- Logbuch der NORDSTERN -

Im Auftrag des EFFerd- Teil 3 (Frau über Bord ) - 28 . Efferd 28 n.H.

NORDSTERN - In der Messe: Hesindian und Darian


Der Weg in die Messe gestaltet sich angesichts der weiterhin stürmischen Fahrt der NORDSTERN entsprechend abenteuerlich, und Hesindian prallt auf dem kurzen Weg von seiner Kabine bis in den Gemeinschaftsraum trotz seiner Bemühungen, sich abzustützen, mehr als einmal gegen die hölzernen Zwischenwände des Unterdecks.

Gerade sieht er noch den Zwergen durch die Luke zum Oberdeck entschwinden, als er am Niedergang vorbeikommt, misst dessen stürmischem Abgang aber keine Bedeutung zu. Erst als er die Messe betritt, um endlich seinen Hunger zu bekämpfen, stellt er erstaunt fest, wie spärlich dieser Raum nun besetzt ist, wo er doch nur wenige Augenblicke zuvor fast vollständig gefüllt war.

"Wo sind die anderen denn hin?" fragt er überrascht, ohne jemanden speziell anzusprechen.



Darian schaut von seinem Teller auf.

"Ah, Euer Gnaden, setzt Euch."

Er deutet auf einen freien Platz, davon gibt es z.Z. zwar ziemlich viele, aber Darian zeigt auf einen, der auch vorhin nicht besetzt war.

"Was Eure Frage anbetrifft, einige sind an Deck gegangen, nachdem gemeldet wurde, dass jemand über Bord gegangen sei. Aus diesem Grunde wurde auch das Schiff gestoppt."

Damit der Geweihte weiß, warum er, Darian, selbst nicht an Deck ist, fährt er nach einer kleinen Pause fort:

"Aber ich denke nicht, dass wir eine Hilfe bei der Bergung sein können, wir sind schließlich keine Seeleute und oben ist es mittlerweile zu windig und zu nass für uns ´Landratten´."



Das Erschrecken über die schlechte Nachricht, dass offenbar ein Besatzungsmitglied über Bord gegangen ist und nun in den Fluten um sein nacktes Überlegen kämpft, ist deutlich in Hesindians Gesicht zu lesen. Alles in ihm drängt danach, aufs Oberdeck zu stürmen und zu sehen, ob er irgendwie von Hilfe sein kann, doch der Einwand des Magus, dass sie eher eine Behinderung als eine Hilfe sein könnten, ist durchaus nachvollziehbar.

Schließlich hat die NORDSTERN eine erfahrene Besatzung, und wenn ein erfahrener Seemann über Bord gehen konnte, würde das für den ungeschickten Hesindian erst recht eine Kleinigkeit darstellen. Zum anderen ist die Mannschaft aufeinander eingespielt und hat Erfahrung in der Rettung von Schiffbrüchigen, so dass die Rettung in deren Händen gut aufgehoben ist.

Langsam geht Hesindian auf den angebotenen Stuhl zu, um sich zu setzen.

"Wie schrecklich." meint er, während er den Stuhl an den Tisch heran rückt. "Ich hoffe, dass die Rettung erfolgreich verläuft."

Dabei denkt er nicht so sehr an das schlechte Omen, dass ein Todesfall während der Überfahrt für das EFFerd-Fest in Havena bedeuten mag, sondern macht sich Sorgen um das Leben des bedauernswerten Seemannes.



"Das hoffe ich natürlich ebenfalls, euer Gnaden ..." antwortet der Adeptus dem Geweihten. Es ist immer wieder tragisch, wenn ein Mensch zu BORon abberufen wird, aber noch viel tragischer ist es, wenn es so früh vor der Zeit geschieht. Unwillkürlich muss er an die Bergung der Zyklopenauge denken, an all die Toten auf dem Deck. Ein Bild aus seinem Gedächtnis drängt sich in den Vordergrund seiner Gedanken. Es ist das Bild eines jungen, äußerst hübschen Mädchens, seidiges Haar, schlanke Gestalt und wunderbare braune Augen. Die Augen gebrochen und ohne Leben, das Haar blutverkrustet, der Körper von einem grausigem Axthieb entstellt. Ein junges Leben ausgelöscht, einfach dahin gemetzelt, nur weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort war.



NORDSTERN - Laderaum: ALRIK'S Arbeit


ALRIK erstarrt, als er das Wasser fast in die Kanne eingefüllt hat, die er ohne besondere Mühe gefunden hat.

"Eine Kiste... Kartoffeln?"

Vor seinem geistigen Auge rollen GANZ VIELE kleine Kartoffeln munter durch den Laderaum, bei jeder Woge von Steuerbord nach Backbord, und wieder zurück, und dann natürlich in all die kleinen Ecken, wo man nicht rankommt.

Doch tapfer spart der Junge sich jeden weiteren Kommentar, nimmt den Schlüssel entgegen, und eilt wieder zurück in die Messe. An deren Tür wird er jedoch wieder langsamer, und stellt die Kanne ganz leise und vorsichtig so auf den Tisch, dass sie auch bei diesem Seegang nicht herunterfallen kann. Schön langsam das alles, denn es kann ja sein, dass er so von den herum laufenden Fahrgästen zufällig noch etwas erhascht über das, was oben geschehen ist.



Was auch immer dort oben passiert ist, wer auch immer über Bord gegangen ist, es beschäftigt auch die Fahrgäste so sehr, dass sie das Essen vergessen und nach oben eilen. Auch ALRIK spürt diesen Wunsch sehr deutlich in sich, und möchte ihm am liebsten sofort nachgeben, aber Garulfs Anweisung kann er auch nicht ignorieren.

So schiebt er die Kanne noch einmal in eine ein klein wenig bessere Position auf dem Tisch, und verlässt die Messe dann langsam. Erst draußen auf dem Gang, wo ohnehin niemand mehr steht, der etwas sagen könnte zu den Ereignissen auf dem Oberdeck, werden seine Schritte schneller, denn je eher er die Arbeit erledigt hat, desto eher wird er wissen, was geschehen ist.

Rasch eilt er den Niedergang herunter, und durch das schummrig beleuchtete Ladedeck. Vor der Tür des dritten Laderaumes dann bleibt der Schiffsjunge stehen und schließt diese geschickt und rasch auf.

Er will hineingehen, doch da rollt ihm schon eine Kartoffel entgegen, die er geschickt mit dem Fuß stoppt und in den Raum zurück rollen läßt. Langsamer folgt er dann selbst, und bleibt nach einem Schritt erschrocken stehen, als er im Licht der von Garulf für ihn angelassenen Öllampe die Bescherung sieht.

