- Logbuch der Nordstern -

Im Hafen von Havena - Teil 1 - (Abschluss einer Mission) - 30. Efferd, 28 n.H.


HAVENA - 30.Efferd

NORDSTERN - Im Hafen: Abschied eines Händlers


Es ist noch ziemlich früh am Morgen des Tages des Fischerfestes, als Anman Troyn, Händler seines Zeichens, beim Kapitän vorspricht. Wie sich in dem Gespräch dann rasch zeigt, hat er am Abend davor eine ziemlich einmalige Gelegenheit gefunden, sich an der Umsetzung eines Geschäftes hier in Havena zu beteiligen, auf das er aus verständlichen Gründen nicht näher eingeht, das es ihm aber unmöglich macht, seine Holzladung weiter zu begleiten.

Da er jedoch, wie er dem Kapitän wortreich versichert, auf der Überfahrt feststellen konnte, dass man der Mannschaft des Schiffes sehr vertrauen kann, möchte er diese Ladung weiter an Bord lassen, und selbst in vielleicht einem halben Mond nachreisen, die Ladung selbst soll in Kuslik von Bord gebracht werden.

Nachdem der Kapitän ein Schreiben an einen Kusliker Freund des Händlers entgegengenommen hat, willigt er ein, was auch kein großes Problem ist, schließlich stellt das Holz mit seinem Wert eine ausreichend große Sicherheit dafür da, die Kosten des Transports auch tatsächlich zu erhalten, und die Ladung auch wirklich abgenommen zu bekommen in Kuslik.

Nachdem das geklärt ist, verschwindet Anman kurz in der Kabine, um seine Sachen zu holen, und bald darauf auch in Richtung Stadt vom Schiff.

Der Kapitän wiederum hat so die Möglichkeit, zu einem nur unwesentlich späteren Zeitpunkt das frei gewordene Bett vereinbarungsgemäß an den Geweihten des PRAios zu übergeben.



NORDSTERN - Im Hafen: Empfang des Hochgeweihten


Die NORDSTERN liegt vielleicht schon seit einer Stunde im Hafen von Havena, und es ist inzwischen schon richtig dunkel, als eine kleine Prozession sie erreicht. Es sind acht Personen, alle gekleidet in die blau-grünen Roben der Anhänger des Herrn der Gezeiten, und drei von ihnen eindeutig Geweihte dieses Gottes. An der Spitze schreitet ein Mann, dessen Robe überdies prachtvoll mit Efferdschmuck verziert ist, und in dem diejenigen, die Havena näher kennen, niemanden anders als den Hochgeweihten Graustein selbst erkennen, den Vorsteher des Efferdtempels der Stadt.

Er, seine Mitgeweihten, und einige Novizen des Tempels sind gekommen, um die Heilige Miesmuschel nach über sechzig Götterläufen der Abwesenheit in den Tempel zu holen, in dem sie sich so lange befunden hat, bis hin zu jenem gotteslästernden Diebstahl, nach dem ihre beiden Hälften getrennt den Weg nach Salzerhaven gefunden haben, und dort vor gerade einmal zwei Tagen von den Menschen dieses Schiffes wiedergefunden wurden.

Das abendliche Wetter - aus dem Nieselregen ist mittlerweile ein ausgewachsener Regen geworden, macht ihnen dabei nicht im geringsten etwas aus, ist das doch genau das, was am besten zu solch einer wichtigen Angelegenheit passt, ein gutes und efferdgefälliges Wetter.

Die kleine Prozession wird an Bord der NORDSTERN ehrfurchtsvoll begrüßt, dann gehen der Hochgeweihte, eine junge Efferdgeweihte, und von der NORDSTERN der Kapitän, seine Offiziere sowie der junge Hesinde-Geweihte Hesindian in die Kajüte des Kapitäns. Sie verbleiben dort vielleicht eine Stunde lang, in der sich der Hochgeweihte persönlich die Geschichte der Wiederentdeckung des wertvollen Artefaktes erzählen läßt, und dieses dann letztendlich in seine Obhut nimmt.

Auf dem Deck vor der Kapitänskajüte bleibt der Hochgeweihte noch einmal stehen, und verkündet:

"Ich danke Euch im Namen Efferds für Eure Tat! Und ich heiße Euch alle morgen zur Stunde des Mittagsniedrigwasser im Tempel unseres Gottes willkommen, damit Ihr der Zeremonie anläßlich des Fischerfestes beiwohnen könnt, und selbst erleben werdet, wie eine dem Gott geweihte Perle in diesen beiden heiligen Muschelhälften entstehen wird!"

Er hebt bei diesen Worten das Kästchen mit der Heiligen Miesmuschel ein wenig, und verläßt nach einer Verbeugung an der Spitze seiner kleinen Prozession die Karavelle wieder.

Nach diesem doch recht ungewöhnlichen Auftritt kehrt wieder der normale Hafenalltag auf der NORDSTERN ein, Matrosen verabschieden sich zum Landgang, kommen von diesem zurück, halten Wache, es wird geredet, gelacht, gespielt, und letztendlich auch geschlafen - alleine, oder auch zu zweit.

Und so bricht dann der neue Tag an, der 30. Efferd des Jahres 28 nach Hal, der Tag des Fischerfestes.



Der Tag des Fischerfestes hat von seinem Vortag zumindest eines geerbt, den Nieselregen nämlich. In der ganzen Nacht hat dieser nicht aufgehört, und am Morgen scheint es beinahe so, als würde er fast stärker sein als noch am Abend, als die NORDSTERN in den Hafen eingelaufen ist.

Das Schrubben des Decks nach der Sturmfahrt ist damit auch an diesem Tag kein Thema, ganz abgesehen davon, dass niemand von einem Seemann eine derartige Arbeit an diesem Tage verlangen würde. Ganz ohne Beschäftigung sind die Seeleute der NORDSTERN indes auch nicht, schließlich ist der Hafen an solch einem Feiertag gut besucht, und da muss das Schiff natürlich ordentlich aussehen. So wird noch im Morgengrauen das zerstörte Tauwerk der Blinde repariert, eine Arbeit, die man auf See zwar auch verrichten kann, doch bei der Sturmfahrt hatte der Kapitän sich dagegen entschieden, um nicht das Leben seiner Mannschaftsangehörigen für etwas zu riskieren, das ohnehin nicht benutzt werden konnte. Diese Reparatur ist jedoch ziemlich einfach, und so befindet sich die NORDSTERN bereits wieder voll in ihrem normalen, sehr gut gepflegten und intakten Zustand, als der Tag richtig begonnen hat.

Die Zeremonie im Efferdtempel, zu der die Leute von der NORDSTERN eingeladen sind, ist für das Mittagsniedrigwasser angesetzt, wie der Hochgeweihte verkündet hat, und so bleibt am Vormittag noch genug Zeit für Ausflüge in die Stadt und den einen oder anderen Einkauf. Insbesondere letzteres wird von vielen getan, denn durch den überstürzten Aufbruch in Salzerhaven ist manch einem dazu dort keine Gelegenheit geblieben, und zudem sind die Märkte anläßlich des Fischerfestes besonders gut ausgestattet.

Doch es sind nicht alle von der NORDSTERN, die mittags dann zu der Zeremonie in den Efferdtempel gehen, einige bleiben auf dem Schiff, andere gehen in die Stadt, oder beschäftigen sich mit allerlei anderen Dingen - gerade an diesem Festtag hat die Stadt sehr viel zu bieten...

Im weiteren Verlaufe dieses Tages bleibt das Wetter in etwa so, wie es ist, der Regen wird sogar noch stärker, auch wenn es zwischenzeitlich auch Phasen gibt, in denen es fast nicht regnet - doch fast schon zum Ausgleich es gibt auch wieder solche, in denen es sehr viel stärker regnet. Insgesamt also ein efferdgefälliges Wetter an einem Feiertag des EFFerd.

Diejenigen, die zur Zeremonie gegangen sind, werden indes im Laufe dieses Tages im Grunde nicht mehr gesehen, und wenn doch, dann nur kurz, und sie scheinen in ziemlicher Eile zu sein, als gelte es, etwas sehr Wichtiges zu vollbringen...

Der Tag vergeht, und der Abend bricht an, ohne dass jemand auf das Schiff zurückkehrt. Im Grunde ist das ja auch noch nicht weiter verwunderlich, denn die Feiern im Tempel, im Hafen und natürlich auch zahlreichen Tavernen gehen bis in die Nacht hinein. Doch... verwunderlich ist, das ALLE so lange dabei bleiben... eigentlich immer gibt es doch einige, die lange vor Schluss gehen. In diesem Fall jedoch offensichtlich nicht... ob das etwas mit der Zeremonie zu tun hat?

An diesem Tag klärt sich das Rätsel für diejenigen, die nicht mitgegangen sind, allerdings nicht mehr, denn ein Grossteil der Leute kehrt erst nach Mitternacht endlich auf das Schiff zurück, geschafft und erschöpft wie nach fünf Tagen Schwerstarbeit aus. Andere bleiben sogar noch länger fort. Auf Fragen der an Bord gebliebenen gibt es kaum verwertbare Antworten, da den Leuten die Koje näher ist, als jedes erklärende Wort.

Und so vergeht der verbleibende Rest der Nacht, und der nächste Tag bricht an... mehr noch, der nächste Feiertag, denn der 1. Travia ist der Tag der Heimkehr, und damit gleich wieder ein Feiertag. Ein praiosgefälliger Sonnenaufgang leitet ihn ein, und das läßt vermuten, dass mit dem nach EFFerd benannten Mond auch der Regen erst einmal gegangen ist.

Doch dieser Tag steht nicht nur im Zeichen der traviagefälligen Feierlichkeiten, sondern ist in Havena vor allem auch durch eine derische Vergnügung geprägt: Das traditionelle Freundschaftsspiel zwischen den Immanmannschaften "Havena-Bullen" und der Gastmannschaft "Pottwal Prem", das am frühen Nachmittag im hiesigen Immanstadion stattfindet.


HAVENA - 1.Travia

HAVENA bei Nacht - EFFerdsplatz: Schatten in der Stadt


Es ist dunkel.

Sehr dunkel.

Aber ausgesprochen still ist es nicht.

Es ist Mitternacht. Die Stadt liegt fast vollkommen im Dunkeln. Nur das vereinzelte schummerige Licht, das aus den Tavernen dieser Stadt auf die Gassen scheint, wenn die Tavernentür geöffnet wird oder ein Fensterladen nicht ganz dicht schließt, ist nur ein winziger Lichtfunke in einer tiefschwarzen Nacht. Der Regen, der den ganzen letzten Tag begleitet hat, hat plötzlich nachgelassen. Doch der Himmel ist noch immer wolkenverhangen und nur sehr selten kommt es vor, dass für einen kurzen Augenblick der Schein der wiedergeborenen Mada, den Schleier der Dunkelheit ein wenig lüftet, und sich in den vielen Pfützen, die sich in Havenas Gassen gebildet haben, widerspiegelt.

Die Schattengestalt, die im Schutze der Dunkelheit durch die nächtlichen Strassen huscht, bewegt sich auf leisen Sohlen und geschmeidigen Schrittes vorwärts. Sie hat ein Ziel vor Augen - und das ist der Tempelvorplatz des Efferdtempels zu Havena. Die Dunkelheit scheint ihr nichts auszumachen. Die Gestalt orientiert sich sicher und ohne zu zörgern. Fast scheint es so, als sei sie ein wenig in Eile, doch auf den letzten Schritten, bevor die Strasse auf den Efferdplatz mündet, verlangsamt sie ihren Schritt.

Aufmerksam huscht ihr Blick über die Umgebung, leise und lauernd versucht sie von ihrem geschützten Platz aus, sich ein Bild über den Efferdplatz zu machen. Im Hellen sah er ganz anders aus. Bevölkert. Laut. Lebhaft. Doch jetzt ist es ruhig, kaum eine Bewegung kann die Gestalt wahrnehmen.

'Vielleicht kommt sie ja gar nicht.'



Der Tempelvorplatz ist leer. Feierlich-ernste Geweihte, vergnügte Fischer, grölende Seeleute und verliebte Pärchen, welche den ganzen Tag und besonders abends den Platz bevölkerten, haben sich an wärmere, gemütlichere Orte zurückgezogen. Selbst EFFerd Höchstselbst scheint sich von seinem Fest zu verabschieden, denn die Nachtluft ist klar und sauber, aber trocken. Nur die Pfützen im Pflaster zeugen noch vom vergangenen Tage.

Ein schöner, ein vollkommener Tag, gefolgt von einem noch schöneren Abend!

Der Platz liegt also leer und einsam da. Ganz leer? Nein, etwas abseits, auf den Stufen die zum Tempel emporsteigen sitzt eine kleine Gestalt, reglos, in einen grauen Mantel gehüllt. In der Dunkelheit scheint sie fast mit der Umgebung zu verschmelzen und nur dem scharfen Auge offenbart sich jetzt noch ihre Anwesenheit.



Eine Lichtspiegelung des Madamals in einer Pfütze auf der Strasse, ein einsamer Schrei einer Eule in der Ferne und ein dunkler Schatten auf den Stufen zum Tempelportal - das ist alles, was die Gestalt am Rande des Efferdplatzes in der Einsamkeit der Nacht ausmachen kann.

Leise löst sie sich von dem Schutz der Hauswand und schickt sich an, den leeren Efferdplatz auf seiner gesamten Länge zu überqueren. Die Gestalt trägt einen dunklen, weiten Umhang mit einer Kapuze, die tief in ihr Gesicht gezogen ist. Unter der Kapuze ertönt ein empörtes Fiepen und plötzlich scheint es, als würde der Gestalt die Kopfbedeckung von einem Windstoß herab geweht. Jedoch ist es vollkommen windstill.

"Du gibst jetzt sofort Ruhe und verhältst dich still, meine Liebe. Oder du kannst dich eher nach einem Baum umsehen, als dir lieb ist. Und denk daran, wir sind mitten in einer Stadt..." raunt die Gestalt einem unbekannten Gesprächspartner zu.

Mit einer raschen Bewegung ihrer Hand rückt die Gestalt die Kapuze wieder an ihrem alten Platz und sowohl lange Strähnen von kastanienbraunem Haar, als auch ein Fellknäul von eben dieser Farbe verschwinden wieder unter dunklem Wollstoff.



Eine ganz leichte, fast unmerkliche Bewegung ist auf den Tempelstufen wahrzunehmen, und wenn das Licht des Madamals für einen Moment durch die düsteren Wolken bricht, kann die Näherkommende ein Gesicht weiß im Schein der Mada leuchten sehen.

Langsam mögen nun auch die Umrisse deutlicher aus dem Schatten hervortreten:

Die Gestalt sitzt mit angezogenen Beinen auf den Tempelstufen. Der Mantel, den sie krampfhaft vor den Knien zusammenhält, bedeckt ihren ganzen Körper bis auf die Fußspitzen und das Gesicht. Ihre ganze Haltung verrät Anspannung, Nervosität, vielleicht gar Fluchtbereitschaft.

Als die Entgegenkommende vielleicht den halben Platz überquert hat, erhebt sich die Sitzende und blickt der anderen gespannt entgegen. Sie ist ganz offensichtlich nicht groß, erreicht sie doch höchstens die Höhe einer kleinen Frau oder eines halbwüchsigen Kindes.



Immer weiter nähert sich die nächtliche Spaziergängerin der verhüllten Gestalt, die auf den Tempelstufen wartet. Ein mildes Lächeln umspielt die Lippen der Entgegenkommenden, als das Licht des Madamals wieder für einen Augenblick die Wolken durchbricht und im silbrigen Madaschein die Vermutung zu einer Gewissheit wird. Sie ist gekommen.

Die Gestalt geht so weit, bis sie am Fuße der Treppe angekommen ist. Dann bleibt sie stehen, zieht den Umhang nach hinten und die Kapuze nach unten und gibt sich so der Wartenden zu erkennen.

Es handelt sich bei der Gestalt um eine Frau von vielleicht fünfundzwanzig Götterläufen, die wohl fast zwanzig Halbfinger größer sein mag, als die Wartende. Unter ihrem Umhang trägt sie ein fast bodenlanges, dunkelblaues Kleid aus feinem Leinenstoff. Ein breiter, kunstvoll verzierter Gürtel an dem allerlei kleine Beutelchen befestigt sind, rafft das Kleid und betont die schlanke Taille der jungen Frau. Ihr volles, kastanienbraunes Haar ist zu vielen, kleinen Zöpfen geflochten und geht ihr bis gut eine Handbreit über die Schultern. In ihrem blassen, ebenmäßigen Gesicht liegt ein Ausdruck von Zuversicht und Gelassenheit und auch in ihren großen, dunkelbraunen Augen spiegelt sich diese innere Ruhe wieder. Dann beugt sie sich nach vorn und streckt der Wartenden begrüßend beide Arme entgegen.

"Satuaria mit dir, kleine Schwester."



Bei diesen Begrüßungsworten atmet die Wartende auf den Stufen deutlich hörbar aus und wieder ein. Es klingt, als habe sie bis eben die Luft angehalten. Gleichzeitig löst sich der verkrampfte Griff um den Mantel, und die Kapuze, deren fellbesetzter Rand gerade noch das Gesicht umschmeichelte, gleitet in den Nacken, einen Schwall dunkler, glatter Haare freigebend, deren Enden offensichtlich noch vom Mantel verdeckt werden.

Das Gesicht, welches sich zu der Angekommenen emporhebt, ist jung, die Wangen noch kindlich gerundet, die Lippen voll und weich, aber es zeigt dennoch Spuren großer Erschöpfung. Rund um die Augen liegen bläuliche Schatten und Lippen und Haut wirken im Nachtlicht geisterhaft blaß. In den dunklen, ein wenig fremdartig geschnittenen Augen jedoch flackert eine nervöse Unruhe gemischt mit einer ungewissen, aufgeregten Freude.

Nach einem kurzen, fast unmerklichen Moment des Zögerns ergreift die Wartende die ausgestreckten Hände. Ihre eigenen sind ein wenig steif und eiskalt.

"Danke, daß du gekommen bist, ... Schwester!"

Fast ein Flüstern. Es klingt, als sei ihr diese Anrede ungewohnt, als wolle sie ihr nur zögerlich über die Lippen



"Wie kalt deine Hände sind. - Wartest du schon lange?"

Die fremde Frau mit dem kastanienbraunem Haar drückt die eisigen Hände der jüngeren. Dabei zieht sie das Mädchen leicht näher an sich heran und deutet zwei leichte, fast symbolische Küsse an, jeweils auf die rechte und auf die linke Wange des Mädchens.

Und obwohl sie die Wange der anderen dabei nicht berührt, so ist doch ein leichtes Kitzeln auf der Haut der anderen zu spüren. Ein Kitzeln, das von einem buschigen Eichhörnchenschwanz herrührt, der keck durch das Gesicht des Mädchens wischt. Das Eichhörnchen, das sich so vorwitzig hervor tut, sitzt auf der Schulter der anderen und seine Umrisse verschmelzen dabei fast vollständig mit ihrem Haar, das nicht nur im fahlen Licht des Madamals, den exakt gleichen Farbton aufweist.

"Und das ist Cavara."



"Oh!"

Erstaunt blickt das junge Mädchen auf das rotbraune Tierchen. Die erste Frage der Blaugewandeten bleibt unbeantwortet, denn Cavara zieht sichtlich ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich. Ein zögerndes Lächeln stiehlt sich in ihre Mundwinkel, und ein Gemisch aus Neugier, Entzücken und einer unbestimmten Sehnsucht belebt ihr blasses Gesicht.

" Ein Kaiserhörnchen, nicht war? " sagt sie, ohne den Blick im mindesten abzuwenden.

" ... das wußte ich gar nicht! " beschließt sie den Satz etwas kryptisch, wobei Nichteingeweihten wohl kaum verständlich sein dürfte, WAS dem Mädchen bislang unbekannt war. Dabei klingt ihre Stimme schon deutlich sicherer.



"Eigentlich nicht, obwohl es durchaus eitel genug ist," kommt die nachdenkliche Antwort. "Aber soweit ich weiß, sind Kaiserhörnchen wohl silbergrau. Cavara ist ein Waldeichhörnchen, so wie man sie machmal in den nordischen Wäldern antreffen kann. Aber meistens sind sie sehr scheu gegenüber... anderen."

Fast so, als wolle es diesen Worten entschieden widersprechen, fiept das Eichhörnchen und schnattert dann so aufgeregt los, als hätte es eine lange und spannende Waldeichhörnchengeschichte zu erzählen. Dabei richtet es sich zwischendurch immer auf und streckt die kurzen Vorderbeinchen in die Höhe.



Das junge Mädchen beißt sich leicht verlegen auf die Lippen. Es ist mehr als offensichtlich, daß sie noch nie ein solches Tier zu Gesicht bekommen hat, dies aber nicht gern zugeben möchte. Bevor sie sich wieder der menschlichen Freundin des Hörnchens zuwendet, begrüßt sie mit ernsten Worten das Tier, eine Geste, die auf einen Unbeteiligten leicht komisch wirken könnte. Zum Glück aber ist der Platz ja wie lehrgefegt.

" Grüß dich, Cavara! "

Dabei erst scheint ihr zu Bewußtsein zu kommen, daß sie zwar den Namen des Tieres, nicht jedoch den seiner Begleiterin kennt. Die Begegnung am Vormittag des vergangenen Tages war einfach zu flüchtig und kurz gewesen und es waren wichtigere Dinge besprochen worden als der Austausch von Namen. Nun aber liegt es wohl an ihr, ja, ist längst überfällig geworden, sich vorzustellen.

Einen Moment zögert die Jüngere, obschon sie sonst nicht geizig bei der Preisgabe ihres Namens ist. Irgendein Gedanke scheint ihr kurz durch den Kopf zu schießen, den sie jedoch rasch abschüttelt.

" Verzeih, große Schwester. Ich habe mich noch nicht vorgestellt: Mein Name ist Alkinoê..."

Es hört sich so an, als habe sie erst noch etwas hinzufügen wollen, es dann aber doch unterlassen.



Das Eichhörnchen fiept noch einmal fröhlich, dann gibt es nur noch leise Laute von sich, fast wie gemurmelt, und kuschelt sich dann wieder in die nach hinten geklappte Kapuze ihrer Gefährtin. Offensichtlich ist das Bedürfnis nach einem lauschigen Plätzchen vorerst größer als die Neugier. Ihre Gefährtin grinst, denn vor allem hat dieses Verhalten wohl eines zu bedeuten: Das Eichhörnchen ist satt! Mögliche Futterüberbringer werden zwar noch freundlich, aber nicht mehr auf's herzzerreißenste angebettelt...

"Alkinoê. Alkinoê aus Drôl, nicht wahr?" wiederholt die andere nachdenklich. In der Tat stimmt es, über vieles sprachen sie an diesem Vormittag, über Zweifel, Ängste, Sorgen - doch darüber nicht; Nicht über Namen.

"Ich heiße Savolina. Ursprünglich aus Weiden, genauer gesagt, aus einem kleinen Waldstück beim Hexenhain, dem Finsterforst."

Sie zögert.

Dieser Ort ist zwar ruhig und bislang kreuzt noch keine Menschenseele diesen Platz, dennoch zieht sich jedesmal eine kleine Sorgenfalte über Savolinas Stirn, wenn weit in der Ferne ein Fenster knarrt, eine Tür quietscht oder leises Hundegebell oder Menschenstimmen zu hören sind.

"Wollen wir woanders hin gehen? Nicht weit von hier habe ich einen Ort gefunden, der besser geschützt ist als dieser."



Zu den Worten der Älteren, nickt das junge Mädchen. Dabei flackert für einen Moment eine kurze Unsicherheit in ihren Augen auf.

' Woher weiß sie, daß ich aus Drôl bin?! Erwähnte ich das heute morgen? Ach ja, natürlich...'

Und das Flackern verschwindet sofort wieder. Offenbar kann sich die andere besser an das Gespräch erinnern, als sie selbst. Für sie ist es ja auch ein sehr langer Tag gewesen, der längste ihres kurzen Lebens.

Savolina... den Namen will sie sich merken. Allmählich schwindet die Unsicherheit aus ihren Zügen und macht einer ruhigen Entschlossenheit Platz. Als nun der Vorschlag kommt, den Ort zu wechseln, lächelt sie erfreut:

"Ja, gerne. "

Dabei blickt sie Savolina mit ruhiger Erwartung an. Sie scheint bereit zu sein, der anderen ohne weitere Fragen zu folgen. Ihre eine Hand aber zieht sich zurück und tastet in den Tiefen des Kapuzenmantels nach der einzelnen Münze, groß, rund und golden, die sie dort geborgen weiß.



Aufmunternd blickt Savolina das junge Mädchen an.

'Wie müde sie wirkt. Und wie traurig und das ausgerechnet in einer so schönen Nacht wie heute. In einer besonderen Nacht.'

Savolina lässt die eine Hand sinken, als Alkinoê die ihre zurück zieht. Doch die andere umfasst sie weiterhin wärmend, jedoch nicht so fest, so dass es Alkinoê möglich ist auch diese Hand jederzeit sinken zu lassen.

"Dann komm. Ich mag die lauten Tavernen dieser Stadt nicht, die Menschen dort sind so grob und trunken. Doch Cavara hat seinerzeit einen schönen Platz gefunden, der mir fast zum liebsten geworden ist in der ganzen Stadt. Denn die Tag-und-Nacht-Gleiche sollte man nicht in stickigen Häusern verbringen."

Auffordernd macht Savolina einen Schritt zurück.



Alkinoê nickt zustimmend. Im Grunde teilt sie die Meinung ihrer Gefährtin bezüglich engen und düsteren Tavernen, angefüllt mit stinkenden, primitiven Menschen. Mit Schaudern denkt sie an die schmutzige Spelunke zurück, die sie am Morgen zu betreten genötigt wurde. Andererseits hat sie einen Dukaten in der Tasche, und es wäre doch einfach schön gewesen, einmal nicht nur annehmen zu müssen, sondern jemand anderen einladen zu können, zumal sie irgendwie das Bedürfnis hat, Savolina für die ihr aufgenötigte Unbequemlichkeit entschädigen zu müssen. Daß diese Münze nun im Grunde gar nicht ihr gehört, sondern einer gewissen Schiffsoffizierin, ist dabei nicht von Bedeutung. Woher sollte jene auch wissen, daß der junge Bursche, der von einer verrückten Wette abhalten werden sollte, das Geld gar nicht gewollt hatte?

Doch dann horcht das Mädchen auf: Tag-und-Nacht-Gleiche? Das hätte sie über den Trubel der Ereignisse völlig vergessen.

Während sie sich zum gehen anschickt, die eine Hand immer noch bei Savolina belassend, anwortet sie ihr traurig:

" Siehst du. Nicht einmal das habe ich gespürt. So weit habe ich mich schon von Sumu und Satuaria entfernt. Ich weiß im Grunde so wenig, eigentlich nur das eine: Zu meiner Lehrmeisterin möchte ich auf keinen Fall zurückkehren."



Eine frostig klare Sternennacht neigt sich ihrem Ende entgegen. Es ist eine jener selten klaren kalten Herbstnächte, in denen auch die kleinen, fernen und uralten Sterne, denen Los vor undenklichen Zeiten Platz und Bahn zugewiesen hat, und an deren Namen sich nur noch wenige Weise erinnern, hinunter leuchten auf Sumus dahin gestreckten Leib und in denen das Mal der Mada rund und voll seinen Glanz über die kleine Welt der dritten Sphäre ergießt.
Nun jedoch färbt sich der Himmel über den Dächern der großen Stadt in ein helleres Graublau und die östlichen Gestirne blinken ein wenig verloren und morgenbang durch die aufkommende Dämmerung.
Schwankend, träumerisch wie ein Schlafwandler bewegt sich eine kleine Gestalt am großen Fluß entlang, hin zum Anleger des Südhafens, wo zur Zeit ein einzelnes Schiff vertäut liegt und sich sanft in den Wellen der herein drückenden Flut wiegt. Leise ächzen die schweren Trossen, die es an das Ufer binden.
Für einen Moment verharrt die Gestalt und richtet ihren Blick nach oben, als wolle sie noch einmal den Glanz des Madamals voll in sich aufnehmen. Dann setzt sie ihren tastenden, unsicheren Fuß auf die schmale Planke. Sicherlich ist dem Eingreifen der Götter oder ihrer Boten zu verdanken, daß der taumelnde Schritt der Füße nicht daneben trifft und die ganze kleine Person mit in die feuchte kühle Tiefe reißt doch wie durch ein Wunder gelangt sie unbeschadet auf das Deck.

Die Wache an Deck blickt für einen kurzen Moment aufmerksam herüber, nickt dann aber freundlich und läßt ihren Blick wieder über den Hafen gleiten. Als ob sie dies gar nicht bemerkt hätte lehnt sich die kleine Gestalt für einen Moment gegen die Rehling, wobei sie sich festhalten muß, um nicht umzusinken. Dann jedoch rafft sie sich erneut auf und eilt auf eine der Türen des Oberdecks zu, öffnet diese und ist dahinter verschwunden.



NORDSTERN - Kapitänskajüte: 'Tag der Heimkehr'


Mit einer abschließenden Bewegung klappt der Kapitän der NORDSTERN das Buch zu, das vor ihm auf dem Tisch in seiner Kajüte liegt. Er schiebt es ein Stück in Richtung Tischmitte, und erhebt sich dann, während ein Grinsen über sein Gesicht huscht: Die Angewohnheit, Dinge nicht in der Nähe der Tischkante liegen zu lassen, sitzt einfach viel zu tief, um sie im Hafen abzulegen, wo nicht der geringste Seegang ist...

Langsam geht Jergan Efferdstreu in Richtung eines der Fenster, und schaut hinaus. Die Sonne scheint, wie sie es schon den ganzen Tag tut, und betont damit sehr deutlich den krassen Gegensatz des Wetters zum dem des Vortages - ein Wetter, das wie geschaffen scheint für diesen Tag.

'Es ist wohl bald soweit', denkt er sich, und geht dann wieder zum Tisch zurück, wo neben dem Buch auch noch ein Stapel mit Papier lagert, den er nun in die Hand nimmt und kurz durchblättert.



Schließlich hat auch dieser Papierstapel seine Schuldigkeit getan, und landet wieder auf dem Tisch. Noch einmal tritt der Kapitän an das Fenster und blickt hinaus in diesen beginnenden Nachmittag. Es ist nicht mehr lange, bis er Fiana auf der Brücke ablösen muss, doch andererseits gibt es hier auch nichts weiter zu tun, und das Wetter da draußen lockt einfach.

So nimmt Jergan seine Mütze, und verläßt die Kapitänskajüte, um erst einmal auf dem Oberdeck stehenzubleiben, und sich kurz umzusehen.



NORDSTERN - Vordeck: Efferdan erinnert sich


Efferdan stützt sich mit beiden Händen auf die Reling des Vordecks. Nachdenklich blickt er auf die sich sanft kräuselnde Wasserfläche vor dem Bug, in der sich die wärmenden Sonnenstrahlen dieses 1. TRAvia spiegeln.

Für seine Verhältnisse war er spät aufgewacht - nach den ungewöhnlichen Ereignisse in Havena war er wie all die anderen einfach nur hundemüde gewesen - doch trotzdem noch vor den (meisten?) anderen, die mit in Havena waren.

Er brauchte schon immer vergleichsweise wenig Schlaf und so ist er auch an diesem - nun ja, doch schon etwas weiter vorangeschrittenen - Vormittag wieder einigermaßen fit und ausgeruht.

Jedenfalls körperlich. Sein Geist beschäftigt sich mit den Dingen, die er erlebt hat. Sie waren so ungewöhnlich, dass er sie im Nachhinein kaum glauben kann. Zu wirr erscheint ihm das alles, nahezu unmöglich. War es wirklich geschehen? Oder war es doch nur alles Einbildung. Da fällt ihm eine Sache ein, bei der er sich ganz sicher ist, dass sie wirklich geschah.

`Wie es dem kleinen Mädchen wohl geht? EFFerd sei dank gelang es, sie aus dem Wasser zu retten... naja, beim ersten Mal...`

Efferdan erinnert sich genau an die Szene - oder sollte es heißen Szenen. Das erste Mal, als man den kleinen, zierlichen Körper aus dem Wasser zog. Ein junges Mädchen, von BORon und EFFerd so früh abberufen... Ein Schicksal zum beweinen...

Dann das zweite Mal, als die erste Offizierin und er in das Wasser sprangen, bemüht, dieses Lebenslicht zu retten. Sie durfte nicht sterben! Efferdan hat schon so viele Menschen ertrinken sehen und er musste einfach alles tun, ob dies wenigstens diesmal zu verhindern.

Früher los gesprungen hatte Fiana das Mädchen zuerst erreicht und zog es aus dem Wasser. Sie war gerettet. Auch beim dritten Mal geschah das so... Und dann plötzlich sprang Fiana nicht mehr hinein, dann lag alles an ihm, es kam auf ihn an. Er hatte das Mädchen herauszuholen. Er war ja so froh gewesen - und ist es irgendwie immer noch - das es ihm gelang. Freude ist in ihm, Freude, dass dem Mädchen ein Weiterleben beschieden ist. Und da ist auch so etwas wie Freude darüber, dass Fiana es ihm zutraute, es allein zu schaffen. Er hatte sie nicht enttäuscht, oder?

Doch, wenn dieses Erlebnis wahr ist, dann sind wohl auch all die anderen passiert.

Grübelnd starrt der blasse Matrose auf die feinen Wellen des Meeres unter ihm...



Wie es nur zur der ganzen Sache kam?

Efferdan läßt seine Gedanken zurückschweifen, bis zu jenem Moment, an dem wohl alles begann.

Er hatte morgens um Landgang gebeten - am Abend vorher war er auf dem Schiff geblieben - und war dann recht früh in die Stadt gegangen. Eigentlich wollte er nicht, aber da war da noch dieses Versprechen, dass er EFFerd gegeben hatte, damals auf dem Ausguck...

Vorher hatte sich noch einen Teil seiner angesparten Heuer ausbezahlen lassen, um den Efferdbrüder und dem Tempel etwas spenden zu können. Als der Efferdbruder die fünf Dukaten gesehen hatte, hatte er große Augen gemacht und sich überschwenglich bedankt. Und auch im Efferdtempel, wo er die doppelte Summe gerne gab, staunte der Novize neben der Opferschale... Gut, ein Dukate ist viel Wert, aber sollte es nicht verständlich sein, zu spenden? Schließlich hatte man mit EFFerds Billigung Sigrun und Ole heil wiederbekommen...

Eigentlich wollte er dann nach seinem Gebet wieder gehen. Doch, just in dem Augenblick waren die erste Offizierin, Nirka und ein paar Matrosen und Gäste angekommen. Seine Hochwürden Graustein hatte sie alle - ungewöhnlich - in das Allerheiligste eingeladen - und wer konnte so eine Einladung ablehnen?

Efferdan erinnert sich noch daran, wie er sich in eine Ecke nahe am Vorhang nach draußen drückte, ganz gefangen von der Erhabenheit der Halle. Mit großen, ehrfürchtigen Augen hatte er gesehen, wie die heilige Zeremonie durchgeführt wurde und wie sich in den beiden Hälften der lange vermissten Miesmuschel eine große, wunderschöne Perle bildete...

Doch dann färbte sich die Perle plötzlich trübe und das Wasser im Allerheiligsten überzog sich mit Algen. Kein schöner Anblick. Wie konnte so etwas nur geschehen? Selbst - oder gerade - Seine Hochwürden war entsetzt....



Und dann? Dann erlebten sie denselben Tag immer wieder! Konnte dass sein? Ein Tag voller Katastrophen, Katastrophen, die sie verhindern mussten.

Gar schrecklich war das erste Mal. Efferdan schaudert, wenn er nur daran denkt. Gleich zwei Tote gab es zu beklagen: Einmal das kleine Mädchen, ertrunken im Fluss. und sie mussten zu sehen, wie es geborgen wurde...

Schrecklich.

Und dann später, der junge Passagier. Efferdan erinnert sich noch, wie er ihn fand, lang ausgestreckt auf dem Gesicht liegen, einen zitternden Wurfdolch im Rücken. Und was sie auch taten, es war umsonst...

Efferdan erinnert sich noch an die Tränen, die er vergossen hatte, als der Heiler verkündet hatte, dass der Junge tot war. schluchzend war er zum Strand gelaufen, der einzige Ort, an dem er sich wenigstens etwas Trost erhoffen konnte...

Und dann war er wieder im Tempel, am Anfang der verhängnisvollen Zeremonie...

Der Tempel... Da fällt ihm ein, er wollte ja noch einmal dorthin. Besser er machte sich gleich auf den Weg, anstatt diesen schrecklichen Gedanken nachzuhängen...

Zum Glück ist der Tempel recht nah, der Weg durch die statt nicht allzu weit...

Aber vielleicht sollte er sich beim Smutje vorher noch etwas zu essen holen...

Hoffentlich ist da nicht schon wieder so voll...



Noch einmal wirft Efferdan einen Blick auf das Meer und schüttelt leicht den Kopf, um die Gedanken an die Ereignisse des gestrigen Tages zu vertreiben.

Er ist sich nicht sicher, ob er alles richtig in Erinnerung hat und erst recht weiß er nicht, was sie bedeuten sollen. Vielleicht ist es noch zu früh, um darüber nachzudenken. die Ereignisse sind so frisch, die Bilder noch so lebendig.

Efferdan hat beinahe das Gefühl, von ihnen überrannt zu werden. Besser, erst einmal nicht daran denken. Zu viel ist in den letzten Tagen geschehen, als dass er alles auf einmal verarbeiten könnte.

Immer noch etwas abwesend wirkend, macht er sich leisen Fußes auf den Weg die Stiege hinunter auf das Oberdeck...



Efferdan wirft einen schnellen Blick über Deck. So langsam füllt sich das Oberdeck wieder, Unruhe, Hektik und herumwuselnde Menschen beginnen wohl gerade wieder die Planken zu füllen.

Doch noch ist es hier, an der Stelle, an der er ist, einigermaßen ruhig und er ist unbeachtet. Rasch und bemüht auch weiterhin unauffällig zu bleiben, huscht der blasse Matrose zum vorderen Niedergang. Wenn alle erst aufstehen, dann besteht die Hoffnung, dass es in der Kombüse noch leer ist...

Also rasch etwas zu essen holen, bevor er sich aufmacht zu den heiligen Hallen des EFFerds, einem Ort der Ruhe, des Friedens - und vielleicht der Antworten...

Flink macht sich Efferdan daran die steile Stiege hinabzuklettern.



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Ole's schwerer Schlaf


Eigentlich hätte es ein schwerer, traumloser Schlaf werden müssen. Ole wäre wahrhaftig müde genug dazu gewesen. Aber es sollte nicht sein. Ole war als einer der letzten aus Havena zurückgekehrt und schon nach wenige Augenblicke, Ole hatte sich gerade eben in seine Hängematte fallen lassen, ließ Bishdariel den vergangenen Tag in bunt zusammen gewürfelten Szenen, teilweise in wirrer Anordnung, durch die Traumwelt des Schiffszimmermanns gleiten. Doch sehr viel mehr verwirrender als das, was Ole an diesem Tag hautnah erlebt erlebt hatte, konnten auch die Träume nicht sein.

Fünf lange Tage, die kurz wie einer sind, vielfaches Erleben von etwas, das nicht war, sondern nur hätte sein können, gebogene Zeit, gefangen in einer Schleife zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Tod und Wiedergeburt von Gefährten und das verzweifelte Ringen um die Zukunft, das alles kann kann man unmöglich begreifen, erfassen oder in einem Traum aufarbeiten. Und so mag es nicht verwundern, daß sich Ole nach dem Erwachen so fühlt, als ob er auf INGerimms Amboss weichgeklopft worden wäre.

Es ist still, sehr still .....

Mit dem Erwachen steigt leichte Panik in Ole auf, denn es ist still, sehr still. Es ist genau jene Stille, die veraus gegangen war, ehe sich die Gefährten wieder in der Tempelhalle des EFFerd-Heiligtum's fanden und alles wieder von vorne beginnen sollte, wieder und wieder ...

So ist Ole zutiefst erleichtert, als er um sich herum den Mannschaftsraum der NORDSTERN erkennen darf. Es ist also wirklich vorbei!

"Siehst nicht gut aus, alter Grauwal!" sagt irgend jemand, Ole glaubt, daß es der gute, alte Trolske gewesen sein könnte.

"Mein Tag war auch fünfmal so lang als gewöhnlich!" antwortet Ole brummend "Sechzig Götterläufe lang war da nichts und nun erleben ich das Fischerfest an einem einzigen Tag gleich mehrfach!"

Ole erwartet keine Antwort, er selbst hätte auch keine gegeben, hätte ihm einer eine solche blödsinnige Aussage aufgetischt. Ole dehnt und streckt sich und langsam kehren seine Sinne in die Wirklichkeit zurück. Auch die Erinnerung ordnet sich langsam. Ole muß schmunzeln, als er an den alten, senilen Allchimisten denkt, den Ole auf so barsche Weise von den Vorteilen eines Lebens auf dem Lande zu überzeugen wußte, ehe noch der alte Trottel mit seinen gefährlichen Experimenten einen ganzen Straßenzug Havenas eingeäschert hätte. Ob er wohl tatsächlich auf das Land hinaus gefahren ist, mit seiner ganzen Habe und der Katze, die der alte so schmerzlich vermißte oder ob er wieder in sein Haus zurückgekehrt ist, nachdem sich Ole und die Dame aus der Suite zurückgezogen hatten?

Doch hält sich Ole nicht lange mit dieser Frage auf, denn es kommen ihm Erinnerungen sehr angenehmer Art. Es galt eine blutige Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der Imman-Mannschaften der Havena-Bullen und der von Pottwal-Prem zu verhindern. Es war Ole gelungen alle 'Pottwale' in eine andere Taverne, die man das 'Salzfass nennt, zu lotsen, eine von der man sicher sein durfte, dass man echtes 'Premer Feuer' im Ausschank finden konnte und dass von keinem Anhänger der gegnerischen Mannschaft besucht werden würde. Aber wahrscheinlich hätte er es nicht geschafft, wenn sich nicht eine Rahja-Geweihte den Gefährten angeschlossen hätte. Es war letztlich ihr Tanz auf den Tischen des 'Salzfasses', der die wilden, Imman begeisterten Nordmänner an die Taverne band und friedlich bleiben ließ. Auch Ole erinnert sich gerne an die Anmut der rahjanischen Tänzerin, die bei ihrer Darbietung zu guter Letzt kaum mehr am Körper trug, als zahlreiche Schweissperlen.

Ole atmet tief durch und streckt sich noch einmal. Es ist still, sehr still, aber es ist sehr still auf der NORDSTERN und das ist gut so, auch wenn sich Trolske unter Umständen sehr wundern mag ....



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Perval's zögerndes Erwachen


Irgend etwas hatte Perval aus dem Schlaf gerissen. Für einen kurzen Moment war er hochgeschreckt. Das Geräusch des außen an die Bordwand plätschernden Wassers ist es nicht gewesen. Auch sonst ist es ruhig im Mannschaftsraum, niemand der gerade aufsteht, und dabei versehentlich Krach gemacht hätte. Da Perval noch immer müde ist und er auch heute keine Wache hat, schließlich hatte er gestern eine Doppelwache gemacht, als die anderen in den Tempel gegangen waren, legt er sich wieder zurück.

Während die anderen am Vortag in den Tempel zur Feier gegangen waren, war er an Bord geblieben und hatte aufgepaßt, daß keine Fremden unrechtsmäßig das Schiff betreten. Da er einer der Neuen (ein Ausdruck, den er nicht gerne hört, schließlich ist er niemand, der das erste Mal zu See fährt) ist, war er ausgesucht wurden, die Wache zu übernehmen, während die meisten anderen sich vergnügten. Aber daß störte ihn wenig. Es war nicht das erste Mal und wird sicher auch nicht das letzte Mal gewesen sein, daß er Arbeiten mußte, während sich andere vergnügten. Das gehört nun mal zum Leben eines Seemanns. Außerdem hatte er die Nacht zuvor eine Freiwache gehabt. Und wie vergnüglich die gewesen war, daran erinnert er sich noch einmal kurz, bevor der Schlaf ihn wieder übermannt.



Doch mit dem Schlafen ist es zumindest für den Moment vorbei. Gerade waren die ersten Bilder des Vorvorabend mit Traviana in seinen Gedanken vorbeigezogen, als er Trolske und den Riesen hört. Irgendein Dummzeug schwätzt der Riese da, da kann man nur die Augen verdrehen.

Perval dreht sich noch einmal um, zieht die Decke ein Stück höher und versucht, doch noch mal in den Schlaf zurückzufinden. Doch er merkt schnell, daß dieser Versuch vergebens bleiben wird. So bleibt er mit geschlossenen Augen liegen, stellt sich die Gestalt Travianas vor, wie sie da so in der Kneipe gesessen hat.



NORDSTERN - Oberdeck: Aleara's Abschied


Die NORDSTERN wirkt schon recht leer, als die Matrosin Aleara nach einem recht langen Gespräch mit dem Kapitän in den Mannschaftsraum zurückgeht. Sie blickt sich noch einmal sehr genau um, ehe sie ihren schon am Vorabend gepackten Seesack aufhebt, und in Richtung des Ausgangs geht.

Von dort aus schaut sie noch einmal zurück, und hält kurz inne, um eine kleine Träne wegzuwischen...

Dann reißt sie sich zusammen, und geht über den Niedergang und das Oberdeck zur Planke. Sie verläßt dieses Schiff aus freiem Willen, und im Einverständnis des Kapitäns, der ihr gerade eben ihre letzte Heuer gegeben hat. Es ist für die Verhältnisse eines Matrosen nicht wenig Geld, aber sie weiß, dass sie es nicht brauchen wird, und sie weiß sehr genau, was sie damit machen soll.

In solche Gedanken versunken überquert Aleara die Planke und tritt den Weg zu dem Gebäude an, das wohl für ziemlich lange Zeit ihre neue Heimat sein wird: Dem Efferdtempel Havenas.



NORDSTERN - Ladedeck 1: Traumauge auf der Jagd


Wenn die zahlreichen Ereignisse des letzten Tages an jemandem völlig unbeeindruckt vorüberzogen, so ist dies wohl Traumauge. Der kleine Kater hat den gestrigen Tag im wesentlichen damit verbracht das Schiff einmal wieder gründlich zu inspizieren, denn aufgrund der vielen Landgänger bot sich dazu eine verhältnismäßig ruhige Gelegenheit.

Heute, hingegen hat Traumauge sich auf das Ladedeck zurückgezogen, denn der Magen knurrt und die Rückkehrer haben die Beute mit ihren Geräuschen etwas verschreckt.

Seid geraumer Zeit sitzt der Schiffskater nun schon im vorderen Laderaum, denn hier ist es recht ruhig und er erhofft sich gute Aussichten auf Erfolg bei der Jagd...

Fast schon wollte er doch woanders suchen, doch kurz bevor er hungrig gehen will, bemerkt er ein leises Tippeln, dann ein rascheln und schließlich schaut etwas langes Hautfarbenes hinter einer Kiste hervor.

Das feine Katzengehör nimmt ein nagendes Geräusch ist zu war, das eindeutig Hinter der Kiste hervor dringt.

Traumauge ist angespannt, unglaublich langsam, und durch die feinen Katzenpfoten unhörbar schleicht er sich näher, die Haltung des Schweifes zeigt höchste Konzentration an.

Traumauge hat sich bis aus etwa einen Schritt genähert und seine Position ist von der Kiste aus nicht einsehbar, soviel steht fest, dennoch zögert der Kater noch, will die Lage noch besser einschätzen, denn er kann seinerseits auch noch nicht genau erkennen womit er es zu tun hat, wenngleich er es vermutet.



Mit nahezu unmerklicher Langsamkeit tastet sich der kleine Kater näher an die Kiste heran, Halbfinger um Halbfinger verringert sich der Abstand, doch immer noch ist der Winkel zu ungünstig um sicher zu erkennen um was es sich handelt.



Traumauge bemerkt nichts von dem was da hinter ihm passiert, viel zu sehr ist er auf sein Ziel konzentriert, das nunmehr kaum mehr als vierzig Finger entfernt ist...

Sein Bauch ist flach auf den Boden gerückt, die Ohren gespitzt und nach vorne ausgerichtet, jeder Muskel gespannt und kein Laut dringt aus seinem Mund, während er sich immer weiter voran arbeitet...

"Krack" hört man das Krümeln von Holz, das mit scharfen Zähnen zusammen kommt, hinter der Kiste erklingen.



Die Dunkelheit macht Traumauge wenig zu schaffen, registrieren doch eine feinen Schnurrhaare jede Bewegung vor ihm und die scharfen Katzenaugen schaffen es auch das letzte Restchen Licht effektiv zu nutzen. Daher ist es auch lediglich der Angespanntheit und damit Abgelenktheit des kleinen Katers zu zu schreiben das er noch immer nichts vom Hinzukommen Meergrüns bemerkt hat.

Auch weicht der Schiffskater nicht zurück, nein im Gegenteil, er tastet sich weiter heran und das Geräusch zerbröselnden Holzes stoppt für einen Augenblick. Sofort verharrt Traumauge wie eine Steinstatue, keine Regung, kein Geräusch ist zu erkennen.

Nach wenigen Augenblicken setzt es wieder ein,...

- das Geräusch des Holzes.



Immer noch bemerkt Traumauge nichts von dem, was sich da hinter ihm nähert, viel zu sehr ist er abgelenkt, denn daß sich da hinter der Kiste etwas bewegt, und das, was Traumauge als Schwanz identifizierte, verschwindet langsam hinter der Kiste, wobei ein schabendes Geräusch erklingt...



NORDSTERN - In der Messe: Alberik grummelt


"Ich hör schon die Kutsche anrollen, ich hör schon die Kutsche anrollen," äfft Alberik den jungen Hesindegeweihten nach, dessen Worte er in Gedanken immer wieder hört.

Die Arme vor sich auf dem Tisch verschränkt, starrt der Zwerg den leeren Krug vor sich an. Auch das Brot ist schon aufgegessen, und Hjaldar, mit dem er gleich zum Immanspiel aufbrechen will, ist auch noch nicht da. Und weil er im Moment nichts zu tun hat, drängen sich ihm die vergangenen Tage wieder auf.

"Als ob er es sich in seinem Alter erlauben könnte, so mit einem erfahrenen Mann sprechen zu können. Kaum das sie sich nicht mehr die Hosen vollscheißen, glauben die Menschen auch schon, daß ihnen nichts mehr passieren kann, wenn sie einem solche Bemerkungen an den Kopf werfen. Aber Geweihter hin oder her, demnächst werde ich ihm klar machen, was passieren kann!"

Wütend überlegt er, wie die Sache mit der Kutsche eigentlich geschehen ist.

"Hätte mir der Praiosgeweihte nicht gesagt, daß es wohl das beste wäre, wenn ich bei der Zeremonie im Efferdtempel anwesend wäre, dann wäre das alles nie passiert."

Und hätten die Geweihten des Efferdgottes gewußt, wie man mit der Miesmuschel umgeht, dann wäre nichts wirklich außergewöhnliches an diesem Tag passiert. Aber nachdem sie irgend etwas vermurkst haben, und die Perle so häßlich und trübe wurde, wurde alles immer schlimmer.



Während Alberik weiter über den letzten Tag nachdenkt, wandert seine Hand zu einem der Wurfbeile und zieht es aus dem Gurt heraus, um es anschließend zu betrachten und die Klinge in der Hand zu drehen.

'Als ob die Geweihten im Tempel nicht selber nach der Ursache für die getrübte Perle hätten suchen können. Nein, alle anderen, die da sind, sollen das tun. Aber nicht, daß man auch eine kleine Belohnung hätte versprechen können. Warum auch, alle anderen suchen ja freiwillig nach dem Grund.'

Alberik setzt nun die Klinge des Beils auf den Tisch, und fängt an, sie mehrmals über das Holz zu ziehen, um so eine deutliche Linie zu hinterlassen.

'Und ich mußte ausgerechnet bei denen bleiben, die den Tempel nicht verlassen wollten, und über alles nachgedacht haben. Und jeder findet einen anderen Grund, warum das alles passiert ist.'



In dem Tisch ist nun schon deutlich ein "A" zu erkennen, welches dort mit einem Wurfbeil hineingeritzt wurde.

Der Zwerg, der das Beil führt, hängt anderen Gedanken nach. Er denkt an den Tempel, in dem sie vergeblich nach einer Lösung gesucht haben, und ihr anschließender Aufbruch zum Stadtarchiv, um vielleicht mehr herauszufinden.

Auf dem Weg ereigneten sich Dinge, die sie noch oft wiedererleben mußten. Aber zu dem Zeitpunkt konnten sie das ja noch nicht wissen.

Und so passierte es schließlich, daß sie sich am frühen Abend wieder auf den Weg zurück zum EFFerdtempel machten, ohne etwas herausgefunden zu haben. Vielleicht haben die beiden Geweihten, der des PRAios und der junge HESindepriester, ja etwas entdeckt, aber bei all den vielen seltsamen Theorien, wußte Alberik nicht mehr, was er glauben sollte.



Alberik ritzt weiter mit dem Wurfbeil in den Tisch hinein. Den nächsten Buchstaben kann man deutlich als "L" erkennen, und der Zwerg ist dabei, einen weiteren Buchstaben zu zeichnen.

'Durch die ganze Stadt mußten wir zurücklaufen. Warum müssen menschliche Städte auch nur so verwinkelt und voller Umwege sein?'

Ganz genau erinnert er sich daran, wie er und die anderen erschöpft und ratlos zurück zum EFFerdtempel gingen, um zu erfahren, ob die andere Gruppe vielleicht etwas erfahren hatte. Und sie waren auch schon beinahe dort, als sie die Kutsche bemerkten, die hinter ihnen die Straße entlang raste. Irgend jemand schrie noch:

"Aufpassen!"

Und alle sprangen zur Seite. Alle bis auf ihn, denn Alberik, Sohn des Atosch weicht niemandem aus.

Verärgert schlägt der Zwerg das Wurfbeil in den Tisch und springt auf. Wütend darüber, daß er die Kutsche ihn mitgerissen hat und er dadurch zu Tode gekommen ist, läuft er einmal den ganzen Raum ab, bevor er wieder an seinem Platz angekommen ist.

'Wäre es ein Drache gewesen. Oder zumindest ein Dämon. Vielleicht sogar nur ein Krieger, der ein wenig Glück gehabt hätte. Aber ein paar durchgegangene Pferde. Das ist wirklich zu peinlich.'

Doch die Götter wollten wohl nicht, daß er schon aus dieser Welt verscheidet. Weil die Efferdgeweihten bei ihrer Zeremonie irgendwas falsch gemacht haben, und diesen seltsamen Fluch über die Stadt gelegt haben, geschah es, daß alle, die sich mittags im Efferdtempel aufgehalten hatten, den gleichen Tag wiedererleben mußten. Natürlich bis auf diejenigen, die an dem ganzen Schlamassel Schuld hatten, die Geweihten des Wassergottes.

'Naja, zumindest hat mich das am Leben erhalten. Aber niemand darf erfahren, daß ich von ein paar Pferden überrannt worden bin. Die Stadt hat ja alles vergessen, was in den Tagen passiert ist, die sich wiederholt haben. Nur einige Leute auf dem Schiff wissen bescheid...'

Kurz überlegt er, ob es einen sicheren Weg gibt, diese Leute daran zu hindern, etwas auszuplaudern. Aber schnell verwirft er den ersten Gedanken dazu wieder.



Noch weiter grübelt Alberik über die letzten Tage nach, als sein Blick nun auf den Tisch fällt. Erschrocken sieht er, was er mit seinem Wurfbeil angerichtet hat, während er in Gedanken war.

'Mist. Da kann sich ja jeder denken, wer das gewesen ist. Und dann muß ich wegen dieser Kleinigkeit bestimmt den ganzen Tisch bezahlen. Wahrscheinlich werden sie sogar noch einen besseren Tisch verlangen, so wie ich die Menschen kenne.'

Schnell schaut er sich um, ob irgend jemand in der Nähe ist, der etwas sehen könnte. Nachdem er festgestellt hat, daß dem nicht so ist, macht er sich daran, den angefangenen Namen zu Ende in den Tisch zu ritzen. Allerdings nicht seinen eigenen, denn dann würde ja jeder wissen, wer das gemacht hat. Und das liegt nicht in Alberiks Interesse.

Deshalb schreibt er den im bekanntesten menschlichen Namen in den Tisch der mit einem A und einem L beginnt.

Er beeilt sich, schaut ein paar mal auf die Tür der Messe, ob auch niemand hineinkommt. Dann ist er fertig. Zufrieden blickt er auf die Zeichen, die sich nun im Holz befinden:

"ALRIK"



'So, jetzt noch schnell die letzten Spuren beseitigen.'

Alberik wischt mit der Hand über den Schriftzug, und pustet anschließend noch einmal kräftig darüber, damit die kleinen feinen Holzstücke, die durch die Bearbeitung des Tisches entstanden sind, verschwinden.

'Ah, sieht beinahe so aus, als ob der Name schon vor langer Zeit hier verewigt wurde. Zumindest für Menschen, die keine Gabe für das genaue Beobachten von Kleinigkeiten besitzen. Einem Zwergen würde es vielleicht auffallen, aber nicht den Leuten hier auf dem Schiff.'

Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht klopft sich Alberik die Hände an seinen Beinkleidern ab.

'Nun noch Teller und Becher woanders hinstellen.'

Bis ans andere Ende des Tisches bringt Alberik das benutzte Geschirr, welches er gerade noch zum Essen benötigt hatte. Anschließend begutachtet er den Raum und den Tisch noch einmal. Es wäre ja immerhin möglich, daß er etwas vergessen hätte.



'Sieht doch gut aus.'

Als ob er seine eigenen Worte, oder besser Gedanken, bestätigen müßte, nickt er mit dem Kopf.

'Trotzdem wäre jetzt wohl eine gute Gelegenheit, mal nach Hjaldar zu schauen. So langsam sollten wir wohl in die Stadt aufbrechen.'

Alberik schnappt sich seine Axt, und geht dann aus der Messe hinaus, jedoch nicht ohne sich noch einmal den Tisch anzusehen und sich ein weiteres mal zu vergewissern, ob nicht doch jemand erkennen könnte, daß er es war, der die Buchstaben dort hinterlassen hat.



NORDSTERN - Suite: Von feindlicher Freundschaft


Endlich ist sie wieder da, die Freifrau. Radisar gibt einen Stoßseufzer der Erleichterung von sich und es scheint, als wollten ihm Berge von Lasten vom Herzen abgehen. Es ist zwar nicht so, daß er sehr große Sehnsucht nach der Herrin gehabt hätte und dennoch hatte er sie schwer vermißt.

Auch Boto scheint erleichtert zu sein über die Rückkehr seiner Herrin. Es ist wohl nicht so, daß er sich, mit dem kleinen, dicken Dienr allein gelassen, in besonderer Weise zu fürchten hätte brauchen, Radisar hatte wahrlich genug Furcht für beide, aber der Hund liebt einfach klare Verhältnisse und nichts auf der Welt klärt eine verworrene Situation besser, als der Schiedsspruch der Herrin.

Es war ein anstrengender Tag gewesen, für den Hund, so wie für den Diener. Die beiden hatten sich, Minute für Minute, argwöhnisch umkreist und waren sich lediglich in der gegenseitig Abneigung einig gewesen. Keiner ließ den anderen länger als unbedingt nötig aus den Augen. Es kam zu einer feindseligen Atmosphäre, die als Brutstätte für Konflikte geradezu ideale Bedingungen vorfand.

Es begann, als Radisar dem Lager des hundes ein wenig zu nahe gekommen war. Boto knurrte gefährlich und der Diener wich erschrocken zurück. Auch Radisar knurrte, aber weniger deshalb um dem Hund zu imponieren, sondern mehr aus dem Grund, da er schon lange nichts mehr gegessen hatte und sein Magen sich lautstark meldete.

Radisar bereitete sich ein reichliches Mahl und schon bei der Vorbereitung wurde sein Laune immer sonniger, so sehr mochte ihn die Vorfreude auf die kommenden Genüsse zu verzücken. So übersah er dann leider völlig, daß auch der Hund stark an der Speise interessiert zu sein schien. Und als sich Radisar wohlig brummend zu Tische niederließ, stand unvermittelt, als sei er eben aus dem Boden heraus gewachsen, auch der Hund neben dem Tisch und wedelte scheinheilig mit dem Schwanz.

Da kam der Köter bei Radisar natürlich genau an den Richtigen:

"Das ist nur etwas für Menschen, los, verzieh dich in deine Ecke, du schwarzes Ungeheuer, aber schnell!"

Genau das tat der Hund allerdings nicht. Er blieb wo er war, wedelte aber noch immer mit dem Schwanz. Etwas nervös, aber fest entschlossen sich durch nichts von der köstlichen Mahlzeit abbringen zu lassen, begann Radisar seine Zähne in die vorbereitete Speise zu schlagen. Er hatte noch nicht so richtig gekaut und heruntergeschluckt, als er bemerkte, daß es an seinem rechten Bein warm und feucht herunter rieselte. Radisar sah gerade noch, wie Boto befriedigt sein Bein auf den Boden stellte und sich langsam und bedächtig in seine Ecke trollte. Wer da sagt, Hunde könnten nicht lächeln, der hätte sich nun eines Besseren belehren lassen müssen.

Radisar war außer sich. Wutschnaubend brüllte er alle ihm bekannten Schimpfwörter den Hund entgegen, in einer Anzahl, deren Menge durchaus als beachtlich zu bezeichnen gewesen wäre. Doch der Hund blieb ungerührt. Er lag entspannt auf seiner Decke, hatte den Kopf auf die Pfoten gelegt, betrachtete sichtlich gelangweilt den hektischen Aufmarsch des kleinen Dieners und wedelte dabei freundlich mit dem Schwanz.

Radisar ging, noch immer laut zeternd, zu seiner Reisetruhe, um sich eine trockene Hose anzuziehen. Als er damit fertig war, hob er den Blick und bemerkte, daß der Hund nicht mehr auf seiner Decke lag. Verwirrt blickte der kleine Diener im Raum umher, herauszufinden, wo dieser Köter geblieben sein könnte.

Er fand ihn bei Tisch, just in dem Augenblick, da Boto die letzten Brösel von Radisars Teller schleckte. Der Diener wurde ganz weiß im Gesicht und stürzte auf den Tisch zu, um zu retten, was es unter Umstände noch zu retten gegeben hätte. Boto wandte den Kopf um und sah den heran stürmenden. Der Hund knurrte drohend und bemerkte zufrieden, daß Radisar seinen Lauf so plötzlich wie er ihn begonnen hatte auch wieder abbrach, wohl wissen, daß er bei einem offenen Konflikt mit dem Hund den Kürzeren ziehen würde.

Der Hund zog sich dann wieder auf seinen Platz zurück und Radisar setzte sich an den Tisch, wo er klagend feststellen mußte, dass ihm der Hund so gut wie nichts übrig gelassen hatte. Und so verbrachten sie Stunde um Stunde lauernd, im gegenseitigen Anstarren, immer mit weiteren Heimtücken des 'Feindes' rechnend.

Und so ging das bis zu dem Augenblick, da die Freifrau zurückkehr. Schlagartig verändert sich das Bild. Frau Reckinde hat noch nicht einmal die Türe geschlossen, da springen Diener und Hund auf, die Herrin freudig zu begrüßen. Beide scheinen gelöst und froh gelaunt zu sein und nichts deutet darauf hin, daß die letzten Stunde doch erheblich spannungsgeladen gewesen waren.

Radisar lächelt die Freifrau an.

Boto wedelt mit dem Schwanz.

Boto macht 'Sitz'.

Radisar macht 'Männchen'.

Beide würdigen sich zwar keines Blickes, aber sie demonstrieren ein harmonisches Miteinander, als wäre sie die besten Freunde. So ist das halt, wenn die Freifrau Reckinde von Beibach und Bruch wieder da ist.



NORDSTERN - Kajüte des Smutje's: Garulf in Vorfreude


Den Smutje müssen PRAios Strahlen schon etwas länger kitzeln, bis er sich träge aus der Koje erhebt. Dann jedoch wirft er sich recht zügig, fast hastig die Kleidung über und begibt sich schnurstracks in die Kombüse. Schließlich findet heute das Spiel "Havena-Bullen" gegen "Pottwal Prem" statt und darf natürlich keine Arbeit mehr bis zum Nachmittag liegenbleiben.



NORDSTERN - Kabine E2: Darian


Ein Sonnenstrahl verirrt sich, durch eine winzige Öffnung in der Bordwand der NORDSTERN, in die Kabine des Adeptus. Ein neuer Tag beginnt und so hält auch Darian nichts mehr in seiner Koje. Er steht auf und beginnt sich anzukleiden. Dabei läßt er die Ereignisse des Vortages noch mal Revue passieren. Zwar hauptsächlich HESinde zugetan, jedoch grundsätzlich allen Zwölfen treu ergeben, hatte er das Fischerfest besucht. Schließlich befindet man sich gerade in Havena, einer Stadt, in der die Efferdkirche besonders hoch angesehen ist und desweiteren sollte man den Herrn der Meere nicht gerade dann mit Nichtbeachtung strafen, wenn man mit einem Schiff reist.

