- Logbuch der Nordstern -

Im Hafen von Havena - Teil 2 - (Imman, Imman) - 30. Efferd, 28 n.H.

IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Der Schiedsrichter betritt das Spielfeld, geht ein paar Schritte hinein und pfeift dann das Spiel an. Gleichzeitig wirft er in einem hohen Bogen die Korkkugel über seine Schultern nach hinten, ohne sich vorher irgendwie orientiert zu haben.

'Das ist besser so' , denkt sich Aedin 'Mögen doch die Götter darüber bestimmen, wer nun den Ball an den Schläger kriegen soll!'

Dann eilt der Schiedsrichter mit schnellen Schritten vom Platz, um doch nicht noch am Ende zwischen die kämpfenden Mannschaften zu geraten, denen das gesundheitliche Wohl eines Schiedsrichters weniger bedeutet, als ein Furz nach einer reichlichen Mahlzeit.


***


Weit fliegt der Ball ins Feld hinein, erstaunlich weit sogar, denn ein Korkball hat nicht unbedingt die besten Flugeigenschaften. Das ist ein spannender Augenblick, denn noch kann man nicht ahnen, wo er zu Boden gehen wird, denn der Wind treibt ihn immer wieder etwas hoch und macht seinen Kurs schier unberechenbar. Dennoch ist dann nach einer kurzen Weile abzusehen, dass der Ball wohl nicht ganz in die Mitte des Spielfeldes gelangen wird. Seine zittrige Bahn führt ihn in die Nähe Chatal's.


***


Thinmar kann sicherlich nicht mehr rechtzeitig in das Spielgeschehen eingreifen, obwohl er los rennt, wie ein Unnauer Shadif. Beinahe hätte er dabei den fliehenden Schiedsrichter überrannt. Das Ausweichmanöver hat ihn aber dann so viel Zeit gekostet, dass er seine Aktion resigniert abbricht und zurückläuft, um die Lücke in der Abwehrreihe, die durch seinen Lauf entstanden ist, wieder zu schließen. Keinen Augenblick zu früh. Er kann sich zwar dem Havenaer Scibor in den Weg stellen, muß aber Raika, ganz außen am linken Flügel passieren lassen. Thinmar stößt einen zischenden Fluch aus, als er Raika nur noch nachsehen kann. Denn Rorlif hat sich von seinem Posten locken lassen und so ist eine sehr häßliche Lücke zwischen Rorlif und Algrid. Dann sieht er den grimmen Scibor nahen und muß plötzlich fürchterlich grinsen.

"Das ist ja ein hübscher Bart, den du da trägst! Hast du den von deiner Mammi geerbt?"


***


Nun kommt Ifirngiron angeeilt, würde aber mit Sicherheit, wie Thinmar auch, zu spät kommen, um dem Mannschaftsführer der 'Bullen' den Ball noch streitig machen zu können. Es ist einfach zu weit weg, auch wenn Chatal durch den plötzlichen Spielbeginn noch etwas orientierungslos wirkt, denn er hat wohl den Pfiff gehört, doch eben, gerade in diesem Moment, dem Schiedsrichter den Rücken zugewandt und daher den Einwurf nicht sehen können.


***


Doch Frenhild, jene mit dem Pferdeschwanz, hat alles gut beobachten können und reagiert blitzartig. Ein paar schnelle Schritte nur und schon ist sie im Brennpunkt des Geschehens, wenngleich ihre Aktion auch begünstigt wurde dadurch, dass der Ball, wieder einmal mehr, seine Richtung ändert und die Premer Mittelfeldspielerin so in eine sehr gute Position bringt.

Doch Frenhild wartet nicht bis der Ball auf den Boden kommt. Bis dahin könnte Chatal wieder völlig orientiert sein und sie in einen Kampf um den Ball verwickeln und Chatal ist gut, sehr gut sogar, das weiß auch die Premerin. Also will sie sich ausschließlich auf ihre Schnelligkeit und ihr Geschick verlassen, um dem Zweikmapf aus dem Weg zu gehen.

Frenhild springt aus vollem Lauf in die Höhe. Ihr Körper steigt und steigt, als wolle sie dem Ball entgegen fliegen. Sie streckt ihren rechten Arm aus und reckt den Schläger nach vorne und tatsächlich erwischt sie den Ball und kann ihn nach unten drücken. Das ganze sieht so einfach und dennoch so graziös aus, als hätte Frenhild einen Wattebausch mit eine Löffelchen eingefangen.

Der Ball fliegt ins Gras und bleibt dort regungslos liegen. Frenhild hält den Schläger hin und sichert den Ball gegen den nahenden Chatal ab.


***


Nun kommt auch Bewegung in alle übrigen Mannschaftsteile.


***


Ragnid stürmt vorwärts und blockiert den Weg des 'Bullen' Dunvallo, schirmt also den Ballbesitz Frenhilds ab. Die andere Frenhild, die kurzhaarige, spurtet nach vorne, da sie ein Lücke in der Abwehrreihe der 'Bullen' erspäht hat. In ihrem Rücken zieht Tula nach.


***


Auch Hasgar stürmt nach vorne, wird aber ausgebremst von Faerwyn, der den 'Braten gerochen' hat und sich schnell in den Weg stellt. Damit sind die Räume wieder sehr eng geworden und Frenhild hat so gut wie keine Möglichkeiten den Ball zu führen oder weiter zu geben, zumindest nicht nach vorne. Daher schiebt sie die Kugel mit dem Schläger halbrechts nach hinten, wo sie dann von Tula aufgenommen wird.



Cathal mustert gerade die Reihen der Premer.

`Eine merkwürdige Aufstellung haben die da. Sehr offensiv auf dem linken Flügel...`

Gerade will der Kapitän der Bullen Faerwyn und Romolosch noch einen Wink geben, als plötzlich der Pfiff ertönt.

`Was? die Schiedsrichter sind doch gerade erst gekommen. Verflucht - seit wann ist der alte Ulfert so schnell?

Will der heute schneller heim zu seinen Gören oder was?`

Eine aus den Augenwinkeln bemerkte Bewegung lässt ihn halb herum fahren. Da fliegt der Ball und fast direkt auf ihn zu! Das wäre ja perfekt - wenn sich nicht schon die Premer Reihe in Bewegung gesetzt hätte...

Mit einem Fluch auf den Lippen stürmt er nach vorne, dem Ball entgegen


***


Auch Faerwyn flucht.

`Verdammt, anstatt uns sagen zu wollen, wo wir hin sollen, hätte Cathal lieber aufpassen sollen!`

Die braunen Augen des kräftigen Mannes mustert die Reihe der Premer vor ihm. Da, die mit dem Pferdeschwanz springt.

`Sie ist gut!`

Faerwyn spielt schon seit vielen Jahren Imman und nach allen den Jahren hat er genug Erfahrung um zu erkennen, dass sie wahrscheinlich eher am Ball sein wird als der losstürmende Cathal - der von den Bullen am nächsten dran ist.

Und so, wie er di Jungspunde kennt, werden wohl gleich alle losstürmen, um den Ball zu bekommen. Besser, ich bleibe weiter hinten, wenn die Premer zum Sturm ansetzen...

Langsam, den Ball im Augen behalten weicht er schräg zurück, um eine der Lücken zu schließen, durch die die Pottwale wohl stoßen würden... Und wirklich, schon ist einer der Hünen da - doch an ihm, Faerwyn, kommt so schnell keiner vorbei...


***


Auch Romolosch hat eine Lücke erkannt, durch die die Premer stoßen können, durch die sie sicher zu stoßen versuchen werden!

Imman unterscheidet sich, wenn man es näher betrachtet, nicht sehr von einem Gefecht kleinerer Trupps. Auch hier werden Lücken in den Reihen gesucht, um im entscheidenden Moment die Reihen der Gegner zu durchschneiden. Und wenn er der Angreifer wäre, würde er versuchen, genau dort durchzukommen, in der Gasse zwischen Cuil und Lyn. Aber zum Glück ist er ja da, um die Lücke zu schließen! Mit einer Geschwindigkeit, die ein Mensch einem Zwergen wohl kaum zugestehen würde, lenkt er seine kurzen, kräftigen Beine in Richtung ihres rechten Flügels.

`Wenn sie mich nicht hätten! Diese Kinder sind ja noch so unerfahren...`


***


`Einer der Torfköppe macht einen Fehler!`

Blitzschnell stößt Raika vor, als sie erkennt, wie Thinmar eine Lücke offen läßt, durch die sie schlüpfen kann. Die schlanke Frau mit dem roten Pferdeschwanz und den leicht schräg stehenden Augen kümmert sich vorerst nicht um den Ball, weiß sie doch, dass sie ihn bestimmt nicht vor den anderen erreichen kann. Statt dessen wird sie die Speerspitze sein, ein Anspielpartner, der die Korkkugel tief in das Herzen des gegnerischen Feldes bringen kann. Das ist wie bei der Mammutjagd, von der ihr ihr Vater einmal erzählt hat - ein Teil treibt, der andere stößt im entscheidenden Moment zu...


***


Scibor hat für den herannahenden Thorwaler nur einen verächtlichen, geringschätzigen Blick übrig.

`Schön dumm von ihm, wenn er sich freiwillig zu mir wagt... Das wird er noch bitterlich bereuen!`

Der kleine, breite Kahlkopf fasst den Schläger fester und ballt die Linke zur Faust. Deutlich ist das Spiel seiner Muskeln auf den armen zu sehen, zu dem sich die Seeschlange sanft und doch drohend zu wiegen scheint.

"Immerhin habe ich keinen Ork zum Vater" erwidert er kalt.


***


Dunvallo sieht, wie sein Kapitän noch etwas abgelenkt ist und läuft seinerseits los. da, die blonde sprint und bremst den Ball. Wenn er sich beeilen würde, dann könnte er ihr den streitig machen. Aus den Augenwinkeln bemerkt er, wie auch Cathal sich dem Ball nähert. Doch auch die Premer sind nicht untätig.

`Verdammt, die Rote versucht uns zu blocken`

In Dunvallos Kopf rotiert es. Ragnid steht sowohl ihm als auch Cathal im Weg. Wenn sie beide versuchen, ihr auszuweichen, dann verlieren sie beide zu viel Zeit. Also muss wohl jemand die Premerin beschäftigen, damit der andere vorbei kommt.

"Cathal, geh!" brüllt er und stürmt auf Ragnid los, um sich zwischen sie und Cathal zu setzen...


***


Cathal stürmt nach vorne. So kennen ihn die Fans - schnell, kräftig, unaufhaltsam. Peinlich, dass er am Anfang so unaufmerksam war, doch er ist fest entschlossen, diesen Makel sofort wieder wegzumachen. Dunvallo kümmert sich um die Thorwalerin, die sie zu blocken versucht. Gut. Cathal hat Vertrauen in die Fähigkeiten des Mannes. Wenn er sagt, er blockt, dann blockt er.

`Er hat einiges drauf. Muss vielleicht aufpassen, dass er mir nicht den Platz streitig macht!`

Doch schnell schiebt er den Gedanken beiseite und konzentriert sich wieder ganz auf das Spiel. Fest behält er die Thorwalerin und den Ball im Blick. Gleich ist er da, gleich...

Doch Frenhild hat wohl auch ihn im Auge behalten. Kurz bevor er sie erreicht, buchstäblich im letzten Augenblick, schiebt sie den Ball zurück...



NORDSTERN - Im Immanstadion: Husten - Sigrun und Nirka


"ANFANGEN! ANFAN...!" will Sigrun lachend in Nirkas Rufe einfallen, als ihre Stimme sich beinahe überschlägt. Immer wieder muss sie husten. Der ganze Körper wird geschüttelt und Sigrun muss sich vom Spielfeld abwenden, als ihr Tränen in die Augen steigen. Der Brustraum beginnt zu schmerzen und ihre Hand wandert unbewusst an den Hals.

'Hör auf! Hör endlich auf, du blöder Husten! Ich kann dich jetzt nicht gebrauchen', schimpft Sigrun in Gedanken, doch der Anfall hält an, auch noch, als auf dem Spielfeld die Pfeife ertönt und die Spieler beginnen, dem Kork nachzujagen.



"JAWOLL! SO SOLL ES SEIN!" schreit die Bootsfrau, als das Spiel beginnt, doch dann lenken die Geräusche, die die Freundin neben ihr von sich gibt, ihre Aufmerksamkeit sofort wieder auf diese.

Mit besorgt empor gezogenen Augenbrauen beobachtet sie den Hustenanfall Sigruns, der irgendwie kein Ende zu nehmen scheint. Hat sie sich doch schlimmer erkältet, als es ihr, Nirka, zuerst schien?

"Brauchst du Hilfe?" fragt sie dann besorgt, aber nicht gerade leise, denn anderenfalls würde Sigrun sie vermutlich auch gar nicht hören.



"Ach was," antwortet Sigrun und macht eine wegwerfende Handbewegung. Sie bemüht sich ein wenig fröhlicher auszusehen und im Ansatz gelingt ihr dies vielleicht auch, bis sie zur Unterstützung beginnt den Kopf zu schütteln. Sofort setzt der rasende Schmerz wieder mit voller Kraft ein und aus ihrem Lächeln wird eher ein Zähne zusammen beißen. Ihre Erklärung klingt daher auch etwas lahm.

"Es geht schon. Ich habe mir vorgestern wohl doch ein bisschen was eingefangen. Aber das ist halb so schlimm."



"Das klingt aber irgendwie anders", erwidert Nirka mit zunehmend besorgter werdender Stimme. Sie mustert die Freundin aufmerksam, und so entgeht ihr das 'Zähne zusammen beißen' nicht.

Sie spart sich Bemerkungen über die Kälte in dem Wasser, in das Sigrun gefallen ist, denn das weiß die Freundin wohl auch selbst, und auch solche über die Gefährlichkeit solcher Erkältungen.

Ihr Interesse am Imman ist mit einem Schlag erloschen, denn wenn die Freundin leidet, dann verliert alles andere an Bedeutung, egal, wie bedeutsam es gewesen ist - was in diesem Fall nicht einmal viel war.

"Wollen wir gehen?" fragt sie leise.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Los geht's - Hjaldar


Unter normalen Umständen würde es Hjaldar schon wundern, daß der Hesindegeweihte auf einmal so still ist. Doch mit dem Anpfiff des Spiels ist für ihn eh alles um ihn herum unwichtig geworden, außer vielleicht der Geweihten auf seinen Schultern, doch die scheint ebenfalls fasziniert dem Spiel zu folgen.

"POTTWAl VOR! MACHT DAS TOR!" fällt er denn auch lauthals in die Schlachtrufe der anderen Thorwal-Fans ein. Auch Jahre nach seiner Zeit als 'Aktiver Fan von Pottwal', wie er es gerne nennt, ist er immer noch voll dabei.

Als dann die langhaarige Frenhild den Korkball elfengleich für sich erobern kann, ist er restlos begeistert "ZEIG 0DEM SCHLACHTVIEH WER DEN KORKBALL ERFUNDEN HAT!!! FEEHILD! FEEHILD!" feuert er 'seine' Spielerin an.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zoff auf der Tribüne - Ole und Alberik


"Hey, Ole!"

Zunächst fühlt sich Ole gar nicht angesprochen. So viele hier im Stadion heißen wahrscheinlich Ole, warum sollte ausgerechnet er gemeint sein. Dazu hat die junge, hochgewachsene Spielerin mit dem neckisch wippenden Pferdeschwanz gerade eben den Korkball für für den 'Pottwale' erobert und der alte Schiffszimmermann reißt begeistert die Arme nach oben, als sei dies schon der Sieg für die Nordleute, da kann man doch nicht erwarten, dass jeder Zuruf sofort spontane Reaktion verdienen würde.

Doch dann ist Ole so, als ob er die Stimme kennen würde. Nicht nur, dass sie ihm bekannt vorkommt, es lauert in dieser Stimme auch eine gewisse Aggression, die sich Ole nicht so richtig erklären kann. Den Zwischenfall mit Alberik hat er schon längst vergessen.

"Was ist denn?" fragt er mürrisch, ohne sich dabei umzudrehen, die Vorgänge auf dem Spielfeld haben einfach Vorrang.



Das sich Ole ihm nicht einmal zuwendet, ist für Alberik ein weiteres Zeichen dafür, daß der Thorwaler wohl auf Ärger aus ist. Doch so kann man mit Alberik, Sohn des Atosch, nicht umgehen!

"Schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!"



Tula stürmt gerade nach vorne, den Ball technisch brillant vor sich her treibend, während Raika von den 'Bullen' sich auf der anderen Seite anschickt, die zweite Abwehrreihe der 'Pottwale' zu durchbrechen und Algrid hat sich eben aufgemacht den Sturmlauf der Spielerin mit dem rotblonden Pferdeschwanz abzuwürgen ..... und der Zwerg will einfach nicht locker lassen.

'Also gut!' denkt sich Ole 'Mal sehen, was er denn will. Aber selbst INGerimms Faust könnte den Unglücklichen nicht mehr retten, wenn ich deswegen am Ende noch ein Tor verpasse ... !'

Missmutig dreht sich Ole um und blickt den Zwerg an. Ole mag einfach nicht glauben, was er da sieht. Er schüttelt den Kopf, reibt sich die Augen, aber das Bild bleibt. Da steht nun tatsächlich Alberik und baut sich auf, als wolle er Raufhändel provozieren. Das darf doch nicht wahr sein. Was, beim SWAfnir, mag wohl in ihn gefahren sein? Aus den Angroschim ist Ole noch nie sonderlich schlau geworden, obwohl man meinen sollte, dass die rustikale Denkweise der Zwerge einem echten Thorwaler doch nahe kommen sollte.

Ole macht dennoch ein Gesicht, das seine absolute Verblüffung auch jenen verrät, deren Feinsinn dem eines Steins gleicht. Ole wendet sich nun ganz dem Zwerg zu. Die absurde Situation hat ihn für einen Moment das Spiel in der Arena glatt vergessen lassen.

"WAS soll denn DAS werden, wenn es einmal fertig ist?!" fragt Ole, noch immer sichtlich irritiert.



Tatsächlich erkennt auch der Zwerg die Verblüffung, die in dem Gesicht des Thorwalers zu erkennen ist. Es könnte zwar auch ein phexischer Trick sein, um sich einer Prügelei zu entziehen, aber Alberik schätzt den Riesen nicht so ein. Der steht zu seinem Wort.

Ein wenig entspannter, aber dennoch zornig, erklärt der Angroschim, was das werden soll.

"Du willst wissen, was ich hier mache? Zuerst provozierst du mich bis aufs Blut, und dann gehst du einfach, als ob nichts gewesen wäre. Aber so etwas läßt ein Zwerg nicht einfach mit sich machen. Ich verlange eine Entschuldigung, oder du bekommt mächtigen Ärger!"

An seiner Miene ist zu erkennen, daß die Lage ernst ist, und er keine Scherze macht.



"Entschuldigen? Ich soll mich entschuldigen??"

Ole starrt den Zwerg mit einem dermaßen verwunderten Gesicht an, als wäre diesem, gerade im Moment, ein drittes Auge auf der Stirn gewachsen.

"Wofür, beim SWAfnir, so frage ich, soll ich mich denn entschuldigen?!?"

Ole wird langsam unruhig. Da unten auf dem Spielfeld tobt ein wahres Schlachtfeld und dieser Zwerg versucht einen in verwirrende Gespräche zu verwickeln. Der alte Schiffszimmermann muß sich direkt zwingen, nicht von Zeit zu Zeit forschend in die Arena zu schauen, wie es ihm sein innerer Drang vorschreiben will. Aber inzwischen ist er auch ein bißchen neugierig geworden, was Alberik von ihm wollen könnte, das es notwendig macht eine derartigen 'Zwergenaufstand' hinzulegen. An den kleinen Zusammenstoß mit Alberik während seiner Talersuche denkt er noch immer nicht, dieses Ereignis hat er für sich schon längst abgehakt. Das es für andere noch sehr aktuell sein könnte ist immerhin deren Problem. Ole's Problem besteht hautsächlich darin, dass da unten das Spiel der Spiele läuft und er sich hier ober mit wild gewordenen Zwergen abmühen muss ....



Das der Thorwaler ungeduldig ist, und ihm diese Unterhaltung nicht gefällt, bleibt auch Alberik nicht verborgen.

'Habe ich mich getäuscht? Will er einem Streit, den er angefangen hat, aus dem Weg gehen?'

"Du weißt doch ganz genau, was ich meine. Sogar der leichtgläubigste Elf hätte gemerkt, worauf du hinaus wolltest. Oder denkst du, ich wäre so dumm wie eine Grubenratte?"



IN HAVENA - In Immanstadion: Los geht's


Mit lauten Anfeuerungsrufen spornen die Prem-Anhänger ihre Mannschaft an. Das Geschrei nimmt sogar noch zu, als der Flug des Korkballs schließlich bei Frenhild endet. Sogar die tosende Brandung beim Efferdspfeiler in Olport ist nur ein leises Säuseln gegen die Begeisterungswogen, die durch die Premer Ränge schwappen.

"FRENHILD! FRENHILD! FRENHILD! MACHT DIE BULLEN FERTIG! IMMER FESTE DRUFF, DIE WOLL'N DAS NICHT ANDERS!"

Dann wechselt der Korkball den Besitzer und wenig später hören sich die Anfeuerungsrufe nur geringfügig anders an.

"TULA! TULA! TULA! MACHT DIE BULLEN FERTIG! IMMER FESTE DRUFF, DIE WOLL'N DAS NICHT ANDERS!"



Lautstark klingen die Schreie der Premer durch das Stadion, begleitet von den nicht weniger lauten Schreien der Havenaer, die ihre Mannschaft und deren Spieler anfeuern.

"DUNVALLO! DUNVALLO! PLÄTTE SIE!"

"FAERWYN! FAERWYN!"

Begleitet wird das ganze von einem fast schon enttäuscht zu nennenden Raunen, als die Premer den Ball untereinander austauschen, ohne dass einer der Havenaer ihn an den Schläger bekommt.

Doch... das Spiel hat gerade erst begonnen, und wenn eines sicher ist, dann die Tatsache, dass die Anhänger der Bullen zahlenmäßig weit in der Übermacht sind.

"HAVENA! HAVENA! EROBERT DEN BALL UND SCHIESST IHN INS POTTWALTOR!"



Das Spiel läuft noch nicht lange, aber mit jeder Berührung von Korkball und Schläger scheint sich die Stimmung weiter hoch zu peitschen, scheinen die Schreie und Rufe der vielen Menschen im Stadion lauter zu werden.

"CATHAL!" wird geschrien, als der Kapitän sich in Bewegung setzt, dicht gefolgt von "ROMOLOSCH!!! ROMOLOSCH!!!", was natürlich dem ebenfalls spurtenden Zwergen gilt.

"RAIKA!!!"... und ganz rasch wandert die Aufmerksamkeit auch zu dieser Spielerin, während die Spannung weiter ansteigt... wann wird wohl das erste Mal eine Situation entstehen, aus der Chancen auf ein Tor resultieren könnten?



NORDSTERN - Kombüse: Katzenfutter - ALRIK


'Was also mögen kleine Katzen? Milch! Aber die haben wir nicht, die wird zu schnell sauer hier auf dem Schiff. Was sonst noch?'

Suchend wandert ALRIK durch die Kombüse. Ein Rest der Olporter grünen Grütze vom Vortag steht noch in einer Schüssel in einer Ecke parat.

'Das Zeug löst eh nur Brechreiz aus. Und so eine kleine Katze bringt es vermutlich gleich um... Lieber nicht, was hängt denn hier hinten am Schrank?'

ALRIK stellt sich auf die Zehenspitzen und reckt sich, um in den kleinen Beutel greifen zu können, der dort an einem Nagel aufgehängt ist. ALRIKs tastende Finge erforschen den Inhalt des Beutels. Etwas weiches, klebriges ist dort an seinen Zeigefinger geheftet und sein kleiner Finger hat gerade etwas Rundes aufgespießt.

'Interessant.'

Neugierig greift ALRIK zu und holt dann hervor, was so wie von selbst an seinen Fingern haften bleibt. Ein weiches Sirupbällchen klebt an seinem Zeigefinger, sein kleiner Finger wird gerade von einen Ring aus einem kandierten Fruchtkringel verziert. Ein seltsam rosig und zuckrig aussehendes Plätzchen ist hat noch wie von selbst den Weg in Alriks Hand gefunden.

'Sieh an! Das ist schon mal ganz was anderes als der altbackene Schiffszwieback, der hier sonst so verteilt wird. Hm, ob das wohl auffällt, wenn ich jetzt... ach was, zählen kann der Dicke sowieso nicht. Außerdem sind es ja nur drei Teile.'

Der Beutel hängt immer noch an seinem alten Platz, so als wäre nichts geschehen und ALRIK blickt sich derweil noch einmal um. Nur mit Mühe kann er ein Kichern unterdrücken, denn irgendwie macht es ungemeinen Spaß hier jetzt wirklich mal ein Verbot zu übertreten. Außerdem hat es der Smutje nach dem Ärger, den er ihm mit dem Wasser gemacht hat, gar nicht anders verdient.

'Jetzt bloß keine Spuren mehr hinterlassen und leise und unauffällig wieder raus.'

Erneut lauscht ALRIK an der Kombüsentür, dieses Mal auf der Innenseite des Raumes.

'Ob jetzt auf dem Gang wieder die Luft rein ist.'



NORDSTERN - Kabine D1: Anselm erwacht


Lange hat Anselm heute im Bett gelegen. Sehr lange...

Warum auch nicht? Sein Zimmerkumpan hatte auch einen langen ruhigen Schlaf, niemand in Havena erwartet ihn, er kann alles ruhig angehen. Auch das heutige Immanspiel interessiert ihn nicht sonderlich. Zwar geht er ab und zu in den Stadien auf Geldkatzenjagd, aber dafür ist er heute zu faul.

Und so stand die Praiosscheibe schon hoch am Himmel als sich der kleine Mann dazu erhebt, seine Sachen zu packen und von Bord zu gehen. Damit ist er schnell fertig, schließlich hatte er kaum Gepäck, und das wenige was er hatte war größtenteils schon in seinem Rucksack.

Er öffnet die Tür zum Unterdeck, dreht beim raus gehen den Kopf noch mal in Richtung Jarun's Bett und denkt sich:

'Der merkt schon wenn ich weg bin....'.

Anselm schließt die Tür und geht gemächlich über's Unterdeck....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Das Spiel beginnt ... - Silana


Mit einer Mischung aus Begeisterung und Verwunderung schweift der Silanas Blick gewissermaßen von oben herab zwischen dem Spielfeld und der johlenden Fanmenge hin und her, während sie einerseits versucht, die Geschehnisse zu begreifen und andererseits, das Gleichgewicht auf dem sich nun etwas heftiger bewegenden Hjaldar nicht zu verlieren.

Es scheint ein recht höfliches Spiel zu sein, zumindest fand sie es nett von den 'Bullen', dass sie sich die Mühe gemacht hatten, das Wappentier der anderen Mannschaft zu basteln. Aus ihren ersten und einzigen Versuch, Blumen aus Stroh zu basteln, weiss sie, wie schwer so etwas sein kann. Nur komisch, dass die Pottwalmannschaft kein Gastgeschenk dabei hatte und sich auch nicht wirklich zu freuen schien.

Ebenso sind ihr die momentanen Vorgänge etwas fremd. Einerseits schien es ein Ballspiel zu sein, andererseits, schien ein weiterer Teil mit den Fans zu tun zu haben, die die Aufgabe hatten, die Namen der Spieler so laut wie möglich zu brüllen.

Vorsichtig, um nicht herunter zu fallen, beugt sie sich zu ihrem Träger hinunter und brüllt:

"Könnt Ihr mir vielleicht die Regeln des Spieles erklären?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Frenhild spürt schon den Atem des gegnerischen Mannschaftsführers im Genick, aber er kommt zu spät, die junge Premerin hat den Ball schon an Tula abgegeben, als Chatal in Reichweite kommt. Nun aber bereitet sich Frenhild darauf vor den 'Bullen' 'würdig' zu empfangen. Damit der Lauf des Ball's abgesichert ist und Tula den Kork mit ruhiger Hand führen kann.


***


Chatal ist momentan so gut wie abgemeldet, soweit man einen Spieler solcher Meisterklasse überhaupt als 'abgemeldet' betrachten kann. Wie man hört, hat sich Chatal schon aus ganz anderen Riegeln wieder befreien können, doch diesmal stehen ihm die 'Pottwale entgegen. Frenhild steht ihm in der Laufrichtung und Ragnid, der sich überraschend von Dunvallo gelöst hat, steht im rechts zur Seite. Von links attackiert Infirnsgiron und so hat der Kapitän der 'Bullen' zunächst einmal alle Hände voll zu tun.


***


Währenddessen geht der Konflikt der beiden Streithälse Thinmar und Scibor in die nächste Runde. Thinmar lächelt dünn auf die, wie er meint, äußerst einfallslose Entgegnung Scibor's. Der Premer tänzelt um den Gegner herum, reibt sich provozierend die roten Stoppeln ums Kinn und erklärt Scibor lachend:

"Nun mach' mal einen Punkt! Wer von uns beiden trägt denn nun einen schwarzen Pelz? Wer ist hier also der Ork?"

Die rotblonde Raika hat er unterdessen völlig aus den Augen verloren, es scheint ihn aber auch wenig zu kümmern.


***


Die Sorglosigkeit Thinmar's hat natürlich einen Grund und der heißt Algrid. In schnellem Lauf kommt sie herbei geeilt, um sich Raika in den Weg zu stellen. In schnellem Lauf wallt das feuerrote Haar der Premerin wie eine Feuerkrone um ihren Kopf und dies sieht, auch für den Gegner immer sehr beeindruckend aus, könnte man doch glatt zu sehen glauben, Algrid's Kopf stünde in Flammen. Es schon Gegenspieler gegeben, die der heran stürmenden Algrid freiwillig den Kork überlassen haben. Doch diesmal will Algrid nicht den Ball erobern, sondern den Lauf Raika's aufhalten.


***


Tula hat den Ball sicher unter Kontrolle. Mit deftigen, aber gewählten Schlägen mit dem Eschenholz reibt sie den Kork nach halblinks nach vorne. Sie fühlt sich, aus gutem Grund, sicher abgeschirmt. Hasgar läuft ihr voraus, in die Gasse und Aki attackiert Faerwyn, eben den 'Bullen', der ihr am nähesten steht und als einziger der Gegner momentan die Möglichkeit hätte, sie in einen Kampf um den Ball zu verwickeln. Frenhild deckt sie zur anderen Seite ab, so dass auch Chatal im Augenblick abgewehrt erscheint. Für alle Fälle läuft ihr im Rückraum auch noch Haldar hinterher, doch das könnte sicherlich nicht nur zur Ballsicherung dienen, sondern auch schon die Einleitung eines taktischen Zugs der 'Pottwale' werden, denn Haldar hat keinen einzigen Gegner zu blockieren.


***


Eher unbemerkt, da es er mit dem Brennpunkt des Spieles im Moment nichts zu tun hat, rückt Faenwulf ein wenig nach vorne. Doch zur Zeit sind die 'Pottwale' in der Offensive und da gibt es für einen Bremser, auch wenn er vom Schlage Faenwulf's sein sollte, herzlich wenig zu tun.


***


Ein wenige auffälliger setzt sich da schon Ragnid in Szene, obwohl auch sie vom Kampf um den Ball weitgehend ausgeschlossen ist. Sie hat sich nur für kurze Zeit Duvallo in den Weg gestellt und als sie sich sicher sein konnte, dass der Ball im Besitz der 'Pottwale' ist, hat sie sich blitzschnell abgedreht und ist in die rechte Region des Mittelfeldes ausgewichen. Dieser Lauf hat sie in den Rücken Chatal's gebracht, sozusagen in eine Position, von der aus sie ihn empfindlich attackieren und stören könnte. Doch tut sie im Augenblick nichts dergleichen, sonder tänzelt auf der Stelle, wenngleich sie den Kapitän der 'Bullen' nie aus dem Augenmerk lassen mag. Die 'Yeshinna', wie man sie hochachtungsvoll nennt, ist wahrhaftig eine Ausnahmeathletin. Ihr Körper erscheint in der perfekten Harmonie zwischen Kraft und Anmut. Ihr Gang ist federnd und leicht. Ragnid ist unglaublich antrittsschnell und erreicht ungeahnte Geschwindigkeiten beim Rennen. Der völlig überraschte Dunvallo hatte nicht den Hauch einer Chance sie zu halten. Eine kleine Körpertäuschung, ein blitzschneller Haken und ein gewaltiger Zwischenspurt und schon war Ragnid aus der Reichweite des Mannes mit dem kurzen Kraushaar. Ragnid ist sich völlig im Klaren darüber, dass sie diesen Trick kein zweites mal würden anbringen können. Zwar ist Dunvallo ein Stürmer und keine Bremser, aber eben deshalb kennt er alle Schliche und er wird sich bestimmt kein zweites mal so foppen lassen.


***


Ifirnsgiron ist unterdessen gar nicht zufrieden mit der Entwicklung der ersten Minuten des Spiels. Das geht ihm alles ein wenig zu schnell und zu kraftvoll. Als er Ragnids 'Einlage' sieht schüttelt er unmutig mit dem Kopf. Das sieht ja alles gut aus, bringt aber überhaupt nichts zählbares. Auch das die linke Seite so weit aufrückt gefällt ihm überhaupt nicht. Zwar hat auch die rechte Seite einige Risse, so hat doch diese blasse Frau mit den Mandelaugen Thinmar glatt stehen lassen, aber das ist momentan noch kein Problem, wenn der Ball auf der linken Seite ist und außerdem noch unter eigener Kontrolle. Außerdem ist das ja noch Algrid, die sich 'feurig' wie immer in die Lücke stürzt. Nein, was den Mannschaftsführer der 'Pottwale' so nachdenklich macht, ist der vielleibige Abwehrriegel der 'Bullen'. Gleich vier Abwehrrecken bilden vor dem Tor der 'Bullen' ein mächtiges Bollwerk und einer davon scheint nicht nur sehr groß und sehr breit zu sein, sondern auch so hart und stabil wie die 'Weiße Rondra' zu Norburg. Dort werden die Räume verdammt dicht. Jedoch die vorgelagerte Abwehrreihe der Mannschaft aus Havena ist löchrig wie Käse aus Waskir.


***


'Nun, woll'n wir doch mal sehen' denkt sich Ifirnsgiron gimmig ....



IN HAVENA - In EFFerd'sTempel: Caiden


Der gestrige Tag war voller Aufgaben für den EFFerd-Geweihten Caiden gewesen. Aber all die Mühen hatten sich gelohnt und das Fischerfest war ohne Probleme verlaufen. Am meisten hatte Caiden die Rückkehr der heiligen Miesmuschel gefreut. Gestern war ein wahrhaft EFFerd-gefälliger Tag gewesen.

Doch seit dem gestrigen Mittag waren Caidens Gedanken auch ein wenig abgelenkt. Er hatte jemanden gesehen und er konnte nicht recht glauben ihn hier zu sehen. Doch dann hatte ihm Yann bestätigt was er selbst in der gestrigen Geschäftigkeit nur kurz hatte beobachten und somit nicht glauben können. Er.. war tatsächlich wieder da.

Caiden beobachtete ihn jetzt schon seitdem er den EFFerd-Tempel betreten hatte. Es war lange her seit er ihn zuletzt gesehen hatte. Irgendwie freute Caiden sich, daß er Caillils Sohn noch einmal sehen konnte und er war froh, daß er auch heute seinen Weg in den Tempel gefunden hatte.

Caiden streicht sich nachdenklich durch seinen kurz geschorenen Bart. Er sollte ihn ansprechen. Caillils Sohn kam sicherlich nicht ohne Grund in den Tempel und machte dann ein so bedrücktes Gesicht.

Vorsichtig tritt Caiden hinter dem Vorhang hervor und geht fast lautlos hinüber. Nur seine blauen Gewänder rascheln, nein.. rauschen, leicht als er geht. Ein Stück hinter dem jungen Mann bleibt er stehen. Er hat ihn zwar sehr lange nicht gesehen, aber er ist sich fast völlig sicher ist, daß es nur er sein kann.

Dennoch begrüßt Caiden Efferdsturm ihn nicht stürmisch. Denn dies würde den jungen Mann sicherlich (immer noch) erschrecken und auch ist es nicht seine Art. Statt dessen fragt er nur leise:

"Efferdan?"



Die Wege der Götter sind unergründlich und gehen manches Mal verschlungene Pfade. Und doch bergen sie oft Hilfe für die kleinen Sterblichen, die auf Dere wandeln. Denn hin und wieder erscheinen - zweifellos durch der Götter Willen - Lichter im Dunkel der Ratlosigkeit.

Efferdans Kopf ruckt nach oben. Hatte er da nicht eben seinen Namen gehört? Nun gut, viele Menschen heißen Efferdan, doch... war er nicht eben alleine hier? Wer könnte denn sonst noch gemeint sein? Und, was fast noch wichtiger ist, wer hat den Namen ausgesprochen?

Ein leichtes Rascheln von Stoff lässt ihn den Oberkörper und Kopf herumdrehen. Beinahe direkt hinter ihm steht ein Mann - er mag wohl um die 50 Sommer zählen, wirkt aber immer noch recht jugendlich und kraftvoll - angetan in die blauen Gewänder eines Efferdgeweihten.

Sofort springt der Matrose auf und verbeugt sich ehrfurchtsvoll.

"EFFerd mit... Euch, Eurer Gnaden..." haucht er.

`Wer...`

Irgendetwas an dem Mann kommt Efferdan bekannt vor. Vorsichtig schweift der Blick aus seinen großen blauen Augen über den Geweihten. Trotz seiner 1.85 Schritt wirkt er recht unauffällig, ruhig. Die schon recht grau gewordenen blonden Haare sind sehr kurz geschnitten. Auch sein Vollbart ist fein gestutzt. Fragend blicken die blauen - mit grünen Sprenkeln wie Efferdan überrascht bemerkt - Augen ihm aus dem wettergegerbtem Gesicht entgegen. Und da, am Hals ist das nicht...

suchend tastet Efferdans Rechte nach dem eigenen Delphinanhänger.

Die Augen des Matrosen werden größer, so etwas wie Erkennen breitet sich langsam auf seinem Gesicht aus.

`Kann es sein, dass...`

Bilder steigen in ihm auf. Bilder von einem Mann Mitte 30, der hin und wieder auf ihn - und auch auf ein paar andere Kinder - aufpasste, wenn seine Mutter unterwegs war. Überhaupt war er so manches Mal in der Nähe seiner Mutter, fällt ihm ein. Beide waren gut befreundet, jedenfalls hat er es so in Erinnerung. Und auch ihm hatte dieser Mann einiges beigebracht. Könnte das dieser Mann sein?

`Wenn... dann könnte er vielleicht...`

"Caiden Efferdsturm?" gibt er leise zurück.

Caiden beobachtet wie sich im Gesicht des jungen Mannes langsam Erkennen formt und als er schließlich seinen Namen nennt ist sich der Geweihte sicher wirklich Efferdan vor sich zu haben, auch wenn dieser seine Frage nicht direkt, sondern nur durch seine Reaktionen beantwortet hat.

"Ja", antwortet Caiden leise auf die Nennung seines eigenen Namens und nickt dabei leicht.

Er macht einen kurzen Moment Pause und schaut Efferdan direkt an und versucht in seinem Gesicht zu lesen wie es ihm wohl geht und was er so erlebt hat.

"Es ist schön dich nach so langer Zeit wieder zu sehen", sagt Caiden ruhig und ein freundliches Lächeln huscht über sein Gesicht. Danach ist er wieder ruhig, gibt dem jungen Mann somit Zeit zu antworten und ihm selbst Gelegenheit unauffällig die Reaktionen zu beobachten.



`Er ist es!`

"Freut... freut mich auch C..."

Siedend heiß fällt ihm ein, dass er den Geweihten als Kind geduzt hat. Zwar ist das als Kind durchaus zulässig, vor allem, da Caiden ihn darum gebeten hatte, doch irgendwie ist ihm das jetzt nachträglich peinlich. Vor ihm steht ein Diener der Zwölf, dem sollte man Respekt zollen. Und er selbst ist ja auch kein Kind mehr.

"..Eurer Gnaden"

Unsicher - auch wegen des musternden Blick des Geweihten - senkt er den Kopf etwas, scheinbar die Muster auf dem Marmor betrachtend, doch diesen nimmt er eigentlich gar nicht bewusst wahr. Zu viele Gedanken gehen ihm durch den Kopf.

`Da er es wirklich ist, kann er mir sicherlich... ich meine, wenn der doch der Mentor meiner Mutter... Ob das ein göttlicher Fingerzeig ist? Aber wie...`

Efferdan hat Angst, dass - wenn er jetzt schweigt - diese Chance ungenutzt vorbei streichen könnte. Und dies könnte ja die letzte Chance sein, etwas mehr über sich, seine Mutter und seinen Vater zu erfahren.

Krampfhaft überlegt er sich, wie er so etwas fragen könnte. Doch, ihm will einfach nichts Rechtes einfallen.

"Ich... ich hoffe, Euch... geht es gut?" fragt er deswegen etwas lahm und zaghaft.



"Danke, Efferdan. Es geht mir sehr gut", antwortet Caiden. Der Geweihte bemerkt, daß Efferdan immer noch recht unsicher ist. Selbst bei ihm selbst ist er sich unsicher, obwohl er ihn doch schon als Kind kannte. Erstaunt stellt Caiden fest, daß er für Efferdan wieder 'Euer Gnaden' und nicht mehr 'Caiden' ist.

Der Geweihte spürt Veränderungen bei Efferdan, aber sehr vieles an ihm ist immer noch wie früher. Einen Moment lang überlegt er ob Efferdan vielleicht nicht schon lange an Stärke gewonnen hat und nur selbst noch nicht so ganz dahinter gekommen ist. Aber viel Zeit zum Nachdenken hat Caiden im Moment nicht, wenn er Efferdan mit Schweigen nicht völlig beunruhigen will.

"Efferdan, du mußt nicht 'euer Gnaden' zu mir sagen. Du kannst mich ruhig bei meinen Namen nennen. So wie damals. Außer natürlich Du möchtest mich vielleicht als Efferd-Geweihten sprechen." Und bevor Efferdan wieder herumdrucksen kann spricht er gleich an was er eigentlich wissen möchte. "Aber sag, wie geht es dir, mein Junge, und was führt dich zurück nach Havena?"

Solch Geschwindigkeit bei den Fragen ist eher ungewöhnlich für Caiden, aber sein Gesprächspartner ist ebenso ungewöhnlich. Es war damals schon nicht leicht mit Efferdan zu reden und heraus zu finden was ihn bedrückt.



Efferdan sieht einen Moment weiter verlegen auf den Boden. Der Marmor an dieser Stelle scheint sanfte Wellenmuster zu tragen, fast so, als würde er fließen. Und dort...

Für einen Moment hatte Efferdan den Eindruck, einen Fleck gefunden zu haben, der einem Delphin gleicht, einem weißen Delphin. Doch einen Augenblick später ist dort nur noch alter, weißer, mit dunklen Flecken durchsetzter Marmor.

Doch bei den Worten des Geweihten - Efferdan hat im Moment noch etwas Schwierigkeiten in dem respektablen Mann wieder »einfach nur« Caiden zu sehen - weiten sich seine Augen und er sieht auf.

Der letzte Satz war ja geradezu eine goldene Brücke, die er nur zu überschreiten braucht. Langsam reift in ihm die Überzeugung, dass dies alles nicht nur Zufall ist, sondern himmlischer Wille, der sich hier zeigt. Er muss nur den Mut haben den Weg zu Ende zu gehen.

Mit einem Mal hebt sich Efferdans Brustkorb in einem tiefen Atemzug, seine Gestalt wirkt nun etwas gestreckter, nicht mehr nur geduckt. Auf seinem Gesicht spiegelt sich deutlich wieder, dass er einen Entschluss gefasst hat - etwas, was ihn selbst etwas überrascht.

`Also los! So eine Gelegenheit kommt wahrscheinlich nie wieder.

Entweder jetzt oder nie! Hoffentlich verlässt mich nicht der Mut...`

"Recht gut, ähm danke. Ich... ich bin hier... weil... weil ich Antworten suche, Euer... äh Caiden"

Fragend sieht er den Geweihten an, immer noch etwas unsicher, ob das eben so richtig wahr. Dass man den Mut findet, die Brücke zu betreten bedeutet noch nicht, dass man sicheren Schrittes geht...



'So.. Antworten sucht er', denkt Caiden. 'Doch Antworten worauf? Wie kann man erwarten Antworten zu finden, wenn man sich nicht traut die Fragen zu stellen, oder Angst hat vor dem was man erfahren könnte.'

Caiden schaut Efferdan ein wenig nachdenklich an. Er kann sich fast schon vorstellen was Efferdan gerne wissen möchte, doch ob die Antworten die er für ihn hat ausreichend sind weiß er nicht.

"Antworten gibt es sicherlich viele hier, Efferdan", sagt er freundlich. "Nur musst Du dich auch trauen die entsprechenden Fragen zu stellen."

Caiden schaut sich kurz um. Es kommen immer wieder Leute herein, um zu beten und andere gehen wieder hinaus. Auch wenn es nicht viele Leute sind, so entsteht für eine Unterhaltung in der 'Antworten' vorkommen sollen doch zu viel Unruhe. Zudem ist es auch für die Gläubigen ein wenig störend, wenn Leute in der Gegend herum stehen und sich unterhalten.

"Doch vielleicht sollten wir ein Stück gehen", fügt er noch hinzu, "so stören wir nicht die anderen und wir haben die Ruhe um zu reden." .... Außerdem hofft Caiden, daß Efferdan sich vielleicht eher traut zu reden, wenn keine anderen Leute in der Nähe sind die mithören können.

Caiden wendet sich schon einmal halb dem Gang zu und wartet auf ein Zeichen Efferdans.



`Antworten gibt es viele?`

Dieser Satz kommt Efferdan vage vertraut vor. Er erinnert ihn an eine Schulstunde, damals. Es ging um Glaube, Wahrheit, Fragen und Antworten.

»Fragen gibt es viele und zu jeder Frage gibt es auch mehrere Antworten. Es kommt auf den Standpunkt an, auf die Betrachtungsweise. Und darauf, was eine Person als Wahrheit ansieht. Und was der Fragesteller erwartet. Nicht nur die Antwort ist entscheidend sondern die Erwartungen der Frage - oder auch das Unwissen.«

Er hatte diese Antwort damals nicht verstanden - sie war aj auch für einen älteren Schüler formuliert, wobei Efferdan sich sicher ist, dass auch dieser die Antwort nicht verstanden hat - und doch muss er jetzt daran denken. `Die richtige Frage stellen? Was ist die richtige Frage? Wie kann ich sie in Worte kleiden, wenn ich mir selbst nicht ganz sicher bin, was ich als Antwort erwarte...`

Als Antwort erwarte... - »...Und was der Fragesteller erwartet...«

Sicher, die Frage beschäftigt ihn schon lange, doch für ihn ist es leichter, sie in Gedanken zu stellen als sie in Worte zu kleiden. Vielleicht...

Für einen Moment ist er froh, dass der Geweihte - dass Caiden, wie er sich in Gedanken klar macht - ihm vorschlägt, etwas zu gehen um ungestört zu sein.

"äh ja"

So setzt er sich neben Caiden und sieht auf den Gang. Es ist ein vertrauter Gang. Als Kind war er ihn des öfteren gegangen und ihn jetzt wieder zu gehen, vermittelt ihm ein etwas beruhigendes Gefühl von Wärme und Heimat.

Schweigend geht er ein paar Schritte neben Caiden her, während er im Geiste grübelt, wo er anfangen soll. Vielleicht ist nicht das das Problem, die Frage zu formulieren, wie er eben noch dachte, sondern eher, welche der Fragen er wann wie formulieren soll. Es gibt so vieles, was er nicht weiß...

Er atmet noch einmal tief durch und wagt dann einen neuen Schritt auf der Brücke. Immer noch unsicher und wohl deshalb noch etwas zögerlich und im Zickzack:

"Ähm, meine Mutter... Ihr kanntet sie gut, oder?"



'Efferdans Mutter, Aillil. Sie war wohl der Schlüssel zu allem was Efferdan betraf. Nur sie wusste alles.'

Aillil hatte Caiden nie alles erzählt. Er wusste das meiste nur aus kleine Andeutungen, die sie gemacht hatte, aus kleinen Fragen, aus Anzeichen hier und dort und aus Dingen, die man erfuhr, wenn man Augen und Ohren offen hielt und darauf achtete was einem andere durch ihr Verhalten unwillentlich erzählten ohne dass sie direkt darüber sprachen. Auch Schweigen konnte eine vielsagende Antwort sein, wenn man es zu deuten vermochte.

Caiden schwieg einen Moment und dachte nach.

'Kannte ich Aillil gut? Ich war ihr Mentor und auch ein Freund. Doch kannte ich sie wirklich gut genug, um Efferdan alle seine Fragen zu beantworten? Aber wer kennt schon jemals einen anderen gut genug, um alle Fragen über diese Person zu beantworten. Und wer erfuhr schon jemals alle Antworten an einem Ort oder war vollständig mit der Antwort zufrieden?'

Caiden kommt zu der Erkenntnis, daß er Aillil zwar gut kannte, aber vielleicht niemals gut genug. Und Caiden weiß auch, dass er Efferdan sicherlich nicht alles beantworten kann, aber er konnte ihm vielleicht dennoch weiter helfen.

Caiden fragte sich warum Aillil es Efferdan niemals erklärt hatte, aber er schätzte, daß sie diese schwere Aufgabe vor sich hergeschoben hatte bis es zu spät war.

Was Efferdans Frage betraf...

"Ich kannte sie... ja... ich war ihr Mentor", antwortet er Efferdan schließlich im ruhigen Tonfall. Eine zweideutige Antwort, doch hoffentlich gut genug, um Efferdan zu bewegen weiter zu fragen und vielleicht andererseits ausreichend Entschuldigung, falls die kommenden Antworten des Geweihte keine Hilfe waren.



`Ihr Mentor...`

Ja, Efferdan erinnert sich, dass seine Mutter so etwas gesagt hatte...

Caiden war früher oft mit ihr zusammen gewesen - und auch auf ihn hatte er hin und wieder aufgepasst. Vielleicht traut er sich deswegen ihm solche Fragen zu stellen.

"Wie... wie war sie denn so?" fragt er zaghaft. Erinnerungen an seine Mutter huschen durch seinen Geist. Ihr wundervoll warmes Gesicht, ihre tröstenden Hände, ihr aufmunterndes Lächeln. Er war zwölf als sie starb. etwa nagt in ihm, die Frage, was er wirklich von seiner Mutter weiß. Und vielleicht erfährt er so etwas mehr...



Gebannt lauscht Efferdan den Worten, mit dem Caiden ein Bild seiner Mutter vor ihm ausbreitet. Einzigartig, oh ja, das war sie wohl. Nett und freundlich - es kommt ihm so vor, als könne er sich noch an jedes freundliche Wort, jedes aufmunternde Lächeln, jede sanfte Berührung erinnern, die sie ihm jemals schenkte. Und gelacht hatte sie viel, ja. Wenn Efferdan so zurückdenkt, kann er sich an kaum einen Tag erinnern, da er sie traurig erlebt hat. In seinen Erinnerungen ist sie wie eine Kerze, die fröhlich in der Dunkelheit flackert, ein Rettungsanker im alltäglichen Trubel, ein Sonnenstrahl nach einem wahrhaft stürmischen Tag. Einfach seine Mutter.

Während Caiden noch erzählt, schließen sich seine Lider, bis sie nur noch einen Spalt weit offen sind. Wieder sieht er ihr hübsches, schmal geschnittenes Gesicht vor sich, das lange mittelblonde Haar, dass ihren Kopf wie gold schimmernde Wellen umfloss, die ausdrucksvollen, blitzenden grau- grünen Augen. Sie lächelt ihm zu, fröhlich, aufmunternd und alles ist so real, dass Efferdan für einige schmerzhafte Augenblicke glaubt, er müsse nur die Hand ausstrecken um seine Mutter berühren zu können. Sogar den Duft ihres Haares - es roch irgendwie nach Pfirsich, wenn es frisch gewaschen war - vermeint er wahrzunehmen.

Dann sagt Caiden etwas, dass Efferdan aufhorchen lässt. Zögernd öffnet er die Augen, hin und her gerissen zwischen dem Bild seiner Mutter, das ihm so nahe vor Augen schwebt und dem Grund, weswegen er hergekommen ist: mehr zu erfahren.

"Geheimnisvoll..." flüstert Efferdan fast tonlos, nachdenklich, so als drehe er die Silben in seinem Mund herum, um sie von allen Seiten zu betasten, auf das ihm keine Nuance der Bedeutung verloren geht.

"Sie... sie ist mir immer ausgewichen... wenn es um Vater ging..." kommt ihm nach einigen Herzschlägen zaghaft über die Lippen.

Für einen wahnwitzigen Augenblick kommt ihm der Gedanke, dass vielleicht Caiden sein Vater sein könnte, ein Mentor und seine Schülerin, die sich ineinander verlieben, dass er vielleicht gerade seinen Vater fragt, nach dem, was ihn quält. Schließlich war Caiden ja auch immer da, um auf ihn aufzupassen...

Doch schnell schiebt Efferdan diesen Gedanken wieder von sich. Wenn es so wäre, dann hätte er es sicher längst erfahren. so ein Verhältnis wird zwar bestimmt nicht mit dem größten Wohlwollen aufgenommen, aber wirklich verboten ist es doch auch nicht, oder? Und dann ist da noch dieses Gefühl...

Efferdan spürt, dass da noch etwas anderes sein muss. Die Lösung ist bestimmt nicht so einfach. Und, wenn Caiden sein Vater wäre - müsste er dass nicht spüren? Nein, Caiden ist ein guter Freund seiner Mutter, der immer nett zu ihm war. Nicht mehr!



"Deine Mutter war ... irgendwie einzigartig", beginnt Caiden zu erzählen, "sie war sehr nett und freundlich, fast immer fröhlich und sehr wissbegierig... neugierig. Doch manchmal vielleicht etwas zu impulsiv und ungeduldig in dem was sie tat. Auf jeden Fall war sie jedoch eine gute Schülerin und später eine beeindruckende Geweihte und sie diente unserem Herrn sehr gut. Vielleicht war sie Efferd in gewisser Weise näher als manch anderer."

'Sogar ihren Sohn hatte sie Efferdan gennant; ihm zu Ehren', denkt Caiden, 'oder hatte sie noch einen anderen Grund gehabt ihrem Sohn einen so Efferdgefälligen Namen zu geben? War es vielleicht um auf diese Weise ihren Sohn unter den besonderen Schutz Efferds zu stellen?' Caiden denkt Gedanken, die er eine sehr lange Zeit nicht gehabt hatte. Auch ihm kommen Erinnerungen. Details, Andeutungen, Dinge die damals geschahen... all' dies kehrte langsam intensiver zurück. Efferdan mußte es nun ähnlich ergehen, denkt sich Caiden.

"Manchmal...", fährt Caiden fort, "war sie ein wenig geheimnisvoll."



IN HAVENA - Im Tempel des Efferd: Fiana's Wege


Fiana hat nunmehr den Gebetsraum betreten und schaut sich zunächst einmal interessiert um.

Dabei entdeckt sie etwas, mit dem sie eigentlich nicht gerechnet hat. Efferdan ist hier! Nach dem turbulenten gestrigen Tag(en) hätte sie einen Dukaten verwettet, daß er erstmal in den Tiefen des Schiffes bleiben würde, so schüchtern wie er ist.

Doch dann muss sie wieder an seinen mutigen und entschlossenen Einsatz bei der Rettung des Kindes denken.

'Ja er kann auch anders'

Eigentlich ist er ein verdammt guter Kerl, nur fürchtet sie, dass ein Lob bei ihm fast nach hinten losgehen kann. Er würde wahrscheinlich so verlegen werden, dass er tagelang unter Deck bliebe.

'ABER!...' fällt ihr ein, wenn sie ihn alleine trifft, dann wäre es vieleicht etwas anderes.

Doch jetzt ist dazu gänzlich die falsche Zeit, denn Efferdan spricht gerade mit eienm der Geweihten und da würde die höchstens rein platzen wollen, wenn das Schiff sinken würde.

Also zieht sie sich in eine andere Ecke des Raumes zurück und beginnt sehr leise ihr Gebet an den Herrn EFFerd.

"Herr EFFerd, ich danke dir, das die NORDSTERN deinen Schutz genießen durfte und bitte inständig darum, dass du unserem Schiff und allen seinen Lebewesen an Bord auch weiterhin deinen Schutz gewährst. So unergründlich deine Wege uns auch erscheinen mögen, so glaube ich fest daran, dass sie uns einst an das richtige Ufer treiben werden."

'Und vielleicht ist auch das Ufer der Schatzinsel dabei...' fügt sie nur in Gedanken hinzu, denn sie wagt es nicht um so etwas "Offiziell" zu bitten

Mit dem festen Vorsatz wieder zu kommen und zu versuchen Efferdan noch zu treffen, geht sie wieder in Richtung des Ausganges zum Vorraum.



Langsam verlässt Fiana den Efferdtempel wieder und macht sich sodann auf den Weg zum Stadion, denn noch ist es nicht zu spät einige interessante Momente des Spiels mitzuerleben.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Das also ist Imman ... - Darian


Nachdem die Frau das Geld entgegen genommen hat, sieht der junge Adeptus wieder zum Spielfeld. Nun ertönt auch bald der Anpfiff, womit das Spiel nun wirklich begonnen hat. Zwar haben die Immankundigen der NORDSTERN ihm die Grundzüge der Regeln auf dem Weg hierher erzählt, aber um die Vorgänge dort unten wirklich zu verstehen, reicht das natürlich nicht. So beobachtet er das Spiel, ohne weiteren Kommentar. Das verfolgen des Spieles wird noch dadurch erschwert, daß er an mehreren Zuschauern vorbei gucken muß, die nicht nur größer als er selbst sind, sondern sich auch noch ständig bewegen.




IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Erfreut sieht Tibraide, wie sich die Premer anstrengen, den Ball zu bekommen. Eigentlich ist es ja nicht sehr erfreulich, wenn die gegnerische Mannschaft den Ball hat, aber die Art, wie sich die Spieler anstrengen, das Tempo, dass sie vorlegen, zeigen doch, dass ihr Plan doch Erfolg hatte.

`Wenn sie sich weiter so verausgaben, dann sind sie schnell müde und wir im klaren Vorteil. Wir müssen nur verhindern, dass sie den Kork nicht zwischen die Stangen bekommen und wenn sie so weit sind, dann schlagen wir zu...`


***


Scibor macht einen Schritt auf Thinmar zu. Seine Augen gleichen schlitzen, hinter denen das verheerende kalte Feuer der Niederhöllen lodert.

`Der Pirat will wohl unbedingt Schläge. Er weiß gar nicht, wie sehr er mir damit einen Gefallen tut.`

Ein zufriedenes Lächeln voller Vorfreude stiehlt sich auf seine verächtlichen Lippen, als er gegen hält:

"Aber du hast die Hackfresse und das Stummelschwänzchen..."


***


Raika sieht die »heranflammende« Algrid wohl, doch weckt sie in ihr, der ruhigen, besonnenen, nicht die Angst, die sie vielleicht erhoffte.

`Schönes Haar... fast so schön wie das meiner Halbschwestern...` kommt ihr statt dessen in den Sinn.

Für einen Moment läuft sie weiter, Konfontrationskurs vortäuschend. Wieder kommt ihr eine Weisheit ihres Vaters in den Sinn:

`Stelle dich dem anstürmendem Hirsch nicht in den Weg. Sei wie der Wolf und wähle die Seite!`

Raika wird ein wenig langsamer, huscht dann elegant, fast tänzelnd, zur Seite und lässt so die etwas verblüffte Algrid erst einmal an sich vorbei stürmen.


***


So ähnlich wie Algrid sich fühlen muss, fühlt sich Dunvallo. Gerade eben schlug die Frau, die ihn hatte blocken wollen, einen Haken. Und das mit einer Eleganz, die er ihr gar nicht zugetraut hätte. Für den Bruchteil eines Augenblicks überlegt er sich, ob er hinterher hasten soll, doch die Situation hat sich geändert. Der Ball befindet sich nun rechts von ihm, während Cathal ziemlich eingekreist ist. Der wird den Kork wohl schwer erreichen - auch wenn er noch so gut ist, dürfte es ihn einfach zuviel Zeit kosten, da durch zu brechen.

Er dagegen steht nun frei...

So wendet er sich nach rechts, eine Richtung, die ihm dem Kork wieder näher bringt. Aber auch der blonden Frenhild, die so wie es aussieht, entschlossen ist, ihn aufzuhalten...


***


Auch die anderen Bullen sind in der Zwischenzeit keineswegs untätig. Cuil, einer der beiden Zwillinge, läuft - entgegen des Trendes - nach links, weiter in das Mittelfeld, um sicher zu gehen, dass die Pottwale nicht plötzlich ihr Flügelspiel aufgeben und über die Mitte kommen.

Auch Neelke, auf dem linken Flügel der Bullen, eilt weiter in das Mittelfeld hinein. Sicher ist sicher.


***


Auch Lyn rennt nicht auf den Ball zu - noch nicht. Wenn sie jetzt los rennt, ist sie nur eine von vielen. Viel effektvoller ist es doch, wenn sie noch etwas wartet und dann im richtigen Augenblick den Ball erobert. Schließlich soll man sie ja auch sehen...


***


Faerwyn fixiert gerade den Kork und die Frau, die ihn mit sicheren Schlägen weiter in die Hälfte der Bullen bringt, als sich ein weiterer Premer vor ihn schiebt, ein hochgewachsener Mann mit Drei-Tage-Bart. Und dieser versucht ihn auch sogleich in Richtung Seitenaus abzudrängen, um den Weg freizumachen. Ein kräftiger Ellenbogen zielt auf Faerwyns Seite, um ihn wegzuschieben, wie es scheint, doch Faerwyn hat so etwas schon erwartet. Mit seinen über 30 Sommern spielt er schon zu lange Imman, als dass er so etwas nicht erwartet hätte. Rasch trifft sein Unterarm auf den Akis und lenkt so dessen Stoß ab. Aber auch, wenn Aki ihn nicht trifft, so verliert Faerwyn doch wertvolle Zeit, wird aufgehalten. Noch etwas länger und die Premer mit dem Ball zieht vorbei.

`Ich muss vorbei kommen`

Seine linke Faust ruckt vor, zielt aber absichtlich daneben, eine Finte. Faerwyn hebt den linken Fuss, so als wolle er treten, stößt sich mit dem rechten ab und versucht dann, mit seiner Schulter Aki zur Seite zu stoßen, um an ihm vorbei zu schlüpfen.


***


Cathal verlangsamt seine Schritte.

`Verdammt, sie versuchen mich einzukreisen...`

Ja, das ist die Schattenseite, wenn man so gut ist, wie er und der Gegner das weiß. Irgendwie versucht dann jeder, einen abzuschirmen. Einerseits ist das ja eine Ehre, aber doch irgendwie lästig.

`Aber nicht mit mir!`

"Na, so viele, um mich zu bremsen? Habt ihr etwa Angst vor mir?" fragt er grinsend in die Runde, bevor er plötzlich nach vorne springt, um, wie es scheint, durch die Lücke zwischen Frenhild und Ifirnsgiron, dem Kapitän der Premer, hindurch zu schlüpfen. Doch, dass ist alles nur Täuschung. Ein Drehung und ein weiterer rascher Satz wieder schräg zurück bringen ihn in die Lücke zwischen Frenhild und Ragnid.

Den Schläger hält er gerade nach vorne, damit er nicht noch jemanden berührt und die Schiedsrichter das womöglich als Foul bewerten. Doch der linke Ellenbogen ist angewinkelt, bereit, die näherstehende Frenhild anzurempeln und wegzuschieben, sollte sie sich ihm schnell genug in den Weg stellen können...

`Na wartet`



Eben ist Hasgar noch gemächlich vor sich hin getrabt, so beginnt er in diesem Augenblick einen wahren Sturmlauf, gerade so, als wäre plötzlich eine Herde aufgebrachter Maru's hinter ihm her. Der Ausfall kommt völlig überraschend und scheint überhaupt keinen tiefer Sinn zu haben, denn Tula, die den Ball führt ist etliche Schritt hinter ihm und hat eigentlich noch immer eine freie Bahn, so dass ein Steilpass nicht zu erwarten wäre....


***


Aber auch Tula hat ihr Tempo erhöht, wenn auch nicht so rasant, denn sie hat geringfügige Schwierigkeiten damit, den leichten Korkball über den Grasboden zu treiben. Im Nordland wird ja, so ist es allgemein bekannt, allenortes auf blankem Boden gespielt. Das ist ja auch kein Wunder, denn dort, wo die Nordleute einmal 'hingeschlagen' haben, da wächst kein Gras mehr. Tula führt den Ball dennoch einigermaßen sicher, kommt aber eben nicht so schnell von der Stelle, zumindest nicht so schnell, wie sie sich das in ihrer Planung erhofft hatte ....


***


Tula wird verfolgt. Doch nicht von einem Spieler oder einer Spielerin der 'Bullen', sondern von Haldar, einem der 'Ihren', einem Streiter im 'Zeichen des Pottwal's'. Haldar passt seinen Lauf genau an die Geschwindigkeit Tula's an, auch ein Manöver, dass sich die Wenigsten der Zuschauer vorerst erklären können.


***


Aki geht es im Moment gar nicht gut! Faerwyn hat die Attacke des Premer's routiniert abgewehrt und ins 'Nichts' umgelenkt. Dabei verliert der der Stürmer der 'Pottwale' das Gleichgewicht und stürzt haltlos vorne über. Noch im Fallen dreht er sich noch auf den Rücken und reißt er die Beine hoch, denn Aki erwartet nun eine Attacke Faenwyn's gegen Tula und das sollte doch tunlichst vermieden werden. Und so versucht der Stürmer, als letztes Mittel das ihm bleibt, dem 'Bullen' ein Bein zu stellen, um auch ihn zum Stürzen zu bringen. Doch Faenwyn, der 'alte Recke' tut ihm den Gefallen nicht. Er wartet einfach ab, bis der Gegner auf den Boden prallt, sartet danach und so geht der Tritt Aki's ins Leere. Was den spielerischen und technischen Reichtum des alten Havenaer schon immer ausmachte, ist der reichhaltige Fundus an überraschenden Tricks, die er noch immer auf Lager hat und mit denen er, vor allem jüngere Spieler wie Aki noch immer in den 'Wahnsinn' treiben kann. Immerhin: Das Zögern hat Faerwyn zwar vor dem Fall bewahrt, aber dennoch hat er empfindlich Zeit verloren. Und Tula naht ...


***


Die fortwährende Gehässigkeit dieses hässlichen Gnoms, der fast breiter als lang ist und aussieht wie eine wandelnde Grabplatte, kriecht Thinmar nun doch langsam ins Gekröse. Thinmar umfasst seinen Schläger, als könne sich dieser jeden Augenblick in einen Vogel verwandeln und fortfliegen. Die Schläfenadern des Thorwaler's heben sich mittlerweile drohend ab und die Stimme des Premers klingt nur noch mühsam beherrscht:

"Mein 'Stummelschwänzchen' ist im Schlafe noch immer länger als bei dir der ganze Kerl. Allerdings hat es nicht so abstoßende Hautbilder an der Spitze!"

Mit wachsendem Ekel schaut Thinmar auf die Tätowierungen auf dem blanken Schädel Scibors. Schlangen !! Man muß sich das einmal vorstellen - der Kerl läßt sich Schlangen in die Kopfhaut ritzen !!!

"Du mußt doch, statt einer 'Denkmorchel' nur noch 'Geschupptes' unter dem Schädel haben!" erklärt Thinmar und macht eine abfällige Bewegung dabei.


***


Ifirnsgiron hat sich von den Finten Chatal's foppen lassen und das 'wurmt' ihn gewaltig. Durch die ständigen Körpertäuschungen des Angreifers hat Ifirnsgiron ständig sein Körpergewicht nach links und dann wieder nach rechts verlagern müssen, um spurtbereit zu bleiben. Und jetzt, da Chatal seinen Ausfall macht, hat er doch den Kapitän der Premer voll auf dem falschen Fuß erwischt. Nun ist Chatal schon auf und davon und rennt auf Frenhild, die Fee, zu. Ifirnsgiron flucht. Er wird nicht mehr rechzeitig zur Stelle sein, um ihr helfen zu können. Außerdem wird die Situation am rechten Flügel eine wenig zu unübersichtlich und daher möchte sich Ifirnsgiron nicht allzu weit fort wagen. Auf der anderen Seite wird Fernhild dem Angriff Chatal's nicht lange standhalten können.

'Oh SFAwnir! Was ist nur zu tun?'


***


Frenhild, die Fee, bereit sich mittlerweile auf das Schlimmste vor. Sie gibt sich auf keinen Fall der Illusion hin, den 'berühmten' Chatal auf Dauer stoppen zu können. Sie kann sich lediglich dem Heranstürmenden in den Weg stellen und hoffen, dass es nicht allzu sehr weh tun wird.


***


Als Algrid aus vollem Lauf bremst, zieht sie zwei tiefe Furchen in den schönen Rasen des Stadions. Da hat sie doch dieses Biest glatt aussteigen lassen. Ganz gegen ihren Willen kommen ein paar Gedanken der Bewunderung für die Gegnerin in ihr Bewußtsein. Doch diese Anwandlung von 'Sachlichkeit' hat Algrid schnell wieder im Griff. Sie stößt einen 'unaussprechlichen' Fluch aus, der 'unaussprechliche' Körperteile der Havenaerin betrifft und startet sodann ihren Verfolgungslauf.


***


Fast unbemerkt hat sich Ragnid, die Yeshinna, aus dem Riegel um Chatal heraus gelöst und rennt nun, mitten durch das Feld in die Spielfeldhälfte der 'Bullen'. Es ist schon eine ganz besondere Augenweide, ihr auch nur beim Laufen zuzusehen. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten, wirkt ihr Lauf noch im höchsten Maße elegant und dennoch kraftvoll und geschmeidig, wie der eines Gepards. Sie ist bekannt dafür, dass sie, auch im dichtesten Getümmel immer die Übersicht behält und schon für mehrer Züge vorausplant. Diese Fähigkeit hat sie zu einer der besten Stürmerinnen Aventuriens werden lassen. Und auch jetzt scheint sie irgend etwas zu planen, so könnte man es zumindest annehmen. Offensichtlich will sie durch die Gasse, die von Cuil und Gun flankiert wird.

'Die zwei sehen sich aber auch verdammt ähnlich!' denkt sich Ragnid 'Da muss man ja direkt aufpassen, dass man nicht ins Schielen kommt!'


***


Mit einem gellenden Kampfschrei rast die kurzhaarige Frenhild auf Dunvallo zu und schwenkt dabei ihren Eschenschläger über dem Kopf, als wäre es ein Kriegsbanner. Wäre Fensterglas in der Nähe gewesen, der schrille Schrei hätte es wohl in tausend Stücke springen lassen.

"Rihllillilliliiiii ..... (oder so ähnlich)!" schallt es über das Spielfeld.

Weit holt Frendhild mit ihren Schritten aus, ihr ganzes Tun und Handeln möchte als Zeichen dienen, dass sie es sich fest genommen hätte, Dunvallo in Grund und Boden zu rennen. Das wäre in der Tat ein freches Unterfangen gewesen, denn der Stürmer aus Havena schickt sich an, einer der ganz Großen des Immansports zu werden, ein Angriff dieser Art, und sei er noch so kess ausgeführt, kann ihn wahrhaftig nicht in Verlegenheit bringen. Doch es sollte ganz anders kommen ....

Als sie nur noch wenige Schritt von ihrem Gegner entfernt ist, wirft Frenhild ihren Schläger über die Schulter nach hinten und springt dann ab ... jawohl ... - SIE SPRINGT!!

Sie wirft ihre schlanken Arme um Dunvallo's Hals und schlingt ihre Beine fest um seine Hüften. Nun hängt sie an ihm, einer Klette ähnlich, gleich einer jungen Äffin an der Mutter und triumphierend stimmt sie ein 'Wolfsgeheul' an.

Dann nimmt sie den Kopf des völlig verblüfften Dunvallo in die Hände und gibt ihm, vor den Augen Tausender von Zuschauern, grinsend einen dicken, anhaltenden Kuss auf die Lippen, der dem 'Bullen-Stürmer' nicht nur die Sicht, sondern auch den Atem raubt .....


***


Isleif, der das Spiel bisher nur aus der Distanz betrachten konnte, kratzt sich gelangweilt am Hintern .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


"FAERWYN!!! MACH IHN PLATT!!!" feuern die jubelnden Fans den Havena'er Spieler an, als der den Premer so grandios austrickst.

Scibor und Thinmar, die beide eher mit Worten als mit den Schlägern kämpfen, finden ebenfalls ihre Beachtung, auch wenn das, was sie sagen, für die Zuschauer alles andere als hörbar ist.

"HAU IHN IN STÜCKE, SCIBOR!" wird darum nur gebrüllt, denn dass diese Worte keine Nettigkeiten sind, das versteht sich wohl von selbst.

Dann geht es zwischen Frenhild und Dunvallo zur Sache, und ein Aufschrei, aus dem sowohl Begeisterung und Freude, als auch Überraschung und Verärgerung sprechen, gellt durch die Reihen der Bullen-Anhänger.

"WIRF SIE WEG, DUNVALLO, DU BIST ZU GUT FÜR SO EIN LUDER!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Unliebsame Begegnung - Jandara


Wie um einen Aufschrei zu ersticken, schlägt die junge Frau ihre Hände vor den Mund. Entsetzen steht in ihren weit aufgerissenen, grünen Augen. So hatte sie sich das Wiedersehen nicht vorgestellt. Doch der über zwei Schritt große Thorwaler, der mit gehörntem, silberglänzendem Helm, grauem Wolfsfellumhang, rot-blau gestreifter Hose, das weizenblonde Haar zu zwei langen Zöpfen geflochten und nacktem, sehr muskulösem und über und über tätowiertem Oberkörper vor ihr steht, bemerkt dieses Entsetzen nicht. Erfreut über das unverhoffte Wiedersehen, breitet er seine Arme aus und presst Jandara so herzhaft an sich, dass ihre Füße den Bodenkontakt verlieren und ihr die Luft wegbleibt. Dann hält er sie auf Armlänge von sich, wobei ihre Füße noch immer in der Luft hängen und betrachtet sie mit offensichtlichem Vergnügen.

"Bei SWAfnir, du hast dich ja gar nicht verändert!" stellt er schmunzelnd fest.

