sie der Verlust eines solchen Steines sein.

Ohne lange zu überlegen, tut Silana das einzige, das ihr in diesem Moment für richtig erscheint: sie rennt den beiden nach.



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Rosenquarz


Wieder wird der Rosenquarz aus dem Dreck, der den Boden bedeckt, gehoben. Die Hand beinahe noch so unschuldig und jung wie das des Mädchens.

Es fühlt sich an, als würde ihn die Hand streicheln oder liebkosen. Eine reine Wohltat an diesem Tag. Und auch als die junge Frau anfängt zu laufen, ändert sich nichts daran. Immer noch fühlt der kleine Rosenquarz die gemütliche und beschützende Wärme, die von dieser Hand ausgeht. Vielleicht liegt es auch daran, daß der Edelstein tatsächlich über die hellseherischen Eigenschaften verfügt, die man ihm zuschreibt, die ihn ahnen lassen, daß die Hand, in der er sich nun befindet, ihn wieder näher zu seiner eigentlichen Herrin bringen wird.



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Verfolgungsjagd - Darian und Silana


Während Darian noch so über havenische Magiepolitik grübelt, hebt Silana irgend etwas vom Boden auf. Was es ist, das kann er nicht erkenne, denn noch bevor er sich das Ding in Silanas Hand angucken kann, rennt sie los, als sei der Difar hinter ihr her. Nach einen kurzen Augenblick der Verwirrung, tit der Adeptus dann das einzig sinnvoll erscheinende, so man sich nicht aus den Augen verlieren will: Auch er rennt los.

Wieder einmal ist sich Darian über Weg und Ziel der jungen Rahjani vollkommen im Unklaren und der Anblick eines rennenden Adeptus mit Robe und Stab wirkt auch einigermaßen lächerlich, wie auch der Anblick einer rennenden Rahjageweihten recht ungewöhnlich ist. Immerhin hat er sie, nach ein paar Schritt eingeholt und rennt nun neben ihr her, nicht daß noch ein abergläubischer Havenär denkt, der böse Magus verfolgt die arme Rahjanovizin ...



Erleichtert registriert Silana aus dem Blickwinkel, dass es Darian geschafft hat, auf zu schließen. Ihre feinen Sandalen, die eigentlich nicht für das Rennen gedacht sind, lassen sie deutlich die Strukturen der Steine unter ihren Füßen spüren, wahrend sowohl das schwarze Haar als auch ihr zum Gluck gschlitzter Rock wehen wie eine bunte Fahne hinter ihr her.

Hin und wieder, wenn gerade keine Menschen in der direkten Nähe sind, wagt sie einen kleinen, fohlenartigen Sprung, doch die beiden Kinder sind bereits um die Ecke des Stadions verschwunden.

Langsam schneiden die Lederriemen der Sandalen schmerzhaft in das zarte Fleisch der Novizin, die den kleinen Rosenquarz mit beiden Händen fest an die Brust gedrückt hält.

Als sie einsieht, dass sie es mit diesen Schuhen wohl nie schaffen wird, die Kinder einzuholen, bleibt sie kurz stehen, streift sie flink ab und rennt mit dem Stein in der einen und mit den Sandalen in der anderen Hand weiter.



IN HAVENA - Quer durch die Stadt: Verfolgungsjagd - Tara


Tara ist schon ganz außer Atem, als Gial sie auf seinen Rücken hebt und mit ihr weiter läuft. Ihre Arme klammern sich feste um seinen Hals, doch nicht so feste, daß er keine Luft mehr bekommen würde.

'Nicht umschauen, niemals umschauen.'

Tara hält sich an die Worte, die ihr Bruder ihr damals beigebracht hat, und schaut starr nach vorne, während ihr Körper auf Gials Rücken auf und abspringt.

An Häusern und Menschen rasen sie vorbei. Nicht mehr so schnell wie vorher, doch wenn das Mädchen selber hätte weiterlaufen müssen, wären sie bestimmt bald noch langsamer geworden, denn Tara ist das Laufen nicht so sehr gewohnt wie ihr Bruder.

Ihr Blick ist bewundernd auf ihren Bruder gerichtet. Für sie ist er der stärkste Bruder, den es geben kann. Sie würde nicht schaffen, ihn auf ihren Rücken zu heben, und schon gar nicht dabei loszulaufen. Und sie weiß ganz genau, daß er sie in Sicherheit bringen wird.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Fast die gesamte Pottwal-Mannschaft rennt nun auf die erfolgreiche Torschützin zu. Man hätte Ragnid wahrscheinlich zerdrückt, aber die Yeshinna hält es natürlich nicht an dem Ort, wo sie steht, sie läuft leichtfüßig auf die Ränge zu, vorzugsweise an jene Abteilungen des Stadions, wo sich die meisten Pottwal-Anhänger befinden. Was nun folgt mag in Havena als einmaliger, wenn auch sehr ungehöriger Vorgang bezeichnet werden. In Wirklichkeit ist es aber ein, schon dutzendfach augeführtes Ritual, ein Spiel, dass nur die Pottwal-Anhänger und die Yeshinna betrifft. Denn als sich die Stürmerin der Seitenauslinie nähert brüllen fast alle Zuschauer aus Prem:

"LOS, ZEIG SIE UNS!"

Und Ragnid lacht, winkt den Rufenden zu und zieht dann ihr Trikot nach oben, beugt sich etwas nach vorne und läßt ihre blanken Brüste hin und her pendeln. Das ganze dauert nur einen kurzen Moment, dann fällt das Trikot wieder nach unten und Ragnid kehrt auf das Spielfeld zurück.

"HO,HO,HO,HO, ...!" brüllten die begeisterten Premer, das tun sie jedesmal, wenn sie dergestalt von Ragnid begrüßt werden, die sich, das ist allen Premer Immanfreunden bekannt, nur dann zu einer solchen Handlung hinreißen läßt, wenn sie ein Tor geschossen hat. Ragnid weiß, was sie ihrer treuen Anhängerschar schuldig ist.

Inzwischen ist Ragnid wieder im Feld und nimmt die stürmischen Glückwünsche ihrer Mitspieler und Mitspielerinnen entgegen. Die gesamte Mannschaft befindet sich im Freudentaumel.


***


Die grenzenlose Begeisterung der Premer Mannschaft hält auch noch an, als der Schiedsrichter den Ball zum Anstoß wieder freigibt. Wieder einmal mehr bleiben die 'Bullen' nicht lange im Ballbesitz und die 'Pottwale' befinden sich wieder im Vormarsch. Thorlif und Isleif bekommen den Ball nur aus der Ferne zu sehen. Irgendwie scheint es so, als wären die 'Pottwale' mit etlichen Spielern mehr in der Arena, als die 'Bullen' aus Havena, denn es stehen, bei den wenigen Malen, da die 'Bullen' den Ball unter Kontrolle halten, immer zwei bis drei Spieler bei dem jeweiligen Gegner aus Havena gegenüber. Das mag nach einem komplizierten Abwehrsystem klingen, aber das hat weniger etwas mit System zu tun, als mehr mit dem leidenschaftlichen Einsatz der 'Pottwal'-Spieler, die ungeheure Kräfte frei setzen und mit einem, fast unmöglich bezeichnendem Laufpensum, diese optische Übermacht zu erzeugen wissen.

Einzig vor Brendan's Tor will es nicht mehr so recht klappen. Allerdings haben die Abwehrspieler der 'Bullen' dennoch alle Hände voll zu tun, um den Rückstand nicht weiter anwachsen zu lassen und das tun sie sehr geschickt, wenn auch manchmal mit dem Mut der Verzweiflung.

Die Premer kommen ihnen aber auch sehr entgegen, denn fast alle Angriff sind mehr von Leidenschaft, denn von Übersicht geprägt und manchmal laufen die 'Pottwale' schon sehr durcheinander. Das schwungvolle Spiel der Premer bringt ihnen zwar die absolute Überlegenheit im Mittelfeld, doch beim Abschluß wirken alle Handlungen dann doch zu hektisch, zu zerfahren und total überhastet. Eifer allein bringt es eben auch nicht. Allein Ragnid kann sich noch öfter gut in Szene setzen, doch die Räume vor dem Tor der 'Bullen' werden eng, sehr eng sogar, da sich nun etliche der Mittelfeldspieler, ja sogar einige Stürmer in die Abwehrschlacht um Havena's Tor einbringen.

Die 'Pottwale' verstärken ihren Druck sogar noch, weil das dritte Tor einfach nicht fallen will und für die Mannschaft aus Havena wirkt die Mittellinie manchmal entfernter als das Güldenland.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die 'Pottwale' ihren Vorsprung würden ausbauen können. Doch die 'Bullen' sind auf der Hut.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Die Stimmung in den Reihen der Havenaer Fans wird immer düsterer. Nicht nur, dass die Premer ein Tor nach dem anderen erzielen, nein, im Moment scheint es auch nicht wirklich Chancen zu geben, daran etwas zu ändern. Es sieht aus, als gäbe es keine Möglichkeit, diesem Ansturm Paroli zu bieten, als sei es schon jetzt, vor der halben Zeit, entschieden.

So sind die Blicke, die sich auf die kleine Versammlung der Bullen richten, wohl auch eher verzweifelt als hoffnungsvoll, und nur vereinzelt branden Jubelrufe durch das Stadion, das meiste, das gerufen wird, hat eher den Tenor von:

"Macht endlich was dagegen!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Des Smutjes Verzückung - Garulf


Die 'Pottwale' stürmen, als wären Dämonen hinter ihnen her. Zwar erfolgt der Vorstoß nicht gerade koordiniert und ist damit wohl weniger erfolgversprechend als vorangegangene Angriffe, doch das tut der Begeisterung eines Thorwalers keinen Abbruch.

"POTTWAL VOR - NOCH EIN TOR!!" brüllt der dicke Smutje aus vollem Halse.

"POTTWAL VOR!" und "SWAFNIR!" ertönt es aus der Kurve der Premer. Zu lange war dieses Spiel ohne Tor, nun gilt es diese nachzuholen und zwar so schnell wie möglich.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


»Oh ihr zwei Stämme aus Holz,

bewacht wie eine Festung,

eine Fahne des Stolz`

Bestürzung rund`rum

wenn sie fällt.


Bewachet sie,

schmettert den Kork

mit aller Energie

weit hinfort.

Der Verteidiger - ein Held!


Immer wieder heran stürmen

die Belagerer, suchen

ihr Ziel zwischen den Türmen.

Laut hört man sie fluchen,

werden sie zurückgeworfen ... «


So steht es in einem Immangedicht eines unbekannten Künstlers. Man mag sich über den Stil streiten können - doch der Inhalt könnte kaum treffender sein. Das Tor der Bullen gleicht momentan wirklich einer Burg, die stetig berannt und mit aller Verbissenheit verteidigt wird. Welle um Welle branden die »Angriffe« der Premer gegen die Verteidigungsmauer der Bullen. Die Pottwale spielen mit viel Kraft und Einsatz und mehr als ein Mal stehen sie kurz davor, ihre Führung noch weiter auszubauen. Manchmal gelingt es der - zum Glück - gut eingespielten Havener Abwehr nur um Haaresbreite, den Ball aufzuhalten. Und mehr als einmal wirft sich Brendan in das Gras, um einen mit viel Kraft geschmetterten Kork aufzuhalten.

Ein oder zweimal versuchen die Bullen einen Ausfall durch eine »Pforte« in dem etwas unkoordinierten Aufbau der Premer - doch was ihnen an Taktik fehlt, machen die Pottwale durch Kraft, Ausdauer und Einsatz mehr als weg. Es ist, als hätten die die Geschwindigkeit von Kobolden, die Kraft von Ogern und die Konstitution eines Zwergen. Immer tauchen sie dort auf, wo der Ball ist, rasen über das Feld in einer Geschwindigkeit, die man nicht für möglich gehalten hätte und schaffen es immer wieder eine Übermacht aufzubauen, der es gelingt den Ball zu erobern.

Und immer weiter rieselt der Sand durch das Stundenglas, unaufhaltsam verinnt die Zeit.

Das Spiel wird härter und härter. Rempeleien und Ellenbogeneinsatz sind beim Immanspiel geduldet, ja gehören sogar regelrecht dazu - und beide Mannschaften machen regen Gebrauch davon.

Tula schiebt Tamlin zur Seite, Scibors Ellenbogen gräbt sich schmerzhaft Hasgars Seite - doch natürlich achtet er darauf, nichts zu tun, was Kaliman missverstehen könnte - Ragnid tritt Faerwyn zu Boden und einmal kann Neelke nur einen Torschuss verhindern, indem sie Thinmar fest an ihre gewaltige Oberweite presst und ihn über die Seitenlinie drückt.

Tibraide presst sich schwer keuchend die Arme in die Seiten. Flecken tanzen vor ihren Augen.

`Wo nehmen die nur die ganze Kraft her?`

Und wieder sind die Premer auf Angriffskurs, fest entschlossen die »Festungsmauer« diesmal zu durchbrechen. Mit der Gewalt von Tausend Oger preschen sie durch die Mitte, wie ein Keil, schneiden tief in die Abwehrreihen der Bullen. Ständig tanzt der Kork umher, hält die Havener Abwehr immer in Bewegung. Ein Schuss, nein eine Finte, ein Pass zurück, Aki zu Tula, wieder zu Aki, zu Ragnid, Ifirnsgiron hat den Ball, wird von Cathal aufgehalten doch im letzten Moment fliegt der Ball Algrid. Fast ist sie hindurch, wie ein Trupp Sappeure, die die Mauer umgangen hat. Brendan stellt sich ihr entgegen, fest entschlossen, den Angriff aufzuhalten, die letzte Garde vor dem Thron. Doch manche Burg fällt in einem Hinterhalt - und so auch hier. Wie aus dem Nichts taucht »Feenhild« auf, Algrid passt, Brendan wirft sich herum, »Feenhild« fängt und ... trifft.

Jubel brandet unter den Pottwalen auf, als Ulfert, wie immer mürrisch, das 0:3 verkündet. Die arme, schwer atmende Frenhild wird beinahe von ihren Mitspielern erdrückt, die über sie herfallen, ausgelassen darüber, dass ihnen endlich endlich das dritte Tor geglückt ist.

"Nun kann uns nichts mehr aufhalten!" ruft Aki und ein lautes

"Das wohl!!!" brandet ihm aus den eigenen Reihen entgegen.

Nur Ifirnsgiron stimmt nicht mit ein. Nachdenklich sieht er auf »seine« Spieler. Schwer heben und senken sich die Oberkörper der Premer, Schweiß steht ihnen auf der Stirn und der Kapitän der Premer ist einerseits stolz auf den Erfolg seiner Mannschaft, doch andererseits kann er auch die kleinen Sorgenfalten auf seiner Stirn verbergen.

Cathal sieht besorgt auf die Sanduhr, deren Sandstand sich schon bedenklich weit in die unterste Hälfte verlagert hat. Die erste Halbzeit würde bald vorbei sein. Und es sieht nicht gut aus!

`So langsam müssen wir uns etwas einfallen lassen!`

Bestimmt ruft er seine Mannschaft zusammen. Fragende Gesichter blicken ihm entgegen. Aber auch entschlossene Augen. Zugegeben, die erste Halbzeit verläuft keineswegs wie gewünscht, doch bereit aufzugeben ist keiner. Und wenn ihr Kapitän sie zusammenruft, muss er wohl einen Plan haben.

Cathal sieht in die Runde. Nur ein Wort kommt aus seinem Mund.

"Stampede" sagt er tonlos.

Raika wird bleich `Nicht das...`



IN HAVENA - Im Immanstadion: Spiegelpanzer und Nordmann's Freude - Garulf


Die Augen halb auf dem irgendwie lustigen Zwergen, halb auf dem immer noch hochspannenden Spiel, kommentiert auch der dicke Smutje die Vorstellung eines schwimmenden Angroscho mit einem prustenden "Dat wohl! Dat wohl!" Schließlich weiß jedes Kind, daß Zwerge genauso gut schwimmen können, wie die Steine, in denen sie leben ...

Aber es gibt momentan wichtigeres, als die Schwimmfähigkeit von Steinen und Zwergen - Imman nämlich und das dritte Tor der Pottwale.

"TOOOOR!! TOOOOR!! TOOOOR FÜR POTTWAL!!!" brüllt Garulf ein weiteres Mal, jetzt wieder vollends dem Spiel zugewand. Die Äusserung über Thorwaler und Bergbau bekommt er gar nicht mehr mit, was wohl auch am besten so ist. Auch Garulf liegt momentan nichts an einem Streit mit dem Angroscho, nicht jetzt, nach dem Spiel, ja das wäre etwas ganz anderes ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Spiegelpanzer - Wasuren


Wasuren genießt das Spiel in vollen Zügen. Nun da er ja scheinbar in der Richtigen Kurve ist, denn hier is ja Richtig was los zumindest auf dem Spielfeld.
Ein Tor fällt nach dem anderen und immer ist Wasuren mit vorne dabei. Dem stämmigen Matrosen mit seinem klang vollem Paket, fällt scheinbar gar net auf das er schon lange nicht mehr von neutralen Fans geschweige denn von Pottwal-Fans umgeben ist.
Das dritte Tor ist gerade erst gefallen, da reißt Wasuren freudig seinen zwergischen Spiegelpanzers empor und beginnt wieder anfeuernd Krach machen. Dabei beugt Wasuren sich ein wenig über die leicht erhöhte Absperrung zum Spielfeldrand hinaus, damit die Spieler das auch Richtig mit bekommen.

Auf einmal spürt Wasuren einen harten Schlag gegen seinen rechten Arm prallen und vor Schmerz zieht er den ausgestreckten Arm an sich. Nun kann er aber mit der anderen Hand den schweren Spiegelpanzers nicht mehr halten und muß erschrocken mit ansehen wie dieser zu Boden rauscht.



"Hey, pass doch auf!" schreit ein recht erboster Havenaer, vielleicht ein ärmerer Kaufmann, dem der Spiegelpanzer, den der Matrose trug, regelrecht auf die Füsse fällt.
Doch ganz von alleine ist das nicht passiert, denn schließlich hat der Nachbar auf der anderen Seite mit seinem Schlag gehörig dazu beigetragen, dass genau dieses Missgeschick passiert.
"Er soll lieber aufpassen, was er hier grölt!" bruellt dieser, seines Zeichens vielleicht Fuhrmann oder Ladearbeiter, sowohl dem Matrosen als auch dem Kaufmann zu, "ich sehe nämlich KEINEN Grund zur Freude!"
Er dreht sich kurz um, als müsse er sich einer Sache vergewissern, und in der Tat sind schon mehr Augenpaare auf das Geschehen gerichtet.
"Oder solltest du etwa für die Pottwale sein?"

Es ist nicht so laut ausgesprochen wie das davor, aber das Wort "Pottwale" spuckt er dem Matrosen regelrecht vor die Füsse.



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Ochsentreiben' - Hjaldar, Garulf und Alberik


"Na, ich glööv nit mol, dat ich da staan könnt' innem Stollen." grinst Hjaldar. In dem Augenblick fällt scheinbar ein Tor.
"Schon wieder verpaßt! Son Shiet!" flucht er, fällt aber trotzdem in den Jubel Garulfs mit ein.
Aber, so beschließt er, er sieht hier deutlich zu wenig vom Spiel, ungeachtet der Tatsache, daß dies meist auf Ablenkung beruht.
"Wullt wi mol kieken, wo di'n Rüstung hin is? Wasuren wat grad noch da vörne..." er deutet auf die Tor- und Fankurve der Bullen.
"Mitten drin inne Hornochsenstall, der wat si'n Spaß hebn."
Aber hatte er nicht auch genau das vorgehabt ursprünglich? Grad nach dem moralischen Sieg über die Ochsenschar auf der Brücke gestern ... nein vorgestern ... äh, doch gestern, ja.

"Garulf? Kimmste mit Ochsentreiben?" ruft er dem enthusiatischen Smutje zu und deutet direkt in Richtung des Havener Tores.



Die Störung, in Form eines, nach einem Spielpanzer suchenden, Zwergen, ist längst erfolgreich verdrängt, als eine neue Frage Garulfs Ohr erreicht. Diesmal ist es ein Gleichgesinnter der eine Frage stellt und so ist der Smutje auch gleich zur Antwort bereit, zumal dies eine Frage ganz nach seinem Geschmack ist.
"Ober ümma dock! Dat Wohl!"

Während er diesen Satz ausspricht dreht er sich auch schon in die Richtung, in die Hjaldar deutet.



"Vielleicht...."
Alberik schaut zu der Stelle, oder zumindest in diese Richtung, denn durch die vielen Zuschauer kann er die Stelle längst nicht mehr sehen, an der Ole stehen müßte.
Es wäre ein feiner Zug des Zwergen, den Thorwaler von dort mitzunehmen, schlißelich hatte sich Ole vorhin so angestrengt, den Angroschim weiter nach vorne zu bringen. Und bestimmt wartet der Schiffszimmermann dort noch auf seine Rückkehr.
'Habe ich ihm irgend etwas versprochen? Ich glaube nicht. Außerdem ist der Spiegelpanzer im Moment wichtiger. Wer weiß, was Wasuren noch alles damit anstellt, wenn ich nicht rechtzeitig da bin.'
Alberik besinnt sich also anders, und bringt den angefangenen Satz nicht mehr zu Ende. Statt dessen wartet er darauf, daß Hjaldar und der Schiffskoch vorgehen und er ihnen folgen kann.

"Also gehen wir."



IN HAVENA - In Immanstadion: Begeisterung über die Grenzen - Ole und Fiana


Ole ist über alle Maßen verzückt. Er schreit vor Vergnügen und tanzt aus seiner Freude heraus auf den Zehen seiner Nachbarn ein Jubelpolka. Die Leute fühlen sich schon nicht gering gestört von Ole's Freudenausbrüchen, zumal sie den Grund seiner Ausgelassenheit nicht unbedingt teilen können. Des einen Freud soll ja, will man in diesem Punkt dem 'Volksmund' trauen, bekanntlich das Leid des anderen sein. In diesem Fall allerdings bewahrheitet sich diese Volksweisheit, denn Ole bejubelt den zweiten Treffer der Pottwale und darüber können sich die Leute um ihn herum, allesamt gestandene Bewohner Havena's, auch beim besten Willen nicht begeistern.

Doch Ole bleibt sorglos und kann auch in den finstersten Gesichtern, die ihn gerade grimmig anfunkeln, keine besondere Bedrohung für sich erkennen.



Nachdem Fiana schon längere Zeit suchend durch das Stadion gewandert ist, ist die freude um so größer als sie etwas entfernt eine laute bekannte Stimme wahrzunehmen scheint. Als sie sich in die Richtung der vermeintlichen Stimme wendet erkennt sie, daß sie richtig lag, denn einige Meter weiter vollführt Ole gerade einen waren Freudentanz.

'Jetzt nur nicht aus den Augen verlieren'

Schnurstracks geht sie in Oles Richtung, ohne dabei allzu viel Rücksicht auf die anderen zu nehmen, denn sonst hat man hier eh keine Chance auf ein Durchkommen.

"HEY OLE!" ruft sie beim näherkommen und als sie ihn schließlich erreicht hat lautet die erste Frage natürlich:

"Sach wie steht's ?"



Es dauert eine Weile bis Ole bemerkt, dass er gerufen wird. Er hat schlicht und einfach nicht damit gerechnet, hier in Havena von irgend jemanden angesprochen zu werden. Und Ole's gibt es ja so zahlreich wie Zwergenbärte. Aber letztlich begreift er dann doch, dass er und nur er gemeint sei kann, zumal ihn die Stimme der Rufenden vertraut vorkommt.

"Wie's steht?" ruft er zurück, nachdem er Fiana entdeckt und erkannt hat, "So steht's! Und so darf es weitergehen!"

Um die Bedeutung seiner Worte verständlicher zu machen stellt sich Ole in Siegerpose, mit huldvoll ausgebreiteten Armen, die Nase gegen den Himmel gereckt, sein Gesicht geziert von einem milden Lächeln, als gelte es den unterlegenen Kontrahenten zu trösten. Eine derartige raumgreifende Gestik führt natürlich zum Verdruss nahezu aller seiner Nachbaren, die sich durch Ole's Demonstration reichlich eingeengt fühlen müssen.

Aber Ole nimmt den Protest der Umstehenden in seinem leidenschaftlichen Freudentaumel kaum bis gar nicht wahr.

"Komm bei, Mädel!" ruft Ole ziemlich respektlos zu Fiana hinüber und winkt sie heran, dass sie sich neben ihn stelle.



Oles Freudentaumel wirkt recht anspornend auf Fiana, die froh ist endlich jemand gefunden zu haben der auch Premer Fan ist. Zwar hat sie Ole nie gefragt für welche Mannschaft rein Herz schlägt aber es kommt Fiana nicht im Traum in den Sinn das es nicht Pottwal sein könnte.

Drum wartet sie auch gar nicht erst bis Ole ruft, sondern bahnt sich bereits vorher ihren Weg durch die umstehenden Trübnasen von Havener Fans. Darunter hat auch der ein oder andere Fuß zu leiden.

Mit einem Stürmischen "Pottwal vor" erreicht sie schließlich Ole und fragt als erstes "wieweit simma vorne?"

Die lasche Anrede hat sie gar nicht so recht wahrgenommen"



Ole wird von gerade eben von einer riesigen Woge der Freude davon getragen, als Fiana sich gerade einen Weg durch die Menschenmenge, zu ihm hindurch gebahnt hatte. Wie es steht? Na das ist doch überdeutlich! 'Pottwal' führt, da ist es doch egal wie hoch! Aber Ole schwimmt noch immer auf der Welle der Begeisterung und jeder weiß, dass überschäumende Begeisterung selbst Felsgestein zu enthemmen weiß. Er zieht Fiana an sich heran und erklärt er ihr, in einem Ton, der dem Absingen einer Hymne mehr gleicht, als einer einfachen Erklärung:

"Wir führen mit drei Punkten gegen gar gar keine! Das ist doch Grund für ein Fest - oder?"

Und dann drückt er Fiana drei Küsse auf die Lippen, erst einen, dann einen zweiten, zuletzt einen dritten, eben für jede Tor einen!

Fiana muss sich völlig überrascht fühlen!



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Der Spielstand ist zur Zeit eindeutig, die 'Pottwale' befinden sich, zumindest im Augenblick auf der Siegerstraße. Jeden Augenblick wird die Halbzeit angekündigt werden und das wird auch ganz gut so sein. Ifirnsgiron hält sich mit verzerrten Gesicht die Hüfte, das Seitenstechen hat in er letzten Zeit erheblich zugenommen. Auch schmerzt ihn die linke Schulter. Er spürt dort die Folgen eines Zusammenstoßes mit Chatal. Zwar hat er den Kampf um den Ball zu seinen Gunsten gestalten können, doch hat er dabei auch Bekanntschaft mit den spitzen Ellenbogen des Havenär Ausnahmespielers. Ifirnsgiron sehnt die Halbzeitpause herbei, denn die Beine werden immer schwerer und die Schmerzen nehmen zu.

'Es kann ja nicht mehr lange daürn!' denkt er sich zuversichtlich.


***


Tula humpelt!

'Verdammte Acker!' denkt sie sich erzürnt. Sie hatte sich bei einem schnellen Lauf an der linken Seitenlinie entlang den Fuß verdreht und es sah lange danach aus, als müsste sie aus dem Spiel ausscheiden. Das würde Tula aber niemals tun und wenn sie ihr Bein als blutigen Fetzen hinter sich her ziehen müsste. Tula würde lieber auf dem Spielfeld sterben, als einfach klein bei zu geben.

Aber die Schmerzen sind ziemlich stark, stark genug, um auch einer Tula Verdruss zu bereiten und so wägt sie im Augenblick tatsächlich ab, ob Sterben nicht die angenehmere Variante des Weiterspielens sei könnte.

'Verdammt Acker!' denkt sie sich noch einmal, obwohl sie, bei SWAfnir, schon auf wesentlich schlechteren Plätzen gespielt hat, bei denen Gras niemals eine Chance gehabt hätte zu wachsen. Aber das ist Tula im Moment absolut egal. Sachlichkeit war noch niemals ihre Stärke gewesen.

'Verdammter Acker!'


***


Torlif und Faenwulf sind noch ziemlich ausgeruht, hatte sie bisher noch so gut wie gar nichts zu tun gehabt. Torlif ist gar immer öfter in den Reihen der Stürmer zu erkennen gewesen, während Faenwulf trotzig den Rückraum abgedeckt hatte, aber dennoch immer weiter nach vorne gerückt ist und sich nun schon fast an der Mittellinie postiert hat.


***


Ragnid wirbelt noch immer so, als währte das Spiel erst wenige Minuten. Die Yeshinna ist einfach nicht kaputt zu kriegen, sie schwitzt ja kaum, obwohl die weite Strecken gegangen ist und das in einem Tempo, dass kein andere Spieler hätte mithalten können. Selbst wenn sie durch eine rüde Attacke der 'Bullen'-Abwehrspieler von den Beinen geholte worden war, noch im selben Augenblick sprang sie wieder auf die Beine, schüttelte sich ein wenig und stürmte weiter, als sei nichts, aber auch gar nichts geschehen.


***


So hart im Nehmen wie die 'Yeshinna' ist die 'Fee' allerdings nicht. Sie schnappt nach Luft und ihr Atem geht rasselnd. Außerdem sieht es so aus, als würde jeden Augenblick ihre rechte Wade zu krampfen beginnen. Daher meidet sie jeden schnellen Schritt und auch sie denkt, wie Ifirnsgiron, sehnsüchtig an die Halbzeitpause.


***


Isleif macht Dehn- und Streckübungen. Er hat, bis auf seine Glanzabwehr aus dem Anfang der Begegnung, nichts zu tun bekommen und er spürt, wie ihm die Gelnke langsam steif werden. Es hat zwar Vorteile, wenn der Torhüter kaum eingreifen muss, doch birg dieser Umstand auch einen großen Nachteil. Der Körper wird kalt und träge, wenn er nicht bewegt wird und das kann sich im entscheidenden Moment als äußerst fatal erweisen. Das hat man ja schon oft genug erleben können, dass ein Torhüter während eines zeitabschnittes der Unterforderung derart steif geworden war, dass er einfach nicht mehr rechtzeitg zu Boden kommen konnte, um einen Ball abzuwehren. Dem sei entgegen zu treten, meint Isleif und versucht sich einigermaßen gelenkig zu erhalten.


***


Algrid ist nun auch etwas langsamer geworden. Sie hat sich auf eine Spielart eingelassen, die erheblich Kraft raubend gewesen war. So ging es ihr nicht nur darum, der eigenen Mannschaft Vorteile zu verschaffen, sondern hat es zudem auch darauf abgesehen Sibor zu foppen, was ihr, auf Grund ihrer Schnelligkeit auch immer gelang. Doch nun wird sie langsamer, denn sie hat ihre Kraftreserven allzu großzügig verstreut und bei der letzten Begegnung auf dem Spielfeld ist ihr der kleine, stämmige 'Schlangenfreund' schon nahe gekommen. Ihre Kehle ist staubtrocken und die Vorstellung eines Krugs, gefüllt mit kühlem, klaren Wasser, erscheint ihr jetzt schon wie eine Vision aus RAHja's Paradies.



NORDSTERN - Unterdeck: Neckerei - Jandara und Zach


Das Gespräch mit dem Kapitän hat Jandara ein wenig aufgeheitert. Fast ein wenig beschwingt begibt sie sich auf den Weg zum vorderen Niedergang. Das schöne Wetter tut sein übriges dazu.

Tagträumerisch malt sie sich aus, wie sie in nur wenigen Minuten ihren geliebten Raben aus dem finsteren Laderaum befreien wird, um ihn dann, versteckt natürlich, von Bord zu schmuggeln, damit auch er in den Genuss der letzten warmen Sonnenstrahlen kommt.