Darian hat also dem Efferdtempel einen Besuch abgestattet und auch ein paar Goldstücke in der Opferschale hinterlassen. Später am Tag jedoch, als einige derer, die in Salzerhaven die heilige Miesmuschel wiedergefunden hatten, zu einer Zeremonie ins Allerheiligste geladen waren, hatte der junge Magus den Hesindetempel aufgesucht. Denn der 30. Tag des Efferdmondes ist nicht nur der Bruderschaft von Wind und Wogen heilig, nein auch ein hesindeheiliger Feiertag fällt auf dieses Datum: Das Prüfungsfest.

Lange hatte Darian mit sich gerungen, ob er nicht doch versuchen sollte, an der Zeremonie der heiligen Miesmuschel teilzunehmen, hatte sich dann jedoch für das Prüfungsfest entschieden. EFFerd hatte er bereits durch seinen Besuch des Fischerfestes Aufmerksamkeit geschenkt, nun war es an der Zeit einmal wieder an die Herrin des Wissens und der Magie zu denken, schließlich verdankt er allein ihr, daß er ist, was er ist.

Nun ist ein neuer Tag angebrochen, die Prüfung von Tempelschatz und Gläubigen durch die Kirche der HESinde - nein, der Herrin selbst - ist vollzogen und auch die heilige Miesmuschel ruht nun wieder auf ihrem angestammten Platz im Efferdtempel zu Havena. Eigentlich verlief der 30. Efferd ganz zur Zufriedenheit des jungen Adeptus - und dennoch, das unangenehme Gefühl irgend etwas verpasst zu haben bleibt ...

Doch, auch wenn natürlich kein sterblicher an zwei Orten gleichzeitig sein kann, so hat HESinde den Menschen doch Möglichkeiten gegeben, gewesenes aufzuzeichnen und eigene Erfahrungen weiterzugeben und so mit anderen zu teilen. Desweiteren hat eine glückliche Fügung dafür gesorgt, daß ein Mann HESindes, der junge Geweihte Hesindian, an eben jener Efferdzeremonie teilnahm. An eben jenen gedenkt Darian sich zu wenden, welche Quelle, von eigener Beobachtung einmal abgesehen, kann schon zuverlässiger sein, als der Bericht eines Auserwählten der Herrin des Wissens?

Darian überprüft ein letztes Mal den Sitz seiner Robe, greift sich seinen Magierstab und verläßt dann die Kabine. Zügig geht er an den Offizierskabinen vorbei zum hinteren Niedergang, er steigt die Stufen empor und sieht sich auf dem Oberdeck um.




NORDSTERN - Laderaum 4: Hexe und Rabe


Missmutig pickt Zach in seiner kleinen Wasserschale herum. Gelangweilt schielt er auf einen Tropfen, der zitternd von seiner schwarzen Schnabelspitze abperlt und wieder in das irdene Schälchen zurück platscht.

Jandara hat kein Auge für ihn. Schon seit Stunden läuft sie wütend im Laderaum auf und ab. Kurz nachdem die Matrosin ihr die Hängematte gebracht und sie sich mit Zach die letzten Reste des Reiseproviants geteilt hatte, war ihr so richtig bewusst geworden, was eigentlich dort in der Taverne geschehen ist.

'Cern... schon dieser Name!' denkt sie aufgebracht.

'Wie kann man nur einen Namen tragen, der klingt, als würde jemand mit einem Nagel über Glas kratzen?'

'So viele Götterläufe habe ich an ihn verschenkt, nie habe ich sein wahres Gesicht erkannt.'

Wieder sieht sie die Bilder ihres ersten Treffens vor sich, wie er anfangs um sie geworben hat, wie sie eingewilligt hat, mit auf sein Schiff, die HOFFNUNG VON MANREK , zu kommen, obwohl sie sich auf dem Wasser gar nicht so wohl fühlt.

Dann wurde Cern's Mannschaft misstrauisch. Immer häufiger wurden, natürlich völlig ungerechtfertigt, Unmutsäußerungen laut. Und Cern kuschte vor seiner Mannschaft. Gedemütigt verließ Jandara das Schiff in Havena.

Das lag nun 10 Jahre zurück.

Und nun das...

'Er hat mich nicht einmal erkannt, nicht einmal gesehen!!!'

Kochend vor Zorn dreht sie eine neue Runde durch den dunklen Laderaum, denn das Öl der kleinen Lampe ist schon lange abgebrannt und Jandara hat noch keinen Gedanken darauf verschwendet, sich neues zu besorgen. So versucht nun eine kleine Kerze, auf den Holzboden neben den Korb geklebt, gegen die übermächtige Finsternis anzukämpfen.

'Er muss dafür büßen!'

Jandara bleibt stehen. Der Rabe blickt erstaunt auf. Ein Glitzern ist in ihre Augen getreten, dass jedem Rechtschaffenem eine Gänsehaut über den Rücken jagen würde.



Schon mehrmals hat Zach SIE zornig gesehen, er hat SIE wütend, schimpfend und um sich schlagend erlebt. Das alles war nie etwas Besonderes, viele Menschen sind so. Nun jedoch, scheint sich IHRE Stimmung auf den ganzen Raum übertragen zu haben.

'Wo ist der kleine MANN?'

Zach hatte, im Gegensatz zu Jandara, sehr schnell gemerkt, dass sie nicht allein waren, hier im Bauch des Dings.

'Hat wohl Angst vor mir,' überlegt er und plustert sich stolz auf.

Neugierig flattert er von seinem Korb zu einem Kistenstapel in einer finsteren Ecke.

Alles leer, niemand da.

'Gut so, gut so, gut so.' stellt er zufrieden fest und kehrt zu seinem Korb zurück.

"Was machst du denn da?"

Jandara stellt Zach die Frage, ohne eine Antwort zu erwarten. Nur kurz verschwindet das unheimliche Funkeln aus ihren grünen Augen. Sie geht zu ihrem Raben herüber und nimmt neben dem Korb Platz. Ganz eng zieht sie die Knie an ihren Körper und umschlingt sie mit ihren Armen.

Sie legt ihren Kopf auf ihre Knie, wobei sich ihr langes rotes Haar wie ein Mantel um sie legt und blickt Zach an.

"Ich werde diesem Möchtegern-Hetmann zeigen, was es heißt, einsam zu sein, Zach. Was es heißt, wie ein Verstoßener zu leben. Was es heißt, nur Gutes zu wollen, wo doch die anderen nur Schlechtes von einem erwarten."

Ihr schöner Mund verzieht sich zu einem häßlichen Lächeln.

"Und du, mein Schöner, hilfst mir dabei..."



Der Rabe würde alles für Jandara tun und so legt er den Kopf ein wenig schief und öffnet, angespannt auf die weitere Erklärung wartend, leicht seinen Schnabel.

"Ich habe schon einen genauen Plan," eröffnet Jandara ihm. "Jedoch, es muss einfach alles stimmen. Diesmal darf nichts schief gehen. Du kennst doch noch den kleinen Hain, daheim in Weiden? Den nahe dem Dorf, wo Ysande lebt?"

Zach wundert sich.

'Was hat denn das mit ihrer Rache zu tun?'

Doch sie fährt fort:

"Dieser kleine Hain hat für Ysande und ein paar andere Schwestern eine besondere Bedeutung, welche erzähle ich dir später. Aber die Bäume sind in Gefahr. Die Baronin, die für sie verantwortlich ist, hat beschlossen, dort Platz zu schaffen, für mehr Weideland. Schon lange kämpfen die Schwestern um ihren kleinen Wald, jedoch mit sehr subtilen Mitteln, um nicht zu sehr aufzufallen. Doch nun, werde ich ihnen unseren Freund Cern schicken, der ihnen nur zu bereitwillig helfen wird, diesen Hain zu retten.

"Sanft streichelt ihre Hand über Zachs schwarzglänzenden Flügel. Er versteht noch immer nicht so recht. Warum sollte der gräßliche MANN nach Weiden?

Krächzend stellt er fest:

"Der geht nie und nimmer!"

"Doch!"

Jandaras Gesichtszüge entspannen sich und geheimnisvoll lächelnd blickt sie in eine Zukunft, die nur sie bisher kennt:

"Er wird gehen. Und ich bin mir sicher, das er den Hain retten wird. Natürlich werde ich ihn erst Überreden müssen."

Ihr Blick kehrt zurück in die Gegenwart.

"Doch jetzt habe ich erst mal Hunger, ich geh' mal nach oben und schaue ob ich irgendwo etwas für uns zu essen finde. Schlaf noch ein wenig mein Schöner!"

Sie steht auf und klopft sich den Staub von ihrem Rock, schlüpft in ihre Stiefel und verläßt den Raum. Dann jedoch bleibt sie kurz stehen, zupft sich ein Haar aus, macht einen Knoten hinein und wirft es über die Schulter nach hinten, direkt hinter den Eingang zum Laderaum.



Resigniert stellt Jandara fest, dass ihr die kleine Zauberei nicht gelungen ist. Ohne jede Wirkung segelt das verknotete Haar langsam auf den Schiffsboden.

'Zach wird für die wenigen Minuten schon alleine klar kommen.' tröstet sie sich selbst.

Jetzt muss sie sich erst einmal orientieren. Noch immer wird das Ladedeck von den Öllampen schwach beleuchtet. Direkt vor ihr befindet sich der Aufgang zu den höheren Decks. Sie steigt die Stufen hoch und blickt sich um. Wo ist die Kombüse?



NORDSTERN - Auf der Brücke: Wachablösung


Fiana verrichtet ihre bald zu Ende gehende Schicht auf der Brücke, da nicht wirklich viel zu tun ist, kann sie leicht ihren Gedanken nachhängen, ohne daß es jemand bemerkt.

'Der gestrige Tag - bei dieser Formulierung muss sie plötzlich schmunzeln - war mehr als anstrengend, ein Hatz durch die Stadt, doch die Anstrengung war es wert. Immerhin wurde einem Kind das Leben gerettet, zunächst durch sie selbst und dann durch Efferdan. Überhaupt ihr Eindruck von Efferdan hat sich durch die letzten Ereignisse eigentlich nur bestätigt. Er ist ein sehr feiner Kerl der, wenn es drauf ankommt, meilenweit über sich hinaus wachsen kann. Sie wüßte nur zu gerne, weshalb es sonst so schüchtern ist, denn im Grunde tut es ihr leid, daß er oft alleine bleibt, wenn sich die anderen in der Stadt vergnügen. Ob er wohl jemals eine Freundin hatte ?'

Wieder einmal schweift ihr Blick über das Oberdeck der NORDSTERN hinüber zur Stadt...

'Was war das nur für ein verrücktes Abenteuer, ich meine wie kann man nur als Vorsitzender des Kapitänsrat auf die Idee kommen ausgerechnet Kugelfisch zu essen?. Und was sind das nur für Menschen die eine Efferdbruder überfallen um das für die alten und kranken gesammelte Geld zu stehlen und die dann auch noch mit einem namenlos vergifteten Dolch nach einem Kind werfen.'

So neigt sich ihre Schicht ohne besondere Ereignisse langsam dem Ende zu.

Beim Blick auf das Steuerrad kommt ein Gefühl von Heimat in ihr auf und sanft legt sie ihre Hand auf einen der Griffe, streicht sanft darüber.



Auf dem Oberdeck ist alles okay und recht ruhig, desgleichen auch auf dem Rest des Schiffes. So wendet sich der Kapitän dem Aufgang zu, und steht kurz danach neben Fiana auf dem Brückendeck.

"EFFerd zum Gruße", sagt er leise, obwohl sie sich an diesem Tag schon gesehen haben. "Gab es besondere Vorkommnisse?"

Im Hafen passiert eigentlich nie etwas besonderes oder Aufsehen erregendes, und so mitten am Tag ist es auch eher selten, dass Mitfahrwillige das Schiff aufsuchen, oder jemand versucht, eine Passage für seine Ladung zu finden. Aber trotzdem ist es Tradition, diese Frage zu stellen, so dass Jergan auch nicht weiter darüber nachdenkt.



Freundlich lächelnd blickt Fiana den ankommenden Kapitän an und erwidert auf seine Worte:

"EFFerd zu Gruße."

Und dann nach einer kurzen Pause:

"Nein es gab keine besonderen Vorkommnisse, Havena scheint heute in süßen Schlummer des Feiertags zu liegen ....."

"..... oder alle sind zum Spiel" fügt sie noch hinzu.



Jergan läßt seine Blicke über das Brückendeck schweifen, während Fiana ihm antwortet.

"Das ist gut. Ich übernehme dann jetzt die Wache."

Es klingt wie eine Feststellung, auch wenn es im Grunde auch ein Befehl ist, doch derlei Dinge befiehlt man ja nicht wirklich.

"Wollt Ihr zu dem Spiel gehen?"

Der Kapitän macht sich nicht sehr viel aus Imman, was mit ein Grund für diese Wacheinteilung gewesen ist - er würde vermutlich eher andere Orte in der Stadt aufsuchen, als in das bestimmt sehr volle Stadion zu gehen.



"Ihr habt die Brücke!"

Mit diesen Worten tritt Fiana einen Schritt zur Seite und läßt Jergan, auch wenn das im Hafen unnötig ist, den Weg zum Steuer frei. Auch das ist eben Tradition.

Anschließend antwortet sie auf seine Frage:

"Ich bin noch nicht ganz sicher, aber ich denke schon. Man hat schließlich nicht oft die Gelegenheit Spitzenmannschaften spielen zu sehen."



"Danke", erwidert der Kapitän auf die Übergabe, und stellt sich erst einmal vor das Steuer, die Tradition der See-Wachwechsel ebenfalls beibehaltend.

Zum Imman-Thema sagt er nichts weiter, dazu kennt er es zu wenig, und es interessiert ihn zu wenig.

"Ihr geht aber auf jeden Fall in die Stadt, oder?"

Das zumindest interessiert ihn, will er doch wissen, wo sich seine Offiziere für den Fall aufhalten, dass er sie erreichen muss.



"Ja das habe ich vor, auch wenn ich nicht zum Spiel gehen sollte muss ich noch einige Dinge erledigen. Unter anderem werde noch den EFFerd-Tempel aufsuchen" erwidert Fiana auf die berechtigte Frage des Kapitäns.



"Dann möge EFFerd bei Euch sein", antwortet der Kapitän, "den Tempel werde ich heute abend sicher auch noch einmal aufsuchen."

Er wendet sich bei diesen Worten ein wenig ab, um Fiana zu zeigen, dass sie sich zurück ziehen kann, wenn sie das möchte, und außerdem sieht es so aus, als wenn da gerade ein Matrose etwas möchte.



"Und bei euch und der NORDSTERN" fügt Fiana noch nickend an des Kapitäns Satz an. Wissend, dass er nichts weiter von ihr möchte, macht sie sich auf den Weg zum Oberdeck, dennoch so langsam das er notfalls ohne Probleme etwas hinzu setzen könnte, das gebietet einfach die Höflichkeit.



NORDSTERN - Laderaum 1: Meergrün's Abenteuer


tap tap tap tap


Mit riesigen Schritten schreitet Meergrün durch eine verborgene Ecke im vorderen Laderaum.


und fünf und sechs

und liinks und stop


Der Klabauter bleibt stehen und schüttelt den Kopf. Sechs ist zu wenig. Vielleicht doch hinten, bei den Getreidesäcken? Hier muß sich doch irgendwo etwas Platz finden lassen für seine Kiste. Auf keinen Fall will er noch einen Tag mit der Menschenfrau und dem Federvieh in einem Raum verbringen. Dann doch lieber umziehen.

Plötzlich ist ein kratzendes Geräusch zu hören, wie von Krallen auf harten Holzplanken. Meergrün verharrt mucksmäuschenstill und lauscht in die Dunkelheit.



Nichts ist zu hören, bis auf ein Knirschen. Meergrün schleicht vorsichtig um die nächste Kiste. Doch auch dort ist nur Dunkel. Der Klabauter blinzelt mehrmals, wie um die Sicht zu verbessern. Doch, da vor ihm ist ein dunkler Fleck in der Dunkelheit, von dem eine geradezu magische Stille ausgeht.

Irgend etwas lauert dort. Etwas tierisches, ein Meister der Jagd. Für einen zwei Schritt großen Thorwaler mag die schlimmste Angst auf dem Schiff darin bestehen, über Bord zu gehen. Aber für Wesen, die so klein sind wie Meergrün, hält ein Schiff wie die NORDSTERN in dunklen Ecken noch viel größere Gefahren vor. Vorsichtig mach Meergrün einen Schritt zurück.



ach was feiigliing

das iist deiin schiif


voran es wiird

diich niich fressen


Meergrün macht den Schritt wieder vorwärts. Dann noch einen, und noch einen. Immer mit der Fußspitze zuerst, ganz vorsichtig und leise. Bald ist er nur noch ein Weniges von dem dunklen Fleck entfernt und kann sich ein Bild von der Gefahr machen.



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Hjaldar 'sägt'


Im Gegensatz zum Mannschaftsraum ist es in der Gemeinschaftskabine seit einiger Zeit alles andere als still. Seit nunmehr etlichen Minuten erfüllt ein unruhiges Schnarchen den kleinen Raum, auf dessen Lautstärke etliche nostrische Baumsägen stolz wären.

Das Epizentrum des Lärms ist ein hünenhafter Torwaler, der in dem selben Zustand in seiner Koje liegt, wie er sich in diese am gestrigen abend hat Fallen gelassen: in voller Montur, nicht einmal die Krötenhaut hat er abgelegt.

Plötzlich ballt sich die rechte Hand zur Faust und zuckt merklich nach vorne, während das Schnarchen aprupt verstummt. Hjaldars Augen öffnen sich und ein wenig verwirrt blickt er sich um.

'Ja wat ...'

Es braucht einige Sekunden, bis Hjaldar realisiert wo er ist, doch dann schwingt er sich mit Schwung aus der Koje und landet mit lautem Rumms auf den Planken der Kabine.

Er fühlt sich - abgesehen von einigen knackenden Gelenken aufgrund des Schlafs in Rüstung - erstaunlich gut, wenn er bedenkt, daß er gestern drei Dutzend Havena-Bullen-Fans auf der Prinzessin-Emer-Brücke aufgemischt hat. Gut, am Ende waren es dann doch drei oder vier zuviel und er mußte den strategischen Rückzugs in EFFerds Element antreten, aber der moralische Sieger war er, das wohl!

Doch Moment ... das war ja im vorletzten 'Durchgang' ... im letzten dann haben er und Sigrun diesen uneinsichtigen Fischer vor einer kapitalen (und fatalen) Beule bewahrt, indem sie ihn einfach vom Kurs abgedrängt haben.

Unwillig schüttelt Hjaldar seinen Kopf, als sich das Ganze Durcheinander von gestern versucht irgendwie zu ordnen und dabei seine grauen Zellen nicht unerheblich überstrapaziert. Nachdenken vorm Frühstück is eh' keine gute Idee.

Mit einem herzhaften Gähnen reckt er sich noch einmal, was auf grund der beengten Räumlichkeiten nicht wirklich gut geht, und stapft dann zur Tür.



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Allgemeines Erwachen - Wasuren und Ole


Wasuren dreht sich von der Wand weg, Richtung Mannschaftsraum. Müde schlägt er die Augen auf und erkundschaftet erst einmal gemächlich von seiner Hängematte aus den Raum. Ein paar Schlafplätze sind schon leer und sogar Ole mit dem er gestern spät abends erst auf die NORDSTERN zurück gekehrt ist scheint schon wach zu sein.

'Na denn ...' Wasuren´s Gedanken werden von einem überraschten Grummeln seines Magens gestört.

'Oh man, was war das bloß für nen Tag, äh wohl eher Tage. Und die ganze Zeit über nix richtiges zu essen.'

Seufzend und träge krabbelt Wasuren aus der Hängematte und zieht sich an.



Ole richtet sich auf und reibt sich den Schlaf aus den Augen. Dann dehnt er sich, daß die Knochen nur so knacken, als würden sie unter einem Mühlstein zermahlen. Der alte Schiffszimmermann wälzt sich aus der Hängematte und bemerkt mit einem Anflug von Melancholie, dass ihm dies in früheren Tagen auch schon besser gelungen war, damals, als er sich noch frischer und gelenkiger fühlen durfte.

"Moin Wasuren - Sag mal, haben wir neuerdings einen Säbelzahntiger an Bord oder war das dein Magen, der da so geknurrt hat?" fragt Ole gut gelaunt. Es ist ihm offensichtlich sehr schnell gelungen seine gefühlmäßige Krise am Morgen nach einem harten Tag zu überwinden.



"Moin Ole"

Wasuren zieht sich seinen Gürtel an, streicht sich sanft über den Bauch. Während er sein kleines prunkvolles Wurfbeil sorgfälltig an die Hüfte hängt meint er :

"Oh man, nen Säbelzahntiger war das zum Glück nicht! Aber mir scheint ich hab so richtig Kohldampf nach diesen anstrengenden Tagen gestern!"

Wasuren schmunzelt leicht, als er über das was er da gesagt hat nach denkt.

'hmm jeder andere der gestern net dabei war müst mich für bekloppt halten.'

Dann stapft er zu Ole hinüber und zeigt mit einem kurzen Nickgruß in richtung Nirka, das er sie auch zur Kenntnis genommen hat.

"Ich glaub heut gönn ich mir mal nen richtiges Essen inner Taverne und denn gehts ab zum Spiel heute. Wat meinst du?"



Ole kaut auf einem kleinen Pfriem herum, eine zähe klebrige Masse, die der Schiffszimmermann zuvor aus einem größeren, gepressten Block heraus geschnitten hatte. Sie besteht aus allerlei Kräuter und sonstige pflanzliche Zutaten, eine Rezeptur, die ein alter Moha-Schamane sein Geheimnis nannte. Dem 'Grauen Riesen' jedoch hatte er die Zusammensetzung dieser Masse verraten. Das Zeug schmeckt widerlich bitter, aber es hält die Zähne sauber und das Zahnfleisch gesund. Man sollte das Zeug allerdings nicht hinunter schlucken, denn es verursacht dann einen 'flinken Difar', der sich gewaschen hat.

Doch wenn nicht schlucken, dann wohin damit? Ole, und nicht nur er, würde es als echte Verfehlung betrachten, sollte er nun anfangen im Mannschaftsraum irgendwelche Pampe umher zu spucken. Also dann - nichts wie auf, im Hafenbecken ist sicherlich noch Platz für solche Kleinigkeiten, zumindest für ein Maul voll.

Ole freut sich schon die ganze Nacht auf das Immanspiel. Er gehört ja nun eigentlich nicht zur Anhängerschaft der 'Pottwale', sei Herz schlägt mehr für Hjaldinga Olport, doch wird es ihm dennoch eine Ehrensache sein, die Kameraden aus Prem anzufeuern - Nordmänner halten immer zusammen, nun ja, meistens jedenfalls.

Nur leider hat Ole im Augenblick kaum eine Möglichkeit die Frage Wasurens zu beantworten. Er unternimmt ein paar unbeholfene Versuche, schafft es aber nicht, den Mund zu öffnen ohne sich in die Gefahr zu begeben auf sein Hemd zu sabbern. Beim SWAfnir, das wäre peinlich ...

"Hmm ... Gnhhmmm ... schlrp ..."

Auf diese Weise wird ihn kaum jemand verstehen können. Wenn er jetzt die Kaukräuter nicht sehr bald ausspucken kann, dann wird es ihm wohl den Rachen verkleistern.



Wasuren stutzt etwas, als Ole so komische Laute von sich gibt. Doch dann grinst er, gibt dem alten Seebär einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken und meint :

"Ole, ich weiß zwar nicht was du mir sagen willst, aber ich glaub wir haun hier jetzt erstmal ab."

Mit diesen Worten blickt er sich nach Nirka und dem nun immer leerer werdenden Mannschaftsraum kurz um.

"Also wenn du schon nicht ordentlich mit mir sprichst, dann geh doch wenigstens mal voraus."

Wasuren knufft Ole ein wenig in Richtung Ausgang und wartet das er die Initiative ergreift.



Ole ist gerade sehr in Gedanken gewesen, daher überrascht ihn der freundschaftliche Schulterschlag Wasurens völlig. Ole ist nun wahrlich ein gestandener Mann und so ein leichter Knuffer läßt ihn nicht weiter wanken, es ist nur so, dass er in leichtem Schreck, die Pampe die er momentan in seinem Mund zerkaut und für er eifrig eine abgelegende, unauffällige Stelle zur Entsorgung sucht, nach diesem unerwartetem Rüttler, gegen alle ursprünglichem Absichten, herunter geschluckt hat.

Noch immer würgend und ächzend sagt Ole:

"Hallo Wasuren, na denn ... vielen Dank ...!"



"Oh"

Wasuren guckt erstaunt auf Ole.

'Was hat er denn nun schon wieder? hmm irgend was hat er nicht verkraftet?'

"Alles in Ordnung Ole?"

Wasuren wartet garnicht so recht eine Antwort ab, da er nicht vermutet das der Seebär Ole die Antwort auch nur im geringsten mit einem Nein beantworten würde.

"Also denn jetzt will ich erstmal meinen Magen beruhigen gehn. Am besten im Salzfass oder wie der Schuppen doch gleich hieß."

Mit diesen Worten stapft Wasuren auf den Gang im Unterdeck hinaus und geht zum nahe gelegenen Aufstieg, um schnellst möglichst an Deck zu gelangen.

'Ob die Heuer wohl noch für diesen Tag reicht? es ham doch fast alle heut freigang, hoff ich zumindest. nicht das ich schon wieder los laufen muß um mich abzumelden. Na ja der Efferdan wird wohl wieder die wache schieben, da brauch ich mir keine Gedanken zumachen'



HAVENA am Morgen - Nalleshof: In der Herberge


Es ist der Morgen des ersten Travias. Rosa und golden fließt das Sonnenlicht über die Dächer Havenas und wagt sich auch vorsichtig in die kleine Kammer eines Gasthauses in Nalleshof. Ein einzelner, vorwitziger Strahl fällt auf das Gesicht einer schwarzhaarigen Frau, die auf der linken Seite eines Doppelbettes liegt.

Mit einem leisen Brummen dreht sie sich um, doch auch hier kitzelt die Sonne ihr Gesicht, so dass sie ihre Augen langsam-müde öffnet. Einen kurzen Moment blickt sie nur geradeaus, denn sie muss sich erst einmal neu orientieren. Tagelang sah sie, wenn sie erwachte, einen großen Raum voller Kojenbetten mitsamt deren Insassen. Doch dieses Mal erblickt sie lediglich die spärliche Möblierung eines sauberen Zimmers in einem Gasthaus.

Gähnend setzt sie sich auf und streckt sich genüsslich. Ein leises "Uaaah!" ist dabei zu hören. Dann aber wendet sie ihren Kopf zur anderen Seite und lächelt selig einen dort liegenden Mann an, der leise schnarcht und offenbar noch in Bishdariels Reich weilt.

Vorsichtig nähert sie sich ihm, beugt sich hinab und haucht ihm einen zarten Kuss auf die Wange.

'Ich liebe dich, Torin,' denkt sich Níalyn.



....Torin fühlt das weiche Gras unter seinem Körper. Er genießt den warmen Wind der süßen Blumenduft zu ihm trägt. Das Plätschern eines Baches dringt leise an sein Gehör. Langsam öffnet er die Augen. Er blickt in Níalyns Gesicht, in ihre frechen braunen Augen. Ihr schönes, schwarzes Haar, das sie wie immer ungebändigt offen trägt, bewegt sich im leichten Wind.

Sie liegt neben ihm, lächelt ihn an und streicht durch seine Haare. Ein leichter, angenehmer Schauer läuft Torins Rücken herab. Er möchte ihr etwas liebevolles sagen, doch Níalyn legt einen ihrer sanften Finger auf seine Lippen und er verstummt.

Sie zieht ihn hoch und gemeinsam tollen sie über die blühende Wiese dem Bach entgegen. Immer schneller und schneller laufen sie vorbei an blühenden Rosenbüschen. Dann strauchelt Torin, fällt und kann gerade noch von seiner Liebsten aufgefangen werden.

Torin fühlt ihre Haut auf der Seinen und die Berührung lässt ihn vergessen, was hätte geschehen können.

"Was wäre ich nur ohne dich, meine Holde." flüstert er ihr zu.

"Alleine!" lacht sie scherzend auf und löst sich von ihm. Schnell wie der Wind entfernt sie sich von ihm, doch schon läuft er los.

"Das werde ich zu verhindern wissen, du kleine Wildkatze!" ruft er hinter ihr her. "Glaube ja nicht, ich würde dich jemals wieder gehen lassen."

Kurz vor dem Bach hat er sie eingeholt, dreht sie zu sich und hält liebevoll ihre Schultern fest. Tief blickt er in ihre braunen Augen.

"Ich liebe dich, wie ich nie eine Frau vorher geliebt habe, meine kleine Diebin."

Ihr Lächeln und der Glanz ihrer Augen sagen ihm, dass auch sie so fühlt. Langsam lässt sie sich wieder im weichen Gras nieder und taucht ihre Hand in das kühle Nass des Baches. Torin kniet neben ihr nieder und beobachtet verträumt sein Spiegelbild im klaren Wasser.

Doch dann stutzt er. Etwas an seinem Spiegelbild ist seltsam. Torin fixiert sich selbst im klaren Wasser. Auf Torins Stirn zeichnen sich leichte Unmutsfalten ab. Es ist nicht nur der fehlende Hut, der sonst immer sein Äußeres ziert.

'Aber was dann? Was ist falsch?'

Sehr genau taxiert Torin sein Spiegelbild, die braunen Augen, die sonnenverwöhnte braune Haut.

"Was hast du?" hört er Níalyn fragen. "Schaust du den Fischen hinterher?"

"Nein." antwortet Torin gedankenverloren. Noch immer weiß er nicht, warum er sein eigenes Spiegelbild so anstiert. Dann plötzlich fällt es ihm wie Schuppen von den Augen!

'Die schwarzen Haare, der spitze Kinnbart! Das ist...'

"LAUF!" kann er noch schreien, bevor zwei Hände die Wasseroberfläche durchstoßen und ihn nach unten ziehen.



Bis über beide Ohren verliebt betrachtet Níalyn, wie Torin trotz des Kusses weiter schläft. Ihre Blicke fahren auf seinem Gesicht entlang und erfassen jede Kleinigkeit - das braune lange Haar, die geschwungenen Augenbrauen, die kurz zucken, die geschlossenen Augen, die sich leicht zusammenpressen...

Níalyn stutzt. Torin sieht nicht mehr so entspannt aus, wie eben, sondern vielmehr so, als wenn er einen schlechten Traum hätte.

"Torin?" wispert sie leise, während sie die Unmutsfalten bemerkt, die sich auf seiner Stirn abzeichnen.

"LAUF!"

Níalyn zuckt wie gestochen zurück, als Torin diese Worte schreit, mit einer hastigen Bewegung kerzengerade im Bett sitzt und keuchend ausatmet.



Torin sitzt auf dem Bett und atmet hastig. Weit hat er die Augen aufgerissenen, doch außer der blendenden Helligkeit der morgendlichen Praiosscheibe kann er nichts erkennen.

Mit der Hand fährt sich Torin durch seinen wirren Bart. Dann erst wird ihm bewusst, dass er nicht wirklich in die Tiefe des Baches gezogen wurde. Nach und nach verlangsamt sich sein Pulsschlag wieder.

Nun erst wird ihm die Gegenwart seiner Liebsten bewusst. Der Schrecken steht auch ihr ins Gesicht gezeichnet und Torin möchte sie beruhigen. Doch mehr als ein leises Krächzen bekommt er nicht aus seinem trockenen Hals heraus. Den Hustenreiz, der diesem Krächzen folgt, kann er gerade noch unterdrücken.



Níalyn streicht langsam über Torins Rücken, während sie neben ihm sitzt.

"Beruhige dich," sagt sie, "du hattest nur einen Alptraum. Er ist vorbei, Torin."

Sie fühlt seine Anspannung und der Schrecken ist ihm immer noch anzusehen. Níalyn umarmt ihn, legt ihren Kopf auf einer seiner Schultern und küsst diese kurz.

"Lass uns besser aufstehen und was essen. Wir wollten uns ja noch mit Ameg treffen."



"Ja." keucht Torin mehr automatisch, als dass er sich dieser Antwort wirklich bewusst ist. Zu sehr ist er damit beschäftigt, den Hustenreiz und das Kratzen im Hals zu unterdrücken.

Dann endlich gelingt es ihm, den Klos, der sich in seinem Hals gebildet hat, herunter zu schlucken. Er fühlt die zarten Hände Níalyns auf seinem Rücken und schmiegt sich noch einmal räuspernd an sie.

"Ist es wirklich schon so spät?" fragt er mit einem scheinheiligen Lächeln auf den Lippen. Seine Hände streichen herausfordernd und frech über Níalyns Körper.

"Haben wir nicht noch etwas Zeit für uns?"

Der Blick, der erst auf ihre Brüste und dann in ihr schönes Gesicht gerichtet ist, lässt keinen Zweifel daran, dass Torin auf jeden Fall noch 'etwas Zeit' hat.



"Du frecher Kerl," lacht Níalyn.

Keck entzieht sie sich etwa auf Armlänge seinem Griff, blinzelt ihn aber sodann herausfordernd an. Währenddessen greift sie, möglichst so, dass es Torin nicht merkt, nach ihrem Kopfkissen, um diese "Waffe" für eine mögliche Kissenschlacht schon mal parat zu halten.

"Komm doch, wenn du was willst!"



"Worauf du dich verlassen kannst, du Wildfang." scherzt Torin fröhlich. Seine Liebste sitzt nicht weit von ihm entfernt, am unteren Ende des Bettes. Und doch muss er seine bequeme, sitzende Position aufgeben, wenn er zu ihr will.

Doch für die sinnlichen Freuden, die am Fussende des Bettes auf ihn warten, müht er sich gerne etwas ab.

Mit einem angriffslustigen "Warte nur, wenn ich dich habe!" krabbelt er quer über das Bett auf Níalyn zu.



*POFF!* Das ist genau das Geräusch, das Torin plötzlich und unerwartet zu hören und zu spüren bekommt.

Das Kissen hat ihn nicht hart getroffen, doch so unerwartet, dass er für einige Sekunden ihr herzhaftes Lachen ungestraft über sich ergehen lässt. Doch der freche Satz, der danach kommt, ist zuviel.

"Pha! Schneller werden..."

Noch bei diesen Worten springt er aus dem Bett, schnappt sich ungeachtet seiner eigenen Blöße das Kissen aus der Hand seiner Liebsten und wirft es zurück auf das aufgewühlte Bett. Ohne auf den kurzen Protest Níalyns zu achten, windet er sich unter ihrem Arm vorbei in ihren Rücken und umarmt sie leidenschaftlich.

"Ich könnte dich auch hier und jetzt verschlingen, mein Täubchen."



Mit dieser plötzlichen Schnelligkeit und Gewandtheit hat Níalyn nicht gerechnet. Zumindest Torins großer und etwas massiger Körper ließ nicht darauf schließen, doch nicht umsonst ist er, wie sie, ein eifriger Phexensjünger.

Ein erstauntes und zugleich auch erfreutes "AH!" kommt hoch und laut über ihre Lippen, als Torin sie kraftvoll in seine Arme schließt.

Grinsend streicht sie über den nackten Körper direkt hinter sich.

"Gar nicht mal so schlecht, du Fuchs. Aber du hast Glück, dass du mir 'sympathisch' bist, sonst würdest du wohl ohne Umschweife meinen Fuß an deinem empfindlichsten Körperteil spüren."

Das 'sympathisch' spricht sie reichlich gedehnt und gestelzt, denn Torin ist ihr auf jeden Fall viel mehr, als nur das.

"Statt dessen... "

Ein Ruck geht durch ihren Körper...

Und noch einer...

"Hrm... " räuspert sie sich beschämt.

Noch ein Ruck...

'Ah! Wie ich das hasse! Dann halt nicht!'

"Na gut, ich geb' ja schon auf!"

Resigniert, aber dennoch lächelnd schmiegt sie sich an Torins Körper. Das mit dem paarweise-auf-dem-Bett-fallen hat dummerweiser nicht funktioniert...



"Hast du vergessen, dass ich etwas stärker bin als du, mein Täubchen?" fragt Torin freundlich, als er merkt, dass sich seine Liebste vergeblich abmüht.

"Lass mich dir zeigen, wie das geht." flüstert er ihr ins Ohr. Und kaum dass die Worte verklungen sind, geht Torin leicht in die Knie, so dass er ohne große Probleme ihren Arm um seinen Hals legen kann.

Dann umfasst er mit der einen Hand ihren Rücken, mit der anderen Ihre Beine und hebt sie scheinbar mühelos hoch. Und genau so, wie ein frischgebackener Bräutigam seine geliebte Braut über die Schwelle tragen würde, so trägt Torin nun seine Níalyn zum Bett hinüber - um sie dort sanft auf die aufgeschlagene Bettdecke des Bettes zu legen.

"Hier wolltest du mich doch haben, nicht wahr?"



Níalyn fühlt wie sie mit Schwung auf das Bett befördert wird. Sie schlingt ihre Arme fester um Torin und beantwortet sodann seine Frage charmant, indem sie ihn küsst. Einen Moment lang spielt sie mit seinen Lippen und kurz mit seiner Zunge, doch dann löst sie sich wieder etwas von ihm.

Lächelnd streicht sie ihm ein paar Haarsträhnen aus seinem Gesicht und lässt ihre Finger durch seinen Bart gleiten.

"Wie gerne würde ich hier noch länger mit dir bleiben ... eigentlich möchte ich den ganzen Tag so mit dir verleben. Schlafen, lieben schlafen und dann wieder lieben!"

Sie seufzt leicht gespielt und lächelt weiter.

"Aber wir wollten uns mit Ameg treffen und wenn wir uns nicht beeilen, sucht der Junge uns noch... und wenn er uns hier so findet... dann wird er wohl mit Sicherheit ein paar Fragen stellen."

Kurz lacht sie bei dem Gedanken auf.



Torin fühlt sich richtig gut in den Armen seiner Geliebten, doch als sie davon zu reden beginnt, dass sie jetzt endlich aufstehen müssen,da sonst Ameg sie vielleicht sehen könnte, fühlt er sich wie ein Lehrbub, dem gerade das letzte Stück Brot geklaut wurde.

"Oooch!" quengelt er.

Torin weiß, dass sie sehr wohl recht hat. Doch das kuschelig warme Bett und die mollig weiche Bettdecke - kein Vergleich zu dem dünnen, kratzigen Ding, das sie auf dem Schiff 'Decke' nennen mussten - lassen ihn nur mit Mühe hoch kommen. Nach einem vorerst letzten heißen Zungenspiel mit Níalyn quält er sich aus dem Bett und geht langsam zum Tisch hinüber.

Dann kommt ihm ein gänzlich anderer Gedanke:

"Nach dem Frühstück muss ich mir unbedingt einen neuen Hut kaufen. Ich bin einfach kein ganzer Mann ohne Hut."

Und als seine Hand durch den schon mehrere Tage alten Bart streicht, fügt er hinzu:

"Und zum Barbier könnte ich auch mal wieder, sonst sehe ich am Ende noch aus wie der Schiffszimmermann von der NORDSTERN."



Níalyn steht ebenfalls wieder auf, als Torin von ihr lässt und seinem Bart etwas Aufmerksamkeit schenkt.

"Ach ja, der Schiffszimmermann!"

Sie lächelt bei dem Gedanken daran, welche 'Geschichte' sie ihm im EFFerdschrein aufgetischt hatte und dann...

"HAHAHAHAHA!!!"

Urplötzlich lacht Níalyn aus vollem Halse los.

"Kannst du dich noch an dieses staksige, adlige 'Gebilde' namens Frizzi di ... Dingsbums erinnern? Dieser 'Majestät' habe ich erzählt, ich wäre eine Schauspielerin, also somit eine Künstlerin, aus Gareth und mein Name wäre Rahjane Rosenhain! Ich habe behauptet, ich würde zur Zeit die Rolle einer Diebin einstudieren."

Sie schüttelt kurz den Kopf, bückt sich dann aber, um ihr Hemd, das reichlich unordentlich auf dem Boden herum lag, aufzuheben und überzuziehen.

"Das war sowieso irgendwie ein ulkiges Schiff! Wir Phexensanhänger, diese adligen Nasenhochträger, die Magier und dann noch dieser Praiosgeweihte!"

Sie hebt, während sie redet, ein Kleidungsstück nach dem anderen vom Boden auf und zieht es an.

"Sogar ein Elf und ein Zwerg waren an Bord!"



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Allgemeines Erwachen - Traviana


Ein Lichtstrahl blendet Traviana. Langsam öffnet sie ihre Augen. Wenn auch noch sehr verschlafen. Sie wendet sich kurz hin und her...

Dann versucht sie für einen Moment im Inneren zusammen zu fassen, was am Vortag so alles passiert ist. Ihr gehen einige Bilder durch den Kopf. Dann muss sie gleich an Perval denken. Wie sie in der Kneipe saßen und sich doch recht gut amüsiert hatten.

Aber lange hält Traviana das Nachdenken nicht durch. Sie ist noch ziemlich müde, und überlegt, ob sie nun schon aufstehen soll, oder ob sie noch ein bisschen hier liegen bleiben kann...

Aber bevor sie sich dazu entschließen kann irgendwas zu tun, ist sie wohl noch einmal kurz eingenickt......



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Die schöne Silana


Stoff raschelt leise, windet sich in kleinen Wellen, bäumt sich schließlich auf und gibt eine schwarze Haarsträhne frei. Der einzelnen Strähne folgen immer mehr, bis die Bettdecke schließlich zur Seite gleitet und ein Kopf erscheint, der von dunklen Wogen zerzausten Haares umgeben ist.

Ja, gestern konnte man Silana, die junge Novizin der schönen Göttin anmutig nennen, bewegte sie sich doch in einem sanften und zugleich leidenschaftlichen Tanz zu einer immer wilder werdenden Musik, die nur sie wirklich zu hören schien. Gestern in der Selbstvergessenheit des Tanzes war sie entrückt, verzaubernd und schön...

jetzt wirkte sie nur noch verkatert.

'Und dabei habe ich noch nicht einmal etwas getrunken' seufzt das Mädchen mit den verdächtigen Rändern unter den Augen resignierend.

Immer hatte sie sich als verständnisvollen und geduldigen Menschen betrachtet.

Während des gestrigen (?) Tages hatte sie weder gemurrt noch geklagt, hatte Verwirrung, Hoffnungslosigkeit und schmerzende Füße ertragen. Doch all die Mühen der letzten Zeit waren geradezu erholsam gewesen gegen das ununterbrochen, Mark durchdringende, ohrenbetäubende Schnarchen, das nur hin und wieder durch schmatzende Grunzlaute unterbrochen worden war.

Erleichtert registriert sie nun, dass der Herd des Lärmes sich auf den Weg macht, das Quartier zu verlassen. Nun wagt sie es, sich aufzusetzen, dem hünenhaften Mann mit ihren blauen Augen anzublitzen und ihm ein fröhliches:

"Guten Morgen" zu zu werfen.

Denn nie war der Morgen besser als in diesem Augenblick.



Als sich in einer Koje eine Decke zu bewegen beginnt, bleibt Hjaldar stehen und wartet kurz. Ein freudestrahlendes Lächeln stieht sich auf sein Gesicht, als er die junge Geweihte erkennt, die gestern schon der einzige Lichtblick war, der trotz der chaotischen Ereignisse von Dauer war.

"Ah, Gud'n Morgen, schöne Deern. Eenigermaßen erholt und gut gepennt? Heut' giffet dat große Spiel!"



Ob sie gut geschlafen hat?

Die freundlich klingende Frage kommt für Silana so plötzlich und unerwartet, dass die dunklen Wolken plötzlich aufreißen und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen in ihre Seele scheinen. Selbst wenn sie es wollte, sie kann diesem rothaarigen Riesen, der sie die ganze Nacht wach hielt, einfach nicht böse sein.

So verabschiedet sie sich in Gedanken von BORons ruhigen Reich und von dem ach so weichen Kissen und läßt sich von der strahlenden Freude auf den Tag erfüllen.

"Naja, der Schlaf in einer fremden Umgebung und vor allem nach solchen Ereignissen verläuft immer etwas unruhig," entgegnet sie diplomatisch.

"Aber ich freue mich schon riesig auf das Spiel," fügt sie lächelnd hinzu und dachte mit einer Spur von Aufregung daran, dass es ihr erstes Spiel war.



"Oh, an dat Pennen auf See gewöhnt man sich fix, dat is' dann wie von Muttern in den Schlaf gewiegt werden." feixt Hjaldar in Unkenntnis, daß er selbst Ursache des unruhigen Schlafes der Geweihten war.

Mit vollendeter thorwalscher 'Galanterie' öffnet er der Dame schon mal die Kabinentür, geht dann die zwei Schritt zu Silanas Koje und hält ihr die Hand hin, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein.

"Wie isses, woll'mer gucken ob der Smutje schon ut sin Koje gefallen is' und wat zu Futtern fertig hat? Mit'em Schmach im Bauch is' so'ne Immanbolzerei nur halb so schön."



Noch eben hatte sich Silana nur müde und erschöpft gefühlt, doch bei den an sich wohlwollenden Worten wird ihr schlagartig bewußt, dass sie an den gestrigen Tagen bei dem ganzen Trubel nichts gegessen hatte. Noch schlimmer kommt es, als es auch ihrem Magen einfällt und dabei Laute von sich gibt, die weniger zu der zierlichen Novizin passen, denn zu einem Raubtier von etwas fünffacher Größe.

Mit einem Hauch von Röte auf den Wangen erwidert sie etwas lauter als normal um, wenn auch zwecklos, das Grummel zu übertönen:

"Ja, das ist eine sehr gute Idee."

Dass sie Hunger hat, braucht sie nicht zu erwähnen. Lächelnd ergreifen ihre schmalen Finger die um einiges größere Pranke und schließen sich um diese.



Das vernehmbare Magenknurren der Geweihten veranlaßt Hjaldar zu einem verschwörerischen breiten Grinsen "Pssst - sonst wat'em Smutje noch bange und wir müssen uns 's Essen selber fangen."

Als Silana seine Hand umfaßt, zieht Hjaldar leicht an - zumindest mit einer Stärke, die er als 'leicht' empfindet. Daß er dabei seine Kraft unteschätzt bzw. das Leichtgewicht der Geweihten überschätzt hat, erkennt er erst, als diese bereits schwungvoll auf dem Weg in die Senkrechte ist.

Aber als wohlerzogener Thorwaler läßt man eine hübsche Dame ja nicht einfach 'an sich vorbei fliegen' und so fängt er Silana mit dem anderen Arm auf.

"Hoppsala, nich' so stürmisch."



Ein bewunderndes Lächeln umspielt die Lippen der jungen Geweihten.

'Was für eine Kraft der Mann doch hat', schleicht sie schwärmerisch in ihre Gedanken, während ihr ein anderes Problem noch gar nicht bewusst wird.

Unter den gestrigen Umständen, sollte man es von einem Mädchen erwarten, dass es gerade so in's Bett fällt, wie es gerade ist. Doch seit jeher hatte es sich Silana angewöhnt, sich vor dem Zubett gehen zu entkleiden, seit dem sie es einmal versucht hatte, das seidene Kleid wieder zu glätten, nachdem sie darin geschlafen hatte.

Nun steht, oder vielmehr liegt, sie also wie die Göttin sie erschaffen hat, und mit noch immer laut knurrenden Magen in den Armen des sie um viele Spann überragenden Riesen. Ein Bild, das für jeden unbeteiligten, zufälligen Beobachter ziemlich eindeutig wirken muss. Da Silana jedoch an einiges gewöhnt ist, und ihr somit ihr Zustand auch nicht weiter auffällt, plappert sie munter weiter.

"Wir sollten uns beeilen, nachher verpassen wir noch das Spiel."



Im Gegensatz zu Perval braucht Hjaldar nicht so vieles um sich zu fragen, was ihm Besseres passieren kann ... eine Geweihte der schönen Göttin (noch dazu im Tsakostüm) in den Armen zu halten - da fühlt er sich doch gleich wie in einem ganz bestimmten alveranischen Paradies und das sieht und spürt man ihm auch deutlich an.

Erst Silanas Worte rücken ihn wieder ins hier und jetzt. Aber ist das Spiel eigentlich wirklich SO wichtig, diesen Augenblick aufzugeben?

Erst als er sich klar macht, daß so ein zartes Geschöpf nach den vergangenen Tagen gestern nahezu am Verhungern sein muß und Silana ja auch noch längere Zeit in seiner Nähe bleiben wird, ringt er sich schweren Herzens zu einer Entscheidung durch.

Mit den Worten "Du solltest Di aber noch vorher wat antrekken, sonst kimmt wi nich' mal heile aus'em Hafen rut." entläßt er sie mit einem Lächeln aus seinen Armen, nicht ohne mit der Hand noch sanft über ihren Rücken zu streicheln.



"Oh," entfährt es Silanas Mund, Sie hatte gewusst, dass etwas anders war, als es sein sollte, aber hatte nicht genau festmachen koennen, was es gewesen war. Alleine das eigentümliche Gefühl des Reibens der nackten Haut an etwas rauheren Stoff hätte sie aufmerksam werden lassen sollen, doch vor einigen Jahren war einfach der Effekt der Gewöhnung eingetreten.

Nicht, dass sie sich für ihren Körper, das Geschenk ihrer Göttin, schämen würde, doch vor ihrer Reise hatten ihr viele eingeschärft, dass es doch von vielen als Anlass zu unliebsamen Handlungen genommen wurde. Woraus diese Handlungen bestehen konnten, hatte zur Enttäuschung der jungen Novizin niemand erläutert.

'Ein richtiger Ehrenmann,' denkt sie lächelnd, während sie sich anschickt, das leichte, seidenschimmernde Gewand anzieht, ohne Hjaldar aufzufordern, sich umzudrehen, oder ähnliches. Denn was koennte er nun noch sehen, das er nicht bereits gesehen hat?



Fasziniert beobachtet Hjaldar wie sich Silana ankleidet - in ein Gewand das ihre Reize nur noch mehr betont, indem es zwar viel sehen, aber doch noch weit mehr nur erahnen läßt...

Da die Rahjageweihte ihn nicht bittet sich umzudrehen, tut er dies auch nicht - als Thorwaler, die solche Sachen sowieso deutlich lockerer sehen, käme er auch nie von sich aus auf diese Idee.

Immerhin sind ja auch die aventurienweit berühmten thorwalschen Badehäuser gleichermaßen für Mann und Frau zugänglich ... gar nicht unbekannt eine Geschichte, wo sich ein paar thorwalsche Recken ohne Weibsvolk in ihr Schwitzbad zurückziehen wollten. Da die Frouwen aber recht schnell raus hatten, daß die sich darin nur hemmungslos besaufen wollten (wie die Frauen das nur bemerkt haben?!), war die Idee ein paar saftige Ohrfeigen und Backpfeifen später auch schon wieder gestorben.

Sobald Silana sich angekleidet hat, legt Hjaldar freundschaftlich einen Arm um ihr Schulter und macht sich mit ihr auf den Weg aus der Kabine.

"Dann woll wi mal kieken, wat der Smutje so in si'n Kombüse für us hat, woll?"



Dankbar registriert Silana den Sicherheit vermittelnden Arm um ihre schmalen Schultern. Nachdem sie nicht weiß, wie sie gestern in die Kabine gekommen ist, wäre es möglich gewesen, dass sie sich beim Ausgang verirrt. Um so angenehmer, einen solch erfahrenen Begleiter zu haben.

'Sicher wird er mir auch später die Regeln dieses Spiels namens 'Imman' erklären können'

denkt sie, worauf eine erneute Welle der Vorfreude über ihr hübsches Gesicht gleitet. Einem schnellen Bürstenstrich und ein paar Tropfen des kostbaren Rosenwassers aus dem Tempel ihrer Göttin später, fühlt sie sich vollkommen erfrischt und bereit, sie auf das Abenteuer des kommenden Tages einzulassen.

"Gehen wir," strahlt sie ihren Kavalier an.



"Woll woll." lächelt Hjaldar zurück und macht sich mit Silana auf den Weg. Allzu weit kommen sie vorerst nicht Schulter an Schulter - ist das in der Kabine schon recht beengt, aber durchaus möglich, so ist die Kabinentür eindeutig zu schmal für beide zusammen. Und seitwärts durch die Tür zu gehen, sähe ja nun wirklich allzu blöd aus. So entläßt er Silana aus praktischen Gründen kurzfristig wieder, um ihr den Vortritt in den Gang zu lassen, wobei er sie nach recht in Richtung Kombüse und Messe dirigiert, legt aber gleich darauf wieder den Arm um ihre Schulter, auch wenn er sich dafür doch recht schmal machen muß - auch der Gang ist nicht grad fürs Flanieren gedacht. (Die Hetmänner und -frauen von damals wußten schon, warum's in Drachenbooten keine 'Unterdecks' gibt!)

Bei all dem hat er eigentlich nur Augen und Ohren für Silana, so daß er den Zwerg erst bemerkt, als er fast 'uff ihn pett'.

"Moin Alberik! Hess' uns noch wat övrig loten or is' de Kombüüs al leergefuttert?" begrüßt Hjaldar den 'Kleinen' mit bester Laune.



NORDSTERN - Kabine D2: Hesindian erwacht ...


Blinzelnd öffnet Hesindian ein Auge, um verschlafen die über ihm schwebende Bretterreihe zu betrachten, die seinem Kabinenmitbewohner Ruhestatt bot. Zwischen den einzelnen Brettern lugen hier und da vereinzelt einige Strohhalme heraus, mit denen die Matratzen hier wohl gefüllt sind, und Hesindian kann die Füllung über sich rascheln hören, als der Schläfer über ihm sich auf seiner Lagerstatt wendet, ohne jedoch auf zu wachen.

Ein Blick in die Kabine eröffnet ihm, dass es wohl schon Tag ist, den durch das Bullauge scheint helles Licht, und der steile Winkel, in dem das Licht hereinfällt verrät, dass die Zeit wohl schon sehr fortgeschritten sein muss. Hastig schält er sich aus seinen Laken und schlüpft in die, beiläufig über einen Schemel geworfenen Kleider. Von den Strapazen der gestrigen Woche ist er zwar noch recht erschöpft, doch soll das keine Entschuldigung sein, den Tag in Untätigkeit zu vertun, denn schließlich ist endlich ein neuer Feiertag heran gebrochen, der entsprechend begangen werden muss.

Außerdem hat Ole ihm angeboten, dass er ihn und Hjaldar doch zum Immanspiel begleiten könnte. Ein solches hat er selbst bislang nicht miterleben dürfen, so ist er entsprechend gespannt auf diese neue Erfahrung und hofft, dass die beiden Matrosen ihm die komplexen Regeln dieses Mannschaftssports rechtzeitig begreiflich machen können.

Die Sorge, dass er die beiden bereits unterwegs sein und er sie verpasst haben könnte, läßt ihn seine Schritte hoch zum Oberdeck beschleunigen, wo er sich schließlich suchend nach den beiden stämmigen Matrosen umblickt.



HAVENA - Auf der Straße zum Stadion: Von 'Bullen' und 'Walen'


An diesem Nachmittag des Travia-Feiertages ist nicht nur einiges los am den heimischen Herdfeuern. Nein, auch auf den Strassen rotten sich Gruppen zu großen, glücklichen "Familien" zusammen. Da wäre zum Beipiel eine Horde von hochgewachsenen blond- und rothaarigen Nordländern, die frisch ausgeschlafen nach einer langen durchzechten Nacht in der Taverne "Salzfass" aufbricht, um den lauthals dahin gesungenen Worten auch Taten folgen zu lassen:


"Wir versaufen in Havena uns're Heuer,

uns're Heuer, uns're Heuer.

Wir versaufen in Havena uns're Heuer

und ein weiteres Fäßchen Premer passt noch rein!


Und den Bullen, denen gerben wir das Fell hier,

das Fell hier, das Fell hier.

Und den Bullen, denen gerben wir das Fell hier

und dann zieh'n wir's ihnen über beide Ohr'n!


Warum soll'n wir nicht aus Bullen Ochsen machen,

Ochsen machen, Ochsen machen.

Warum soll'n wir nicht aus Bullen Ochsen machen,

um Havenas Weiber kümmern wir uns schon!


Heute abend wird der Pottwal-Sieg gefeiert,

Sieg gefeiert, Sieg gefeiert.

Heute abend wird der Pottwal-Sieg gefeiert,

bis wir saufen aus das bodenlose Fass!"



Die Horde großgewachsener Nordländer, die da lautstark durch die Straßen zieht, ist längst nicht die einzige dieser großen, glücklichen "Familien", nein, da gibt es auch noch weitere.

Eine davon ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, zu dem neben Fluss-Schiffern, einigen richtigen Seeleuten und Schauerleuten wohl auch eine ganze Menge Fischer und sogar Handwerker gehören. Sie sind in ausgelassener Stimmung, und reißen Witze darüber, dass die aus dem Norden angereisten 'Premer Pottwale' auf der Seereise bestimmt vergessen haben, wie eigentlich das Immanspiel funktioniert...

Dann schlägt die Stimmung jedoch ein wenig um, als ersten von ihnen auf ein von einer anderen Gruppe, nicht wirklich leise gesungenes Lied aufmerksam werden, das die absoluten Helden dieser Gruppe, die "Havena-Bullen", verspottet. Zuerst werden nur Blicke gewechselt, dann Gesichter ärgerlich verzogen, und zum Schluss auch Stöße mit dem Ellenbogen ausgetauscht, als sei der jeweilige Nachbar der Verursacher dieses schändlichen Liedes.

"Unerhört! Man sollte die Pottwale in das Wasser werfen, wo sie hingehören", ruft ein großgewachsener kräftiger Mann, während ein anderer, kaum kleinerer, ruft:

"Los, Leute, das können wir auch! Und wir sind viel lauter als sie!"

Doch erst einmal gibt es noch kein Lied zu hören, sondern nur ziemlich lautes Stimmengewirr, denn bezüglich des Textes und der Melodie herrscht scheinbar noch alles andere als Einigkeit.



Die Einigkeit entsteht in dieser Gruppe jedoch dennoch ziemlich schnell, zu tief sitzt der Ärger über den Spott, den es da zu hören gibt, und zu entschlossen sind einige Seeleute der Gruppe, die mit ihren lauten Stimmen dann einfach die anderen übertönen, und sich gegen diese durchsetzen.

Mindestens genauso laut wie das Lied der Nordmänner, vielleicht auch lauter, gibt es dann zu hören:


"Pottwale aus Prem,

Die sind uns genehm,

Wir woll´n sie vernaschen,

Das sind doch bloß Flaschen.


Der Pottwal von Prem,

Der ist uns genehm,

Ist dumm wie ein Ork,

Und trifft nicht den Kork.


Der Pottwal von Prem,

Der ist uns genehm,

Er hält nicht die Esche,

Wir stürmen die Bresche.


Pottwale aus Prem,

Die sind uns genehm,

Denn so wie die saufen,

Könn´n sie nicht mehr laufen."



"Hohoho!" amüsieren sich die Pottwal-Prem-Anhänger, als sie so langsam mitgekommen, dass sie 'willkommene' Zuhörer haben.

"Seid mal leise! Die Fischersöhne da drüben tuscheln über uns!"

Der Thorwaler-Trupp verlangsamt das Marschtempo abrupt, schließlich scheint es gleich noch amüsant zu werden. Und wer will schon freiwillig ein unverhofftes Vergnügen verpassen?

"Ruhe jetzt! Bei ihren dünnen Stimmchen hört man sie sonst gar nicht!"

Wirkliche Ruhe kehrt jedoch bei den Nordländern nicht ein. Warum auch? Es wird ja gerade lustig! Und jetzt verhunzen die Fischköpfe auch noch altes thorwalsches Liedgut. Das 'Trutzburglied' in dieser kindischen Version! Frechheit!

"Habt ihr keine eigenen Lieder, ihr Pfeifen!"

Die Gruppe stimmt mit einem beipflichtenden Grölen zu.

"Los, zeigt ihnen, wo die Wurfaxt hängt! Los jetzt, das Premer-Lied! Alle mitmachen!"

Die Horde Thorwaler ist jetzt endgültig stehen geblieben und versperrt somit auch fast vollkommen diese eine Seitenstrasse, die zum Immanstadion führt. Man könnte sich zwar noch zwischen den Hünen durchzwängen, wer aber will das wirklich? Und bald darauf ertönt ein markerschütterndes Geschrei:


"Wir sind die Könige des Immans,

Pottwal Prem kennt jedes Kind.

Wir rupfen Adler, zähmen Löwen

mit dem Eschenholz geschwind.


Ihr habt noch keinen Punkt gemacht!

Warum spielt ihr noch weiter?

Der Korkball ist das runde Ding,

schaut gut hin!


Echte Männer trinken Premer,

echte Männer saufen schnell!

Heute sind wir in Havena,

lasst uns gerben Ochsenfell!

Wer zur Hölle sind die Bullen?

Das ist uns doch scheissegal!

Denn echte Männer trinken Premer,

- hol'n den Imman-Grosspokal!"



Die Gruppe der Fans der Havena-Bullen bleibt ebenfalls stehen, im wesentlichen durch die Beleidigungen verursacht, dass der Weg gar nicht mehr frei ist, ist ihnen noch gar nicht bewusst geworden.

"Klar haben wir die, ihr Pötte!" brüllt einer der Seeleute zurück, aber das geht im Lärm der anderen Gruppe und insbesondere dem der eigenen Mitstreiter fast vollkommen unter. Doch dieses Mal sind sie schlauer, und so sind sie bereit und sich einig, kaum dass das andere Spottlied der Premer verklungen ist - denn mischen wollen sie IHR Lied mit dem anderen ja nun wirklich nicht.

"Ha! Was besseres habt ihr nicht zu bieten? Bei drei.... Steht auf für Havena!"

Es ist einer der Seeleute, der das brüllt, Bootsmann seines Zeichen, dessen Stimme den übrigen Lärm mühelos übertönt.

"EINS! ZWEI! DREI!"

Und tatsächlich gelingt es diesmal, auf einmal anzufangen, und insbesondere auch das gleiche Lied zu gingen:


"Steht auf für Havena, steht auf für Havena,

Steht auf für Havena, steht auf für Havena.


Schaut mal, da kommt der Pottwal an,

Schaut mal, den kriegen wir jetzt dran,

Schaut mal, er stolpert übers Gras,

Und macht sich die Hosen naß.


Steht auf für Havena, steht auf für Havena,

Steht auf für Havena, steht auf für Havena.


Pottwal, schlägt vorbei am Tor,

Pottwal, trifft nicht einmal den Kork,

Pottwal, steht auf dem Feld blöd rum,

Ist selbst zum rennen noch zu dumm.


Steht auf für Havena, steht auf für Havena,

Steht auf für Havena, steht auf für Havena.


Los gehts, wir ziehn auf Walfang jetzt,

Los gehts, das gibt ein Schützenfest,

Los gehts, den alten Premer Fisch,

saufen wir locker untern Tisch.


Steht auf für Havena, steht auf für Havena,

Steht auf für Havena, steht auf für Havena."



Mit unflätigen Gesten kommentieren die Anhänger der Premer Imman-Mannschaft, das Gesangsdebakel der Havener Hornochsen.

"Woll'n mal hoffen, dass eure Ochsen besser spielen können, als ihr singen. Sonst wird's ja'n kurzes Spiel."

Die Nordländer stimmt mit einem lautstarken "Das wohl, was wohl" zu. Und während der andere Teil die Havena Immanfreunde (vorerst) gedanklich in handliches Rindergulasch zerlegt, stimmt der mit etwas mehr Humor gesegnete Teil der Gruppe bereits das nächste Lied an.


"Die Bullen rasen über's Feld,

der eine auf den anderen fällt.

Die ganze Imman-Mannschaft brüllt:

Wo ist ist der Korkball hin?

wo ist der Korkball hin?

Wer hat den Korkball abgespielt?


Dem Oberochsen, welch' ein Graus,

dem schlagen wir die Zähne aus.

Die ganze Imman-Mannschaft brüllt:

Wo ist der Backenzahn?

Wo ist der Backenzahn?

Wer hat den Backenzahn verschluckt?


Der Pottwal-Recke zielt famos,

das ist der Bullen Gnadenstoss.

Die ganze Imman-Mannschaft brüllt:

Für Pottwal noch ein Tor!

Für Pottwal noch ein Tor!

Er schießt ein Tor, wie kurz zuvor.


Und ist das Spiel dann mal vorbei,

Dann gibt's die nächste Keilerei.

Die ganze Imman-Mannschaft brüllt:

Mit Esche haben wir Spass,

mit Esche haben wir Spass,

den Bullen blasen wir den Marsch.


Und die Moral von der Geschicht:

leg dich bloß an mit Premern nicht.