'Was denkt sich dieser Walfisch bloß? Was mache ich jetzt nur?'

Verzweifelt versucht Jandara ihre Gedanken zu ordnen.

"Cern, lass mich runter." befiehlt sie dem Hünen in ruhigem und sehr kühlem Ton.



Nachdem Jandara wieder Boden unter den Füßen hat, tut sie so, als müsse sie sich erstmal den Staub von den Kleidern klopfen. Sie hofft, damit Zeit zu gewinnen.

'Eigentlich sollte ich diese günstige Gelegenheit nutzen,' überlegt sie. 'Er scheint sich von seinen Leuten getrennt zu haben.'

Sie versucht Cern anzulächeln, was ihr aber nicht so recht gelingen will.

"So ein Zufall aber auch, nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich dich jemals wiedersehen muss..."

Das -muss- ist ihr einfach so herausgerutscht, so hatte sie das nicht sagen wollen. Erschreckt mustert sie sein Gesicht. Der Thorwaler hebt erstaunt die blonden Augenbrauen.

"Ich meine, dass ich dich wiedersehen darf." setzt sie schnell hinterher.

Cern's Gesichtszüge entspannen sich wieder.



Jandara schaut sich Cern noch einmal genauer an. Irgend etwas an ihm stört sie. Eigentlich sieht er ja so aus wie immer, jedoch...

Das Tuch!

Cern trägt, neben unzähligen goldenen Ketten um den Hals, um seinen kräftigen, linken Oberarm ein weißes Seidentuch. Der leichte Stoff flattert fröhlich im Wind. An irgend etwas erinnert sie das. An eine Trophäe? Ja, jetzt fällt es ihr wieder ein, in Weiden schenken die Mädchen und Burschen ihren Favoriten beim Ritterturnier eine Schärpe oder ein Tüchlein, dass diese sich dann um Sattelknauf, Lanze oder Arm binden, damit es ihnen Glück bringe. Vorsichtig berührt sie das Tuch mit den Fingerspitzen und blickt fragend in Cerns alveranblaue Augen.

"Das Tuch?" fragt er erstaunt.

"Ja, Cern, das Tuch! Es hat doch sicher ein Bedeutung, oder?"

Jandara schwant schon Böses.

"Das wohl!" antwortet er mit offensichtlichem Stolz.

"Ich bin den Travia-Bund eingegangen..."



Wie ein Faustschlag trifft diese Neuigkeit direkt in Jandaras Magengrube. All ihre Pläne, die sie für ihre Rache geschmiedet hat, zerplatzen nun wie Seifenblasen. Oder?

'Na und,' denkt sie sich finster, 'Was schert mich das, warum sollte ich meine Meinung jetzt ändern? Nein, er hat es verdient!'

"Das freut mich aber!" erwidert sie scheinheilig und Cern, nichtsahnend, sprudelt wie ein Wasserfall hervor:

"Ja, ja, sie steht dort drüben."

Sein Finger zeigt in die ungefähre Richtung der blonden Frau aus der Taverne, die ihnen aber den Rücken zukehrt.

"Du wirst sie mögen," verkündet der Thorwaler mit Stolz geschwellter Brust.

"Sie ist so lieb und sanft, sie kann zuhören und wir haben soviel Spaß!"

Es fällt der jungen Frau schwer, nicht gelangweilt die Augen zu verdrehen, oder mit der Stiefelspitze Muster in den Boden zu malen.

'Bla, bla,bla, und wenn sie etwas berührt, dann wird es sicher zu Gold...'

Cern schwärmt weiter:

"Ach Jandara, sie ist so ganz anders als du. Außerdem ist sie von der lieblichen TSA gesegnet, in vier Monden wird unser Sohn geboren!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Kommentare - Perval und Traviana


Perval beobachtet konzentriert das Geschehen auf dem Feld. Zumindest im Moment steht Traviana an zweiter Stelle hinter dem Spiel. Bei jedem guten und gelungenen Manöver der Bullen schreit Perval seine Zustimmung und sein Lob hinaus. Dagegen wird jeder Spielzug der Pottwale schlecht gemacht und nicht selten auch als unfair bezeichnet. Immer wieder reiht er sich lautstark in die Reihen der Bullenanhänger ein, um die Spieler anzufeuern.

"BULLEN VORAN! HAUT DEN KORK IN DAS PREMER TOR!"

"BULLEN! ZERFETZT DIE POTTWALE! LEGT LOS! ZEIGT IHNEN, WIE MAN SPIELT!"

sind nur einige der weniger harmlosen Rufe.

Nur von Zeit zu Zeit stößt Perval Traviana leicht an um sie auf einen besonders guten Spielzug der Bullen aufmerksam zu machen, ihr eine Finte eines der Spieler zu erklären oder über einen Fehler der Pottwale herzuziehen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Kommentare - Hjaldar und Silana


Wie gebannt verfolgt Hjaldar den unaufhaltsamen Vorstoß der Pottwale. Kaum hat der Kork den Schläger gewechselt, brüllt er auch schon den Namen:

"TULA VOR! NOCH EEN TOR!" ...

Auf die Frage der Geweihten reagiert er daher mit einiger Verzögerung.

"Regeln? Giffet nich viele, is' ganz simpel. Zwee Mannschaften mit je Fofftien Mann. Jeder hett'n Eschenschläger un'se versuchen den Korkball ins Tor vonne andere ..."

... er deutet auf die Holzgestelle an den kurzen Seiten, die an ein großes -H- erinnern ....

"... zu hauen. Unten drin is' für Schlappnasen wie die Bullen, - HASGAR ... KNOCHENWALZE!!! - ..." kommentiert er mit einem lauten Ruf dessen plötzlichen Vorstoß um dann wieder immer noch laut, aber nicht mehr brüllend fort zu fahren

"... dat gift eenen Punkt, oben drüber is' für die Profis, gift dree Punkte. Dorbie kannste fast alles mooken watte willst, nur Waffen dörfst keene, dabei ham hier bei de wehleidige Neureichers ... OH OH ... dat gifft gestampfte Fee ..." kommentiert er nebenbei Frenhilds Versuch, den Bullenstürmer stoppen zu wollen und zeigt für Silana auch mit der Hand dorthin, damit diese versteht, was er meint ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Reckinde


Freifrau Reckinde hängt schlaff auf ihrem Sitzplatz und der Rücken beginnt langsam zu schmerzen. Sie kann sich nicht damit trösten, dass die meisten der Zuschauer über die gesamte Spielzeit hinweg stehen müssen, im Gegenteil, langsam beneidet sie die Leute. Oreis Rastburger gibt zur Zeit Ruhe, glücklicher Weise, seine Aufmerksamkeit gilt nur noch dem laufenden Spiel und so hat die Freifrau endlich die Muse eigenen Gedanken nachzuhängen, denn das Spiel selbst kann sie nicht erregend.

Sie fühlt sich gelangweilt, so wie damals, als sie sich in den Vortag eines uralten Gelehrten verirrt hatte, der mit Inbrunst das Paarungsverhalten der quergestreiften, bornischen Walddommel beschrieben hatte, der anhaltend und in epischer Breite darzulegen versuchte, dass es sich durch nichts, aber auch gar nichts, vom Paarungsverhalten anderer Waldvögel unterscheidet.

Reckinde seufzt! Hoffentlich lohnt sich die Sache wenigstens. Immerhin versucht sie dem schwerreichen Oreis Rastburger einen stattlichen Auftrag aus den Rippen zu leiern. Es gibt nicht sehr viele Händler, mit denen man über den Erwerb eines sehr großen Ensembles wunderschöner Smaragde verhandeln kann. Dabei geht es schließlich um gewaltige Geldsummen und die muß man erst einmal locker haben. Rastburger verfügt über solche Beträge und daher wäre er der Freifrau als Kunde sehr recht. Es wäre für sie sehr viel einfacher die Smaragde im Ganzen zu verkaufen zu können, als sie einzeln, mehr als einem Dutzend Interessenten anbieten zu müssen.

Müde nippt sie an ihrem Glas, das gefüllt ist mit edlem Bosparanjer. Wenn sie in dieser Geschwindigkeit weiter trinkt, dann wird man sie zur Nordstern zurück tragen müssen.

'Nun ja, eigentlich wäre dieser Sport gar nicht so schlecht ...' denkt sich Reckinde träge, '... man müsste ihn nur zu Pferde ausüben können. Dann sollten allerdings auch die Schläger etwas länger sein und das Feld etwas größer ...'

Nachdem das Alles aber nicht so ist, wie sie sich das vorstellen könnte, versinkt sie wieder in dumpfes Brüten und versucht sich selbst aufzumuntern, indem sie sich in Gedanken immer wieder vorhält:

'Es ist gut für das Geschäft, es ist gut für das Geschäft ........ !'



IN HAVENA - Auf den Straßen: Rasante Stadtbesichtigung - Radisar und Boto


Man sagt Havena wäre eine wunderschöne Stadt, mit prächtigen Häusern und breiten Straßen, durch die unentwegt der Atem der Historie weht. Doch leider kann der kleine, dicke Diener Radisar nichts von alledem wahrnehmen. Noch immer hält er krampfhaft die Leine Boto's fest und versucht verzweifelt mit dem riesigen Hund Schritt zu halten. Dass er den Köter zu einer mäßigen Gangart anhalten könnte, diesen Vorsatz hat Radisar schon längst aufgegeben. Der Hund bestimmt das Tempo und Radisar hat seine liebe Mühe damit, sich zu fügen.

Straßen und Häuser huschen an ihm vorbei als wäre sie auf der Flucht und Radisar vermag dabei noch nicht einmal zu bestimmen in welcher Stadt er sich gerade überhaupt aufhält. Wenn Radisar versucht seinen momentanen Aufenthaltsort näher bestimmen zu wollen, so genügt ihm die oberflächliche Erkenntnis, dass er sich NOCH nicht in Boron's Hallen befindet.

PRAios sei Dank, sind die Straßen zu dieser Stunde weit weniger belebt als sonst. Es hätte wahrscheinlich Verletzte gegeben. Radisar's kurze Beine rasen im Takt eines Trommelwirbels und er kann sich dennoch der Ahnung nicht erwehren, dass der gehässige Hund ihm gerade eben genug Spielraum läßt, um sich taumelnd auf den Füßen halten zu können. Der kleine Diener hegt keinen Zweifel daran, dass der Hund noch genügend Reserven hätte, um ihn, den armen Radisar, wie einen Streitwagen ohne Räder hinter sich her zu schleifen.

Als Boto unvermittelt anhält, um eine, für ihn sehr interessante Hausecke schnüffelnd einer intensiven Prüfung zu unterziehen, rennt Radisar, bei dem die Veränderung der Lage nur zögernd ankommen will, glatt weiter und überholt dabei den Hund, ohne es zu merken, so sehr ist er vertieft ins Rennen. Die Leine wird locker, doch Radisar übersieht es. Er rennt weiter, bis die Leine, diesmal in umgekehrter Richtung wieder straff wird. Als die Leine in volle Spannung gerät, wird Radisar's Lauf jäh gestoppt. Es reißt ihm den Oberkörper nach hinten, während sein Unterkörper noch immer temporeich nach vorne strebt. So hängt Radisar für einen kurzen Augenblick waagrecht in der Luft, ehe er wie ein nasser Sack auf's Pflaster knallt.

Wimmernd liegt der kleine Diener auf dem Boden. Alles tut ihm weh, besonders der linke Arm, der von dem plötzlichen Ruck am meisten betroffen gewesen war. Radisar glaubt spüren zu können, dass der malträtierte Arm nun um etliche Spann länger sein müsste als der andere.

Die wenigen Passanten, die Zeuge des Vorfalls geworden waren, eröffnen ein tosendes Gelächter ...



Radisar liegt mit dem Gesicht auf dem Pflaster und er hört das hämische Lachen der Umstehenden, sowie ihre wenig schmeichelhaften Kommentare.

"Das ist ja ein wildes Tier! Aber der Hund wird mit ihm schon fertig werden!"

"Was braucht der kleine Dicke denn überhaupt eine Leine, der fliegt doch eh nicht weit. Hat man doch gesehen!"

"Der Glatzkopf sollte lieber auf einem Steckenpferd reiten ...!"

Diese Sätze und auch noch weitaus Schlimmeres dringen an das Ohr des kleinen, dicken Dieners und er mag nun gar nicht mehr aufstehen, sondern nur noch liegen bleiben und warten bis er Golgaris Schwingen hören darf.

Es ist einfach zu demütigend und es schmerzt niederhöllisch, so zum Gespött aller Leute geworden zu sein. Wie sie alle gehässig grinsen und mit dem Finger auf ihn deuten, um dann in heilloses Gelächter auszubrechen, Radisar hasst sie alle und wünscht ihnen allen Mundfäule in den Rachen.

Radisar hat natürlich nicht einen Augenblick vergessen, wem er diese Katastrophe zu verdanken hat: BOTO!! Diesen Hund muss ihm der Namenlose persönlich gesandt haben, das ist kein Tier, sondern eine Ausgeburt der Finsternis.

Und Boto schert sich nicht einen Augenblick lang um die Kümmernisse Radisar's. Boto hat besseres zu tun. So hat er eine hochinteressante Hausecke entdeckt, an der sich gleich mehrere Reviere ortsansässiger Rüden kreuzen. Was er sich da erschnüffeln kann bindet seine Aufmerksamkeit völlig. Die Aufregungen der umstehenden Menschen rühren ihn nicht, keiner von denen ist ihm zu nahe oder stört ihn bei seinen Untersuchungen, also bleibt er gelassen. Gut, der kleine Diener liegt am Boden, dafür ist die Leine locker. Was will ein Hund also noch mehr?

Doch diese Frage ist schnell beantwortet, auch ein Hund muss sich erleichtern und dafür ist dieses Hauseck ein geradezu idealer Platz. Zufrieden mit sich und der Welt hebt Boto das Bein und strahlt ab. Und das ist vielleicht ein Strahl, es will gar nicht mehr aufhören. Die Pisse sammelt sich in einem, zunächst kleinen See, der aber schnell an Masse und Ausdehnung gewinnt und sich, in einem ansehnlichen Bächlein, rasch auf dem Pflaster verteilt. Der Hund legt befriedigt die Ohren nach hinten und läßt es sorglos weiterlaufen ...

Nur Radisar hat wieder einmal Pech! Vielleicht wäre er auch gerne aufgestanden, hätte er geahnt, dass er im Gefälle liegt. Und nachdem er seinen Blick aus Scham nicht erheben will, kann er auch nicht erkennen, dass das kleine Bächlein, wie eine Sturzflut genau auf ihn zuströmt ....



Auf einmal wird es an Radisars Wangen sehr warm, geradezu unnatürlich warm und außerdem, was noch viel unangenehmer ist, es wird feucht.

Radisar prustet und spuckt, das darf doch nicht wahr sein. Ein plötzlicher innerer Schub bringt ihn blitzschnell wieder auf die Beine. Doch es ist ein bißchen zu spät. An seinen Kleidern herab zieht sich eine feuchte Bahn. Der kleine, dicke Diener blickt, bis zum Hals angefüllt mit bösen Ahnungen, hin zum anderen Ende der Leine und kann eben noch erkennen, wie Boto die letzten Spritzer gegen das Hauseck drückt. Radisar verfolgt die Bahn des strömenden Bächleins, das von dort ausgeht und dann gerade die Stelle kreuzt, an der Radisar noch kurz zuvor so schmerzlich zu Boden gehen musste.

Schon wieder dieser Hund! Radisar blickt Boto hasserfüllt an, doch Boto kümmert sich nicht um die 'absonderlichen' Laune des kleinen Dieners. Er setzt sie brav hin, wedelt freundlich mit dem Schwanz und hechelt sich eins. So sieht ein Hund aus, der zutiefst befriedigt ist. Da gibt es keinen Zweifel: Diesem Hund geht es nun wieder außerordentlich gut.

Das aber stört den kleinen Diener sehr. Radisar will nicht, dass es diesem Köter gut geht, diese 'Flohburg' soll leiden, verdammt noch mal, genauso leiden wie er, Radisar! Und so geht der Diener langsam auf den, noch immer leidenschaftlich wedelnden Boto zu und als er ihn erreicht, spricht er ihm grantig in die aufgerichteten Ohren:

"Warte nur, wenn die Herrin wiederkommt, dann kannst du etwas erleben!"

Radisar kichert gehässig vor sich hin und er beobachtete zufrieden, dass der Hund den Kopf senkt und leise vor sich hin winselt. Radisar triumphiert, endlich hat er das Biest 'klein' bekommen und er fühlt sich als Sieger.

Im Taumel seiner eingebildeten Überlegenheit versucht Radisar nun sogar Kommandos zu geben, gerade so, wie es sich bei Hund gehört.

"UND NUN LAUF!"

Er sollte es sofort bereuen, solches gesagt zu haben, Radisar der Gutgläubige. Denn der Hund zieht sofort, mit ausgreifenden Schritten, die Leine an und rennt davon. Und es es ist ihm völlig egal, dass er einen kleinen, hilflosen Diener hinter sich her schleift. Und wieder macht Radisar Bekanntschaft mit dem Boden Havena's ...



'NEIN, NEIN, NEIN ..... !!'

Noch einmal wird es ihn nicht auf das Pflaster hinstrecken, dies ist für Radisar eine beschlossene Sache. Und so rennt er wcker hnter dem Hund her, die Leine krampfhaft umklammernd. Hin und wieder versucht Radisar einen zaghaften Versuch, sich gegen den Lauf Boto's zu stemmen, hat aber immer nur leider den Erfolg, dadurch ins Straucheln zu kommen und in Folge davon wieder sehr nahe an die Möglichkeit, dass er stürzen könnte.

"HIL ..... FE ..... !" brüllt Radisar aus Leibeskraft heraus, in der Hoffnung, einer der Passaten würde die 'wilde Jagd' beenden können. Doch ehe die Wenigen, die sich um diese Zeit, jetzt, da ein großes Imman-Spiel im Stadion läuft, auf der Straße aufhalten, bemerken, was da vor sich sich oder gar noch reagieren könnten, ist das 'seltsame Gespann' auch schon in Windeseile um das nächste Hauseck verschwunden. Das geht meistens so schnell, dass einzelen Leute fast immer nur das "HIL..." oder das "FE..." aus Radisars Ruf erkennen können.

In seiner Verzweiflung versucht der kleine, dicke Diener nach allem zu greifen, an dem er sich möglicher weise festhalten könnte. Aber er kann leider dabei nur den Riemen eines ledernen Beutels erwischen, den eine Frau lässig geschultert an ihrer Seite trägt. Die Frau erhebt natürlich sofort ein tüchtiges Gezeter, da sie natürlich denkt, Radisar wäre ein Straßendieb. Sie ist nicht gewillt ihren Beutel kampflos aufzugeben und so ereilt sie dasselbe Schicksal, das auch schon den kleinen Diener zuteil geworden war, sie wird gnadenlos mitgezogen.

Nun rennen sie also schon zu zweit durch die Straßen Havena's und schreien um 'Hilfe', wenn auch aus höchst unterschiedlichen Anlässen. Und wie schon vorher auch, sie erreichen bei allen Zuschauern der Szene nur ein mitleidsloses Schmunzeln. Lediglich ein älterer Mann, der gerade seinen Esel an einen Pflock gebunden hat, zeigt Anteilnahme und Interesse, das über bloße Erheiterung hinaus geht. Er kann sich zwar keinen Reim darauf machen, was sich da in diesem Augenblick vor seinen Augen abspielt, doch ist er sich sicher, dass seine Hilfe gefragt ist.

So packt er entschlossen zu, als der wilde Zug an ihm vorbei tobt. Vorneweg rennt Boto, dort zu zu greifen, schien dem Mann zu vermessen, man weiß ja nie, wie so ein Tier reagiert. Dann folgt Radisar, doch der ist zu klein und unhandlich, um ihn wirklich festhalten zu können. Ganz anders jedoch scheint das bei der kreischenden Frau zu sein, doch ist sie eine Frau, wie leicht bekommt man da Teile zu fassen, die zu berühren landläufig als unschicklich gilt. Da der Mann jedoch zur Hilfe entschlossen ist, langt er zu und bekommt den Rock der Frau zu fassen. Mit der anderen Hand umfasst er das Halfter des Eseln, damit er nicht, wie die anderen auch einfach mitgerissen wird.

Ein Esel gilt für allgemein ja als ein besonders störrisches und eigenwilliges Tier und man hat schon Grautiere erleben müssen, die sich lieber hätten erschlagen lassen, als freiwillig auch nur einen Schritt zu gehen. So ein Esel hätte auch die Kraft Boto's brechen können und ihn zu Einhalten zu zwingen vermocht. Doch dieser Esel, an dem sich der Mann, Sicherheit suchend, angeklammert hat, wird wohl von anderen Gedanken beherrscht, als von denen, die man ihm zuschreibt. Statt den Zug zu bremsen, trabt er lustig mit, und als das Seil, dass ihn an den Pflock binden sollte, zu spannen beginnt, stemmt er sich kräftig dagegen. Mit einem klagenden Ächzen löst sich der Pflock aus dem Boden und folgt der dahin rennenden Truppe, die sich auf diese Weise erneut wieder vergrößert hat.



In einer kleinen Seitengasse hallen die Schritte zweier alter Leute, die sich zu einem kleinen Spaziergang aufgemacht hatten. Sie gehen langsam und bedächtig, aber nicht nur das hohe Alter scheint eine schnellere Gangart zu verbieten, denn der alte Mann redet betulich auf die alte Frau, die ihn begleitet, ein.

Der alte Kuno Hafenknecht hat schon ein langes Leben hinter sich. Mit mehr als siebzig Götterläufe haben ihn die Alverianer gesegnet und noch immer scheint es so zu sein, dass ihm BORon noch eine lange Frist gewähren wird. Während dieser ausgedehnten Zeit hat der alte Kuno die Stadt höchstens dreimal verlassen, zu sehr liebt er sein Havena, zu sehr verbunden ist er mit dieser Stadt, der er seit fünfundfünfzig Götterläufen als Archivar der Stadtverwaltung dient. Man kann sagen, eben diese Liebe zur Stadt, zuzüglich zu seinem Amt, haben ihn zu einem der gelehrtesten Kenner der Geschichte Havenas werden lassen. Zu jedem Straßenzug hier kennt er ein dutzend Geschichten, der er gerne mit Interessierten, aber auch, wenn es so sein sollte, mit weniger Interessierten teilt. Er ist, sozusagen, ein wandelndes Geschichtsbuch, dass sich selbst lautstark zu zitieren weiß.

Kuno Wagenknecht liebt seine Spaziergänge durch die Straßen Havenas, hat doch die Historie, die manch anderem als toter Stoff erscheinen mag, für ihn etwas sehr lebendiges und er kann nicht aufhören davon zu erzählen. Im zur Seite läuft, wie sie es schon immer getan hat, in den langen Jahre ihres Travia-Bundes, Elysa Wagenknecht. Die alte Frau ist ihrem Gatten in Liebe ergeben und sie stört sich nicht daran, dass sie die ganzen Geschichten schon so oft hat hören müssen. So hört sie ihm auch heute wieder tapfer zu und ihr Lächeln verrät, dass sie glücklich dabei ist, ihn so glücklich zu sehen.

Gerade eben wollten die Wagenknecht's um ein Hauseck herum schlendern, als ihnen plötzlich ein sehr seltsam anmutender Tross den Weg abschneidet. Kuno Wagenknecht traut seinen Augen kaum und auch das, was er hört erscheint ihm wie eine wirre Vision.

Als erstes rennt ein riesiger Hund vorbei, vielleicht war es aber auch ein 'kleiner Bär' oder ein 'Kalb mit Reißzähnen', so genau hat es der alte Kuno nicht erkennen können. Dicht dahinter rast ein kleiner, dicklicher Mann der wild und ungetüm immer wieder die Silben "FE" und "HIL" ausstößt. Wahrscheinlich ist er ein Ausländer, womöglich aus dem tiefen Süden. Jedoch, so dunkelhäutig schien er gar nicht zu sein. Kuno hat nicht die Zeit, sich groß Gedanken über dieses Phänomen zu machen, denn hinter dem Mann, verbunden, wie es scheint, durch einen dünnen Lederriemen, rennt eine Frau mittleren Alters, die sich, ihrem hysterischen Geschrei nach, nicht entscheiden kann, ob sie nun einen gemeinen Dieb verfolgt oder ob sie von einem nicht minder gemeinen Lüstling verfolgt wird. Offenbar meint sie mit ihrer letzten Aussage den Mann, der hinter ihr drein rennt und sich mit seinem Handgelenk im Rock der Frau verfangen hat und auch durch heftigstes Zerren nicht freikommen kann. An lockerer Leine trabt auch noch ein Esel hinterher, der ständig ein lustiges oder gar belustigtes "I-AAH" hören lässt. Den Abschluß bildet ein Pflock, der unter laut Getöse, wie ein Irrlicht über das Pflaster tanzt.

Der Spuk dauert nur wenige Augenblicke und ist schon kurz darauf hinter einem anderen Hauseck verschwunden und nicht mehr zu sehen. Nur das Geklapper des Holzpflocks ist noch leise zu hören und manchmal das Geschrei des Esels, doch auch dies verstummt mit der Zeit. So bestimmen nun wieder die Geräusche des Alltags die Szene.

Der alte Kuno Wagenknecht dreht sich zu seinem Weibe um und spricht mit von Trauer belegter Stimme:

"Havena ist auch nicht mehr das, was es einmal war!"



Noch zwei Straßen weiter eilt der seltsamste Umzug aller Zeiten in der Stadt Havena hastend und stolpernd voran und es scheint fast so, als hätte sich diese Reihe, Gliedern einer ehernen Kette gleich, für alle Ewigkeit gefunden. Doch so sollte es nicht sein! Es löst sich zuerst der Pflock aus dem Gefüge.

Die Seilschlinge, die ihn bindend umfasst hatte, lockerte sich mehr und mehr, solange bis dieses Holzstück, nunmehr ungebunden, freie Bahn hatte und während der Tross, lautstark zeternd, links um eine Ecke herum fährt, fliegt der dicke Pfahl geradeaus weiter und landet auf einem Karren, der bis oben hin mit Melonen gefüllt ist. Wie der verheerende Schlag einer Zyklopenkeule schlägt der Pflock in die Ladung ein und zugleich spritzt zu allen Seiten hin zermatschtes Fruchtfleisch ring um den Karren. Alle Passanten, die dem Gefährt zu nahe gestanden waren, werden von dieser überschwappenden Fruchtflut erfasst und sehen nun aus, als hätte sich die Innereien eines aufgeschlitzten Basilisken über sie verteilt.

Wenige Straßen weiter steht, erst seit kurzer Zeit, ein Mann, der mit einem zerrissenen Frauenrock, wütend auf einen Esel einprügelt, da das Grautier stur und unwillig stehen bleibt und nicht einen einzigen Schritt zu gehen bereit ist. Dann, und von Zeit zu Zeit immer wieder, versucht sich der Mann von dem Textil zu befreien, was ihm ebenso wenig gelingt, wie das Antreiben des Esels. Der Rock hat sich offensichtlich fest wie eine Fessel um sein Handgelenk gewunden und er kann ihn, ums Verrecken nicht los werden. Der Mann ist außer sich vor Wut und pöbelt umher stehende Passanten an, da er es nicht leiden kann, wenn man ihn beobachtet und dabei auch noch hämisch lacht. Und die Leute, die sich hier versammelt haben, amüsieren sich wirklich prächtig, die Szene ist aber auch zu komisch. Nur konnte sich alle keinen Reim darauf machen, was der Wütende damit meinen könnte, wenn er von einem "Scheiß-Köter" und einem "hirnverbrannten Glatzkopf" schwandroniert. Ein paar wenige der Umstehenden denken sich aber auch, wie sie es schaffen könnten, ihrer 'Alten' einen Rock abzuluchsen, denn es käme nun offensichtlich in Mode, Frauenkleider um das Handgelenk zu tragen.

Weit weniger auffällig ist die Szene auf einem kleinen Platz unweit vom Standort des Esel und seines Besitzers. Hinter einer Reihe von aufgestellten leeren Körben, die, nach dem Geruch zu urteilen, einmal mit frischen und auch weniger frischen Fisch gefüllt waren und nun hier ausgebreitet stehen, damit der aufdringliche Geruch 'verduften' möge. Kein Mensch kann sich erklären, warum sich die Frau ausgerechnet hinter derart übelriechenden Gegenständen verschanzt hat. Aber was soll's auch, sie wird schon ihren Grund haben und die Frau selbst will sich offensichtlich nicht dazu äußern, sie schweigt trotzig und macht ein böses Gesicht. Hätten die Leute etwas genauer hin geschaut, dann wäre ihnen sicherlich aufgefallen, dass die Frau mit sehnsüchtigem Blick auf eine Tasche schaut, die mitten auf dem Platz liegt und deren Umhängeriemen abgerissen sind. Es sind nur wenige Schritte bis zu ihrer Tasche und die Frau traut sich dennoch nicht hin zu gehen, um sie aufzuheben. Grimmig schwört sie sich in diesem Augenblick, nie wieder ohne Unterwäsche aus dem Haus zu gehen.

Die Riemen der Tasche indessen, befinden sich noch immer in der verkrampften Faust eines kleinen, dicken und glatzköpfigen Diener, der jetzt, da jede bremsende Einwirkung dahin ist, wieder wie ein flatterndes Kriegsbanner bei einem wagemutigen Sturmangriff, durch die Straßen der Stadt gezogen wird, von einem großen, schwarzen Hund, der mit weit ausholenden Schritten voran hetzt, ohne Rücksicht auf Verluste bei seinem Leiter und Lenker.

Für Hilfeschreie hat Radisar inzwischen keine Luft mehr. Außerdem ist er tief in die Frage versunken, warum, bei allen Pestilenzen der Niederhölle, er diesen dreimal verfluchten Köter nicht einfach losläßt. Doch wenn er daran denkt, wie es sein würde, müßte er ohne Hund der Freifrau vor die Augen treten, dann ist es ihm schon lieber, jetzt und hier, in den Gassen Havenas, den Tod auf der Straße zu finden, einer Straße, von der er mittlerweile den Eindruck, dass er sämtliche Pflastersteine auf der Strecke mit dem Nasenrücken abgezählt haben muss .....



Radisar hat keine Ahnung mehr, wo sie sich befinden könnten. Er ist nun dermaßen lange hinter dem Hund her gerannt, dass er sich nicht einmal mehr im klaren darüber ist, ob sie sich überhaupt noch in Havena befinden. Seine Kleidung ist völlig mit Schweiß durchtränkt und klebt ihm auf der Haut. Sein Atem geht rasselnd und seine Füße spürt er schon fast nicht mehr. Sein Magen protestiert und das Seitenstechen fährt wie eine glühende Lanze durch seinen kleinen, feisten Leib.

So schnell und so anhaltend ist Radisar nicht mehr gerannt, seit der großen Treibjagd zu Ilmenstein von vor zehn Götterläufen. Radisar war damals der einzige Treiber gewesen, dem es gelungen war, eine Rotte Wildschweine aufzubringen. Doch statt dass er sie vor die die Bögen der Jäger getrieben hätte, geschah es eher umgekehrt. Fast drei Meilen hetzten die Keiler ihn vor sich her, ehe sie im Pfeilhagel der Jäger ihr Ende fanden. Auch Radisar hat bei dieser Gelegenheit einen Pfeil in den Hintern abbekommen. Da der kleine, dicke Diener in seiner Panik so laut gequiekt hatte, hielt ihn ein greiser Jäger, um dessen Augenlicht es wohl nicht mehr so gut bestellt gewesen war, für einen Frischling und zielte daraufhin nach Gehör auf das vermeintliche Wildschwein und traf auch noch, zum Leidwesen Radisar's.

Es ist dem kleinen, dicken Diener immerhin die Genugtuung geblieben, dass er nun zumindest, im Gegensatz zu damals, nicht vor einem Tier davonlaufen muss, sondern hinterher. Das möchte für andere vielleicht kein nennenswerter Unterschied sein, für Radisar ist es das wohl.



Der Hund scheint immer schneller zu werden und bislang hat es Radisar noch immer nicht geschafft dieses schwarze Vieh zum Anhalten zu bringen. Zweimal hatte es der kleine Diener versucht, den Lauf Boto's abzubremsen. Nichts hatte es Radisar eingebracht, im Gegenteil, es kostete ihn die Absätze beider Schuhe. Und so fügt sich der Diener nun in sein Schicksal, rennt dem gnadenlosen Köter hinter her und hofft, eine milde Ohnmacht könnte ihn aus diesem Leiden erlösen. Nur noch grimmer Trotz hält ihn aufrecht.

'Wenn diese Töle meint ich würde aufgeben, dann wird er sich gebeutelt sehen. Ich werde die Leine nicht loslassen und sollte es mich mein Leben kosten!'

Doch soweit wollte es Boto gar nicht treiben. Mit einem Ruck bleibt der große Hund stehen und beginnt auf der Straße suchend herum zu schnüffeln. Offensichtlich folgte er einer Fährte und hat in diesem Augenblick die Spur verloren. Doch die Hintergründe dieser unverhofften Pause sind den kleinen Radisar völlig gleichgültig, da er sich sicher ist, dass diese plötzliche Rast sein Leben gerettet hat. Sein Atem geht schwer und es klirrt und rasselt in seinen Lungen wie in einer Folterkammer bei Hochbetrieb.

Eigentlich wollte Radisar dem Hund irgendeine Gemeinheit an den Kopf werfen, doch hat er dafür im Moment zu wenig Atem. Er hebt den Zeigerfinger und blickt Boto mit zornig funkelnden Augen an. Doch dann senkt sich des Dieners Finger wieder und er schnappt erneut gierig nach Luft. Zahllose Schimpf- und Schmähwörter geistern durch Radisar's Gedanken, doch keines erscheint ihm schrecklich genug, um die bösen Eigenschaften Boto's auch nur annähernd zu beschreiben.

Immerhin verschwinden langsam die farbigen Lichtkreise, die vor kurzem noch vor seinen Augen einen lustigen Reigen tanzten und auch der Straßenlärm hört sich für Radisar langsam wieder an, als käme er aus unmittelbarer Nachbarschaft und nicht aus größerer Entfernung als aus der siebte Sphäre.

Radisar's Herzschlag geht nun wieder geringfügig langsamer als ein Trommelwirbel bei einem Staatsempfang und auch der Magen scheint nunmehr wieder seine angestammte Lage in seinem kleinen Körper einnehmen zu wollen. Kurz: Radisar ist auf dem besten Wege die Rückbildung von einem Luftelementar zu einem Menschen zu vollenden!

Langsam ist seine Kehle auch wieder in der Lage Worte zu bilden, die in ihrem Klang der menschlichen Sprache ähnlicher sind als den Zwitscherlauten der Koboldsprache. Und endlich ist Radisar ein Begriff eingefallen, der so gemein, so häßlich, so skrupellos, so niederträchtig ist, dass er zu diesem Mistköter passt, wie der Dreck auf die Schaufel!

"DU ............. !"

Weiter kommt Radisar nicht, denn der Hund hat sie Fährte wiedergefunden und spurtet erneut los.

Noch viele Götterläufe später, wenn Passanten, die den Punkt, an dem Radisar und Boto damals diese schicksalsträchtige Pause eingelegt hatten, gekreuzt haben werden, werden sie berichten, dass sie aus unerklärlichen Gründen eine plötzlichen Schweißausbruch gehabt hätten und ihnen die Luft knapp geworden sei. Dabei wäre ihnen ein geisterhaftes, klagendes Seufzen zu den Ohren gedrungen, obwohl sie niemanden hätten dort stehen oder gehen sehen. Es habe geklungen, so werden sie alle erzählen, so verzweifelt, so traurig und so resignierend, dass sie fast schon schier des Lebens müde geworden wären, obwohl sie keine leise Ahnung gehabt hätte, warum sie so fühlten. Woher sollte diese Ahnung auch kommen? Zu diesem Zeitpunkt werden Radisar und Boto kaum noch mehr als Fußnoten eines unbedeutenden Seitenstrangs der Geschichte sein!

Oder?



Noch immer sind Radisar und Boto in allergrößter Eile. Immerhin hat es der kleine, dicke Diener geschafft, in der letzten Zeit weder hinzufallen, noch irgendwie anders schwerwiegender aufzufallen, während der große, schwarze Hund mittlerweile das Problem hat, dass ihn sein Halsband doch leicht zu würgen beginnt. Das ist für den Hund allerdings kein Grund auch nur einen Deut langsamer zu werden.

Der große Platz ist fast frei von Passanten, dafür geht von dem riesigen Bauwerk, das sich vor ihnen wie ein gigantischer Wall vor den Augen des rasenden Duo's ausbreitet, ein wahnwitziges Geschrei aus, das so mächtig und so erdrückend klingt, als würden hunderttausend ausgehungerte Oger gebratenes Menschenfleisch riechen. Und genau auf dieses Gebäude hält der Hund zu. Es ist nicht etwa so, als fürchte Radisar, es könnte sich dort tatsächlich um ein riesige Versammlung Menschen fressender Bestien handeln, doch wird ihm dennoch langsam mulmig und das nicht nur deshalb, da ihm die wilde Hatz langsam auf den Magen schlägt.

Es dämmert dem kleinen, dicken Diener, es könnte sich bei diesem großen Bauwerk um das Imman-Stadion der Stadt Havena handeln. Es wäre ihm wahrhaft lieber gewesen, der Hund würde ihn durch die Dämonenbrache schleifen, als auf das Immanstadion zu zerren. Dort weiß er die Herrin und deren Anwesenheit kann er nun wahrhaft nicht gebrauchen. Schließlich macht es kein gutes Bild, wenn der Hund mit ihm spazieren geht, statt, so wie es sich gehören würde, umgekehrt!

Boto weiß von den Angst erfüllten Gedanken Radisar's nichts und würde er sie kennen, dann wäre es ihm wahrscheinlich auch gleichgültig. So kommt das Stadion immer näher, in unfassbarer Geschwindigkeit und Radisar stößt ein unausgesprochenes Gebet zu PRAios, in dem er dem Götterfürsten innigst versichert, dass er alles, was jetzt noch kommen wird, nicht gewollt hat und daher auch auf keinen Fall zu verantworten hat. Doch ist sich Radisar sicher, dass er von PRAios dem Gnadenlosen noch mehr Milde zu erfahren hätte, als vor der Freifrau, der Herrin!

Das Eingangstor des Stadions ist sehr groß und trotzdem ist Radisar froh, dass er beim rasenden Durchschreiten nicht mit der Stirn an irgendeiner Seitenmauer hängen geblieben ist. Zwei stämmige Knechte, die dort den Zuschauern das Geld für den Eintritt abzunehmen hatten, stellen sich in den Weg und werden einfach von diesem tollen Köter umgerannt. Radisar fühlt sich ganz unglücklich, denkt er daran, was die ganze Angelegenheit noch für ein Nachspiel für ihn haben könnte. Wenn er Glück haben sollte, und wann hätte er das schon jemals gehabt, dann springt lediglich eine lebenslange Kerkerhaft für ihn heraus. So schreit er kläglich nach hinten, zu den Bediensteten des Stadions, die sich langsam wieder aufrappeln, während er hilflos durch den Eingangstunnel gezerrt wird:

"Ich zahle später ..... !"



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Brendan, der große, breitschultrige Torhüter der Bullen war die ganze Zeit ruhig in seinem Tor gestanden. Der größte Fehler, der ein Torwart machen kann, ist in Panik zu geraten und zuviel Kraft durch ständiges Hin- und herlaufen zu vergeuden. Doch so langsam kommt der Ball bedrohlich näher...

`Was macht ihr denn? Es kann doch nicht so schwer sein, die Gräten abzufangen!`

Leise über die "Unfähigkeit" seiner Mannschaftskameraden den Ball zu erobern grummelnd wendet er sich nach rechts, und macht sich schon einmal bereit, den Ball aufzuhalten - so er denn kommt.


***


Dabei müht sich doch Faerwyn redlich ab, den Ball zu erreichen und die heran stürmende Premerin aufzuhalten. Allein, der jüngste ist er nicht mehr und zu seinem Leidwesen musste er schon so manches Mal in letzter Zeit feststellen, dass er nicht mehr so schnell ist wie früher.

Zudem hat ihn der »grüne Junge« auch noch aufgehalten. Zwar nicht sonderlich geschickt - und für sein Ungeschick liegt er jetzt auch auf dem Boden - doch immerhin so effektiv, dass er - Faerwyn - wie er erkennen muss, die Premerin wohl nicht mehr rechtzeitig erreichen kann...

`Drachenmist` flucht er innerlich, doch er wäre nicht Faerwyn, wenn er aufgeben würde. Faerwyn gibt niemals auf! Jedenfalls nicht, so lange er noch auf seinen Beinen stehen und einen Schläger halten kann. Wenn er sie schon nicht gleich aufhalten kann, vielleicht kann er sie dann verfolgen und einholen. Faerwyn spurtet los, Aki nur ein paar Grasbüschel hinterlassend...


***


Lyn hingegen lauert immer noch.

`Noch ein Stückchen, ja, komm näher...`

Nixhts ist wichtiger, als der entscheidene Moment, um sich richtig in Szene zu setzen...


***


Cathal muss grinsen, als er bemerkt, wie "die Fee" sich offensichtlich anschickt ihn, »den großen Cathal«, aufhalten zu wollen. Befriedigt stellt er fest, dass die anderen Thorwaler es offensichtlich schon aufgegeben haben, ihn aufhalten zu wollen.

`Tonkrüge!` denkt er verächtlich.

Dann fällt sein Blick wieder auf Frenhild, die sich ihm - immer noch - als einzige tapfer in den Weg stellt. Irgendwie tut sie Cathal etwas Leid. Gut, es ist ein Immanspiel und bei einem Spiel geht es hart her. Und eigentlich ist sie selbst schuld, wenn sie sich IHM in den Weg stellt. Aber andererseits ist sie recht hübsch, mit ihrem blonden Pferdeschwanz, und er will ihr nicht ernsthaft weh tun. Vor allem da nicht wirklich Veranlassung dazu besteht.

"Ich werde sanft sein..." lächelt er ihr entgegen.

Mit diesem Versprechen zieht der Kapitän der Bulle den Ellenbogen etwas ein. Als er an ihr vorbei zieht, trifft sie somit nicht voll, streift sie eher und mindert damit die Kraft des Stoßes auf »Feenhild«. Zwar reicht sie immer noch, um sie zur Seite taumeln zu lassen, so dass Cathal vorbei kann, aber der Stoß ist längst nicht so verheerend, wie er hätte sein können, wenn Cathals kräftiger Ellenbogen mit voller Wucht auf Frenhilds schlanken Körper getroffen wäre. Ihm ist klar, dass das wohl eigentlich ein Fehler war, da die Premerin ihm nun wohl sofort folgen kann, anstatt sich erst noch auf dem Boden wälzen zu müssen, aber bereuen tut er diesen Fehler trotzdem nicht.


***


Kaum hat Raika »Feuerhaar« hinter sich gelassen, als schräg rechts vor ihr auch schon ein erneutes Hindernis auftaucht, ein deutlich massiveres sogar. Raika weiß, dass sie es mit Rorlif wohl kaum würde aufnehmen können und außerdem verspürt sie auch keine Notwendigkeit dazu. Glücklicherweise sieht er etwas plump und unbeweglich aus und so versucht sie ihre Schnelligkeit und Gewandtheit zu nutzen, um an ihm vorbei zu schlüpfen...

`Ich muss aufpassen, dass mich »Feuerhaar« nicht wieder einholt`


***


Romolosch hat seine neue Position erreicht und beobachtet mit finsterer Miene, wie sich die Premer einen Weg durch die Bullen bahnen. Nicht nur ärgert ihn, dass die Premer so scheinbar leicht durchbrechen, nein, viel mehr ärgert ihn, dass sie nicht in seiner Reichweite sind. Aber das lässt sich ja ändern.

`Na wartet, gleich werdet ihr sehen, was ein Zwerg alles kann wo Menschen scheitern!`

Und so macht er sich auf den Weg, um sich den Premern entgegen zu stellen. Allerdings hält er nicht direkt auf die Premer zu - dann wären sie ja schon vorbei, bis er dort ankommt, sondern wählt seinen Weg schräg zurück, um die Premer abzufangen, wenn sie dort ankommen.


***


Etwas besorgt blicken die beiden jungen Zwillinge Cuil und Gun auf die heran stürmende »Amazone«. Beide haben sie schon viel von hier gehört. Dass sie hart sein soll, eine Top-Spielerin, beweglich und kraftvoll. Hinter vorgehaltener erzählt man sich sogar, dass sie ihren Beinamen zu recht tragen soll, dass sie wirklich eine - ausgestoßene - Amazone sein soll.

Den beiden ist gar nicht wohl dabei, diese Kriegerin nun auf sie zustürmen zu sehen, aber dass es sie BEIDE betrifft, dass sie zusammen sind, dass verschafft ihnen wieder etwas Mut. Und schließlich ist es ihre Aufgabe, ihre Pflicht, zu versuchen, sie aufzuhalten. Wenn sie es nicht täten, würden die anderen ihnen alle Niederhöllen kalt machen und sie wohl auf kleiner Flamme schmoren lassen.

Beide Blicken sich an, nicken sich kurz zu und setzen sich dann, wie durch ein lautloses Kommando in Bewegung, so als wären sie EIN Mann, nicht zwei. Näher rücken sie zusammen, so dass man denken könnte, betrunken zu sein, denn die beiden sehen wirklich absolut gleich aus.

Immer weiter verengen sie die Gasse, bis sie plötzlich anfangen, nicht mehr stur geradeaus, sondern mehr senkrecht zu Ragnids Laufrichtung zu laufen, immer spiegelverkehrt hin und her, in der Hoffnung, dass ihr verwirrendes Spiel ihnen Gelegenheit geben wird, die Amazone im rechten Augenblick ein Bein zu stellen oder so.

`Hoffentlich springt sie nicht zu hart mit uns um...`


***


Mit Genugtuung nimmt Scibor die geschwollenen Schläfen des Premers wahr.

`Ah, so langsam habe ich ihn. Na komm nur her, du Mördersohn, dann mache ich dich zum kalten Alrik!`

Scibor brennt darauf, dem Thorwaler kräftig die Zähne herauszureißen, ihm die Weichteile zu zerquetschen und auf den Eingeweiden herum zu trampeln.

Als Thinmar seine Tätowierungen erwähnt, senkt er etwas den Kopf, um ihm eine noch bessere Sicht zu gewähren, hütet sich aber, den Premer aus den Augen zu lassen.

"Gefallen sie dir?" fragt er kalt.

"Ich ließ sie anfertigen, um immer eine Erinnerung daran zu haben, was für feige Piraten und Mörder ihr doch seid!" zischt er gifttriefend hervor.

Gleichzeitig spannt sich sein kompakter Körper zu einem Sprung, der ihn direkt auf den um einiges größeren Thinmar zu trägt. Eine Faust zischt vor und zielt direkt auf den Magen des Premers...


***


Dunvallo sieht die kurzhaarige Premerin heran brausen und verlangsamt seine Schritte. Anscheinend hat sie vor ihn anzugreifen. Seine Muskeln spannen sich, sind bereit, ihn mit einem einzigen schnellen Satz zur Seite zu tragen. Gleichzeitig zuckt seine rechte Hand etwas nach vorne, gerade ausgestreckt, wie eine Klinge bereit zu zu stechen. Seine kohlrabenschwarzen Augen fixieren jede Bewegung Frenhilds, achten auf die Bewegungen ihrer Muskeln. Ruhig und tief ist sein Atem. Da, ihre Beinmuskeln spannen sich, sie geht

etwas in die Knie und springt. Normalerweise hätte Frenhild nun wohl eine böse Überraschung erlebt, denn Dunvallo hatte eigentlich vor, diesen unverfrorenen Sprung mit einem »Maraskenstich« zu beantworten, einem Schlag mit der Handkante direkt zwischen magen und Brustkorb, welcher das jeweilige Opfer zweifellos in Atemnot bringt. Das Ergebnis wäre wohl eine hinstürzende und sich am Boden wälzende Frenhild gewesen, während er elegant zur Seite gewichen und weiter gelaufen wäre. Doch etwas irritiert den krauslockigen Mann.

Wieso wirft die Premerin den Schläger weg? Und ihre Körperhaltung - das sieht weniger nach einem Schlag oder Tritt aus, sondern eher nach...

`...einer Umklammerung...`

Doch bevor er nun noch reagieren kann ist es auch zu spät. Fest schlingen sich ihre Beine um seine Hüften, ihre Oberschenkel ruhen an seinen stahlharten Bauchmuskeln und ihre Arme sind wie bei einer Verliebten um seinen Hals geschlungen.

"Was..." stößt Dunvallo etwas fassungslos hervor, als er sich bemüht durch einen Schritt nach hinten das Gleichgewicht zu halten. Doch weiter kommt er nicht, den schon presst die Thorwalerin ihre weichen Lippen auf die seinen und gibt ihm einen langen Kuss.

Dunvallo bleibt erst einmal wie vom Donner gerührt stehen, die Arme zur Stütze um Frenhilds Hüften gelegt und so langsam keimt in ihm die Frage auf, ob der diesen »Angriff« wirklich abschütteln will. Gänzlich unangenehm ist es ihm jedenfalls nicht. Und so werden seine eigenen Lippen weniger hart und steif, sonden weicher. Nur in seinen Augen steht noch eine Frage:

`Was soll denn DAS bedeuten?`


***


Knurrend sieht der eilende Cathal diese Vorgänge.

`Dieser Dunvallo. Jetzt werfen sich ihm sogar schon die fremden Spielerinnen an den Hals. Ich muss wirklich aufpassen...!`

Dass alles nur eine berechnende Finte der Premerin sein könnte, um Dunvallo aufzuhalten, daran denkt er in seinem gekränktem Stolz gar nicht. Schließlich ist er hier noch immer der Liebling aller Frauen, nicht Dunvallo!



Thinmar schüttelt ein wenig den Kopf, glaubt er sich doch wirklich verhört zu haben.

'Mörder? Feige Mörder? Was bildet sich dieser kleine, häßliche Schwanzlurch eigentlich ein. Haben sie dem beim Hautstechen etwa das Gehirn zermatscht?'

Thinmar ist wirklich außer sich, er ist wütend, schrecklich wütend. Als er sich gerade noch überlegt, welche Gemeinheit er diesem aufgeblasenen Schlangenknirps an den Kopf werfen könnte, wird er selbst getroffen. Er hatte wohl den Mann, aber nicht seine Faust kommen sehen .....

Die Faust seines Widersachers senkt sich mit forscher Gewalt in die Magengrube des überraschten Premers. Es tut nicht einmal weh, das nicht. Aber es bleibt Thinmar von einem Augenblick auf den nächsten die Luft weg, die Atmung ist wie gelähmt. Thinmar versucht nach Luft zu schnappen, doch es gelingt ihm nicht, sein Brustkorb will ihm nicht gehorchen und es ist so, als sei seine Kehle versiegelt. Noch nicht einmal Schreien kann er, nicht einmal röcheln. Der kleine, wild gewordene 'Bulle' hatte genau das 'Sonnengeflecht' getroffen, Thinmar ist völlig hilflos.

'Das ist ... '

Es fällt Thinmar nun auch noch schwer zu denken!

' ... ja fast schon Rinderwahnsinn!'

Thinmar's Knie geben nach, der Mangel an Atemluft macht sich langsam bemerkbar. Laut rauscht es ihm in den Ohren und es will ihm scheinen, als rücke das gesamte Stadion in unerreichbare Ferne, weit weg in unbekannte Sphären. Langsam wird es finster vor seinen Augen und es wird ihm schwindelig. Er sackt kraftlos in sich zusammen. Den Schläger hat er schon längst fallen lassen, mit beiden Händen hält er sich den Magen. Übelkeit überwältigt ihn. Und so schlägt er auf dem Boden auf. Noch immer bekommt er keine Luft und eine lähmende Besinnungslosigkeit rückt immer näher ...

'Sterbe ich jetzt?' fragt sich der Hilflose und Angst erfüllt sein Herz bei diesem Gedanken.

'Das ist kein Zufall gewesen!'

Trotzig stemmt er sich gegen sein vermeintliches Schicksal.

'Das hat dieses Scheusal von Anfang an geplant, das, und nur das war sein eigentliches Ziel gewesen. Dieser Drecksack wollte nie spielen, er wollte töten .... !'

Bitter schmeckt ihm diese Erkenntnis, doch sie gibt Thinmar neue Kraft.

'Also gut, wenn er dieses Spiel wünscht, dann soll er es bekommen und dann wird diese Furzmorchel schon sehen, was er davon haben wird ...!'

Dann entspannen sich seine Bauchmuskeln wieder und endlich kann er wieder Luft in die Lungen hecheln ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


"FAERWYN!!!" spornen laute Schreie den Spieler an, der da so kämpferisch los spurtet, auch wenn es vielleicht aussichtslos ist. Doch... Kampfesmut dieser Art, das ist genau das, was die Zuschauer mögen.

Cathals rücksichtsvoller Umgang mit seiner Gegnerin wird dagegen kaum als solcher wahrgenommen, denn Imman ist nun mal ein rücksichtsloses Spiel...

"RAIKA!!!" schreien einige, denen das Manöver der Spielerin nicht entgeht, und die ebenso wie diese hoffen, dass sie schnell genug ist, um an ihrem Gegner vorbei zu huschen.

Scibors im Gegensatz zu den Worten deutlich erkennbares Ausholen sorgt für gemischte Reaktionen - während eine der Havenaer sich schon auf den Treffer freuen, fürchten andere, allerdings eine Minderheit, dass das doch eher nach hinten losgehen könnte. Und so fällt auch das "SCIBOR!!!" recht laut aus.

"HE", gellt es unterdessen aus einer anderen Ecke durch das Stadion, "KNUTSCHEN KÖNNT IHR SPÄTER NOCH!", als Dunvallo den zuvor gebrüllten Satz zu ignorieren scheint.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena - Schiedsrichter


Neidisch blickt Aedin, der junge rothaarige Schiedsrichter, vom Spielfeldrand auf das »Paar«, dass sich mitten auf dem Spielfeld küsst - naja, eigentlich küsst ja sie, aber ihm ist das wohl nicht unbedingt unangenehm.

`Warum passiert mir nie so etwas?`

Missmutig stützt er die rechte Wange mit der Hand ab und sieht etwas beleidigt auf das Spielfeld. Alle rennen sie hinter den Spielern her - sogar die Spielrinnen der gegnerischen Mannschaft. Und wer macht dem Schiedsrichter mal schöne Augen? Niemand. Schiedsrichter zu sein ist doch wirklich eine undankbare Aufgabe. Vielleicht sollte er sich doch noch einmal als Spieler bewerben...


***


Auch Ulfert sieht fassungslos zu, wie die Premerin plötzlich laut schreiend auf den Havener Spieler zu rennt, schrill schreit - und dann plötzlich ihren Schläger wegwirft, um sich Dunvallo regelrecht an den Hals zu werfen.

`Ja, geht das denn überhaupt? Wie... äh... Verstößt das nicht...`

Fieberhaft überlegt er, ob da nicht vielleicht ein Regelverstoß vorliegt, denn er hat zwar schon viel erlebt, aber SO etwas noch nie. Fragend kratzt er sich am Kopf.

`Mhm, unfaires Aufhalten eines gegnerischen Spielers? Nein, dem scheint das ja zu gefallen. Unzüchtiges Verhalten? Mhm.`

Fast ein bißchen hilfesuchend sieht er zu Randalbert hinüber, denn der ehemalige Offizier ist derjenige seiner Schiedsrichter, dem er noch zutraut, in dieser Situation Bescheid wissen zu können. Und auch der einzige, mit dem er sich hin und wieder berät, da er ihn und seine Regelkenntnis respektiert.

Die beginnende Eskalation zwischen Scibor und Thinmar nimmt er erst einmal nicht wahr, zu verblüfft ist er von diesem Kuss-Ereignis auf dem Spielfeld.


***


Sylna nickt anerkennend mit dem Kopf.

`Dieses Biest weiß, wie man die Männer dran kriegt. Ganz schön gerissen. Und der Depp denkt wahrscheinlich noch, sie tut das wegen ihm. Pah! Männer!`



Von Klipp betrachtet, nachdenklich die Stirn runzelnd, die Vorgänge auf den Spielfeld. Das, was da Frenhild und Dunvallo eng umschlungen vorführen, will ihm gar nicht gefallen. Auch Ulfert hat ihn schon ihn schon fragend angeblickt, da auch bei dem Oberschiedsrichter, so scheint es, mehr Fragen offen, als geklärt sind, wie das Geschehen auf dem Feld dem Regelwerk gehorchend zu bewerten sei.

Randalbert's Gehirn rotiert fieberhaft. Im Geiste geht er alle Bestimmungen für den Spielablauf durch. Es gibt ja nicht allzu viele davon, das Spiel kann nahezu uneingeschränkt, durch leidige Vorschriften aus dem Regelbuch heraus in friedlicher Bahnen gelenkt, ausgeübt werden und das macht ja auch schließlich den Reiz des Spieles aus. Im Prinzip ist lediglich der Gebrauch von Waffen verboten und da gibt es dann auch noch ein paar Passagen im Text, die zu regeln versuchen, wann das Eschenholz der Spieler, durch den Schiedsrichter als Schläger und wann er als Waffe zu betrachten wäre.

Leider kann sich von Klipp an keinen Paragraphen erinnern, der etwas Ähnliches wie eine versuchte 'Vergewaltigungen' behandelt. Doch kann er sich dagegen erinnern, dass, als vor einigen Monden sich viele Schiedsrichter in Gareth zu einer großen Versammlung zusammen gefunden hatten, die dringende Empfehlung ausgesprochen wurden, das Wegwerfen von Schläger als Unsportlichkeit zu ahnden. Von Klipp hat sich mit dieser Anweisung nie so recht anfreunden können, obwohl er schon der Meinung ist, dass während eines Spiels der Schläger in die Hand des Spielers oder Spielerin gehört und nicht sonstwo hin. Hier in diesem Falle wären allerdings zwei Tatbestände zu berücksichtigen. Zum einen hat die Premer Spielerin ihren Schläger nicht nach einem anderen Spieler geworfen, hat ihn also, dem Regelwerk entsprechend, nur zeitlich abgelegt. Zum anderen wäre noch die Attacke auf den 'Bullen'-Spieler zu bewerten. Jener aber, und dies ist ganz zu beobachten, ist gar nicht so unerfreut darüber und diesen Übergriff geradezu zu genießen scheint. Zumindest hält sich seine Abneigung arg in Grenzen ....

Von Klipp seufzt!

'Ist doch mal was anderes!'

So versucht er sich selbst zu beschwichtigen, nimmt sich aber im Stillen vor den Fall noch einmal auf einem der nächste Schiedsrichtertreffen vorzutragen.

Und so gibt er dem Oberschiedsrichter ein Zeichen, dass das Spiel NICHT unterbrochen werden sollte .....



Ulfert kratzt sich immer noch unschlüssig am Kopf. Ihm will partout nichts einfallen, was diese Art von Vorkommnis reglementieren würde. Auch von Klipp scheint keine Ahnung zu haben, jedenfalls schlägt er vor, weiter spielen zu lassen.

`Das wird wohl das Beste sein. Und das ist wohl auch am wenigstens aufwendig!`

Resigniert zuckt er mit der Schulter und behält wieder missmutig das Spielfeld im Blick



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Kuss- Silana und Hjaldar


Sich ein wenig vorbeugend folgt Silana dem ausgestreckten Arm ihres Trägers, während sich ein sanftes Lächeln über ihrem Gesicht breit macht.

Wie eine gestampfte Fee sieht die Premerin nicht gerade aus, statt dessen gewinnt das Spiel eine Komponente, die auch die junge Rahjanovizin versteht.

"Gibt das auch Punkte?" stellt sie die Frage nach unten.



IN HAVENA -Im Immanstadion: Der Kuss -Darian


Aufmerksam verfolgt der Adeptus das Geschehen auf dem Feld. So langsam werden ihm die Zusammenhänge des Spieles klarer. Doch dann: Eine Premer Spieler küsst einen ihrer Gegner! Nach den bisherigen Erklärungen hätte Darian ja damit gerechnet, daß sie sich schlagen, aber küssen? Verwirrt wandert sein Blick zu den anderen Zuschauern, insbesondere den Immankundigen. Doch Hjaldar scheint sich mehr mit der Rahjani auf seinen Schulter, als mit dem Spiel zu beschäftigen - wer kann ihm das auch verübeln? - und Ole wird gerade von Alberik abgelenkt. Lediglich der dicke Smutje gibt einen lautstarken Kommentar von sich. Doch er erfüllt seinen Zweck, Darian ist sich nun sicher, daß Küssen nicht Teil des eigentlichen Immanspieles ist.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Kuss - Garulf


"POTTWAL VOR - MACHT DAS TOR!"

Weiterhin brüllt Garulf diesen Satz, sind doch die Premer gerade jetzt auf dem besten Wege, der Aufforderung folge zu leisten. Dann jedoch passiert etwas vollkommen unerwartetes: Eine Premer Spielerin wirft sich einem der Hornochsen an den Hals und küßt ihn!

"HEDA DAT IS HERN IMMANFELD! KNUTSCHEN KÖNNTER INNER KOJE!"

Der Schiffszimmermann neben ihm scheint das alles nicht mitzubekommen, denn er hat sich weggedreht und redet nun mit Alberik (den Garulf von hier aus nicht sehen kann). Der Smutje packt Ole an der Schulter:

"Hey, Grauwal, kick mol do, dat mußte gesehen ham!"

Garulfs zweite Hand weist aus das Spielfeld, an die Stelle, an der Frenhild und Dunvallo sich küssen.



Jetzt will auch noch, nach dem Zwerg, der Smutje etwas von ihm. Ja hat er denn ein Schild um den Hals, auf dem geschrieben steht: Wenn dir zum Kotzen ist, dann kotz auf mich?

Ole dreht die Augen nach oben, zuckt mit den Schultern und hebt die Arme beschwörend gegen den Himmel.

"Oh, ihr Götter, was hab ich euch getan, dass ihr mich derart prüfen müsst .... !"

Ole wendet sich Garulf zu:

"Nun sag schon, was ist denn?"

Nachdem er Smutje keine direkte Antwort gibt, sondern eisern mit ausgestrecktem Arm dorthin deutet, auf den 'Stein des Anstoßes', eben auf jene Begebenheit, die ihn so bewegt, folgt Ole auch dem Hinweis. Und siehe da - es ereignet sich tatsächlich schier Unglaubliches. Da vernascht eine Premerin einen 'Bullen' auf offener Szene. Ole ist sofort wieder beim Geschehen:

"Geht's dir noch gut - oder bist du scharf auf ein Kälbchen?" versucht Ole der Spielerin Frenhild zu übermitteln, doch es ist kaum anzunehmen, dass die Premerin seine Worte verstehen kann.

Der arme Zwerg ist unterdessen schon fast völlig wieder vergessen.....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Kuss - Perval und Traviana


'Dat is doch net wahr? Dat kann doch net sein?'

Perval ist total überrascht, als auf einmal eine der Pottwal-Spielerinen sich Dunvallo an den Hals wirft und ihn mitten im Spiel anfängt abzuknutschen.

'Dat sin doch ganz unfaire Mittel. Wo sin denn de Holzköpp von Schiedsrichter?'

"Guck di mal dat an! Haste sowat schon ma geseh´n? De knutsche da mittn im Spiel. Dat darf`s doch net gebn. " wendet sich Perval an Traviana. Bei ihrem Anblick kommt es ihm in den Sinn, ob er es nicht der Premer Spielerin gleichtun und Traviana einfach küssen soll. Was die auf dem Feld können, kann er schließlich auch.



Traviana verfolgt das Spiel genau.

Als diese Spielerin den anderen Spieler während dem Spiel einfach so küsst, ist sie erst einmal ziemlich verwundert. Denn das gehört doch bestimmt nicht zu so einem Spiel, oder?

Sie muss schon ein bisschen zu Perval hinüber grinsen, der auch in diesem Moment zu ihr sieht......



Perval registriert gar nicht so richtig, daß Traviana ihn mittlerweile ansieht sondern hängt immer noch dem Gedanken nach, wie es wäre, sie jetzt und hier zu küssen. In Gedanken stellt er sich lebhaft vor, wie es wäre ihre Lippen auf den seinen zu spüren und ihren Körper an sich zu drücken. So kommt es, daß er nur dasteht, Traviana angrinst und irgendwie abwesend ausschaut.



Traviana sieht Perval weiterhin an, und man kann immer noch ein leichtes Grinsen in ihrem Gesicht erkennen....

Da hat sie einen Gedanken......

Ob sie.........

'Aber er interessiert sich doch im Moment mehr für das Spiel, oder?.....'



IN HAVENA - Im Immanstadion: Der Kuss - Freifrau Reckinde


Diese Imman ist wirklich ein seltsam stupides Spiel, mit wahrhaft sehr rustikalen Regeln. Freifrau Reckinde ist nicht unbedingt eine sehr feinsinnige Frau und betrachtet derbe und kantige Dinge gerne als Würze des Lebens, aber sie braucht einen erkennbaren Sinn und eine gewisse Logik im Handeln, um sich in irgendeine neue Sache, wie eben das Immanspiel, mit dem sie sich bisher kaum beschäftigt hatte, einfinden zu können. Doch gerade diese Strukturen muß sie hier und heute vermissen! Alle, die gerade keine Ball führen, müssen sich offenbar gegenseitig verhauen. Wo soll den da der Witz sein? Um so etwas erleben zu können, reicht es doch offensichtlich aus, die Zuschauer und Anhänger beider Parteien außerhalb des Stadions zu beobachten, wenn sie ihre sehr gegensätzlichen Standpunkte 'austauschen'. Die gehen auch nicht gerade zimperlich miteinander um und die brauchen noch nicht einmal einen Ball dazu, um sich gegenseitig verdreschen zu können. Da könnte man sich doch die Kosten für den Eintritt ins Stadion glatt sparen, wenn man draußen haargenau dasselbe sehen kann.

Aber Freifrau Reckinde hatte ohnehin für den Eintritt keine einzige Münze zu entrichten, da sie ja auf die Einladung Herrn Rastburger hin hier Platz genommen hat. Also schaut sie desinteressiert auf das Spielfeld und verfolgt freudlos die Ereignisse dort, die ihr wahrhaft keine Erbauung liefern können.

Bis auf das eine Paar, das da eng umschlungen auf dem Spielfeld steht, ein sehr unerwartetes und auch sehr unübliches Vorgehen, wenn man den empörten Reaktionen der Zuschauer glauben will. Für eine kurze Zeit ist die Freifrau direkt noch einmal aufmerksam geworden. Die freche Aktion der Premer Spielerin imponiert ihr sehr. Bei FIRun, das ist eine echte 'Jägerin'. Das ist endlich einmal eine Frau nach ihrem Geschmack - nicht lange fackeln, sondern ran an den Speck!

Braves Mädel!

Der Kerl, den sich die Kleine da auf's Korn genommen hat, ist immerhin ein schmucker Bursche. Für so ein Prachtstück könnte man auf dem Schlaflager schon einmal ein Stück zur Seite rutschen. Völlig unerwartet fühlt sich die Freifrau von Begeisterung gepackt und sie brüllt ins Spielfeld:

"Auf geht's, Mädel, hol die den properen Appetithappen ............ !"



Die Freifrau Reckinde räuspert sich erst ein wenig, hüstelt ein wenig herum und setzt sich dann still wieder auf ihre Platz. Es ist ihr schon ein wenig peinlich, dass sie sich, auch noch vor den Augen des hohen Herren Rastburger, so außerordentlich hat gehen lassen. Aber Oreis Rastburger hat das ganze mit einem leichten Schmunzeln verfolgt und schien eigentlich außerordentlich zufrieden damit zu sein, dass die Freifrau so viel gefallen an den Spieler aus Havena gefunden hatte und er schreibt die leichte Röte in ihrem Gesicht einer leidenschaftlichen Überhitzung zu.

Eifrig spricht Oreis Rastburger nun über die Qualitäten Dunvallo's als Spielmacher und Techniker des Immansports und ringt fast um die Worte, die den 'Bullen-Spieler' in jeder Hinsicht würdigt. So erklärt er am Ende feierlich, dass er, Oreis Rastburger, in den Dunvallo den kommenden 'Chatal' sähe, obgleich er auch über Chatal nur das Beste zu berichten weiß.

Die Freifrau hört mit einem gespielten Interesse zu, in Gedanken versunken bei den Eigenschaften dieses Spieler, die sie wirklich interessieren würden, während sie sich, von Neid gepackt, die junge Premer Spielerin beobachtet, die das ganz bestimmt noch das Privileg haben wird die wahren Talente dieses Prachtburschens aus den Beinkleidern zu holen ....



IN HAVENA - In Immanstadion: Zoff auf der Tribüne - Alberik und Ole


Ein weiteres mal wendet sich Ole von dem Zwergen ab und scheint keine weitere Notiz mehr von ihm zu nehmen.

Zuerst will Alberik nicht glauben, daß dies passiert. Warum sollte es wichtig sein, ein paar Menschen über ein Feld laufen zu sehen, wenn neben einem jemand steht, der einem Prügel angedroht hat.

Schon im Begriff, den Thorwaler ein weiteres mal anzusprechen, und zwar mit ordentlich Nachdruck, damit Ole mal beim Thema bleiben kann, fällt dem Angroschim noch ein weiterer Grund ein, weshalb dieser so angestrengt nach dem Geschehen auf dem Spielfeld schaut.

'Natürlich. Er weiß, daß er eine Prügelei mit mir nur verlieren kann. Deshalb läßt er sich so leicht ablenken.'

Ein Lächeln zaubert sich auf das bärtige Gesicht des Zwergen.

'Also...im Prinzip habe ich dann wohl gewonnen. Und das ohne einen Finger rühren zu müssen.'

Ein wenig stolzer als vorher wendet er sich von Ole ab. Er will dem Großen ja auch nicht mehr Angst machen, als nötig ist. Soll er ruhig erst mal seine Ruhe haben.

Immer noch lächelnd geht er wieder auf Wasuren zu, dem er gerade eben seine Rüstung und das gesammelte Geld gegeben hat. Dabei schaut er sich auch nach dem Platz um, an dem Jandara gerade noch stand, und der er noch Geld schuldet.



Ole ist ehrlich empört. Was sich Frenhild da leistet ist wirklich ungeheuerlich und kann seinen Beifall nicht finden, welche Beweggründe sie auch immer angetrieben haben mögen. Doch lange kann sich Ole nicht darüber aufregen, denn schließlich ist es nicht wichtig, ob Frenhild dort auf dem Spielfeld zu ihrem Genuss kommt oder nicht, wichtig ist, dass der Ball im Tor der Bullen landet.

Gerade hat Tula den Ball nach hinten weiter gegeben. Damit ist zwar kein Raum gewonnen, aber die Art, wie sie es tat, war schon sehr sehenswert. Und ein kleiner taktischer Vorteil hat sich auch entwickelt. Zwar hebt es den Ball fast senkrecht hoch, aber er wird mit Sicherheit in Premer Besitz bleiben ....

Die Dinge entwickeln sich gut und Ole ist wieder zufrieden. Doch da erinnert er sich der Dinge, die sich offensichtlich nicht so gut entwickelt haben, aus welchen Gründen auch immer. Alberik kommt ihm wieder in den Sinn und Ole erinnert sich, dass der Zwerg ihn aufgefordert hatte, sich für irgend etwas zu entschuldigen und nun spürt er auch wieder das Interesse daran, was der Zwerg wohl gemeint haben könnte.

Ole dreht sich um und sieht, dass sich Alberik wieder entfernt. Das will den alten Schiffszimmermann doch sehr wundern. Erst tut er so unheimlich wichtig, der Zwerg und dann macht er sich leise davon.

"Hey Alberik, wo willst du denn hin, wolltest du mit nicht irgend etwas erklären?" ruft Ole dem davon eilenden Zwerg hinterher:



Wenn Zwerge lange genug unter Menschen leben, gewinnen sie bald eine Fähigkeit, die den meisten anderen ihr Leben lang verschlossen bleibt. Auch Alberik hat diese Fähigkeit erlangen dürfen. Trotz des dichten Gedränges und seiner bei der Suche nach der Rothaarigen gar nicht nützlichen geringen Größe, hat er Jandara schon bald entdeckt. Er kann sogar erkennen, daß sie sich mit einem Mann unterhält, der dem Angroschim nicht bekannt ist.

Alberik bleibt stehen. Irgend etwas stört ihn an diesem Bild. Er könnte es nicht in Worte fassen, aber es kommt ihm nicht richtig vor, daß sie sich mit diesem Menschen unterhält. Aus irgendeinem für ihn unbekannten Grund stört ihn das freundliche Lächeln des Mannes, und das ebenso freundlich dreinblickende Gesicht der Rothaarigen mindestens genauso sehr.

'Sollte sie nicht lieber ihr Geld weiter einsammeln? Es liegt ja noch genug auf dem Boden. Und sie sieht nicht so aus, als ob sie das Geld nicht mehr bräuchte.'

Der Moment, den der Zwerg einfach in der Gegend steht, und sich die beiden Menschen anschaut, dauert an. Vielleicht sollte er ihr sagen, daß noch nicht das ganze Geld, was sie verloren hat, wieder beisammen ist. Aber der Angroschim tut es nicht. An jeden anderen würde er herantreten, und genau das tun, was er tun sollte. Was jeder tun würde. Doch so mutig er eigentlich ist, es wird ihm mulmig, sobald er den ersten Schritt auf Jandara und den Mann zugehen will.

Viel weiter kann Alberik auch nicht überlegen. Zuerst bemerkt er gar nicht, daß Ole mit ihm spricht. Nur langsam dringen die Worte zu ihm durch. Und als er dann erkennt, daß der Satz an ihn gerichtet ist, reagiert etwas in ihm erleichtert.

Beinahe noch abwesend blickt Alberik den Thorwaler an.

"Was meinst Du?"

Auch wenn ihn die Worte erreicht haben, ihr Sinn hat sich dem Zwergen noch nicht erschlossen.



'Bei SWAFnir, aber auch! Zuerst führt er sich auf wie ein Maru aus der Kiste und jetzt scheint er nicht einmal bis drei zählen zu können!'

Die geistige Abwesenheit Alberik's verwirrt Ole mächtig. Was soll das ganze?

"Na, du weißt schon .... Entschuldigen und so ... weswegen soll das nun tun, nun sag schon, wo kneift denn die Rüstung?"

Der alte Schiffszimmermann müht sich redlich seine wachsende Ungeduld nicht nach außen dringen zu lassen



IN HAVENA - Im Immanstadion: Unliebsame Begegnung - Jandara


Nur ganz langsam erschließt sich Jandara der Sinn von Cerns Worten. Erst flammt wilder Zorn in ihr auf.