Hat die NORDSTERN erst einmal abgelegt, wird er noch lang genug im Dunkeln sitzen müssen. Wobei Jandara weiß, dass ihm die Finsternis nicht gerade missfällt. Aber jedes Lebewesen braucht hin und wieder das Licht um nicht trübsinnig zu werden. Und mancher muss eben zu seinem Glück gezwungen werden.

'Während Zach sich den frischen Wind durch die Flügel pusten lässt, kann ich mich ja mal auf den Weg zum EFFerd-Tempel machen. Mal schauen, wie es da aussieht.'

An der Stiege angekommen rafft sie ihren Rock, um auf den schmalen Stufen nicht zu stolpern. So geht sie die Treppe nach unten.



Auf dem Unterdeck angekommen dauert es eine Weile, bis sich Jandaras Augen an die relative Dunkelheit gewöhnt haben. Aber sie hat ja nur wenige Schritte an Kombüse und Messe vorbeizugehen, bis sie an dem Niedergang zum Laderaum angelangt ist.

Ein Lied fällt ihr ein, das sie vor Jahren mal von Cern's Mannschaft gelernt hat. Sie bekommt den Wortlaut nicht mehr ganz zusammen aber trotzdem summt sie die Melodie fröhlich vor sich hin. Mit wehendem Rock beginnt sie in den Laderaum hinabzusteigen.



Nur um dann schon beim ersten Schritt wieder inne zu halten.

Ein schelmisches Glitzern funkelt in ihren Augen.

Gerade ist ihr eingefallen, wie schön es wäre, wenn sie Zach einen kleinen Schreck einjagen könnte. Nichts Großes... nein, nur eine Überraschung. So schleicht sie nun also fast lautlos die Treppe hinunter. Vorsichtig setzt sie einen Fuß vor den anderen, immer darauf bedacht, möglichst kein Geräusch zu verursachen. Ein wenig stört sie das Rascheln ihres Rockes, aber da sie davon ausgeht, dass der Schöne sowieso schläft, glaubt sie nicht, ihn mit diesem leisen Geräusch wecken zu können. Viel schwieriger ist es da schon, sich das Lachen zu verkneifen. Immer wieder stellt sie sich vor, wie der kleine Rabe vor Schreck rückwärts von der Korbkante purzelt. Nur zu deutlich sieht sie das Bild vor sich, ist es ihr doch schon einmal vor wenigen Wochen erst gelungen ihm einen ähnlichen Streich zu spielen und das, obwohl er behauptet hatte, ihn könne nichts überraschen.

'Hah, mein Schöner, warts nur ab!' denkt sie sich.



Zach hört das etwas auf ihn zukommt! Er kann es spüren, mit all seinen Rabensinnen. Panisch blickt er in alle Richtungen.

'Wohin nur?'

Sein schräger Blick bleibt an einem kurzen Querbalken in einer der hinteren Ecken hängen.

Das ist es.

Mit rasendem Puls und hektisch flatternden Flügeln schwingt er seinen Körper vom Boden empor, was nicht gerade lautlos in der Stille des Laderaumes vor sich geht und landet, den Schwung geübt abfedernd, auf dem kurzen Balken in der hinteren rechten Ecke, der dort angebracht wurde, um was auch immer abzustützen.

Von hier hat er einen guten Überblick. Unter sich hört er ein leises Schaben, wie Holz auf Holz, ein Rascheln wie von Stoff oder gar Pergament, dann wieder Schritte, kleine Trippel-Schritte...


***


Jandara hat die Treppe hinter sich gelassen und schleicht auf Zehenspitzen in Richtung des Eingangs zu -ihrem- Laderaum. Noch immer zucken ihre Mundwinkel verdächtig, doch ihr Gesicht erstarrt zu einer Maske, als sie die für Zach typischen Fluggeräusche hört.

'Ja ist der denn narrisch geworden?'



Verärgert betritt Jandara den Laderaum. Die Idee, den Raben zu erschrecken, hat sie fallengelassen.

Sich langsam umschauend, sucht sie den dunklen Raum ab. Das kleine Öllämpchen neben dem Eingang spendet kaum Licht, und das wenige wird sofort von den dunklen Ecken verschluckt.

"Zach, ich bin's!" macht sich die junge Frau flüsternd bemerkbar. Denn vielleicht hat der Schöne sie ja kommen hören, und sich in der Annahme, ein Fremder wolle sich hier zu schaffen machen, irgendwo versteckt.

Eine kleine Bewegung in der Dunkelheit, dann das flatternde Geräusch von raschen Flügelschlägen und Zach kommt aus seiner Ecke heraus auf Jandara

zugeflogen. Diese hebt erleichtert ihren linken Arm und bietet ihm so eine Landemöglichkeit. Wieder fängt Zach den Schwung des Fluges bei der Landung geschickt mit den Flügeln ab und federt noch einmal mit einem kleinen Hüpfer nach. Dann sitzt er still, legt seinen Kopf schief und blickt sie mit halboffenem Schnabel fragend an.

Doch Jandara schüttelt den Kopf.

"Pst! Stell keine Fragen...weisst du was? Wir machen einen kleinen Ausflug. Ich habe vor, mir den Efferdtempel anzuschauen, willst du nicht mitkommen?"

Natürlich will Zach das.

"Zach kommt mit!" krächzt er heiser.

Jandara lacht.

"Aber erst muss ich dich noch verstecken."

Damit schaut sie sich wieder suchend um. Schon bald bleiben ihre Augen an dem großen Korb hängen.

Zach derweil hat Mühe an sich zu halten und nicht los zu plappern. So viel hat er gesehen, so sehr hat er gebangt...

Gerade öffnet er seinen Schnabel um seine Geschichte zu erzählen, als Jandara auf den Korb zu geht. Nun ist der Rabe damit beschäftigt sein Gleichgewicht zu halten, um nicht von ihrer Hand herunterzufallen und kommt nicht dazu auch nur piep zu sagen.

Mit der noch freien rechten Hand zieht Jandara einen langen Wollschal heraus.

"Tut mir leid, mein Schöner, aber ich muss dich kurz darin einwickeln. Sobald wir von Bord sind, darfst du dann fliegen."

Der große schwarze Rabe sagt nichts, er ist ja gewohnt...

...und schneller als er es für möglich gehalten hat, hat ihn die junge Frau in den weichen Schal gewickelt und trägt ihn, unauffällig unter dem Arm, in Richtung Aufgang.



Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, hastet sie die Stiege nach oben. Jandara schaut weder zur Seite und auch nicht zurück, was wohl auch gut so ist, denn so leer wie das Ladedeck auf den ersten Blick scheint, ist es nicht.

Doch für sie gilt es, Zach so schnell wie möglich aus seiner, für ihn, unangenehmen Lage zu befreien.

Mit großen Schritten durchmisst sie das Unterdeck und ist schon bald an dem Aufgang zum Oberdeck angekommen.

Ein wenig bedrückt sie der Gedanke ihren Korb so ungeschützt im dunklen zurückgelassen zu haben, doch auf der anderen Seite, wer interessiert sich schon für einen alten Korb?



Vorsichtig späht Jandara über das Oberdeck.

Leer liegt es vor ihr. Dann ein misstrauischer Blick zur Brücke. Doch der Kapitän scheint sich gerade mit etwas zu beschäftigen, was im Wasser schwimmt.

Erstaunt hebt die junge Frau eine Augenbraue, denn das Bild, wie Jergan träumerisch in das Brackwasser des Hafens schaut, hat etwas so Unschuldiges an sich, fast wie ein ins Spiel versunkenes Kind.

Kurz überkommt sie die Neugier, was Jergan da wohl im Wasser schwimmen sehen mag. Aber diesen Moment gilt es auszunutzen, jetzt dieser Schwäche nachzugeben wäre fatal. Leise steigt sie die letzten Stufen empor, um dann so unauffällig wie möglich, mit ihrem zum Paket geschnürten Raben, zur Planke zu schlendern.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Wieder allein - Jergan


Wieder einmal ist der Kapitän der NORDSTERN alleine auf dem Deck "seiner" Karavelle, und kann seine Gedanken frei über das Schiff, den Hafen, die Stadt, vielleicht sogar ganz Aventurien oder gar Dere schweifen lassen.

Aber dennoch verharren sie erst einmal bei etwas so sehr derischem wie der Kabinenzuweisung und der Tatsache, dass in seiner Kabine noch ein wenig Papierkram auf ihn wartet - nämlich das Erfassen der Fahrgäste, die hier in Havena von Bord gegangen sind. Die beiden "Zugänge", die Kurierin, mit der er gerade sprach, und die RAHja-Geweihte Silana, sind im Bordbuch bereits eingetragen, alles andere bedarf noch der Überarbeitung.

Leise seufzt der Kapitän, dann verdrängt er diese Gedanken wirklich, und dreht sich dann um, um die Treppe, von der er aus sich mit Jandara unterhalten hat, wieder auf das Brückendeck emporzugehen. Nicht, dass es dafür eine Notwendigkeit gäbe, aber dort oben ist der Überblick besser, und die Atmosphäre irgendwie passender.



Die "Kurierin" verlässt das Oberdeck, und damit ist der Kapitän wirklich ganz alleine auf den oberen Decks der NORDSTERN. Es ist zwar nicht ungewöhnlich, aber manchmal ist diese Einsamkeit auch dazu geeignet, Jergan an die Verantwortung zu erinnern, die er innehat, auch wenn das Schiff sich wie jetzt nicht vom Fleck bewegt.

Gedanken dieser Art können oftmals in ziemlich betrübte Stimmungen führen, aber eigentlich ist das nicht das, was der Kapitän an diesem Feiertag haben möchte.

So geht er langsam über das kleine Brückendeck, bis er an der heckseitigen Reling angekommen ist, und in das Wasser des Hafenbeckens hinunter schaut.



IN HAVENA - Im Hafen: Streifzug - Jandara


Erleichtert darüber, dass der Kapitän sie nicht bemerkt hat, verlässt Jandara das Schiff. Sie überlegt ob sie es Zach zumuten kann, ihn so verschnürt über den Bennain-Damm zu tragen, doch sie entscheidet sich dagegen.

So sucht sie sich einen dunklen Winkel zwischen zwei Lagerhäusern um den Raben dort aus dem Schal heraus zu wickeln. Es dauert nicht lange und schon bald sitzt der schwarze, ein wenig zerzauste Rabe auf Jandaras Hand und putzt sich, nicht ohne sie hin und wieder mit einem beleidigten Blick zu streifen, die Federn.

"Entschuldige mein Schöner, aber anders ging es nicht, wir lassen uns etwas einfallen, damit ich dich nicht mehr so unglücklich hin und her schmuggeln muss."

Doch Zach straft sie mit Nichtachtung. So redet die junge Frau wieder einmal scheinbar mit sich selbst.

"Vielleicht könnte ich dich in eine Möwe verwandeln, dann wäre es ganz natürlich wenn du das Schiff begleitest."

Dieser Vorschlag bewirkt zumindest das Zach mit dem Putzen innehält.

"Niemals, niemals, niemals!" krächzt er empört. Er der stolze, starke und nicht zu vergessen, ausgesprochen ansehnliche Raben-Mann, eine tumbe um Abfälle bettelnde, kreischende Möwe?

"Pst," ängstlich blickt sich Jandara um, doch es sind nur wenige Menschen in dieser Ecke des Hafens und niemand scheint sie bemerkt zu haben.

"Leise! Dann machen wie das halt anders..."

Und es dauert nicht lange, da fällt ihr auch schon was Neues ein.

"Wir täuschen einen Unfall vor, direkt vor aller Augen. Nachher, wenn wir zur NORDSTERN zurückkehren, krächzt und schreist du und fällst, wenn möglich, direkt vor meinen Füßen herab. Am besten wenn ich gerade an Bord gegangen bin. Ich finde dich und werde allen erzählen, dass ich dich nun gesund pflegen werde."

Jandara nickt zufrieden mit sich selbst.

Zach denkt kurz nach. Warum nicht? Immer noch besser als ständig in irgendwelchen Körben oder Tüchern versteckt herumgeschleppt zu werden.

"Mach das!" krächzt er noch kurz, bevor er sich hoch in die Lüfte schwingt, einmal die NORDSTERN umrundet, um dann aus dem Sichtfeld der jungen Frau zu verschwinden.

Jandara ist zufrieden. Sie weiß, dass der Rabe genau dann, wenn sie auf die Karavelle zurückkehrt wieder da sein wird. Sie verlässt die dunkle Nische, legt sich den Schal um die Schultern und macht sich bei strahlendstem Sonnenschein auf den Weg zum Efferdtempel.



NORDSTERN - Auf der Brücke: In Gedanken vertieft - Jergan


Mehr am Rande als bewusst nimmt der Kapitän war, dass die Kurierin ziemlich eilig das Schiff verlässt - sprach sie nicht gerade eben noch davon, dass sie den Laderaum aufsuchen wollte? Doch darum kümmert sich der Kapitän nicht weiter, denn das ist eine alleinige Sache dieser Frau, und da sie die Reise bezahlt hat, kann ihm das mehr als egal sein.

So starrt er noch eine Weile ins Wasser, wo das kleine Stück Holz schon längst entschwunden ist und sich zwischen dem Rumpf der NORDSTERN und dem Anleger verklemmt hat. Es mag schon bald wieder freikommen, wenn die Gezeiten die Karavelle bewegen, es mag aber auch noch sehr lange dauern, doch gewiss ist, dass es spätestens dann wieder frei ist, wenn das Schiff seine Reise nach Süden fortsetzen wird.

Bei dieser sind nun auch die Gedanken des Kapitäns wieder angekommen, denn irgendwann muss er den entsprechenden Beschluss fällen, wann es nämlich weitergehen wird, und insbesondere auch, ob der Militärhafen Harbens in der Tat nicht angelaufen wird und damit Grangor das nächste Ziel ist, oder ob es vielleicht doch Harben sein wird.

In derlei Gedanken vertieft blickt Jergan Efferdstreu weiter über die Reling.



IN HAVENA - Im Hafen: Eine rätselhafte Frau - Widirza


In der Nähe dieser kleinen Fischerboote liegt eine große Karavelle vor Anker. Ruhig, fast unbewegt scheint sie im Hafen zu dümpeln. Doch dieser Eindruck mag nur im Bezug auf die kleinen Fischerboote zutreffen, nicht aber auf die unbewegliche Mauer des Hafenbeckens.

Die Segel der beiden Masten sind gerefft und es scheint, als ob sich die meisten Matrosen dieses Schiffes an Land vergnügen würden. Nur der Kapitän hat seinen Posten auf dem Brückendeck nicht verlassen und wacht über das Schiff.

Doch so ruhig die Karavelle auch im Hafen liegt, so hektisch ist das Geschehen um sie herum. Auf der Kaimauer, auf zahlreichen hölzernen Pfählen und auch auf und über dem Hafenplatz selbst treiben Möwen ihr Unwesen. Ihr lautes Gekreische um den von den Fischern fortgeworfenen Unrat ist weithin zu hören. Dieses Gezanke lässt auch Widirza langsam wieder zu sich kommen. Erst hört sie die Schreie der Möwen nur undeutlich wie durch dichten Nebel, doch als ihr der faulige Geruch toter Fische um die Nase schwebt, setzt sie sich fast ruckartig auf.

Verwirrt und erschrocken blickt sie sich um. Doch um sie herum stehen nur hölzerne Kisten.

'Was ist passiert?' ist ihr erster Gedanke. 'Wo bin ich?!' der unmittelbar darauf folgende.

Doch zwischen den hölzernen Kisten um sich herum sehen kann sie nur einen hastigen Blick auf die zum trocknen gespannten Netze der Fischer werfen.

'Ich habe geschlafen...' wird es schlagartig bewusst! Sie schüttelt den Kopf. 'Ich habe geschlafen!' Abermals schüttelt sie den Kopf.

'Das kann nicht sein...' redet sie sich selbst ein. 'Ich habe seit Beadorns Tod nicht mehr geschlafen. Ich bin Widirza!'

Langsam richtet sie sich auf und stützt sich an einer der Holzkisten ab. 'Wie komme ich hier her?' versucht sie sich zu erinnern...



Ihre Hand fühlt die Wärme des von der Sonne beschienenen Holzes. Die warmen Strahlen der Sonne tun gut auf ihrer blassen Haut. Und der vom Meer kommenden Wind lässt ihr pechschwarzes, beinahe taillienlanges Haar leicht wehen.

'Wo bin ich hier?' fragt sich Widirza. Ihre schwarzen Augen versuchen sich zu orientieren. Sie sieht die vielen Möwen, die sich um die in der Sonne faulenden Fischabfälle zanken. Sie sieht auch die zum Trocknen aufgehangenen Fischernetze. Der aufdringliche Geruch toten Meeresgetiers und anderem Unrat weht um ihre kleine Nase. Auch ihre feinen Menschenohren bestätigen ihr, dass sie sich Augenscheinlich in der Nähe des Hafens befinden muss.

'Wie komme ich hier her?' Abermals schwingt diese Frage durch Widirzas Kopf. Nur bruchstückhaft kann sie sich an die letzte Nacht erinnern. Aber eines weiß Widirza. Sie hatte es wirklich geschafft. Sie hatte Saravhae aufgespürt.

'Ich kann mich nicht mehr erinnern...'

Diese Erkenntnis lastet schwer auf ihr. Sie, Widirza, konnte sich nicht mehr erinnern!

Unbedacht löst sie ihre Hand von der Holzkiste und streicht einige Strähnen ihrer schwarzen Haare aus dem Gesicht. Doch schon der nächste Hauch des Seewindes lässt ihre Haare wieder wehen.

Langsam und noch immer nicht schlüssig, was sie von der letzten Nacht halten sollte, verlässt Widirza den Schutz der Holzkisten. Sofort lässt der Wind auch ihre kurze, schwarze Tunika wehen. Wie als Reflex hält Widirza ihr weißes Tuch, welches sie wie ein Dreieck um ihren Hals geschlagen hat, fest. Beinahe augenblicklich fällt ihr Blick auf die große Karavelle, die ruhig im Hafen vor Anker liegt.

'Was mache ich jetzt?' fragt sie sich, als einige Schritte vor den Holzkisten abermals innehält. 'Ich habe hier in Havena mein Ziel erreicht, doch mehr als zuvor weiß ich dadurch auch nicht.'

Noch immer blickt sie zu der Karavelle hinüber, doch ihr Blick verliert sich irgendwo in der Luft. Sie musste sich erinnern...



Widirza blickt zu der Karavelle hinüber, doch ihr Blick verliert sich irgendwo in der Luft. Sie musste sich erinnern... Langsam und schleppend rinnen ihr die Geschehnisse der vergangenen Monate wieder ins Bewusstsein.

'Es muss irgendwann gegen Ende Rahja gewesen sein, als ich von dem Gerücht gehört hatte. Ja...'

Widirza nickt. Sie ist sich nun wieder etwas sicherer.

'Es war am 24. Rahja. Daran kann ich mich gut erinnern. Es hatte den ganzen Tag über geregnet und die Luft am Abend roch nach feuchter Erde.

Ich saß den Tag über in der Taverne und hörte den Leuten zu. Viele davon waren Flüchtlinge aus den Länder im Osten. Sie sprachen vom Krieg, von den Verwundeten und von grässlich verstümmelten Opfern. Aber auch Bauern aus der Umgebung hatten sich in der Taverne eingefunden. Einfache Menschen, die nichts mit dem Krieg und seinen Konsequenzen zu tun haben wollten. Bauern, das war auch der Großteil der Flüchtlinge einst gewesen. Bis sie vor Furcht um ihr eigenes Leben vor Borbarads Schergen fliehen mussten.'

Noch immer verliert sich Widirzas Blick in der Takelage der ruhig im Wasser liegenden Karavelle.

'Und das war auch der Tag, an dem ich zum ersten Mal das Gerücht über die schwarze Frau hörte...'

Langsam macht Widirza einen Schritt nach dem anderen. Dass dabei Muscheln knirschend unter ihrem Tritt zerbrechen merkt sie nicht. Sie verschränkt die Arme vor der Brust und blickt zu Boden. Leer und ausgepumpt fühlt sie sich.

Jeder ihrer Schritte lässt sie der Karavelle näher kommen. Dort ist etwas, das Widirza unbewusst anzieht.

'Ich hatte an diesem Tag noch einige Gerüchte über die schwarze Frau sammeln können. Und ich hatte mich entschieden, dass ich nicht gleich dem Zug gegen den Feind beitrete, sondern sie erst bitte, mit uns gegen Borbarad zu ziehen.'

Widirza lacht lustlos auf.

"Ha!"

'Ich hatte gehofft, sie sei ein Geschöpf wie ich. Wenn ich gewusst hätte, dass es so nutzlos ist, sie zu bitten, dann...'

Doch etwas sagt ihr, dass es vielleicht nicht ganz nutzlos war und Widirza seufzt.

'Wenn ich mich nur erinnern könnte!'

Schritt für Schritt nähert sie sich der noch einige Bootslängen entfernten Karavelle, den Blick starr auf den Boden gerichtet.



Langsam und unsicher fährt Widirzas Hand unter ihren weißen Schal und bekommt die bunten Perlen einer Holzkette zu fassen.

'Alles vergeht...'

Die abgegriffene Regenbogenkette ist alles, was ihr noch von Beadorn geblieben ist. Und die Erinnerungen, die sie tief in sich vergraben hat. Dann blickt Widirza auf und atmet tief durch. In ihren Augen liegt für einen Moment ein leichtes Funkeln - eine trotzige Reaktion gegen ihre jetzige Situation.

'ICH nicht!'

Stolz und trotzig reckt sie ihr blasses Kinn in die Höhe.

'Wenn die schwarze Frau mir nicht helfen will, dann werde ich andere finden, die mir helfen. MICH hält nichts auf!'

Ihr Blick geht beinahe durch die Karavelle hindurch. Wieder spürt sie die Kraft, die von der Karavelle auszugehen scheint. Kraft, die sie nun benötigt, um ihrem leeren Körper wieder die Kraft zu geben, weiter zu machen.

Tief in ihrem Inneren ist sich Widirza jedoch nicht wirklich sicher, ob die schwarze Frau ihre Bitte wirklich abgelehnt hatte. Doch die Erinnerung an die letzte Nacht scheint verloren.



Dann plötzlich stoppt Widirza. Sie schaut hoch in den Himmel und lässt die Strahlen der Praiosscheibe über ihre milchig weiße Haut fluten.

'Fünf Monate, drei Wochen und einen Tag - wenn ich mich nicht verrechnet habe - bin ich nun schon in Havena. In dieser Zeit hätte ich viel gutes tun können auf den Schlachtfeldern. Mit meinen Fähigkeiten wäre ich dort wie ein Racheengel für die Kämpfer gewesen.'

Widirza lacht hämisch auf.

'Fähigkeiten?! - Ein Fluch ist es, wenn man nicht stirbt!'

Abermals lacht Widirza auf.

'Aber ich wollte ja mehr über mich wissen... Hatte gehofft, die schwarze Frau wäre wie ich. Wie vermessen von mir, mein eigenes Verlangen über das Leben vieler Menschen zu stellen.'

Widirza fühlt sich leer. Und doch zugleich erfüllt von Hass auf sich selbst, erfüllt von Hass auf Borbarad und nicht zuletzt erfüllt von Hass gegen jene, die Beadorn damals in dem kleinen Tsatempel nahe Trallop dieses Unrecht angetan hatten.

Trotz all ihrer Macht fühlt sich Widirza in diesem Augenblick klein und schwach. Die Trauer über Beadorns Tod steckt noch so tief in ihr wie am ersten Tag.

"Beadorn..." fließen ihr die Worte unwillkürlich über die Lippen und ihr Kinn sinkt langsam auf die Brust. "Beadorn."

'Wieso habe ich mich damals so entschieden?'

'Wieso hast du dich damals so entschieden??'



Wieso habe ich mich damals so entschieden?'

'Wieso hast du dich damals so entschieden??'

Diese Fragen gehen Widirza durch den Kopf.

'Ja, wieso nur?' fragt sich Widirza. Am liebsten würde sie sich irgendwo hinsetzen, doch um sie herum sind nur Kisten, Fässer, Unrat und die leise im Seewind schaukelnden Fischernetze. Kein Platz für eine Frau. Doch für ihre Umgebung hat sie ohnehin keine Augen.

Noch immer starrt sie über ihre schwarze Tunika und den weißen Dreiecksschal zu Boden.


***


Leise rauscht der Wind durch die Wipfel des Waldes. Es hatte in der Nacht geregnet, doch davon war nur noch hier und da ein leichter Nebel zwischen den Bäumen geblieben. Ausgeruht und freudig, wohl noch heute den Tempel ihrer Göttin zu erreichen wandert Beadorn auf dem befestigten Waldweg entlang.

Die Praiosscheibe, die an diesem Herbsttag noch einmal ihre ganze Schönheit beweist, schickt ihre wärmenden Strahlen auch durch die Wipfel der Bäume hindurch auf Beadorn.

"Guten Morgen, hoher Herr PRAios." grüßt die Geweihtenanwärterin unbekümmert die feurige Scheibe. "Es ist schön, dass ihr auch diesen Tag dem hohen Herrn Firun abtrotzen konntet."

Dann verstummt sie plötzlich und bleibt stehen. Doch nicht, weil sie fürchtet, den Göttern lästerlich gewesen zu sein. Nein, sie lauscht. Und wirklich, sie hatte sich nicht verhört. Irgendwo tief im Wald hört sie das Pochen eines Spechtes. Tief saugt sie die frische Morgenluft ein.


***


'Ich kann nicht weinen, ... '

Widirza fühlt keine Trauer über den Verlust Beadorns. Seit diesem Tag im Herbst vor sechs Jahren ist sie unfähig zu fühlen.

'... aber ich weiß, warum Menschen es tun.'



Doch darüber nachzudenken, was sich wirklich in der letzten Nacht abgespielt hatte, fehlt Widirza jetzt die Kraft und die Zeit. Denn noch während Widirza ihren Blick starr auf die Karavelle gerichtet hat, bewegt sich ein Teil der Kraft davon weg.

Widirza blinzelt. Eine Tätigkeit, die sie in den letzten Minuten schlichtweg vergessen hatte. Aber wer hätte das schon bemerken können? Um sich herum sieht Sie nur die zum Trocknen aufgehängten Fischernetze und dazwischen... 'Nur Unrat und Möwen, keine Gefahr - trotzdem sollte mir das nicht wieder passieren.'

Doch diese Gedanken wischt Widirza beiseite und schlendert an den Netzen vorbei auf die etwas belebtere Strasse am Hafen. Kurz blinzelt sie noch einmal, nur um sicherzugehen, dass sie keine Aufmerksamkeit erregt, dann erst folgt sie der Spur der Kraft hinein in die Stadt.



IN HAVENA - Im Hafen: Absturz - Amalthea und Zach


Trotz des Immanspiels scheinen in diesem Teil Havenas noch einige Leute auf den Straßen unterwegs zu sein, ihren Geschäften oder anderen, privaten Dingen nachgehend.

Die Händler, die in unregelmäßigen Abständen ihre Läden aufgebaut haben, mögen das zwar anders sehen, aber zumindest eine der Passantinnen ist ganz froh darüber, nicht ständig irgendwem Ausweichen zu müssen. Die zierliche, weißhaarige Frau, die sowohl an ihrer Kleidung als auch dem kunstvoll geschnitzten Stab recht schnell als Magierin zu erkennen ist, wandert mehr oder minder ziellos durch die Straßen. Eigentlich wollte sie ja zum Hafen, aber vielleicht sollte sie doch lieber zum Immanstadion...? Allerdings ist das Spiel, von dem sie heute Morgen in der Schenke gehört hatte, wahrscheinlich schon in vollem Gange. Oder zum Marktplatz?

Weiter vor sich hin sinnierend achtet die Magierin nur mit einem halben Auge auf die Umgebung. Doch ein lautes Krächzen und Keifen über ihr reißt sie rasch aus ihren Gedanken, und dem Beispiel der umstehenden Menschen folgend bleibt sie stehen und schaut nach oben. Was ist denn das? Scheinbar haben sich hoch über der Stadt zwei große Raben dazu entschlossen, sich ein Duell mit Schnabel und Klauen zu liefern. Ein paar schwarze Federn segeln zu den Menschen hinab, dann stürzt einer der Raben scheinbar verwundet zu Boden... beinahe genau zu Füßen der weißhaarigen Frau. Die Umstehenden weichen einen Schritt zurück, anscheinend will keiner dem gestürzten Boten BORons zu nahe kommen.

Die Magierin geht in die Hocke, legt ihren Stab beiseite und blickt besorgt auf den schwarzen Vogel.

"Oh, du armer..." vorsichtig nimmt sie den Raben auf, legt seinen Körper in ihre linke, während sie mit den Fingern der rechten Hand einen der Flügel des Tiers abspreizt. Dies scheint dem Raben gar nicht zu gefallen. Ein lautes Krächzen erklingt, und dann:

"Laß das sein!"

Die tiefblauen Augen der Frau werden größer, verdutzt schaut sie erst auf den Vogel und dann die Straße entlang. Aber nein, die Menschen, die vorhin noch den Kampf beobachteten, sind schon eilig weiter gegangen, sie wollten mit so was nichts zu tun haben. Sie schüttelt kurz den Kopf. Nein, nein, Vögel reden nicht... erneut versucht sie, den anscheinend gebrochenen Flügel abzuspreizen, und erneut erklingt:

"Laß das sein!"

Diesmal gibt es keinen Zweifel: der Rabe hat geredet! Kaum, daß sie sich von dem Schrecken erholt hat, plappert er auch schon weiter:

"Bring mich zu Jandara! Zur NORDSTERN!"

Eine ärgerliche Falte bildet sich auf der Stirn seiner Helferin. Nicht nur, das dieser Rabe redet, nein, er will sie auch noch herum kommandieren!

'NORDSTERN... was mag das wohl sein?'

"Ein Schiff?" fragt sie ihren gefiederten Patienten.

"Ja!Jaja!" krächzt dieser und fixiert sie mit einem schwarzen Auge.

"Na, dann..."

Seufzend nimmt sie den Raben in beide Hände, erhebt sich und setzt ihn auf ihre Schulter.

"Dann wollen wir mal zum Hafen gehen!"

Ihren Stab wieder in die rechte nehmend macht sie sich auf, die Besitzerin dieses komischen Vogels zu finden.



Ein sprechender Rabe. So etwas ist der jungen Frau noch nie unter gekommen. Immer noch ungläubig den Kopf schüttelnd wandert sie in die Richtung, in der der Hafen liegen soll, und wieder einmal achtet sie nicht wirklich darauf, mit wem sie zusammen stoßen könnte. Glücklicherweise ist ihr auch niemand im Weg. Ganz im Gegenteil, die Leute scheinen ihr gar... auszuweichen? Wie vom Donner gerührt bleibt sie stehen.

'Amalthea, du dummes Ding!'

Im Geiste schilt sich sich selbst für ihre Gedankenlosigkeit. Immerhin ist das hier Havena, und hatte sie nicht genug darüber gehört, wie abergläubisch die Menschen hier sind? Und sie läuft mit einem BORonsvogel auf der Schulter durch die Straßen!

Hektisch schaut sie sich um. Eine kleine Seitengasse, oder ein dunkler Hauseingang... dort drüben! Mit schnellen Schritten geht die Magierin auf ein kleines Gäßchen zu, welches einige Schritt vor ihr von der größeren Straße abzweigt. Kaum, daß sie um die Ecke gebogen ist, bleibt sie stehen und schaut sich um. Niemand zu sehen. Gut. Mit einem bestimmten und doch vorsichtigen Griff packt sie den schwarzen Vogel:

"Tut mir leid, mein Freund. Aber wir werden dich wohl verstecken müssen, bis ich am Hafen angekommen bin!"