Die ganze Imman-Mannschaft brüllt:

Der Sieg uns heute lacht,

der Sieg uns heute lacht,

wir feiern tief bis in die Nacht."



"Ehe ihr feiert, muss eure Mannschaft erstmal lernen, wie man Imman spielt!" brüllt einer der Seeleute der Havena'er Fans lautstark zurück, kaum dass das Lied der anderen verklungen ist.

Von weiter hinten indes wird weiter gedrängelt, denn diese beiden Gruppen von Fans sind längst nicht alle, die an diesem schönen sonnigen ersten Tag des Travia in das Stadion wollen, es scheint fast so, als sei fast die ganze Stadt und noch viele von außerhalb mit genau diesem Ziel unterwegs.

Und so unterbricht dieser neue Druck die Versuche, sich auf ein nächstes Lied zu einigen, und die Gruppe sieht sich in einer nicht wirklich würdigen Lage - sie halten nämlich den Verkehr auf! Schlimmer noch, nicht sie tun das direkt, sondern die anderen, die da so frech vor ihnen stehen und Lieder gegen die Sieger des heutigen Spieles grölen...

"Ihr habt ja schon Angst, auch nur in das Stadion zu gehen", erklärt der stimmgewaltige Bootsmann lautstark seine Sicht der Dinge, "um zuzusehen, wie die Bullen eure Pottwale zerfetzen werden - oder warum sonst steht ihr hier im Wege rum, statt weiterzugehen?"

Vielstimmiges Gekreische aus den Reihen seiner Freunde - alter Freunde und solcher, die jetzt einfach nur mit ihm in dieser Gruppe von Anhängern Havena'er Immanmannschaft stehen, unterstützt seine Worte.



Nach diesen neuerlichen Provokationen durch die Havener Kalbsköpfe, machen sich schon die ersten Thorwaler daran, die Armel aufzukrempeln und die Streitaexte zurecht zu rücken, als plötzlich von hinten das Marschlied einer anderen Thorwaler-Ottajasko.

Eine rotblonde, kräftiggebaute Skaldin, marschiert voran und somit direkt auf die Havener zu, die damit in der Straße "eingekeilt" sind. Die beeindruckende Riesin gibt mit angenehm tiefer Stimme den Rhythmus und die einzelnen Strophen des Schlacht-Liedes ihrer Ottajasko vor:


"In der Stadt, aus der ich komm',

lebt ein Swafnirskind, das ist bekannt.

Wenn es schwingt, die grosse Axt,

blind im Kampfesrausch, ohne Verstand,

ist es Zeit für uns zu fahr'n,

mit uns'rer Otta noch vor'm Morgenrot.

und wir rudern übers Meer -

auf uns'rem gelben Drachenboot."


Auf diesen durchaus noch wohltönenden, melodiösen Gesängen ertönt ein unglaublich lautes thorwalsches Gegröhle, das ganze Strassenzüge beschallt:


"Uns're Otta ist ein gelbes Drachenboot,

gelbes Drachenboot, gelbes Drachenboot.

Uns're Otta ist gelbes Drachenboot,

gelbes Drachenboot, gelbes Drachenboot."


Und doch wird es wieder still als die Skaldin zu der nächsten Strophe ansetzt:


"Unser Hetmann schwingt die Axt.

Uns're Skaldin, die - singt uns vor.

Denn wir sind der Drachenchor."


Jetzt ist auch die Gruppe auf der anderen Seite der Havener nicht mehr zu halten. Ihr Drachenschiff ist zwar nicht gelb, doch die Gesänge sind so einfach, dass sie auch untalentierte Außenstehende schnell begreifen können.


"Uns're Otta ist ein gelbes Drachenboot,

gelbes Drachenboot, gelbes Drachenboot.

Uns're Otta ist gelbes Drachenboot,

gelbes Drachenboot, gelbes Drachenboot."


In der Strasse wird es nun langsam bedenklich eng. Das findet auch die Skaldin, die die Brenzlichkeit der Situation schnell erfasst hat.

"Auf geht's zum Stadion, Männer," brüllt sie schließlich, bevor sie zur nächsten Strophe ansetzt.


"Unser Leben ist ein Spaß,

jeder von uns hat ein Premerfass.

Und wir leiden niemals Not,

denn wir haben ja das Drachenboot."


Und tatsächlich, durch den Marschrhythmus antrieben, lassen sich die Nordmänner wirklich noch in die richtige Richtung lenken.


"Uns're Otta ist ein gelbes Drachenboot,

gelbes Drachenboot, gelbes Drachenboot.

Uns're Otta ist gelbes Drachenboot,

gelbes Drachenboot, gelbes Drachenboot."


Mit den sich ständig wiederholenden Zeilen über das gelbe Drachenboot, entert die erste Gruppe der Thorwaler schließlich das Imman-Stadion von Havena.



Das Zu-den-Waffen-Greifen einzelner Thorwaler bleibt bei den Havena'ern natürlich nicht unbemerkt, auch sie greifen in die entsprechende Richtung, doch dann wird der Weg auch schon frei durch die unerwartete Unterstützung von hinten frei.

Dem Lied der Skaldin gibt es erst einmal nichts entgegen zu setzen, aber das heißt ja nicht, dass man das nicht doch noch machen kann, später dann, wenn das Spiel begonnen hat. Sollen die Premer ruhig alles schon vorher aufbrauchen, denn wenn ihre Mannschaft dann verliert, brauchen sie ja auch keine Lieder mehr...

"Na", brüllt der Bootsmann dann gegen den Gesang an, "ob eure Pottwale so lange durchhalten wie eure Lieder lang sind?"

Gelächter aus den eigenen Reihen begleitet das, während sich die Gruppe den Premern folgend in das Stadion ergießt.

"EIN HOCH FÜR HAVENA!" schreien einige von ihnen beim Anblick des Inneren des Stadions, das die Heimat ihrer "Havena-Bullen" ist.



NORDSTERN - Oberdeck: Traviana steht auf ...


Traviana hat wohl noch einige Minuten lang geschlafen, wacht aber dann doch endgültig auf. Sie dreht sich so um, dass sie sich ein bisschen umsehen kann. Schließlich entschließt sie sich dazu endlich mal aufzustehen.....

Das macht sie dann recht schnell und zieht sich auch wieder ihre 'Arbeitskleidung' an.

Traviana läuft dann langsam in Richtung des Aufgangs, um an Deck zu gehen. Dabei sieht sie sich um, ob Perval noch hier ist, oder auch schon irgendwo auf dem Schiff herumläuft. Aber sie kann ihn dort nirgendwo sehen.

Also geht sie weiter....

Sie ist noch ein bisschen müde, und läuft recht langsam den Weg entlang. Auch achtet sie kaum darauf, ob und was um sie herum so passiert. Dann endlich an Deck angekommen bemerkt sie erst einmal, wie die Luft ihr Gesicht und auch den Rest ihres Körpers abkühlt. Immerhin war es eben doch recht warm, und nun steht sie an Deck. Aber Traviana macht sich nichts daraus und sieht sich gleich nach Perval um.

'Ah ja, da ist er ja... Will wohl nach der Heuer fragen......'

Sie läuft schließlich in seine Richtung....



NORDSTERN - Oberdeck: Heuer bei - Perval


Er muß doch noch kurz eingeschlafen sein, nachdem im Mannschaftsraum wieder Ruhe einkehrte. Als Perval nun erneut aufwacht ist es so still im Mannschaftsraum, wie es in einem Raum, in dem mehrere, zum Teil schnarchende Personen, auf einem Schiff, daß im Hafen liegt, nur sein kann. Leise steht er auf, zieht sich schnell an und verschwindet aus dem Mannschaftsraum.

Heute ist das Spiel zwischen den Havena-Bullen und den Premer Pottwalen. Ein Spiel, daß Perval um keinen Preis Deres verpassen will. Schließlich hat er nicht oft Gelegenheit, ein Immanspiel zu besuchen. Nur noch schnell zum Kapitän, um endlich die Heuer abzuholen. Der Abend mit Traviana hatte ganz schön was gekostet und so langsam wird der Beutel leer.

Über den vorderen Niedergang begibt Perval sich aufs Oberdeck, wo er kurz stehenbleibt und sich umschaut.



Nach einem kurzen Rundblick über Schiff und Hafen geht Perval weiter Richtung Brückendeck. Dort sieht er wie erhofft den Kapitän. Da dieser sich zur Zeit mit der 1. Offizieren unterhält, geht Perval langsamer in der Hoffnung, daß die beiden aufhören sich zu unterhalten und es weniger danach aussieht, als würde er sie unterbrechen oder stören.

Seine Gedanken kreisen um das letzte Immanspiel, das er sehen konnte. Das liegt sicher schon zwei oder drei Götterläufe zurück. Ein gutes Spiel wo die Premer Pottwale die anderen tüchtig aufgemischt hatten. Und das war nach dem Spiel bei den Zuschauern weitergegangen.



Perval nickt der 1. Offizierin kurz zu und geht dann die letzten Schritte zum Kapitän.

"Guten Moin, Kapitän. Verzeiht wenn ich Euch stör."



"EFFerd zum Gruße", erwidert Jergan, und blickt den Matrosen an.

'Mist... ich wollte Nirka fragen, wie er heißt...'

"Was gibt es?"

Die Frage kommt kurz, knapp, und in einem geschäftsmäßigen Ton, denn dem Kapitän ist recht klar, dass dies ein dienstliches Anliegen ist, sonst würde der Matrose damit kaum während der Wache kommen.



"Ich wollt Euch fragn, ob ich de Heuer für de letztn Tage kriegn kann." antwortet Perval auf die Frage des Kapitäns. Er hält sich nicht lange mit Erklärungen auf sondern bringt die Sache gleich auf den Punkt. Der Kapitän scheint ihm nicht der Mann zu sein, der auf lange Erklärungen wert legt. Soviel hat Perval in den Tagen seit Salzerhafen schon mitbekommen.



Der Kapitän nickt, denn diese Frage ist bei einem neu angeheuerten Matrosen sehr verständlich.

"Kein Problem. Die ganze Heuer, oder erst einmal nur einen Teil? Wie ist dein Name?"

Insbesondere die letzte Frage ist dem Kapitän ein wenig peinlich, aber sie ist nun unumgänglich, hat er doch sonst keine Möglichkeit, das in das Buch einzutragen.



Perval nennt dem Kapitän seinen Namen.

'Ja wie, da machste hier uf de Kahn deene Doppelschichten und det Warzenschwein kennt noch nich mal deenen Namen.'

"Ich hät gern de ganze Heuer. Sin ja nich soviele Tage seit Salzerhavn."



Der Kapitän nickt zustimmend.

"Kein Problem."

Normalerweise müsste er jetzt in seine Kabine herunter, um der Schiffskasse das entsprechende Geld zu entnehmen, aber der nicht wirklich große Betrag, der der Heuer seit Salzerhaven entspricht, ist durchaus auch mit den Münzen zu bezahlen, die er im Normalfall als Wechselgeld für eventuelle neue Fahrgäste bei sich hat.

So greift er in die Tasche, holt den kleinen Geldbeutel hervor, und zählt die Heuer ab.

"Bitte sehr! Willst du auch zu diesem Immanspiel da gehen?"



Perval sieht kurz auf die Münzen in seiner Hand und erkennt, daß der Kapitän ihm die Heuer für die Tage seit Salzerhaven bis einschließlich gestern gegeben hat. Alles zusammen ein Betrag von zwölf Silber.

Dann hebt er seinen Blick und sieht den Kapitän wieder an.

"Habt Dank. Jo, dat wollt ich machen. Ich hätt jetzt meene Freiwache und wenn Ihr nich noch wat für mich zu tun habt, würd ich jetzt schon in die Stadt gehn."



Der Kapitän braucht nicht lange zu überlegen, weiß er doch genau, wie fleißig der Matrose in den letzten Tagen gewesen ist. Ihn jetzt noch zu Nirka zu schicken, die ihn für diesen Nachmittag ebenfalls um Landgang gebeten hat, würde wenig Sinn machen.

"Zu tun gibts für dich nichts, du kannst also in die Stadt gehen. Viel Spaß dabei!"

Der Kapitän wendet sich jedoch noch nicht sofort ab, denn zum einen gibt es auch für ihn nicht wirklich etwas zu tun im Moment, und zum anderen hat der Matrose vielleicht auch noch weitere Fragen.



Perval steckt die Münzen in seine Jackentasche. Mit den Worten "Danke, de wird ich habn." wendet sich Perval vom Kapitän ab und geht den Niedergang zum Oberdeck hinunter.



NORDSTERN - Oberdeck: Perval und Traviana


'aha, da kommt er ja....'

Traviana läuft auf Perval zu. Ob er sie schon gesehen hat?

„Guten Morgen....."



Freudig grinsend geht Perval Traviana entgegen. Der Tag fängt wirklich gut an - keine Arbeit, Landgang, Heuer erhalten, ein Immanspiel am Nachmittag und dazu Traviana. Was kann einem Seemann besseres passieren.

"EFFerd mit dir. Na, uch schon us de Hängematte gekrochn? Wie schauts us, haste wat zu tun oder kommste mit in de Stadt. Vorm Spiel wollt ich noch wat zu Beißen zwischen die Zähne kriegen? Außerdem sollt we sehn, dat wir früh im Station sind, sonst gibts keene ordentlichen Plätze mehr und mer sehn nichts."



Traviana lächelt ihn wieder an.

„ Ja, gerne. Dann sollten wir uns schon mal auf den Weg machen...."

Sie freut sich sehr darüber, dass sie Perval begleiten kann. Sie hatte sowieso gehofft, dass sie zusammen dort hin gehen würden.

Sie selbst war noch nie auf so einem Spiel, aber da vor allem Perval so begeistert davon scheint, will Traviana sich das auch einmal ansehen......



'Jau, dieses Lächeln'.

Perval grinst Traviana noch einen Moment an bevor er ihr antwortet.

"Jo, denn ma uf."

Er dreht sich um und geht, in der Annahme, daß Traviana ihm schon folgen wird, voran die Planke hinunter auf die Kaimauer. Am Ende der Planke wartet er bis Traviana neben ihm ist.



Traviana läuft Perval hinterher. Sie sieht sich noch einmal an Deck um, und geht dann hinter ihm die Planke entlang.

' Auf in die Stadt...'



Nachdem Traviana neben ihm ist geht Perval neben Traviana richtig in die Stadt.



NORDSTERN - Oberdeck: Fiana's Pläne


Fiana hat die Lage richtig eingeschätzt, der Kapitän kümmert sich bereits um den neuen Matrosen, dessen Nicken die selbstverständlich erwidert.

Langsam geht sie über das Oberdeck, sie ist sich nicht sicher, ob sie erst zum Tempel oder erst zum Spiel soll.

Momentan neigt sie leicht zum Tempel, denn sie möchte eine Opfergabe darbringen und hat eine nicht unbeträchtliche Summe einstecken. Die Gefahr, dass beim Spiel ein Langfinger seinem Tagwerk nachgeht ist doch recht hoch.



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Sigrun kränkelt


Sigrun hat es schon gewusst. Schon gestern hat sie sich den ganzen Tag - oder besser gesagt die ganzen Tage - furchtbar gefühlt: Der Hals hat gekratzt, der Kopf fühlte sich an, wie eine riesige heiße und dröhnende Kugel, die Nase lief ununterbrochen und immer wieder wurde sie von furchtbar schmerzenden Hustenanfällen geradezu geschüttelt.

Die kräftige, junge Matrosin ist nicht gerade wehleidig, hält sie doch gerade die Matrosen für unzumutbar, die sich schon bei der kleinsten Erkältung in die Koje legen. Doch als sie jetzt versucht, trotz allem schwungvoll ihre Hängematte zu verlassen, hat sie Mühe auf den Beinen stehen zu bleiben. Fast sacken ihre Knie in sich zusammen, doch glücklicherweise hatte sie die Hängematte noch nicht losgelassen und kann sich noch festhalten.

In ihrem Kopf scheint sich alles zu drehen und sie bleibt erstmal einen Moment stehen.



NORDSTERN - Unterdeck: Nirka ist wieder auf dem Posten


Aufstehen ist in der Regel nicht einfach, insbesondere dann, wenn der Tag davor anstrengend gewesen ist. Wenn dieser Tag sich dagegen noch sehr gegen Satinavs Regeln verhalten hat, dann ist das ganze noch anstrengender, und der Drang, es nicht zu tun, noch größer.

Doch... für die Bootsfrau scheint diese Regel nicht zu gelten, denn sie verlässt ihre Koje schon sehr kurz nach dem Wachwerden sehr schnell und mit einem Elan, wie ihn nur die wenigsten Menschen ohne Grund so kurz nach dem Schlaf aufbringen.

Zwei kurze Schritte bringen sie zur Tür ihrer winzigen Kabine, und schon steht sie im Mannschaftsraum, und ist damit dem Grund des raschen Aufstehens gleich ein ganzes Stück näher - der Matrosin Sigrun nämlich, und mit ihr dem gemeinsamen Gang in das Immanstadion.

Zuvor jedoch ruft sie ein recht fröhlich klingendes "Guten Morgen!" in den Raum, auch wenn das der Tageszeit alles andere als angemessen ist.



Das recht geringe Echo auf ihre Worte verwundert die Bootsfrau recht wenig, weiß sie doch, dass die Matrosen entweder schon längst aufgestanden sind, oder aber, wenn sie am Vortag dabei gewesen sind, ähnlich müde sein werden wie sie.

So verzichtet sie auch auf einen zweiten Versuch, sondern geht nur ein kleines Stück weiter in Richtung Backbord, so dass sie Sigrun und deren Hängematte sehen kann - Sigrun, die anscheinend gerade dabei ist, aufzustehen, wie Nirka erfreut feststellt.

Doch sie verzichtet erst einmal darauf, die Freundin anzusprechen - das kann sie auch später noch tun, wenn es keine Zeugen gibt.



HAVENA - Am Pier: Der Abschied der 'blauen Robe'


Nach einer Flut endloser belangloser Tage und Nächte in denen der Magus sich erholte und deswegen weder Bett noch Gemeinschaftsraum verlies, erwacht Alrik in dieser Nacht abrupt.

Irgend etwas war anders!

Natürlich war Alrik noch nie in Havena, doch er könnte schwören das etwas ganz und gar nicht stimmte. Vielleicht lag es auch nur am kurzzeitigen Verlust seines Magierstabes, das ihn bis in den tiefsten Winkel seiner Seele erschüttert hatte.

Es muß etwas geschehen. Leise schwingt sich der Magus aus dem Bett und packt seine Habseligkeiten. Schnell und ohne sich noch einmal umzusehen geht er an Deck.

Seine kleine Schwester wird in dieser Welt auch ohne ihn zurecht kommen und er war sich sicher das die Götter ein weiteres Treffen der Geschwister schon geplant hatten.

An Deck angekommen schaut sich Alrik einen Moment um bevor er zur Reling geht und das verläßt Schiff, das ihm so lange Zeit eine Heimat war. Am Pier wendet er sich noch einmal um und mustert das Schiff, dann zieht er seine Kapuze tiefer ins Gesicht und verschwindet in den Straßen der Stadt.



NORDSTERN - Oberdeck: HESinde's Gefolgsleute


Nach gar nicht allzu langer Zeit erscheint der ersehnte Geweihte tatsächlich auf dem Oberdeck. Langsam geht der junge Adeptus auf ihn zu:

"HESinde mit Euch, Euer Gnaden!" begrüßt er ihn. "Ist das nicht ein herrlicher Tag heute?" fährt er fort, während er Hesindian die Hand reicht.



An Deck ist von Hjaldar oder Ole weit und breit nichts zu entdecken, doch hat, wie Hesindian sich rasch versichert, die Praiosscheibe ihren Lauf noch nicht zu weit fortgesetzt, als dass er befürchten müsste, zurückgelassen worden zu sein. Die gestrigen Tage waren schon sehr anstrengend gewesen, und so erscheint es dem Geweihten bei genauerem Nachdenken nicht verwunderlich, dass die beiden sich noch nicht an ihr übliches Tagewerk gemacht haben, sondern noch beim Frühstück sind oder gar noch schlafen.

Der Gruß Darians lässt Hesindians Kopf zu diesem herumfahren; dass der Magier bereits das Oberdeck unsicher macht, war ihm gar nicht aufgefallen.

"HESinde auch mit Euch, Adeptus." erwidert er die Begrüßung des jungen Magiers. "Einen strahlenden Herbsttag haben uns die Götter heute geschenkt. Nach dem tagelangen Regen habe ich fast

vergessen, wie sich die warme Sonnenglut auf der Haut anfühlt." lächelt Hesindian zufrieden.



"Es scheint gerade so, als hätte EFFerd zum Ende seines Mondes beschlossen, noch einmal PRAios den Himmel zu überlassen, bevor FIRun sein winterliches Werk beginnt," philosophiert der junge Magus über die Hintergründe des Wetterumschwungs, "aber wie dem auch sei, wir sollten diesen Tag genießen."

Man könnte natürlich jetzt noch länger über Wetter reden und z.B. Mutmaßungen darüber anstellen, ob es weiter im Süden besser werde oder ob der fortschreitende Herbst auch dort Einzug halten wird. Doch dafür ist später noch Zeit, eigentlich wollte Darian sich ja über etwas ganz anderes erkundigen...



"Verzeiht, wenn ich Euch jetzt stehen lasse," entschuldigt sich Hesindian bei Darian, "doch ich suche nach Hjaldar und Ole. Die beiden haben mir angeboten, sie zum Immanspiel zu begleiten, und ich möchte sie nicht verpassen .... "

'... und Silana natürlich auch nicht...!' fügt er noch in Gedanken hinzu, nur um sich im nächsten Moment über diesen Gedanken zu wundern.

"Ich sollte in der Messe nach den beiden sehen..."



"Nun, ich denke ich werde mir auch das Spiel ansehen. Ich hatte noch nie Gelegenheit ein Immanspiel zu sehen." gibt Darian dem jungen Geweihten zur Antwort. "Habt ihr etwas dagegen, wenn ich Euch begleite, euer Gnaden?"

Vielleicht ergibt sich ja nach dem Spiel noch eine Gelegenheit zu einem Gespräch.



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Ameg's Zweifel


Auch Ameg erwacht langsam im Mannschaftsraum der NORDSTERN. Nach dem gestrigen Tag hatte er noch einmal auf der NORDSTERN übernachten dürfen, doch dies dürfte seine letzte Nacht an Bord gewesen sein. Er sollte sich heute mit Torin und Phexane in einem Gasthaus treffen und von da aus sollte es dann bald in Richtung Gareth gehen...

Ameg ist sich seit dem gestrigen Tag noch unsicherer ob er wirklich mit Torin gehen soll. Hätte es nicht diese Probleme mit der Miesmuschel und der Perle gegeben, dann wäre er wohl nicht mehr am Leben, sondern getötet durch einen namenlos vergifteten Dolch. Zumindest wenn er das, was Alkinoe ihm erzählt hatte richtig verstanden hatte. Ameg erinnert sich nur noch daran, wie er sich den Beutel mit Geld schnappte und dann etwas schmerzhaft in seinen Rücken eindrang. Er erinnert sich noch, daß er fällt, aber von da an hat er keine Erinnerungen mehr. Das nächste ist erst wieder der EFFerd-Tempel... die Stille im EFFerd-Tempel... der sich mehrfach wiederholende Tag.

Phex scheint nicht mit Ameg zu sein. Zu oft hat ihn das Pech verfolgt, wenn er in letzter Zeit etwas phexisches tat. Im Gegenzug dafür war ihm mehr Gutes widerfahren wenn er etwas EFFerd-gefälliges tat oder den anderen auf der NORDSTERN half etwas EFFerd-gefälliges zu tun.

Vielleicht ist dies eher seine Berufung... oder eine Kombination von beiden. Jedenfalls schien es ihm immer unwahrscheinlicher, daß es der Wille PHEx ist, daß er mit Torin mitgeht.

Es blieb nur eine Möglichkeit dies heraus zu finden...

Er mußte mit Torin reden...

Wie spät mochte es wohl sein? Nirka war gerade herein gekommen und hatte einen guten Morgen gewünscht... doch hatte sich ihre Stimme nicht ein wenig spöttisch angehört, oder war dies Einbildung?

Wie auch immer.. Ameg bekommt das Gefühl er müsse sich beeilen.

So fällt er fast aus der Hängematte, als er aufsteht.

"Gut'n Morg'n", antwortet er noch Nirka noch schnell (auch wenn ihre Aufmerksamkeit schon woanders zu sein scheint), zieht seine Jacke an und sammelt eilig seine wenigen Sachen zusammen.



Ameg wartet keine Antwort mehr von Nirka oder jemanden anderen im Mannschaftsraum ab. Als er alle Sachen beisammen hat ruft er noch

"muss los.. EFFerd mit euch", in den Mannschaftsraum und schon verlässt er den Raum, hetzt den Niedergang hinauf und steht auf dem Oberdeck. Blinzelnd schaut er in die Sonne.... es ist nicht nur spät... es ist sehr spät...

Ameg kann nur hoffen, daß Phexane und Torin noch sehr lange in der letzten Nacht unterwegs waren.. denn der Zeitpunkt wo er die beiden treffen sollte ist schon lange vorbei.

Ein letzter Blick über das Deck der NORDSTERN. Irgendwie bedauert Ameg, daß er gehen muß. Das Schiff und die Leute haben ihn in den letzten Tagen sehr gefallen... aber vielleicht... vielleicht würde es ja noch etwas bringen mit Torin zu reden.



Ameg schaut sich auf Deck um. Unter anderem sieht er Hesindian dort stehen, der sich gerade mit dem einen Zauberer unterhält.

''Was will Hesindian wohl von dem Zauberer?', wundert sich Ameg einen Moment, aber da beides Gelehrte sind, werden sie sich wohl wieder über etwas Gelehrtes unterhalten.

Da kommt Ameg ein anderer Gedanke.. hatte er eigentlich erzählt, daß er das Schiff verläßt und mit Torin mitgeht? Ameg weiß es nicht mehr so genau.. irgendwem hatte er es am gestrigen Tage erzählt, aber das war schon fünf Tage her.. so viel war passiert, da hat er ganz vergessen was jetzt wirklich geschehen war und was nicht.

Wie auch immer. Zeit hatte er nun keine mehr zu erklären...

sollte er sich noch verabschieden? ..aber vielleicht kam er ja wieder und dann wäre die Verabschiedung umsonst. Oder verabschiedet sich, nachdem er mit Torin redete...

Ameg legt seinen Weg so, daß er auf jeden Fall an Hesindian vorbei kommt... als er fast bei ihm und dem Magier ist zögert er noch immer.. soll er sich verabschieden oder einfach weiter gehen.. oder doch nicht? ... oder oder?



Ameg bleibt kurz einen Moment stehen, aber Hesindian scheint tief in das Gespräch versunken und beachtet ihn nicht weiter. Und warum sollte Ameg ihn jetzt ansprechen. Eigentlich hatte er es ja eilig (andererseits wundert Ameg sich, daß er irgendwie versucht seinen Aufbruch zu verzögern). Und Hesindian würde ihn bestimmt jede Menge Fragen stellen, wenn es jetzt zu einem Gespräch kommen sollte. Also bloß weg hier.

Somit läuft Ameg wieder los, geht vorsichtig über die Planke und verschwindet in der Stadt...



Ameg hetzt durch die Stadt. Nicht weit von dem Gasthaus in dem Phexane und Torin sind (oder waren) sitzt ein Bettler in dunkler Bekleidung am Boden. Als Ameg an ihm vorbei läuft streckt dieser plötzlich sein Bein aus und Ameg stolpert. Er stürzt zu Boden und schreit kurz vor Schmerz und Schreck auf.

Ameg ist jedoch nichts passiert. Wütend und noch immer ein wenig erschreckt springt er auf und ... schaut sich verwirrt um. Der Bettler ist nirgendwo zu sehen. Ameg guckt noch in angrenzenden Gassen nach, aber er findet keine Spur des Bettlers mehr. Nicht einmal dort wo dieser scheinbar saß.

Langsamer und gelegentlich unsicher hinter sich schauend geht Ameg weiter zum Gasthaus wo er sich mit Torin und Phexane treffen sollte. Als er dort ankommt ist keine Spur von den beiden zu sehen.

"Torin?", ruft er, während er sich umschaut.

'Vielleicht sind die beiden ja noch in der Nähe', denkt er sich. 'Oder vielleicht sind sie ja auch noch da.'

Nachdenklich schaut Ameg zum Eingang des Gasthauses.



HAVENA - Im Imman-Stadion: Vor dem großen Spiel


Auch die zweite Gruppe der Premer hat sich jetzt im Stadion eingefunden. Tatsächlich ist das Immanstadion schon über die Hälfte mit Zuschauern gefüllt. So sind es wohl gut und gern über 4000 Menschen, die jetzt schon das Stadion bevölkern. Und eines ist gewiss - bis zum Beginn des Spiels wird es hier keinen einzigen freien Platz mehr geben.

Die Havena-Anhänger sind hier auf dem heimischen Feld natürlich in der Mehrheit, aber nichts desto trotz werden die Premer und auch die anderen Thorwaler nicht müde, ihre Jungs, die bald das Feld erstürmen werden, jetzt schon tüchtig anzufeuern.

Und zwischendurch werden die trocknen Kehlen der Nordmänner immer wieder mit frischem Premer geölt, so dass das nächste Lied kommen kann. Zwei starke Hünen haben die rotblonde Skaldin, die eben noch die Ottajasko "Gelbes Drachenboot" angefeuert hat, auf ihre Schultern genommen. Nun steht sie dort, hoch erhoben mit einem guten Ausblick auf die Premer Immanfreunde und stimmt mit voller, lauter Stimme die Strophen des nächsten Liedes an. Auch dieses Lied scheint zum Thorwaler Allgemeinliedgut zu gehören, denn beim Refrain singen alle Nordmänner wie auf ein geheimes Zeichen hin laut, lauter, am lautesten mit.


"Wo die Brandung an den Efferdspfeiler kracht,

wo der Hjalske seinen echten Rotbrand macht,

wo man trinkt den Humpen in zwei Zügen aus,

da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.

DA IST MEINE HEIMAT, DA BIN ICH ZU HAUS.


Wir zieh'n ins Thorwalland,

ins wilde Heimatland.

Dich will ich lieben,

bis Boron mich holt.


Muss ich einmal in die weite Ferne zieh'n,

treibt die Sehnsucht wieder mich nach Thorwal hin.

Von Olport fern bis hin zum Orkenland,

Dort ist meine Heimat, ist mein Vaterland.

DORT IST MEINE HEIMAT, IST MEIN VATERLAND.


Wir zieh'n ins Thorwalland,

ins wilde Heimatland.

Dich will ich lieben,

bis Boron mich holt.


Wenn ich einmal tot bin, an dem fernen Tag,

liebe Heimatwogen, seid mein nasses Grab.

Bei meiner letzten Fahrt, rufet die Worte aus:

Hier ward seine Heimat, hier ward er zu Haus.

HIER WARD SEINE HEIMAT, HIER WARD ER ZU HAUS.


Wir zieh'n ins Thorwalland,

ins wilde Heimatland.

Dich will ich lieben,

bis Boron mich holt."


Zum Ende des Liedes hin, setzt sich jedoch immer mehr eine Abwandlung der letzten Zeile des Refrains durch. Aus "Dich will ich lieben, bis Boron mich holt." ... wird zunehmend "Dich will ich lieben, mein Feuer von Prem."



Das Stadion ist schon recht gut gefüllt, aber die Gruppe der Havena'er, die vor dem Eingang den Beinahe-Zusammenstoß mit den Imman-Fans aus Prem hatte, ist ausreichend früh aufgebrochen, um noch halbwegs beieinander Platz zu finden, oder sich diesen mit ein wenig drängeln zu verschaffen. Viel später hätten sie jedoch nicht kommen dürfen, denn der Ansturm auf das Stadion reißt nach wie vor nicht ab - die Suche nach einem guten Platz dürfte zunehmend schwerer werden.

So hält sich die bunt gemischte Gruppe auch gar nicht länger auf, sondern stürmt die nächsten guten freien Plätze - die sich damit natürlich so ziemlich in der Nähe der Gruppe aus dem Norden befinden...

Doch im Grunde stört das gar nicht, eher im Gegenteil, wie die härter gesottenen Fans meinen, haben sie doch so besonders "dankbare" Zuhörer für ihre Lieder und Slogans.

"EIN HOCH FÜR HAVENA!" wird noch einmal gebrüllt, und dann stimmen zwei der Seeleute ein weiteres Lied an, in das die anderen sehr schnell in voller Lautstärke einfallen:


"Es war im Travia, im acht-und-zwanzigsten Jahr des Hal,

Da trafen wir - oheho - auf den plumpen Premer Pottwal,

Havena Bullen sind wir, die Meister von Eschenholz und Kork,

Wir schwingen das Holz - oheho - da fliegt der Ball unhaltbar ins Tor,

Und noch ein Punkt für die Bullen - ehoeho eheoeho - Seht wie der Pottwal schaut.


Vorwärts voran, der Stürmer rennt, niemand hält ihn auf,

Kein Premer Wal - oheho - stoppt einen Bullen in seinem Lauf,

Da holt er aus mit dem Holz nur noch fix die Latte anvisiert,

Dann fliegt der Kork - oheho - der Hüter merkt gar nicht was passiert,

Drei Punkte gibts für die Bullen - ehoeho eheoeho - Seht wie der Pottwal schaut.


Pottwal besiegt, schon gehts hinaus in die weite Welt,

Steht nich´ lang ´rum - oheho - denn nur die Zahl der Punkte zählt,

Havena Bullen sind wir, wir schlagen zu, daß es nur so kracht,

Wir schwingen das Holz - oheho - treffen sogar mitten in der Nacht,

So gehts es durch alle Runden - ehoeho eheoeho - Wir holen den Retokelch.


Denn Kelch holen wir und weiter gehts auf dem Siegeszug,

Denn nur der Pott - oheho - der ist uns noch lange nicht genug,

Und unser Hüter im Tor, läßt niemals, nie den Korkball hinein,

Schlägt ihn weit ab - oheho - so stürmen wir die Gegnerrei´n

Wir sind die Havena Bullen - ehoeho eheoeho - Immanmeister sind wir."



"Wat woll'n die?" brüllt ein Thorwaler mehr belustigt als wütend. "Vom Reto-Kelch träumen die doch höchstens des Nachts, wenn'se sich in'n Schlaf geflennt haben."

"Das wohl, das wohl!" kommt dazu allgemeine Zustimmung aus den hinteren Reihen.

"Woll! Die Dumpfbacken ham' das Eschenholz nich' inner Hand, sondern vor'm Kopp', wenn'de mich fragst!" fügt ein anderer Nordländer hinzu.

"Das wohl, das wohl!" kommt dazu allgemeine Zustimmung aus den vorderen Reihen.

Zur Unterstützung der fröhlichen Verbrüderung der unterschiedlichen Thorwalergruppen kommt ein ruhiges Lied, bei dem man nebenbei auch noch Zeit für ein, zwei Schlückchen Feuer hat, gerade recht. Und so ruft die Skaldin nur einmal zur Bekanntgabe ein "Bullen siegen nicht" in die Menge und schon haken sich die Nordmänner bei ihren Nachbarn ein und schunkeln gemeinsam im Takt mit.


"Wenn ihr uns sagt, heute wird gesiegt,

wenn ihr nicht glaubt, wo der Korkball liegt,

schaut nur einmal hin, er ist im Bullentor.

Ihr liegt zurück! Bullen seht euch vor.


Der Reto-Kelch funkelt wunderschön,

doch den habt ihr ja noch nie geseh'n.

Schaut den Spielstand an, könnt ihr es versteh'n?

Ihr habt verlor'n! Bullen ihr könnt geh'n.


Havena-Bräu, das trinkt keiner mehr.

Verlorenes Spiel, nehmt es nicht so schwer.

Es ist nie zu spät, komm entscheide dich:

Wechsel zu Prem! Bullen siegen nicht.


Und Pottwal Prem erstrahlt in vollem Glanz.

Mit Premer Brannt, mit Musik und Tanz

feiern wir den Sieg. Das weiß doch jedes Kind,

dass zweifelsfrei, Pottwal Prem gewinnt!


Schaut noch einmal hin,

Ihr könnt den Sieger seh'n,

gross, stolz und stark:

Unser Pottwal Prem."



Der Umstand, dass man jetzt IM Stadion ist, und nicht mehr davor, ändert nichts an der Stimmung, eher im Gegenteil, jetzt ist man am Ort des Geschehens, und da kann es einfach nicht sein, dass jemand die Helden Havenas verspottet, indem da SOLCHE Lieder gesungen werden!

Eigentlich ist sich die Gruppe der Havena'er nicht wirklich einig, unter normalen Umständen würden sie sich wohl gerade jetzt um die besten Plätze streiten, aber wie es so ist - ein gemeinsamer Gegner eint, und ein gemeinsamer Wille tut dies auch. Hier ist sogar beides vorhanden - auf der einen Seite diese Nordmänner mit ihren fürchterlichen Liedern, und auf der anderen Seite DIE Helden schlechthin, die "Havena Bullen", die an diesem Tag wohl glorreich siegen werden.

So ist es wieder der stimmgewaltige Bootsmann, der zurück brüllt:

"Und ihr habt den Kelch noch nicht mal gesehen, geschweige denn eine Ahnung, wie er aussehen könnte! Los... FÜR HAVENA!"

Die immer stärker werdende Einigkeit hilft auch diesmal... es geht sehr schnell, bis alle anderen in die Vorgabe der Seeleute einfallen, schneller als bei einem der Lieder davor:


"Hebt - hebt die Krüüüühüge,

Für Havena am Großen Fluß,

Hebt sie hoch - sauft sie aus - eure Krüüüühüge,

Für Havena am Großen Fluß.


Überall im Land fürchtet man die Kraft der Bullen,

Aus Havena am Großen Fluß,

Aus Havena am Großen Fluß.


Hebt - hebt die Krüüüühüge,

Für Havena am Großen Fluß,

Hebt sie hoch - sauft sie aus - eure Krüüüühüge,

Für Havena am Großen Fluß.


Treffen wir den Pottwal, werden wir nicht verzagen,

Für Havena am Großen Fluß,

Für Havena am Großen Fluß.


Denn wir sind stark und schnell, können jeden schlagen,

Für Havena am Großen Fluß,

Für Havena am Großen Fluß."



Die Spannung im Stadion steigt. Zwar war das letzte Lied keine echte Provokation mehr, sondern eher etwas zahmer gehalten, doch kann es jetzt nicht mehr lange dauern, bis die beiden Mannschaften endlich den Platz erstürmen. Zugegebenermaßen ist das Immanstadion in Havena ja eher mickrig, irgendwie kleiner als das heimische Stadion in Prem. Doch das sollte keine große Beeinträchtigung darstellen. Vermutlich ist es sogar vielmehr ein Zeichen für die mangelnde Kondition der Albernier, die wohl ein wenig lauffaul sein müssen.

Immer wieder erschallen laute Zwischenrufe der Nordmänner, während die Albernier ihr Liedchen trällern. Doch dank der thorwalschen Einfachheit beschränken sie sich vorerst auf ein mehrstimmiges "HOOO-HOOO-HOOO!" und ein markerschütterndes "UHH! AHH!!", das jedoch in laufender Wiederholung und immer schneller wird.

Noch ein paar weitere nordländische Besucher entern das Immanstadion, einer der ersten davon ist mit einer großen Trommel, die mit Rinderhaut bespannt ist, ausgerüstet. Als die rotblonde Skaldin ihn erblickt, lässt sie einen schrillen Pfiff auf den Fingern erklingen, und lockt den Trommler so in ihre Richtung. Augenscheinlich scheinen sich beide auch zu kennen. Nach einer herzlichen Begrüßung, die jedoch für Nichtthorwaler fast schon wie eine Prügelei wirkt, haben sich die beiden auf ein weiteres Lied verständigt.

Und während der Trommler den Takt vorgibt, erhebt die Skaldin wieder ihre Stimme und hat nach nur einer einzigen Zeile alle Umstehenden zum mitsingen mitgerissen.


"Pottwal - beste Mannschaft der Welt.

Ich sag: Pottwal - dein Käpt'n ist unser Held.

Ich sag: Pottwal - weil nur siegen heut' zählt

alle kämpfen heut' gemeinsam.


Pottwal - immer vorne am Ball.

Ich sag: Pottwal - bringt den Gegner zu Fall.

Ich sag: Pottwal - Abwehr steht wie ein Wall

und wir kämpfen für die Ehre.


Wir singen alle heut' - für Pottwal Prem.

Wir feiern alle heut' - mit Pottwal Prem.

Keiner kämpft so wie du

und wir sehen dir zu,

denn der Sieg, er geht heut' an Prem.


Wir trinken alle heut' - auf Pottwal Prem.

Wir prügeln alle heut' - für Pottwal Prem.

Keiner kämpft so wie du

und wir sehen dir zu,

denn der Sieg, er geht heut' an Prem.


Pottwal - unser Sturm läuft sich frei.

Ich sag: Pottwal - schlägt den Gegner zu Brei.

Ich sag: Pottwal - hört ihr den Siegesschrei

uns'rer Mannschaft auf dem Platze.


Pottwal - Imman heißt unser Spiel

Ich sag: Pottwal - Gegner holen wir kiel.

Ich sag: Pottwal - Siegen ist unser Ziel

und der Gegner wird verdroschen.


Wir singen alle heut' - für Pottwal Prem.

Wir feiern alle heut' - mit Pottwal Prem.

Keiner kämpft so wie du

und wir sehen dir zu,

denn der Sieg, er geht heut' an Prem.


Wir trinken alle heut' - auf Pottwal Prem.

Wir prügeln alle heut' - für Pottwal Prem.

Keiner kämpft so wie du

und wir sehen dir zu,

denn der Sieg, er geht heut' an Prem."



Es ist fast perfekt... das heimatliche Stadion, der den Anhängern sicher erscheinende Sieg der Bullen, die bekannte Atmosphäre rings herum, die eigene Stadt... das einzige, was diesen Eindruck nachhaltig stört, sind die Nordmänner, die da ihre seltsamen Lieder grölen, und jetzt auch noch so eine komische Trommel einsetzen, um zusätzlichen Lärm zu machen.

Doch... den Havena'ern ist klar, dass diese einfach in der Minderzahl sein müssen, schließlich ist das hier IHR Havena, und so stimmen sie wieder ihr Gebrüll an:

"HAVENA!!! HAVENA!!!"

Initiiert von den Seeleuten dieser speziellen Anhängerschar der Bullen, greift der Ruf rasch auch etwas weiter um sich und viele weitere Stimmen fallen ein.

"H A V E N A ! ! ! H A V E N A ! ! !"

Kaum ist eine auch nur kurze Atempause vorhanden, legt der stimmgewaltige Bootsmann vor, und die in seiner Umgebung stehenden fallen sofort ein, die anderen mit einer kleinen Verzögerung:


"Pottwal, laß das Träumen, denk nicht an den Sieg,

Pottwal, ihr nicht einmal, nur den Korkball kriegt.


Schwingen wir das Eschenholz, fliegt der Kork in weite Ferne,

Quer durch eure Bremserreih´n, und am Hüter auch vorbei,


Immer weiter fliegt der Kork, ja, so sehen wir es gerne,

Direkt hinein in euer Tor - Havena vor.


Pottwal, laß das Träumen, denk nicht an den Kelch,

Denn wir sind die Bullen, da tritt euch der Elch.


Schwingen wir das Eschenholz, fliegt der Kork in weite Ferne,

Quer durch eure Bremserreih´n, und am Hüter auch vorbei,


Was steht ihr noch auf dem Feld, geht doch gleich in die Taverne,

Denn nur saufen kannst du noch - du Premer Wal."



NORDSTERN - Unterdeck: Jandara und der Smutje


Sich vorsichtig umschauend geht Jandara ein paar Schritte vor. Ziemlich leer ist es hier. Vorhin ist jemand vorbei gehuscht, doch da sie in eine andere Richtung geschaut hat, weiß sie nicht wer.

Sie schließt kurz die Augen und versucht sich zu erinnern, welchen Weg Lowanger mit ihr gegangen war, als er sie in den Laderaum geführt hatte. Nach rechts... dann wieder rechts in den schmalen Gang.. .Jandara setzt sich in Bewegung.

Fast wäre sie an der Küche vorbeigelaufen. Sie steckt ihren Kopf zur Tür herein und ruft fragend:

"Hallo?"



Eine Frau steht im Eingang der Kombüse. Garulf hat diese Frau noch nicht gesehen. Ist sie eine neue Passagierin? Wird wohl so sein, warum sollte sie sonst hier auf dem Schiff sein? Wie eine Matrosin sieht sie jedenfalls nicht aus. Da sie ihr Anliegen nicht näher spezifiziert, sondern es lediglich beim "Hallo" beläßt, bekommt sie auch erstmal nichts weiter als ein "Hallo" zur Antwort.



Kaum zu übersehen, steht mitten in der Kombüse ein dicker Mann, der knapp zurück grüßt.

'Hm, wenn ich mir den Smutje so anschaue,' denkt Jandara, 'dann kann ich wohl davon ausgehen, dass er gut kocht und das genügend Vorräte an Bord sind.'

"Mein Name ist Jandara. Ich bin erst seit Kurzem hier an Bord, aber ich glaube, ich habe ziemlich lange geschlafen," lügt sie unverbindlich lächelnd und täuscht ein Gähnen vor.

"Jetzt weiß ich gar nicht welche Tageszeit wir haben und mein Magen knurrt ganz grässlich..."

Abwartend, ob der Koch den Faden aufnimmt, lehnt sie sich an den Türrahmen.



"Togesziet? Is doch ganz eenfach: Wenn hell is, is Tach, wenn düster is, is Nacht", gibt der Smujte grinsend zu verstehen. "Ober to futtern gübs immer dann, wenn de Smutje inne Kombüs is," fährt er gleich darauf fort, "wat willste denn ham?"



Wo der Smutje Recht hat, hat er nun mal Recht. Mit vor der Brust verschränkten Armen, schiebt sich Jandara noch ein Stückchen weiter in die Kombüse.

"Das ist ein Wort! Ein bißchen Brot und Käse würden schon reichen." sagt sie, sich neugierig umschauend. "Vielleicht noch ein Krug Milch, wenn du welche hast?"



Brot und Käse sind kein Problem, diese beiden Lebensmittel hat Garulf sogar bereits fertig vorbereitet, denn gerade dies wird häufig zum Frühstück verlangt. Ganz anders sieht es dagegen mit Milch aus, die sich aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit nicht für den Schiffsproviant eignet. Also reicht Garulf der Frau erstmal einen Teller mit Brot und Käse:

"Hier, bitte schön. N´ Tisch is dröben inner Messe."

Allerdings wird sie auch irgendwas zu trinken haben wollen.

"Milk heb we ollerdings nich, de wird uf See to schnell gammelich. We häb Wodder, Beer un Premer Für," zählt der Smutje das Getränkeangebot der NORDSTERN auf. "

Ansonsten kannste natörlich noch an Land gehen we bleeben hier noch ne Weile, denk ich", vervollständigt er augenzwinkern die Möglichkeiten.



"Danke schön!"

Jandara nimmt den Teller entgegen.

"Dann trinke ich halt Wasser." antwortet sie gleichmütig und zuckt dabei mit den Schultern, um zu

zeigen, wie egal ihr es ist, ob sie nun Wasser oder Milch bekommt.

"Ich werde aber in meiner Kabine essen. Da fällt mir noch etwas ein. Wo bekomme ich hier eigentlich Lampenöl?"



NORDSTERN - Unterdeck: Efferdan im Hintergrund


Rasch überwindet der schmächtige Matrose die paar Spann Treppe nach unten und wieselt flink in Richtung Kombüse.

`Hoffentlich ist es dort noch leer.`

Die Chancen stehen gut, schließlich waren viele als er vor kurzem aufstand noch selig bei Bishdariel zu Gast...

`Und hoffentlich muss ich den Smutje nicht lange bitten...`

Doch - oh Graus - was muss er in Sichtweite der Kombüse sehen? Eine Person, die schon im Türrahmen steht und anscheinend etwas vom Smutje will, jedenfalls wird sie gerade von ihm begrüßt.

Efferdan hat keine Idee wer das sein könnte, im Türrahmen, die Rückansicht sagt ihm zumindest nichts, aber das wundert ihn auch gar nicht weiter. bestimmt irgendein Passagier.

Still lehnt er sich an die Wand des Unterdecks und wartet leise und unauffällig, bis die Person das vom Smutje erhalten hat, was sie wünscht...



Zaghaft wirft der schüchteren Matrose einen Blick auf die noch immer im Türrahmen der Kombüse stehende Gestalt. Ihre Worte bestätigen, dass es sich um einen neuen Passagier handelt.

`Hoffentlich braucht sie nicht zu lange...`

Allerdings lassen ihre Worte ebenfalls befürchten, dass es wohl doch etwas dauern wird.



NORDSTERN - Laderaum 1: Gefährliche Begegnung


da lauert nur

eiine katze


nur eiin kleiines

miietzekätzchen


Beruhigt atmet Meergrün aus. Katzen sind für einen Klabauter immer noch große, gefährliche Wesen. Aber seit dem Ersten Schiff sind Katzen und Klabauter Verbündete. Nicht daß sie viel miteinander zu tun hätten, aber sie haben einen gemeinsamen Feind.

Etwas sicherer schleicht Meergrün noch einen Schritt weiter. Er ist neugierig, auf was die kleine Katze denn da lauert.



Traumauge ist durch die neuerliche Änderung seiner vermeintlichen Beute bereits so abgelenkt, das er nicht bemerkt wie der Klabauter ihm bereits sehr nahe kommt.

Seine Augen sind ebenso wie die Ohren starr nach vorne gerichtet und allmählich hat er sich zu einem Sturmangriff auf die unbekannte Beute entschlossen.

Dummer Weise denkt diese nicht daran sich erstürmen zu lassen, ganz im Gegenteil, sie stürmt lieber selber - und zwar auf Traumauge zu...

Plötzlich verschwindet der Schwanz gänzlich hinter der Kiste, das Scharren versummt und zwei große, im fahlen Restlicht rot leuchtende Augen erscheinen hinter der Kiste...

... viel größer, als das, was Traumauge gewohnt ist, ja da ist er sich sicher, daß ist eine Ratte, ja, aber ungewöhnlich groß, jedenfalls DEUTLICH größer als Traumauge selbst, allein der Körper misst etwa das doppelte des kleinen Katers.

Traumauge bricht seinen Angriff noch im Ansatz ab und die Ratte startet statt dessen ihren eigenen...

Da ist das scharren wieder, große Rattenfüße poltern über den hölzernen Boden und das Ungeheuer kommt direkt auf Traumauge zu...

Der Schiffskater tut das einzig Sinnvolle, er ergreift die Flucht vor dem Monster. Im Bruchteil eines Augenblickes hat er gewendet und rast mit kräftigen Sprüngen davon...

... Das ihm dabei Meergrün im Weg steht bemerkt er zwar - jedoch viel zu spät. Er rennt den Klabauter schlichtweg über den Haufen, bevor er auch nur die Chance hat auszuweichen....



Plötzlich dreht sich die Katze um und springt auf ihn zu. Es geht so schnell, Meergrün kann sich nur halb umdrehen. Schon hat Traumauge ihn umgerannt und läßt den armen Klabauter auf dem Boden liegend zurück.


wiie wer wo denn

was iist passiiert


Erst auf dem Boden kann sich Meergrün ganz umdrehen und noch einem Blick auf den Schwanz der davon huschenden Katze werfen. Dann stürmen auch schon von hinten neue, kratzende Schritte heran.

Die Schritte verhalten nicht etwa, sondern werden nur noch lauter, kratzender, nervenreizender. Bis die dicke, fette Ratte über Meergrüns Rücken hinweg trippelt. Als letzten Gruß schlägt noch mal der haarlose Schwanz nach seiner Nase. Dann ist dir Ratte um die Ecke verschwunden.

Meergrün bleibt mit offenem Mund zurück.



Traumauge gelingt es erst am oberen Rand der Kiste wieder einen klaren Gedanken zu fassen.

'Was ist da denn passiert, woher kommt dieses riesige Monster und was ist das für ein Ding das da im Weg stand' denkt er sich während er noch mucksmäuschenstill die Szenerie beobachtet, vor allen das seltsame Ding das er da umgerannt hat.

'Eigentlich sieht es aus wie ein winziges Exemplar dieser Zweibeiner.... Ob es verletzt ist?'

Noch ist Traumauge viel zu ängstlich, um genauer zu schauen, was er da umgerannt hat, so bleibt er auf seiner Kiste, gibt jedoch derweil laut.

"MiiIau Mah"



Meergrün setzt sich auf seinen Hosenboden und reibt sich die Nase.


diiese fiiese

fiinst're ratte


dreht miit dem schwanz

miir ne nase


na warte biiest

diich kiiege iich


Dann blickt er zu Traumauge auf. Die Katze sitzt ganz oben auf einer Kiste.


"kleiine katze

wiie alt biist du


fragst was iich biin

siiehst du denn niicht


der gute geiist

von diiesem schiif


eiin klabauter

das iist meiin iich


komm doch runter

iich beiiße niicht"


Solche eine Vorstellung ist natürlich noch beeindruckender, wenn man nicht gerade von einer Riesenratte überrannt wurde, auf den Popo sitzt und sich die Nase reibt.



Irgend etwas ist anders an diesem Wesen dort unten. Traumauge versteht nicht recht was es ist, doch etwas signalisiert ihm, dass er hier keine Gefahr wittern muss. Dieses Nase reibende kleine Wesen wirkt fast bemitleidenswert, konnte es doch offensichtlich nicht so schnell fliehen wie er. Eine gewisse Vertrautheit drängt sich in de Vordergrund und der kleine Kater gibt endgültig seiner Neugier nach.

Übervorsichtig und langsam setzt Traumauge eine Pfote vor die andere, immer darauf bedacht das kleine Wesen nicht aus den Augen zu lassen. Er weiß immer noch nicht recht was es ist, aber es ist auf jeden Fall mehr als nur ein kleiner Zweibeiner. Er entsinnt sich langsam an etwas das ihm seine Mutter einst erzählte.

"Mia Meauuuaiu Meai Mauu Auiii Mimeau Mau Auui Mea Miauiii Meau Mauu miau Meh Auuuiau Mioau"



"nur eiin märchen?

was für eiin wiitz!"


Meergrün macht eine Rolle rückwärts und springt vom Boden auf. Dann klopft er mit den Knöcheln der Faust gegen seinen Stirn.


"alles niicht echt

tut auch nicht weh"


Er greift mit beiden Händen jeweils ein Ende seines Schnurrbartes und zieht ihn nach links und rechts auseinander.


"eiin falscher bart

am sagenwiicht"


Daß die Menschen nicht an Klabauter glauben, gut, aber die Schiffskatzen! Naja, wenn der Kleine wirklich noch keinen Sommer alt ist.


"neiin, glaube nur

was mutter sagt"


Meergrün legt die flache Hand auf die Brust und grinst.


"iich biin meergrün

klabautermann


ungelogen

ganz wiirkliich wahr"


Dann aber packt ihn die Neugier und er kann die Gegenfragen nicht mehr zurückhalten.


"lebst du auch hiier

miit deiiner ma"



Als Meergrün vor dem kleinen Kater einen Rückwärts-Salto hinlegt und sich am Bart zieht, macht es fast den Eindruck, dass man ein Grinsen auf dem Katzengesicht sehen kann, aber dann, plötzlich, schlägt der Ausdruck um, in Trauer. Traumauge kommt näher zum kleinen Mann und legt sich kurz vor ihm flach auf den Boden.

"Miaauuuuuu Meehaui Maunz miaaa Meeau"



Bestürzt blickt Meergrün auf den kleinen Kater vor sich.


"tot - ach oh je

was für eiin schlag"


Der Klabauter fällt auf die Knie und legt ihm tröstend seine Arme um den Hals.


"es geht iihr gut

da wo siie iist


ganz bestiimt *sniief*

iich biin siicher"


Meergrün gräbt seine Hände tief in das weiche Fell und streichelt Traumauge beruhigend. Doch auch seine eigenen Augen bleiben nicht ganz trocken.



Gerne lässt sich Traumauge in diesem Moment trösten, die Scheu vor dem kleinen Wesen ist wie weg geblasen. Flach legt er sich hin und reibt sein Köpfchen seinerseits an Meergrüns Händen. Der traurige Blick ist jedoch noch nicht gewichen.

"Me Miau"



"ja wiirkliich gut

wo siie auch iist"


Weiter streichelt Meergrün durch das weiche Katzenfell. Doch es sieht nicht so aus, als würde streicheln allein hier ausreichen.


"hiier schau mal her

wiie siieht das aus"


Der Klabauter setzt sich auf und beginnt seine Hände ganz schnell aneinander zu reiben. Das Wundersame passiert: Die Handflächen werden zuerst immer wärmer. Dann leuchten sie rot auf. Und schließlich erstrahlen beide jeweils in einem warmen, gelben Licht.

Meergrün fasst sich mit der linken Hand an die Nase und das Licht wechselt dort hin. Es sieht so aus, als würde ein kleines Glühwürmchen direkt auf seiner Nase tanzen und es kribbelt nur ein ganz klein wenig. Wenn er die Nase runzelt, dann beginnt der kleine Leuchtball auf und ab zu springen.

Das Licht taucht Meergrüns Gesicht in einen angenehmen Schein. Wer es sehen kann, der sieht, daß sich in den Augen des Klabauters noch nicht das greisenhafte Gesicht widerspiegelt. Im Gegenteil, sie funkeln voller Abenteuerlust und Übermut und kindlichem Spieltrieb.

Meergrün will gerade die andere, noch leuchtende Hand auf die Katerschnauze drücken. Doch da hält er inne, vielleicht will die kleine Katze das ja nicht.



Mit kleinen Katzen ist es manchmal wie mit kleinen Kindern, gerade noch zutiefst traurig, einen Augenblick später bereits quietschvergnügt.

So ist es auch hier, Traumauge gelingt es seinen Kummer schnell beiseite zu drängen, denn das hier ist viel zu interessant, um unbeachtet zu bleiben. Nicht das der kleine Kater sich eine Vorstellung machen kann, was da vorgeht, doch ist es zweifelsfrei ziemlich lustig was der kleine Kerl da macht.

"Mi Me Miauuh"

Neugierig wie Traumauge nun einmal ist, reckt er sein Köpfchen in die Richtung der ihm dargebotenen Hand und beginnt vorsichtig mit seiner kalten Nase daran zu schnuppern.



Auch Klabauter sind nicht lange traurig. Eben noch hat er den tiefen Schmerz des neuen Freundes geteilt, jetzt ist er stolz auf seine Fähigkeiten.


"das iist ganz leiicht

man muss reiiben"


Meergrün setzt das Licht, das noch auf seiner anderen Hand ruht, auf die Nase des Katers. Dort bleibt es sitzen und funkelt hell, während der Glimmfunke auf seiner eigenen Nase schon dunkler wird. Dann beginnt er wieder seine Hände heftig gegeneinander zu reiben. Und schaut, wie der Kater mit dem Licht zurechtkommt.



Vorsichtig aber von der Neugier getrieben lässt Traumauge sich die Berührung der überaus empfindlichen Katzennase gefallen. Der Funke mag nur ein minimales Kribbeln erzeugen. Für eine hochempfindlichen Katzennase ist dies jedoch bereits ein Kitzeln, was dem kleinen Kater erst einmal niesen lässt

"Tschiiii"

Dann jedoch beginnt er mit einer der beiden Vorderpfoten neugierig an dem Licht herum zu spielen, es schein fast so als wolle er es schieben.



Meergrün schaut belustigt auf Traumauge und reibt weiter die Hände aneinander.


"feste reiiben

erst wiird es warm"


"dann wiird es heiiß

biis es hell scheiint"


Der Klabauter nimmt die Hände auseinander und präsentiert zwei neue Flämmchen.


"siie sind lustig

tolles spiielzeug"


Er pustet leicht in die Handfläche und ein Flämmchen, wie von einer Pusteblume, hebt sich in die Luft und treibt durch das Ladedeck, während es langsam verlöscht.



Der kleine Kater ist unverdrossen damit beschäftigt das seltsame Licht von seiner Nase in Richtung der Pfote zu bewegen, mit der er danach hangelt.

"MI Mea AUOI MIA Me Mau Miauio"



"der hiimmel iin

der dunkelheiit?"


Auf Meergrüns Gesicht zeigt sich ein fragender Ausdruck. Er zieht an seinem Schnurrbart, bis plötzlich seine Augen aufleuchten.


"ach iich weiiß es

du meiinst sterne!


jeder weiiß doch

diie sterne siind


diie augen von

luftkobolden"


Meergrün setzt sich im Schneidersitz auf die Planken. Dann hebt er die Hand, bläht die Wangen auf und pustet das letzte Licht mit ganzer Kraft an die Decke, wo es wie ein kleiner Stern funkelnd hängenbleibt.


"jetzt meiin rätsel

sag, was iist das?


vorne ganz weiiß

und hiinten bloß


dazwiischen schwarz

miit rotem kloß"


Ganz aufgeregt wippt Meergrün mit dem Körper vor und zurück. Rätselspiele sind sowas wie der Nationalsport der Klabauter und immer ein Riesenspaß.



Traumauge schaut leicht entrückt in die Richtung des entschwindenden Lichtes, das eigene vergisst er dabei einfach. Aufmerksam beobachtet er das Funkeln des 'Sterns' und wird erst durch die Frage des kleinen Zweibeiners wieder abgelenkt.

"MeaiMi Maui Ma Me Auhh" gibt er mit leicht verwirrter Miene von sich



"was iich meiine

iist doch ganz klar


vorne ganz weiiß

das siind zähne


und hiinten bloß

der nackte schwanz


dazwiischen schwarz

fell wiie pech


miit rotem kloß

eiin auge bloß


der rätselwiitz

diie ratte iist's"


Meergrün freut sich, daß sein Rätsel so gut aufgegangen ist. Er dachte, es wäre ganz einfach. Aber schließlich ist er ja von der Ratte überrannt worden und nicht der Kater. Und offenbar sind Katzen auch nicht ganz so interessiert an Ratespielen wie Klabauter.

Was soll's, es gibt viele andere Sachen, die man an Bord machen kann. Nach einer kleinen Pause setzt Meergrün wieder zum Sprechen an.


"verrat miir doch

wiie heiißt du denn"



Traumauge hat ein wenig Probleme damit, zu verstehen, warum man eine Ratte so kompliziert beschreiben muss, doch offensichtlich hat der kleine Zweibeiner seinen Spaß daran, so schickt sich der kleine Kater jetzt erstmal an die gestellte Frage zu beantworten.

"Aui Me Mau AuE Miau Me Ma Meauianin"



"Meiianiin

Mhaiianiin"


Die Katzensprache geht Meergrün schwer von der Zunge. Kobolde sind normalerweise sehr sprachbegabt. Aber bei diesen tiefen Schnurrtönen verläßt den Klabauter seine hohe Piepsestimme. Das, was Meergrün im dritten Anlauf hervorbringt, klingt fast richtig. Etwas zu hoch und nicht so fein moduliert, wie eigentlich notwendig. Aber der Name und der Klang gefällt ihm.


"Mhooiianiin

eiin schöner klang


er gefällt miir

und paßt zu diir"


Dazu gleitet Meergrüns Blick bewundernd über das nachtschwarze Fell des Katers. Kein Wunder, daß Meergrün die kleine Katze in der Dunkelheit des Laderaum nicht richtig erkennen konnte.



HAVENA - Am Kai: Kontakte der höheren Ebene


Es ist hier auf der Hafenstraße unzählige Gespanne und Fuhrwerke unterwegs, und so sollte man meinen, dass eine einzelne Kutsche mehr nicht weiter auffallen würde, doch hätte man mit dieser Annahme weit gefehlt! Als zwei stolze Rösser um die Ecke getrabt kamen, einen offenen Zweisitzer hinter sich her ziehend, merkten sogar die Schauerleute auf. Einen solchen Prunkwagen sieht man nicht allzu oft im Südhafen. Zudem gibt es kaum einen Bewohner der Stadt, der das pompöse Wappen, das die Verschläge ziert, nicht können würde. Es steht immerhin eine der bedeutensten Familien Havenas dahinter.

Der Mann, der sich auf solch auffällige Weise durch das Hafenviertel kutschieren läßt, ist niemand anderes als Oreis Rastburger, Oberhaupt einer der bedeutensten Handelshäuser Havenas. Zufrieden, ja fast selbstgefällig vor sich hin lächelnd, sitzt er im Fond des Wagens und gibt dem Kutscher mit einem langen Stab die Fahrtrichtung an. Natürlich ist jeder der Passanten auf das Äußerste gespannt, wo der Wagen anhalten würde, wer wohl die Person sein könnte, der zu Ehren sich der bedeutende Handelsherr persönlich vor Ort hin bemüht.