'Wie kann er es wagen, mich mit einer anderen zu vergleichen?'

Doch die hochlodernde Flamme ihres Zorns wird jäh von einem eiskalten Regen gelöscht. Nach außen hin lässt sie sich nichts anmerken.

Wie auch?

Nun sind sie doch hin, ihre schönen Rachepläne, die Hoffnung Cern zu zeigen, ihn fühlen zu lassen, was er ihr angetan hat, ihn mit leichter Hand zu verfluchen und ihn dann büßen zu lassen, einen ganzen Götterlauf lang...

Aber der Thorwaler scheint ein Liebling der Götter zu sein, immer schon ist es ihm gelungen seinen Weg zu gehen, kein Stein hat ihn bisher stolpern lassen und auch Jandara spürt jetzt, dass sie raus ist aus dem Spiel. Hier hat sie nichts mehr verloren. Alles was übrig bleibt ist eine tiefschwarze Leere in ihr. Nichts!

"Wie schön, für dich Cern." hört sie sich sagen. Ihr Lächeln wirkt wie eine Maske und ihre Augen blicken ihn nicht an. Suchend schaut sie sich um.

'Ich muss weg hier.' denkt sie sich. Da sieht sie den Zwerg, der ihr gerade den Rücken zudreht, weil der Riese ihm offensichtlich etwas zuruft. Sie stutzt kurz.

'Warum hat er sich denn freigemacht? Lief der vorhin schon mit nacktem Oberkörper herum?'

Da fällt ihr etwas ein. Entschlossen blickt sie in Cerns Augen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Völlig ungerührt von den zahlreichen und immer zahlreicher werdenden Protesten der Zuschauer, hält Frenhild den Gegenspieler fest umschlungen, mit den Armen genauso, wie mit den Beinen. Sie findest es erheiternd, dass Dunvallo noch nicht einmal den versuch gemacht hat, sich zu befreien, obwohl er, nach allem, was man über ihn so hören kann, durchaus in der Lage dazu gewesen wäre und noch immer ist.

"Hörst du sie rufen, mein Tiger? Sie wollen, dass wir später knutschen!"

Frenhild betont diesen Satz natürlich völlig anders, als er von den Ränge herab gerufen worden ist. Während die Zuschauer lautstark verlangen, dass es momentan nicht an der Zeit wäre der schönen Göttin zu huldigen, sondern dass es ausschließlich darum gehen sollte, den Kork im Tor der gegnerischen Partei zu versenken, so klingt der Satz aus dem Munde Frenhild's so, als forderten die Zuschauer einen rahjanischen Vollzug gleich nach dem Spielende.

"Hör zu, Tiger! Ich schlage dir eine Wette vor. Wenn wir das Spiel gewinnen, dann gehörst du mir und ich werde dich verwöhnen nach allen Regeln der Kunst. Wenn wir das Spiel verlieren sollten, was aber sehr unwahrscheinlich ist, dann gehörst du dir selbst und darfst sich selbst verwöhnen, nach allen Regeln der Kunst!"

Dann erhöht Frenhild kurz den Druck ihrer Beine und presst ihren Unterleib noch dichter an den Körper Dunvallo's heran, damit auch klar zu verstehen ist, WELCHE Regeln nach WELCHER Kunst sie gemeint hat.


***


Hasgar rennt als ginge es um sein Leben. Er blickt weder nach recht noch nach links, sondern stürmt stur geradeaus. Er rennt an der lauernden Lyn vorbei, ohne sie auch nur mit einem Blick anzusehen, als würde er sich nicht im Geringsten für ihre Existenz interessieren ...


***


Ächzend stemmt sich Aki langsam in die Höhe. Er hat keine Eile, er weiß das er den Gegenspieler ohnehin nicht merh einholen kann und hofft voll darauf, dass sich Tula irgend etwas einfallen läßt.

Er wütend auf sich selbst, dass er sich so einfach hatte austricksen lassen, gerade so als wäre er ein blutiger Anfänger. Aber von dem alten 'Bullen' kann man noch eine Menge lernen und noch einmal sollte er es nicht so einfach haben, der Kerl.

Aki stößt wilde Flüche aus, während er sich langsam wieder in die senkrechte Haltung quält. Erschrockene Mütter in der ersten Reihe der Tribüne halten ihren Kindern die Ohren zu. Dann ist er wieder in der Höhe und Aki orientiert sich neu .....


***


Tula verändert ihr Tempo nicht, auch als sie erkennen muß, dass sie von der Seite attackiert werden soll. Noch immer führt sie den Ball am Schläger und ihr Kurs ist geradewegs nach vorne, gefolgt von Haldar, der wie ein treuer Vasall in ihrem Windschatten hinterher rennt.

Tula läßt Faerwyn gefährlich nahe herankommen und Ifirnsgiron, der die Szene aus der Entfernung heraus beobachtet, hält angespannt den Atem an. Er ist sich nicht sicher, ob die Stürmerin den nahenden Angreifer überhaupt bemerkt hat. Aufgeregt will er einen Warnruf ausstoßen, bringt aber nur ein heißeres Gekrächze aus er Kehle. Doch wie es scheint, hat Tula solche Warnungen überhaupt nicht nötig. Völlig unerwartet und aus voller Geschwindigkeit heraus, springt Tula über den Ball, klemmt den Kork zwischen Schlägerkopf und linker Hacke, beugt den Rücken durch und reißt den Ball mit einem deftigen Ruck nach oben. Nach dieser technischen Meisterleistung am Ball rennt sie ohne zu bremsen weiter. Soetwas sieht man nur ganz selten bei Immanspielen und auch Tula gelingen solche 'Einlagen' nicht immer, sondern nur, wenn sie sich in exzellenter Spiellaune weiß. Der Ball indessen, wird vom Schwung etwa drei Schritt hoch senkrecht in die Höhe geschleudert, dann zieht es ihn wieder nach unten. Und schon kommt Haldar nachgerückt. Er holt schon mit dem Schläger aus, anscheinend hat er nicht die Absicht den Ball auf den Boden kommen zu lassen.


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Thorlif wird langsam nervös. Es hält ihn nicht mehr an der Verteidigungslinie und rückt vor, hält aber inne, als er einen mahnenden Ruf Faenwulfs hört. Auch Faenwulf ist vorgerückt, allerdings hat der allen Grund dazu, denn er versucht den Raum gegen die heran stürmende Raika abzusichern. Das bringt die Spielerin aus Havena in eine sehr unglückliche Situation. Weiter nach vorne zu drängen empfiehlt sich nicht, denn es giert Faenwulf nach Blut, die so eine junge Spielerin käme ihm gerade recht, das wäre schon was für den Anfang, sozusagen zum 'warm werden'. Verharren ist ihr aber auch nicht zu empfehlen, da sie sonst zwischen Rorlif und Algrid zerquetscht werden könnte und es bleiben ihr nur noch wenige Momente bis zu diesem fatalen Zusammenprall.


***


Ein Seufzer der Erleichterung geht von der 'Fee' der Premer aus, sie kann sich wieder entspannen. Kurz vorher hat sie sich noch, zu allem entschlossen, dem Lauf des Kapitän's der Mannschaft aus Havena entgegen gestellt. Sie hat ihre Angst auf die Seite geräumt und mit geschlossenen Augen darauf gewartet, dass sie überrannt werden würde und dabei mindestend drei Rippen brächen. Doch Chatal hat liebenswürdiger Weise den Kurs gewechselt und Frenhild kann erst einmal aufatmen .....


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Die Lücke wird immer enger und das Verwirrspiel der Zwillinge zeigt erste Wirkung. Ragnid mag ihren Augen jetzt nicht mehr zu trauen, denn durch den ständigen Positionwechsel der beiden, hat die 'Yeshinna' erheblich von ihrem Orientierungsvermögen eingebüßt. Widerwillig anerkennend bemerkt sie, dass da nicht nur einfach zwei Bremser auf sie zu kommen, sondern dass sie sich einer äußerst beweglichen Formation nähert. Und da der Raum nun auch immer enger wird, hat sie den Gedanken, die beiden durch einen geschickten Hakenschlag auszuspielen und so ihre Reihen zu durchbrechen, zunächst einmal 'begraben'. Mit einem Seitenblick erkennt sie, daß sich Tula vom Ball getrennt hat - gut so! Natürlich mußte Tula wieder einmal kräftig 'auf den Putz' schlagen, das ist typisch Tula, ohne solche Spielereien geht es wohl nicht!

Dann nähert sich Ragnid den beiden Havena-Bremsern. Zunächst lenkt sie ihren Lauf genau auf die Mitte zwischen den beiden Spieler, als plane sie mitten durch zu stürmen. Das wäre aber ein sehr offensichtlicher Plan gewesen, also kann es nur so sein, dass Ragnid eine gute Karte im Ärmel haben, die sie erst im letzten Moment ausspielen will. Die Zwillinge rücken sofort zusammen, Schulter an Schulter, der Raum ist dicht und nicht einmal eine Yeshinna könnte da noch durchbrechen. Das hat sie allerdings auch gar nicht vor. Nicht DURCH die Linie will sie brechen, SONDERN darüber hinweg will sie sich schwingen. Wie vor ihr schon Frenhild springt sie plötzlich ab. Doch versucht wie nicht die Abwehrrecken anzuspringen, es wäre ihr auch wohl schwergefallen, zwei solcher Riesenkerle mit Armen und Beinen zu umschließen - NEIN - sie springt wesentlich höher als Frenhild und zieht beim Sprung auch noch die Beine an. Sie schlägt einen Salto in der Luft, streckt ihren Körper kurz, um den Schläger über die Köpfe der Abwehrspieler hinweg zu schleudern. Im gleichen Moment streckt sie die Arme aus und stößt sich, die Hände aufgelegt auf den Schulter der Zwillingsbullen, noch einmal schwungvoll in die Höhe, ehe sie elegant sicher und hinter der Verteidigungsreihe den Sprung auf dem Boden ausrollt und vom Schwung getragen auch gleich wieder auf die Beine kommt. Ein schneller Schritt vorwärts, ein kurzes Bücken und aufnehmen des Schlägers und schon ist sie wieder auf Kurs in Richtung Tor .....



Etwas widerwillig muss Dunvallo es zulassen, dass die Premerin sich von seinen Lippen löst. Nein, es war ganz und gar nicht unangenehm und irgendwie schade, dass es schon vorbei ist.

Doch die Premerin hat recht - jetzt hört er die aufgebrachten Rufe der Fans auch - der Fans beider Seiten - und plötzlich fällt ihm auch wieder siedendheiß ein, wo sie sich befinden: Mitten auf dem Immanfeld in einem Immanspiel!

Doch bevor er noch etwas tun oder sagen kann, hat schon wieder Frenhild das Wort ergriffen und schlägt ihm eine Art Wette vor. Als Frenhild ihren Unterleib an den seinen presst, spürt er, wie sich etwas an ihm regt und er muss gestehen, dass sich das nicht uninteressant anhört. Schließlich ist Frenhild ganz und gar nicht unhübsch und ihre Wildheit und Initative versprechen viel. Doch, allein, die Sache hat einen Haken.

"Ich fürchte nur, jeder wird auf sich selbst angewiesen sein" antwortet er etwas betrübt.

"Schließlich ist ja wohl klar, dass WIR gewinnen, hm?"

Fest umschließen seine Hände ihre Hüften. Natürlich nur um sich zu stützen, wenn sie ihre Umklammerung löst, wie er sich einredet, doch insgeheim hat er dadurch das Gefühl sie noch etwas länger festzuhalten, sie bei sich zu behalten...


***


Währenddessen formieren sich die meisten anderen Bullen, um das Tor so weit als möglich abzuriegeln.

Neelke rennt weiter in Richtung Mittelfeld, während Romolosch seinen Weg nach hinten fortsetzt. Tibraide geht ein paar Schritte weiter vor, um das Tor abzuschirmen und auch Rumpo - der "Fels" - und Tamlin - der Bremser mit der Narbe auf der linken Wange - machen sich blockbereit.


***


Schnaubend sieht Faerwyn, wie Tula elegant den Ball nach hinten befördert und sich ihm dann in den Weg stellt.

"Kraftverschwendung" murmelt er abschätzig, doch innerlich muss er sich eingestehen, dass die Premerin ob dieses schwierigen Manövers Respekt verdient. Schließlich ist so etwas verdammt schwer und erfordert große Körperbeherrschung und noch größeres Können.

Dann ist er endlich, endlich heran - und doch zu spät- und wie nicht anders zu erwarten, stellt sie sich ihm in den Weg.

"Nahemas Turm!" flucht er wütend.

Irgendwie scheint er heute nicht rechtzeitig an den Ball kommen zu können. Grimmig streckt er die Arme aus um Tula einfach beiseite zu stoßen. Denn so wie sich der angespielt verhält, wird er denn Ball nicht lange behalten wollen und er - Faerwyn - muss dann frei sein, um den Ball abzufangen.


***


Für einen Moment schein Ragnid unsicher und das lässt in den beiden Zwillingen die Hoffnung reifen, dass sie vielelicht doch nicht so gut ist, wie man erzählt, dass sie beide die Premerin tatsächlich aufhalten können. Doch ihre Hoffnung wird jäh zunichte gemacht.

Plötzlich springt die Thorwalerin hoch in die Luft und anstatt direkt in ihren Block zu laufen fliegt sie einfach darüber hinweg, frei wie ein Vogel, der zwitschernd seinen plumpem, an den Boden gefesselten Fängern entkommt. Und dabei hat sich auch noch die Stirn, ihrer beiden Schultern als Abdruckpunkt zu nutzen.

`Sie ist wahrhaft eine Amazone` schießt es - wie fast immer - beiden durch den Kopf, bevor sie ihren Lauf bremsen, herumdrehen und die Verfolgung aufnehmen. Zwar haben sie keine Idee, was werden soll, wenn sie sie wirklich einholen sollten, aber sie können ja nicht einfach stehen bleiben, oder?



NORDSTERN - Unterdeck: Gelegenheit macht Diebe


Auch Anselm bemerkt schnell wie leise es heute auf der NORDSTERN ist. Anscheinend sind fast alle Passagiere und wohl auch Teile der Mannschaft von Bord gegangen.

Während Anselm langsam und noch leicht schläfrig auf dem Unterdeck entlang stiefelt formt sich in einer Ecke ein ein gerade zu 'phexischer' Plan

'...das Schiff ist fast leer...man kann rumlaufen wo man will....und auch fast überall rein....ABER JA! sicherlich gibt es für ein Phexkind wie mich hier noch einiges zu holen. Aber wo???'

Anselm steht nachdenklich im Gang und überlegt.

'hm...In der Gemeinschaftskabine gibt es sicherlich nichts zu holen. Die Suite, die ist sicherlich voll mit hübschen Sachen... aber die is auf'm Oberdeck und damit zu unsicher... doch halt, die reicheren Passagiere haben doch sicher diverses, teures, Gepäck in sicherheit bringen lassen. Wenn ich mich nicht irre, in diesem abschließbaren Ladeschrank...'

Während er noch ein wenig weiter grübelt, schreitet Anselm langsam und vorsichtig in Richtung Niedergang.



Leise wandert Anselm auf dem Unterdeck in Richtung Niedergang. Je näher er 'dem Ziel' ist, um so leiser versucht er zu gehen.

Die Stufen des Niedergang knarzen kaum, als der kleine Dieb sie hinunter steigt. Schließlich hat er über all die Jahre gut gelernt, wie man sein Körpergewicht verteilt.

Als er auf dem Boden des Ladedecks ankommt verhält er sich mucksmäuschenstill. Leise atmet er die staubige Luft ein, während er alle Muskeln anspannt, bereit für jede Überraschung. Aber es scheint recht ruhig hier unter zu sein, wie man es auch so erwarten sollte.

Und so schleicht der kleine Mann weiter durch das schummrige Licht, welches hier unten den Raum nur spärlich erfüllt. nach wenigen Schritte hat Anselm daß Objekt seiner begierde gefunden, die Große Tür zum Laderaum 3.

Anselm schaut sich kurz das Schloss an und zückt sofort einen Satz Dietriche. Konzentriert steht er vor der Tür und dreht das kleine Werkzeug, während dieses im Schloss knackt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Raikas ohnehin schon recht blasse Haut wird scheinbar noch blässer, als sie erkennen muss, in welche Falle sie da getrieben werden soll, was die Premer aufbieten, um sie aufzuhalten.

Vor ihr ein Kerl, der sie zweifellos mit einer einzigen Bewegung in Stücke reißen könnte, ohne dass es ihn besonders viel Mühe kostet. Und hinter sich vermeint sie schon beinahe den heißen Atem ihrer Verfolgerin im Nacken zu spüren. Und das sind nicht die einzigen hier.

`Was tun?`

Die Gedanken in ihrem Kopf überschlagen sich.

`Ganz ruhig!`

Eine Ermahnung ihres Vaters fällt ihr wieder ein

»Wenn du in der Wildnis den Kopf verlierst, dann bist du schon so gut wie tot«

`Ja, die Schwächen finden und sie nutzen`

Raika verlangsamt kurz ihren Lauf soweit, wie sie denkt, es wagen zu können und mustert die Reihen der Premer. Links von ihr und direkt vor ihr ist alles zu. Hier würde sie niemals durchkommen. Und zurück ist auch keine wirkliche Option. Doch zu ihrer rechten... Dort, zwischen dem großen, plumpen Mann mit dem Kinnbart und dem Kapitän der Pottwale ist eine kleine Lücke. Und der Premer Kapitän scheint seine Aufmerksamkeit geraten auf etwas anderes gerichtet zu haben, etwas, was weiter rechts von ihr auf der Hälfte der Bullen geschieht.

Raika widersteht dem Drang seinem Blick zu folgen um zu sehen, was ihn so in Anspruch nimmt. Statt dessen beschließt sie, zu versuchen die Chanche, die diese Lücke und Ifirnsgirons Abgelenktheit ihr bieten, zu nutzen.

Geschmeidig und flink wie der Steppenwind ändert sie ihre Richtung und hält auf die schmale Lücke zu.

`Hoffentlich ist er wirklich so unbeweglich, wie er aussieht...`

Raika weiß, dass ihre einzigen Trümpfe ihre Körperbeherrschung und ihre Schnelligkeit sind. Wenn die Premer sie erst einmal erwischen sollte, dann wäre es wohl aus mit ihr...


***


`Was denkt sich der Kerl eigentlich?`

Lyn ist empört. Da rennt dieser Kerl einfach an ihr vorbei, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen! Übersieht sie einfach. So, als wäre sie gar nicht da, als wäre sie Luft.

Die blonde Schönheit ist fassungslos. Dieser rauhe Sport macht ihr Spaß und sie kann viel verkraften. Aber es gibt da eine Sache, die sie überhaupt nicht leiden kann, die sie schmerzt, die sie rasend macht: Wenn man (und vor allem Mann) sie nicht beachtet. Das trifft sie tief in ihrem Selbstbewusstsein. Schließlich ist sie die große Lyn, die von allen Männern angehimmelt und von allen Frauen neidisch betrachtet wird. Sie ist die, die immer eine gute Figur macht und auch im wildesten Getümmel noch gut aussieht. Und dieser Kerl wagt es einfach so, an ihr vorbeizuhetzen?

`Ob der vielleicht elfisch veranlagt ist? Oder ist er einfach nur ein Barbar, der nichts als seine haarigen Affenweibchen kennt?`

Ihre Gesichtszüge zeugen von tiefer Entschlossenheit, ihre blauen Augen glitzern vor Wut.

`Dir werde ich es zeigen, du kommst nicht weit!`

Wie eine Raubkatze aus dem Hinterhalt schießt sie schlangengleich hervor, um auf ihr »Opfer« hernieder zu stoßen. Zwei drei schnelle Schritte, ein Sprung und schon hängt sie fest an Hasgars Rücken, versucht ihn, mit ihrem ganzen Körpergewicht zurück zu reißen. Sie ist zwar vergleichsweise ein Leichtgewicht - was Wunder bei diesem schlanken Leib - doch der Schwung, den sie nutzt und der Vorteil der Überraschung bewirken, dass Hasgar für einen Moment aus dem Tritt gerät. Zwar fängt er sich noch, doch kommt er nun merklich langsamer voran, als noch vor ein paar Herzschlägen.

Lyn bemüht sich ihre Beine geschickt zwischen die seinen zu bringen, um diesen ignoranten Barbar endgültig zu Fall zu bringen.

"Mich einfach übersehen was? Ein großer Fehler!" zischt sie ihm zornig und mit einer Spur von verletztem Stolz in der Stimme ins Ohr.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


"DUNVALLO!!! WEITERSPIELEN!!! WEITERSPIELEN!!!"

Manche derer im Stadion können es immer noch nicht fassen, dass der Spieler immer noch mit der Premerin beschäftigt ist, die zudem in ihren Augen potthäßlich ist - eine Einschätzung, die einzig und alleine aus der Tatsache herrührt, dass sie Premerin ist, und nichts mit Objektivität zu tun hat.

Ein tiefes Seufzen, für sich wohl unhörbar, aber dadurch, dass es längst nicht von einem nur kommt, geht durch die Reihen, als die havenaer Zwillinge bei ihrem wunderbaren Manöver so elegant ausgebremst werden, und die Premerin einfach über sie hinweg einen Salto schlägt. Doch... echtes Können, und das ist das im Gegensatz zu dem, was dem armen Dunvallo widerfahren ist, führt auch dann zu Anerkennung, wenn es von der gegnerischen Mannschaft kommt, und so erntet Ragnid nicht nur aus den Reihen der lautstarken Nordmänner Schreie der Anerkennung und Freude, sondern auch etliche der Havenaer bekunden ihre Achtung vor diesem Manöver.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Kuss und Schläge - Garulf


Allmählich gewinnt das Spiel an Fahrt. Fenhilds ´Kußattacke´ ist fast schon vergessen, als Tula ein riskantes Manöver erfolgreich abschließt und der Ball erst senkrecht steigt und dann direkt auf Haldars Schläger zufällt. Doch auch dort, wo sich der Ball gerade nicht befindet, bewegt sich was. Ein ´Bulle´ attackiert Thinmar mit der Faust, woraufhin dieser zu Boden geht. Garulf ist außer sich, so was darf einfach nicht sein!

"KOMM HOCH! WEHR DICH! BISTE ´N POTTWAL ODER ´N SÖDLÄNDER PÜPSCHEN?!!"

Trotz der nicht unbeträchtlichen Lautstärke werden diese Worte den unglücklichen Thinmar wohl nicht erreichen.



Fasziniert beobachtet Hjaldar das Spielfeld und sein Blick wandert fast schon hektisch zwischen den ganzen interessanten Schauplätzen auf dem Feld hin und her. Erst nach einigen Sekunden findet er Gelegenheit Silana zu antworten, wobei er den Kopf hebt, um ihr Gesicht sehen zu können.

"Nich' direkt. Aber solang' der Ochs' sie uff'm Arm hat, kann'er keen Tor machen. Und wenn'er denn gliik wie'n liebesdolles Rotauge über's Feld schleicht, isses uk goud." grinst er breit.

Den miesen Schwinger gegen Thinmar und die gekonnte Ballübergabe der stürmenden Pottwale hat er dabei verpaßt und als er seinen Blick wieder auf das Feld richtet, ist er einigermaßen überrascht.

"Die legen 'n Mordstempo vor. Wenn dat man goud geit achternrut!"



NORDSTERN - Auf der Brücke: Schiffswacht


Während im Immanstadion das Spiel immer heißer wird, und das in mehr als einer Beziehung, hat sich auf der Brücke der NORDSTERN nichts verändert - noch immer steht der Kapitän vor dem Steuerrad und beobachtet das Treiben im Hafen und auch im Hafenbecken, wo gerade ein kleines Fischerboot langsam Kurs auf den Fischerhafen nimmt.

Kurz folgen Jergans Blicke diesem Fahrzeug, während er überlegt, von wo es kommen mag, denn die Fischsaison ist ja seit dem gestrigen Fischerfest eigentlich beendet.



Das kleine Fischerboot verschwindet hinter einem Anleger aus dem Gesichtsfeld des Kapitäns, und lässt diesen damit wieder mit seinen Gedanken und dem Schiff und dem recht stillen Hafen zurück.

Kurz überlegt er, ein wenig auf dem Oberdeck spazieren zu gehen, aber so ganz kann er sich noch nicht dazu entscheiden, denn das absolute Nichtstun ist auch ein Zustand, der angenehm sein kann. Man steht oder sitzt herum, weiß nicht wirklich, was man machen soll, und hat doch Ideen, die Zeit ein wenig anders zu verbringen, doch man ist selbst dann zur Umsetzung zu "faul", wenn diese keinen oder fast keinen Aufwand erfordert. Und genau so geht es im Moment dem Kapitän der riva'er Karavelle, dass er recht ernst darüber nachdenkt, das Deck näher zu inspizieren, das aber (noch?) nicht tut, weil das Nichtstun und ein wenig Träumen einfach auch in Ordnung ist.



Die Gedanken des Kapitäns schweifen wieder weiter ab, weg von der Ruhe im Hafen und auf den Schiff hin zu den beiden Feiertagen, dem des EFFerd, der vergangen ist, und das für manch einen mehr als einmal, und dem der Travia, der gerade in all den zwölfgöttergläubigen Städten des aventurischen Kontinents gefeiert wird. Es ist einfach schön, wenn Menschen feiern und ihre Freude und ihren Spaß haben, und wenn es dazu noch einen solch göttergefälligen Anlass gibt, dann ist das noch viel schöner.

Zudem spielt auch die Natur wunderbar mit - sowohl mit dem ausgezeichneten Sonnenwetter jetzt, als auch mit dem efferdgefälligen Wetter des Vortages.

In Gedanken dieser Art vertieft, steht Jergan Efferdstreu auf der Brücke der NORDSTERN und lässt seine Finger über das polierte Holz des Steuerrades gleiten, ohne wirklich zu merken, dass das im Hafen doch eher albern wirken muss.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zoff auf der Tribüne - Alberik und Ole


Wenn Zwerge lange genug unter Menschen leben, gewinnen sie bald eine Fähigkeit, die den meisten anderen ihr Leben lang verschlossen bleibt. Auch Alberik hat diese Fähigkeit erlangen dürfen. Trotz des dichten Gedränges und seiner bei der Suche nach der Rothaarigen gar nicht nützlichen geringen Größe, hat er Jandara schon bald entdeckt. Er kann sogar erkennen, daß sie sich mit einem Mann unterhält, der dem Angroschim nicht bekannt ist.

Alberik bleibt stehen. Irgend etwas stört ihn an diesem Bild. Er könnte es nicht in Worte fassen, aber es kommt ihm nicht richtig vor, daß sie sich mit diesem Menschen unterhält. Aus irgendeinem für ihn unbekannten Grund stört ihn das freundliche Lächeln des Mannes, und das ebenso freundlich dreinblickende Gesicht der Rothaarigen mindestens genauso sehr.

'Sollte sie nicht lieber ihr Geld weiter einsammeln? Es liegt ja noch genug auf dem Boden. Und sie sieht nicht so aus, als ob sie das Geld nicht mehr bräuchte.'

Der Moment, den der Zwerg einfach in der Gegend steht, und sich die beiden Menschen anschaut, dauert an. Vielleicht sollte er ihr sagen, daß noch nicht das ganze Geld, was sie verloren hat, wieder beisammen ist. Aber der Angroschim tut es nicht. An jeden anderen würde er herantreten, und genau das tun, was er tun sollte. Was jeder tun würde. Doch so mutig er eigentlich ist, es wird ihm mulmig, sobald er den ersten Schritt auf Jandara und den Mann zugehen will.

Viel weiter kann Alberik auch nicht überlegen. Zuerst bemerkt er gar nicht, daß Ole mit ihm spricht. Nur langsam dringen die Worte zu ihm durch. Und als er dann erkennt, daß der Satz an ihn gerichtet ist, reagiert etwas in ihm erleichtert.

Beinahe noch abwesend blickt Alberik den Thorwaler an.

"Was meinst Du?"

Auch wenn ihn die Worte erreicht haben, ihr Sinn hat sich dem Zwergen noch nicht erschlossen.



Jetzt weiß Alberik wieder, von was der Thorwaler da redet. Einen kurzen Moment wundert er sich darüber, daß er auf diese Sache noch einmal angesprochen wird, hatte er doch gerade noch gedacht, daß Ole einen Rückzieher machen würde.

'Da habe ich mich wohl geirrt.'

Die Miene des Zwergen wandelt sich von Ratlosigkeit und geistiger Abwesenheit in Zorn. Mehrere Dinge sind an diesem Zorn schuld. Da wäre als erstes die Wut, die er verspürt seitdem Ole ihn so provoziert hat. Auch die kurze Diskussion über diesen Vorfall mit dem Thorwaler macht ihn sauer. Hat er eigentlich an dem Mann so sehr vorbeigeredet?

Oder will der Schiffszimmermann ihn auf den Arm nehmen?

Desweiteren regt den Zwergen etwas auf, für das der Riese eigentlich gar nichts kann. Auch wenn sich Alberik dessen nicht so sehr bewußt ist, stört es ihn gewaltig, daß Jandara sich da hinten mit einem anderen Mann unterhält. Sie könnte hier wirklich mal ihr Geld weiter suchen. Als ob er dafür verantwortlich wäre. Auch wenn er nicht unschuldig daran ist, daß es sich überall verstreut auf dem Boden befindet, ist es doch ihres, und nicht seins.

Und daß der Streit mit Ole doch noch nicht beendet ist, obwohl sich der Angoschim seines zumindest theoretischen Sieges gewiß war, bringt das Faß nun zum Überlaufen.

Entschlossen geht Alberik die wenigen Schritte zu Ole zurück. Ohne Rücksicht auf Verluste stellt er sich direkt vorhin und deutet mit dem Finger direkt auf dessen Gesicht, als er mit lauter Stimme, die ein Brüllen schon andeuten könnte, spricht:

"Willst du mir wirklich weismachen, du weißt nicht, worum es geht? Natürlich weißt du, was ich meine. Du wolltest mich vorhin damit aufziehen, als du diesen Satz gesagt hast, in dem du so oft wie du nur konntest, dieses Wort untergebracht hast. Kutsche hier, Kutsche da! Und dafür will ich jetzt sofort eine Entschuldigung hören. Denn das ich kleiner bin als du heißt nicht, daß ich nicht mit dir fertig werden würde."

Das Gesicht des Angroschim verfärbt sich bei seiner Erklärung rot, und anschließend hebt und senkt sich sein Brustkorb stark, als er endlich wieder Luft holen kann.



Ole runzelt die Stirn.

"Kutsche? Bei allen Gehörnten, welche Kutsche?"

Doch da fällt dem Schiffszimmermann der kleine Zwischenfall von vorhin wieder ein und er beginnt dröhnend zu lachen.

"Ach, das meinst du !"

Ole schüttelt den Kopf und lächelt nachsichtig, als spräche er mit einem Kind, das eben etwas sehr Dummes gesagt hat.

"Sag mal, als Rahja den Frohsinn in die Welt gebracht hatte, mußt doch du in dieser Zeit unter Tage gewesen sein. Ich hab doch nur einen Scherz gemacht, konnte ja nicht wissen, dass die, ach so harten Zwerge, das empfindliche Gemüt eines Novadi haben!"

Ole's Gesichtsausdruck wird mit einem male sehr ernst. Eine steile Falte bildet sich auf seiner zerfurchten Stirn.

"Also gut! Ich schlage vor, wir treffen uns nach dem Spiel an einem Ort, wo wir die Sache austragen können!"

Nun beginnt der alte Schiffszimmermann wieder zu grinsen.

"Am Besten in einer Taverne. Nach dem fünften Humpen Bier entschuldige ich mich dann solange wie du es lustig findest! Abgemacht?"



Alberik ist verwirrt. Während er vor Ole steht und ihm geduldig zuhört, auf eine Entschuldigung wartend, scheint dieser aus der Sicht des Zwergen, mindestens dreimal sein Vorhaben zu wechseln.

Zuerst wird er ein weiteres mal von ihm beleidigt. Nicht, daß Alberik etwas gegen Novadis hätte, außer daß sie einem seltsamen Irrglauben verfallen sind. Aber so wie er es verstanden hat, is es etwas schlechtes, so weich wie ein Novadi zu sein.

Dann schlägt der Schiffszimmermann ihm vor, die Sache nach dem Spiel auszutragen. Wäre es dabei geblieben, wüßte Alberik, was der Thorwaler eigentlich will. Aber es bleibt nicht dabei. Ole legt ein Grinsen auf, und versucht den Angroschim zu einem, oder gleich mehreren gemeinsamen Bier zu überreden.

Alberiks Gedanken überschlagen sich.

'Was will er jetzt eigentlich von mir? Will er die Sache jetzt mit mir austragen, oder meinte er gerade, daß er das gar nicht so gemeint hatte?'

Alberik ist kein Zwerg, der lange über etwas nachdenkt, bevor er etwas tut. Doch hier scheint es ihm richtig zu sein, nicht überstürzt zu handeln, und er versucht alle Möglichkeiten dessen, was Ole gerade gesagt und gemeint hat zu überprüfen.

Vielleicht wäre es jemandem, der mehr Erfahrung mit dem Bewältigen von solchen Problemen hat, besser gelungen, diesen langen Augenblick des Nachdenkens zu überspielen.

Alberik aber steht ein paar Sekunden lang vor Ole, ohne etwas anderes zu tun, als ein und auszuatmen, und den Thorwaler mit leicht offenem Mund anzustarren, um vielleicht doch noch etwas aus seinem Gesicht erkennen zu können, daß ihm irgendwie bei seinen Überlegungen helfen könnt



IN HAVENA - In Immanstadion: Zuschauerreaktionen


"JAWOLL" schreien die Fans, als Thinmar diesen im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Treffer einstecken muss und in die Knie geht. Lautstark jubeln die Havenaer, auch wenn sie in einem umgekehrten Fall natürlich erboste Schreie in Richtung der Schiedsrichter ausstoßen würden.

Doch auch ein anderer "Kampfplatz" führt zu lautem Gebrüll und anfeuernden Rufen, nämlich der, an dem Lyn Hasgar hinterher rennt und sich mit ihm bei hohem Tempo einen ziemlich aufregenden "Tanz" liefert, der doch hoffentlich mit seinem Stolpern endet.

"WIRF DICH AUF IHN!" brüllt ein wohlbekannter Bootsmann, dessen Stimmgewalt schon zu Beginn mehrfach dazu hergehalten hat, den allgemeinen Geräuschpegel zu übertönen, während er sich eigentlich wünscht, derjenige zu sein, auf den die schöne Lyn fällt...



Ein Aufschrei des Entsetzens und der Enttäuschung geht durch die Reihen der Einheimischen, als Lyns so genialer Versuch, den gegnerischen Spieler zu stoppen, so brachial und unknuddlig beendet wird.

"LYN!!! WEHR DICH!!! PLÄTTE DIESEN FISCHKOPP!!!"

Aber auch sonst sieht es nicht wirklich gut aus, denn die Richtung, in der der Ball sich im Moment bewegt, die ist nicht die RICHTIGE, doch noch ist ja nichts verloren.

"BRENDAN!!! AN DIR KOMMEN SIE NICHT VORBEI!!!"

Derjenige, der das schreit, ist ein kräftiger Mann in der ersten Reihe der Zuschauer, so ziemlich direkt hinter dem Tor der Bullen, der von seiner Kleidung her fast selbst einer der Spieler der Bullen sein könnte, das aber zu seinem größten Bedauern nie geworden ist. So beschränkt er sich darauf, bei jedem ihrer Spiele dabei zu sein, und besonders Brendan, mit dem er vor langer Zeit zusammen als Kind Imman gespielt hat, anzufeuern... Schon damals hat der heutige Torhüter der Bullen fast jeden Versuch vereitelt, einen Ball in das Tor zu bekommen, was dazu führte, dass die Kinder ihn anderweitig eingesetzt haben - ein Gefallen, den man hier den Pottwalen GANZ SICHER nicht tun wird.

Die Zuschauer neben ihm greifen das auf, und so hat der Torwart nicht nur das Tor hinter sich, sondern auch eine größere Menge jubelnder und schreiender Anhänger.



Aki ist immer noch wütend auf sich selbst. Nicht nur deshalb, da er seinen direkten Gegenspieler hat passieren lassen müssen, sondern auch aus dem Grund, dass er dabei ausgesehen hat wie ein blutiger Anfänger. Aber er hat nicht lange Zeit sich zu grämen. Hasgar ausgebremst durch einen Klammergriff dieser hübschen Spielerin. Und wenn er über Schulter nach hinten sieht, dann erkennt er, ein paar Schritt hinter ihm, den heran stürmenden Haldar, der gerade zu einem mächtigen Schlag ausholt, während Tula alles unternimmt, um ihren Gegenspieler zu blockieren.

Aki wird nachdenklich. Wenn Hasgar den Kork vorwärts hoch in den Himmel haut, und das muss er, denn Faerwyn könnte den Ball sonst mit Leichtigkeit abfangen, dann kann der Pass nur steil und weit kommen, am Besten wäre es dann, der Ball flöge genau in den Lauf Hasgars hinein. Der aber kommt nur noch langsam voran, weil er von dieser 'Bullen-Braut' umklammert wird. Hasgar müht sich ja redlich, aber er kommt einfach nicht frei, er braucht Hilfe!

Und Aki rennt los!

Der Premer galt schon immer als ein sehr schneller Spieler, doch jetzt rennt er in einer Geschwindigkeit, dass die zuschauer den Eindruck gewinnen könnten, er würde vom Wind getragen.


***


Der Ball trudelt langsam aus der Höhe herunter und als er dann, etwa hüfthoch über dem Boden ist, kommt auch schon Haldar heran und gibt ihm 'volle Esche'! Und wieder fliegt der Ball in die Höhe, doch diesmal nicht senkrecht, wie nach dem Hackentrick Tula's, sondern weit nach vorne, getrieben von diesem unheimlich harten Schlag Hasgar's, der seinen Kräften bei diesem Schlag keinerlei Schranken in den Weg gelegt hatte. Der Ball fliegt hoch, unerreichbar für Faerwyn und weit. Er wäre wohl gut in den Lauf Hasgars geflogen, wäre da nicht Lyn, der gerade drauf und dran ist, das dem taktischen Konzept der 'Pottwale' einen entscheidenden Dolchstoss zu verpassen.


***


Aki rennt wie er noch nie gerannt war. Nur noch wenige Schritte bis zum Ziel. Noch immer strebt Hasgar nach vorne und er verdoppelt seine Bemühungen freizukommen, denn er sieht bereits den Ball heran fliegen, doch Lyn lässt nicht locker, stemmt sich erfolgreich dagegen, so dass Hasgar nur quälend langsam voran kommt. Aki spürt nun schon Stiche in der Lunge und schmeckt fast schon Blut auf der Zunge - doch nun ist er schon fast heran gekommen. Aus vollem Lauf springt Aki ab, um Lyn zu Boden zu reißen und damit den Weg für Hasgar frei zu machen. Aber genau in diesem Moment gelingt es Hasgar wieder einmal wenigstens einen Schritt nach vorne zu kommen. Und so wird Aki's gut gemeinter Sprung einfach zu kurz. Noch in der Luft reckt und streckt er sich, um die Gegenspielerin doch noch zu erreichen. In seiner Verzweiflung gelingt es im tatsächlich noch ein paar Spann dazu zu gewinnen und wenn er Lyn auch nicht umreißen kann, er bekommt sie am Trikot zu fassen. Ruckartig zieht er an dem Textil, in der Hoffnung, er könnte Lyn nach hinten mit zu Boden ziehn.

'Das geht zu leicht, das geht zu leicht ...!!' denkt er sich, von Panik überwältigt. So ist es ihm zwar schon gelungen das Trikot auf den Rasen der Arena zu drücken, jedoch ist zu diesem Zeitpunkt keine Lyn mehr drin .....


***


Hasgar hört hinter sich kurz ein Geräusch, dass ihn entfernt an das Reißen eines Stoffs erinnert, doch dann löst sich der Klammergriff Lyn's plötzlich und unerwartet, er ist frei .....

Und Hasgar rennt los, noch kann er den Ball erreichen. Als sich der Korke in seiner Flugbahn wieder senkt, fischt ihn Hasgar aus vollem Lauf aus der Luft und treibt ihn vorwärts, dem Tor der 'Bullen' entgegen. Ein paar Schritt noch, dann wird er zum Torschuß ansetzen,mit einer Wucht, die die Welt noch nicht gesehen hat. Es ist verdammt lang her, dass er das letzten Tor für die 'Pottwale' hat erzielen können .....


***


Während die eine Umklammerung nur gewaltsam gelöst werden konnte, löst sich eine andere langsam von selbst auf. Frenhild löst ihre Beine von Dunvallos Körper und stellt sich dicht vor ihm hin. Natürlich kann sie es nicht lassen, mit der Innenseite ihres linken Oberschenkels aufreizend über markante Stellen von Dunvalos Körper zu streichen, in einer Weise, die selbst einen frommen Travia-Geweihten in levthanische Raserei versetzt hätte.

"Schade, mein Großer! Dann werden wir es tatsächlich anders halten müssen. Wenn IHR wirklich gewinnen solltet, dann gehöre ich dir und dann bleibt keine deiner Wünsche offen!"

Wie zu Bekräftigung ihrer Worte gibt sie Dunvallo noch einen ordentlich Klaps auf den Hintern und dann wendet sie sich ab, um wieder ihren Schläger aufzunehmen. Ein kurzer Seitenblick offenbart ihr, dass Hagar durchgebrochen ist und den Ball auf das Bullen-Tor zu treibt. Dann sieht sie kurz nach hinten und spricht zu Dunvallo:

"Ein Jammer, dass es nie dazu kommen wird, denn eines ist doch wohl sicher: GEWINNEN WERDEN WIR!"

Dann bückt sie sich um den Schläger aufzuheben und reckt dabei aufreizend verführerisch den Po in die Höhe, um Dunvallo noch einmal zu verdeutlichen, was ihm da an rahjanischen Freuden verloren gehen wird.

Als sie sich wieder aufrichtet, ist sie frei von Zeichen des Anmuts. Jetzt ist sie wieder eine knallharte Spielerin, bereit eben jens zu zerquetschen, was sie kurz vorher noch zu streicheln bereit gewesen wäre.


***


Ragnid spurtet los. Sie sieht Hasgar vollkommen auf sich alleine gestellt. Aki hat die blonde Spielerin angegriffen und Tula befindet sich in einem Gerangel mit dem alten Fuchs Faerwyn. Zwar hat Frenhild endlich ausgeturtelt, aber sie wird sich wohl kaum noch in den Angriff mit einschalten können. Sie rennt, bis sie etwas auf gleicher Höhe ist wie Hasgar und brüllt ihm zu:

"GIB DEN BALL LINKS ZUR SEITE UND BRECHE DURCH ... !!"

Ragnid hat keine Ahnung, ob Hasgar ihr Rufen vernommen hat, denn der stürmt wie ein hungriger Oger blindlings nach vorne!



Lyn hält den Premer fest umklammert. Mit Genugtuung stellt sie fest, wie der Pottwal langsamer wird. Hah, nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ihn zu Fall bringen wird. Und so nebenbei wird sie wohl den Vormarsch der Premer ins Stocken bringen - wie kann man sich besser in Szene setzen?

`Hach`

Lyn ist zufrieden mit sich. Das hat der Thorwaler nun davon, dass er sie einfach übersehen hat.

"Na, kommen wir nicht voran?" flötet sie Hasgar honigsüß ins Ohr

Schon sieht sie vor ihrem geistigen Auge, wie sie den Premer zu Fall bringt, wie der Marsch der Pottwale ins Stocken geriet, sieht sich als wieder einmal umjubelte Heldin, sieht...

Plötzlich zerplatzen all ihre Vorstellungen wie ein Seifenblase!

Irgend etwas packt sie von hinten, zerrt an ihrem Trikot, während Hasgar einen Satz nach vorne macht.

`Was...?`

Ein hässliches reißendes Geräusch dringt an ihr Ohr und mit einem Mal spürt sie, wie der Stoff ihres Trikots an ihrer Haut entlang gleitet.

Erschrocken lockert sie den Griff um Hasgar.

Dieser wittert seine Chance und prescht nach vorne, bricht Lyns lockeren Griff und schnappt sich den Kork.

Lyn steht etwas verdattert auf dem Feld und im ersten Moment versteht sie gar nicht richtig, was eigentlich passiert ist. Fragend dreht sie sich um.

`Was..`

Da liegt ein junger Pottwal auf dem Boden. Eigentlich eine komische Szene, wenn nicht...

`Was hat er da in seiner Hand..`

Sie spürt den Wind über nackte Haut - ihre nackte Haut - streifen und mit einem Mal versteht sie. Hastig hebt sie ihren rechten Arm, um damit ihren bloßen Oberkörper zu bedecken. Doch natürlich ist es schon zu spät. Im ganzen Station dürfte es kaum jemanden geben, der nicht Gelegenheit gehabt hätte, einen raschen Blick auf ihren nackten Oberkörper zu werfen.

Lyn ist WIRKLICH schön. Nicht nur hat sie ein hübsches Gesicht und lange Beine, sondern auch einen ebenmäßig geformten Körper. Und nun, da sie nur noch die Hose des Trikots anhat, während das Oberteil von Aki in den Rasen gedrückt wird, kann man sich davon recht gut überzeugen. Lyns Haut ist eher bläßlich, nicht so wettergegerbt wie man es bei Küstenbewohner oft findet. Zart ist sie und straff. Straff sind auch Lyns Bauchmuskeln. Ihre übrigen Formen dagegen sind rund und sehr fraulich. Ihre Taille ist schmal und geht in wohlgerundete Hüften über, wie durch die enge Hose sehr wohl zu erahnen ist. Ihre Schultern sind schmal und werden von dem wallendem blonden Haar noch betont. Ihre Brüste sind fest und wohl proportioniert, mit zartrosa Brustwarzen und einem kleinen Leberfleck an der Außenseite des linken Busens. Schon so manches mal hat man sie als die Rahja des Imman bezeichnet und bei diesem atemberaubenden - zumindest aus männlicher Sicht - Anblick dürfte so mancher dieser Aussage in Zukunft bedenkenlos zustimmen...

Wut blitzt in ihren Augen, als sie sich vor den am Boden liegenden Aki stellt, die rechte über die Brüste gelegt, die linke in die Hüfte gestemmt. Ihr rechter Fuss stampft zornig auf den Boden, bevor sie Aki böse anfaucht:

"Was soll denn das? Spinnst du? Das hast du mit Absicht gemacht!!!"


***


Glenna seufzt. Die braunhaarige Auswechselspielerin hat die ganze Szene mit angesehen und einmal mehr fragt sie sich, warum Lyn auch so knappe Trikots trägt. Eigentlich sind sie ihr zu klein, aber Lyn meint, in einem größeren sehe sie schrecklich aus.

`Es musste ja eines Tages dazu kommen...`

Mit einem weiteren Seufzer greift sie unter die Bank, auf der sie sitzt in eine Kiste, um eines der Ersatztrikots hervor zu holen, dass dort bereit liegt.


***

Cathal strebt weiter dem Ball entgegen, als er hinter sich ein dumpfes Geräusch hört.

`Was ist den da los?`

Der Kapitän der Bullen dreht den Kopf, um zu sehen, was da hinten vor sich geht, schließlich muss man als Kapitän den Überblick behalten.


***


"Ha, das hast du davon!"

Triumph blitzt aus Scibors vor Wahn funkelnden Augen, als er sieht, wie der große Thorwaler langsam in die Knie geht.

"Ihr Bastarde habt meine Eltern auf dem Gewissen!"

Der Havener holt - außer sich vor Wut, die, lange angestaut, sich jetzt ihre Bahn bricht - zu einem weiteren Hieb aus, der, wenn es nach ihm geht, den Premer einfach zerschmettern soll.


***


`Was macht Scibor denn da? Ist der jetzt vollkommen verrückt geworden?`

Cathal bremst seinen Lauf und dreht sich um. So nebenbei bemerkt er, dass sich die Premer Schlampe von Dunvallo löst, aber dass ist momentan nicht so wichtig. Der Kapitän der Bullen hat nichts gegen harte Spiele und bei einer zünftigen Prügelei um den Ball kann man ihn oft mitten drin finden, aber das hier... Das hier hat nichts mit dem Ball zu tun, ja Cathal ist sich sogar ziemlich sicher, dass das nicht einmal etwas mit Imman zu tun hat.

`Ich wußte ja, dass er auf Thorwaler nicht gut zu sprechen ist, aber das er so durchdreht. Das war doch sonst nicht so.`

Scibor ist wie von Sinnen, blanker Hass spricht aus seinem Gesicht und so wie er ausholt sieht es aus, als wollte er dem so ziemlich am Boden liegenden Thorwaler mit einem Schlag das Nasenbein tief in den Kopf rammen. Das kann er nichts zulassen. Auch wenn man noch so sehr versessen aufs Gewinnen ist - und Cathal hat vor, dieses Spiel zu gewinnen, schließlich ist das hier Havena und sie sind die Bullen - so sind doch gewisse Gebote der Sportlichkeit einzuhalten. Zumal das hier ein »Freundschaftsspiel« ist. Wie sehe dass aus, wenn in der nächsten Fanfare stünde, dass ein Premer durch einen Bullen bei einem Freundschaftsspiel zu Tode geprügelt wurde?

"Scibor HALT! Genug!" brüllt er scharf.


***


Scibor lässt den Arm etwas sinken und sieht auf, als er den Ruf hört. Seine funkelnden Augen richten sich auf Cathal.

`Was...?`


***


Dunvallo bekommt von alle dem nichts mit. Dazu ist er immer noch zu beschäftigt. Aufreizend löst sich die Premerin von ihm, nicht ohne ihn noch in einer Art zu streifen, die Schauer durch seinen Körper jagen lässt.

`Wow, was für eine Frau...`

"Sei dir da mal nicht zu sicher. Ich habe vor, den Preis zu gewinnen!" ruft er ihr noch hinterher.

Sinnierend streift sein Blick noch einmal über ihren einladend ausgestreckten Po, bevor er plötzlich rasch den Kopf schüttelt, um ihn wieder klar zu bekommen.

`Herrje, wir sind ja mitten im Spiel` fällt ihm mit einem Mal wieder siedend heiß ein...


IN HAVENA - In Immanstadion: Tiefe Blicke - Perval und Taviana


Das Geschehen auf dem Feld könnte sich genausogut in einer anderen Welt abspielen, zumindest für Perval, denn rein gar nichts bekommt er von den Spielzügen der beiden gegnerischen Mannschaften mit - weder daß sich Frenhild von Dunvallo getrennt hat, noch das sich eine Spielerin der Bullen einer ähnlichen, wenn auch nicht ganz so angenehmen Methode für das Opfer bedient, um einen der Premer Spieler aufzuhalten noch daß sich der Korkball beängstigend nah am Tor der Bullen befindet. Für Perval ist die Welt momentan auf einen Platz von vielleicht einhalb auf einen Schritt begrenzt, und in der hat neben ihm nur noch Traviana Platz.

Er kann nicht anders als Traviana weiterhin anzusehen, den Mund leicht geöffnet, mit den Augen die ihren suchend. Seine Gedanken fangen an Kapriolen zu schlagen, so schnell gehen ihm die verschiedensten Möglichkeiten, was jetzt und hier passieren könnte und wie dieses sich anfühlen täte, durch den Kopf.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Unliebsame Begegnung - Jandara


'Irgendwie muss es mir gelingen Cern abzulenken.'

Weiterhin schweift ihr Blick durch die Menschenmenge, wandert dann herüber zum Spielfeld.

'Was passiert denn da?'

Eine Spielerin steht fast nackt, wie TSA sie schuf, auf dem Spielfeld. Wenn das nichts ist...

"Bei Rahja, was ist denn da los?" ruft Jandara und zeigt mit dem Finger in die Richtung. Auch die Aufmerksamkeit der Umstehenden hat sich nun auf die Szene dort gerichtet.

"Was? Wieso?" verblüfft dreht sich Cern um, von Jandara weg.

Diese nutzt sofort die Gunst der Stunde und taucht wieder in der Menge unter.



"Wat'n dat fürn Schiet!" ruft Cern, nachdem er den Verlauf eine Weile beobachtet hat aus. Er weiß genau, dass die Premer noch Besseres drauf haben. Aufgeregt dreht er sich nach Jandara um. "...!?"

Sie ist weg. Verschwunden...

Die Verblüffung auf Cerns Gesicht macht einem breitem Grinsen Platz.

'Pest und Pocken! Bestimmt gibt sie mir jetzt wieder die Schuld dafür, dass es ihr hier nicht gepasst hat. Schon komisch, die ändert sich nie!'

Doch dann dreht er sich wieder um und geht zurück zu seinen Leuten.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Mopsendronning - Zuschauereaktionen


Lautstarkes Gebrüll begrüßt die entblößte Lyn, und selbst viele der Havenaer, denen eigentlich mehr daran liegen sollte, dass die Spielerin sich aktiv am Spiel beteiligt, brüllen begeistert mit. Niemand macht sich die Mühe, höflich wegzublicken, eher ist die Neigung zum Starren sehr verbreitet. Dennoch... den kleinen Leberfleck kann auf die doch recht grosse Entfernung niemand erkennen, zumal es in unmittelbarer Nähe weit interessanteres zu sehen gibt.

Auch die Worte, die sie an Aki richtet, versteht niemand, aber das ist auch nicht wirklich nötig.

"RÄCH DICH!!!" schreit eine Frau, die gar nicht soweit vom Geschehen entfernt ist, und sich zudem gut in Lyn hineinversetzen kann.

Der Disput zwischen Scibor und dem Premer, sowie die Einmischung des Kapitäns gehen dabei fast schon unter, doch auch sie führen zu einigem Gegröle, weil der Premer sich nicht selbst verteidigen kann, sondern die verbale Hilfe des Havenaer Kapitäns bekommt oder gar benötigt.

Und... die Gruppe um den stimmgewaltigen Bootsmann hat sich, ähnlich wie Dunvallo, inzwischen auch auf etwas ganz anderes wieder besonnen, dass man nämlich mitten im Spiel ist!

Und so schmettern sie lautstark das nächste Schlachtlied hinaus:


"HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!


Wir sind viel stärker, wir sind viel schneller,

Wir sind die Bullen und spielen für Havena.


Wenn wir bremsen, wenn wir stürmen,

kann der Pottwal nur noch türmen,


Denn Ha-ve-na ist,

So stark, daß man uns nie vergißt.


Wir ham den Mut - Wir ham die Kraft,

Es gibt keinen, der die Bullen schafft.


Alle Premer komm´n zum Stehen,

Wenn sie uns von weitem Sehen.


Und los gehts, Havena auf zum Sieg!


HAVENA VOR!


[gesprochen:

Wohin fliegt der runde Kork?

Direkt rein ins Premer Tor!]


Wir sind viel stärker, wir sind viel schneller,

Wir sind die Bullen und spielen für Havena.


Wenn wir bremsen, wenn wir stürmen,

kann der Pottwal nur noch türmen,


Denn Ha-ve-na ist,

So stark, daß man uns nie vergißt.


Wir ham den Mut - Wir ham die Kraft,

Es gibt keinen, der die Bullen schafft.


Alle Premer komm´n zum Stehen,

Wenn sie uns von weitem Sehen.


Und los gehts, Havena auf zum Sieg!


HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!


[gesprochen:

Kleine Wale, seit nicht traurig,

Ihr spielt einfach wirklich schaurig.]


Wir sind viel stärker, wir sind viel schneller,

Wir sind die Bullen und spielen für Havena.


Wenn wir bremsen, wenn wir stürmen,

kann der Pottwal nur noch türmen,


Denn Ha-ve-na ist,

So stark, daß man uns nie vergißt.


Wir ham den Mut - Wir ham die Kraft,

Es gibt keinen, der die Bullen schafft.


Alle Premer komm´n zum Stehen,

Wenn sie uns von weitem Sehen.


Und los gehts, Havena auf zum Sieg!


HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!

HAVENA VOR!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Mopsendronning - Nirka und Sigrun


"Pah! Immer wieder das gleiche..." sagt Nirka in Sigruns Richtung, dass sich auf dem Spielfeld die Entblößungsszene ereignet, die von den anderen Zuschauern so lautstark aufgenommen wird. Ihr Sagen ist darum auch mehr ein Brüllen, das ihr sogleich einen etwas bösen Blick eines in der Nähe stehenden Händlers einbringt, der diesen jedoch sehr rasch abwendet, als ihm klar wird, dass die Bootsfrau ihn wahrscheinlich mühelos in Stücke reißen könnte.

Der Lärm und die Tatsache, dass Sigrun sich so sehr bemüht, es zu verbergen, führen dazu, dass die Bootsfrau noch immer nicht den vollen Ernst von Sigruns Problem mitbekommt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Langsam, aber , so wie es scheint, durchaus noch rechtzeitig, kommt Hasgar wieder zur Vernunft. Noch kurz vorher, wollte er, von plötzlichen Torrausch gepackt, den direkten Weg auf das 'Bullentor' nehmen, doch erkennt er nun, dass auf dem Weg dorthin eine schier unüberwindbare Barriere droht, die aus zwei Kerlen besteht, welche die Bezeichnung Bremser mehr als verdienen. Der eine ist groß und stämmig wie eine Steineiche, der andere ist zwar kleiner, aber die breite Narbe in seinem Gesicht gibt deutlich Zeugnis darüber, dass er weder im Leben, noch im Spiel irgendwelche Kompromisse eingehen würde. Mit dem Kork am Schläger ist dort bestimmt keine Durchkommen. Der 'Yeshinna' gelänge dies unter Umständen vielleicht, ihm mit Sicherheit nicht, denn es fehlt ihm bei Weitem an der technischen Leichtigkeit der Stürmerin.

Eben hat Hasgar noch der 'Yeshinna' gedacht, da bricht Ragnid auch schon aus der Tiefe des Mittelfeldes heraus und bietet sich an, den Ball weiter zu führen. Das ist wirklich eine gute Idee, denn dort in der Mitte des Feldes ist wesentlich mehr Raum, als hier auf dem linken Flügel. Also gibt er den Ball quer zur Mitte hin, wo ihn die 'Yeshinna' geschickt abstoppt und weiterführt, allerdings und das ist unerwartet, mit einem sehr gemäßigten Tempo.

Dafür steigert Hasgar seinen Lauf, jetzt, da er durch die Ballführung nicht mehr belastet ist und er schlüpft, dank seiner neuen Beweglichkeit, mitten durch das Abwehrbollwerk von Tamlin und Rumpo hindurch. Die beiden Verteidigungsrecken waren offenbar durch den Wechsel der Ballführung noch etwas überrascht, jedenfalls hat Hasgar mit mehr Schwierigkeiten gerechnet. Auch die erwartete Attacke von hinten bleibt aus. Hasgar hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt, dass Lyn von sehr speziellen Problemen heimgesucht wird. Doch so konnte er sich wenigstens auf den Angriff konzentrieren, auch wenn es ihn sehr hätte interessieren können, womit sich die Spielerin aus Havena herum plagt.


***


Doch da gibt es einen Spieler der 'Pottwale', der weiß genau was da passiert ist. Er ist sozusagen voll ihm Bilde. Als er so auf dem Boden lag, da galten seinen Blicke vielleicht noch völlig dem zerrissenen Trikot, das er in den Händen hielt. Doch als er seinen Blick erhebt und die entblößten Brüste Lyn's neckisch vor seinen Augen hin und her tanzen sieht, gibt es für ihn nur noch eine einzige Wahrnehmung auf dieser Welt. Das Dumme an dieser Angelegenheit ist nur, dass er sich nicht entscheiden kann, welche der beiden Brüste er nun anstarren sollte. Entweder die mit dem Leberfleck oder die ohne? Ach, wer die Wahl hat hat die Qual. Und so fahren seine Augen nervös hin und her, er verfolgten sie das Schwingen eines Pendels. Seine Stimme klingt abwesend, als käme sie aus den Tiefen des Limbus, als er spricht:

"SWAfnir zu Gruße, ihr zwei Hübschen, ich heiße Aki und wie heißt ihr?"

Aki ist fast dankbar, als Lyn ihn lautstark anherrscht und ihre Brustwarzen mit dem Arm verdeckt. Ihm ist plötzlich als wäre ein Beherrschungszauber von ihm gewichen, der nichts zurück gelassen hat, als eine wunderschöne Erinnerung. Doch nicht nur die Erinnerung erfüllt Aki nun, sondern auch ein fast unstillbares Verlangen. Er steht ächzend auf und erklärt dann auf die Frage Lyn's:

"Nein, mit Absicht habe ich das nicht gemacht - DIESMAL NICHT!"

Aki's Blicke tasten Lyn's Körper von ober bis unten ab und grinsend fährt er fort:

"Das NÄCHSTE mal, wenn wir aufeinander treffen, dann allerdings wird es volle Absicht sein und dann wird es sich nicht mehr nur darauf beschränken ...!"

Aki hält der Spielerin aus Havena das total zerfetzte Trikot hin .....


***


Thinmar hustet und spuckt. Beim SWAfnir, der Schlag hat wirklich gesessen. Aber weder Schmerz, noch aufkeimende Übelkeit können seine, sich nunmehr stet wachsende Wut bremsen. Der Gedanke an Rache füllt sein gesamtes Empfinden aus.

'Ich werde diese häßliche Seegurke in Scheiben prügeln ... !'

Aber Thinmar ist noch sehr weit entfernt davon irgend jemanden in Schieben hauen zu können, weder Seegurken noch sonst was ...


***


Die Fähigkeit seinen Gegner zu zerstückeln geht vielleicht Thinmar im Moment noch ab, nicht aber der furiosen Algrid. Nachdem sie bemerkt hat, was ihrem Mannschaftskameraden widerfahren ist, verliert sie alles Interesse an Raika und läßt die Spielerin mit dem rotblonden Pferdeschwanz einfach weiter rennen. Sie ändert die Richtung und stürzt nun auf Scibor zu. Wild ist ihr Ausdruck, denn sie knirscht mit den Zähnen und flammendes Haar wirbelt wie eine lodernde Feuersbrunst um ihren Kopf, während sie rennt, als wäre sie ein Flammenstrahl aus INGerimm's Esse.

"DU BIST EIN TOTER MANN !" ruft sie Scibor entgegen.


***


Nicht nur Scibor, sondern auch Ifirnsgiron vernimmt den Schrei der aufgebrachten Algrid. Er hatte von dem Vorfall zwischen Thinmar und Scibor nichts bemerkt, obwohl er nur wenige Schritte daneben gestanden hatte, der Verlauf des Spieles hat ihn zu sehr abgelenkt. Nun aber macht er sich auf die Situation zu retten. Sicherlich macht er sich Sorgen um den angeschlagenen Thinmar, doch noch mehr Sorgen macht er sich um Scibor, der gegen eine wütende Algrid kaum die Möglichkeit hat nach dem Spiel noch so auszusehen wie vorher. Die Wahrscheinlich, dass ihn nicht einmal mehr seine Mannschaftskameraden erkennen werden würden. Ein ähnlicher Vorfall hatte Algrid einmal den Beinamen 'die Harpyie' eingebracht, zuzüglich eine Sperre von mehr als einem halben Jahr, während dem sie bei allen Spielen nur von außen hatte zuschauen dürfen. Das darf jetzt nicht schon wieder passieren ....



Tamlin fixiert den heran stürmenden Hasgar. Der Bremser mit der roten Narbe auf der Wange lässt seine Zähne blitzen. Auf keinen Fall würde der Strohkopf mit dem Kork an ihnen vorbei kommen, dass wäre ja noch schöner!

Schon macht er sich bereit, dem heran stürmenden Thorwaler den Kork streitig zu machen, als dieser plötzlich zur Seite passt.

`Verdammt!` denkt Tamlin und versucht einen Blick auf den Ball zu erhaschen.

Ein Fehler, wie er gleich darauf feststellt, als Hasgar sich an ihm und Rumpo vorbei zwängt.


***


`Ah, da kommt er. Na, dem werden wir es zeigen... Äh, was...?`

Rumpo, der Fels, ist körperlich ein beeindruckender Spieler, mit riesigen Muskelbergen und wo er hinlangt, da wächst sprichwörtlich kein Gras mehr. Es geht sogar das Gerücht um, er könnte einen wilden Bullen - einen richtigen - mit bloßen Händen aufhalten. Doch da die Götter ihre Gaben selten mit vollen Händen über einen Sterblichen ausschütten, ist er auch etwas langsam. Und so ist auch er einen Augenblick lang zu verdutzt, um Hasgar aufzuhalten - zumal der ja jetzt keinen Ball mehr hat.


***


Tibraide funkelt die Yeshinna herausfordernd an. Die muskulöse Frau mit den roten Locken und den vielen Sommersprossen verlagert fast tänzelnd das Gewicht von einem Bein auf das andere. An den unerfahrenen Zwillingen kam sie vielleicht vorbei, aber nicht an ihr, Tibraide. Schließlich hat sie immer eine Überraschung im Ärmel.

`Hier kommst du nicht vorbei, Schätzchen...`

Breit grinst sie die Yeshinna an.


***


Romolosch grummelt.

`Diese Grosslinge. Verstehen aber auch gar nichts. Ist doch klar, was die vorhaben. Dabei sollten sie doch langsam mal etwas von Taktik verstehen...

Naja, sind eben doch noch große Kinder. Was würden sie nur ohne mich machen?`

Kopfschüttelnd hält der Zwerg auf die Lücke zu, durch die eben noch Hasgar verschwunden ist...


***


Lyn ist für einen Moment sprachlos. So eine Unverschämtheit! Wieder blitzen ihre Augen zornig auf und ehe Aki sich versieht, löst sich Lyns rechter Arm aus der verbergenden Haltung, in der er eben noch war, ihre weiße, schlanke Hand beschreibt einen Halbkreis in der Luft und trifft nach nur wenigen Bruchteilen eines Augenblicks kräftig und mit einen lauten Klatschen auf die Wange des jungen Premers.

"Was glaubst du, wen du vor dir hast, du lüsterner Barbar?" wirft sie ihm wütend entgegen.

Dann besinnt sie sich plötzlich darauf, dass ihre Brüste wieder unbedeckt sind. Hastig packt sie mit der rechten ihr zerissenes Trikot und hält es sich vor die Brust.

"Pah!"

Energisch dreht sie sich um - eine Geste, die genauso abweisend wie anmutig wirkt. Wie ein heller Sternenschweif schwebt ihr blondes Haar noch einen Moment in der Luft, bevor es sich wieder mit einer fließenden Bewegung wie Wellen um ihre zarten, weißen Schultern schmiegt.

`Was glaubt er eigentlich wer er ist, Frechheit! So ein ungehobelter Kerl! Keine Manieren! Flegel!... Hm, eigentlich hat er mir ja ein Kompliment gemacht...`


***


Scibor schüttelt verwirrt den Kopf. Er sieht auf seine geballte Faust und dann auf den Thorwaler, der sich würgend vor ihm auf dem Boden krümmt. Noch immer ist diese zornige Funkeln in seinen Augen, doch es flackert, als wäre es nicht sicher, ob es zu einer alles verzehrenden Feuer werden oder wieder verlöschen soll. Seine Augen suchen wieder Cathal, dessen Stimme durch den wilden Nebel seinen Zorns zu ihm gedrungen war.

`Wie...?`

Dann hört er plötzlich die Stimme der heran stürmenden Algrid und ruckartig dreht sich sein Kopf zu ihr. Gefährlich lodert das Feuer in seinen Augen wieder auf, so als versuche es sich neuer Nahrung entgegenzustrecken...


***


Cathals Augen weiten sich für einen Augenblick entsetzt, als er die Worte der Thorwalerin hört und sieht, wie sie heran stürmt.

`Verdammt, wenn sie ihn jetzt angreift, dann gibt es heute doch noch Tote...`

Einmal konnte er Scibor zurückhalten, doch gleicht er momentan einem reißenden Wolf, der nur durch einen schwachen Bindfaden daran gehindert wird, über alles herzufallen und es zu zerfleischen. Mit einem Mal ist er sich sicher, dass er Scibor nicht wieder würde aufhalten können, wenn der Zorn ihn jetzt vollkommen übermannen würde.

Was ihn daran besonders beunruhigt, ist eine Geschichte, die er gehört hatte, als Scibor neu zur Mannschaft kam und die er für übertrieben gehalten hatte. Das Scibor nämlich schon einmal mit einem Thorwaler aneinander geraten sein, in einer Kneipe. Angeblich habe man danach den Nordmann hinaus tragen müssen - mit gebrochenen Gliedern und blutiger Stirn!!! Mit einem Mal ist er sich nicht mehr sicher, ob da nicht vielleicht doch etwas Wahres dran sein könnte...

"HALT!" ruft er noch einmal, während er sich beeilt zum »Kampfplatz« zu eilen. Ein Ruf, der sowohl Scibor als auch Algrid gilt.

`Ihr Götter...`



IN HAVENA - Im Immanstadion: Mopsendronning - Perval


Im Normalfall wäre Perval einer der ersten, der die Spielerin aufgefordert hätte, auch noch den Rest der Kleidung fallen zu lassen und seine Augen wären wohl magisch auf zwei Stellen ihres Körpers gerichtet gewesen. Aber unter den momentanen Umständen bekommt Perval das Geschehen auf dem Spielfeld nicht mit und seine Augen schauen "nur" Traviana an.



Traviana hat das Spiel, dass dort stattfindet schon fast vergessen. Sie konzentriert sich bloß auf Perval. Ihre Augen sehen in seine.

Sie weiß schon überhaupt nicht mehr, wie lange sie das schon tut, aber ihr gefällt es....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Mopsendronning - Zuschauerreaktionen


"SCHLAGT EUCH!!! SCHLAGT EUCH!!!" grölt eine Gruppe junger Havena'er gegen die Rufe an, die Vernunft einfordern, und die insbesondere versuchen, die Streithähne auseinander zu bringen.

Den "vernünftigen" der Fans ist natürlich sonnenklar, dass es alles andere als gut ist, was insbesondere Scibor da tut, doch es gibt nicht nur vernünftige, sondern auch solche, denen eine zünftige Schlägerei wichtiger als alles andere ist.

Recht einhellig ist dagegen die Meinung zu Lyns Verhalten - ihre Ohrfeige führt zu Applaus und zustimmenden Rufen...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Mopsendronning - Garulf


Aki reiszt diesem Haveneaer Püppchen das Tuch vom Leib. Auch dem dicken Schiffskoch auf der Tribüne entgeht dieses Ereignisz nicht. Jedoch ist der Einblick auf Grund der Entfernung längst nicht so tief, wie er sein könnte und er währt auch nicht lange, denn die Spielerin bedeckt sich alsbald notdürftig mit ihren Armen.

Nur wenige Augenblicke später stimmen die Bullenanhänger ein, aus Thorwaler Sicht schauderhaftes, Spottlied an. Mit einem wütenden Blick lauscht Garulf den havenischen Versen, um dann bei der dritten Strophe seine eigene Version zum besten zu geben:


"WIR SIND VIEL STÄRKER, WIR SIND VIEL SCHNELLER,

WIR SIND DER POTTWAL UND SPIELEN FÜR SWAFNIR.


WENN WIR BREMSEN, WENN WIR STÜRMEN,

KANN DAS KÄLBCHEN NUR NOCH TÜRMEN.


DENN DER POTTWAL IST,

SO STARK, DASZ MAN UNS NIE VERGISZT.


WIR HAM DEN MUT - WIR HAM DIE KRAFT,

ES GIBT KEINEN, DER DEN POTTWAL SCHAFFT.


ALLE KÄLBCHEN KOMM ZU STEHEN,

WENN SIE UNS VON WEITEM SEHEN.


LOS GEHTS! POTTWAL, VORWÄRTS ZUM SIEG!"


Zwar singt oder besser grölt, der Smutje aus vollem Halse, doch kann er die Havenaer nur im nächsten Umkreis übertönen. Zudem singt Garulf, selbst für Immanverhältnisse, grausam falsch ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Mopsendronning - die Schiedsrichter


Aedin kann nicht anders als mit offenem Mund auf das Spielfeld zu starren. Eigentlich ist das ja als Schiedsrichter seine Aufgabe, allerdings sollte man sich als solcher nicht so auf einen bestimmten Punkt konzentrieren, dass man alles andere um sich herum vergisst.

Dieser eine Punkt, dem seine gesamte Konzentration gilt ist natürlich, wie sollte es anders sein, der Punkt, an dem Lyn steht.

Lyn die herrliche, die rahjagleiche, die Wonne seiner wildesten Träume, die strahlendste Frau auf dem Immanfeld. Hier steht sie nun, fast zum greifen nah, den rahjagesegneten Leib halb entblößt.

`Wenn sie zornig ist, sieht sie fast noch schöner aus...` denkt er verträumt, und mit einem seligen Lächeln auf den Lippen. `Ja, recht so, gibs ihm, er hat es nicht anders verdient... Was starrt er dich so an, er ist es nicht wert, dich sehen zu dürfen...`


***


Missbilligend streift ihn Sylnas Blick.

`Er sieht aus, wie ein liebeskranker Trottel!`

Finster sieht sie mit ihren Schweinsäuglein Lyn an.

`Was alle nur an dieser blöden Kuh finden. Na gut, sie sieht vielleicht gut aus, aber dafür hat sie bestimmt den Verstand von Selemer Sauerbrot! Männer! Lassen sich immer von einem hübschen Gesicht und Holz vor der Hütte um den Finger wickeln...`

Auch wenn sie es nie zugeben würde, so nagen Wut, Verbitterung und Neid in ihr. Wut über Lyns Auftreten, Neid auf ihr Aussehen und Verbitterung darüber, dass sie nicht wie Lyn ständig von Männern umschwärmt ist.


***


Ulfert streift kurz mit dem Blick zu Lyn, zuckt zusammen, als im plötzlich einfällt, was wohl seine Frau dazu sagen würde und wendet sich wieder dem Kork zu.

`Pah! Diese jungen Dinger. Keinen Anstand!`

Kurz hört er einen Ruf von der anderen Seite des Spielfelds. Grummig wirft er einen Blick zu jener Stelle, an der noch immer die Gefahr einer Eskalation nicht gebannt ist.

`Was ist denn da los? Fangen sie jetzt an, sich auch ohne Kork zu prügeln? Na, dann lassen sie wenigstens uns Schiedsrichter in Ruhe...`

Kurz überlegt Ulfert, ob er da etwas näher hingehen soll, um nach dem rechten zu sehen, aber er hat keine Lust in irgendwelche Schlägereien zu geraten.