"Bei den Zwölfen... da sammele ich ja ewig!"

Mit einem nicht gerade sanften Stoß, der durch das Schaukeln des Schiffes noch verstärkt wird, stößt ALRIK die Tür hinter sich zu, nicht, dass noch weitere Kartoffeln entwischen, und beginnt dann mit der heldenhaften Jagd auf flüchtende Kartoffeln...



NORDSTERN - Unterdeck: Alberik


Schwer sind die Schritte nach oben. Alberik ist auf die Schrecken gefasst, die ihn dort am Ende der Treppe erwarten, während er eine Stufe nach der anderen bewältigt.

'Du hast keine Angst, du darfst keine Angst haben. Dort oben ist nichts, was dir gefährlich werden könnte.'

Noch nimmt er die Rufe, die vom Deck schon zu hören sind, nicht wahr. Alles was oben ist, scheint ihm zu unwirklich, und nur die einzelnen Stufen vor ihm sind real.

Doch es wird immer lauter. Der Krach, den die Wellen verursachen, wenn sie gegen die Planken des Schiffes schlagen, die Rufe, womit sich die Matrosen bei diesem Lärm verständigen.

Sogar als er die letzte Stufe hinter sich hat, erreicht ihn nichts davon. Der angestrengte Blick, mit dem er auf seine Füße starrte, weicht einem Entsetzen, als er nach vorne schaut. Der Wind und das Wasser peitschen auf ihn ein. Doch auch dies bemerkt er nicht. Seine Gedanken sind wieder gefangen von dem überwältigenden Anblick des weiten Meeres und des endlosen Himmels. Es scheint, als könnte er bis zum Rand der Welt blicken, hinter dem sich nichts mehr befindet.

Er sieht riesige Wassermassen und mannshohe Wellen, die dem Angroschim zu verstehen geben, dass es keine Hoffnung und keine Hilfe gibt, wenn sie ihn gefangen haben, weil es weit und breit nichts gibt, was ihm Rettung versprechen könnte, um ihn dann zu endgültig zu verschlingen.

Verzweifelt suchen seine Augen nach einem Punkt in der schier endlosen Weite, an dem sie einen Halt finden können, damit seine Gedanken nicht weiter ins Chaos stürzen.



Dort, ganz in der Nähe sind Menschen.

Alberik löst seinen Blick vom Meer und schaut zu ihnen. Einige Matrosen, der Praiosgeweihte und Hjaldar sind dort versammelt. Dort muss er hin. Er muss ihnen zeigen, dass seine Hilfe etwas wert ist. Aber es ist nicht einfach zu ihnen zu gelangen.

Es scheint ihm, als wären sie meilenweit entfernt, als bräuchte es ewig, bis er bei ihnen ankommt. Bei jedem Schritt schaukelt das Schiff, und es gibt nichts, an dem er sich festhalten könnte, um nicht einfach vom Schiff zu fallen. Einige male scheint es ihm, als gäbe es keinen Boden mehr unter seinen Füßen, oder seine Beine wären plötzlich zu schwach, um ihn zu tragen.

Er versucht nicht daran zu denken, was hinter den Menschen ist, aber immer wieder muß er auf das dahinter schauen, nur um sich schnell wieder davon abzuwenden.

Endlich ist er bei ihnen angekommen. Seine Stirn scheint vom Wasser, dass immer aus den Fluten heraufspritzt, naß geworden zu sein, aber es ist nicht alleine daran schuld. Angstschweiß ist aus den Poren herausgeschossen, während er wankenden Schrittes zu den Rettern hinüber gekommen ist. In dem Versuch, sich nichts von seiner Angst anmerken zu lassen, spricht er so laut wie es ihm nur möglich ist, aber es ist ein deutliches Zittern in seiner Stimme zu vernehmen.

"Kann ich hier helfen?"

Etwas in ihm hofft, dass sie keine Hilfe mehr brauchen. Dann wäre es nicht weiter schlimm, wenn er wieder hinunter gehen würde. Aber er will ihnen auch beweisen, dass Alberik, Sohn des Atosch, helfen kann, wenn er will.



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Liebeleien


Nachdem einige der Decken herunter gefallen sind findet Ameg schließlich den Ausgang des Mannschaftraumes wieder. Vorsichtig taumelt er mit dem Decken-Haufen zurück in Richtung Messe. Schließlich wollte Torin die Decken 'hier', also dort, hin haben, oder nicht?

Ameg wundert sich ein wenig wozu Torin und Phexane überhaupt so viele Decken brauchen.

'Ob sich die beiden da vielleicht in die Decke einkuscheln wollen? Aber nein, die beiden schienen sich ja nicht recht zu mögen. ... hmm.. was wohl auf dem Oberdeck jetzt los ist'

Ameg trägt die Decken weiter und versucht dabei möglichst auf keinen der herunterhängenden Zipfel zu treten.

"Vorsischt. Deck'n-Trans'bord!", ruft er als er an der Kombüse vorbei kommt, wo jemand zu sein scheint



Torin ist noch nicht ganz bei der Gemeinschaftskabine angekommen als er den jungen Ameg schon mit den Decken herum poltern hört. Trotz der Kälte, die sich durch seine nasse Kleidung auf seienen Körper überträgt, schleicht sich ein Lächeln auf seine Lippen.

'Er ist eben doch ein wahrer Prachtjunge, mein Ameg.'

Dann öffnet er die Tür zur Gemeinschaftskabine.



Phexane dreht sich kurz zu Ameg um, als sie ihn auf dem Gang herum laufen hört.

'Die Decken sollten besser hier unten bleiben. Oben auf dem Deck würden sie nass werden und keinem mehr was nützen.'

Sie wendet sich wieder ihrem Weg zur trockenen und hoffentlich nicht allzu kühlen Gemeinschaftskabine zu und als Torin die Tür öffnet, geht sie an ihm vorbei in den Raum.

Hier pennen offenbar immer noch ein paar Passagiere und Phexane beneidet die Leute hier aufgrund deren Talent weiterschlafen zu können, während es oben auf dem Schiff hektisch zugeht.

Sie geht auf ihren Spind zu, zückt einen kleinen Schlüssel aus ihrer Hosentasche und öffnet den kleinen Schrank. Einen Moment lang steht sie wie ein begossener Pudel davor und blickt in die fast gähnende Leere. Lediglich ein kleiner Tuchbeutel hat hier vor ein paar Wochen eine Heimat gefunden und darin, so weiß Phexane, befinden sich auf jeden Fall keine warmen Klamotten.