Sie bugsiert den ärgerlich krächzenden Raben in eine weite Tasche an der Seite ihrer grauen Robe. Bevor sie wieder auf die Straße tritt raunt sie ihm noch zu:

"Und sei still!"



Eiligen Schrittes setzt die Magierin ihren Weg zum Hafen fort. Dem Raben scheint es in der doch recht engen Tasche immer weniger und weniger zu gefallen, sie kann spüren, wie er sich unruhig hin und her bewegt und versucht, seinen unverletzten Flügel abzuspreizen. 'Der arme... aber anders ging es nicht!'

Und so kommen die beiden doch recht schnell am Südhafen an. Doch was nun? Ein wenig ratlos sieht die junge Frau sich um. Ein paar kleine Boote dümpeln friedlich im Hafenbecken, auch ein größeres Schiff ist zu sehen. Möwen kreisen über dem funkelnden Wasser, und der Wind weht ihre heiseren Schreie zu der Magierin hinüber.

'Das große Boot da wird es wohl sein...'

Sie macht ein paar entschlossene Schritte darauf zu, bleibt dann aber erneut stehen.

'Ich kann doch nicht einfach auf das Schiff marschieren und den Leuten erzählen, daß ich eine Jandara suche, weil der Rabe es mir gesagt hat!' Sie schüttelt den Kopf. 'Die werden doch denken, daß ich ein Casus für die Noioniten wäre!'

Wieder startet ihr unfreiwilliger Begleiter einen Ausbruchsversuch, der ihm diesmal sogar fast gelungen wäre. Erst einmal wird sie sich um das verletzte Tier kümmern müssen... sie wendet sich nach rechts, schlüpft zwischen zwei Stapel mit alten Holzkisten und geht in die Hocke. Schnell steckt sie sich einige widerspenstige Haarsträhnen hinter die Ohren, bevor sie den schwarzen Vogel vorsichtig aus seinem engen Gefängnis befreit. Als sie seinen Körper in ihre Hände nimmt, kann sie seinen aufgeregten Herzschlag spüren.

"Gleich ist es vorbei, mein Freund!" flüstert sie dem Tier zu. Dann schließt sie die Augen, konzentriert sich auf den verwundeten Flügel dieses armen Geschöpfes...



IN HAVENA - In Hafen: Der Hilfeschrei - Jandara und Zach


Jandara hat Zachs Absturz atemlos mitverfolgt. Es muss Zach gewesen sein, denn der andere Rabe hat sich Richtung Boroninsel mit triumphalen Gekreische davon gemacht.

Vergessen sind Efferdtempel und Miesmuschel. Sie rafft ihre Röcke und macht sich eilig auf den Weg zu der von ihr vermuteten Absturzstelle.

Was kann nicht alles passiert sein?

Streunende Hunde oder Katzen könnten über ihn herfallen, bösartige Kinder ihn mit zu sich nach Hause nehmen, hungrige Bettler ihn rupfen und gar braten! Nein, jetzt ist keine Zeit um auf die brennenden Stiche in der linken Seite zu achten. Keuchend erreicht Jandara die Unglücksstelle. Doch hier ist niemand mehr...

Oder?

Nach Luft schnappend sieht sie sich um, alle Leute hier machen den Eindruck, als sei nichts ungewöhnliches geschehen.

Und doch... Jandara kann Zach's Nähe spüren.

Ihr Blick bleibt an einer weißhaarigen Frau hängen, die offensichtlich etwas im Arm hält.

Zach!

Der erste Impuls, der jungen Frau ist es, die andere anzusprechen und ihr den Raben wegzunehmen. Jedoch, auf der anderen Seite weiß man ja nie, was das Schicksal so vor hat, denn soeben hat Jandara entdeckt, dass die andere einen großen langen Stab mit sich führt. Einen Zauberstab gar?

Jandara beschließt also, die beiden erst einmal unauffällig zu verfolgen.



Das ist einfach zu viel.

Zach muss seiner Empörung freien Lauf lassen, doch schon steckt er in einer Tasche!

'Was denkt DIE eigentlich! HILFE!!!'

Er weiß, dass sein lautloser Hilferuf nicht ungehört bleiben wird.


***


Jandara sieht die Magierin zwischen den Häusern verschwinden. Ein mulmiges Gefühl beginnt in ihrem Magen zu rumoren. So unauffällig wie nötig nähert sie sich den Gebäuden und verlangsamt ihren Schritt.

'HILFE!!!'

Sofort ist ihr klar, wer ihr diesen telepathischen Ruf geschickt hat. Zach ist diesmal wirklich in Not!

Fast schon hat sie das kleine Gässchen erreicht, als die weißhaarige Frau wieder auf die Strasse tritt. Von ihrem Gesicht kann Jandara nichts ablesen, nicht die kleinste Gemütsregung zeigt sich dort.

So wartet Jandara noch kurz, um dann in der Gasse zu verschwinden und Zach zu suchen.



Die Gasse endet nach wenigen Schritten an einer Mauer. Und sie ist leer. Keine Spur von Federn, geschweige denn einem ganzen Raben.

'Wo steckt er nur?'

Jandara spürt wie sich die kalte Hand der Verzweiflung um ihr Herz legt. Da fällt ihr die Tasche ein, die sie an der Magierin gesehen hatte.

''Sie wird doch wohl nicht meinen Schönen in diese enge Tasche gesteckt haben?'

Empört holt die junge Frau Luft.

Jetzt gilt es keine Zeit zu verlieren. Eilig läuft sie wieder aus der Gasse heraus, wobei sie beinahe eine seltsame Person in schwarzer Tunika und weißem Schal umgerannt hätte. Instinktiv spürt sie den scharfen Hauch der Gefahr von ihr ausgehen, doch sie hat keine Zeit. Jandara bleibt nur kurz stehen und dreht sich noch einmal nach dieser seltsamen Figur um, sie blickt in ihre Augen und spürt Schmerz. Fast scheint es als würde die Zeit stillstehen.

'Zach!'

Nein, sie hat jetzt wirklich keine Zeit mehr zu verlieren, sie muss ihren Freund, ihren Gefährten retten. So läuft sie wieder los, hinter der Magierin mit den weißen Haaren her.



IN HAVENA - Im Hafen: Nicht betroffene Zeugin - Widirza


Beinahe hätte diese Person sie umgerannt! Nur durch ihre guten Reflexe und nicht zuletzt dank ihrer Fähigkeiten hatte Widirza es geschafft, dass diese kleine und doch kraftvolle Frau an ihr vorbei gerannt war. Doch diese Person interessierte Widirza nicht, sie wollte weiter der Kraft folgen, die sich... nicht mehr vor ihr befand.

'Was???' schießt es Widirza durch den Kopf, als sie diesen ruckartig

umwendet und der davon hetzenden Frau hinterher starrt. Doch sie sieht nur noch, wie der braune Rock um die nächste Ecke fliegt und außer Sicht gerät.

Widirza stutzt.

'Wo rennt die denn hin?'

Ohne Frage wäre es für Widirza ein leichtes, der kleinen Frau hinterher zu hetzen, doch... 'nur kein Aufsehen erregen!' schärft Widirza sich wieder ein, blinzelt einmal kurz und richtet ihren weißen Schal wieder zurecht.

Dann schlendert sie gemächlich in die Richtung, in die auch die kleine, rothaarige Frau verschwunden ist.

'Nur kleine Aufmerksamkeit erregen.'



Schritt um Schritt legt Widirza auf dem Pflaster der Straße zurück. Und mit jedem Schritt wird ihr klarer, dass der Weg der kleinen Rothaarigen wieder zurück zum Hafen führt.

Widirza sieht die Frau nicht. Aber das hat sie auch nicht nötig. Sie fühlt die Kraft, die von der kleinen Frau ausgeht. Doch ihre Kraft ist nicht die einzige, die durch die Straßen von Havena weht und die Widirza den Weg weisen.

'Was will diese Person nur wieder am Hafen?' fragt sich Widirza, als sie sich an einem vollbeladenen Karren vorbei zwängt.

'Und wer ist diese andere Person?'

Tief in sich fühlt Widirza wieder die Leere.

'Vielleicht komme ich zu Kräften ohne den Beiden zu sehr zu schaden...'

Zielstrebig schlendert Widirza weiter ihrem Ziel entgegen.



IN HAVENA - Im Hafen: Der Rabe in der Tasche - Amalthea und Zach


Eiligen Schrittes setzt die Magierin ihren Weg zum Hafen fort. Dem Raben scheint es in der doch recht engen Tasche immer weniger und weniger zu gefallen, sie kann spüren, wie er sich unruhig hin und her bewegt und versucht, seinen unverletzten Flügel abzuspreizen.

''Der arme... aber anders ging es nicht!'

Und so kommen die beiden doch recht schnell am Südhafen an. Doch was nun? Ein wenig ratlos sieht die junge Frau sich um. Ein paar kleine Boote dümpeln friedlich im Hafenbecken, auch ein größeres Schiff ist zu sehen. Möwen kreisen über dem funkelnden Wasser, und der Wind weht ihre heiseren Schreie zu der Magierin hinüber.

''Das große Boot da wird es wohl sein...'

Sie macht ein paar entschlossene Schritte darauf zu, bleibt dann aber erneut stehen. 'Ich kann doch nicht einfach auf das Schiff marschieren und den Leuten erzählen, daß ich eine Jandara suche, weil der Rabe es mir gesagt hat!'

Sie schüttelt den Kopf.

'Die werden doch denken, daß ich ein Casus für die Noioniten wäre!'

Wieder startet ihr unfreiwilliger Begleiter einen Ausbruchsversuch, der ihm diesmal sogar fast gelungen wäre. Erst einmal wird sie sich um das verletzte Tier kümmern müssen... sie wendet sich nach rechts, schlüpft zwischen zwei Stapel mit alten Holzkisten und geht in die Hocke. Schnell steckt sie sich einige widerspenstige Haarsträhnen hinter die Ohren, bevor sie den schwarzen Vogel vorsichtig aus seinem engen Gefängnis befreit. Als sie seinen Körper in ihre Hände nimmt, kann sie seinen aufgeregten Herzschlag spüren.

"Gleich ist es vorbei, mein Freund!" flüstert sie dem Tier zu. Dann schließt sie die Augen, konzentriert sich auf den verwundeten Flügel dieses armen Geschöpfes...



IN HAVENA - Im Hafen: Ohne Trost - Widirza


Widirza geht weiter in Richtung des Hafens. Nicht zu nah an den Häusern - nein, das könnte vielleicht auffallen und vielleicht sogar verdächtig wirken. Doch die Kutschen der übrige Verkehr auf der Strasse verhindern, dass sich Widirza völlig ungehindert bewegen kann. So ist sie denn gezwungen, sich auf dem schmalen Grat zwischen Strasse und Hauswand an den Menschen vorbei zu drücken.

'Wie ich die Enge der Stadt hasse. Wieso bin ich nur nach Havena gekommen? Wie konnte ich auch nur glauben, dass Saravhae, die schwarze Frau, mir im Kampf gegen den Dämonenmeister hilft.'

Widirza drängt sich leise murrend an zwei schwatzenden Weibern vorbei. Die kurzen Einwände der Schwatzbasen ignoriert sie einfach.

'Dabei sind für diese Stadt gerade WENIGE...', in Gedanken zieht Widirza dieses Wort in die Länge und ihr linker Mundwinkel zuckt verächtlich nach oben, 'Menschen unterwegs, da die meisten sich noch immer mit diesem sinnlosen Spiel beschäftigen.'

Tief in sich fühlt Widirza wieder diese Gefühl.

'Im Osten wütet der Krieg und sie spielen blind wie tobrische Schafe ihre dummen Spiele! WARUM mache ich das überhaupt? Ich werde ohnehin überleben.'

Dann plötzlich spürt Widirza die Kraft der kleinen Frau ganz nahe bei sich und erschrocken blickt sie auf. Nicht einmal einen Augenschlag später war die Rothaarige auch schon an ihr vorbei. Zu sehr war sie mit sich beschäftigt gewesen als dass sie sich noch auf die Frau konzentriert hatte.

Erschrocken blickt sie der Frau hinterher.

'Was wäre gewesen, wenn sie mich angerempelt hätte?!'

Widirza vermeint zu fühlen, wie ihr ohnehin bleiches Gesicht schlagartig noch weißer wird. Und nun wendet sich die kleine Rothaarige auch noch nach ihr um.

'Auch du wirst sterben...' denkt Widirza ohne Trauer. Dann jedoch schüttelt sie den Kopf und blickt zu Boden.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena - die Schiedsrichter


Aedin blickt gespannt auf das Spielfeld. Es sieht nicht gut aus für die Bullen momentan. Wirklich nicht. Es sieht so aus, als würden sie Pottwale sie regelrecht in den Boden stampfen! Und dass, obwohl sie eigentlich nicht schlechter spielen als sonst. Aber die Premer sind einfach besser! Der junge Schiedsrichter kommt nicht umhin, die Laufstärke und Kondition der Nordmänner zu bewundern. Doch anscheinend bereiten die Bullen etwas vor. Und schlagartig fällt Aidin etwas auf, was er die ganze Zeit schlichtweg übersehen hat. Zwar sind die Bullen auch gerannt, die Pottwale haben sie manchmal geradezu über das Feld getrieben, aber...

`Die Pottwale haben sich verausgabt, haben die ganze Zeit volles Tempo gespielt. Jetzt werden sie langsam müde - und darauf haben die Bullen es angelegt!`


***


Sylna kneift die Augen zusammen, als sie die Aufstellung der Bullen bemerkt.

`Was haben die vor?`

Schon oft war sie Schiedsrichter bei Spielen der Bullen und sie hat schon viel gesehen - aber diese Aufstellung? Nein, dass ist ihr noch nicht untergekommen!


***


Ulfert lässt seufzend die Pfeife sinken. Missmutig sieht er, wie Rumpo plötzlich nach vorne prescht. Ein flaues Gefühl in seiner Magengegend verrät ihm, dass das nichts Gutes bedeuten kann. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn dies einmal ein ruhiges, geordnetes Spiel gewesen wäre. Aber leider scheint ihm nie jemand diesen Gefallen tun zu wollen.

`Was DAS wohl wieder gibt?`



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Tibraide sieht ihren Team-Kapitän schräg an.

"Bist du sicher? Das ist sehr riskant!"

Die übrigen Spieler nicken.

`Und meist sehr schmerzhaft` fügt Raika in Gedanken hinzu. Sie kennt dieses Manöver nur zu gut - nicht nur, weil der Begriff »Stampede« - ein Begriff aus dem Nivesischen - von ihr stammt.

Hin und wieder hatten sie es geübt - und sie hat dabei jedesmal gehofft, dass sie es im Spiel nie einsetzen würden. Schon gar nicht gegen solche massiven Gegner wie die »Pottwale«. Denn das manöver entspricht so gar nicht ihrem Spielstil - und deswegen ist die Gefahr groß, eines der ersten Opfer zu werden...

Cathal Tibraide herausfordernd ins Gesicht. er kann einen gewissen Unmut nicht verbergen.

"Wir haben vor dem Spiel auf DICH gehört - und? Jetzt machen wir es nach meinem Plan. Wenn mir jetzt nicht aufholen, vor der Halbzeit, dann können wir das Spiel schon fast begraben!!!"

Tibraide öffnet den Mund:

"Aber..."

Cathals Augen werden zu Schlitzen. Seine Stimme, mit der er sie unterbricht, klingt schneidend kalt:

"Schluss jetzt - alle auf Eure Positionen!"

Das war endgültig. Ihr Kapitän hat ein Machtwort gesprochen, also wird es gemacht. Zwar mag nicht jeder ganz damit einverstanden sein, doch die Bullen sind zu gut, als dass sie sich jetzt dagegen auflehnen würden. Cathal hat Recht. Wenn sie JETZT nichts unternehmen, dann würde es zu spät sein. Und um zu gewinnen, müssen sie alle am selben Strang ziehen.


***


Wer auf die Aufstellung achtet, dem mag schon auffallen, dass etwas im Gange ist. während die Aufstellung der Bullen bei den letzten Malen immer recht ausgeglichen war, ist sie jetzt deutlich offensiver - und auch irgendwie massiver. Ganz klar - die Strategie wurde geändert. Doch zu was?


***


Cathal sieht Dunvallo an. Seine Hände greifen locker und doch fest um seinen Schläger. Er braucht den Ball vor sich auf dem Anspielpunkt nicht zu sehen, er weiß wo er ist, ja fast ist es ihm so, als könne er ihn fühlen.

"Du weißt was du zu tun hast!?!" brummt er dem Krauskopf zu. Dunvallo nickt nur und hält seinerseits den Schläger bereit.

Cathal atmet tief durch. Einen Moment noch lässt er die Atmosphäre des Stadions auf sich wirken. Er hört die freudigen Rufe der Pottwal-Anhänger und bemerkt, dass die Havener Fans immer verzweifelter wirken - aber auch erwartungsvoll. Ja, sie mussten was tun - und sie würden etwas tun. Einer Gruppe junger (hübscher) Frauen, die ziemlich weit vorne, inmitten einer Gruppe Havener Fans, stehen schenkt er ein strahlendes beinahe aufmunterndes Lächeln, dass vieles verheißen mag. Seine Augen schweifen noch einmal zu den Pottwal-Fans und auf seinen Lippen zeigt sich dabei ein fast dämonisches Lächeln.

`Wartet es ab - euch wird das Lachen noch vergehen!`


***


Ulfert, der Oberschiedsrichter, stößt in seine Rohrpfeife.


***


Sofort spielt Cathal den Ball an, der Kork rollt elegant hinüber zu Dunvallo, der sich gar nicht damit aufhält, ihn abzustoppen, sondern passt ihn gleich zurück zu den zentral stehenden Zwillingen.


***


Tibraide gibt Rumpo einen Schubs.

"Los, komm"

Und schon setzt sich der »Fels« in Bewegung, walzt regelrecht nach vorne, immer durch die Mitte. Hellrote Locken folgen ihm, denn Tibraide bleibt dicht dahinter. Schon ist das merkwürdige Paar bei den Zwillingen, rast mitten zwischen ihnen vorbei, nach vorne. Es scheint so, als wolle Rumpo - der »Fels« - geradewegs nach vorne, mitten in die Reihen der Pottwale, Tibraide immer im (Wind-) Schatten.


***


Gun hat den Ball abgestoppt und wartet. Wartet, bis Rumpo und Tibraide zwischen ihnen durchgerannt sind. Wer genau hinsieht, der mag erkennen, dass dieses Manöver für sie keineswegs unerwartet kommt, denn sie weichen sogar etwas auseinander, um dem massiven Rumpo Durchlass zu gewähren - schließlich wollen sie ja nicht »zermahlen« werden wie das Korn unter dem Mühlstein!


***


Auch Cathal und Dunvallo bleiben nicht dort wo sie sind. Auch sie weichen beide etwas zur Seite. Cathal nach links, Dunvallo nach rechts. Normalerweise Irrsinn, schließlich befindet sich der Kork in gerade Linie hinter ihnen und so würden sie den Pottwalen Tür und Tor öffnen.

Doch normalerweise würden die Pottwale auch keinen massiven Riesen sehen, der schnellen Schrittes und mit gehöriger Wucht auf eben jene, gerade geöffnete, Lücke zugerannt kommt.


***


Und auch die restlichen »Bulle«n geraten in Bewegung. Cuil und Gun passen den Kork hin und her, kaum dass Rumpo an ihnen vorbei ist und diesmal bleiben sie nicht am Fleck, nein ihr Ziel heißt vorwärts.

Ihnen zur Seite stehen Romolosch und Tamlin. Wie eine Garde flankieren sie

grimmig dreinschauend die beiden Zwillinge. Herausfordernd wirbelt Romolosch im Laufen mit seinem Schläger und auch Tamlin macht den Eindruck, als wolle er die Pottwale zum Rohalstagsessen einladen.

Auch die Flügel bewegen sich. Auf der rechten Seite stürmen Faerwyn und Lyn und rechts setzten sich Scibor und Raika in Bewegung. Alle auf eine Richtung zu - den Premer Spielern direkt vor ihnen.

Fast könnte man meinen, dies wäre keine Immanmanschaft, sondern eine Armee im Sturmangriff. Wer weiter oben in den Rängen steht mag sogar eine gewisse Formation erkennen können. Ein Keil, bereit das zu spalten, was sich ihm in den Weg stellt, ein Pfeil, mit viel Kraft in Richtung Pottwal-Tor geschossen!


***


Nur zwei Spieler bleiben unruhig auf ihren Plätzen vor Brendans Tor. Conn, ein recht muskulöser junger Mann mit kurzen braunen Haaren und Kinnbart, sieht fragend und etwas besorgt zu Neelke hinüber.

"Was meinst du, ob sie es schaffen?"

Ihm gefällt das ganze nicht. Falls die Pottwale den Ball erobern sollten, stünden sie zu zweien einer Übermacht Pottwale gegenüber. Und wenn dann nicht ein Wunder geschah, dann würden die Pottwale ihr verdammtes viertes Tor in diesem Spiel schießen. Neelke späht verbissen nach vorne.

"Na, dass wollen wir doch hoffen - verdammt noch einmal hoffen!!!"



Ragnid lächelt eigentlich einfach immer. Ist der Schmerz auch noch so groß, geht die Anstrengung auch über ein menschliches Maß hinaus ... Ragnid lächelt. Um so erstaunlicher ist es, dass sie nun nicht mehr lächelt. Sie stützt sich auf den Schläger und beobachtet

stirnrunzelnd, wie sich die 'Bullen-Mannschaft' neu formiert. Eine schreckliche Ahnung steigt in ihr auf. Was sich da zusammen ballt gleicht einem groben Keil und die Reihen der Abwehr der 'Pottwale' ist leichtsinnig ausgedünnt.

Mit diesem Ansturm werden auch Thorlif und Faenwulf hoffnungslos überfordert sein. Es kann nicht mehr lange dauern bis die Halbzeit verkündet wird und die 'Bullen' werden wohl alles auf eine Karte setzen wollen, da sie ja genau wissen, dass für es zeitlich für einen Gegenstoß nicht mehr reichen wird

Nun wird Ragnids Gesichtsausdruck sogar grimmig und langsam kommt sie in Bewegung. Wenn Gefahr droht, dann müssen auch die Stürmer in der Abwehr aushelfen ....


***


Derartig hintergründige Gedanken macht sich Aki nicht, im Gegenteil. Er geht von vorne herein davon aus, dass auch dieser Angriff der 'Bullen' gestoppt werden kann, wie so viele vorher auch schon. Aki's Gedanken richten sich konzentriert auf den Gegenstoß, denn er sieht nur, dass die 'Bullen' ihre Abwehrreihen fast in eine Nichts auflösen. Er gibt Haldar und Tula ein Zeichen, dass er für einen Durchbruch bereit wäre und die beiden nicken ihm zu, es schenit als hätte sie verstanden.

Tula macht sich bereit die 'Bullen' von er Flanke her zu attackieren und Haldar deckt den Rückraum, für den Fall, dass der Ball zurück erobert wird, könnte er den Korl leicht an der linken Seitenlinie vorlegen.


***


Faenwulfs Griff um den Schläger wird fester und sein Blick ist gleich dem eines Seemanns, der auf hoher See eine dunkle Sturmfront auf sich zukommen sieht. Er befiehlt Rorlif in die Mitte und Thorlif in seinen Rückraum. AUßerdem ruft er einige der Mittelfeldspieler in die Abwehrzone zurück, aber die scheinen zu Torhungrig zu sein, um auf seine Anweisungen zu hören. Faenwulf flucht leise vor sich hin, er kann für diesen bodenlosen Leichtsinn überhaupt kein Verständnis aufbringen und er beschließt die ganze Sache in der Halbzeitpause ordentlich zur Sprache zu bringen.


***


Isleif wird blass. Ja sind denn die blind da vorne? Bemerken die denn gar nichts mehr? Die 'Bullen' rüsten zum großen Sturm und die 'Pottwale' stehen TSA-verlassen in der Gegend herum.

"Zurück, zurück !" brüllt er aus Leibeskräften, aber niemand reagiert. Wenigsten hat Faenwulf die letzten verbliebenen Abwehrspieler in der Mitte versammelt, aber ob das genügt.


***


Auch Ifirnsgiron ist aufmerksam geworden und er beschimpft sich selbst als einen Narren, die sich anbahnende Taktik der 'bullen, nicht schon eher durchschaut zu haben. DIe 'Bullen' sichern den Ball in einer Weise ab, das kann nur eines bedeuten ....

"Algrid, Thinmar geht ihnen in die Flanke, schafft eine Gasse für mich!!!" ruft er seinem Mitspieler und seiner Mitspielerin zu und in seine Stimme mischt sich schon ein klein wenig Panik ein ....



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Ochsentreiben' - Hjaldar, Garulf und Alberik


"Dann wullt wi mol!" klatscht Hjaldar in die Hände und beginnt sich seinen Weg in Richtung Spielfeldrand zu bahnen.

Anders als Ole verläßt er sich dabei nicht auf seine Stimmgewalt, sondern eher auf den Eindruck, den zwei schwere, breite Söldnerhände auf den Normalbürger machen, wenn sie diesen mit einiger Kraft auf die Schulter gelegt werden und zwei nebeneinanderstehende Leute einfach so auseinander zu drängen beabsichtigen.

Das die Zuschauer gerade zunehmend auf das Spiel konzentriert sind, stellt sich dabei sogar als ein Vorteil heraus, zwar hagelt es Flüche und Murren und auch den gelegentlichen Ellbogen in den Rippen, den Hjaldar meist mit einer furchterregenden Grimasse und einem lauten Knurren quittiert, doch um einen echten Streit vom Zaun zu brechen sind alle viel zu sehr auf das Spielgeschehen fixiert.

Und Hjaldar hat schon wieder das Gefühl etwas Wichtiges dort unten zu verpassen, so sehr er sich auch bemüht gelegentlich hin zu gucken ...

'Dat sieht schon verdammt nach'er Walze ut ... na, denn man Prost! Arme Irre.'



IN HAVENA - Im Haus der 'Comtessa': Liebesnest - Perval und Traviana


Das Haus der Comtesse unterscheidet sich in nichts von den Häusern der Nachbarschaft. Mit seinen weiß getünchten Wänden und den Vorhängen vor den Zimmern, könnte es jedem Kaufmann oder Handwerksmeister gehören, der eine Frau hat, die Wert auf das äußerliches ihres Heimes legt. Nur die zugezogenen Vorhänge könnten jemanden misstrauisch machen.

Nachdem Perval an die Holztür geklopft hat, passiert eine zeitlang gar nichts. Schon könnte man meinen, daß niemand zu Hause ist, als dann doch leichte Schritte hinter der Tür hören sind. Einem aufmerksamen Beobachter wäre während dieser Zeit vielleicht aufgefallen, wie die Vorhänge eines der Fenster sich leicht bewegt haben. Doch Traviana und Perval sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als daß sie diese Bewegung wahrgenommen hätten.

Als die Tür sich dann öffnet, steht eine sehr gut aussehende, junge Frau, fast noch ein Mädchen, vor ihnen. Ihr blondes schulterlanges Haar umrahmt ihr helles Gesicht. Der schlanke Körper wird betont durch einen engen knöchellangen Rock und eine noch engere weiße Bluse. Mit einem freundlichen Lächeln, daß keineswegs aufgesetzt aussieht, mustert sie das Päarchen vor der Tür bevor sie dieses mit einer hellen Stimme begrüßt.

"Den Zwölfen zum Grusse. Was kann ich für Euch tun?"

***


Im Raum hinter dem linken Fenster geht die Comtesse vom Fenster zur Mitte des Raumes. Trotz des Alters ist noch immer eine sehr gut aussehende Frau. Ohne viel Phantasie kann sich noch heute jeder Betrachter vorstellen, welch eine bezaubernde Schönheit sie vor 20 Jahren gewesen sein muß, in der Blüte ihres Lebens.

Ein leichtes Schmunzeln überzieht ihre Lippen. Es freut sie, daß trotz des Immanspiels Seemänner und -frauen ihr Haus heute aufsuchen. Auch wenn dieses hübsche Paar die ersten sind, die heute zu ihr kommen, so weiß sie doch, das später mehr folgen werden. Und nicht nur Seeleute werden kommen um ein Zimmer für einige Stunden zu mieten, sondern auch "anständige" Mitbürger Havenas - Handwerker, Kaufleute und auch der eine oder andere Adlige - werden kommen und ihre Mätressen oder Huren mitbringen. Allerdings werden diese "Herren" durch die Hintertür und in der Dunkelheit kommen.



'Sa ist es ja endlich... kein besonders auffälliges Haus...'

Traviana fällt kaum auf, dass sich zuerst keiner an der Tür meldet, da sie Perval ansieht, und einen Moment in Gedanken versunken ist...

Deshalb ist sie auch ein wenig überrascht, als die Tür geöffnet wird. Traviana sieht sich die junge Frau an.

'wirklich hübsch...'

Besonders gefallen ihr die blonden, golden schimmernden Haare. Als kleines Kind hatte sie sich auch immer solche Haare gewünscht. Hell und blond... ihre Mutter hatte solche Haare, ja, daher kennt sie sie... Aber sie hatte die dunklen Haare ihres Vaters geerbt. Sie sind tief schwarz, aber gefallen ihr auch recht gut, nur hat sie, wenn sie auf See ist, nie wirklich Zeit, sich darum zu kümmern...

'schade eigentlich...'

"Den Zwölfen zum Gruße" erwidert sie und lächelt die junge Frau freundlich

an, immer noch ihr Haare bewundernd. Dann sieht sie zu Perval...



"De Zwölfe euch mit Euch. Wir suchn een Zimmer für n paar Stundn." erwidert Perval den Gruß und die Frage der jungen, überaus bezaubernden Frau. Wäre er nicht mit Traviana hier, wäre sie bestimmt ein netter Zeitvertreib.

Einen Schritt zur Seite tretend öffnet die junge Frau die Tür zur Gänze und lädt die beiden Seeleute mit einer Handbewegung ein, ins Haus zu kommen.

"Dann tretet ein und seid willkommen in diesem Haus."

Der Flur hinter der Tür geht nur ein kurzes Stück nach hinten, wo er nach links abzweigt. Am rechten Ende des Flurs ist eine Treppe nach oben und zwei Türen öffnen sich nach links und rechts, offensichtlich in die Räume hintern den Fenstern. Der Flur wird beleuchtet von einer Laterne, die einen sanften Schein wirft. Bis auf einen Läufer ist der Flur schlicht gehalten, doch alles ist sauber und ordentlich.


***


Die Comtesse hat mitgehört, was die 'jungen' Leute wollen und es verwundert sie in keinster Weise. Nur die wenigsten wünschen einen Raum für die ganze Nacht. Die ganz Schnellen begnügen sich gar mit einer halben Stunde. Langsamen Schrittes begibt sie sich zur Tür, um persönlich ihre neuen Gäste zu begrüßen.


***


Ungewohnt rücksichtsvoll läßt Perval Traviana den Vortritt. Zu sehr hängt sein Blick noch an der jungen Frau.



'Na dann geh'n wir mal rein..'

"Danke"

Traviana geht ein par Schritte vor, an der Frau vorbei, noch einmal einen Blick auf ihre Haare werfend, die Traviana wirklich gefallen. Sie sieht hinter sich zu Perval, und will überprüfen, ob dieser ihr auch folgt.

'Ihn scheint die Frau da ja auch zu 'beeindrucken'...'

Traviana wirft ihm einen, ein bisschen eifersüchtigen Blick zu, weis aber nicht, ob er das gemerkt hat, oder noch zu 'beschäftigt' war.

Sie will sich gerade das Haus einmal von Innen ansehen, als sie eine Dame bemerkt, die auf sie zu kommt.

'Aha.. wer ist das? Das Haus scheint ja richtig voll von hübschen Damen..'