Die neugierigen Gaffer sollten nicht lange warten müssen. Nach einen zackigen Befehl Rastburgers verlangsamt die Kutsche die Fahrt, bis sie zuletzt vor einer kleinen Karavelle aus Riva zu halten kommt. "NORDSTERN" lesen die Leute und schütteln dabei mit dem Kopf. Noch nie hatten sie von diesem Schiff gehört und so konnten sich die wenigsten vorstellen, daß sich ein Fahrgast von Rang und Namen oder zudem vielleicht noch wertvolle Fracht an Bord dieses Schiffes befinden könnten. Was also, in EFFerds Namen, konnte ein so hoher Herr dort zu schaffen haben?


***


Auf der NORDSTERN öffnet sich die Türe zur Suite und die Freifrau Reckinde tritt auf das Oberdeck. Sie dreht sich noch einmal kurz um und ruft durch die offene Tür in die Suite:

"Und das ihr euch auch gut versteht, ihr Zwei. Und, Radisar, möge er daran denken, dass so ein Hund nicht nur trinkt sondern auch einmal das Gegenteil erledigen muss!"

Mit diesen Worten wendet sich Frau Reckinde energisch um und geht, mindestens ebenso energisch, auf die Planke zu, jenes schmale und wacklige Holzstück, dass den Pfad zum Festland markiert. Richtig festlich sieht sie aus, die Freifrau. Sie trägt einen weiten Mantel aus tulamidischer Seide, dazu eine Schärpe aus einem fein gewirktem, golden schimmernden Metallgeflecht, zweifellos ein Meisterstück aus einer Zwergenschmiede. Dicke und zahlreiche Armreifen aus Edelmetall klippern und klirren so lautstark, als stünde eine kampfbereite Ritterarmee schwer aufgerüstet in allernächster Nähe.

Frau Reckinde rauscht über die Planke, mit einer, für sie typischen, geradelinigen Sicherheit, als gälte es nur mal eben die Prinzessin-Emer-Brücke zu überqueren. Ohne ihre Geschwindigkeit zu mindern stürmt sie mit ausgebreiteten Armen auf Oreis Rastburger zu. Der Handelsherr hatte soeben den Wagen verlassen, verharrt aber kurz in Nachdenklichkeit, als er Freifrau Reckinde so machtvoll ihm entgegentrampeln sieht. Man kann ihm fast ansehen, dass er erwägt, zur eigenen Sicherheit, wieder in die Kutsche zurück zu steigen. Doch er bleibt tapfer stehen und überläßt sich aufopfernd den nahenden Liebkosungen Reckindes.

Reckinde umarmt den kleinen Mann mit einer Leidenschaft, welche die Umstehenden, die Zeuge dieser Szene wurden, ernsthaft um die Unversehrtheit des Handelsherren fürchten ließ, zumal Rastburger ja auch nicht mehr der 'Jüngste' ist. Mehr als sechzig Götterläufe lasten schon auf seinem Leben und die haben ihm doch mittlerweile erhebliches an Kraft und Geschmeidigkeit genommen. Doch allen Sorgen und Befürchtungen zum Trotz, Rastburger überlegt Reckindes Begrüßung nicht nur, er scheint sogar geschmeichelt zu sein.

"Ich sehe schon, ihr habt nichts von eurem Temperament verloren. Welch erfreuliche Kontinuität in diesen Tagen des ständigen Wandels! Doch würde ich es schon sehr schätzen, könntet ihr mich wieder auf meine Füße stellen!"

Reckinde errötet etwas, als sie, auf den Hinweis Oreis's hin feststellen muss, dass sie den alten Handelsherren, in ihrer euphorischen Wiedersehensfreude, glatt von Boden weg gehoben hatte.

"Oh ... verzeiht, aber ich habe mich beim Anblick junger, hübscher Männer noch nie recht beherrschen können!"

Als dann Rastburger wieder auf eigenen Beinen zu stehen kommt antwortet er keck lächelnd:

"Wie sehen habt ihr euch auch in diesem Punkt nicht sehr geändert, ihr könnt immer noch so unverschämt lügen wie früher. Ich bitte euch untertänigst: Bitte lügt weiter so ...!"

Rastburger ist noch ein Kavalier alter Schule. Er hält Reckinde den Verschlag auf und macht eine einladende Geste, die Kutsche zu betreten. Als Reckinde Platz genommen hat steigt auch er zu. Mit einer langen, dünnen Gerte tippt er dem Kutscher auf die Schulter.

"Zum Imman-Stadion...!"



HAVENA - Im Südhafen: Herrschaften


Das erste erfreuliche Ereignis des Tages war die Ankunft des Paketes mit den beiden nach Maß gefertigten Hemden gewesen. Di Vespasio hatte eines sofort ausgepackt und anprobiert. Der Unterschied war ganz beträchtlich. Natürlich hatte er auch ohne ein solches den Vortag überlebt, sogar mehrfach, um genau zu sein.

Aber irgendwann hatte das Konfektionshemd dann noch begonnen, ihn zu zwicken, an einer ganz unangenehmen Stelle unter der linken Achsel, ohne daß er für Stunden die Möglichkeit gehabt hätte den Efferdtempel zu verlassen.

Andererseits hatte er so die Möglichkeit, Hochwürden Graustein und Baron von Walden-Alderlach die Geschichte von dem Fund der Heiligen Miesmuschel gleich dreimal in steigender Perfektion und Ausschmückung zu erzählen. Niemals zuvor hatte er sich der Reaktionen seiner Zuhörer so sicher sein können.

Aber auch ein permanent verlängerter Ehrenempfang ist recht anstrengend, zumal der Adlige alle anderen Ehrengäste zu ersetzen hatte, die hier und da in der Stadt herum hetzten und ihm alle gesellschaftlichen Aufgaben übertragen hatte. Eine gewaltige Herausforderung, der er aber, ohne dies besonders betonen zu wollen, durchaus gewachsen war, auch wenn sie ihn am Abend in einen tiefen Schlaf geworfen hatte.

Das zweite erfreulich Faktum des Tages war natürlich der helle Sonnenschein gewesen, so daß sich Frizzi den blauen Rock übergezogen hatte und sich auf dem Deck der Lektüre der 'Schönen Verse' von Miriam Abilech hingegeben hatte, quasi als Einstimmung auf das erwartete dritte erfreuliche Vorhaben, bis die beiden anderen Herren erscheinen würden.


* * *


'Morgenstund hat Gold im Mund' denkt sich Wulff und hievt sich aus der Koje. Normalerweise hat er zu früher Stunde keine Schwierigkeiten, aufzustehen. Doch der gestrige Tag war ja recht ungewöhnlich verlaufen.

'Diese Rennerei, um unseren lieben Mitpassagier Alberik nicht unter die Räder kommen zu lassen! Erst der Schock, ihn unter die Räder kommen zu sehen, dann die Anstrengungen, dies in der Wiederholung zu verhindern. Und zwischenzeitlich hat es sogar mich selbst erwischt...'

Mit Grauen erinnert sich der Geweihte an die schrecklichen Sekunden, bevor ihn die eisenbeschlagenen Hufe zermalmten und die Kutsche über ihn hinweg donnerte.

'Unglaublich! Und heute stehe ich hier, und kann einen neuen Tag begrüßen.'

In tiefer Dankbarkeit, durch dieses fast unerklärliche Wunder ebenso wie der Zwerg mit dem Leben davongekommen zu sein, fällt Onaskje auf die Knie, um PRAios zu danken.

Anschließend erhebt er sich und kleidet sich an. Havena bei Nacht am vorgestrigen Abend hatte sich als weit weniger von bösen Geistern und Dämonen verseucht erwiesen als befürchtet. So verzichtet er heute auf Rüstungen und Waffen, natürlich mit Ausnahme des heiligen Zepters. Rasch legt er Hemd, Hose und Robe an und schlüpft in die Stiefel.

Mit einem Blick in die Kabinenrunde überprüft der Geweihte, ob er auch nichts hat liegen lassen.

'So, keiner mehr da. Na, ist ja auch kein Wunder, wo heute das Spiel stattfinden soll und der Vormittag schon fortgeschritten ist.'

Der Geweihte des Sonnengottes verläßt die Kabine und schließt bedächtig die Türe hinter sich. 'Nur gut, daß ich heute abend in die Doppelkabine umziehen kann. Davon verspreche ich mir doch ein wenig mehr besinnlichen Komfort.'

Rasch erklimmt er die Stufen des achteren Niedergangs und tritt an Deck, wo er auch rasch den Comte erblickt.

"Guten Morgen, Comte di Vespasio. Ich hoffe wirklich, Ihr hattet eine erholsame Nachtruhe."

Frizzi läßt das Heftchen sinken:

"PRAios zum Gruße, Euer Gnaden! Ich darf es schon bestätigen, ich habe wohl geruht."

'Wie ein Toter, um genau zu sein, aber daß wird er an einem solchen Morgen sicher nicht hören wollen, mein Lieber? Hast du es doch gestern selbst von ihm gehört, wie er in einem späteren Zyklus von jener elenden Karosse erfasst wurde.'

"Habt Ihr denn schon einen Bissen zu Euch genommen? Ich selbst konnte kein Gefallen an der Vorstellung finden, ein krümeliges Frühstück hier an Bord einzunehmen, wenn die Stadt edlere Genüsse vorweisen kann."

"Nein, nein, noch nicht." Onaskje blickt kurz zu besagter Stadt und ihrem Hafenpanorama hinüber. "Aber ich bin mir sicher, es ließe sich tatsächlich eine Kleinigkeit in gepflegter Atmosphäre verspeisen. Aber hört, kommt da nicht jemand den Niedergang hinauf? Vielleicht ja schon unser verehrter Herr Schiffsgelehrter und Magiekundige..."

Mit einem leichten Stirnrunzeln hebt er eine Hand an das Ohr und verharrt einen Moment abwartend, in Richtung Niedergang blickend.


* * *


Für Ottam ist der Morgen bereits früh beendet, nachdem er den gestrigen Tag damit verbracht hat die hiesige Station der Beilunker Reiter aufzusuchen und dort zahllose Dukaten zu lassen, um diese trotz der Feierlichkeiten dazu zu bringen unverzüglich aufzubrechen und seine Waren zu holen, die glücklicherweise nicht schwer oder sperrig sind und so direkt von einem der Boten mitgebracht werden können.

Für viele an Bord war der gestrige Tag anstrengend, wenngleich Ottam davon überzeugt ist das keine Anstrengung der anderen mit der seinen vergleichbar ist. 'Wie dem auch sei, etwas Erholung wird gut tun', denkt er sich und in Anbetracht dessen kleidet er sich in edle Gewänder, ganz so wie es für ein repräsentatives Erscheinungsbild von Nöten ist.

Zunächst beginnt er sich zu Waschen, doch heute legt er besonderen wert Darauf, Haare und Bart in perfekten Zustand zu bringen. Die freien Stelle werden sorgsam geschabt. Ein angenehm herbes und offensichtlich sehr teures Duftwasser findet noch sein wohlwollen und er trägt es sorgfältig auf.

Die Kleidung wählt er Heute mit größter Sorgfalt aus, will er doch in perfektem Licht erscheinen. Er wählt ein Hemd aus allerbester Seide, die sauber vom Fachmann gebleicht wurde und darum trotz dieser Behandlung ihren Glanz behalten hat. Darüber trägt er eine pechschwarze Seidenhose, sowie kniehohe Stiefel aus hochwertigem schwarzen Leder. Die Ösen zur Schnürung der Stiefel sowie die Knöpfe der Hose sind aus silbrig glänzendem Metall gefertigt.

Ein gut gearbeiteter Gürtel aus schwarzem Leder mit einer Schnalle in Form eines Silbernen Drachen vervollständigt die Seidene Hose. Am Gürtel befindet sich eine schwarze lederne Tasche sowie eine Scheide in der sich ein hochgradig verzierter, etwa 40cm langer Dolch befindet. Die Klinge ist nicht zu erkennen, doch Griff und Parierstange sind zumindest versilbert, und mit Gravuren und einigen Schmucksteinen versehen.

Über dem ganzen trägt er einen exquisiten Mantelumhang. Das Material ist hochwertige Pechschwarze Seide, die Säume und der Verschluß ist mit Silberfäden bestickt. Das auffälligste Merkmal des Umhanges ist jedoch der Kunstvoll mit aufgestickte Silberne Drache, welcher den gesamten Rücken bedeckt und so echt wirkt, als wolle er sich jeden Augenblick bewegen.

So edel gekleidet betritt er das Deck. Der Schwere Seidenumhang sorgt dafür, daß Ottam trotz seiner eher hageren Gestalt eine imposante Erscheinung abgibt.

Sorgfältig mustert er das Deck und entdeckt auch schnell diejenigen, mit denen er verabredet ist.

Zunächst wendet er sich Onaskje "Euer Gnaden" und dann Di Vespasio "Euer Hochwohlgeboren" zu, um dann beiden ein "Die Zwölfe zum Gruße" zuzusprechen. Seine Augen sind dabei so aussagelos, daß wohl niemand ohne den Einsatz von Magie feststellen mag, ob dieser Gruß gespielt freundlich oder ehrlich gemeint ist...


* * *


Wenige Augenblicke später gehen drei Gestalten hintereinander die Planke hinab, ohne sich lange auf dem zu dieser Stunde (bis auf die obligatorische Deckwache) verwaisten Deck aufgehalten zu haben. Auf dem Anleger angekommen, werden kurz Hände geschwenkt, es wird in Richtungen gedeutet und dabei wird natürlich immer fleißig gelächelt. Anschließend wendet sich die Gruppe nach Westen, dem großen Hafendamm entgegen, und spaziert ohne große Eile los.



'So, dann also, jetzt gehts los. Ich bin ja mal neugierig, wie gesellschaftsverträglich der gute Magister wohl sein wird.' Onaskje wirft unter gesenkten Wimpern einen prüfenden Seitenblick auf den herausgeputzten Magier, sieht aber schnell wieder nach vorne, auf das Hafenpanorama und das Treiben an den Kais. Zwar ist für später ein großartiges Immanspiel angekündigt, aber es scheint dem Geweihten, das es sich viele der ärmeren Schauerleute nicht leisten können, den ganzen Tag mit feiern zu verbringen, sondern daß sie mit jedem Kreuzer rechnen müssen. Anders kann er es sich nicht zu erklären, daß soviele Leute, meist einfach gekleidet, an den Kais unterwegs sind, obwohl nicht sehr viele Schiffe im Hafen liegen.

'Tjaa. Und der seltsame Vogel von einem Comte? Ich glaube, er scheint den Tag in jedem Fall genießen zu wollen.'

Besonders jetzt, am Anfang des Spazierganges, ist der Geweihte darauf bedacht, nicht zu schnell zu gehen, da der gute Comte ja erst vorgestern? Nein, vor drei...? Tagen von diesem Vieh gebissen worden ist und noch leicht zu hinken scheint. Diplomatisch beginnt Wulff das Gespräch auf ganz neutrale Art, laut genug, aber fast zu sich selbst sagt er:

"Ein wirklich herrlicher Tag!"

Dabei legt er den Kopf leicht in den Nacken und blinzelt in die Strahlen der Vormittagssonne.



Di Vespasio legt auch den Kopf kurz in den Nacken und bleibt für einen Moment stehen. Mit der Hand, in der er auch das Buch hat, hält er sich den Hut auf dem Kopf fest, während er sich mit der anderen auf den Spazierstock stützt. Doch die helle Vormittagssonne kann seinen Blick nicht lange fesseln. Statt dessen fällt sein Blick auf seine Begleiter, die nun etwa einen Schritt vor ihm sind.

Zur Linken der Magier. Etwas kleiner und schmächtiger als di Vespasio, in glänzend schwarze Seide gekleidet mit dem silbernen Drachen auf dem Mantel. Von Kopf bis Fuß auf eine Wirkung verfeinert, die er keineswegs verfehlt. Zur Rechten der Geweihte. Ein großer Krieger, im weißen Umhang mit der Sonnenscheibe. Alles an ihm spricht PRAios das Lob, auch wenn er vermutlich überrascht wäre, darauf hingewiesen zu werden.

'Du solltest dich wirklich fragen, wie du zwischen diesen beiden wirkst. Nun ja, die graue Hose paßt ganz gut, aber der Schmuckrock wäre vermutlich doch besser gewesen statt des Roten.'

Die Gesamtwirkung des Trios kann allerdings so schlecht nicht sein, schließlich laufen sie am Pier in voller Breite nebeneinander her, während sich die Menge ehrfürchtig vor ihnen teilt. An wem von den Dreien das liegt, ist allerdings schwer zu bestimmen.

Der Adlige ist jedoch nicht gewillt den anderen einen zu großen Vorsprung zu geben, um eben das eventuell herauszufinden. Daher macht er zwei schnelle Schritte, ohne zu hinken, um wieder aufzuschließen und antwortet Onaskje.

"Ja, tatsächlich, es scheint als wolle der Herr der Sonne heute seine Güte noch mal über alle Aventurier verteilen."



Hätte man ihn vor zwei Tagen gefragt hätte er es sich kaum vorstellen können ausgerechnet mit diesen Beiden durch Havena zu gehen, doch Heute ist in der Tat vieles anders, das allerwichtigste, sein Ware wird ihn wohl rechtzeitig erreichen - und wenn nicht hat er ebenso Vorkehrungen getroffen.

Ottams Gesicht ist sowohl von Stolz, als auch von innerlicher Zufriedenheit gezeichnet. Eine Kombination, die man selten bei ihm sieht.

Das hat selbstverständlich seinen Grund, denn er ist sich sehr sicher, weshalb die Passanten ausweichen, das liegt unumstößlich an seiner machtvollen Ausstrahlung. Anders kann es gar nicht sein.

'Die beiden versuchen sich mit belanglosen Worten voran zu tasten, vielleicht kann man so ja tatsächlich nützliche Informationen erhaschen - später selbstredend - zunächst muss ja eine Basis geschaffen werden.'

Da für Ottam tatsächlich alles gut läuft, fällt es ihm heute auch nicht allzu schwer in das Gespräch einzustimmen und sich gar auf die kommenden Ereignisse zu freuen. Ganz angesehen davon ist er sichtlich damit zufrieden hier die prächtigsten Gewänder zu tragen.

Nachdem der Comte offensichtlich seinen Rede beendet hat, fügt Ottam an:

"Ein schöner Tag, in der Tat. Glücklicherweise bringt uns unsere Fahrt immer weiter gen Praios, so können wir hoffen noch viele warme Tage zu erhaschen. Man stelle sich vor jetzt in Riva zu sein."

Seinem letzten Satz mischt sich, völlig untypisch, ein hauchzartes Lächeln bei...



Es ist wirklich ein sonniger Tag. Man merkt es den Menschen an, daß sie diesen Feiertag genießen wollen, selbst bei all der Hektik, die jetzt noch herrscht, um vor den wichtigen Ereignissen, die zweifellos am Nachmittag stattfinden werden, noch das ein oder andere zu erledigen, gehen alle freundlich miteinander um und Ottams Gesicht ist nicht das einzige, das ein Lächeln zeigt.

Zwei Bewaffnete in den Farben der Stadtgarde Havenas patrouillieren laut miteinander scherzend am Pier entlang. Wären ihre Panzer und Hellebarden nicht, könnte man meinen, sie wären auf einem Spaziergang und wesentlich interessierter an den Auslagen der Geschäfte als an der Aufrechterhaltung öffentlicher Ordnung.

Dem bärtige Bauchladenhändler, der sich vor den beiden in der schmalen Gasse zwischen zwei Häusern versteckt, kann das nur recht sein, so hat auch er ein Grund zu lächeln. Und wer würde einen solchen Tag schon gerne damit verbringen, Verbrecher zu verfolgen oder im Kerker zu sitzen.

"Oh, das ist ja erstaunlich. Als Südländer kann ich euch natürlich nur beipflichten. Aber bei eurem Namen hätte ich erwartet, etwas mehr ..., nun sagen wir Zuneigung, zu kalten Wintern in Riva zu finden."

Di Vespasio klemmt sich das Buch wieder unter die Achsel und schaut zu Ottam herüber.



Nicht nur den Menschen geht es gut am heutigen Tag, auch zahllose Seevögel erfreuen sich neben der hellen und warmen Praiosscheibe an den vielen resten, welchen von den Menschen zurück gelassen werden. Hier ist eine Brotkrume, dort ein rest vom Zuckerkringel. Überall finden die Tiere etwas und kreischen und krähen über den Köpfen der illustren Gesellschaft, als der Adelige Ottam anspricht.

"Oh ihr habt vollkommen recht, ich kann einem ordentlichen Winter in der Heimat durchaus etwas abgewinnen. Aber nur dann, wenn ich nicht gerade an Bord eines Schiffes bin. Wisst ihr, abgesehen davon das es inzwischen kaum mehr möglich sein dürfte den Golf von Riva mit dem Schiff zu verlassen - sofern es nicht bereits im Hafen fest gefroren ist - so ist es doch nicht wirklich erfreulich in Winterlicher Kälte auf See zu sein. Hätten wir hier Heimatliche Temperatur, so würde die Gischt dafür sorgen das ich nun kleine Eiskügelchen aus meinem Bart entfernen könnte. Ist das Meerwasser einmal in Kleidung und Haaren - und das lässt sich bei Winterlicher See im Norden kaum verhindern -, dann friert es sehr viel leichter, da es dann ja nicht mehr in der ständigen mangel von EFFerds Wogen ist." antwortet er, und richtet dabei seinen Blick auf den Comte.



Mit einem Lächeln auf den Lippen hört Onaskje den beiden zu. Wie eifrig ihm in den letzten Wochen immer beigepflichtet wird, wenn das Sonnenlicht zur Sprache kommt...

An die langen Winterabende im Bornland denkt Wulff nicht gerne zurück, diese Jahreszeit war ihm immer ein wenig zuwider. Etwas in Gedanken wirft er Ottam eine Frage zu, die ihn gerade beschäftigt.

"Sagt, mein Herr, wenn Ihr die Kälte auf See nicht so schätzt, wie kommt es denn dann dazu, daß Ihr an Bord dieses Schiffes als Mitglied der Mannschaft seid? Denn dieses Schiff fährt ja auch im Winter wieder soweit nach Norden, wie es das Wetter zuläßt, nicht wahr?"



NORDSTERN - Brücke: Der Wachhabende


Der Kapitän der NORDSTERN steht zwar recht genau hinter dem Steuer, doch er berührt dieses nicht, denn das würde hier im Hafen nicht nur keinen Sinn machen, es wäre auch ziemlich albern.

Sein Blick folgt kurz dem Matrosen, der sich auf dem Oberdeck wohl mit der neuen Matrosin trifft, die Traviana heißt, und schweift dann hinüber zum Hafenbecken und den anderen Schiffen.

Schiffe, das ist etwas, das es Jergan Efferdstreu sehr angetan hat, und so lässt er sich Zeit, die er im Moment ja in der Tat hat, um sie ausgiebig zu betrachten. Normalerweise, auf See, gibt es in den allermeisten Momenten nur genau ein Schiff zu sehen, und das kennt er verdammt gut. Alles andere... das sind entweder brenzlige Situationen, oder so flüchtige Begegnungen, dass sie kaum der Rede wert sind - Fälle wie die ZYKLOPENAUGE sind nun mal glücklicherweise so häufig nicht.

In solche Gedanken versunken steht Jergan auf dem Brückendeck, und hält Wache, denn trotz all der Aufmerksamkeit, die er anderen Schiffen schenkt, würde er es dennoch merken, wenn sich jemand über den recht leeren Kai dem Schiff nähern und an Bord kommen würde. Mehr noch, er würde es fast spüren, denn die Geräusche wären einfach andere...



Allmählich verschwinden diejenigen, die zum Imman wollen, vom Schiff, auf dessen Brücke der Kapitän steht. Wachen, bei denen nichts los ist, sind schon auf See langweilig, im Hafen sind sie das noch viel mehr, weil es einfach nichts zu tun gibt.

Langsam tritt Jergan an das Steuerrad heran, und greift nach einer der Speichen. Fast ein wenig verträumt fahren seine Finger über das polierte und glatte Holz, ehe er etwas fester zufasst, und sich mit einer kurzen Bewegung davon überzeugt, dass das Steuer so gut wie kein Spiel hat. Die Reparatur im Hafen von Salzerhaven hat sich also bewährt, und auch die Sturmfahrt unbeschadet überstanden.



NORDSTERN - Mannschaftsraum: Sigrun und Nirka


Sigrun ist noch immer ein wenig schummrig zumute und nur so ist es zu erklären, dass Nirka schon eine ganze Weile im Mannschaftsraum steht, bevor die junge Matrosin reagiert.

"Guten Morgen," antwortet sie jetzt und dreht sich vorsichtig zu der Bootsfrau um. Schon die leiseste Bewegung straft ihr Kopf mit wütendem Pochen, doch von so etwas lässt Sigrun sich nicht unterkriegen. Tapfer lächelt sie Nirka an und ist sich dabei keineswegs der Tatsache bewusst, dass dieses Lächeln ein wenig schief ausfällt.

"Möchtest du auch zum Spiel?"



Es ist einzig die nicht wirklich helle Beleuchtung des Mannschaftsraumes, die erst einmal verhindert, dass die Bootsfrau sich Sorgen um die Freundin macht, denn so bemerkt sie zwar deren Lächeln, aber nicht, wie genau dieses ausfällt.

"Ja, genau das habe ich vor", antwortet sie knapp, sich sehr wohl darüber im Klaren seiend, dass sie hier vor den anderen Matrosen nicht viel mehr sagen kann - jedenfalls nichts, das eher intimer Natur ist.

"Wenn du nichts dagegen hast, sollten wir bald losgehen, damit wir noch halbwegs gute Plätze im Stadion bekommen."

'Außerdem umgehen wir dann Garulfs Essen...'

Erst lange nach dem Streit mit dem Smutje ist der Bootsfrau nämlich ein gefährlicher Nebenaspekt bewusst geworden, den die Sache hat, und sie ist recht froh darüber, dass es in der Hafenstadt doch viele Alternativen gibt.

"Zu Essen können wir uns ja unterwegs etwas kaufen, meinst du nicht auch?"

Ein kaum sichtbares Grinsen begleitet diese Worte.



Sigrun bemerkt Nirkas Grinsen, als diese vom Essen unterwegs spricht. Doch so ganz kann sie die Belustigung der Freundin weder verstehen noch teilen. Zum Einen weiß sie nicht, dass Nirka sich mit Garulf gestritten hat, zum Anderen ist ihr momentan jeder Gedanke an Essen ohnehin vergangen, hat doch ihr Magen beschlossen, sich dem allgemeinen Unwohlsein des Matrosinnenkörpers anzuschließen.

"Ja, klar", lautet dann auch die knappe Antwort zu diesem Thema.

"Ich bin auch gleich fertig, dann können wir los."

Bereits bei diesen Worten streicht sie sich einmal durch die Haare. Anschließend wird auch die Kleidung kurz 'geglättet'. Abschließend schlüpft Sigrun in Stiefel und Jacke und versucht, trotz des erneut anschwellenden Pochens hinter ihren Schläfen, vergnügt und erwartungsvoll auszusehen.



Die Bootsfrau prüft mit einem kurzen Griff, ob sie ihren Geldbeutel dabei hat, dann geht sie schon wieder einen Schritt in Richtung des Ausganges - draußen ist die Möglichkeit zur Unterhaltung einfach viel besser, und vor allem von unerwünschten Zuhörern fern.

"Für wen bist du eigentlich", fragt sie dann jedoch in den Raum hinein, "für Pottwal Prem, oder für die Havena Bullen?"

Nirka bleibt bei dieser Frage noch einmal stehen, und sieht in Sigruns Richtung, wobei das Halbdunkel jedoch wieder verhindert, dass sie deren Zustand wahrnimmt - zumal diese sich ja auch nach Kräften bemüht, diesen zu verbergen.



Die Zeit ist wirklich schon weit vorangeschritten, und so beeilen sich Nirka und Sigrun ziemlich, um den Anfang des Immanspieles nicht zu verpassen - und um wenigstens im Ansatz noch eine Chance auf halbwegs gute Plätze zu haben.

Sie durchqueren das Hafengelände rasch, eilen dann über den Bennain-Damm, und tauchen dann in Fischerort in das Gewirr der Gassen und Strassen der Hafenstadt ein, die sie vom Vortag - oder... den VortagEN... noch recht gut kennen. So ist es auch nicht schwer, auf dem Fischmarkt etwas herzhaftes fischiges zum Essen zu kaufen, das sie dann während des weiteren Marsches durch die Stadt verzehren.

Während sie am Anfang noch sehr schnell vorangekommen sind, wird das dann zunehmend schwerer, denn zum einen sind durch das schöne Wetter und den Travia-Feiertag viele Menschen unterwegs, und zum anderen wird das Gedränge in der Nähe des Immanstadions immer stärker, denn noch immer ist nicht jeder, den das Spiel interessiert, im Inneren des Stadions.

Immerhin haben die beiden Frauen den Vorteil, dass man ihnen ihren Beruf ansieht, und welcher normale Buerger würde sich schon zwei entschlossenen Seefrauen in den Weg stellen?

So schaffen sie es, in das Stadion zu gelangen, und da sie nur zu zweit sind, ist es auch nicht sehr schwer, sich weiter durch zu drängeln, und schließlich zwei recht gute Plätze zu finden - fern von den entschlossenen Anhängern der beiden Mannschaften, die laut hörbar ihre Schlachtlieder durch das Stadion grölen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Leute rings herum nicht auch ihre Favoriten haben, und auch deren Namen durch die Gegend brüllen, aber sie sind von der doch eher etwas gemäßigteren Sorte, die sich nicht zu großen Ansammlungen zusammen ballt.





IN HAVENA - Auf dem Weg zum Stadion: Perval und Traviana


Nachdem Traviana und Perval den Hafen verlassen hatten, waren sie in die Stadt gegangen. Dort hatten sie die Vormittagsstunden verbracht, indem sie ein wenig durch die Gassen Havenas geschlendert und hier und dort in den Gebrauchtwaren- und Kramläden gestöbert hatten. Während der ganzen Zeit hatten sie miteinander geschäkert und sich amüsiert.


***


Perval hat die Stunden, in denen er mit Traviana allein sein konnte (auch wenn sie nie wirklich allein waren, aber zumindest waren keine bekannten Personen anwesend), genossen. Er hat die Schmeicheleien, mit denen er am Abend der Ankunft in Havena, als die beiden zusammen ein Trinken waren, begonnen hatte, fortgesetzt. Alles in der Hoffnung natürlich, daß der Abend nach dem Spiel in eine gemeinsame Nacht übergehen würde.


***


Am späten Vormittag waren sie in einer der vielen kleinen Tarvenen eingekehrt. Dort hatten sie neben einem guten Bier auch einen guten, stärkenden Eintopf und einen Laib Brot bekommen. Der Eintopf war um Längen besser, als das, was der Smutje die letzen Tage aufgetischt hatte. Neben viel Speck waren auch ordentlich Kartoffeln und anderes Gemüse drin gewesen.

Nach der Stärkung waren sie zum Immanstadion gekommen, wo es eine Weile gedauert hatte, bis sie noch einigermaßen gute Plätze bekommen konnten. Perval hatte der schon etwas älteren Verkäuferin schöne Augen machen und sie mit Komplimenten überhäufen müssen, um noch Karten für zwei Plätze zu erhalten, von denen man das Spiel gut übersehen konnte, aber doch nicht im dicksten Gedränge stehen würde.

Schon auf dem Weg zum Stadion hatte Perval Traviana die Grundzüge des Spiels erklärt (welches nicht Lange dauert) und von seiner Lieblingsmannschaft (und der besten Mannschaft überhaupt) - Königstreu Salzerhaven - geschwärmt (das dafür umso länger dauerte).

Das Stadion war schon ziemlich gefüllt als sie endlich zusammen mit der Masse anderer Leute, die das Spiel sehen wollten, ins Stadion kamen. Auf den Rängen der Heim- und der Gastmannschaft war schon allerhand los. Die Anhänger der beiden Mannschaften versuchten sich, wie es bei einem Spiel halt üblich ist, durch Gesänge gegenseitig zu imponieren, niederzumachen, zu übertrumpfen und zu be- und entmutigen (je nachdem, auf welcher Seite man halt gerade steht).


***


Wäre Perval nicht in Begleitung Travianas im Stadion, hätte er sich sicherlich auf die eine oder andere Seite geschlagen. Wobei er sich wohl auf die Seite der Havena-Bullen gestellt hätte, nicht nur, weil dieses die Heimmannschaft ist und man ja wahrscheinlich mehr Bullen als Pottwal - Anhänger in der Stadt finden würde, sondern auch weil er sich noch an ein Spiel vor einigen Jahren erinnern konnte, wo Pottwal Prem Königstreu Salzerhaven unverdient knapp geschlagen hatte, weil sie den Schiedsrichter in der Halbzeitpause (zu der Königstreu Salzerhaven haushoch geführt hatte) betrunken gemacht hatten, indem sie ihn in ein Faß mit Feuer steckten. So aber widmete er sich mehr Traviana als den Vorbereitungen zum Spiel.



"De Havena Bulln sind dafür bekannt, daß se alle Mittel einsetzen, um zu gewinn. Aber de Pottwale werden sich dat bestimmt nich gefalln lassen. Würd mich nicht wundern, wenn nach dem Spiel de große Klopperei losgeht. Da soll man besser sehn, dat man nich dazwischen is." nimmt Perval das während der Wartezeit zum Kartenkauf und Einlaß geführte Gespräch wieder auf.



Traviana sieht sich um.

„ Hier ist ja jetzt schon viel los. Mich würde das auch nicht wundern...."

Aber Traviana macht sich da keine weiteren Sorgen. Immerhin hat sie ja Perval bei sich....



NORDSTERN - Kombüse: Lampenöl


Dann also Wasser, Garulf nimmt einen der Kruge und füllt an am Faß auf. Gerade so voll, daß man ihn noch tragen kann, ohne ständig aufpassen zu müssen, um nichts zu verschütten. Aber auch nicht so wenig, daß sich jemand über halbvolle Krüge beschweren könnte. Er übergibt der Passagierin den Krug, so das wäre auch erledigt und jetzt noch ... Lampenöl? Das lagert natürlich nicht in der Kombüse, aber eine Passagierin, noch dazu eine, die gerade erst an Bord gekommen ist, in den Laderaum hinunter schicken? Kommt natürlich nicht in Frage. Selber gehen? Doch nicht jetzt, wo jeden Moment wieder jemand nach Essen verlangen könnte.

"Öl, brüngt di der Jung gleich",

gibt er daher der Frau zu verstehen und ruft sogleich mit lauter, kräftiger Stimme in den Gang, Richtung Mannschaftsraum:

"ALRIK"

Um seiner Ankündigung auch einen Sinn zu geben.



"ALRIK!" dröhnt es über sie hinweg. Erschreckt fährt Jandara zusammen. Sie schüttelt den Kopf, denn zurück bleibt ein hartnäckiges Fiepen in ihren Ohren.

'Wenn er das nicht gehört hat...' denkt sie. 'Was fällt diesem Walross ein, hier einfach so loszubrüllen?'

"Schick ihn einfach mit dem Öl zu Laderaum vier."

Sie dreht sich ohne ein Wort des Grußes um und verlässt die Kombüse. Direkt gegenüber liegt, wie sie erst jetzt bemerkt, die Messe. Neugierig wirft die junge Frau einen Blick hinein. Ein Mann, der einem zierlichen Mädchen offenbar ziemlich nah auf die Pelle gerückt ist, begrüßt gerade jemanden, wen, kann Jandara nicht ausmachen. Hin und her gerissen, ob sie nun zurück zu Zach gehen, oder dort in der Messe neue Bekanntschaften machen soll, siegt dann doch die Neugier. Mit einem lapidaren "Seid gegrüßt!" betritt sie die Messe.



Muss der Smutje immer so schreien? Bei dem plötzlichen Gebrüll war Efferdan erschrocken zusammen gezuckt. Doch, der Ruf gilt nicht ihm und so atmet Efferdan einmal tief durch. Da sieht er, wie die Passagierin sich herumdreht und den Weg zur Küche frei macht. Und noch besser, sie hat ihn anscheinend nicht bemerkt, beachtet ihn nicht... Uff!

Seine Chance, den Smutje um etwas zu essen zu bitten, denn noch ist niemand anderes hier. Auch wenn er mit einem Seitenblick auf die Ankommenden befürchtet, dass das nicht mehr lange so sein wird...

Ganz schnell wendet er den Blick wieder ab, als er in der jungen Frau die junge Rahjapriesterin erkennt, denen sie schon in Havena begegnet sind und deren Kleidung nicht unbedingt dazu geeignet ist, viel zu verhüllen...

Aber das ist nicht der eigentlich Grund seines Wegsehens. Sie ist Priesterin und als solche verdient sie Respekt. Wer ist er denn, sie einfach >anzustarren<

Rasch huscht er zur Kombüse, bleibt aber im Türrahmen stehen, so als traue er sich nicht, so ohne weiteres in das Reich des Smutje einzudringen...

"Ähm.." sagt er leise, zaghaft und dabei schüchtern zu Boden blickend...



Grollend legt ALRIK das "gute Hemd" wieder zur Seite und zieht sich wieder das alte, geflickte und halb zerschlissende Arbeitshemd an.

'Vermaledeites Schiff, das! Dämliche Bootsfrau, welche!'

Vorgestern abend musste er noch einiges Besorgungen machen, wobei die Sache mit der Wäscherei und dem Rock vom Comte nur eine von vielen sein sollte. Der freie Abend hatte sich somit rasch erledigt. Und dann erst die Gemeinheit gestern, als er nicht mit zum Fischerfest durfte. Dabei hatte er eine höchst offizielle Einladung, aber da viele der Matrosen früh morgens schon aufgebrochen waren, musste er schließlich allein den EFFerdschrein reinigen. Und das nur, weil man am Vormittag dieses Tages Ratten- oder Katzenköttel dort auf dem Boden gefunden hatte. Außerdem kamen ständig noch Leute vorbei, die dringliche Wünsche hatten, die alle noch vorm Fischerfest erfüllt werden sollten. Es war echt ungerecht - und das nur, weil sich andere Matrosen einfach schneller verdrückt hatten, um der Arbeit zu entgehen.

Aber heute, das war überhaupt die Frechheit schlechthin. Mit der Begründung:

"Du warst ja gestern nicht beim Fischerfest, also bist du gut ausgeruht und kannst arbeiten" wurde ALRIK zu einem weiteren Tag Bordarbeit verdonnert, während andere jetzt teilweise schon den dritten freien Tag in Folge hatten. Sein alter Kumpel Wasuren zum Beispiel.

Und jetzt ruft auch noch der dicke Smutje aus der Kombüse. Das hat ja gerade noch gefehlt. Aber was hilft das jetzt? Wie so oft in den letzten Tagen schluckt ALRIK den Ärger hinunter und trottet zur Kombüse.

"EFFerd zum Gruße", begrüßt er mal pauschal alle auf dem Gang Versammelten. Dann steckt der Schiffsjunge den Kopf in die Kombüse und fragt nur:

"Smutje?"



Da ist der Junge ja endlich. Ohne von seiner Arbeit aufzuschauen, gibt er seine Anweisung:

"Füll ma auf´m Lodedeck de Öllamp´n uf, do unten siehst ja deene Hand vor Ogen nich."

Den immer noch im Türrahmen stehenden Efferdan übersieht der Smutje dabei völlig ...



"Aye, aye."

Zufrieden darüber, die Kommunikation mit dem Smutje aufs Allernotwendigste beschränkt zu haben, macht sich ALRIK daran den Auftrag zu erfüllen. Vor der Kombüse wird es sowieso gerade zu voll, denn kaum ist ALRIK ein paar Schritt den Gang hinunter, schon prasseln diverse Bestellungen und Proviantpaketwünsche auf dem Smutje hernieder.

Auf dem Ladedeck ist es da doch wesentlich gemütlicher - und ruhiger.



NORDSTERN - In der Kombüse: Garulf und Efferdan


Unsicher sieht Efferdan zum Smutje hinüber.

Was soll denn das?

Lampenöl?

Doch bevor er noch richtig darüber nachdenken kann, bestätigt der Schiffsjunge von irgendwo hinter

ihm den Befehl des Smutje.

Und jetzt? Der Smutje hat ihn wohl offensichtlich nicht bemerkt. So leise war er doch gar nicht, oder?

"Ähm, Entschuldigung" versucht er - noch immer etwas zaghaft - sich bemerkbar zu machen

"Smutje, ich... ich... äh..."

Unsicher blickt er hoch, ob der Smutje sich ihm jetzt zuwendet



So, der Junge ist unterwegs, keine weiteren Passagiere zu füttern, dann kann der Smutje ja endlich auch an Land und zum Immanstadion.

´Geit bestümmt schon los bevor ik do bün´ denkt er sich, als er sich leicht grummelnd zur Tür wendet. Doch was ist das? Der schwächliche Matrose, wie hieß er noch gleich, Efferdan? Steht in der Tür.

"Jo, was willste?" fragt Garulf, bereits sichtlich genervt.

´Nimmt dat denn gor keen End?´



`Was hat er denn? Wieso sieht er mich so an? Hab ich irgend etwas falsch gemacht? Oder ihn verärgert?`

Vorsichtig blickt Efferdan Garulf an.

"Ich... ich wollte... nur etwas zu essen... Stück Brot... oder so...." stottert er dem Smutje scheu und unsicher seine Antwort entgegen...



"Hmmm ...", grummelnd und kopfschüttelnd greift Garulf nach dem Teller - zum Glück steht noch eine vorbereitete Portion bereit -

´Nichmol anstännich reden kanner ...´.

Dann noch schnell ein wenig Wasser abgefüllt, was anderes verträgt der Schwächling ohnehin nicht, und das ganze im Rausgehen an Efferdan übergeben, "hier, mittu groß un stark wirst", dann kann es endlich losgehen.

Aufgrund der Aussicht erst viel zu spät zum Stadion zu kommen, noch immer grummelnd stapft der Smutje den Gang entlang zum Niedergang und diesen hinauf.

´So, jetzt no fix dem Kaptein beesched sogn und denn los!´



Stumm sein Brot essend läuft Efferdan in einiger Entfernung hinter Garulf her, zum hinteren Niedergang, um - ebenfalls - den Kapitän um Landgang zu fragen.

`Hoffentlich darf ich...`

Sich dem Kapitän stellen zu müssen, verursacht bei ihm wieder einmal ein sehr mulmiges Gefühl.



NORDSTERN - Oberdeck: Efferdan und der Kapitän


Wenn das stimmt, dann muss Garulf ein guter Smutje sein, denn ohne weitere Umstände drückt er Efferdan einen Teller mit Essen und einen Becher Wasser in die Hand. Und das alles, ohne irgendwelche Fragen zu stellen oder ihn in ein Gespräch verwickeln zu wollen. Zwar sind seine Wünsche etwas kryptisch, doch wünscht er ihm wohl guten Appetit.

Kurz wagt er es, dem Smutje hinterher zu sehen, wie er so - wortlos - davon stapft. Irgendwie fängt er an den Smutje zu mögen. Endlich mal jemand, der ihn nicht dauernd irgendwelche Sachen fragt und der ihm gleich das gibt, was er möchte.

`Jetzt aber... ich muss... will ja noch in den Tempel`

Für einen Augenblick überkommt ihn wieder die Panik, die ihn bei der Vorstellung befällt, wieder durch die engen, vollen Gassen der Stadt zu müssen, aber diese Sache ist ihm wirklich wissen und er hatte sich geschworen, es heute zu wagen.

`Mutiger sein....!` klingt eine weibliche Stimme wieder einmal in seinem Kopf nach.

Rasch leert er den Becher, um seinen Durst zu stillen und stellt ihn dann auf den Tisch. Einen Bissen Brot kauend - den Teller lässt er ebenfalls in der Kombüse - macht er sich auf den Weg nach oben.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Einzug der Mannschaften - Die Zuschauer


So kurz bevor es endlich losgeht, sind die Premer kaum mehr ruhig zu bekommen. Laute Schlachtrufe schallen durch die Reihen und der Blick geht immer wieder zu der Stelle, wo die Mannschaften in jeden Augenblick ein marschieren könnten. Eiligst werden noch die inzwischen geleerten Thins gefüllt, damit alles für die traditionelle Begrüßung der Premer Mannschaft bereit ist.



Während es bei den Premern immer lauter wird, kehrt zumindest bei einem Teil der Bullen-Anhänger beinahe so etwas wie Ruhe ein, eine Ruhe vor dem Sturm, und leise Worte werden gewechselt, fast wie eine Verschwörung oder ein geheimer Plan, in deren Zentrum einige der Seeleute der Gruppe stehen, die ihren Platz so nahe bei den Premern gefunden haben.

Indes... dies betrifft natürlich längst nicht alle, die für die heimatliche Mannschaft jubeln, dazu sind es einfach viel zu viele, und sie sich sich im Gegensatz zu ihrer "Konkurrenz" aus dem Norden auch untereinander einfach viel zu uneinig.

So gibt es hier auch nur eine Gemeinsamkeit zu den Pottwal-Anhängern, und das ist die bevorzugte Blickrichtung...



Unruhe macht sich in den Reihen der Nordländer breit. Irgendwas tut sich dort unten am Spielfeldrand, doch noch ist die beste Mannschaft des Landes noch nicht auf dem Platz. Nur ein einzelner Ochse streckt vorsichtig die Nase durch die Tür, um ein wenig Stadionluft zu schnuppern.

Irgendwie scheint es jedoch zwischenzeitlich ein wenig still hier in der Fankurve geworden zu sein. Doch da ist natürlich schnell Abhilfe gefunden. Einige wenige fangen an, und binnen kurzer Zeit werden alle umliegenden Ränge mit einer weiteren Kostprobe thorwalscher Sauflieder beschallt.


"Lachsrot brennt das Premer Feuer,

Premer Feuer brennt lachsrot.

Lachsrot brennt das Premer Feuer,

Premer Feuer brennt lachsrot.


Und dazu:

Ein gefüllter Kloß mit Rüben. - RÜBEN.

Ein gefüllter Kloss mit Fisch. - FISCH.

Das sind zwei gefüllte Klöße,

Kloß mit Rüben,

Kloß mit Fisch."


Immer wieder singen die aufgebrachten Nordmänner die einfachen Zeilen und immer schneller und lauter werden sie bei jeder Wiederholung. Singen kann man es gewiss längst schon nicht mehr nennen. Vielmehr handelt es sich um ein lautstarkes Gebrülle und Geschrei, das den einzigen Zweck verfolgt, die Havena Fischköpfe in der Nähe restlos zu übertönen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Einzug der Mannschaften - Die 'Bullen'


Während sich draußen noch die letzten Spielbegeisterten auf ihre Plätze kämpfen, regt sich auch im Inneren des Stadions etwas.

Langsam, ganz langsam und mit einem vernehmlichen Quietschen öffnet sich eine jener Türen, die von den Mannschaftskabinen durch einen langen kahlen Gang auf das Spielfeld führen.

Brendan, ein 1.85 Schritt großer, breitschultriger Mann mit mittellangem schwarzem Haar und tief-schwarzen Augen streicht sich erleichtert über sein glatt rasiertes Kinn. Der - wie die anderen Spieler - in ein blaues Trikot mit einem roten Bullenkopf auf der Brust gewandete Torhüter lächelt.

`Die Tür quiescht - gut!`

Mit dieser Tür hat es eine seltsame Bewandtnis. Eigentlich hätte sie schon lange geölt werden sollen, doch immer wieder wurde es vergessen. So auch an dem Tag vor vielen, vielen Jahren, an dem die Bullen im heimischen Station um die Immanmeisterschaften spielten. Damals öffnete der damalige Torhüter die Tür, die laut und vernehmlich quietsche, so dass alle sie hören konnten...

Es war ein perfektes Spiel! Die Bullen flogen nur so über den Platz, ein Ball nach dem anderen landete im gegnerischen Tor, die Bullen überrannten ihre Gegner mühelos. Und seither, gab es kaum ein Heimspiel, das sie nicht hatten für sich entscheiden können.

Seit jenem Tag also ist die Tür nicht wieder geölt worden und man sagt, wenn die Tür einmal nicht vor Spielbeginn quietschen würde, dann würde dass das größte Desaster überhaupt ankündigen...

Brendan dreht sich noch einmal herum und ruft laut in die Menge der Spieler hinter sich:

"Sie quietscht!"

Eine tiefe Stimme hinter ihm antwortet:

"Na, dann kann ja nichts mehr schief gehen. Los, Jungs und Mädels. Lasst uns die Wale zu Hackfisch machen!"

Eine vielstimmiges, lautes "JA!!" brandet aus der geöffneten Tür, als Brendan - als Torhüter - wie üblich als erster hinaus tritt, in der Rechten den Schläger aus gutem Eschenholz, die Linke grüßend empor gehoben...



Die Tür öffnet sich, und nach einem kurzen Zögern tritt der erste Spieler heraus, in dem die Anhänger der heimischen Mannschaft sofort den Torhüter Brendan erkennen. Vorbei ist es mit dem scheinbar uneinigen und vielstimmigen Geschnatter, und es wird genau dieser Name gebrüllt:

"BRENDAN!!! BRENDAN!!!"

Viele winkende Menschen erwidern den Gruß des Torhüters, andere schwenken Fahnen, einige sogar Immanschläger...

Einzig der "Kern" der einen Fangruppe um die Seeleute, die sich bisher durch besonders laute Stimmen auszeichneten, bleibt stiller als zuvor, als würden sie etwas ganz besonderes vorhaben, für das die Zeit noch nicht so ganz reif ist.



In HAVENA - Im Immanstadion: Einzug der Mannschaften - Die 'Pottwale'


Man kann die Luft regelrecht knistern hören. Alle Anwesenden sind derart unter Spannung, daß schon ein kleiner Funke verheerendere Wirkung haben kann als entzundenes Hylailer Feuer. Unruhig klopfen die Spieler und Spielerinnen mit ihren Schlägern auf den Boden. Alle können es kaum noch erwarten auf das Spielfeld zu stürmen.

"Ein Freundschaftsspiel? Pah - es kann keine Freundschaft geben, wenn man das Spiel ernst nimmt!" erklärt Thinmar, der Stürmer.

"Das wohl bei SWAfnir", antwortet Hasgar lachend " bald gibt es 'Bullen-Filet', gut abgehangen, das könnt ihr mir glauben."

Rohes Gelächter ertönt in der Kabine und zustimmend klatschen alle Spieler in die Hände. Die Stimmung steigt noch weiter, obwohl dies fast schon unmöglich erscheint.

"Habt ihr dieses winzige Stadion gesehen?" wirft Aki ein "Auf einer aufgespannten Bärenhaut ist da mehr Platz, das gefällt mir gar nicht!"

Das laute Lachen wird deutlich leiser und auch die Atmosphäre kühlt sich etwas ab. Aki hat in diesem Punkt nicht so ganz unrecht, das Imman-Stadion zu Havena ist tatsächlich sehr klein und dies ist ein echter Vorteil für die Heimmannschaft. In diesem Moment steht Ifirnsgiron, der Kapitän der Mannschaft auf. Dramatisch streicht er sich das rotblonde, strähnige Haar aus der Stirn und spricht mit donnernder Stimme:

"HÖRT 'MAL HER - Mädels und Jungs! Da draußen wartet eine nicht unerhebliche Menge an Nordleuten, die darauf warten, dass wir unser Bestes geben. HABT IHR DAS VERSTANDEN?"

"DAS WOHL!" brüllen alle im Chor.

"ALSO DANN - wir werden da hinaus gehen und die Bullen in handliche Scheiben verarbeiten, wir werden sie auf kleiner Flamme braten und zur Bedeutungslosigkeit verhackstückeln!"

Ifirngiron's Stimme überschlägt sich fast und wütend haut er mit seinem Schläger auf den Boden. Treu machen es ihm seine Mitspieler und Spielerinnen nach und es scheppert wie bei Bosporan's Fall als alle Schläger auf den Boden knallen.

"DAS WOHL!" brüllen alle im Chor.

"WER IST DER SCHRECKEN DES NORDENS?" ruft Ifirnsgiron.

"DIE POTTWALE AUS PREM!" schreien alle im Einklang.

"WER IST DER WITZ DES IMMAN-Spiels?" fragt Ifirnsgiron in lautem Ton.

"DIE KÄLBCHEN AUS HAVENA!" antworten ihm alle Spieler, wie aus einem Munde gesprochen.

"WIR WERDEN DAS SPIEL GEWINNEN UND DAFÜR SORGEN, DASS DER RASEN BRENNEN WIRD!"

"DAS WOHL, DAS WOHL, DAS WOHL ....!" pflichten ihm alle Spieler bei. Tula, eine große drahtige und muskulöse Frau springt auf und kreischt dazwischen:

"WIR WERDEN IHREN SCHÖNEN RASEN ZU EINEM ACKER ZERPFLÜGEN ... !"

"... UND NICHTS ZURÜCKLASSEN ALS BRENNENDE ERDE!" vervollständigt Yngvar und zwirbelt dabei an seinem mächtigen Schnurrbart.

"WER IST DER MEISTER DES IMMAN'S?" schreit Ifirnsgiron in die Runde.

"Die Pottwale aus Prem!" rufen alle Spieler und Spielerinnen zurück.

"ICH KANN EUCH NICHT HÖREN ....!" brüllt der Kapitän.

"DIE POTTWALE AUS PREM!" antwortet die Mannschaft, eine deutliche Spur lauter.

"DAS WAR WOHL NOCH NICHTS!!!!"

"D I E P O T T W A L E A U S P R E M!" schreien alle aus vollem Halse.

"NOCH EINMAL ..... !!!"

"D I E P O T T W A L E A U S P R E M !!!!!!!"

Erst jetzt ist Ifirngiron zufrieden und er lächelt, als er er sagt:

"Nun Freunde, lasst uns nach draußen gehen und den Bullen zeigen, was ein harter Winter ist!"



"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Die Zugang zur Arena ist listiger Weise, wahrscheinlich auch aufgewachsen auf dem Boden 'einschlägiger' Erfahrungen, derart gestaltete, dass es zwei den beiden konkurrierenden Mannschaften kaum 'Berührungspunkte' gibt. Erst kurz vor dem Spielfeld trifft man aufeinander. Man hat wohl in weiser Voraussicht dafür sorgen wollen, dass entscheidende 'Spielszenen' nicht schon vor dem Eingang zur Arena stattfinden können, sozusagen unter Ausschluß der Zuschauer.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Die 'Pottwale' traben in festem Schritt und in strenger Formation aus ihrer Kabine heraus und beflügeln sich dabei selbst mit einem rhythmischen Gesang:

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Besonders Faenwulf, ein Muskelberg von fast nichtmenschlichem Ausmaß, fühlt sich besonders angespornt! Dieser Sing-sang ist seine 'Musik', wahrscheinlich die einzige die er wirklich genießen kann. Sein kahler Schädel leuchtet schier vor freudiger Erregung und seine gigantischen Hände verwandeln sich in diesem Augenblick in gefährlicher Waffen. Man kann nun sehr gut nachvollziehen, warum man ihn den 'Vollstrecker' nennt.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

An der Spitze der Mannschaft läuft Isleif, ein dunkelhäutiger Mann mit schwarzem, krausen Haar, der so aussieht, als hätten sich alle Rassen Aventuriens in ihm vereinigt. Dahinter trabt Ifirnsgiron, der Kapitän der Mannschaft, er gibt mit lauten Rufen den Rhythmus vor.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Nach dem Kapitän laufen zwei Frauen ein, die aus alter Gewohnheit heraus immer Seite an Seite in die Arena einmarschieren. Man nennt die beiden 'die Schwestern', obwohl sie nicht durch verwandtschaftliche Abstammung verbunden sind. Allerdings heißen sie beide Frenhild und auch sonst haben sie viel Gemeinsamkeiten. Beide spielen im Mittelfeld, beide sind hochgewachsen und blond. Zu unterscheiden sind sie aber sehr wohl, denn die eine trägt kurz geschnittenes Haar, die andere langes, fast bis zur Hüfte reichendes Haar, dass sie zum Spiel zu einem Pferdeschwanz zusammen bindet, damit es die Kreise der Spielerin nicht allzu sehr stört. Sie hat sich bisher geweigert ihr Haar kürzen zu lassen, in diesem Punkt ist sie sehr eitel, weshalb man sie statt 'Frenhild' auch gerne 'Feehild' nennt.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Den 'Schwestern' folgen drei weitere Frauen, Algrid - die Mächtige, die ihren Namen nicht zu unrecht trägt, denn mit ihren riesigen Brüsten könnte sie eine Sturmflut hinter den Damm zurück drängen; Tula - das Wiesel, deren Gewandtheit geradezu legendär zu nennen ist; und an der rechten Seite die 'Yeshinna', die in Wirklichkeit Ragnid heißt, aber unter ihrem 'Kampfnamen'sowohl in Prem, als auch darüber hinaus weitaus populärer ist.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Jetzt kommt Faewulf und wie immer läuft er allein. Wahrscheinlich deshalb, da er er zu breit gebaut ist, dass noch weiter Spieler neben ihm laufen könnten. In Wahrheit ist es allerdings so, dass Faenwulf's leidenschaftliche Hingabe zum Spiel sogar seinen Mannschaftskameraden zu gefährlich ist, um sich gerne in seiner Nähe aufhalten zu wollen.

"Ho, ho, ho, ho, .....!!"

In 'gebührenden' Abstand hinter dem 'Vollstrecker' folgend, in einer Viererkette aufgereiht: Thinmar, Hasgar, Aki und Haldar. Die vier bilden wirklich ein beeindruckendes Quartett und ihr 'Schlachtruf' lässt das Gemäuer erbeben.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Jetzt kommen Rorlif und Yngvar, die beide ein entschlossenes Gesicht machen, als gälte es nicht ein Freundschaftsspiel zu bestreiten, sondern darum Al'Anfa zu schleifen. Sie halten ihre Schläger derart stark, dass das Eschenholz schon zu klagen beginnt.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Den Abschluß bildet Torlif, die Otter, der 'Abgott'der Premer 'Imman-Gemeinde'. Für seine Gegner gilt er als einer, den die Niederhölle selbst ausgespuckt haben muss, doch die Premer 'Pottwal-Anhänger' würden ihm jederzeit einen 'Altar' bauen, wenn dies nicht eine Freveltat gegenüber den Zwölfen (und ihren Kindern!) sein würde.

"Ho, ho, ho, ho .....!!"

Da ist es nun also, das Imman-Stadion zu Havena. Guter, weicher Rasen bedeckt das gesamte Spielfeld, nicht nur harte Erde, wie zu Hause in Prem.

"Da fallen sie wenigstens weich, die Bullen!" knurrt Faenwulf vor sich hin.......



Frenetischer Jubel hallt durch die Reihen der Pottwal-Anhänger, als sie endlich ihre 'Lieblinge' entdecken. Und natürlich gebührt den besten Spielern Aventuriens die traditionelle Begrüßung, die sich seit dem Reto-Kelch-Gewinn vor einigen Jahren durchgesetzt hat. Und dass ein jeder schlagkräftige Nordmann seine Jungs namentlich kennt, das ist ja wohl Ehrensache!


"HeeeEEEEeeey Isleif!

UUHH! AAHH!

Du siegst für uuuUUUuuuns!

Und darauf trinken wir!


HeeeEEEEy Ifirnsgiron!

UUHH! AAHH!

Du siegst für uuuUUUuuuns!

Und darauf trinken wir.


[...]


HeeeEEEEeeey Yeshinna!

UUHH! AAHH!

Du siegst für uuuUUUuuuns!

Und darauf trinken wir!


[...]


HeeeEEEEeeey Faenwulf!

UUHH! AAHH!

Du siegst für uuuUUUuuuns!

Und darauf trinken wir.


[...]


"HeeeEEEEeeey Otter!

UUHH! AAHH!

Du siegst für uuuUUUuuuns!

Und darauf trinken wir!"


Und so wird Spieler für Spieler namentlich durch die Premer Schlachtenbummler begrüßt. Natürlich belässt man es da nicht allein bei den Worten, sondern trinkt auf jeden Spieler auch wirklich einen zünftigen Schluck. Fuenfzehn Immanspieler später sind die Thins bis auf den letzten Tropfen leer, die Zuschauer bester Dinge und die Premer Spieler endlich auf dem Immanplatz.



IN HAVENA - Die Herberge in Nalleshof: Aufbruch ...


Etwas überrascht über das plötzliche Lachen Níalyns lässt Torin von seinem Bart ab.

"Oh, ich kann mich sehr wohl an diesen feinen Pinkel erinnern!" antwortet Torin mehr sich selbst. "Er kann nur von Glück sagen, dass du mich in den letzten Tagen von ihm abgelenkt hast. Sonst wäre seine Börse jetzt in meinem Besitz."

Dann jedoch muss auch er lachen.

"Der feine Pinkel denkt jetzt wirklich, dass du eine Schauspielerin bist? Das könnte uns eines Tages noch von Nutzen sein."

Dann hört er plötzlich, wie von der Strasse deutlich sein Name gerufen wird.

'Ameg.'

"Du hattest recht, meine Holde. Ich sage ihm, dass wir gleich kommen."

Kurz schlüpft er noch in seine lederne Hose und wirft sich in sein ehemals weißes Hemd, dann geht er zum Fenster und ruft hinunter:

"Morgen Ameg! Wir kommen gleich runter."



Níalyn hatte Amegs Ruf nur schwach gehört, doch sie nickt Torin zu.

"Gut, dann komm' in die Puschen," sagt sie, während sie sich ihre Stiefel anzieht, "soweit ich weiß, wird es heute ein Spiel der Havena Bullen gegen so ein paar olle Imman-Fischlein aus Prem geben!"

Mit einem gehörigen Ruck hat sie auch den zweiten Stiefel angezogen und steht von dem Bett auf, wo sie sich eben kurz hingesetzt hatte.

"Ich würde es zu gerne sehen, wenn die Bullen diesen thorwalschen Fischköppen ihre Schläger in die Fresse donnern!"

Mit einem Zwinkern klatscht sie Torin kurz auf sein nun bekleidetes Hinterteil.



"Hey! Pass auf du kleiner Wildfang. Zu deinem Glück wartet Ameg auf uns, sonst würde ich dich den ganzen Tag im Bett 'gefangen' halten."

Dann aber geht er auf ihren letzten Satz ein.

"Heute gibt es in Havena ein Imman-Spiel? gut! Und ich hatte mir schon Sorgen gemacht, wie wir an Geld kommen könnten."

Torin schlüpft nun ebenfalls in seine Stiefel und grinst.

"Wenn sich Ameg nicht zu ungeschickt anstellt, dann könnten wir mit Phexens Hilfe bis morgen so viel Geld 'einsammeln', dass wir uns vielleicht sogar eine Kutschfahrt bis nach Gareth leisten können."

Für einen Augenblick schaut er sich nach seinem Hut um, dann fällt ihm wieder ein, dass sein gutes Stück ja auf der Überfahrt über Bord ging. Für einen Augenblick zieht er die Mundwinkel nach unten.

'Hrmg!'

Dann jedoch schnallt er sich das Florett um und zieht seinen Mantel an. Mit einer vielfach ausgeführten Bewegung schultert er den Rucksack und greift nach seinem Stab. Aufbruchsbereit blickt er zu Níalyn hinüber.

"Also, von mir aus können wir."



"Hmm, eine Kutschfahrt," fängt Níalyn zu schwärmen an, "mit gepolsterten Sitzen... Dann würde uns auf der Fahrt mit Sicherheit nicht langweilig werden."

Kurz legt sie ihre Arme um Torin und schmiegt sich an ihn, doch sie will Ameg unten nicht zu lang warten lassen und nach einem kurzen Kuss auf Torins Lippen geht sie zu einem Stuhl, an dem ein Wanderstab lehnt, an dem wiederum ein Tuchbeutel hängt. Sie schnappt sich diesen, blickt sich noch kurz im Zimmer um, ob sie nicht etwas vergessen hat und reibt dabei kurz über den hölzernen Anhänger, der an einem Lederband hängt, das sie um ihren Hals trägt.

"Ich habe auch alles. Gehen wir!"

Níalyn geht auf die Zimmertür zu, öffnet diese und tritt hinaus auf einen kurzen, schmalen Flur. Hier draußen riecht es leicht muffig-holzig und obwohl das Gasthaus einfach ist, so tut es ihr direkt leid, es erstmal zu verlassen. Immerhin war die letzte Nacht in dem Bett mit Torin einfach alveranisch!

Sie stiefelt die enge und steile Treppe hinab, die selbst bei so einem Fliegengewicht wie Níalyn leise knackt und betritt somit eine kleine, warme Gaststube. Es sind keine Gäste hier unten anwesend, denn die meisten werden wohl im Immanstadion oder zumindest auf dem Weg dorthin sein. Somit sitzt die Wirtin, eine dunkelhaarige Frau um die vierzig Sommer alt, gelangweilt am Tresen und blättert in einer Ausgabe der Havena-Fanfare. Erst als Níalyn auf den Tresen zu geht, hebt die Wirtin den Kopf und lächelt die junge Frau freundlich an.