Kein Wort des Protestes kommt über Torins Lippen als Phexane sich einfach an ihm vorbei in die Gemeinschaftskabine drängt. Ihm ist viel zu kalt als dass er jetzt einen Streit beginnen möchte. So folgt er ihr in die Gemeinschaftskabine.

Die Luft in der Gemeinschaftskabine scheint wirklich wärmer zu sein. Aber das mag daran liegen, dass einfach schon lange keine frische Luft mehr herein gelassen wurde. Torin schüttelt ungläubig den Kopf als er das leise Schnarchen des Druiden vernimmt.

In seinem einfachen Stoffmantel gehüllt sieht er nicht nur durch sein weißes Haupthaar wie ein alter Mann aus.

Das leise Quietschen von Phexanes Spind läßt Torin zu der Schwarzhaarigen hinüber blicken.

'Wahrscheinlich hat auch sie keine Kleidung zum wechseln.'

Dann geht er weiter bis zu seiner Koje, vor der er seinen Mantel auszieht. Ungeachtet läßt er den Mantel vor seiner Liegestätte auf den Kabinenboden sinken. Noch immer hört er das leise Schnarchen des Druiden zwischen dem Schlagen der Wellen. Hier hinten jedoch sind die Wellengeräusche wesentlich leiser als an Deck. Ruhiger, doch längst nicht so monoton wie es ihm lieb gewesen wäre.

Fest fährt er mit beiden Händen durch sein Haar und wringt es dadurch notdürftig aus. Unter ihm sammelt sich mehr und mehr Wasser.

Nach einem kurzem, zögernden Blick hinüber zu Phexane streift er sich sein gräuliches Leinenhemd über den Kopf so dass nun nur noch ein Lederbeutelchen an dem ledernen Band um seinen Hals baumelt.

'Ich hole mir hier den Tod und frage mich trotzdem noch, ob ich mein Hemd in ihrer Gegenwart ausziehen soll?'

Auch das Hemd findet sich nach wenigen Augenblicken neben dem Mantel auf dem nassen Boden.

'So weit kommts noch!'



Seufzend schließt Phexane den Spind wieder.

'Kein Geld, keine trockene Kleidung, kein Glück... Verdammt! Was habe ich bloß angestellt?'

Phexane dreht sich um ... und sieht wie Torin sich auszieht. Doch anstatt sich wegzudrehen und nun selber die nasse Kleidung auszuziehen, betrachtet sie Torins Rücken und die Muskeln, die unter der Haut spielen, während er sich seiner Kleidung entledigt. Ihre Blicke fahren auf seinen breiten Schultern entlang, auf denen einige dunkle, nasse Haarsträhnen kleben, gehen die Wirbelsäule hinab, hin zu seinem Po, der in Torins Lederhose bestens zur Geltung kommt.

Dieses Schauspiel hat für die kleine Diebin durchaus seinen Reiz und so betrachtet sie ihn weiter, während langsam ihre Finger sich zu dem obersten Knopf ihres Hemdes vortasten...



Mit einem satten Schmatzen löst sich der erste Stiefel von Torins Fuß.

"Der halbe Ozean muss sich in meinen Schuhen angesammelt haben." nörgelt Torin leise vor sich hin als auch der zweite Schuh lautstark vom Fuß gelöst wird.

Abermals blickt er aus den Augenwinkeln zu Phexane hinüber, ob diese schon begonnen hat, sich zu entkleiden. Doch diese scheint ihre Gedanken und besonders ihre Augen mehr bei ihm denn bei sich selbst zu haben.

"Habt ihr noch nie einen Mann gesehen?" fragt er schelmisch während er sich zu zu seinen knapp zwei Schritt Größe aufrichtet. Demonstrativ öffnet er die Schnalle seines Gürtels. Doch bevor er sich seiner Hose entledigt, nimmt er sein wertvolles Florett und lehnt es neben seiner Koje an die Wand.

'Was solls... wir sind beide keine Kinder mehr.'



*... ihre Hände streichen sanft über seine Haut, massieren seinen Rücken und rutschen fast schon zufällig nach unten, während sie von ihm ein leises St... *

Phexane wird bei Torins Worten jäh aus ihrem Tagtraum gerissen.

"Wie? Was?"

Es braucht einen kurzen Moment, bis seine Worte von ihrem Gehirn verarbeitet worden sind und nun, wo er die Schnalle seines Gürtels öffnet, dreht sie sich rasch weg.

"Doch, doch," antwortet sie etwas hastig, "glaubt nicht, dass ich noch nie einen nackten Mann gesehen habe!"

Torin den Rücken zuwendend, beginnt sie die Knöpfe ihres Hemdes zu öffnen.



'Zum Glück hat sie sich umgedreht. Es ist mir doch etwas peinlich, mich gerade unter ihrem Blick ausziehen zu müssen.'

Flink sind die Knöpfe seiner Hose geöffnet.

"Das ist gut, dann wisst ihr ja, was jetzt kommt."

Mit diesen Worten zieht er die nasse Hose nach unten und steht somit nackt in der Gemeinschaftskabine. Fast nackt, wenn man einmal von dem ledernen Beutelchen an seinem Hals absieht.

'Wenn sie sich jetzt umdreht, dann weiß ich nicht, was passiert...'

Er gluckst kurz.

'Wahrscheinlich werde ich erst einmal einen hochroten Kopf bekommen...'

Doch um dem vorzubeugen steigt Torin ganz aus seiner nun ebenfalls am Boden liegenden Hose und schnappt sich die Wolldecke, die in seiner Koje liegt. Und noch bevor sich dieses freche Biest wieder zu ihm umwenden kann, hat er sich in die Decke eingeschlagen.



Phexane zuckt bei Torins Worten kurz zusammen.

'So ein frecher Kerl! Der glaubt wohl, ich drehe mich um. Aber Irrtum!'

Sie öffnet weiter die Knöpfe ihres Hemdes, zieht ihre Arme aus den Ärmeln und läßt das Hemd zu Boden sinken.

'Ich spüre wie er mich anstarrt, dieser alte Lüstling! Aber... warum auch nicht. Vielleicht hat er ja noch nie...'

Phexane grinst ein wenig bei dem Gedanken, der ihr gerade durch den Kopf schießt. Doch dann nimmt sie das rote Tuch von ihrer Taille ab, das bisher immer als Gürtel herhalten musste und legt somit auch das Florett zur Seite.