"Den Zwölfen zum Gruße" begrüßt sie Traviana. "ein schönes Haus, wirklich" fügt Traviana noch dazu, da sie Frau anscheinend dessen Besitzerin ist. Dann dreht sie sich um zu Perval.

"Na komm..."

Schließlich sollte er die Frau auch einmal begrüßen, bevor sie die zwei noch für unhöflich hält...



Kaum das die Comtessa durch die Tür getreten ist, begrüßt die junge Frau sie. Der Comtessa ist ehrliche Freude anzumerken, ob der Bemerkung der jungen Frau.

"Rahja zum Grusse. Habt Dank für Euer Lob. Es freut mich, wenn es Euch hier gefällt. Und ich hoffe, Ihr werdet Freude haben während der Stunden, da Ihr mein Gast seid."

Für die Comtessa sind alle ihre Gäste gleich, egal ob Adliger oder Seemann (bzw. -frau). Schließlich sind sie alle aus dem gleichen Grund hier. Und solange sie bezahlen und keinen Aufruhr veranstalten, behandelt sie alle ihre Gäste (fast) gleich.


***


Die Worte Travianas und der Comtessa reißen Perval aus seiner Bewunderung für die 'Schönheiten der Natur'. Und als Traviana ihn dann noch so 'nett' auffordert, ihr doch endlich zu folgen, tritt auch er ein.

'Scheint, als könnt de Kleene es kuum noch abwartn, jetzt wo wir fast da sin. Hoffentlich is se uch noch so voller Drang, wenns nachher an de Sache geht.'

Hinter Perval schließt die blondhaarige Frau die Eingangstür und bleibt dann stehen, während die Comtessa ihre Gäste begrüßt.

"Rahjas Segen auf Euer Haus." begrüßt Perval die Comtessa, eine leichte Verbeugung andeutend.


***


"Was kann ich für Euch tun?" wendet sich die Comtessa nach einem Lächeln und einem Nicken in die Richtung des Seemanns wieder an die junge Frau, die wohl die treibende Kraft der beiden ist.



Traviana lächelt Perval zu, weil sie sich freut, dass die hübsche junge Frau am Eingang ihn wohl nicht so sehr beeindruckt hat, dass er sie Traviana vorziehen würde. Immerhin ist sie sehr hübsch, so findet Traviana...

Dann aber wendet sie sich der Comtessa zu. Immer noch lächelnd antwortet sie ihr.

"Wir hätten gern für ein paar Stunden ein Zimmer hier in ihrem Haus..."

''Es werden bestimmt noch Zimmer frei sein, gerade während des Spiels...'

Kurz sieht sie sich um. Das Haus gefällt ihr wirklich. Sie hatte es zwar schon zur Comtessa gesagt, aber da hätte sie wohl jedes Haus als schön bezeichnet, einfach um höflich zu sein und der Comtessa eine Freude zu machen, aber jetzt wo sie es sich genauer ansieht, gefällt es ihr auch von Innen.

Es ist zwar nichts besonderes, aber vielleicht macht es gerade das schön. Immerhin ist es wesentlich schöner zum Wohnen als ein Schiff, obwohl Traviana sehr gern auf See ist...

"...ist denn noch etwas frei?"



IN HAVENA - Im Hafen: Der Fischer und die Frau


Aus dem Schatten einer der schmaleren Gassen um den Hafen herum löst sich eine noch schmalere Gestalt - nach genau der Zeit, die man braucht um sicher zu gehen, dass nicht doch eine Patrouille von Flussgardisten oder ein paar Stadtbüttel die Kaimauer und den Hafenplatz entlang patrouilliern und bewachen.

Doch sofort fällt die Gestalt in einen unauffälligen Schritt, beziehungsweise in einen auf andere Art und Weise auffälligen wie, die Pfiffe und Rufe diverser männlicher Hafenarbeiter bekunden, deren Produzenten im Moment zwar rar, aber nichtsdestotrotz anwesend sind.

Die Gestalt lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken, spaziert weiter auf den Hafen und die anliegenden Schiffe zu und lässt den etwa drei Spann langen und zu einer Spirale gedrechselten Stab in der rechten einmal kurz kreisen, wie man es tut, wenn man guter Laune ist, oder wenn man den Zuschauenden zeigen will, wie prima sich so ein Ding aus gutem Eichenholz auf den Schädel eines jeden schmettern lässt, der einen Grund dazu liefert. Derart gut gelaunt erreicht unsere Gestalt die Kaimauer und blickt an ihr entlang.

'Ein Schiff, groß genug, damit ich nicht auffalle und klein genug, daß nicht alle darauf achten.'

Zweifellos ein schöner Gedanke, das mit dem nicht auffallen, nur etwas schwierig umzusetzen bei einem solchen Äußeren. Denn die Gestalt ist nicht nur jung und wohlgeformt genug, um Tagelöhner zum Pfeifen zu bringen, sondern auch bunt angezogen wie ein Vogel, der gern mal einen kleinen Strauß mit einem Drachen ausfechten würde. Die Hose ist gelb, das Hemd, zweifellos ebenfalls nicht geeignet, die erwähnten Arbeiter am Pfeifen zu hindern, und zu allem Überfluss am unteren Ende auch noch gezackt, leuchtet förmlich rot, die Schärpe ist tief blau und das Halstuch grün.

Dazu gesellt sich unpassenderweise Silber- und Goldschmuck, ersteres in Form von zwei Ohrringen, zweiteres als Halskette.

Doch ob es nun passt oder nicht, an der hochgewachsenen, rotbraunhaarigen Schönen sähe wohl alles gut aus. Und die nun endgültig überstrapazierten Arbeitsamen im Hafen würden wahrscheinlich noch eine je-weniger-desto-besser-Aussage dazu packen, aber sie fragt ja keiner.

'Irgend jemanden werde ich fragen müssen, und arbeitende Frauen sind immer etwas unhöflich zu ungewöhnlich und besser aussehenden Frauen... Der da könnte gehen.'

Der so Erwählte ist ein dünner, alter Fischer, der auf einem kleinen Boot an der Kaimauer hockt und augenscheinlich sein Netz ausbessert.

Seine Haare sind grau, die speckige Mütze hat er tief in die Stirn gezogen und er konzentriert sich voll auf seine Aufgabe.

"Entschuldigung, könntet ihr mir sagen..."

Der Fischer hebt - fast eine Spur zu schnell - den Kopf und sieht sie aus blauen, großen Augen an.

"Kann ick."

Etwas erstaunt über diese Frechheit bleibt der jungen Frau beinahe die Luft weg.

"Ihr wisst doch noch gar nicht, was ich euch fragen wollte!"

"Nun, ihr werdet es mich nich fran, wenn ihr nich glaubt, dass ick die Antwort weeß und wenn sogar ihr mir das zutraut, so bin ick mir völlich sicher, dass ick sie euch san kann."

Das klingt logisch, aber damit kann man sich später befassen.

"Äh, ja, ich brauche eine Schiffspassage. Wisst ihr wohin," sie deutet auf ein Schiff, dass in der Nähe am Hafen liegt, eine große Karavelle mit gerefften Segeln, "dieses Schiff fährt?"

"Weeß ick. Aber glaubt ihr nich, dass es sinnvoller wäre, wenn ihr mir san würdet, wohins jehen soll?"

"Sagt es mir bitte einfach."

Der Fischer zuck die Schultern.

"Wehn mir. Das ist die NORDSTERN. Wenn se fährt, dann fährt se innen Südn!"

"Ah, ich danke euch."

Sie wendet sich dem Schiff zu, wird aber noch einmal von der Stimme des Matrosen aufgehalten:

"Aber ick an ihrer Stelle täte da nich mitfahn."

"Warum das denn?"

"Ick hab komische Gestalten von Bord gehen sehen. Schon den janzen Tach jeht das so! Wirklich unheimlich... Sogar Magier..."

"Das hält mich sicherlich nicht ab!"

"Ich wollts nur jesacht ham. Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Große Ereignisse. Wirklich große. Und dunkle Schatten, Frollein, dunkel, hörn se mir?"

Kopfschüttelnd dreht sich die junge Frau um. Der Mann scheint offensichtlich ein wenig verwirrt zu sein. Es kann sicher nicht helfen, sich noch weiter mit ihm herumzuschlagen.

Eine Möwe fliegt etwas näher über ihren Kopf, plötzlich bedroht fühlend schwingt sie den Stab in ihre Richtung.

'Drecksviecher!'

Nachträglich auf einen Gedanken gekommen dreht sie sich noch einmal zu dem Fischer um:

"Sagtet ihr..."

Doch das Boot ist leer und das Netz liegt einsam auf einer Kiste. Wiederum mit den Schultern zuckend, geht sie nun doch noch auf die NORDSTERN zu. Dabei vermeidet sie es peinlich, mit den nackten, gebräunten Füßen in Möwenkacke zu treten.



IN HAVENA - In den Strassen der Stadt: Rabenheilung - Amalthea und Shuhelia


Sie erkennt bereits, dass nur ein Mann auf der Brücke steht und fragt sich, ob das wohl der Kapitän sei, als sie sich zwei Stapeln von Holzkisten nähert. Mehr aus Neugier als aus Vorsicht blickt sie im Vorübergehen hinein und erstarrt beinahe vor dem ungewöhnlichen Bild, dass sich ihr bietet:

EIne Frau mit einem großen schwarzen Raben auf dem Schoß sowie einem Magierstab kniet mit geschlossenen Augen auf dem Boden und scheint versunken zu sein.

'Sie zaubert.'

Vorsichtig und jedes Geräusch vermeidend geht die bunt gekleidete einen Schritt zurück, damit kein Schatten auf die Frau fällt. Soll sie den Zauber ruhig zu Ende bringen.



Langsam erwacht die junge Frau aus ihrer Konzentration. Mit einem freundlichen Lächeln blickt sie auf ihren gefiederten Patienten hinab:

"So mein Freund, ich hoffe, du fühlst dich jetzt besser!"

Mit diesen Worten setzt sie den Raben auf dem Boden ab, wo dieser sich erst einmal damit beschäftigt, seine Federn zu sortieren. Als die weißhaarige Magierin dann nach ihrem Stab greift, den sie vorhin achtlos neben sich gelegt hatte, bemerkt sie, daß sie beobachtet wird. Genauer: sie bemerkt ein paar nackte Füße und die sich daran anschließenden Beine, die im Zugang zu ihrem kleinen Versteck stehen.

'Oh nein!' Ein mulmiges Gefühl breitet sich in ihrer Magengegend aus. 'Sie hat doch nicht etwa gesehen...?'

In einer raschen Bewegung erhebt sie sich, den Stab fest in der linken haltend. Mit einem mißtrauischen Funkeln in den großen, dunkelblauen Augen betrachtet sie die bunt gekleidete Person.



Die Frau zieht eine Augenbraue hoch.

"Balsamsalabunde, nicht war? Hat mein Onkel mal davon erzählt. Sehr nützlich, wenn man ihn kann, denke ich."

Sie lächelt entwaffnend und erwidert ohne Scheu den Blick der anderen mit grünen Augen.



'Jetzt quatscht DIE da und beachtet mich gar nicht mehr!'

Empört blickt Zach hin und her.



IN HAVENA - In den Straßen der Stadt: Argwohn - Jandara


Jandara beobachtet aus einer versteckten Ecke, das Geschehen im Hafen. Erleichtert stellt sie fest, dass die Magierin, obwohl sie den armen Zach so unkomfortabel in ihrer Tasche transportiert hatte, wohl nichts böses im Sinn mit ihm hat.

Also wartet sie erst einmal ab.



IN HAVENA - In den Straßen der Stadt: Reisepläne - Amalthea und Shuhelia


'Da hast du ja noch mal Glück gehabt!' Als die bunt gekleidete Frau sie anlächelt, entspannt die Magierin sich ein wenig, lächelt gar scheu zurück:

"Jaja... er war verletzt!"

Sie deutet mit zwei Fingern der rechten Hand auf den Raben, der seine Federn wohl zu genüge geordnet hat und jetzt zwischen den beiden Frauen hin- und herblickt.

"Wenn Ihr mich nun entschuldigt... ich wollte zu dem Schiff dort drüben."

Mit einer kurzen Kopfbewegung deutet sie in Richtung der Karavelle, die noch immer friedlich im Hafen vor Anker liegt.



"Die NORDSTERN? Was für ein Zufall. Da wollte ich auch hin. Habt ihr eine Passage?" Sie tritt einen Schritt zurück, um den Gang zum Hafen wieder völlig freizugeben. 'Und schon hat dieser seltsame Kerl recht behalten. Sie scheint zumindest nicht sehr beunruhigt, aber wie abergläubisch und intolerant genau die Havenaer sind, werde ich wohl nicht mehr herausfinden - zu kurz hiergewesen. So ein idiotischer Zufall.' Aber ihre Gedanken kehren wieder zu der Magierin vor ihr, dem Raben und dem Schiff zurück. Sie blickt die andere Frau neugierig ob der Antwort an und streicht sich eine Locke von der Schulter zurück.



"Genau, die NORDSTERN." antwortet die Magierin mit einem nicken. Weiß sie ja jetzt wenigstens schon einmal, wie das Schiff überhaupt heißt...

"Aber eine Passage habe ich noch nicht, nein. Jetzt, wo meine Arbeit," sie lächelt bei diesem Wort, "getan ist, werde ich mich wohl darum kümmern müssen."

'Und um gewisse andere Dinge auch noch.'

Sie wirft einen kurzen Seitenblick zu dem Raben, der noch immer zu ihren Füßen sitzt.

"Ich nehme an, ihr habt auch noch keine?"

Sie hebt die schmalen Brauen und wirft der vor ihr stehenden Frau einen fragenden Blick zu.

"Dann könnten wir ja zusammen... ach ja, mein Name ist übrigens Amalthea Schattenjäger."

Ein weiteres, immer noch ein wenig schüchternes Lächeln folgt.



"Angenehm. Nennt mich Shuhelia. Und, ja, ich habe auch noch keine Passage. Ihr wollt in den Süden? Ein unbestimmter Blick streift den Raben.

'Ob er ihr gehört? Oder hat sie ihn einfach nur gefunden?'

Eine genauere Angabe, als 'Süden', wohin das Schiff fahren wird, hat sie noch immer nicht.

'Aber vielleicht fahre ich trotzdem mit. Eine Bekannte habe ich immerhin. Und solange ich unauffällig aus dieser hesindeverlassenen Stadt 'rauskomme, ist mir alles recht.'

Aber unberührt von diesen Gedanken erwidert sie das Lächeln der Magierin weiterhin.



Als die Frau ihr ihren Namen nennt, nickt Amalthea leicht mit dem Kopf.

"Es freut mich, Euch kennen zu lernen. Ja, ich will in den Süden... nach Grangor, um genau zu sein. Erst mal jedenfalls..." fügt sie mit einem augenzwinkernden Lächeln hinzu.

'Schließlich sind die Wege der Ewigjungen immer wieder aufs neue verwunden...'

Da fällt ihr der Rabe ein, den sie während des Gespächs mit dieser netten Frau so schmählich vergessen hatte. Amalthea geht noch einmal in die Hocke und nimmt mit einer fließenden, sanften Bewegung den schwarzen Vogel auf ihren Unterarm auf.

Dann steht sie wieder auf und lächelt Shuhelia an:

"Was haltet ihr davon, wenn wir uns nun gemeinsam um eine Passage auf der... wie hieß sie doch gleich... NORDSTERN bemühen?"



"Einverstanden."

'Damit wäre ich nicht eine alleinreisende junge Frau, sondern zwei. Fein, fein.'

Sie bewundert die natürliche Bewegung, mit der die Frau den großen, schwarzen und irgendwie gefährlich wirkenden Vogel anhebt.

"Gehört der euch?"



IN HAVENA - In den Straßen der Stadt: Erleichterte Jandara


Begeistert beobachtet Jandara die Entwicklung der vorher so ausweglos aussehenden Lage.

'Natürlich, das ist es! Wenn die Magierin mit der Nordstern fahren möchte, dann kann Zach bis Grangor in ihrer Obhut bleiben.'

Hatte Kapitän Jergan nicht erwähnt, dass noch einige Plätze frei seien?

Beinahe hätte Jandara sich die Hände gerieben. Langsam löst sie sich aus dem Schatten und geht auf die beiden Frauen zu. Ihr Blick bleibt dabei auf Zach gerichtet. Eindringlich versucht sie ihm ohne Worte klarzumachen, dass er sie nicht erkennen darf.

Sie hofft das der Rabe versteht...



IN HAVENA - In den Straßen der Stadt: Begegnung - Amalthea, Shuhelia und Jandara


Erfreut stellt Amalthea fest, daß der Rabe ihr die doch etwas grobe Behandlung, die sie ihm vorhin zu Teil werden ließ, wohl nicht mehr allzu übel nimmt. Die Stimme der anderen reißt sie jedoch aus diesen Gedanken.

"Oh... äh... ja, könnte man wohl sagen. Er... ist mir vor einiger Zeit zugeflogen." Mit einem strahlenden Lächeln versucht die Magierin, ihre Unsicherheit ob dieser Lüge zu verbergen. "Anscheinend mag er mich..." Mit diesen Worten tritt sie aus der schmalen Gasse zwischen den Kisten heraus und wendet sich mit zielsicheren Schritten der Karavelle zu.



Shuhelia folgt der Magierin.

'Zugeflogen? Ein wilder Rabe? Geklaut.'

Es nähert sich eine weitere Frau, Shuhelia mustert sie kurz.



'Eigentlich habe ich ja gar nicht gelogen. Ich habe ja nur einige kleine Details weggelassen... und explizit behauptet, daß der Vogel mir gehört, habe ich auch nicht!'

Diese - durchaus logischen - Argumente vermögen das schlechte Gewissen, das die Magierin nun hat, allerdings auch nicht wirklich zu beruhigen. Na ja, damit wird sie wohl noch eine Weile lang leben müssen.

Erst kurz bevor sie das Schiff betreten will bemerkt Amalthea die Frau, die da auf sie und ihre Reisegefährtin zusteuert. Sie bleibt stehen, mustert die Fremde.

'Ob sie wohl eine Bekannte von Shuhelia ist? Nein, dann wäre sie doch mit ihr...'



Gerade als Jandara sich der Magierin auf wenige Schritt genähert hat, kommen ihr Zweifel.

'Was soll ich ihr denn sagen? Vielleicht: Guten Tag, einen schönen Raben haben Sie da? Und der Kapitän? Der wird sich bestimmt wundern, wenn ich jetzt schon wieder das Schiff betrete. Wie sieht denn das aus? Rauf, runter, rauf, runter... Nein!'

So kommt es also, dass sie den Frauen nur kurz zunickt und dann rasch an ihnen vorübergeht, als hätte sie etwas anderes, ganz besonders eiliges zu tun.

Beruhigt bemerkt Jandara, dass Zach offensichtlich verstanden hat, denn er ignoriert sie völlig. Nun kann sie doch noch den Efferdtempel aufsuchen.



Shuhelia blickt der Vorbeigehenden kurz nach.

Dann aber haben die beiden das Schiff erreicht. Mit dem Stab beschreibt sie einen Halbkreis und parodiert eine kliene Verbeugung.

"Nach ihnen."



IN HAVENA - In den Strassen der Stadt: Eine rätselhafte Frau - Widirza


Auch als die rothaarige Frau längst weg ist, blickt Widirza noch immer auf den Boden. Was sollte sie jetzt machen?

'Ich kann doch unmöglich der Frau weiter folgen. Sie würde mich sicherlich bemerken. - Andererseits kann ich meinem Körper die stärkende Kraft auch nicht länger vorenthalten ohne dass ich mich nicht mehr unter Kontrolle habe.'

Plötzlich weht ein säuerlich-herb-bitterer Geruch um Widirzas Nase und reißt sie aus ihren Gedanken.

"Büah!" stösst Widirza aus. "Das ist ja widerlich."

'Schlimm genug, dass die gesamten Unterfluren nach den Ausdünstungen der Brauerei stinken. Aber dass der Wind diesen Gestank jetzt auch noch hierher wehen muss...'

Und ohne weiter nachzudenken dreht sich Widirza um und geht schnellen Schrittes in Richtung des Dammes davon.



Erst als sich Widiza sicher ist, aus dem Dunstkreis der Brauerei heraus zu sein, verlangsamen sich ihre Schritte wieder.

'Damit wäre die Frage des Weges wohl geklärt.' gesteht sie sich, als sie über den Bennain-Damm schreitet. Hier hatte sie sich in den letzten Monaten oft aufgehalten um Saravhä aufzuspüren.

Doch auch nach dieser Zeit zuckt Widirza jedesmal zusammen, wenn sie über die Brüstung des Dammes auf das Gebiet der Unterstadt blickt.

Dabei ist es nicht das weite, trostlose ödland oder die durch halbverfallene Dächer unterbrochene Wasserfläche, die Widirza schaudern lassen, sondern vielmehr das ihr unverständliche Chaos in der Struktur der magischen Linien.

Wo sonst die Linien der Magie ruhig und kaum veränderbar ihren Weg durch die Lande finden, so zucken sie hier umher wie die Arme eines im Todeskampf befindlichen Polypen. Und im Zentrum dieser um sich schlagenden Arme steht scheinbar unberührt ein Turm.

Zu gerne würde Widirza ihrer Neugier nachgeben und diesen Turm näher untersuchen. Doch sie weiss genau, dass sie genau das nicht machen wird. Abgeschreckt und fasziniert zugleich wendet sich Widirza ab und geht weiter über den Damm.

'Ich kann nur hoffen, dass ich meinen Körper lang genug unter Kontrolle halten kann. Denn sonst...' Widirza seufzt.

Sie achtet kaum auf die Menschen um sich herum als sie schließlich den Damm verlässt und an den ersten Häuserreihen des Fischerortes vorbeigeht.



Ohne genauer auf die alten Häuser zu ihrer Linken zu achten, geht Widirza weiter durch die Häuserreihen des Fischerorts. Das flaue Gefühl in ihrer Magengegend kennt sie gut. Es ist ein Anzeichen der fortschreitenden Leere und bald würde es nicht nur ein leichtes Drücken bleiben.

Nur zu gut weiß Widirza, was passieren würde, wenn sie sich nicht bald an der Kraft laben kann. Schon jetzt sitzen ihre Augen tief in den weißen Augenhöhlen und Widirzas kohlenfarbene Augen zucken unsicher umher.

'Wie lange kann ich diesem Drang noch widerstehen?' fragt sie sich nicht zum ersten Mal während sie das große Gebäude zu ihrer Rechten passiert. Als sich einige Meter hinter dem Haus der Weg teilt, kann Widirza das alte, im leichten Wind schaukelnde Schild der 'Kap Brabak' erkennen.

'Eine Herberge... - Nein, ich fühle keine Kraft darin.'

So entscheidet sich Widirza, an den drei alleinstehenden Häusern vorbeizugehen. Tiefer in den Fischerort hinein.



Die schwarzen Augen Widirzas zucken umher - versuchen jeden Winkel zu erkunden, jede noch so kleine Quelle der Kraft aufzuspüren. Doch um sie herum sind nur die alten Fischerhäuser - keine Kraft wohnt in den Menschen. Widirza spürt das Ziehen in ihrem Körper - die Leere in ihr dehnt sich aus.

Ohne es zu merken, beginnt Widirza schneller zu laufen. Ihre Augen suchen hektisch nach einer Spur der Kraft und ihre Gedanken rasen. Klopfend schlagen die Absätze ihrer schwarzen Schuhe auf dem Pflaster der Strasse auf. Die niedrigen Häuser fliegen an Widirza vorbei.

Sie braucht die Kraft und doch sehnt sie sich danach, dass dies alles aufhört. Dass es wieder so wird wie es damals war als...


***


Beadorn schliesst entspannt die Augen als die frische Morgenluft ihre Lunge durchflutet.

'Ein wundervoller Tag.'

Mit einem freudigen Seufzer lässt sie die Luft wieder aus ihrem Körper entweichen. Der leichte Wind lässt die Blätter des Waldes rauschen und spielt auch mit Beadorns kurzer, weißer Tunika und den regenbogenfarbenen Borten.

Doch der Specht, dessen Pochen weit durch den Wald hallt, ist nicht das einzige Tier, dessen Anwesenheit man hören kann. Das fröhliche Zwitschern der längst erwachten Vögel klingt wie eine Melodie in Beadorns Ohren.

Als sie die Augen wieder öffnet, sieht sie die Herrlichkeit der jungen Herrin allgegenwärtig um sich herum. Seien es die jungen, kaum einen Sommer alten Schößlinge des mächtigen Eichenbaumes oder die fleißig umher krabbelnden Käfer im feuchten Moos.

'All das Leben - es ist schön.'

Auch als Beadorn sich wieder dem Waldweg zuwendet und ihrem Reiseziel entgegengeht, lässt sie die Schönheit des Waldes auf sich einwirken.

Abermals lässt sie die frische Luft in ihre Lungenflügel einströmen und abermals atmet sie freudig seufzend aus. Die leuchtenden Strahlen der Praiosscheibe und der schöne Wald scheinen in ihrem Kopf eine Melodie zu formen und Beadorn kann nicht umhin, diese leise zu summen.


***


Auch Widirza summt mit geschlossenen Augen leise die Melodie aus längst vergangenen Tagen vor sich hin. Sie sitzt auf einer Wiese neben dem Weg. Blumen blühen um sie herum.

Sie fühlt das feuchte Gras unter ihren Händen. Der salzige Wind des Meeres umweht sie. Aus der Ferne hört sie das Kreischen der Möwen, doch Widirza öffnet die Augen nicht. Sie will festhalten an den Erinnerungen und summt weiter leise die Melodie vor sich hin.

Als eine helle Mädchenstimme neben ihr zu singen beginnt, will Widirza im ersten Augenblick verstummen. Doch der helle Gesang des Kindes ist wie Samt auf ihrer Seele und so summt sie weiter.

"Der Schnee taut auf, der Himmel ist klar. Wache auf lieber Baum, der Frühling ist nah."

Widirza sind diese Strophen nicht unbekannt. Beadorn hatte sie oft gesungen, als sie die Gärten der Tempel hegte und pflegte. Und auch wenn Beadorn nicht mehr war, so hatte diese Litanei doch etwas Beruhigendes.

"Wach auf kleine Knospe, zeig uns dein Gesicht, wachse zum Himmel und gräme dich nicht."

Die Melodie bringt Licht in die Dunkelheit - sie füllt die Leere aus und mit jeder Strophe, die Widirza zu der Stimme des Mädchens summt, wächst ihre Zuversicht und langsam verschwinden die dunklen Schatten aus ihrem Leib.

Als das Mädchen verstummt, öffnet Widirza den Mund. Die tiefen und leicht kratzigen Worte kommen aus tiefstem Herzen.

"Ich danke dir."

Langsam öffnet Widirza die Augen. Um sich herum sieht sie die Blumen auf dem sonst vom Seewind gepeitschten Weg. Auch die Ruinen, die sich hinter der Wiese im Meer abzeichnen, kann sie sehen. Ihre Augen erfassen den Weg wieder und gleiten an ihm entlang bis zu einem beinahe vollkommen von Blüten eingeschlossenem Gebäude.

Die hellen, leuchtenden Farben der Blüten lassen ein flüchtiges Lächeln über Widirzas Gesicht huschen und sie nickt.



"Aber was jetzt?" fragt Widirza leise.

Sie hört, wie sich die Wellen am schmalen Grat, der zum Tsatempel führt, brechen. Sie hört die kreischenden Schreie der Möwen. Doch eine Antwort des Mädchens hört sie nicht.

Widirzas Finger streichen durch das nasse Gras. Ohne Mühe biegt sie die schwachen Halme um. Doch sobald der Druck von den grünen Halmen weicht, richten sie sich wieder auf.

Widirza erwartet keine Antwort. Wie immer würde sie selbst nach der Antwort suchen müssen. ärger steigt in ihr empor. Sie saugt den salzigen Geruch der vom Wind getragenen Gischt ein und versucht sich abermals zu erinnern.

'Über fünf Monate habe ich nach Saravhae gesucht. Und ich habe sie gefunden - soviel steht fest. Aber was war letzte Nacht los?'

Leicht schnaubend atmet sie aus. Es ärgert sie, dass sie sich an beinahe jedes Detail in ihrem Leben erinnern kann...

'...bis auf die letzte Nacht!'

Verspielt wehen die schwarzen Borten ihrer kurzen Tunika im Wind. Und auch ihr weißer Schal, den sie zu einem Dreieck gebunden hat, hebt und senkt sich im Wind.

'Was solls?' denkt die Schwarzhaarige schulterzuckend. 'All der Grimm in meiner Seele bringt mir die Erinnerung jetzt auch nicht zurück.'

Mit diesen Gedanken stemmt sie sich gegen das nasse Gras und steht auf. Dabei gerät das blühende Tempelhaus der jungen Göttin in ihr Blickfeld und unwillkürlich nickt Widirza.

Doch dann dreht sie sich wortlos um und stapft über den leeren Weg zurück zu den Häusern des Fischerortes.

Die Frage, was sie nun machen wird, kann sie noch immer nicht beantwortet.



IN HAVENA - Im Tempel der RHAja: Ernste Gespräche - Onaskje, di Vespasio, Ottam, Lyrian


'Disziplin, eiserne Disziplin ist jetzt ein Muß. Rahja stehe mir bei!'

Innerlich sich halb über den bemühten Blick des Magiers freuend, der auf ähnliche Gefühlswallungen schließen lässt, sich aber auch halb in Verzweiflung stürzend ob der erschwerten Umstände der Übung schaut Wulff dem Magus in die Augen.

'Was der schafft, kann ich auch!'

Einige Augenblicke lang stellt er sich wieder den Schmerz vor, als er vor Jahren einen Beinahe-Durchschuß seines Beines vollendete, indem er den Pfeil ganz durch sein Bein durch schob; was aufgrund der vielen kleinen Wiederhäkchen auch die weisere Entscheidung gewesen war. Und tatsächlich, binnen weniger Herzschläge kann Wulff wieder befreit durchatmen und lächelt Ottam verstehend-anerkennend-wissend zu.

"Ich denke, ein kräftiger Schluck wäre jetzt genau das rechte; vielleicht etwas von dem geharzten Weißwein dort?"

Wulff deutet auf ein niedriges Tischchen neben Ottam, auf dem in zierlichen langhalsigen Karaffen verschiedene Weine zu sehen und auch zu riechen sind. Und Wulff meint auch, einen leichten Harzduft wahrnehmen zu können...

Jetzt wieder mit einem lockeren Lächeln im Gesicht fügt er hinzu:

"Aber laßt uns doch noch weiter bewundern, mit welcher weltmännischen Eleganz sich unser Herr Edelwohlgeboren um Konversation bemüht!"



Di Vespasio ist wirklich unsicher, wie er reagieren soll. Zunächst wähnt er ja einen schauspielerischen Trick des Barden, bei diesen Leuten weiß man ja nie, woran man ist, wie allgemein bekannt ist. Gerade wo dergleichen Künstler allzu häufig an die poetische Ader des Adligen appelliert haben, um schließlich nur seinen Geldbeutel anzuzapfen.

Der Stockträger will ihn schon unterbrechen und ihn auffordern seine falschen Tränen nicht in das Reinigungsbecken zu vergeuden, als dieser seinen tiefen, religiösen Hunger nach den Früchten Rahjas offenbart. Auch wenn man es Frizzi in dem kalten Becken nicht ansieht, so ist er doch ein glühender Verfechter der Zwölfgötter und treffsicher hat Lyrian hier die weiche Stelle in Frizzis Seele gefunden.

Doch als der Barde auch noch mit großer Ernsthaftigkeit seine Reue bekundet und sich, trotz knapper Zeit, ihm gegenüber in die Pflicht setzt, ist sein Widerstand gebrochen. Selbst er, der die Verpflichtung über alles schätzt, würde hierin vielleicht nur eine Kleinigkeit sehen, schließlich ist es ja nur ein Buch und nichtmal ein besonders wertvolles.