"Travia zum Gruße. Ihr wollt also gehen," sagt sie und lacht dabei kurz, "das kommt mir gut gelegen, denn ihr seid die letzten Gäste, die hier noch im Haus sind und bevor es nicht leer ist, kann ich nicht einfach so zum Spiel gehen!"

Níalyn nickt.

"Ja, wir wollen auch zum Stadion, aber vorher möchten wir noch die Rechnung begleichen."

Kurz geht ihr Blick zu Torin, denn seid Salzerhaven hat sie kaum noch Geld und wird wohl kein Doppelzimmer zahlen können.



IN HAVENA - Im Efferd-Tempel: Fiana unterwegs


Fiana ist sich inzwischen sicher, sie wird erst den EFFerdtempel aufsuchen und später zum Spiel gehen. Immerhin dauert dies eine Weile und die Entscheidung wird sie sicher noch miterleben können.

Also macht sich Fiana auf den Weg vom Oberdeck auf die Planke und schließlich den Hafen. Ihre Gedanken fliegen umher, sowohl der gestrige Tag, eigentlich hauptsächlich der gestrige Tag, aber auch das Spiel und der Besuch im Tempel beschäftigen sie.

Nicht das sie rennt, aber langsam ist sie auch wiederum nicht unterwegs. Ihre Größe macht große Schritte einfach und so steuert sie zielsicher dem Tempel entgegen, den Weg kennt sie ja inzwischen...



Während Fiana durch Havena marschiert - und marschieren kann man ihren Gang wirklich fast nennen - kommen ihr wieder die Bilder des Kindes vor Augen, das sie und Efferdan gerettet haben, dann die seltsame Kiste, nach deren Öffnen das andere Kind vor eine Wand rannte.

'... wo ist die eigentlich abgeblieben?'

Als nächstes muss sie an das Liebespaar denken, schön das sie sich wieder gefunden haben.

In Gedanken merkt sie kaum wie schnell sie vorankommt und den Händler den sie beinahe umgerannt hätte kann sie auch nur noch beiläufig ein "Entschuldigt" zu rufen, denn als sie es bemerkte war sie schon ein gutes Stück weiter.

Bald ist sie am Ziel, schon kommt der Tempel ins Blickfeld.



Fiana hat inzwischen den EFFerdtempel erreicht, welchen sie langsam und angemessen betritt.

Leise schreitet Fiana durch die Vorhalle des Tempel, wo sich auch ein Opferschale befindet. Diese ist ihr erstes Ziel. Fiana legt einen nicht unbeträchtlichen Betrag an Dukaten in die Schale, derer zwanzig an der Zahl und macht dich dann umgehend auf in den Gebetsraum.



IN HAVENA - Vor dem Immanstadion: Die Imman-Anhänger der NORDSTERN treffen ein


Es geht tatsächlich einiges drunter und drüber, bis sich eine kleine Gruppe sprichwörtlich in letzter Minute vor Spielbeginn am Eingang des Immanstadions einfindet.

Silana, Alberik und Hjaldar treffen schon im Gang im Unterdeck aufeinander und wechseln noch einige Worte mit einer hübschen Rothaarigen, die es Hjaldar durchaus angetan hätte, wäre er nicht schon der festen Überzeugung, den 'Hauptgewinn' erfochten zu haben.

Während dessen bringen sie den armen Smutje fast zum Rotieren mit ihren Verpflegungswünschen 'zum Mitnehmen' ... der gute Garulf möcht' fast meinen, der Thorwaler und die zierliche Geweihte hätten seit Tagen nichts gegessen...

Am Oberdeck trifft die Gruppe kurz darauf mit Hesindian und Darian zusammen, welche sich ebenfalls dem Troß in Richtung Immanstadion anschließen.

Ole und Wasuren schließlich werden praktisch 'im Vorbeigehen' im Salzfaß aufgesammelt, wo sich die beiden noch eine Stärkung vor dem großen Spiel gönnen.

Aber letztendlich schafft es die Gruppe doch auf den letzten Drücker in das Stadion zu gelangen - längst sind leider all die guten Plätze besetzt und in den Kurven, wo sich die 'echten' Fans sammeln paßt nicht einmal mehr eine Handbreit zwischen die dichtgedrängten Körper der grölenden und singenden Anhänger von Pottwal Prem und den Havener Bullen.

Nicht zuletzt Oles, Wasurens, Alberiks und Hjaldars 'Durchsetzungsvermögen' ist es zu verdanken, daß sich die Gruppe dann doch noch einen annehmbaren Standplatz erkämpfen kann, von wo man zumindest den Großteil der Spielfläche überblicken kann.





IN HAVENA - Im Immanstadion: Jandara


Rasch, ohne auf eine Erwiderung ihres Grußes zu warten, setzt sich Jandara auf einen leeren Platz ein wenig abseits der drei anderen. Sie stellt ihren Teller und den Krug vor sich ab. Nun kann sie auch den Dritten erkennen, den der Mann vorhin begrüßt hatte.

'Ein Zwerg?'

'Eine Rahjageweihte? Dieses Schiff ist wirklich hochinteressant.' stellt sie zufrieden fest und, um ehrlich zu sein, freut sie sich schon bei der Aussicht darauf, die nächsten Tage hier auf der NORDSTERN zu verbringen.

'Hoffentlich ist der Praiot wirklich von Bord gegangen.'

Die Erinnerung an den Sonnenanbeter schiebt sich wie eine dunkle Wolke vor ihre aufkeimende gute Laune. Dennoch, herzhaft in den Käse beißend beobachtet sie unauffällig die drei anderen.



Schon auf dem Weg zum Stadion, hatte Jandara ihren Entschluß bereut, die Gruppe zu begleiten. Doch wie alles in letzter Zeit, war auch dies keine Entscheidung gewesen, die sie selbst zu treffen hatte, sondern, jedenfalls schien es ihr so, griff momentan das Schicksal selbst mit harter Hand in ihr Leben ein. Doch in diesen Zeiten ist alles im Wandel und die Sterne hatten ihr schon gesagt, dass in wenigen Götterläufen nichts mehr so sein würde, wie es jetzt war...

So ist sie also hier, zwischen all diesen zwar wirklich netten, jedoch auch sehr fremden Menschen und fühlt sich sooo verloren. Wenigstens geht es dem Schönen gut, denn ihr war es gelungen, kurz vor dem Aufbruch noch schnell Wasser, Käse und Brot in den Laderaum zu bringen. Zach hatte selig geschlafen und nicht einmal aufgeschaut, als sie den Teller vor ihm abgestellt hatte.

Jetzt schweift ihr Blick über die vielen Menschen in dem Stadion. Von Imman hat sie keine Ahnung und auch jetzt interessiert es sie so gut wie gar nicht. So viele Menschen auf einem Haufen und alle rufen, johlen, lachen oder beschimpfen sich. Die, die da gerade auf dem Spielfeld auflaufen, werden laut bejubelt oder ausgebuht.

Plötzlich wird ihr Blick starr. Da, keine zehn Schritt vor ihr sitzt ein leuchtend-blonder Lockenkopf! Das Mädchen aus der Taverne! Wieder hängt sie am Arm eines kräftig gebauten Thorwalers, der gerade durchdringend auf zwei Fingern pfeift.

Cern!

'Das kann kein Zufall sein,' überlegt Jandara, 'ich sollte hierher kommen. Oh, warte nur, du Lump, wenn das Spiel zu Ende ist, dann werden wir uns sprechen und ich wette, dass du mich dann auch wiedererkennen wirst!'

Zufrieden und auch ein wenig dämonisch grinsend, atmet die rothaarige Frau tief durch und richtet sich darauf ein, dass Spiel nun doch genießen zu wollen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Sigrun und Nirka


Ein Platz ist gesichert, von dem aus die Sicht ganz gut ist, und, was noch viel wichtiger ist, an dem sie beide gemeinsam sind und sein können.

Unten im Stadion beginnen derweil die beiden Mannschaften mit dem Einmarsch, und während rings herum das Tosen immer mehr anschwillt, beugt Nirka sich zu Sigrun herüber und stellt leise die Frage, die sie vor dem Aufbruch schon einmal gestellt hatte, und die ein wenig untergegangen ist:

"Für wen bist du eigentlich?"

Diesmal ist die Frage so leise gestellt, dass sie außer Sigrun sicher niemand wahrnimmt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Sinnliche Akrobatik - Silana und Hjaldar


Mit glänzenden Augen und rotleuchtenden Wangen steht die im Vergleich zu ihren Begeitern kleine Geweihte im grölenden Gedränge und schiebt aufgeregt sich manche süße getrocknete Dattel in ihren, nicht weniger süßen Mund.

Noch nie in ihrem Leben hatte sie so viele Menschen auf einmal gesehen. Sicher, sie hatte viele rauschende Feste in ihrem Tempel zu Belhanka erlebt, zu denen sich viele Männer und Frauen eingefunden hatten, doch nie wurden diese mächtigen Massen an Menschen erreicht, mal davon abgesehen, dass die Atmosphäre eine völlige andere war, zumindest an den Anfängen der Feste.

Wie fröhlich doch all diese Menschen sind, singen sie doch all diese Lieder, deren Texte die Rahjanovizin leider nicht verstehen kann. Zugegeben, die Melodien scheinen zwar recht einfach, doch gleichzeitig wirken sie sehr mitreißen.

In den letzten Minuten seit ihrer Ankunft hat sie verstanden, dass sich das Zentrum der Konzentration sich auf das Feld in der Mitte bezieht, doch leider kann sie nichts davon sehen, da genau vor ihr zwei riesenhafte Gestalten stehen, die zudem noch übergroße Helme besitzen.

Nachdem es ihr auch nicht viel hilft, auf der Stelle auf und ab zu hüpfen, wendet sie sich an ihren Zimmergenossen zu ihrer rechten Seite, zu ihrer linken befindet sich der junge Hesindegeweihte, und fragt Hjaldar mit einem freundlichen Lächeln, wobei sie den Kopf in den Nacken legt und die Stimme etwas erhebt, um den allgemeinen Geräuschpegel zu übertönen:

"Wäret Ihr so freundlich, mir zu Kund zu tun, was dort unten auf dem Feld geschieht? Ich kann leider gar nichts sehen."



Auch Hjaldar kann sich nicht zurückhalten und stimmt in die wilden Gesänge der Pottwal-Anhänger mit ein. So bekommt er beinahe gar nicht mit, daß ihn Silana anspricht. Erst die Worte "...leider gar nichts sehen." lassen ihn aufmerken.

"Ich Döspaddel!" schlägt er sich mit Hand vor die Stirn "Wat mal, dat hammer gleich."

Ohne viel Federlesens umfaßt er Silana fest und doch auch vorsichtig - er will ihr ja schließlich um nichts in der Welt wehtun - an den Hüften und hebt sie in die Höhe, so daß ihr Kopf mindestens zwei Köpfe über die anderen Zuschauer hinweg ragt.

Eigentlich würde er sie sich jetzt einfach auf die Schultern setzen, denn ihm ist klar, daß er auch die zierliche Rahjani nicht über längere Zeit so halten kann, dafür müßte er schon wahrlich trollgleiche Kräfte besitzen - doch deren langes Gewand macht dieses Unterfangen natürlich zu einer schwierigen Aufgabe.

"Kiek amol, ob Du irgendwie uff mien Schultern klimmen kannst."

Da sie ja Arme und Beine frei bewegen kann, sollte das schon irgendwie zu schaffen sein. Daß er bei dieser Aktion den Einzug der Pottwaler ins Stadion gar nicht richtig mitbekommt ist zwar Pech, aber das Wichtigste ist eh das Spiel und das Feiern hinterher...



Von dieser Position aus auf die Schultern zu kommen, ist ein schwieriges Unterfangen, selbst für eine so wendige junge Novizin. Doch während sie sich in Hjaldars Händen umdreht und beinahe katzenhaft, wenn auch ein wenig tollpatschig die Schultern erklimmt, kommt

es ihr sehr zugute, dass ihr Kleid, obwohl lang, doch mit zwei tiefen Schlitzen versehen ist. Natürlich hat dies zu Folge, dass es auch den Zuschauern zugute kommt, denen bei der Akrobatikvorstellung des schwarzhaarigen Mädchens völlig neue Aussichten zuteil werden, während sie mehr oder weniger geschickt, aber letztendlich erfolgreich die Schulter ihres Helden erobert hat.

Nun kann auch sie endlich den Einlauf der Mannschaften verfolgen.

'Welch kraftvolle Menschen' ist ihr erster Eindruck, während sie mit einem fröhlichen Jauchzen kundgibt, dass ihr der Platz auf Hjaldars Schultern durchaus gefällt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Einzug der Mannschaften - Die 'Bullen'


Im Gegensatz zu den »Pottwalen«, die ihren Einmarsch mit einem lauten Schlachtruf begleiten, sind die Havener Spieler still. Der Grund ist ganz einfach - die Menge ist ihr Schlachtruf! Und so bilden die einzeln hintereinander aufmarschierenden Spieler einen Ruhepol, der auf manche Mannschaften auf Grund seiner Einzigartigkeit in diesem Station weit erschreckender wirkt als lautes Geschrei. Ein Spieler der »Rebellen von Gareth« bezeichnete dies Ruhe einmal nach einer Niederlage der Rebellen als »die Ruhe, die Golgaris Flügelschlag inmitten dem Brausen tausender Seelen auslöst, bevor er zustößt um denjenigen ins BORons Reich mitzunehmen, dessen Zeit zu Ende ist«.

Hinter Brendan, der den Jubel der begeisterten Fans sichtlich genießt, betritt ein 1.73 Schritt großer Mann das Spielfeld, kräftig, aber nicht allzu breit, das rotblonde Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, den Vollbart fein gestutzt, die grau-grünen Augen in grimmiger Erwartung glühend. Verwegen und zu gleich drohend leuchtet eine lange Narbe auf seiner linken Wange. Tamlin, so der Name des Mannes, reckt den Schläger in die Höhe und läßt ihn mit einer flinken Handbewegung einmal drohend kreisen. Der Bremser ist dafür bekannt, dass er mit vollem Körpereinsatz spielt und das bekam schon so mancher auf sehr drastische Weise zu spüren...

Hinter ihm stampft Rumpo auf das Spielfeld, der von vielen einfach nur "Der Fels" genannt wird. Mit 1.96 Schritt für einen Mittelreicher schon recht groß, lassen der massive und sehr kräftige Körperbau und der breite Stiernacken ihn noch breiter wirken. Das blonde Haar stoppelt sich auf seinem mächtigen Schädel, Kinn und Wangen sind glatt rasiert. Eine immer wieder gern erzählte Anekdote berichtet, dass einmal ein Andergaster Spieler schreiend Reißaus nahm, als er der mächtigen Fäuste gewahr wurde, mit denen Rumpo sogar - so sagt man - Kindsköpfe zerdrücken könnte... oder eben Pottwale!

Conn, der jetzt mit federndem Schritt auf den Rasen tritt, spielt noch nicht lange bei den Bullen, doch hat er schon durch einige spektakuläre Aktionen für Aufsehen gesorgt und so ist der 1.87 Schritt große, gut gebaute Mann mit den glatten braunen Haare und Kinnbart schon ein fester Teil der Mannschaft.

Der hellrote Lockenschopf dahinter gehört Tibraide, einer kräftigen Frau, die fröhlich den Fans zu winkt. Die blauen Augen und die Sommersprossen auf ihrer Hellen Haut geben ihr ein etwas spöttisches Aussehen und wirklich ist sie auch auf dem Spielfeld für so manchen Spaß zu haben. Grinsend muss sie an die Überraschung denken, die sie sich für die Premer ausgedacht hat.

Neelke dreht sich noch einmal grinsend um, bevor sie hinter Tibraide das Station betritt. Wer direkt gegenüber in den Rängen sitzt braucht wohl einige Zeit, bevor er erkennt, dass dicht hinter der etwas korpulenteren, drallen, dunkelblonden, 182 großen Neelke ein weiterer Spieler den Rasen betritt.

"Zeigs ihnen, Großer" grinst sie vergnügt, ehe sie einen Seitenschritt macht, um den Blick auf die kleinere Person hinter ihr frei zu geben.

Tatsächlich steht dort ein waschechter Zwerg, den Schläger beinahe wie ein Axt in beiden Händen schwingend. Das schwarze Haar des 1.42 Schritt großen, wehrhaften Angroschims ist sorgfältig zu zwei Zöpfen gebunden, der gepflegte Bart reicht ihm bis zu den Hüften. Grimmig funkeln seine felsgrauen Äuglein. Verstärkt wir der Eindruck noch durch die schwarzen Kohlensalben - Streifen auf Wange und Stirn, die fast so wirken als zöge er in eine Schlacht. Genaugenommen ist es für ihn das auch, denn ein guter Kampf muss ja nicht immer mit scharfer Klinge geführt werden.

Vielleicht ist Ramolosch deswegen bei den Havenern auch so beliebt, den in der Tat ist er dafür bekannt, dass er es versteht, sich in - wie es landläufig so schön heißt - typisch zwergischer Manier einen Weg durch die größeren Gegner zu bahnen. Auch jetzt macht er den Eindruck, als hätte er sich vorgenommen, den ein oder anderen »Pottwal« zu Mittag zu verspeisen...



Brendan betritt das Stadion, und gibt damit den Weg für die anderen Spieler frei. Doch... noch einmal hallt sein Name durch das Stadion, getragen von vielen hundert oder sogar mehreren tausend Stimmen, die versuchen, gegen die ebenfalls extrem stimmgewaltige Begrüßung der Premer anzukommen:

"BRENDAN!"

Sekunden später, und einiges Stimmgewirr später, hat die Menge ihren Rhythmus gefunden, und der nächste Name wird gebrüllt:

"TAMLIN!"

Und dann geht es in rascher Folge weiter, sobald ein Spieler das Stadion betreten hat, wird sein Name gebrüllt, und Fahnen und Imman-Schläger werden geschwenkt:

"RUMPO!"

"CONN!"

Die Namen werden extrem laut gebrüllt, und dennoch gibt es hin und wieder Stimmen, die es schaffen, selbst daraus auszubrechen, und viele von denen gehören Frauen...

"TIBRAIDE!"

"NEELKE!"

Insbesondere die männlichen Fans begrüßen die beiden Frauen mit besonders lauten Geschrei, als gelte es, alleine gegen all die anderen Tausend anzubrüllen, um von der jeweiligen Spielerin besonders gut gehört zu werden.

"ROMOLOSCH! ROMOLOSCH!"

Die Art, wie der Namen des Zwergen gebrüllt wird, weist darauf hin, dass die Fans ihn und seine Art des Spieles sehr mögen, und dass er einer ihrer absoluten Helden des Imman ist.

Dann endlich drängen sich die stimmgewaltigen Seeleute wieder in den Vordergrund, und ausgehend von ihnen und den sie umgebenen Anhängern der Bullen breitet sich ein Lied aus, zuerst nur laut, aber dann immer lauter, bis es schließlich SEHR laut ist:


"Romolosch heißt unser Zwerg,

Er malt sich seine Streifen an,

Greift sich die Esche, auf ans Werk,

Niemand ihn aufhalten kann.


Rom, Rom, Romolosch ist unser Held

Rom, Rom, Romolosch ist unser Held

Rom, Rom, Romolosch ist unser Held

Rom, Rom, Romolosch ist unser Held


So mancher denkt ´ach ist der klein´,

´Der darf doch gar nicht auf das Feld´,

Rom haut ihn um, so muß das sein,

Romolosch ein jeden fällt.


Rom, Rom, Romolosch ist unser Held

Rom, Rom, Romolosch ist unser Held

Rom, Rom, Romolosch ist unser Held

Rom, Rom, Romolosch ist unser Held"



Für einen Moment schleicht sich die Andeutung eines Grinsen über die Züge des Zwerges, als er den Gesang der tosenden Menge hört. Jaja, die Menschen wissen ihn zu schätzen... Nicht dass ihm das wirklich etwas bedeuten würde - jedenfalls würde er es nie zugeben - ist er doch nur hier, weil dieses Spiel immer viel Spaß und eine nette Prügelei verspricht. Aber es ist doch schön, jemanden zu haben, den es freut, wenn man zeigt, was man kann...

Noch einen Moment bleibt Romolosch vor der Tür stehen, aber dann macht auch er Platz für die nächsten Spieler.

Bei den beiden Männern, die nun - nebeneinander - den Rasen betreten, könnte so mancher der zum ersten Mal ein Spiel der Bullen sieht denken, er wäre betrunken. Denn bei diesen beiden kann man wahrhaft sagen man sieht doppelt. Gun und Cuil sind nämlich Zwillinge. Beide sind dünn, gutaussehend, besitzen helles blondes Haar, grüne Augen und pflegen einen leichten Flaum über ihrer Oberlippe. Wie ein Mann schreiten sie geschmeidig einher, im perfekten Gleichschritt mit so ziemlich genau derselben Körperhaltung. Wie schon unzählige Male vorher winken beide im exakt selben Moment ihren Fans, um dann - ebenfalls gleichzeitig - zur Seite zu treten. Gun nach links, Guil nach rechts.

Dann ein kurzer Moment, in dem Nichts geschieht, in dem die Aufmarsch-Kette abgerissen zu sein scheint. Doch natürlich wissen die echten Fans, wer nun kommt. Genau in dem Augenblick, da die Erwartung unerträglich zu werden droht, in dem sich normalerweise die ersten fragen, ob etwas passiert ist, genau dann tritt eine weitere Gestalt durch die Tür. Eine Gestalt bei der wohl vor allem die Herzen der männlichen Zuschauer höher schlagen. Von ihren Verehrern wird sie oft als "die wohl schönste Frau auf dem Immanfeld" bezeichnet, und in der Tat kann man Lyn äußerst gut aussehend nennen.

Schlank und langbeinig ist sie, das enge - Neiderinnen würden es als zu eng bezeichnen - Trikot betont ihre weiblichen Rundungen noch. Das lange blonde Haar legt sich wie Sonnenstrahlen um ihr zartes Gesicht mit den wundervollen blauen Augen und den vollen, roten Lippen. Den Schläger anmutig in der linken, winkt sie mit der rechten Hand grazil ihren Fans und wirft so manchen Handkuss in die Reihen ihrer Verehrer.

Der in etwas Abstand hinterher laufende Dunvallo fällt eher durch seine für die Spieler in dieser Mannschaft eher geringe Größe von 1.69 Schritt und seine bronzefarbene Haut auf. Seine Augen gleichen in ihrer Schwärze Kohlen und ebenso schwarz ist sein Kraushaar. Sein Körper ist schlank und sehnig und sein Gang erinnert wohl ein bißchen an den lauernden Gang eines Panthers auf Beutejagd.

Als nächstes folgen Raika, eine etwa 1,90 Schritt große Frau mit rotblondem Pferdeschwanz und grünen, leicht mandelförmigen Augen, und Scibor. Scibor ist 1.68 Schritt groß und wohl fast ebenso breit. Sein Vollbart steht in Kontrast zu seinem kahl rasiertem Schädel. Doch das ist nicht das Auffälligste an diesem Mann. Auch nicht seine schiefe Nase, die wohl nicht nur einmal gebrochen war. Wirklich auffällig sind die vielen Tätowierungen, die seinen Körper zieren. Da ist zum Beispiel diese grüne, grauenhaft anzusehende Seeschlange, die sich seine Arme entlang ringelt...

Auch Faerwyn ist inzwischen durch die Tür getreten. Der mit über 30 Götterläufen für einen Immanspieler schon recht alte kräftige Mann mit hellbraunen Haaren, braunen Augen, Kaiser-Alrik-Bart und leicht abstehenden Ohren reiht sich in die Gasse ein, die die Bullen bilden.

Vierzehn »Bullen« stehen nun auf dem Platz, sieben rechts, sieben links der Tür, zu einer Gasse aufgereiht. Es ist, als ob sie auf etwas warteten und in der Tat, ein Spieler fehlt ja noch...



Kaum ist das Lied zu Ehren des Zwergen verklungen, geht der Einmarsch weiter, und auch die Menge der "Bullenfreunde" verfällt wieder in den Rhythmus, der sich so schnell herausgebildet hat.

"GUN!!! CUIL!!!"

Ganz gelingt diese Begrüßung nicht, denn ein nicht gerade kleiner Anteil der Rufenden ruft statt dessen:

"CUIL!!! GUN!!!"

Doch dann steigert sich das ohnehin laute Brüllen noch weiter, als Lyn durch die Tür tritt, und manch ein Ruf, der da erklingt, wäre in feiner Gesellschaft nicht wirklich angebracht, doch zum einen ist das hier keine feine Gesellschaft, sondern ein Immanstadion, und zum anderen gehen diese Rufe im allgemeinen Gebrüll ohnehin unter.

"LYN!!! LYN!!!"

Auf einigen Rängen brechen nahezu Prügelein zwischen Fans aus, die jeweils meinen, ausgerechnet IHNEN habe einer der Handküsse gegolten, die Lyn da verteilt hat...

"DUNVALLO!!!"

geht es weiter, gleich gefolgt von

"RAIKA!!!"

"SCIBOR!!!"

und dann schließlich: "FAERWYN!!!"

Die Helden der Fans stellen sich auf, und das Gekreische wird für einen Moment lauter, um sich dann in einen neuen Ruf umzuformen, der den noch fehlenden Spieler, von dem natürlich auf Seiten der Havena'er JEDER weiß, wer es ist, auf das Feld zu locken:

"CATHAL!!! CATHAL!!!"

Es ist laut, sehr laut, wie sie das rufen, als gelte es, mit den Rufen ganz Havena zu beschallen, und als gelte es, dass man das selbst in Prem noch hören soll.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Misstrauen - Alberik und Jandara


Alberik ist sehr verärgert. Es liegt nicht daran, daß er wegen den ganzen viel zu groß geratenen Menschen nichts anderes sehen kann, als die Rücken der Leute, die vor ihm stehen.

Es liegt auch nicht daran, daß die Leute, mit denen er hier hin gekommen ist, sich alle amüsieren, er selber aber noch nicht einmal weiß, wie ein Immanspiel überhaupt aussieht.

Auch daß er dafür bezahlen mußte, stört ihn im Moment nicht sehr. Obwohl der Preis viel zu hoch erschien.

Und es liegt nicht daran, daß er direkt neben der rothaarigen Frau steht, die der Zwerg bisher noch nicht auf dem Schiff gesehen hat, und der Alberik aufgrund ihrer Haarfarbe äußerstes Mißtrauen entgegenbringt. Schließlich weiß man ja, daß rothaarige Menschen immer etwas mit Elfen und Kobolden zu tun haben. Es gibt zwar auch rothaarige Zwerge, aber das ist etwas anderes!

Doch nichts von dem ist so schlimm, wie der momentane Verlust seiner Axt. Hatte er doch schon nur seinen Lindwurmschläger vom Schiff mitgenommen, und die anderen Waffen auf seiner Koje liegengelassen. Doch auch diese mußten man ihm noch am Eingang des Stadions abnehmen, egal wie sehr er versprochen hat, diese nicht zu benutzen, egal was passieren würde.

Nun steht er hier zwischen den ganzen Menschen, und fühlt sich beinahe schon nackt. Zumindest seine Rüstung durfte er behalten. Aber ohne Axt ist man kein richtiger Zwerg mehr.



Noch immer behält Jandara den ihr verhassten Thorwaler im Auge. Doch irgendwie scheint er zu merken, dass er beobachtet wird. Langsam dreht er sich um und Jandara hockt sich schnell hin und beginnt an ihrem Stiefel zu nesteln.

'Blödsinn, sich zu verstecken, soll er mich doch sehen!' denkt sie trotzig.

Sie blickt zu Seite und bemerkt den Zwerg. Jetzt, da sie auf Augenhöhe mit ihm ist, hat sie das Gefühl ihn auch ansprechen zu müssen.

'Der arme Kerl kann ja gar nicht sehen, was auf dem Spielfeld vor sich geht. Vielleicht schaut er deswegen so grimmig drein?'

Doch da sie in ihrem Leben schon so manches mal mit den Angroschim Bekanntschaft gemacht hat, weiß sie auch, dass es meistens daneben geht, wenn man einen Vertreter dieses Volkes aufheitern will. So zwinkert sie dem Zwergen nur schelmisch zu und richtet sich dann wieder auf, erleichtert feststellend, dass Cern sich wieder mit dem blonden Mädchen beschäftigt.

Noch einmal blickt sie nachdenklich auf den Zwerg herab.



'Ah, sie hat mich angeblinzelt.'

Erschreckt will Alberik einen Schritt von der Rothaarigen wegmachen, und tritt dabei dem dort im Weg stehenden auf die Füße.

'Ein Zauber? Hat sie mich mit einem Elfenzauber belegt? Elfen sagen immer irgendwas seltsames, wenn sie zaubern. Hat sie das auch gemacht?'

Alberiks Augen wandern zu dem Mund der Rothaarigen, wie um seine Worte zu überprüfen. Nur nicht in die Augen schauen, das ist wichtig.

'Nein, ihre Lippen bewegen sich nicht. Trotzdem wäre es besser, von ihr weg zu kommen.'



'Was schaut der denn so misstrauisch? Ach, das kleine Volk ist wirklich schwer zu verstehen, sieht ja fast so aus, als fürchte er sich vor mir...'

In diesem Zustand will Jandara den Zwerg keineswegs lassen. Während ein Raunen und Jubeln durch die Havenaer geht, streckt die junge Frau dem Zwerg die Hand entgegen und stellt sich ohne jede Koketterie vor:

"Ich bin Jandara, aus Weiden. Und Ihr?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Traviana und Perval


Der Rang, auf dem Traviana und Perval ihre Plätze haben, hat sich mittlerweile bis auf den letzten Platz gefüllt. Das er durch die Menschen um sie herum teilweise recht eng an Traviana gedrückt wird, stört Perval dabei am wenigsten. Genießt er es doch regelrecht, ihren Körper zu spüren. Nur wenn er allzu stark angestoßen wird, verschafft er mittels Ellenbogen und bösen Blicken ein wenig mehr Platz.

Von ihrem Standpunkt aus können sie das Spielfeld gut überblicken. Als die Spieler nacheinander einlaufen, stimmt Perval ein in das Gerufe der Besucher. Insbesondere bei Spielern, die er kennt. In den kurzen Pausen, zwischen den Hoch- und Buhrufen, erklärt Perval Traviana die Funktion der jeweiligen Spieler. So langsam nimmt ihn die Atmosphäre des kommenden Spiels gefangen.



Auch Traviana stören die vielen Menschen, die sich von allen Seiten heran drängen nicht. Sie genießt es, bei Perval zu stehen.

Sie sieht auf das Spielfeld und versteht gar nicht richtig, warum die Menschen hier so ein Gebrüll machen.

Sie selbst kennt dieses Spiel ja nicht, und kann das schlecht nachvollziehen.

Währenddessen überlegt sie sich auch schon einmal, welche Mannschaft ihrer Meinung nach gewinnen sollte.

Doch mit der wenigen Erfahrung fällt ihr das natürlich schwer.

'Für welche Mannschaft war Perval doch gleich.... ach ja....'

Sie erinnert sich wieder, aber sie entscheidet sich dann doch vorläufig, das Spiel recht neutral anzusehen.

Vielleicht kann sie sich ja während dem Spiel entscheiden, ob sie nun für die eine oder die andere Mannschaft

ist.........



IN HAVENA - Im Immanstadion: Sigrun und Nirka


Bei der hier herrschenden Lautstärke hat sogar Sigrun Probleme, Nirkas leise gestellte Frage zu verstehen, obwohl die beiden Frauen direkt nebeneinander - und dicht aneinander - stehen. Doch die Wortfetzen, die bis zu der Matrosin durchdringen, sind kaum falsch zu verstehen und außerdem fällt Sigrun ein, dass Nirka ihr diese Frage schon einmal gestellt hat, sie selbst allerdings im Zuge des allgemeinen Aufbruchs nicht dazu gekommen war, ihr zu antworten.

Grinsend sieht sie sich um, bevor sie antwortet:

"So eine Frage stellst du hier? Das ist ja lebensgefährlich!"

Dann beugt sie sich noch ein wenig näher zu Nirka, damit sie wirklich niemand sonst verstehen kann.

"Eigentlich finde ich es am Wichtigsten, dass es ein spannendes Spiel ist. Und ich mag die Stimmung im Stadion ... Aber wenn die Bullen gewinnen, ist das schon richtig so."



"Ich weiß", gibt Nirka ebenso leise zurück, während ihre Lippen beim Sprechen fast Sigruns Ohr berühren.

"Weißt du, Imman interessiert mich schon, nur habe ich keine wirklichen Favoriten. Aber du hast schon recht, das Spiel selbst ist es, worauf es ankommt, und ein Sieg der Einheimischen sollte wohl für die beste Stimmung hier in der Stadt sorgen."

Sie wirft kurz einen Blick in Richtung der Nordmänner, die der zahlenmäßigen Übermacht der Havena'er ihre Stimmgewalt und anscheinende Einigkeit entgegensetzen.

"Wobei die Premer auch nicht schlecht vertreten sind!"



IN HAVENA - Durch den Südhafen: Die drei 'Herrschaften' und der faule Fisch


In angenehmem Gang passieren die drei Herren ein weiteres Schiff und folgen dem Verlauf der Straße ein wenig nach links. Ein wenig weiter vorne beginnt schon der Bennaindamm, zur rechten Hand das Becken des Südhafens, zur linken Hand die Fluten der Unterstadt. Obwohl das Treiben immer noch relativ geschäftig ist, sind hier in der Nähe des Dammes weniger Leute unterwegs als noch gerade auf den Kaianlagen. Die Mehrzahl dieser Leute ist, gerade wie die drei Seereisenden, auf dem Wege in die Stadt hinein, oder in Richtung des Efferdtempels, der sich ja unweit der anderen Dammseite befindet.

Direkt vor den Dreien kommt ein zerfledderter, vergammelter halber Fisch(?) in Sicht, ein an sich nicht gerade ungewöhnlicher Anblick. Jedoch fällt der arme Fisch auch eher durch den besonders stechenden Geruch auf, der schon jetzt, im Abstand von einigen Schritten, nicht nur geeignet ist eines jedermannes Nase zu beleidigen, sondern auch um ein gewisses schnürendes Gefühl im Gaumen zu erzeugen.



'In Kuslik hätte es so etwas nicht gegeben!'

Im Gehen wechselt di Vespasio das Buch unter den rechten Arm und klemmt es dort ein. Zwar kann er so nicht weiter mit dem Stock in regelmäßigen Abständen auf den Boden stoßen, dafür hat er eine Hand frei, mit der er ein weißes Taschentuch aus dem Ärmel zieht und vor den Mund hält. Sonst ist von ihm nur ein leises "Pfui!" zu hören



Auch Ottam bemerkt den Geruch der Verwesung, doch ist er bemüht dich dies so wenig wie möglich anmerken zu lassen. Lediglich ein kurzes Streichen über den Bart, mit einem etwas zu langen Verweilen in der Höhe der Nase lässt vermuten, dass auch er den Geruch alles andere als schätzt.

Damit ist er nicht alleine, denn dieser Kadaver ist bereits so verwest, dass selbst die zahlreichen Seevögel nicht mehr den Mut haben, etwas davon zu verzehren.

Auf die Frage des Geweihten wendet er sich diesem zu und erwidert:

"Nun wisst ihr, an Bord lässt sich gutes Geld verdienen, ohne dass ich die Zeit verliere um mich meinen Forschungen zu widmen, da ich ja nur im Bedarfsfall eingreifen muss. Zum anderen sehe ich jede solche Reise selbst als Forschungsunternehmen. Gerade wenn es die NORDSTERN so weit in den Süden verschlägt, lassen sich sicherlich einige neue Erkenntnisse erlangen."

'Und irgend jemand muss ja aufpassen, dass dieser Schwachkopf von Kapitän nicht noch das Schiff verhöckert, weil ein armes Kind nichts zu Essen hat' fügt er in Gedanken hinzu.

'Fiana würde da wahrscheinlich noch mit machen und Nirka hat ihre Autorität so ziemlich verloren, wenn man sich so über die Gesprächsfetzen der Mannschaft nachdenkt'



Ah, das verstehe ich wohl. Und ein wenig gesunden Geschäftssinn kann wohl jeder gut vertragen, besonders, wenn sich solch eine gute Gelegenheit ergibt, wie das wohl bei Euch der Fall gewesen sein mag."

Auch Onaskje kommt nicht umhin, den Fischgestank einatmen zu müssen. Ein leichtes Würgen kann er nur mühsam unterdrücken, da ihn sein leerer Magen sehr aufdringlich an gewisse Notwendigkeiten der menschlichen Existenz erinnert.

'Woran der wohl forscht? Ich will doch nicht hoffen...'

"Ach ja. Das Wissen, es hilft uns so oft, neue Erkenntnisse zu erlangen."

'Und fast ebenso oft wird es genutzt, um sich Vorteile gegenüber anderen zu verschaffen, auf eine Art und Weise, wie sie kaum weniger göttergefällig sein könnte. Und dann noch dieser überhebliche Magier, dieser Charakter hat doch eine Ursache! Und wie er sich schon in dieser schwarzen Prachtrobe präsentiert. Etwas - überheblich, will mir scheinen.'

Harmlos läßt der Praiospriester seinen Blick über das Wasser schweifen und gibt seiner Stimme einen gleichgültigen plätscher-plauder Unterton:

"Welche Fachgebiete interessieren Euch denn besonders? Ich könnte mir bei Euch sogar so praktische Wissensgebiete wie etwa das der Mechanik vorstellen, da Ihr ja auch geschäftlich eine recht - äh - auf der Hand liegende Strategie verfolgt?"

Mit einem angewiderten Gesichtsausdruck kickt er den ihm im Wege liegenden Fischkadaver aus dem Weg, nicht zu seinen links laufenden Begleitern, sondern nach rechts über die gemauerte Anlegerkante. Darauf hoffend, daß die Blicke der anderen beiden, jedoch besonders der des Magiers eher dem Fisch folgen würde, als ihn selbst zu beobachten, wirft er kurze - so hofft er - unauffällige Seitenblicke unter halbgesenkten Augenliedern auf den Magier, und beobachtet seine Regungen.



'Ach ja das liebe Geld. Glücklicherweise bist du mit mehr davon gesegnet als du ausgeben kannst. Aber das war nicht immer so, mein Freund. Man muß halt auf sein Glück vertrauen und die Gelegenheit, wenn sie sich bietet, beim Schopfe packen. Oder eben heiraten.'

Di Vespasios Augen folgen dem Fisch. Dazu nimmt er auch das Taschentuch von der Nase.

'Ach, der arme Stiefel. Ich hoffe seine Gnaden schleppt jetzt nicht den Geruch weiter mit uns herum.'

Dann wendet er sich wieder dem Gespräch zu, denn auch er ist nicht ganz uninteressiert, woran der wohlgelehrte Herr arbeitet.



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Die 'Bullen'


Die Menge tost, das ganze Station gleicht einem riesigen Hexenkessel. Sie alle wurden mit lautem Jubel begrüßt, doch die vor Erwartung gepeitschen Rufe, die jetzt durch das Station rollen, weisen darauf hin, dass die Fans vor allem einen Spieler sehen wollen.

`Wie macht er das nur?` fragt sich Tamlin nicht ohne Neid, während er darauf wartet, dass der Kapitän der Havena-Bullen und absoluter Publikumsliebling das Station betritt.

Tibraide dagegen lächelt still in sich hinein.

`Gleich...`

Auch der Mann, der für die Fans noch unsichtbar im Dunkel des Ganges steht lächelt. Groß, muskulös und breitschultrig ist er. Weißblondes Haar glitzert mit strahlend-blauen Augen um die Wette.

Cathal lässt noch einen Augenblick vergehen, lässt die auffordernden Rufe der Spielbegeisterten auf sich wirken. Genauso wie Lyn liebt er es, genau an jenem Moment herauszutreten, da die Spannung der Fans schier unerträglich wird Und irgendwie glaubt er das seinen Fans auch schuldig zu sein.

Endlich ist es soweit.

Mit einem kräftigen Satz tritt er hervor ins Tageslicht, zeigt sich der johlenden Menge. Seine rechte Hand mit dem fein gearbeiteten Schläger aus Eschenholz - in den seine Initialen sorgfältig eingeritzt und farblich unterlegt sind - reckt sich wie immer dem Blau des Himmels entgegen. Laut und wohltönend ruft er der Menge ein von den eingefleischten Fans sicher schon sehnlich erwartetes "HAVENA!" entgegen.

Doch etwas ist nicht wie sonst. Normalerweise reckt Cathal auch die Sieges gewiß geballte linke Faust empor. Diesmal nicht. Daran ist vor allem Tibraide »Schuld«, die ihn vorgestern noch mit einem neckischen Gedanken zu begeistern wußte. Diesmal trägt Cathal nämlich etwas unter seinem linken Arm. Zuerst halb verborgen, wird es nun für so ziemlich alle sichtbar, als der Kapitän der Bullen es in die linke Hand nimmt und es deutlich der Menge präsentiert.

Es handelt sich dabei um einen aus Stroh gefertigten Wal...

Grinsend läßt Cathal die Arme sinken und macht sich auf den Weg zu den einmarschierten Pottwalen, begleitet von zwei Reihen ebenfalls feixender Bullen.



Das Tosen der Havena'er scheint bereits sein Maximum erreicht haben, doch sehr bald zeigt sich, dass solch ein Schein leicht trüben kann, denn es steigert sich noch weiter, als der Held des Imman auf das Feld tritt.

Seine Worte, in die Menge gerufen, werden begeistert aufgefangen, und es schallt ein vielstimmiges "HAVENA! HAVENA!" durch das Stadion, das jedoch rasch wieder abgelöst wird durch den vorher gegangenen Ruf:

"CATHAL!!! CATHAL!!!"

Brüllendes Gelächter begleitet die Präsentation des Strohwals, und eine Vielzahl von Rufen brandet auf, die im Einzelnen kaum verständlich sind, zusammen aber einen ungeheuren Krach ergeben.

Einzeln machen sie vielleicht "Zeigts ihnen!" "Macht sie platt!" und dergleichen mehr bedeuten, aber die Wirkung ist auch so vorhanden.

Der Bootsmann der einen Gruppe, die kurz vor dem Stadion den Beinahe-Zusammenstoß mit der einen Gruppe der Nordmänner hatte, ist ein wenig enttäuscht, dass die Schau so von seiner Idee abgelenkt wird, aber kaum, dass das Tosen auch nur ein wenig nachlässt, steckt er zwei Finger in den Mund zu einem gellenden Pfiff, was dazu führt, dass zuerst seine Freunde, und dann immer mehr andere Menschen in das einstimmen, was er mit lauter Stimme zum besten gibt:


"In einer Stadt am Großen Fluß,

Im Reich von Eschenholz und Kork,

Ist´s für die Bullen ein Genuß,

Ihr Käpt´n macht so manches Tor.


Und dieser Käpt´n den wir meinen der heißt Cathal

Großer, schneller, bullenstarker Cathal - Cathal

Caaaathal zeig´ uns deinen Schlag,

Zeig´ uns wie man Pottwal jagt,

Wir lieben alle unsern Käpt´n namens Cathal,

Caaaathal - Caaaathal - du führest uns zum Sieg ..."



IN HAVENA - Im Immanstadion: Wasuren wird gestoßen


Wasuren streckt und recht sich um so viel wie möglich von dem mitzubekommen was auf dem Spielfeld vor sich geht. Mit einem schon fast dauerhaften Schmunzeln auf den Lippen schiebt und drängelt er ein wenig mit der Menge im Fanblock der Bullen.

Auf einmal verzieht sich Wasurens Gesicht für einen winzigen Augenblick in Schmerzen und ein erstauntes "Uuff!" geht in dem Gejohle unter.

Wasurens Ellenbogen zuckt in die Richtung, in der er jemanden vermutet der ihm diese Scherzen zu gefügt hat, aber der Stoß geht nur ins leere und der Schmerz in seinem Fuß ist immer noch da.

In einer unterbewußten Geste schwingt gleich darauf sein Arm schon wieder los, um den Schmerz zu vertreiben. Dieses mal aber gestreckt und mehr grober in die ungefähre Richtung.

Als Wasuren jemanden mit dem Seitenschwung etwas trifft guckt er kurz nach unten.

"Mensch Alberik pass doch auf !!!" brüllt Wasuren gegen den Tumult an um sich dann gleich wieder Kopf schüttelnd der Aktion im Stadion zu widmen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenke - Darian und Ole


Zwar fällt es Darian bei all den Riesen in den Reihen vor ihm von Zeit zu Zeit etwas schwer, zu überblicken was auf dem Spielfeld vor sich geht, zwar fühlt er sich in der Menschenmasse doch ziemlich bedrängt und muß manches Mal einem allzu stürmisch geschwungenen Ellenbogen ausweichen aber dennoch blickt er möglichst konzentriert auf das Feld. Nun sind die Spieler also auf dem Feld, jetzt geht es sicher gleich los. Doch was ist das, einer der Havener trägt ein Strohgebilde zu den Premer Spielern hinüber.

´Was trägt er denn da? Sieht beinahe aus wie ein Wal ...´

Einer seiner großen Begleiter sieht sicher mehr, da Hjaldar gerade mit der Rahjageweihten beschäftigt ist wendet Darian sich an Ole:

"Sagt mal, könnt ihr sehen, was er dort in der Hand hält?"

Der Versuch auf den entsprechenden Spieler zu zeigen schlägt angesichts des Gedränges und der Entfernung jedoch fehl.

"Sieht beinahe aus wie ein Wal oder so etwas."



Ole schreckt richtig auf, als ihn Herr Darian anspricht. Er ist ein bißchen abgelenkt gewesen, den in seinem Gedärm grummelt es mächtig. Diese Kräutermischung, die er heute morgen so unfreiwillig schlucken mußte, tut offensichtlich ihre Wirkung. Zwar war der alte Schiffszimmermann,zusammen mit Wasuren, noch ordentlich eingkehrt und hatte tüchtig gespeist - mehrere Portionen Ochsenfleisch, um sich in geeigneter Weise auf das Spiel einzustimmen -, doch hatte das alles die erhoffte Wirkung verfehlt. Zwar fühlt sich der Schiffszimmermann nicht mehr hungrig, doch ist er sich nun nicht mehr so sicher, ob es nicht besser gewesen wäre hungrig zu bleiben. In seinem Magen blubbert es wie in einem Kessel eines Pechkochers und jedesmal, wenn er ausstoßen muss füllt sich sein Rachen mit dem Geschmack jener unseligen Kräuter, die er gewöhnlicher Weise zu Zahnreinigung verwendet.

Wahrscheinlich hätte Ole, in seinem Jammer, auf die Frage des Magus gar nicht reagiert, wenn dieser nicht etwas erwähnt hätte, dass den Thorwaler richtig hat aufmerken lassen, so dass alle sonstigen Probeme in den Hintergrund gedrängt worden wären.

Voller böser Ahnungen blickt Ole forschend in die Richtung, die ihm der Magus gewiesen hat und mit steigendem Entsetzen muss er erkennen, dass Herr Darian durchaus recht gesehen hatte. Ole wird bleich, doch diesmal ist der Grund nicht sein Magengrimmen, sondern blanker Zorn.

"Diese Hurensöhne haben es gewagt gegen den Herren SWAfnir zu freveln!"

Nun kommt richtig Bewegung in den mächtigen Körper des Schiffszimmermanns, er trampelt mit den Füssen und schwenkt die starken Arme und in dem Eifer des 'gerechten Zorns' merkt er gar nicht, dass er dabei zur Gefahr für die Umstehenden werden könnte.

"Habt ihr DAS gesehen Herr Darian, habt ihr DAS gesehen ... ?"

In seiner Raserei erinnert sich Ole nicht mehr daran, dass ihn der junge Magus überhaupt erst auf diesen Umstand hingewiesen hat.

Er brüllt zur Premer Mannschaft hinunter, ohne allerdings dabei die geringste Chance zu haben, dass die Spieler dort unten ihn auch nur annähernd hätten verstehen können:

"Schnetzelt sie gründlich, Jungs und Mädels, ein Fass Premer für jeden Bullenkopf den ihr mir bringt ..... !"



Mit der Vermutung, es handele sich bei dem Strohgebilde um einen Wal, liegt Darian also richtig. Der Sinn dieser Aktion wird dem jungen Magus jedoch nicht sofort klar. Dann muß er eiligst Oles Ellenbogen ausweichen, was dazu führt, daß er einem der hinter ihm stehenden auf den Fuß tritt. Zum Glück ist der getretene viel zu sehr mit seinem "Havena! Havena!"-Geschrei beschäftigt, um dies überhaupt zu merken. Auch auf die eilige Entschuldigung des Adeptus reagiert er nicht im geringsten.

Erst nach einigen Augenblicken kommt Darian wieder dazu sich mit dem Strohwal zu befassen:

´Natürlich! Die eine Mannschaft heißt ja POTTWAL Prem.´ fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Allerdings ist SWAfnir, dessen heiliges Tier eben jener Pottwal ist, immerhin ein Kind zweier der Zwölfgötter.

´Wissen die eigentlich was sie da tun?´ denkt der Adeptus besorgt. Zwar wird wohl kaum der Wal selbst erscheinen, um den Frevel zu rächen, doch ein wütender Haufen Thorwaler ist kaum weniger gefährlich ...



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Die 'Pottwale'


Die Mannschaft der 'Pottwale' steht in Formation und betrachtet den seltsamen Aufmarsch der 'Bullen' eher gelangweilt. Das ist eben so, das gehört dazu, die Heimmannschaften unternehmen immer eine Art 'Stadionzauber'. Wieso sollte dies in Havena anders sein? Als sich diese, nach der einheitlichen Meinung der 'Pottwale' sehr triviale Inszenierung des Einmarschs, doch sehr lange hinzieht, macht sich bei den Spielern und Spielerinnen eine gewisse Ungeduld breit. Unruhig hacken sie mit ihren Schlägern auf den, noch sehr unschuldigen Rasen ein.

Als dann endlich der Kapitän der Bullen erscheint, der 'Oberbulle' sozusagen, und sich mit einer quälenden Langsamkeit in die Arena windet, dass ihn selbst ein berauschter Boroni noch wie im Galopp überholt hätte, neigt sich die Geduld der Nordmannschaft schon ziemlich den Ende entgegen. Manche knirschen mit den Zähnen, dass es für die Umstehenden, selbst noch durch das Tosen der Zuschauer gut zu hören ist. Eitel wie ein Pfau stolziert er herein, der 'Herr aller Rindviecher' und badet genüßlich in den Ovationen der Menge, wie eine Tänzerin vor dem Verlust des letzten Schleiers.

Isleif stöhnt ungeduldig auf, beugt sich seitlich zu Ifirnsgiron und flüstert ihm zu:

"Beim heiligen Wal, der Kerl trägt bestimmt rosa Unterwäsche. Schau doch genau hin, der hinterläßt ja eine größere Schleimspur als ein ausgewachsenes Morfu!"

Ifirnsgiron kichert albern und antwortet:

"Lass mal gut sein, nachher, im Spiel, frißt er dieselbe Scheiße wie der Rest der 'Hornvieh-Truppe!"

"Sag mal, was trägt denn dieser gepuderte Ochse unter dem Arm?" wirft Faenwulf ein und blinzelt vor sich hin, um etwas genauer beobachten zu können.

"Das ist ja ein Wal aus Stroh !!! Der hat sie wohl nicht mehr alle, dieser Kuhtreiber, dem werde ich doch gleich einmal seine Hörner in den Pansen drücken .... !!"

Faenwulf ist außer sich, sicherlich hätte er sich noch im gleichen Augenblick auf den Kapitän der gegnerischen Mannschaft gestürzt, wenn ihn Ifirnsgiron nicht zurück gehalten hätte. Wie eine Mutter auf ihr störrisches Kind, spricht der große, schlanke Mann mit den glänzenden, roten Haaren auf den rasenden 'Vollstrecker' ein.

"Beim SWAfnir, bleib doch gelassen, Mann, du siehst doch, das Ding ist aus Stroh. Das werden sie wohl aus ihren Köpfen genommen haben, wahrscheinlich haben sie alle zusammen gelegt, damit es auch reicht. Dafür werden nachher, im Spiel dann, ihre Schädel ordentlich hohl klingen ... !"

Die Möglichkeit, dem 'unheiligen' Kerl auf dem Feld alles heimzahlen zu können, was er durch seine Schmähungen an 'Verbindlichkeiten' noch offen hat, beruhigt den Wüterich etwas, zumindest um so viel, dass es nicht schon vor dem Spielbeginn zu ersten Schlägerei kommt.

Die Zuschauer bekommen von den Vorgänge so gut wie nichts mit. Nach außen hin wirkt die Truppe von 'Pottwal Prem' wie eine abgeklärte, erfahrene Mannschaft, die zwar von Kraft und Entschlossenheit nur so strotzt, sich aber sonst durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Doch die Anhänger der Pottwale wissen natürlich ganz genau, dass dies nur eine Fassade ist und eine dünne noch dazu und tief in den Herzen der Spieler und Spielerinnen eine Leidenschaft wohnt, die dem Immanspiel erst so richtig die Würze gibt und den Sturm der Orken wie ein Spiel im Sandkasten aussehen läßt.

"Ho - ho - ho .... !" stimmt Ifirnsgiron an und alle seine Kameraden und Kameradinnen machen spontan mit.

"HO - HO - HO ....!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Traviana und Perval


Auch Perval stimmt in den Jubel mit ein als Cathal das Spielfeld betritt. Wer kennt ihn schließlich nicht, den Kapitän der Bullen. Schon will er einstimmen in den noch lauteren Ruf der Menge als Cathal eine Figure wie zum Hohn der Pottwale in die Luft hält. Doch da erkennt er, was dieses "Figur" darstellen soll - einen Wal!!!!

'Ja, wat macht `n de da? Will de etwa de Götter selbst verhöhnen? De kann doch nich.'

"Siehste uch wat ich seh, Traviana. Hat de Kerl da wirklich eenen Wal us Stroh? Will den de de Herr SWAfnier beleidign? Kannste dat gluben?" bricht es aus Perval hervor, mehr gestammelt als gebrüllt.



Die ganzen Menschen, sogar Perval jubeln. Aber Traviana sieht nur auf das Feld und findet es schon lustig, wie die Menschenmenge jubelt und brüllt. Doch dann sieht sie auch diesen Wal.

„Stimmt, ich sehs auch..."



"Oh!"

Erstaunt blickt das junge Mädchen auf das rotbraune Tierchen. Die erste Frage der Blaugewandeten bleibt unbeantwortet, denn Cavara zieht sichtlich ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich. Ein zögerndes Lächeln stiehlt sich in ihre Mundwinkel, und ein Gemisch aus Neugier, Entzücken und einer unbestimmten Sehnsucht belebt ihr blasses Gesicht.

" Ein Kaiserhörnchen, nicht war? " sagt sie, ohne den Blick im mindesten abzuwenden.

" ... das wußte ich gar nicht! " beschließt sie den Satz etwas kryptisch, wobei Nichteingeweihten wohl kaum verständlich sein dürfte, WAS dem Mädchen bislang unbekannt war. Dabei klingt ihre Stimme schon deutlich sicherer.



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Sigrun und Nirka


"Ja, das kann mal wohl sagen!" bestätigt Sigrun mit einem Blick auf die Premer Fan-Kurve. Doch diese Worte werden fast erstickt in dem Lärm, der dem Einmarsch des Havena'er Kapitäns folgt. Gegen das laute "HAVENA! HAVENA!" muss sie fast anschreien, damit Nirka sie versteht. "Aber gegen diese Lautstärke können sie trotzdem nicht an!"

Sigrun wendet ihre Augen wieder dem Spielfeld zu und kneift sie leicht zusammen, um besser sehen zu können.

"Was ist das denn - da unter seinem Arm?"



"Da hast du recht", nutzt die Bootsfrau die nächste Phase etwas geringerer Lärmentwicklung im Stadion. Unangenehm ist ihr das natürlich nicht, sich so sehr nahe an Sigrun heran beugen zu müssen, im Gegenteil, sie genießt die Nähe der Freundin sehr.

"Das da...", auch sie kneift die Augen etwas zusammen, und lauscht zudem auf das Gebrüll rings herum, denn so eine gute Sicht bietet dieser Platz nicht, "hmmm... das könnte fast ein nachgebauter Wal sein. Ob das so schlau ist..."

Kurz blickt sie sich um, dann wendet sie sich wieder ganz der Freundin zu.



Als die Rothaarige dem Zwergen die Hand entgegenstreckt, weiß Alberik nicht, ob er sie annehmen sollte, oder lieber nicht.

Jeder weiß, daß man Elfen und deren Freunde nicht berühren darf, weil sie einen sonst in Frösche und Grubenratten verwandeln können. Doch die dargebotene Hand scheint auch eine ernstgemeinte Geste der Begrüßung zu sein, wie sie unter Menschen üblich ist.

Alberik kommt allerdings nicht dazu, lange zu überlegen. Wasuren, auf dessen Fuß er immer noch stand, ohne es überhaupt bemerkt zu haben, gibt dem Zwergen einen leichten Schubs, und dieser stolpert ein paar kleine Schritte nach vorne, bevor er sich wieder fangen kann. Oder besser gesagt, bevor er die Rothaarige ihn stoppt, denn eben diese rempelt er nun ungeschickt an.



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Hjaldar und Hesindian


Auch Hjaldar genießt die 'Akrobatikübungen' Silanas, bei denen sie viel Beinfreiheit demonstriert. Anerkennende Pfiffe und Blicke fängt sich die junge Rahjani dabei ein und schafft es problemlos, den einen oder anderen komplett vom Einmarsch der Spieler abzulenken, so auch Hjaldar.

Der indes ist durchaus stolz auf die Aufmerksamkeit, die sie auf sich ziehen -schließlich ist es "sein" Mädel- und er genießt förmlich die neidischen Blicke des einen oder anderen.

Nur als ein Bursche die Augen gar nicht mehr wegdrehen kann und den Mund auch nicht mehr zubekommt, fährt Hjaldar ihn an:

"Wat glotz'te so? Paß uff, gliik schlucks'te Dine Zähne!!!"

Das verfehlt natürlich seine Wirkung nicht ... der Reaktion des Burschen zu folgern findet auf dem Spielfeld gerade das interessanteste Ereignis der letzten Jahre statt ... so wie er auf einmal dahin starrt.

Selbstzufrieden richtet auch Hjaldar seine Aufmerksamkeit jetzt endlich auf das Spielfeld, aber was er dort sieht, will ihm gar nicht gefallen.

"Dafoor bluten se, das wohl!" knurrt er grimmig und verfolgt gespannt, was diese Hornochsen mit dem strohenen Swafnir-Bildnis vorhaben...



Ein wenig enttäuscht ist Hesindian schon von der Tatsache, dass er sich merklich bemühen muss, um die Vorgänge auf dem Spielfeld verfolgen zu können. Das Stadion ist mit einer beeindruckenden Menschenmasse gefüllt, die Hesindian für unmöglich gehalten; mit der Ausnahme eines Schlachtfeldes vielleicht.

Der Unterschied scheint allerdings immer geringer zu werden, als die Mannschaften einlaufen. Zwar kann der Geweihte mit den Vorgängen dort nicht viel anfangen, doch die Reaktionen der Zuschauer werden immer hitziger und nehmen schließlich eine bedrohliche Atmosphäre an.

Er wendet den Blick zögerlich zu Hjaldar, auf dessen Schultern Silana es sich gerade gemütlich macht. Dies fordert ihm ein Stirnrunzeln ab und den Gedanken, dass sich diese Pose eines jungen Mädchen nicht geziemt; mit diesem schwingt jedoch ein tiefer liegendes Gefühl mit, dass der Geweihte nicht einzuordnen fähig ist.

"Hjaldar," spricht er den Thorwaler an, "was geht da vor sich? Ist es immer so... hitzig?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Die Nordleute


Die Thins, die nach dem Einmarsch der Premer Pottwale restlos geleert wurden, sind inzwischen wieder aufgefüllt. Nebenbei wurde der lächerlich-theatralische Einmarsch der Bullen noch mit den üblichen Schmäh - und Buhrufen kommentiert. Doch jetzt wendet man die ungeteilte Aufmerksamkeit wieder dem Geschehen auf dem Spielfeld zu. Ein übermäßiger Konsum von Feuer mag ja den Verstand benebeln, nicht aber jedoch das Augenlicht. Und was die rechtschaffenden Nordmänner hier erblicken müssen, beleidigt nicht nur die Pottwal-Anhänger im Speziellen, sondern vor allem auch alle ehrlichen SWAfnir-Gläubigen im Allgemeinen.

".... WAGT ES UND DAS SPIELFELD WIRD ZUM SCHLACHTHOF, IHR RINDVIECHER!"

".... ICH STECK EUCH DEN SCHLÄGER IN ...."

".... BULLENKLÖTZE AN DIE FISCHE VERFÜTTERN!"

".... BIS ER BEI DEN OHREN WIEDER RAUS KOMMT!"

In den Rängen der Prem-Anhänger kommt es langsam aber sicher zu einem Gedrängel. Einzelne Personen streben nach vorn, reißen andere mit sich und sind offensichtlich drauf und dran, sich dem Weg zum Spielfeld durch zu kämpfen. Andere Heißsporne werden noch von ruhigeren Begleitern beschwichtigt und teilweise auch durch freundschaftliche Kopfnüsse zur Besonnenheit ermahnt. Dennoch scheint eines ganz offensichtlich, sollte das Spiel mit einem Feuerwerk beginnen, so werden die hier anwesenden Sicherheitskräfte und Stadtbüttel alle Hände voll zu tun bekommen...



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Die 'Bullen' und die 'Pottwale'


'Das war so vorauszusehen...' denkt sich Tibraide, als sie die Reaktion der Thorwaler auf den Rängen bemerkt.

Das hatte sie auch einkalkuliert. Allerdings ist ihr doch etwas mulmig im Magen.

'Hoffentlich macht Cathal es genau so, wie wir besprochen haben.'

Natürlich wollen die Bullen nicht (wirklich) gegen Swafnir freveln, denn Havenaer mussten schon einmal erfahren, was passieren kann, wenn EFFerd zürnt und auch sein Sohn gilt als sehr launenhaft und gewaltig.

Und natürlich haben sie deswegen auch in keiner Weise vor, das Walbildnis zu zertreten oder zu verbrennen, wie vielleicht manch einer befürchten mag. Ein Vorgehen, dass die Havener auch wohl kaum gut heißen würden...

Nein, viel mehr besteht der Trick darin, die gegnerische Mannschaft, die sich ja immerhin POTTWAL Prem nennt, etwas zu reizen, damit sie unvorsichtig wird und alle Taktik vergisst. Manche dürften es für Unklug halten, Thorwaler zu reizen, doch auch das ist bedacht: Sie mögen vielleicht massiver sein, als die meisten der Bullen, dafür sind die Havener wohl auf jeden Fall flinker, so ihre Überzeugung. Und zudem müsste ihnen ein gelungener Scherz die Sympathien des Publikums eintragen...

So marschiert Cathal, gefolgt von den anderen Spielern, weiter schnurstracks bis zur Mittellinie und bleibt dort stehen. In seinem Blick stehen neben eherner Selbstsicherheit auch Herausforderung und ein Hauch Mitleid zu lesen.

"Premer!" hebt er laut an zu sprechen.

Tibraide hebt die Hand, um die Menge zu etwas mehr Ruhe aufzufordern, weiß sie doch, was Cathal jetzt

wohl - hoffentlich - sagen wird.

Cathal wartet einen Augenblick und spricht dann weiter.

"Willkommen in unserem Stadion. Bevor wir anfangen, dachte ich, wir bringen Euch noch diesen kleinen

Glücksbringer vorbei, damit ihr wenigstens etwas mit nach Hause nehmt..." grinst er breit.

Bei diesen Worten hebt er den Strohwal nach vorne.

Dieser ist keineswegs lieblos zusammen geschustert worden, wie man vielleicht denken könnte - und was durchaus als Lästerung gesehen werden hätte können. Nein, eher wurde er von kundiger Hand geflochten. Was auch ganz einfach zu besorgen war, musste Cathal doch einfach nur Abi, die junge Gehilfin einer in der Stadt ansässigen Korbflechterin fragen...

'Sie konnte mir noch nie einen Wunsch abschlagen...' denkt Cathal vergnügt.

In den Augen Tibraides blitzt es vergnügt. Durch die feine Arbeit kann die Figur nicht wirklich als Lästerung gesehen werden, doch die Tatsache, dass sie aus Stroh ist und die Aussage, dass sie einen Glücksbringer brauchen, dürfte die Nordmänner doch etwas zum Schäumen bringen. Doch zurückweisen können sie es wohl auch schlecht. Und so unerwartet, wie das Ganze war, können ihnen doch alle - außer die Prem- Anhänger natürlich - nicht böse sein, oder?

Derweil spielt der Zwerg, als einziger der Bullen, gelangweilt mit seinem Schläger.

'Immer diese Menschen. Kinder! was müssen sie sich mit Begrüßungsriten aufhalten. Können wir nicht endlich anfangen...'