Sie öffnet die Knöpfe ihrer Hose - weder übertrieben schnell, noch langsam, sondern so, als wäre sie allein und würde sich zu Bett begeben. Als der letzte Knopf geöffnet ist, hält sie kurz inne und blickt zu ihrer Koje.

'Da liegt die Decke. Das alte Wiesel wird mich nicht lange anglotzen können!'

Etwas flotter schält sie sich aus ihrer Lederhose und gibt dabei eine Tätowierung zwischen Hüfte und Po frei, an der sie seit Salzerhaven nicht mehr gedacht hatte - ein Pferd (wie rahjanisch!), das über ein 'T' springt und auch jetzt denkt sie nicht mehr daran, denn sonst würde sie sich wahrscheinlich beeilen, um diese Hautzeichnung zu bedecken.

Die Hose, die nun am Boden liegt, wischt sie mit einem Fuß zur Seite und schnappt sich nun ihre Wolldecke, in der sie sich einhüllt und sich so auf ihre Koje setzt, wobei sie nun Torin nicht mehr den Rücken zudreht. Jedoch... viel gibt es von ihr nicht mehr zu sehen. Lediglich ihr Kopf und die Füße schauen heraus.

"Fertig," sagt sie trocken.

'Na? Genug gesehen?'



Die Decke kratzt auf Torins Haut, doch sie ist trocken. Und damit hat sie alle Eigenschaften, die eine wärmende Decke für ihn jetzt haben muss.

'Hoffentlich war die Hilfe der Matrosen an Deck nicht umsonst.'

Langsam setzt er sich auf seine harte Matratze und schlägt die Decke auch über seine Beine.

'Hmmm, was geschieht eigentlich mit den Habseligkeiten von über Bord gegangenen Matrosen? Werden diese Sachen gerecht unter der restlichen Mannschaft verteilt oder gehen die auch über Bord?'

In Gedanken malt er sich aus, wie sein Freund Krull - ein Hüne von einem breitschultrigen Thorwaler am Bug seiner Otta steht und lauthals verkündend mehr oder weniger wertvolle Gegenstände ins Meer wirft.

"Zu Ehren Swafnirs, möge er die tote Swenja Trondesdottir wohlbehalten in sein Reich geleiten. Möge er ihr mit seinem großen Fischschwanz die Feinde von ihrem Weg fern halten." - Neein, das würde nicht einmal ein Thorwaler tun. - Obwohl ich mir da nicht ganz sicher bin, immerhin essen die auch Fisch mit Honig und solches Zeugs.'

Eine kitzelndes Gefühl in seiner Nase läßt ihn schnell mit der Hand die Nase zuhalten.

'Jetzt bloß nicht niesen. Damit würde ich wohl noch die Schlafenden wecken. Es ist schon schlimm genug, dass ich hier so nackt herumsitzen muss...'

Er blickt zu Phexane hinüber.

'Aber zugegeben, es gibt Schlimmeres als mit einer ebenfalls nackten und sehr reizvollen Maid...'

Torin schluckt. Wie lange mag es schon her sein, dass er den entblößten Rücken einer Frau hatte bestaunen können, ohne dass ihn der Bann des Goldeichenherzes schmerzvoll getroffen hatte?

Längst liegt ihre blaue Bluse auf dem Boden und auch das Florett hat sie bereits abgelegt. Jetzt zieht sie ihre schwarze Lederhose nach unten und Torin kann nicht anders als auf ihre wunderschönen Rundungen zu starren.

Er merkt, wie seine Wangenknochen den Unterkiefer nicht mehr halten können und sein Mund sich langsam öffnet. Nur kurz hat er jedoch Zeit, sich diesen Genüssen hinzugeben. Denn schneller als ihm lieb ist wischt die Kleine ihre Hose beiseite, schnappt sich ihre Wolldecke und hüllt sich in diese ein. Und trotzdem spürt er dieses Gefühl in seiner Lendengegend.

'Oh verflixt!' denkt er sich noch, als sich die Schwarzhaarige auf ihre Koje setzt und ihn wieder anspricht.

"Sie sieht aus wie eine Tote, findet ihr nicht?" lenkt er blitzschnell von sich ab und zeigt auf das Lager der Druidin Joanna während er seine Füße zu sich hochzieht und sich anschickt, im Schneidersitz auf seiner Matratze zu sitzen.

"Atmet sie überhaupt noch?"

Doch noch bei seinen Worten wird ihm klar, dass die Druidin wirklich nur noch sehr flach atmet.



Phexane wickelt sich tief in die warme, wenn auch ein wenig kratzige Wolldecke ein. Aber so jemand wie sie ist nach all der Zeit auf der Straße nicht mehr so anspruchsvoll und somit stört sie das leichte Pieksen auf der Haut nicht. Für sie ist das Kratzen eher ein Zeichen dafür, dass es Wolle ist und sie wärmen wird.

Als Torin über die Druidin spricht, schaut sie kurz hinüber. Doch der Blick zeigt eher kühles Desinteresse, denn die Sache kurz vor Salzerhaven hat sie natürlich noch nicht vergessen.

"Vielleicht hat sie auch zu viel gesoffen," antwortet sie und grinst Torin ein wenig frech-fies an. Kurz hält dieses Grinsen an, doch dann erstirbt es schlagartig und Phexanes Wangen bekommen mehr und mehr ein sattes Mohnrot.

'Salzerhaven... Theovard... OH PHEX! Die Tätowierung!'

Ihr Kopf verschwindet ein wenig tiefer in die Decke.

'Der Buchstabe... das ist doch ein 'T', oder? T... T wie... doch nicht wie T---T--T-orin?'

Starr blickt sie auf den Boden und versucht sich an die wenigen Garethi-Stunden, die sie in der Efferdschule beigewohnt hatte, zu erinnern. Zwar hatte sie das Schreiben und Lesen nie richtig gelernt, aber wenigstens kann sie ein paar Buchstaben lesen.

'Er hat noch nichts gesagt. Vielleicht hat er es auch gar nicht gesehen!'



Auch wenn es nur einige Sekunden waren, die Torin den nackten Körper der schlanken Frau betrachten konnte, so war es für ihn doch etwas Neues. Viel zu lange hatte er unter dem Einfluss des Goldeichenherzes gestanden, das ihm jegliche Annäherungen an andere Frauen versagt hatte. Damals hatte er gerne in diesen Schwur eingewilligt.