`Soll sich doch Kaliman darum kümmern, der ist sowieso näher dran...`

Zufrieden mit seinem Entschluss verfolgt er wieder den Weg des Korkballs.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Ifirnsgiron rennt, wie von tausend Dämonen gehetzt auf Algrid zu. Verdammt, nicht schon wieder! In ihrer Wut ist sie äußerst gefährlich und wer sie unterschätzt oder gar auf eigene Stärke vertraut, wenn er sich von ihr angegriffen sieht, der hat schon verloren. Ifirnsgiron denkt mit leichtem Grausen an die Geschichte damals, als Algrid ihrem Gegenspieler mit lediglich zwei Hieben ihrer Hand das Augenlicht zerstörte. Der Mann lebt seither in völliger Dunkelheit. Der Kapitän der 'Pottwale' kann auf eine Neuauflage eines solchen Zwischenfalls gut verzichten. Und so legt er noch einmal Tempo zu ....


***


Ragnid tänzelt einmal nach rechts, dann wieder nach links und führt den Ball geschickt am Schläger mit. Es scheint als wolle sie Tibraide verwirren, um sie leichter umspielen zu können. Doch dann springt die 'Yeshinna' über den Ball und deckt ihn mit ihrem Körper zur Abwehrspielerin der 'Bullen' ab. Dann 'löffelt sie den Kork mit einer Leichtigkeit, die nur den ganz Großen des Immansports zu eigen ist, steil in den linken Spielfeldraum.


***


Darauf hat Hasgar nur gewartet! Ragnid hat den Kork punktgenau zu ihm zurück gespielt. Das macht der alten 'Amazone' so schnell keiner nach, das muss man schon sagen!

Nun ist es soweit, Hasgar hat nun nur noch Brendan zu überwinden. Endlich ist es soweit. Hasgar nimmt Maß. Der Torhüter steht im kurzen Eck und Hasgar kommt ziemlich schräg heran. Ein hoher Ball wäre also so ziemlich das verkehrteste, was man machen könnte. Flach muss er geschossen werden und auf lange Eck, denn das kurze Ecke hat Brendan völlig abgedeckt. Das könnte natürlich auch ein Trick sein und das so einladende lange Eck eine Falle. Doch sei es es sei, ein langer, mit äußerster Kraft gedroschener Schuß wird wohl auch das Können Brendan's überwinden können.

Hasgar geht noch ein paar schnelle Schritte, legt sich den Ball auf die rechte Seite und holt aus ....

Im nächsten Augenblick bricht er wie vom Blitz getroffen zusammen und ein lauter Schmerzensschrei dringt aus seiner Kehle!!


***


Algrid hat ihren Widersacher nun fast schon erreicht, sie nimmt unter dem Laufen den Schläger in die linke Hand und erhebt die rechte Hand, alle Finger abgespreizt, zum Schlag.

"Das ist für deine Heimtücke, du widerlicher Schlangenwurm!"

Mit der Schnelligkeit eines Pfeils zuckt ihr Hand nach unten. Niemand kann sagen was geschehen wäre, wenn sie nicht von Ifirnsgiron zur Seite gestoßen worden wäre. Der Kapitän hat die Rasende buchstäblich in letzter Sekunde erreicht und Schlimmeres verhüten können. Scibor hat Glück gehabt. Er ist noch im Besitz beider Augen, nur an der linken Wange ziehen sich quer entlang der linken Gesichtshälfte vier tiefe und lange Kratzwunden, aus denen langsam das Blut heraus tropft. Algrid wehrt sich gegen Ifirnsgiron Attacke, sie ist immer noch wütend und sie fühlt sich im Recht! Sie sieht es gar nicht ein, den feigen Angriff gegen Thinmar nicht rächen zu dürfen. Der Kapitän der 'Pottwale' hat alle Hände voll zu tun die 'Flammende' zu zügeln.

Zu Chatal spricht er:

"Bring den Wahnsinnigen hier weg, sonst kann ich für nichts mehr garantieren.


***


Thinmar hört die Worte seines Kapitäns und ist gar nicht damit einverstanden.

"Der Stinker gehört mir, ich werde ihm seine Schlangen vom Schädel prügeln!"

Thinmar hat sich unterdessen fast völlig erholt und fühlt sich nun

kräftig genug seinem 'Feind' auch ohne fremde Hilfe die Knochen brechen zu können.

"Algrid, gib endlich Ruhe mit dem lausigen Krötensack werde ich auch allein fertig!"

Der Premer verzieht das Gesicht. Alle Fasern seines Körpers wollen Rache. Der Atem geht noch ein bißchen schwer, aber er bekommt wieder genug Luft und das Luftholen tut auch nicht mehr weh. Er steht zwar etwas wacklig auf den Beinen, aber immerhin: Er steht! Er hat zwar noch immer Blutgeschmack auf der Zunge, aber was solls? Er hat ja kein Blut spucken müssen, aber auch er es getan hätte, es hätte seinen Rachewunsch allerhöchstens verstärkt.


***


Unglaublich, aber wahr! Tatsächlich hat sich Algrid auf die Aufforderung Thinmar's hin etwas beruhigt. Das Feuer in ihren Augen ist zwar noch nicht erloschen, doch hat sie sich immerhin dazu entschlossen erst einmal abzuwarten, sehr zur Erleichterung Ifirnsgiron, der seine Haltegriff vorerst wieder lockern kann. Das dürfte ihm auch gelegen kommen, denn jetzt sieht er ein Problem in Gestalt Thinmar's auf sich zukommen.

"THINMAR! WAS SOLL DENN DAS !!"


***


So richtig glücklich ist in der 'Pottwal'-Mannschaft eigentlich nur Aki. Zwar glüht im noch die Wange dort wo ihn Lyn so deftig getroffen hatte und dennoch lächelt er selig. Denn als die Havenaerin zum Schlag ausgeholt hatte, gestattete sie wieder ein Blick auf ihre wunderbaren Brüste. Und wie sie hüpften beim Schlag, Aki erinnert sich mit Verzücken. Die Brustwarzen beschrieben kleine ovale Kreise in der Luft und Aki beobachtete die Bewegungen gebannt, wie ein Kaninchen vor der Schlange. Erst der Schmerz auf der Backe brachte ihn wieder ins Diesseits zurück.

Lyn hat sich inzwischen abgewendet.

'Schade!' denkt sich Aki 'Aber auch ein schöner Rücken kann entzücken!'

"Ihr seid unvergleichlich schön!" spricht es geradezu aus ihm heraus und er hört seine Worte wie die eines anderen. "Gewährt mir die Gunst das alles noch einmal sehen zu dürfen und noch mehr davon!"

Bei seinen letzten Worten tätschelt er Lyns Hintern, als wolle er sichergehen, dass sie auch versteht, was er meint.


Tibraides Muskeln spannen sich, als sich die Yehinna vor sich herum tänzeln sieht.

`Das ist bestimmt ein Trick. Sie ist zu gut, um so etwas Offensichtliches zu versuchen...`

Auf jeden Fall würde sie bereit sein, wenn die Premerin wirklich versuchen sollte, hier durchzubrechen. Die Thorwalerin mag zwar findig sein und spielerisch brilliant, doch sie selbst ist auch nicht schlecht und wohl mindestens so trickreich wie Ragnid.

`Und offensichtlich weiß sie das auch...` schießt ihr noch durch den Kopf, als Ragnid geschickt den Ball wieder zurückspielt.

`Hoffentlich verpennen die drüben nicht...`


***


Scibor ist noch immer etwas verwirrt und so steht er still, als Algrid nach vorne springt. Die Nägel der im letzten Moment zur Seite gerissenen Premerin streifen seine Wange und reißen sie auf. Vier kleine Blutstropfen schießen daraus hervor, rinnen an der Wange hinab, in Richtung Sumus Leib...


***


In Cathal reift Respekt für den Kapitän der gegnerischen Mannschaft, der sich so schnell dazwischen geworfen hat, um Schlimmeres zu verhindern. Anscheinend ist auch er einer der vernünftigeren Sorte und nicht so ein berserker Kampfwütiger, wie so manch anderer Nordmann.

`Und Scibor...`


***


Rot - Blutrot. Nebel. Schmerz. Scharf, schneidend! Feuer, eine lodernde Flamme - brennender Hass. Tiefe - Tiefe in die man versinken kann. Blutrote Tiefe. Blutrote Tiefe voller Zorn. Leid! Leid und Schmerz! Über andere...


***


Cathal packt Scibor beherzt am Arm. Seine Augen suchen die seine und erstarren. Ein Funke wächst in denen Scibors, frisst sich an der neuen Nahrung entlang, die ihm eben zugeführt wurde.

`Verdammt!`

Und im selben Moment brüllt der zu Boden gegangene Thorwaler seine Drohung heraus. Schnell packt Cathal den Arm fester und versucht den kleineren, aber breiteren Mann weg zu ziehen.

"Und halte du deine im Zaum, sonst fürchte ich fließt heute noch Blut"

Dieser Satz klingt wie eine Feststellung, keineswegs herablassend oder befehlend. Cathal sieht Ifirnsgiron momentan nicht als Gegner. Momentan sind sie zwei gleichgesinnte, die versuchen das Schlimmste zu verhüten.


***


`Sie - hat - mich - verletzt!` hallt es tröpfchenweise durch Scibors Geist. Vier Tropfen, erfüllt von Zorn und Hass, von Leid und Schmerz. Vier Tropfen. Rot, Blutrot.

»Sie wollte dich töten, genauso wie sie deine Eltern umbrachten. Willst du sie ungestraft lassen?« flüstert eine feine Stimme in seinem Schädel.

`Rache!`

Der bisher unbewegte Scibor reißt plötzlich die Arme nach oben, fast scheint es so, als wolle er vorspringen, um die Angreifer zu erwürgen. Nur mit Mühe gelingt es Cathal Scibor aufzuhalten.

`Die Wut vernebelt seinen Geist...`

Schroff heischt der Kapitän der Bullen den Spieler an.

"Was soll denn das? Komm zu dir, verdammt!"

Plötzlich hat Cathal eine Eingebung. Seine linke Hand löst sich für einen Moment von Scibors Arm und trifft mit viel Wucht dessen Wange.

"Hör auf!"


***


Erneut durchdringt etwas den Nebel. Ein Ruf, ein Schlag. Der rote Vorhang schwebt zur Seite, der Nebel verschwimmt.Scibor blinzelt und sieht in Cathals Gesicht.

"Was..."

Vier Tropfen, rot, blutrot, versickern auf Sumus Haut...


***


Ob Akis Geständnis ist Lyn fast wieder versöhnt, schließlich kann er ja eigentlich nichts dafür, dass er von ihrer Schönheit wie verzaubert ist.

`Eigentlich ganz süß... aber diese Manieren... schauderhaft!`

Lyn dreht sich noch einmal herum, in einer Bewegung, die anmutiger kaum sein könnte, und dass, obwohl sie mit der rechten Hand das Trikot vor ihre Blöße hält.

"Hör mal zu - da, wo du her kommst, hast du vielleicht mit dieser plumpen Art Erfolg. Hier jedoch läuft das etwas anders. Man tätschelt einer Frau nicht den Hintern und sagt, dass sie sich weiter ausziehen soll. Hast du denn gar kein Benehmen...?"

Ihre Stimme klingt noch etwas empört, aber nicht mehr wirklich wütend. Ihre blauen Augen streifen über Akis Gestalt. Ihr Kopf steht leicht schief, ihr schlanker Körper ist gespannt wie eine Gerte, ihre linke ruht locker auf ihrem Oberschenkel.

"Mh... aber, wenn du brav bist, gebe ich dir nach dem Spiel vielleicht Nachhilfestunden..."

Was genau sie damit meint und wovon dieses »vielleicht« abhängt lässt sie bewusst offen. Soll er sich nur seine Gedanken darüber machen. Mit einer weiteren fließenden Bewegung dreht sie Aki wieder den Rücken zu und geht langsam zum Spielfeldrand, wo Glenna schon mit ihrem Trikot bereit steht.


***


Zwerge sind zwar kleiner als Menschen, doch sind sie deswegen bei weitem nicht weniger gefährlich. Allerdings haben schon viele Menschen den Fehler gemacht, einen Zwergen zu unterschätzen oder gar zu übersehen.

`Typisch Menschen. Sind viel zu luftig, wie die Elfen. Sie sollten bodenständiger sein, merken, was um sie herum vorgeht.`

Romolosch hat auch allen Grund so zu denken. Sofort war er Hasgar gefolgt, hatte sich sogar, als jener etwas langsamer wurde, um den Ball aufzunehmen, vor ihn gesetzt. Da stand er un, ein Bollwerk aus Muskeln hart wie Stahl - und was macht der Premer? Rennt einfach weiter, die Augen stur auf das Tor gerichtet, völlig blind gegenüber dem, was direkt vor ihm geschieht!

`Selbst Schuld` denkt sich Romolosch noch, als er das Bein ausstreckt.

Zwerge sind zwar kleiner als Menschen, doch haben sie keineswegs weniger Muskeln. Gerade dadurch, dass sie kleiner sind, sind sie kompakter und die Muskeln liegen dichter zusammen. Das bekommt nun auch Hasgar zu spüren, als mein Schienbein frontal mit dem stahlharten Fuß des Zwergen Bekanntscha macht. Wer würde da nicht einen Schmerzensschrei ausstoßen?

`Menschen eben...`

Mit einem Seitenschritt weicht er dem zu Boden gehenden Premer aus

`So hart war das doch gar nicht, oder?`

und schnappt sich mit seinem Schläger den Kork, der nun, da nicht mehr geführt, herrenlos auf das Gras rollt.

Mit kräftigen Schritten treibt er den Kork aus dem großen Schatten Rumpos, der mit seiner massigen Gestalt viel von den Vorgängen verdeckte und hält nun auf die Gegenrichtung zu, in Richtung Premer Spielhälfte.

`So, jetzt sind wir am Zug!!!`



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Der Torschuss scheint fast sicher... er scheint es nicht nur, er ist es wohl auch, und gespannte Blicke beobachten die Szene, sowohl den potentiellen Torschützen, als auch den heldenhaften Brendan, der den Schuss ganz sicher halten wird.

Doch dann... es klatscht nicht ein Schläger auf Kork, sondern Hasgar bricht zusammen!

Ein Aufschrei der Enttäuschung geht durch die Reihen, und wieder sind es längst nicht nur Premer, die diesen ausstoßen!

Zwar ist niemanden so richtig klar, was genau da passiert ist, vielleicht wird es das auch nie sein, aber das, was die Zuschauer haben möchten, sind entweder tolle Schlägereien, oder aber spektakuläre Torschüsse oder genauso spektakuläre Einsätze der Torhüter, aber ganz sicher nicht zusammenbrechende Spieler.

So baut sich sehr rasch eine sehr angespannte Stimmung auf, auch wenn man die ganzen ....

"WAS WAR DAS?"

"UNFAIR!!!"

"DAS GEHT AUCH ANDERS!!!"

"FEIGHEIT!"

... und dergleichen mehr nicht wirklich auseinander halten kann.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zoff auf der Tribüne - Alberik und Ole


Das darf doch alles nicht wahr sein! Da unten in der Arena läuft das Spiel der Spiele und anstatt dies in aller Aufmerksamkeit zu verfolgen, steht er nun da und schaut einem Zwerg zu, der stumm vor sich hin starrt und dabei den Mund auf und zu mach wie ein Heilbutt an Land. Also dafür hat Ole nun wirklich keinen Eintritt bezahlt. Dennoch bleibt der Schiffszimmermann geduldig. Nur einmal, als er aus den Reihen der Zuschauer lautstarke Bemerkungen hört, die andeuten, dass eine der Spielerinnen offensichtlich ihr Trikot verloren hat, wendet er sich einmal kurz um.

'Donnerwetter, beim SWAfnir! Da muss man schon mal hinschauen, dafür gibt es zwei guten Gründe!' denkt sich Ole 'Und der Premer Spieler darf das ganzen auch noch aus der Nähe betrachten, man könnte glatt neidisch werden. Du liebe Güte, der Junge ist ja hin und weg. Der hat dermaßen Speichelfluß, dass er schon fast vor sich hin sabbert ...!"

Nur widerwillig blickt Ole zurück auf den Zwerg und seufzt tief. Die 'Pottwale' stürmen gerade vor das Bullen-Tor, das sieht sehr vielversprechend aus und Alberik schweigt noch immer.

Ungeduldig, aber freundlich lächelnd dabei sagt Ole:

"Alberik, ich will ja nicht drängelnd, aber sind wir eigentlich nicht hierher gekommen um das Spiel zu sehen? Könnten wir alles andere nicht verschieben. Ich sage immer: In einem Immanstadion gibt es nichts wichtigeres als Imman!"



Alberik lebt nun schon lange unter den Menschen. Schon dreissig Götterläufe mögen es nun sein. Er hätte gedacht, daß er die meisten Eigenheiten dieser Rasse mittlerweile kennen würde, aber manchmal muß er erkennen, daß manche Völker doch noch sehr seltsame Bräuche haben.

Alberik war schon an vielen Orten Aventuriens. Er war bei den Al'Anfanern, den Tulamiden und Novadis, auf Maraskan, im Mittelreich, und einen Teil seines Lebens hat er bei den dunkelhäutigen Waldbewohnern des Südens verbracht. Sogar zu Nivesen hatte er schon Kontakt.

Aber die Thorwaler scheinen ein Volk mit seltsamen Angewohnheiten zu sein. Zwerge kennen auch verschiedene Spiele, die in den Bingen zum Zeitvertreib gespielt werden. Sie werden nicht in einem Stadion ausgetragen, und es bedarf auch keines Richters, der über jede Aktion urteilen darf und zu sagen hat, was richtig und was falsch ist. Zwerge spielen immer gerecht, sonst würde ja alles durcheinander laufen. Aber dieses Imman ist auch nur ein Spiel, und es kann nicht so wichtig sein, als daß man einen Streit auf später verschieben müßte oder dürfte.

Eigentlich hat Alberik schon keine Lust mehr auf eine handfeste Rauferei. Die Menschen scheinen ihm gerade viel zu kompliziert, und er hätte auch nichts dagegen, die Sache später zu klären. Der Streit mit dem Matrosen scheint ihm auch gar nicht mehr so wichtig zu sein. Viel mehr beschäftigt ihn, daß Jandara mit diesem Kerl redet, statt weiter nach dem Geld zu suchen.

Und schon alleine, weil Ole diesen Vorschlag gemacht hat, und Zwerge ein sehr trotziges Verhalten an den Tag legen, wenn sie zornig sind, muß er etwas darauf erwidern, was dem des Thorwalers widerspricht.

"Was ist denn an diesem Spiel so besonderes? Es kann gar nicht so wichtig sein, als daß man einen Streit nicht auch jetzt klären könnte."

Hierbei hätte der Zwerg es belassen können. Alles was er denkt, wäre damit gesagt gewesen. Doch Alberik ist sauer, und irgendwie will er seine Wut endlich abreagieren. Deswegen beläßt er es nicht dabei, sondern versucht Ole weiter zu reizen.

"Überhaupt, ich höre immer nur Imman, Iman, Imman. Was ist denn so tolles dabei, wenn so ein paar bescheuerte Menschen hinter einem Stück Kork herlaufen? Wer hat sich diesen Blödsinn überhaupt ausgedacht? Und wie dämlich müssen Menschen sein, wenn auch noch Geld dafür bezahlen, um sich diesen Mist auch noch anzuschauen? Ich bereue es jetzt schon, meine Taler dafür weggegeben zu haben."



Ole schüttelt lächelnd der Kopf, denn er findet es eigentlich für unmöglich von Imman nicht gefesselt zu sein und die Fragen des Zwerges überraschen ihn doch sehr.

"Nun komm mal wieder runter von deiner 'Blutwolke' und schau auf das Spielfeld. Dort drüben keilen sie sich und dort hinten haben sie gerade fast ein Mädel ausgezogen und in der Mitte haben sie die tollsten Kapriolen ausgeführt, dass sogar ein Akrobat vor Neid ganz grün im Gesicht werden könnte ..!"

Ole räuspert sich und fährt dann fort:

"Und im Moment hat ein ... und nun hör gut zu Alberik ... ein ZWERG eine der besten Einschussmöglichkeiten des Spiels verhindert!"

Ole blickt ein wenig säuerlich drein, als es dies erzählt. Als Hasgar vor dem Tor der Bullen aufgetaucht ist, wollte er schon die Arme zum Jubel hoch reißen, als ihm der Romolosch des Ball abgenommen hat. Hasgar muss den Zwerg glatt übersehen haben.

"Da ist alles drin, was ein Kämpferherz begehrt: Leidenschaftlicher Kampf, Mannschaftsdisziplin und der unbedingte Wille zum Sieg. Kor hat sicher seine helle Freude an diesem Sport!"

Bekräftigend nickt sich Ole selbst zu.

"Alberik, du bist doch auch so ein 'altes Schlachtross', schau dir das Spiel doch einmal genauer an und du wirst das nächste mal mit Freuden deine Taler abdrücken, wenn du wieder vor einem Immanstadio stehst!"



Geduldig hört Alberik dem Schiffszimmermann zu.

Nur wenig von dem, was Ole sagt, kann den Zwerg dazu motivieren, sich mehr von dem Spiel anschauen zu wollen. Er interessiert sich weder für Akrobaten, noch ist ihm besonders daran gelegen, eine entblößte Menschenfrau zu sehen.

Es gibt nicht viele Zwerge, deren Schönheitsideal dem eines Menschen entspricht, und Alberik gehört keineswegs zu diesen.

Auch, daß ein Zwerg bei dem Spiel mitwirkt, macht die Sache nicht viel interessanter. Viele Menschen gehen davon aus, daß alle Angroschim gute Freunde sein müßten und sich sofort verbrüdern würden, wenn sie sich außerhalb der Zwergenbingen treffen.

Alberik kann sich nicht erklären, warum das so sein sollte. Er selber mag nur sehr wenige seinesgleichen. Nur einmal in den letzten drei Jahrzehnten war er in einer Zwergenstadt. Und das auch nicht, um sein Volk zu besuchen. Er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, für die er bezahlt wurde.

Natürlich ist er stolz darauf, daß es ein Zwerg war, der scheinbar etwas wichtiges in diesem Spiel gemacht hat. Beweist es doch nur ein weiteres mal, daß Zwerge gegenüber Menschen einige Vorteile haben, die diese wegen ihres meist seltsamen Denkens und ihrer zu langen Körpergröße niemals besitzen werden können.

Aber es gibt ein ganz anderes Problem, daß Alberik davon abhält, zuzuschauen. Er hat schon viel von diesem Spiel gehört, und von der Brutalität, die dabei herrschen soll. Vorhin hatte er sich darauf gefreut, endlich mal einem Spiel beizuwohnen, bei dem es beinahe Pflicht ist, sich zu prügeln und den Gegner zu verletzen.

Doch viel zu viele Menschen stehen ihm im Weg, und wegen diverser Kleinigkeiten ist der Angroschim sehr gereizt, weswegen er gerne etwas findet, was ihn noch wütender machen könnte.

Allerdings hat er verstanden, daß Ole keinen Streit haben will. Und auch wenn er wütend ist, Alberik gibt weitere Versuche auf, den Streit weiter anzutreiben. Eigentlich ist er sogar froh darüber, sich nicht mit dem Thorwaler prügeln zu müssen.

Doch die Antwort des Zwergen fällt deswegen nicht weniger barsch aus.

"Und wie bitte stellst du dir das vor?"

Mit dem rechten Arm vollführt er eine weite Geste, die dem Schiffszimmermann das Problem des Zwergen begreiflich machen soll.

"Selbst wenn ich wollte, könnte ich keinen Blick auf das Spiel werfen. Weshalb hat mir denn keiner vorher gesagt, daß es hier so voll ist, und ich ganz hinten stehen muß? Wie soll ich da auch nur irgend etwas erkennen können, was da hinten passiert?"



Ole hört und Ole versteht. Er hatte nicht bedacht, dass ein Zwerg in der Mitte einer Gruppe hochgewachsener Thorwaler in einem Imman-Stadion kaum etwas von dem Spielgeschehen mitbekommen kann. Der alten Schiffszimmermann überlegt einen kurzen Moment, wie er Alberik behilflich sein könnte. Es wäre so viel einfacher, wenn der Zwerg eine junge Rahja-Novizin wäre, wie Ole , mit einem Seitenblick auf Hjaldar und seiner Begleiterin neidisch feststellen muss. Doch dann erhellen sich seine Gesichtszüge, gerade so, als wäre er nun plötzlich von einer rettenden Erleuchtung heimgesucht worden.

Ole hebt den Finger und will dem Zwerg damit andeuten, er möge sich noch ein wenig gedulden. Dann pumpt er sich voll Luft, so lange, bis man schon befürchten muss, es würde den gewaltigen Körper der Schiffszimmermannes jeden Augenblick zerreissen können. Danach lässt er diese Luft wieder aus sich heraus fahren und es ertönt ein lauter Rülpser, laut genug, dass sich aller Zuschauer, die vor ihm stehen staunen umdrehen. Als sich Ole nun im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit weiß, beginnt er laut zu verkünden:

"Macht mal ein wenig Platz da vorne. Ich habe jetzt schon zwei Fässer Bier getrunken und das will wieder heraus. Mir platzt schon fast das Gekröse. Geht zur Seite und seht euch vor, das wird ein mächtiger Strahl!"

Da gibt es ein Geraune und Gebrummel, die meisten der Leute, nun, eigentlich fast alle Leute, finden Ole's Ankündigung unerhört und skandalös. Doch da Ole sehr groß und breit gewachsen ist und außerdem niemanden zu trauen ist, der schon zwei Faß Bier getrunken haben könnte, machen sie knurrend Platz, soweit dies überhaupt möglich ist, denn sie Zuschauer stehen schon arg eng beisammen. Doch es entsteht eine recht ordentliche Lücke, durch die man schon fast das gesamte Spielfeld erkennen kann. Jetzt wäre es auch möglich, sich weiter nach vorne zu drängen, hin zu einem Standort, das auch ein Zwerg das Spiel verfolgen könnte. Ole gibt Alberik eine einladende Geste, der Zwerg möge doch voraus gehen.



Gepannt wartet Alberik darauf, was Ole vorhat, als dieser den Finger hebt. Er beobachtet, wie der Riese die Aufmerksamkeit der Anwesenden für sich gewinnt und die Leute ihm tatsächlich Platz machen. Alberik schaut in den schmalen Gang, der sich gebildet hat.

'Das hat wirklich funktioniert. Kaum zu glauben...'

Ungläubig blickt er den Schiffszimmermann an. Wendet den Kopf wieder zur Gasse, dann wieder zu Ole. Plötzlich fängt er laut an zu lachen. Den Kopf in den Nacken geworfen, die Hände auf dem Bauch haltend. Es prustet nur so aus ihm heraus.

"HA HA HA!"

Schnell kriegt er sich wieder ein, aber man kann deutlich sehen, wie dem Zwerg die Tränen in die Augen gestiegen sind, welche er sich aus den Augen wischt, während er sich auf zum Spielfeldrand macht.

"Dann wollen wir mal."

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht betritt er die von den Zuschauern gebildete Gasse.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Kleine Möwe - Jergan


Havena ist eine Hafenstadt und in jedem Hafen gibt es Möwen. Jetzt, bei schönem Wetter und leichtem Wind kreisen sie über den Hafenbecken und tun das, was Möwen so tun: sich gegenseitig anschreien, Fische suchen, andere Möwen, die einen Fisch gefunden haben, verfolgen oder wilde Flugmanöver ausführen, um den Verfolgern auszuweichen.

An dem Möwen geht natürlich der hohe Feiertagscharakter dieser Tage ganz vorbei. Obwohl, ein wenig aufgeregt sind sie schon, denn heute sind die Fischer nicht heraus gefahren, was immer ein hungriger Tag zu werden verspricht.

Eine der Möwen hat offenbar genug von dem Hin und Her am Himmel und sinkt für eine Pause zu den Schiffen im Hafen herab. In der Art der erfahrenen Segler bleibt sie kurz über ihrer Landstelle, der Reling des Brückendecks der Nordstern, in der Luft stehen, bevor sie ihre Beine ausstreckt, das Holz berührt und die Flügel in einer geschmeidigen Bewegung an den Körper legt.

Sie legt den Kopf leicht schief und schaut zu dem Mann in der Mitte des Brückendecks auf, ob er eventuell gefährlich ist.



Ohne genau zu bemerken, ab wann sie dort sitzt, richtet sich Jergans Blick auf die Möwe, die so unvermittelt auf der Reling des Brückendecks aufgetaucht ist, und sich ihm zugewandt hat.

Von ihm droht dem Tier tatsächlich keinerlei Gefahr, denn der Mann am Steuer steht weiterhin recht reglos da, während er die Möwe mustert, und seine Gedanken weiter schweifen - von den Festen der Menschen hin zu dem, was solch ein Vogel an so einem Tag wohl empfindet. Der Möwe sind die Feste der Menschen vollkommen gleichgültig, doch das schöne Wetter, das bestimmt nicht. Wobei, korrigiert sich der Kapitän in Gedanken, ganz gleichgültig wird ihr das Fest wohl nicht sein, neigen die Menschen doch an solchen Tagen mehr als an anderen dazu, essbare Dinge wegzuwerfen, die für sie kaum einen Wert haben, für eine Möwe aber ein vollwertiges Essen darstellen können.



Nachdem klar ist, daß der Mensch da stehen bleibt und keine Gefahr ist, beginnt die Möwe damit, ihre vom Himmelkampf verwirbelten Feldern wieder etwas in Ordnung zu bringen.

Die Reling ist breit genug, so daß sie mit ihren Füßen guten Halt hat. Sie breitet einen Flügel halb aus, so daß die Flugfedern locker herunter hängen und streicht mit ihrem Schnabel hindurch, immer dreimal, bevor sie wieder einen schnellen Blick auf den Menschen wirft.

Im hellen Tageslicht wird das filigrane Kunstwerk des Flügels auf beeindruckende Weise deutlich. Wo ein Mensch fünf Finger hat, da hat ein Vogel vielleicht hunderte von Federn. Und wo ein Mensch vielleicht hundert mal hundert Haare hat, da verzweigen sich eine Federn eines Vogel in hundert kleine Härchen, jedoch nicht durcheinander wie auf einem Menschenhaupt, sondern wohlgeordnet, eines neben dem anderen, in kunstvoller Weise arrangiert, wie man es sonst wohl nur in Tempelschnitzereien oder feinen Brokatstoffen sieht.



Verträumt betrachtet der Kapitän der NORDSTERN die Möwe, die da so friedlich und still auf der Reling sitzt, und immer mal wieder in seine Richtung schaut, als würde er eine Gefahr für sie darstellen.

Im Grunde tut er das ja auch wirklich, schließlich ist er um so vieles größer und stärker als das kleine und zarte Wesen, dass solch ein Vogel nun einmal ist, doch dafür hat sie auch ihre Geschwindigkeit und Gewandtheit, an die ein Mensch wohl kaum herankommen kann.

Jergan hat natürlich auch nicht die Absicht, das Tier zu berühren, es genügt ihm vollkommen, bei der Federpflege aus so geringer Entfernung zuzuschauen.



Eine leichter Aufwind droht die Möwe von der Reling herunterzudrücken. Mit einem geschickten Flügelschlag bringt sich das Tier wieder ins Gleichgewicht, läßt aber die die Flügel ausgebreitet stehen. So bleibt sie für einen Moment stehen, die Füße am Boden, die Flügel in der Luft, wie in einem Schwebezustand zwischen Himmel und Dere.



Interessiert sieht der Kapitän zu, wie die Möwe scheinbar ein Problem bekommt, das einen Menschen in arge Probleme gestürzt hätte, doch für den Vogel ist es kaum mehr Aufwand als für einen Menschen, der ein Stürzen nach einem leichten Stolpern verhindert.

Doch so ist das - Probleme, die einem so einfach und unscheinbar in ihrer Lösung scheinen, sind für andere unendlich kompliziert, und ebenso andersherum - Dinge, die man für unmöglich halten mag, sind für andere kaum einen Gedanken wert. Doch sicher ist, dass sich die Möwe über derlei ganz sicher keine Gedanken macht, und der Kapitän im Grunde auch nur, weil er gerade in solch einer faulen und fast schon träumerischen Stimmung ist, während er die Möwe beobachtet, die da scheinbar schwerelos neben der Reling schwebt.



'Iiiiirrk!'

Die Möwe stößt einen schrillen Schrei aus, den man wohl für einen Abschiedsruf halten könnte, und stürzt sich von der Reling. Wie ein Stein ist sie hinter der Schiffswand verschwunden und taucht erst ein dutzend Schritt weiter wieder an der Schiffsseite auf, um sich mit kraftvollen Flügelschlägen in den Himmel hinaufzuarbeiten. Dort reiht sie sich schnell wieder in das Flugspiel ihrer Schwestern und Brüder ein, so daß auch ein aufmerksamer Beobachter sie nach wenigen Kehren aus der Augen verlieren muß.



Auch wenn die Möwe schon längst wieder verschwunden ist, so folgen ihr die Blicke des Kapitäns noch für eine Weile - ganz so, wie man das in einer eher träumerischen Stimmung tut.

Erst ganz allmählich wendet sich Jergan Efferdstreu wieder dem Schiff zu, und dem, was darauf passiert, oder, dem, was darauf im Moment gerade nicht passiert, denn an Deck ist es nach wie vor sehr still.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Die Zweifel der Novizin - Silana und Hjaldar


Mehr und mehr Verwirrendes ist nun für Silana auf dem Spielfeld zu sehen. Eine Mischung aus Kraft, Gebrüll, schnellen Läufen, nackter Haut füllt das Feld, das Schlachtfeld (?), nun aus und man weiß gar nicht, wohin man hier blicken soll. Doch allgegenwärtig scheint die Gewalt, die scheinbar aus dem nichts entsteht, mit einer Geste beginnt oder einem Blick und schließlich wie heißglühende Lava machtvoll und aggressiv ausbricht und sich plötzlich wieder zurück zieht um an anderer Stelle zu erscheinen.

War das ein Spiel?

Jemand sagte etwas von Freundschaftsspiel, wer war hier wessen Freund?

Was war an diesem Ding, um das sie sich hier schlugen, prügelten, traten?

War es von großen Wert?

Eine Gabe der Götter?

Winkte dem Sieger ein hoher Preis?

Doch wie konnte nur ein einzelner ein Sieger sein?

Selbst wenn es sich hier um den Kelch der Göttin handelte, wie könnte ein einzelner durch ihren Gewinn ein Sieger, der Sieger sein?

Was bringt einem der größte Schatz, wenn man niemanden hat, mit dem man ihn teilen kann, der sich mit einem freut.

Sicher, es gab zwei Mannschaften und die, die gewinnen würde, würde gemeinsam feiern.

Aber warum muss eigentlich einer gewinnen?

Warum muss immer eine glücklich und der andere traurig und enttäuscht sein?

Warum scheint der Weg zum Ziel bei diesem `Spiel` aus Gewalt gepflastert zu sein?

Von diesen Gedanken bewegt, beugt sich die kindliche Novizin erneut zu dem Thorwaler vor, wobei das blauschwarze Haar ihr wie ein Vorhang über das schmale Gesicht fällt:

"Warum gibt es in diesem Spiel nur einen .... Kork und nicht einen für jede Mannschaft? Dann müssten sie sich nicht so weh tun."



Amüsiert hört Hjaldar die Frage Silanas und lacht fröhlich zum gelungenen Scherz.

"Woll, dat wär ja öd. Imman is'nu mool 'n beetken rauh, das wohl! Aber wenn eener or eene 'nen gehörigen Klaps nicht abkann, dann hem'se uff'm Drachen nix verloren. Wobei, de dree Döspaddel dor unnen übertreiben's gewaltig, aber da sin' de Käptn's al dran!" er deutet auf das kleine Grüppchen der drei wutentbrannten Spieler und der beiden Mannschaftskapitäne, die diese mit Mühe unter Kontrolle halten.



`Ein bisschen rauh?'

"Aber ist das denn erlaubt, dass sie sich weh tun? Warum greifen denn die Schiedsrichter nicht ein? Es gibt doch Schiedsrichter?"

Mit leicht zweifelnder Miene und zusammengekniffenen Augen sieht Silana nach der Frage wieder auf das Gerangel auf dem Feld hinab, und fast ist ihr, als könne sie den Hass- und Schmerzverzerrten Gesichtsausdruck des Kahlköpfigen sehen, das leise Rasseln hören, das sich bei jedem seiner Atemzüge in seinen Lungen ausbreitet, den Geruch des Blutes...

Erschrocken hält sie die Luft an und schließt schnell die Augen, versucht an etwas Schönes zu denken, an den Ort, nach dem sie sich sehnt, den sie kennt und an dem es keine Gewalt gibt.

Der kalte Wind streift die freiliegende Haut ihrer Beine und hinterläßt doch eine leichte Gänsehaut. Sie hat genug gesehen, das Geschehen dort unten macht ihr Angst. Am liebsten wäre sie sofort von den Schultern des Hünen abgestiegen und hätte schnellen Schrittes die Arena verlassen.

Doch sie möchte ihren Galan nicht verärgern, scheint doch Hjaldar sehr viel Vergnügen an diesem 'Spiel' zu haben. Also sucht sie fieberhaft nach einer Ausrede, sich zurückziehen zu können, ohne die anderen anmerken zu lassen, wie sehr sie diesen Wettkampf der Brutalität verabscheut.



NORDSTERN - Laderaum 4: Einsamer Rabe


Nur langsam wagt sich der Rabe wieder in den flackernden Schein des Öllämpchens. Misstrauisch äugt er nach links, dann nach rechts. Nichts, kein Laut.

'Wo bleibt ER denn?'

Watschelnden Schrittes bewegt er sich in Richtung Tür. Er wartet nun schon so lange auf den Jungen. Hier unten in der Dunkelheit dehnt sich jede Sekunde wie eine Ewigkeit. Und schlafen möchte er auch nicht. Man kann ja nie wissen, wer alles auf die Idee kommt, sich in den Laderäumen herum zu treiben.

'Ob ich mal nachschaue? Scheint ja ziemlich ruhig zu sein hier...'



-Klick!-

Zach hat es genau gehört...da hat etwas geklickt! Irgendwo nebenan!

Obwohl im Allgemeinen davon ausgegangen wird, dass Raben oder auch andere Vögel ein nicht so gutes Gehör haben, muss hier einmal erwähnt werden, dass dies ein gewaltiger Irrtum der aventurischen Ornithologen ist. Raben haben ein gutes Gehör, sie benutzen es halt nur selten.

Da Zach aber in der Dunkelheit des Lagerraumes so allein und einsam herumsitzt, entgeht seinem Ohr, welches vielleicht nicht sichtbar, aber trotzdem vorhanden ist, auch nicht das kleinste Geräusch im Umkreis von ein paar Schritt.

Der erste Impuls den er verspürt, ist sofort fliegenderweise das Weite zu suchen. Jedoch, der Lagerraum bietet nicht gerade großartige Fluchtmöglichkeiten. So hüpft er nun also erst einmal wieder zurück in den Schatten, um in dessen zweifelhaften Schutz den Fortgang der Dinge abzuwarten.



'Aber ER hat mir was Leckeres versprochen...'

Zach grübelt in seinem Versteck noch immer über die Bedeutung des verdächtigen Geräusches nach.

'...und wenn da jetzt ein grauslich-grässliches Ungeheuer nur darauf wartet, IHN abzufangen, weil es UNS heimlich belauscht hat? Wenn ES IHM das Leckerli wegschnappt, oder IHN sogar selbst frisst? Was, wenn ES Raben frisst??? Wenn ES mich wittert, mit triefender Nase und tropfendem Zahn?'

Zitternd und mit rasend pochendem, kleinem Herzen duckt sich Zach noch tiefer in die Dunkelheit.Doch sein Magen knurrt. Und große, hungrige, menschen- und rabenfressende Ungeheuer machen doch eigentlich für gewöhnlich andere Geräusche als -Klick-?



IN HAVENA - Auf der Krakeninsel: Die drei 'Herrschaften' - Onaskje, di Vespasio, Ottam


Während all dieser Überlegungen kommt die ungewöhnliche Dreiergesellschaft gut voran. Der Bennaindamm liegt inzwischen hinter den edelen Herrschaften und der gar nicht so edele Stadtteil Fischerort ersteckt sich links und rechts ihres Weges.

Viele der kleinen, windschiefen und eng aneinandergebauten Häuser stammen noch aus der Zeit vor dem Beben. Offensichtlich haben es nicht viele Bewohner für nötig erachtet in den letzten 300 Jahren mehr als das allernötigste zur Erhaltung ihrer Häuser zu tun, denn viele von ihnen wirken baufällig, ja teilweise regelrecht gefährlich einsturzgefährdet.

Die Straßen sind relativ leer, doch selbst am heutigen Feiertag kann man den ein oder anderen Alten sehen, der Fangnetze von Muscheln und Algen befreit, löcher stopft oder Seile prüft. An einem Anderen Tag würden sie hier wohl in weit größerer Zahl diesen Arbeiten nachgehen, doch jetzt ist es recht ruhig, abgesehen natürlich vom ständigen Kreischen der Möwen, die sich zu hunderten über die weggeworfenen Reste hermachen und so letztlich auch dazu beitragen das die Stadt nicht im Müll erstickt.

Während die Gruppe auf den Fischmarkt zusteuert, erwidert Ottam, sowohl an den Comte als auch den Geweihten gerichtet:

"Nun, in der Tat, man kann nie sicher sein was diese Leute alles in ihre Speisen mischen. Ganz im Gegensatz zu unserem Ziel. Zwar habe ich nichts gegen eine Zwischenmahlzeit, doch denke ich, das das Warten lohnt und wir vielleicht doch erst am Ziel etwas essen sollten."

Innerlich betrachtet er die großteils armen Leute recht abwertend, denn wer es zu nichts gebracht hat, der hat es wohl auch nicht verdient, ist Ottams klare und einfache Überzeugung.

Dann fügt er noch hinzu:

"Kurz gesagt ich bin dafür direkt unser Ziel anzusteuern und bestenfalls einen fliegenden Zuckerzeug-Händler anzuhalten, da kann man relativ sicher sein das nichts drin ist was nicht rin gehört."

Dem Fischmark immer näher kommend blickt Ottam die anderen beiden fragend an.



Di Vespasio dreht den Kopf weit und nickt dem Magier bestätigend zu.

"Nun ja, ähm, Zuckerzeug ist ja immer eine große Versuchung. Ick könnte wirklich an jedem Zuckerbäckerstand anhalten und den Laden leerkaufen - obwohl nein, das ist jetzt nur so daher gesagt. Aber es erinnert mich an meine arme Nichte, beziehungswiese an einen ihrer Verehrer, der auf ihre Bemerkung hin, sie würde - wie ich, vielleicht liegt es ja in der Familie, obwohl ich sonst nicht viel mit der Familie meines Bruders gemein habe - sie würde auf jeden Fall feines Zuckergebäck leidenschaftlich lieben, ihr zeigen wollte, wie sehr er wiederum sie verehrte, und gleich den ganzen Vorrat des Händlers erwarb."

Di Vespasio dreht weiter den Kopf starr zu Ottam hin, auch wenn das einen etwas merkwürdigen Eindruck ergibt. Aber nur so kann er den Blick vom Stand einer Fischhändlerin abwenden, die auf der anderen Seite mit einem schweren Beil eine Fischspezialität zubereitet.

Nach dem geschickten Ausnehmen, Köpfen und Filetieren geht die dicke Fischersfrau nun dazu über die Filets zu einem feinen Mus zu verarbeiten. Hack, Hack, Hack macht das Beil und Bsss, Bsss, Bsss machen die tausend Fliegen, die die Filets umschwirren und Krrrk, Krrrk, Krrrk denkt sich di Vespasio bei jeder Fliege, die von dem Beil erwischt und in das Mus eingearbeitet wird.

"Meine Nichte, eine sehr schlanke, feinfühlige Dame, war wohl den Connotationen dieser plumpen Werbung nicht so zugetan, so daß sie sich ein Nußhörnchen nahm und den jungen Mann mit den anderen Köstlichkeiten sitzen ließ. Was vermutlich wieder zeigt, daß Versuchungen am schlimmsten sind, wenn sie sich plötzlich erfüllen, nicht wahr?"

'Hack, Hack, Hack nie wieder wirst du etwas essen, bei dem du nicht sehen kannst, woraus es gemacht ist. Falls du überhaupt wieder essen kannst.'



"Nun manchmal ist weniger mehr, wenn ihr versteht was ich meine. Gerade die Damenwelt legt ja bekanntlich öfters nicht wirklich nachvollziehbare verhaltensweisen an den Tag, aber in diesem Fall scheint die gute wohl mit der Zuwendung ein wenig überrannt worden zu sein"antwortet Ottam in Richtung des Comte, während ihm die Zubereitung des Fisches gänzlich entgeht, denn er ist in gedanken schon am Ende des Fischmarktes und geht den Weiteren Weg im geiste noch mal durch.

'Hinter dem Markt über die 2. Brücke auf die Krakeninsel, dann müssten wir einen recht günstigen Weg gewählt haben' denkt er sich und hofft die Stadt hat sich nicht sehr verändert.



'Also irgendwie kommt dir die Gegend hier bekannt vor. Ist nicht dieses scheußliche Fischgeschäft, das du gestern, tatsächlich, wirklich erst gestern, gleich mehrfach aufsuchen mußtest, hier in der Nähe? Dann dürfte der Efferdtempel etwa dort liegen.'

"Aber näturlich, wohlgelehrter Herr, schließlich ist es der Kern der Philosophie von Ost, die leider in der heutigen, dekadenten Zeit immer weniger Anhänger findet. Die wenigsten wollen sich mit wenig zufrieden geben."

Die Qualität der Häuser nimmt ein wenig zu, sie werden auch etwas höher, gelegentlich sieht man sogar drei Geschosse, so daß di Vespasio auch die Kuppel des Tempels nicht erkennen könnte. Der einfache Fachwerkstil bleibt zwar derselbe, aber hin und wieder sieht man ein Haus, das nicht nur als Dach über dem Kopf gebaut wurde, sondern tatsächlich als Händlerhaus oder Taverne.

'Sieh dich vor Kutschen vor! es muß doch an dieser Ecke passiert sein? Oder in der Parallelstaße? Ob Du den Geweihten darauf ansprechen solltest? Besser nicht, möglicherweise ist er nicht ganz so gut auf Kutschen zu sprechen.'

"Und wer mehr haben kann, der wird kaum freiwillig darauf verzichten. Es ist der Neid und die Gier, und auch wenn es eine Platitüde ist, man kann nicht oft genug sagen, daß diese Untugenden noch zu einem schlechten Ende führen werden."

An einer größeren Kreuzung biegen die Drei um die Ecke. Es scheint sich um eine wichtigere Straße zu handeln, denn die Pflasterung ist fast gut und es gibt sogar eine Art von Rinnstein.

"Der junge Mann war natürlich einfach nur dumm und meine Nichte tat gut daran, ihn zurechtzuweisen, auch wenn er in anderer Hinsicht gut in die Familie gepaßt hätte. Aber allein auf eine solche Idee zu kommen, möglicherweise ist es auch einfach ein Fehler der Jugend, die den Wert des Geldes nicht zu schätzen weiß. Und die Söhne sind in dieser Hinsicht nicht besser als die jungen Damen."

'Diese Gassen sind alle so ähnlich, in Kuslik würdest du dich nicht so verirren. Ein Spaziergang hat zwar was für sich, aber eine Kutschfahrt hat auch ihre Vorteile, so etwa, daß man sich nicht um den Weg zu sorgen braucht. Du kannst nur hoffen, daß einer deiner Begleiter den richtigen Weg kennt.'

Die Straße führt auf eine kleine Brücke zu, wie sie immer wieder die verschiedenen Inseln von Havena verbindet. Di Vespasio macht sich nicht die Mühe zum Fluß oder Flußarm herunter zu schauen. Wenn, dann gibt es da nur dieselben widerlichen Sachen zu sehen, wie auch in Kuslik. Badende Kinder, alte Frauen, die Wäsche waschen, daneben Lehrlinge, die Kaldaunen säubern und Frauen, die Wasser holen. Der Adlige hat keine Lust, sich über die Reihenfolge Gedanken zu machen.

Statt dessen bleibt er auf den höchsten Punkt der Brücke stehen und blickt in die Ferne, zum Zentrum Havenas, wo einige Bauten aufragen, die diesen Namen auch wirklich verdienen. Bis hierher hat er fast ununterbrochen geredet, wie so seine Art ist, aber jetzt ist er sich unsicher, ob die Erwähnung von Söhnen und Frauen gegenüber Magiern und Geweihten richtig ist und schweigt so lange, daß ein Zwischenwurf möglich wäre.



Während jener blaublütiger Begleiter sich von einem Redeschwall zum anderen hangelt, betrachtet Ottam interessiert die sich wandelnde Umgebung während ihres Spazierganges.

Derweil erreichen und überqueren die drei die westliche der beiden Brücken zur Krakeninsel.

Auf der Insel bietet sich ein anderes Bild Havenas als zuvor und ein ganz anderes als im Hafen. Zwar stehen hier keine Luxusherbergen, denn die Bewohner sind meist Handwerker und Arbeiter, doch sind die Häuser zum allergrößten Teil in sehr gutem Zustand. Meist Fachwerkhäuser nach traditioneller Bauart. Das Fachwerk frisch geschwärzt, die Wände sauber gekalkt und vor allem die Straßen sind sauber und frei von Müll. Offensichtlich ist etwas daran, das auf Verschandelung der Straßen hier auf der Krakeninsel öffentliche Stockhiebe stehen. Die Tradition wird hier offensichtlich sehr hoch gehalten, denn kaum eine unverheiratete Dame ist alleine unterwegs.

Nachdem der Comte geendet hat - 'oder holt er nur luft...' - fühlt sich Ottam in seiner ganzen Erhabenheit doch genötigt ein Kommentar abzugeben, schließlich hat er mit einem halben Ohr hingehört und das will ja nicht umsonst geschehen sein.

"Wenn jener junge Herr vor hatte, der Dame mit Geld zu imponieren, dann hat RAHja wohl HESindes Gaben an jenem Tage wohl zu verschleiern gewusst. Denn warum sollte man versuchen mit etwas zu prahlen, was der andere offensichtlich selbst besitzt"



In den vergangenen Minuten hat Onaskje den beiden still zugehört, die Gedanken zu den Süssspeisen kann er zwar nachvollziehen, aber was der Comte da für ein Geschwafel draus macht ist kaum zu glauben! Wie unglaublich öde muß es auf zahlreichen Empfängen des Adels zu gehen, Praios verhüte, daß er jemals in eine ganze Kompanie solcher Nichtig-Schwätzer geraten möge!

Zwischenzeitlich verdreht der Geweihte ein, zwei mal dezent die Augen gen Alveran.

"Ach jaa - die Frauen!" Seufzt er zwischendurch, als der Comte von Söhnen und Frauen fabuliert, und seine Gedanken werden schwer.

Kurz denkt er an die geschnitzte, eisenbeschlagene Truhe in diesem seperaten Laderaum, die nicht nur die gewaltigen Mengen goldener Taler und Dukaten birgt, die der Finanzierung des heiligen Werkes dienen sollen. Nein, sie enthält auch einige seiner privaten Schätze, nämlich unter anderem eine kleine Bronze, die Darstellung einer tanzenden Schönen. Einst auf einem Kunsthandwerkermarkt in Norburg entdeckt, hatte Wulff sie erworben, um sie einem Freund zu schenken. Und als er diesen nach wenigen Monaten noch nicht getroffen hatte, war ihm die Statuette inzwischen so sehr ans Herz gewachsen, daß er nicht mehr daran dachte sie zu verschenken.

Wieder entgleitet ihm der Sinn des Gespräches seiner beiden Begleiter, und sein Blick schweift ins Weite, ohne zu erkennen.

'Ja, meine Tänzerin... Würde ich einer Frau begegnen, die von solch einer Grazie und Schönheit wäre, ich würde darum beten, daß sie von hellem Verstande und vor allem frei wäre. Wie ich mich nach Vertrautheit, der sanften, kosenden Berührung von liebenden Frauenhänden sehne! Ich würde sie beschützen mit allen Mitteln, vor allem Übel, komme was da wolle!'

Das Bild einer jungen Frau entsteht vor seinem inneren Auge, einer schönen Frau, fast noch ein Kind, aber ihr Kleid verrät, daß ihr Körper gerade schon begonnen hat, seinen mädchenhaften, jungfräulichen Konturen weiblichere Züge zu verleihen.

Diese unschuldige Schönheit ähnelt auf erstaunlicher Weise seiner Bronze, weniger in den Gesichtszügen, aber in der Figur, der Anmut, der Art der Bewegung, die sich Wulff für seine Traumfrau vorstellt: geschmeidig und leicht wie ein Sommerhauch. Und es ist noch gar nicht so lange her, daß er sie irgendwo gesehen hat...

Ein wohliger Schauder durchrieselt Wulffs Körper und unwillkürlich beschleunigt er seine Schritte. Eigentlich gibt es jetzt nur eines, was er nun tun sollte, als Geweihter eines der Zwölfgötter weiß er auch um die Richtigkeit und Wichtigkeit, allen Zwölfen Ehre und Respekt zu zollen und ihnen zur rechten Zeit zu opfern.

'Was? Herr? Dame? Rahjas und Hesindes Gaben?'

Langsam sinken wieder einige Worte in seinen Verstand, allerdings kann sich sein sehnsüchtiger Geist keinen Reim auf die aufgeschnappten Brocken machen.

'Oh ihr Götter! Ihr habt dem Manne seine Lendenkraft geschenkt, und seinen klugen Verstand. Warum nicht auch genug Kraft, um mit beiden gleichzeitig umgehen zu können? Gibt es doch für einen Krieger kaum etwas Schlimmeres, als seine Beherrschung und die Übersicht zu verlieren!'

Überrascht verhält er im Schritt. Da ist er doch den beiden anderen plötzlich um einige Schritte vorrausgeeilt! Wulff versucht sein heftig pochendes Herz zu beruhigen, hoffentlich ist ihm nichts ungewöhnliches anzumerken.

"Ähm, meine Herren. Entschuldigung." spricht Wulff leise. Er läßt dabei völlig offen, ob er sein Vorauseilen, seine geistige Abwesenheit oder etwas gänzlich anderes meinen könnte.



'Wirklich, mein Freund, du kannst dich glücklich schätzen, wieder so angenehme Gesprächspartner gefunden zu haben. Nicht, daß die Gespräche mit ihrer Gnaden Hesindian oder dem gelehrten Herren Durenald langweilig gewesen wären, aber irgendwie scheinen diese jungen Leute den Drang in sich zu spüren, widersprechen zu müssen, was einer tiefen Erörterung natürlich nicht zuträglich ist.'

Der gemurmelten Entschuldigung des Geweihten schenkt di Vespasio lediglich ein freundliches, langsames Nicken, das von einem wissenden Lächeln begleitet wird.

'Wie selten ist es dir in den letzten Monden gelungen, tatsächlich einen Praiosgeweihten zum tiefen Nachdenken über deine Worte zu bewegen? Nunja, mal abgesehen davon, daß die Anzahl deiner Bekanntschaften mit Anhängern des Praios in letzter Zeit etwas zurückgegangen ist. Dennoch, immerhin. Offenbar müssen deine philosophischen Worte, auch wenn nur leicht dahin gesagt, doch mehr Wahrheit enthalten haben als erwartet.'

"Ach, ich sehe, verehrter Magus Trosson, ihr seid, wie heute viel zu wenige von uns, ein Mann der Logik, wer kann das schon von sich behaupten, daß er in einer solchen Situation Hesinde so nahe bei sich weiß?"

Energisch schüttelt der Südländer den Kopf und rüttelt seinen Stock mit fester Hand.

"Disziplin! Es ist immer wieder dasselbe. Wem es nicht gelingt, den kurzfristigen, meist auch ebenso kurzen, Rausch hinten an zu stellen, um die Möglichkeiten aus einer Perspektive der Logik zu betrachten, der ... nun der ..."

Der Adlige sucht offenbar vergeblich nach Worten, die hinreichend genau beschreiben, womit dieser Unglückselige bestraft wäre.



Ein wenig ärgert sich der Geweihte schon, daß er mitten in einem Gespräch den Faden verloren hat und seine Aufmerksamkeit allgemein hat fallen lassen, so daß er konzentriert versucht, alle Informationen die er nur bekommen kann aus der Umgebung aufzusaugen.

So entgeht ihm auch nicht das wissende Lächeln im Gesicht des Comte, allerdings zieht Onaskje seine ganz eigenen Schlüsse aus dessen Gesichtsausdruck.

'Ja, stehen mir meine Gedanken so ins Gesicht geschrieben? Früher hatte ich doch nie das Gefühl, daß meine Freunde mir an der Nasenspitze ansehen konnten, was ich gerade dachte. Oder...'

Verstohlen rückt der Geweihte seine Garderobe zurecht und überprüft dabei auch dezent den korrekten Sitz der Beinkleider, auch vergewissert er sich, daß sein Obergewand schöne Falten über den Hosenbund wirft und nicht etwa offen steht.

'Verflixt, ja! Disziplin! Es ist ist aber auch wahrlich fast ausgeschlossen, sich mit kühler Logik den rajahnischen Gedanken zu widmen, ohne der Schönen Göttin zu freveln. Damals haben es unsere Zuchtmeister wahrlich verstanden, uns im Zaume zu halten, angesichts eines kargen Exerzierhofes weitab jeglicher Lieblichkeit war dies allerdings auch um einiges leichter, als es hier der Fall wäre - ist.'

Mit einem Lächeln denkt er an Sigisbert, den einzigen Zögling der es je verstand, ein Mädchen in das Männerschlafhaus einzuschmuggeln. Allerdings gelang ihm das Hinausschleusen weniger... Zwanzig Stockhiebe gab es auf den entblößten Allerwertesten...

"...der bekommt ordentlich den blanken Hintern versohlt!" ergänzt Onaskje spontan und hilfreich, bevor ihm siedendheiß einfällt, daß er vielleicht schon wieder, oder besser immer noch nicht richtig zugehört hat.

'PRAios stehe mir bei! Wo habe ich nur meine Gedanken?!'



Das Ende des Satzes scheint nicht ganz zum Anfang zu passen. Verwundert zieht di Vespasio eine Augenbraue hoch und blickt zum Magus, ob der besser verstanden hat, was dies bedeuten soll.



Ottam fühlt sich von den Worten des Adeligen durchaus geschmeichelt, wenngleich er sich dies in keinster Weise anmerken lässt, denn die würde bedeuten dass er dies nicht oft zu hören bekäme und wer könnte IHN schon an Logik übertreffen?

"Nun, gewiss ist dies schwierig und niemand kann sich vollends davon frei sprechen, aber mit Disziplin und Logik kann man doch so manches erreichen"

Die Entschuldigung des Geweihten ist da etwas untergegangen, eigentlich ist es Ottam auch nicht so recht aufgefallen, dass er zurückgeblieben ist, denn sein Blick ist meist nach vorne gerichtet, dorthin wo bald die nächste Brücke, hinweg von der Krakeninsel ins Blickfeld geraten sollte.



Als der Geweihte dann jenen seltsamen Nachsatz hinzusetzt, muss Ottam doch aufhorchen. Der Anstand gebietet es, diesen offensichtlichen Versprecher nicht zu werten, doch Ottam wäre nicht Ottam, wenn er berechenbar reagieren würde.

"Warum sollte jemand der Hintern versohlt werden, der einer Dame, wenn auch zu viele, Süßigkeiten offeriert? Dies kann zwar hier auf der Krakeninsel einmal vorkommen, doch muss ich offen gestehen, hielt ich euer Gnaden nicht für so konservativ"

Mit aussageloser Mine wartet Ottam innerlich gespannt darauf wie der Praiot sich rechtfertigt.



Schnell überlegt Wulff Onaskje, wie er ohne einen weiteren Lapsus begehen zu können die Situation zu seinen Gunsten bereinigen könnte.

"Ja hm. Was ich eigentlich sagen will ist, daß - äh - jemand, der durch - äh - maßlose Gaben an jemandem diesem keinen Gefallen mehr tut, denn durch die Maßlosigkeit nimmt er der Gabe jedwede Besonderheit und aus der Erhabenheit der Geste, sich des Wohlwollens seines Gegenübers zu versichern - was durchaus ein göttergefälliges Vorgehen ist - wird ein primitives Ersticken möglicher negativer Einstellungen, die das Gegenüber bezüglich des Darbietenden hegen könnte - und dieses Vorgehen birgt nun die Gefahr des Vergleiches mit gewissen dämonischen Aspekten in sich, ist also aufs tiefste verachtenswert und bereits im Keime zu ersticken. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit, in der Erziehung und im Gesellschaftlichen Umgang mit der Umgebung entsprechende Anstrengungen zu unternehmen und darauf hin zu wirken daß jedwedes unlauteres Verhalten unterbleibe."

Sichtlich zufrieden mit sich und dem schlüssigen Erziehungstheorem freut sich der Praiosgeweihte nicht nur darüber, seine Panne überspielt zu haben, sondern besonders auf die in der Erklärung enthaltene Belehrung, nämlich daß bei jedweden Handlungen die Göttergefälligkeit gewahrt sein sollte.

"Natürlich mögen die eher handfesten Belehrungsmethoden eher auf den Erziehungsbereich beschränkt sein, da habt ihr durchaus recht."

'Und die Tracht Prügel war auch eine fruchtende Erziehung, ein Mädchen hat der Schlawiner nie mehr auf das Ausbildungsgelände gebracht...'



IN HAEVNA - Im Immanstadion: In der Arena


Hasgar rappelt sich langsam wieder auf die Beine. Woher kam nur dieser verfluchte Zwerg? Hasgar hatte sich viel zu sehr auf den Torschuss konzentriert und Romolosch dabei völlig übersehen. Woraus besteht eigentlich dieser dreimal verwünschte Zwerg? Hasgar reibt sich den schmerzenden Fuß. Der Kerl muss doch aus blanken Granit bestehen, zumindest hat Hasgar im Moment das Gefühl gegen einen massiven Felsen gerannt zu sein. Doch der Stürmer ist hart im Nehmen. Als er sieht, daß der Korkball stet und sicher in die Spielhälfte der Premer getrieben wird, verblasst jeder Schmerz. Ein paar Male tritt Hasgar auf der Stelle, um zu prüfen, ob das Bein auch wieder gut belastbar ist. Es sieht ein bisschen so aus, als wäre er ein wilder Stier, der noch zornig mit den Füßen scharrt, kurz bevor er angreift und zwar mit allem, was er hat ...


***


Tula hat das Geschehen vor dem Tor der 'Bullen' gut mitverfolgen können. Der Aufbau hat noch grandios geklappt, jedoch der Abschluss ging gewaltig in die Hose. Für einen kurzen Moment ist Tula äußerst wütend auf Hasgar, weil er diese großartige Möglichkeit für einen Torerfolg so kläglich in den Wind gepustet hat, doch der Zorn ist schnell verraucht, denn nun befinden sich die 'Bullen' im Angriff und es gilt ihnen den Ball wieder abzujagen. Außerdem weiß Tula, dass Romolosch als Bremser wirklich ein harter Brocken ist, man kann also, will man gerecht bleiben, den Misserfolg nicht ausschließlich Hasgar anlasten.

Steht die Abwehrlinie? Tula blickt sich kurz um. Verdammt und ausgespuckt! In der Mitte klafft eine gewaltige Lücke. Wo, zur Niederhölle, steht Ifirnsgiron? Das ist doch sein angestammter Platz dort! Wo treibt er sich herum? Doch die Angreifer kommen näher und Tula hat nun wirklich nicht merh die Zeit nach ihrem Kapitän Umschau zu halten.

"FRENHILD, DIE MITTE, ACHTET AUF DIE MITTE !!"


***


Es liegt ind er Natur der Sache, dass, wenn es zwei Spielerinnen mit dem gleichen Namen gibt, eben auch zwei Spielerinnen aufmerken, wenn dieser Name gerufen wird. Doch während Frenhild die kuzhaarige nur den Sitz ihres Trikots rings um ihren Busen überprüft, als sie sich aufgefordert hört, auf die Mitte zu achten, ahnt die Frenhild, die Fee schon eher worauf Tula mit ihrem Ruf hatte hinweisen wollen. Als die Attacke Chatal's, der sie sich noch vor Kurzem hat ausgesetzt gesehen hatte, so glimpflich für die Premerin ausgegangen war, hat sie den Kapitän der 'Bullen' nicht weiter beachtet. So hat sich auch nicht bemerken können, dass sich Chatal mittlerweile auf den linken Flügel verzogen hatte, um dort Streitigkeiten zu schlichten. Ebenso wenig bemerkte sie das Verschwinden Ifirnsgiron, der sich aus ähnlichen Gründe wie Chatal zur Seite hin bewegt hat. Damit ist sie, Frenhild weit und breit die einzige Spielerin im Mittelfeld und sieht sich, wenn auch noch entfernt sowohl diesem Dunvallo, als auch den Zwillingen gegenüber. Einer solchen Übermacht gegenüber hätte sie nur wenig entgegen zu setzen, zumal von hinten nur noch Thorlif aufrücken könnte, Rorlif und Ingvar haben bereits einiges zu tun mit dieser Rotblonden mit den Mandelaugen, deren Art und Weise des Spielens, mehr an ein flüchtendes Kaninchen erinnert, als eine durchbrechende Stürmerin und gerade das macht sie so gefährlich.

Nun denn ...


***


Ähnlich entschlossen wie die 'Fee', ist auch Thinmar und mittlerweile ist er wieder im Vollbesitz seiner Kräfte, die er eigentlich gerne ausschließlich dazu einsetzen würde, diesen hässlichen 'Schlangenfurz' dort drüben genüsslich unter den Rasen des Stadions zu bröseln und er möchte sich nicht nur mit den Resten beschäftigen müssen, die ihm Algrid vielleicht gnädigerweise noch überlassen würde. Er möchte den Kerl im Ganzen haben, bevor er ihn zu Klumpen haut. Mit verkniffenem Gesicht geht Thinmar einen Schritt nach vorne. Doch zugleich spürt er eine Hand auf der Schulter, die ihn zurück halten möchte. Wütend fährt er herum! Keiner sollte es nun wagen ihn von seiner Rache abzuhalten! Keiner außer Faenwulf!


***


Faenwulf schaut den rasenden Thinmar stumm ins Gesicht. Dann schüttelt er leicht den Kopf. Er will ihm wohl verdeutlichen dass, was immer er auch vorhat, zu diesem Zeitpunkt ein schlechter Plan ist. Langsam beruhigt sich Thinmar und erst dann nimmt Feanwulf die Hand von der Schulter Thinmar's herunter. Dafür packt er den Überraschten am Arm und zieht ihn ein wenig zur Seite weg. Weg von diesem Geschehen hier. Als sie sich dann einge Schritte entfernt hatten, bleibt Faenwulf stehen und erklärt Thinmar mit eiserner Miene:

"Lass gut sein, mein Junge! Alles, was du jetzt tun würdest, würde ein Fall für den Schiedsrichter werden. Wenn du jetzt den Kerl in den Boden stampfst, dann marschierst du, unter Umstände in die Kabine und der Kotzbrocken dort drüben lacht sich eins. Hab Geduld, das Spiel dauert noch länger und wenn der Ball läuft, ändert sich viel. Krümmst du ihm jetzt auch nur ein Haar, dann bist du das Arschloch des Spiels! Haust du ihm im Spiel die Beine ab, dann ist das tragisch ...", Faenwulf muss nun ganz schrecklich grinsen "... aber kein Schiedsrichter Aventuriens könnte dir daraus einen Strick drehen. Wenn er einmal den Ball hat, dann greif ihn von hinten an und wenn du nahe dran bist, und kein Mensch mehr ein Gerangel von einem anständigen Zoff unterscheiden kann, dann hau ihm die Levthansäpfel in Scheiben, dann kann er im 'Schlangenchor' eine Frauenstimme übernehmen! Hast du verstanden?"

Und Thinmar nickt lächelnd.


***


Lächeln tut auch noch ein anderer Premer. Verträumt blickt Aki der davon eilenden Lyn nach. Was hat dieses Mädchen doch einen schönen Rücken, ganz zu schweigen von den aufreizenden, langen Beinen. Also wirklich: Stören tut nur diese verdammte Hose.

Aki ist von den Belehrungen Lyn's noch ganz benommen. Was sollte denn nur falsch daran sein, wie er mit Frauen umgeht? Er weiß doch wohl, wie man mit Frauen umzugehen hat, immerhin hat sich noch keine beschwert danach. Aki ist ratlos. Nachhilfeunterricht will sie ihm geben, dabei ist er sich sicher, dass er sie zum 'Singen' und 'Pfeifen' bringen könnte. Sowohl das 'Singen', als auch das 'Pfeifen' sind eine Bezeichnung die Aki gerne dafür hernimmt, um zu beschreiben, wie sehr er Frauen im rahjanischen Gerangel zu beeindrucken vermag. Der arme Aki will einfach nicht begreifen, hat er es bisher doch noch nie nötig gehabt einer Frau den Hof machen zu müssen. Auf Grund seines guten Aussehens und seiner Popularität als Immanspieler hatte er immer reichlich Auswahl an reizenden Schönheiten aus den Reihen seiner weiblichen Anhängerschaft.

'Du da, komm her!'

Mehr Konversation hat er bis jetzt noch nie nötig gehabt um an willige Schönheit zu geraten. Und jetzt kommt diese Lyn daher und will ihm erklären, dass das alles nicht so geht!

Doch Aki hält sich für geistig wendig und meint, er wäre allzeit bereit zu lernen. Deshalb ruft er Lyn nach:

"Alles in Ordnung! ... Also dann, bis nach dem Spiel! ... Und dann nach DEINEN Spielregeln, das heißt also: ERST die Hose runter und DANN den Hintern tätscheln, ich werde mich dran halten!"

Aki ist nun richtig froh, dass er es im letzten Augenblick doch noch begriffen hat ...


***


Haldar traut seinen Augen nicht. Was macht Aki denn da? Der steht da und träumt vor sich hin und gafft dieser blonde Kuh nach und der Gegenangriff rollt ....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Die Schiedsrichter


Gerade eben will Glenna das neue Trikot an Lyn übergeben, als ein scharfer und deutlicher Befehl die Aktion unterbindet.

"HALT! Zuerst die Kontrolle! Das Trikot muss auf Regelkonform überprüft werden. Erst dann könnt ihr es weitergeben! So sei es!"

Von Klipp schreitet daher, als wäre er ein General der seine Truppen inspiziert. Er hebt mahnend den Finger und verzieht dabei das Gesicht, als wolle er Zuwiderhandlungen sofort mit den Hieben einer 'Neunschwänzigen' bestrafen.

Glenna mault ein wenig, sie will wieder zurück auf ihre Bank, denn der Rand des Spielfeldes ist ein sehr unangenehmer Ort für sie. Auf dem Spielfeld, ja, das wäre etwas, aber solange sie nicht spielen darf, bleibt sie doch lieber auf der Bank sitzen.

"Junge Dame!" ermahnt sie von Klipp "Ich dulde keine Gegenworte, das ist für mich ein Zeichen von Renitenz und die werde ich mit allen Mittel unterbinden, habe ich mich klar genug ausgedrückt!"

Das hat er wohl und dennoch bleibt Glenna auf Konfrontationskurs. Für sie ist von Klipp nichts weiter als ein alter, lüsterner Hahnrei, der sich an der peinlichen Lage Lyn's trefflich ergötzen will und sich daher als Wichtigtuer aufspielen will. Dennoch bleibt sie in ihrer Erwiderung zurückhalten, ja sie formuliert ihren Einwand sogar als moralische Bitte:

"Herr Schiedsrichter, so haben sie doch Verständnis oder wenigsten etwas Mitleid. Lyn steht hier nackt vor den Augen von tausenden von Zuschauern, das ist doch entwürdigend!"

Von Klipp nimmt Lyn kurz und sachlich in in einen prüfenden Augenschein und kann nichts erkennen, wofür er hätte Verständnis haben müsste, noch sieht er etwas, was sein Mitleid erwecken könnte. Und so antwortet er abwehrend:

"Junge Dame! Erstens - ist diese Spielerin nicht nackt, sondern allerhöchstens nur halbnackt. Zweitens - sieht diese Spielerin nicht gerade so aus, als würde sie in ihrer Ehre gekränkt werden. Drittens - habt ihr wohl noch nie ein Immanspiel in einem Stadion der Nordleute erlebt, dort trägt man meistens so gut wie kein Trikot, außer an den Stellen, die auch bei dieser Spielerin noch passend bedeckt sind! Viertens - bin ich es langsam leid ihren nassforschen Kommentaren zu zu hören!! ALSO HER MIT DEN TRIKOT UND WACKER DEN MUND GEHALTEN DABEI - VERSTANDEN?"

Mit einem trotzigen Brummen reicht ihm Glenna das neue Trikot. Von Klipp nimmt es grimmig entgegen und untersucht es eingehend. Er hat für diese Handlung schon seine Gründe. Bei einem Spiel in Gareth fand er, bei einer ähnlichen Gelegenheit einmal ein Schnelligkeitselexir. Das war schon ein unerhörter Vorfall. Doch noch schlimmer ist es in Kunchom geschehen. Dort hatte man in einem neuen Trikot einen kleinen Dolch versteckt und in Al'Anfa entdeckte von Klipp sogar einen kleinen und mit Schlafgift gefüllt Mengbillar. Seither misstraut von Klipp solchen Handlungen wie einen Trikottausch. Sie sehen zwar harmlos aus, doch weiß er aus Erfahrung: Nicht's beim Immanspiel ist wirklich harmlos!

Aber in diesem Fall kann von Klipp nichts regelwidriges finden, also gibt er das Trikot an Lyn weiter und seine Augenbrauen wachsne schier zusammen, als er das tut.

'Diese Lyn ist wirklich eine kokette Person', denkt sich von Klipp mit einem Anflug von Verachtung 'Sollte mich nicht wundern, wenn die kleine vorlaute Göre von vorhin recht gehabt haben könnte und tatsächlich schon Tausende schon mehr von Lyn's Körper gesehen hätten, als sie im Moment zeigt.'

Doch von Klipp ist sich sicher, dass diese Person dazu kein vollbesetztes Immanstadion braucht, dazu wird sie wahrscheinlich nur ein Lager in einer Wohnung ohne Tür benötigen. Man kennt ja solche Frauen. Ein zirpender Lockruf nur, und schon stehen die Männer Schlange.