'Solltest du tatsächlich im Unrecht sein? Das wäre wirklich ... ein seltenes wie unerwartetes Ereignis. Geradezu ein Fingerzeig.'

"Nun, ich ... öhm ... ja."

Di Vespasio ringt nach Worten.



Lyrian entgeht es nicht, dass der Comte mehr oder weniger sprachlos geworden ist. Aber auch Lyrian sagt erstmal kein Wort, denn er denkt über das, was er gesagt hat und die möglichen Konsequenzen nach. Was wäre, wenn er hier in Havena durch dieses Versprechen länger festsitzen würde?

Aber andererseits ist es ihm im Moment fast egal. Sogar wenn dieser Tempel abbrennen und er in den Flammen darin umkommen würde! Es wäre nur schade um die Geweihten und diesen schönen Ort, denkt der Barde sich. Und er könnte dann auch nicht seine Mission vollenden...

'Vergessen wollte ich hier. Nur für wenige Stunden. Aber dafür hätte ich wohl eher in einen Boronstempel gehen sollen und der steht auch noch auf der Boronsinsel, wo... ach, wäre ich bloß nicht mit Mukhadin hierher gereist!'

Mit schwerem Herzen räuspert er sich kurz.

"Wenn dem Buch wirklich etwas passieren sollte, dann werde ich euch auf jeden Fall entschädigen können. Ich war Musiklehrer der jungen Baroness von Shumir und bin dadurch nicht arm."



"Ach, vergeßt das Buch, ich kann mir ein Dutzend davon machen lassen."

Dieser Barde entwickelt sich zu einem wahren Meisterschützen. Offenbar muß ihn eine tiefe Intuition leiten.

"Ihr unterrichtetet in Shumir? Was für ein Zufall! Ich selbst komme ursprünglich aus Balirii, ganz in der Nähe. Den Großvater der jungen Dame, die eure Schülerin gewesen sein muß, kenne ich noch aus meiner Zeit bei Hofe. Ihr erlaubt. Comte Frizzi di Vespasio da Balirii."

Das allzu kalte Wasser tut den Manieren des feinen Herren keinen Abbruch, lediglich die Intimität des Rahjatempels als solcher läßt di Vespasio auf eine vollendete, dem Rang des anderen entsprechende Verbeugung verzichten, statt dessen wedelt er informell mit der Linken, weil die Rechte ja immer noch den Stock hält, mehrmals kreisförmig in der Luft vor seiner Stirn, während er den Kopf neigt.

'Ein Fingerzeig, wirklich, so wahr du di Vespasio heißt.'



"Ausgezeichnete Wahl" erwidert Ottam auf die Worte des Geweihten und ergreift dann die Flasche um zuerst Wulff und dann sich selbst einen kleinen Schluck einzuschenken, gerade die Menge zum verkosten, um sich zu vergewissern, ob der Wein auch dem eigenen Geschmack entspricht.

"Wo ihr recht habt, habt ihr recht, ob er das Buch wohl mit dem Stock über das Wasser balancieren möchte?" fragt der Schiffsmagus ziemlich breit grinsend.



Lyrian ist von der Wende dieses kurzen Streitgespräches reichlich überrascht.

'Aber es war ja eigentlich klar: erwähne ich einen von den Seinesgleichen und meine ehemalige Verbindung zu ihm, sieht die ganze Sache schon gleich anders aus. Hoffentlich weiß er nichts über die Geschichte mit dem Spinett... '

Etwas müde und noch immer leicht gezwungen neigt er seinen Kopf ebenso.

"Angenehm. Meine Name ist Lyrian Nachtigall."

'Irgendwie kenne ich den Namen. Scheint wohl ein recht bekanntes Adelsgeschlecht zu sein.'

Doch dann lächelt Lyrian wieder etwas.

"Ich denke, dass es so langsam klüger wäre, aus dem Wasser zu steigen. Ich habe schon wesentlich wärmer gebadet und ich möchte mir keine Erkältung zuziehen."

'Obwohl es doch eigentlich egal wäre - ich werde sowieso die Laute vorerst nicht mehr spielen.'



Di Vespasio lächelt zurück, nimmt den Stock von der Schulter, wozu er sowieso eine Gelegenheit gesucht hatte, und deutet einladend zum Tempelinneren.

"Tatsächlich, ja, es ist etwas frisch und ich wäre mehr als erfreut, nach Euch diese kleine Eiswüste zu verlassen. Wie ich sehe haben meine Reisegefährten sich schon niedergelassen und genießen bereits sinnliche Freuden anderer Art."

Welche beiden Herren gemeint sind, sollte auch von innerhalb des Reinigungsbeckens deutlich zu erkennen sein.



Lyrian nickt kurz dem Comte zu und geht dann voraus aus dem Becken, wo er das Tuch von Aska mit einem leisen "Danke" annimmt.

"Ja, und diese Freuden möchte ich nicht verpassen," antwortet er Frizzi, "sie schaffen es immer wieder die Sorgen vergessen zu lassen und, in Maßen genossen, den Geist zu beflügeln."

Ein leicht schelmisches Lächeln stiehlt sich auf des Barden Gesicht und sein Blick geht kurz zu Aska hinüber.

"Und dabei spreche ich nicht vom Alkohol alleine."



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wölfe' unter 'Schafen - Garulf, Alberik


Hinter Hjaldar und dem Schiffskoch bahnt sich Alberik seinen Weg durch die Menge. Ähnlich wie bei Ole vorhin bleibt er hinter den beiden stämmigen Thorwalern, bevor sich die von ihnen verursachte Lücke wieder schließt.

Natürlich könnte sich der Zwerg mit ebensolcher Rücksichtslosigkeit genauso gut alleine einen Weg durch die Massen bahnen. Er ist zwar kleiner als die Menschen, aber dennoch kräftiger als die meisten unter ihnen, und es dürfte kein Problem sein, ein paar von ihnen zur Seite zu schieben.

Doch Alberik hat keine Lust, sich so durch die Menge zu quälen. Die beiden kräftigen Kerle sorgen für weitaus mehr Aufmerksamkeit als er selber, und so weichen die meisten von alleine zur Seite, was bei ihm selber bestimmt nicht der Fall gewesen wäre.

Bis auf wenige Ausnahmen, wie den jungen Mann, der von dem Schiffskoch umgestoßen wird und sich, nachdem die drei schon weiter sind, über dieses ruppige Verhalten beschwert.

In diesem Moment fällt dem Zwergen auf, daß er den Namen des Schiffskoch noch gar nicht kennt. Mit einigen Matrosen wie Ole und Wasuren hat er schon an diesem verrückten Vortag Bekanntschaft machen können. Doch den dicken vor sich kennt er nicht.

"He, wie heißt denn du eigentlich?" ruft Alberik dem Schiffskoch deswegen hinterher.



Neben Hjaldar bahnt sich auch Garulf seinen Weg. Seine gut 170 Stein Lebendgewicht veranlassen die im Weg stehenden auch rasch zum Zurückweichen, sei es durch den Anblick eines auf sie zustampfenden Monstrums, sei es durch den Rammbockeffekt. Mit letzterem muß gerade in diesem Moment ein schmächtiger junger Havenaer schmerzhafte Bekanntschaft machen, der völlig im Beobachten des Spieles versunken, eben nicht rechtzeitig freiwillig zur Seite gesprungen ist: Die Wampe des Smutje stößt ihn rücksichtslos zu Boden, schließlich bestehen die 170 Stein nicht völlig aus Fett, es ist auch ein nicht unerheblicher Anteil Muskeln dabei.

Als der junge Mann sich wieder aufgerappelt und zu lautstarkem Gezeter ansetzt, hat sich die Walze längst weiter bewegt...



Als Alberik mit ansehen muß, wie der Schiffskoch dem Mann den Ellbogen beinahe ins Gesicht schlägt, verzieht er sein eigenes Gesicht und wendet sich kurz ab, als würde er selber den Schmerz eines Treffers spüren.

'Aua, daß muß wehgetan haben.'

Doch schon darauf beachtet er den Mann gar nicht mehr. Die Idee, daß der Getroffene sich vielleicht beschweren könnte, kommt dem Zwergen schon gar nicht mehr, zu sehr lassen sich die meisten Menschen hier im Stadion von den beiden Thorwalern und natürlich auch von ihm selber beeindrucken, als daß jemand etwas wegen der rauhen Art, mit der sie durch die Menge marschieren, sagen würde.

"Wen sollte ich denn sonst meinen?" führt es das Gespräch mit dem dicken Thorwaler weiter fort.

"Du bist doch der Schiffskoch der NORDSTERN, nicht wahr? Ich habe dich doch schon auf dem Schiff gesehen. Aber deinen Namen kenne ich noch nicht."



Die Stimme ist zwar halbwegs vertraut und kommt von direkt hinter ihm, aber die Frage ist doch zu unvorhergesehen und auch reichlich ungewöhnlich für den Ort und den Zeitpunkt. So müssen erst noch zwei weitere Zuschauer hektisch zur Seite weichen, um nicht überrollt zu werden, bevor der Smutje sich halb zu Alberik umdreht und dabei eine, bereits dicht gedrängt stehende Reihe von Zuschauern noch ein wenig enger zusammenschiebt.

"Wör, ick?" stellt er die Gegenfrage an den Angroscho, dabei zeigt er mit dem Finger auf sich selbst, was seinen Ellbogen einem, neben ihm stehenden, Havenaer zwar nicht ins Gesicht, aber kaum weniger schmerzhaft, gegen die Schulter stoßen läßt.



"Mensch, paß doch auf!" brüllt ihn der Gerempelte von der Seite an und versucht den Smutje dabei von sich zu stoßen - ohne große Wirkung.

"PAß SELBER AUF, DU HORNOCHSE!!" brüllt Garulf zurück. Dabei stößt er den aufmüpfigen Havenaer mit voller Kraft zwischen die hintern ihm stehenden Zuschauer. Der Gestoßene stürzt dabei fast zu Boden und zieht es danach vor, etwas mehr körperlichen Abstand zwischen sich und das Monster zu bringen, statt weiter auf sein Recht zu pochen.

Nachdem diese Störung beseitigt ist, kann Garulf auch die Frage des Angroscho beantworten:

"Wohl, dat bün ik, Garulf heß ik."

Derweil wird das Gebrüll aus der Havener Kurve lauter, höchste Zeit, mal wieder auf das Spielfeld zu schauen. Was der Smutje dort sehen muß, gefällt ihm überhaupt nicht.

"ACHTERN DÜCHTMOKEN, IHR SCHNORCHNOSEN!!" brüllt er seine Anweisung an die Pottwale hinaus, die diese wohl weder mitbekommen, noch durchführen könnten, denn sie kommt reichlich spät ...



IN HAVENA - In den Straßen der Stadt: Ende einer Verfolgunsgjagd - Silana, Darian


Die junge Rahjani hält kurz inne in ihrem Lauf. Darian nutzt die Gelegenheit, um sie anzusprechen: "Wohin ... *japs* ... rennst du ... *keuch* denn ...", er kommt nicht dazu die Frage zuende auszusprechen, denn Silana reißt sich in sekundenschnelle die Schuhe von den Füßen und rennt dann barfuß weiter. Darian bleibt mit einem Ausdruck höchsten Erstaunens zurück, ´barfuß? Hier, in der Stadt?´ Darian schüttelt leicht mit dem Kopf. Hartes Granitpflaster, bedeckt von Pferdeäpfeln, Hundehaufen, verlorenen Hufnägeln und allerlei Unrat ist ja nun auch nicht gerade der rechte Untergrund zum Barfußlaufen, zumal, wenn man es nicht muß.

Doch viel Zeit zum erstaunt sein bleibt ihm nicht, will er doch Silana nicht außer Sicht kommen lassen. Also setzt auch er sich wieder in Bewegung und rennt erneut der Rahjani hinterher, fest entschlossen wieder zu ihr aufschließen - und sich so bald wie möglich einen ganz bestimmten Waldelfenzauber zu verschaffen ...



Auch bei Silana, die mittlerweile die Kinder endgültig aus den Augen verloren hat, macht sich die Rennerei schmerzhaft bemerkbar, statt durch die Sandalen, spürt sie nun jeden kleinen, spitzen Stein und andere Dinge, von denen sie gar nicht wissen möchte, warum es sich genau handelt.

Ihre Kehle fühlt sich total trocken an und schon seit einiger Zeit verspürt sie ein heftiges Stechen in der Seite.

Plötzlich, als sie gerade um die Ecke rennt, von der sie glaubt, dass dahinter die Kinder verschwunden sind, bleibt sie wie angewurzelt stehen.

Vor ihr erstreckt sich der Marktplatz, den sie zwar nicht als solchen erkennen kann, wohl aber das geschäftige Stimmengewirr und die Mauer aus Menschen. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Leute, die sich gerade nicht im Stadion befinden, hier zum Feiertag auf dem Marktplatz versammelt sind.

Traurig lässt die Rahjanovizin die Sandalen sinken und streicht mit dem Zeigefingern über den kleinen Rosenquarz.

"Wir h...haben sie verloren," meint sie zu Darian, den sich noch immer an ihrer Seite vermutet, während sie versucht, das Seitenstechen durch tiefes Atmen loszuwerden.

Resigniert sieht sie in das Markttreiben, dort wird sie wohl die beiden nicht mehr wiederfinden.



Ein paar Augenblicke nachdem Silana zum Stillstand gekommen ist, holt der junge Adeptus sie ein. Den an ihn gerichteten Satz bekommt er allerdings nicht mehr mit. Da die junge Rahjani offensichtlich ebenso erschöpft ist, wie er selbst, nimmt Darian auch nicht an, daß sie etwas gesagt haben könnte.

Also ergreift er nun selbst das Wort:

"Wo wolltest ... *keuch* ... du denn hin? ... *japs* ... zum Marktplatz hätten wir doch ... *keuch* ... nicht so rennen müssen."



Am liebsten würde sich Silana, einfach so wie sie jetzt ist, auf den Boden gelegt, aber leider ist der Untergrund nicht der optimale für ein solches Unterfangen.

Tief durchschnaufend antwortet sie Darian stammelnd:

"Die Kinder ... sie haben den Stein verloren ... ich wollte ihn ihnen... wiedergeben"

Dabei umfasst sie den Stein, denn sie noch immer an die weiche Tücher, die ihre sich heftig hebende und senkende Brust bedecken, gedrückt hat und hält ihn Darian entgegen, wobei auch ihre Augen den sanft schimmernden Stein mit den feinen weißen Adern bewundernd erforschen.



´Wegen eines Steines ist sie den Kindern nachgerannt?´ verwundert schaut sich Darian den Stein ihn Silanas Hand an, diesen wunderschönen, rosafarbenen Stein, mit seinen bläulich und weiß schimmernden Adern.

"Ein Rosenquarz ...", stellt er nicht minder erstaunt fest.



Stumm nickt Silana Darian zu, während sie weiterhin in sich versunken den Stein betrachtet.

Sie erinnert sich daran, dass viele Leute sagen, der Rosenquarz stünde der Schönen sehr nahe, einerseits weil er die heilige Blume im Namen trägt, andererseits seiner sanften, lieblichen Farbe wegen.

Egal aus welchem dieser Gründe, sicher ist, dass der rosa farbene Stein sich in den sinnlichen Tempeln Rahjas großer Beliebtheit als Schmuckstein erfreut und vor einigen Monden hatte Rahjadis Silana ein Gedicht vorgetragen, in dem der Poet die wunderbare Göttin den sanften Rosenquarz mit dem leidenschaftlichen Rubin verglich, jedoch fällt der Novizin nun nicht mehr ein, zu welchem Schluß der Dichter sie hat kommen lassen.

Grübelnd betrachtet sie ihre Finger, die den Stein umfasst halten - oder war es kein Rubin, sondern ein Karfunkel, ein Granat gewesen?

Bei dem Gedanken an Granat und der Namens gleichen Frucht fällt Silana wieder ein, wo sie sich befindet.

Verlegen antwortet sie dem jungen Magus:

"Verzeiht, ich war gerade in Gedanken ... ich dachte, dass der Stein vielleicht den Kindern viel wert war ... aber nun sind sie leider weg."

Noch ein letztes Mal sieht sie suchend in die Menschenmenge.

"Aber da wir nun ja zum Markt gekommen sind, könnten wir ja vielleicht" ein schelmisches Lächeln schleicht sich auf ihr Gesicht "eine winzige Kleinigkeit essen."



"Nun, wo wäre ein Rosenquarz besser aufgehoben, als bei einer Geweihten der schönen Göttin?"

Dies ist natürlich eine rein rhetorische Frage, die allein dazu dienen soll, Silanas Bedenken des Steines wegen zu zerstreuen. Es ist ohnehin zu bezweifeln, daß die Straßenkinder rechtmäßige Besitzer des Rosenquarzes waren und selbst wenn, jetzt findet man sie doch nicht mehr wieder.

"Etwas essen, ja natürlich," auch Darian erinnert sich an den ursprünglichen Zweck des Markplatzbesuches. "Woran dachtest Du denn so?"



Eine Fülle von herrlichen Gerichtsnamen strömt in Silanas Gedanken und verdrängen dort die Strassenkinder für's erste, während sie den Stein vorsichtig in ihrer Gewandung verstaut.

Als sie schnuppernd einatmet, riecht sie zwar vor allem Schweiß und Strassendreck, aber in ihrer Vorstellung sind sie mit süßen und würzigen Untertönen durchsetzt.

"Wie wäre es mit geräucherten Stockfisch? So als Anfang..."

Sie sieht Darian mit vorfreudig strahlenden Augen an.



Mit einem schlichten:

"Ja, warum nicht?" erwidert Darian den Vorschlag der Rahjani. Nur ein paar Schritte entfernt ist auch schon der Stand eines Fischhändlers zu sehen. Darian deutet in die entsprechende Richtung:

"Vielleicht probieren wir es dort hinten?"



Silana sieht in die Richtung, in die nun Darian zeigt. Leichte, graue Rauchschwaden, die vom Stand in den strahlend blauen Himmel steigen, sind schon die ersten Vorboten des kommenden Gaumenschmauses.

"Au ja", nickt die Novizin sowohl begeistert als auch hungrig.

Sie überlegt einen Moment, ob sie nun ihre Sandalen wieder anziehen soll, doch als sie ihren linken Fuss ein Stück hebt, lachen ihr schmutzdunkle Sohlen entgegen.

"Uhh", kommentiert sie leise und lässt den Fuß wieder sinken

"Und danach können wir uns ja mit den Fischen am Brunnen niederlassen", schlägt sie vor.



Silana schüttelt eifrig den Kopf. So groß auch ihr Reinlichkeitsbedürftnis ist, wird es doch um längen von ihrem Hunger übertroffen und es ist gar keine Frage, welchem Drang sie den Vorzug gibt.

"Lass uns erst die Fische kaufen, danach können wir uns ja auf dem Brunnen niederlassen, um sie zu verspeisen", schlägt sie Darian vor, während sie die letzten Schritte überwindet und sich hinter einem schlacksigen, strohblonden Mann anstellt, der soeben seinen geräucherten Fisch entgegennimmt.



Auch Darian legt die wenigen Schritte bis zum Stand des Händlers zurück und stellt sich dann neben die Rahjageweihte. Wenigstens steht nur ein weiterer Kunde vor ihnen, so daß es wohl nicht lange dauern wird.



Als Silana ihre Füße betrachtet und sich dann dagegen entschiedet, ihre Sandalen wieder anzuziehen, fragt Darian sich abermals, warum sie sie denn überhaupt ausgezogen hat. Aber daß sie zum Brunnen möchte, versteht er dafür umso besser. Darian macht einen Schritt Richtung Fischhändlerstand.

"... oder möchtest Du erst zum Brunnen?"



IN HAVENA - Im Haus der 'Comtessa': Das Liebesnest - Perval und Traviana


Die Comtessa betrachtet die junge Frau eingehend während diese sich umsieht, bevor sie ihr antwortet. "Ein Zimmer haben wir für Euch sicherlich noch frei." Ihr Blick schweift von der jungen Frau hinüber zu dem Seemann und zurück. 'Hübsches Päarchen. Wenn ich nur 20 Jahre jünger wär, hät ich mit ihr bestimmt viel Spaß haben können. Und ab und zu den Seemann zur Abwechslung. - Eigentlich könnt ich ihnen die 2 geben. Ist ja sonst noch niemand da.'

"Wenn Ihr bis zur Dunkelheit fertig seid, könnt Ihr das Doppelzimmer haben. Das würde Euch nur 3 Silber kosten." Lächelnd unterbreitet sie der jungen Frau ihr Angebot.


***


Die Blondhaarige bemerkt den Blick, den die Comtessa erst der Seefrau und dann dem -mann zuwirft. Ein leicht eifersüchtiger Blick stiehlt sich einen Moment auf ihre Züge, der von einem verwunderten Blick abgelöst wird, als die Comtessa das Doppelzimmer anbietet. Und dazu noch zu solch einem niedrigen Preis. Normalerweise bekommt man dieses Zimmer nicht für unter 5 Silber. Und eigentlich auch nur für Adlige oder angesehene Bürger der Stadt.


***


Derweil steht Perval nahe der Tür und betrachtet abwechselnd Traviana, ihren Hintern, die Blonde und die Comtessa. Traviana überrascht ihn immer wieder. Erst der hemmungslose Kuß im Stadium und jetzt dieses Vorpreschen. Nicht das ihm dieser Wandel von der eher zurückhaltenden Traviana nicht gefallen würde. Verspricht es doch, einige sehr aktive Stunden zu genießen.



Die Comtessa macht Traviana ein Angebot.

'Naja, das geht ja noch...lange wollen wir ja sowieso nicht bleiben...und wenn das gerade frei ist...'

Sie wendet sich Perval zu.

"Was meinst du, soll'n wir das nehmen?"

Sie fragt ihn lieber erst, bevor es ihm am Ende nicht recht ist...



Und wieder erwischt Traviana ihn dabei, wie er in der Gegend rum schaut. Diesmal schaut er zwar nicht die Blondhaarige an, sondern Travianas Hintern. Das Angebot hatte er zum Glück mitbekommen, trotz all der Ablenkung in diesem engen Flur.

"Jo sicher, hört sich jut an. Un bis es Dunkel is, is ja noch mehr als jenug Zeit."


***


Die Comtessa folgt dem Blick der jungen Frau zu ihrem Begleiter und bekommt gerade noch mit, wo dieser seine Augen die letzten Momente gehabt haben muß. Ein leichtes Schmunzeln stiehlt sich auf ihr Gesicht.

'Scheint es ja kaum noch aushalten zu können, der Seemann. Ist wohl in den letzten Wochen nicht allzu oft nicht dazu gekommen zu sein. Ob die zwei wohl auf einem Schiff sind und es sonst dort treiben, oder mögen sie sich erst im Hafen kennengelernt haben.'



Traviana hat Perval gerade noch 'erwischt', und gesehen, wo dieser eben hingeschaut hat.

'Ach ja...dieser Perval..'

Sie muss ein bißchen grinsen, aber nickt ihm dann zu, und wendet sich wieder der Comtessa zu. Diese scheint das auch mitbekommen zu haben, denn bei ihr kann Traviana auch ein Schmunzeln erkennen.

'Aber zurück zum Zimmer....'

"Gut, dann nehmen wir das..."

Zufrieden mit sich selbst nickt sie. Kurz sieht sie noch einmal zu Perval, nur um zu sehen, ob sie ihn noch einmal erwischen kann. Sie macht sich offensichtlich einen Spaß daraus, ob er das merkt?



"Ich bin mir sicher, daß Ihr Euren Spaß haben werdet in dem Zimmer." setzt die Comtessa die Reihe ihrer eindeutig zweideutigen Anspielungen mit einem Lächeln fort.

'Und ich den meinen.'

Zur Blondhaarigen gewand, die immer noch an der Tür steht, fährt sie fort:

"Bring die Herrschaften bitte in das Doppelzimmer. Und seh zu, das es Ihnen an nichts mangelt."


***


Diesmal hatte Perval sich nicht ablenken lassen von den verführerischen Körpern in diesem Raum. Zumal das kurze Nicken Travianas ihm das Gefühl gegeben hatte, ein dummer Junge zu sein. Wenn sich dieses führende und herrische Verhalten Travianas fortsetzt, werden die folgenden Stunden noch besser als bisher angenommen.

Als Traviana sich erneut nach ihm umsieht, hat Perval wieder dieses Gefühl, als wäre er ein kleiner dummer Junge, von dem man erwartet, er würde jede Sekunde, in der man ihn nicht beobachtet, abhauen und einen seiner Dummenjungenstreiche aushecken. Aber diesmal schaut er sie direkt an. Und sein Grinsen scheint zu sagen

'Ich habe nichts getan. Ich bin völlig unschuldig.'


***


Derweil geht die Blondhaarige an den dreien tiefer in den Flur hinein und verschwindet in dem Raum rechts von dem Flur.



Traviana muss auf Grund der recht zweideutigen Bemerkung der Comtessa grinsen.

'Das vermute ich auch... und jetzt zeigt sie uns ja endlich das Zimmer...'

Noch einmal wendet sich Traviana an die Comtessa.

"Ich danke euch..."

Jetzt greift sie nach Pervals Hand, um der Blondhaarigen zum Zimmer zu folgen und lächelt Perval dabei fröhlich an...



Nach einem kurzen Moment erscheint die Blondhaarige mit einem Krug in der Hand wieder im Türrahmen. Ein kurzer Blick von ihr hinüber zur Comtesssa, ein leichtes Nicken der Comtessa, und die Blondhaarige wendet sich mit einem Lächeln an das Päarchen, daß soeben ein Zimmer für ein paar Liebesstunden gemietet hat. "Wenn Ihr mir dann bitte folgen würdet."

"Ich möchte mich dann jetzt von Euch verabschieden. Ihr werdet sicher auch ohne mich Euren Spaß haben. RHAja mit Euch."

Mit diesen Worten, einem letzten strahlendem Lächeln für den Seemann und ein Zwinkern zu der Seefrau, tritt die Comtessa einen Schritt zurück in den Raum, aus dem sie vorher gekommen war, um dem Liebespäarchen Platz zu machen.


***


Perval kann nicht anders als erst das Lächeln Travianas und dann das der Comtessa zu erwidern. Wobei er sich zum wiederholten Male innerhalb weniger Sekunden wie ein kleiner dummer Junge fühlt, auf den man aufpassen und den man führen muß, als Traviana seine Hand ergreift.

"Habt Dank für Eure Gastfreundschaft. Und Rhaja auch mit Euch."

Dann wendet er sich der Blondhaarigen zu, die vor ihnen im Flur steht und ihn ebenfalls anlächelt. Auch hier kann er nicht anders, als dieses Lächeln zu erwidern.



"RAHja auch mit euch...Und nochmals vielen Dank."

Traviana geht nun an der Comtessa vorbei. Mit Perval 'an der Hand' geht sie in Richtung der Blondhaarigen.

'Wie es wohl ist, das Zimmer?'

Sie ist schon gespannt auf das Zimmer, zu dem sie nun geführt werden. Traviana stellt es sich schon ein bißchen vor, was ihr auch gar nicht so schlecht gelingt. Sie weis zwar noch nicht, wie es aussieht, aber mit dem Eindruck, den sie schon von dem Haus hier hat, kann sie sich schon einiges vorstellen...

Aber sie beschäftigt dabei weniger das Zimmer an sich, als die Zeit, die sie darin verbringen werden. Sie freut sich schon darauf, hier mit Perval einige schöne Stunden zu verbringen...



Mit einer fließenden Bewegung dreht die Blondhaarige sich um und geht vor den beiden Seeleuten voran den Gang entlang. Am Ende des Flures geht sie nach links. Auch dieses Flurstück wird beleuchtet von einer sanft leuchtenden Laterne. Ansonsten ändert der Flur sein Aussehen hier. Die Wände sind mit Teppichen behängt und auch der Läufer auf dem Boden ist dicker. Zwei Vorhänge verdecken wohl dahinter befindliche Türen, die in den hinteren Teil des Hauses führen. All die Teppiche und Vorhänge sollen wohl dazu dienen, den Schall zu dämpfen. Und tatsächlich hört man in diesem Flur keine Fußtritte mir.

Sowohl die durch Vorhänge verdeckten Türen als auch die Wandteppiche sind so angebracht, daß sie von der Eingangstür nicht zu sehen sind, und daher das Haus auf den ersten Blick vom Eingang seinen schlichten Eindruck bewahrt.


***


Mit einem kurzen Abstand folgen Traviana und Perval der Blondhaarigen. Perval noch immer an der Hand von Traviana. Dieses ist ihm gar nicht so unrecht. Soll sie ruhig die Führung der nächsten Stunden übernehmen. Wenn sie ihn nicht in die von ihm gewünschte Richtung führt, kann er immer noch das Kommando übernehmen.


***


Die Blondhaarige schiebt den vorderen der beiden Vorhänge beiseite und tritt durch die Tür in den Raum dahinter. Sie stellt den mit klaren kühlen Wasser gefüllten Krug auf eine Kommode, auf der schon zwei Becher und eine Schüssel zum Waschen bereit stehen. Daneben liegen zwei frisch gewaschen aussehende Handtücher. Sie entzündet die beiden bereitstehenden Lampen, so daß der Raum in ein mildes weiches Licht gehüllt wird.

Der Raum selber wird beherrscht von einem Doppelbett an der Rückwand des Zimmers. Dieses Doppelbett nimmt fast die ganze Breite des Raumes ein und ist mit gestärkten weißen Lacken bezogen. Zwei offensichtlich mit Daunenfedern gefüllte Kopfkissen und Bettdecken liegen auf dem Bett bereit. In der rechten Ecke neben der Tür steht ein Kleiderständer sowie ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Ansonsten ist auch hier der Boden mit Teppichen bedeckt und die Wände mit ähnlichen behangen. Einer dieser Wandbehänge wird wohl das vermutlich vorhandene Fenster verdecken, so das keine ungebetenen Blicke von draußen die Geschehnisse in diesem Raum erblicken können.



Traviana folgt der Blondhaarigen. Sie sieht sich die Gänge an, vor allem fallen ihr die Teppiche an den Wänden auf.

'sieht gemütlich aus... aber still ist es hier...'

Weiter folgt sie ihr zum Zimmer. Nun sind sie ja endlich da! Traviana ist schon gespannt, ob es vielleicht so ähnlich aussieht,

wie sie es sich vorgestellt hatte. Aber als sie es sieht, gefällt es ihr fast noch besser.

'sieht doch echt schön aus.. ja, gefällt mir!'

Sie geht ein paar Schritte in das Zimmer hinein.

'auch hier haben sie Teppiche an den Wänden..'

Dann lächelt sie Perval an, und nickt, um ihm ihren Eindruck des Zimmers mitzuteilen.



Auch Perval gefällt das Zimmer. Es ist besser ausgestattet, als er erwartet hat. Ein einfaches Bett und Traviana darin hätten gereicht. Das Lächeln, das Traviana ihm zuwirft, scheint das gleiche zu sagen, und das sie es kaum noch erwarten kann, alleine mit ihm zu sein. Perval geht es nicht anders.


***


Nachdem die Blondhaarige die Lampen entzündet hat, dreht sie sich zu dem Paar um. "Da wäre jetzt nur noch eine Kleinigkeit." spricht sie lächelnd den Seemann an. Auch wenn es bisher die Frau war, die das Gespräch geführt hat, so wird wohl doch der Mann es sein, der diese Kleinigkeit von drei Silber erledigt.

Perval ahnt schon, um was es bei dieser Kleinigkeit geht. Und so wie die Blondhaarige ihn dabei anschaut, scheint er es mal wieder sein zu dürfen, der die Zeche zahlt. Damit man jetzt aber endlich in dieses große, sehr bequem aussehende Bett kommt, zieht Perval seine Geldbeutel und entnimmt diesem die drei Silber und drückt sie der Blondhaarigen in die Hand. Dabei lächelt er ihr noch einmal vielsagend zu.