Nun gab es diesen Schwur nicht mehr und trotzdem war Torin von ihrer Nacktheit wie geblendet gewesen. Noch immer regt sich bei ihm dieses Gefühl in der Lendengegend.

'Musst du dich immer dann bemerkbar machen, wenn es am Ungünstigsten ist?' scheltet er den Verursacher dieser Regungen in Gedanken. Doch dieser lässt sich von Worten alleine nicht besänftigen. Im Gegenteil, neugierig reckt er sein kleines Köpfchen nach oben. Doch aus dem Schneidersitz heraus, den Torin vorsichtshalber eingenommen hat, bekommt er nicht mit, was um ihn herum passiert. Torin indes blickt schon wieder zur eingehüllten Phexane hinüber.

"Nein, ich glaube nicht, dass sie zu viel getrunken hat." antwortet er ihr. "Sie hat nicht einmal den einen Becher geleert, den sie hatte. Besoffen kann sie also gewiss nicht sein. Aber da wir hier jetzt unter uns sind, können wir uns ja etwas näher kennen lernen."

'Ohne dass du mir gleich wieder davonläufst, du kleine Wildkatze.'

"Wie kamt ihr eigentlich damals in Thorwal an diesen Ort. Ihr wisst schon, Frau Fuxfell, dort, wo wir uns das erste Mal trafen."

Das Getrampel von Schritten am Niedergang lässt Torin kurz aufhorchen.

'Sie haben die Matrosin wohl retten können. Andernfalls wäre das Leidklagen nicht zu überhören. Hmm, so bekomme ich also doch nicht mit, was mit ihren Habseligkeiten passiert wäre. Aber zumindest kann sich mein Schützling mit seinen Decken etwas nützlich machen.'



Phexane hält weiterhin den Kopf gesenkt, auch als Torin sie fragt, wie sie nach Prem, wo sie ihn das erste Mal traf (im wahrsten Sinne des Wortes), gekommen ist, denn auch weiterhin spürt sie ein für sie unangenehmes Brennen auf den Wangen.

"Prem? Hmm, eher Zufall," antwortet sie, "ich wandere schon seit Längerem umher und bin dort, ein paar Tage vor dem Vorfall auf dem Dach, angekommen."

'Soll ich jetzt die ganze Zeit auf diesen blöden Boden wie eine Bekloppte starren? Verdammt, da bin ich mal alleine mit ihm und kann mich ein wenig mit ihm unterhalten und dann soll ich so etwas machen? Bin ich ein kleines Mädchen oder ein erwachsene Frau, die über den Dingen steht?'

Selbstbewusst schaut sie auf - mit unverändert knallroten Wangen.

'Blöde Tätowierung... blöder Theovard! Der Kerl ist doch schuld daran, dass mir nun die Wangen glühen!'

"Falls ihr aber das Dach meint...," Phexane hält kurz inne, "dann war ich dort, weil ich in dem Gasthaus, wo ich zuletzt genächtigt hatte, etwas Wichtiges vergessen hatte und mich auf den Straßen nicht blicken lassen konnte."

Sie denkt kurz an den versoffenen Thorwaler zurück, den sie am Abend zuvor um seine gesamte Barschaft erleichtert hatte.

'Und jetzt ist alles wieder weg! Oh PHEx, ich hoffe, das ist nur eine Prüfung von dir!'



"Hmmm, ja, ich kenne das Gefühl, wenn man sich nicht mehr auf den Straßen blicken lassen kann." entgegnet Torin der eingewickelten Phexane. Langsam spürt er die wärmende Wirkung der wollenen Decke und so zieht er auch die letzte heraus schauende Fussspitze in diesen wärmenden Bereich. Immer darauf bedacht, dass sich sein kleiner Mann nicht zu weit nach oben wagt.

"Nachts in den dunklen Gassen herum streunern, immer vorsichtig von Schatten zu Schatten huschend. Oft genug gehetzt von den Gardisten oder den Dienern PRAios."

Die Erinnerungen die guten alten Zeiten mit den anderen Rotmardern in den Gassen von Gareth zaubern ein warmes Lächeln auf seine Lippen. Er hört sich selber leise seufzen als die Erinnerungen weiterziehen.

"Ja, in solchen Augenblicken man sich oft recht einsam."

Er pausiert für einen Augenblick, um seinen Worten genügend Bedeutung zukommen zu lassen.

"Könntet ihr euch vorstellen, des Nachts nicht mehr alleine über die Dächer zu huschen?"

Bei den Worten fixiert er die schwarzhaarige Streunerin sehr genau. Nun erst fällt ihm ihr hochrotes Gesicht auf.

'Was denn???' Phexanes hochrotes Gesicht macht Torin doch zu schaffen. 'Ist ER etwa zu sehen? Habe ich nicht genug aufgepasst?'



Ein kurzer Blick nach unten bestätigt ihm jedoch, dass sie IHN auf keinen Fall entdeckt haben kann. Doch die Röte in Phexanes Gesicht lässt sich nicht leugnen.

'Ist es ihr etwa peinlich, hier mit mir zu sitzen?'

'Aber ich mach doch gar nichts. - Oder stellt sie sich gerade vor, dass...'

'Also Frau Fuxfell!' grinst er sie an.



Phexane lauscht Torins Worten und für einen Moment sind die brennenden Wangen fast wieder vergessen und schon schickt sich ihre Gesichtshaut an, langsam blasser zu werden.

Doch dann fragt er sie, ob sie sich vorstellen könnte nicht mehr alleine durch die Nacht zu huschen. Man kann ihr ihre Überraschung deutlich ansehen, aber als er mehr und mehr grinst, scheint ihr ein Licht aufzugehen.

'Verflucht! Er hat die Tätowierung doch gesehen! Oh, bei den Zwölfen! Hoffentlich denkt er nichts Falsches! Ich habe dieses blöde Ding doch schon länger! Er hat damit doch gar nichts zu tun!'

"I-Ihr versteht das vollkommen falsch!" stottert Phexane schnell, hält aber dann doch urplötzlich inne.

'Naja, und wenn schon? Was wäre so schlecht daran? Vielleicht erkläre ich es ihm irgendwann einmal in Ruhe... aber jetzt...'

Kurz räuspert die Diebin sich.

"Nun ja," beginnt sie vorsichtig, mit einer etwas tieferen und hoffentlich sicher klingenden Stimme, "ich wäre vielleicht nicht abgeneigt. Kommt auf die Person an."

So selbstsicher, wie es gerade in ihren Kräften steht (also nur sehr wenig selbstsicher), blickt sie ihn mit weiterhin erhobenem Kopfe an.