Das da nicht Gutes auf sie zukommen wird ist wohl allen Spielern und Spielerinnen der Pottwal-Mannschaft klar, als Chatal selbstherrlich und provozierend vor ihre Reihen tritt. Isleif murmelt vor sich hin:

"Und ich sag's noch einmal! Der trägt bestimmt rosa Unterhosen und zwar mit ein paar Schleifchen dran, die ihm fürchterlich im Schritt zwicken müssen, sonst würde er ja nicht so daher stelzen wie ein Storch in der Mauser!"

Ehe sich noch die Stimmung hochschaukeln kann, ergreift Ifirnsgiron das Wort, ein energisches, ja sehr grimmiges Wort, um seine Mitspieler eingehend zu warnen:

"Das mir keiner aus der Reihe tanzt! Habt ihr verstanden? Wer jetzt die Formation verläßt, dem werde ich in der Halbzeitpause in der Kabine den Arsch höher hängen! Ist das klar??"

Ungern lassen sich die Spieler und die Spielerinnen von 'Pottwal Prem' zurückpfeifen, doch sie gehorchen. Diese unerwartete 'Fügigkeit'hat zwei vorwiegende Gründe: So weiß man von Ifirnsgiron zu einen, dass er nicht mit einem Wolf zu vergleichen ist, der nur heult, aber nicht beißen kann. Zum anderen ist jeder damit zufrieden mit dem Ort, wo der Arsch momentan hängt und keiner wünscht dort Veränderungen. Und so bleiben die Pottwale ruhig, auch wenn's schwer fällt, mit Ifirnsgiron ist nicht zu spaßen. Sogar Faenwulf fügt sich und der lässt sich sonst von keinem so schnell etwas sagen.

Ifirnsgiron kommt Chatal entgegen und bleibt vor ihm stehen, bis der Kapitän der gegnerischen Mannschaft seine Schmährede beendet hat. Dann nimmt er lächelnd das Strohgeflecht entgegen, ja, er reißt sie ihm förmlich aus der Hand. Anerkennend muss der Nordmann feststellen, dass es sich bei dieser Figur wirklich um eine feine Handwerksarbeit handelt. Die Gestalt des Wales ist gut zu erkennen, das Flechtwerk ist fein und das Material erlesen. Unter anderen Umstände hätte sich Ifirnsgiron sogar freuen können über ein solches Geschenk. Aber zum Schenken gehört eine freundliche Absicht und nicht berechnende Arglist - und so kann sich der Kapitän der 'Pottwale' nicht freuen. DIESES Geschenk, aus den Händen DIESES Mannes, begleitet von DIESEN Worten - das ist keine freundliche Geste, sondern eine Kampfansage. Und dennoch hält Ifirnsgiron die Walfigur aus Stroh, schon fast liebevoll in den Händen. Er dreht sich um und hält die Figur in die Höhe, damit auch die Kamerade und die Kameradinnen die Schönheit dieses Werkes und die Erhabenheit dessen, was es darstellen soll erkennen können. Für einen Moment wird es still in den Reihen der 'Pottwale', alle sind in Andacht versunken. Sie senken ihre Schläger und ihre Häupter und verharren wie in einem stillen Gebet. Da ist keiner bei den 'Pottwalen', der den Herren SWAfnir nicht von ganzen Herzen liebt, seinen Namen preist und sich seine Werke zum Vorbild nimmt. Er steht, als nahezu einziges Zeichen, für eine Macht, die noch über dem Imman-Spiel steht. Mögen sich die 'Bullen', auch eben als 'gottlose Gesellen' dargestellt haben, in einem klar sein, kein Mensch wird behaupten dürfen, dass die 'Pottwale' jene nicht zu verehren wissen, welche die Geschicke der Welten leiten und lenken.

Feierlich schreitet Ifirnsgiron zurück und übergibt den Stroh-Wal an Algrid, die ihn, nicht minder ehrfürchtig, an den Spielfeldrand transportiert, wo die Figur sofort von hilfreichen Händen übernommen wird. Doch dann ist die Zeit der Andacht vorbei. Die Mannschaft von 'Pottwal Prem' lockert sich und in ihren Gesichter lodert das Feuer des absoluten Willens, in ihren Händen ballt sich die Kraft des unabdingbaren Strebens!

Ifirnsgiron kehrt lächelnd zu Chathal zurück.

"Ihr habt gute Arbeit geleistet! Wie schön, dass ihr wenigsten ein Talent habt!" erklärt Ifirnsgiron mit falscher Freundlichkeit in der Stimme. Zur Mannschaft gewandt ruft er:

"Hat 'unser Freund' nicht etwas Schönes gebastelt?"

"Das wohl, das wohl ...!" antworten alle.

Thinmar brüllt:

"Frag ihn doch einmal, ob er mir einen Topflappen strickt!"

Und Isleif erklärt feixend:

"Ich will ihn heiraten .... leg ein Wort für mich ein, Ifirnsgiron!"

Doch Ifirnsgiron tut nichts dergleichen. Ruhig und noch immer lächelnd, spricht er zu Chathal:

"Natürlich haben auch wir ein Geschenk für euch. Leider können wir es euch nicht vor dem Spiel überreichen, denn bevor wir euch auf den feinen Rasen scheißen können, in euerem mickrigen Stadion, müssen wir erst einmal ein paar Bullen gefressen haben. Das werdet ihr doch wohl verstehen!"



Tibraide lächelt in sich hinein

`Es hat geklappt...`

Auch fast alle andren Spieler scheinen ob des Gebarens der Premer zu grinsen. Nicht, dass sie es nicht verstehen könnten. Aich sie hatten vor dem Spiel den Göttern gehuldigt, aber das zeremoniell der Thorwaler ist schon einzigartig. Und außerdem können sich die meisten - so wie Tibraide - denken, dass ihr Plan wohl funktioniert hat...

Der aufmerksame Beobachter kann allerdings wohl bemerken, dass zwei der Havener Spieler von dieser allgemeinen Verhaltensweise abweichen:

Romolosch spielt immer noch gelangweilt mit seinem Schläger.

`Menschen - jetzt müssen die anderen auch noch so einen Aufwand treiben. Was sich die nur dabei denken...`

Und auch Scibor - der Tätowierte - grinst nicht. Nein, viel mehr steht Wut - und, ja, ist das Hass? - in seinen Augen. Wenn es nach ihm ginge, würde keiner der Premer später das Spielfeld auf den eigenen zwei Beinen verlassen. Seit seine Eltern durch einen Angriff der Blutrochen - Otta umkam, glüht in ihm nur noch Hass auf die Nordmänner, Ihretwegen prangt auf seinen Armen die Seeschlange und seit jenem Tag haben Thorwaler von ihm keine Schonung zu erwarten. Zwar hatten die anderen ihn vor dem Spiel eingeschärft, sich ruhig und fair zu verhalten, aber wenn diese Bastarde noch weiterhin so frech grinsten, dann würde er...

Herausfordernd richtet er seine glühenden Augen auf den einen Nordmann, der sich - wie er bemerkt hat - auch am liebsten gleich prügeln würde. Sollte er doch sehen, was er davon hat. Ihn würde er zuerst fertig machen!

Dann wendt sich der Kapitän der Premer ihnen zu und gibt Antwort. Natürlich versuchen sie es ihnen angemessen zurückzugeben, das war ja klar.

Bei Thinmars Einwurf grinst ihn Lyn mitleidig an und meint laut:

"Wieso? Hat mein Schnuckelchen heute nur Ausgang und muss später wieder hinter den Herd?"

Und Cathal fragt Isleif selbstsicher feixend:

"Hast du denn schon ein Brautkleid für dich?"

Immerhin ist er der Größte, der absolute Held des Imman - warum sollten ihn die Worte dieses Thorwalers irgendwie beleidigen?

Dann wird sein Gesicht wieder ernst und entgegnet Ifirnsgiron im Plauderton:

"Nicht nötig. Der Dünger, zu dem ihr Euch am Ende des Spiels verwandelt haben werdet, wird reichen, um das Delta zu düngen..."

"...ich weiß ja nicht, wie es bei Euch ist...",

fügt Neelke von hinten hinzu,

"... aber bei uns sind Bullenhörner ganz schön gefährlich..."



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'WAL'-Geschenk - Die Leute aus der Stadt


"HAVENA!!! HAVENA!!!"

Die Rufe sind nach wie vor laut, aber es legt sich immer mehr Spannung und fast schon Unruhe über die Reihen der Anhänger der Bullen, was dazu führt, dass sie etwas leiser werden, und die Rufe der Premer entsprechend lauter zu hören sind.

Gespannt lauscht die Menge der Havena'er auf Cathals Worte, und es macht sich bei vielen Erleichterung breit, denn wenn sich die schlimmsten Befürchtungen erfüllt hätten, und er mit diesem Strohwal irgend etwas götterlästerndes gemacht hätte, dann wäre es den meisten egal gewesen, dass er ihr Imman-Held ist, denn Imman ist die eine Sache, die Götter sind dagegen eine ganz andere, ungleich wichtigere.

"CATHAL!!!" wird dann wieder gebrüllt, und mit wachsender Spannung richtet sich die Aufmerksamkeit auf eine mögliche Reaktion der Premer. Natürlich ist die Übergabe eines solchen "Geschenkes" sehr provokativ, aber das waren all die Lieder auch... im Rahmen dessen, was vertretbar ist, auch wenn dieses hier hart an der Grenze liegt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Perval und Traviana


"Uff" entweicht der angehaltene Atem aus Perval, als Cathal den Wal in einer 'freundschaftlichen' Geste an den Kapitän der Bullen übergibt. Was nur wäre passiert, wenn die Bullen es fertig gebracht hätten, den Wal zu zerstören, ihn vor aller Augen zu verbrennen, zu treten oder mit ihren Schlägern zu zerschlagen, denkt Perval bei sich. Solch eine Lästerung SWAfnirs hätte keiner der Thorwaler ungesühnt gelassen. Aber so scheint es nur eine weitere 'normale' Prvokation vor dem Spiel zu sein, und die Pottwale spielen das Spiel mit und kontern. Schon war Perval fast bereit gewesen, sich ob der vermeintlichen Lästerung auf die Seite der Pottwale zu stellen. Doch so ist er weiterhin für die Bullen.

Nach dem Schlagabtausch der beiden Kapitäne auf dem Feld stimmt er in das allgemeine Geschreie und Gejohle ein. "Guter Spruch, und jetzt macht sie fertig." schreit er hinaus, wobei unklar bleibt, wenn von beiden er meint und wer wenn fertig machen soll.

Zu Traviana gebeugt (wobei da nicht viel zu beugen ist, so eng steht Perval bei ihr, nur daß er sich ein wenig den Kopf senken muß), spricht er ihn leiserem Ton, aber so, daß sie es noch hören müßte, weiter:

"Ganz schön gefährlich, wat die Bullen da treiben. Aber glich müßt ´s losgehn."



Traviana sieht gespannt auf das Feld und hofft ebenfalls, dass dieser Wal nur als Geschenk übergeben wird.

Und so ist es dann ja auch.

Auch sie ist erleichtert. Das hätte bestimmt großen Ärger gegeben.....

Und bestimmt eine Schlägerei....

„ Ja, aber es ist ja grad noch mal gut gegangen....."



IN HAVENA - Nalleshof: Frau Wirtin wird umgarnt


So kurz der Kuss seiner Liebsten auch sein mag, so geht er Torin doch durch und durch. Als sie die Türe öffnet und sich auf den Gang begibt, kann er nicht anders, als ihr für einen Augenblick nur hinterher zu grinsen.

'Sie ist wirklich der größte Schatz unter PHExens Zelt.'

Dann nickt er und folgt ihr in den, für Schiffsverhältnisse relativ breiten, schmalen Flur des Gasthauses. Die trockene Luft strömt ihm entgegen und plötzlich fällt ihm auf, dass dieser abgestandenen Luft der Geruch der See und des Salzes fehlt.

'Endlich wieder an Land.' kommt es ihm in den Sinn.

Und auch die schmale Treppe ist eine Erholung, wenn man sie mit den tückischen Niedergängen der NORDSTERN vergleicht. Trotzdem versucht Torin instinktiv, sich an dem fehlenden Geländer festzuhalten.

Doch auch ohne dieses Geländer folgt er seiner Holden in den Gastraum hinab. Ein kurzer und prüfender Blick zeigt ihm, dass nur die Wirtsfrau noch anwesend ist. Während des kurzen Gespräches zwischen Níalyn und der Wirtin und besonders bei dem bittenden Blick wird ihm klar, dass seine Liebste das Zimmer wohl nicht alleine zahlen will oder kann... Aber auch sein eigener Beutel ist nicht mehr so prall, wie er es vor wenigen Wochen noch war. Trotz dass er es mit etwas Geschick und einer großen Portion Glück geschafft hatte, die Fahrt von Salzerhaven bis Havena nicht zahlen zu müssen - immerhin war er in 'seiner' Koje aufgewacht, ohne vorher den Fahrpreis gezahlt zu haben. Aber dennoch waren auch seine Mittel zur Zeit sehr begrenzt.

'Na, dann werde ich einmal versuchen, den Preis etwas zu drücken..'

"Ihr wollt auch zum Imman?" spricht er freundlich die füllige Wirtin an. Dann jedoch schlägt er sich selbst leicht gegen die Stirn. "Aber natürlich! Wie konnte ich auch nur glauben, dass sich eine Dame wie ihr nur ein Spiel der Bullen entgehen lässt!"

Für einen Moment blickt die Wirtin Torin erstaunt an. Dann jedoch legt sie die Havena-Fanfare beiseite und antwortet erfreut:

"Jeder hier freut sich auf die Spiele der Bullen."

Tief atmet sie ein und es scheint beinahe so, als wolle ihr üppiger Busen die Knöpfe ihres Kleides sprengen.

"Es ist immer eine richtige Freude, dem Treiben der Bullen zuzusehen. Habt ihr schon einmal gesehen, wie sie die gegnerischen 'Kälber' treiben? HA!"

'Oh ja, in Gareth... Und da haben ihnen die Kälbchen das Fell über die Ohren gezogen.' denkt sich Torin im Stillen. Doch die Antwort, die er der Wirtin gibt, fällt gänzlich anders aus.

"Ich komme leider nur selten in den Genuss, ein Imman-Spiel hautnah mitzuerleben. Und deshalb sollten wir gleich aufbrechen, damit wir nicht noch die spannendsten Stellen verpassen. sagt an, welche Mannschaft nehmen sich die Bullen heute zur Brust?"

"Sagt bloß, das wisst ihr nicht? Davon spricht man doch seit Tagen. Heute sind die Fische aus Prem dran. Und..."

Eine leichte Röte steigt in ihr Gesicht.

"Ich habe gehört, dass der STARKE Cathal irgend etwas ganz besonderes vor hat. Etwas, das nicht einmal hier drin steht." sie hebt kurz die Havena-Fanfare hoch. "Und das will ich auf keinen Fall verpassen."

"Etwas ganz Besonderes?" echot Torin neugierig. "Dann lasst uns hier nicht länger stehen, sondern lieber schnellstens zum Stadion gehen. Ich will unbedingt sehen, wie die Bullen sich schlagen. Wieviel dürfen wir euch für diese Nacht in euerem Hause geben?"

"Oooch." meint die Wirtin. "Eigentlich schuldet ihr mir neun Silber für die Nacht. Immerhin sind die meisten Zimmer belegt und es ist heute Spiel. Aber da ihr mir sympathisch seid und ich wirklich auf das Spiel brenne... Sagen wir 8 Silber und 5 Heller für euch Beide."

Oft genug hatte Vater Rotmarder seinen 'Sohn' den nun auf Torins Gesicht erscheinenden 'freudig erstaunten Ausdruck' üben lassen, so dass es wirklich echt aussieht.

"Oh, ihr seid zu gütig. Möge PHEx seine schützende Hand über euch UND über die Bullen halten."

Mit einer flinken Bewegung zieht Torin sein Säckel hervor und legt die genannte Summe in die warme Hand der Wirtin. Als sich die Hand der Wirtin um die Münzen schließt, entgegnet diese:

"Habt dank, aber ihr müsst euch keine Sorgen machen, die Bullen werden die Fischköpfe windelweich klopfen."

Hell lacht sie auf.

"Und das nicht zum ersten Mal!"

Dann wird sie jedoch wieder ernster.

"Jetzt aber raus mit euch, sonst verpasse ich doch noch etwas!"

Und das lassen sich Níalyn und Torin nicht zweimal sagen. Schließlich steht Ameg wartend vor der Tür.



Níalyn verfolgt interessiert das Gespräch.

'So, so, etwas Besonderes hat dieser Cathal vor... Naja, ich habe im Stadion auch etwas Besonderes vor - einen besonders Fang will ich machen!'

Kurz umspielt ein Grinsen ihre Mundwinkel, verebbt aber rasch, als der Blick der Wirtin, während sie redet, auf Níalyn fällt. Als sie dann mehr oder weniger hinausgeworfen werden, geht Níalyn über den knackenden Holzboden zur Tür hinüber.

"PHEx mit euch und eurem Gasthaus," ruft Níalyn noch kurz der Wirtin zu, dann öffnet sie die Tür und tritt hinaus.

Draußen scheint die Sonne und es herrscht ein wesentlich angenehmeres Wetter als gestern. Kurz atmet sie die Luft ein - sicher, sie ist etwas anders, als auf dem Meer. Aber sie trägt so einen vertrauten Geruch und Geschmack mit sich - irgendwie eine seltsame Mischung aus altem Fisch, Pferdeäpfel und der Menschenmenge, die in Havena unterwegs ist.

Sie blinzelt kurz, dann hat sie aber Ameg entdeckt.

"Guten Morgen, Ameg," ruft sie dem Jungen zu.



"Wir werden euch gerne weiter empfehlen." meint Torin zur Wirtin, als er von ihr schon beinahe durch die offene Türe geschoben wird. "Doch jetzt müssen auch wir los, sonst verpassen wir das ganze Spektakel."

"Das müsst ihr MIR nicht sagen." antwortet die Wirtin knapp, während sie die Türe des Gasthauses abschließt. "Ich werde mich wirklich sputen müssen. Mögen die Götter euch schützen."

"Und euch ebenso." Torin blickt der fülligen Wirtin noch einige Augenblicke nach und wendet sich dann Níalyn und Ameg zu.

"Guten Morgen, junger Rotmarder. Ich hoffe, du hast ebenso gut geschlafen wie wir."

Mit diesen Worten schleicht sich ein schlemisches Lächeln auf sein Gesicht und er linst zu Níalyn hinüber.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Bequemlichkeiten über alles - Reckinde


Herr Oreis Rasburger und Frau Reckinde sitzen in der Loge. Das ist doch gleich etwas anderes, als dicht gedrängt in der Menge zu stehen. Es ist genügend Platz da und die Sitze sind bequem. Zahllose Diener bemühen sich um das Wohl der Ehrengäste. Das kommt Reckinde sehr entgegen, nichts liebt sie so sehr, wie exklusiven Luxus. Herr Rastburger ist ein angenehmer Gesprächspartner. Mit schier unendlicher Geduld versucht er Frau Reckinde die Regeln des Imman-Spiels näher zu bringen. Die Freifrau hat sich um Sport oder ähnlich unproduktive Betätigungen bisher nur wenig gekümmert. Der einzige Sport, der für sie etwas zählt ist die Jagd und das wird wohl für lange Zeit, wenn nicht für immer so bleiben.

So kann Reckinde sich über das Ausmaß der Begeisterung der beiden Anhänger-Gemeinden nur wundern. Wenn junge Männer und Frauen in kurzen Hosen über eine Wiese hetzen, um mit einem Holzprügel auf einen Korkball ein zu dreschen, dann ist das doch wohl eher deren Problem. Wenn dabei aber tausende von Menschen in eine alveranische Verzückung geraten, dann kann das, im Prinzip, nur noch mit schwarzer Magie zusammenhängen. Es ist Freifrau Reckinde absolut unerklärbar, wieso sich so viele Menschen wie Idioten aufführen müssen, um andere dreißig Verrückten, zu dem motivieren zu müssen, was sie, aus freien Stücken, ohnehin gerne bereit wären zu tun. Am Ende soll es dann einen Sieger geben, so hat zumindest Herr Rastburger erklärt. Doch was ist ein Sieg wert, der sich nicht in Batzen, Groschen und Deut niederschlagen kann.

Doch vielleicht geht dies ja auch! Unter Umständen ist dieses lächerliche Jahrmarkt der Muskeln auch eine vielversprechende Goldanlage. Vielleicht ist es doch besser, den Ausführungen Herrn Rastburger etwas aufmerksamer zu folgen. Es könnte sich ja lohnen ....



Missmutig blickt die Freifrau Reckinde auf das Spielfeld. Das ganze Geschehen erinnert sie mehr an einen 'Hahnenkampf' als an das Immanspiel, das ihr beschrieben worden war. Aufgeplusterte Hähne und Hühnchen stolzieren auf dem Spielfeld herum, scharren mit den Füßen und werfen mit 'Dreck' um sich. Das ist aber, auf die Dauer gesehen, ein sehr wenig aufregendes Programm und Langeweile macht sich in Reckinde breit.

Geduldig hört sie den Ausführungen ihres Gastgebers zu, der in höchsten Tönen die Kampfkraft, die Technik und die Ausdauer von Chatal, Lyn, Romolosch oder wie sie alle heißen mögen, zu loben weiß. Auch kann sie sich nicht so recht einfühlen in die, schier grenzenlos erscheinende Leidenschaft der Imman-Gemeinde, die sich hier im Stadion eingefunden hat.

Sie nimmt sich vor, den örtlichen HESinde-Tempel aufzusuchen, um den Vorsteher zu befragen, ob es so etwas wie eine kollektive Geistesverwirrung geben kann -denn hier geht es nicht mit rechten Dingen zu. Das sich honorige Damen und Herren plötzlich so verhalten müssen, als wären sie minderjährige 'Straßenköter', sollte jemanden, der noch in der Lage ist Musik von Gegröle zu unterscheiden, sehr nachdenklich stimmen.

Für Reckinde will es erscheinen, als hätte sich hier im Stadion ein Tor zur Niederhölle geöffnet und sie fragt sich ernsthaft, ob das, was sich hier und jetzt vor ihren Augen zuträgt nicht schon die ersten Ausläufer der östliche Finsternis sind.

Doch die Erfrischungen, die hier gereicht werden sind wohlschmeckend aromatisch und das versöhnt die Freifrau wieder ein wenig mit der Gegenwart. Ein kurzer Schluck, und schon kann sie wieder ihrem Gastgeber zulächeln, als wäre sie auf der siebten Ebene von Rahja's Verzückungen. Allerdings hat diese 'Maskierung' fatale Folgen für die Freifrau. Der alte Oreis fühlt sich dann nämlich derart geschmeichelt, dass er seine Ausführungen um die 'Geheimnisse' des Imman-Sports um ein vielfaches steigert, verhaftet im 'fröhlichen Irrtum', die Freifrau sei auf das Höchste interessiert. Er kann es ja auch nicht bemerken, dass Reckinde, immer wenn er seine Aufmerksamkeit wieder den Geschehnissen auf dem Spielfeld widmet, mit einem Seufzer der Ergebenheit, leicht genervt die Augen nach oben dreht.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Die Ruhe vor dem 'Spiel' - Die Nordleute


Nach der letztendlichen Entwicklung der Geschehnisse auf dem Spielfeld kehrt auch wieder etwas mehr Ruhe in die Ränge der Pottwal-Anhänger ein. Natürlich sind die Meisten wenig angetan von der bodenlosen Frechheit, die sich der Kapitän der ' Ochsen' gerade heraus nimmt. Aber trotz alledem, bleibt es bei einer Frechheit, und es kommt nicht zu einem götterlästerlichen Frevel.

Dennoch ist die Kampfeslust einiger Nordmänner schon recht angestachelt. Die Skaldin, die die Premer mit der praiosblumenfarbigen Otta ins Stadion geführt hat, nimmt dieses zum gegebenen Anlass, um den aufgestauten Zorn der Thorwaler wieder in eine gemäßigte Richtung zu lenken und stimmt mit Unterstützung des Trommlers ein neues Schlachtlied der Premer an.


"Von Prem nach Havena

ist nur ein Katzensprung.

Wir segeln die Strecke

bei jeder Witterung.

Wir warten nicht, wir starten,

was immer auch geschieht,

durch Wind und Wetter

erklingt das Pottwal-Lied."


Nach dieser trefflichen Einleitung stimmen die umstehenden Premer lauthals in das fröhliche Lied ein.


"Pottwal, schlag mir die Bullen,

schlag mir die Adler und auch Anchopal.

Dein Korkball, der ist im Freifall

ins Gegnertor, das niemand bewacht.


Schneller und immer schneller

durch Immanfelder, wie's gerad' uns gefällt.

Wir kriegen, weil wir siegen

dieses Jahr noch den Reto-Pokal."


Immer wieder werden die einfachen Strophen wiederholt, damit es sich bei den Havenern auch richtig schön einprägt. Überdies hat die Erfahrung in der letzten Imman-Saison gezeigt, dass dieses Lied durchaus universell einsetzbar ist. Durch einen einfachen Austausch der benannten Gegnermannschaft (Bullen, Löwen, Drachen, Falken, Füchse, Wiesel, Wölfe, Bären ... etc.) ist es absolut problemlos, auf allen aventurischen Immanplaetzen sofort eine herzliche "Beliebtheit" zu erlangen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Eigentore


"DA MÜSST IHR ERST MAL SCHEIßEN LERNEN!" schreit einer stimmgewaltig als Antwort auf die Worte des Mannschaftskapitäns der 'Pottwale', und ein anderer schreit:

"DICH WÜRDE ICH GESCHENKT NICHT NEHMEN!" als Reaktion auf die Worte der einen Frau, die er erstaunlicher weise vernommen hat, was man von seinem Ruf allerdings nicht behaupten kann, denn der geht im nächsten Lied der Premer einfach unter.

Einzig die wieder einsetzenden Rufe

"HAVENA!!! CATHAL!!! HAVENA!!!" haben durch ihre Einfachheit und die pure Anzahl der beteiligten Stimmen eine Chance dagegen...

Die Seeleute, die das Glück - oder Pech - haben, dem Zentrum der premer Beschallung so nahe zu sein, stecken recht auffällig die Köpfe zusammen, doch Einigkeit scheint noch nicht zu herrschen, wie man auf dieses Lied am besten antwortet, doch immerhin brüllt der Bootsmann:

"IHR WISST IMMER NOCH NICHT, WIE DER RETO-POKAL AUSSIEHT!!!"

Indes... außer diesen speziellen Premern dürfte ihn auf Grund der ständigen "HAVENA!!! CATHAL!!! HAVENA!!!"-Rufe niemand vernehmen, was dem Rufenden aber auch recht egal ist, schließlich sind das genau die, die es hören sollen.



"Unsere Mannschaft hat ihn immerhin schon zwei Mal gewonnen!" belehrt er die vorlauten Havener Jungspunde. "Was man von euch Pfeifen jedenfalls nicht behaupten kann!"

Lautes Gejohle aus den Premer Rängen begleitet diese Worte.



Wütende Blicke aus dem Bullen-Anhänger-Lager treffen sowohl die spottenden Premer, als auch den Bootsmann, der im Eifer des Gefechtes wohl nicht bedacht hat, dass die Havenaer an der Stelle einfach noch keinen Gewinn des Pokals vorweisen können.

Dem Bootsmann entgeht das nicht, und so ergreift er die Flucht nach vorne:

"Das ist schon so ewig her, das weiß doch schon längst keiner mehr! Und unsere Mannschaft wird eure jetzt gleich versenken, das ist das, was zählt!"

Gelächter aus den eigenen Reihen begleitet diese Worte, und der Bootsmann, der sich dadurch wieder der Unterstützung seiner Leute sicher fühlt, brüllt noch hinterher:

"Seid froh, dass ihr wenigstens ETWAS habt, das ihr mitnehmen könnt!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: 'Wal'-Geschenk - Hjaldar


Hjaldar hat nicht wirklich erwartet, daß die Havener das Strohgebilde in irgendeiner Art zerstören - so etwas trauen sich vielleicht die Alanfaner, die eh allesamt ersäuft gehören, oder die Ungläubigen aus der Wüste, die an ihrem Sand ersticken sollen, aber doch nie und nimmer Mittelreicher, die ja schon vor ihren Geweihten kuschen, als wären es Alveranier...

Daß es auf der anderen Seite keine freundliche Geste sein konnte, war ihm ebenso klar. Sowas wär' bei'nem Freundschaftsspiel zwischen zwei Thorwaler Mannschaften normal gewesen, wo es nach dem Spiel eine zünftige Rauferei gegeben hätte und danach die Verlierer den Siegern das Feuer auszugeben hätten. Doch Freundschaft oder gar Kumpelschaft zwischen Pottwalen und Bullen ist ungefähr so wahrscheinlich wie Schneefall im Alanfanischen Dschungel. Und seine Gedanken werden auch mit dem Geschehnissen auf und am Spielfeld bestätigt. Eben will er mit in das Pottwallied einstimmen, als Hesindian ihn anspricht und eine gar seltsame Frage stellt.

'Woll, der Jun' is ja uk dat erste Mool uff'm Immanspiel!'

"Geit so. De Hornochsen ham's nicht lassen kunnt, vorm Spiel noch Stunk to moken gegen Pottwal, da isset schon wat fünscher as sonst ... aber dat legt sich mit'em Spiel, das Wohl! Achterndrein wat et wieder anners, da giffet dann uk mal Kopfnüsse."

Die Stimme Hjaldars klingt bei dieser Erläuterung nicht im Geringsten besorgt, fast könnte man sogar meinen der Gedanke an eine Schlägerei nach dem Spiel würde ihm zusagen...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Missgeschicke - Alberik und Jandara


Alberiks Hand sucht nach dem Wurfbeil an der Seite, um sich verteidigen zu können, falls die Rothaarige, der er nun näher gekommen ist, als ihm eigentlich lieb ist, ihn verzaubern wollte. Doch seine Hand greift ins Leere, und panikartig realisiert er, daß er keine einzige Waffe mit sich führt, mit der er sich wehren könnte.

'Was mach ich nur, was mach ich nur? Schnell weg von ihr!'

Mit diesem Gedanken schnellt der Zwerg wieder zurück, weg von der Frau, um der Berührung zu entgehen.

Ein kurzer Widerstand, als ob etwas nicht wollte, daß die beiden Körper wieder auseinandergehen, ist zu spüren. Dann reißt der schwarze, mit rotem und gelbem Garn bestickte Stoff, der Jandara als Gürtel diente. Einige Stofffetzen sind noch zwischen den Metallteilen des zwergischen Spiegelpanzers zu finden, als der Gürtel zu Boden fällt, und mit ihm der daran befestigte Geldbeutel.

Alberik beobachtet die Folgen des ganzen wie gelähmt. Viel zu schnell geschieht es, als daß er eingreifen könnte. Und dennoch muß er mit anschauen, was passiert.

Der Geldbeutel war wohl nicht richtig verschlossen. Und als er auf dem Boden aufkommt, springen die Taler und Münzen nur so aus dem Beutel heraus.

Als ob ihr langersehnter Wunsch nach Freiheit endlich erfüllt worden wäre, rollen, fliegen oder springen sie über den Boden, zwischen den Beinen der anderen Zuschauer, zum Immanfeld hin, und in alle anderen Richtungen. Es klimmpert und klirrt, als die Münzen ihren Weg gehen. Sogar einen kleinen Stein kann Alberik sehen, der sich im Vergleich zu den Hellern, Kreuzern und Talern beinahe schon langsam vorwärts rollt. Trotzdem verschwindet er zwischen den Beinen der Zuschauer, bevor der Zwerg etwas unternehmen kann.

Mit der Gewißheit, einen großen Fehler gemacht zu haben, schaut Alberik zu der Rothaarigen, die sich ihm vorhin als Jandara vorgestellt hat, hoch.

"Ähh...tut mir leid...Keine Absicht..."



Als der Zwerg stolpert und sich in ihrem Gürtel verfängt, denkt sich Jandara noch:

'Hoppla!'

Als er jedoch beginnt sich los zu reißen und sie nach dem befreienden Ruck spürt, wie ihr Rock unangenehm weit wird und rutscht, bildet sich eine steile Zornesfalte zwischen ihren Augenbrauen und auf ihrer bleichen Stirn.

Dann aber sieht sie, dass sich ihr Geldbeutel geöffnet hat und ihre Taler zwischen die Füße der dicht gedrängt stehenden Menschenmasse rollen und mittendrin ihr wunderschöner Rosenquarz!!!

Die verlegene Entschuldigung des Zwerges überhört sie. Verzweifelt mit der linken Hand ihren Rock festhaltend fällt sie auf die Knie und beginnt sofort damit, die Taler wieder einzusammeln und den Edelstein zu suchen.

'Wo ist er nur? Dieser dumme, dreimal verfluchte Zwerg!'

"Steh nicht da rum und glotz Löcher in die Luft!" fährt sie ihn an. "Hilf mir!"



'Oh weh, da habe ich was angerichtet.'

Für einen Moment schaut sich Alberik die Situation an. Es scheint unmöglich, alle Geldstücke in diesem Gedränge wieder zu finden. Doch Jandara kniet schon auf dem Boden, und versucht ihr Bestes, ihr Geld wieder zu finden. Und er trägt schließlich die Schuld daran, dass der Frau das Geld abhanden gekommen ist.

Diese Schuldgefühle bringen ihn dazu, sich auch auf die Knie zu begeben, und beim Aufsammeln mitzuhelfen. Es geht ja auch um Geld. Und wenn einer weiß, wie wichtig Geld ist, dann Alberik, Sohn des Atosch.

Also sammelt der Zwerg fleißig Silbertaler, Kreuzer und Heller vom Boden auf, während er auf Knien und Händen vorwärts rutscht, in der einen Hand die bereits gefundenen Taler festhaltend, mit der anderen weiter sammelnd.

"Das war wirklich keine Absicht. Ist denn viel Geld in dem Beutel gewesen?"



"Für mich war's schon viel." antwortet Jandara grimmig. Genau weiß sie es eigentlich gar nicht. Nachdem sie die noch bevorstehende Schiffspassage bezahlt hat, müssten eigentlich noch einige Silbertaler übrig geblieben sein.

Aber der schnöde Mammon ist ihr unwichtig. Viel wichtiger ist der Stein. Und wie soll sie den hier in dem aufgewühlten, zertretenen, matschigem Boden finden, zwischen all diesen Füßen?

Da!

Nein...nur Dreck.

Ihre Finger greifen in etwas Weiches, der Gürtel!

Ächzend erhebt sie sich, um ihn, oder was davon übrig ist, umzubinden. So ist die Situation dann wenigstens nicht ganz so unwürdig.



'Viel sagt sie. Da habe ich mir ja was eingehandelt.'

Mühsam kriecht Alberik weiter auf dem Boden, um immer mal wieder das ein oder andere Geldstück aufzuheben, das er auf dem zertretenen Boden findet. Gefallen tut ihm das nicht. Aber er will auch nicht für den Schaden zahlen müssen, den er angerichtet hat. Also ist ihm die Rumkriecherei jeden Kreuzer wert, den er findet.

Doch das meiste Geld liegt nicht in seiner Nähe. Überall zwischen den Beinen der Menschen verstreut ist es, und Alberik muß nun an Wasuren vorbei, unter dem sich ein weiterer Heller befindet.

Also kriecht der Zwerg vor ihm her, um mit den kurzen Armen das Geldstück zu erreichen, wobei er ihm ein weiteres mal auf die Füße tritt, um den Beinen eines anderen Zuschauers auszuweichen.

"Wasuren, kannst du mal kurz nen Schritt zur Seite?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Garulf 'ante portas'


Zum Glück erweist sich der Kapitän als wesentlich fähiger als seine Bootsfrau und so ist das Abmelden zum Landgang nur eine Sache von wenigen Augenblicken. Wieder einmal mit einer, für sein Gewicht, kaum möglichen Geschwindigkeit, huscht Garulf von Bord und durch die Straßen Havenas.

Schon von weitem ist der Lärm der Menschenmassen im Immanstadion zu hören, worauf der Schiffskoch seine Schritte noch einmal beschleunigt. Sichtlich verschwitzt und mit mittlerweile hochrotem Kopf, hastet er auf die Kasse am Eingang zu. Glücklicherweise ist sein Geldbeutel diesmal halbwegs gefüllt, so daß ihn nur sein Ungeschick mit Zahlen, nicht aber echtes Zusammensuchen von Münzen, ein weiteres Mal aufhält.

Elig macht er sich daran sich einen Weg durch die Menge zu bahnen, um wenigstens einen brauchbaren Überblick über das Feld zu bekommen, wo er doch jetzt bestimmt sowieso schon die Hälfte verpaßt hat ...



Seine Größe, seine Masse und seine doch nicht unerhebliche Kraft ermöglichen es dem Schiffskoch sich, langsam aber sicher, durch die Menge zu schieben. Er zieht dabei zwar mehr als einen wütenden Blick auf sich, aber wer legt sich schon mit einem Thorwaler an, der nicht nur kräftig ist, sondern den man auch ob seines Fettpolsters nicht einmal zu treffen vermag. Endlich hat Garulf es geschafft, soweit zu kommen, daß er etwas vom Spielfeld sehen kann.

´Dammich, se sin schon aufm Feld, und do is och schon de Schiri´.

Kurz überlegt er, ob er sich zu den Premern durchkämpfen soll, entdeckt dann jedoch Ole inmitten der "neutralen" Zuschauer und entscheidet sich aufgrund des kürzeren Weges den anderen Leuten von der NORDSTERN Gesellschaft zu leisten



IN HAVENA - Im Immanstadion: Perval und Traviana


Perval beobachtet weiter den Schlagabtausch auf dem Feld als auch auf den Rängen, unterbrochen nur von ein paar Seitenblicken auf Traviana.



Traviana blickt gespannt auf das Feld um die Vorgänge dort zu sehen. Immerhin möchte sie auch mitbekommen, was passiert und versuchen zu verstehen, wie das Spiel gespielt wird....

Ab und zu sieht sie zu Perval auch rüber...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Talersuche - Jandara und Wasuren


Wasuren ist etwas enttäuscht von der Position im Stadion. 'Nun hab ich seit langem mal wieder die Möglichkeit ein Spiel an zu sehen und dann bekommen wir so lahme Plätze weil wir nicht rechtzeitig aufgebrochen sind. Das kann doch nicht wahr sein, also wenn ich nicht bald ... '

Wasuren wird in seinen schwermütigen Überlegungen ein wenig aus seinem Konzept gebracht, gerade Ansturmpläne auf die besten Plätze zu starten, da wird seine Aufmerksamkeit auf den nun herum kriechenden Zwerg und die sich bückenden Rothaarigen gerichtet.

'Was die da wohl suchen? Ob der Zwerg wohl langsam sein Kettenhemd, oder was das auch immer für ne Rüstung is, verliert? Ich mein, ich hätte da eben so nen Geklimper von Metall gehört.'

Wasuren dreht sich zu den beiden um und geht in die Knie um sich das mal genauer an zu schauen.



Jandara bemerkt, während sie den zerfetzten Gürtel wieder fest zieht, den tätowierten Mann, der sich hinhockt und dem Zwerg offensichtlich interessiert zuschaut. Jetzt auch noch die Aufmerksamkeit anderer zu erregen, dass hatte ihr gerade noch gefehlt.

Nachdem der Gürtel wieder fest sitzt hebt sie nun auch den Geldbeutel auf. Das Band, mit dem sie ihn am Gürtel befestigt hatte, musste sich bei dem ungeschickten Befreiungsversuch des komischen kleinen Mannes gelöst haben. Woraufhin sich natürlich der Geldbeutel, er ist nur aus einfachem schwarzen Tuch, damit er sich nicht zu sehr vom Gürtel abhebt, zwangsläufig öffnen musste.

Einen Augenblick lang ist Jandara versucht, dem Zwerg bei der mühsamen Suche einfach nur zuzusehen, schließlich trägt der Tölpel die alleinige Schuld. Jedoch, so wie er da auf dem schmutzigen Boden rum kraucht, tut er ihr leid, er bemüht sich ja wirklich.

Sie spricht den tätowierten Mann mit dem Zopf an:

"Meine Geldbörse hat sich geöffnet und nun liegen meine Taler hier im Schmutz, es müssen so ungefähr 12 Silbertaler sein, helft Ihr uns suchen?"



Wasuren kniete gerade auf dem Boden als ihn die nette Rothaarige ansprach. Interessiert nickt er nur, als sie ihm ein wenig die Tatbestände erläutert hatte und guckte dann neugierig in der Gegend herum.

Ein wenig verspätet kam dann eine zögerliche Antwort :

"Hmm, ich werde mich wohl auch mal nach dem Geld umgucken. Aber zu erst muß ich mal sehn wie´s mit dem Spiel aussieht."

Den letzten Satz spricht Wasuren mehr zu sich selbst und richtet sich dann auf, tritt ein wenig zur Seite wobei er wieder mit einem Grinsen auf den Lippen ein paar Leute beiseite drängt um somit den suchenden einwenig mehr Platz zu schaffen.

Dann recht er sich neugierig um aufs Spielfeld zu schauen.



Erleichtert stellt Alberik fest, daß Jandara dem Matrosen zwar erklärt, weshalb ein Zwerg hier auf dem Boden rum kriecht, nicht aber, wie es dazu gekommen ist.

'12 Silbertaler?'

Er öffnet die Hand und zählt das Geld, das er bereits wieder einsammeln konnte. Nicht mehr als 12 Heller und 3 Kreuzer sind es.

'Erst ein Zehntel. Ich werde doch nie alles wiederfinden.'

Verzweifelt blickt er sich um. Ab und zu kann er ein Geldstück im Dreck entdecken, aber der größte Teil ist aus dem Blickfeld verschwunden, oder von den Menschen tiefer in den Schmutz getreten.

Immer noch auf den Knien hält er der Rothaarigen das bereits gefundene Geld entgegen, damit sie zumindest schon mal diesen Teil wiederbekommt.

"Bist du sicher, daß es 12 Taler waren? Hattest du vielleicht noch ein paar Ausgaben heute, die du vergessen hast, mitzuzählen?"



Das was der Zwerg da von sich gibt, ist genau der Tropfen, der noch fehlte um das Fass zum überlaufen zu bringen. Wütend richtet sich Jandara zu ihrer vollen Größe auf und bemerkt nicht gerade leise:

"Das ist ja wohl die Höhe, erst zerfetzt du mir meine Kleider, dann verteilst du meine paar Silbertaler unter die Leute und nun verlangst du auch noch von mir, dass ich dir meine Ausgaben der letzten Tage vorrechne???"

Sie stemmt die Hände in die Hüften und schüttelt den Kopf, beugt sich zu

Alberik herab und zischt:

"Du willst doch wohl nicht meine Glaubwürdigkeit in Frage stellen?"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Die Gesänge der Premer


Wie allgemein bekannt ist, sind Immanspieler mit einer magischen Begabung selbstverständlich nicht zulässig und haben somit auf dem Immanfeld nichts zu suchen. Wie weiterhin bekannt ist, ist Havena eine Stadt, die ein sehr gespaltenes Verhältnis zu ihren magisch begabten Bürgern hat. Dennoch werden magiebegabte Besucher des Immanspiels toleriert - wenn auch teilweise mit Argwohn betrachtet.

Natürlich will man in so einer Situation nicht gerade auffallen, dennoch befinden sich auch in den Premer Rängen einige 'verdächtig' aussehende Gestalten, die im Schutze ihrer Gefährten und ermutigt durch das Premer Feuer ein kleines Liedchen anstimmen. Das Lied erklingt jedoch relativ leise, da kaum mehr als fünf oder sechs Leute die Melodie anstimmen und dürfte damit auch nur bei sehr genauem Hinhören über die Ränge der Premer hinaus wahrnehmbar sein.


"Havena hat ein Königshaus,

doch Magierschulen müssen raus,

damit in dieser schönen Stadt

die Schwarzkunst keine Chance hat.


Doch jeder ist gut informiert,

wer 'Salamander' abonniert.

Und wenn kein Zauber mehr gelingt,

find raus, wer dir den Bannstaub bringt.


Und draußen vor der großen Stadt,

steh'n Praioten sich die Füsse platt.


Magie - am Großen Fluss!

Magie - am Großen Fluss!

Magie - die ist verboten!


Manch' Jungfer hat ein Hexentier.

Der Auftrag kam heut nacht von mir,

denn Flüche werden überbracht

im Madaschein bei Mitternacht.


Und draußen in dem Sumpfgebiet

man manchmal auch Druiden sieht.

Die Wachsfigur ist schnell gewählt,

wer unbeliebt ist, wird gequält.


Und draußen vor der großen Stadt,

steh'n Praioten sich die Füße platt.


Magie - am Großen Fluss!

Magie - am Großen Fluss!

Magie - die ist verboten!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Talersuche - Jandara, Alberik und Ole


Es scheinen sich die erhitzten Gemüter der Zuschauer aus Prem, nach diesem Eklat mit dem unseligen 'Geschenk' an die 'Pottwal'-Mannschaft ja schnell wieder abzukühlen und schon bald gehen die meisten Zuschauer wieder auf das Niveau der allgemein üblichen, in ihrer Art nicht wenig derben Beschimpfungen zurück.

So schnell, so einfach und unkompliziert geht dies bei Ole nicht. Noch immer kann er in dieser Aktion der Bullen ausschließlich nur einen Frevel an SWAfnir, dem Herren der Wale sehen und wenn es sich um seinen Gott handelt, kommt dem alten Schiffszimmermann sofort und sehr ausdauernd jeglicher Humor abhanden.

Und dennoch steht der alte Ole da und lacht sich sich just die Seele aus dem Leib! Was, in SWAfnir's Namen, war nur geschehen, dass sich der Schiffszimmermann nun letztendlich doch wieder beruhigen konnte.

Das liegt nun, in der Hauptsache darin begründen, dass Wasuren plötzlich aufschreit. Ole dachte schon, Wasuren hätte einen Dolch zwischen die Rippen geschoben bekommen, doch beim zweiten Hinsehen erkennt der Schiffszimmermann, dass die Attacke, über die sich Wasuren beklagt, kein feindseliger Angriff, sondern mehr eine Ungeschicklichkeit gewesen war. Ole muss nun einfach Lächeln und, fast gegen seinen Willen, jeden Ärger und Zorn fahren lassen, als er den 'Sohn des Atosch' zwischen den Beinen der umstehenden Zuschauer herum kriechen sieht, um dort auf dem Boden Kleingeld einzusammeln.

Ole kann nur noch staunen! Geht es dem wehrhaften Söldner tatsächlich so schlecht, dass er solche verzweifelte Maßnahmen nötig hat? Doch eine Erklärung findet sich schnell ein. Die Rothaarige, die sich schon auf der NORDSTERN der Gruppe angeschlossen hatte, spricht, in ihrem Zorn auf den Zwerg, laut und deutlich genug, um Ole die Hintergründe des Geschehens nahe genug zu bringen, dass dieser sich die Vorfälle gut vor die Augen führen kann. Das Ganze erheitert Ole noch mehr, führen sich die beiden doch auf, als wäre sie ein langjähriges Ehepaar - so klingt es wenigsten. Vielleicht sind sie ja schon seit vielen Götterläufen im Travia-Bund vereint, was weiß Ole denn schon von der Vergangenheit der beiden!

Immerhin hat Ole wieder zu seiner, allen Kameraden so vertrauten Schlitzohrigkeit zurück gefunden und schon ist ihm wieder einmal nach einem kecken Spruch zumute.

"Hoi, du kleine rothaarige Hexe wie ist das? Wenn ich dir zwölf Silbertaler gebe, darf ich dir dann auch das Kleid zerreißen?"



IN HAVENNA - Nalleshof: Ameg's Problem ...


Ameg wirft einen kurzen Blick zur Sonne als Phexane ihn mit 'Guten Morgen' begrüßt, aber dann erwidert er ihren Gruß seinerseits mit einem fröhlichen:

"Guten Morgen, Phexane!"

Seine Stimmung scheint sich, nach dieser seltsamen Begegnung einige Moment zuvor, wieder zu heben. Doch schlagartig ändert sich das wieder als Torin auch heraus kommt und ihn 'junger Rotmarder' nennt.

"Guten Morgen, Torin!", begrüßt er auch Torin, immer noch fröhlich, jedoch mit einem leichten Zögern in der Stimme. Wie sollte er Torin nur sagen was er dachte, wenn dieser schon lange entschieden hatte was geschehen sollte. Andererseits war sich Ameg recht sicher, daß er doch eigentlich selbst entscheiden mußte und sollte was er wollte. Nur... den Mut findet Ameg noch nicht dazu.

Und so steht Ameg vor Torin und Phexane und wartet mit einem eingefrorenen Lächeln darauf was nun geschehen mag.



Phexane lächelt zu Ameg zurück. Auch sie scheint auf irgendwas zu warten - auf die richtige Entscheidung.

Doch dann ist diese gefällt.

"Níalyn... das ist mein richtiger Name," sagt sie zu Ameg, "Phexane war nur erfunden. Mehr nicht!"

'Sicher?'

Das Lächeln, das noch bis eben ihr Gesicht geziert hatte, ist nun etwas abgeebbt.

'Und wenn jemals der Magier es herausfinden würde? Wenn er von meinen wahren Beweggründe erfahren würde? Aber ich bin fort vom Schiff... eigentlich kann mir in dieser Hinsicht nichts mehr passieren... hoffe ich!'

"Da wir ja nun sowieso vom Schiff runter sind, kannst du mich gerne so nennen. Mir ist dieser Name eigentlich lieber, als 'Phexane'."



Torin blickt bei Níalyns Worten erst zu ihr, dann zu Ameg. Und noch bevor der Jungspund überhaupt etwas erwidern kann, fügt Torin ihren Worten lächelnd hinzu.

"Níalyn passt auch viel besser zu ihr, findest du nicht? Ach ja, und nicht dass du mich noch fragst, wie ich heiße. Ich bin und bleibe Torin."



Ameg blickt etwas verwirrt zwischen Níalyn und Torin hin und her.

'Wie nun? Phexane ist gar nicht Phexane, sondern.. wer??'

"Nallin?", fragt Ameg verwundert.

'Was soll der Quatsch? Was ist denn jetzt Erfindung und was nicht? Wollen die mich etwa ärgern?', wundert sich Ameg und schaut Níalyn und Phexane an als müssten die beiden eigentlich jeden Moment loslachen.



"Nicht ganz," antwortet Níalyn Ameg, "N-I-alyn. Aber ansonsten: es stimmt. Mein richtiger Name war nie Phexane Fuxfell."

Kurz schaut sie zum Himmel hinauf. Der Tag ist schon weiter vorangeschritten und das Spiel mag wohl schon beginnen.

"Tja, nachdem das nun geklärt ist, sollten wir uns wohl zum Immanstadion aufmachen. Oder gibt es noch was?"

Fragend blickt sie Torin und Ameg abwechselnd an.



Ameg schaut Níalyn an, den Mund schon halb geöffnet um 'ja' zu sagen. Doch er bringt das Wort nicht über die Lippen. Wie soll er den beiden nur erklären was in letzter Zeit geschehen ist und wie sehr er Angst hat den beiden nach Gareth zu folgen und den phexischen Weg einzuschlagen.

Torin wäre sicherlich ein sehr guter Lehrmeister. Doch was brächte ein guter Lehrmeister, wenn das Glück nicht mit ihm war?

Ameg nickt langsam.. ja.. es gibt noch etwas. Er möchte etwas sagen, denn es gibt etwas wichtiges zu klären. Aber Ameg traut sich nicht. Sein Nicken ist kaum zu sehen und bedeutet es jetzt, daß es los gehen kann oder daß es noch etwas gibt?

'Bitte sprich mich an', denkt Ameg. 'bitte sei nett.. bitte frag was los ist.. bitte bitte bitte...'



Als Ameg langsam nickt, ist für Torin alles gesagt. Sie können los!

Sicherlich hätte dem PHExgeweihten Torin auffallen können - nein MÜSSEN!, wie sehr Ameg mit der Antwort herum gedruckst hatte. Doch Torin ist auch ein Mann und so hatte ihn seine männlich- oberflächliche Betrachtung nur das leichte Nicken wahrnehmen lassen.

"Also von mir aus können wir los." meint Torin erfreut. Etwas leiser fügt er hinzu. "Schließlich werden die fetten Geldkatzen ja nicht ewig auf uns warten."



Níalyn würde sich jetzt gerne sofort auf den Weg machen, um die Geldkatzen im Stadion 'aufzuräumen', doch Amegs langsames Nicken lässt ihre Stirn runzeln. Zwar ist sie eine Diebin und lässt nur ungern eine Gelegenheit aufs Geldmachen warten, doch anscheinend liegt dem Jungen noch etwas auf dem Herzen.

"Ameg," fragt sie ihn, "gibt es noch etwas Wichtiges?"



"ich...", antwortet Ameg und weiß eigentlich gar nicht wie er es erklären soll.

"Die Tage gestern war'n so... seltsam", stammelt er. Aber wie soll er das nur alles erklären?

'Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung und sie wollen gar nicht nach Gareth. Vielleicht wollen Torin und Phexane.. ach nein... Níalyn ja nicht so sehr dem PHExischen Weg folgen und vielleicht hätte er dann weniger Grund Angst zu haben.'

"Wollt ihr wi'klich nach Gareth?", fragt Ameg. "Und was wollt' ihr dort?"

Er denkt einen kleinen Moment nach und fügt dann noch etwas lauter und irgendwie mit ein wenig Verzweiflung in der Stimme:

"und was soll'ich bei Vata'Rotmader..??"



Torin hat sich schon zum Gehen abgewandt, als er Níalyns vorsichtige Frage hört. Die sich auf seiner Stirn bildenden Falten kommen jedoch nicht durch die Frage, sondern viel eher durch Amegs Antwort.

"Wie genau meinst du das?" fragt er erstaunt. "Wir hatten vor, noch ein paar Tage in Havena zu bleiben und uns dann auf den Weg zu machen. In Gareth wollten wir natürlich meine Brüder Rotmarder besuchen gehen und dann... Dann wollte ich eigentlich weiterziehen. Auch das schönste Heim hält mich nicht ewig."

'Eigentlich wollte ich das erst noch mit euch absprechen, aber...'

"Ich würde gerne einen kleinen PHExtempel leiten. Irgendwo zwischen Wehrheim und Gareth... Am liebsten in diesem Dörfchen Schönwald."

Torin stockt.

"Ich meine natürlich, nur, wenn ihr auch wollt."



Níalyn hört Ameg und Torin zu, doch als Torin von einem 'DÖRFCHEN' spricht, geht eine ihrer Augenbrauen merklich nach oben.

"Ein DORF???"

Aus den zwei kleinen Wörter ist soviel Ungläubigkeit und auch ein klein wenig Verachtung zu hören, wie es bei so einem sehr kurzen Satz nur geht!

'Und dann auch noch in der Nähe von Wehrheim. So ein Schwachsinn!'

Aber andererseits ist es wohl Torins Traum und Níalyn will ihn nicht unbedingt beleidigen.

"Also, ich will auch erstmal noch einige Tage hier in Havena bleiben, dann nach Gareth reisen und dann... "

'Hmmm, es muss eine bessere Idee, als die von Torin sein. Ha! Kein Problem - es gibt Unmengen von besseren Vorhaben, als einen PHExtempel in einem Dorf zu bauen, dass zudem noch in einer Gegend, wo es vor braven Bürgern nur so wimmelt, liegt.'

"... will ich in den Süden... zu den Tulamiden!'

'Vielleicht kann ich doch noch irgendwann meinen Vater finden?'


***


Angstvolle Augen blicken aus den Schatten eines kleinen Hauseingangs zu der Szene vor einem Gasthaus. Die grünen Augen zwinkern kurz ungläubig, doch es ist wahr, was die Gestalt, die sich dort halb hinter einer Kiste versteckt hält, sieht.

'Sie ist wirklich zurück!'

Noch enger presst sie sich an die Tür des verlassenen Hauses, dass sie seit kurzem als Versteck nutzt und eigentlich wäre sie so früh an diesem Tag nicht aus dem Haus gekommen, wenn sie nicht durch die Stimmen draußen geweckt worden wäre und hinaus geschaut hätte.

'Ich verstecke mich vor diesem namenlosen Gezücht und dann treffe ich sie!'

Traurig schüttelt sie den Kopf mit den wilden braunen Locken, denn wenn sie sie wiedersieht, dann bedeutet das noch viel mehr...

'Was soll ich jetzt machen? Soll ich auf die Gruppe zugehen? Oder soll ich besser heimlich über sie wachen?'

Noch unsicher zieht sich die kleine Frau mit der Eleganz eines schleichenden Fuchses tiefer in den dunklen Schatten ihres 'Baus' zurück.



'So... Der Dame ist also Schönwald nicht gut genug, wie?!'

"Zu den Wilden willst du also?" entfährt es Torin recht laut. Doch die Blicke der Menschen auf der Straße stören ihn nicht im geringsten.

"Warum gerade zu den Wilden? Hä? Kannst du mir das einmal verraten? Dort gibt es doch nichts außer Sand und Staub."



"WILDE?"

Auch Níalyn wird nun etwas lauter, doch kurz gehen ihre Blicke über die Strasse. Sie merkt, dass sie und Torin gerade im Begriff sind, aufzufallen.

"Mein Vater ist einer deiner sogenannten Wilden!!!" zischt sie ihn an und verschränkt ihre Arme.

"Und es gibt dort viel mehr als Sand!"

Kurz ringt sie nach weiteren Worten, aber im Gegensatz zu den Tagen zuvor, wo sie noch nicht so viel von ihm hielt und ihn noch nicht geliebt hatte, kommt ihr nicht viel mehr als ein beleidigt gemurmeltes "Du kannst mich mal!" über die Lippen.



"So!" entfährt es Torin und auch er verschränkt nun die Arme vor der Brust.

"Dein Vater ist also einer der..."

Torins Mund klappt zu, seine Augen weit auf!

Plötzlich erkennt er, dass er einen riesengroßen Fehler gemacht hat. Seine verschränkten Arme lösen sich wieder und er starrt Níalyn nur mit großen Augen an.

'Miu pikusch!'

Níalyns Haltung ist eindeutig. Sie ist sauer! Stinksauer!

'Miu pikusch!'

Dann jedoch kann er nicht anders als kleinlaut zu fragen:

"Wirklich?"

'Miu pikusch!'

Torin fühlt sich plötzlich klein - sehr klein, noch kleiner als Ameg oder gar ein Zwerg.

'Miu pikusch!'

Schuldbewusst blickt er zu Boden.



"Ja," antwortet Níalyn, "er ist wirklich ein Tulamide und Kapitän noch dazu! Ein Wilder ist er somit wirklich nicht!"

Langsam löst sie ihre Arme wieder aus der verschränkten Lage und streicht ihn kurz mit dem Anflug eines Lächelns über seinen Bart.

"Na, ich sehe schon - wir beide sollten Aventurien bereisen, damit wir die Welt etwas besser kennenlernen, nicht wahr?"

Bei diesen Worten fällt ihr ein, wie es eigentlich zu diesem 'Beinahe-Streit' kam...

"Aber sag mal, Ameg," mit diesen Worten wendet sie sich wieder an Torins Schützling, "warum stellst du solche Fragen?"



Ameg stolpert ein paar Schritte zurück als die Aufmerksamkeit von Torin und Níalyn plötzlich wieder bei ihm liegt.

Ameg ist sehr wohl aufgefallen, daß Níalyn 'wir beide sollten Aventurien bereisen' sagte und damit nur sich und Torin meinte. Am liebsten möchte er weinen, weil sie ihn gar nicht dabei haben wollen, aber eigentlich will er ja auch gar nicht mit.

'Warum muß nur alles immer so schwierig sein?'

Vorsichtig fängt Ameg zu erklären:

"Gesten war seltsam. Ich hab' jeman'n' verfol't, der 'nen Beutel Dukat'n hat' und als er stolpert' hab ich mir 'n Beutel geschnappt, aba er hat 'n Messer nach mir geworf'n un' ich bin umgekippt un' Alkinoe sagte mir ich war tot und dann fing der Tach wieder im Efferd-Tempel an un' fast alles passierte wieda..."

Einen Moment überlegt Ameg weil da irgendetwas von der Reihenfolge her nicht so ganz stimmt...:

"Also es fing ers' der Tach wieda an un' dann hat Alkinoe das gesacht"

Ameg blickt zu Boden, denn in seinen Augen entstehen Tränen:

"..und irgen'wie musst'n wir alles gut mach'n was schief ging, dmait der Tag sich'nich wieda wiedaholt... un' da hab ich 'nem Mann, der was verlor'n hat sein Geld wieda g'geben un' hab von ihm 'ne ganze Dukate als Belohnung bekomm'n!!"

"Ohne sie zu klauen!", fügt Ameg noch hinzu und erzählt dann fast ohne Pause wieder weiter:

"..und in Tho'wal hätt' mich de' Dunkle fast getötet nachdem ich irgen'was geklaut hab'. Und als ich zu eurem Gasthaus ging wa' da auch irgend'nen Dunkler... ich hab' Angst. Ich glaub' Phex will nich', daß ich mit euch komm'. Oda er will mich nur ärgern... ich weiß nich' was ich tun soll.."

Traurig schaut Ameg zu Boden und wagt es nicht Níalyn oder Torin anzuschauen...

'Wahrscheinlich werden sie gleich eh wieder mit streiten anfangen und mich nicht beachten', denkt er sich, 'dann laufe ich einfach weg.'



Torin hört die Worte Níalyns. Es sind nicht die Worte, die er erwartet hatte. Statt der Schimpftriade, die er von Phexane wohl zu hören bekommen hätte, bekommt er nur einige erklärende Worte und ein versöhnliches Kraulen seines Bartes.

Er hebt den Kopf um ihr in die Augen zu blicken, doch sie hat ihren Blick schon auf Ameg gerichtet und so blickt auch er zu Ameg hinab und lauscht den Worten.

Und auch wenn die Geschichte Ameg's nicht gerade schlüssig ist, so zeigt sie Torin doch eines ganz klar auf. Etwas am gestrigen Tag scheint seinen Schützling sehr verunsichert zu haben. Denn bis gestern war Ameg doch noch Feuer und Flamme gewesen endlich nach Gareth zu kommen; zumindest dachte Torin das.

Doch nun, nach dieser Sache mit den Dukaten und Alkinoe schien Ameg wirklich nicht mehr zu wissen, was er denken soll. Und auch Torin kann den jungen Burschen nur ratlos ansehen.

'Ohne sie zu klauen!'

Torins Kopf ist plötzlich schwer und er senkt den Blick.

'Aber.' will er entgegnen. 'Ein Rotmarder klaut nun mal. So ist das eben. Wer sich seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann, der muss eben stehlen.'

Doch er spricht die Worte nicht aus.

'Ich kann nichts anderes. Ich bin nun einmal ein Rotmarder und kein feiner Pinkel, dem alles in den Schoß fällt. Ich habe mir mein Leben auch nicht ausgesucht.'

Dann blickt er wieder auf. Die Nässe, die sich in seinen Augen gesammelt hat, wischt er weg.

Ameg steht vor ihm. Ein kleiner Junge von etwa neun Jahren. Etwas zu klein geraten für sein Alter und sicher auch ein wenig zu dünn. Die glatten, blonden Haare liegen wie immer wild über seinen Kopf verteilt. Hier und da steht eine der ungewaschenen Strähnen ab.

Noch immer trägt er die braue Lederhose und das zugeschnürte, beige Hemd, das Harad ihm in Thorwal geschneidert hatte. Und auch die braune Lederhose hat er an.

Langsam geht Torin auf seinen Schützling zu. Die Menschen auf der Straße sind für ihn nun nicht mehr als Schatten. Torins Hand streicht durch das zerzauste Haar als er sich zu Ameg hinunter kniet.

"Ich wünschte, ich hätte jemals den Mut zu solch einer Entscheidung gefunden, junger Rotmarder." sagt er leise.

"Wie oft habe ich mir damals gewünscht, dem Leben als Tagedieb zu entfliehen. Aber ich war zu schwach dazu."

'Ich kannte nichts als Vater Rotmarder und meine Brüder.'

"Aber du..." Torin stockt und presst die Augen zusammen. Er fühlt, wie sich die Nässe einen Weg durch seine geschlossenen Augenlieder bahnt und die Wange herunter läuft.

Er umarmt seinen Sohn.



Ameg umarmt seinerseits Torin und fängt leise an zu weinen. Er mag Torin wirklich, aber tief in seinem Inneren sagt ihm etwas, daß er nicht mit soll, und das tut ihm weh.

"'s tut mir leid..", schluchzt Ameg.

Torin ist also nicht wirklich böse mit ihm. Allein das gibt tröstet ihn irgendwie. Aber wie es weiter gehen soll weiß Ameg noch nicht so genau. Er hat nur wenig Geld und keinen Ort wo er hingehen soll. Aber so oft wie er in den letzten Tagen etwas mit Efferd-gefälligen Taten zu tun hatte war vielleicht ein Schiff eine gute Idee. Vielleicht konnte er irgendwo Schiffsratte.. ehm.. Schiffsjunge, so wie Alrik werden. Oder aber wenigstens erst einmal weiter reisen, denn auch hier in Havena hatte er etwas Dunkles gesehen und das machte ihm Angst. Aber er brauchte Geld... ob Phex ihm noch ein letztes Mal helfen würde um an Geld zu kommen...