Sein Geldbeutel, den er dann wieder wegsteckt, ist jetzt deutlich leerer, als zu dem Zeitpunkt, wo er die Nordstern verlassen hatte. Größere Vergnügen wird er sich wohl erst wieder im nächsten Hafen leisten können. Aber wenn es mit Traviana so klappt, wie er es sich vorstellt, und man hin und wieder die Gelegenheiten nutzen kann ohne dafür ein Vermögen ausgeben zu müssen, scheint es doch eine gute Ausgabe zu sein.


***


Die Blondhaarige behält die Münzen in der Hand.

"Ich werde Euch dann bei Einbruch der Dunkelheit Bescheid geben. Wenn Ihr noch etwas wünscht, so klopft einfach vorne an die Tür. Bis dahin, geniest die Stunden."

Ein vorerst letztes Lächeln an die Frau und ein intensiveres an den Mann, der nicht nur der Comtessa gefällt, und dann geht sie aus dem Raum.


***


Jetzt sind Perval und Traviana zum ersten Mal wirklich alleine. Kein Mensch in unmittelbarer Nähe und auch kein Laut dringt zu ihnen, nachdem die Schritte der Blondhaarigen von dem Teppich im Flur geschluckt werden.

Perval zögert gar nicht erst lange. Zu wertvoll ist jede der jetzt folgenden Minuten. Er zieht Traviana an der Hand zu sich heran und nimmt sie in den Arm. Seine Lippen legen sich auf die ihren.



Zart beginnt er ihre Lippen zu küssen, sanft stößt seine Zunge vor und berührt Travianas Lippen. Da fällt Perval ein, daß die Tür des Zimmer noch immer offen steht. Auch wenn es im Haus sehr ruhig ist und wohl kaum ein Mensch an der Tür vorbei kommen wird, so sollte diese dann doch geschlossen werden, bevor man weiter geht. Mit einem Fußtritt, in die Richtung, in der Perval die Tür ahnt, bringt er die Tür dazu, sich zu schließen. Mit einem leisen Knall schließt sich die Tür. Jetzt noch mit einer Hand den Riegel vorgeschoben, auch dieses blind, und die beiden sind wirklich und wahrhaftig allein. Keine neugierigen Beobachter können jezt noch einen Blick auf die beiden erhaschen, Fenster und Tür sind verschlossen und lassen niemanden in den Raum.

Was die folgenden Stunden bis zur Dunkelheit in dem Zimmer passiert, wissen nur Traviana und Perval allein ...



NORDSTERN - Auf der Brücke: Der Kapitän in Gedanken - Jergan


Eigentlich, so überlegt sich der Kapitän, hat die NORDSTERN in Harben nichts verloren, und exakt das ist auch der Plan, den er und die anderen Offiziere derzeit haben. Denn was soll ein Handelsschiff wie diese Karavelle auch in einem Hafen, der weitgehend Militärhafen ist? Fahrgäste nach Harben gibt es bislang keine, und es wird wohl auch kaum jemanden geben, der von dort weiter möchte, und dabei ausgerechnet auf ein Handelsschiff wartet.

Doch... diese Entscheidung wird wohl erst endgültig zu fällen sein, wenn die NORDSTERN ausläuft, denn es wäre sicher nicht das erste Mal, dass Dinge sich noch in letzter Minute geändert oder anders ergeben haben.



Ein Geräusch von weiter vorne lässt den Kapitän kurz aufhorchen, dann sieht er, dass es lediglich der Matrose Angar ist, der auf das Deck kommt.

Kurz überlegt Jergan, ob er für den Matrosen eine dringende Aufgabe hat, aber im Moment ist auf der Karavelle ohnehin nichts los, so dass es keinen Sinn macht, sich eher unnütze Aufgaben um der Beschäftigung willen auszudenken.



Eine Bewegung auf dem Kai, die der Kapitän eher im Augenwinkel als direkt wahrnimmt, erregt seine Aufmerksamkeit genug, um ihn in diese Richtung blicken zu lassen. Und in der Tat erblickt er dort zwei Gestalten, die wohl in Richtung dieses oder eines anderen Schiffes unterwegs sind, denn ein anderes Ziel gibt es hier ja kaum, wenn man nicht gerade Spaß daran hat, an einem Travia-Feiertag ausgerechnet im Hafen spazieren zu gehen.

Kurz huscht ein Lächeln über die Gesichtszüge Jergans, denn falls die NORDSTERN wirklich das Ziel dieser Personen ist, dann ist ihm das in diesem Moment besonders recht, verspricht es doch, die Langeweile zu vertreiben - und den eigentlichen Sinn solch einer Wache auch wieder etwas in den Vordergrund zu bringen.



Ja, die Vermutung des Kapitäns bestätigt sich - das Verhalten dieser beiden Frauen ist einfach zu eindeutig, als dass sie etwas anderes als die NORDSTERN zum Ziel haben könnten. Und damit ist es klar, dass in unmittelbarer Kürze Arbeit auf ihn wartet, die am besten wohl auf dem Oberdeck verrichtet wird, so dass sich der Kapitän dem Niedergang auf dieses zuwendet.

Die dritte Frau, Jandara, entgeht dadurch seiner Aufmerksamkeit vollkommen, was aber wohl vollständig ihren Wünschen entsprechen dürfte.

Jergan Efferdstreu geht die vielleicht zehn Stufen der steilen Treppe langsam und mit der Sicherheit einer langen Routine herunter, ohne dabei auch nur im Ansatz etwas anstößiges an dem Umstand zu finden, dass er als der Befehlshaber dieses Schiffes zu anderen "herabsteigt", statt diese zu sich zu rufen. Denn im Moment ist die Lage ja noch ein wenig anders, diese beiden Frauen sind potentielle Mitfahrerinnen, und damit haben sie sehr wohl den Anspruch auf eine angemessene Begrüßung, die über einen Ruf von der Höhe der Brücke herab hinausgeht.



NORDSTERN - Oberdeck: Angar's Ärgernis


Mist, jetzt steigt der Kapitän auch noch runter von der Brücke und zwei Frauen kommen an Bord. Ob die mitwollen? Angar greift von seiner Kiste aus, nach einem daneben liegenden Seil und beginnt mit dem Ende herum zu spielen. Für die beiden Landratten sieht das allemal so aus, als würde er arbeiten und falls der Kapitän sich umdreht, dann kann man ja immer noch anfangen das Seil neu aufzurollen oder so.



NORDSTERN - Oberdeck: Rückkehr und Verhandlungen


Der erste Schritt ist noch zögerlich, doch als es klar wird, dass das Holz nicht unter ihren Füßen nachgeben wird, setzt auch Shuhelia die Füße gründlicher auf und erreicht so das Oberdeck.

Für einen Moment lang packt sie eine nervöse Erregung. Wenn alles nach Plan läuft, dann wird sie diese viel zu sichere Stadt auf diesen Planken (bzw. unter diesen Planken) verlassen. Und wieder an einen Ort kommen, wo niemand hinter ihr her ist.

Warum muss auch der erste Versuch gleich fehlschlagen? Nun hat sie den Geldbeutel dieses schwerreichen Fettsackes, dem der Angstschweiß schon bei dem ersten Anzeichen von etwas ungewöhnlichem aus allen Poren troff, doch nicht bekommen und ist weiter auf ihren eigenen, knappen, angewiesen.

Erst einmal wird sie sich still verhalten. Wenn sie jetzt Glück hat, dann nimmt der Kapitän sie und die gute Amalthea als fest zusammengehörig. Dann besteht die Chance, dass er, selbst wenn er die Personenbeschreibung hört, nicht begreift, dass er jemanden in den Süden transportiert, die hier wegen 'an einem geachteten Bürger unserer Stadt versuchtem Diebstahl unter Benutzung schädlicher Magie' oder so etwas ähnlichem gesucht wird.

Aber ihre Erregung lässt sich von außen kaum wahrnehmen. Wieder streicht sie eine der Locken, die aus dem zur Hälfte nach oben gebundenen Schopf wieder zurück auf die Schultern fallen, hinter dieselben.



Wie der König der Raben lässt Zach sich an Bord der Nordstern tragen. Er fühlt sich mehr als wohl, zwischen den beiden Frauen und genießt es die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Endlich einmal sieht er das Schiff, in dessen finsteren Bauch er sich die letzten Tage hatte verstecken müssen.

Die hohen Masten, die jetzt ohne den Schmuck der Segel blank und kahl in den alveran-blauen Himmel ragen, werden von ihm gleich als hervorragende Fluchtmöglichkeit ins Auge gefasst. Der kluge Rabe baut halt vor...

Dann mustert er den Kapitän, der ein freundliches Gesicht machend, auf sie zukommt. Misstrauisch legt er seinen schwarzen Kopf schief. Vielleicht ist schon bald der Zeitpunkt gekommen, die luftige Sicherheit der Masten auszuprobieren?



Amalthea blickt der Frau noch kurz hinterher. Anscheinend ist sie nur Zufällig in ihre Richtung gegangen...

die Magierin zuckt kurz mit den Schultern und wendet sich dann mit einem Lächeln an ihre Begleiterin:

"Danke!"

Vorsichtig steigt sie die Planke zum Schiff hinauf, immer darauf achtend, ihre Füße nicht versehentlich auf den falschen Fleck zu setzen.

So bemerkt sie den Mann, der auf sie beide zukommt, auch erst, als sie sicher auf dem Deck des Schiffes angekommen ist. Kurz blickt sie sich um, um schon einmal einen ersten Eindruck von dem Schiff zu gewinnen, bevor sie sich mit einem ein wenig nervösen Lächeln an ihn wendet:

"EFFerd zum Gruße! Seid Ihr der Kapitän dieses Schiffes?"



"Efferd zum Grusse", erwidert der Kapitän der Dame, die ihn da anspricht, nachdem sie in der Tat an Bord gekommen ist.

"Mein Name ist Jergan Efferdstreu, und ich bin in der Tat der Kapitän dieses Schiffes - der Karavelle NORDSTERN aus Riva. Seid willkommen an Bord."

Er sagt erst einmal nicht mehr, sondern lässt der anderen die Gelegenheit, sich vorzustellen und insbesondere ihren Wunsch vorzutragen. Denn es wäre nicht nur recht sinnlos, sondern auch unhöflich, jemanden gleich mit vielen Fragen zu überschütten, der vielleicht gar nicht mitfahren möchte, sondern nur eine ganz triviale Frage hat.



Die zweite Frau betritt nun auch das Oberdeck der NORDSTERN. Ohne sich von der anderen wirklich abzuwenden, denn diese ist ja zuerst dagewesen, sagt der Kapitän in ihre Richtung:

"EFFerd zum Gruße!" und nickt ihr freundlich zu.

Anscheinend gehören die beiden ja ohnehin zusammen, denn wenn nach so vielen Stunden der Ruhe zwei auf einmal kommen, ist das eigentlich ein eindeutiges Zeichen, so dass es vermutlich genügt, mit der einen zu verhandeln.



Shuhelia nickt dem Kapitän zu und sagt leise:

"Gruß zurück."

Sie will Amalthea nicht ins Wort fallen.



Auf die Worte des Kapitäns hin nickt Amalthea kurz:

"Ich danke euch!"

Ihr Blick wandert zurück zur Planke, um zu sehen, ob Shuhelia auch an Bord gekommen ist, und nachdem auch sie vom Kapitän begrüßt wurde, fährt die Magierin mit einer Handbewegung in Richtung ihrer Begleiterin fort:

"Dies ist Shuhelia, mein Name ist Amalthea Schattenjäger. Erfreut, euch kennen zu lernen!"

Kurz lächelt sie, dann legt sie den Kopf ein wenig schief und hebt fragend die Brauen:

"Wir haben uns gefragt, ob Ihr unter Umständen noch eine Passage auf eurem Schiff für uns hättet? Ihr fahrt doch nach Süden, oder?"



Es stimmt also in der Tat, diese beiden gehören zusammen. Der Kapitän nickt, und sagt dann:

"Ja, wir fahren nach Süden. Bis nach Brabak, um genau zu sein. Platz haben wir an Bord auch, von daher könnt Ihr gerne eine Passage bekommen."

Er zeigt dabei kurz auf die Holztafel, die neben der Planke an der Reling des Schiffes befestigt ist, und die Fahrpreise verkündet:

"100 Meilen Fahrstrecke kosten

Suite : 25S

Einzelkabine : 12S

Doppelkabine : 8S

Gemeinschaftskabine : 4S

Unterdeck : 2S

Oberdeck : 1S (nur bei gutem Wetter für kurze Strecken)

Diese Preise beinhalten jeweils die Beteiligung am Schiffsproviant. Die Preise für mitgeführte Fracht müssen vor Beginn der Reise ausgehandelt werden."

"Was genau ist denn Euer Ziel?"



"Nun, ich wollte erst ein mal nach Grangor. Allerdings... wenn meine Pläne dort nicht aufgehen... könnte ich doch bis Methumis..."

Den letzten Teil hat die Magierin wohl eher laut gedacht als wirklich an den Kapitän gerichtet. Die nachdenklichen Falten auf ihrer Stirn werden noch ein wenig Tiefer, als sie schnell im Kopf ihre Barschaft gegen die aufgelisteten Preise überschlägt.

Kurz darauf richten sich ihre Augen wieder auf den Kapitän, mit einem Lächeln fragt sie:

"Wenn ihr noch Platz in einer Gemeinschaftskabine bis nach Grangor hättet? Fracht habe ich keine... nur ein bißchen Gepäck..."



Lächelnd nickt der Kapitän.

"Wir haben zwar nur eine Gemeinschaftskabine, aber in dieser ist Platz für Euch - hier in Havena sind einige von Bord gegangen. Gepäck ist kein Problem, es gibt für jeden Fahrgast dort unten eine kleine Truhe, und was zu groß ist, kann auch in einen der Laderäume."

Er überlegt kurz, um sich an einige Zahlen zu erinnern, und fährt dann fort:

"Von hier bis nach Grangor sind es vierhundertundzwanzig Meilen, das macht dann in der Gemeinschaftskabine pro Person etwas mehr als sechzehn Silber, also sagen wir einmal fünfzehn für jeden. Zusammen drei Dukaten."

Jergan lässt den Satz, auch wenn er wie eine Feststellung klingt, fragend ausklingen.



'Da muss sich doch was machen lassen!?'

"Sechzehn sagtet ihr?"

Sie kaut ein wenig an der Unterlippe und legt die Stirn in Falten:

"Soviel besitze ich im Moment leider nicht. Ich hätte höchstens, hm, zehn."

'Zwölf wenns hochkommt und dann bin ich abgebrannt. Warum muss die auch so weit...? Aber jetzt weiter Zusammengehörigkeit antäuschen.'

Und weiterhin zum Kapitän, mit einem unschuldigen und bisher immer ziemlich wirksamen Augenaufschlag: "Meint ihr, dass ginge noch?"

'Ha, ein Drittel. Da muss ich mir was einfallen lassen, oder doch noch die zwölf bieten.'



Nun sagt die andere Frau, die Begleiterin der, die ihn zuerst angesprochen hat, auch etwas, und das lässt den Kapitän ein wenig verwundert die Brauen empor ziehen.

'Wenn sie zusammen unterwegs sind... warum weiß die andere das dann nicht und handelt entsprechend?'

Aber die Angelegenheiten der Fahrgäste sind nicht die seinen, und so antwortet er in einem sehr neutralen Tonfall:

"Ihr könnt auch gerne auf dem Unterdeck reisen, das kostet die Hälfte, und Platz ist dort auch genug - es ist also halb so schlimm, wie der Name vielleicht suggeriert."

Es ist immer ganz gut, derartiges zu sagen, denn beleidigen sollte man Fahrgäste keinesfalls, schon gar nicht mit derlei Dingen.



Als Amalthea den fragenden Blick des Kapitäns bemerkt, preßt sie kurz die Lippen aufeinander.

'Was ist denn? Denkt er etwa... Nandus, natürlich!'

Sie schaut zwischen dem Kapitän und Shuhelia hin und her, lächelt ein wenig verlegen:

"Verzeiht, hier liegt anscheinend ein Mißverständnis vor. Eigentlich reisen wir gar nicht zusammen... nun ja, auf gewisse Weise schon... was ich sagen will, ist, wir," sie nickt kurz zu Shuhelia hinüber, "haben uns erst vor kurzem kennen gelernt. Und dabei festgestellt, daß wir wohl beide euer Schiff zum Ziel hatten."

Sie zuckt kurz mit den Schultern.

"Das ist eigentlich alles..."



Aus dem Brauenhochziehen wird schließlich ein Grinsen, als der Kapitän die Wahrheit über das "Verhältnis" der beiden Frauen erfährt.

"Wenn das so ist... dann schlage ich Euch vor, dass Ihr Euch jeweils entscheidet, ob Ihr in die Gemeinschaftskabine möchtet, oder eben einen billigeren Platz auf dem Ladedeck nehmt."

Wieder fühlt er sich veranlasst, der Sache mit dem Ladedeck ein wenig die scheinbare Schärfe zu nehmen:

"Auf dem Ladedeck haben wir bislang erst einen einzigen Fahrgast, von daher ist dort wirklich Platz."



"In Ordnung, für Euch also einen Platz auf dem Ladedeck."

Der Kapitän nickt, während er kurz überlegt, was er über Jandara weiß, und was er über sie sagen kann.

"Der andere Fahrgast ist ebenfalls eine Dame, die nach Grangor reist. Sie heißt Jandara Bera, und ist, soweit ich weiß, in geschäftlicher Angelegenheit unterwegs. Aber das könnt Ihr sie dann ja selbst fragen."

Sein Blick huscht kurz zurück zu der anderen Frau, dann fügt er hinzu:

"Wenn Frau Schattenjäger sich ebenfalls entschieden hat, werde ich Euch die Quartiere zeigen lassen."

'Oder das selbst tun', fügt er in Gedanken hinzu, denn Bewegung ist bei einer solchen Wache durchaus willkommen.



Erleichtert stellt Amalthea fest, daß das dumme Mißverständnis damit wohl aufgeklärt wäre. Sehr schön...

Als sie dann den Namen "Jandara" vernimmt, wird sie hellhörig. Könnte das die Besitzerin des Raben sein? Höchstwahrscheinlich... denn es wird wohl kaum zwei Personen dieses Namens auf diesem Schiff geben. Aber erst einmal wird sie noch bei der Geschichte bleiben, die sie Shuhelia erzählt hat.

"Oh, ich denke, es bleibt bei der Gemeinschaftskabine."

So sehr sich der Kapitän auch bemüht hat, Ladedeck klang doch nicht ganz so gut.

"Allerdings wäre da noch etwas..." sie deutet mit einem Kopfnicken auf den schwarzen Vogel, der noch immer relativ ruhig auf ihrem Unterarm sitzt, "ich hoffe doch, es stellt kein Problem dar, ihn mitzunehmen? Nicht, daß die anderen Fahrgäste sich ängstigen. Aber ich würde ihn auch nur sehr ungern die ganze Zeit über unter Deck lassen müssen..."

Sie wirft dem Kapitän einen fragenden Blick zu.



Vollkommen unbewegt nimmt der Rabe wahr, dass über ihn gesprochen wird. Er ist nun wieder an Bord des Schiffes und wenn nötig, kann er sich irgendwo in der Takelage niederlassen um dort auf Jandara zu warten. Aber noch fühlt er sich ganz wohl auf dem Arm der Fremden.

'DIE ist nett!'



"In Ordnung, dann macht das fünfzehn Silber für Euch, und sieben für Eure Begleiterin, oder, besser gesagt, Nicht-Begleiterin."

Ein verschmitztes Lächeln begleitet diese Worte, das aber sogleich wieder einem ernsteren Gesichtsausdruck weicht, als der Blick des Kapitäns auf den Vogel fällt, den die Frau da bei sich trägt.

"Seid Ihr Euch sicher, dass es für den Vogel gut ist, auf einem Schiff zu reisen? Solange er den anderen Fahrgästen nichts tut und niemanden belästigt, soll mir das egal sein, aber bedenkt bitte, dass wir nicht umdrehen oder anlegen können, falls es ihm in Ufernähe einfällt, einfach davonzufliegen."

Während dieser Worte gehen Jergan einige andere Gedanken über Frauen mit Raben durch den Kopf, doch diese bleiben auch dort und damit unausgesprochen.



Mit einem leichten Kopfschütteln versucht Amalthea, die Sorgen des Kapitäns über ihren 'Begleiter' zu zerstreuen:

"Macht Euch darüber keine Sorgen. Er ist völlig zahm."

'... hoffe ich zumindest!'

Wie um den Beweis ihrer Aussage anzutreten setzt sie den Raben auf ihre linke Schulter um. Mit der nun frei gewordenen rechten Hand kramt sie ein Weilchen in den Taschen ihrer Robe. Wo war denn nur der Geldbeutel??? Eine Rabenfeder... nein, war wohl doch die andere Tasche...

Mit einem Lächeln holt sie einige Geldstücke aus dem kleinen Lederbeutelchen hervor:

"Fünfzehn Silber, sagtet Ihr?"



"Ja, fünfzehn Silber bis nach Grangor", bestätigt der Kapitän der NORDSTERN. Sein Blick verharrt dabei noch kurz bei dem Vogel, doch das, was Amalthea sagt, scheint zu stimmen, sie hat das Tier voll unter Kontrolle.

Kurz schaut er auch wieder in Richtung des restlichen Decks, wo ein Matrose, wie es beim flüchtigen Hinschauen aussieht, eifrig beschäftigt ist, und ansonsten im Grunde nichts los ist, wie auch die letzten Stunden schon.



'Mist! Das kann ja heiter werden. Aber was viel billigeres werde ich auf die Schnelle wohl kaum finden.'

"Nun, dann habe ich ja wohl keine große Auswahl. Ich nehme einen Platz auf dem Ladedeck."

Sie lächelt schüchtern.

"Gepäck habe ich praktisch keines. Sagt, wer ist denn der andere Passagier?"

'Oh, bitte kein stinkender Bauer! Fällt ihr eigentlich auf, dass ich trotzdem mein Reiseziel nicht geändert habe? Wenn ich zwischendurch etwas Geld verdienen kann, dann kann ich eigentlich hin, wo immer ich will. Bis nach Brabak, wenn es sein muss.'



Das Gespräch über den Raben tangiert Shuhelia höchstens Peripher. Das schwarze vieh ist ihr nciht ganz geheuer, aber da sie sowieso einen anderen Schlafplatz hat, ist das wohl keines ihrer größeren Probleme.

'Eine Frau! Na, das ist ja schon mal etwas.'

Weil sie nichts besseres zu tun hat, schaut sie auf dem Oberdeck umher, um - nun ja - sich umzuschauen.



Es geht ans Bezahlen! Innerlich seufzend kramt Shuhelia in ihrem Ärmel, wo direkt unterm Ellenbogen der Geldbeutel befestigt ist. Tatsächlich fördert sie einen mittelreichischen Dukaten zu Tage.

"Könntet ihr mir bitte wechseln?"



Jergan nimmt den Dukaten entgegen, den Shuhelia ihm reicht, und nickt.

"Selbstverständlich!"

Aus einem kleinen Beutel, den er eigens für diesen Zweck dabei hat, holt er drei Silber hervor. Es ist nämlich alles andere als selten, dass Fahrgäste die zum Teil recht hohen Summen für die Mitfahrt nicht passend bezahlen können, und es gehört, so sieht der Kapitän das, einfach zum guten Ton, an der Stelle nicht extra in die Kabine zu müssen, um das Wechselgeld zu holen. Und so hat er den entsprechenden Vorrat an Silbern und Kreuzern stets bei sich, wenn das Schiff im Hafen liegt und damit zu rechnen ist, dass solches benötigt wird.

"Bitte sehr."

Mit diesen Worten reicht der Kapitän der Frau das Wechselgeld, und wendet den Blick dann wieder Amalthea zu.



Inzwischen hat auch die Magierin den passenden Betrag zusammen geklaubt und reicht dem Kapitän mit einem Lächeln einen Dukaten und fünf Silber:

"Hier, bitte sehr!"

Das lauft ja wunderbar... anscheinend haben sich sogar die Sorgen des Kapitäns über den Raben zerstreut.

'Jetzt muß ich nur noch meine Sachen aus der Taverne abholen. Aber ich glaube, er wollte uns noch das Schiff zeigen?'

Also blickt Amalthea weiterhin lächelnd zum Kapitän hinüber.



Auch das Geld der Magierin nimmt der Kapitän in Empfang.

"Habt vielen Dank, damit wäre dieser Aspekt Euer Reise ja geklärt. Möchtet Ihr die Kabinen erst einmal sehen, oder gleich Eure Sachen dorthin tragen lassen?"

Er sieht dabei kurz an den beiden vorbei in Richtung Kai, ob dort etwas herumsteht, das zu den Mitbringseln der Frauen gehören könnte.



Es dauert nicht einmal annähernd so lange, die drei Silber im Ärmel verschwinden zu lassen, wie es gebraucht hat um den Dukaten hervorholen zu lassen.

'Jetzt bin ich arm wie eine Tempelmaus! Das muss sich doch wieder rein bringen lassen! Diebstahl per VOCOLIMBO ist auf keinen Fall eine schlechte Idee, es war nur etwas ungeplant und als dann dieser gaffende Hausknecht ohne anzuklopfen ins Zimmer kam, und obwohl er nichts kapiert hat, spontan auf Magie (korrekt) und Frevel (vielleicht an PRAios, aber dafür Dienst an PHEx) schloß und ich deswegen türmen und den so mühsam erbeuteten Geldbeutel auf der Straße liegen lassen musste... Vielleicht ergeben sich auch noch andere Möglichkeiten. Eine Vorstellung auf hoher See?'



"Oh, mein Gepäck befindet sich noch immer in der Taverne, in der ich nächtigte... ich hätte nicht geahnt, daß ich mit meiner Suche nach einem Schiff gleich so viel Glück habe!"

'... anscheinend ist Phex heute mit mir. Und nicht nur mit dem Schiff.'

Noch immer lächelnd spricht sie weiter:

"Wenn nichts dagegen einzuwenden ist," ein kurzer Blick wandert hinüber zu Shuhelia, "würde ich gerne erst einmal die Kabine sehen, bevor ich mein Gepäck von dort hole."



"Das ist kein Problem", erwidert der Kapitän, "wenn Ihr wollt, kann ich Euch auch einen Matrosen mitschicken, der Euch hilft, das Gepäck nach hier zu tragen, wenn Ihr Euch damit nicht belasten möchtet."

Er sieht sich kurz um, und überlegt zugleich, denn so gerne er jetzt selbst nach unten gehen würde, so ist seine Wache noch nicht beendet, und ungeachtet der Tatsache, dass es niemanden geben würde, der ihm Vorwürfe machen würde, so steht er stets zu seinen Pflichten.

'Gut, NIEMAND stimmt so nicht ganz...'

Er wendet sich schließlich wieder den beiden Frauen zu.

"Ihr müsst aber verzeihen, dass ich einen Matrosen damit beauftrage, Euch Eure Kabinen zu zeigen, denn ich habe im Moment Wache hier auf dem Oberdeck - es ist ja im Interesse aller, dass niemand einfach so und ungefragt auf das Schiff kommen kann. Von daher muss ich jetzt hier oben bleiben, aber Angar wird Euch die Kabinen ebenso gut zeigen, wie ich das tun würde."

'Hoffe ich zumindest!'

"Angar, komm mal her!" ruft der Kapitän darum auch gleich in die Richtung des Matrosen, der da auf dem Oberdeck beschäftigt ist.



NORDSTERN - Oberdeck: In der Pflicht - Angar, Almathea und Jergan


Als der Kapitän ihn direkt anspricht ist es natürlich vorbei, mit der Planung, bei hinzutreten des Kapitäns ein wenig gründlicher Arbeit vorzutäuschen. ´Mist ...´ fast ein wenig erschrocken läßt Angar das Seilende fallen und geht einen Schritt auf Jergan zu.

"Jawohl, hier bün ick", es klingt jedoch weniger nach einer Wehrheimer Dienstantrittsmeldung, sondern mehr nach einer, fast schon ein wenig resignierten, Feststellung eines Mannes, der jetzt viel lieber in einer Taverne oder einfach in seiner Koje wäre.



Angesichts des Arbeitsansturmes geht der Kapitän mit keinem einzigen Wort auf die Laune des Matrosen ein, vermutlich nimmt er sie nicht einmal wahr.

"Angar, zeig den beiden Damen die Gemeinschaftskabine und den Laderaum vier. Die Kabine sollte unverschlossen sein, im Laderaum sind bislang ja erst die Sachen der Frau Bera, da ist also noch genug Platz. Alles klar?"

Jergan Efferdstreu verzichtet absichtlich auf Ermahnungen, freundlich zu den Fahrgästen zu sein, denn zum einen ist das absolut selbstverständlich, und zum anderen wäre es in Gegenwart selbiger Fahrgäste auch ziemlich unhöflich.



"Ich danke Euch. Hilfe werde ich wohl keine Benötigen, es ist wirklich nicht viel Gepäck."

Außerdem will sie niemanden unnötig belasten... es sieht ja so aus, als hätten sie im Moment wirklich genug zu tun. Also nickt Amalthea dem Kapitän noch eimal freundlich zu und tritt einen Schritt zur Seite, auf den Matrosen zu, der sie wohl nun zur Kabine führen wird.



IN HAVENA - Vor dem Tempel der TSA: Die Fremde - Jandara


Jandara marschiert nicht direkt zum EFFerd-Tempel. So interessant eine heilige Miesmuschel auch sein mag, das schöne Wetter läd einfach zu einem Spaziergang ein.

Schließlich landet sie in Fischerort. Einem ihr noch unbekannten Stadtteil. Interessiert mustert sie die Fassaden der Häuser, die meist wettergegerbten Gesichter der Menschen und die spielenden Kinder, die wie sie lächelnd feststellt, immer noch die gleichen Spiele spielen, wie sie damals...

Doch dann fällt ihr etwas ins Auge, das sie heute schon einmal gesehen hat. Ein Schal, locker um den Hals einer schwarzhaarigen Frau gebunden. Bei genauerer Betrachtung der Umgebung stellt Jandara fest, dass sie sich vor dem TSA-Tempel befindet.

Die Frau macht einen erschöpften geistesabwesenden Eindruck. Gedankenverloren streichen ihre Finger durch das Gras.

Lautlos tritt Jandara näher.



Zumindest schickt Widirza sich an, über den windigen Grat zum Fischerort zu gehen. Doch kaum dass sie sich umgewandt hat, steht diese rothaarige Frau wie her gehext vor ihr.

Für einen Augenblick starrt Widirza die Frau ratlos an. Der Wind und die Sonne lassen die langen, brandroten Haare der Frau wie ein Feuer erscheinen. Widirza kann die Macht der Frau fühlen und auch wenn es ihr nun nicht mehr danach hungert ist es ein angenehmes Gefühl.

Kurz betrachtet Widirza die Kleidung der Frau die sie schon mehrmals beinahe umgerannt hatte. Weder die dunkelbraune Bärenfellweste, die sicher schon einige Sommer auf dem Buckel hat, noch die restliche Kleidung ist besonders auffällig.

'Die Kleidung einer Bauersfrau... und dafür soll man sie auch halten.'

Doch Widirza kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Dieser Frau wohnt die Kraft inne.

'Sie ist gar nicht so klein wie ich erst dachte.'

Dann jedoch blinzelt Widirza kurz und ein freundliches Lächeln schiebt sich auf ihre blassroten Lippen.

"Ein schöner Tag, nicht wahr?" sind die tiefen und leicht kratzigen Worte, die der Rothaarigen freundlich entgegen wehen.