"Diese Person sollte natürlich über gewisse Qualitäten verfügen."

'Moment! Wie hört sich das denn an???'

"Ihr versteht mich doch, nicht wahr?"



"Natürlich verstehe ich euch, Frau Fuxfell." sagt Torin ruhig und verständnisvoll. Viel ruhiger als dass es noch natürlich klingen könnte.

'Und wie ich euch verstehe! Gewisse Qualitäten... Aha! Ich wusste es doch, die Kleine ist heiß auf mich.'

Und auch Torins kleiner Freund freut sich merklich über das, was Torin denkt.

'Jetzt will ich es wissen.'

"Und an welche 'Qualitäten' habt ihr da gedacht?"

Es kann wirklich kein Zufall sein, dass Torin gerade jenes besondere Wort so in die Länge zieht.



'Vertrauen? - Sicherheit?'

Bei diesen Worten zuckt Torins verlängerter Lendenwirbel verärgert.

'Ach, sooo hat sie es gemeint...' wird es Torin schlagartig klar.

'Dann ist sie also doch nicht heiß auf mich? - Und doch spricht ihr Körper eine ganz andere Sprache. Naja, wie heisst es so schön? Was noch nicht ist, kann ja noch werden.'

Doch schon blickt ihn Phexane sehr eindringlich an. Es scheint, als wolle sie ihm den Willen alleine mit den Augen rauben.

"Jemand, der eben so gerne wie man selbst unter dem hellen Nachthimmel unterwegs ist; der einem den Rücken deckt und flink genug ist, auch den schnellsten Häschern zu entkommen. Und natürlich jemand, der durch die Löcher kommt, für die man selbst zu..." 'ähem!' "...gut gebaut ist."

"Ja, ihr habt recht." Torin fällt es nicht schwer, Phexanes eindringlichem Blick standzuhalten. "Auch mir ist schon eine Frau begegnet, die es wohl mit mir aufnehmen könnte. Sie kann eine rechte Wildkatze sein, aber sicherlich auch ein sanftes Kätzchen, Frau Fuxfell."



Phexane schluckt. Offenbar denkt er das Falsche, aber bei dieser reichlich aufgeheizten Stimmung in der Gemeinschaftskabine weiß selbst Phexane nicht mehr so genau, was sie sich bei dem Wort 'Qualitäten' gedacht hatte.

"Aeeeh," kommt es ihr erstmal lang gezogen von den Lippen. Sie spürt wie ihr Herz schneller schlägt und auch die Wangen leuchten wieder stärker.

'Was soll ich jetzt sagen? Wie soll ich es sagen?'

"Ähem."

Ihr Kopf senkt sich wieder ein wenig und ihr Blick beginnt sich wieder an den sterbenslangweiligen Holzboden zu heften.

'Alles oder nichts? Jetzt, Phexane oder Níalyn oder wer auch immer ich wirklich bin, sollte ich mich endlich entscheiden!'

"Vertrauen," antwortet sie zögerlich und auch ein ganz klein wenig vorsichtig, "und ... tjaaaa ... hmmm ... Sicherheit. Also, wenn ich mit jemanden unterwegs sein möchte, dann mit jemanden, der zu kämpfen weiß, wenn es mal wirklich arg brenzlig wird."

Ganz langsam lugt ihre Selbstsicherheit aus ihrem Versteck hervor und auch Phexane schaut wieder zu Torin hin, wobei sie ihn aber genau beobachtet - wie wird er bei ihren Worten reagieren? Was wird er machen? Und wie wird er diese Worte verstehen?

"Aber diese Person darf auch kein tumber Hau-drauf sein! Gewitzt sollte er sein, gewandt und ein Anfänger darf er schon gar nicht sein."

'Tja, so wie du... Torin.'

Mehr und mehr scheint ihr Mut zurückzukehren und fängt an, sie ein bisschen zu berauschen.

"Es gibt nicht viele, die diesen Ansprüchen genügen würden. Aber," bei diesen Worten wird ihr Blick wesentlich eindringlicher, "ein Mann ist mir durchaus untergekommen, der wohl ... gut genug für mich wäre!"



Phexane hat das Gefühl tausend kleine, krabbelige Käfer würden ihren Rücken hinab brennen - so sehr fährt ein mächtiger Schauer über ihren Körper, denn es ist ihr sehr wohl klar, wen Torin mit seinen Worten meint.

Einen sehr langen Moment starrt sie ihn schweigend an und lässt die Worte noch ein wenig auf sich wirken, doch dann scheint sie sich langsam dazu durchzuringen, wieder etwas zu sagen.

"Sagt, was habt ihr empfunden, als ihr mich im Arm gehalten habt?"



Mit dem Richtungswechsel, den das Gepräch in der Gemeinschaftskabine einschlägt, hatte Torin nicht unbedingt gerechnet. Doch hatte die Kleine nicht irgendwie ein Recht darauf, zu erfahren, was er wirklich denkt?

'Doch, das hat sie wohl.'

Und so antwortet er ihr auch wahrheitsgemäß.

"Mich haben zum ersten Mal seit langer Zeit keine Schmerzen dabei gepeinigt." gibt er offen zu.

"Es war sehr schön, euch in meinen Armen zu halten. Es war ein Augenblick, in dem ich mehr Wärme empfunden habe als lange Zeit davor."

Lange ist es her, dass Torin solche Worte formulieren musste und so kommen sie etwas stockend über seine Lippen. Sogar eine leichte Rötung schleicht sich auf seine Wangen.

"Ich möchte auch weiterhin mit euch zusammen sein, Frau Fuxfell."



Phexane kann und will das Lächeln, das sich nun auf ihrem Gesicht verirrt, nicht verbergen. Die Worte, die Torin zu ihr sagt, lassen in ihr ein Gefühl aufkommen, das sie anscheinend schon seit einer Ewigkeit nicht mehr verspürt hat. Es ist ein Gefühl, das sie innerlich aufwärmt und zugleich die Röte auf ihren Wangen aufrechterhält.

Leicht beschämt und auch ein wenig unsicher senkt sie ihren Kopf und starrt wieder den schlichten Holzboden an. Doch da gibt es etwas in Torins Worten, was sie ein wenig stutzig macht.

'Schmerzen? Was meint er damit? Körperliche Schmerzen? Nein, das muss eher mit dieser Frau zu tun haben, nach der er gesucht hat. Er musste wohl immer an sie denken und hat wohl Schmerzen gefühlt. Aber wenn diese Schmerzen jetzt vorbei sind, dann hat er sie wohl jetzt aufgegeben.'