...es war alles nicht einfach. Er kannte Torin noch nicht lange, aber Ameg wußte jetzt schon, daß er ihn unendlich vermissen würde.

"..ich mag dich..", sagt Ameg leise, immer noch weinend. Amegs Hand wandert in seine Hosentasche und fischt dort etwas heraus... Torins Würfel... und noch etwas.

Ameg löst sich ein kleines Stück um zu schauen was er in der Hand hat.

In seiner Hand befinden sich Torins drei Würfel und der Ring mit dem die Schwierigkeiten in Havena begannen. Ameg schaut zu Torin hoch und dann wieder in seine Hand.

"Wills' du die wieda hab'n.. und den Ring?", fragt er Torin.



Torin fühlt die warmen Tränen, die seine Wangen herunter fließen. Die leisen Worte Amegs bestätigen ihm, was er insgeheim schon geahnt hatte und so nickt er nur. Torin fühlt Amegs Umarmung und so drückt er ihn noch näher an sich heran. Am liebsten würde er den Jungen nie wieder loslassen.

'Ich mag dich auch.'

Kaum lauter als einen Gedanken bringt Torin die Worte über die Lippen, zu fest sitzt der Klos in seinem Hals.

Doch als sich Ameg aus seinen Armen zu lösen versucht, gibt Torin ihn frei. Tränen verschleiern seinen Blick, so dass er sich erst einmal die Tränen aus den Augen wischen muss, um zu sehen, was ihm Ameg da hinhält.

Erst erkennt er nur die Würfel und muss unwillkürlich lächeln.

"Die Wü..." Der Rest des Satzes geht in leisem Krächzen und lauterem Husten unter. Dann jedoch hat Torin den Kloß aus seinem Hals verbannt und beginnt erneut.

"Die Würfel behältst du mal schön. Immerhin kannst du damit vielleicht doch noch rechnen lernen."

Dann erkennt Torin, dass sich in Amegs geöffneter Hand auch noch etwas anderes liegt. Ein Ring - besser gesagt, DER Ring!



Torin zögert kurz, dann jedoch fischt er den zweiteiligen, goldenen Ring aus Amegs Hand. Langsam dreht er den Ring vor seinen Augen und betrachtet ihn teils mit Neugier, teils mit Argwohn.

"Hmmm." lässt er seinen Unmut über den Ring hören.

'Wem auch immer dieser Ring gehört hat, er war ihm wichtig genug, einen gemeinen Meuchler auf die Spur meines kleinen Jungen zu hetzen.'

Torin hat schon einige Ringe gesehen, aber dieser Ring übersteigt in seiner filigranen und komplexen Art alles, was er bisher in den Händen hielt. Dieser Ring ist nicht nur ein wirkliches Unikat, sondern mit Sicherheit auch ein Erkennungszeichen.

Der verschnörkelte, gut einen Halbfinger breite Reif des Ringes teilt sich an beiden Seiten und geht dort in zwei Krallen über, die den oberen Teil des Ringes halten. Die Muster der verschnörkelten Verzierungen entziehen sich Torins Augen immer und immer wieder. Nach einigen misslungenen Versuchen presst er die noch immer feuchten Augen zu.

'Das ist die handwerkliche Arbeit eines Zwerges, keinesfalls die eines Menschen. Und selbst unter den Zwergen muss es ein Meister gewesen sein.'

Doch nicht lange und Torin öffnet die Augen wieder. Auch wenn es der Ring Amegs ist, so will er sich doch so viele Details wie möglich einprägen. Vielleicht kann er so eines Tages den Drahtziehern hinter dem Mordanschlag auf Ameg enttarnen und zur Rechenschaft ziehen.

Der obere Teil des Ringes ist ein viereckiges Stück aus Silber, in dessen Oberseite ein ovales Elfenbeinstück eingelassen ist. Und in dieses Elfenbeinstück sind zwei reich verzierte Buchstaben eingraviert: B G.

'Ein B. und ein G. - Eine Person aus Thorwal - Mit viel Geld.'

Die acht kleinen Smaragde, die die silberne Fassung für das Elfenbein verzieren, sind alleine für sich schon filigran. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass zwei der Smaragde sogar noch von kleinen Gesichtern umrandet sind.

'Und noch mehr Macht!' fügt er hinzu.

Noch immer auf den Ring blickend, richtet er seine Worte an Ameg.

"Ich an deiner Stelle würde ihn behalten."

Dann blickt er in Amegs Gesicht.

"Aber es ist deine Entscheidung."



"D.. D'nke... dann behalt' ich ihn", sagt Ameg und nickt leicht. Dann schließt er die Hand um die Würfel und den Ring. Die spitzeren Teile des Ringes pieksen leicht, aber das stört Ameg im Moment wenig. Er blinzelt seine letzten Tränen weg und schaut wieder Torin an.

"vielleicht... vielleicht seh' ich dich irgen'wann wieder", sagt er. Und so wie es klingt glaubt Ameg wirklich, daß er Torin irgendwann wieder sehen wird.

"... wenn ich.. größer bin, dann besuch ich euch.. dich un' Níalyn"

Ameg schaut sich kurz ein wenig verwirrt nach ihr um, kann sie aber auf die Schnelle nicht entdecken.

"ich hoff' das Phex mich dann wieda mag un' mir hilft euch zu finden. Un' bis dahin komm ich auch so zurecht!", sagt Ameg mit Nachdruck. Es klingt nicht nur so, daß Ameg es glaubt, sondern auch so, daß man selbst es glauben könnte... wenn.. ja, wenn Ameg vielleicht nicht gerade so klein wäre.



Torin lächelt den kleinen Blondschopf an und nickt.

"Oh, sei versichert, PHEx mag dich. Aber du wirst deinen eigenen Weg gehen müssen um im Leben zu bestehen."

'Und vielleicht sehen wir uns wirklich einmal wieder.'

"Aber du hast ja noch gut zwei Jahre Zeit bis zu deiner Initation. Erst dann solltest du wissen, welcher Gott dir am nächsten steht."

Dann fällt Torin ein, dass er seinen Schützling eine Frage noch gar nicht gestellt hat.

"Was genau willst du jetzt eigentlich machen?"



Was er machen will, fragt Torin. Ameg verzieht das Gesicht ein wenig. Ja, wenn er das nur so genau wüßte. Das man auf sich allein gestellt war bedeutete leider nicht, daß man nicht mehr von den Entscheidungen anderer Leute abhängig war. Man war eher noch mehr abhängig.

"Ich... ", fängt Ameg an. 'weiß nicht so genau', denkt er weiter und ist froh das nicht gesagt zu haben. Wie sieht denn das aus? Nee Torin, ich komm' nicht mit, aber weiß auch sonst nicht was ich machen soll. Eigentlich blieben ihm ja nicht viele Möglichkeiten.

"Ich", fängt Ameg erneut und etwas koordinierter an, "will probier'n ob ich nich' auf einem Schiff weiter mit kann. Vielleich' reicht meine Dukate 'ne Weile... vielleich' versuch ich aba auch etwas auf'm Schiff zu arbeit'n. Kann ja nich' so anstrengen' sein. Alrik stand ja auch nur in'er Gegend rum."

So ganz sicher ist sich Ameg über das Letzte nicht, aber er erinnert sich da an die Szene am hinteren Niedergang wo Alrik scheinbar wirklich nichts zu tun hatte.

"Ich will nich' hier in Havena blei'n, weil ich auf'm Weg hierher so ein'n seltsam'n Dunklen geseh'n hab', der mir 'n Bein gestellt hat und plötzlich wech war."

'War doch nicht so schwer', denkt sich Ameg. Aber was er machen will, wenn er erstmal aus Havena weg ist weiß er noch nicht. 'Ewig mit dem Schiff durch die Gegend fahren ist - entschuldigung EFFerd - auch nicht das Wahre.'



Plötzlich wird Torin ernst.

'Der Dunkle!'

Schnell schüttelt er den Kopf um den Schrecken abzuschütteln.

'Der Dunkle ist tot! Ich selbst habe ihn... beseitigt.'

Und auch wenn er noch immer sehr genau das Bild des vor ihm liegenden Körpers mit dem eingedroschenen Schädel in seinen Gedanken sehen kann, so weiß er doch auch, was man heutzutage alles mit Hilfe der Magie bewirken kann. Doch das wird er sicher nicht seinem Schützling sagen und so stiehlt sich die lächelnde Maske der Zuversicht auf sein Gesicht.

"Nein Ameg. Da musst du dich getäuscht haben, den Dunklen gibt es nicht mehr. Das weißt du so gut wie ich. Von ihm droht keine Gefahr mehr."

Und schon knüpft er wieder am vorherigen Thema an.

"Aber deine Vorstellung eines Schiffsjungen ist nicht unbedingt das, was ich in Erinnerung habe. Meines Wissens ist der Schiffsjunge die Person an Bord, die die dreckigst Arbeit machen muss und dafür das wenigste Geld bekommt."

'Wobei ich den Schiffsjungen wirklich noch nicht viel arbeiten sehen habe...'

"Aber wenn du wirklich einmal zu viel Geld kommst," bei diesen Worten legt er eine Hand auf Amegs Schulter, "dann vergiss nicht wo du her kommst und gib auch immer den Armen und Ausgestoßenen. Denn auch wenn du keiner von PHExens direkten Dienern bist, so wird der Herr der Nacht immer auch ein Auge auf dich geworfen haben."

'Dafür werde ich schon sorgen.'



'Den Dunklen gibt es nicht mehr !'

Beruhigende Worte für Ameg, aber wer wusste schon was für andere Dunkle noch hinter ihm her waren. Was den Schiffsjungen-Job anging. Nun.. wenn es ihm nicht gefiel würde er im nächsten Hafen einfach davon laufen und sich etwas anderes suchen. Bis dahin hatte er ja immerhin die Möglichkeit auf dem jeweiligen Schiff viel zu essen. Irgendwie würde er wohl schon durchkommen.

Doch das letzte...

"Wenn ich wirklich mal viel Gold hab', dann versuch' ich zuerst zu mein'n Freund'n in Tho'wal z'rück zu komm'n und denen zu helf'n... un' ich werd' auch immer ein Teil von dem was ich hab' abgeben"

'Habe ich ja eigentlich schon immer gemacht', denkt sich Ameg. 'Strassenkinder und Kinder armer Eltern unterstützen sich nun mal gegenseitig.... zumindest da wo ich herkomme...'

Ameg macht eine kleine Pause ...

"un' dann such ich dich un' Phexa... ich meine.. Nallin..."

'Was das der richtige Name?', überlegt Ameg. 'Noch ein Versuch und ganz langsam:'

"Dich und Níalyn...", sagt Ameg und lächelt Torin an.



IN HAVENA - In dunklen Gassen: Mysteriöse Begegnung - Níalyn


Überrascht und seltsam berührt beobachtet Níalyn die kleine Szene, die sich ihr da bietet. Sie hat Torin wütend, hasserfüllt, glücklich und tröstend erlebt - aber noch nicht weinend!

So steht sie etwas ratlos bei dem kleinen Grüppchen.

'Was mache ich denn jetzt? Etwas sagen? Besser nicht. Aber was soll ich sonst tun?'

Langsam und leise entfernt sie sich ein paar Schritte von den beiden, denn jetzt kommt sie sich eher etwas störend vor. Dennoch bleibt sie nahe genug, damit sie immer noch genug sehen und hören kann.


***


Die Gestalt hinter der Kiste zuckt zusammen. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt: Níalyn entfernt sich von den Mann und den kleinen Jungen. Aber noch steht sie zu nahe bei den beiden - so zumindest redet es sich die Frau ein und bleibt unsicher bei der Kiste hocken.

'Aber wenn ich sie wieder verliere und nicht rechtzeitig wiederfinde... Oh, PHEx! Warum immer ich!? Könnte ich mich doch wenigstens von dieser verfluchten Last freikaufen!'

Langsam, ganz langsam, steht die noch nicht mal acht Spann kleine Frau auf. Sie schnappt sich einen Spazierstock, der neben ihr an der Wand lehnt, rückt in der schützenden Dunkelheit des Hauseinganges ihren breitkrempigen, schwarzen Hut mit der großen, hesindigo gefärbten Feder zurecht und stolziert dann heraus, so als wäre sie gerade eben aus dem Haus gekommen.

Im Gehen streicht sie sich über ihre elegante Kleidung, bestehend aus Gehrock, Seidenhemd und Samthose, die vollkommen in verschiedenen Blautönen und hier da ein wenig schwarz und grau gehalten ist.

Ihre braunen, langen Locken kräuseln neckisch unter dem Hut hervor und die grünen Augen leuchten wie Smaragde im Sonnenschein.

Schlendernd kommt sie näher auf Níalyn zu...


***


Níalyn beobachtet die beiden immer noch, doch aus den Augenwinkeln nimmt sie das Nahen einer Frau wahr. Sie blickt sich zu ihr um und sieht, dass diese Dame nicht gerade ärmlich gekleidet ist...

'Hm, 'Opfer' gibt es hier in Havena wirklich genug. Ich muss eigentlich nur irgendwo herumstehen und schon kommen sie auf mich zu. Wie in Phexens Para.... '

"Schön dich wiederzusehen," raunt die Fremde sie leise an, als sie Níalyn erreicht.

Mit vor Überraschung geweiteten Augen blickt Níalyn die Frau an - es ist ihre alte Freundin Sciba!

"Oh, PHEx! Das kann ich kaum..." platzt es aus ihr heraus, doch schnell legt Sciba ihr geradezu verschwörerisch den rechten, behandschuhten Zeigefinger auf die Lippen.

"Sei bitte still und komm mit," flüstert sie, "wir müssen kurz unter vier Augen sprechen!"

Scibas Blick schweift kurz zu den Mann und den kleinen Jungen, doch diese beiden scheinen auf ihre Freundin von einst nicht sonderlich zu achten und so packt sie sie an ihrem rechten Arm und zieht sie in eine Nebenstrasse hinein, während sie leise weiter spricht.

"Es ist wichtig, Nía, und diesmal nimmst du meine Warnung gefälligst ernst! Ich habe schon genügend Probleme an den Haken und kann deine nicht auch noch gebrauchen. Klar?"

Níalyn nickt, während sie, von der PHExgeweihten geführt, in die kleine, etwas ruhigere Straße einbiegt.



In Níalyn toben die Gefühle und fechten gerade einen wilden Kampf aus - endlich, nach langer Zeit, trifft sie ihre alte Freundin Sciba, die zudem alles andere als verarmt aussieht, wieder; andererseits aber benimmt diese sich gerade etwas seltsam. Sie zieht sie in eine ruhige Gasse, fort von Torin und Ameg, wo sie mit Níalyn unter vier Augen sprechen möchte. Aber warum?

Wie gerne möchte sie jetzt mit Sciba einfach nur durch die Stadt ziehen, mit ihr irgendwo was trinken und stundenlang reden, reden, reden!

Naja, reden will Sciba ja mit ihr... aber wohl nicht über die Dinge, worüber die beiden sonst in Weinlaune quatschen würden.

Aber vielleicht ergibt sich das noch?

"Siehst ja richtig gut aus, Mädel," fängt Níalyn leicht unsicher an, als die beiden anhalten, "hast du einen reichen Fisch an der Angel, den Raubzug deines Lebens gemacht oder ist es nur eine Verkleidung?"

Immer noch etwas unsicher grinst sie die kleine Phexgeweihte an, die wiederum Níalyn ernst anblickt.

"Das ist jetzt nicht weiter wichtig, aber... ," kurz blitzen die grünen Augen der Geweihten auf und ein Grinsen huscht über ihr Gesicht, "... ich habe bei einem Auftrag einen ziemlich gewaltigen Gewinn gemacht, PHEx sei Dank, - eine Schatzsuche in der Unterstadt kann durchaus was einbringen, wenn man einen fetten Spürhund an der Kette plus ein paar Kampfhunde für die Drecksarbeit hat."

Das Grinsen wächst bei der Erinnerung etwas, doch rasch hat sie wieder ihre ernste Miene aufgesetzt, die nun, im Vergleich zu dem breiten Gewinnergrinsen, so ganz und gar nicht mehr zu ihr passt.

"Dabei wären wir wieder beim Thema! Níalyn," bei diesen Worten packt sie die Diebin an den Armen, "ich weiß nicht, was du in den letzten Jahren alles angestellt hast, aber du solltest hier in Havena höllisch aufpassen!"

Kurz und hastig geht ihr Blick die Gasse rauf und runter.

"Ich hatte wieder diese fürchterlichen Visionen. Ich sah dich darin und diesen Mann mit dem Jungen, bei denen du eben gestanden hast. Ihr ward in der Unterstadt und hattet einen Kampf mit zwei Personen ausgefochten - eine Elfe und einen Mann in dunkler Kleidung."

Sciba beobachtet Níalyn. Wie wird sie diese, zugegebener Maßen leicht wirre Geschichte, aufnehmen.

Níalyn wiederum blinzelt nur und gibt ein ungläubiges und etwas langgezogenes "Aa-ha." von sich.



IN HAVENA - Am Bennaindamm: Die drei 'Herrschaften'


'Bei dieser Formulierung kann das ja nur bedeuten ... ob du ihn fragen solltest? Vielleicht reagiert er ja empfindlich? Ach, was solls.'

Di Vespasio nimmt das Tuch vom Gesicht und wedelt damit umher, als könne er die Reste des noch in der Luft liegenden Gestankes vertreiben.

"Aus Thorwal. Wie interessant. Leider konnte ich in Thorwal selbst nur sehr wenig Zeit verbringen. Ihr wißt, wie das auf Reisen ist, man verspätet sich, muß neue Termine machen, alles verzögert sich, für uns Händler kommt noch hinzu, daß Lieferungen fertiggestellt und verzollt werden müssen; kurz eine Reise dauert immer doppelt so lange wie erwartet."

Der Adlige stopft das Taschentuch wieder in den Ärmel.

"Jedenfalls hatte ich Thorwal kaum Zeit einen Höflichkeitsbesuch in der Akademie zu machen, schon mußte ich mich verabschieden, um das letzte Schiff vor dem Winter zu erhaschen, eben die Nordstern, die mir erlaubte ihre werte Bekanntschaft zu machen. Aber durch all die Hetze bin ich natürlich bei weitem nicht dazu gekommen all die unabhängigen Lehrmeister in der Umgebung Thorwals zu besuchen."

Wieder greift er mit der jetzt freien linken Hand zum Büchlein und befreit es von dem ungemütlichen Platz unter dem rechten Arm.

"Bei welchem Magister Magnus wart ihr denn in der Ausbildung?"



War da eben im Blick des Geweihten ein Funken von Neid zu erhaschen? Ottam lässt sich die innige Freude darüber keineswegs anmerken, doch vergisst er durch sie zumindest den niederhöllischen Gestank eine Weile und konzentriert sich darauf eine Antwort zu geben die nicht gelogen ist, aber auch nicht alles Preis gibt, immerhin ist dies ein Geweihter des PRAios und da könnte es nicht gut sein zu lügen, wägt Ottam für sich ab.

"Nun meine Prüfung machte ich an der Schule der Hellsicht zu Thorwal, doch beschränke ich mich keineswegs nur auf dieses Gebiet der arkanen Wissenschaft, ein großes Interesse meinerseits liegt auch auf dem Erforschen und Entdecken der Vielzahl magischer Pflanzen Deres."

'So, das entspricht vollkommen der Wahrheit, da gibt es keine Hintertür'

Nach einer kurzen pause redet Ottam weiter.

"Die Mechanik gehört selbstverständlich auch zu meinen Interessensgebieten, vielleicht gelingt es ja eines Tages einen praktikablen magischen Schiffsantrieb zu entwickeln, der verhindert das die Besatzung und Passagiere bei einer langen Flaute verdursten könnten."

'Oh, welche Unsummen könnte man damit verdienen!'



'Ach ja das liebe Geld. Glücklicherweise bist du mit mehr davon gesegnet als du ausgeben kannst. Aber das war nicht immer so, mein Freund. Man muß halt auf sein Glück vertrauen und die Gelegenheit, wenn sie sich bietet, beim Schopfe packen. Oder eben heiraten.'

Di Vespasios Augen folgen dem Fisch. Dazu nimmt er auch das Taschentuch von der Nase.

'Ach, der arme Stiefel. Ich hoffe seine Gnaden schleppt jetzt nicht den Geruch weiter mit uns herum.'

Dann wendet er sich wieder dem Gespräch zu, denn auch er ist nicht ganz uninteressiert, woran der wohlgelehrte Herr arbeitet.



'Einen magischen Schiffsantrieb? Welch seltsame Idee! Zwar scheint der Gedanke vordergründig löblich zu sein, einen Flautenschieber zu entwickeln, aber das Wetter wird ja schließlich von den Göttern selbst gemacht. Also ist das schon ein recht ketzerischer Gedanke. Aber ich will nicht vorschnell urteilen, ich warte erst mal ab...'

"Ja, magische Pflanzen also?" Wiederholt Onaskje die Aussage, die ihm unverfänglicher scheint, "viele wird es davon wohl nicht geben."

Kurz verharrt er im Schritt, um ein Stückchen des verwesten Fleisches, daß an seinem Stiefel kleben geblieben ist, von selbigem abzuwischen, glücklicherweise findet sich auch eine Steinplatte, die wohl kürzlich zerbrochen mit entsprechend scharfer Bruchkante ausgestattet ist, um zum säubern herhalten zu können.

*schab*

Rasch schließt der Geweihte auf und gemeinsam betreten die drei Männer den Anfang des Dammes selbst.



'Gleich zwei Fragen auf einmal,' denkt sich Ottam, 'und ich dachte immer die hohen Herren besäßen den Anstand einander ausreden zu lassen.'

Egal, ein Zeichen mehr, das ER, OTTAM, der einzige ist der sich hier wirklich mit der Etikette auskennt, zumindest wenn er Wert darauf legt. Daher bemüht er sich auch die Fragen ruhig nacheinander zu beantworten.

"Bevor ich auf der Akademie meinen Abschluss machte, hatte ich die Ehre bei Magistra Firina Morginsdotter zu lernen."

'So jetzt sehe ich auch gleich, ob der Comte sich in den Thorwalschen Magierstrukturen auskennt. Denn die meisten, die die Magistra kennen begegnen ihr mit Ehrfurcht - oder auch Angst, schließlich ist sie ja für ihre Durchsetzungskraft bekannt...'

Innerlich erfreut über die -vorsichtige- Frage Onaskjes, wendet er sich nun vom Comte zu ihm und erwidert auf dessen Frage:

"Nun, im Vergleich zu normalen Pflanzen sind es sicherlich verschwindend wenige, aber absolut betrachtet wiederum gar nicht so wenige. Auf dieser Reise geht es mir aber speziell um eine Pflanze, welche laut meinen Forschungen in den unwegsamen Tiefen der gen Praios liegenden Regenwälder existieren soll."



Nur di Vespasios gute Erziehung ermöglicht es dem Adligen weiter zu spazieren als ob nichts weiter passiert wäre. Innerlich steht ihm der Mund offen. Die Antwort auf die Frage Onaskjes hört er schon nicht mehr, zumal sie neben der ersten Antwort verblaßt.

'Magistra Morginsdotter! Wenn auch nur die Hälfte der Gerüchte wahr sind ... Nie im Leben ...'



"So so. Und welche Pflanze könnte das sein? Immerhin bedeutet eine Reise in die Regenwälder einen nicht unbeträchtlichen Aufwand."

'Und DIR traue ich solch eine Reise wahrhaftig nicht zu.'

Mit den thorwalischen Magierakademien hat Onaskje nichts am Hut, so sagt er zu diesem Teil des Gespräches auch nichts weiter.



Die drei Herren nehmen mit langsamen, sicheren Schritten die kurze Steigung auf den Bannaindamm hinauf. Die Anzahl der Passanten hat sich hier stark reduziert. Nur etwa auf der Hälfte des Weges zerrt eine Mutter ihr Kind so schnell dieses gerade laufen kann über den Damm.

Auch merkt man auf der offenen Fläche, daß der Sommer endgültig zuende ist. Von Seewärts kriecht ein kalter, klammer Wind über den Damm, der deutlich vom kommenden Winter kündet. Auch feste, warme Kleidung scheint kein Schutz zu bieten und di Vespasio in seinem Rock fröstelt empfindlich, was aber nicht nur an der Kälte liegt.

'Magistra Morginsdotter! Daß sie überhaupt ausbildet, sie muß wirklich etwas Besonderes an dem jungen Trosson gefunden haben. Erinnerst du dich an ihr Bild im Kurier? Nie hättest du geglaubt, daß dieses zarte, junge Wesen nicht nur dreimal so alt wäre, wie sie aussieht, sondern auch die schlimmste Dämonologin Aventuriens. Wobei, wenn es wirklich stimmt, daß sie die spitzen Ohren nicht von ihrer Elfenmutter geerbt hat, sondern vo ihrem Dämonenvater, ... nun Gerüchte.'

Dennoch versucht di Vespasio unauffällig den Abstand zu Ottam etwas, wenn auch nur einen halben Schritt, zu vergrößern.



An die linke Seite des Dammes schlagen stetig Wellen. Keine Brecher, sondern nur ganz flache, die sich leise zwischen den Steinen des Dammes verlaufen. Leise, aber hörbar. Von unten dringt ein ständiges Glucksen und Klatschen und Klimpern zu den drei Männer auf der Dammkrone herauf, von dem natürlich nur abergläubische Menschen denken würden, es käme von den hohlen Knochen der Ertrunkenen, die dort unten gegeneinander schlagen.

'Gerüchte gibt es über die Morginsdottir genug. Ihre Bibliothek soll ja nur noch von ihrer Schatzkammer übertroffen werden. Artefakte, die sie nicht kaufen kann, läßt sie aus den Tempeln der Hesinde stehlen, wenn sie sie nicht gleich aus den Händen des Namenlosen empfängt und dafür mit der Seele eines ungeborenen Kindes zahlt.'

Ein leichtes Schaudern läuft dem Adligen über den Rücken.

'Andererseits sagt man, sie wäre die linke Hand der Bannstahler und hätte sich selbst ins finsterste Dunkel begeben, um die schwärzesten Beschwörer ans Licht zu zerren.'

Die Augen di Vespasios wandern schnell von links nach rechts und zurück, zwischen dem Magier und dem Geweihten hin und her.

'Das würde erklären, warum die Beiden so schnell zugestimmt haben, einen gemeinsamen Ausflug zu unternehmen. Obacht, Frizzi, in diesen Stürmen sind schon größere als du ertrunken.'



Ottam war sich im Klaren, wie jemand reagiert, der mit dem Namen seiner Ausbilderin etwas anfangen kann und er ist mit der Reaktion durchaus zufrieden.

Innerlich gestärkt wendet er sich wieder dem Geweihten zu und antwortet auf dessen Frage

"Nun, mein primäres Ziel ist es die Bestätigung für die Existenz einer Alraunenunterart in den Südwäldern zu finden. Nach bisherigem Wissensstand gibt es dort ja keine Alraunen, doch bin ich überzeugt das meine Quellen richtig liegen und dort eine bisher nicht bekannte Art existiert, deren magische Eigenschaften von hohem Nutzen sind. "





NORDSTERN - Laderaum 4: Alrik, der Rabenschreck


Gleichmütig nimmt ALRIK das eine Lämpchen aus L4 von seinem angestammten Platz von der Wand. Eine Tätigkeit, die, Dank der leicht angerosteten Halterung nicht lautlos von statten geht. Nur noch diese eine, und dann sollte es das gewesen sein.

Die Habseligkeiten der neu eingezogenen Passagierin interessieren ihn nicht weiter. So bleibt es hier bei einer sehr flüchtigen Betrachtung aus der Ferne.



Schlafend sitzt der Rabe, den Kopf tief in seine Flügel gegraben, am Rande des Korbes.

Ein Geräusch...

'Kommt da WER?'

Blinzelnd öffnet sich ein schwarzes Rabenauge.



Der Rabe spürt es, ohne hinsehen zu müssen. Da ist etwas. Und es ist etwas Unbekanntes. Noch immer den den Kopf zwischen den Flügeln, sträubt sich sein Nackengefieder leicht. Langsam, gaaanz langsam dreht er den Kopf.



Nachdem ALRIK sich das erforderliche Lampenöl, das in einer sehr kleinen Menge an einem sicheren Platz in Laderaum zwei besorgt hat, schickt er sich an,erst die Lampen in Raum Zwei und dann in Raum Vier aufzufüllen.

Dort ist es allerdings recht düster. Seit längerer Zeit soll dieser Raum mal wieder zum Passagiertransport zweckentfremdet werden. Es ist schon erstaunlich, dass Leute diesen finsteren Ort, einer verhältnismäßig bequemen Kabine vorziehen, auch wenn sie eng ist. Nun gut, Platz ist hier unten jedenfalls genug vorhanden.



Vorsichtig beendet ALRIK seine Arbeit und hängt dann die Öllampe an ihren Platz zurück. Gemächlich stapft er zur Ausgangstür des Laderaumes zurück. Doch irgendwie kribbelt es unter seinen Haarwurzeln. Der Junge zögert und dreht sich noch einmal um.

'Hier ist doch niemand.'

Aber woher kommt dann dieses unbestimmte Gefühl, als würde man ihn heimlich beobachten?



'Oh ja, ich sehe IHN.'

Noch immer ist sein Nackengefieder gesträubt. Die Feststellung, dass ein Kind den Raum betreten hat, beruhigt Zach ein wenig. Kinder haben viel Phantasie, für sie ist das Seltsame oft völlig natürlich und wird nicht hinterfragt. Aber es ist doch besser, der Knabe bemerkt ihn nicht. So verhält der Rabe sich ganz still und macht keinen Mucks.



ALRIK lauscht. Doch im Laderaum ist es mucksmäuschenstill. Bestimmt ist es diese seltsame Stille, die so ungewohnt wirkt, überlegt ALRIK. Sonst ist es hier ja auch viel lauter, und das Geschrei der Matrosen dringt bis hinter den hintersten Winkel des Schiffs vor. Aber jetzt sind ja alle an Land und haben Spaß. Fast alle, jedenfalls. ALRIK seufzt laut und lässt die Schultern hängen.



'ER wendet sich zum gehen, wie gut.'

Zach ist ja so erleichtert. Es ist, als würde ihm ein Steinchen vom Herzen fallen. Ja, tatsächlich, er ist sogar so erleichtert, dass sein pechschwarzes Gefieder wie von allein beginnt, sich zu sträuben. Er plustert sich dick auf... und dann.. .ja und dann... dann passierts.

Er schüttelt sich.

Doch wie das so ist, bei allen Gefiederten, geht das nicht lautlos vonstatten. Ein kurzes, prägnantes Prrrrrt ist es, was seine vielen Federn da erzeugen. Der Schreck fährt ihm wie ein heißer Blitz bis in die Flügelspitzen.

'Ich bin nicht da, nein, nein, ich bin nicht da!!!' rast es durch seinen Kopf.



'Fledermäuse!'

Das ist ALRIKs erster Gedanke, doch dann schimpft er sich selbst im Geiste einen Trottel, denn immerhin war hier am Vortag noch alles in bester praiosgefälliger Ordnung. Und woher soll sich hier über Nacht so ein Ungeziefer einnisten?

'Traumauge!'

Das ist ALRIKs zweiter Gedanke, und dieser erscheint dazu sogar noch einigermaßen plausibel.

"Miez, miez, miez. Wo bist du Katerchen? Miez, miez, miez."

ALRIK geht in die Knie und hockt sich auf den Boden. So langsam wird es eigentlich auch wieder Zeit sich mit dem Schiffskater zu versöhnen. Nach der letzten Begegnung in der Kombüse ist ihm Traumauge ja zumeist beleidigt aus dem Weg gegangen...



'Miez??? ER denkt ich sei eine KATZE???'

Misstrauisch legt Zach den Kopf schief.

'Was mach ich bloß? Was soll ich nur tun?'

Auch wenn er die Menschensprache recht passabel beherrscht, ja, er spricht sogar bruchstückhaft Isdira,so sieht's mit der Katzensprache doch ganz anders aus. Wenn doch nur seine Vertraute da wäre. Sie könnte ihn, mit nur einer Handbewegung, schnell in ein schnurrendes Kätzchen verwandeln, oder so etwas ähnliches jedenfalls. Doch allein, da kann er gar nichts ausrichten.

'ER ist nur ein KIND!' sagt sich der Rabe immer selber vor. Aber die erwartete beruhigende Wirkung bleibt aus. Fieberhaft arbeitet es in seinem nur walnussgroßem Gehirn.

Soll er sich verstecken? Oder soll er eine möglichst würdevolle Haltung einnehmen, um den Knaben mit seiner imposanten Rabengestalt zu beeindrucken, falls dieser die Idee hat, ein Licht zu entzünden?

Zach entscheidet sich für Ersteres. Er tritt den Rückzug an, vorsichtig dreht er sich auf dem Korbrand herum, hüpft mit einem, nur ein winziges -Plopp- erzeugendem Sprung hinunter, um sich dann, mit einem relativ leisem, leicht schabendem Geräusch, über den Holzboden einige watschelnde Schritte weiter in die Schatten zurück zu ziehen.



Der schon gar nicht so scheue Kater ist also immer noch beleidigt. Denn den Geräuschen nach zu folgern, hat er sich weiter in eine Ecke verkrochen. ALRIK ist entschlossen sich wieder mit Traumauge zu vertragen. Wenigstens einen Freund braucht man ja an Bord, und sei es nur der dumme Schiffskater. So macht er sich auch wenig Gedanken darüber, dass die Geräusche wohl kaum zu einem kleinen Kater mit Samtpfoten passen können, sondern schmiedet im Geiste derweil schon Versöhnungspläne.

'Nun gut, wenn'er halt so kratzbürstig ist, dann hilft nur eines: Bestechung.'

"Miez, miez, miez... warte mal, ich hol dir gleich was Feines, Leckeres. Bleib schön da, ich komme gleich wieder."



'Der JUNGE geht also.' stellt Zach zufrieden fest und blickt mit schwarzen Knopfaugen aus der Dunkelheit heraus zum Eingang.

'ER holt was FEINES, LECKERES...'

Eigentlich braucht er jetzt nur noch darauf zu warten, dass der Junge den Aufgang hinauf geht. Dann hat er genug Zeit sich ein gutes Versteck zu suchen.

Aber auf der anderen Seite würde er schon gern wissen, was dieses Feine und Leckere wohl sein mag.



Mit leisen Schritten verlässt ALRIK schließlich den Laderaum Vier. Der Lampenölauftrag ist somit erledigt und das restliche, verbleibende Öl verschwindet wieder an seinem angestammten, sicheren Platz im großen Laderaum.

Schnell huscht der Schiffsjunge die Treppe zum Unterdeck hinauf. Auf dem Schiff ist es wirklich erstaunlich ruhig, so ruhig wie schon lange nicht mehr.

'Der Fettwanst von Smutje ist bestimmt auch beim Spiel. Mal schauen, ob die Kombüsenluft rein ist.'

Vorsichtig blickt sich ALRIK auf dem Unterdeck um, während er auf Geräusche aus der Kombüse lauscht.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Einsame Wacht - Efferdan und der Kapitän


Es wird weiter leerer auf dem Schiff, und kurz huschen die Gedanken des Kapitäns hinüber zum Immanstadion - ob sich da wohl die ganze Mannschaft mitsamt Fahrgästen wieder trifft?

Lächelnd verwirft er den Gedanken jedoch rasch wieder... bei den Menschenmengen, die wohl dorthin gehen werden, dürfte es schon ein Zufall sein, überhaupt jemanden zu treffen, den man kennt, wenn man nicht gerade gemeinsam hingeht.



Gewandt klettert Efferdan den Niedergang hinauf und sieht sich erst einmal blinzelnd an Deck um. Allzuviel ist ja nicht los, die meisten sind wohl schon in der Stadt. Zu seinem Leidwesen ist auch der einzige Offizier, den er entdecken kann, der Kapitän höchstselbst. Das bedeutet wohl, dass er sich bei ihm abmelden muss.

Efferdan schluckt. Doch was hilft es - wenn er zum Tempel will, und das möchte er, führt wohl kein Weg am Kapitän vorbei.

Etwas zaghaft macht er sich auf den Weg zum Aufgang des Brückendecks. Dort angekommen bleibt er erst einmal stehen.

Für einen einfachen Matrosen gehört es sich nicht, einfach das Brückendeck zu betreten, sondern er hat in der Regel auf Aufforderung zu warten - es sei denn, es ist wirklich wichtig. Unschlüssig, ob er etwas sagen soll - er hofft, das der Kapitän ihn von alleine bemerkt hat - bleibt er erst noch einmal am Fuße des Aufgangs stehen...



Auf dem sonst so menschenleeren Deck erregt natürlich jede Bewegung die Aufmerksamkeit des Kapitäns, und so fällt ihm Efferdans Lauf über das Deck sofort auf. Dessen Ziel ist vollkommen klar, warum sonst sollte er wohl am deckseitigen Ende der Treppe auf das Brückendeck stehenbleiben?

"Komm hoch, Efferdan", fordert der Kapitän den Matrosen auf, froh darüber, eine kleine Abwechslung zu haben. Allerdings... ANMERKEN lässt er sich das nicht, er wirkt wie immer.



Da! Der Kapitän hatte ihn bemerkt - was ja nicht verwunderlich, schließlich ist er der Kapitän und hat wohl stets einen Überblick über das Schiff - und ihn aufgefordert, die Brücke zu betreten.,

Efferdan holt noch einmal tief Luft.

`Also gut. Nun denn...`

Etwas zögerlich setzt er sich in Bewegung, hinauf, auf die Brücke. Oben angekommen bleibt er in respektvollem Abstand vom Kapitän stehen, senkt den Blick und fängt dann mit seiner gewohnt glockenhellen Stimme an zu sprechen:

"Ich... äh.. Kapitän... könnte ich..."

er macht eine kleine Pause, in der er trocken schluckt, wie um weiteren Mut zu sammeln

"...Landgang haben?"

Verlegen blickt er etwas von unten hoch, zum Kapitän...



Jergans Aufmerksamkeit bleibt auf den Matrosen gerichtet, während dieser den Aufgang hinauf kommt und dann vor ihm stehenbleibt, wo er mit seiner etwas unseemännischen Stimme seine Bitte äußert.

Eine eigentlich ganz normale Bitte, die den Kapitän bei keinem Matrosen in irgendeiner Weise verwundern würde... doch bei Efferdan tut sie das, und das nicht wenig.

Die Tatsache, dass Efferdan um Landgang bittet, ist für sich schon etwas extrem ungewöhnliches, das seit Riva erst ein einziges Mal vorgekommen ist, und das war ausgerechnet am Vortag.

Kurz huscht ein Schmunzeln über das Gesicht Jergans - es scheint ihm so, als sei der Matrose jetzt auf den Geschmack gekommen.

"Kein Problem", antwortet er knapp, und fügt dann nach einem kurzen Zögern seiner Neugierde nachgebend hinzu:

"Du hast ja auch alles Recht dazu, so wenig, wie du sonst von Bord gehst. Oder bist du auf den Geschmack gekommen?"

Die Frage ist mit einem deutlichen Grinsen gestellt, und es ist ziemlich offensichtlich, dass der Kapitän nicht im geringsten daran denkt, dass Havena die Heimatstadt Efferdans ist.



Uff, er darf! Für einen Moment schon hatte er befürchtet, der Kapitän würde 'nein' sagen, da nur noch so wenige Matrosen an Bord sind.

"Danke.. Kapitän. Ja, Kapitän.." antwortet er in seinem gewohnt schüchternen Tonfall auf die ersten beiden Sätze des Kapitäns. Doch trotz dieser Schüchternheit ist die Freude in seiner Stimme wohl deutlich zu spüren...

"Ähm... nun..." fängt er nach des Kapitäns Frage an.

Ob er Geschmack am Landgang gefunden hat, will der Kapitän wissen. Nein, dass sicher nicht. Noch immer kommt es ihm jedesmal, wenn er an land geht vor, als würde er etwas wichtiges zurücklassen, noch immer fühlt er sich an Land fremd, noch immer vermeint er, krank werden zu müssen, ob des Schmutzes, der vielen Menschen, des Lärms und des Fehlens der Weite des Meeres.

Für einen Moment ist er nahe dran, dem Kapitän von dem zu erzählen, was ihn bewegt, von der Hoffnung, hier in seiner Heimatstadt etwas mehr über sich und seine Eltern zu erfahren, von dem Wunsch, die wenigen schönen Momente seiner Kindheit noch einmal erleben zu können, von der Ungewissheit über sich selbst, die ihn noch immer quält und auch von dem winzigen Funken aberwitziger Hoffnung, er würde dann, wenn er endlich mehr weiß, nicht mehr so alleine sein...

Doch, was interessiert den Kapitän das? Wer ist er denn, den Kapitän mit so etwas zu belästigen? Der Kapitän hat sicher schon genug mit der Führung des Schiffes zu tun. Was würde es bringen, ihn mit den eigenen, unbedeutenden Wünschen und Hoffnungen zu belästigen?

Und so baut sich einmal mehr, die unsichtbare Wand auf, die er irgendwie zwischen sich und den meisten anderen errichtet hat. Schlicht setzt er den Satz fort:

"...äh ..nein.. ich...ich.. nur noch einmal... ähm ...zum EFFerdtempel..."



Der EFFerdtempel... das ist etwas, das der Kapitän sofort versteht. Insbesondere nach dem, was er von Vortag erfahren hat, ist es auch vollkommen verständlich, dass das Bedürfnis, den Tempel aufzusuchen, für den Matrosen stärker ist als all seine sonstigen Gewohnheiten.

"EFFerd sei mit dir", erwidert er so nur schlicht, während er an seine Absicht denkt, an diesem Tag, wenn sein Dienst beendet ist und Lowanger ihn ablöst, ebenfalls noch einmal zum Tempel zu gehen.



"Ähm... Danke" antwortet Efferdan im ehrerbietigen Tonfall.

"Auch ... mit Euch" fügt er nach einer kurzen Pause noch hinzu.

`Darf ich jetzt gehen? Nun, der Kapitän hat mir EFFerds Segen gewünscht, also werde ich wohl...`

Etwas unsicher macht er ein, zwei Schritte rückwärts, in Richtung Niedergang zum Oberdeck. Damit zieht er sich zurück, kann aber sofort seine Aufmerksamkeit wieder dem Kapitän zuwenden, so dieser ihm noch etwas sagen will.



"Danke", erwidert der Kapitän knapp, um sich dann wieder etwas von dem Matrosen zu entfernen und der Betrachtung der Umgebung zuzuwenden. Kurz huscht wieder ein Lächeln über sein Gesicht, als er sieht, wie behutsam sich Efferdan entfernt, auch wenn das in dieser Situation ja vollkommen okay ist, schließlich ist das kurze Gespräch ja beendet.

Aus genau diesem Grunde verkneift er sich aber auch jedes zusätzliche Wort dazu, denn irgendwann muss Efferdan das ja mal lernen, und da sind solche wirklich unwichtigen Anlässe einfach am besten geeignet.



Immer noch mit einem Lächeln im Gesicht beobachtet der Kapitän, wie der junge Matrose langsam und sehr behutsam über die Planke geht, und dann schließlich in Richtung der Gebäude der Stadt, oder, besser gesagt, in Richtung des EFFerdtempels zu verschwinden.

Seine Aufmerksamkeit kehrt damit sogleich wieder zum Hafen und den Schiffen in diesem zurück, all den Dingen, die für einen Seemann so interessant sind.



IN HAVENA - Im Hafen: Efferdan unterwegs ...


Langsam zieht sich Efferdan zurück, bis er fast ganz am Rand der Treppe steht. Der Kapitän hat sich abgewand und ihn nicht mehr angesprochen.

Das bedeutet dann wohl wirklich, dass er entlassen ist. So dreht er sich herum und huscht auf das Oberdeck hinab.

Langsam geht er auf die Planke zu und zwar scheint er immer langsamer zu werden, je näher eben jene Planke rückt, die »Verbindung zwischen Land und Meer«, wie er es sieht.

Genau wie am Vortag bleibt er vor der Planke stehen und sieht fast ängstlich auf das feste Land nur ein paar Schritt

entfernt. Sein Hals fühlt sich trocken an, rau. Der Matrose versucht zu schlucken, doch es will ihm nicht so recht gelingen. kleine Schweißperlen bilden sich auf seiner Stirn.

`Komm, gestern hast du es auch geschafft. Und wenn du es nicht tust, wirst du nie Antworten erhalten...`

versucht er sich selbst Mut zu machen.

Sehnsüchtig wirft er noch einmal einen Blick zurück, dorthin wo die breite Wasserfläche schimmert. Es ist fast so, als wolle er so viel wie möglich davon mitnehmen, als sauge er die Eindrücke förmlich in sich auf, ein Quell um daraus zu schöpfen...

Endlich endlich - so mag es einem Beobachter vorkommen - setzt er - recht zaghaft - einen Fuß auf die Planke...



Über die Planke läuft Efferdan recht sicher. Es ist auch nicht die Planke, die bei Efferdan ein flaues Gefühl im Magen verursacht, sondern das, was danach kommt. Und so bleibt er auch am »Ende« der Planke stehen und starrt auf den festen Boden vor ihm.

Der Matrose schluckt, atmet tief durch und wagt den Schritt.

`Ich muss zu Tempel, also muss es sein`

Das ist schon bedeutend besser als am Vortag, denn gestern stand er noch bedeutend länger auf der Planke...

Efferdan steht nun mit beiden Beinen auf dem festen Boden und fühlt sich irgendwie... unsicher. Nicht nur, dass er sich schon jetzt zurück sehnt auf das Meer, die weite Wasserfläche vermisst, denn vor ihm fangen die »Häuserschluchten« an, nein, da ist auch etwas anderes.

`Es schwankt nicht`

Breitbeinig taumelt er einen Schritt nach vorne, versucht schaukelnde Bewegungen auszugleichen, die gar nicht existieren. Ihm, der die letzten Jahre hauptsächlich auf Schiffsplanken verbracht hat, kommt das Laufen auf nicht schwankendem Grund sehr seltsam und unnatürlich vor.

Da, beinahe wäre er gestolpert! Gerade noch fängt er sich und bleibt stehen. Für einen Moment scheint sich alles um ihn zu drehen, er fühlt sich schwindlig. In seinem Magen rumort es, er fühlt einen bitteren Geschmack im Mund...

`Oh, ich glaube, mir wird übel...`

Langsam taumelt er weiter, von dem Willen getrieben, den Tempel zu erreichen. die ersten Schritte sind immer die schlimmsten, dass weiß er von gestern. Später würde es besser werden...



Und wirklich, es wurde besser. Zwar kann Efferdan immer noch nicht sagen, dass er sich auf dem Festland wirklich wohl fühlt, doch immerhin konnte er verhindern, dass ihm wirklich übel wurde und auch das Taumeln hat aufgehört, ist nun dem typischen, breitbeinigen Gang der Seeleute gewichen.

Efferdan weiß nicht wirklich, wie er es geschafft hat, durch all die Menschenmassen - wie er denkt - zu kommen, die allenthalben die Straßen säumen.

Vielleicht hat ihm auch geholfen, dass er bereits nach wenigen Schritten in all dem Trubel vertraute Dinge fand. Viel hat sich verändert, in der Zeit, da er fort gewesen, aber noch viel mehr ist gleichgeblieben in Havena. Noch immer hängt das Schild an dem kleinen Speicher direkt am Hafen schief, auch wenn die Tünsche des Hauses erneuert wurde. Maires Schneiderei, bei der er als Kind hin und wieder gewesen war, steht noch immer an derselben Stelle und auch der Geruch der Gassen ist immer noch derselbe. Es sind diese Dinge, die Efferdan vertraut sind, im etwas halt geben und durch die er das Gefühl hat, hier doch nicht ganz so fremd zu sein, wie in anderen Städten.

Eine Gruppe Kinder spielt an einer Ecke mit bunten Steinen ein bekanntes Kinderspiel und Efferdan muss lächeln, als er sich daran erinnert, genau an derselben Ecke dasselbe Spiel zum ersten Mal gespielt zu haben...

Und auch Fischerort - einer der ältesten Teile Havenas - sieht noch immer aus wie früher. Überall zwischen den kleinen Häusern sind Seile und Taue gespannt, Fische zum Trocknen auf Gestelle aufgehängt. Zahnlose Alte sitzen am Boden und fischen mit flinken Fingern Tang und Muschelschalen aus auf ihren Knien liegenden Netzen. Und dazwischen tollen überall Kinder, spielen, lärmend, fröhlich.

So wie einst er... Schon gestern Abend war er - mehrmals, da der gestrige Abend ja auch mehrmals stattfand - zu dem Haus gegangen, in dem er früher mit seiner Mutter gewohnt hatte. Eine neue Familie war dort eingezogen, Rauch quoll aus dem Kamin und von irgendwo drinnen war das Geschrei eines kleinen Kindes zu hören gewesen. Die Stadt lebte weiter, die Menschen kamen und gingen, doch die Mauern und Balken blieben, sogen alles, das ganze Leben, in sich ein...

Er hatte sich gefreut, zu sehen, dass das Haus noch stand, doch irgendwie schmerzte es auch, zu sehen, wie das Leben einfach weiterging, wie neues Leben eingezogen war und die Spuren seiner mutter einfach ausgelöscht hatten... Nein, er würde nicht noch einmal hingehen - jedenfalls jetzt nicht...


***


Belfionn sieht auf, als er Efferdans auffällige Gestalt bemerkt. Der Fischer mag wohl Mitte Zwanzig sein, groß und kräftig, mit einem dichten Vollbart und dunkelblondem Haar. Gerade war er dabei, ein Netz zu flicken, doch nun lässt er es achtlos sinken. Mit brennenden Augen sieht auf er den in einiger Entfernung vorbeilaufenden Efferdan, seine Mundwinkeln zucken abfällig. Argewöhnisch sieht er ihm hinterher.

`Also bist du wieder da, Dämonenbastard! Was willst du hier? Uns alle ins Unglück stürzen, wie du es mit deiner Mutter gemacht hast?`


***


Endlich hat Efferdan den Tempel erreicht. Wie schon am Vortag blickt er voller Ehrfurcht auf das uralte Gemäuer. Man sagt, dass es schon vor der großen Katastrophe gebaut wurde. Ewig wie das Wasser selbst.

Sein Blick streift über das Delphinrelief, dass beidseitig des großen Portals eingemeißelt ist. Fast andächtig folgen seine meerblauen Augen den feinen Linien des Reliefs, wie er es auch schon früher getan hatte. Etwas beklommen steigt er die Treppe auf das halbe Schritt hohe Marmorpodest hinauf.

Was würde ihn wohl diesmal drinnen erwarten? Als er gestern hier war, kam er gar nicht dazu nach Antworten zu suchen, unversehens wurde er in die Geschehnisse um die heilige Miesmuschel herum gezogen...

Und heute? Würde er finden, was er suchte? würde er niedergeschlagen und mit leeren Händen wieder gehen müssen? Oder würde wieder etwas absonderliches passieren?

`Wer nicht ins Wasser geht, lernt nie schwimmen` fällt ihm eine alte Havener Weisheit ein und mit diesen Gedanken und einem tiefen Atemzug betritt er den Tempel...



Ehrfürchtig lenkt Efferdan seine Schritte über die uralten Marmorfliesen des Betraumes, seine Augen durchfliegen den Raum. Ja, alles ist noch genauso wie vor neun Jahren. Und auch davor war es nicht anders. Alles ist ihm vertraut, ihm ist fast so, als ob das Gemäuer eine Stimme hat, die ihn wispernd willkommen heißt. Willkommen in einem alten Zuhause, denn hier hatte er als Kind viel Zeit verbracht. Fast scheint es ihm, als kenne er jeden Spann des Raumes, so vertraut ist er.

Die Mauern scheinen zu atmen, jeden Augenblick in ihren Tiefen auf ewig zu verschließen, ein stetiges Zeugnis des Lebens und der Andacht an diesem heiligen Ort.

Zeugnis auch von seinem Leben. Wenn die Mauern doch nur reden könnten, sagen, was sie gehört, zeigen, was sie gesehen. Geheimnisse und Weisheit wohnen an diesem ehrwürdigen Ort, doch wem mag es gelingen, ihnen ein Fünkchen der Erkenntnis, die sie bergen zu entlocken?

Demütig lässt er sich in einiger Entfernung von der mit blau emalierten Delphinen verzierten Schale, die heiliges Wasser birgt, nieder.

`Nun bin ich wieder hier - und jetzt?`

Hilfe suchend blickt er auf den einen Delphin auf der Schale, von dem er schon immer dachte, dass er ihn anlächelt...

`...Mutter...`



IN HAVENA - In Immanstadion: Kurz vor Spielbeginn Perval und Traviana


Stetig aber sicher wird das kribbelige Gefühl, daß ihn ergriffen hat, seitdem er hier steht, stärker. Lange hat er kein Immanspiel mehr gesehen und die 'Vorbrereitungen' versprechen ein interessantes Spiel.

Hät er doch nur seine Flasche mit dem selbstgebrannten Pflaumenschnaps von Muttern mitgenommen. Dann hät er sich in der Wartezeit ein oder zwei kleine Schlückchen gönnen können. Und Traviana könnt auch den einen oder anderen Schluck zum Auflockern vertragen. Aber so ruht die Flasche noch fast voll im Seesack.

So bleibt einem halt nichts anderes übrig, als die Vorgänge auf dem Feld und den Rängen zu beobachten, und zu hoffen, daß das Spiel bald losgeht.

'Wann get `n dat vermaledeite Spiel denn nu endlich los?' fragt Perval sich immer wieder.



'Woher können diese ganzen Menschen immer dieselben Lieder?'

Ob spontan oder abgesprochen, Traviana hat vorher noch keines dieser Lieder gehört. Sie sieht weiterhin auf das Spielfeld und ist schon gespannt, wann es losgeht. Auch hört sie den Texten und Melodien der Lieder zu, die hier gesungen oder gerufen werden. Diese ganze Atmosphäre kennt sie noch gar nicht...



'Ahh, endlich bewegen sich de Leut uf de Feld.'

Leicht berührt Perval Traviana an der Hand, um ihr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

"Gleich geht's los. Die nehm jetzt ihre Plätze ein und dann gibt der Schiedsricher - da hintn schient er zu komm -", Perval deutet kurz in die Richtung, "dat Zeichn und es geht los."



Traviana sieht zuerst zu Perval, dann auf das Feld.

„ Aha! Das ist der Schiedsrichter? ....... dann geht es wohl wirklich gleich los."

Sie lächelt...



IN HAVENA - Im Immanstadion: Talersuche - Jandara, Ole und Alberik


Noch bevor der Zwerg ihr antworten kann, ruft jemand ihr etwas zu.

'Kleine Hexe!!!'

Jandara schaut auf und ihr Gesicht, dass sowieso schon immer sehr blass ist, wird noch eine Spur weißer. Erst fehlen ihr die Worte, ein Kloß sitzt in ihrem Hals, der ihr schier die Luft abschnürt. Sie schluckt. Doch dann erkennt sie, dass der Mann nur einen Scherz machen will.

"Für zwölf Silbertaler kannst du mir vielleicht mal einen neuen Gürtel sticken!"

Und so macht sie sich wieder daran weiter zu suchen.



Ole lacht laut auf. Die 'kleine Hexe' hat ja ordentlich 'Pfeffer' im Kiefer. Das gefällt dem alten Schiffszimmermann.

"Ich bin schwer im Zweifel, dass es dich besser kleiden würden, wenn du einen Gürtel trägst, der von meinen Händen zusammen gepfuscht worden wäre. Du würdest mir das Doppelte bieten, dass ich ihn wieder zurück nähme!" wirft er lachend zurück.

Des 'graue Riesen' Blick fällt wie zufällig auf den Boden, dort, wo der Zwerg immer noch kleinen Münzen hinterher kriecht und erkennt dort ein paar blinkende Geldstücke, die für Alberik unerreichbar sind. Ole kann nun nicht anderes, er ist fürchterlich neugierig geworden, und so bückt er sich, um es dem Zwerg nachzutun, ein Werk, das für Ole ungleich schwieriger ist, da es bei seiner enormen Körpergröße noch weniger Platz für ihn gibt als für den Sohn des Atosch.

Aber Ole hat lange Arme und irgendwie machen ihm die Umstehenden auch gerne bereitwillig Platz. Das wiederum ist in diesem Unterfangen ein Vorteil, wenn man so groß und mächtig gebaut ist, so wie der Schiffszimmermann. Nach kurzer Zeit versinkt er der konzentriert in die Suche, dass er beinahe mit seinem Schädel an den Kopf Alberiks geprallt wäre ....

"Seid ein weniger vorsichtiger und schaut gut um euch, Herr Alberik, es könnte ja eine Kutsche kommen ...!"

Ole grinst.



Es ist nicht so, daß Alberik nicht die Glaubwürdigkeit der Rothaarigen in Frage stellt. Viel mehr stellt er die Glaubwürdigkeit der meisten Menschen in Frage, wenn es um Geld geht. Er weiß selber noch genau, wieviel ihn die letzten Tage gekostet haben.

Doch zu einer Antwort kommt er nicht mehr. Ole kommt ihm zuvor und verwickelt Jandara in ein kleines Gespräch, worüber die das Geld vergißt, das der Zwerg ihr gerade noch entgegengehalten hat.

'Jaja, Menschen und Geld. Da sieht man mal wieder, wie die mit Geld umgehen können.'

Also sammelt Alberik weiter. Vielleicht kann er ja noch den einen oder anderen Heller finden. Denn falls Jandara nicht jeden Kreuzer wiederbekommt, wird er selber den Rest bezahlen müssen. Wenn es um Geld geht, ist Alberik sehr ehrlich.

Das Ole schon mit hilft und auch auf dem Boden herum kriecht, bemerkt er erst, als dieser ihn anspricht.

Und dann auch noch so. Wieder diese verfluchte Kutsche.

Wütend schaut Alberik in Oles Augen. Man kann den Zorn, der nun in dem Zwergen brodelt, gut erkennen. Doch er will den Thorwaler nicht voreilig eine Lektion erteilen, kann er sich doch gut vorstellen, daß Ole ein erfahrener und kräftiger Kämpfer ist und sich ein Kampf schwieriger darstellen könnte, als einem lieb ist.

"Was hast du gerade gesagt? Würdest du das noch einmal wiederholen?"



'Wie fleißig der Zwerg sucht...'

Jandara tut es jetzt fast schon leid, dass sie ihn so angemeckert hat. Wie er da so emsig über den Boden kraucht, dass rührt die junge Frau sehr. 'Hah, noch ein Taler.' und wieder hat sie etwas gefunden.

Doch dann sagt der riesige ungekämmte Mann etwas, was den Zwerg offensichtlich sehr trifft. Misstrauisch blickt Jandara mit ihren grünen Augen von Riese zu Zwerg und von Zwerg zu Riese.



Ole schaut den Zwerg verwundert an. Fast wäre ihm die Münze, die er soeben ergriffen hatte, auch noch durch die Finger gerutscht. Was hat der Angroschim denn nur? Hat er einen Schwelbrand unterm Helm gehabt?

"Heilige Noiona, hat euch denn INGerimm's Hammer den letzten Funken Humor aus dem Schädel gehauen? Oder lacht ihr ausschließlich auf die Kosten anderer? Dann hätte ich euch wahrlich falsch eingeschätzt!"

Der Schiffszimmermann ist ehrlich enttäuscht von der Reaktion der Zwerges, hatte Ole doch wirklich gedacht, man könnte bei Alberik auch einmal eine derben Scherz riskieren. Aber offensichtlich gibt es auch im Zwergenvolk ein paar Persönlichkeiten, die weniger Spaß verstehen als Baron Dexter Nemrod während eines Anfalls von Gicht.

"Wenn ich mir erlauben darf den Umstand zu erwähnen, so seht an euerer linken Hand vorbei und ihr werdet zwei Silberlinge erkennnen, die könnten glatt der Gegenstand eurer Suche sein. Sicherlich werdet ihr es vorziehen selbst dorthin zu kriechen, um diese Münzen aufzuheben. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich mich eingeladen fühle, euer Missgeschick auszugleichen!"

Ole hat sich leicht in Wut geredet. Er steht auf, klimpert noch ein wenig mit den Münzen, die er aufgesammelt hat und geht, Schritt für Schritt, soweit es ihm die eng stehenden Zuschauer ermöglichen, auf die Rothaarige zu. Natürlich nicht, ohne dabei vor sich hinzugrumnmeln, halblaut, so dass er sich sicher sein kann, dass Alberik ihn hören kann:

"So sagt doch gleich, dass ihr das Wort KUTSCHE nicht gerne hört. Niemals hätte ich das Wort KUTSCHE auch nur in den Mund genommen, wenn cich gewußt hätte, dass ich das Wort KUTSCHE nicht gefällt. KUTSCHE allein lässt ja noch nicht erahnen, dass KUTSCHE auch unerwünscht ist. Wenn Herr Alberik meint, KUTSCHE wäre nicht angebracht, dann eben keine KUTSCHE, auch jene nicht, die heran rollen - oder sollte man besser sagen heran rollten? KUTSCHEN rollen immer irgendwie, es ist die Bestimmung von KUTSCHEN zu rollen. KUTSCHEN rollen auch heran und KUTSCHEN rollen über einen hinweg. Sie rollen immer, sonst wären es ja keine KUTSCHEN. Es ist sozusagen ihre Bestimmung zu rollen. Nur KUTSCHEN können so etwas .... !"

In dieser Weise fährt Ole noch eine Weile fort, und seine Stimme wird immer provokativer, ehe er sich zu Alberik umdreht und nur noch gehässig meint:

"KUTSCHE, KUTSCHE, KUTSCHE ... Na, war das Wiederholung genug!"

Dann dreht sich Ole um und straft den Zwerg desweiteren mit Missachtung ....



'Hui, der Riese ist aber ganz schön beleidigt,'

Doch Jandara sucht noch immer nach ihrem geliebten Rosenquarz und wegen dem ganzen Durcheinander hier, weiss sie nicht einmal mehr, ob der Zwerg überhaupt weiß, nach was er suchen soll.

Plötzlich, just in dem Moment, als die Anfeuerungsrufe der Umstehenden wieder lauter werden, meint sie den heiseren und einsamen Ruf ihres Raben gehört zu haben.

'Zach ist in Gefahr! Er hat Angst!'

Aber vielleicht hat sie sich ja auch geirrt? Hier in dem Stadion ist es einfach zu laut, es sind zu viele Menschen um sie herum und die Situation in der sie sich befindet ist ja auch sehr ärgerlich. So hat sie einfach nicht die Muße, dem Rabenruf nachzuspüren.

Und noch ein Taler!



Missmutig stapft Ole zu der rothaarigen Frau. Er hält ihr die offen Hand hin, ein paar Münzen liegen darauf. Er hat nicht viele Schritt zu überwinden und dennoch muss er ein paar Zuschauer auf die Seite drücken bevor er sie erreichen kann.

"Hier nehmt, es ist etwas mehr als zwei Silberlinge ... !" brummt er vor sich hin und wartet darauf, dass die Frau das Geld entgegen nimmt. Doch will es ihm scheinen, dass die Frau gar nicht mehr so sehr bei der Sache ist. Sie wirkt verstört, ja fast sogar ein wenig ängstlich und sie gebärdet sich fast ein wenig so, als wolle der Schiffszimmermann ihr eine Skorpion in die Hand drücken, so glaubt der 'graue Riese' erkennen zu können.

"Aber gute Frau, ich will euch doch nur Teil eueres Gelds geben, ich will euch doch nichts tun! Ihr dürft mit Bestimmheit annehmen, dass ich euer Kleid nicht zerreissen werde, ich habe doch vorhin nur einen Scherz machen wollen ...!!"

Was für ein Tag! Seufzend muss Ole feststellen, dass er heute mit seinen Scherzen nicht unbedingt erfolgreich ankommt. Es wird wohl besser sein, er widmet sich von nun an voll dem Spiel der beiden Mannschaften und überlässt seine Umwelt ihrer selbstgewählten Trostlosigkeit ..... - Das Wohl!



IN HAVENA - Im Immanstadion: Geldübergabe - Darian und Jandara


Gespannt, aber doch etwas besorgt, hatte Darian die Übergabe des Strohwales beobachtet. Aber es ging ja alles gut, es kam nicht zur berüchtigten Walwut der Thorwaler, die der junge Magus bereits mit eigenen Augen beobachten konnte, als der Schiffszimmermann der NORDSTERN während der Meuterei in einen solchen Kampfrausch geriet.

Nun gehen die Spieler zwar auf das Spielfeld, machen aber offenbar immer noch keine Anstalten anzufangen. Statt dessen findet gerade unmittelbar neben ihm ein Ereignis ganz anderer Art statt: Eine rothaarige Frau, die Darian nicht kennt hat offenbar ihren Geldbeutel verloren und sucht nun zusammen mit dem Zwerg verzweifelt nach den Münzen. Ole ist derweil wiederum mit Alberik in Streit geraten und redet nun irgend etwas, wobei er immer wieder das Wort "Kutsche" betont.