Jandara versucht zu erforschen, was hinter den schwarzen Augen vorgeht. Sie weiß, dass es kein Zufall ist, begegnet man einem fremden Menschen gleich zweimal.

So ignoriert sie die Frage nach dem Wetter.

"Sagt, kennen wir uns vielleicht?"



"Es ist sicher kein Zufall, dass ihr mich beinahe zweimal über den Weg gerannt habt." entgegnet Widirza noch immer freundlich. "Aber wenn ihr euch in den Gassen besser auskennen würdet, wüßtet ihr, welche Gasse blind endet. Gehabt Euch wohl."

Mit diesen Worten schiebt sich Widirza an der Rothaarigen vorbei und geht auf die Häuser des Fischerortes zu.

'Eine Bauersfrau ist DIE gewiß nicht - zu forsch; das Mundwerk zu spitz.'

Doch das sind nicht die einzigen Gedanken, die den Weg in Widirzas Kopf finden. Während sie betont langsam auf die entfernten Häuser zusteuert, sucht sie bereits wieder nach einem Weg, wie sie an die versunkenen Fragmente ihres Geistes kommen könnte.

'War es klug, sie so zu reizen?'



Äußerlich bleibt Jandaras Gesicht unbewegt, innerlich jedoch lächelt sie.

"Nun, wenn ich wie auf der Flucht umher gerannt bin, dann ist es ein noch seltsamerer Zufall, dass ich Euch dabei gleich zweimal begegnet bin."

Jandara hat das seltsame Gefühl der Bedrohung, was von dieser harmlosen Frau, bei ihrem ersten Aufeinandertreffen ausging nicht vergessen. Noch dazu... was hatte sie eben gesagt? Zweimal? Also wirklich! Tatsächlich kann sie sich nur an einmal erinnern, oder?

"Aber Ihr habt Recht, der heutige Tag lädt wirklich dazu ein, die Ruhe und das Wetter zu genießen. Gehabt Euch wohl!"

Einer plötzlichen Eingebung folgend, verabschiedet sie sich.

'Mal schauen, wie die Gute reagiert.'



"Nein, ich denke nicht, dass wir uns kennen. Aber ich frage mich, weshalb eine Bauersfrau wie ihr so durch die Gassen rennt. Ihr habt mich vorhin beinahe umgerannt. Zweimal!" stellt Widirza ruhig und mit freundlicher Stimme fest.

"Ihr werdet doch nicht etwa gesucht? Habt ihr womöglich etwas ausgefressen, dass ihr so gerannt seid?"

Noch immer ist Widirzas Stimme freundlich und sie lächelt bei den Worten.

"Aber was sage ich da?" Widirza lacht kurz kehlig auf und streicht lässig durch ihre Haare. "Es geht mich nichts an warum ihr durch die Gassen eilt. Sicherlich wolltet ihr wie ich auch nur die Ruhe hier genießen."

Die Ruhe, die Widirza anspricht, ist erfüllt vom Kreischen der Möwen und den wiederkehrenden Rauschen des Meeres.



Verwirrt blickt Jandara der schwarzhaarigen nach.

'Unverschämtheit! Die klaut mir doch glatt meinen Abgang!'

Es ist schon sonderbar, die junge Frau spürt, dass mit der anderen etwas nicht stimmt. Sie ist so in sich gekehrt, stark mit sich selbst beschäftigt.

'Ob ich es wohl wagen kann? Nur ein klitzekleiner Blick vielleicht?'

Jandara ist hin- und hergerissen. Gleich ist die andere verschwunden. Wenn, dann muss sie jetzt handeln, sofort. Sie atmet tief durch, spürt wie sich ihre inneren Kräfte zu einem Ganzen fügen.

"Wartet, eine Frage habe ich noch!" ruft sie der Frau mit dem weißen Schal hinterher.



Doch schon nach einigen Schritten schert Widirza sich nicht mehr um die Rothaarige in ihrem Rücken. Ihre Gedanken kreisen um die letzte Nacht. Irgendwie musste sie an diese Erinnerungen kommen, auch wenn das bedeutete, dass sie die wichtigen Daten der letzten Monate noch einmal durchgehen musste.

Monatelang hatte sie nach Möglichkeiten gesucht, wie sie die schwarze Frau aufspüren konnte. Nachts war sie oft genug ins Stadtarchiv eingedrungen um Karten der Stadt durchzusehen. Daran kann sie sich gut erinnern. Es war der 14. Efferd gewesen, als sie endlich auf die Lösung gestoßen war.


***


Widirza saß vor einigen ausgebreiteten Karten. Längst waren die Lichter der Stadt gelöscht und nur der fahle Schein des Mondes und das leicht flackernde Licht der einzelnen Kerze erhellten den Raum.

Das Pergament der ersten Karte war schon sehr alt und an einigen Stellen ausgebleicht oder sogar aufgerissen. Aber die Stadt Havena, wie sie vor der großen Flut ausgesehen haben musste, war noch immer darauf zu erkennen.

Die zweite, deutlich kleinere und neuere Karte, zeigte das Havena, wie es heute existierte. Die Farben auf der Karte Karte waren im Gegensatz zu der größeren Karte noch sehr frisch und Widirza konnte die einzelnen Farben fast heraus riechen.

Doch neben diesen beiden Stadtkarten lag eine Dritte. Diese zeigte keine Gebäude, keine Gärten oder Flüsse. Beinahe drei Monate hatte Widirza gebraucht, um diese Karte anzufertigen.

Sicher, für den Unwissenden waren diese Linien, Wellen, Kreise und Punkte nur ein einziges Gewirr schwarzer Farbe. Doch diese Karte war der Schlüssel, denn die scheinbar wirren Kreise und Wellen zeigten den ungefähren Verlauf der magischen Kraftlinien an.

Noch wichtiger aber als die schwarzen Linien waren die roten und blauen Kreise. Diese zeigten an, wo sich Saravhae mit einem ihrer Opfer getroffen hatte und wo dieses Opfer schlussendlich gefunden wurde.

Und genau diese roten und blauen Kreise befanden sich, bis auf drei, von denen Widirza ausging, dass es sich um dumme Aufschneider handelte, die nur Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollten, auf Stellen, an denen mehrere der magischen Kraftlinien entlang oder gar hindurch liefen - magische Punkte also!

Fünf Monate, drei Wochen und einen Tag hatte Widirza an der Lösung dieses Rätsels gebrütet. Nicht einmal der Mechanikus Leonardo hätte mit seinem brillianten Hirn dieses Rätsel lösen können - wie sollte er auch!

Doch in Widirza keimte keine Freude auf, noch war sie Saravhae nur um einen kleinen Schritt nähergekommen. Viel wichtiger war es, herauszufinden, an welchen Stellen Saravhae wieder auftauchen konnte und welche der dafür am Besten geeignetste war. Aber für heute war es zu spät, die Praiosscheibe kroch schon langsam hinter dem Horizont hervor und Widirza wollte nicht erklären müssen, was sie des Nachts im Stadtarchiv verloren hatte.


***


Plötzlich spürt Widirza etwas in ihrem Rücken doch der Ruf der Rothaarigen lenkt sie ab.

'Eine Frage?! So? Was will sie denn jetzt noch, dieses Frauenzimmer?'

Doch Widirza will auf keinen Fall auffallen und so wendet sie sich verhalten lächelnd um.

'Welche?' möchte sie fast rufen, doch das wäre nicht gerade nett. Und Widirza ist ja nett und so entgegnet sie nur:

"Ja, bitte?"



Die leicht gelangweilte Reaktion der anderen schreckt Jandara nicht ab. Noch immer spürt sie, wie sich die Kraft in ihrem Inneren sammelt und auf den Punkt zwischen ihren feingeschwungenen Augenbrauen, genau über der Nasenwurzel konzentriert.

Sie geht einen kleinen Schritt auf die Unbekannte zu, wobei sie versucht deren Blick mit ihren Augen einzufangen.

"Es ist nur... vielleicht kennen wir uns ja doch. Ich bin schon viel gereist, verratet Ihr mir woher Ihr kommt?" säuselt sie mit einschmeichelnder Stimme.

Jetzt ist für Jandara die Spannung kaum noch zu ertragen. Schon viel zu lange hat sie die für sie so selbstverständliche Gabe unterdrückt. Natürlich, ein kleiner FLIM FLAM hier, ein praktischer OHNE SEIFE, BÜRSTE, BAD da, aber es waren immer nur Spielereien, Nebensächlichkeiten und nie etwas das Konzentration und das gewisse Können verlangte, von dem sie doch so viel besitzt.

Unmerklich hält die junge Frau den Atem an, während sie darauf wartet, dass die andere antwortet, abgelenkt wird, durch die Wahl der richtigen Worte auf die so unverfängliche Frage.

Gleich ist es soweit und die Fremde wird für Jandara sein, wie ein offenes Buch...



'Sinnloses Gerede.' denkt sich Widirza noch, als sie der einige Schritt entfernten Frau antworten will. Dann jedoch fällt ihr eine Veränderung an der Rothaarigen auf. Für einen Augenblick sieht sie auch den leichten Nebel, der sich um den Kopf der Rothaarigen bildet.

'MAGIE!' fährt es Widirza durch den Kopf und ihre dunklen Augen funkeln böse aus den Höhlen. Instinktiv versucht sich Widirza vor den Einwirkungen des Zaubers zu schützen.

Doch als sich der Nebel erst in ein gelbes, fadenartiges Geflecht und dann schließlich in geordnete, hellblaue Linien wandelt, glaubt Widirza die Verständigungsmagie der Elfen zu erkennen.

Ein leichtes, beinahe hämisches Lächeln schleicht sich auf Widirzas Gesicht.

'Meine Gedanken willst du kennen? Du wirst dich wundern, Bauersfrau.'



Jetzt ist der Moment gekommen. Jetzt wird die Schwarzhaarige nach den passenden Worten suchen.

Ein heiß-kaltes Kribbeln, wie durch millionenfache Nadelstiche erzeugt, durchläuft Jandaras Körper, angefangen bei den Fußsohlen, über die Beine hinauf zu ihrem Unterleib, durch den Brustkorb die Schultern entlang, die Arme hinab bis in die Fingerspitzen.

Kaum merklich bewegen sich ihre Lippen, um unhörbar die Formel zu flüstern, die ihr hilft die magischen Kräfte zu kanalisieren.

Jandara schirmt sich ab, lässt die Außenwelt draußen und konzentriert sich ganz auf das Gesicht, die Gedanken der Fremden.

Doch da geschieht es!

Die Augen der anderen verengen sich zu schmalen Schlitzen und Jandara spürt fast schmerzhaft, wie ihr Konzentration und Kontrolle entgleiten. Dann sieht sie nichts mehr. Kein Havena, kein Schwarz, kein Weiß...

Nichts! Wie gelähmt steckt sie in ihrem Körper, den Kopf leer wie Höhlen von Hylailos.



Doch der von der Rothaarigen gewirkte Zauber wird durch etwas abgelenkt, so dass der Zauber wohl misslingt, wenn nicht...

Ohne weiter darüber nachzudenken, greift Widirza in den Zauber der Hexe ein. Im astralen Raum lösen sich schwarze Fäden aus Widirzas Körper und schnellen auf die schwächer werdenden hellblauen Linien des Hellsichtzaubers zu.

An den Treffpunkten der beiden Zauber schlagen kleine weiße Blitze eine Verbindung, bevor sich die schwarzen Fäden in die hellblauen Linien des Hellsichtszaubers wandeln.

Dieses nur im astralen Raum erkennbare Farben- und Funkenspiel zieht die verunglückte Energie des Zaubers wieder zurück auf das ursprüngliche Ziel - zurück auf Widirza.

Als sich die hellblauen Linien schließlich doch um Widirzas Kopf legen, ist sie bereit.



Wie ein Schleier hebt sich das Nichts, dass nicht einmal einen Atemzug lang über Jandaras Sinnen lag.

Trotz des beinahe schiefgegangenen Zaubers kann sie die Gedanken der Schwarzhaarigen erkennen als würde sie ihre eigene Handschrift lesen. Wie von einer unsichtbaren Feder wird die dünne, schwarze Tinte auf das rissige Pergament übertragen. So entstehen aus den einzelnen Buchstaben Worte und Sätze auf dem schwarzumrahmten Pergament, die Jandara lesen kann.

...Ihr seid in den Gassen Havenas zweimal an mir vorbei gerannt...

steht in kleiner Schrift darauf geschrieben, so dass sich Jandara bemühen muss, die Zeichen zu lesen. Ihr fällt auf, dass sich unter dem rissigen Pergament noch ein weiteres befinden muss. Und dessen verschnörkelte, farbenfrohe Schrift zeigt ein einzelnes Wort: Beadorn.

...zweimal hättet ihr mich beinahe erwischt...

kritzelt die unsichtbare Feder weiter schwarze Zeichen auf das rissige Pergament.

...doch euer Zauber hat euch enttarnt...

Das nächste Wort dafür ist um so größer und deutlicher zu erkennen! In dicken schwarzen Lettern wirken die folgenden Buchstaben wie eingebrannt auf dem Pergament.

...HEXE!...



Als sich die hellblauen Kraftlinien des Zauber wieder von Widirzas Kopf lösen, ist das hämische Lächeln auf ihrem Gesicht noch ein kleines Stück breiter. Die Hände in die Hüften gestemmt blickt sie starr auf die Rothaarige.

Der vom Meer her kommende Wind lässt ihre tiefschwarzen Haare noch immer leicht wehen und auch das weisse Dreieckstuch hebt und senkt sich unregelmässig.

'Was jetzt?' fragt sich Widirza und das Lächeln auf ihrem Gesicht erstirbt. 'Was mache ich jetzt mit dir?'

Langsam schreitet sie auf die Hexe zu. Dann ruft sie der rothaarigen Hexe etwas entgegen:

"Ich habe euch nicht ganz verstanden. Was wolltet ihr noch wissen?"



Noch überrumpelt von dem ungewöhnlichen Einblick in die Gedanken der Fremden, versucht Jandara zurück in die Wirklichkeit zu finden.

Was nun?

Ihr erster Impuls ist es, der anderen ins Gesicht zu springen. Dumpfe Wut, so glühend wie heiße Lava, kocht in ihr hoch. Sie fühlt sich ziemlich gedemütigt, nicht zum ersten mal an diesem Tag. Jetzt reicht es ihr. Aber sie hält sich zurück.

Sie geht ebenfalls ein paar Schritte auf die andere zu.

"Ihr hört wohl schlecht?" fragt sie so gelassen wie möglich.



'Ob ich WAS? Schlecht höre? ICH?' Für den Bruchteil eines Augenblicks gleichen Widirzas Augen nur noch dunklen Schlitzen in ihrem hellen Gesicht.

Bis vor kurzem war die rothaarige Frau für sie nicht mehr als ein lästiges Insekt. Nun aber sieht Widirza das ein klein wenig anders. Noch immer ist die Hexe nur ein lästiges, kleines Insekt. Doch dieses Insekt hat sie gestochen - sie verletzt!

'Was fällt diesem Luder ein, mich zu verhöhnen?' kochen die Gedanken in Widirza. Der Wind lässt ihre schwarze Tunika um ihre weißen Knöchel flattern, doch Widirza blinzelt nicht einmal. Dieses Luder hat es zu weit getrieben. Jeder ihrer langsamen Schritte bringt sie näher an die Rothaarige heran - näher an eine Entscheidung.

Tief atmet Widirza ein und folgt damit einem sehr alten, menschlichen Reiz. Noch immer sind ihre Arme in die Hüften gestemmt.

Kaum einen Schritt vor der Rothaarigen bleibt Widirza stehen und zerreißt endgültig den Schleier der Freundlichkeit.

"DU..." wirft Widirza Jandara fauchend entgegen. "...HEXE!"



'Pah, mehr fällt ihr wohl nicht ein?'

Doch sicherheitshalber wirft Jandara einen kurzen Blick auf eventuell umstehende Personen. Noch scheint niemand hier von den zankenden Frauen Notiz zu nehmen. Dadurch ermutigt legt sie noch einmal nach.

"Und wenn ich eine Hexe wäre, immer noch besser als eine billige Jahrmarkts-Scharlatanin zu sein. Ihr kennt doch nur miese Taschenspieler-Tricks, die vielleicht gerade einmal dazu reichen kleine Kinder zu erschrecken."

Triumphierend wirft sie mit einer gewollt lässigen Geste ihr flammendes Haar zurück.



'Eine Jahrmarkts... OHHHHHHH!! So eine Unverschämtheit!!! ICH könnte dich mit einem einzigen Gedanken nach Alveran und weit darüber hinaus pusten!'

Tief in Widirza schiessen die Gedanken wild umher.

'Mach sie fertig, die wird noch sehen, mit wem sie sich da angelegt hat! Lass sie deine Macht spüren! '

Widirzas Hand zuckt. Am liebsten würde sie der rothaarigen Hexe die Hand quer durchs Gesicht ziehen. Doch leise knurrend unterdrückt sie diesen so wohltuenden menschlichen Reflex. Nur ihre Hände stemmen sich noch ein Stück tiefer in die Hüften verbissen starrt sie die Hexe an.

So verstreichen einige Sekunden und nur das heisere Krächzen der fernen Möwen durchbricht das leise Rauschen des Windes auf dem schmalen Weg zwischen dem blühenden TSAtempel und den ärmlichen Häuser des nahen Fischerortes. Stolz blickt ihr die Rothaarige entgegen - stolz und ein bisschen überheblich. Doch auch diese Haltung mag nicht darüber hinweg täuschen, dass Jandara vor nicht ganz einer Minute dem Tod näher war als dem Leben.

"Ja..." antwortet Widirza nickend und ihre Stimme ist nun wieder tief und rauh. Doch ihre Antwort besitzt einen süßlichen Unterton, der nicht verschweigt, was Widirza wirklich denkt. Denn innerlich ist sie noch immer aufgewühlt und diese Hexe hat mehr Emotionen in ihr ausgelöst als so mancher Kampf gegen die die Schergen des Dämonenmeisters. Doch tief in ihrem Inneren genießt Widirza dieses sehr seltene Gefühl. "...da habt ihr sicher recht. Ich bin wirklich nicht mehr als eine kleine Taschenspielerin."

Sie blinzelt zweimal kurz mit den Augen, dann fährt sie fort.

"Wisst ihr, vielleicht hätte ich unbedeutende Person euch Bauersfrau eueren Zauber selbst wirken lassen sollen. Doch vielleicht wärt ihr dann jetzt nicht mehr als seelenloses Stück Fleisch, deren kleine Seele für immer durch die Unterstadt von Havena geistert.

Aber ihr habt mich neugierig gemacht. Und ich frage mich, welche 'Bauersfrau' würde sich gegen geltendes Recht auflehnen und ihre astralen Fähigkeiten am Rande der gefährlichen Unterstadt einsetzen? Ich sage es euch. Nur eine sehr unvorsichtige oder eine sehr mächtige 'Bauersfrau' würde das tun!"

Wie Widirza die Rothaarige einschätzt, verraten jedoch weder ihre dunklen Augen noch der Tonfall ihrer Stimme.



Sie hat daran gedacht mich zu töten... Nein, sie ist mit Sicherheit keine Schwester.'

Sie hatte es so sehr gehofft, es gab nichts Schöneres, als sich mit einer Schwester Satuarias in die Haare zu bekommen und sich ausgiebig zu beschimpfen. Doch diese hier ist anders. Ganz und gar anders. Wieder weht der Hauch von Gefahr über Jandara hinweg, fast wie eine unausgesprochene Warnung. Die letzten Worte der Schwarzhaarigen hallen noch in ihr nach.

'Du hast jetzt die Wahl,' denkt sie bei sich, 'Bauersfrau oder...?'

Ach, wenn sie doch nicht so neugierig wäre! Im Moment würde Jandara ihre Seele einem Gehörnten verschreiben, nur um herauszubekommen, wer die andere wirklich ist. Da aber, den Göttern sein Dank, gerade kein Gehörnter anwesend ist, bleibt es ihr allein überlassen das herauszufinden. Jandara wirft den Kopf in den Nacken und lacht lauthals. Dann wischt sie sich die Tränen aus den Augen und streckt der anderen die Hand hin.

"Bitte verzeiht, mein Name ist Jandara, ich komme aus Weiden. Oh wahrhaftig, ich soll eine Bauersfrau sein? Das gefällt mir, das gefällt mir sogar ausgesprochen gut. Ihr habt ein scharfes Auge und ungewöhnlich wache Sinne."

Bei dem letzten Satz nickt sie der anderen ehrlich anerkennend zu.

"Wenn Ihr mir nicht allzu böse seid, würde ich gerne mit Euch weiter plaudern. Aber nicht an diesem Ort. Wie wäre es, wenn ich Euch einlade, auf ein Glas Wein in einer Taverne?"



'Sie blickt dem Tod ins Auge und lacht.'

Auch wenn Widirza dies nur widerwillig zugeben würde, so sieht sie in Jandara schon jetzt nicht nur mehr eine Frau die wie sie ihre wahren Kräfte verbergen muss, sondern vielmehr sieht sie in der rothaarigen Hexe eine Freundin, der sie ihr Leben oder Wertvolleres anvertrauen würde.

Aus eben diesem Grund ergreift Widirza die ihr angebotene Hand ohne zu zögern. Das dabei durch die astralen Ströme entstehende Kribbeln auf der Haut versucht sie nicht einmal zu unterdrücken.

"Ihr seid sehr mutig, Jandara. Das gefällt mir. Ihr habt mich wahrlich neugierig auf euch gemacht."

Die rauhen Worte kommen aus Widirzas Innerstem und spiegeln genau das wieder, was sie über die Rothaarige denkt.

"Im Fischerdorf habe ich das Schild einer Taverne gesehen. Um diese Tageszeit dürften sich noch nicht besonders viele Gäste dort aufhalten. Und wir haben wahrhaftig viel zu bereden."

Ein schmales Lächeln schleicht sich auf ihre blassroten Lippen und als eines der wenigen Lächeln der letzten Jahre ist dieses Lächeln nicht gespielt oder mit Häme beladen.

"Du kannst mich Widirza nennen."

'Vielleicht war es nicht Saravhae, die ich hier gesucht habe, sondern eben diese Frau.' überlegt Widirza, als sie die Hand der Frau wieder freigibt.



"Sehr erfreut Widirza."

Noch einmal deutet Jandara eine knappe Verbeugung an und lächelt erleichtert, wobei sie innerlich ihre Neugier verflucht. Aber was solls? Es ist ja wieder einmal gut gegangen.

So hakt sie sich munter bei Widirza ein.

"Dann lass uns mal zu dieser Taverne gehen."



Noch einige Sekunden gelingt es Widirza, das schmale Lächeln auf ihren Lippen zu belassen bevor es versiegt und ihre blassen Gesichtszüge wieder ernster werden.

Als sich jedoch Jandara bei ihr einhakt, reisst sie teils vor Verwunderung teils vor Verwirrung die Augen weit auf.

'Alsosowasdasgibtsdochnicht...' empört sie sich in Gedanken. Dann jedoch spürt sie, wie ihr Körper erneut die astrale Verbindung zu der Rothaarigen sucht und findet.

Das verwobene, fadenartiges Geflecht der satuarischen Magie ist erstaunlich angenehm und weitaus 'weicher' als die klar strukturierten geometrischen Formen der Gildenmagier.

Dieses Gefühl der angenehmen, weichen Wärme wird zwar von dem für Menschen längst nicht mehr spürbaren Geruch von Blut aus der Bärenfellweste getrübt, doch selbst dieser Geruch ändert nichts daran, dass Widirza den Hauch eines Gefühles erhascht - sie fühlt sich für den Augenblick gut.

Und da dieser Augenblick mehr ist, als alles, was sie in den letzten Jahren hatte, lässt Widirza die Hexe gewähren.

"Gut, dann komm." antwortet sie gewohnt rauh und knapp.



'Diese Frau ist wirklich sehr sonderbar.' denkt Jandara. 'Erst läuft sie mir ständig über den Weg, dann drückt sie sich, darauf angesprochen, in unverständlichen Rätseln aus, lässt einen Hellsichtzauber kalt an sich abprallen und wandelt ihn in eine Drohung um, um dann zu guter Letzt, mit mir einen Becher Wein trinken zu gehen. Wobei... sie scheint mir immer noch ziemlich spröde.'

Und so beginnt Jandara während sie so dahin marschieren los zu plappern um die Stimmung ein wenig aufzulockern:

"Weisst du, das ist so ziemlich einer der seltsamsten Tage, die ich jemals erlebt habe. Und ich habe schon so einige seltsame Tage erlebt, das kannst du mir glauben. Im Grunde fing alles damit an, dass ich mit einer Gruppe wildfremder Leute zum Immanstadion gegangen bin. Ich und ein Imman-Spiel, also wirklich! Tja und dann hat mir der Zwerg meine Tasche mit dem Geld heruntergerissen..."

Abrupt hält sie inne, wobei auch Widirza stehen bleiben muss, da Jandara immer noch an ihrem Arm hängt.

Die Hexe wird urplötzlich blass. Wie ein heißer Blitz fährt ihr die erschreckende Erkenntnis durch die Glieder, dass sie, dank dem Zwerg, mit Sicherheit nicht genug Taler hat, um ihre neue Freundin in eine Taverne einzuladen.

'Dieser .... - Zwerg! Warte Bürschchen, wenn ich dich in die Finger kriege! Was mach ich denn jetzt bloß?'



Kaum dass die beiden so unterschiedlichen Frauen die schmalen und schlecht gepflasterten Gassen des Fischerortes erreicht haben, beginnt die Hexe schon wieder fröhlich vor sich hin zu plappern.

'Was weisst du schon über seltsame Tage...' denkt sich Widirza noch während der Ausführungen ihrer Gefährtin und ihre Gedanken beginnen gerade abzuschweifen als diese plötzlich und aprupt stehenbleibt. Auch Widirza bleibt von dieser Aktion nicht verschont und so muss auch sie stoppen.

"Hey!" entfährt es Widirza mehr empört denn böse. Doch das plötzlich bleiche Gesicht der Rothaarigen lässt sie wieder ruhiger werden. Ein sehr altes Gefühl der Sorge keimt in ihr auf.

"Nur weil dir ein Zwerg dein Geld klaut, brauchst du doch mich nicht gleich so zu zerren." fährt sie fort. "Ich kann dir das Geld ausgeben und du gibst es mir wieder, wenn du wieder welches hast."



Jandaras Groll gegen den allzu tolpatschigen Zwerg wird zwar durch diese Fast-Einladung nicht weniger, doch hebt sie ihre Stimmung für diesen Moment ein wenig.

"Gerne!" entfährt es der Rothaarigen erfreut und schon blickt sie sich rasch um.

Hatte sie vorhin, als sie hier entlang gegangen ist, nicht irgendwo eine Taverne gesehen? Nur ein paar Häuserecken weiter, kann Jandara tatsächlich ein Schild an einem niedrigen Fachwerkhaus entdecken. Es zeigt einen dicken Fisch, der leicht ungelenk drauf gemalt wurde und darunter steht, in einfachen Lettern und etwas schief, "Zum fetten Schellfisch".

'Na ja, besser als nichts.'

"Na? Wie wäre es mit einem abgefüllten Fisch?" fragt sie die Schwarzhaarige an ihrer Seite und grinst sie an.



Beinahe wäre Widirza dem Reflex erlegen und hätte vor Verwunderung den Kopf geschüttelt. Zu schnell und knapp kam ihr die Antwort der Rothaarigen vor.

Noch vor einigen Minuten war Jandara für sie nicht wichtiger als die anderen Menschen. Und genau das wollte sie ihr auch mit der Heilung und Umkehr des Hellsichtzaubers zeigen. Doch die Hexe hatte sich nicht beeindruckt gezeigt, nicht einmal mit einer Wimper gezuckt! Und nun dies.

'Wie kann sie nur so schnell zustimmen? Sie kennt mich doch überhaupt nicht?!'

Aber es ist ihr recht und so nickt sie Jandara langsam zu.

"Gut, lass uns gehen." sagt sie bedächtig. "Aber vergiss nicht, du schuldest Widirza dann etwas!"



Jandara blickt Widirza noch kurz etwas unschlüssig an. Diese schwarzgekleidete Frau ist wirklich sehr seltsam. Aber vielleicht kriegt sie in der Taverne mehr über sie heraus. Allein ihr Aussehen ist rätselhaft - eine Borongeweihte vielleicht auf den ersten Blick, wäre da nicht das weiße Tuch. Und dann dieses Fähigkeit, die sie eben wirkungsvoll demonstriert hatte...

Wie auch immer - Jandara ist neugierig auf diese Person geworden und bei etwas Wein wird die Zunge Widirzas wohl hoffentlich etwas lockerer werden!

Zielstrebig gehen die beiden Frauen auf die kleine Taverne an einigen mehr oder weniger schmucken Häuschen vorbei. Überall riecht es hier im Fischerdorf unverkennbar nach Fisch und über den Köpfen der Menschen, die sich im Moment auf der Strasse befinden, fliegen laut kreischend Möwen, die nach ein paar Fischhappen suchen, die Fischer entweder aus ihren Netzen beim Reinigen geworfen haben oder die vielleicht von einem Karren gefallen sind.

Jandaras Gedanken gehen wieder zu Zach, doch dort verweilen sie nicht allzu lang, denn ehe sie sich versieht, steht sie auch schon vor dem niedrigen Eingang des Gasthauses. Sie öffnet die Tür, deren Scharniere auffällig laut knarren und geht hinein.

Für einen Moment bleibt sie stehen. Ein Schwall von Tabakrauch,der Geruch von Fischsuppe und Hochprozentigem schlägt ihr gnadenlos ins Gesicht. Zudem braucht sie einen Moment, um sich in dem dunklen Raum zu orientieren.

Eine einsame öllampe hängt von der Decke und durch den Fenstern, die mit einfachen Hölzläden verschlossen sind, dringt nur durch ein paar Rillen spärlich das Tageslicht.

Die Einrichtung ist einfach und grob zusammengezimmert - wahrscheinlich auch schon oft repariert! Schlichte Bänke und ebenso schlichte Tische. Am Kopfende des Gastraumes noch eine Theke, wo eine grosse, blondhaarige Frau gelangweilt sitzt und mit ein paar Würfeln spielt.

"Travia zum Grusse," ruft die Wirtin mit dunkler Stimme den beiden Frauen herüber, "setzt euch irgendwo hin! Noch habt ihr freie Auswahl."

Jandara nickt. Platz ist wirklich noch genug vorhanden. Lediglich an einem Tisch in einer Ecke sitzt ein alter Mann in ärmlicher Kleidung, der einen Bierkrug vor sich stehen hat und an einer Pfeife zieht.

Jandara wiederum geht auf einen Tisch nahe der Tür, denn dort ist wohl die Luft immer noch am besten, setzt sich und deutet auf den Platz ihr gegenüber.

"Nimm Platz, Widirza."

Kurz grübelt sie über den Namen.

'Und dieser Name... der hört sich ebenso... ungewöhnlich an!'



"Danke." entgegnet Widirza schlicht. Während des ganzen Weges hatte sie kaum mehr als ein paar Worte verloren. Auch hier in der dunklen Kneipe hatte die sie nicht vor, viele Worte zu wechseln.

Während die beiden Frauen die bestellte Fischsuppe essen, erfährt Widirza einiges von der Hexe. Unter anderem auch, dass diese Havena bald mit einem Schiff verlassen will. Und auch sie beantwortet mehr Fragen der Rothaarigen, als sie eigentlich vorgehabt hatte. Nur konnte und wollte sie Jandara nicht alles verraten - nicht jetzt!

Auch wenn Widirza mit dem Rücken in den Raum sitzt und ihr Blick sich auf eines der verschlossenen Fenster richtet, kann sie den Blick des alten Mannes doch auf sich spüren. Und auch den Blick der Wirtin spürt sie oft auf sich ruhen. Widirza saugt mehrmals prüfend die Luft der Stube ein. Doch außer dem Geruch von Fisch, Lampenöl, Alkohol, Tabak, Schweiß und altem Holz kann sie nichts riechen.