Die nackte Brust Lyn's betrachtet er nur kurz und dies mit allen Anzeichen des Abscheus. Brüste haben für von Klipp keinerlei Bedeutung, es sei denn, sie würden getragen von Ammen, dort hätte sie wenigstens ihren, von der Natur gegebene Auftrag zu erfüllen. Weshalb manche Männer alles dafür geben würden diese Dinger vor die Augen zu bekommen ist ihm schleierhaft. Von Klipp ist keine Frauenfeind, oh nein! Stünde er im Traviabund, so wäre er sich sicherlich seiner Pflichten bewußt und würde sich ihnen nicht entziehen, doch würde er sie nie eigenwillig ausdehnen wollen! Schließlich töten auch Krieger nur auf Befehl, eben wenn ist der Lage angemessen ist und nicht nach Lust und Laune, wann immer sie den Drang dazu spüren. Im Verzicht übt sich der Mensch! Das ist von Klipp's einzige Lebensweisheit. Daher fühlte er sich einst auch dazu berufen Schiedsrichter zu werden. Er wird diesen Barbaren schon noch Disziplin einhämmern ...


***


Große Eile hat er nicht! Kalimar geht bedächtig auf die Streitenden zu. Es scheint als hätte die beiden Kapitäne die Lage unter Kontrolle.

'Na, dann woll'n wir einmal!' denkt sich Kalimar 'Mal sehen, wer den der böse Bube und das böse Mädel sind!'

Kalimar seufzt als er innerhalb der 'zwingenden Umarmung' Chatals den, weit über die Grenzen Havena's hinaus bekannten Scibor erkennen muss, zumindest soweit es Schiedsrichter betrifft. Dieser Kerl macht immer Ärger, wenn er gegen Mannschaften aus dem Norden spielen muss und er fragt sich ernsthaft, was sich die Verantwortlichen der 'Bullenmannschaft' nur dabei gedacht haben diesen Mann bei einem solchen Freundschaftsspiel auflaufen zu lassen.

'Scibor hat heute einen persönlichen Rekord aufgestellt', befindet Kaliman 'Für Gewöhnlich spielt er tatsächlich vorher noch ein bisschen Imman, bevor er zu Prügeln beginnt, meist aus nichtigen Anlässen heraus, einfach aus Freude am Verwunden! Heute hat er sich erst gar nicht mit Spielereien aufgehalten und sofort mit dem Schlägern begonnen. Bei TSA, der Mann versteht sich zu steigern!'

Wie oft ist Scibor schon ein Thema in Gesprächen unter Schiedsrichtern gewesen. Wahrscheinlich genauso oft wie Algrid, die 'Feuerhaarige', die ihren Gegner immer die Augen auskratzt. Man hätte sie damals, vor Jahren, doch für den Rest aller Zeiten sperren sollen. Aber nichts auf der Welt ist so wenig definiert wie der Begriff 'Sportlichkeit' beim Imman.

Nun hat Kaliman den Ort des Zanks erreicht und er holt tief Luft, als er die Szene betritt.

"Scibor und Algrid! Also ihr zwei wieder einmal ...!" flötet er mit süßlicher Stimme. Nach einer kurzen Pause, bei der er sich wieder voll Luft pumpt, fährt er fort:

"Ja, ja - Imman ist ein sehr harter Sport und die Geduld der Schiedsrichtern ist grenzenlos!"

Der Sing-sang in seiner Stimme hat schon fast etwas Bedrohliches, jeder wartet auf den Ausbruch, denn Kalimar sieht aus wie ein rauchender Vulkan. Doch er macht betulich weiter:

"Ich verstehe das schon! Wenn man um den Ball kämpft, dann vergißt man schon einmal jede Rücksicht und nutzt jeden Vorteil für sich aus. Ein Schlägchen da, nicht wahr, Scibor, ein Krätzelchen dort, ist es nicht so, Algrid, das kann im Kampf um den Ball schon einmal passieren! Doch ....."

Und nun holt Kaliman derart tief Luft, dass man schon befürchten muss, die Stirnadern würden im platzen ....

"WO IST DEN DIESER BALL?" brüllt er laut, dass es ihm fast die Hose zerreißt. Wütend blickt sich Kaliman um.

"ICH KANN EUCH SAGEN, WO DER BALL IST!! DER IST DORT WO MAN IMMAN SPIELT UND NICHT DORT WO MAN SICH SINNLOS VERDRISCHT! ICH HABE EUERE LAUNEN UND GRILLEN LANGSAM DICK. WENN IHR SO VERSESSEN DARAUF SEID ANDEREN LEUTEN DAS HIRN AUS DEN SCHÄDELN ZU HÄMMERN, DANN KÖNNT IHR EBENSO GUT NACH TOBRIEN ZIEHEN!"

Kaliman gibt den beiden Kapitänen ein Zeichen, sie sollen ihre 'Schützlinge' loslassen. Als er nun mit betont leiser Stimme weiter spricht, bedient sich Kalimar wieder um einen mehr 'geblümten' Ausdruck in seiner Aussage, so, wie man es eingangs bei ihm hat vernehmen können.

"Hier auf diesem Spielfeld jedoch wird nicht Krieg geführt, sondern Imman gespielt. Dies sage ich euch nun ein für allemal: Wenn ich nur noch einmal den kleinen Schläger oder die kratzbürstige Hexe in euch sehen muss, dann werde ich dafür sorgen, dass ihr euch für den Rest des Spiels, getrennt in eueren Kabinen aufhalten werdet und zwar in Ketten gelegt! Bei PRAios, so wird es geschehen, wenn ihr euch nicht besinnt!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Ein Schrei der Begeisterung geht durch das Stadion, als Hasgar, den der Zwerg so "elegant" ausgeschaltet hat, wieder los rennt. Und wieder einmal sind es nicht nur die Premer, die darüber jubeln, sondern auch die Anhänger der Bullen, denn Kampfgeist ist etwas, das jeder hier mag - und zudem sehen sie in Hasgar keine wirkliche Gefahr für Romolosch.

Der andere Schauplatz, der der Fastschlägerei, hat inzwischen noch mehr von seinem Reiz verloren, denn es wird immer offensichtlicher, dass es KEINE Schlägerei geben wird, und das gefällt vielen nicht, und den übrigen gefällt nicht, dass es den Spielverlauf dennoch so lange aufhält.

"SPIELEN!!! WEITERSPIELEN!!!" wird darum weiterhin in diese Richtung gebrüllt.

Dass Aki noch mit Lyn beschäftigt ist, das wiederum ist sehr gut so... Abwehr der Premer ist zwar gut und unterhaltsam, aber zu stark darf sie selbstverständlich nicht werden.

"BULLEN! HAUT DEN KORK IN DAS TOR!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Der Torhüter der Havener Bullen atmet erst einmal entspannt aus.

`Uff`

Brendan ist zwar ein guter Torhüter, aber es ist immer besser, wenn er erst gar nicht den Ball abwehren muss. Denn wenn erst einmal der Torhüter in Aktion treten muss, dann bedeutet dass, das die Abwehr geschlafen hat. Und es ist nicht immer angenehm, die letzte Verantwortung auf den Schultern ruhen zu haben. So kann er seine Kraft noch sparen, für später, wenn die Abwehr naturgemäß etwas erlahmt und es wirklich heiß wird.

Konzentriert verfolgt Brendan den Weg des Korks...

`Los Kurzer, zeigs ihnen...`


***


Als Lyn Akis Antwort hört, schüttelt sie nur den Kopf.

`Also wirklich, diese Barbaren, allesamt Barbaren. Nicht besser als Rinder auf der Weide. Wird mal wirklich Zeit, dass sie Besuch von einem Hesinde-Geweihten bekommen, der ihnen so etwas wie Kultur und Benimm näher bringt...`

Doch diese Gedanken sind recht schnell beiseite geschoben, als sie sieht, wie sich der oberstrenge von Klipp Glenna nähert, die ihr gerade ein frisches Trikot reichen will.

`Was will der denn jetzt! Trikotkontrolle? Hat der nicht mehr alle Murmeln im Beutel oder was?`

Wütend zieht Lyn die Augenbraue hoch und stapft weiter dem Spielfeldrand entgegen. Der rechte Arm ist immer noch dabei mit dem zerfetzten Trikot sorgfältig ihre Blöße zu bedecken, während sie die linke Hand wieder in die Hüfte stemmt.

`Wie sieht er mich an? Was erlaubt er sich eigentlich?`

Zornig blitzen ihre Augen auf, als sie bemerkt, wie der Schiedsrichter sie abfällig mustert. Hier steht sie einem Mann gegenüber, der nicht von ihr beeindruckt ist, der sich ihr gegenüber sogar abfällig verhält und das wurmt sie ganz gewaltig - dass ist sogar noch schlimmer als einfach übersehen zu werden.

Mit einem Ruck nimmt sie das Trikot aus seinen Händen entgegen, blitzt ihn noch einmal wütend an und dreht sich dann mit hoch erhobenem Kopf von ihm ab, etwa in der Art, wie ein Königin einen dahergelaufenen Stallburschen bedenken würde.

`Warte nur, dass wirst du mir büßen. Irgendwann, irgendwie...`


***


Romolosch fegt förmlich der Mittellinie entgegen. Wie ein Fels, der plötzlich Beine bekommen hat und vom Wind beseelt über die Ebene rast. Ein Felsblock mit der Wucht eines Katapultes abgeschossen. Verwegen blitzen seine felsgrauen Augen, wie ein Schweif wirbeln das schwarze Barthaar und die zwei Haar-Zöpfe. Deutlich zeichnen sich die sich bewegenden Muskelpakete unter seinem Trikot ab. Mit sprichwörtlich zwergischem Geschick führt er den Kork vor sich her und nicht nur für einen Moment kann man an die Legende vom unaufhaltsamen Zwergen glauben. Wer würde sich schon freiwillig einer Lawine aus heran rollendem Granit in den Weg stellen?

Schon ist er an dem immer noch abgelenkten Aki vorbei...


***


Nein, Aki stellt für Romolosch wirklich keine Gefahr dar, doch auf seiner anderen Seite gibt es eine Premerin, die wohl in der Lage wäre, ihn in einen Kampf um den Ball zu verwickeln und diesen vielleicht auch zu gewinnen. Doch die Yeshinna wird momentan anderweitig beschäftigt, dafür hat die rotgelockte Tibraide schon gesorgt.

Gleich als Romolosch in die Offensive ging gab sie dem etwas langsameren Rumpo ein Zeichen, der auch sogleich - auf das Urteil der in seinen Augen ziemlich hellen Tibraide vertrauend - vorrückte.

Und so sieht sich Ragnid nun auf der einen Seite dem gewaltigen Koloss - nicht umsonst hat man Rumpo den Beinahmen »der Fels« gegeben - entgegen, der mit ausgebreiteten Armen und seiner massigen Gestalt den vorbei stürmenden Romolosch wirksam abschirmt. Auch eine Amazone hat es schwer, einem Berg zu entgehen, zumal da auf der anderen Seite Tibraide um sie herum tänzelt, ständig spöttisch lächelnd, kaum zu packen und doch immer da, um Ragnid den Platz zu nehmen, den sie braucht um auszubrechen.

"Na, willst du dir nicht eine kleine Pause gönnen, du bist ja sonst immer so sprunghaft..."spöttelt Tibraide mit einem breiten Grinsen auf dem sommersprossigen Gesicht. Ihr ist klar, dass sie Ragnid nicht würden lange aufhalten können, dazu ist sie zu gut, aber das ist ja auch nicht nötig. Wenn sie auch nur ein bißchen Zeit verliert, ist der Kork schon aus ihrer direkten Reichweite...


***


Cuil und Gun haben sich ebenfalls in Bewegung gesetzt. Beinahe Schulter an Schulter halten sie auf die Mittellinie zu, bereit nach vorne zu stürmen. Sie wissen, dass Romolosch den Kork nicht lange behalten wird. Er ist zwar stark, aber trotzdem dürften ihn die Premer ihn bald eingeholt haben. Und so erwarten sie, dass Romolosch, wie geübt, den Ball weiter passen wird.


***


Dunvallo ist es gelungen, den Rausch, der ihn eben umfangen hatte zurück zu drängen. Noch immer flüstert eine leise Stimme in seinem Hinterkopf die Wette wie ein Echo, doch konzentriert er sich wieder auf das Spiel. Zufrieden entdeckt er den heran stürmenden Romolosch und auch die beiden Zwillinge sind bereit. Ohne lange Nachzudenken ist ihm klar, was ihr Ziel ist, was ihr Ziel sein muss. Schließlich konzentriert sich ei den Premern momentan alles auf die Flanken, während die Mitte fast ungeschützt ist.

`Ein großer Fehler`

Dunvallo freut sich darüber, bedeutet es doch, dass sie eine gute Chance haben dem Spielsieg einen Schritt näher zu kommen. »Und damit auch deinem Wettsieg« flüstert die leise Stimme. Dunvallo macht sie bereit und lächelt mitleidig »Feenhild« zu, die sich offensichtlich ganz alleine dazu entschlossen hat, die Horde stürmender Bullen aufzuhalten.

"Willst du nicht lieber gleich zur Seite gehen?" ruft er ihr halblaut im gönnerhaften Tonfall zu.


***


Die ganze Zeit, während der der Ball weiter auf das Havener Tor zulief hatte Tula ihn behindert, verhindert, dass er dem Möchtegern-Torschützen folgte. Doch jetzt haben die Havener den Ball.

Faerwyn lächelt. Das ist die Gelegenheit, um es Tula mit gleicher Münze zurück zu zahlen. Als die Premerin kurz stockt, um die Situation zu begreifen und ihrer Mannschaft etwas zuzurufen, nutzt Faerwyn die Gelegenheit, um sich zwischen Tula und Romoloschs Laufrichtung zu schieben.

"So, Seitenwechsel" brummt er nur, als nun er den Part übernimmt, die andere Person zu blocken.


***


Cathal hält Scibor fest und sieht ihm in die Augen. Die Flamme ist kleiner geworden, statt dessen - ja, statt dessen vermeint Cathal so etwas wie Verwirrung in ihnen zu sehen.

"Verdammt, was ist nur in dich gefahren? Wolltest du ihn totschlagen oder was? Wenn du hier weiter spielen willst, dann benimm dich gefälligst!"

Scibor sieht seinem Kapitän an. Kurz schweift sein Blick zu Thinmar, der etwas weiter weg steht. Grimmig verzieht er die Lippen.

`Und wenn schon. Um ihn wärs nicht Schade gewesen...`

Cathal ist dieser Seitenblick nicht entgangen und gerade will er erneut ansetzen, als er aus den Augenwinkeln sieht, wie sich Kaliman nähert.

`Oha, das gibt Ärger...`

Scibor bemerkt wohl Cathals veränderte Blickrichtung und trotzig folgt sein Blick dem seines Mannschaftskapitäns.

`Der kleine Wichtigtuer. Will sich wohl wieder aufblasen, was?`

Scibors Zorn ist noch immer nicht ganz verraucht, nur mühsam im Zaum gehalten. Stumm folgt er den Ausführungen Kalimans, unbewegt bleibt sein Gesicht.

`Alle schützen sie diese verdammten Nordmänner!`

Als Kaliman ihn auffordert, Scibor loszulassen, tut Cathal dies, allerdings nur zögerlich, ist er sich doch nicht ganz sicher, wie Scibor sich verhalten wird. Er ahnt, dass unter der momentan glatten Oberfläche noch immer ein Vulkan brodelt und traut dem momentanen Frieden nicht wirklich.

Noch immer unbewegt vernimmt er die Verwarnung, die Kaliman ihm erteilt - wenigstens ist es befriedigend zu hören, dass diese thorwalsche Hexe auch eine erhält - und nickt am Ende nur, zum Zeichen, dass er ihn verstanden hat.

`Sonst lallt der das ganze noch einmal... Am Ende platzt er noch, der Thorwalerfreund!`

Auch wenn man es nicht sieht - die Warnung, vom Spiel ausgeschlossen zu werden, trifft Scibor doch. Denn Imman gehört zu ihm wie seine Tätowierungen und sein Hass auf das Volk der Mörder seiner Eltern. Nicht, dass er jetzt plötzlich alle Feindseligkeiten verwerfen würde. Oh nein! Er würde halt nur etwas subtiler vorgehen müssen. Und so, wie er dieses feige Mördervolk einschätzt, werden sie ihm dazu auch bald Gelegenheit geben. Sein durchdringender Blick streift lodernd über die Reihen der Thorwaler, trifft Thinmar. Und sein ganzer Blick enthält ein Versprechen »Es ist noch nicht vorbei!«

Cathal mustert Scibor noch einmal scharf.

"Noch so ein Ding und ich lasse dich auswechseln, ist das klar?"

`So langsam wird es Zeit, sich wieder am Spiel zu beteiligen. Das ist doch Romolosch mit dem Ball, oder?`

Scibor nickt.

"Jaja" knurrt er.


***


Romoloschs eisgraue Augen fixieren die Umgebung. Das klappt ja wunderbar. Die gefährlichsten Gegner sind gebunden, die Mitte ist frei und an ihr entlang stehen Bullen bereit, um den Ball weiter bis ins gegnerische Tor zu befördern. Für einen Moment zerstört ein Lächeln auf seinem gesicht den stahlharten Endruck.

`Wenigstens sind sie JETZT bereit.`

Mit einem Mal hebt er den Schläger etwas höher und zielt. Ohne seinen Lauf abzubremsen schlägt er zu.

Jäh wird der Korkball aus seinem Lauf gerissen und in die Luft befördert. Für einen Moment scheint er sich noch widersetzen zu wollen, es scheint so, als wolle er noch die alte Richtung beibehalten doch dann hat er Romoloschs Kraft nichts mehr entgegen zu setzen und saust durch die Luft wie ein Geschoss, genau auf den Punkt zu, den der Zwerg auserkoren hat.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


"JAWOLL!!!"

Aus vielen hundert, ja mehreren Tausend Kehlen gellt dieser oder ein ähnlicher Schrei durch das Stadion, als der Zwerg mit voller Wucht nach dem Kork schlägt, und ebenso viele Augenpaare folgen dem Flug des Korks... einem Flug, der vielleicht den Auftakt zu dem Erfolg der einheimischen Mannschaft gibt, an dem hier im Stadion niemand zweifelt - zumindest niemand derer, die einen solchen Sieg wünschen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen - Darian


Darian beobachtet weiterhin das Spiel. Vieles, was dort unten auf dem Feld vor sich geht, ist für den immanunerfahrenen Adeptus doch etwas seltsam. Dort wird einer Spielerin das Trikot vom Leib gerissen, dort prügeln sich zwei Spieler, obwohl der Kork fernab weilt. Beides scheint gar nicht so ungewöhnlich für diesen Sport zu sein, denn die Schiedsrichter reißen sich nicht gerade darum einzugreifen. Die Prügelei wird zunächst von den Spielern selbst geschlichtet, bevor sich ein Unparteiischer ihrer annimmt, das zerrissene Trikot interessiert offenbar überhaupt nicht. Im Gegenteil, fast sieht es so aus, als wolle man verhindern, daß sich die Spielerin ein neues anzieht.

Wahrlich seltsam, dieses Imman ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen - Garulf


Das weibliche Kälbchen zieht sich wieder an, doch langweilig wird es auf Feld noch lange nicht. Ein Havener Spieler will gerade eine Prügelei vom Zaun brechen und geht, weit, weit weg vom Kork, auf Thinmar los. Garulf, für den es außer Frage steht, daß Thinmar das Kälbchen in Grund und Boden rammen wird, fordert auch gleich lautstark zur Tat auf:

"HAUT SE, HAUT SE, IMMA AUFFE SCHNAUTZE!"

Doch sowohl die Mannschaftskapitäne, als auch einer der Schiedsrichter, machen dem ganzen ein Ende, noch bevor Blut fließt. Aber was solls, das Spiel hat gerade erst begonnen und es wird bestimmt noch die ein oder andere Rauferei geben - und sei es nach dem Spiel in der Taverne.

Nicht nur auf dem Feld, nein auch auf der Tribüne, unmittelbar neben ihm, ist was los. Der Schiffszimmerman quatscht mit irgendwem hinter ihm, anstatt das Spiel anzugucken, dann kündigt er lauthals an, in die Menge pissen zu wollen. Leicht verwirrt wendet sich Garulf zur Seite. Jetzt erst entdeckt er den Zwerg zwischen all den hochgewachsenen Menschen.

´Ach so!´

Prustend fängt der dicke Smutje an zu lachen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen - Silana und Hjaldar


"Kümmert sich schon!" gibt Hjaldar auf Silanas Frage nach dem Verbleib des Schiris zurück. Und tatsächlich greift inzwischen einer der (meist nur angeblich) Unparteiischen in die Rangelei ein.

So richtig interessiert ihn die Beinahe-Prügelei auch nicht, wohl aber die unter anderem daraus resultierende Spielsituation: Die Bullen stürmen und kein müder Pottwal scheint sich drum zu kümmern.

"HEEE! UFFPASSEN IHR SCHLEICHEN!!! DE MOOKEN GLIIK PICKNICK BI JURS VORM TOR!"

brüllt er lautstark aufs Feld. Ob die Spieler ihn allerdings tatsächlich hören, darf bezweifelt werden.

Das die Rahjageweihte inzwischen gar nicht mehr so begeistert von dem Spiel klingt, fällt ihm nicht auf - zu sehr fiebert er mit dem derzeitigen Spielgeschehen mit.



Bei dem Hinweis auf den Schiedsrichter unterbricht Silana kurz ihre Grübeleien nach einem Ausweg und wagt einen kurzen Blick auf das Geschehen. Zumindest sollte es eigentlich bei einem kurzen Blick bleiben, der nur über das Feld schweift und sich wieder von dort abwendet, doch plötzlich stockt sie in der Bewegung.

Zwischen die fünf Kampfhähne ist nun ein junger Mann, wohl einer der Schiedsrichter, getreten. Wie von einem unsichtbaren Feld geschützt, steht er dort, ruhig und erhaben, wie ein Fels in der Brandung. Es ist nicht nur seine Schönheit, die Silanas Blick länger an seinem gutgebauten Körper haften läßt, sondern vielmehr seine aufrechte Haltung, die kühle Erhabenheit, die ruhige Disziplin, die er ausstrahlt.

Vom Körperbau ähnelt er den Spielern, doch braucht er keine Gewalt, um seinen Willen geltend zu machen, bei Männern wie ihm genügt ein Wort.

Je länger Silana Kaliman durch ihre blaustrahlenden Augen betrachtet, um so mehr gewinnt er an Größe, Eleganz, Unantastbarkeit.

Sie weiß, dass sich ein Mann wie dieser für etwas entschieden hat, einem Weg folgt, den er selbst bestimmt hat und mit diesem Wissen ist ihr klar, dass sie wohl kaum eine Chance hätte.

Doch tief in ihr ist noch mehr, ein leichtes Kribbeln, der winzige Funke eines Feuers. Ein kleiner Teil ihrer selbst, der noch in ihrem Inneren schlummert, fragt sich, ob Menschen wie Kaliman wirklich alle Wege kennen, bevor sie sich entschieden.

Sicher wird ein solcher Mann schon oft die Begegnung mit der Schönen gehabt haben, doch was wäre, wenn er ihr in ihrer Vollkommenenheit begegnete?

War ein solcher Körper, ein solcher Geist nicht zu schade für dieses rohe Spiel?

War er nicht für mehr geschaffen?

Jedoch sind es mehr zarte Ahnungen als Gedanken, die durch das rege Bewusstsein der Rahjanovizin schwirren und so findet sie sich damit ab, dass sie für einen Mann wie Kaliman wohl niemals interessant sein wird und wendet sich wieder den Fluchtüberlegungen zu.

Schnell überlegt sie zu Ende, wie es ihr am besten gelingen könnte, ohne lügen zu müssen, schließlich entscheidet sie sich für eine Halbwahrheit.

Darauf bedacht das Gleichgewicht nicht zu verlieren, beugt sie sich erneut zu Hjaldar vor und ruft:

"Mir wird ein wenig schwindelig hier oben...und ich habe Kopfschmerzen." fügt sie sicherheitshalber verstärkend hinzu.

"Ich möchte an die frische Luft, vielleicht kann Hesindian mich ja begleiten."

Sie sieht den in letzter Zeit sehr still gewordenen Hesindegeweihten an, einerseits, weil sie sich von ihm Zustimmung erhofft, andererseits, weil sie das Gefühl hat, dass auch er nicht gerade Gefallen an diesem brutalen Spiel findet.



'Ausgerechnet jetzt, wo's kritisch wat, fallt ihr det een.'

Sehnsüchtig wirft Hjaldar einen Blick auf das Immanfeld. Wenn er da stehen würde, vorm Pottwaler Tor, dann könnten sich die Bullen in Kürze auf den Weg zum Vieharzt oder gleich zum Notschlachten machen, das wohl! Und jetzt verpaßt er womöglich noch einen wichtigen Moment im Spiel ...

'Aber wat soll's! So sind de Deerns halt und irgendwie, irgendwo machen's den Ärger mit ihnen auch wieder wett...'

"Wart'nen Herzschlach, ich hölp Di runner." gibt er der Novizin zu verstehen, dann hält er ihr seine Hände nach oben, damit sie sich an diesen festhalten und wieder auf den Boden herunter lassen kann.

Zu Hesindian gewandt meint er:

"Meenste, Du kannst uff diesen alveranschen Schatz uffpassen?"



IN HAVENA - In Immanstadion: Zoff auf der Tribüne - Alberik und Ole


"Ja!" bekräftigt Ole "Dann woll'n wir mal"

Und er folgt dem Zwerg in die 'Gasse'. Als er so, Schritt für Schritt, an den dichtgedrängten Menschen vorbeigeht, packt ihn wieder der Übermut und schelmisch spricht er wahllos Leute zu seiner linken und zu seiner rechten Seite an.

"Haben sie DAS gehört, da will sich dieser Kerl öffentlich in einem vollbesetzten Stadion erleichtern!"

Ole tut fürchterlich empört und die Leute nicken ihm zu. Sie merken ganz offensichtlich nicht, dass sie gerade dem Erzeuger dieses Tumultes beipflichten. Sie fühle sich sogar von ihm verstanden in ihrem gerechten Ärger. Und so setzt Ole sogar noch eins drauf:

"Man solte diese Barbaren sofort aus dem Stadion werden, direkt in eine Sickergrube, dort können sie dann von sich geben, was immer sie lustig sind!"

Die Menge quittiert Ole's Bemerkung mit zustimmenden Gelächter. Und der alte Schiffszimmermann geht wieder ein paar Schritte weiter, dreht sich noch einmal um und droht in die oberen Ränge:

"Das wird noch ein Nachspiel haben, das sind schließlich unzumutbare Ferkeleien!!!"

Ole hat zwar keinen der Zuschauer, die dort oben stehen mit dem Blick fixiert, doch die aufgebrachte Menge hat sofort einen 'Schuldigen' lokalisiert, irgendeinen armseligen Mann, der dort 'unschuldig' herum steht und der sich jetzt verwirrt umblickt und sich gar nicht erklären kann, warum er sich plötzlich dem allgemeinen Volkszorn ausgesetzt fühlen muss. Es ist ihm ausgesprochen schleierhaft, wieso die Leute ihm wütend anbefehlen, seine Notdurft in Zukunft zu Hause zu erledigen.

Einem älteren Herren erklärt Ole nun:

"Sind das vielleicht Zeiten heutzutage. Ich frage mich manchmal wohin das noch führen soll!"

Der älter Herr nickt und seufzt. Wie oft hat er sich doch schon die gleiche Frage gestellt. Ole unterdessen beschleunigt seine Schritte, dass er den Sohn des Alberik nicht verliere, wenn sich die Gasse wieder schließt, denn ewig werden die Menschen nicht so dicht gedrängt stehen wollen, um so mehr, als sich ja nun doch kein warmer Harnstrahl seinen Weg suchen sollte.

Dann sagt er zu Alberik:

"Ein paar Schritt noch, dann sind wir ganz vorne dran und dann wirst du sehen, dass Imman mindestens genauso 'schmackhaft' ist, wie Zwergenbier!"



Alberik spricht keinen der Menschen an, an denen das Gespann aus Zwergen und Thorwaler Riesen vorbeikommt.

'Schnell nach vorne, bevor sich die Lücke wieder schließt.'

Denn um wirklich etwas vom Spiel sehen zu können, muß der Angroschim weit nach vorne gehen.

"Wenn du echtes Zwergenbier kennen würdest, wüßtest du, daß es durch nichts auch nur annähernd ersetzt werden könnte," erwidert er auf die Behauptung von Ole.

"Das Bier, was einige Zwerge an die Menschen verkaufen ist zwar gut, aber keiner von euch Großlingen wird jemals in den Genuß eines Bieres aus Xorlosch kommen. Ich selber hatte nur einmal das Glück, es trinken zu können, denn die Erzzwerge verkaufen es noch nicht einmal an andere Söhne Angroschs."

Mittlerweile wird die Passage wieder enger. Doch ein wenig will Alberik noch nach vorne, denn viel sehen kann er immer noch nicht. Die Arme werden benutzt, um sich weiter vor zu drängeln.

"Entschuldigung."

"Mach mal Platz, ein Notfall."

"Dürfte ich mal eben..."



Ole lacht dröhnend.

"Wer weiß, wer weiß, vielleicht würden Xorlosch's Angroschim, wüßten sie um dieses Spiel, in ihrem unterirdischen Gewölbe eine echte Imman-Grotte heraus meißeln und dort ihr gutes Bier zum Ausschank kommen lassen?"

Wieder erfolgt ein donnerndes Gelächter des Schiffszimmermanns und einige seiner Nachbarn fahren erschrocken herum, da sie befürchten, die Tribüne könnte einen derartigen Kravall nicht aushaltend und in sich zusammen sinken.

"Aber einmal Spaß beiseite. Imman ist ein ganz einfaches Spiel. Ein Korkball muß in das Tor des Gegners gebracht werden. Das Tor ist nicht sonderlich hoch und hat außerdem noch eine Querstangen. Trifft man über diese Querstange ins Tor, gibt es drei Punkte, darunter nur einen. Zwei Mannschaften, mit je fünfzehn Spielerin oder Spielerinnen stehen sich gegenüber. Gespielt wird mit einem Korkball der mit Eschenschlägern geführt, gespielt oder abgeschossen wird. Im Kampf um den Ball ist so ziemlich jeder Griff erlaubt, auch wenn's unschicklich sein sollte oder gar wehtut. Magie ist verpönt und auch der Gebrauch von Waffen ist nur mit der Genehmigung des Schiedsrichter erlaubt!"

Ole räuspert sich.

"Kleiner Scherz am Rande. Natürlich sind Waffen nicht gestattet und auch der Schläger darf nicht zu einer solchen umfunktioniert werden. Aber sonst gibt es keine Einschränkungen. Man darf den Gegenspieler ungeniert unter den Boden trampeln. Es soll Spieler geben, die während des Spiels verschwunden sind und die man erst Jahre später beim Umgraben des Spielfeldes entdeckt hat. Aber das ist wahrscheinlich nur ein Gerücht!"

Inzwischen bemerkt auch Ole, dass die Gasse, welche die Zuschauer bereitwillig vor ihnen gebildet haben, nun doch immer enger wird und ein Vorwärtskommen erschweren. Das macht Ole etwas ungeduldig. Zu einer jungen Frau die Alberik und ihm im Weg steht und offensichtlich nicht begreifen will, dass sie jetzt zur Seite gehen soll, wirft Ole zu spöttisch:

"Komm schon, Mütterchen, schwing dich aus dem Weg, wir werden schließlich auch nicht jünger!"

Zu einem Herren mittleren Alters, der sich wegen des Vorfalls mit der jungen Dame fürchterlich aufregen muss, meint Ole mit süßlich freundlichem Ton:

"Alveran befohlen, Sohnemann, BORon wird dir sicherlich noch viele Götterläufe gewähren, nur dann nicht, solltest du unter unsere Stiefel geraten!"

Der Mann schimpft und zetert lautstark, ist aber sofort still wenn Ole zu ihm zurück schaut, beginnt aber sofort wieder mit seinen Tiraden, sobald der Zimmermann wieder nach vorne blickt. Ole zuckt mit den Schultern und schiebt den Zwerg fast ins Gedränge hinein, sowie es ein Landsmann, seinen Pflug ins harte Erdreich zu treiben gewohnt ist.



Alberik gelangt immer weiter nach vorne, was nicht nur daran liegt, daß der Zwerg noch ein Stück weiter will, sondern auch an Oles Drängelei, die ihn immer noch ein Stückchen vorwärts drängt.

Doch Alberik fällt gerade ein, daß er hinten noch etwas vergessen hat.

'Mein Spiegelpanzer. Wasuren hat doch noch meine Rüstung.'

Ganz plötzlich bleibt der Angroschim vor Ole stehen und will sich umdrehen.

"Ähm, könnten wir..."



Fast wäre Ole auf den Zwerg aufgelaufen. Der alte Schiffszimmermann starrte gerade wie gebannt auf das Spielfeld. Es sieht nicht gut aus für die 'Pottwale'. Sie spielen nicht schlecht, doch zu kraftvoll, zu schnell und zu unüberlegt. Da macht man dann Fehler, so wie man überdeutlich sehen konnte. Und die 'Bullen' sind nicht die Mannschaft, die solche Fehler nicht ausnutzen würden, sozusagen als ein willkommenes 'Geschenk'.

SWAfnir sei Dank, Alberik hatte Ole angesprochen bevor er so plötzlich stehen geblieben war, der Schiffszimmermann kann also rechtzeitig anhalten, noch ehe er den Zwerg überrennt und leicht verwirrt nachfragen:

"Was ist was ... ?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Hasgar ist noch immer fürchterlich wütend auf sich selbst, da er es zugelassen hatte, dass ihn die Gier nach einem Tor so blind hatte handeln lassen. Also gut, er hat den Ball nun verloren! Das heißt für nunmehr, dass er den verdammten Kork auch wieder zurück erobern muss, dass ist er sich und der Mannschaft schuldig. Und so rennt er los, Romolosch hinterher. Allerdings hat er, allen seinen Bemühungen zum Trotz, nicht die geringste Gelegenheit den Zwerg auch wirklich einzuholen, zu groß ist dessen Vorsprung, zudem schmerzt das Bein Hasgar's noch sehr und hindert ihn seine Schnelligkeit voll ausspielen zu können. Aber versuchen muss er es, das ist Ehrensache. Vielleicht kann Aki den Zwerg aufhalten und dann wäre Hasgar wieder im Spiel!

Doch was ist das ..... ?

Was macht Aki denn da ....?

Träumt der etwa von besseren Zeiten, oder was ???


***


In der Tat, Aki träumt! Seine Gedanken sind weit weg vom Spiel. Man könnte sagen, Aki's Aufmerksamkeit ist total in die Hose gegangen, wenn auch nicht in die eigene. Lyn's 'Vorbau' ist im mittlerweile völlig zweitrangig gewonnen, er hat Feuer gefangen und will jetzt mehr, viel mehr!!

Also raunt er Lyn, als sie an ihm vorbei ins Spiel zurückkehrt, noch kurz ins Ohr, ehe er den Kontakt verliert:

"Also dann, bis nach dem Spiel! Du zeigst mir, wie man sich richtig benimmt und ich werde es dir einfach nur so zeigen .... !"

Aki grinst! Er wird diese Frau schon noch zu Singen bringen, das steht einmal fest. Wahrscheinlich hätte es Aki auch gerne gefallen, den Ball an sich zu bringen, aber der Kork wird an ihm vorbei getrieben und er merkt es nicht einmal.


***


Algrid nickt widerwillig Ifirnsgiron zu. Die Ansprache des Schiedsrichter zeigt offensichtlich Wirkung. Der Kapitän der 'Pottwale' atmet auf und löst seinen Klammergriff, mit dem er das 'Feuerhaar' gebändigt hatte. Er ist sich sicher, dass sich Algrid jetzt wieder im Griff hat. Jedefalls mehr, als dieser Scibor auf der anderen Seite. Dieser Mann muss vom Wahnsinn befallen sein, seine Augen glühen regelrecht, als forderten sie Blut. Seine Körperhaltung ist immer noch angespannt, der Kampf ist nur vertagt, nicht aufgehoben. Auf dieses 'Besessenen' wird man sehr gut aufpassen müssen. Ifirsgiron blickt zurück, Thinmar suchend. Doch der befindet sich in der Obhut Faenwulfs und stellt für den Moment keine Gefahr mehr da.

Doch viel wichtiger ist jetzt: Wie ist die Lage im Spiel? Der Kapitän hat nur am Rande mitbekommen, dass die 'Pottwale' den Ball verloren haben und sich nun die 'Bulle' in Vorwärtsbewegung befinden. Ifirnsgiron wird ganz bleich, als er erkennen muss, dass das zentrale Mittelfeld fast völlig entblößt ist. Nur Frenhild steht der Angriffsfront entgegen und wird dabei wahrscheinlich wenig zu bestellen haben. Die Angreiferin auf dem linken Flügek, hat sich wie ein Wiesel durch die Abwehrreihen der Premer gewunden, nur noch Ingvar steht bei ihr, da Faenwulf gerade Thinmar besänftigt.

Ifirnsgiron flucht innerlich. Er hat das kommende Geschehen schon konkret vor den Augen und es will ihm keine Taktik einfallen, wie man dies verhindern kann.


***


Faenwulf ist sehr ruhig und spricht sehr sachlich. Er ist immer gerne bereit jungen Spielern Ratschläge zu geben. Er hat schon eine Riesenerfahrung, der alte Immanfuchs. Nur ein kurzer Blick auf Scibor enthüllt ihm die wesentliche Chrarktermerkmale seines Gegenspielers.

"Du muss vorsichtig sein, Thinni! Dieser Mann ist von Zerstörung beseelt, er ist sehr gefährlich!! Wenn du ihn umhaust, dann hau ihn so um, dass er nicht wieder aufsteht, sonst ist Scheiße Trumpf, das kann ich dir sagen! Hör mir mal genau zu .... !"

Die letzten Worte verlieren sich in leisem Gemurmel. Nur Thinmar kann sie verstehen und er hört sehr aufmerksam zu. Nach und nach zieht ei seliges Lächeln über Thinmar's Gesicht, er scheint sich sehr zu amüsieren und er nickt eifrig zu dem, was ihm Faenwulf zu sagen hat. Als der alte Abwehrrecke seine Erklärungen beendet, erklärt ihm Thinmar mit entschlossener Miene:

"Ja, genauso mach ich es ....!"

Dann kehren beide ins Spiel zurück. Faenwulf eilt nach hinten, um die Verteidigung zu stärken und Thinmar rennt ins Mittelfeld .....


***


Frenhild, die Fee fragt sich im Moment ernsthaft, warum sie heute überhaupt aufgestanden ist. Zuerst hat sie die 'Ehre' dem berühmten Chatal gegenüber zu stehen und jetzt sieht sie sich bedrängt von Dunvallo. Der hat zwar keinen Ball am Schläger, aber sicherlich schon einen Plan im Kopf. Was hat er nur vor? Auf seine dummen Bemerkungen kann sie auf jeden Fall verzichten und sie antwortet lediglich mit einer obszönen Geste, das sollte genügen, auch für den 'großen' Dunvallo!

Ebenso mißmutig sieht Frenhild das Aufrücken der Zwillinge. Die Bewegungen der 'Bullen' haben ein System, doch welches? Da tun sich nun ja mehrer Aufgaben zugleich für sie auf, eine schreckliche Situation! Und Frenhild weiß jetzt schon, dass, wie immer sie sich entscheiden würde, ein grässlicher Fehler entstünde. Wo sind denn nur die Mittelfeldspieler der 'Pottwale'. Frenhild fühlt sich einsam, so einsam, wie man sich auf einem Spielfeld mit dreißig Spieler, in einem Stadion mit tausenden von Zuschauern nur fühlen kann.


***


Tula will gerade los rennen, als sie unvermittelt auf Faerwyn aufrennt.

'Seitenwechsel' meint dieser, eine blöde Bemerkung, hätte er sich sparen können. Tula versucht erst gar nicht den blockierenden 'Bullen' umzurennen, das würde sie eh nicht schaffen, aber sie setzt an, sich an ihm vorbei zu drückten. Sie geht ein wenig in die Knie dabei und zieht die Schulter nach vorne. Das verleiht ihr mehr Wucht und die Angriffsfläche verringert sich, Faerwyn hätte es dann nicht so einfach sie fest zu halten. Aber Faerwyn hat ihre Absicht durchschaut und er geht einfach einen Schritt zur Seite, da hilft Tula auch keine größer Wucht mehr etwas, ihr Durchbruch wird vereitelt.

Aber Tula ist wendig. Sie dreht sich nach links, einmal um die eigene Achse und danch startet sie ihren Angriff erneut ....


***


"Eine kleine Pause?" fragt Ragnid mit ebenso spöttischem Unterton. Dabei blickt sie Tibraide starr in die Augen.

"Warum nicht!" erklärt sie dann und stellt ihren Schläger auf die Erde, um sich mit dem Ellbogen auf ihn zu stützen. So steht sie nun, als ob sie auf eine Fähre warten würde und schaut dem weiteren Verlauf des Spiels zu.

'Ich bleibe besser einmal hier' denkt sie sich, innerlich grinsend 'dann haben die 'Bullen' hier etwas, worauf sie aufpassen müssen und können nicht auf breiter Linie vorrücken.'

Ragnid gähnt ein bisschen, betrachtet danach ihre Fingernägel, als stünde dort schon das Endergebnis geschrieben, zuletzt wendet sie sich Tibraide zu und sagt:

"Und du? Willst du dir nicht auch ein wenig Rast zubilligen, so 'angegriffen' wie du aussiehst?"



Raika huscht wie vom Wind getragen umher. Ihr ist schon etwas mulmig zumute, immerhin ist sie die einzige Stürmerin der Bullen hier vorne. Und was sie auch tut - es will ihr einfach nicht gelingen, diesen großen Nordländer abzuschütteln, der ihr beharrlich und hartnäckig auf den Fersen ist. Zwar gelingt es ihr, hin und wieder durch einen kleinen Haken etwas Luft zu gewinnen, aber so langsam geht ihr doch die Puste aus. Und dabei ist es doch wichtig, dass sie frei ist, jetzt wo die Bullen endlich den Ball erobert haben...


***


Lyn schießt dem Schiedsrichter noch einige giftige Blicke hinterher, wie Blitze stechen sie in seinen Rücken, während sie ihr neues Trikot anzieht. Zornig raunt sie Glenna, die sich vor sie gestellt hat, um sie vor den Blicken der Fans abzuschirmen, zu:

"Dieser... dieser Torfkopp! Was erlaubt er sich eigentlich... Frechheit..."

`Was für ein Spiel - erst wird man ignoriert, dann reißt einem so ein Barbar das Hemd von Leib und sabbert mich noch dumm an und der Schiri hat auch nichts besseres zu tun, als das Trikot zu kontrollieren, während ich halb nackt auf dem Feld stehe...`

Glenna nickt nur. Was soll sie auch sagen? Für einen kurzen Moment empfindet sie so etwas wie Mitleid für von Klipp, den sie ahnt, dass Lyn seine Behandlung nicht vergessen wird. Und Lyn kann ein richtiges Biest sein!

Als Lyn ins Feld zurückkehrt, schenkt sie Aki keine Beachtung. Im Gegenteil, sie macht es sich zur Aufgabe, den - wie sie findet - etwas dümmlich grinsenden Thorwaler mit Nichtbeachtung zu strafen, besonders nach den Worten, die er meint, ihr zuflüstern zu müssen. Soll er doch lernen, wie man(n) sich richtig benimmt!


***


Scibor geht grummelnd ein, zwei Schritte zurück und mustert die Linie der Premer vor ihm scharf. Nun gut, der Schiedsrichter hatte ihn gewarnt, noch einmal angreifen kann er nicht - auch wenn er nichts lieber täte, als den ganzen Haufen in ein Feld aus Blut und Knochen zu verwandeln - aber sie sollen nicht glauben, dass sie Gnade zu erwarten haben, sollten sie tatsächlich so

dumm sein, an ihm vorbei zu wollen...


***


Besorgt wirft Cathal noch einmal einen Blick zurück. Doch scheint sich Scibor erst einmal etwas zurück zu ziehen und sich ruhig zu verhalten.

`Hoffentlich bleibt das so... na, wenn das mal gut geht...`

Doch dann konzentriert er sich wieder auf den Kork. Für ihn ist die Situation so ziemlich eindeutig, für den Kork kann es nur ein Ziel geben. Und es ist doch selbstverständlich, dass er ein Station auf dem Weg zum Premer Tor sein wird, oder?

Mit kräftigen Schritten stürmt er Richtung Mittelfeld, um sich anzubieten, wenn der Ball hier vorbei »kommt«.


***


Cathal kann über Frenhilds Geste nur lächelnd die weißen Zähne blecken. Aus reiner Hilflosigkeit und sturem Trotz geboren kann sie nicht verletzen, eher belustigen.

"Wie du willst"

Selbstsicher wirft er der anderen, der wilden Frenhild einen kurzen Blick zu, dann geht er etwas seitlich in Position, um die Zwillinge im Blick behalten zu können. Seine rechte Hand hält den Schläger mit einer Mischung aus Kraft und Eleganz, während die linke Handkante ganz verspielt in Richtung »Feenhild« einen Hieb andeutet für Aussenstehende kaum zu sehen, aber für die Fee bestimmt nichts Gutes verheißend.


***


Faerwyn wäre nicht im Immansport so alt geworden, wenn er nicht die meisten existierenden Tricks kennen würde. Und diesen Trick, den Tula da anwendet ist wohl schon fast so alt wie das Immanspiel selbst. Nun, zugegeben, sie ist etwas schneller als erwartet - oder vielmehr ist er doch langsamer als früher, wie er einmal mehr grimmig feststellen muss, doch das macht nichts. Zwar kommt seine Reaktion fast zu spät, aber eben nur fast. Faerwyn weiß die kleinen Anzeichen zu deuten, die ihr Muskelspiel verrät und als sie um ihre eigene Achse wirbelt, tut er so, als wäre er auf ihr Täuschungsmanöver hereingefallen, streckt sich etwas zur Seite, »öffnet« jene, durch die Tula zu entwischen hofft. Wenigstens scheinbar. Denn er weiß, dass Spieler, die diesen Trick anwenden, sehr oft das Bein übersehen, dass er als Fussangel ausgestreckt hat.


***


Tibraide stutzt kurz. Das hatte sie nicht wirklich erwartet.

`Sie ist nicht schlecht. Bleibt hier, bindet uns damit und ist später ausgeruht, um bereit zu sein, falls der Ball zurück kommt. Kompliment. Cleverer als ich dachte.`

Die Spielerin stoppt ihre Tänzelbewegung und kommt neben Ragnid zum Stehen

"Ouch, warum nicht." entgegnet sie im lockeren Plauderton. "Leider habe ich aber gerade keinen Tee da, den ich dir anbieten kamm um deine gespannten Nerven zu beruhigen. Tut mir leid. Aber mach dir wegen mir keine Sorgen, ich fühle mich sehr »gestärkt«..."

Dabei lässt sie ihre Gegnerin nicht aus den Augen. Bei der kleinsten Muskelregung wäre sie bereit, sofort wieder in den Block zu gehen


***


Rumpo sieht etwas verdutzt auf die beiden Frauen

`Wasn jetzt?`

Er kann nicht ganz verstehen, umn was es hier geht und warum sie einfach stehen bleiben, so als hätten sie sich auf dem Markt zum Plaudern getroffen. Aber da Tibraide noch nichts Gegenteiliges gesagt hat und die Premerin immer noch hier ist, beschließt er einfach weiter zu blocken. Das kann schließlich nie schaden, oder?


***


Präzise wie von einer Schnur gezogen fliegt der Kork durch die Luft, genau auf das Ziel zu. Zwerge stehen schon seit jeher in dem Ruf gute Schützen zu sein und Romolosch beweist einmal mehr, dass das nicht nur für die Armbrust gilt. Genau im richtigen Augenblick landet er und wird sogleich von einem eifrig geführten Schläger aufgenommen.


***


Diesen Schläger führt niemand anderes als Cuil. Er hatte es gewußt - so viele Male hatten sie dieses Manöver geübt - und so war er darauf vorbereitet, den Kork sofort weiter zu führen. Doch der Kork bleibt nicht etwa an seinem Schläger kleben. Nein, fast sofort, nachdem er ihn aufgenommen hat, gibt Cuil ihn auch schon mit einem geschickten Seitentipp weiter, an Gun. Nebeneinander stürmen die beiden Zwillinge der Mittellinie entgegen, der Ball steht kaum einen Moment still. Ständig wechselt er hin und her, von Gun zu Cuil, von Cuil zu Gun und ständig weiter. Und doch wird er immer weiter der Premer Hälfte entgegen getragen.


***


Romolosch bremst plötzlich ab und stemmt sich gegen das Gras nach hinten. Spitz ragt sein Ellenbogen auf und mit seiner kompakten Gestalt und den leicht gespreizten Beinen wirkt er tatsächlich ein bißchen wie ein Küstenfelsen, an dem sich das Meer bricht. Und genau so etwas hat er auch vor. Erfahrungsgemäß dürfte der Stürmer, dem er den Ball abgenommen hat, ihm recht bald gefolgt sein und mit seinen langen Beinen ist er bestimmt schon nahe heran - nahe genug, um sich an dem Felsen zu brechen? Zufrieden blitzen die felsgrauen Augen zwischen den aufgemalten Kohlensalbenstreifen hervor. Hach, ist das heute wieder ein Spaß!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Schiedsrichter


Außer den grundlegenden Kenntnissen des Regelwerks zeichnen einen guten Schiedsrichter zwei Merkmale aus. Zum einen wäre dies ein gutes Auge und zum anderen ein gutes Gehör. Und hören kann Randalbert von Klipp wie ein Luchs. Böse Zungen wissen zu erzählen, dass es von Klipp schlaflose Nächte bereiten kann, wenn im Frühjahr das Gras zu laut wächst. Und so ist ihm auch Lyn's 'freche' Bemerkung nicht entgangen.

"Das mit dem 'Torfkopp' wird ein Nachspiel haben, junge Frau!" ruft er Lyn zornig nach, als die Spielerin auf das Feld zurückkehrt.

Und so beschließt von Klipp in seinen Gedanken:

'Sollte sich diese Spielerin auch nur eines einzigen Regelverstoßes schuldig machen, dann wird sie so schnell vom Platz fliegen, dass sie mehr verliert als nur das Hemd !'



IN HAVENA - Vor dem Stadion: Fiana's Wege


Fiana kann bereits am Gröhlen und Schreien der Massen im Stadion erkennen, dass sie bereits nahe herangekommen ist - UND - das das Spiel schon voll im Gange ist. Gut, damit hatte sie gerechnet, aber doch irgendwie gehofft eine saftige Prügelei oder Ähnliches hätte das ganze noch ein wenig verzögert.

Angespornt von den Rufen der Fans, eilt sie sich deutlich und der Lohn der Mühe ist das Stadion , welches nun in ihr Blickfeld gerät.



Von der grölenden Masse angetrieben, die dort im Stadion steht und sitzt, eilt Fiana voran, doch ein Stück vor dem eigentlichen Stadion verlangsamt sich ihr Gang.

'Was ist das' denkt sie sich während sie einen großen Hund und eine kleinen dicklichen Mann erblickt. Eigentlich wäre der Anblick ja nicht so ungewohnt, schließlich gehen viele Menschen mit ihren Hunden 'Gassi', aber in diesem Fall wirkt es so, als ob der Hund mit dem Menschen Gassi geht... Und zu allem Überfluss kommt ihr das Gespann auch noch bekannt vor...

'Ist das nicht der Hund der Freifrau und ihr Diener?' fragt sie sich, doch bevor sie sich endgültig sicher sein kann, denn es ist ja noch ein wenig Weg zwischen ihnen, eilt der Hund mit niederhöllischem Tempo davon und wäre der Mann nicht so dicklich, so würde er wohl mehr wie ein Rivaer Papierdrache im Wind hinter ihm her fliegen, denn laufen...

Aber da sie zum einen zum Spiel will und die beiden zum anderen bereits wieder ihrem Blickfeld entschwinden geht sie lieber weiter zum Stadion, wo sie sich in Richtung der Premer Fankurve orientiert und einen nahegelegenen Eingang sucht.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Rasante Stadtbesichtigung


Der Hund hat noch nichts an Schnelligkeit verloren, obwohl er schon, zumindest für die letzte Zeit, mehr Lasten hinter sich herziehen musste, als ein Packpferd auf der Strecke von Festum nach Chorhop. Botos Ausdauer ist, auch dafür gesehen, dass er ein Hund, wenn auch ein großer, doch eben kein Lastentier ist, außerordentlich beeindruckend. Seine Kraft ist es ohnehin, dass kann er noch immer mit Leichtigkeit unter Beweis stellen. Die Leute die nicht rechtzeitig auf die Seite kommen, rennt er einfach um, so, dass seine Opfer wie trockenes Laub auf die Seite wirbeln. Radisar kommt gar nicht mehr nach, sich immer wieder nach links und nach rechts zu entschuldigen, dass es ihm leid tät, er aber nichts machen könne und so weiter.....

Schon nach wenigen schrecklich langen Momenten, die dem kleinen Diener als ein Krönung seiner Qual erscheinen, ist der Eingangstunnel zum Stadion durchschritten, es wird wieder Licht. Dias Echo der Schreckensrufe der Leute hinter ihm hallt in diesem Gewölbe mit beachtlicher Macht hin und her und vermischt sich mit dem Gebrüll der begeisterten Imman-Freunden im Stadion. So geht es für Radisar mit einem deftigen 'Juhuu' in das Innere des Stadions, obwohl er sich einem klagenden 'O Weh' wesentlich näher fühlt.

'Aha, das Spiel läuft schon ....!" denkt sich der kleine, dicke Diener noch hilflos, doch dann zwingt ihn der dämonische Hund auch schon auf den Rasen der Arena, den zu betreten sonst nur den Superhelden des Imman-Sports vorbehalten bleibt. Quer durch das Spielfeld wird er gezerrt, vor den Augen tausender von Zuschauern, die nun alle miterleben dürfen, wie uneingeschränkt der Hund über den Herren triumphiert. Radisar schämt sich fast zu Tode. Jeder Grashalm des 'geheiligten' Rasens rammt seine Füße wie eine schwer verletzende Speerspitze.

Glücklicher Weise wird auf der Bahn Boto's gerade nicht gespielt, das Spielgeschehen läuft gerade auf der anderen Seite ab, so stehen die Spieler nicht so dicht, obwohl Radisar sich schon fast damit abgefunden hat, zu seinem sonstigen Verdruss, auch noch einen scharf geschossenen Ball an den Schädel zu bekommen. Doch es sieht so aus, als käme er unbehelligt über den Rasen. Radisar kann eben noch erkennen, dass ihn der Hund der Ehrentribüne näher zerrt. Doch bisher ist er nicht gestürzt, noch hat er einen der Spieler in ungehöriger Weise von dessen Aufgaben abgehalten,

Lediglich an einer Spielerin mit langen blonden Haaren kommt das ungleiche Gespann etwas dichter vorbei. Der Anblick der jungen Frau läßt Radisar seine missliche Lage kurz vergessen, denn sie ist wirklich ein Blickfang ohne gleichen. Sie scheint im Augenblick nicht mitzuspielen, denn sie zerrt und reisst an ihrem Trikot herum, als müßte sie es einer Salbe gleich über die Haut verteilen. Offensichtlich bemüht sie sich gerade ihre gewaltiger Oberweite in der Enge des Trikots möglichst bequem zu plazieren. Das ist keine leichte Aufgabe, bei diesen Riesenbrüsten. Oh, siehe da, kann das sein oder spielt dem kleinen Diener die ausgezehrte Wahrnehmung wieder einen Streich? Sie hat einen kleinen Leberfleck im Gesicht, wie apart, wie .... so unglaublich anregend!

"Meine Verehrung, Gnädigste ... !"

Das ist alles, was Radisar aus der ausgedörrten Kehle heraus stammeln kann, denn Boto hat keinen Blick für derartig wunderschöne, rahjanische Erscheinungen und er zerrt den Diener immer weiter unbd weiter und weiter und .... -schwuppst- .... sind sie an der Dame auch schon vorbei hgestürmt!

'Ist die aber gut aussehend!' denkt sich Radisar mit weltmännischer Kennermiene und er gerät in eine träumerische, ja fast schon schwärmerische Stimmung, die ihn sich fragen lässt, ob er da nicht der schönen Göttin selbst begegnet sein könnte. Für einen winzigen Moment erfüllt ihn die blanke Lust, das Leben als solches als das Schönste seiner Art zu bezeichnen ....

Er hätte wohl besser nach vorne gesehen, anstatt wie ein verliebter Gockel nach hinten zu gaffen, in die Frage vertieft, wer wohl die größeren Brüste haben würde: Diese Spielerin oder Lola, jene holde Maid, deren Bekanntschaft er die Ehre hatte zu gewinnen. Tja, wenn er dies alles nicht gemacht hätte, dann wäre ihm wahrscheinlich die kleine Barriere, welche die Ränge für die Zuschauer vom Spielfeld abtrennt, nicht verborgen geblieben. Der Hund nimmt dieses kleine Hindernis mit eine leichten Sprung, das strengt ihn ihn nicht sonderlich an. Doch Radisar, der nichts Böses ahnt und zudem den Zustand seines 'stählernen' Leib ausschließlich mit guten und reichlichem Essen und Trinken formt, rennt voll dagegen, wird dann sozusagen, wie eine formlose Masse über die Mauer geschleift. So fängt den anschließenden Sturz geschickt mit der Nase ab, die dann, aus verständlichem Protest heraus, die unbotmäßige Behandlung beklagend, einem Springbrunnen gleich, zu bluten beginnt.

Verdammt, tut das weh! Es sollte aber noch schlimmer kommen. Die Zuschauer machen dem großen Tier, das wie ein wie ein Keil streitlustiger Marus in ihre Mitte dringt, bereitwillig Platz. Wer wollte schon einem Orkan gebieten? Es gilt als ein ehernes Gesetz in Havena: Große Tiere und 'hohe Tiere' haben immer Vorfahrt, denn beide können böse beißen!. Das dem Hund auch noch ein kleines Anhängsel folgt, der von Stufe zu Stufe geschleift wird und dabei in hübsches Muster blauer Flecken in den Hintern gedrückt bekommt, nehmen die Leute belustigt zu Kenntnis, manche glauben sogar, es könnte sich um eine gelungen Einlage der Veranstalter handeln. Daher geben viel Leute brav Applaus, als die 'wilde Zwei' vorüber zieht und wenden sich dann wieder dem Spiel zu.



IN HAVENA - Vor dem Stadion: Jandara's Wege


Einige Strähnen ihres roten Haares klebten verschwitzt an Jandaras Stirn. Ein wenig erschöpft wischte sie sie mit dem Handrücken beiseite. Seit wenigen Minuten lehnte sie nun so an der Außenmauer des Stadions. Hier draußen herrschte im gegensatz zu drinnen eine wohltuende Ruhe. Nur eine handvoll Menschen bewegten sich über den Platz. Müde schüttelte die junge Frau den Staub aus ihren Kleidern und setzte sich langsam in Bewegung. In Richtung Südhafen.



NORDSTERN - Im Laderaum 1: Kätzchen und Klabauter


Zur Bestätigung der Bemühungen Meergrüns stimmt Traumauge ein wohliges Schnurren an und legt sich wieder direkt vor den kleinen Mann. Es ist zwar nicht ganz richtig, aber noch nie hat eine Nicht-Katze seinen Namen so gut ausgesprochen. Hmm genaugenommen hat es auch noch nie eine nicht Katze gegeben die ihn richtig verstehen kann geht ihm durch den Kopf.

Dann blickt er ihn etwas bedrückt an und meint:

"Mi Mou Auoi Aui Mi Meo Ma Meoui Me Miou"



Auch auf Meergrüns Gesicht ist ein bedrückter Ausdruck, als er den kleinen Kater ansieht. Das Rätsel hat ihn wieder an die Ratte erinnert, und andersherum. Und die Ratte ist ein Problem.


"ja du hast recht

das monster iist


doppelt so schwer

wiie wiir beiide"


Ein ernstes Problem. Ein Klabauter ist schließlich nicht zum Spaß auf dem Schiff. Ein Klabauter hat wichtige Aufgaben. Manchmal muß er nur Möwen vom Segel verjagen. Manchmal muß er auch das Steuer übernehmen, wenn der Kapitän gerade schläft. Und manchmal muß er auch das ganze Schiff retten.


"ratten sind fiies

fressen futter


nagen seiile

und lecks iins holz


schiiffe siinken

und gehn verlorn


wenn ratten siie

überrennen"


Normalerweise ist die Rattenjagd ja ein Vorrecht der Schiffskatze, aber in diesem Fall ... vielleicht geht nur der uralte Krieg zwischen den Kobolden und den Ratten in eine neue Runde.


"das monster darf

niicht bleiiben hiier


komm jagen wiir

es zusammen"



Traumauge macht ein freudiges Gesicht, gemeinsam ist es ihnen vielleicht möglich das Ungetüm zu erledigen, gemeinsam mit seiner Mutter hat er ja auch alles Jagen können was hier an Bord umherlief.

"Mei Me Maui Eau Iau"



"eiine iidee

hmmmmal nachdenken"


Meergrün zupft sich am Schnurrbart. Rattenjagen gehört nicht zur Grundausbildung eines Klabauters. Zwar führen die Kobolde seit Urzeiten Krieg gegen die Ratten. Aber das ist jetzt auch schon eine Weile her. Meergrün hat sogar von seinem Urgroßvater einen Rattenger geschenkt bekommen. Den hat er stolz über die Tür gehängt. Aber nachher nie angefaßt.


Aber Klabauter sind ja nicht dumm. Nach nur zwei Augenblicken holt Meergrün aus seiner Manteltasche ein Stück magische Kohle und hält es triumphierend hoch.


"so iich weiiß was

wiir jetzt brauchen


eiinen plan und

eiine taktiik"


Er sieht sich kurz um und läuft dann zum Gang. Dort verbreitet das Öllämpchen zumindest etwas Licht und man kann den Boden sehen. Der Klabauter winkt den Kater heran. Dann bückt er sich und beginnt, die Umrisse eines Schiffes in schwarzen Strichen auf den Boden zu zeichnen.



Neugierig folgt Traumauge dem Wink des Klabauters und betrachtet interessiert dessen Versuch den Boden zu beschmutzen. Das er nicht ganz versteht, was der kleine Zweibeiner da vor hat lässt ihn nicht davon abkommen weiter zu zu schauen, vielleicht versteht er ja noch.



"hiier iist der bug

und da das heck


meiine kiiste

lagerräume


stiiege messe

und kombüse


eiin hoher mast

steuerradrund"


Langsam findet vor dem Klabauter ein wahres durcheinander von Linien ihren Platz. Aber alles ist völlig verrückt. Kleine Dinge, wie seine Wohnkiste, sind riesengroß. Und die Messe ist ganz klein. Eben so, wie ein handspannengroßer Klabauter ein Schiff sieht.

Auch bei der Perspektive muß der Kater gut hinschauen und eine starke Phantasie haben. Wie man manchmal eine Nase als offenes Dreieck mitten ins Gesicht malt, so hat Meergrün ein paar Sachen verdreht. Man sieht das Schiff zwar von oben, aber der Mast ragt nach Steuerbord raus. Das Steuerrad liegt platt auf dem Brückendeck, so daß man seine Streben sehen kann. Und die Treppen sind schwungvolle zick-zack Linien.

Aber Meergrün ist sichtbar von seinem Werk begeistert. Er wischt sich mit der Hand über das Gesicht und verteilt dabei ein wenig Kohle über seinen Brauen und im Bart. Das bemerkt er aber nicht mal, denn jetzt kommt das Wichtigste! Nur was?


"an diiesem ort

siind wiir beiide"


Der Klabauter malt ein Gesicht mit zwei sehr spitzen Ohren. Und eines mit einer spitzen Nase und Kulleraugen. Beide haben einen Schnurrbart.


"ganz da hiinten

iist diie ratte"


Meergrün läuft zur hinteren Seite des Plans. Dorthin kommt ein Gesicht mit sehr spitzen Ohren, einer sehr spitzen Nase und Punktaugen. Dann steht er auf und betrachtet sein Werk, auf der Suche nach einer Idee. Dann sieht er unsicher den Kater an.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Gespannt verfolgen die Havena'er Zuschauer den Weg des Balles und die entsprechenden Bewegungen ihrer "Helden", die alles unternehmen, um in günstige Positionen zu kommen, auf denen sie den weiteren Weg des Korks in das Ziel - das Premer Tor - unterstützen können.

Und so brüllen sie begeistert auf, als der Ball direkt bei Cuil landet und von seinem Schläger sofort weitergetrieben wird, und dann zu Gun, und wieder zurück, in einem perfekten Wechselspiel.

"GUN!!!" wird gebrüllt, wenn der Ball den Schläger dieses Spielers berührt, gefolgt von einem "CUIL!!!", sobald der Ball wieder auf der anderen Seite bei Cuil ist, und rasch finden die anfeuernden Menschen in das Wechselspiel der beiden, treiben sie voran mit ihrem Geschrei.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Jetzt wird es brenzlig, sehr brenzlig sogar. Isleif Hände krampfen sich um den Schläger. Nicht einen winzigen Moment darf er jetzt das Geschehen aus dem Auge verlieren. Zwar ist der Ball noch nicht vor dem Tor der 'Pottwale' erschienen, doch das könnte jeden Augenblick geschehen und dann würde ihnen allen ganzschön der Hintern brennen. Die Stürmerin der 'Bullen' ist gut durch die Verteidigungslinien, wenn man sie ihrer Löchrigkeit wegen überhaupt so nennen darf, fast mit spielerischer Leichtigkeit durchgebrochen. Ingvar setzt ihr zwar nach und macht bei seiner Verfolgung auch Boden gut, doch die 'Bullen'-Spielerin ist außerordentlich wendig, sie kann sich seinen Attacken immer wieder entziehen und kommt dabei immer mehr auf das 'Pottwal'-Tor zu. Nur noch Thorlif steht in der letzten Linie. Er ist ein exquisiter Bremser, auf ihn ist unbedingt Verlaß, dennoch ist Isleif nervös. Er wird von bösen Vorahnung geplagt. Verdammt, seine Hände schwitzen. Das lockert den Griff um den Schläger und das ist gar nicht so gut!


***


Frenhild wünscht sich in diesem Augenblick ganz weit weg. Sie kann sich einfach nicht entscheiden, nach welcher Richtung sie sich wenden soll. Von vorne nähert sich Dunvallo und von der Seite kommt Chatal angerannt und der scheint zu allem entschlossen zu sein. Mit einer leichten Resignation erkennt die 'Fee', dass sie ab jetzt nur noch Fehler machen kann. Ihr ist als müßte sie, allein mit dem Schläger eine gewaltige Sturzflut ins Meer zurück treiben - es ist einfach hoffnungslos!

Mit einer gewissen Erleichterung sieht sie Ifirnsgiron nahe, der sich gerade daran macht Chatal zu attackieren und Dunvallo könnte bald von der anderen Frenhild angegriffen werden können. Dennoch ist die Situation völlig offen und die 'Bullen' haben alle Vorteile auf ihrer Seite. Es sieht nicht gut aus!


***


Auch für eine andere Spielerin der Premer Mannschaft sieht es nicht gut aus. Tula, die Fintenreiche, hat ihre Möglichkeiten wohl sehr falsch eingeschätzt. Sie sieht Faerwyn, der seinen Körper mit einer extremen Gewichtsverlagerung zur Seite wendet. Das ist ihre Chance und mit einem exstatischen 'Hurra'-Gefühl stürmt sie vorwärts, verscuth an der anderen Seite vorbei zu kommen. Das Triumphgeheul sollte ihr aber fast mit sofortiger Wirkung im Halse stecken bleiben. Sie erkennt die Falle des Gegenspielers erst, als sie schon hilflos in ihre zappelt. Die Beine werden ihr weg gezogen, der Oberkörper jedoch verfolgt aber, nach wie vor, noch unbeirrbar den eingeschlagenen Kurs. So stürzt Tula wie ein gefällter Baum zu Boden und bleibt erst einmal benommen liegen. Ein deftiger Fluch fährt ihr zwischen den zusammen gepressten Lippen heraus. Es ist eine wahrhaft derbe Bemerkung, die in ihrer Art und ihrem Inhalt auf eine starke, wenn nicht sogar sehr starke Verärgerung Tula's hinweisen kann. Ist ist ein Glück zu nennen, dass dieser Fluch allgemein nicht sonderlich gut zu verstehen war, das Gehör aller sittsam denkenden und anständig lebenden Menschen hätte dabei dauerhaften Schaden nehmen können.



Gun führt den Ball. Und passt...


***


Lyn stampft einmal wütend mit dem Fuß auf.

`Kein Anstand aber Ohren wie ein Luchs!`

Sie hasst diese Art von Schiedsrichter. Und wie sie sie hasst. Aber das würde er nicht umsonst getan haben. Ihre Zeit würde kommen und er würde es bitter bereuen, sie so behandelt zu haben.

Lyn ist keineswegs (nur) die liebliche Alveranierin, wie ihr Aussehen und ihr übliches Verhalten gerne glauben lassen. Die Havenerin ist gewohnt ihren Kopf durchzusetzen, alles zu bekommen, was sie will. Und wenn es einmal nicht so läuft, dann kann sie wirklich böse werden.

Kaum einer kennt die Geschichte des jungen Müllers Argwyn Feldhaus. Argwyn war ein stattlicher Kerl, um den sich die Mädchen rissen und der auch etwas Wohlstand geerbt hatte - zusammen mit der Mühle seines Vaters. Auch Lyn hatte damals mehr als nur ein Auge auf ihn geworfen und hätte Argwyn dies erwidert, so wäre die schöne Lyn heute wohl eine Müllersfrau und keine gefeierte Immanschönheit. Doch Argwyn wies Lyn zurück und schenkte sein Herz einer anderen - etwas, was Lyn sehr in ihrem Stolz verletzte und sie wütend machte.

Um es kurz zu machen - eines Tages erwischte Argwyn seine Frau mit einem fremdländischen Kämpen, den Lyn vorher umgarnt hatte, doch ihrer "unverheirateten", "einsamen" "Schwester" schöne Augen zu machen. Und als auch noch eine große Ladung Mehl auf unerklärliche Weise schlecht würde, die Argwyn hatte verkaufen wollen, musste dieser die Mühle verkaufen und zog gebrochen davon.

Kaum einer, nicht einmal Lyn, weiß, dass mittlerweile ein weiterer einsamer Torfstecher namens Argwyn in der Muhrsape - wie das südlich des Delta gelegene Moorland genannt wird - sein Dasein fristet...

Doch das ist schon einige Jahre her.

Und Lyn ist sehr wütend auf von Klipp...


***


Cuil führt den Kork geschickt über den Rasen - und passt...


***


Cathal stürmt weiter auf das Mittelfeld zu. Aus den Augenwinkeln sieht er den Kapitän der Pottwale, der sich ebenfalls auf den Weg gemacht hat und dessen Weg sehr darauf schließen lässt, dass er es darauf abgesehen hat, ihm den Weg abzuschneiden. Cathal hält Ifirnsgiron nicht wirklich für einen gefährlichen Gegner, aber in der jetzigen Situation kommt es auf Tempo an und jeder Augenblick ist kostbar.

`Verdammt`

Obwohl es kaum möglich scheint, steigert Cathal noch einmal sein Tempo etwas, gerade als Ifrinsgiron heran ist, um sich ihm in den Weg zu stellen.

Schließlich sollte es ihm zustehen, den Ball zu spielen und nicht Dunvallo. Denn der hat es wohl ohnehin auf seine Position abgesehen...


***


Und wieder passt Gun...


***


Raika macht einen weiten Schritt nach vorne, duckt sich plötzlich und springt mit einem flinken Haken wieder schräg zurück. Einerseits hofft sie damit, wieder etwas Abstand zwischen sich und den Premer Verfolger zu bringen, andererseits müsste gleich der Ball aus dem Mittelfeld kommen - und dann muss sie bereit stehen, um ihn aufzunehmen


***


Cuil fischt den Kork vom Rasen. Auch diesmal behält er ihn nicht lange, nur ein zwei Schritte, dann ist der Kork schon wieder unterwegs...


***


`Sehr gut`

Dunvallo bemerkt zufrieden, wie »Feenhild« zögert. Aus den Augenwinkeln bemerkt er die Premer »Tigerin«, doch mit ziemlicher Sicherheit würde sie zu spät kommen.

`Nur nicht ablenken lassen`


***


Gun stoppt den Ball. Ein, zwei Schritte und Schuss...


***


Faerwyn grinst. So hatte er sich das gedacht. Da ist ihm doch die »grüne« Premerin voll in die Falle getappt.

`Ach ja, die Jugend, immerzu stürmisch`

Eine gewisse Wehmut regt sich in ihm, als er an seine Anfangszeit als junger, stürmischer Iammnfrischling denkt. Damals war er schneller und flinker gewesen als heute - aber, man kann nun einmal nicht gleichzeitig jung und erfahren sein. Entweder das eine oder das andere. Und so lange für ihn noch Platz ist, ist es wohl doch gar nicht so schlimm...

Hilfreich streckt er Tula die Hand entgegen, um ihr aufzuhelfen. Eine freundliche Geste, die sicher nicht schaden kann, denn selbst, wenn sie sich jetzt sofort aufrappelt und losstürmt, wird sie den Ball auf keinen Fall mehr erreichen.

"Aber, aber..." kommentiert er ihren Fluch.


***


Sicher fliegt der Ball durch die Luft, doch dieser ist es anders als die vorherigen Male. Diesmal ist der Weg länger und auch die Richtung ist eine andere. Mehr nach vorne als zur Seite. Der Kork berührt den Rasen...


***


... und wird sofort von Dunvallo aufgenommen, der diesen Zug vorhergesehen hatte. Schließlich ist er der freiere hier, Cathal ist gerade angekommen und wird von dem Premer Kapitän bedrängt.

Mit kräftigen Schritten stürmt er auf Frenhild - die »Fee« - zu, doch denkt er gar nicht daran, sich mir ihr auseindander zu setzen. Schon nach wenigen Schritten - er hat die Premerin noch gar nicht wirklich erreicht - holt er aus und schlägt den Ball mit viel Kraft nach vorne, so dass er regelrecht an Frenhild vorbei pfeift, direkt auf sein Ziel zu.


***


`Jetzt!`

Raika drückt sich vom Boden ab, springt nach oben, in die niedergehende Flugbahn des Kork.

`Uff!`

Der Ball prallt auf ihrer Brust ab und fällt zu Boden, während die Havenerin die Luft entweichen lässt.

`Musst du so hart abschlagen...` tadelt sich Dunvallo für einen winzigen Moment in Gedanken, doch nicht lange.