Wie gerne würde Phexane nun wieder den Kopf heben und ihm das sagen, was sie gerade fühlt oder vielleicht sogar aufstehen und sich zu ihm setzen, doch irgendwas hemmt sie innerlich. Vielleicht sind es die bisherigen schlechten Erfahrungen, die sie im Leben machen musste oder ihr antrainiertes Misstrauen - was auch immer es ist: Es lässt Phexane weiterhin schweigend auf ihrer Koje sitzen.



Torin hatte die Worte wirklich über seine Lippen gebracht. So schwer es auch gewesen war, er selbst war nun froh, sie gesagt zu haben. Doch Frau Fuxfell scheint nicht auf seine Worte zu reagieren.

'Mag sie mich nicht? Muss ich ihr Schweigen so deuten?'

Langsam senkt sich Torins Kopf etwas und sein freudiges Lächeln wird von einem eher ratlosen Ausdruck verdrängt. Nun blickt auch er auf die Maserung der Bodenbretter.

'Aber so wie ich sie bis jetzt kennen gelernt habe, würde sie mir eine Ablehnung sicher mit Freuden kund tun.'

Torin seufzt leise.

'Vielleicht kenne ich sie doch nicht so gut wie ich es dachte.'



Phexane nimmt das leise Seufzen, das Torin von sich gibt, wahr. Vorsichtig schaut sie auf und sieht, dass er ebenfalls auf den Boden guckt. Das Lächeln scheint von seinem Gesicht verschwunden zu sein, aber so richtig erkennen kann sie es in dem Zwielicht, das hier in der Gemeinschaftskabine vorherrscht, nicht.

'Wenn ich jetzt weiter schweige, werde ich es wohl für den Rest meines Lebens bereuen. Oder werde ich froh sein?'

Phexane mustert Torin auch weiterhin, nimmt ihn dabei allerdings nicht so sehr wahr, sondern denkt darüber nach, was passieren könnte, wenn sie nun aufstehen und zu ihm gehen oder ihm antworten würde. Was würde er dann sagen oder machen?

Vor ihrem geistigen Auge spielen sich die unterschiedlichsten Szenen ab, die allerdings zu einem Entschluss ihrerseits nicht gerade beitragen. Im Gegenteil - langsam, aber sicher, ringt sie sich dazu durch, Torin zu antworten --- und ihm einen Korb zu geben.

'Ist sicherlich besser so.'



'Wenn sie mich aber nun doch mag und es nur nicht zugeben will?'

Torin ist hin und her gerissen zwischen seinen Gefühlen. Einerseits möchte er weit weg sein - in der hintersten Ecke der Rotmarderschen Unterkunft in Gareth. Andererseits wünscht er sich nichts sehnlicher als die Nähe 'seiner' Frau Fuxfell. Ihren Duft einzuatmen, sie zu liebkosen und zu wärmen.

'Ich werde es niemals herausfinden ob sie mich mag, wenn ich sie nicht frage.'

Nur mühsam bringt Torin den Mut auf, den Kopf zu heben. Doch dann blickt er endlich Phexane wieder an.

'Wenn nur nicht mein Herz so pochen würde.'

Als Torin merkt, dass sie ihn ansieht, weiß er plötzlich sehr genau, was er will. Doch noch immer fehlt die Umsetzung seines Willens in die Tat. Noch immer fehlen ihm die richtigen Worte.

'Was soll ich ihr sagen? - Kommt zu mir? - Nein, das ist zu plump.'

'Es ist vielleicht der wichtigste Satz in meinem Leben und ich weiß nicht, was ich sagen soll.'

Torin schüttelt innerlich den Kopf, doch die Gedanken wollen sich nicht zu einem galanten Satz zusammenfügen lassen.

'Aber was sonst? - Kommt bitte zu mir, ich möchte euch hier haben? - Miu pikusch! Das ist vollkommen falsch!'

'Miu pikusch! Miu pikusch! Miu pikusch! Ooooh Mann, denk nach! Verdammt, ich kann nicht nachdenken, wenn mir so kalt ist!'

'...wenn mir so kalt ist...' echot es in Torin nach.

'Wenn mir so kalt ist... Ihr ist doch auch kalt! - Das ist es!'

"Frau Fuxfell," Torin muss sich erst einmal räuspern. "ähm, wenn euch kalt sein sollte, dann könnte ich euch etwas Wärme spenden."

Nochmals räuspert sich Torin. "ähm, nur, falls ihr es wünscht."

'ähm...'



'Lasst uns Freunde sein! - Nein, das ist abgedroschen.'

Phexane überlegt fieberhaft, wie sie Torin auf möglichst schonende Art und Weise sagen könnte, dass sie nicht an ihm interessiert ist.

'Ich will es doch gar nicht sagen. Eigentlich... wäre ich gerne mit ihm zusammen! Aber was ist, wenn er mich plötzlich alleine lassen würde? Außerdem benimmt er sich manchmal wie ein Idiot!'

Noch während die passenden Phrasen durch ihren Kopf flitzen, hört sie, wie Torin sie anspricht.

"äh, kalt?" Phexane ist sichtlich verwirrt, "ähm, schon."

'Er will mich also bei ihm sitzen haben? Und mich wärmen??'

Sie spürt, wie ihr Herz bis zum Hals hinauf pocht.

'Er wird wohl kaum ein Feuer anmachen oder mir eine weitere Decke geben. Die einzige Möglichkeit, mich zu wärmen, wäre... '

In Phexanes Gedanken taucht ein Bild auf - sie, liegend in Torins Armen, warm und geborgen schlummernd unter einer gemeinsamen Decke.

Ein Schauer nach dem anderen fährt über ihre Haut und hinterlässt eine gewaltige Gänsehaut. Kurz schaudert sie, weniger wegen der Kälte, sondern eher wegen dem Reiz, den diese Vorstellung für sie hat.

'Los jetzt!'

Langsam und noch immer reichlich unentschlossen, steht Phexane von ihrer Koje auf, wobei sie auch weiterhin ihre Wolldecke festhält. Der Holzboden knackt leise, während sie zu Torin hinübergeht und dabei die anderen, hoffentlich noch schlafenden, Passagiere beobachtet. Dann, kurz vor Torins Koje, blickt sie ihn an. Die braunen langen Haare, die feucht herunterhängen, die ebenso braunen sanften Augen... so langsam zieht es sie mehr und mehr zu ihm hin.