Widirza wird etwas ruhiger. Doch immer, wenn sich die Türe quietschend öffnet, zuckt sie zusammen.

'Dieser Ton! Schrecklich! Als würde ein Schwein abgestochen werden.'

Als Widirza nach etwa einer Stunde zahlt, drückt sie einen Heller mehr in die Hand der Wirtin.

"Kauft Schweineschmalz und schmiert die Tür damit. Das Geräusch, das diese Tür von sich gibt, ist wirklich schauderhaft. Aber euere Fischsuppe ist wirklich zu empfehlen."

"Danke." entgegnet die Wirtin lächelnd und entblößt dabei ihre dunklen Zähne. "Das werde ich machen, gute Frau."

Auch als Widirza in Begleitung Jandaras die Kneipe verlässt, kann sie das schreckliche Geräusch der Tür nicht verhindern. Vor der Türe erwartet der Wind die beiden Frauen schon und das Kreischen der Möwen klingt wie ein Willkommensgruß.

"Ich weiß, dass mich meine Wege eigentlich in eine andere Richtung treiben sollten, aber ich werde für eine Weile mit dir reisen, Jandara." setzt Widirza vor der Türe das Gespräch fort.



Jandara blickt Widirza kurz prüfend an. Sicher, in der kleinen Kneipe war diese soweit ganz nett, doch noch immer umgibt dieser Dunkelgekleideten eine Aura des Anderssein und auch Unnahbaren.

Aber gerade das reizt Jandara.

"Na gut, dann komm mit! Ich zeige dir die NORDSTERN. Ist, soweit ich es bisher sehen konnte, ein ganz ordentliches Schiff."

Jandara winkt Widirza zwar zu sich heran, geht aber ohne auf die andere zu warten, weiter.

'Warum will sie ausgerechnet mit mir reisen? Wir kennen uns kaum und dennoch trifft sie auf einmal diese Entscheidung! Ich muss es erfahren. Aber jetzt noch nicht.'



'NORDSTERN, so heißt dieses Schiff also.' ruft sich die Schwarzhaarige das Bild des Hafens wieder in erinnerung.

"Hauptsache der Kahn säuft uns nicht unter den Füßen ab." meint sie spöttisch und blinzelt.

"Es wäre schade, wenn dir etwas zustoßen würde. Schließlich schuldest du Widirza noch etwas!"

Mit diesen Worten hakt sie sich bei Jandara ein.



IN HAVENA - Am Rande der Stadt: Das 'Götterspiel' - Ameg


"Hallo", begrüßt der dunkelhaarige und dunkelhäutige Junge Ameg freundlich und vielleicht eine Spur zu enthusiastisch fragt er, "willste bei uns mitspielen?"

"Was spielt ihr denn?", fragt Ameg misstrauisch.

"och... ", meint der Junge, "wir bauen hier ein wenig im Sand herum, fangen kleine Fische und tun so als wären wir die Zwölf."

Dann dreht er sich zu Ameg herum und grinst ihn an, "Ich bin Praios... oder besser.. ich spiele ihn. Normalerweise heisse ich Aki."

"Meinst du nicht, dass die 12 das wütend macht?", fragt Ameg den anderen unsicher.

"Nö.. dann hätten sie doch schon nen Erwachsenen vorbei geschickt, oder nich'? Soll ich dir die anderen ..äh.. Götter... vorstellen?", fragt Aki/Praios.

Ameg nickt grinsend.

Und so gehen die beiden rüber zu den anderen Kindern die im Sand kleine Sandburgen und Wälle bauen und dort auch mehrere kleine Mini-Teiche angelegt haben in dem kleine Fische zu schwimmen scheinen. Alle Spielenden sind inzwischen beeindruckend dreckig.

"Das da ist Rondra oder Branda", sagt Aki und zeigt zu einem Mädchen die gerade mit einem kleineren Jungen meckert, dass er sie nicht immer mit Wasser vollspritzen soll und dass er nicht so viele Wellen machen soll, da dass die Wälle kaputt macht. Aki zeigt auf den Kleinen und sagt...

"und er ist ihr kleiner Bruder Tore.. er spielt Efferd."

Ameg nickt grinsend und sein Blick folgt Akis Hand als er auf den nächsten zeigt, irgendwie ein richtig typischer Thorwaler-Junge:

"Er ist Travia, weil er uns immer was zu essen mitnimmt. Sein Papi arbeitet bei 'nem Bäcker.. er heißt eigentlich Ottaran."

Ameg und Aki gehen einige Schritte weiter und bleiben neben einem Mädchen mit hellem Haar und zierlichem Körperbau stehen. Sie hat einen langen Stock in der Hand und stochert gerade damit in einem der kleinen Mini-Teiche herum.... "Na? Schon was gejagt, Zoe?", fragt Aki spöttisch.

"Nö", antwortet Zoe, "und außerdem bin ich Firun, nicht Zö..."

"und sie kann keine Tiere töten, deshalb wird sie nie etwas fangen", flüstert Aki Ameg zu. Ameg lacht, was ihm einen kalten Blick von Zoe/Firun einbringt.

"Wer ist das da hinten", fragt Ameg schnell und zeigt zu einem schwarzhaarigen Jungen, der ein ganzes Stück abseits sitzt und scheinbar sein eigenes Spiel spielt.

"och der.. keine Ahnung.. ich nenne ihn für das Spiel Boron.. ansonsten Dummkopf.. er mag uns nicht und spielt lieber alleine da hinten und drückt Regenwürmer platt. Unheimlich ist er irgendwie"

Aki dreht sich schnell um und weist mit den Finger zu einem weiteren Jungen: "Er dort wollte Phex sein.. obwohl er nicht mal wusste wie die 12 heißen... keine Ahnung wie er heißt."

Ameg ist sichtlich enttäuscht als er hört, daß schon jemand Phex hat.

"Was hast Du?", fragt ihn Aki.

"Ich wollte Phex sein...", sagt Ameg ein wenig traurig...

"och.. geh doch mal rüber und frag ihn.. vielleicht könnt ihr ja beide PHEx sein...wir spielen dann gleich, gut?"

Ameg nickt und geht zu dem Blondschopf der schon die Rolle des PHEx hat......

..... und für eine ganze Weile ist Ameg ziemlich damit beschäftigt mit den anderen Kindern zu spielen, anstatt sich Sorgen über seine Zukunft zu machen.



IN HAVENA - Am Rande der Stadt: Straßenkinder - Tara und Gial


Noch weit läuft Gial mit seiner Schwester auf dem Rücken. Das Getümmel auf dem Marktplatz lassen sie schnell hinter sich, und schon bald ist sich der Junge sicher, daß sie die Geweihte hinter sich gelassen haben, und läßt das kleine Mädchen wieder von seinem Rücken herunter.

Jetzt erst, wo ihr Bruder verschnauft uns sich von dem anstrengenden Lauf erholt, fällt ihr auf, daß sie ihren Stein nicht mehr in der Hand hält. Verzweifelt spricht sie ihren Bruder darauf an, und will am liebsten sofort wieder zurück, um nach ihm zu suchen. Doch Gial gibt trotz all ihrem Drängen nicht nach.

"Tara, wir können nicht wieder zurück. Bestimmt sind die Geweihte und der andere Mann noch da. Und vielleicht haben sie schon die Stadtwache gerufen. Wenn wir zurückgehen, um deinen Stein zu finden, werden sie bestimmt fangen."

Schmollend läuft Tara ihrem Bruder weiter hinterher. Sie nimmt sich vor, kein Wort mehr mit ihm zu reden, solange bis sie ihren Stein wieder hat. Auch als sie sich von dem Geld, daß sie beide erbeutet haben, Brot kaufen, und Tara sogar eine Zuckerstange bekommt, die sehr teuer war, läßt das Mädchen noch nicht von ihrem Vorhaben ab. Trotzig lutscht sie an der Zuckerstange und sagt kein Wort, während sie neben Gial geht, obwohl sie mittlerweile schon lange und weit genug gegangen sind, und sie kaum noch weiß, wieviel ihr der Stein bedeutet hat.

Gial weiß nicht, wie er die Laune seiner Schwester wieder verbessern kann. Gutes Zureden und Erklärungen haben nicht geholfen, und sogar die Zuckerstange hat nichts genutzt. Zumindest sind sie hier sicher. Sie sind weit aus dem Stadtinneren, wo man sie suchen könnte, entfernt. Die Füße spüren Wasser und Matsch unter sich, die gepflasterten Straße hat schon vor einiger Zeit geendet.

Die beiden Geschwister laufen schweigend weiter. Gial hat es aufgegeben, mit Tara zu reden. Sie hört ihm sowieso nicht zu, weswegen sollte er sich noch anstrengen.

Sie laufen an einigen Kindern vorbei, die in der Nähe spielen. Gial bemerkt den sehnsüchtigen Blick, den seine Schwester zu ihnen wirft. Und kurz entschlossen unternimmt er einen letzten Versuch, die Gefühle des Mädchens wieder für sich zu gewinnen.

"Tara, sollen wir mal zu denen da vorne hin, und sie fragen, ob du mitspielen kannst?"

Tara schaut ihren Bruder mit der Zuckerstange im Mund an und zuckt mit den Schultern, als ob es ihr egal wäre. Natürlich will sie mitspielen, aber sie würde es Gial jetzt nicht sagen, denn sie will ja kein Wort mehr mit ihm reden.



IN HAVENA - Am Rande der Stadt: Straßenkinder und 'Götterspiel'


Aki, oder 'Praios' wie er sich im Spiel nennt, läuft hin und her. Schaut hier und dort zu und hilft ordentlich dabei mit neue Dämme am Wasser zu bauen. Wenigstens brauchen sich die Kinder keine Sorgen mehr um ihre Kleidung zu machen (was sie ohnehin nicht gemacht haben), denn dreckiger geht es nur noch, wenn sie sich direkt in den Schlamm stürzen. Der einzigste, der noch in halbwegs sauberer Kleidung spielt ist der zuletzt hinzugekommene: Ameg. Er liefert sich gerade mit dem anderen Jungen, der den 'Phex' spielt ein kleines Duell im 'wer kann Steine weiter werfen'. Und der Gewinner darf dann 'Phex' spielen. Erstaunlicher weise werfen beide bisher immer fast gleich weit.

Aki wäscht seine sandigen und schlammigen Hände im Wasser und als er aufsteht und sich umschaut entdeckt er zwei Neu-Ankömmlinge. Ein älterer Junge und ein kleines Mädchen. Aki versucht sich an die Namen zu erinnern und es fallen ihm die Namen Gial und Tara ein. Er winkt den beiden grinsend zu und winkt dann, daß sie doch näher kommen sollen.



Gial schaut zu dem Jungen der sie bemerkt hat, irgend woher meint er ihn zu kennen.

'Ja das muß auch einer von uns Straßenkindern sein. so oft wie ich ihn schon hier gesehen hab' geht es ihm durch den Kopf.

"Schau Tara, ich glaube er lässt dich mitspielen!" meint Gial zu Tara, als er den Jungen freundlich winken sieht. Kurzer Hand legt er ein wenig den Arm um seine Schwester und schiebt sie etwas näher zu den Kindern.

"Sag mal kann mein Schwester bei euch mit spielen ?" fragt Gial einfach drauf los.



Aki grinst die beiden anderen Kinder an und nickt.

"Klar kann sie mit spielen... du auch... wenn du willst", sagt Aki und schaut Gial fragend und zugleich auffordernd an.


***


"ha!.. dat war kürzer als mein letzter Wurf!", ruft Ameg einige Schritte weiter erfreut aus als er sieht, daß dem anderen Jungen, mit dem er ein kleines Duell hat, der Wurf-Stein aus der Hand rutscht.

"jetz' bin ich Phex...", verkündet Ameg.



Mit einem schlürfenden Geräusch nimmt Tara die Zuckerstange aus ihrem Mund und schluckt das zuckerige Wasser, was sich dort vom Lutschen gebildet hat, hinunter.

Sie kennt den Jungen nicht. Aber das Spiel, welches die Kinder hier machen interessiert sie sehr.

"Was spielt ihr denn?"

Anschließend wandert die Zuckerstange zurück in den Mund, und das Mädchen schaut den Jungen vor sich neugierig an.



Aki schaut den älteren Jungen kurz unsicher an und blickt dann wieder das Mädchen an. Für einen Moment sieht es so aus als würde er ihr am liebsten die Zuckerstange klauen.

Eigentlich würde Aki sich gerne irgendwie raus reden, da er nicht weiss was der ältere Junge davon hält was sie hier machen, aber nachdem der eine Neuankömmling schon so laut verkündete, daß er jetzt Phex sei.

... nun ja.. was sollte schon schlimmes passieren.

"Wir spielen die Zwölf...", sagt Aki/Praios und grinst verlegen.

"Der da hinten hat wohl das Duell um Phex gewonnen."

Aki dreht sich halb um und zeigt auf Ameg.

"Kennt ihr ihn?"



Das Bild der Geweihten, die sie und ihren Bruder vorhin fangen wollte, erscheint vor Taras geistigem Auge. Sie sieht die schönen dunklen Haare, das sanfte Gesicht und den zarten Körper, der von einem weichen Gewand bedeckt wird.

Für einen Augenblick steht sie da, die Augen fest gerade ausgerichtet, als ob die junge Geweihte direkt hinter Aki stehen würde. Der Mund des Mädchens öffnet sich von ihr unbemerkt und die Hand, welche die Zuckerstange hält, senkt sich nach unten.

Tara empfindet große Bewunderung für diese Frau, auch wenn sie gerade noch vor ihr fliehen mußte. Und in diesem Augenblick steht für sie fest, welche Göttin sie spielen will.

Ohne weiter auf die Frage des Jungen einzugehen behauptet sie mit fester Stimme:

"Ich bin Rahja!"



Gial betrachted den Straßenjungen (Aki) gelassen und schmunzelt freundlich als dieser erzählt was sie spielen. Dann schaut er sich ein wenig abwesend in der Gegend nach einem gemütlichen Plätzchen um, wo er sich ausruhen kann. Als ihn Aki mit seiner kurzen Frage kurz ablenkt, schaut Gial interessiert zu dem Jungen der etwas von Phex rief hinüber.

"Nein, Aki den Jungen hab ich hier noch nie gesehn." antwortet er recht nachdenklich.

Dann entdeckt er ein kleines Mauerchen eines alten verfallenen Hauses auf der anderen Straßenseite. Als er endlich wieder ein fröhliges Wort von seiner Schwester hört, fällt ihm glatt die ganze Last des heutigen Tages von seinem Kleinen immer noch pochenden Herz.

Gial guckt Tara erfreut an.

" So so Rahja bist du, ja meine kleine Rahja!"

Er lacht erleichternd und legt ihr sanft seine Hand auf die Schulter.

"Dann spielt mal schön. Ich bin dort drüben wenn du mich brauchst!"

Mit diesen Worten läst er von Tara ab und geht langsam zu dem kleinen Mäuerchen hinüber.



Ein fast dankbares Lächeln huscht über Taras kleines Gesicht, als Gial ihr liebevoll seine Hand auf ihre Schulter legt und ihr erlaubt, mit den anderen zu spielen.

Als er die Hand wieder wegnimmt und ein Stückchen weg geht, schaut sie ihm nach, um sich zu vergewissern, wo sich ihr Bruder nun befindet, bevor sie sich dem Jungen namens Aki wieder zuwendet.

"Und was muß ich jetzt machen? Wie spielt man denn die Zwölf?"



IN HAVENA - Auf dem Marktplatz: Am Brunnen - Sigrun und Nirka


Eigentlich ist Sigrun im Moment froh, Nirka die Führung überlassen zu können. Doch jetzt muss sie sich wohl entscheiden: will sie gleich zurück zum Schiff oder erstmal eine Pause machen?

Zurück zum Schiff zu gehen hätte natürlich den Vorteil, dass sie sich dort richtig hinlegen könnte - zumal der Mannschaftsraum ja wahrscheinlich fast leer ist, weil die meisten Matrosen in der Stadt unterwegs sind. Aber dann besteht auch die Gefahr, dass der Kapitän sie sieht und entweder mit Aufträgen versieht oder, was sie fast als noch schlimmer empfindet, ihre momentane Schwäche bemerkt.

'Also', denkt Sigrun, 'besser mich sieht so schnell keiner.'

Laut sagt sie: "Auf dem Schiff sind wir ja bald wieder lange genug. Lass uns doch ein wenig am Brunnen sitzen, vielleicht geht es mir ja gleich schon wieder besser ohne das Gedränge da drinnen." Bei den letzten Worten nickt sie vorsichtig mit dem Kopf in Richtung des Stadions.

So ganz kann sie ihre eigenen Worte nicht glauben, aber so ganz möchte sie Nirka dann doch nicht wissen lassen, wie erschöpft sie sich fühlt.



Nirka nickt, während sie die Freundin bereits weiter aus dem Gedränge heraus führt, und den Weg in Richtung des Marktplatzes einschlägt.

Dort und auf den Strassen zwischen Markt und dem Stadion ist im Moment zwar auch einiges los, allerdings bei weitem nicht vergleichbar mit dem, was IM Immanstadion an Menschen auf den Beinen ist.

Durch das emsige Markttreiben gehen die beiden Seefrauen recht zügig hindurch, haben sie doch ausser dem Brunnen kein weiteres Ziel, und die Bootsfrau hat nicht die Absicht, an einem der Stände etwas zu kaufen, ehe ihre Freundin es bequem hat.

"Sieh mal", sagt sie dann zu Sigrun, "auf der Brunneneinfassung da vorne ist noch genug Platz."

Sie zeigt bei diesen Worten auf den Brunnen des Marktplatzes, auf dessen Steinen im Moment nur eine alte Frau sitzt, die langsam ein appetitlich aussehendes Stück Brot verspeist.



Sigrun folgt Nirkas Blick zum Brunnen. Dann nickt sie.

"Ja, das sieht doch gut aus. Lass uns da eine kleine Pause machen."

Mit einem gequälten Lächeln und ganz leise, fast schon wieder wie die gute alte Sigrun, fügt sie an:

"Ich fühle mich schon genauso alt wie die Frau da."



Vorsichtig führt Nirka ihre Freundin weiter bis zu der steinernen Brunneneinfassung, auf der in der Tat noch genug Platz zum Sitzen ist. Ihre Aufmerksamkeit ist dabei so auf die Matrosin konzentriert, dass ihr nicht auffällt, dass so ziemlich in der Nähe auch noch andere NORDSTERNler anwesend sind - vielleicht wäre es ihr in dem Moment auch ohnehin egal.

"Setz dich", sagt sie, während sie auf einen gemütlichen sonnigen Platz zeigt, der ausreichend weit von der alten Frau entfernt ist, um nicht aufdringlich zu wirken.

"Das vergeht wieder", kommt danach ein wenig verspätet die Reaktion auf Sigruns Bemerkung, gleich gefolgt von einer ebenso leise vorgetragenen Frage:

"Soll ich uns dann noch was zum Essen kaufen?"



Eigentlich hätte Sigrun noch vor ein paar Minuten behauptet, sie könne nie wieder etwas essen. Doch nachdem sie sich erstmal auf den von Nirka ausgewählten Platz gesetzt und einmal tief durchgeatmet hat, stellt sie fest, dass sie eigentlich ziemlich hungrig ist. Die guten Gerüche hier auf dem Markt, die selbst durch ihre verstopfte Nase dringen, überzeugen sie endgültig und sie nickt.

"Ja, das wäre gut. Irgend etwas schön warmes ... und vielleicht einen heißen Kräutersud dazu."

Sie schickt Nirka nicht gern so durch die Gegend, doch sie ist so froh endlich zu sitzen, dass sie beschließt, sich hierüber ausnahmsweise einmal keine Gedanken zu machen.



Ein Lächeln huscht über Nirkas Gesicht, verheißt dieser Wunsch doch zumindest in einem gewissen Masse etwas von Besserung oder einem Anfang von dieser.

"In Ordnung, ein schöner heißer Kräutertee sollte sich hier ohne Weiteres finden lassen, und zu essen habe ich schon mehr gesehen, als wir beide in einer ganzen Woche essen könnten."

Die Augen der Bootsfrau huschen umher, um an den nahegelegenen Ständen essbare Dinge zu "sichten", dann geht ihr Blick zu Sigrun zurück.

"Lieber etwas fischiges, oder möchtest du Fleisch? Oder etwas ganz anderes - vielleicht eine Pilzsuppe mit heißem Fladenbrot dazu?"

All dies sind Dinge, die mit einem sehr kurzen Gang erreichbar wären - ein Umstand, der nicht etwa auf Faulheit oder ähnliches zurückzuführen ist, sondern auf Nirkas Wunsch, die Freundin möglichst nicht lange alleine zu lassen.



So ganz wohl ist Sigrun dann doch nicht, als Nirka anfängt verschiedene Speisen aufzuzählen. Doch wenn auch Fisch und Fleisch sie zur Zeit nicht locken können, eine kräftige Suppe kann ganz bestimmt nicht schaden.

"Ich glaube, eine Suppe wäre ganz gut," meint sie daher.



Nirka nickt erneut, während sie sich kurz auf dem zu dieser Zeit an diesem Feiertag recht vollen Marktplatz umsieht.

"Ich glaube, wir sind eben an einem Stand vorbeigekommen, wo es so eine richtig würzige Kartoffelsuppe gibt. Wär das nach deinem Geschmack?"

Jetzt, wo sie die relative Ruhe an diesem Ort gefunden haben, ist die Bootsfrau weit ruhiger als noch im Stadion oder auf dem Weg hinaus, und damit klingen auch ihre Worte viel bedächtiger und sind auch deutlich langsamer gesprochen.



"Oh ja, das klingt gut!" Bei dem Gedanken an die schöne warme Suppe geht es Sigrun schon wieder so gut, dass sie sogar ein leicht unglückliches Lächeln zustande bekommt.

"Ich habe gar nicht auf die Stände geachtet ..."



"In Ordnung, ich bin gleich wieder da", antwortet die Bootsfrau, um dann flugs zu dem Stand zu gehen, an dem sie die Suppe gesehen hat.

Es gibt dort kaum eine Schlange, nur eine alte Bäuerin steht hinter dem jungen Mann, der gerade seine Suppe erhält. Nirka kommt zielstrebig an, und will gerade die Bauersfrau zur Seite stoßen, als sie mit einem fast schon erschrockenen Gesichtsausdruck innehält und stehenbleibt.

'Ich bin nicht im Krieg, und auch nicht im Immanstadion! So geht das wohl kaum...'

Beschämt stellt sie sich hinter der Frau an, und fragt sich, wie sie überhaupt dazu gekommen ist, ein solches Verhaltensmuster ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Selbst im Stadion war es wohl nicht ganz korrekt, dort aber zumindest noch tragbar, weil sich die anderen genauso verhalten haben... aber hier? Das ist weder das Schiff, noch eine Kneipe, die es zu zerschlagen gilt.

"Ihr wünscht?"

In all den Gedanken hat Nirka es fast verpasst, endlich an der Reihe zu sein, so dass sie erst kurz überlegen muss, ehe sie der Frau am Suppenstand antwortet:

"Zwei von diesen köstlichen Kartoffelsuppen bitte!"

Geld und Suppen wechseln die Besitzerin, und dann eilt Nirka, um einige Kreuzer ärmer und mit zwei duftenden und heißen Suppenschalen in den Händen, zurück zum Brunnen.

"Bitte sehr!"



Nirka ist so schnell wieder zurück, dass Sigrun, ein wenig in leidende Gedanken versunken, kaum etwas von ihrer Abwesenheit bemerkt hat. Doch jetzt steigt ihr ein würziger und wohltuender Geruch in die verstopfte Nase und fast wie als Reaktion darauf beginnt ihr Magen laut zu knurren.

"Hmmmmmm, das riecht wirklich gut! Ich habe einen Hunger als hätten wir einen saftigen Sturm hinter uns."



"Im Grunde haben wir das ja auch", erwidert die Bootsfrau, während sie neben Sigrun auf der Brunneneinfassung Platz nimmt.

"Wobei mir ein Sturm fast noch lieber ist das Getobe da im Stadion."

Mit diesen Worten reicht sie Sigrun eine der beiden Tonschalen, in denen die Suppe verführerisch duftend schwappt, und zudem ein schlichter, aber ausreichender Holzlöffel liegt.

"Einen guten Appetit wünsche ich dir, Liebste!" sagt sie leise.



Sigrun nimmt die Suppe und lächelt Nirka dankbar an.

"Bei so einer guten Versorgung muss der Appetit ja wiederkommen," meint sie und taucht den Holzlöffel tief in die Suppe ein. Nachdem sie einmal umgerührt hat, führt sie den Löffel schnell und ohne die Temperatur zu prüfen zum Mund.



Lächelnd nimmt auch Nirka den Löffel in die Hand, und führt die Suppe zum Mund. Sie ist froh, dass Sigrun nach der offensichtlichen Krise im Stadion sich nun wieder sichtbar wohler fühlt, und dass sie doch in der Lage gewesen ist, der anderen zumindest ein wenig zu helfen - nichts ist schlimmer als absolute Hilflosigkeit angesichts von Sorgen eines geliebten Menschen.

"Hmm... das schmeckt genauso gut, wie es riecht", entfährt ihr dann, als sie den Löffel in den Mund schiebt, und das, was sich darauf befindet, kostet.

"Ein großer Unterschied zu dem, was Garulf uns so immer vorsetzt, den sollten wir wirklich mal hier in die Lehre schicken."

Auch wenn diese Worte scherzhaft klingen sollen, so ist doch ein gewisser Anteil Ernst vorhanden, der zwischen dem Schalk mit schwingt, denn der Streit mit dem Smutje ist noch längst nicht vergessen.



Obwohl das Essen an Bord, seit Garulf es kocht, nicht mehr so schlecht ist wie zuvor, kann Sigrun dem nur zustimmen.

"Das stimmt! Vor allem tut ein wenig Abwechslung gut und man kommt endlich einmal zum essen solange es noch heiß ist."

Genüßlich führt sie den Löffel erneut zwischen Schale und Mund hin und her. Ja, das tut wirklich gut. Sie spürt, wie die heiße Suppe vom Löffel in ihren Mund und dann, nachdem sie den Geschmack eine kleine Weile genossen hat, die Speiseröhre herab und schließlich in den Magen gelangt. Von dort breitet sich eine wohlige Wärme über den Rest ihres von der Erkältung geschwächten Körpers aus und verleiht neue Kraft.

"Wenn man sich so auch an Bord versorgen lassen könnte, würden alle immer wieder viel schneller gesund werden."



Auch wenn das Leben auf dem Marktplatz rings herum ziemlich "tobt", insbesondere an diesem Travia-Feiertag, ignoriert die Bootsfrau es vollkommen. Für sie existiert hier nichts anderes als die andere Frau auf dem Brunnenrand, und dieser gilt ihre ausschließliche Aufmerksamkeit.

"Du kannst das ja dem Kapitän mal vorschlagen, vielleicht nimmt er es ja an", erwidert Nirka mit einem leichten Grinsen auf den Zügen, während sie den nächsten Löffel zum Mund führt.

Dann ist erst einmal kurz Stille von ihrer Seite, als sie diese Suppe verspeist.

"Wie geht es dir jetzt? So gut, wie es klingt?"



Nachdem sie die Hälfte der Suppe sehr schnell gegessen hat, macht Sigrun erst einmal eine kleine Pause. Zwar hatte sie eben noch großen Hunger verspürt, aber jetzt bemerkt sie, dass ihr Magen sich an die Appetitlosigkeit der letzten Tage gewöhnt hat.

Sie lehnt sich ein wenig zurück und antwortet:

"Auf jeden Fall geht es mir schon viel besser als vorhin. Irgendwie habe ich mich da im Stadion wohl etwas überschätzt. Hier in dieser Ruhe merke ich kaum noch etwas - abgesehen von der juckenden Nase und dem kratzenden Hals natürlich - und mit ein bisschen Glück lässt Kapitän Efferdstreu mir ein- oder zwei Tage mit ruhigen Schichten. Dann habe ich es bestimmt überstanden."

Fast schon wieder die Alte grinst sie Nirka schelmisch an:

"Und dann habe ich auch bestimmt wieder die Energie, um mich auch mit anderen Dingen an Bord zu beschäftigen ..."



Nirka erwidert das Grinsen sogleich, auch wenn eine kleine Spur der alten Besorgnis darin noch zu sehen ist, doch dann verstärkt es sich noch.

Während sie ihren Löffel bedächtig in die Suppe taucht, sagt sie:

"Da stehen die Chancen sehr gut, was ruhige Schichten an Bord angeht. Zum einen hat der Kapitän gesagt, dass wir erst übermorgen früh mit der Morgenflut wieder auslaufen wollen, und zum anderen kennst du doch die Bootsfrau ziemlich gut... sehr gut."

Bei den letzten Worten rückt Nirka auf dem Brunnenrand noch ein kleines Stück weiter zu der Freundin hin.



Sigruns Grinsen vertieft sich noch ein wenig und sie neigt sich leicht zu Nirka herüber.

"Meinst du, die Bootsfrau wird mich schonen?"



Grinsend nickt die Bootsfrau.

"Hmm... da bin ich mir nicht so sicher. Vielleicht schickt sie dich auch auf den Mast, und lässt dich den von oben bis nach unten ablecken."

Sie macht eine dramatische Pause, während derer ihr Grinsen noch breiter wird.

"Aber eigentlich kann ich mir das nicht vorstellen, sie will vermutlich eher, dass du etwas ANDERES als den Mast ableckst!"

Lachend lässt Nirka den nächsten Löffel Suppe rasch im Mund verschwinden, um dann sogleich wieder in Sigruns Gesicht zu blicken, damit sie auf keinen Fall die Reaktion verpasst.



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Angar's 'Schlaflosigleit


Es ist still, außergewöhnlich still für diesen Ort. Schließlich ist es der Mannschaftsraum eines Schiffes und dient somit Seeleuten als Unterkunft. Dieser Menschenschlag ist nun wirklich nicht gerade für Ruhe und Sittsamkeit bekannt, doch derzeit liegt die Karavelle fest vertäut im Südhafen zu Havena, so daß nur wenige überhaupt an Bord sind. Die meisten Matrosen sind in der Stadt, beim Imman oder einfach auf Landgang, die paar, die hier geblieben sind, schlafen tief und fest. So ist auch das einzige Geräusch, daß zu hören ist, ein beständiges Sägen, das aus einer Ecke des Raumes erklingt.

Am anderen Ende des Raumes öffnet ein Schläfer blinzelt seine Augen.

´Bi dem Krach konn doch kenn Mensch schlopen!´ Denkt sich dieser mißmutig, steht dann auf und schlurft immer noch mißmutig zur Kombüse, um wenigsten was zu essen zu bekommen.

Doch dort trifft er nicht den Smutje an, sondern lediglich den Schiffsjungen, der gedankenverloren aus dem Bullauge schaut und anscheinend den Möwen zusieht. ´Nichma wat tu futtern gibts...´, die Laune des Matrosen hat sich nicht unbedingt gebessert.

Also trottet Angar zum hinteren Niedergang und diesen hinauf aufs Oberdeck.



Auch das Oberdeck findet Angar menschenleer vor.

´Alle an Land´, stellt er mißmutig fest. Ob er zum Kapitän gehen und auch nach Landgang fragen sollte? Besser nicht, sonst fällt Jergan gerade ihm den Moment noch was ein, was er Angar auftragen könnte. Also verkriecht man sich am besten, an eine Stelle, an der der Kapitän einen nicht sieht: Direkt vor der Vorderfront des Heckaufbaus, auf jenen Planken, über die man von der Brücke aus hinwegsieht, lädt eine Kiste zum Hinsetzen und verweilen ein.



- 122 -