Fast sofort klebt der Kork fest an ihrem Schläger. Sie würde die Speerspitze sein, die tief in die Eingeweide sticht. Der Kork ist bei ihr und vor ihr ist das Tor...



Sicher, es ist eine freundliche Geste, aber Tula ist im Moment nicht sehr empfänglich für freundliche Gesten. Dennoch ergreift sie die Hand, die ihr entgegengestreckt wird, um ihr wieder auf die Beine zu helfen. Sie bedankt sich auch artig, macht aber dabei ein Gesicht, als wolle sie ihren Helfer noch im selben Augenblick roh verspeisen. Tula blickt sich kurz um und läßt resignierend die Schultern hängen. Der Ball ist mittlerweile unerreichbar fern und sie hat keine Möglichkeit mehr aktiv in das Spielgeschehen einzugreifen. Die aufgesetzte Freundlichkeit Faerwyn's nervt sie, empfindet sie das Entgegenkommen des Gegenspielers eben nicht als gut gemeinte Hilfe, sondern als verletzenden Hohn. Tula schüttelt den Kopf, um wieder klar zu werden oder zumindest die bedrückenden Gedanken los zu werden. Ihre zahlreichen Zöpfe fliegen hin und her, doch ein Plan, wie sie nun weiter handeln sollte, will sich ihr nicht vergegenwärtigen.


***


Der Ball rollt und rollt. Ifirnsgiron holt das letzte aus sich heraus, um Chatal zu erreichen. Die 'Fee' wirkt eingeschüchtert, von ihr ist keine Hilfe zu erwarten. Ifirnsgiron wird es alleine schaffen müssen, den Kapitän der 'Bullen' auszubremsen. Schon wollte sich in Ifirnsgiron eine gewisse Zuversicht breit machen, den Angriff der 'Bullen' noch im Mittelfeld zu Erliegen zu bringen, da kommt Dunvallo in seinen Gesichtskreis und damit sinkt die Möglichkeit den Ball an Ort und Stelle zurück zu erobern auf ein kleineres Maß als 'unwahrscheinlich'. Dennoch nimmt der Kapitän der 'Pottwale' seine Anstrengungen nicht zurück.


***


Die 'Tigerin' setzt zum Sprung an. Sie hat den Lauf des Balles konzentriert verfolgt und als der Kork weit nach vorne geschlagen wurde, ahnt sie schon den Kurs, den der Ball mutmaßlich nehmen würde. Sollte der Ball Dunvallo erreichen, dann haben die 'Bullen' den Mittelfeldriegel der 'Pottwale' schon fast geknackt, denn Dunvallo hat die Fähigkeiten den Ball dorthin zu bringen wo immer er ihn haben möchte.


***


Frenhild atmet nun entgültig auf, als sie Chatal von Ifirnsgiron bedrängt sieht. Das gibt ihr die Gelegenheit, sich voll und ganz auf Dunvallo zu konzentrieren. Sie nimmt an, der havenaer Spieler würde versuchen sie zu umspielen, für solche 'Kabinettstücke' ist er schließlich bekannt. So läuft sie ihm nicht entgegen, sondern sperrt den Raum. Gleich wird ihn die andere Frehild erreicht haben, sie setzt ja schon zum Sprung an, dann sollte es ein Leichtes sein, den Ball wieer unter Kontrolle und damit wieder in den Besitz der premer Mannschaft zu bringen.


***


Frenhild, die 'Tigerin' springt ab und reckt dabei ihren Schläger weit nach vorne, versucht den Korkball vom Schläger Dunvallo's zu trennen.


***


Frenhild, die 'Fee' wartet ab. Sie bringt sich in Stellung. Noch ein paar Schritte und Dunvallo ist nahe genug. Sie sit sich nicht ganz sicher, wie sie dem Ball führenden Gegener angreifen sollte und entschließt sich zuletzt für einen niedrig gehaltenen Rundschlag, um den Ball auf möglichst breiter Linie abblocken zu können. Dabei könnten die Beine Dunvallos arg in Mitleidenschaft gezogen werden, doch das ist sein Problem, nicht das ihre.


***


Weit und steil fliegt der Ball. Dunvallo hat ihn mit einem mächtigen Schlag nach vorne getrieben, dann erst, eben viel zu spät, kommt die Schlägerspitze Frenhilds in ihre Position. Doch ist da nichts mehr, was sie noch blocken könnte, der Ball ist fort und Dunvallo hat sich, wieder einmal mehr, glänzend in Szene setzen können.


***


Weit und steil fliegt der Ball, um Haaresbreite am Kopf Frenhilds, der 'Fee' vorbei. Völlig entgeistert starrt Frenhild Dunvallo an. Warum hat sie nur mit einem direkten Zweikampf gerechnet und die Möglichkeit eines früh geschlagenen Balls völlig ausgeklammert. Frenhild kommt sich jetzt wirklich dumm vor und leichte Schamesröte steigt an ihren Wangen auf.


***


Ähnlich miserabel fühlt sich die andere Frenhild. Sie liegt, so zu sagen, Dunvallo zu Füßen, die Hand die ihren Schläger führte fällt, mitsamt dem Schläger, kraftlos ins Gras. Hilflos verfolgt sie die Bahn des Balles und muß erkennen, das sie genau in den Vorraum vor dem Tor der Premer führt und dort wartet schon eine 'Bullenspielern'! Frenhild schluckt trocken. Langsam erhebt sie sich wieder, doch wendet sie ihren Blick ab, denn was nun geschehen könnte, will sie gar nicht erst sehen. Doch nun sieht sie Dunvallo direkt ins Gesicht und diese vermaledeite Wette fällt ihr wieder ein. Sollte die Premer gewinnen, dann wird sie ihr Versprechen wahr machen müssen und dieser Gedanke wirkt lange nicht mehr so verlockend wie noch vor kurzem. Sie versucht sich an einem Lächeln, es will ihr aber nicht so recht gelingen.

Nun, was soll's! Wenn die 'Bullen' ein Tor schießen, dann müssen die 'Pottwale' eben auch eines erzielen. Abgerechnet wird am Schluß.


***


Weit und steil fliegt der Ball und kraftvoll obendrein. Es ist ein wirklich schwer zu berechnender Ball. Ingvar hetzt noch immer der 'Bullen'-Angreiferin nach. Er hat sie noch immer nicht zum Anhalten bringen können. Sie ist die einzige Stürmerin der 'Bullen' in der Spielhälfte der 'Pottwale'. Da gibt es keinen Zweifel, die weite Flanke gilt ihr. Nun hat Ingvar nur noch die einzige Möglichkeit den Ball zu erobern, wenn er ihn aus der Luft abfängt. Auch der weiteste und höchste Ball kann nicht ewig in der Höhe bleiben und Ingvar will versuchen ihn direkt aus der Bahn zu schlagen, noch ehe er den Boden berührt, denn dann würde er Raika gehören und Ingvar wäre aus dem Rennen. Er springt hoch und stochert mit dem Schläger in der Luft herum und verfehlt den Ball nur knapp. So landet der Ball nun tatsächlich bei Raika und die hat, nach dem missglückten Abwehrversuch des Premers, fast eine unbedrängte Bahn.


***


JETZT GILT'S!

Thorlif ist nun die vorletzte Barriere zwischen Raika und den Premer Tor. Da steht zwar Isleif auf dem Posten, doch Thorlif ist sich nicht sicher, wie weit man dem Torhüter vertrauen kann, denn er ist noch nicht lange bei der Mannschaft und hat auch bei den Vorbereitungen nicht unbedingt überzeugen können. Also dürfte de Last der Verantwortung gant alleine auf seinen Schultern ruhen. Thorlif ist ganz ruhig. Er sieht Raika nahen und holt mit dem Schläger aus. Ein gezielter Sichelschlag dürfte dem 'Angriffszauber' der 'Bullen' ein Ende bereiten.


***


Ingvar fühlt sich schuldig. Wie konnte es nur dazu kommen, dass er den Ball verfehlt? Doch aufgeben will er nicht! Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, dass er noch wirksam eingreifen könnte, beginnt er die Verfolgung Raikas.

DIESMAL DARF ER NICHT VERSAGEN !!!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Lautes Gejubel begleitet den weiteren Vormarsch der Bullen in Richtung auf das Premer Tor zu. Es ist auch nicht zu übersehen, dass die vielen kleinen Szenen, bei denen die Havenaer den Premern überlegen sind oder überlegen scheinen, sei es die stürzende Tula, oder die unentschlossen wirkende Frenhild, zu einiger Begeisterung bei den Anhängern der Bullen führen.

"WEITER SO!!!"

und auch:

"WO HABT IHR IMMAN GELERNT? BEI EUER GROSSMUTTER?" wird gerufen, und ein stimmgewaltiger Fan brüllt gar in Tulas Richtung:

"BLEIB LIEGEN, DAS PASST AM BESTEN ZU DIR!"

Die Ecke des Stadions, wo sich noch vor gar nicht so langer Zeit Premer und Havenaer Anhänger lautstarke Schlachten der verbalen Art geliefert haben, ist erstaunlich ruhig geworden, und das mag im Moment auf der Havenaer Seite daran liegen, dass insbesondere die Seeleute der Gruppe wieder einmal die Köpfe zusammen gesteckt haben, während sie immer mal zum Spielfeld schauen, um ja nichts zu verpassen. Aber daneben... ob sie da gerade das nächste Lied aushecken?



Das Wechselspiel des Balles geht weiter, wird abwechslungsreicher, als sich mit Dunvallo und dann Raika zwei weitere Spieler daran direkt beteiligen, und das Ziel greifbar näher kommt.

Kaum noch jemand bleibt ruhig, als Raika zum entscheidenden Stück des Weges des Korks ansetzt, dem Stück des Weges, das letztendlich als einziges zählen wird, das darüber entscheidet, ob die vergangenen Augenblicke sehr schnell wieder in der Vergessenheit verschwinden, oder ob sie das entscheidende Vorspiel zum ersten Tor dieses Spieles werden...



IN HAVENA - In Immanstadion: Freud und Leid - Garulf


Für einen kurzen Augenblick sieht Garulf noch dem Schiffszimmermann und dem Zwerg nach, die sich nun durch die schmale Gasse nach vorne schieben. Auch das Lachen will noch nicht verstummen, ist es doch einfach zu komisch, wie sich Ole zusammen mit den anderen Zuschauern, die offenbar wenig von der vorangegangenen Aktion mitbekommen haben, über diese Unverschämtheit auf die Tribüne pissen zu wollen aufregt.

Das Lachen vergeht dem Smutje erst, als er wieder auf das Spielfeld blickt. Die Kälber haben den Kork und spielen munter und ungebremst auf des Premer Tor zu ...

"PAßT UF DEN KORK UF, IHR SCHLOPBÜDDELS!!" brüllt er seinen Ärger über die offenbar im Stehen schlafende Premer Abwehr hinaus. Wahrscheinlich kann ihn kein einziger Spieler hören und wahrscheinlich würde dies auch nichts ändern, wenn es so wäre, aber das mußte jetzt einfach mal gesagt werden.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Freud und Leid - Hjaldar und Silana


Davon, dass Hesindian gut auf sie aufpassen kann, ist Silana überzeugt, schließlich wirkt der junge Mann sehr gelehrt auf sie und schließlich weiß ja jeder, dass die Feder mächtiger ist als das Schwert und damit auch mächtiger als ein Immanschläger.

Jedoch macht sie sich über das Durchkommen durch die Fanmenge derzeit weniger Gedanken, da sie gerade dabei ist zu versuchen, Hjaldars Schultern so zu verlassen, dass sie ihrem Gönner so wenig wie möglich die Sicht verdeckt. Denn so reizvoll der Anblick des Hinterns oder anderer Körperteile einer Rahjanovizin im Normalfall sein kann, so sehr verliert er doch seinen Reiz, wenn er gerade im falschen Augenblick eine vielleicht verwandelte Torchance unsichtbar macht.

Um dieses zu vermeiden, entscheidet sich das Mädchen für einen raschen Absprung, der eigentlich katzenartig elegant wirken sollte, durch die Hast aber ein wenig zu stürmisch ausfällt und das sichere Aufkommen in ein Schwanken verwandelt, so dass Silana nach dem erstbesten Halt greift, der sich ihr bietet, was in diesem Fall der vor ihr stehende Hesindegeweihte darstellt.



Nur am Rande registriert Hjaldar den Absprung der Novizin von seinen Schultern. Hätte er sich zu allen anderen Zeiten überschlagen, Silana so sanft als möglich abzusetzen und dabei nicht das Geringste dagegen gehabt, wäre ihm dabei ein wohlgeformter Körperteil ins Gesichtsfeld geraten, so ist jetzt, in diesem Augenblick da der Kork auf das FALSCHE Tor zufliegt, die Welt um ihn herum nebensächlich.

"PASST UFF!" brüllt er, die Arme empor werfend und dieses Mal ist es gar nicht so unwahrscheinlich, daß es zumindest einer der spielfeldrandnahen Spieler tatsächlich hört ... seinem Vordermann jedenfalls werden diese Worte noch stundenlang in den Ohren klingeln.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Des Geweihten Verwirrungen - Hesindian und Silana


Das Spiel hat sich schnell entwickelt, und Hesindian hat seine liebe Mühe, mit dem Geschehen in der Arena mitzuhalten, geschweige denn den Ball mit Blicken zu verfolgen. Vieles geschieht auf dem Feld, und auch in den Zuschauerreihen, wo das Publikum ihre jeweiligen Favoriten lautstark anfeuert und sich hin und wieder auch mal jemand zu einem derben Kommentar hinreißen lässt.

All diese Eindrücke stürmen auf den neugierigen Hesindegeweihten ein, doch steigern sie nur seine Verwirrung über das Spiel. Seine fehlende Grundkenntnis der Regeln lässt das Geschehen und die Reaktionen der Zuschauer unsinnig erscheinen, und leider hat sich Hjaldar, der sich am Morgen noch angeboten hatte, ihn in das komplexe Regelsystem des Spieles einzuführen, rasch vom Fieber, das scheinbar das gesamte Publikum befallen hat, anstecken lassen und hat anscheinend jeden Gedanken an Hesindian oder Silana auf seiner Schulter verloren.

Gerade mitten in einem neuer akkustischen Eruption im Stadion, welche ihm durch aufspringende Zuschauer und hochgerissene Hände den Blick auf das Spielfeld auf die mögliche Ursache eben jenes Ausbruchs verwehrt, fühlt er Arme sich um seinen Körper schließen und ein plötzliches, zusätzliches Gewicht, das ihn aus dem Gleichgewicht bringt; jedoch verhindert die dicht um ihn stehende und jubelnde Menschenmenge, dass er tatsächlich zu Boden gerissen wird.

Hesindian keucht überrascht auf und starrt verblüfft auf Silana herab, die er einem Reflex folgend ebenfalls festhält.





IN HAVENA - Im Immanstadion: Ehrentribüne - Frau Reckinde


Dort unten auf dem Spielfeld wird um gute Positionen gekämpft, um den Ball gerungen für den Sieg gestritten. Auch auf der Ehrentribüne wird wacker gekämpft, wenn auch nicht so ganz spektakulär wie in der Arena. Betroffen ist die Freifrau Reckinde, denn sie ist es die kämpft und zwar ringt sie gegen den Schlaf.

Und ach ... sie verliert!

Zuletzt mag sie sich nicht mehr wehren gegen die Verlockungen eines süßen Schlummers. Zuvor hatte sie sich noch dafür gequält halbwegs wach zu bleiben, um dabei zu sein, wenn das Spiel, wider aller Erwartung, doch noch für sie interessant werden sollte Doch auch den leidenschaftlichen Ausführungen ihres Gastgebers wollte sie nicht mehr folgen, obwohl dieser mit bebender Stimme das Loblied der 'Bullen' besang, das, seiner Meinung nach, bis in die Zeit der Erschaffung Dere's zurück reicht. Der Freifrau soll es recht sein, dann soll'n sie halt gewinnen, diese 'Bullen' aus Havena. Deswegen wird ihr kein Deut am Batzen fehlen, auch dann nicht, sollten die 'Pottwale' gewinnen. Im Prinzip waren sich die Frau Reckinde und Herr Rastburger in der einzigen Sache, die die Freifrau hier und heute interessiert, ja handelseinig, daran wird sich nichts mehr ändern.

Die Augenlider werden schwerer und schwerer und Frau Reckindes Gedanken driften ab in die Gefilde der Träume. Der letzte klare Gedanke, der sich ihr stellte war: Wie kann man eine Mannschaft, die man so liebt nach Rindviechern benennen? Doch die Frage quält sie nicht besonders und darum schläft sie ein.

Doch sie schläft unruhig! Ist ihr doch so, als bahne sich ein Unheil an, eine unbekannte Gefahr! Sodann stellt sich diese Angelegenheit auch so dar, als könne sie nichts, aber auch gar nichts dagegen unternehmen!

Frau Reckinde stöhnt im Schlaf und Oreis Rastburger sieht sich genötigt die Freifrau sanft zu wecken, da er sich schon Sorgen macht.

"Frau Reckinde, euer Hochgeboren, ist euch nicht gut?" fragt er mit bewegter Stimme. Frau Reckinde ist noch zu verwirrt von ihren Traumeindrücken, als dass sie ihm sofort antworten hätte können.

"Frau Reckinde, euer Hochgeboren, soll ich ihnen etwas zu trinken bringen lassen?" hakt Herr Rastburger deshalb nach.

Das ist ein Angebot, dass man Frau Reckinde nicht zweimal zumachen braucht!

"Oh ja, zu freundlich! Ich hätte gerne einen Meskinnes, aber ordentlich stark und ordentlich viel davon!"

Herr Rastburger lächelt und gibt einen entsprechenden Auftrag an seine Diener weiter. Bei handelsorientierten Treffen, auch wenn sie in einem Immanstadion stattfinden, pflegt der Handelsherr aus Havena immer mit einem gut sortierten Angebot von Allem, was Keller und Küche zu bieten hat, aufzuwarten. Das schafft Sympathien bei Geschäftsfreunden, die bei keiner Gelegenheit auf Luxus verzichten wollen. Die Freifrau dagegen ist eigentlich unkompliziert, sie lässt sich einfach bewirten, da sie auf erlesene Dinge nicht so erpicht ist.

'Hauptsache, es schmeckt!' sagt sie immer dann, wenn ihr Herr Rastburger etwas Außergewöhnliches angedeihen lassen wollte. Und so ist es ihm eine Freude, Frau Reckinde doch noch mit etwas Besonderem dienen zu können. Der Wunsch nach einem Meskinnes stellt ihn nicht sonderlich vor große Probleme.

Währenddessen grübelt die Freifrau darüber nach, was ihr dieser Anflug eines Albtraumes erklären wollte. Sollte es sich um ein böses Omen handeln?



Die Freifrau hat keinen Blick mehr für ihre Umgebung. zu sehr ist sie mit den unheilschwangeren Visionen aus ihrem kurzen Traum beschäftigt. Ab und zu schaut sie ihren Nachbarn und Gastgeber Oreis Rastburger, lächelt routiniert und inhaltsleer und nickt zustimmend auf alles, was ihr erklärt wird, ohne auch nur das Mindesten von dem Gesagten mitzubekommen. Noch nicht einmal die ansteigende Spannung Herr Rastburger's, der nun immer eingehender von Toren, Punkten oder ähnlichem spricht, kann die Freifrau erreichen. Sie hat genug zu tun mit ihren eigenen Anspannungen und die haben mit dem Immansport so gut wie nichts zu tun.

So hat Frau Reckinde auch keine Auge dafür, was sich dort unten auf dem Spielfeld ereignet. Sie wird erst wieder aufmerksam, als sich unterhalb der Ehrentribüne ein kleiner, aber wachsender Tumult breit macht. Irgend etwas scheint die Leute dort unten sehr zu beunruhigen. Und was dies auch sein sollte, es kommt direkt auf die Ehrentribüne zu. Feurig heiß und gleich darauf wieder frostig kalt durchrieselt es die Freifrau. Und plötzlich erhellt sich ihre böse Ahnung zu einer bösen Erkenntnis .....





IN HAVENA - In Immanstadion: In der Arena


Faerwyn sieht Tula freundlich und gelassen ins Gesicht. Er bemerkt wohl ihren Gesichtsausdruck, aber das kann ihn nicht treffen. Ihm ist klar, wie sie sich fühlen muss, hatte er doch als Jungspund auch so manche schmerzende Erfahrung machen müssen.

`Diese Grünlinge... ach ja...`


***


Cathal kneift böse die Augen zusammen und verlangsamt seinen Schritt. Giftige Blicke treffen die Zwillinge. Warum wurde Dunvallo angespielt und nicht er? Ärgerlich streift sein Blick weiter zu dem Mann mit der Bronzehaut.

`Du... das war MEINER!`

Das war eine Frechheit, ihm einfach diese Gelegenheit wegzunehmen. Immerhin hat er den Kork nach vorne geschlagen zu Raika. Wenn er es auch noch vermasselt hätte - wehe!


***


Gun duckt sich regelrecht unter dem Blick seines Mannschaftskapitäns.

`Was hat er nur, warum sieht er mich so sauer an?`

Er weiß nicht, was er denn falsch gemacht haben soll. Schließlich ist der Ball vorne, vor dem Premer Tor, oder?


***


Dunvallo fühlt sich gut. Das hat doch glänzend geklappt. Die Premerin hat anscheinend gar nicht mit einem frühen Schlag gerechnet und so ist der Kork perfekt bei Raika gelandet. Also, alles in Ordnung.

`Los Raika, versenke ihn!` feuert er seine Mannschaftskameradin an.

Aus den Augenwinkeln sieht er einen Bewegung neben sich und als er sich dorthin wendet, dreht ihm die »Tigerin« gerade den Kopf zu. Fröhlich grinst er sie an. Ach, erst der Sieg auf dem Spielfeld und dann...

Eine neue Welle Hochgefühl durchströmt ihn, schließlich kann Raika gar nicht verfehlen, oder? Den wütenden Blick Cathals bemerkt er gar nicht, ja, dieser scheint einfach an ihm abzuprallen.


***


Raika hat den Ball, läuft auf das Tor zu - und sieht sich plötzlich einem Hindernis gegenüber. Thorlif, die "Otter", einer der gefürchtesten Bremser, den die Pottwale zu bieten haben. Raika schluckt. Sie hat schon gehört, dass er sehr erfahren darin ist, gegnerische Spieler aufzuhalten und zwar so, dass diese es meist sehr bereuen, ihm begegnet zu sein. Jemand kräftiges wie Cathal, Scibor oder gar Rumpo mag ihm ja gewachsen sein, aber sie...

Und ihr Gefühl sagt ihr, dass der andere Bremser, der, der sie gerade verfolgte, nicht weit sein kann.

Schrecklich ragt Thorlifs Schläger empor, wie ein Reisszahn, der kurz davor ist, hernieder zu stoßen, um das Opfer mit einem Biss zu töten.

»Stelle dich dem Wolf nie direkt entgegen, weiche ihm aus« Tja, ohne Ball wäre das sicher leicht möglich, ein rascher Satz zur Seite, ein kleiner Haken und sie wäre sicher - doch mit dem Kork am Schläger...

`Entweder jetzt oder nie - wenn er mich trifft ist es aus und mit dem Ball weiche ich ihm nie aus!` schießt es ihr innerhalb von Herzschlägen durch den Kopf, während denen sie den drohenden »Reisszahn« immer näher kommen sieht.

`Mist!`

Der Schusswinkel ist nicht besonders günstig und Zeit um wirklich kräftig auszuholen hat sie auch nicht. Aber sie wird etwas durch Thorlif abgeschirmt, so dass der Torwart den Ball möglicherweise erst zu spät erkennen kann...

`Immerhin eine Chance!`

So kräftig wie möglich schlägt sie den Ball ab, der darauf hin schräg auf das Premer Tor zu saust. Wenn er trifft, so bedeutet das die Führung für die Bullen und einen großen moralischen Vorteil.

Sofort danach wirft sich Raika mit wahrhaft raubtierhafter Gewandtheit zur Seite, nur weg von der drohenden Gefahr. Schon zischt der Schläger heran, ein wahrhaft schrecklicher Schlag!

Um Haaresbreite zischt er an der Spielerin vorbei, nur ein Stückchen weiter...

gar nicht auszudenken...

Hastig rollt sich Raika weg, nur fort von hier, weg aus der direkten Reichweite des Schlägers. Schwer atment liegt sie am Boden. Angespannt richten sich ihre Augen auf das Premer Tor.

`Bitte, lass ihn reingehen...`



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Die Spannung steigt weiter, scheinbar ins unermessliche, und damit auch der allgemeine Lärmpegel im Stadion. Wohl kaum ein Augenpaar ist nicht auf den Ball gerichtet, der da Raikas Schläger verlässt und in Richtung des Tores rast.

"JAG IHN REIN!!!" kommt ein etwas verspäteter Ruf, denn zumindest die Havena'er haben auf den Ball keinerlei Einfluss mehr, einzig der Torhüter der Premer mag ihn noch aufzuhalten. Aber das ist ein Gedanke, den die Fans der Bullen weit von sich schieben - das Spiel ist für ihren Geschmack schon zu lange ohne ein Tor der Bullen, und auch schon zu lange ohne ein Tor überhaupt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Hemmungen - Perval und Traviana


Perval erkennt das Lächeln Travianas an dem Aufleuchten ihrer Augen. Fast scheint es eine Antwort auf seine Frage zu sein, doch noch zögert er. Es ist nicht, daß ihn die Menschen um ihn herum stören würden. Es wäre nicht das erste Mal, daß Menschen zugegen sind während er eine Frau in seinen Armen hält, auch wenn es sonst meist in einer verräucherten , dunklen Taverne ist und nicht mitten auf einer Tribüne in einem voll besetzten Immanstadion. Nein, dieses ist nicht der Grund für sein Zögern, auch nicht, daß er keine Lust hätte. Lust hat er mehr als genug und diese Lust ist wie ein Tier, das raus gelassen werden will.

Auch ist es nicht, daß Traviana nicht hübsch oder begehrenswert wäre. Nein, beileibe, dieses kann Perval wirklich nicht als Grund vorschieben. Ihr schlanker Körper zusammen mit der Kraft ihrer Arme und Beine, trainiert durch harte körperliche Arbeit, versprechen ein Vergnügen, welches Perval sich nur ungern entgehen lassen würde. Nur zu gerne hat er sich diesen Körper in den letzten Tagen vorm Schlafen in Gedächtnis gerufen.

Auch der Blick ihrer Augen verspricht etwas, daß er zu gerne versuchen würde, doch ist es auch genau dieser Blick, den er nicht genau deuten kann, dem er sich nicht entziehen kann und vor dem er doch auch Angst hat. Perval ist sich nicht sicher, wie er diesen Blick deuten soll, was er ihm sagen will. Es scheint mehr zu sein, als die Lust, als das sexuelle Verlangen nach einem starken, männlichen Körper für diesen Moment. Mehr als das, was er in den Augen vieler Frauen gesehen hat, die er (im rein körperlichen Sinne) geliebt hatte. Mehr als das, was die Augen der meisten Frauen ihm versprachen, wenn sie für ein paar Taler, manche auch nur nach einigen Gläsern mehr oder minder guten Schnapses, wenige auch völlig ohne Bezahlung mit ihm gingen.

Wenn sie eine Frau in einem Hafen wäre, in dem er für ein paar Stunden oder auch Tage auf Landgang wäre, so würde er sich keine allzu großen Gedanken machen, und das (an)nehmen, was er bräuchte. Doch so ist die Lage eine völlig andere. Bei einer Frau, die er die nächsten Tage, Wochen wenn nicht gar Monate jeden Tag sehen würde, vor der er sich nicht auf See flüchten könnte, wollte er nicht die gute Heuer auf der NORDSTERN aufgeben, mußte er aufpassen, was er tut. Hier käme er nicht so einfach aus der Geschichte raus, sollte sie mehr wollen, als was er im Allgemeinen zu geben bereit ist.

So steht er da und zögert, anstelle zuzugreifen und sich zu nehmen wonach es ihm gelüstet.



Traviana fragt sich schon ein wenig, warum er so zögert. Sie hatte etwas anderes vermutet....

Wie kann sie ihm nur zeigen, was sie denkt und fühlt???

Unschlüssig sieht sie ihn weiterhin an, und wartet ab, was er tun wird...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Ent-Rüstet - Alberik, Ole und Wasuren


Schnell tritt Alberik einen Schritt zurück, als der Thorwaler gefährlich nahe kommt, und fast auf ihn läuft, und unterbricht seinen Satz dabei, den er jedoch sofort wieder aufnimmt.

"Mist, ich habe meine Rüstung bei Wasuren gelassen. Die sollte ich noch holen, bevor wir ganz vorne angekommen sind."

Natürlich weiß der Zwerg, daß sich so eine Gelegenheit nicht noch einmal bieten wird, und versucht abzuwägen, was nun wichtiger ist. Sich das Spiel anzuschauen, oder den Spiegelpanzer zurückzubekommen.

'Was Wasuren wohl mit meiner Rüstung macht, wenn ich sie bei ihm lasse. Hoffentlich wird er sie nicht einfach liegen lassen. Aber wenn ich jetzt zurückgehe, werde ich nichts von dem Spiel sehen, und ich habe schon dafür bezahlt.'

Angestrengt schaut Alberik an Oles massigem Körper vorbei, um in der Menge hinter ihm vielleicht Wasuren ausmachen zu können.



Ole ist doch schon leicht verwundert, als er den Zwerg so unruhig nach hinten spähend sieht. Was will er denn bloß dort hinten, wenn doch vorne der 'Bär am Tanzen ist'? Alberik kommt ihm schon langsam so vor, wie der 'Seelenheiler' in einer Geschichte, die er in Nostria einmal gehört hatte. Der Kerl hatte doch damals tatsächlich die Darbietungen einer Sharisad besucht, nicht allerdings um sich von den Künsten oder sonstigen Reizen der Tänzerin ein Bild zu machen, sondern um das Verhalten jener Zuschauer zu beobachten, wie sie darauf reagierten, wenn der letzte Schleier zu Boden sank, Ole hatte die Geschichte kaum glauben können, doch der Erzähler versicherte ihm bei der Ehre seiner Mutter, dass alles, was er zu berichten wusste, ganz bestimmt der vollen Wahrheit entspräche.

Nun ist es allerdings nicht zu erwarten, dass hier und heute noch irgendein letzter schleier fällt und dennoch verwundert es Ole, dass, auch wenn es sich um einen Zwerg handelt, irgendjemand irgendetwas wichtiger finden könnte, als bei einem Immanspiel in der vordersten Reihe stehen zu können.

"Hey, Sohn des Atosch, was ist den los dahinten?"



Alberik macht sich nicht die Mühe, dem Schiffszimmermann genau zu erklären, was er meint. Nur ein paar Gedankenfetzen wirft er dem Thorwaler vor die Füße.

"Irgendwo dahinten muß er doch sein. Zumindest war er es, als ich ihm meinen Spiegelpanzer in die Hand gedrückt hat."

Aber so sehr er sich auch anstrengt, er kann Wasuren einfach nicht entdecken. Genauso wie er vorher keinen Blick auf das Spielfeld werfen konnte, genauso wenig kann er jetzt in die hinteren Reihen der Zuschauer schauen.

"Warte mal hier, ich gehe noch mal nach hinten, und bin gleich wieder da."

Mit diesen Worten will sich der Zwerg daran machen, durch die Zuschauermenge zurück zu dem Ort zu gelangen, an dem er Wasuren vermutet.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wasuren und der Spiegelpanzer


Wasuren schaut noch immer jubelnd dem Spiel zu.

"Hmmpf - dieser verflucht schlechte Platz hier oben." grummelt er vor sich hin.

'Und dieser Krams von dem Zwerg is auch ganz schön unnütz und besonders schwer.'

Gerade dreht er sich zu den Anderen um und will seinen Beschwerden ein wenig Luft machen, da merkt er, dass nur noch Hjaldar, Hesindian und Silana ein wenig entfernt von ihm stehen. Aber da ist keine Spur mehr von dem Zwerg.

Oder doch? Wasuren guckt sich um. Den schweren Schuppenpanzer immer noch eng an seine Brust gedrückt, da er sich sonst kaum zwischen all den Leuten drehen kann. Doch so langsam macht man ihm Platz, da hier weiter hinten mehr die schmächtigeren Zuschauer stehen und er nicht gerade dazu gehört schon gar nicht mit Schuppenpanzer.

'Da vorne tut sich was in der Menge, is das nicht Ole, der sich da so durch die Leute pflügt ?' denkt er sich und fast kurz darauf den wohl besten Gedanken für heute :

'Da gehn ma doch mal einfach drauf los kann ja nur interessanter werden als hier ob´n'





IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Einer der Hauptgründe, weshalb Imman eine derart beliebte Sportart, quer über den gesamten Kontinent werden konnte, liegt nciht ur an der ungewöhnlichen Härte, mit der dieser Sport ausgeübt wird, es ist auch die Schnelligkeit und das Tempo, das die Anhänger des Imman's so gefangen hält. Eben noch im Angriff auf das gegnerische Tor gebunden, sieht sich eine Mannschaft, plötzlich und unvermittelt in die Verteidigung eingeschnürt, eben noch auf der Siegerstraße, auf einmal auf dem Weg in die Niederlage - DAS IST IMMAN!

Für dererlei weltanschulichen Überlegungen hat Isleif leider keine Zeit. Wie eine gespannte Rotze steht er als letzter Wall gegen einen gegnerischen Erfolg. Das der Abwehrriegel der Premer mit einer solchen Leichtigkeit ausgespielt werden konnte, vermag die Unsicherheit Isleif's nicht zu mindern. Sollten die 'Bullen' zu einem Tor kommen, dann würde er schuldig genannt werden von seinen Mannschaftskameraden. Das kennt man ja, der Torhüter ist immer schuld!


***


Torlif hat genau Maß genommen, doch gilt sein Angriff nicht nur dem Ball, sondern auch dem Gegner. Wenn der Ball flink am Schläger geführt wird, dann gibt es kaum Möglichkeiten für den Bremser den angreifenden Spieler und den rollenden Ball zu trennen. Aber wenn man den Spieler oder die Spielerin ausschaltet, dann ist ein Ball das verlorenste Instrument im gesamten Universum. Ihn dann in Besitz zu nehmen, wäre dann einfacher als harte Butter mit einem glühenden Messer zu teilen. Wild zuckt der Schläger Torlif's nach vorne, es gilt den Angriff zu zerstören und es ist ihm leidlich egal, ob seine handlung den Ball oder die Spielerin trifft. Aber er trifft nichts von beidem. Die Bullen-Stürmerin hat den Ball 'abgefeuert' kurz bevor sie in Torlif's Reichweite gekommen wäre und sie selbst dreht äußerst geschickt ab, ehe sie in Gefahr käme, der Abwehrschlag des Premer Bremsers geht ins Leere und fast hätte er noch den eigenen Mann getroffen, der nachgedrängt hatte, Raika zu blockieren.


***


Der Ball fliegt eine schnurgerade Bahn und selbst ein blinder Ork kann abschätzen, das er das Premer Tor treffen wird, womöglich sogar noch über der Querlatte. Das würde den Erfolg der 'Bullen' sogar noch kompletter machen ....


***


Yngvar hatte alles gegeben und er hat die Angreiferin schon fast erreicht, als diese ausholt und den Ball mit einem gewaltigen Schlag aufs Tor der Premer zutreibt. Gleich darauf wirft sie sich zu Seite und rollt ab. Yngvar hatte keine Zeit sich über diese seltsame Aktion zu wundern, er sieht gerade noch den Schläger auf sich zu sausen und nur deshalb, weil er den Oberkörper spontan nach hinten beugte, trifft ihn das Eschenholz nicht mitten im Gesicht, sondern fährt ohne Wirkung in die Luft. Er spürt noch den Zug, den der Schläger wie eine kühle Spur auf seine Wangen legt, dann kippt er nach hinten um.


***


'Verdammt!' denkt sich Isleif 'Verdammt und noch einmal verdammt ....!

'Weder Torlif noch Yngvar haben die Angreiferin unter Kontrolle zu bringen vermocht, das Weibsbild hat doch tatsächlich nnoch schießen können und was war das für ein Schlag! Aber Isleif hat keine Zeit für Bewunderungen, der Kork kommt Unheil bringend auf ihn zu. Die Bahn des Balles führt ins lange Eck, verdammt gut gewählt. Damit hat die Bullen-Spielerin des Premer Torhüter voll auf dem falschen Bein erwischt. Isleif reißt seinen massigen Körper herum, geht kurz n die Knie und springt ab, dem Ball entgegen. Verzweifelt reckt er den rechten Arm nach vorne, um mit dem Schläger vielleicht noch die kleine Distanz weg gmachen zu können, die ihm fehlt, den Ball mit den Händen erreichen zu können. Diese Ball ist so ein verflucht kleines Ziel und Isleif hat für seine Handlung nur einen einzigen Versuch. Sollte er versagen, so wie Yngvar, als er den steilen Pass zu Raikas verfehlte, dann hätte die 'Bullen' unvermeidbar die ersten Punkte auf ihrem Konto.

Der Ball kommt .....

... noch einen Schritt .....

... noch einen Spann .....

Isleif streckt, reckt und dehnt sich im Sprunge, dass sein Oberarm schon fast aus dem Schultergelenk zu springen droht ....

... noch eine Fingerbreit ...

... es ist auch nur noch die Breite eines Finger, die Ball und Schlägerkopf trennen. Nun ist sich Isleif fast schon sicher, dass er den Ball treffen könnte, käme er nur noch rechtzeitig an ......

.... es ist ein leise, fast unscheinbares Geräusch und nur die unmittelbar Umstehenden können es hören, diesen typischen Ton, der sich ergibt, wenn Holz auf Kork stößt. Der Ball ist beileibe nicht voll getroffen worden, aber es hat genügt, um ihn von seiner Flugbahn abzubringen. Der Korkball springt noch ein paar mal auf und bleibt dann regunglos liegen, so, als nehme er es sich selbst zu Herzen die Torlinie nicht überflogen zu haben.

Heiß und kalt zugleich durchrieselt es ihn. Isleif liegt am Boden und der einzige Gedanke, der ihn beherrscht ist der: ICH HABE ES GESCHAFFT!

Das die Situation noch lange nicht bereinigt ist, kümmert ihn nur wenig und kann ih nicht davon abhalten ein kurzes Stoßgebet zu Aves zu senden, Aves, der dem Wagemutigen hilft und sei die Situation auch noch so hoffnunglos.


***


Der einzige Spieler unter den Beteiligten dieser spannenden Szene, der nun blitzartig wieder ins Geschehen eingreift, ist eben der Spieler, der als einziger jetzt noch auf seinen Beinen steht. Torlif holt den Schläger schnell in die Grundstellung zurück. Mit ein paar wenigen Schritten eilt er zu den ruhenden Ball und treibt in zur rechten Flanke hinaus, nicht hastig, sondern überlegt,aber erst einmal weg vom Tor. Das ist so gar nicht die Art, für die Torlif's Spiel bekannt ist.

"Gute Arbeit, Isleif!" raunt er dem am Boden leigenden Torhüter zu und führt er dann Ball an der Grundlinie entlang nach außen!


***


Isleif hört es und er freut sich. Er lächelt und grüßt den Kameraden mit einem nach ober zeigenden Daumen.

"Mach was draus, Thorlif!"


***


Ingvar rappelt sich schnell in die Höhe, rennt zu Raika und blockiert ihr den Weg zu dem Ball führenden Torlif.

"Sei mir gegrüßt, Schätzchen, da bin ich wieder und diesmal entkommst du mir nicht!" spricht er mit entschlossener Stimme. Zu Isleif meint er:

"Das hast du ausgezeichnet hingekriegt, mein Guter, hast'n Bier bei mir offen!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen - Garulf


Mit äußerster Anspannung folgen Garulfs Augen dem Kork, der dort auf einer so unheilverheißenden Bahn dahinfliegt. Wird der Hüter der Pottwale das Schlimmste verhindern können?

Oder werden die Kälbchen am Ende über die Premer, die Kinder SWAfnirs, triumphieren?

"ISLEIF!!!" brüllt der Smujte, ein letzter lautstarker Versuch, den Torhüter anzufeuern. Nur noch ein paar Spann trennen den Kork von der Verrichtung seines unheilvollen Zweckes, ein Schläger wird nach vorne gerissen - und trifft!

Garulf entfährt ein Seufzer der Erleichterung. Unmittelbar anschließend ein weiterer lauter Ruf:

"POTTWAL!!!"

Denn jetzt gilt es den Kork wieder dorthin zu befördern, wo er hingehört: In die Havener Hälfte und ins Tor der Kälbchen. Das Spiel ist schließlich noch lange nicht vorbei ...





IN HAVENA - In Immanstadion: Rosenquarz


Branwin legt gerade eine Verschnaufpause von seinen Freudenjubel über das schöne Spiel ein. Seine Stimme ist schon ganz zerschrie'n, als er sich, ein wenig nach Luft schnappend, zu seinem Verwandten aus Havena umdreht. Doch er staunt nicht schlecht, als er sieht, wie Isleif das Spiel fast vergessen zu haben scheint und etwas Funkelndes in die Sonne hält.

"Na, Vetter, was hält dich denn da so sehr vom Spiel ab ?"

Interessiert versucht Branwin mehr von dem Gegenstand zu sehen. Scheinbar ist das irgend eine Kastanien großer Stein den Isleif da hat.

'Hmm komisch wo hat er hier auf diesen matschigen Hügeln bloß nen Stein gefunden?'



Isleif zuckt zusammen, als Branwin, der Verwandte aus Havena, mit dem er ins Stadion gegangen ist, ihn auf den Stein anspricht.

Wie weit er mit ihm verwandt ist, weiß er gar nicht so genau. Doch er kennt ihn schon seit frühem Kindesalter. Jedes Jahr, wenn sein Vater nach Havena gezogen ist, um diesen Teil der Familie hier zu besuchen, ist Isleif mitgekommen. Und jedes Jahr war auch Branwin da, mit dem man die Straßen der Stadt erkunden konnte.

Dennoch versucht er den Stein vor seinem alten Freund zu verstecken. Isleif ist nicht einer der Menschen, der gerne teilen möchte.

Schnell zieht er die Hand mit dem Rosenquarz herunter, um sie auf seinem Rücken zu verstecken.

"Och, nichts besonderes."

Mit der anderen Hand zeigt er auf das Spielfeld und unternimmt einen Versuch, Branwins Aufmerksamkeit wieder vom Stein abzulenken.

"Schau, schnell. Sieht so aus als würden die gleich ein Tor machen."

In Wahrheit hat Isleif viel zu wenig aufgepaßt, als daß er wirklich wüßte, was dort vorne wirklich geschieht.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauerreaktionen


Ein lautes "OCHHH!!!" der Enttäuschung geht durch die Reihen der Havenaer, als der so perfekt geführte Ball dann doch noch im allerletzten Moment vom Torhüter aufgehalten wird. Natürlich ist das eine Meisterleistung des Torwarts, das steht wohl für alle außer Zweifel, aber ebenso meisterhaft war die ganze Vorbereitung, und die Herzen der Havenaer schlagen nun einmal für die Bullen, und da wäre ein Tor genau das gewesen, was sie haben wollten.

"HOLT EUCH DAS DING ZURÜCK!"

"RAIKA!!!" brüllt eine andere Stimme, eine weibliche Stimme, die aus der Menge der Fans durch pure Lautstärke hervor zu brechen versucht, eine Stimme voller Leidenschaft. Die Ruferin, der zumindest die Umstehenden einige Blicke zuwerfen, steht ganz vorne, und sieht zudem der Spielerin, der der Ruf gilt, recht ähnlich. Die beiden könnten Schwestern sein, was sie in der Tat auch sind, nur dass jene Ruferin das hier im Stadion niemals zugeben würde. Aber so schafft sie es, dem Ruf trotz der Lautstärke eine Note zu geben, die über das allgemeine Geschrei hinaus geht, und der Spielerin zudem bekannt ist.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Einsame Wacht - Jergan


Auf dem Schiff ist im Moment nichts los, zumindest ist das der Eindruck, den das Oberdeck der NORDSTERN vermittelt, und den man von der Brücke aus bekommt. Das schließt freilich nicht aus, dass unter Deck doch etwas geschieht, aber auch das dürfte im Moment recht eingeschränkt sein, sind doch die meisten im Moment beim Immanspiel in der Stadt sind.

Der Kapitän umfasst wieder sanft zwei Speichen des Steuerrades, und lässt sowohl Blicke, als auch Gedanken wieder schweifen. Erstere über die recht statische Szene im Hafen und auf dem Schiff, und letztere hin zu dem, was passiert ist, der Tatsache, dass das jetzt überstanden ist, und weiter zu dem Umstand, dass zum ersten Mal seit der Sichtung des Wracks zwischen Thorwal und Salzerhaven keine Pflicht und kein Zwang existiert, der dem Schiff und der Besatzung Dinge vorgibt, die rasch und bald zu verrichten sind.



IN HAEVNA - Unter den Brücken: Prunkboot


Einträchtig marschieren die drei Herren in ihre Unterhaltung vertieft weiter und betreten schon bald die nächste Brücke, die sie wieder von der Krakeninsel hinunter führt. Von der Brücke aus fällt der Blick rechts und links auf den Flußarm, auf dem zu dieser Stunde ein Boot stromaufwärts fährt.

Getrieben von den schnellen Schlägen von acht kräftigen Ruderern und einer schönen jungen Steuerfrau im Heck, die allesamt in weiße Hosen und blaue Hemden gekleidet sind, fährt es recht zügig auf die Brücke zu, dabei flattert das lange goldlockige Haar des Steuermädchens im Fahrtwind, ein reizvoller Anblick.

Das Boot selbst ist ein prachtvolles Stück, aus dunklem Holz gefertigt, mit hellen Hölzern sind einige Teile abgesetzt und entsprechend der Besatzung ist die Bordwand des Bootes oberhalb der Scheuerleisten mit blauer und weißer Farbe bemalt. Ein prächtiges Wappen - rotes Pferd überspringt goldene Scheibe auf grünem und weißem Grund - schmückt den Bug.

Im Heck des Bootes befinden sich zwei gegeneinander gekehrte reich geschnitzte und mit Kissen gepolsterte Bänke, auf deren hinterer zwei Personen sitzen, ein Geweihter des EFFerd und ein schwerer Mann, der in prachtvollen Gewändern geschmückt ist, offensichtlich der Gastgeber in dieser Partie.

Der Blick des Geweihten fällt auf drei Herren, die soeben die Brücke betreten haben, auf einen Mann des Sonnengottes mit schlichtem weißen Gewand und dezentem Schmuck ('nun ja, für diesen Tempelorden zumindest, soweit ich weiß'), auf einen gelehrten Herren, der zweifellos dem Stande der Magier angehört, leicht erkenntlich an der schwarzsamtenen gestickten Bekleidung ('wahrlich, ein ungewöhnlicher Anblick in dieser Stadt und besonders, da er anscheinend so einträchtig neben dem Geweihten einher schreitet') und auf einen - reichen Kaufmann? Bestimmt aber eine einflußreiche Persönlichkeit, bei der Begleitung ('nun, jedenfalls nicht ganz so verfettet wie seine Herrlichkeit, Kaufherr Hornbrecht der Verschlagene, wie er im Volke genannt wird').

Trotz der Falte die beim Anblick des mutmaßlichen Schwarzmagiers im Gesicht des Geweihten Tsuri Gischtweher entstanden ist, nickt dieser freundlich den drei Herren, besonders dem Geweihten zu. Von der Seite her bemerkt der Geweihte, wie auch der Dicke sich regt.

'Sie an, diese drei kenne ich nicht, müssen Ortsfremd sein', überlegt Hobald Hornbrecht, 'daß heißt, der Dürre, den hab ich doch schon mal gesehen, vor einigen Jahren... bei einem Gelage vielleicht? Wenn das nicht di Vespasio ist, der alte Gauner. Verschlagenes Schlitzohr auch, wenn es ums Geschäft geht, auch wenn er sich sonst immer recht hoheitlich gibt...'

Träge hebt er die rechte Hand zum Gruße, und fette Schweinsäuglein blinzeln Frizzi an.

Nur noch wenige Herzschläge, und das Boot wird unter der Brücke aus der Sicht der drei Brückengänger verschwinden. Deutlich sieht Hobald Hornbrecht, wie der Praiosgeweihte interessiert das Boot mustert, kurz im Schritt verhält und sein Haupt knapp aber freundlich dem Geweihten neben ihm zuneigt.

'War ja klar...' Ein Hauch von verächtlichem Lächeln umspielt seine Lippen. '...die hängen eben auch alle zusammen unter einer Decke.'



Gerade noch kann di Vespasio den Arm zusammen mit dem Stock heben, um das unter die Brücke einfahrende Boot zu grüßen. Sein Blick war dem des Geweihten gefolgt und konnte so zwar noch die gehobene Hand des dicken Mannes erkennen, aber nur wenig mehr, was nicht zuletzt seinem bescheidenen Sehvermögen anzulasten ist.

'Mein Freund, wer war denn das? Hesinde schenke dir Weitsicht, wen in Havena kennst Du nur, der so fett ist? Niemanden aus der fürstlichen Familie. Ob es wohl lohnt zur anderen Straßenseite zu laufen?'

Die Straße, der die drei folgen, ist schon lange keine kleine Gasse mehr, kein sumpfiger Pfad zwischen schiefwinkligen Schuppen, sondern eine wichtige Verkehrsader, und es ist bei weitem nicht mehr so einfach, einen schnellen Weg zwischen den Fuhrwerken und Fußgängern auf die andere Seite zu finden.

Besonders die Fuhrleute sind ein rauher Menschenschlag, kaum weniger wild als die Tiere, die sie mit Flüchen und Schlägen antreiben. Zu wild und unzivilisiert einen Halt einzulegen, um einem Edelmann das passieren der Straße zu ermöglichen. Und während es sich für einen Diener geziemt, geschwind seinen Weg zu suchen, steht Eile einem von Stand nicht an.

Der Adlige gibt daher seine Idee, noch einen Blick auf das Boot zu werfen auf und schlendert weiter voran. Statt dessen greift er die Erklärung des Geweihten auf, deren theologischen Wert er nicht genug loben kann.

"Wie wahr, euer Gnaden, da sprecht ihr ein Thema an, das in meinem Hause schon zu einem wahren Aufstand geführt hat. Mein Sohn meinte -er ist bei der Khomer Wacht- er wäre gegen die Rute bei der Ausbildung. Wenn, so meinte er, dann würde sie nur Dämonen rufen, statt sie zu vertreiben."

Die Gestik di Vespasios macht keinen Hehl aus seiner Meinung zu dieser Idee seines Sprößlings.

"Tatsächlich wurde dann diese Strafe für die Adligen abgeschafft -lächerlich, das gesamte Regiment besteht nur aus Adligen- zusammen mit meiner letzten Hoffnung, daß der Junge Disziplin lernt. Ihr seht, selbst in des besten Schulen des Reiches wagt man nicht mehr der Ausschweifung Grenzen zu setzen. Dies wird noch ein schlimmes Ende nehmen."

Energisch verärgert furcht sich die Stirn des Südländers, während er mit wegwerfenden Gesten darauf hinweist, wohin es mit dieser Welt gehen wird. Vermutlich hat er sich ein wenig zu sehr gehen lassen, weshalb er auch sein Taschentuch heraus zupft, kurz die zerfurchte Stirn glatt tupft und das Tüchlein dann wieder weg stopft.

"Bei 'Ende' fällt mir ein, wann erreichen wir denn unser Ziel?"



Über das kleine Ereignis des grüßenden Efferdgeweihten macht sich Onaskje keine Gedanken mehr, in einer Stadt ist halt viel los und gelegentlich grüßt man sich halt.

Jedoch meinte er gesehen zu haben, daß die junge Steuerfrau eine Gesandte der Götterstute sein könne, so bezaubernd war sie anzusehen; und sind manche Eindrücke auch von besonders kurzer Dauer, so können sie doch dadurch auch an Intensität gewinnen - kommen sie doch dem Ideal des Betroffenen noch näher als es die Wirklichkeit vermag. Völlig unbewußt beschleunigt der Praiosgeweihte wieder sachte seine Schritte, und führt dann das Gespräch mit dem Händler weiter.

"Unser Ziel sollte nun nicht mehr weit sein - nur noch wenige Straßen weiter und wir werden das Gebäude wohl schon sehen können. Jedenfalls wenn man der Erklärung des Wirtes der Goldamsel, bei dem ich mich gestern erkundigte, trauen darf."

Jetzt hebt er den linken Zeigefinger und fährt in erregtem Tone fort:

"Aber was Ihr mir da über die Sitten im Regiment Eures Sohnes berichtet - das ist ja entsetzlich! Denn der Gebrauch einer Rute ist es wahrlich nicht, was das Dämonische lockt, obwohl es natürlich einige Utensilien geben soll, die auf die Ausgeburten der Niederhöllen eine gewisse Anziehung ausüben sollen."

'Und da habe ich ja schon die seltsamsten Dinge vernommen, der Bogen spannt von schwarzen Kristallen über beim Lichte des Madamals exhumierte Gebeine bis zur Opferung von Jungfrauen.'

Gerade das letzte Bild kann sich Onaskje ausgezeichnet ausmalen: Ein großer weißer Marmorblock mit eisernen Ringen, an denen ein junges Mädchen auf dem Block liegend angebunden ist, nackt und von - natürlich! - atemberaubender Schönheit.

Der kühle Nachtwind hat sie mit einer Gänsehaut überzogen. Ihre langen schwarzen Haare Ringeln sich wie Schlangen um ihr Haupt und bilden zusammen mit dem leicht gebräunten Körper einen scharfen Kontrast zu dem hellen Gesteinsblock. Die Zartheit und Hilflosigkeit des Mädchens wird noch unterstrichen durch den verletzten Arm und durch das vergebliche schwache Ziehen an den Fesseln. Sie winded sich mit schreckgeweiteten, flehenden Augen, und langsam rinnen zwei im düsteren Mondlicht silbrig schimmernde Tränen über die Wangen auf den Stein, auf dem sie sich in tropfenförmige Perlen verwandeln...

'Verwerflich, verwerflich! Aufs tiefste verabscheuungswürdig!' denkt sich der Geweihte und kann doch nicht verhindern, daß sein Blut mit Macht in seine Lenden fährt und ihn heisse Schuer durchlaufen.

'Dämonenjünger, es gibt wahrlich niemanden auf Dere, der tiefer sinken kann in die ewige Finsternis. Vielleicht noch die Diener des Namenlosen, das wäre zu diskutieren.'

Der Geweihte muß trocken schlucken ob der Tiefe seiner Gefühlswallungen, sowohl der körperlichen als auch der geistigen, und einige der Wallungen zeichnen sich auch in seinen Gesichtszügen ab, und ein leichter Schweißfilm überzieht seine Stirn.

"Nein, es ist vielmehr immer die Idee, das geistige Flehen, Wünschen Beschwören oder Erhoffen, auf das die höheren Mächte hören - sofern sie geneigt sind. Und ein Ort der zu einem Hort der geistlosen Willkür verkommt, in dem Disziplinlosigkeit, Unsitte und Morallosigkeit herrschen werden ist somit das gefährlichste was man sich als Ort des Wissens, der Erziehung und der Ausbildung auswählen kann. Und wenn die Gefahr besteht, das sich die Regimentsschule in der Euer Sohn weilt zu solch einem Fokus des Sittenzerfalls entwickeln kann, so solltet Ihr dringlichst darauf hinwirken, die Festigkeit der Moral zusammen mit den Mitteln der Erzielung einer solchen, also auch der Züchtigung mit Rohr und Rute, wieder einzuführen. Und scheut Euch nicht, dabei alle Mittel und Wege zu wählen, die Euch im Rahmen des Anstandes zur Verfügung stehen!"

Nach einem kurzen Augenblick der Pause fügt der Geweihte noch hinzu:

"Ja, und wenn alles nichts hilft, müßt Ihr Euren Einfluß als Vater geltend machen und zumindest Euren eigenen Sohn vor dem Verfall bewahren. Wenn Euch keine andere Stätte bekannt ist, so kann ich Euch den Garether Kaiserlichen und Königliche Wachhof anempfehlen, ich bin mir ganz sicher, daß dort noch mit fester Hand angeleitet wird zur Ertüchtigung des Körpers und Bildung des Geistes."

Tief holt der Geweihte des Lichtes Luft und lässt diese dann seinen Lungen entströmen.



Der Geweihte scheint sich das Ausbildungssystem bei der Wacht mehr zu Herzen zu nehmen als gut für ihn ist. Auf seiner Stirn bilden sich schon Zeichen von Erregung. Nicht daß di Vespasio ihm widersprechen würde, aber ...

'... das ist etwas komplizierter. Es wäre nicht leicht dem Mann gegenüberzutreten, der damals aus völlig nichtigen Gründen deine eigene Aufnahme in das Regiment abgelehnt hat, und nach dem Stock zu rufen. Gut, das Vinsalter Kronbanner ist auch nicht schlecht, aber ...'

"Ihr habt sicher recht, diese Dekadenz ist verwerflich. Aufs tiefste Verabscheuungswürdig und öffnet dem lauernden Chaos Tür und Tor. Aber ...

nunja, ich muß auch als Vater denken, und wenn er schon keine Disziplin lernt, wogegen er sich auch in Kuslik schon immer gesträubt hat, so lernt er doch zumindest die Kampfkunst und, was keinesfalls zu vernachlässigen ist, die jungen Adligen seiner Generation kennen. Hesinde gebe, daß die Literatur, die er nebenbei erwirbt, ihn Weisheit lehrt!"

Di Vespasio nimmt das Buch unter dem Arm hervor und klopft mit dem Knauf seines Stockes dagegen, so daß der leichte Holzeinband ein helles 'Tock' von sich gibt.

"Zudem hat er geschworen, die Schule nur tot oder als Offizier zu verlassen, so daß ... wie soll ich sagen, ich nur hoffen kann einen lebendigen Sohn, der frei von Dämonen ist, zurückzuerhalten?"

Kurz zuckt di Vespasios Auge zu dem Magus.

'Hach, du vergaßest, er ist ein Schüler der Morginsdotter. Er denkt bestimmt ganz anders über das Chaos. Schnell, erinnere dich, was hast du gesagt? Etwas was man falsch verstehen könnte?'

So bricht der Adlige fast mitten in seiner Rede ab und kann nur, während seine Gedanken versuchen sich an das Gespräch zurück zu erinnern, müde hinterwerfen:

"Nicht wahr?"



Den Ausführungen des Geweihten folgend, lässt sich Ottam zu einer Erwiderung hinreißen.

"Nun, auch wenn ich euch recht gebe, das Maßlosigkeit verurteilenswert ist, so glaube ich nicht, dass man darin gleich etwas Dämonisches sehen muss, ich meine, ein solches Wesen würde sich sicher nicht mit dererlei Lapalien abgeben"

'Ooooops, Ottam, verdammt, du sollst nachdenken bevor du redest'

Innerlich kochend sich zu diesem Kommentar hinreißen gelassen zu haben, wahrt er nach außen das Gesicht, jedoch innerlich wütend eigentlich zuviel gesagt zu haben.



Ottam erwidert lediglich den nickenden Gruß, denn innerlich wartet er darauf ob sein Kommentar auf den Satz des Praioten nicht falsch ausgelegt wird.



Der eingeschlagene Weg kommt Ottam nur zu recht, bietet er doch die Gelegenheit das Thema unauffällig zu wechseln.

Nachdem die Gruppe die Brücke zu den Marschen überquert hat erreicht man jenen Teil dieses Stadtteils der eher mit nobelen Gebäuden bebaut ist, wenngleich es immer wieder das eine oder andere baufällige Machwerk zu entdecken gibt. Doch kaum biegt man um die Ecke wird die Architektur verspielter und immer luxuriöser.

'Meine Herren, wir sind auf dem richtigen Weg, diese Straße kenne ich, sie nennt sich 'An den Rahjagärten'!" bringt Ottam hervor und hofft so geschickt alle Fragen abzublocken



Gerade noch will Onaskje, der sich nach einigen Augenblicken schon wieder halb beruhigt hatte, wieder auf den Comte eingehen, als er schier unglaubliches von dem Magus zu hören bekommt.

Mitten im Schritt bleibt er stehen und dreht sich zu Ottam um.

"WAS!?"

Nur mühsam will sich in seinem Kopf das eben gehörte zu einer Erkenntnis verdichten, eine von der Sorte allerdings, die er selbst für aufs höchste intolerabel hält.

"Ist Euch eigentlich klar, was Ihr da sagt?" fragt er ungläubig und mit rot angelaufenem Gesicht. "Was könnte es denn noch geben, daß in seiner schleichenden Art von noch dämonischerer Wirkung wäre?"

Vergessen ist die Umgebung, kein Blick fällt auf die hübschen Bauwerke, die sich weiter vorne abzeichnen. Zutiefst geschockt über die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, mit der dem Magier die Entstehung von bösem Wirken als Lappalie abtut, kann er nur mühsam an sich reißen.

"Wenn solcherlei Unwesen für Euch Lappalien sind, was könnte denn dann eine ernstzunehmende Bedrohung sein? Wißt Ihr eigentlich, daß solche Äußerungen, wie diese gerade an anderer Stelle ausreichen, um eine Untersuchung durch ein Inquisitionsgericht einzuleiten? Denn wie käme jemand dazu solche Feststellungen zu äußern, wenn ihm jeglicher Vergleich fehlte? Und diesen erlangt man ja wohl nur durch einschlägige Erfahrung!"

Suchend sieht sich Onaskje um, wer wohl Ohrenzeuge des Magiers geworden sein könnte, immerhin befindet man sich in Havena, der Stadt, in der die Magierkaste nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Und wer weiß, wem solche Äußerungen zugetragen werden...

'Das einfache Volk um uns herum scheint keine Notiz zu nehmen. Und die Herrschaften aus dem Boot? Nein, die fahren gerade auf der anderen Brückenseite hervor, obwohl - ja, der Efferdgeweihte sieht sich um, ob er...?'

Dann tritt er nahe an Ottam heran uns fährt in gefährlich leisem Ton fort:

"Denkt sorgfältig über Eure nächsten Worte nach, lieber Herr, denn leichter als Ihr es Euch ausmalen mögt mag eine unschuldige Seele in den Bann dämonischen Wirkens fallen."

Kurzer Seitenblick auf den Comte.

"Wir wollen hoffen, daß Euer Sohn verschont bleibt von üblem Wirken. Es war schon immer so, daß man an ganz unvermuteter Stelle auf Gefährliches ... stoßen kann."

Onaskje tritt einen Schritt zurück und fischt im Inneren des Umhanges nach einem Taschentuch, und nimmt wieder den Magier in den Blick.

Mit heftigen Bewegungen fährt er sich über Gesicht und Stirn, um sich den Schweiß abzuwischen, der sich in nicht unbeträchtlicher Menge dort gebildet hat.

Die Augen des Praiosgeweihten glitzern gefährlich und sein bohrender Blick liegt auf den Augen des Magiers, der Geweihte forscht sorgsam nach Zeichen von Falschheit und Unsicherheit.



Di Vespasio bemüht sich, äußerst zustimmend zu nicken und kein Zweifel daran zu lassen, daß er dem Praiosgeweihten ganz und gar zustimmt.

'Mit der Inquisition hast du jetzt nicht gerechnet. Gut, daß du nicht mehr zwischen den beiden Herren gehst. Eine hochnotpeinliche Untersuchung wäre jetzt sehr unpassend, ach war redest du, es wäre eine Katastrophe.'



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wasuren und der Spiegelpanzer


Ohne sich großartig von den anderen Mitfahrenden der NORDSTERN zu verabschieden, beginnt Wasuren sich den Weg in Richtung der hünenhaften Gestalt weiter vorne zu bahnen.

Den ihm anvertrauten Panzer trägt er mürrisch vor seiner Brust und schubst und drängelt was das Zeug hergibt durch die Menge. Irgendetwas muß auf dem Spielfeld los sein, da gerade die Stimmung einen spannenden Höhepunkt erreicht. Wasuren bekommt mittlerweile schon ganz schöne Knuffe in die Seite und muß sich zu sehr auf die Umstehende Menge konzentrieren, als das er das Spiel beobachten könnte. Hier und da schafft er es ein paar auf ihn gezielte Hiebe mit dem Panzer abzuwehren. Die Schmerz verzerrten Flüche die zurück bleiben, zaubern ein verschmitztes Lächeln auf sein Gesicht.

'Hmm eigentlich müßte ich doch schon längst Ole erreicht haben, wo ist der denn. Und dieser Zwerg erst? der is ja gar net zu finden.' denkt er sich, als er eine kleine Orientierungspause einlegt. Die Leute hier kennt er nun gar nicht mehr und kann sie auch nicht so recht zu ordnen, aber ein Blick auf das Spielfeld kann er nun ergattern.

'Mensch das nen ich mal nen guten Ausblick.' freut er sich als er sieht das gleich ein Tor fallen wird. Dann fällt es ihm auf.

"Das sind ja diese nichtsnutzigen Bullen! und sie schie..." brummt Wasuren anfangs in sich hinein. Dann brüllt er nur noch ein langgezogenes "Nnnnneeeeeeeiiiiiiiiiiiiinnnnnnn" als der Schuß erfolgt. UND da man glaubt es kaum der Torwart der Pottwale hält, er hält !!!

Wasuren kann sich vor Freude nicht mehr halten und schreit :

"Jawohl!" gröhlt er, um kurz darauf den sowie so störenden Panzer in die Höhe zu reißen. In vollster Kampfeslaune, schüttelt er den Schuppen-Panzer im Takt und brüllt dazu ein :

"Wale vor, macht ein Tor!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Aufbruch der jungen 'Schönen' - Silana, Hesindian und Darian


Bei dem lauten Ruf Hjaldars zuckt Silana kurz zusammen, dann versucht sie, ihre Orientierung und ihr Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Letzeres gelingt ihr zuerst und so sieht sie ziemlich erstaunt auf eine grüne Gewandung, während ihre Arme gestreckt um einen warmen Nacken geschlungen sind.

Verwirrt kneift die kleine Novizin die Augen zusammen. Wo ist sie denn hier gelandet?

Neugierig lässt sie den Blick ein Stück nach oben wandern, über Brust und Schultern, bis er schließlich das Gesicht erreicht hat und in ein Augenpaar taucht, das noch grüner ist, als die Kutte ihrer Besitzer.

Auch die Farbe der Wangen Silanas wird der ihrer Kleidung ähnlicher. Einen kurzen Moment blitzen die himmelblauen Augen in dem schmalen Gesicht auf, bevor sich die grazilen Arme vorsichtig vom Hals des Hesindegeweihten lösen.

"Danke," strahlt sie nach oben, "Gehen wir dann?"

Nach einem kurzen Zögern löst sich ihr Blick von seinem Gesicht und wendet sich zu dem ebenfalls etwas verloren dastehenden Darian.

"Möchtest Du uns begleiten?" fragt sie ihn mit ihrer sanften Stimme.



Weiter schweigend beobachtet Darian das für ihn seltsame Spiel. Jetzt kommt der Ball ganz nah an eines dieser Tore, dann springt der Spieler, der zwischen den Pfosten gestanden hat nach vorne - und jetzt? War das jetzt ein Punkt oder nicht? Ist der Ball schon aus der Perspektive des Hüters nicht gerade riesig, so ist er hier oben auf der Tribüne erstrecht schwer zu erkennen. Zwar leidet Darian schon aufgrund seines geringen Alters nicht an der, unter Gelehrten recht verbreiteten, Kurzsicht, doch so genau hat er in diesem Moment auch gar nicht hingesehen. Zu Merkwürdig ist das Verhalten der Menschen bei diesem Spiel, um nicht in interessantere Gedanken, wie z.B. der metamagische Gleichung des Schrödtinger oder zur Sphärologie abzugleiten.

Es dauert daher auch ein oder zwei Herzschläge lang, bis er merkt, daß er der, von der sanften Stimme Angesprochene ist. Fast ein wenig erschrocken dreht er sich zur Besitzerin dieser Stimme um und erkennt die junge Rahjageweihte Arm in Arm mit Hesindian. Der eben noch leicht verwirrte Gesichtsausdruck wandelt sich rasch in ein Lächeln, angesichts dieses "Kleinkonvents" - die beiden repräsentieren immerhin ein glattes Sechstel des Pantheons. Daß Silana die Schönheit ihrer Göttin auch in der dritten Sphäre würdig vertritt, spielt dabei sicherlich auch eine Rolle, auch wenn sich der junge Magier dies in diesem Moment kaum eingestehen würde.

"Gern werde ich Euch begleiten, Euer Gnaden", gibt er dann wiederum fast ein wenig hastig zurück, nur um seine Wortwahl gleich darauf anzuzweifeln:

´Hatte sie mich nicht eben mit `Du` angesprochen?´

Zwar hätte Darian mitnichten etwas gegen die vertrauliche Anrede, schließlich legt er selbst wenig Wert auf Titel, doch er ist sich der Problematik der Korrekten Anrede von Adel und Geweihtenschaft durchaus bewußt.

´Aber `Euch` müßte es ja auf jeden Fall heißen, schließlich sind sie zu zweit ...´

So vertieft in seine Gedanken bemerkt er auch nicht, daß er gerade im Begriff ist einen weiteren Etikettefehler zu begehen, nämlich den, die junge Geweihte anzustarren ...



Hesindians Erstarrung wird erst gebrochen, als das Wesen in seinen Armen sich an einen Nebenstehenden wendet und ihn etwas fragt. Doch dann prasselt die Erkenntnis, -wo- er denn da seine Hände hat, direkt in sein Hirn und entzündet dort ein Feuerwerk, das ihm die Schamesröte ins Gesicht treibt und ihn ruckartig die Hände wegziehen lässt, als hätte er eine giftige Schlange im Griff gehabt.

Dass er sich lächerlich, und schlimmer, unhöflich verhält, wird ihm sogleich klar, doch der Schaden ist bereits angerichtet, und so bleibt ihm nichts, als schluckend zu dem dritten im Bunde herüber zu blicken. Darian, wie er erkennt und sich gleich doppelt schimpft, vor den Augen des Adeptus solch ein Narrenspiel zu vollführen.



'Oh,' bei der korrekten Anrede des Magiers senkt Silana unwillkürlich den Blick, dennoch entkommt sie nicht dem tadelnden Gesichtsausdruck, der vor ihrem inneren Auge steht und sie missbilligend zu betrachten scheint.

*Euer Gnaden* holt sie in wenigen Sekunden aus der unkomplizierten, kumpelhaften Welt Hjaldars zurück in die der Etikette und des angemessenen Benehmens.

"Verzeiht..." in ihrem Gehirn rattert es, während sie nach der angemessenen Anrede sucht. War es Euer Gnaden, Euer Eminenz, gnädiger Herr, gelehrter Herr, Durchlaucht...?

Irgendwann rächt es sich doch, wenn man während des Unterrichts kleine Zeichnungen anfertigt, anstatt zu zu hören.

"Gelehrter Herr," entscheidet sie sich schließlich.

Plötzlich spürt sie, wie sich der Griff um ihre Hüften lockert, was sie wieder zu Hesindian zurückführt.

Erstaunt und ein wenig besorgt sieht sie ihn an. Es scheint ihm recht warm zu sein in seinem Gewand, denn das Gesicht des Hesindegeweihten ist leicht gerötet und auf der Stirn bildet sich, wenn sie das richtig sieht, leichter Schweiß.

Tatsächlich ist ihr auch ein wenig warm, wie sie so dicht vor ihm steht, das muss wohl an der Menschenmenge liegen. Um ihm zu signalisieren, dass sie jetzt wirklich losgehen möchte, nimmt sie vorsichtig seine Hand und zieht leicht daran, wobei sie leicht den fiebernden Hjaldar anstößt, damit er sie vorbei läßt.



"WOLL!!!" kommentiert Hjaldar die geglückte Abwehraktion des Pottwaler Tormanns. "Un' jetzt druff!!! Wie damals in Gareth!!!"

Zwar hält ihn das Immanfieber immer noch gefangen, doch ist die Situation auf dem Spielfeld zur Zeit nicht mehr so spannungsgeladen, daß er seine direkte Umgebung gar nicht mehr wahrnimmt.

"Hm?" brummt er fragend in die Richtung des Dreiergrüppchens aus Geweihten und Magier.

"Is' wat?"

Ohne jedoch seinen Blick dabei für längere Zeit vom Spielfeld zu nehmen.



´Was habe ich da nur angerichtet?´ geht es Darian durch den Kopf, als Silana ihn mit `gelehrter Herr` anredet. Da legen sie beide offenbar keinen großen Wert auf Titel und höfische Anreden und jetzt denkt jeden vom anderen, es sei genau umgekehrt. Am besten klärt man diese Situation jetzt gleich auf, dann ist es am einfachsten.

"Oh, Ihr dürft gerne `Du` zu mir sagen ... ähm bzw. du darfst, ... euer Gnaden ... ähm ... naja, ihr ... du ... weißt ... wißt schon ..."

Was ist bloß mit dem Adeptus los, daß er es plötzlich nicht mehr schafft einen vollständigen Satz auszuprechen und herum stammelt wie ein Patient der Noioniten? Am besten gleich weiterreden, dann merkt es vielleicht keiner.

"Am besten sollten wir ... ähm ... jetzt wirklich gehen, dies ist ... ähm ... vielleicht nicht der geeignete Ort zur ... ähm ... gemütlich ... ähm ... Konversation", kommt es auch prompt, immer noch nicht so ganz flüssig, aus seinem Munde. Ein klein wenig peinlich ist ihm die ganze Situation dann doch, schließlich ist nicht nur Silana eine Geweihte der Zwölf - und eine außerordentlich hübsche dazu - sondern auch Hesindian hört alles mit, ein Geweihter der Hesinde `seiner` Gottheit ...



Einen Moment lang betrachtet Silana ein wenig irritiert den vor sich hin stammelnden Magus, wobei sie ein wenig Mitleid für ihn empfindet, denn sie schwierig muss es für einen Magiebegabten sein, mit einem Sprachfehler gestraft zu sein. Doch da sie aus seinen Worten heraus liest, dass auch er gerne die Arena verlassen möchte, zögert sie nicht länger, sondern lächelt den ihr noch immer den Weg versperrenden Hjaldar an.

"Könntet I..."

Fast hätte sie, in der Bemühung, sich nicht schon wieder ungebührlich zu verhalten, den Thorwaler mit 'Ihr' angeredet, doch da kommt ihr den Gedanke, dass der Mann, mit dem sie die Unterkunft teilt und den sie als Freund betrachtet, dadurch beleidigt werden könnte.

"Könntest Du uns durchlassen? Wir gehen ein wenig an die frische Luft."