Die Zwistigkeiten zwischen Zwerg und Schiffszimmermann beachtet der junge Magier nicht weiter, wendet sich aber, zumal ja auf dem Feld noch nichts weiter passiert, dem Geschehen zu seinen Füßen zu. Zwei Silbertaler, sowie einige Heller und Kreuzer liegen in Griffweite im Dreck. Darian bückt sich und hebt die Münzen auf. Dann schlängelt er sich an Alberik vorbei zu Jandara durch.

"Sind dies eure?" fragt er mehr rethorisch, während er ihr das Geld hinhält.



Gleich zwei Hände halten Jandara Taler hin. Die eine Hand ist groß, rauh und hat an vielen Stellen schon schwielige Hornhaut gebildet. Die andere Hand ist feingliedrig und scheint noch nie harte Arbeit getan zu haben, offensichtlich die eines Akademikers.

Wie freundlich es von all diesen Leuten ist, ihr zu helfen, dass nimmt die junge Frau gar nicht richtig war. Auch das sie nun bald alle Taler zusammen haben muss, ist im Augenblick zweitrangig.

"Ja, danke" antwortet Jandara, deren Gedanken immer noch zwischen dem Raben im Laderaum vier der NORDSTERN und ihrem Rosenquarz zwischen den Füßen der Zuschauer hin und her huschen.

Sie klaubt die Taler von den Händen zusammen und steckt sie ungezählt in den Beutel.



IN HAVENA - In Immanstadion: Kurz vor Spielbeginn - Die Anhänger der 'Bullen'


Die Aufregung um die Übergabe des Strohwals scheint in den Reihen der Havena'er abzuflauen, und die Spannung nimmt allmählich wieder Überhand - die Spannung und Erwartung, denn es kann wirklich nicht mehr lange dauern, bis das Spiel losgeht.

"HAVENA!!! HAVENA!!!"

Der Name der Stadt wird vielhundertfach gebrüllt, und übertönt damit die immer noch vereinzelt aufkommenden Rufe, die versuchen, gezielte Beleidigungen gegen Spieler der gegnerischen Mannschaft auszuteilen.

Die Gruppe, die so nahe an den Premern steht, hat sich zumindest dem Schein nach von der Schlappe mit dem Reto-Pokal erholt, und drängt sich dann mit lautstarken Brüllereien wieder in den Vordergrund - Brüllereien, die deswegen zu verstehen sind, weil sie von genug Leuten zugleich gerufen werden.

"BULLEN! STAMPFT DIE POTTWALE IN DEN BODEN! ZEIGT IHNEN, WIE MAN IMMAN SPIELT!"



IN HAVENA - In Immanstadion: Formationen - Die 'Pottwale' und die 'Bullen'


Ifirnsgiron trabt zu den 'Seinen' zurück. Er ist sichtlich zufrieden mit sich. Unter den geschehen Umständen, war es gar nicht so einfach gewesen, das Spiel nicht schon vor dem Beginn eskalieren zu lassen. Er kennt doch seine Gefährten, wenn die erst einmal in Rage kommen, dann gehen sogar die Kinder SWAfnir's ehrfürchtig aus dem Weg.

Das war aber auch ein sehr dummer, ja sogar alberner Idee einen Wal aus Stroh zu überreichen. Ifirnsgiron versucht sich erhaben über diese kindische Aktion zu erheben, doch muss er dennoch kichern, als im der Gedanke ins Bewusstsein dringt, gerade deshalb könnte sich dieses Königreich 'Albernia' nennen, da die Menschen gar nicht anders können, als albern zu sein. Vielleicht sollte man sich da anpassen und bei nächsten Spiel in Havena eine Kuh mit auf das Spielfeld führen, denn Gras genug ist ja da und auch 'Bullen' sind reichlich vorhanden!

Ifirnsgiron will gar nicht bemerken, dass seine Ideen höchstwahrscheinlich noch sehr viel kindischer sind, als die der gegnerischen Mannschaft. Aber warum soll man nicht bisschen Spaß haben, gleich wird sowieso wieder blutiger Ernst einkehren, da wird für Späße nicht mehr viel Raum sein.

"So Leute das war's vorerst, nun ist Schluss mit lustig. Laßt uns die Positionen einnehmen.

Sofort danach rennt Ifirnsgiron ins zentrale Mittelfeld. Aki, Hasgar, Ragnid und Thinmar begeben sich auf ihre Stürmerpositionen. Gleich hinter der Stürmerreihe bauen sich die beiden Frenhilds auf. Haldar und Tula stellen sich links von Ifirnsgiron auf, Rorlif und Algrid rechst von ihm. Thorlif, Faenwulf und Yngwar bildet das Abwehrbollwerk und Isleif schlendert nervös vor dem Tor herum.

So - nun könnte es losgehen. Und Faenwulf murmelt vor sich hin:

"Kommt ihr kleinen Kälbchen, kommt doch her. Es wird nicht lange wehtun, mein Wort darauf!"

Dann grinst er hässlich und spricht laut und gedehnt:

"Muuuh .....!"



Der Kapitän der Premer tritt als erstes den "Rückzug" zu seiner Mannschaft an. Gut. Cathal bleibt noch einen Moment stehen und genießt den moralischen Vorteil aus dieser Situation, dann geht auch er zu seiner Mannschaft zurück.

"So, die fegen wir vom Platz! Ihr kennt Eure Plätze. Wir machen es so wie besprochen!"

Seine Stimme ist fest und bestimmend. Und er weiß, dass seine Jungs und Mädels genau das machen werden, was er sagt. Schließlich wollen sie gewinnen. Cathal grinst.

`Naja, bei manchen könnte es doch zu Einzelaktionen kommen, aber...`

Sein Blick schweift noch einmal über die Havener Spieler, die gerade ihre jeweilige Position einnehmen.


***


Scibor, der ganz vorne an der Mittellinie steht, sieht finster zu den Thorwalern hinüber. Für einen Augenblick mag der ihm schräg gegenüber stehende große schlanke Mann mit den roten Bartstoppeln Zorn, ja gar Hass, in seinen Augen lodern sehen. Grimmig hält der bullige Mann seinen Schläger in beiden Händen.

`Euch mache ich fertig. Glaubt nicht, dass ihr eine Chance habt`.

Dann hört er ein lautes Muhen aus den hinteren Reihen der Premer. Ruckartig bohren sich seine schwarzen Augen in die Richtung des Geräusches.

`Und du bist zu erst dran, Großmaul!`


***


Cathal ist bei seiner Betrachtung bei dem einige Meter links von ihm stehenden Scibor angelangt. Er kennt seine Geschichte und er sieht die finsteren Blicke, die der kleine Mann den Thorwalern zuwirft. er ist einer derer, von denen er nicht immer weiß, ob er sie unter Kontrolle hat.

`Hoffentlich bleibt er ruhig. Er wäre glatt im Stande, den Fischköppen den Hals durchzubeißen...`

"Scibor, halt dich zurück!" meint er darum mahnend in dessen Richtung...


***


Lyn lächelt - mal wieder - in die Runde ihrer Fans. Ihr Blick fällt auf einen jungen Mann, in den vorderen Reihen, dessen Gesicht ihr irgendwie sehr bekannt vorkommt. Ach, richtig, dass ist der junge Rigan, der ihr schon seit drei Wochen ständig hinterherläuft. Ein ansehnlicher Bursche, aber so einfaltslos...

Um ihn etwas zu necken, wirft sie ihm einen flüchtigen Handkuss zu und lächelt dann aber gleich darauf wieder in eine andere Richtung. Soll er ihr ruhig noch etwas hinterher laufen. Und wenn er sich noch etwas anstrengt, wer weiß...?

Hach, es ist doch schön, schön zu sein...


***


Romolosch sieht grummlig zur Seitenlinie.

`Können wir nicht bald anfangen?`

Wenn es nach Romolosch ginge, dann hätte das Spiel schon längst begonnen. Aber die Menschen müssen ja immer so ein Theater machen. Naja, sie sind halt alle noch Kinder. Und wo bleibt denn dieser blödsinnige Schiedsrichter? Bei Angroschs Barte, nicht, dass sie so etwas nötig hätten, aber unglücklicherweise bestimmt er, wann es los geht.

`Ah, da kommt er ja endlich!`



IN HAVENA - In Immanstadion: Formationen - Die Anhänger der 'Pottwale und der 'Bullen'


Der Aufmarsch ihrer Helden steigert die Stimmung bei den Havena'ern im Stadion ins unermessliche... von einem Moment zum anderen sind die vorher noch so schmerzhaft empfundenen Beleidigungen der Premer vergessen, und nur noch die Mannschaft um Cathal steht im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit und ihres Interesses.

Lautstarker Beifall donnert durch das Stadion, als die Bullen an ihre Positionen gehen, und insbesondere die, die das Glück haben, durch ihren Platz im Stadion einem der Spieler verhältnismäßig nahe zu sein, brüllen den jeweiligen Namen besonders laut... vielleicht erfüllt sich ja der Traum, und der Spieler erwidert den Blick, oder beachtet einen wenigstens für einen kleinen Augenblick.

Ausgehend von einem ganz bestimmten Punkt im Stadion, nämlich dem Platz, wo ein gewisser Bootsmann wieder einmal kurz mit denen getuschelt hat, die um ihn herum stehen, branden wieder Sprechchöre auf, die immer mehr Menschen erfassen, und immer stärker gegen den allgemeinen Lärm des wilden Durcheinanderschreiens ankämpfen.

"FÜR HAVENA! BESIEGT SIE! CATHAL, DU SCHAFFST ES!"

Anderenorts wird versucht, wieder eines der beiden Lieder auf Romolosch oder Cathal anzustimmen, aber der Versuch scheitert jeweils, da zum einen die Masse fehlt, und zum anderen der Lärm einfach zu groß ist, und die gespannte Erwartung zu stark angeheizt ist... alles fiebert dem Beginn entgegen, sie wollen endlich ihre Helden in Aktion sehen, wollen sehen, wie die Bullen die Pottwale grandios schlagen in diesem heimatlichen Stadion...



Geduld war noch nie eine herausragende Stärke der Nordmänner. So auch heute nicht. Während den Premer Reckinnen und Recken fast schon das Moos die Füße hoch wächst, so lange wie sie hier warten müssen, spazieren die Havener gemütlich über das Feld, als müssen sie dabei jeden einzelnen Grashalm inspizieren. Und bei den Schiedsrichtern handelt es sich womöglich um horasische Stutzer, die sich erst noch fertig pudern und schminken müssen, bevor sie ihren "gesellschaftlichen Verpflichtungen" nachkommen können.

Einzelne Sprechchöre fordern erneut die längst überfällige Unterhaltung:

"WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N - WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N!!!!"

Mit geringschätzigen Blicken werden die Havener taxiert, als gelte es, Schlachtvieh auf den Markt zu beurteilen. Ein wichtiger Punkt scheint zum einen die gewissenhafte Lederherstellung zu sein:

"GERBT HAVENA DAS DICKE OCHSENFELL, DICKE OCHSENFELL, DICKE OCHSENFELL!"

"GERBT HAVENA DAS DICKE OCHSENFELL, DICKE OCHSENFELL, DICKE OCHSENFELL!"

Ein anderer nicht minder wichtiger Punkt, ist natürlich vor allem die Frischfleischbeschauung. Das dralle Blondchen bei den Havener Bullen wirft schon die ganze Zeit willige Blicke ins Publikum. Das bleibt natürlich bei den Premern nicht unentdeckt - und vor allem nicht unkommentiert.

"AUSZIEHEN! AUSZIEHEN! AUSZIEHEN!!"

"LOS KLEINE KUH, ZEIG UNS DEIN EUTER!!!!"

Diese, und nicht weiter benennbare indirekte und vor allem auch direkte Aufforderungen werden der Havener Spielerin, die den Hiesigen sehr wohl als "Lyn" bekannt ist, entgegen gebrüllt und dazu mit eindeutigen, obzönen Gesten begleitet.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Kurz vor Spielbeginn - Nirka und Sigrun


Sigrun nickt nur zu Nirkas Worten und verfolgt dann wie gebannt das Geschehen. Ihre Stirn ist leicht in Falten gelegt, befürchtet sie doch das Schlimmste. Doch dann, wäre es im Stadion nicht so laut, man hätte sie ihren Atem ausstoßen lassen hören: Die Bullen belassen es bei einer, wenn auch sehr zweifelhaften, Provokation und die Premer gehen in angemessener Weise darauf ein.

Sigrun wünscht zwar kein langweiliges Spiel, doch Schlägereien schon vor Beginn des Spiels und Gotteslästerung entsprechen nicht ihrer Vorstellung von Unterhaltung. Da sollen die Spieler doch lieber erst einmal zeigen, was sie können!

"Endlich nehmen sie die Positionen ein, hoffentlich geht's gleich los!"



"Ja, das hoffe ich auch. Aber vielleicht mögen sie das ja auch, die Stimmung so hoch zu schaukeln, und verzögern den Anfang deswegen absichtlich!"

Nirka muss schon recht laut reden, um gegen den allgemeinen Lärmpegel soweit anzukommen, um wenigstens von Sigrun verstanden zu werden, die so dicht neben ihr steht, dass sie sich berühren.

Kurz huscht ein Grinsen über ihre Gesichtszüge, dann tastet sie, für die Umstehenden wohl so ziemlich unsichtbar, nach Sigruns Hand, während sie laut brüllt:

"ANFANGEN!!! ANFANGEN!!!"

Was andere können, nämlich laut zu brüllen, das kann sie auch, schließlich muss sie das auf der NORDSTERN oft genug tun...



IN HAVENA - Im Imman-Stadion: Kurz vor dem Spiel - Die 'Bullenfreunde'


Etwas, das noch vor sehr wenigen Augenblicken unfassbar schien, geschieht nun im Immanstadion... die Rufe der Havena'er Anhänger gleichen denen der Premer, und sie haben vor allem das gleiche Ziel... nämlich den baldigen Anfang des Spieles.

So sind es längst nicht nur die Premer, die da

"WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N - WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N!!!!"

brüllen, sondern auch etliche der Einheimischen, die sich dem einfach anschließen und die Lautstärke noch vergrößern.

Andere versuchen es, eher die eigenen Interessen in den Vordergrund zu schieben, und brüllen "quer" zu diesen doch nach ihrer Meinung viel zu wenig provokativen Sprüchen:

"BULLEN! ZERFETZT DIE POTTWALE! LEGT LOS! ZEIGT IHNEN, WIE MAN SPIELT!"



IN HAVENA - In Immanstadion: Kurz vor dem Spiel -Perval und Traviana


"WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N - WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N!!!!"

Perval stimmt in den Ruf der Menge mit ein, ohne darauf zu achten, ob die Menschen in seiner Umgebung auch rufen oder ob sie die lauten Rufen vielleicht stören könnten. Schließlich ist das hier ein Immanspiel und da geht es immer laut her. Außerdem soll das Spiel endlich losgehen, schließlich heißt es ja nicht umsonst SPIEL, sonst würde es wohl eher Provokation oder Warten heißen.

Und noch einmal:

"WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N! WIR WOLL'N - WIR WOLL'N EUCH SPIELEN SEH'N!!!!"

Dabei schaut er Traviana an und grinst ihr freundlich zu, weiter angestachelt durch ihr schönen Lächeln.



Traviana sieht fast schon lachend zu Perval herüber. Sie überlegt, ob sie nun auch mitrufen soll oder nicht. Aber eigentlich hat die Menge ja Recht! Auch Traviana will das Spiel sehen. Und diese Stimmung hier gefällt ihr. Sie grinst Perval an und setzt auch ein mit dem Rufen. Allerdings bei Weitem nicht so laut, wie die Menschen um sie herum....

„WIR WOLLEN EUCH SPIELEN SEHEN...."



Perval ist begeistert, daß Traviana sich in die Rehe der Rufenden einreiht. Macht doch gleich viel mehr Spaß, wenn die Leute, mit denen man bei einem Immanspiel ist, auch mitgerissen werden von der Stimmung. Und wieder ruft Perval die Worte:

„WIR WOLLEN EUCH SPIELEN SEHEN...."

... bis der Pfiff des Schiedsrichters ertönt.

"Jetzt gehts endlich los." ruft er in einer etwas gedämpfteren Lautstärke lachend zu Traviana hinüber. Dann richtet sich seine Aufmerksamkeit fürs erste wieder auf das Spielfeld.



Traviana fühlt sich mittlerweile wohl im Stadion. Zuerst war es ja schon ein bisschen komisch. So viele Menschen, Gebrülle und Streitereien überall. Aber jetzt macht es ihr schon Spaß. Sie kommt sich irgendwie zugehörig vor. Alles fremde Menschen, aber allein schon die Rufe, welche alle gemeinsam rufen geben ihr das Gefühl, dass alle hier irgendwie zusammen gehören. Auch wenn es natürlich die Anhänger zweier verschiedener Mannschaften sind, aber in diesem Moment stört das kaum.

Sie ruft einfach weiter und auch ein bisschen lauter als zuvor...



NORDSTERN - Suite: Brüchiger Frieden - Radisar und der Hund


Ganz sanft wird das Schiff im ruhigen Hafenwasser hin und her geschaukelt. Es gibt immer wieder diese dumpfe, glicksenden Geräusche, immer dann, wenn eine seichte Welle auf den Schiffskörper der NORDSTERN trifft, wie eine sinnliche Hand, die in langsamen, bedächtigen Rhythmus eine hölzerne Trommel rührt. Ganz leicht nur neigt sich dann das Schiff und dennoch gibt die Holzkonstruktion ächzend klagende Laute von sich, in ihrem steten und immerwährendem Ringe um Stabilität. Es ist die Musik des Holzes, diese Knarren und Schaben, manchmal erklingt auch ein schrilles Quietschen, wenn Metallteile einander reiben, aber der Ton des Holzes bleibt dominant. Das ganze wird unterlegt mit einem windigen Ostinato, wenn pfeifende Seeluft landeinwärts durch die Takelage der NORDSTERN flirrt und wie einen Streichpsalter zu erklingen bringt.

Es ist ganz still in der Suite. Rasdisar hatte an dem kleine Tisch Platz genommen und ein Buch vor sich ausgebreitet. Er sitzt so schon eine geraume Weile, aber er liest noch immer an derselben Zeile, das Lesen will einfach keine Fortschritt machen. Wie sollte das auch geschehen, wenn Radisar alle Augenblicke wieder einmal mehr kontrollieren muss, ob der Hund auch wirklich noch auf seinem Platz ist oder schon wieder unterweges, eine neue Untat zu begehen. Nichts dergleichen aber tut Boto. Der große Hund liegt brav auf seiner Decke, den mächtigen Kopf auf die Pfoten gelegt und betrachtet seinerseits den kleinen, dicken Diener dort am Tisch. Wie es scheint mag auch der Hund dem Frieden nicht trauen und es erscheint ihm angebracht Radisar unentwegt zu observieren, damit er auf plötzliche Attacken vorbereitet wäre.

Eine kleine Phiole, die auf dem Tisch liegt, rollt sachte immer wieder hin und her, aufgefordert und geführt zu einem munteren Reigen, von kleinen Wellen ständig bewegt. Doch das leise Rollen klingt laut wie Donnergrollen in dieser angespannten Stille. Draußen klatscht das Wasser noch immer fast liebevoll einen heiteren Takt an den hölzernen Leib der Karavelle und das Treiben am Kai ertönt aus einer Ferne, wie hauchender Gesang aus dem Feenreich. Doch hier drinnen, in der Suite, ist schon ein leises Räuspern laut wie ein niederhöllisches Getöse.

Sobald Radisar den Blick erhebt, hebt auch Boto den Kopf. Doch entspannt sich Radisar wieder, lässt auch der Hund seinen Kopf wieder mit eine tiefen Seufzer auf seine Pfoten sinken.

"Du Mistköter kannst mich nicht täuschen. Bestimmt heckst du in deinem kleinen, bösen Gehirn einen Menschen verschlingenden Plan aus und wartest nur darauf, dass ich unaufmerksam werde!" giftet Radisar den Hund an.

Der Hund öffnet die Augen und seine Antwort besteht aus einem langen, leise drohenden Knurren, als würde er auf das energischste protestieren wollen. Meistens mit Erfolg, denn Radisar wird dann wieder leiser und versucht in seinem Buch wieder eine Zeile weiter zu kommen. Doch gelingt es ihm nie, denn kaum hat er seinen Blick wieder auf die Buchstaben gerichtet, überfällt ihn das nagende Gefühl, der Hund könnte sich leise von dannen machen und Unheil in die Welt bringen. Doch immer wenn Radisar dann wieder kontrolliert, findet er seine Ahnungen unbestätigt, der Hund liegt, wie schon Sekunden vorher, immer noch entspannt da, den Kopf auf die Pfoten gelegt, die Aufmersamkeit voll auf das gerichtet, was Radisar da im Moment tut.

Der kleine, dicke Diener ist sich dann völlig sicher, dass er im Gesicht des Hundes eine Regung gesehen hat, die vermuten lässt, dass der Hund ihn auslacht. Und das macht Radisar dann noch um so ärgerlicher, während sich der Hund außerordentlich gut zu amüsieren scheint.



Während anderswo Hektik und reges Handeln den Ton angibt, vergeht die Zeit in der Suite so langsam, wie alter Honig, der träge aus dem Topf fließt. Radisar ist in seiner Lektüre noch keine Zeile weiter gekommen und auch Boto hat von seinem angestrebten Nickerchen noch keinen winzigen Moment genießen können, zu intensiv ist die Angst beider, durch eine Unaufmerksamkeit des jeweils anderen ins Hintertreffen zu geraten, in welcher Gestalt auch immer.

Dabei mag die offensichtliche Gelassenheit Botos zwar beeindrucken, aber auch zu täuschen. Wie bei jedem Lebewesen neigt der Hund zu dem Umstand, dass er ihn nicht nur zu reichlichem Trinken drängt, sondern auch hin und wieder zum Gegenteil. Und so spürt er, nicht eben zu seiner Freude, dass seine Blase immer voller wird. Mit leisem Winseln beklagt er seine Not, will sich aber durch entsprechende Andeutungen nicht einem heuchlerischen Wohlwollen des kleinen, dicken Diener ausliefern. Aber, und wie sollte es auch anders sein, die Natur fordert ihr Recht!

Radisar beobachtet mit gleißendem Misstrauen, dass sich der Hund langsam und bedächtig erhebt und mit ruhigen Schritten auf Radisar's Reisekiste zu schleicht. Er schnüffelt etwas an der einen oder anderen Ecke der Kiste herum und prüft sie eingehend. Radisar's läßt das Buch sinken und seine Augenbrauen ziehen sich mürrisch auf der hohen Stirn zusammen. Noch bittet er innerlich darum, dass die plötzliche Aktivität des Hundes nicht das bedeutet, was ihr momentan Radisar an Bedeutung zuschreibt. Es wird ihm erst dann Gewißheit, als sich der Hund mit seinem Hinterteil seitlich der Kiste näher, einer Ecke seiner Wahl und dabei ansetzt das Bein zu heben.

"NEIN!"

Radisar's Stimme fegt wie ein Peitschenknall durch die gute Stube und hätte, ihrer Lautstärke nach, sogar einen wilden Wasserfall gestoppt. Was zuviel ist, ist einfach zuviel! Wie kann es dieser Köter wagen gegen Radiar's wertvolle Reisekiste pissen zu wollen. Mit einer gewissen Genugtuung erkennt Radisar, dass seine radikale Intervention durchaus Erfolg beschieden ist. Boto geht wieder in die Ausgangsstellung zurück und senkt den Kopf. Doch nicht etwa um demütig um Vergebung zu betteln, sondern um gefährlich knurrend auf die Berechtigung seines Anliegens hinzuweisen. Dabei zeigt er dem kleinen Diener durch das Entblößen seiner mächtigen Reißzähne, dass nunmehr endgültig Schluß mit lustig ist.

Radisar muß zögernd und unwillig erkennen, dass der Hund momentan alle Trümpfe in der Hand zu halten scheint, schließlich kann keine Wesen Dere's auf Dauer jener speziellen Drangsal widerstehen, ohne kleine oder größere Katastrophen auszulösen.

Der kleine Diener seufzt ergeben. Seit er die Planken der NORDSTERN betreten hatte, fordert das Leben ihm höchste Duldsamkeit ab. Und obgleich er sich stets seiner gelebten Toleranz zu rühmen pflegt, im Augenblick wird Radisar durch die Existenz des Hundes zu Gedanken angeregt, von denen er weiß, dass er sich deren in stillen Stunde schämen wird müssen.

"Also gut, du Hund!" zischt er gehässig dem armen Botot entgegen. Radisar rappelt sich auf und verknotet das Halsband des Hundes mit einer provisorischen Leine und der Hund läßt sich dies, wider allen Erwartens, auch brav gefallen, weiß er doch zu genau, dass sich so und nur so die einzige Möglichkeit ergeben kann, sein dringendes Geschäft außerhalb des Heims erledigen zu dürfen.

Als jedoch Radisar die Tür zu Oberdeck öffnet gibt es für Boto kein Halten mehr. Mit riesigen, Raum greifenden Schritten rennt der Hund hinaus, orientiert sich auf dem Oberdeck nur kurz über die Beschaffenheit der örtlichen Verhältnisse und rennt dann weiter der Planke entgegen.

Und Radisar?

Der kleine Diener scheint von dieser Sekunde an, nicht einmal mehr zu sein, als eine kleine, fleischliche Verdickung einer Leine, die, einem Kriegsbanner gleich, hintergezogen wird, so dass sie wacker in der Luft wirbelt,ohne jemals Bodenkontakt zu haben. Einmal schlägt Radisar mit dem Gesicht auf die Bodenplanken des Oberdecks der NORDSTERN und kurz vor der Planke zum Kai schlittert er noch einmal auf seinem großen, feisten Hintern. Doch er läßt die Leine nicht los, nie im Leben würde er das tun. Er hätte sonst ewig das Gefühl in diesem schwelende Konflikt gegen den Hund bis zum Ende aller Zeiten verloren zu haben und mit diesem Gedanken könnte sich Radisar niemals anfreunden. Also schließt sich seine Hand wie ein Schraubstock um die Leine, obwohl er dadurch zum Spielball Boto's wird.

Der Hund hat nun nur noch ein Ziel und das ist eine geeignet Ecke in der Stadt zu finden, da er alle Bedrängnis fahren lassen könne würde. Er schleift Radisar wie eine seelenlose Gliederpuppe hinterher, über die hölzernen Planke zum Kai, über das grobe Pflaster der Hafenstraße, durch zwei bis drei große Haufen an Pferdeäpfeln, ehe das seltsame Gespann um die Ecke eines Lagerhauses biegt und sich so den Beobachtungen höchst belustigter Zuschauer entzieht.

Ob er wohl jemals wiederkommt .....



IN HAVENA - Im Immanstadion: Alberik's Zorn


Albriks Zorn wird durch die Worte des Thorwalers nur noch weiter verstärkt. Nur noch ein Wort erscheint in seinem Kopf. Alles andere wird darüber unwichtig.

Der Zwerg kann sich gut an den Schmerz erinnern, den er erleiden mußte, als die Pferde über ihn getrampelt sind, und an die Räder der Kutsche, die ihm die restlichen Knochen in seinem Körper gebrochen haben. Er kann das Blut in seinem Mund schmecken, als die Hufen ihm die Zähne ausgeschlagen haben, und wie die Nase zertrümmert wurde.

Sogar an den Moment, an dem die Kutsche schon wieder weg war, und er seine letzten Sekunden erlebte, kann er sich erinnern. Wie er da lag, gebrochen, bewegungsunfähig, zerstört. Ein roter Schleier legte sich über das Auge, daß ihm noch verblieben war. Und schließlich verblaßte auch dieses Rot, und alles wurde schwarz.

Aber Angrosch hat ihm noch eine zweite Chance gewährt. Und niemand wird Alberik, Sohn des Atosch, ungestraft so demütigen.

Der Angroschim erhebt sich. Ohne den Thorwaler aus den Augen zu lassen, geht er hinüber zu Wasuren, und stößt ihn mit dem Ellenbogen an.

"Kannst du das mal eben halten?"

Mit diesen Worten reicht er ihm das Geld, das er vom Boden gesammelt hatte.



Wasuren möchte schon wieder diese kleine "Stechmücke" von Zwerg neben sich

mit einem Schlag weg wischen, als es ihn wieder, doch diesmal in die Seite sticht. Dann überlegt er es sich doch anders, um so vielleicht den nervigen kleinen Kerl loswerden zu können.

"Jo, gib her den Krams."

Wasuren schaut gar nicht zu Albrik hinüber, sondern hält einfach nur sein Pranke auf und nimmt das Geld in Empfang.

'Komisch fühlt sich eher an wie Matsch, was er mir da gegeben hat? ach egal das Spiel geht gleich los.'

und so steckt sich Wasuren alles was in seiner Pranke gelandet ist in die Tasche und eifert mit einsteigendem Gegröle dem Spielstart entgegen.



Das Geld ist fürs erste in Sicherheit. Und der Zorn auf Ole ist noch nicht weniger geworden. Alberik öffnet die Verschlüsse seines Spiegelpanzers. Wenn es wirklich zu einer Prügelei mit dem Thorwaler kommen sollte, dann soll es auch ein ordentlicher Kampf werden. Und der Zwerg will genauso wenig gerüstet sein, wie sein Gegner.

Die Schnallen sind geöffnet. Alberik hat den Blick immer noch nicht von dem Thorwaler genommen.

'Er hätte ja einfach den Mund halten können. Aber wer mich so offensichtlich provoziert, der hat eine aufs Maul verdient.'

Die Rüstung ist lose, und der Angroschim streift sie sich ab, indem er die über den Kopf zieht, und anschließend beide Arme herausnimmt. Wieder wird Wasuren in die Seite gestoßen.

"Und das bitte auch."

Die Stimme des Zwergen klingt zornig. Der Satz wird nur durch die Zähne gesprochen. Die Muskeln, die nun entblößt sind, sind angespannt. Deutlich kann man nun die Tätowierungen auf dem Rücken und den Armen sehen, und den tätowierten Mantikor, das Zeichen des Kor, auf der Brust über dem Herzen. Zahlreiche Narben aus vergangenen Schlachten bedecken den Körper. Und das Bild des Angroschkriegers läßt erkennen, daß es egal ist, wie tolpatschig er sich manchmal benimmt, als Gegner möchte man ihn nicht vor sich haben. Der Kampf ist sein Leben. Und er wird ihn immer bis zum letzten Blutstropfen ausführen.



IN HAVENA - Im Immanstadion: In der Arena - Anpfiff, das Spiel beginnt....


Ulfert hasste es. Er hasste die aufgeladene Atmosphäre, die schon vor Spielbeginn entstanden war. Vielleicht lag es auch daran, dass er Angst hatte. Angst, vor dem, was IHM passieren konnte. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, das Spieler im Eifer des Gefechts oder auch aus rein berechnender Taktik auf den Oberschiedsrichter ein prügelten. Warum machte er das überhaupt? Es gab mal eine Zeit, da hatte ihm diese Arbeit sehr viel Spaß gemacht. Doch jetzt? Aber einfach aufhören konnte er nicht. Seine Familie brauchte das Geld, dass er hierfür bekam. Schließlich hatten sie fünf Kinder, das sechste war unterwegs.

Der kleine, etwas untersetzte Mann, der wohl so um die vierzig herum sein mag, zwirbelt sich einmal kurz durch seinen Braunen Schnurrbart und sieht mürrisch zu seinen vier Mitschiedsrichtern.

`Die Menge ist auch schon unruhig. Was erwarten die denn? Soll ich etwas auch auf das Spielfeld gerannt kommen? Ich bin doch kein Rennkamel!`

Kein Rennkamel - seit er von einem entfernten Vetter einmal einen Bericht über dessen Khomreise gehört hatte, bei dem er ausführlich ein Kamelrennen beschrieb, war dies sein Lieblingsvergleich.

`Wenn die Bullen doch nur etwas weniger hitzköpfig wären. Und den Premer möchte ich auch nicht auf der Straße begegnen. Barbaren, allesamt!`

Suchend sieht er sich um.

`Wenigstens ist die Feldgarde auf ihrem Platz. Hoffentlich nicht wieder solche Taugenichtse wie beim letzten Spiel...`

Missmutig nickt er Aedin zu.

`Was solls, los gehen muss es irgendwann... wo hab ich denn nur die Rohrpfeife...`


***


Aedin, ein junger, hochgewachsener, rothaariger Bursche von vielleicht 18 Jahren, pickligem Gesicht und begeisterter Immanfan hatte schon lange auf das Zeichen gewartet. Endlich hatte der »Alte« es gegeben. Wieso er nur immer so mürrisch drein sah. Aedin mochte den Oberschiedsrichter nicht, aber er mochte Imman und seine Arbeit als Schiedsrichter erlaubte ihm, ganz nah am Spiel zu sein - und das, ohne etwas bezahlen zu müssen!

`Jetzt fängt es also endlich an!`

Schnellen Schrittes geht er zu Ulfert, um diesem den Korkball zu überreichen, den er schon die ganze Zeit unter dem Arm trägt...


***


Sylna sieht gespannt auf das Spielfeld. Das versprach ja ein spannendes Spiel zu werden. Bullen gegen Pottwale. Nur, ob das mit dem Strohwal so klug war. Da steckte bestimmt Tibraide dahinter, die hat immer so verrückte Einfälle. Aber, was sie damit nur bezweckt?

Die braunhaarige Frau - bedingt durch ihr teigiges Gesicht, den breiten Hüften und des ansonsten in jeder Hinsicht auch recht üppigen Körperbaus würde sie wohl niemand ernsthaft als schön bezeichnen - sieht zu Ulfert hinüber.

`Na, hat er sich endlich entschlossen, anzufangen...`

Ihr Schweinsäuglein blitzen erfreut, hatte sie schon befürchtet, die Zuschauer würden zu randalieren anfangen, sollten sie noch länger warten müssen. Rasch stellt sie sich auf ihre Position am Spielfeldrand


***


Beinahe hasserfüllt blickt Ulfert auf den Korkball, den Aedin ihm da hinhält. Nur ein plumpes Stück Kork und jeder will sich darum prügeln. Das würde ihn ja nicht stören, wenn sie ihn nur da raushalten...

"Mach du das!" grummelt er Aedin kaum verständlich zu und steckt die Pfeife in den Mund.

Aedin nickt. Das hatte er sich schon gedacht. Der »große Ulfert« machte sich nur noch selten damit die Hände schmutzig.

"Spieler auf die Plätze" brüllt Ulfert mürrisch - und eigentlich unnötiger Weise - auf das Spielfeld.

"Auf Pfiff gehts los!"

Tief holt er Luft, größer und größer werden seine aufgeblasenen Backen. Kurz macht er sich eien Spaß daraus, den von den Idioten auf dem Spielfeld sicher längst erwarteten Pfiff noch etwas hinauszuzögern, doch dann, endlich, dringt ein lauter, schriller Ton aus der Rohrpfeife:

"PFÜÜÜÜ!"



Endlich gellt der Pfiff durch das Stadion, den die Zuschauer schon so sehr erwartet haben. Ganz sicher ist, dass sie damit jetzt in den Genuss der erwarteten Unterhaltung kommen, und dass der Korkball fliegen wird... in welches Tor auch immer.

Die Havenaer hoffen natürlich, dass es das Tor auf der Premer Seite ist, und so gibt es sofort nach dem Pfiff gleich wieder die nächsten Sprechchöre zu hören:

"BULLEN VORAN! HAUT DEN KORK IN DAS PREMER TOR!"

Das Brüllen aus weit über tausend Kehlen verstärkt den Ruf, und sorgt wieder einmal für einen schier ohrenbetäubenden Lärm im Immanstadion.



Lauernd und argwöhnisch betrachten die Prem-Anhänger den Einmarsch der Unparteiischen. Irgendwie sehen sie doch alle sehr mittelreichisch aus, so weit man das vom Spielfeldrand aus beurteilen kann. Nun, man wird sehen, falls sie auf den Gedanken kommen, hier die falsche Mannschaft zu bevorzugen, dann könnte das sehr schnell das letzte Spiel gewesen sein. Und damit ist nicht das letzte Spiel der Pottwale oder Bullen gemeint.

Endlich ist der Startpfiff durch die Oberpfeife auf dem Platz erfolgt. Und kaum ist der Pfiff verklungen schon setzt der nächste Krach ein:

"POTTWAL VOR, MACHT DAS TOR. POTTWAL VOR, MACHT DAS TOR."

Zwar hat der Schiedsrichter den Korkball überhaupt noch nicht ins Spiel gebracht, aber mit den Anfeuerungsrufen kann man ja nie früh genug anfangen.

"POTTWAL VOR, MACHT DAS TOR. POTTWAL VOR, MACHT DAS TOR."



Lange hat der große Mann im Schatten der Arena gewartet, geduldig und diszipliniert. Ja, das kann man sagen: Disziplin für Randalbert von Klipp schier alles, was man sich gönnen sollte und das einzige, wonach es zu streben lohnt, die höchste und wichtigste Tugend aller Tugenden, die jemals als solche beschrieben worden waren.

Selbst als er noch als Offizier in Wehrheim stationiert war, galt Randalbert schon als überaus korrekt und ordnungsliebend, wenn es denn sein musste, dann auch in harter, unversöhnlicher Weise, ohne das geringste Maß an Kompromissbereitschaft. Von Klipp ist absolut unbestechlich und, so sagt man, sogar Beherrschungszauber aller Art würden an ihm abprallen wie Regentropfen an einer Festungsmauer.

Ein kleines Sonnen-Amulett, dass er, an einer schweren Kette hängend, um den Hals trägt verrät ihn als geradezu fanatischen Praiosanhänger. Wie eingebrannt liegt ihm die Regel im Herzen, dass immer Gerechtigkeit walten sollte, niemals aber Gnade.

Es ist eine lange Geschichte, wie und auf welchen Wegen der ehemalige Soldat und Offizier zum Imman-Sport gekommen ist, und sie existiert in mehreren, sehr verschieden lautenden Versionen. Als Tatsache mag gelten, dass er als einer der korrektesten Schiedsrichter gilt, die der Imman-Sport jemals gesehen hatte.

Als Ulfert sich anschickt, das Spiel beginnen zu lassen, begibt auch von Klipp auf seine Position.

Mit einem, etwas befremdeten Gesichtsausdruck, winkt er den jungen Kaliman al Harra heran, der offensichtlich, vertieft im Gespräch mit ein paar weiblichen Zuschauern aus der ersten Reihe des Stadions, noch gar nicht bemerkt hat, dass es nun langsam losgehen soll. Von Klipp brummelt unwillig vor sich hin. Die ganze Sache nimmt schon vor dem Beginn des Spieles einen Verlauf, den er, der Korrekte, gar nicht gut heißen kann.

Zuerst läßt sich Ulfert alle Zeit der Welt, um den Korkball endlich ins Feld zu bringen, dann muss auch noch Kaliman erst aus seinem 'Liebesgeflüster' heraus gezerrt werden. Von Klipp betrachtet den jungen Mann, der nun zögernd, aber in wachsender Eile auf seinen Position rückt, zugleich mit einem Ausdruck von Unwillen, aber gleichzeitig auch Bewunderung.

Kaliman ist groß und kräftig, ein wirklich sehr gut aussehender Bengel, dem die Frauen sicherlich sehr viel mehr Beachtung schenken, als dem Randalbert von Klipp, der in seiner Gesamtausstrahlung doch viel mehr als ertragbar 'gallig' wirkt, als könnte die bloße Berührung schon einen Tod durch Vergiftung eintragen. Der junge Mann aus dem Tulamidenreich war eine sehr bekannte und geschätze Person gewesen, damals, vor nunmehr schon etlichen Götterläufen.

Kaliman, die große Hoffnung der Immanmannschaft der Mhanadi-Haie, ehe ein dreifacher Beinbruch die Entwicklung des begabten Stürmers jäh abbrechen ließ, hatte sich später, nur um dem Imman-Sport auch weiterhin nahe sein zu können, dem Amt des Schiedsrichter gewidmet. Er ist allerdings bekannt geworden durch sehr großzügige Auslegungen der Immanregeln und er handelt stets nach dem Grundsatz, solange das Spiel läuft ist alles in Ordnung.

Von Klipp seufzt vor sich hin. Als Spieler war Kaliman ein echter Könner gewesen, als Schiedsrichter jedoch könnte er durchaus korrekter arbeiten. Von Klipp geht nun in Position und verharrt angespannt.

Dann kommt der Pfiff .....



NORDSTERN - Kombüse: ALRIK, allein in der Kombüse


In der Kombüse ist alles ruhig. Aber leider sind plötzlich weiter vorn im Gang Geräusche und das Öffnen einer Kabinentür zu hören. Man ist eben doch nie allein hier an Bord, auch wenn es mal kurzfristig den Anschein hat.

Entschlossen öffnet ALRIK die Kombüsentür. Was soll er auch hier so auffällig auf dem Gang Wurzeln schlagen? Die Kombüse ist nicht nur leer, sondern auch ordentlich aufgeräumt. Rasch schließt der Junge die Tür wieder hinter sich. Zwar kommt es immer mal wieder vor, dass Passagiere unverhofft die Kombüse aufsuchen, aber was soll's. Er ist schließlich der Schiffsjunge, da wird sich schon niemand wundern...

'Also, was brauche ich?'



NORDSTERN - Kabine D1: Verschlafener Jarun


Ein lautes Knurren erfüllt die Doppelkabine.

Verschlafen erhebt sich Jarun von seiner Koje und reckt sein müden Glieder.

"Zuviel Schlaf, läßt den besten Gaukler rosten. Und geschlafen habe ich die letzte Zeit wohl genug."

Ein kläglicher Versuch sich selbst an den Schultern zu massieren findet schnell seinen Abbruch, da Jarun einsehen muß, daß es nicht unbedingt eine Wohltat für seinen entkräfteten Körper ist. Mit kleinen Schritten schlurft er zu seiner Truhe herüber beginnt nach irgend etwas zu suchen. Nacheinander fliegen verschiedene Kleidungsstücke und Gegenstände aus der Truhe auf sein Bett und bleiben zum Großteil dort liegen. Einzig ein kleines Pergament erreicht nicht sein vorbestimmtes Ziel, sondern segelt anstatt auf, unter die Koje.

"Bei den Niederhöllen. Wo ist es nur."

Noch im Halbschlaf regt er sich nicht weiter über die erfolglose Suche auf, sondern schnappt sich den Berg auf seinem Schlafplatz und verstaut ihn wieder in seiner Truhe. Einzig Schminke und Spiegel behält er bei sich um sein allmorgendliches Ritual des Schminkens zu vollziehen. Nachdem er auch diese Utensilien in der Truhe plaziert hat, schlüpft er in seine Sandalen und verläßt gähnend und seine Glieder streckend die Kabine, um dem Knurren seines Magens ein Ende zu bereiten.

Das fehlgeleitete Pergament unter seiner Koje wird von ihm unglücklicherweise übersehen.



Jarun schlendert Richtung Küche, als ihm die bedrückende Stille auf dem Schiff auffällt. Wenige Schritt vor der Tür bleibt er stehen und lauscht in das Schweigen der NORDSTERN.



Stille! Bis auf das Knarzen der Schiffsplanken und dem Meerwasser, daß leicht gegen den Bauch des Schiffes schlägt, ist alles ruhig.

Jarun will gerade seinen Weg zur Kombüse fortsetzen, als er leise Schritte hinter sich vernimmt. Instinktiv ist sein erster Gedanke sich im Mannschaftsraum zu verstecken und die ersten leisen Schritte sind auch schon getan, doch warum? Dieser Gedanke läßt ihn wieder auf der Stelle verharren.

'Eigentlich habe ich nichts zu verbergen. Schließlich bin ich Passagier und habe das Recht hier zu sein.'

Über seine eigene Dummheit lächelnd, setzt er seinen Weg zur Kombüse fort und öffnet dort angekommen die Tür der Schiffsküche.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Garulf trifft ein


Ohne Rücksicht auf Verluste bahnt sich Garulf seinen Weg durch das Stadion. Als er schließlich Ole und die anderen NORDSTERN-Leute erreicht hat, bietet sich ihm ein seltsames Bild: Die rothaarige Frau, die vorhin in der Kombüse war, sowie einige andere kriechen förmlich auf dem Boden umher und sammeln irgendetwas - offenbar Münzen - ein. Derweil hat sich der Zwerg daran gemacht, sein Rüstzeug abzulegen.

´Nu fängt der an sich ustotrekken ...´

aber wer versteht schon die Zwerge? Keine Anstalten zum Ausziehen macht dagegen die junge Rahjani, die es sich auf Hjaldars Schultern bequem gemacht hat - sehr zum Leidwesen der männlichen Zuschauer.

Viel Zeit für Beobachtungen bleibt ihm aber ohnehin nicht mehr, denn nun ertönt der langersehnte Anpfiff. Garulf wendet sich nun vollends dem Spielfeld zu, während er laut "POTTWAL! POTTWAL!" brüllt.



IN HAVENA - Im Immanstadion: Zoff auf der Tribüne


Noch ist es so, dass Ole nichts weiß, von den Vorbereitungen des 'entrüsteten' Alberiks und er hat keine Ahnung, dass ihn der Zwerg zum Ziel von energischen Strafaktionen machen will. Schließlich hat der Schiffszimmermann beschlossen die Umwelt außen vor zu lassen, um sich dafür um so konzentrierter dem Spiel widmen zu können.

Doch es kann durchaus als wahrscheinlich gelten, dass Ole auch dann nicht anders gehandelt hätte, wüßte er vom Zorn des Zwerges und seinen Vorbereitungen zu Raufhändeln. Ein Immanspiel ist viel zu wichtig, als dass man sich dabei von einem beleidigten Zwergen stören lassen würde.

Doch gibt es einen, den kann man eben nicht so einfach übersehen. Murrende Zuschauer werden auf die Seite gestoßen und es bahnt sich ein gewaltiger Mann, mit einer enorm Raum greifenden Gestalt, einen Weg durch die Menge: Garulf!

Dann ertönt ein schriller Pfiff - das Spiel beginnt .....

"Hoi, Smu! Haste deinen Topf dabei? Gleich gibt's Bullenfleisch!"



Das Spiel hat gerade begonnen, als Ole auf Garulf aufmerksam wird.

"Ho, wolln wa ma hoff´n, dat de Premer dat Für för de Soße dabiehom, hohoho", erwidert er lachend Ole's Scherz. Sein Blick bleibt dabei weiterhin auf das Spielfeld gerichtet, wo es jetzt endlich zur Sache geht.

"POTTWAL VOR - MACHT DAS TOR!" brüllt er auch sogleich weiter. Den kleinen Angroschim, der sich wütend hinter dem Schiffszimmermann aufbaut, sieht er gar nicht erst. Welch Wunder, wo doch schon Alberiks ´Opfer´ diesen kaum beachtet.



"Mensch pass doch mal uff!" nörgelt Wasuren auf den Knuff des Zwerges hin diesen an.

Dann guckt er leicht entnervt, teils wegen der Unterbrechung seiner Beobachtungen des tollen Spiels, teils empört über das ewige Gestupse und Getrete, zu Alberik hinunter und muß nur noch staunen.

'Äh was´n dat für nen klobiges Teil Metall?'

Dann gereift er einfach danach um die Rüstung entgegen zu nehmen, wie es der Zwerg gerade ja auch wohl recht unverständlich leider wörtlich von sich gab.

'Mensch, dat sind aber mal schicke Tattoos, Junge, da muß ich mir wohl mal was abgucken von.'

"Denn is aber auch jut für heut! " versucht er dem Zwerg noch klar zu machen, als endlich der Startpfiff ertönt.

Flink dreht sich Wasuren zurück und gafft begeistert aufs Spielfeld, wo bei er die Rüstung erst einmal grob durch die Gegend fliegt, bis Wasuren sie in eine etwas ruhigere Position vor seiner Brust gebracht hat. Die Rüstung rasselt und klappert bis sie Wasuren in eine etwas angenehmer zu tragender Position gerückt hat.



Alberik hört nicht mehr darauf, was Wasuren sagt, als dieser ihm die Rüstung abnimmt. Zu groß ist sein Zorn auf Ole, der sich noch nicht einmal um den Zwergen zu kümmern scheint.

Aber das wird sich nun ändern.

Schnurstracks bahnt er sich seinen Weg durch die Menge auf den Thorwaler zu. Alberik ist sich der Größe seines Gegners durchaus bewußt, und wenn er richtig vermutet, und Ole kein unerfahrener Kämpfer ist, dann wird er diesen Vorteil gnadenlos ausnutzen.

Deshalb bleibt er erst stehen, als er direkt neben dem Riesen angekommen ist. Die Hände in die Hüften gestemmt, schaut er zu ihm hinauf und brüllt, um gegen die Lautstärke der Menge anzukommen.

"Hey, Ole!"



IN HAVENA - Im Immanstadion: Jandara hat genug ....


Durch den Lärm der Menge dröhnt ein schriller Pfiff. Offensichtlich das Zeichen für den Spielbeginn, denn die Menschenmenge um Jandara gerät in Bewegung. Eingekeilt zwischen eine stämmige, ständig:

"Cathal, Cathal!" kreischende Mittvierzigerin und eine stark angetrunkene Gruppe Jugendlicher wird sie von ihren Begleitern der NORDSTERN getrennt, einzig die junge Rahjageweihte, auf ihrer erhöhten Sitzposition bietet noch einen Anhaltspunkt für Jandaras Augen.

"Hömma, für welche Mannschaft bissn du?" lallt einer der Jugendlichen sie mit Breichreiz erregendem Mundgeruch an.

'Genug ist genug!' denkt Jandara sich 'In diesem Gedränge finde ich meinen Stein sowieso nie wieder, den kann ich abschreiben. Na warte, Zwerg, wenn du mir zwischen die Finger kommst!' .

Wütend und angeekelt schubst sie sich den Weg frei. Sie hat nur noch eines im Sinn, so schnell wie möglich den Ausgang zu finden.



Immer weiter versucht Jandara sich durch die Menschenmassen zu wühlen, meist unter zuhilfenahme ihrer Ellenbogen. Es ist aber auch wie verhext, für jeden Schritt den sie in Richtung Ausgang macht, schiebt die Menge sie zwei zurück. Da ertönt plötzlich durch den Lärm ein dunkle Stimme hinter ihr, die verblüfft ausruft:

"Pest und Pocken! Jandara, altes Mädchen, was machst du denn hier?"

'Cern!!!'

Überrascht wirbelt Jandara herum.



IN HAVENA - In Immanstadion: Rosenquarz


Mitten in der Menge liegt ein kleiner rosaner Stein, durchzogen von weißen, leicht bläulich glitzernden Äderchen. Wäre er sich seines Seins bewußt, wäre er gar nicht glücklich mit seinem Schicksal. Er würde wissen, daß er viel zu wichtig ist, um hier im Dreck zu liegen und von den Menschen weiter in die Erde getreten zu werden.

Viele Menschen glauben, daß er das Haus vor Blitzschlag schützt, wenn man ihn unter den Giebel legt. Und mit dem Zeichen der Ifirn versehen wird er einem Kranken unter die Zunge gelegt, um Fieber zu lindern.

Die Töchter der Satuaria sprechen ihm magische Fähigkeiten zu, mit denen sie Satinav, den Wächter der Zeit, überlisten können, und Einblick in Dinge bekommen, die waren, die sind, und die sein werden. Sogar die Pforten in astrale Sphären soll er öffnen können, wenn man ihn mit dem Zeichen der Göttin Hesinde versieht.

Hätte er jemals so etwas wie Hoffnung besessen, hätte er sie schon fast verloren. Denn unter dem ganzen Schmutz, von dem er bedeckt wird, kann man das zarte Rosa seiner harten Haut schon fast nicht mehr sehen.

Doch das Schicksal scheint es gut mit dem kleinen rosa Edelstein zu meinen. Eine Hand streckt sich nach dem Rosenquarz und hebt ihn auf.



Isleif Torbenson ist einer der wenigen hier, die wissen, daß die Premer und viele der Havener mehr gemeinsam haben, als nur das Interesse am Imman. Viele der Menschen am Großen Fluß sind sich ihrer engen Verwandtschaft mit den Thorwalern gar nicht mehr bewußt. Aber es ist wirklich wahr, daß ein großer Teil der Bewohner dieser Stadt thorwalsche Vorfahren hat. Zumindest zum Teil.

Doch Isleif weiß darüber bescheid. Der blonde kräftige Mann, der für einen echten Thorwaler vielleicht ein bißchen zu klein ist, besucht regelmäßig seine Verwandten in Havena, von denen er weiß. Und deswegen sieht er auch keinen Sinn darin, eine Mannschaft mehr anzufeuern als die andere. Er freut sich eigentlich nur auf ein gutes Spiel zwischen den Pottwalen und den Bullen.

Doch im Moment hat etwas anderes als das Spiel sein Interesse geweckt. Ein kastaniengroßer Stein, der sich im Schmutz befindet, hat es ihm angetan. Zuerst hat er gar nicht weiter auf ihn geachtet. Aber die seltsame Farbe, gar nicht typisch für einen Stein, hat ihn dazu gebracht, ihn vom Boden aufzuheben.

Er säubert ihn ein bißchen und wischt den Dreck von ihm ab.

'Wirklich, ganz rosa. Bis auf die hellblauen Linien.'

Um auch den letzten Schmutz loszuwerden, nimmt er sein Hemd zu Hilfe, um den Stein zu säubern. Anschließend hält er ihn nach oben vor sein Auge, um ihn sich noch einmal bei Licht betrachten zu können.



Wäre der kleine rosa Edelstein sich seines Seins bewußt, so würde er von Glück und Hoffnung erfüllt.

Endlich von Schmutz und Dreck befreit, setzt er sein hübschestes Strahlen frei, als er die Strahlen der Praiosscheibe auf seiner Oberfläche spürt. Voller Reinheit und Schönheit zeigt er sich dem Auge seines Betrachters, damit dieser ihn nicht wieder zurück auf den zertretenen Boden befördert.

Ein Ort, der dem hübschen Rosenquarz Angst machen würde, würde er etwas wie Angst und Furcht kennen.



Isleif Torbenson freut sich sehr über seinen Fund. Das Geschehen auf dem Spielfeld interessiert ihn nur noch wenig. Während er den Stein in seiner Hand gegen das Sonnenlicht betrachtet, überlegt er, ob es sich wohl um einen wertvollen Edelstein handelt, wieviel sein Wert betragen könnte, und was man mit dem Geld anfangen könnte, wenn es viel sein würde. Er achtet nicht so sehr auf die Schönheit, die aus dem Rosenquarz heraus strahlt. Seine Gedanken sind viel praktischerer Natur.

'Eine neue Axt könnte ich mir kaufen. Vielleicht sogar eine Orknase. Oder ich werde mir von Bjornig mal wieder ein Hautbild stechen lassen. Er ist zwar teuer, aber gut.'

Isleif wünscht sich nicht allzu viel vom Leben. Er gibt sich mit Kleinigkeiten zufrieden, die er sich aber momentan nicht ohne weiteres leisten kann. Andere Menschen, solche, die sich nicht mehr um Geld kümmern müssen, weil sie im Überfluß davon haben, würden über die kleinen Wünsche des Thorwalers nur schmunzeln. Vielleicht ist der kleine rosa Stein viel mehr wert, als Islfeif Torbenson sich auch nur vorstellen kann. Vielleicht kann man sich nicht nur eine einzelne Axt von diesem Stein kaufen, vielleicht ist der Stein viele Äxte wert und die Söldner dazu.

Doch Isleif hatte noch nie viel Geld. Und noch weiß er gar nicht, ob der rosa Stein in seiner Hand überhaupt etwas wert ist.



IN HAVENA - Am Bennaindamm: Die drei Herrschaften - Ottam, Onaskje und Frizzi


"Hmm." macht Onaskje, der von Alraunen in etwa so viel Ahnung hat wie ein bornischer Zuckerbäcker vom Handwerk eines Dschungeljägers. Das ist nicht sein Gebiet und er kann wenig mit der Antwort anfangen. Er hätte mehr von einer Antwort gehabt, die vielleicht lautete ' ...und diese magische Pflanze ist ein blauer Apfel, dessen Genuß einem ermöglicht, zu fliegen wie die Blaumeisen...'

Sein Blick schweift über den Damm und zurück über den leicht nachdenklich wirkenden Comte, der sich schon seit - Minuten? - in Schweigen hüllt.

"Ich denke, wir sollten uns vielleicht wieder leichter zugänglichen Themen zuwenden, die uns unseren wahren Bedürfnissen entsprechen."

Der Praiospriester denkt da primär an etwas essbares, frisches Brot mit süßer Marmelade, und Honig! etwa.

"Die Magistra scheint auf Euch ja recht interessant zu wirken, mir ist so, als seiet Ihr in Gedanken immer noch bei ihr," fährt er zu Frizzi gewand fort, "vielleicht sollten wir (hier zwinkert er dem Magier kurz zu) ihr später eine Nachricht übermitteln, sie möge sich doch einmal um Eure Anliegen kümmern."

'Sicher könnte er einige gute Geschäfte machen, so weit in den Norden hinein. Seltene Spezereien vielleicht?

Ah, jetzt ein schönes Stück saftigen Obstkuchens, zusammen mit Honig und Nüssen!'

Ein verklärter Ausdruck stiehlt sich auf Onaskjes Gesicht

"Jedoch sehe ich es im Augenblick mehr als meine Pflicht als Diener PRAios an, mich um Euer Seelenleben zu kümmern, daß mir wahrhaftig nach Stärkung zu schreien scheint."

Mit verschmitztem Grinsen denkt sich Wulff, daß auch der Comte einen gehörigen Appetit haben müsste, und der Magus eigentlich auch. Er lenkt seine Schritte zwischen die beiden Männer und legt seine Hände für wenige Augenblicke auf ihre Schultern, weniger anbiedernd wie das Arbeitsvolk, vielmehr anerkennend wie ein Geweihter unter - nun, nicht seinesgleichen, aber immerhin wie unter Herren von Rang.

Dann schaut er erst dem Magus, anschließend dem Comte in die Augen und läßt seinen Blick auf dessen Gesicht ruhen.

'Oder doch vielleicht lieber etwas deftiger? Kalter Braten mit Preiselbeermarmelade, dazu Hefebrot in Honigkruste...'



Die Hand auf seiner Schulter reißt di Vespasio aus den Nebelschwaden der Gerüchteküche wieder ins helle Tageslicht.

'Bei Borons Redseligkeit, will er jetzt schon wieder eine Predigt halten? Warum, was hat er noch gesagt, etwas von Pflanzen, der Magistra und unserem Seelenheil? Du wirst nicht wirklich schlau aus diesem Geweihten. Er scheint dir irgend etwas mitteilen zu wollen, aber was? Kennt er nun die Magistra und will etwas andeuten? Oder erlaubt sich einen schlechten Scherz?'

Di Vespasio schaut den Geweihten von der Seite an und steift mit nur milder Verachtung über die bäurisch-vertraulich Hand auf seiner Schulter.

"Nun, ja, ich muß tatsächlich zugeben, daß ich nicht sehr aufmerksam war. Magistra Morginsdotter ist in interessierten Kreisen eine große Berühmtheit, weshalb ich in der Stille den einen oder anderen Gedanken pflegte."

Offenbar recht leicht findet der Adlige aber wieder in den gewohnten Redeschwall zurück.

"Andererseits, wo wir gerade schon bei Geständnissen sind, die Pflanzenwelt, so gestehe ich freimütig, ist nie ganz die meine gewesen. Mit Tieren ist es mir eigentlich immer leicht gefallen, gut, natürlich meine ich die edlen: Pferde, Hunde und Greifvögel. Ab bei den Pflanzen bin ich über einige grundsätzliche theoretische Betrachtungen, wie etwa Montesques ´Herbarium´ oder ´Sumos Kleid´ von äh dieser Druidin, na, wie heißt sie noch, aus dem Bornland, nein aus Beilunk ..."



Wieder einmal sind zwei Themen angesprochen und Ottam wundert sicher derweil ernsthaft darüber, dass der Comte den Wink mit dem Steineichenstamm nicht so recht verstanden zu haben scheint.

'Aber gut eine Antwort muss sein, doch dann muss ich, so schwer es mir auch fällt, dem Praioten recht geben, der Magen knurrt und eine Stärkung wäre genau das richtige..'

'Hmm Honigcaramellcreme oder lieber Zuckerwerk.....'

' ... oder vieleicht lieber etwas herzhaftes... Wildschweinkeule vielleicht'

' ... oder doch süß... Kuchen ... hmm eine Honigcreme Torte vielleicht...'

' ... auf jeden Fall etwas mit Honig,, ja, so soll es sein'

Plötzlich wird Ottam bewußt, dass er doch eigentlich Antworten wollte und so spricht er nach seiner Denkpause plötzlich und schnell los.

"Meint ihr die Originalausgaben von Esna Herinsa oder die überarbeitete Auflage von Cerasna Donfheg?"

Dann fügt er aber schnell in Richtung Onaskjes hinzu:

"Ihr habt recht eine Stärkung wäre jetzt genau das Rechte. Habt ihr etwas Bestimmtes im Sinn?"



'Die Originalausgabe natürlich, aber wir wollen uns ja niemandem aufdrängen. Wenn die Herren Geweihten sich mit den Herren Magiern offenbar einig sind, jetzt eine Predigt zu hören, meinetwegen, wir können auch zuhören. Kein Problem.'

Di Vespasio wendet sich etwas von den beiden ab, grummelt noch etwas in die hohle Hand, das vordergründig wie ein Hüsteln klingt, und beschleunigt seinen Schritt ein klein wenig. Der kalte Wind auf dem Damm ist nicht nach seinem Geschmack und vielleicht wird ja so der Geweihte dazu ermutigt, die Hand von der Schulter zu nehmen.



Leider scheint kein schneller Imbiss in Sicht zu sein, darum fügt Onaskje als Antwort auf Ottams Frage seinen letzten Worten hinzu:

"Nun, im wesentlichen ginge es mir darum, überhaupt etwas ansprechendes zum Frühstück zu finden, ein wenig mehr als der Schiffskoch zuzubereiten imstande ist. Jedoch..."

'Tja, wohin?'

"...vielleicht sollten wir nur auf dem Wege die Augen offenhalten, bis wir etwas ansprechendes sehen. Wenn nicht, denke ich, besteht ja eventuell die Möglichkeit, am Zielort das eine oder andere Häppchen zu bekommen."

'Das wäre vielleicht sogar das beste, ich kann mir das durchaus reizvoll vorstellen! Und dieser Frizzi, was denkt sich dieser senile alte Tro - also, was denkt der sich eigentlich, hier den großen Schweigenden zu spielen? Manchmal genügt es eben nicht, den berühmten Zaunpfahl vor jemandes Auge herum zu schwenken, sondern man muß ihm auf dem Walnussschädel dieses Menschen zertrümmern.'

Mit einem leichten Stirnrunzeln beschleunigt er seine Schritte und fragt dem Comte direkt ins Gesicht:

"Und was denkt Ihr, sollten wir als erstes dem Schrei unserer Seelen nach Verzehrbarem nachgeben, oder lieber direkt unser Ziel ansteuern?"



Selbst die wenigen Augenblicke der Annäherung - auf rein kommunikativer Basis, selbstverständlich - scheinen dem Comte zuviel zu sein. So nimmt Onaskje auch rasch wieder die Hand von seiner - und des Magiers - Schulter. Etwas irritiert über das Schweigen des Comte spricht er nun aus, woran er denkt.

"Meine Herren, ich frage mich, ob wir nicht zunächst einen kleinen Imbiss zu uns nehmen sollten."

'Vielleicht auch nur einen Happen aus der Hand, falls wir auf einen Backstand oder Ähnliches mit appetitlicher Aufmachung treffen.'

Langsam kommt das hintere, der Stadt zugewandte Ende des Dammes in Sicht. Suchend späht der Geweihte nach vorne, ob nicht zufällig ein fliegender Lebensmittelhändler in Sicht ist.



'Fressen und Saufen! Es geht wirklich steil abwärts mit unserer Kultur, wenn selbst die Geweihten an nichts anderes mehr denken. Da ist es kein Wunder, wenn wir so gestraft werden. Wenn das der alte Graf noch erleben müßte! Naja, zumindest scheint es dann auch keine Predigt zu geben.'

Di Vespasio wedelt unbestimmt mit der Hand in der Luft, während er die kleine Böschung vom Damm heruntersteigt und man wieder bewohntere Regionen von Havena betritt.

"Nun, ich, also mir wäre es recht, noch etwas zu warten, bei den Dingen, die die fahrenden Händler anbieten ... nun, nicht daß ich wählerisch wäre, aber man weiß ja nie, was sie in ihre Pasteten stecken. Bei den Preisen. Es gibt da Geschichten, die will ich nicht vor euren Ohren wiederholen, weil ich einfach hoffen muß, sie wären gelogen."







- 123 -