Sie deutet mit den Armen zu der zum Ausgang leitenden Treppe.

"Wir sehen uns ja spätestens in der Kabine wieder, viel Spass noch beim Spiel... und danke für die tolle Aussicht."



Erleichtert registriert der Adeptus, daß die Rahjani sich an Hjaldar wendet und das Etiketteproblem offenbar als geklärt ansieht. Hesindian hat auch eher Augen für Silana als für die Umgebung, so daß Darian hier wohl auch keinen unangenehmen Eindruck hinterlassen hat. Da somit alles geklärt scheint, wendet sich Darian zum gehen oder besser wendete sich, wenn man so einfach gehen könnte. Denn zur Zeit geht es weder nach vorne noch nach hinten noch sonstwo hin. Aber halb so schlimm, auf dem Weg nach draußen wird man ihnen eher Platz machen, als wenn sie sich weiter nach vorne drängeln wollten.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Nun aber ran an die Frau - Perval und Traviana


Aber andererseits sollte sie wissen, das man auf einem Schiff nicht auf Liebe macht, zumindest nicht unter der Besatzung. Die Damen und Herren Passagiere mögen das tun, aber bei der Besatzung werden die Offiziere schon was dagegen tun. Und das er sich wegen einer Frau mit den Offizieren anlegt, das ist es nicht wert. Aber so ein wenig Spaß ohne dafür gleich ein paar Taler auf den Tisch legen zu müssen, das wäre im Moment schon nach seinem Geschmack.

'Warum nich?! Jetzt oder nie!'

Perval hat sich entschieden und wenn die Kleine so naiv sein sollte, dann kann man noch immer den Offizieren was stecken. Jetzt wo seine Entscheidung gefallen ist, mag sie gut oder schlecht, richtig oder falsch sein, zögert er nicht mehr länger. Seine schon leicht geöffneten Lippen nähern sich denen von Traviana während seine Hände ihre Hüfte umfassen und er sie an sich heranzieht.



Das Geschehen auf dem Feld, die Menschenmengen um Traviana, und die lauten Rufe der Fans nimmt Traviana gar nicht wahr...

Sie denkt überhaupt nicht an eventuelle Folgen auf dem Schiff nach. Eigentlich denkt sie an überhaupt nichts anderes als an Perval, und wie schön dieser Moment ist, oder noch wird, auch wenn das nicht der ideale Ort dafür ist...

Schließlich nähert sie sich mit ihren Lippen auch denen von Perval...



Ihre Lippen kommen den seinen entgegen und irgendwo in der Mitte treffen sie sich, während Perval Traviana ganz zu sich heran zieht, bis er sie eng an sich gedrückt spürt. Seine Hände gleiten von ihren Hüften abwärts und nach hinten auf ihren Po und drücken ihren Körper noch fester an seinen.

Für den Moment sind alle Bedenken vergessen als auch alles was um sie herum geschieht. Das einzige was im Moment von Bedeutung ist, ist die Frau in seinen Armen.



Das ist ein sehr schönes Gefühl, eines, dass Traviana recht lange nicht gespürt hatte...

Sie genießt es, so nah bei Perval zu sein und noch mehr, ihn zu küssen...

Dabei legt sie ihre Arme um ihn, mit dem Gedanken, am liebsten nie wieder loszulassen....



Perval spürt wie sich ihre Arme sanft um ihn legen. Sein Körper reagiert auf ihren auf natürlichste Weise und seine Hände beginnen kraft- aber auch liebevoll ihren Pobacken zu massieren.

Auch wenn seine Lippen von dem Salz der Luft auf dem Meer rauh und nicht so weich wie die der Adligen und Reichen sind, die nur bequem in Ihren Häusern leben, sich von vorne bis hinten bedienen lassen, selber keine Hand anlegen und sich nicht den Gewalten der Natur aussetzen, so können diese Lippen allerdings genauso zart sein, wenn nicht sogar zarter während sie die Lippen Travianas mit einem langen intensiven Kuß bedecken.



'Seine Lippen... so zart. Und der Geschmack des Meeres'

Traviana lässt sich fallen. Lange ist es her, dass sie ihn den Armen eines Mannes lag, auf ihren vorherigen Reisen hatte sich selten etwas ergeben und zu Hause... Nun, zu Hause hatte es einfach niemanden gegeben, der sie gereizt hätte. Alles Landratten, die sie nicht verstehen konnten oder untreue Abenteurer.

Sicher, er ist Seemann und Seefahrer untereinander gehen selten Beziehungen ein, schon weil man jeden Tag zusammen eng aufeinander "gesperrt" ist. Und doch hat sie dieses gewisse Kribbeln im Bauch. Und das Morgen ist auch egal, was zählt ist nur das hier und jetzt.

Sie spürt, dass sie gerne mit ihm zusammen sein würde und vielleicht hat das auch eine Chance. Und wenn er etwas anderes im Sinn hat?

Seeleute sind - wie sie weiß - von Natur aus unstet und...

Traviana verdrängt diese dunklen Gedanken, im Augenblick gibt es nur noch sie und ihn, seine Lippen, die sich sanft auf die ihren pressen, seine kräftigen Hände, die ihr Hinterteil streicheln. Näher drängt sie sich an ihn heran, ihre Arme legen sich noch fester um ihn, damit er ihr ja nicht entwischt.

Sanft streicheln ihre Hände über seine Schulterblätter. Ihre Lippen umdrängen die seinen, berühren sie, legen sich sanft herum, lösen sich für einen kurzen Moment von ihnen um dann wieder erneut in einer Welle der Begierde auf die seinen zu treffen. Für einen Moment schiebt sich ihre Zunge vor, erkundet sanft Pervals Mund, bevor sie wieder etwas schüchtern zurück gezogen wird.

Ein wohliger Schauder läuft ihr über den Rücken.

'Lass mich nur nicht los!' flehen ihre Gedanken. Sei sind so stark, dass man sie sicherlich in ihren Augen lesen könnte - wenn Traviana sie nicht geschlossen hätte.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Freundliche Ratschläge


"So ein Mist!" flucht ein kräftiger Mann, Maurer seines Zeichens, in Richtung seines Nachbarn im Stadion, der anscheinend ebenfalls aus dem Bauhandwerk kommt - vielleicht ist er Zimmermann.

"Das kannst du laut sagen, der Kork war doch schon fast drin!"

"Da muss ich doch gleich wieder..."

Der Maurer hebt die Hand, in der er eine kleine Flasche hält, und setzt sie an den Mund. Ein Brennen in seinem Hals kuendet von der Wirkung, dann trinkt er noch einen kleinen Schluck, ehe er die Flasche dem anderen Mann anbietet.

"Nein, das behalt, ich trinke nichts, das aus der Stadt unserer Gegner kommt!"

Grinsend schüttet der Maurer noch einen Schluck des Premer Feuers herunter, und hält dann urplötzlich inne.

"Guck mal, die beiden haben sie wohl nicht alle!"

Er stößt den anderen dabei an und zeigt auf ein sich umarmendes und knutschendes Pärchen von Seeleuten in unmittelbarer Nähe. Der Zimmermann grinst nur, doch der Maurer, dem das Premer das Gehirn schon ziemlich benebelt hat, brüllt laut:

"Los, nimm sie!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Nun aber ran an die Frau - Perval und Traviana


Perval mag Frauen, die wissen, was sie wollen und es sich dann nehmen. Frauen, die immer nur umgarnt und verwöhnt werden wollen, sind nicht unbedingt sein Ding. Schließlich sind Frauen dazu da, um die Männer zu verwöhnen und dazu gehört halt eine gewisse Portion Eigeninitiative, auch wenn diese natürlich nicht zu weit gehen darf.

Wenn es am Anfang so aussah, als würde Traviana zu der zweiten Gruppe von Frauen gehören, so scheint sie sich in den rechten Momenten in einen wahren Vulkan verwandeln zu können. So mindest kommt es Perval vor, als ihre Zunge über seine Lippen streichelt und tiefer in seinen Mund vorstößt und ihr Körper sich noch enger an seinen schmiegt. Rasch stößt seine Zunge nach als sie ihre zurückzieht.

Trotz des berauschenden Gefühls, daß diese Frau in ihm auslöst, finden seine Gedanken einen Weg an die Oberfläche des brodelnden Sees aus Lust.

'Wird Zeit, dat wir hier verschwinden.'

Aber noch ist nicht der Moment, um sich von Travianas Lippen zu lösen und ihr diesen Vorschlag zu unterbreiten. Und so packen seine Hände noch einmal kräftig zu und drücken ihr Unterleib gegen seinen und seine Zunge setzt ihrer nach, um sie sanft zu umstreicheln.



Traviana spürt, wie er sie noch fester in den Arm nimmt.

Jetzt fühlt sie sich richtig wohl...

Sie drückt auch ihn noch mehr an sich und küsst Perval leidenschaftlich...

Zum ersten Mal fallen ihr dir Menschen ein, die um sie herum stehen..

Ob jemand ihnen zusieht, sie beobachtet...

'Nein, die sehen sich sicher alle das Spiel an... wozu ich bisher ja nicht viel gekommen bin...'

Sie muss innerlich grinsen...

Nicht das sie das stören würde- im Gegenteil, sie kann sich nichts Schöneres als das vorstellen, und genießt es auch, so gut sie kann...

Traviana spielt mit Pervals Zunge und umstreichelt sie sanft mit ihrer...

'Wie schön das doch ist.......'



Langsam lösen sich Perval Lippen von Travianas und bewegen sich liebkosend über ihre Wange zu ihrem rechten Ohr. Dort angekommen raunt er ihr leise, wobei dieses bei dem Lärmpegel auf der Tribüne eigentlich gar nicht nötig wäre, ins Ohr:

"Komm, las uns ma´ hier verschwind´n. Zu viele Aug´n un Ohr´n."



''..nein, hör nicht auch mich zu küssen...'

Traviana bereut es aber keinesfalls, als sie den Vorschlag von Perval hört, denn sie fühlt sich dabei zwischen diesen Menschen auch nicht ganz wohl...

'hmm... ich scheine ihm wirklich wichtiger zu sein, als dieses Spiel... '

Sie lächelt.

"ja.." sieht bemüht sich, eine Lautstärke zu finden, die man trotz dieser Menschenmenge hört, ohne ihn aber gleich 'anschreien' zu müssen. "...gute Idee..."



Perval gibt Traviana einen (vorerst) letzten Kuß auf den Hals bevor er sich von ihr löst. Er nimmt ihre Hand, allerdings nicht unbedingt so, wie ein verliebter Schnösel die Hand seiner Geliebten nehmen würde, sondern schon etwas fester.

"Dann laß uns ma hier rauskommen."

Er beginnt sich einen Weg durch die Menschen auf der Tribüne zum Ausgang zu bahnen. In Gedanken beginnt er die Möglichkeiten durchzugehen, wo man jetzt hingehen könnte, um für einige Zeit ungestört zu sein.



IN HAVENA - In den Gassen der Stadt: Sciba - Nìallyn


Sciba seufzt resigniert. Diese ungläubige Reaktion, die Níalyn gezeigt hat, ist ihr zwar nicht unbekannt, aber es verunsichert sie immer noch, wenn die Leute ihren Visionen keinen Glauben schenken wollen. Ja, manchmal glaubt sie selber beinahe, dass es purer Humbug ist!

Magie, Drachen und Dämonen - all das ist real, aber wenn sie wieder einmal versucht die Leute zu warnen, dann kommen bestenfalls solche Reaktionen wie diese von Níalyn. Bis es dann beinahe zu spät ist...

"Glaube es mir oder nicht - egal! Hauptsache du folgst meinem Rat und passt hier in Havena auf dich und die beiden anderen auf."

Níalyn nickt nur, denn es entgeht ihr nicht, dass es der kleinen Geweihten wirklich ernst ist und sie möchte ihre alte Freundin nicht beleidigen.

"Aber... das ist eigentlich noch nicht alles... ," fährt Sciba nachdenklich fort, "denn vor wenigen Tagen änderten sich die Visionen. Ihr drei kamt darin letztendlich nicht mehr vor, dafür aber Dutzende von dunklen, gesichtslosen Gestalten, die ebenfalls alle gegen den Mann und die Elfe kämpften... und gegen etwas, was sich im Hintergrund verbarg."

Sciba schaudert leicht.

'Anhänger des Namenlosen, keine Frage. Aber ich verstehe den Zusammenhang nicht.'

Níalyn beobachtet die grübelnde Sciba. Was ist bloß in den letzten Jahren vorgefallen, dass sie so besorgt und irgendwie auch ängstlich wirkt? Beruhigend legt sie eine Hand auf die Schulter der Geweihten.

"Ich habe schon einiges durchgestanden. Unkraut vergeht nicht, Sciba, und wenn es dich beruhigt, dann begleite uns hier in Havena ein wenig. Was hälst du davon?"

Sciba zieht die Augenbrauen nach oben. Eigentlich ist sie hundemüde und ihre Sachen für einen baldige Abreise aus dieser Stadt sind auch schon gepackt, aber andererseits würde sie gerne wieder mal mit Níalyn um die Häuser ziehen und vielleicht könnte sie sie auch zu ihrem Bruder Gial in den Efferdtempel bringen.

"Gerne! Wo wollt ihr eigentlich hin?"

"Ins Immanstadion," antwortet Níalyn, "zusehen, wie die thorwalschen Fische von den Bullen geschuppt werden... und nebenbei ein wenig an PHEx denken. Also?"

Auch auf Níalyns Gesicht zeigt sich ein Lächeln.

Sciba schüttelt belustigt den Kopf. Für Imman konnte sie sich eigentlich noch nie begeistern. Zwar hatte ihr Grossvater, ein Kaufmann, sie oft mit ins Stadion in Gareth genommen, aber das Spiel war für sie, als damaliger Drei-Käse-hoch, eher nebensächlich. Viel interessanter waren die anderen Kinder, die dort ebenfalls mehr oder weniger begeistert zugesehen haben und mit denen sie spielen konnte. Dort kannte sie niemand als Tochter eines strengen Praiosgeweihten, vor der man sich besser in acht nehmen müsste und sie war dort einfach nur ein Kind von vielen.

Eigentlich ist Imman doch ein schönes Spiel... und wenn sie dabei noch ein bisschen was für den Fuchsgott einstreichen kann - um so besser!

"Gut," antwortet Sciba und geht dabei wieder in Richtung der Straße, wo die beiden herkamen und wo wohl noch Torin und Ameg stehen, "ich komme mit."



Níalyn sieht man die Freude darüber, dass Sciba offenbar mit ins Stadion möchte, an. Zusammen mit der kleinen und eleganten Phexgeweihten biegt sie um die Ecke in die Strasse, wo Torin und Ameg vor dem Gasthaus stehen. Sie sieht, wie Ameg Torin anlächelt. Offenbar ist es doch kein so schlimmer Abschiedsschmerz oder Ameg versucht besonders tapfer zu wirken.

'Wie soll ich Sciba eigentlich vorstellen?' fällt ihr plötzlich ein, denn einerseits ist zwar auch Torin ein Geweihter des PHEx, andererseits legte Sciba schon immer sehr viel Wert auf Heimlichtuerei und Verkleidung. Kurz blickt sie die nur um wenige Götterläufe ältere Frau an, doch diese geht mit leicht erhobenem Kinn auf die kleine Gruppe zu.

'Ah, schon klar! Besser ich überlasse ihr die Vorstellung - sie wird schon wissen, wer sie diesmal ist!'

Ein verschmitztes Lächeln umspielt kurz ihre Mundwinkel, als sie an früher denkt.

Es war wenige Jahre, bevor sie Havena verließ. Sie und Sciba wollten sich Eintritt auf einen besonders exklusiven Ball bei einem reichen Kaufherrn verschaffen. Sciba schaffte es ein paar wertvolle Kleider zu organisieren und, nachdem sie sich gegenseitig frisiert hatten, fuhren sie mit einer gemieteten Kutsche vor. Sciba setzte dann ihre oft unnachahmliche Rhetorikkunst ein und schon waren sie beide auf dem Fest.

Allerdings fiel Níalyn während des Festes auf, dass Sciba wohl eher aus 'beruflichen' Gründen gekommen war und dort etwas überaus Wertvolles stahl - Informationen über einige Aktionen des Kaufherrn, bei denen es wohl nicht so ganz mit rechten Dingen zugegangen haben soll.

Aber auch Níalyn fröhnte etwas später am Abend der unfreiwilligen Eigentumsübertragung...

Wer weiß, was für Abenteuer diesmal auf sie warten?



NORDSTERN - Auf der Brücke: Einsame Wacht - Jergan


Vor zwei Tagen, als die NORDSTERN abends hier angelegt hat, oder, vor sieben Tagen, wie etwa die Hälfte der Menschen der NORDSTERN wohl sagen würden, sind gerade die aufregenden Erlebnisse der Sturmfahrt zu Ende gegangen, und während der Einfahrt tobte die Schreierei zwischen der Bootsfrau, dem Smutje und dem Schiffsjungen.

Kurz verweilen die Gedanken des Kapitäns an dieser Stelle, und er versucht, sich zu erinnern, ob von Nirka da noch irgendwelche Bemerkungen gekommen sind, aber das war nicht der Fall. Im Grunde war das ja auch nicht nötig, ein Streit dieser Art ist Angelegenheit der Bootsfrau und von dieser sowohl schlichtbar, als auch in der Bestrafung festlegbar.

Weiter schweifen die Gedanken zu dem Abend, als der Hochgeweihte des hiesigen Efferdtempels persönlich das kleine Schiff besuchte, eine Ehre, die längst nicht jedem Schiff zuteil wird, die die NORDSTERN aber in zwei Häfen hintereinander "genießen" konnte. Gut, in Salzerhaven war es kein Hochgeweihter, aber immerhin die Vorsteherin des dortigen Efferdtempels. Und dann zu dem Morgen und dem gestrigen Tag, als der Kapitän leider nicht mit in den Tempel konnte - wenigstens nicht zur Feier, später am Tag war er selbstverständlich auch zu einem kurzen Gebet dort.

Und dieses wird sicher nicht das einzige bleiben, denn eines ist gewiss: Die NORDSTERN wird deutlich länger in Havena vor Anker bleiben, als sie das in Thorwal oder Salzerhaven getan hat.



Havena ist eine Hafenstadt, in der Jergan sehr gerne verweilt, auch wenn dieser Umstand auf den Zeitplan der NORDSTERN wohl einen eher geringen Einfluss hat. Viel mehr haben die äußeren Umstände dazu geführt, dass man sich in den vorigen Haefen weit weniger Zeit lassen konnte, als das üblicherweise der Fall ist, und so ist die NORDSTERN schneller nach Havena gekommen, als sie das in den Götterläufen zuvor jemals getan hat. Weder die Meuterei hat eine große Verzögerung bewirkt, noch der Schlepp der ZYKLOPENAUGE, denn beide Male waren die anschließenden Hafenaufenthalte in Thorwal und Salzerhaven entsprechend außergewöhnlich kurz.



IN HAVENA - In Immanstadion: Rosenquarz


Isleif interessiert sich nicht sehr fürs Spiel. Der Rosenquarz, der in seiner Hand schon ganz warm geworden ist, scheint viel wichtiger. Und daß Branwin vom Spiel gerade abgelenkt ist, kommt ihm gerade recht.

Gerade macht er sich daran, seinen Geldbeutel zu öffnen, um den Stein dort hineinzulegen, als sein Verwandter ihn ein weiteres mal auf den Stein anspricht.

'Schrei doch noch lauter. Dann weiß jeder, was ich hier gefunden habe.'

Mit einem leisen "Pssst!" und dem Zeigefinger auf den Lippen, deutet er dem Schreihals an, nicht mehr so laut darüber zu sprechen. Dann beugt er sich zu ihm hin, schaut sich dabei verschwörerisch um, ob auch niemand lauschen mag, und hält den Rosenquarz auf offener Hand zu Branwin hin.

"Schau mal, was ich gerade gefunden habe."



Branwin braucht ein wenig um sich von dem Gedanken an den Stein los zu reißen. Das Spiel ist im Moment viel wichtiger, da die Menge gerade so richtig zum Leben erwacht muß etwas auf dem Spielfeld los sein. Branwin streck und reckt sich, bekommt aber nur noch mit wie der Torschuss der Bullen gerade noch vereitelt werden kann. Enttäuscht sinkt er wieder in seine alte Position.

"Also wirklich da schießen die gerade fast ein Tor und du druckst mit diesem Stein hier herum, asl wär das Spiel gar nicht interessant. Was is denn an dem Stein so besonderes, Isleif?"



Mit großen Augen guckt Branwin, wie komisch sich Isleif auf einmal verhält.

'Das Spiel war ihm doch sonst noch nie so unwichtig wie jetzt. Irgend was ganz besonderes muß er da haben.' denkt er sich gerade als er den Stein in Isleif´s Hand nun einmal aus der nähe zu sehen bekommt.

'Was für ein Stein!' fährt es ihm durch den Kopf und sofort rückt er näher an ihn heran. Schützend bringt er seinen Oberkörper in Position damit bloß kein anderer diesen schönen Stein sehen kann.

"Ooohh, der ist aber schön" staunt er leise raunend. "So zarte Rundungen und diese feinen glänzenden Linien, die er überall hat."

Aus den Augenwinkeln sieht er sich schreckhaft um, als er von der Seite an gerempelt wird. Aber kurz darauf haften seine Blicke schon wieder an dem Kastanien großen Stein in Isleif´s Hand.



Für einen Moment legt sich ein Lächeln auf Isleifs Gesicht, als er Branwin so über den Stein reden hört.

'Da erkennt man, daß er und Vater wirklich verwandt sind. Der hat auch nie den Wert einer Sache erkannt, sondern nur immer darauf geachtet, ob es ihm gefällt oder nicht.'

Bis heute kann Isleif nicht verstehen, wie manche Menschen versuchen, einen "wahren" Wert an allen Dingen zu entdecken. Entweder es hat einen Wert oder nicht. So einfach ist das.

"Ja, schön ist er auch. Aber viel wichtiger ist doch, daß er bestimmt auch ein paar Taler einbringen könnte. Oder was meinst du?"



Isleif lächelt seinen Verwandten warmherzig an. Für einen Moment kommt es ihm so vor, als wären sie beide viel näher Verwandt, als sie es eigentlich sind. Als wäre er sein kleiner Bruder, der zu naiv ist, um die Welt so zu sehen, wie sie ist, einen Ort, wo Geld eine nicht unbedeutende Rolle spielt.

"Wir werden schon jemanden finden, der uns einen passenden Gegenwert dafür zahlen kann. Keine Sorge. Aber vorerst sollte ich unseren wertvollen Besitz wohl erst einmal verstauen, solange wir hier in der Menge sind."

Er zwinkert Branwin zu, als er diese Worte spricht und den ledernen Geldbeutel an seiner Seite öffnet. Dann legt Isleif den Rosenquarz dort neben einige Geldmünzen hinein.


***


Wäre der kleine rosa Edelstein sich seines Seins bewußt, würde er die Dunkelheit und Wärme, die ihn nun umschließen, freudig bemerken.

Früher war an einem ähnlichen Ort, wo er sich noch viel wohler gefühlt hat. Eine kleine Stofftasche war sein Heim gewesen, und in seinem Heim war er seiner Herrin immer ganz nahe gewesen.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem es diesen Ruck gab, und sein Heim gefallen ist. Und als sein Heim auf dem harten schmutzigen Boden aufgekommen ist, hat er es verlassen müssen.

Wenn der Rosenquarz denken könnte, würde er vermuten, daß sein jetziger Besitzer nicht so ist, wie seine frühere Herrin. Sie hatte die Kraft und das Wissen, ihn für die richtigen Zwecke zu benutzen.

Doch das neue Heim ist besser als gar keines. Und deshalb würde sich der Edelstein entspannt zurücklegen und die eingekehrte Ruhe genießen, wenn er so etwas könnte.



Branwin´s Gedanken überschlagen sich als er Isleif´s Worte hört. Dann glitzert eine Erkenntnis in seinen Augen auf und er stottert langsam etwas für ihn fast unfaßbares :

"Ooohh oh jjjaa ddie se ser Stein ist ... er ist .. bestimmt ... "

Weiter vermag er nicht zu sprechen, denn Branwin sucht verzweifelt nach einer Beschreibung für den Wert dieses für ihn so wunderbaren und faszinierenden Steins.

Einmal tief Luft geholt hat er sich halbwegs wieder gefangen, kann aber seinen Blick nicht von dem Rosenquarz abwenden.

"Er ist zu schön als das es einen Gegenwert für ihn gibt!" meint er entmutigt.

'Und ich weiß das du das nicht verstehen wirst, Isleif. Du darfst ihn nicht verkaufen!'



IN HAVENA - Auf den Straßen: Jandara's Rückkehr


Jandara genießt den Spaziergang durch die Gassen Havenas. Er gibt ihr Gelegenheit, ihre Gedanken zu ordnen. Wäre sie zur Selbstironie fähig, würde sie wahrscheinlich über sich und das Geschehen im Stadion lachen müssen. Doch diese Gabe haben die Götter ihr nicht mitgegeben. Und so lässt sie die Ereignisse der letzten zwei Tage noch einmal Revue passieren.Das Thema Cern ist nun für sie beendet. Sie versteht gar nicht, wie sie hatte glauben können, dass ihr Leben die letzten Jahre zwar weiter gelaufen ist, Cerns jedoch an dem Punkt ihrer Trennung stehen geblieben war.Nein, zuviel ihrer Energie war in diesem bodenlosen Brunnen versickert. Sie hatte ihre Freunde in Weiden allein gelassen, obwohl die sie gebeten hatten zu bleiben. Seufzend bleibt sie kurz stehen.

'Ich habe die Wahl.' überlegt sie. 'Grangor oder Baliho?'

Doch sie will ihre Entscheidungen nicht mehr über den Zaun brechen, die Sterne werden ihr zeigen was zu tun ist. Da erinnert sie sich wieder an das traurige Schicksal des Rosenquarz. Ihr Talisman, der Fokus, der ihr hilft ihre Gedanken in die Zukunft zu richten, sich auf kommende Dinge zu konzentrieren. Instinktiv greift ihre Hand nach dem lädierten Geldbeutel an ihrer Seite. Sie fasst ins Leere.

'Dieser §$&%$...Zwerg!!! Ich hoffe für ihn, dass er es nicht wagt die NORDSTERN ohne meinen Stein zu betreten...'

Entschlossen und mit Gewitterwolken im Blick setzt sie ihren Weg fort.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Hund auf dem Platz - Zuschauereaktionen


Der Schock über das nicht geschossene Tor ist noch nicht ganz vergangen, als schon die nächste Katastrophe in Form eines Hundes auf das Spielfeld gerät.

Die meisten reagieren ähnlich empört, wie es der eine Schiedsrichter tut, andere schreien wilde und blutrünstige Forderungen, die nicht gerade freundlich zu dem armen Tier sind.

Vielleicht ist es so aber auch ganz gut, denn es lenkt den Ärger über das verpasste Tor auf ein anderes, greifbareres Ziel, das sich so bald besser nicht ohne den Schutz der Ordner zurück in die Menge wagen sollte, bevor nicht wenigstens ein Tor für die Bullen gefallen ist, oder irgend etwas anderes passiert ist, das die Zuschauer beschäftigt.


***


Raikas Schwester bemerkt das Winken der Spielerin, und stellt sich ungeachtet ihrer nicht geringen Größe zusätzlich noch auf die Zehenspitzen, um es heftigst zu erwidern. Dass ein Mann neben ihr dabei einen Ellenbogen fast ins Gesicht bekommt, kümmert sie wenig, solange die Chance besteht, dass Raika sie sehen kann.

"ZEIGS IHNEN, RAIKA!"

Die Zuschauer in der Umgebung haben keine Ahnung, warum diese Frau genau das brüllt, aber es ist etwas, das man brüllen kann, und so stimmen sie ein.


***


Ein Stückchen weiter rappelt sich ein kleinerer, aber noch ziemlich junger Mann wieder auf, den der auf das Feld eilende Hund umgerannt hat, und schwenkt seine Faust hinter dem schon längst enteilten Hund her, der anscheinend mit seinem Herrchen Gassi gegangen ist.

"Hat mal jemand eine Armbrust?"

Er schreit es, aber es geht im Lärm der anderen, zu Botos Glück, vollkommen unter.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Hund auf dem Platz - Die Schiedsrichter


Eine wirklich spannende Szene im Spiel, die erfordert viel Aufmerksamkeit. Wenn jetzt ein Foul geschieht und er falsch entscheidet - dann würde bei dne Fans die Hölle los sein! Also, nur nicht... Doch was bei allen Göttern, Fuldigors Rachen und magischen Winden war DAS!!!

Verwirrt richtet Ulfert seinen Blick auf ein Geschehen weit vom Ball entfernt. Fassungslos kneift er die Augen zusammen, so als trauer er seinen Augen nicht.

"Also, das ist doch die Höhe!" fängt er zu zetern an.

"Tiere auf dem Spielfeld! Und ein Fremder! Das ist doch, das ist... ein Verstoß, jawohl, wo haben wir denn - unerhört - das gibts doch nicht - wohl besessen wie - einfach hier rein... - warum hat sie denn niemand - Sauerei - Warum muss immer mir das..."

Kaum kann Ulfert Atme holen, so aufgeregt ist er. Schließlich bekommt er keine Luft mehr und greift sich an die Brust. Während er tief durchatmet, kommen seine Gedanken wieder etwas zur Ruhe.

`Mmh, eigentlich hat es niemanden behindert und jetzt... jetzt sind sie auf der Tribüne. Sollen sich doch dir Ordner darum kümmern, jawohl! Das wird das beste sein...`

Noch immer etwas aufgebracht, aber zufrieden, diese Lösung gefunden zu haben, wendet er sich mit seinem Blick wieder dem Ball zu.


***


Auch Aedin war durch Ulferts Zetern auf das seltsame Gespann aufmerksam geworden. Doch im Gegensatz zu diesem lösen der durch hastende Hund, der den kleinen Mann hinter sich herzieht keine Wutanfälle aus. Eher im Gegenteil. Aedin fängt an zu kichern, ja regelrecht zu prusten. Der Anblick ist ja aber auch zu komisch. Und jetzt erst, auf der Tribüne...

Der junge Schiedsrichter kann sich vor Lachen schier nicht mehr halten.


***


Sylna dreht nur die Augen empor und schüttelt den Kopf.

`Verrückte, alles Verrückte...`



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Die Augenblicke scheinen sich zu verlangsamen, ganz langsam läuft die Szene vor Raikas Augen ab. Sie hatte zwar nicht den besten Winkel und konnte nicht voll zuschlagen, aber anscheinend hatte der Torwart der Premer sich zur anderen Seite orientiert und den Ball - wie gehofft - erst spät gesehen.

Quälend langsam »rast« der Ball vor ihren Augen auf das Tor zu. Der gegnerische Torwart wirft sich herum, springt.

Langt es? - langt es nicht? - langt es? - langt es nicht?...

Raika hält den Atme an, während sie verfolgt, wie der Ball immer weiter dem Tor entgegen saust während der Thorwaler nach oben steigt.

`Komm schon, er trifft...`

Doch dann hört sie ein leises PLOCK und mit diesem Geräusch zerplatzt all ihre Hoffnung, das erste Tor des Spieles erzielt zu haben. Der Kork wird abgelenkt, landet im Gras, rollt noch ein kleines Stück und bleibt dann liegen.

Raikas Atem entweicht pfeifend und sie sieht betroffen zu Boden. Um Aufzuspringen und dem Ball erneut nachzujagen ist sie momentan zu erschöpft. Deutlich hebt und senkt sich ihr Brustkorb, als sie - immer noch auf dem Boden liegend - nach Atme ringt.

`Das ist nicht fair, das ist einfach nicht fair. Mist verdammter!`

Wer ihr Gesicht sehen könnte, könnte deutlich die Enttäuschung in ihnen lesen, doch Raika sieht auf das Gras unter ihr. Feucht glitzern ihre Augenwinkel.

`Ich habe sie enttäuscht`

Ingvars Stimme reißt sie aus ihren Vorwürfen. Noch etwas irritiert sieht sie nach oben, direkt in sein Gesicht.

`Was...?`

Seufzend erhebt sie sich langsam, für einen Moment steht sie noch etwas wacklig, schließlich ist so ein langer Zickzackspurt anstrengend. Die Premer haben ein mörderisches Tempo drauf und sie hatte mithalten müssen, um sich freizulaufen.

Ihre Mandelaugen sehen Ingvar an, als sie mit den Schultern zuckt und murmelt

"Manchmal muss man eben mit den Wölfen laufen - wenigstens eine Weile..."

Ein Stimme lässt sie aufhorchen. hatte da nicht eben jemand ihren Namen gerufen?

Von der Tribüne her?

Raika kennt diese Stimme.

`Ach Schwester, habe ich dich auch enttäuscht?`

Langsam reift ein Entschluss in ihr. Sie dreht sie in die Richtung, aus der der Ruf kam und winkt in Richtung Tribüne. Sie kann zwar ihre Schwester zwischen all den Menschen nicht entdecken, aber dafür wird diese sie ganz sicher sehen können.

`Einmal hat die Spitze verfehlt, doch der Speer wird noch treffen!`


***


"Verdammt!"

Enttäuscht muss Dunvallo erkennen, dass der Premer Torwart Raikas Ball gehalten hat. Die arme »Kleine« ist ja auch hart bedrängt worden, trotzdem war ihr Schuss noch recht sauber und kräftig.

`Aber dieser Torwart ist nicht schlecht, da werden wir uns anstrengen müssen`

Herrje, die »Tigerin« steht ja immer noch neben ihm!!! Dunvallo mag gar nicht zu ihr hin sehen. Wahrscheinlich grinst sie gerade.

`Aber warte nur - aufgeschoben ist nicht aufgehoben`


***


Cathal sagt nichts. Statt dessen nicht er nur zu Dunvallos Fluch. Ausnahmsweise sind sie einmal einer Meinung - was gibts dazu anderes auch noch zu sagen.

Doch er bleibt nicht lange untätig. Denn einer der Premer - `Das muss die Otter sein` - hat sich den Ball geschnappt und stürmt links heran. Cathal wäre nicht ein so guter Spieler und Kapitän der Bullen, wenn er in solch einer Situation nur untätig herumstehen und der verpatzten Chance nachtrauern würde. Das Spiel geht schließlich weiter!

"Aufpassen jetzt!!!" brüllt er über das Feld, um seine Leute wieder in Gang zu bringen


***


Ziemlich verdutzt sieht Lyn hoch. Gerade eben war sie dabei, ihrem Trikot noch den richtigen Sitz zu verleihen, als plötzlich etwas Schwarzes, einem Blitz gleich, an ihr vorbei saust. Und irrte sie sich, oder hatte der "Blitz" ihr auch noch seine Verehrung ausgesprochen?

Mit offenem Mund steht sie da uns sieht etwas irritiert dem davoneilenden Etwas hinterher, unfähig ihre Gedanken zu ordnen, geschweige denn, etwas Sinnvolles zu sagen. Letztlich ist es Cathals strenger Ruf, der sie wieder in die Wirklichkeit zurückholt.


***


Die ganze Zeit über hatte Tibraide die »Yeshinna« nicht aus den Augen gelassen, auch wenn ihre Haltung äußerlich entspannter wirkt. Auch Rumpo hat die Arme gesenkt, war es ihm doch zu blöd die ganze Zeit mit ausgebreiteten armen dazustehen.

Doch jetzt zuckt Tibraide zusammen. Ihre Augen weiten sich erstaunt und auch ihr Mund steht vor Überraschung etwas offen. Kaum kann sie den Blick von dem seltsamen Schauspiel abwenden, dass sie ihr auf dem Feld darbietet, als sie der Premerin ein paar fragende Worte zuwirft:

"Sag mal, hast du da eben auch gerade einen schwarzen Hund vorbei rennen sehen, der einen älteren Herrn hinter sich her zog?"



Ragnid blickt Tibraide mit großen Augen an. Die Yeshinna wirkt auf einmal sehr viel bleicher als sonst, es ist, als hätte sie eben eine wunderliche Erscheinung gehabt.

"Ich bin richtig froh, dass du mich das fragst!" antwortet sie der Abwehrspielerin aus Havena "Für einen Moment habe ich geglaubt ich hätte das alles geträumt. Ich wollte schon an meinem Verstand zweifeln!"

Doch dann legt sich Ragnids Verwirrung und sie lacht lauthals los.

"Also ... Sachen gibt's ...!"

Und schon legt sich wieder etwas Farbe in ihr Gesicht.


***


Thorlif treibt den Ball weit nach rechts außen, erst einmal weg, von Freund und Gegner. Die 'Otter' fühlt sich erst einmal sicher, denn es sind weit und breit keine Havena-Spieler zu sehen, abgesehen von dem kleinen mandeläugigen Wiesel aus den Sturmreihen der 'Bullen', eben jene, welche die Verteidiger der 'Pottwale' arg in Verlegenheit gebracht hatte. Isleif, dieser 'Seehecht' hat da ganze Arbeit leisten müssen, der hat aber ganz schön was darauf. Das hätte Thorlif gar nicht von ihm gedacht und nun ist er angenehm überrascht von dem jungen Torhüter. Aber nun geht das Spiel weiter und die 'Pottwale' sind nun am 'Drücker'! Nichts ist wertloser als die Verdienste der Vergangenheit und seien sie auch erst wenige Momente her.


***


Faenwulf wollte schon zurück eilen, doch nun hält er inne und überdenkt seine Pläne. Die Lage hat sich zwar zum Vorteil der 'Pottwale' geändert, doch noch immer ist der Ball in der Spielhälfte der Premer Mannschaft und Thorlif hat nicht eben viel Möglichkeiten die Korkkugel nach vorne zu bringen. Daher bleibt der alte Faenwulf erst einmal wo er ist, um sich als Partner für ein Anspiel anbieten zu können.


***


Ifirnsgiron rückt ins zentrale Mittelfeld vor und schließt damit die Lücke in der Mitte des Feldes. Frenhild ist wahrhaft erleichtert ihren Kapitän an ihrer Seite zu wissen, zumal sie sich gegenüber Dunvallo und Chatal irgendwie sehr klein und unbedeutend vorgekommen ist. Algrid stellt sich mittlerweile Chatal in den Weg und versucht seine Wege zu blockieren.


***


Tula lächelt als sie sehen darf, dass der Ball abgefangen wurde und nun wieder in den eigenen Reihen gespielt wird. Nun aber: 'POTTWAL VOR!!'

Der alte Spieler der 'Bullen', der sie, sehr zu ihrem Leidwesen, so hervorragend zu blockieren vermochte, steht nun absolut falsch in der 'Landschaft' herum und deckt mit seiner Blockade nun nur noch die enttäuschten Gesichter der 'Bullen'. Tula nutzt die Gunst des Augenblicks und drückt sich schräg links an Faerwyn vorbei und rennt weiter an der rechten Flanke des Spielfeldes entlang, nunmehr befreit und unbedrängt, dem Tor der Bullen entgegen, obwohl es bis dorthin schon noch eine gute Anzahl von Schritten zu überwinden gilt. aber man kann ja nie wissen, ob ein Vorstoß aus dem Rückraum nicht entscheidende Vorteile bringen könnte .....


***


Thorlif schaut sich forschend um. Nach vorne hin kann er nur er nur Faenwulf und Rorlif entdecken. Das sind die einzigen Kameraden, die er anspielen könnte. Ingvar steht zu nahe an der Stürmerin, die mit den entzückenden Mandelaugen und Rorlif ist zu tumb und zu träge, um weiter gut nach vorne spielen zu können. So bleibt also nur Faenwulf und der ist ja immerhin keine schlechte Wahl, in welcher Situation auch immer, auch wenn es heißt er tauge nur zum 'Zerstören'. Thorlif gibt dem Ball einen tüchtigen Stoß und der Kork fliegt steil nach vorne.


***


Faenwulf stoppt denm Ball elegant mit dem Schläger, aber er läuft nicht los, wie das vermuten hätte können, sondern dreht sich nur um und gibt den Ball weiter an Thinmar. Das sieht sehr flüssig und sehr gekonnte aus und das macht ihm auch so schnell keiner nach .....


***


Thinmar nimmt den Ball auf und rennt los, als ginge es ums Leben. Er kommt allerdings nur ein paar Schritte weiter und sieht sich plötzlich Scibor gegenüber, dem kleinen Wahnsinnigen mit dem kahl geschorenen Schlangenschädel. Thinmar grinst und rennt mit ungeminderter Geschwindigkeit auf Scibor zu, als wolle er ihn einfach unter den Erdboden rennen. Als er den Havenaer schon fast erreicht hat, täuscht er mit einer lässigen Körperbewegung an, er wolle an nun links an Scibor vorbei. Doch dann wendet er sich der rechten Seite zu und macht noch einmal kurz richtig Tempo, bevor er ruckartig anhält. Nu setzt er an, den Ball weit nach vorne zu schlagen und holt aus, als gälte es mit einenem einzigen Schlag eine uralte Eiche zu fällen. Den Ball allerdings führt er ganz anders als erwartet, er treibt ihn, entgegen aller Erwartungen noch ein paar Schritte kurz, nie weiter als eine Schlägerlänge vor sich her, dann schiebt er den Kork mit aller Gelassenheit zwischen den Beinen des 'Schlangenbeschwörers hindurch, rennt rechts an ihm vorbei und nimmt, im Rücken Scibor's, den Ball wieder auf.

Danach hat er nun fast auf die gesamte Distanz zu Grundlinie hin, freie Bahn. Da steht kaum jemand, der ihm im Wege sein könnte und er fühlt, jetzt liegen die Dinge an ihm. Und Thinmar spurtet los ....


***


Die 'Tigerin' grinst Dunvallo an. Was hat der arme Kerl doch mit gelitten, las der Ball so hoffnungsvoll auf das Tor der Premer Mannschaft zuflog, um sein Ziel dann doch nicht zu erreichen. Sie amüsiert sich erheblich darüber, dass Dunvallo offensichtlich jeden Blickkontakt zu ihr zu vermeiden versucht. Deshalb läuft sie dann auch in seine unmittelbare Nähe, um bissig zu bemerken:

" .... so wirst du nie erfahren welche Farbe meine Unterwäsche hat!"

Dann rennt sie los, auf Brendan's Tor zu .....



IN HAVENA - In Immanstadion: Hund auf dem Platz - Garulf und Hjaldar


Die Kälbchenattacke ist abgewehrt, jetzt wird das ganze Spiel erstmal wieder etwas langsamer. Doch auch wenn der Kork derzeit keine weiten Sprünge macht, wirklich langweilig wird es in einem Immanstadion nie. Ein Hund kommt wie aus dem nichts auf das Spielfeld geschossen, wo er ganz bestimmt nicht hingehört, und schleift auch noch sein Herrchen hinter sich her. Garulf traut seinen Augen kaum, als er genaueres erkennt:

´Ist dat nich? Doch! Dat is de kleene Tollpatsch ut de Suite un sien Köter!´

Wieder einmal lauthals lachend, stößt er Hjaldar in die Seite:

"Kick mo, jetzt bring´n de Köters schon ihr Herrchen mit ufs Feld."



Hjaldar ist hin und her gerissen. Eigentlich ist es ihm ja gar nicht recht, Silana jetzt einfach so alleine mit diesen Schmächtlingen, ob diese jetzt Geweihte oder Magier oder sonst was sind, losziehen zu lassen.

Auf der anderen Seite würde er eigentlich schon gerne das Spiel verfolgen. Wann kommt er in nächster Zeit noch einmal dazu 'seine' Truppe spielen zu sehen, ist das letzte Mal doch auch schon mehrere Götterläufe her.

Man sieht ihm an, daß er mit sich kämpft, was er nun tun soll, während er wie gewünscht einen Schritt zur Seite macht.

Die Entscheidung trifft schließlich indirekt der Smutje für ihn. Mit dem Rempler und den Hinweis auf den tollen Rollmops mit seinem Mördervieh ist Hjaldars Aufmerksamkeit wieder beim Spielfeld und er fällt ins schallende Lachen Garulfs mit ein.

"Immerhin föhrt der Köter den Kerle am Strick, dat er kien Blödsinn moken kannt."

Dann erst erkennt er, um WEN es sich dort handelt.

"Dat is'doch der Köter's vonner Bein und Bruch!!!" stellt er immer noch lachend fest. "Wenn die dat spitzkreegt, wat ihr Linkshand al wedder verbockt, wat er sich wünschen, dat ihn dat Vieh vorher uff gefressen hett."



"Dat wohl! Dat wohl!", antwortet der Smutje, noch immer lachend, "un wenn dat Viech en nich freten tut, denn tuts de Frifru, dat wohl!"

Der Grund für das Gelächter hat derweil das Spielfeld schon wieder verlassen, und macht sich daran die Tribüne zu erklimmen. So entzieht sich den Augen der beiden Thorwaler das weitere Geschehen um Radisar und Boto, wie es auch immer aussehen mag ...



"Jo, zuzutraun wer's eer!" stimmt Hjaldar zu, erinnert er sich doch noch recht gut daran, mit welcher Leichtigkeit die Freifrau sich in Salzerhafen des Hundes angenommen hatte, der einen Eingang bewachte durch den sie sich eigentlich hindurch schleichen wollten.

Das Schleichen war damals auch das Problem ... Hjaldar hatte keinen Zweifel daran, den Köter so zusammenbrüllen zu können, daß dieser nur noch 'miau' gesagt hätte ... 'schleichen' hätt man's dann aber nicht mehr nennen können...

"Pass man uff ... jetzt wird volle Pulle gekontert!" lenkt er das Gespräch wieder aufs Spiel.



"Dat wohl! Auf dat wa de Kälbchens zum Schlachthof treibn!" sagt Garulf an Hjaldar gewandt. Dann einmal mehr "POTTWAL VOR - KORK INS TOR!" Richtung Spielfeld. Gerade in diesem Moment, schlägt Thinmar gerade den Kork in einem astreinen Manöver zwischen den Beinen Scibors durch und stellt das Kälbchen damit bloß.

"Hast Du das gesehen?" fragt er Hjaldar überflüssigerweise, denn dieser schaut ja genauso aufs Feld, wie Garulf.

Von dem Zwerg, der sich gerade nähert, sieht er derweil noch nichts.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Abschied der jungen Schönen - Silana, Hesindian und Darian


Den Tumult auf dem Spielfeld bekommt Silana gar nicht mehr so recht mit, höchstens noch das Lachen auf den Zuschauerrängen, denn nachdem Hjaldar ihr Platz gemacht hat, schlüpft sie an ihm und den folgenden Zuschauern vorbei, womit sie, dank ihrer schlanken Figur und der restlichen äußeren Erscheinung keinerlei Probleme hat.

An der zum Ausgang führenden Treppe, dreht sie sich um, um sicher zu gehen, dass auch ihre männlichen Begleiter durchgekommen sind.



Zwar ist Darian nicht ganz so schlank wie Silana und wohl auch weniger gewand, dennoch gelingt es ihm recht mühelos Silana zu folgen und ebenfalls die Treppe zu erreichen. Wenn einer auf dem Weg nach draußen ist, macht man ihm nun mal bereitwilliger Platz, als wenn sich jemand nach vorne drängeln will. Zudem möchte woll niemand einen Magier verärgern, befürchtet ein abergläubischer Mensch doch leicht, als Kröte zu enden. Dabei hat Darian erst ein einziges mal jemand - oder besser etwas - in eine Kröte verwandelt: Bei der Abschlußprüfung der Akademie, das Opfer war zudem nichtmal ein Mensch, sondern lediglich ein Hausschwein und der reichlich aufgeregte Candidatus Darian Durenald hätte den SALANDER beinahe noch verpatzt. Zudem käme auch der Adeptus minor Darian Durenald nicht auf die Idee, wegen solch einer Nichtigkeit einen SALANDER zu sprechen, in einem vollbesetzten Immanstadion, in Havena, der Stadt mit dem ältesten Arcanum Interdictum ...



Während Silana noch, auf ihre beiden Begleiter wartend, in die Menge spaeht, kommt ihr zum ersten Mal der Gedanke, wohin sie denn nun eigentlich gehen soll.

Ein inneres Bedürfnis drängt sie zum Tempel ihrer Göttin, nach der Nähe der Schönen, dem Ort der Harmonie, fernab der rohen Grausamkeit solcher Spiele, nach der warmen Geborgenheit und der lebendigen Heiterkeit. Zudem hatte sie noch eine Vielzahl an Grüßen aus Belhanka an die Geweihtenschaft des hiesigen Tempels zu überbringen, was sie ohnehin noch bis zur Abreise erledigen musste.

Doch sie kannte die Pläne ihrer Begleiter nicht, ob diese sich noch in der Stadt aufhalten, den Hesindetempel aufsuchen wollten, oder ob sie vorhatten, zum Schiff zurück zu kehren, wogegen die junge Novizin auch nichts einzuwenden hätte, bot sich ihr doch dort die Gelegenheit, das zu tun, dass sie schon seit vielen Tagen vor hatte.

Als nun Darian aus der Menge tritt, fragt sie ihn:

"Was sind nun Eure.... Deine Pläne, wohin sollen wir gehen?"



Gerade schließt Darian zur wartenden Silana auf, als diese die Frage nach dem "wohin" ausspricht, die zuvor noch niemand gestellt hatte.

"Nun, da es in den Mauern dieser Stadt keine Akademie der arkanen Künste gibt und ich bereits gestern Gelegenheit dazu hatte, dem hiesigen Hesindetempel einen Besuch abzustatten, zieht es mich derzeit zu keinem bestimmten Ort. Ich überlasse die Wahl des Weges ganz und gar Eu ... ähm ... Dir."

Der Adeptus stellt sich neben die Rahjanovizin und schaut sich einmal kurz nach Hesindian um, während er auf die Entscheidung Silanas wartet.



Einen Moment überlegend, legt Silana den Kopf schief, ihre zarten Lippen sind leicht geöffnet. Von schräg unten sieht sie so Darian an, den sie jetzt zum ersten Mal wirklich sieht, wobei sie die grüblerische Pose beibehält. Sie wirkt ernst, fast schon zweiflerisch in dieser Gestik.

Dann stutze sie kurz und lacht auf, als ihr bewusst wird, dass sie schon wieder dabei ist, einen der Geweihten aus Belhanka, bei dem sie Tanzunterricht hat und der sie schon immer sehr beeindruckte, zu kopieren, danach ist sie wieder sie selbst.

"Wenn ...Du erlaubst, wollte ich dem Tempel meiner Göttin einen Besuch abstatten", meint sie schließlich vorsichtig "Weißt du vielleicht, wo der ist?"



´Zum RAHjatempel? Warum eigentlich nicht?´

Der junge Adeptus hat zwar schon so einige Tempel von innen gesehen, vornehmlich solche der Hesinde, doch ein Haus der Schönen Göttin hat er noch nicht aufgesucht.

"Gern, werde ich ... Dich in den Tempel begleiten", antwortet er auf den ersten Satz Silanas. "Wie man dort hingelangt, nun dies weiß ich, ehrlich gesagt, leider nicht. Bedenke, daß auch ich zum ersten mal in Havena verweile. Vielleicht sollten wir einfach einen einheimischen Passanten ansprechen und nach dem Weg fragen", lautet seine Antwort auf die Frage der Rahjani. Sein Tonfall wandelt sich dabei von freudig interessiert zu nachdenklich.

Noch einmal schaut Darian nach hinten, um nach Hesindian zu sehen. Von einem leichten Kopfschütteln begleitet stellt er fest, daß die Immananhänger für den Hesindegeweihten nicht so bereitwillig Platz machen, wie für Silana und ihn, so daß er nun ein ganzes Stück zurückliegt.



Krampfhaft versucht sich Silana an den Weg zum Tempel zu erinnern. Zwar war sie vor einigen Tagen bereits dort gewesen, genauer gesagt war es genau einen Tag vor der Zeremonie gewesen, als sie mit ihrer Freundin Miralka, ihrem Geliebten und der ganzen Festgesellschaft den Tempel der Liebesgöttin aufgesucht hatten, um zu baden, sich zu entspannen und für das junge Paar zu beten, doch wie immer, wenn man mit einer größeren Gruppe von Menschen unterwegs ist, hatte sie sich mehr auf die Gespräche als auf den Weg zum Tempel konzentriert.

Zweifelnd sieht sie zu den Fans in ihrer Nähe, denn diese scheinen, soweit sie das beurteilen kann, die Premer Mannschaft zu unterstützen und kommen somit als Stadtführer weniger in Frage.

Sich zu den Havener Fans durch zu kämpfen erscheint ihr ebenfalls als schwieriges Unterfangen, zumal sie nicht noch mehr Zuschauer belästigen wollte.

Sie sieht sich nach Hesindian um, der noch immer in der Menge verschwunden bleibt, doch es scheint ihr, als könne sie ein wenig grünen Stoff in einer Lücke durchschimmern sehen.

"Lass uns aus dem Stadion gehen", meint sie zu Darian "Vielleicht findet sich draußen jemand, der uns den Weg weißen kann."

Damit hätte auch der Hesindegeweihte genügend Zeit, um ihnen zu folgen.



"Da hast du Recht, draußen wird sich mit Sicherheit einfacher jemand finden, der bereit ist uns zu helfen, als hier."

Beim letzten Teil seines Satzes läßt er seines Blick noch einmal über die Menschen hier im Stadion schweifen, die sich allesamt mehr oder weniger auf das Spiel konzentrieren und sicherlich nicht sonderlich erfreut darüber währen, spräche man sie auf den weg zum RAHjatempel an.

"Vielleicht sollten wir wirklich schon mal voraus gehen. Seine Gnaden Hesindian wird uns sicher trotzdem folgen können."



Silana nickt leicht, wobei ihr eine schwarze Haarsträhne in's Gesicht fällt, die sie mit einer zierlichen, gedankenlosen Bewegung hinter das Ohr streicht. Langsam macht sich das altbekannte, leere Gefühl in ihrem Bauch breit, während sie federnden Schrittes die Stufen in's Freie erklimmt. Es kommt ihr so vor, als läge ihre letzte Mahlzeit Stunden, nein, Tage zurück.

Was würde sie jetzt für ein Stück Brot geben, oder einen Apfel... einen mit Honig überzogenen Apfel, oder einem kleinen Stück einer mit Weintrauben und gerösteten Kastanien gefüllten Wachtel, vielleicht auch einem größeren Stück, oder einem Hauch von in Tharf getunkten...

Während sie neben Darian hergeht, nimmt ihr Gesicht einen sehnsüchtigen Ausdruck an und ein leiser Seufzer entflieht ihren Lippen.



IN HAVENA - In Immanstadion: Spiegelpanzer gesucht - Wasuren


Die Menschen um Wasuren herum streuen sich alle verschreckt auseinander.

'Hilfe was is denn in den gefahren?'

'Der is wohl aus der Fan-Kurve ausgerissen.'

So geht es den Leuten durch den Kopf.

Aber Wasuren bekommt das alles gar nicht richtig mit. Er rasselt mit dem Spiegelpanzer wie wild einen Lauten Anforderungstakt und brüllt was das Zeug hält. Da sich nun die Leute um ihn herum teilen, nutzt er die Gelegenheit bis ganz nach Vorne zum Spielfeld zu gelangen. Dort angekommen hält er in seinem Spielrausch verdutzt inne.

'Wie kommt denn das Vieh da aufs Spielfeld? Jetzt wo die Wale grade stürmen!'

Verärgert schnauzt Wasuren mit der Menge mit, auf das diese Unterbrechung bald beendet sei.

Was Wasuren aber überhaupt nicht bemerkt ist, das er sich inzwischen in eine total falsche Richtung, nämlich viel zu weit rechts von den anderen, weg bewegt hat.



NORDSTERN - Oberdeck: Plaudereien - Jergan und Jandara


Endlich hört Jandara die Schreie der Möwen und kurze Zeit später erreicht sie den Südhafen. Die sachte im brackigen Hafenwasser vor sich hin dümpelnde NORDSTERN hat sie schnell ausgemacht. Noch immer, oder besser gesagt, schon wieder mal zornig, betritt sie mit festem Schritt die Planke.

Sie sieht den Kapitän auf der Brücke stehen.

'Wo ist denn Lowanger?' fragt sie sich. 'Ach, der ist sicher auch im Stadion, bei diesem unsäglichen Spiel!'

Bei diesem Gedanken ziehen sich ihre Mundwinkel ganz von allein abfällig nach unten.

Dann überwindet sie sich und ruft, die Augen mit der Hand vor der Sonne abschirmend, dem Kapitän einen Gruß zu.

"EFFerd mit Euch! Schönes Wetter heute, nicht wahr?"



Die Gedanken, in die der Kapitän versunken ist, sind zwar sehr vielseitig und schweifen viel umher, doch sie sind nicht tief genug, als dass man ihn nicht sehr leicht aus ihnen heraus reißen könnte. Und genau das geschieht jetzt, mit dem Ruf der Frau, die da gerade über die Planke geht.

Jergan erkennt sie gleich, das ist die Frau, die der zweite Offizier als Fahrgast begrüßt hat, während er mit der jungen Efferdgeweihten die Übergabe der Heiligen Miesmuschel besprochen hat.

"EFFerd sei auch mit Euch!" erwidert er den erfreulich seemännischen Gruß der Frau, und tritt nun endlich vom Steuer weg, was in der Tat ein wenig albern wirken muss. Langsam geht er ein kleines Stück über das Brückendeck, bis er fast direkt am oberen Ende des Aufganges steht.

"Das ist es in der Tat, ebenso, wie gestern das Wetter zum Fischerfest efferdgefällig ist, ist es heute traviagefällig."



'Sieh an, der Kapitän ist zum Plaudern aufgelegt.' stellt Jandara überrascht fest. Jetzt wo sie Zach so nahe ist, hat sie es nicht mehr eilig zu ihm in den muffigen Laderaum zu kommen. Wahrscheinlich schläft der Rabe und sie hatte im Imman-Stadion nur einen kurzen Gedankenfetzen eines Alptraumes von ihm aufgeschnappt. So ein kleines Schwätzchen ist gar nicht übel, zumindest wenn man es mit einer interessanten Person hält.

Und Kapitän Jergan ist in Jandaras grünen Augen eine sehr interessante Person. So jemand kennt die halbe Welt, hat schon viel erlebt und wahrscheinlich noch mehr gesehen. Es wäre doch gut zu wissen, was der Kapitän so über Grangor zu erzählen hat.

Sie greift seine letzte Bemerkung in beiläufigem Tonfall auf:

"Ach ja, das Fischerfest. Sagt Kapitän, wann werden wir denn wieder ablegen? Ich freue mich schon sehr auf Grangor. Wisst Ihr," hier legt sie eine kurze Pause ein, damit das Interesse Jergans nicht zu schnell erlahmt, "ich war schon seit vielen Götterläufen nicht mehr dort."

Fragend blickt sie zur Brücke auf, wo sie den Kapitän nur blinzelnd gegen die Sonne ausmachen kann.



Der Kapitän überlegt kurz, ob er auf das Oberdeck hinuntergehen sollte, oder vielleicht die Frau nach hier oben einladen, doch so ganz kann er sich noch nicht entscheiden. So geht er langsam einige Schritte weiter, bis er dann tatsächlich am oberen Ende der Treppe angekommen ist, während er antwortet:

"Ich weiß noch nicht genau, wann wir ablegen werden. Wir werden bestimmt noch so drei oder vier Tage hier in Havena bleiben, vielleicht auch mehr, falls sich das aus irgendwelchen Gründen ergibt. Anders herum kann natürlich auch etwas geschehen, das eine baldige Abfahrt nötig macht, wie das in Salzerhaven der Fall war, wo wir mitten in der Nacht in einer wichtigen Mission ausgelaufen sind."



Sie hatte es gewusst, Kapitän Jergan hat also wirklich etwas zu erzählen. Dadurch, dass er nun an der Treppe steht, verdeckt er die blendende Sonne und wirft seinen Schatten auf Jandara. Sie nimmt die Hand von den Augen und lächelt ihm aufmunternd zu.

"Eine Mission? Das klingt aber aufregend. Wollt Ihr mir nicht mehr davon erzählen?"



Jergan geht nun langsam den Aufgang hinunter. Im Grunde hat er nichts dagegen, mit dieser Frau zu plaudern, bietet die Wache hier auf dem fast schon verwaisten Schiff doch im Moment keine Abwechslung, und außerdem ist es vollkommen egal, wo auf dem Deck er sich dabei aufhält, solange er mitbekommt, wenn jemand das Schiff betritt oder eine wie auch immer geartete Gefahr die NORDSTERN bedroht.

Auf dem Oberdeck schließlich bleibt der Kapitän stehen, und meint:

"So ist es irgendwie angenehmer zum Reden, oder?"

Es ist eine eher rhetorische Frage, denn der Kapitän fährt sogleich fort:

"Nun, unsere Mission... Sie begann in Salzerhaven, und fand gestern ihr Ende hier in Havena."

Kurz stockt Jergan, denn eigentlich ist das keine Geschichte, die man in allen Details erzählt. Andererseits hat sich sicher auch schon sehr viel herum gesprochen, und so entscheidet er sich für einen Mittelweg:

"Habt Ihr hier an Bord schon von der Heiligen Miesmuschel etwas vernommen?"



"Heilige Miesmuschel?"

Es wirkt auf Jandara ein wenig befremdlich. Aber sie kennt die Neigung der Zwölfgöttergläubigen die Heiligkeit ihrer Angebeteten in kleinen Zeichen und Wundern zu suchen.

'Sie sehen nur Bruchstücke, winzige Teile des Ganzen und vergessen Sumu, die große Schöpferin und Mutter.' denkt sie traurig.

"Nein, von einer heiligen Miesmuschel habe ich noch nichts gehört."



Fast ein wenig überrascht hebt der Kapitän die Augenbrauen. Irgendwie ist die Heilige Miesmuschel und all das, was mit ihr zu tun hat, in den letzten Tagen so fest in sein Bewusstsein und das vieler anderer auf dem Schiff gelangt, dass es ihm fast schon unwahrscheinlich erscheint, dass jemand nichts darüber wissen könnte.

Doch dann vergegenwärtigt er sich, dass die Frau ja erst seit dem vorgestrigen Tag auf dem Schiff ist, und von den Ereignissen beim Fischerfest wohl auch nur Hörensagen mitbekommen hat.

"Das ist ein sehr wertvolles Artefakt der Efferdkirche, das die NORDSTERN von Salzerhaven nach hier gebracht hat. Vielleicht ist Euch die Geweihte des EFFerd aufgefallen, mit der ich geredet habe, während der zweite Offizier Euch an Bord begrüßt hat."

Kurz schweifen Jergans Gedanken in die Vergangenheit, und er erinnert sich an ein weiteres Detail.

"Sie ist, glaube ich, so ziemlich zeitgleich mit Euch auf das Schiff gekommen."



Natürlich erinnert sich Jandara an die Geweihte. Dieses seltsame Wesen, nicht Fisch nicht Fleisch, die sie unnötig lange vom Betreten der NORDSTERN abgehalten hatte, obwohl es in Strömen regnete.

"Nein, ich weiß jetzt gar nicht was sie meinen..."

Dabei tut sie so, als würde sie angestrengt versuchen sich zu erinnern. Dann blickt sie auf, als sie ihr gerade etwas eingefallen.

"Aber ihren Offizier habe ich nicht vergessen, leider habe ich ihn seither nicht mehr gesehen, wo steckt denn der gute Mann?"



Es ist still, sehr still. Zumindest auf dem Unterdeck der NORDSTERN, und dort zumindest in fast allen Räumen. Nicht jedoch in der Kabine, die der dritte Offizier bewohnt. Auf dem Gang ist aus der Richtung der entsprechenden Tür ein leises Geräusch zu hören, das fast so klingt, als würde dort jemand langsam und genussvoll Planken in kleine Stücke sägen. Nur... es nimmt kein Ende, und ist noch viel ausdauernder als selbst der ausdauernste Handwerker mit seiner Säge...

In der Kabine ist das Geräusch um einiges lauter, und die Ursache liegt in der schmalen Koje und träumt nicht gerade still vor sich hin - Wulf Lowanger, seines Zeichens zweiter Offizier der NORDSTERN.



"Wulf Lowanger? Er hatte in der Nacht Wache, und wird später an diesem Nachmittag hier oben die Wache übernehmen. Er dürfte jetzt in seiner Kabine sein und Schlaf nachholen - oder vorschlafen, denn Wachen in der Nacht sind immer recht ermüdend."

Kurz huscht der Blick des Kapitäns über das Oberdeck, bis er wieder in Jandaras Augen zurück findet, und ihm zugleich etwas bewusst wird.

"Verzeiht, ich glaube, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt! Ihr wisst zwar, dass ich der Kapitän bin, aber... Entschuldigt meine Unhöflichkeit, mein Name ist Jergan Efferdstreu!"



"Sehr erfreut. Ich heiße Jandara Bera. Doch wir kommen vom Thema ab,"

Die Geschichte mit der Miesmuschel interessiert die junge Frau und sie hat vor Genaueres darüber zu erfahren.

"Ihr müsst meine Neugier entschuldigen, aber wie war das denn nun mit der Geweihten und dem Artefakt?"



Der Kapitän wirkt fast ein wenig erstaunt, hatte er doch angenommen, Jandara wolle das Miesmuschelthema gar nicht weiter verfolgen - zumindest hatte er diesen Eindruck gewonnen. Doch... man kann sich täuschen.

"Die Geweihte ist gekommen, um uns darüber zu informieren, dass Seine Hochwürden Graustein, der Hochgeweihte des hiesigen EFFerdtempels, persönlich kommt, um das Artefakt abzuholen, das wir aus Salzerhaven mitgebracht hatten. Und so ist es ja auch geschehen - vorgestern abend ist er ja auch mit einigen Geweihten zusammen gekommen."

Jergan hält inne, weil er sich nicht sicher ist, wo sich Jandara zu dem Zeitpunkt aufgehalten hat, ob sie etwas davon mitbekommen haben kann.



Die stockende Erzählweise des Kapitäns wirkt auf Jandara ein wenig ermüdend. Um noch einmal ihr Interesse zu bekunden beugt sie sich ein Stück vor und fragt:

"Und?"



"Sie haben die Muschel abgeholt, und in den Tempel gebracht, wo sie ja auch hingehört", setzt der Kapitän die Erzählung fort. Er ist sich immer noch nicht ganz sicher, wie viel vom Anfang der Geschichte, also dem, was in Salzerhaven geschehen ist, erzählt werden kann, aber immerhin gab es die Ereignisse des Vortages.

Was ihm aber auf jedem Fall klar geworden ist, ist, dass Jandara sein momentaner Erzählstil nicht wirklich behagt.

"Verzeiht, wenn ich so erzähle, aber ich möchte Euch nicht langweilen, und da ich ja nicht weiß, welche Details Euch schon bekannt sind..."

Er lässt den Satz quasi verklingend enden, und fragt nach einigen Augenblicken der Pause:

"Ist etwas von den seltsamen gestrigen Erlebnissen einiger derer, die auf diesem Schiff arbeiten oder mitfahren, an Eure Ohren gedrungen?"

Für möglich hält der Kapitän das schon, schließlich war er selbst auch dabei, und hatte noch vor dem detaillierten Bericht einiges an Andeutungen und Vorgriffen auf die tatsächliche Geschichte gehört.



"Nein, so nahe Bekanntschaften habe ich hier an Bord noch nicht geschlossen." beantwortet Jandara mit einem leichten Kopfschütteln die Frage des Kapitäns.

"Bisher habe ich nur mitbekommen, dass man das heutige Imman-Spiel wohl als den Höhepunkt des Havena-Aufenthaltes ansieht. Jedenfalls, war ich bis gerade mit einer kleinen Gruppe von... " hier hält sie inne weil sie überlegen muss.

Wer waren eigentlich die Leute gewesen, mit denen sie sich auf den Weg ins Stadion gemacht hatte? So vieles ist in den wenigen Stunden geschehen, dass es ihr vorkommt, als wäre mehr als eine Woche vergangen.

"Es waren wohl Passagiere und Mannschaft gemischt, mit denen ich zum Imman-Stadion gegangen bin." stellt sie dann fest.

"Und von denen hat niemand irgendwelche Ereignisse erwähnt, die mit dem gestrigen Tag in Zusammenhang stehen."

Obwohl, Jandara fällt da ein Streit ein, zwischen Zwerg und Riese. Hatte der Riese dem Zwerg nicht höhnisch etwas zugerufen, was diesen furchtbar wütend werden ließ? Aber sie war abgelenkt gewesen, hatte das nur nebenbei registriert. Vielleicht kann der Kapitän die Situation erläutern.

"Wisst Ihr, vielleicht habe ich doch etwas mitbekommen. Dieser Angroschim, wie ist noch mal sein Name? Egal, der schien auf den vergangenen Tag angesprochen, doch recht jähzornig zu werden. Hat das vielleicht etwas damit zu tun, was ihr als -seltsame Erlebnisse- bezeichnet?"



Ein wenig wundert der Kapitän sich schon, dass die aufsehenerregenden Ereignisse des Vortages in den Gesprächen an Bord eine so geringe Rolle gespielt haben, aber andererseits hat Jandara natürlich recht, dass sie als Neue da wohl kaum stark integriert wird.

Und da ist noch etwas - die Frau sagt, dass sie beim Imman war - warum ist sie schon wieder zurück? Beide Dinge - die Frage danach, und die, die gestellt worden ist, interessieren den Kapitän, aber die Höflichkeit lässt ihn sich für letzteres entscheiden.

"Der Angroschim? Nun, den kenne ich auch noch nicht so sehr gut, er ist erst seit Salzerhaven an Bord der NORDSTERN. Aber wenn ich mich recht an die Erzählung der Bootsfrau erinnere, ist ihm gestern etwas recht schlimmes widerfahren - ich glaube, er wurde von einer Kutsche totgefahren, oder von den Pferden zu Tode getrampelt."

Erst am Ende des Satzes hebt er den Blick zu Jandaras Gesicht, um auf keinen Fall die Wirkung zu verpassen.



Verblüffend!

Plötzlich ist Jandara hellwach und lauscht aufmerksam. Verwundert legt sie den Kopf schief und mustert Kapitän Jergans Gesicht aufmerksam. Ober er ihr wohl einen Oger aufbinden will?

Sie hat schon einiges gehört und gesehen, aber wie ein Nekromant hatte der kleine Geselle nun wirklich nicht auf sie gewirkt, eher sehr lebendig. Fast ist sie sich sicher, dass noch mehr hinter den rätselhaften Worten des Kapitäns steckt.Das wohlbekannte, angenehme Prickeln macht sich in ihren Fingerspitzen bemerkbar. Wie gerne würde sie mittels eines Hellsichtzaubers herausfinden, ob ihr Gegenüber die Wahrheit spricht.

Doch das wäre zu verräterisch, aber es gibt noch andere Methoden, der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

"So, wirklich?" fragt sie kühl, um Jergan herauszufordern mehr zu erzählen. "Seid Ihr Euch sicher, dass Ihr nicht vielleicht einer Täuschung erlegen seid, hervorgerufen durch einen zu tiefen Blick in die Flasche? Nicht das Ihr mich falsch versteht, aber was Ihr da erzählt, hört sich an, als wolltet Ihr mich aufs Firneis locken, ich denke, das solltet Ihr mir genauer erklären"



Das Lächeln im Gesicht des Kapitäns verstärkt sich bei Jandaras Reaktion noch, doch dann schwächt es sich ein wenig ab, als ihr Tonfall kühler wird, schließlich will er sie ja nicht auf den Arm nehmen.

"Keine Sorge, ich habe nicht zu tief in die Flasche geguckt. Ich war zwar nicht selbst dabei, aber ich glaube denen, die es mir erzählt haben. Alberik war gestern tot, aber andererseits war er es auch nicht. Meint Ihr nicht auch, dass das alleine schon genügt, um von seltsamen Ereignissen zu sprechen?"

Ein wenig bedauert Jergan, am Vortag nicht dabei gewesen zu sein, denn dann ließe es sich bestimmt noch viel plastischer erzählen und darstellen.



"Na was denn nun?"

Jandara zeigt nun ihre Neugier ganz offen.

"War er nun tot, oder nicht? Und wenn, wie kommt es dann, dass ich ihn im Stadion lebendiger kennenlernen durfte, als mir lieb ist?"




IN HAVENA - Im Immanstadion: Spiegelpanzer gesucht - Ole


Ole reckt sich den Hals. Was könnte der Zwerg dort hinten vermissen können, da er, von sehnsucht gezeichnet, immer wieder forschend in diese Richtung späht? Da erkennt der alte Schiffszimmermann Wasuren in der Ferne, inmitten total entrückter Imman-Begeisterter, die sich leider für die falsche Seite entzücken. Wasuren steht einfach nur da und rüttelt mit einem Gegenstand, der von Weitem so aussieht wie eine ein metallische Schildkröte.

Könnte das .... ?

Sollte das sein, dass .... ?

Auf einmal versteht Ole die Sorgen Alberiks! Ja, richtig, der Zwerg wollte sich ja mit ihm schlagen.

'Wieso wollte er sich eigentlich mit dir schlagen?' denkt sich Ole auf einmal. Er kann sich erinnern, dass ihm Alberik Drohungen und Vorwürfe entgegen geworfen hatte. Nur worum ging es da wieder?

Der Schiffszimmermann beschließt dererlei nachforschungen zu beenden, denn immerhin läuft dort unten ein sehr bemerkenswertes Spiel und das will Ole nicht versäumen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Tribünenweg - Radisar und Boto


Auch wenn er es noch nicht so ganz zu hoffen wagt, nun wird das Leiden Radisar's schon bald ein Ende erreichen. Vielleicht hat er es schon längst erahnt, doch nun wird es ihm zur gesicherten Erkenntnis: Boto sucht die Herrin!

Der Hund hat nämlich die Ehrenloge schon fast erreicht und jetzt, da ihm seine Witterung bestätigt, dass die Herrin nun ganz nahe sein muss, verdoppelt er noch einmal seine Anstrengungen. Lässig springt Boto über die kleinen Absperrung, welche die Gäste auf der Ehrentribüne von den Niederungen einfacher, aus hoher Sicht schon fast als armselig zu bezeichnender Mitmenschen trennt.

Naürlich schafft das Radisar nicht so leicht wie der kräftige Hund - er stößt mit dem, schon ohnehin schon arg gebeutelten Kopf, mit voller Wucht gegen das Hindernis, dass der Hund mit Leichtigkeit genommen hatte und es erklingt dabei ein Ton, gleich eines Gongs, der gegossen wurde aus wertvollsten Legierungen. So ein glockenklarer Ton schafft Aufsehen und zahlreiche Zuschauer werde daher Zeugen, wie der kleine, dicke Diener langsam über die Absperrung gezogen wird.

Mit ehrfürchtigem Erstaunen machen alle Umstehenden dem rasendem Gespann Platz, der Weg zur Ehrentribüne ist frei und weder ein Blitzschlag aus heiterem Himmel, noch ein plötzlicher Vulkanausbruch hätten Boto daran hindern können, wieder an die Seite seiner Herrin zu gelangen ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Spiegelpanzer gesucht - Alberik


Alberik drängelt sich wieder zurück durch die Massen, um zu der Stelle zu gelangen, an der er Wasuren vermutet. Er kann den Matrosen zwar nicht sehen, aber er weiß ganz genau, wo er sich als letztes befand, bevor er selber und Ole sich zum Spielfeld vorgearbeitet haben. Und der Orientierungssinn, der jedem Zwergen angeboren scheint, befähigt ihn dazu, genau auf diese Stelle zuzulaufen, ohne sie im Blick zu haben.

Genau wie bei jedem anderen, der zurück zum Ausgang des Stadions geht, macht man ihm bereitwillig Platz, um sich anschließend möglichst selber nach vorne zu schieben.

So gelangt der Zwerg auch schnell zu der Stelle, die ganz in der Nähe von Hjaldar, Garulf und den verschwindenden Gelehrten liegt. Doch nirgendwo ist Wasuren mit dem Spiegelpanzer zu sehen.

Alberik schaut sich um, während er sich am Kopf kratzt.

'Wo ist DER denn nun hin?'



Alberik ist einfach zu klein. Oder die Menschen um ihn herum sind einfach zu groß. Es kommt halt immer auf die Sichtweise der Person an. Tatsache ist, daß der Zwerg Wasuren und seinen Spiegelpanzer nicht ohne weiteres entdecken kann. Dafür hat er aber zwei andere Personen gesichtet, die er kennt.

'Vielleicht wissen Hjaldar oder der Schiffskoch mehr.'

Mühsam schiebt sich der Angroschim durch die Menschen auf die beiden zu.



NORDSTERN - Unter Deck: Auf verbotenen Wegen - Jarun


Bewegungslos verharrt Jarun im Eingangsbereich der Küche, ohne die Tür zu schließen. Wollte er sich doch gerade umdrehen, um dieses zu tun, als er einen dunklen Schatten an der Tür in Richtung Bug vorbei huschen sah. Neugierig, aber nicht die gebotene Vorsicht vergessend späht er um die Ecke und sieht die Gestalt im Niedergang zum Ladedecks verschwinden. Hunger und Durst sind mit einem Mal wie weggeblasen.

Intensiv läßt er seinen Blick über den Gang des Unterdecks schweifen, bevor er auf leisen Sohlen dem mysteriösen Fremden folgt. Die gespenstische Stille und die Leere auf der Nordstern regen seine Phantasie an und so malt sich der Gaukler die wildesten Szenarien aus, die auf dem Schiff passiert sind.

Allein die anheimelnde Dunkelheit, die ihn hier umschließt, bietet ihm Schutz und gibt ihm Halt. Vor dem Niedergang bleibt er noch einmal kurz stehen, um sich etwas zu beruhigen. Willentlich verlangsamt er sein Atmung und schaut sich ein letztes Mal um, um ungesehen im Niedergang zu verschinden.

Immer darauf bedacht, das Gewicht seines Körpers gut zu verteilen, begibt er sich auf das ihm eigentlich verbotene Ladedeck.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Schädelbrummen - Sigrun und Nirka


Langsam hebt Sigrun den Kopf. Eine Zeitlang - sie hat keine Vorstellung wie lange - konnte sie um sich herum kaum etwas wahrnehmen, so sehr dröhnte ihr Kopf. Es war, als würde sich ein monströses Wesen in ihrem Hinterkopf befinden und ununterbrochen mit einem schweren Hammer auf ihn einschlagen. Jetzt ist es ein wenig besser - vielleicht nur für den Moment, aber das Pochen kommt nicht mehr so regelmäßig und vielleicht auch nicht mehr so intensiv.

Als würde sie aus einem schalldichten Raum herauskommen, strömt plötzlich der enorme Geräuschpegel des Immanstadions auf sie ein und droht, den schlimmeren Zustand erneut hervorzurufen. Doch da erblicken ihre Augen eine Person direkt neben ihr, deren Anblick den Lärm wiederum in den Hintergrund treten läßt - Nirka.

Etwas schief lächelt Sigrun ihre Freundin an.

"Ich war eben nicht so ganz bei der Sache ..."

Dieser Satz soll optimistisch klingen, so als wäre sie nur kurz abgelenkt gewesen, doch ihre Stimme klingt etwas belegt und es fehlt ihr der übliche Schwung.



Die Bootsfrau der NORDSTERN folgt dem Spiel mit einiger Aufmerksamkeit, die zunimmt, als die einheimische Mannschaft kurz davor ist, ein Tor zu erzielen, und dann sehr rasch auch wieder abnimmt, denn irgendwie scheinen beide Mannschaften ziemlich gut zu sein, und das macht derartige Spiele dann doch eigentlich nur für die wirklichen Immanfreunde oder die Anhänger einer der beiden Mannschaften interessant. Für Nirka ist es das im Moment weniger, denn sie weiß, außer dem Umstand, daß es um das Schießen von Toren geht, eigentlich kaum etwas über dieses Spiel. Und gerade das ist ja schief gegangen.

So wendet sie sich dann alsbald wieder Sigrun zu, die irgendwie erstaunlich still geworden ist, zu still für den Umstand, dass sie beide im Moment mal wieder unter sich sind - zumindest relativ unter sich, denn rings herum sind immerhin einige tausend Menschen.

"Da hast du wirklich nichts verpasst, hin und her, aber sie schießen keine Tore. Statt dessen..."

Nirkas Blick findet endlich den der Freundin, und sie hält mitten im Satz inne.

"Ist etwas? Dir geht es absolut nicht gut, oder?"

Siedendheiß durchzuckt Nirka die Erkenntnis, dass die Freundin sich wohl schon länger quält, und nur ihr zuliebe nichts gesagt hat, und dass sie sich schändlich stark hat ablenken lassen durch all den Trubel rings herum. Jetzt jedoch blendet sie den Laerm und die Massen aus ihrem Bewusstsein aus, und mustert Sigrun immer besorgter.



IN HAVENA - In den Gassen: Phexens heitere Schar - Torin, Nìalyn und Ameg


"Genau das wollte ich von dir hören, Ameg." antwortet Torin und kneift Ameg freundschaftlich in die Backe. "Aber jetzt sollten wir wirklich los, sonst ist das Immanspiel vorbei und wir haben noch immer kein Geld für PHEx und die Reise."

Mit diesen Worten wendet er sich zu Níalyn um, doch diese ist nicht mehr dort, wo er sie bis gerade vermutet hatte. Doch dort ist sie nicht mehr. Verdutzt versucht er, Níalyn zwischen den Personen auf der Strasse auszumachen.

Erst kann er sie nicht entdecken, dann jedoch sieht er sie; in Begleitung einer sehr wohlhabend gekleideten Frau.

'Nein, Dame.' korrigiert er sich in Gedanken als er wieder aufsteht.

"Jetzt sieh dir mal Níalyn an." scherzt er leise zu Ameg hinunter. "Kaum lässt man sie einen Augenblick aus den Augen, schon schleppt sie wieder etwas an."

'Und die Dame ist sogar noch kleiner als Níalyn; gerade mal ein großer Zwerg.' bei diesem Gedanken kann Torin nicht anders als breit zu grinsen.

'Wenn da der Hut nicht wäre.'



Níalyn sieht, dass zwischen Torin und Ameg anscheinend wohl alles geklärt ist. Schade, dass sie sich so rasch wieder trennen müssen. Aber diese Trennung muss ja nicht für immer sein!

'Ich hätte auch nie gedacht, dass ich Sciba wiedersehe und dann kommt alles so plötzlich!'

Als sie mit der Phexgeweihten auf die kleine Gruppe zukommt, sieht sie Torin breit grinsen. Irgendwie ist es ein reichlich freches Grinsen, denkt sich Níalyn und blickt ihn ein wenig fragend an.

"Nun, was ist?" beginnt sie so, als wäre nichts geschehen, "gehen wir ins Stadion?"

Kurz blickt sie zu ihrer Begleiterin.

"Aehmm, das ist... "

"Riona di Cameza," antwortet Sciba und deutet dabei eine Verbeugung an.

Níalyn beobachtet Sciba genau, waehrend diese beginnt ihre Rolle zu spielen. Zwar hat Níalyn so etwas auch schon immer gerne getan, aber so perfekt wie Riona ... aeh, Sciba kann es wohl kaum jemand. Nun ja, sie kann auch auf das finanzielle Polster der Phexkirche zugreifen und hat wohl mittlerweile ein paar mehr oder weniger einflussreiche Freunde hier in der Stadt.

"Níalyn und ich sind alte Freunde," fährt Sciba fort und lächelt Torin dabei offen und freundlich an, "es war wirklich eine Überraschung sie so plötzlich wieder zu sehen! Aber verzeiht meinen Redefluss und erlaubt mir, euch nach euren Namen zu fragen!"



"Rotmarder, Torin Rotmarder." antwortet Torin freundlich lächelnd und kann den Reflex, seinen Hut zu ziehen, gerade noch verhindern.

So hebt er die Hand nur ein kleines Stück und macht eine kurze, nichtssagende Geste. Nur wer des Atak mächtig ist, kann aus dieser schnellen Bewegung Torins Frage an Níalyn herauslesen.

*Stimmt das?*

"Mein Sohn Ameg und ich sind erfreut, euere Bekanntschaft zu machen, werte Frau di Cameza. Sicherlich könnt ihr uns vieles über diese schöne Stadt berichten."

'Den Leuten aus diesem zu groß geratenen Fischerdorf ist doch ohnehin nicht zu trauen.'



Ameg blinzelt verwirrt. Gut. Daß da eine Wildfremde angelaufen kommt geht ja noch. Ihr Auftritt ist schon verwirrender. Aber nun ist er plötzlich Torins Sohn? Hatte er sich nicht eigentlich gerade verabschiedet?

Ameg fragt sich ob er den Verstand verloren hat oder Torin. Irgendwie hat Ameg nicht nur das Gefühl, daß er etwas nicht mitbekommen hat. Er ist sich ganz sicher, daß ihm etwas wichtiges entgangen ist. Aber was sollte das Spielchen nur? Wenn sie eine alte Freundin von Níalyn war, warum dann dieses Versteck-Spiel?

Aufgewachsen zwischen Strassenkindern, Streunern und Schlimmeren macht er eine Geste, die für ihn eigentlich natürlich ist, aber dennoch eindeutig Atak ist. Ameg bemerkt nicht einmal, daß er sie benutzt. Sonderlich viel sagt die Geste aber auch nicht aus...

..nur etwa so viel wie 'hä? was ist los??'



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Tibraide nickt und schluckt trocken.

"Dann bin ich ja beruhigt."

Sie stimmt in das Lachen der Premerin mit ein.

"Ja, das hast du recht."

`Mmh, eigentlich ist sie gar nicht so übel... Tibraide konzentriere dich aufs Spiel!`


***


Raika atmet noch ein paar mal tief durch. Was soll sie momentan auch tun?

Falls die anderen nicht mit den Premern fertig werden, kann sie auch nicht viel ändern. Also heißt es die Gelegenheit zu nutzen und neue Kraft zu schöpfen, bis sie wieder gebraucht wird. Und wer weiß, vielleicht lässt ihr »Bewacher« in seiner Aufmerksamkeit nach, wenn sie sich nicht rührt.

`Wer den Wiesel packen will muss auch geduldig sein`


***


Cathal flucht. Gerade haben die Premer den Spieß herum gedreht und nun scheint es so, als wäre der Premer nicht aufzuhalten.

`Sie legen ein Mordstempo vor... Tibraide, ob deine Idee wirklich so gut war!`

Was ihm noch saurer aufstößt, ist der Riegel, der sie vor ihm aufbaut. Er kommt sich regelrecht eingekesselt vor. Nun, einerseits ist das schmeichelhaft, dass die Premer so sehr auf ihn achten, aber wenn er dadurch gebunden wird, ist das gar nicht gut. Jedenfalls wird er wohl so schnell nicht zum Flügel kommen. Fluchend rennt er zurück, die einzige noch offene Richtung.


***


Scibor sieht grimmig auf den heran stürmenden Thorwaler.

`Ist der verrückt. Legt der es wirklich darauf an?`

Ein dämonisches Grinsen huscht über seine Züge, als er sich bereit macht, den direkt auf ihn zustürmenden Premer gebührend zu empfangen...

... nur um einem überraschten Ausdruck zu weichen, als er erkennen muss, dass der Pottwal-Spieler ihn ausgetrickst hat.

Rot vor Wut auf sich selbst und den verwünschten Pirat wendet er sich um und stürmt hinterher.


***


Auch Faerwyn, der alte Hase, ist nicht besonders glücklich über die derzeitige Situation. Etwas ärgerlich runzelt er die Stirn.

`Warum kümmert sich denn keiner um den! Das dürfte nicht sein. Wenn das so weiter geht...`

Und natürlich versucht die Premerin, die er die ganze Zeit deckte, verständlicherweise eine bessere Position zu erreichen. seufzend rennt er ihr ein Stück hinterher, hin und her gerissen von der Notwendigkeit, sie zu decken als auch der Aufgabe, den rechten Flügel der Bullen zu bewachen.


***


Auch sonst gerät Bewegung in die Reihen den Havener Bullen, als sie versuchen so schnell wie möglich einen möglichst soliden und sichern Block aufzubauen. Wie auf ein stummes Kommando stieben die beiden Zwillinge auseinander, um die Plätze zwischen der Mitte und den Flügeln zu decken. Neelke nimmt wieder ihre Position auf dem linken Flügel der Bullen ein, also der Flügel, über den momentan der Ball läuft. Und auch Romolosch läuft den Weg zurück, den er gekommen, hin zu Hasgar, der sich noch immer relativ in der Nähe des Havener Tores herumtreibt


***


In Dunvallos Kopf arbeitet es. Die Enttäuschung über die verpatzte Torchance verdrängt er, konzentriert sich auf das hier und jetzt, versucht einzuschätzen, wie der Ball wohl laufen könnte und wo er am besten gebraucht werden würde.

Momentan läuft alles über links, da ist wirklich eine Lücke, doch die eigenen Abwehrreihen sind wohl schon dabei, diese zu schließen. Und der eine Thorwaler allein, wird das Tor wohl nicht schießen. In seiner Nähe stehen neben der blockenden »Feenhild« und dem sichernden Ifirnsgiron auch noch Frenhild, die »Tigerin« und Haldar, der ebenfalls vorrückt. Man muss nur zwei und zwei zusammen zählen, dass einer der beiden, so sie noch weiter vorrücken, ein guter Anspielpartner wäre.

`Also decken!`

So mit neuen Plänen, neuer Aufgabe und frischem Elan ausgestattet, findet er auch wieder die Gelassenheit um auf Frenhilds spöttische Bemerkung zu reagieren. Während er die Verfolgung aufnimmt, meint er ruhig mit absichtlich gespielt erstauntem Tonfall:

"Wie, du trägst Unterwäsche? Ich hätte dich nicht für so zahm gehalten..."



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Der Hund ist schon fast wieder vergessen in den Kreisen der Zuschauer - zumindest derer, die sich nicht in der Nähe der Schneise befinden, die er durch ihre Menge zieht. Dort wird rumgeflucht, es werden wilde Drohungen laut, und der eine oder andere versucht auch, nach dem Tier zu greifen, um es zu stoppen, was selbstverständlich nicht gelingt. Höchstens der Diener, den das Tier da "ausführt", bekommt dabei den einen oder anderen Tritt oder Hieb ab.

Für all die anderen Zuschauer ist das Spiel schon wieder weit interessanter als die kurze Episode mit dem Hund, denn sie wollen jetzt endlich ein Tor sehen, und auf welcher Seite das zu fallen hat, steht für die Havena'er außerhalb jeder Diskussion.



IN HAVENA - Bei den Rahja-Gärten: Die drei Herrschaften - Ottam, Di Vespasio und Onaskje


Der Comte ist für Ottam im Moment kaum existent, ohne jegliche Gemütsschwankung hört sich der Magus die ausfallend erregten Worte Onaskjes an. Innerlich arbeitet sein Geist mit höchster Anstrengung, doch nach außen wirkt Ottam, als sei es derart infam, auch nur seine Meinung in Frage zu stellen, dass ihm die unterschwelligen Vorwürfe auch nicht im Leisesten etwas anhaben könnten.

"Vieleicht habt ihr mich missverstanden euer Gnaden, wie ich euch bereits zustimmte ist Maßlosigkeit ein schlimmes Übel, doch scheint es mir in jenem Fall lediglich um einen Jüngling zu gehen, der sich in unangemessener Art, wohl aufgrund seiner nicht existenten Erfahrung, versuchte die Zuneigung der jungen Dame mit übertriebenen Geschenken zu sichern. Der falsche Weg ganz sicher, doch so glaube ich, die Abweisung der Dame ist für jenen Herrn eine wesentlich härtere Strafe als es jegliche Anzahl an Stockhieben sein könnte"

Eine kurze Pause machend fährt er fort:

"Ein gelehrter Mann sagte einmal: 'Nur der Mensch den man liebt kann einen wirklich verletzen' Ich denke in diesen Worten liegt Wahrheit und die hat der junge Mann wohl zu spüren bekommen"

Eine weitere, etwas länge, Pause machend bleibt Ottam unverhofft stehen und wendet sich direkt an den Geweihten des PRAios. Leiser, doch äußerst bestimmt beginnt er zu sprechen, zu sprechen mit einer Ernsthaftigkeit und Überzeugung wie man sie bis dato nie an Ottam bemerken konnte.

"Ihr fragt mich was denn dämonisch sein könnte? Ich frage euch, habt ihr jemals einer dämonischen Präsenz Auge in Auge gegenüber gestanden, die ein kranker Geist mit voller Absicht und in der Gier nach Macht in diese Sphäre rief? Wisst ihr wie es ist, wenn man ohne Vorwarnung mit eine solche Situation gerät, vielleicht bestenfalls damit rechnend ein paar Schwarzpelze zu finden ? Habt ihr je gefühlt wie es ist wenn jene Wesenheit versucht besitz zu Ergreifen vom eigenen Geist, wisst ihr wie es ist wenn sich das Innerste in der Gewissheit aufbäumt es wird wohl der letzte Kampf sein? Habt ihr je gespürt, wie es ist, wenn ihr die eigene Kraft derart ausschöpfen müsst das nur noch die Frage Tot oder Tot mit ihm in euch tanzt? Wisst ihr welche Kraft es kostet in solch einem Augenblick, alles aber wirklich alles was in eurem Körper ist zu mobilisieren und diese niederträchtige Existenz zu vernichten? Wie es ist zwar den Dämon vernichtet, doch ein Stück des eigenen Lebens verloren zu haben ? Wisst ihr das?"

Luft holend setzt er hinzu:

"Wenn ihr dies alles erlebt UND mit hilfe der Zwölfe überlebt habt, DANN wisst ihr was dämonisch ist euer Gnaden!"

Immer noch steht Ottam da und blickt dem Geweihten direkt ins Gesicht



Di Vespasio schluckt schwer, doch will ihm selbst das nicht gelingen. Wie ein bösartiger Dämon sitzt ein trockener Kloß direkt an der Stelle in seinem Hals, wo sonst das Zentrum des Sprechens liegt. Aber selbst wenn er zu sprechen vermöchte, würde ihm immer noch nichts Lustiges oder gar Scharfsinniges einfallen, das man dieser Rede des Magus entgegensetzen oder hinzufügen könnte.

'Hoffentlich beruhigt der kleine Park dort vorne die Gemüter ein wenig. Es wäre doch sehr drückend, müßte man sich weiter über Dämonen unterhalten. Nicht, daß du nichts dazu zu sagen hättest, aber normalerweise meidet man solche Themen eher ...'

Tatsächlich wird hinter der nächsten Kreuzung ein kleiner Park sichtbar, der, in entspannter Gesellschaft, ein geradezu traumhaft verzücktes Wandeln zulassen würde. So schön und prächtig sind die Anlagen gehalten. Dabei nicht protzend, sondern stilvoll, voller Blumen und versteckter Ecken, sonnengefluteter Wiesen und schattiger Teiche. Deutlich zeigt sich, daß hier mehr als nur ungelenke Bauernhände am Werk waren.



"Ja," antwortet Onaskje, daß Gesicht bereinigt von harten Zügen, auch ist er nicht mehr so rot oder schweißüberströmt, "vielleicht habe ich Euch missverstanden. Bezüglich des jungen Mannes wünsche auch ich, daß Ihr recht haben mögt."

Er macht ebenfalls eine kurze Pause.

"Seht mich an!"

Ruhig wartet er einige Augenblicke, bis er fortfährt.

"Ich zähle gerade dreißig Sommer, nicht zu viele für einen Mann in seinen besten Jahren. Ihr werdet es Euch noch nicht gefragt haben, aber ich denke jedesmal daran, wenn ich mein Antlitz spiegeln sehe. Was meint Ihr wohl, warum mein Haupthaar solch eine weiße Färbung hat? Noch vor wenigen Monden erfreute ich mich einer gesunden braunen Haarpracht. Doch die Schrecken, die meine Augen sahen, sind nichts, was ein schwacher Geist hinnehmen könnte, ohne in den Wahnsinn abzutreiben!"

Ruhig läßt Onaskje seinem Gegenüber Zeit, das silber-weiße Bart- und Haupthaar zu betrachten.

"Wahrlich, ich weiß, wovon ich spreche, und ich wünschte, ich wüßte es nicht. Mit meinem eigenen Schwert und meinem Willen kämpfte ich gegen mehrere Niederhöllische Ausgeburten, Seite an Seite mit einer Handvoll tapferer Kameraden, von denen außer mir nur noch einer unter den Lebendigen weilt."

Die Augen des Sonnenpriesters schauen wie in weite Ferne, und wer hinein blickt vermag ein Schaudern der Seele zu erkennen.

"Wie Ihr es sagt, in jener Stunde verlor ich einen Teil meines Lebens, meine Jugend und meine innere Unschuld fanden den Tod. Ich war ein junger Mann, ein Krieger, erfüllt von Idealen und Stolz und Ehrfurcht vor dem Schönen, und glaubte um seine Beständigkeit zu wissen.

Dieser Tag machte mich zu dem, was ich jetzt bin."

Mit einem aus der Seele kommenden Seufzer fixiert der Geweihte wieder den Magier.

"Glaubt mir, ich weiß, wovon ich spreche. Wahrscheinlich bin ich vorhin ein klein wenig übereifrig gewesen (mehr aber auch nicht), aber ich kann nicht anders, ich muß vor dem wahren Übel, daß Dere heimzusuchen vermag, warnen."



Mit großen Augen betrachtet der Adlige den Praiosgeweihten.

'Du meine Güte. Jetzt weißt da, was dir an dem Mann so merkwürdig vorgekommen ist. Die Falten und das Haar haben dich in die Irre geführt. Er ist gar nicht älter als du, mein Freund. Dreißig Jahr! Meine Güte!'

Erst nach einiger Zeit merkt di Vespasio, wie er den Mann neben sich anstarrt und wendet schnell den Blick ab.



"Ich verstehe euch sehr gut euer Gnaden. Auch mein leben hat sich an jenem Tag vollauf gewandelt und wir haben wohl mehr gemeinsam als es auf den ersten Blick zu scheinen vermag."

antwortet Ottam ebenfalls deutlich entspannter als zuvor. Ja sogar etwas vollkommen ungewohntes ist in seinen Augen erkennbar, ein Mitfühlender Gedanke durchwandert seinen Geist beim Anblick der Haare des Geweihten.

Ja nur allzu gut kann er nachempfinden wie sehr ein solcher Verlust schmerzen kann, auch wenn es in seinem Fall noch bedeutend mehr war, was er verlor. Auch er ist seit jenem Tag nicht mehr der Mensch, welcher er zuvor war, doch in einem ist er sich vollkommen sicher, er wird sich zurückholen was ihm genommen wurde, koste es was es wolle und sei es...

Sein Gedanke verstummt, nein - er will nicht daran denken, will sich nicht an diesen Tag erinnern müssen, nicht jetzt, nicht noch einmal...

Nach einer Pause kehrt der Magus zu seinem gewohnten Gesichtsausdruck zurück, nichtssagend wie immer...

Dann richtet er das Wort wieder an beide Begleiter:

"Es wäre nicht gut an einem Zwölfgöttlichen Feiertag weiterhin Erinnerungen an solch unaussprechliche Schrecken zu verbringen. Wir sollten wohl besser unser Ziel aufsuchen, zumal wir bereits beinahe dort sind"

Abwartend blickt er sowohl den Praioten als auch den Comte an.



Es ist nur eine kleine, kniehohe Mauer, die die Rahjagärten eingrenzt. An der Südwestecke, an der sich die drei Herren befinden, ist sie auf einer Länge von etwa drei Schritt unterbrochen. Der Eingang, der hier auf einen sauber geharkten Kiesweg führt, wird von zwei Statuen flankiert, einem Mann und einer Frau in der Göttin wohlgefälligen Kostümen, die die Besucher der Anlage willkommen heißen.

"Nein, wahrlich nicht, derartige scheußliche Dinge sollte man in dicke Bücher schreiben und diese dann wegschließen, jetzt haben wir uns etwas Muße verdient. Legt eure dunklen Gedanken beiseite, tretet ein und denkt an die Lust zu Leben, nicht daran zu sterben."

Di Vespasio vollführt eine leichte Verbeugung und spannt den Arm samt Stock in einladender Geste weit aus.

"Nach Euch, meine Herren."



IN HAVENA - In den Gassen: Abschied - Torin, Nìalin und Ameg


Níalyn lächelt, als Torin anfängt, auf Atak zu 'sprechen' und denkt sich ihren Teil. Doch als auch noch Ameg anfängt, auf diese Art und Weise zu kommunizieren, kann sie sich nur noch schwer ein Lachen verkneifen und presst somit krampfhaft ihre Lippen aufeinander.

"Sehr erfreut euch kennenzulernen," fährt Sciba hingegen fort, so als wäre nichts geschehen, macht dabei aber eine flinke, für den flüchtigen Beobachter unauffällige Bewegung mit ihrer rechten Hand.

*Aha! Diener des PHEx!*

"Ich kann euch schon einiges über diese Stadt erzählen, wobei Níalyn euch gewiss eine bessere Stadtführerin wäre. Meine Geschäfte zwingen mich oft zu Reisen in andere Städte und ich bin zudem keine gebürtige Havenerin."

Scibas Gesichtsausdruck verrät nichts über ihre Gedanken, die sie ihm Moment über Torin und Ameg hegt.

'Ob der Kleine ihr Sohn ist und was für ein Kerl ist dieser Torin?'



Torin kann angesichts der Tatsache nur verwundert den Kopf schütteln. Dass Níalyn Atak kann, weiß er. Dass aber auch Ameg und sogar diese Wildfremde diese Zeichensprache beherrschen, das bringt ihn aus der Fassung.

'Miu pikusch!' murmelt er kaum hörbar in seinen Bart. 'Ich sollte wirklich besser tulamidisch lernen! DAS kann hier doch sicher keiner. Aber Atak... Pha! Das kann ja jeder! Sogar Halbzwerge.'

"Nun, solange ihr mit uns den Weg zum Immanstadion findet, soll es mir vorerst genügen."

Und mit einem kurzen Handstreich fügt er auf der 'Weltsprache' Atak hinzu:

*So könnte man es sagen.*



Ameg wundert sich immer noch was los ist, aber wenn Erwachsene solche Spielchen spielen wollten, dann sollte man sie wohl lassen. Von den übrigen Atak-Zeichen bekommt Ameg nicht sonderlich viel mit. Und zum Stadion will er auch nicht mehr mit.

"ich... ", fängt er leise an als er sich verabschieden will.

Da fällt ihm noch etwas ein.. Der Wein. Er selbst brauchte ihn sicherlich nicht.

Ameg macht seinen Beutel auf, aus dem die Weinflasche eh schon fast heraus guckt. Er nimmt die Flasche heraus und streckt sie Torin entgegen.

"Ich komm' nich' mehr mit ins Stadion", sagt er. Dann schaut er auf die Flasche die er Torin entgegen hält, "..und die hier is' für dich."

Der Abschied ist wohl nun gekommen. Tränen möchten sich in Amegs Augen ausbreiten, doch er kann sie zurück halten.



Doch bevor noch Frau di Cameza oder Níalyn etwas sagen können, meldet sich, wenn auch anfänglich leise, Ameg wieder zu Wort und so blickt Torin wieder zu seinem Schützling hinunter.

'Was macht er denn jetzt?' fragt sich Torin in Gedanken, als Ameg einen größeren Gegenstand aus seinem Beutel heraus holt. Dann jedoch streckt ihm Ameg eine Flasche entgegen.

'Für mich? - Wirklich?! - Aber warum? - Wir sehen uns doch wieder.'

Es ist Torin schon ein bisschen peinlich, als er die Flasche entgegen nimmt. Doch als er das kalte Glas der Flasche in den Händen fühlt, überfluten ihn abermals die Gefühle.

Ihm wird endgültig bewusst, dass er sich bisher etwas vorgemacht hatte.

'Ameg wird nicht wirklich gehen.' hatte er gedacht. Doch nun! Nun erst wird ihm wirklich bewusst, dass er sich dieses Mal getäuscht hatte. So gut wie möglich hatte er die Tatsache verdrängt, nun aber war der Augenblick des Abschiedes gekommen - endgültig!

'Werden wir uns jemals wiedersehen?'

Stumm sieht er Ameg an. Plötzlich fühlt er sich alt und leer. Leise gluckert der Wein in der Flasche als sich Torin zu Ameg hinunter kniet und die kostbare Flasche beiseite stellt.

"Dann ist der Abschied jetzt wohl gekommen." sagt er leise. "Ich hatte gehofft, du würdest noch mitkommen, aber..."

Da erst bemerkt er das leicht wässerige Schimmern in Amegs Augen.

'Miu pikusch! Was soll das Geheul von uns eigentlich? Ameg hat sich entschieden und ich sollte weder ihm noch mir den Abschied schwerer machen als er schon ist!'

"...eines Tages werden wir uns wieder über den Weg laufen. Und dann werden wir beide diesen guten Tropfen gemeinsam trinken! Miu pikusch! Ist das ein Wort?"



Eigentlich wollte Níalyn etwas in der Art wie ...

"Na, dann ab ins Stadion, Leute!" rufen, doch nun, wo der Abschied noch näher als gedacht, heran rückt und sie spürt, wie schwer es Torin wohl fällt, sich von seinem einstigen Schützling zu verabschieden, stocken ihr die Worte bereits im Hals.

Wortlos beobachtet sie die beiden und mehr als zuvor wirken sie auf Níalyn wie Vater und Sohn. Zwar fühlt sie sich ein wenig ausgeschlossen aus dieser kleinen Gruppe, aber sie versteht den Schmerz, den Torin jetzt fühlen mag.

Wie ungeheuer schwer war damals ihr Herz, als sie ihren Sohn in dem großen Hesindetempel in Gareth verließ! Ein kleiner Junge, noch zu jung, um zu verstehen, dass seine Mutter vielleicht gar nicht mehr wiederkommt, allein in der Weite der riesigen Gebetshalle...

'Ich muss wieder zurück nach Gareth! Ich will den Kleinen nicht länger alleine lassen!'

Mit ernster Miene blickt sie auf Torin und Ameg hinab, doch sie sieht sie nicht mehr wirklich. Vor ihren Augen schiebt sich ein weiteres Bild: Ein junger Mann, irgendwann in 10 oder 15 Jahren, der sie ungläubig ansieht und fragt:

"Wer bist du?"

'Und wenn es jetzt schon soweit ist?'

Níalyn holt tief Luft, um das schwere Gefühl in der Brust zu vertreiben. Nein, sicher nicht! Die Geweihten werden die Erinnerung an seine Mutter wachhalten. Hoffentlich...

Aber sie möchte nun auch nicht den Abschied von Ameg versäumen und beugt sich ebenso wie Torin hinab.

"Wir sehen uns gewiss wieder, Ameg. Suche uns am besten in Gareth oder in Havena - wir sind wohl in beiden Staedten relativ gut bekannt."

Ein aufmunterndes Lächeln begleitet ihre Worte, doch tief in ihrem Inneren taucht dennoch ein hoffnungsloser Gedanke auf, den sie mehr oder weniger erfolglos verdrängt.



Ameg nickt als Torin ihm verspricht, daß er mit ihm eines Tages die Flasche Wein gemeinsam leert ('Bis dahin muß ich wohl üben'). Als sich dann auch noch Níalyn zu ihm herunter beugt um sich zu verabschieden kann er die Tränen wirklich nur noch mit Mühe zurück halten.

"ja.. ", antwortet er, "ich werd' euch wiederseh'n. Ich bin mir ganz sicher..."

Ein letztes Mal geht er auf Torin zu und umarmt ihn..

"Die Zwölf mit euch und.." er denkt kurz an die Frau die dort herum steht, aber es ist ihm dann doch egal.. "und besonders PHEx mit euch... ich freu' mich schon auf'n Tag wo ich euch wieder seh'"

...langsam beginnt er sich wieder von Torin zu lösen.



Als ihn Ameg umarmt, fühlt Torin die Leere aus sich weichen. Die Wärme und die Herzlichkeit von Amegs Berührung gibt ihm ein Gefühl, dass er selbst nicht beschreiben kann. Ein Gefühl wie eine große Welle des Glücks und der Zufriedenheit.

Was auch in Zukunft kommen mag, genau so will er sich an seinen Sohn, Ameg Rotmarder erinnern. Bis zu dem Tag, an dem sie endlich die Flasche köpfen würden.

"Die Zwölfe seien auch mit dir, mein Sohn."

Und selbst das Lächeln kehrt in das Gesicht Torins zurück als er seine Gedanken ausspricht.

"Und du kannst dir sicher sein, dass ich dich in alle meine Gebete an den Herrn PHEx einschließen werde. Du sollst es gut haben im Leben, kleiner Rotmarder."



"PHEx mit dir, Ameg," verabschiedet sich auch Níalyn von dem Dreikäsehoch. Sie erhebt sich wieder, sagt aber kein Wort mehr - lange, rührselige Abschiede war ihr schon immer verhasst, einfach weil es sie zu SEHR rührt.

Ihr Blick geht gen Himmel und sie blickt in das leuchtende Blau, welches nur hier und da von ein paar rein weißen leuchtenden Wolken unterbrochen wird. Die Praiosscheibe strahlt in ihr Gesicht und lässt die braunen Augen und die schwarzen Haare glänzen. Sie spürt den leichten Wind auf ihrer Haut, der von der See her kommt und einen salzigen Beigeschmack mit sich trägt.

Kreischend und von der weiten Welt verkündend fliegt, nein, schwebt auf dem Wind eine Möwe über den Köpfen der Menschen vorbei.

In diesem Moment fühlt Níalyn sich ein wenig seltsam. Sie ist wieder in ihrer alten Heimatstadt, trifft eine gute Freundin von einst, ist mit Torin zusammen und das Wetter ist einfach wunderschön!

Aber der Abschied, die Tatsache, dass sie wieder in der Stadt ist, von der sie sich einst enttäuscht und mit nicht wenig Groll im Herzen abgewandt hatte und die Erkenntnis, dass die Seefahrt mit der NORDSTERN, auf der sich relativ friedlich ein buntes Trüppchen von Menschen und Nichtmenschen zusammengefunden hat, für sie hier in Havena vorbei ist, lastet doch ein wenig auf ihr Gemüt.

Und so entweicht Níalyns Lippen ein leises Seufzen. Was mag noch auf sie zukommen? Was wird sie in Gareth erwarten? Sie weiß es nicht und vielleicht ist dies auch besser so, denkt Níalyn sich.

Wichtig ist das Hier und Jetzt und dieser wundervolle, sonnige Herbsttag, den es zu genießen gilt, egal wie düster oder ungewiss die Zukunft sein mag!

Sie wendet sich Sciba zu, die die kleine Abschiedsszene schweigend beobachtet hatte.

"Ich denke, jetzt sind wir soweit," sagt sie leise zu ihr und dreht sich dann wieder zu Torin.

'Ich will das nicht zerstören, aber... '

"Entschuldige Ameg," beginnt sie vorsichtig, "aber bist du soweit, Torin?"



"Was?"

Níalyns Frage reißt Torin aus seinen Gedanken.

'Was hat sie noch mal gefragt? Ob ich soweit bin?'

Torin seufzt innerlich. Dann jedoch lässt er Ameg los, verstaut die kostbare Weinflasche in seinem Rucksack und steht auf.

"Natürlich ich bin soweit." antwortet er zu Níalyn und Frau di Cameza gewandt. "Lasst uns das Immanstadion und die vielen Leute unsicher machen."

'Kein Blick zurück. Wir sehen uns wieder, Ameg.'



Sciba grinst Torin an. Klar, dieser Mann hat mehr mit PHEx zu tun, als er den Menschen glauben machen möchte und somit freut sie sich auf das Immanspiel mehr, als es normalerweise bei ihr üblich wäre.

Níalyn dagegen hakt sich ungefragt bei 'ihrem' Torin ein, blickt aber noch einmal kurz zurück zu Ameg und winkt ihm zum Abschied zu. Klar, dieser Abschied ist etwas, was wohl den Tag ein wenig überschatten wird, aber andererseits warten nun die Möglichkeiten einer großen Stadt auf die beiden.

Zudem ist das Immanspiel und die Beute, die sie dort wohl machen werden in einer Hinsicht wichtig, denn sie hat nicht vergessen, was sie Efferdan versprochen hat und das will sie unbedingt einhalten.

'Etwas Phexisches vielleicht ... als Glücksbringer. Das wäre das richtige. Ich werde wohl mal Sciba fragen, ob sie mir helfen könnte und vielleicht weiß, wo ich ein besonders schönes Exemplar kaufen kann.'

Als sie mit Torin und ihrer alten Freundin durch die verwinkelten Gassen Havenas geht, sieht Níalyn noch einmal kurz durch eine Straße hindurch zum Hafen hin. Die NORDSTERN kann sie zwar nicht entdecken, dafür aber noch einige andere Schiffe, Matrosen, die schwere Säcke schleppen, normale Passanten und weiter hinten die Boroninsel - ein seltsamer Kontrast von Lebendigkeit und Tod nebeneinander, denkt Níalyn sich. Aber ist für die Anhänger der TSA der Tod nicht auch irgendwie ein Neubeginn, fragt sie sich. Sie weiß es nicht, denn in TSAtempel war sie bisher zu selten und Kontakt mit den Geweihten der TSA hatte sie bisher auch noch nicht oft gehabt.

Aber eines ist sicher: Sie, Níalyn Táin, steht an der Schwelle zu einem neuen Leben und sie wird nun das Beste draus machen. Und vielleicht wird sie hier in Havena auch endlich mal einen TSAtempel aufsuchen, was sie wohl auch besser tun sollte, denn eines weiß Níalyn noch nicht: TSA war ihr besonders hold!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Liebespaar sucht Nest - Perval und Traviana


Traviana bemüht sich, durch die Menge hindurch und Perval hinterher zu kommen...

' Wo will er denn eigentlich hin? Ob er sich schon etwas ausgedacht hat?...'

Sie hält seine Hand fest, fester als sie das sonst tun würde, nur um sicher zu gehen, dass sie ihn hier in diesem Gedränge nicht verliert...



Obwohl einige Platz machen, um die besseren Plätze weiter vorne sofort einnehmen zu können, muß Perval doch noch immer wieder durch einige enger stehende Gruppen durch. Dieses geht nicht ganz ohne Knuffe seitens Perval und bösen Blicken und Worten seitens der Imman begeisterten Zuschauer ab. Und auch auf den einen oder anderen Fuß tritt Perval mit seinen Stiefeln schon mal. 'Paß doch auf!', 'Idiot', 'Fetter Pottwal' sind noch die harmloseren Worte, die Perval zu hören bekommt. Die meisten bekommen dann auch ein schnelles 'T´schuldigung!' hingeworfen. Nur bei denen, die all zu finster gucken, schaut Perval noch grimmiger zurück. Traviana zieht er dabei mehr oder weniger hinter sich her, das sie nicht hier im Gedränge verloren geht.

Derweil kreisen seine Gedanken weiter darum, wo man denn jetzt ein stilles Plätzchen finden könnte. 'Dat Schiff kommt nich in Frage. Auch wenn jetzt wohl kaum jemand an Bord is, könnt da doch auf einmal eener in de Laderaum reinplatzen. Und de Mannschaftsraum geht sowieso nich. Nich dat noch einer mitkriegt, dat da was zwischen uns is. Durch de Spelunken am Hafen zu luufen und nach nem Zimmer zu fragen, is vielleich auch n bisschen anstrengend.'



'Diese vielen Menschen.... können die einen nich mal durchlassen???'

Traviana hat ab und zu Mühe, mit Perval mitzuhalten, der sich doch anscheinend recht gut durch die Menge kämpft...

Sie selbst hat ja den Vorteil, dass Perval schon alle vorne dran 'aus dem Weg räumt' , aber die bleiben ja auch nicht alle stehen, so muss sie sich auch hindurch kämpfen. Einmal verliert sie fast Pervals Hand, schafft es aber noch rechtzeitig vorbei.

'Uff, Glück gehabt... ich hätte ihn zwischen diesen Menschenmengen bestimmt erst einmal wieder suchen müssen..'

Immer wieder stößt sie mit den ImmanFans, den Zuschauern zusammen. So grinst sie diese im Vorbeigehen an und sagt irgend etwas wie 'tut mir Leid' oder 'verzeihung'...



Langsam aber sicher erreichen Perval und Traviana eine der Treppen von den Tribünen. Vor hier ab ist es ein leichtes, da sich die meisten Menschen auf den Tribünen befinden. Unten am Fuße der Treppen laufen nur ein paar vereinzelte Gestalten hin und her, wohl um einem dringenden Bedürfnis nachzukommen oder aber um bei einem der Händler, die die verschiedensten Imbisse und Leckereien feilbieten, schnell eine Kleinigkeit zu holen. All diesem aber widmet Perval kaum einen Blick.

Am Treppenabgang hält er an, läßt Traviana los und blickt ihr in die Augen.

"Wie isses, wolln wir uns jetz n Plätzchen suchen, wo wir ungestört sind?"



'Endlich raus aus diesem Gedrängel....'

Traviana ist froh, dort endlich raus zu sein. Es wäre zwar schon einmal interessant gewesen, sich so ein Spiel anzusehen, aber dieses Gedrängel um die Plätze findet sie furchtbar, und jetzt gibt es sicher Dinge, die interessanter sind als so ein Immanspiel...

" Klar, hast du schon ne Idee?"



"Uffs Schiff könn wir schlecht. Dat Warzenschwein ode eine der anderen Offiziere is bestimmt an Bord und würd vielleicht was mitbekommn, jetzt wo fast alle an Land sin. Am Hafen nach nem Zimmer zu suchen, könnt dauern und wer weiß, wat fürn Zimmer wir da kriegn. Und um irgendwo im Freien zu bleibn, is dat Wetter zu schlecht." legt Perval Traviana seine Gedanken dar, die er sich die letzten Minuten gemacht hat.

In Harben wüßte er auf Anhieb so einige Orte, wo man sich zu zweit zurückziehen könnte. Schließlich hat er oft genug einige dieser Plätze aufgesucht, während der Zeit, als er dort stationiert war. Aber auch in Havena war er einige Male unterwegs und nach einigen Momenten des Grübelns, während derer er auf der Unterlippe kaut, fällt ihm doch noch ein, wo man hin könnte. Einige seiner Kameraden waren des öfteren bei der 'Comtesse' gewesen und auch er hatte ein oder zwei mal hier Haus besucht, auch wenn dieses schon einige Jahre her ist. Aber solch ein Haus, wie das der Comtesse, einer schon damals älteren, aber dennoch recht gut aussehenenden Frau, die wahrscheinlich niemals wirklich dem Adel angehört hat, wird sicherlich noch da sein.

"Ich gluub, ich weiß, wo wir hin könn. Komm!"

Damit ergreift Perval erneut Travianas Hand und geht ohne weitere Erklärung Richtung Ausgang des Stadions.



Traviana ist gerade dabei gewesen, sich etwas zu überlegen, als dann Perval anscheinend doch eine Idee hat...

"...warte, wohin gehen wird denn jetzt eigentlich?"

Wie er schon gesagt hatte, ist das Schiff eher unpraktisch und ansonsten ist beiden ja nicht viel eingefallen....

Und woher kennt er sich sonst hier aus? War er schon einmal hier??? Naja, er wird schon wissen, wo er hin will..'

Traviana denkt nicht weiter darüber nach, sondern geht einfach mit.

'Ich werde ja mitbekommen, wo er hin will...'



IN HAVENA - Im Immanstadion: Herrin und Hund - Reckinde und Radisar


Ein kurzen Augenblick bleibt der Freifrau nur, um vollends zu überblicken, was jetzt gerade geschieht. Zuerst hört sie nur kräftige Proteste über irgend etwas, was es so nicht geben sollte, das aber, der Abneigung aller zum Trotze, dennoch wirklich und wahrhaftig geschieht. Die Freifrau wird sogar etwas neugierig auf diesen unbekannten 'Stein des Anstoßes', doch soll sie nicht lange im Ungewissen bleiben. Was immer auch diese Unruhe im Volk veranlasst haben könnte, es kommt näher und immer näher und wird sich schon bald den prüfenden Augen der Freifrau Reckinde stellen können.

Man darf davon ausgehen, hätte die Freifrau geahnt, was da auf sie zukommt, dann hätte sich ihr Interesse doch sehr in Grenzen gehalten. Doch so ahnt sie noch nichts und ist in freudiger Erwartung des Kommenden.

Blitzartig wird es finster über Frau Reckinde. Es war ihr, als hätten sich in Bruchteilen von Momenten dunkle Wolken über ihrem Haupt zusammengezogen. Doch nicht einmal das raue und wilde Klima des Bornlandes kennt ein derart überfallendes Schlagwetter, da schon in der Zeit, die man braucht um mit den Fingern zuschnippen, dunkle Wolken einen ehedem strahlend blauen Himmel verdecken, um, noch im selben Augenblick Regengüsse auf die Erde abzuwerfen.

Doch da erkennt Frau Reckinde, dass nicht Sturmwolken ihr das Licht zu rauben versuchen, es ist ein großer schwarzer Hund. Und auch nicht heftiger Regen befeuchtet ihr Gesicht, sondern es ist eine schlabbernde Zunge, die wieder und immer wieder über ihre Wangen streicht.

"BOTO!" ruft Reckinde voller Erstaunen "Wo kommst du denn her?"



Als Boto der Freifrau auf den Schoß springt und sie mit wildem Schwanzwedeln herzlichst begrüßt, geht unweit davon ein kleiner dicker Mann langsam in die Knie, ausgelaugt und erschöpft!

"Herrin .... ich bringe euch ... bringe euch .... den Hund!" keucht er noch mit letzter Kraft, ehe er besinnungslos nach vorne kippt, ohne aber die Hand von der Leine zu lösen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wasuren und der Spiegelpanzer


Wasuren hat die bevorstehende Spielunterbrechung durch diese wilde Hundsgetier schnell vergessen. Der Sturm der Pottwale ist in vollem Gange und Wasuren´s Gefühle gehen mit ihm durch, als ihm das Adrenalin in die Adern schießt.

Außer sich voller Freude über diesen gelungen Trick des Pottwalstürmers, stampft und grölt er vergnügt. Dann packt ihn sein Bewegungsdrang und er beginnt sich erst langsam dann immer schneller weil man ihm Platz macht einen weg am Spielfeld entlang zum Bullentor zu bahnen.

Voller Eifer nun endlich ein Tor haut nah miterleben zu können läuft er freudig mit dem Spiegelpanzer über seinem Haupt, weiter von seinen Gefährten fort. Doch sein rhythmische Scheppern mit zwergischen Spiegelpanzers ist im Stadion noch ein ganzes Stück gut zu vernehmen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Straßenkinder


Zwei Straßenkinder drängeln sich durch die Menschenmassen im Stadion.


***


Gial drängelt sich geschickt durch die Menschen im Stadion, immer wieder guckt er sich um ob seine Schwester mit ihm Schritt halten kann. Dann hält er an einer geeigneten Stellen inne und lugt zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch.

'Oh das Spiel ist gerade so richtig im Gange' denkt er sich erfreut. Freudig reibt er sich die Hände.

'Alle Erwachsenen werden nun abgelenkt sein!'

Mit seinen listigen Augen sucht er die Menschenmenge abseits vom Spielfeld ab.

"Hmm guck mal die Beiden da hinten," raunt er seiner Schwester zu. Er sieht gerade noch wie einer der Beiden Männer, die dort mit einander Reden und so gar nicht an dem Spiel Interesse zeigen, gerade seinen Geldbeutel wieder verstaut.



Tara hat nicht viel Mühe, ihrem Bruder zu folgen. Noch jünger und kleiner als Gial bewegt sie sich mindestens genauso geschickt durch die Menschen wie er. Und sie läßt ihn keine Sekunde lang aus den Augen, viel zu groß ist ihre Angst, ohne ihn zu sein. Außer ihm gibt es niemanden mehr, der sich um sie kümmern würde. Und Gial kümmert sich wirklich gut um sie, das weiß sie ganz genau.

Als ihr Bruder stehen bleibt, hält sie an seiner Seite. Sie nickt, als er ihr die beiden Männer zeigt und gibt ein leises bestätigendes "Hmhm," von sich. Gial weiß immer ganz genau was er tut, und Tara schenkt ihm ihr ganzes Vertrauen.

"So wie immer?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Nun kommt erheblich Tempo ins Spiel. Auch wenn die Premer noch eben nicht so ganz auf Abwehr eingestellt waren, auf Angriff muss man sie nicht einschwören, das geht wie von selbst, das ist die Natur der Nordmänner und Nordfrauen. Jetzt, da sie wieder in Ballbesitz sind, gibt es für die Premer Immanrecken kein Halten mehr. Tula, die noch vor kurzer Zeit so erfolgreich von der Abwehrarbeit ausgeblockt worden war, ist nun wieder am Stürmen und auch alle anderen Spieler rücken nach.


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Frenhild, die Fee, sprintet nach vorne, vorbei an Dunvallo und Chatal, die erstaunlicher Weise den Weg durch die Mitte völlig frei gelassen haben. Frenhilds Beine scheinen kaum den Boden zu berühren, so schnell ist sie. Und dabei sieht ihr Lauf noch derart elegant aus, als bereite es ihr keinerlei Mühe, so schnell zu rennen. Schon nähert sie sich einer kleinen Gruppe, in der Tibraide, Romolosch und Ragnid beieinander stehen. Und Frenhild hält ohne Geschwindigkeitsverlust darauf zu ....


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Doch Ragnid löst sich aus der Gruppe mit einem blitzschnellen Antritt. Dabei geht sie tief in die Hocke, dass nicht einmal Tibraides lange Arme sie hätte aufhalten können. Die Verteidigerin der 'Bullen' unternimmt aber auch nicht eimal den geringsten Versuch, Ragnids Lauf zu unterbinden, Tibraide scheint etwas konfus zu sein. Nun, der Premerin soll es recht sein! Rumpo steht auch dabei, aber er ist offensichtlich zu schwerfällig, um der überaus flinken Ragnid Einhalt zu gebieten.


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Hasgar rennt auf das Bullentor zu, doch noch schneller ist Aki. Der flinke Stürmer hat es geschafft sich zwischen Romolosch und Tamlin hindurch zu zwängen. Dies ist ihm aber auch nur deshalb gelungen, da Romolosch's Aufmerksamkeit von Ragnids Durchbruch total gebunden gewesen war. Hasgar verlangsamt nun seine Schritte und wartete lauernd im Rückraum auf seine Chance. Nun ist das 'Bullentor' völlig eingekreist und nur noch zur rechten Seite hin offen, denn von dort erwarten alle alle 'Pottwal'-Sürmer die entscheidende Flanke.


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Thinmar rennt, wie er noch nie in seinem Leben gerannt war. Zum einen ist er sich sicher, dass Scibor die Verfolgung aufnehmen wird, denn der 'Schlangenkopf' hat nicht gerade prächtig ausgesehen, als er von Thinmar ausgespielt worden war wie ein blutiger Anfänger. Das wird sich der kleine wahnsinnige Gnom nicht gerne gefallen lassen. Aber bei dem Tempo, dass Thinmar vorlegt hat er nicht die geringste Chance mit dem Prmer auch nur im Geringsten mithalten zu können. Nun haben schnelle Gangarten leider den entscheidenden Nachteil, dass die Übersicht ein bisschen verloren geht. Doch das unterscheidet einen guten von einem schlechten Immanspieler: Ein guter Spieler verliert den Überblick nie! Allerdings ist Thinmar noch viel zu jung, um wirklich zu den guten Spielern gerechnet werden zu können, doch er hat heute offensichtlich seinen Glückstag.

In vollen Lauf treibt er die Korkkugel nach halblinks und umgeht so den Abwehrblock Neelkes zur Seite hin und auch Gun hat keine Möglichkeit noch rechtzeitig gegend en Durchbruch einschreiten zu können. Jetzt könnte Thinmar direkt zu Tor durchlaufen, doch würde ihgn dieser Weg direkt in die Fänge Tibraides und des Zwergen Romolosch führen. Zwar hat sich Ragnid eben gerade aus diesem Haufen heraus gelöst, doch steht sie jetzt genau in der Bahn zum Tor. Thinmar kann also nicht schießen und ebensowenig weiterlaufen, ohne mit der Yeshinna zusammen zu stoßen.

Also treibt er den Kork wieder zur Seite, nach halbrechts und damit weg aus der unmittelbaren Linie zum Tor. Schon fast an der Seitenlinie angelangt treibt er den Ball weiter vorwärts, überläuft Conn und befindet sich nun schon fast in der Ecke des Spielfeldes. Thinmar flucht innerlich. Diese Immanstadion in Havena ist aber auch so etwas von klein geraten. Hier kann man doch nicht richtig Imman spielen, wenn das Spielfeld gerade eben groß genug ist einen Flohzirkus auftreten zu lassen.

Aber Thinmar läßt sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Grundlinie stoppt seinen Lauf, aber da er alle Gegner mit Leichtigkeit überlaufen hatte können, hat er nun alle Zeit der Welt den Ball sehr genau in die Mitte zu flanken, dort eben, wo Ragnid steht und wie eine Wilde winkt, um den Ball zu bekommen.


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Der Ball ist hart geschlagen und er fliegt gerade, als wäre er an eine Schnur gespannt, etwa hüfthoch, in einer direkten Linie auf Ragnid zu ....


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Nun müsste Ragnid nur noch ausholen und wie ein Berserker auf den Korkball eindreschen, denn sie hat freie Bahn aus kurzem Winkel auf das Tor zu schießen. Doch Brendan lauert, das weiß Ragnid. Sie kann es zwar nicht sehen, da sie mit dem Rücken zu ihm steht, aber Ragnid braucht es nicht zu sehen, sie weiß es einfach. Es würde verdammt schwierig werden, den Ball am Torhüter vorbei zu drücken und Brendan ist dazu noch ein verflucht guter Torhüter. Trotz aller Bedenken holt Ragnid mit ihrem Schläger aus, als gälte es einen Basilisken zu erschlagen und erwartet den Ball. Und der kommt dann auch, noch imer fast hüfthoch fliegend. Der Schläger saust im Halbkreis, gleich wird er kommen, der irrwitzige Schuss der Yeshinna. Ja, Ragnid hat noch Kompromisse gemacht.

Kompromisse vielleicht nicht, aber schon seit jeher immer wieder die feinsten Tricks und Täuschungen, die man sich im Imman überhaupt vorstellen kann. Natürlich schlägt Ragnid nicht mit aller Kraft auf den Ball, sondern sie bremst den Schlag ab, senkt dabei den Schläger um eine winzige Nuance und trifft den Kork sodan sachte auf der Unterseite. So fliegt der Ball eben nicht auf direktem Weg auf Brendan's Tor zu, sondern beschreibt einen hohen Bogen, der ihn, völlig unerreichbar über Rumpo hinweg hebt. Und hinter Rumpo wartet Aki und der fackelt nicht lange sondern drischt drauf ....


***


Währenddessen trabt die 'Tigerin' lässig vor Dunvallo her und hält dann kurz inne, um dem Sturmlauf der 'Fee' nicht im Weg zu stehen. Sie weiß Dunvallo in der Nähe, darum spricht sie, ohne sich umzudrehen um ihn anzublicken.

"Natürlich trage ich keine Unterwäsche während des Spiels!" erklärt sie hämisch. Und noch hämischer fährt sie fort:

"Außerhalb des Spielfeldes allesdings schon. Das ist nur zum Schutz für dich, mein Süßer, sonst wirst du mir am Ende noch blind!"

Dann holt sie tief Luft und brüllt:

"AKI - JETZT!!!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen - Alberik, Hjaldar und Garulf


Endlich erreicht Alberik die beiden Thorwaler. Es ist wirklich voll im Stadion und es wird um jeden freien Platz gekämpft.

Und es ist laut. Die Menschen feuern ihre Mannschaft an, fiebern mit ihnen, als ob sie es selber wären, die dort auf dem Spielfeld mit einem Schläger in der Hand stehen würden und um das kleine Stück Kork wetteifern. Damit der Schiffskoch und Hjaldar ihn bemerken, formt er die Hände an seinem Mund zu einem Trichter und ruft nach oben.

"HE, habt ihr Wasuren gesehen?"



Erfreut beobachtet der Smutje den Spielverlauf, der sich jetzt wieder ganz in die richtige Richtung wendet: Richtung Kälbchentor.

"Dat wohl! POTTWAL VOR - KORK INS TOR!" ruft er, erst an Hjaldar gewand, dann wieder aufs Feld. Gleich ist es soweit, gleich wird das erste Tor für die Pottwale fallen ...

Gerade in diesem Moment, diesem hochdramatischen Moment, meint jemand, es gäbe irgend etwas, daß wichtiger wäre als das Spiel. Die Störung kommt in Form eines Rufes, mit dem der Zwerg kundtut, daß er Wasuren sucht. Verärgert über dieser Ungeheuerlichkeit, weist Garulf nur, ohne seine Augen auch nur einen Halbfinger vom Spielfeld abzuwenden, in die Richtung, in der er Wasuren vermutet.

"Da drüben!"

Allerdings zeigt sein Arm dabei auf einen Punkt, an dem sich Wasuren schon längst nicht mehr befindet, doch das ist dem Schiffskoch vollkommen egal, Hauptsache, man stört ihn nicht länger bei der Betrachtung des Spiels.



Auch Hjaldar bemerkt noch nichts von dem sich nähernden Alberik. Zu sehr fesselt ihn das Geschehen auf dem Spielfeld, grad jetzt wo Pottwal stürmt.

"Jo! Dat wat wat!!!" nickt er Garulf zu.

Und es sieht tatsächlich verdammt gut aus, was die Premer da zeigen, bis schließlich sogar ein Torschuß dabei herausspringt ...

"HAU DRUFF!" feuert Hjaldar den potentiellen Torschützen an.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Tief stoßen die Pottwale in die Reihen der Bullen, die sich in diesem Augenblick so ziemlich dem selben Problem entgegensehen, dass bis vor ein paar Augenblicken die Premer quälte. eben noch voll im Angriff, gelingt es ihnen jetzt einfach nicht, die Abwehrreihen wieder vollständig zu schließen. Hier und da klaffen noch Lücken, weil die Spieler nicht schnell genug auf ihre Positionen zurückkamen - und diese Lücken nutzen die Pottwale offensichtlich gnadenlos aus.

Doch noch ist noch nichts verloren und die Bullen versuchen zu retten, was zu retten ist. Der Kork ist zwar schon gefährlich nahe am Tor aber eben noch nicht drin - und das ist, was zählt!


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Tibraide ist noch immer etwas verdattert ob des seltsamen Gespanns, dass vor wenigen Momenten wie von Nagrachs dämonischer Jagd gehetzt über den Platz fegte, so dass sie erst einen Moment zu spät mitbekommt, wie sich Ragnid aus ihrer Umzingelung befreit.

"Verdammt!"

entfährt es ihr lauthals. Und da kommt auch schon die nächste Premerin. Hastig deutet sie mit dem Finger auf die heran sausende »Feenhild« und ruft Rumpo ein hastiges "Halt sie auf" zu, während sie sich schon daran macht, ragnid zu verfolgen.


***


Rumpo braucht einen Moment, um die Geschehnisse um ihn herum zu verarbeiten. Er ist zwar stark, doch der hellste ist er nicht, und so ist er froh, als Tibraide ihm sagt, was er in dieser wilden Situation tun soll.

"Is gud" grummelt sein tiefer Bass als Antwort und schon macht er sich daran, sich der heran stümenden Frenhild mit der Eleganz einer ins rollen gekommenen Lawine entgegen zu stellen.


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Romoloschs felsgraue Augen überfliegen die Situation und was er da sieht, gefällt ihm überhaupt nicht.

`Bei Angroschs Bart!`

Die Yeshinna hat sich befreit, eine gefährliche Stürmerin. doch noch während er dies sieht, löst sich auch der junge Aki aus Lyns Umgebung und stürmt nach vorne.

`Was jetzt?`

So wie es aussieht, versucht Tibraide Ragnid zu erreichen. Also bleibt für ihn

- Aki. Und schon ist Romolosch unterwegs.


***


Und auch Scibor rennt. Der »Pirat« hat zwar schon einen gehörigen Vorsprung, doch Scibor hat Wut ihm Bauch und so kommt er langsam an den im Zickzack stürmenden Premer heran.

Doch - leider - kommt er zu spät. Kochend vor Zorn muss er sehen, wie der Thorwaler den Ball zur Mitte hin passt. Gerade noch rechtzeitig erinnert er sich an die Warnungen Kalimans und Cathals und so bleibt er zähneknirschend und mit geballten Fäusten einige Meter vorn Thinmar entfernt stehen - anstatt sich auf ihn zu stürzen - und beobachtet rauchend, was da noch kommen mag.


***


Brendans Augen sind wie Schlitze, die mit voller Konzentration den Weg des Korks verfolgen. Die Pottwale sind gefährlich nahe, gefährlicher als beim letzten Male, da nun in einer besseren Position. Ragnid hat den Ball, eine Spielerin, die für ihre Kraft und ihre herausragende Technik bekannt ist. Es würde ihn nicht wundern, wenn sie einen Schuss wagen würde.

Angespannt verlagert er das Gewicht auf sein rechtes Bein, um los zu springen, sobald Ragnid den Kork auf das Tor zu fliegen lässt.

Doch auch so gute Torhüter wie Brendan irren sich hin und wieder...


***


Auch Tibraide kommt zu spät. Gerade als sie Ragnid erreicht, verlässt der Kork ihren Schläger, so dass auch der hastige Stoss gegen die Schulter der Premerin nichts mehr bewirkt, jedenfalls nichts, was die Flugbahn des Balles beeinflussen könnte.

`Was - verdammt!`


***


Rumpo sieht kurz erstaunt nach oben, als etwas über ihn hinweg pfeift.

`Oh!`


***


Dunvallo antwortet nicht. Statt dessen schnaubt er nur unwirsch und verdoppelt regelrecht seine Anstrengungen, Frenhild einzuholen. Jetzt ist er hinter ihr, seine Muskeln spannen sich und er... zögert.

So ziemlich jeder andere Gegenspieler wäre jetzt wohl durch eine gutgezielte Attacke zu Boden gegangen, doch Dunvallo kann einfach nicht. Sie steht ja nur da, tut nichts. wie kann er sie da angreifen?

Dann hört er ihren Schrei. Rasch hebt sich sein Blick.

`Oh nein!`


***


Cathal glaubt seinen Augen nicht zu trauen, als er sieht, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit die Pottwale die - zugegebenermaßen nicht ganz stehende - Bullenabwehr umspielen.

`Das darf doch nicht war sein! Schlafen denn die alle?`

Geschickt ist der Ball bei dem jungen Premer - `wie hieß er doch gleich Agi oder so` - gelandet und wohl nur zwei Bullen sind nahe genug um ihn aufhalten zu können. Romolosch und Tamlin. Und beide sind unterwegs. Nur, ob sie schnell genug sind?

"LOS, BLOCKEN!" brüllt er nach hinten, während er seinen Weg ihn eben jene Richtung fortsetzt



IN HAVENA - Im Immanstadion: Fiana's Ankunft


Fiana gelingt es derweil noch ein Stehplatzticket zu bekommen, sogar verbilligt, weil das Spiel schon eine Weile zugange ist, doch das größte Problem liegt noch vor ihr, nämlich das finden eines bekannten Gesichtes von der NORDSTERN. Nun ja, wenn sich niemand findet wird sie sich irgendwo zu den Premer Fans gesellen, doch erst einmal schlängelt sie sich durch die Zuschauer und dank ihrer Größe gelingt ihr sogar eine gewisse Übersicht zu erhaschen, suchend blickt sie sich um während sie durch die Menge geht, dabei sicher den Unbill des einen oder anderen auf sich ziehend, dem sie dabei im Weg steht.




IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Das Geschrei der Havenaer Fans ist unverändert laut, nur die Richtung ändert sich ein wenig. War es eben noch wichtig, dass EIN Tor faellt, um das Spiel spannend zu halten, ist es das jetzt überhaupt nicht mehr, denn DIESES Tor darf nicht getroffen werden.

Insbesondere in Tornähe werden wieder Rufe der Art ...

"BRENDAN! LASS NICHTS REIN!" laut, denn dort würde man ein Fiasko in Form eines Tores der Premer ja

besonders direkt erleben.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


Der Ball zittert nicht, er flattert nicht und schlägt auch sonst keine Kapriolen, er nähert sich in rasanter Geschwindigkeit dem Tor der 'Bullen'. Fast will es scheinen, als habe Aki dem Ball mit so viel Kraft geschlagen, um den Kork bis ins Güldenland zu treiben. Aber auf dem Weg nach Güldenland steht noch eine nicht zu unterschätzende Barriere: Der Torhüter der 'Bullen'!


***


Erst jetzt kommt Aki wieder gut zum Stehen. Der Schwung beim Abfassen des Balls hätte ihn beinahe von den Füßen geholt. Jetzt, da er sich wieder gut orientieren kann, sieht er, dass er hervorragend getroffen hatte. Jubel steigt in ihm auf, obwohl der Ball noch nicht die Torlinie überflogen hat. Doch geht es ihm nicht nur um den Torerfolg alleine. Wie oft hat ihm der Spielmeister vorgeworfen, er wäre zu leidenschaftlich und er solle mehr denken, bevor er handeln würde. Jetzt aber hatte er nicht überlegt und nicht nachgedacht, der Ball flog auf ihn zu und er handelte sofort und nach Gefühl. Und sein gefühl hatte ihn nicht betrogen, er hat den Ball außerordentlich gut erwischt. Vielleicht war sein Handeln etwas hektisch gewesen, aber Aki bezweifelt, daß ihm Tamlin und Romolosch noch sehr viel mehr Zeit zum NAchdenken und Handeln bewilligt hätten.


***


'Flieg, du süßer kleiner Ball, flieg .... !' denkt sich Tula, während sie den Abstand zwischen sich und Faerwyn immer mehr vergrößert.


***


"Komm schon, komm schon ...!" murmelt Ifirnsgiron vor sich hin.


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Die 'Tigerin' grinst als sie die gelungen Kombination vor dem Tor der 'Bullen' beobachten konnte. Sie stellt sich lässig hin und flüstert hämisch zu Dunvallo hinüber:

"Armer Kerl! Wirst es dir selber machen müssen, dabei hätte ich doch so viel zu bieten gehabt!"

Frenhild seufzt gespielt.

"Tja ......... !"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zuschauereaktionen


Es geht schneller als beim ersten Mal, es ging sogar SEHR schnell. Mit rasender Geschwindigkeit hat der Ball den Weg quer über das Spielfeld zurück gelegt, und wo es eben noch schien, als wolle er im Premer Tor verschwinden, so ist es nun das Havenaer, dem er sich so scheinbar unaufhaltsam nähert.

Die Brendan-Rufe werden lauter, und zugleich auch die Befürchtung, dass dieser Ball nicht zu halten ist, denn der Schütze hat ihn taktisch und technisch hervorragend auf die Reise geschickt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena


`Verdammt`

Nicht Ragnid war die Schützin, sondern der junge Aki - von Brendan aus gesehen - rechts außen. Doch der Torwart der Bullen ist zu erfahren, um sich lange mit Fluchen aufzuhalten. Zwar steht er falsch zum Ball, aber noch hat er eine Chance, ihn zu erwischen - jedenfalls, wenn er es gleich versucht.

Brendan verlagert das Gewicht und springt kräftig vom Boden ab.

Der Ball ist gut gezielt, kräftig geschlagen und wenn ihn niemand aufhält, wird er wohl sogar oberhalb der Querlatte durchs Tor sausen, was einen Drei-Punkte-Treffer für die Pottwale bedeuten würde.

Wie von der Rotze geschnellt fliegt Brendan, dem heran sausenden Ball entgegen, das anfeuernde Geschrei »seiner« Fans im Rücken.


***


Den restlichen Bullenspielern stockt der Atem. Sie sind dazu verdammt abzuwarten, es gibt Nichts, was sie noch tun können. Nur noch Brendan steht zwischen dem Ball und dem Tor. Alle Gedanken richten sich auf ihn, vielfach wird er stumm angefeuert, so als könnten sie ihm damit zusätzlichen Schwung verleihen.


***


Immer näher rast der Ball und immer näher kommt ihm Brendan. Der Körper des Haveners ist kerzengerade gestreckt, die Hand reckt sich dem Ball so weit wie möglich entgegen.

`Gleich - gleich -`

Brendans Hand berührt den Kork, kommt zu spät, um ihn zu packen, doch sie lenkt ihn von seiner ursprünglichen Flugbahn ab. Nicht mehr nach oben geht sein Flug, sondern nach unten.


***


Manchmal schlägt das Schicksal erbarmungslos zu - oder haben die Götter ihre Hand im Spiel? Möchte der listenreiche PHEx für etwas mehr Spannung sorgen oder ist SWAfnir in diesem Moment mit seinen Kindern und ihrer Wut? Vielleicht hat auch nur irgend jemand die Wage des Glücks etwas zur Seite der Pottwale geneigt.

Jedenfalls wächst sich diese Situation zu einer jener Albtraumsituationen aus, von denen jeder Torhüter einmal träumt und hofft, sie würden nie geschehen. Denn es bleibt nichts mehr, als verzweifelt zuzusehen.

Mit einem deutlichen PLOCK prallt der Ball auf den seitlichen Torpfosten, wird wiederum abgelenkt, trifft - immer noch kaum seiner Wucht beraubt -. auf den Boden - und springt hinter die Torlinie, wo er noch etwas ausrollt und dann deutlich sichtbar liegen bleibt.


***


In dem Moment, da Brendan durch seinen Schwung umgerissen etwas unsanft wieder auf dem Boden aufkommt ertönt der Pfiff Ulferts.

"Ein Punkt für die Mannschaft aus Prem!" verkündet die mürrische Stimme des Oberschiedsrichters, was ein Helfer auch sogleich mit Kreide auf einer Tafel festhält.


***


Die Luft entweicht zischend aus Cathal.

`Verdammter Mist!`

Und auch die übrigen Bullen sind nicht glücklicher.


***


Dunvallo sieht zu Frenhild hinüber. Seine Augen blitzen kalt und entschlossen.

"Sei dir da mal nicht so sicher. Noch ist es nicht vorbei. Es hat erst begonnen!" gibt er zurück, wobei er allen Havenern aus der Seele zu sprechen scheint.

Der Preis ist noch immer verlockend, vielleicht sogar noch verlockender als vorher, und auf diese Worte hin ist er fest entschlossen, ihn zu erobern.


***


Auch Tibraide ist das Lächeln vergangen. Ihr Plan sah vor, dass die Premer anfangs mit wütender Entschlossenheit und viel Kraft spielen würden, doch rechnete sie damit, dass es ihnen gelingen würde, ein Tor zu verhindern. Nun hat sich die Sachlage etwas verändert.


***


Brendan richtet sich langsam auf. Was soll er auch anders tun? Passiert ist passiert, er muss sich jetzt weiterhin bemühen, denn sicher wird das nicht der letzte Schuss auf das Tor gewesen sein, den die Pottwale in diesem Spiel abgeben.


***


Conn sieht zu Brendan. Er kann sich vorstellen, wie sich der Torwart fühlen muss, schließlich war er selbst einmal eine zeitlang Torhüter, bis er erkannte, dass er dort nie wirklich gut sein würde. Der muskulöse Mann mit dem Kinnbart und den kurzen braunen Haare klopft Brendan aufmunternd auf die Schulter.

"Gräm dich nicht. Immerhin hast du verhindert, dass es keine drei Punkte sind. Und das eine Tor - das holen wir auf, keine Sorge!"

Breit lächelt er Brendan an und dieser - lächelt zurück.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Imman und Spiegelpanzer - Alberik, Hjaldar und Garulf


Wie gebannt sind Hjaldars Augen auf das Spielfeld gerichtet.

"Jetzt! JA!" kommentiert er den Torschuß Akis. In Erwartung eines souveränen Torerfolges reißt er die Arme hoch und brüllt:

"KORK INS TOR!"

Und tatsächlich schafft es der Torhüter der Bullen nicht, den Punkt zu verhindern.

"WOLL, MACHT DET DUTZEND VOLL!" grölt er lautstark und schlägt die Hände zusammen.

Relativ schnell beruhigt er sich aber auch wieder. Dies war zwar das erste Tor und damit schon verflucht wichtig, aber für gewöhnlich endet so ein Immanspiel mit einigen Dutzend Punkten auf jeder Seite und somit ist es nicht SO aufregend, daß er Alberik gar nicht wahrnehmen würde. Es dauert eben nur ein bißchen länger, bis er sich diesem zuwendet.

"Wasuren? Der wat doch ..." er deutet in die auch von Garulf vorgeschlagene Richtung doch im Gegensatz zu diesem bemerkt er, daß Wasuren schon gar nicht mehr dort ist. "... nu, wo isser denn hin?" Suchend blickt er sich um, doch kann er ihn nirgendwo entdecken.

Was ihm dabei ins Auge fällt ist allerdings, daß jemand ganz vorne eine metallene Rüstung in die Höhe hält ... eine die ihm dazu noch bekannt vorkommt und gemessen an der Tatsache, daß ein Zwerg ohne Rüstung schon auffällig genug ist, gelingt es ihm auch den Zusammenhang herzustellen.

"Sach mal, Alberik, looft da vörne nich' din Rüstung herum?" breit grinsend deutet er in die Richtung der Havener Torkurve...





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