'Sie kommt.' schießt es Torin durch den Kopf. 'Sie kommt wirklich zu mir.'

Torins Herz schlägt überlaut und längst ist sein 'kleiner Mann' vergessen. Doch so ganz hat sich dieser noch immer nicht beruhigt. Aufgeregt steht er und harrt der Dinge die da wohl kommen.

Doch dafür hat Torin keinen Gedanken frei. 'Wie eine Prinzessin in ihrem Schleier.' so zumindest kommt es ihm vor, gleitet Phexane über den hölzernen Boden auf ihn zu. Scheu wie ein Reh blickt sie zu Boden.

Kaum mehr als einen Schritt vor ihm bleibt sie stehen und schaut ihn an. Torin blickt in ihre großen, braunen Augen. Kein Laut dringt über seine Lippen, so sehr genießt er ihre Gegenwart.

Dann jedoch merkt er, warum sie wirklich vor ihm stehen bleibt.

'Wie sollte sie sich auch setzen, wenn ich den wenigen Platz auf der schmalen Koje mit meinem Körper ausfüllte?'

Ohne den Blick von ihr zu nehmen, streckt Torin seine Füße aus und rutscht zur Seite. Das Lächeln, mit dem er Phexane zu sich einlädt, sagt mehr als es Worte jemals fassen könnten.



Kurz erwidert Phexane Torins Blick, wobei sie nun auch wieder lächelt, dann aber, als er zur Seite gerückt ist und somit etwas Platz für sie gemacht hat, setzt sie sich auf seine Koje.

"Danke," sagt sie leise und zieht ihre Beine unter die Decke, wo sie sie mit ihren Armen umschlingt.

'Und nun?'

Phexane sitzt so, dass sie ihn weder berührt, noch allzu weit von ihm weg sitzt. Ihr Körper ist sichtbar angespannt und nervös blickt sie zu den Schlafenden hinüber.

'Was wäre, wenn die nicht schlafen, sondern lauschen würden?'

Doch diese Vorstellung schüttelt sie schnell wieder ab und richtet dafür ihre Aufmerksamkeit lieber wieder auf Torin.

Wieder betrachtet sie seine Augen und spürt dabei eine Art 'Vorfreude'. Sie weiss nicht, was passieren wird, stellt sich aber vor, was geschehen kann, wobei ihre Gänsehaut bei diesen Gedanken aufrechterhalten bleibt und auch ihre Wangen haben kaum an Röte verloren.

'Will ich es? Ich weiß es nicht...'



Und auch als sich Phexane in einiger Entfernung auf seiner Koje niederlässt, nimmt er den Blick nicht von ihr.

'Soll ich... will ich es wirklich?'

Doch der Kloss in seinem Hals beantwortet seine Frage klar.

'Ich hatte davon gesprochen, sie zu wärmen. Und genau das sollte ich jetzt auch tun.'

Doch die Nervosität, die Torin in sich spürt, ist beinahe so schlimm wie die Schmerzen des Goldeichenherzens früher. Das leichte Kribbeln zieht sich durch seinen ganzen Körper und nur der Bereich seiner Lenden scheint davon ausgenommen zu sein.

'Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.'

Doch so ganz traut sich Torin nicht. Natürlich ist er sich bewusst, dass es der Mann ist, der den ersten Schritt wagt, aber...

'Es ist so verdammt schwer!'

Zögerlich hebt sich seine rechte Hand. Langsam schwingt sie herum, legt sich vorsichtig auf Phexanes Schulter.

Dann zieht er sie zu sich heran.



Phexane hat keine Zeit, um zusammenzuzucken oder ähnliches, als sie plötzlich Torins Hand auf ihrer Schulter spürt. Als er sie zu sich heranzieht wehrt sie sich nicht einen Moment lang, sondern scheint sich sogar regelrecht mitziehen zu lassen.

Sie legt sanft ihre rechte Hand auf seine Schulter und stützt sich mit ihrer linken ab, doch dabei rutscht ihre Decke auf ihren Schoß hinab, so dass sie mit nacktem Oberkörper bei ihm sitzt. Die Decke gibt einen dünnen Körper, dessen Haut hier und da mit ein paar kleinen, blassen Narben, Muttermalen und natürlich einer gewaltigen Gänsehaut verunziert ist.

Doch anstatt die Wolldecke wieder hinaufzuziehen, lächelt sie Torin an und flüstert:

"Ihr wollt mich wärmen?"



Torin fühlt wie sein Herz schneller und schneller schlägt, als er ihren nackten Körper erblickt. Kurz gleitet sein Blick über ihre kleinen, aber dennoch wohlgeformten Brüste, dann aber reißt er sich doch los und blickt ihr tief, zärtlich, aber auch ein wenig erregt und wollüstig in die Augen.

"Oh ja, das will ich", haucht er ihr zu, während er sie näher und näher zu sich zieht, "und ich werde nicht eher aufhören, bis euch wirklich ganz heiß ist."

Dann ist der Moment erreicht - Phexane kann nicht mehr sehr viel näher kommen, ohne ihn zu berühren und bevor sie vielleicht doch noch Anstalten macht, ihm zu entwischen, zieht er sie ganz an sich heran, legt rasch beide Arme um sie und drückt ihr seine Lippen leidenschaftlich und gierig auf ihre. Ein heißes Prickeln entsteht auf seinen Lippen (und nicht nur dort), als er ihre weichen Mund spürt.



Phexane zuckt überrascht zusammen, als Torin sie so schnell an sich zieht und sie küsst. Kurz blickt sie ihn an - seine genießerisch geschlossenen Augen scheinen ihr gesamtes Blickfeld einzunehmen. Sie fühlt seinen warmen Körper, spürt seinen leicht kratzigen Bart im Gesicht und geniesst das erneute Gefühl des Geborgenseins in seinen Armen. Phexane schließt ebenfalls ihre Augen, öffnet leicht ihren Mund und umarmt ihn, wobei sie allerdings anfängt ihm über seinen bloßgelegten Rücken zu streichen.

Mehr und mehr drängt sie ihren Körper an ihn heran, lässt ihre Zunge hervorschnellen und signalisiert ihm so mit jeder einzelnen Faser ihres Körpers, wie sehr sie ihn will.



Woge um Woge schlägt Torin die Leidenschaft Phexanes entgegen und nur zu gerne erwidert er diese. Ihr noch immer leicht feuchter Körper fühlt sich gut an seinem eigenen an.

Seine Zunge spielt einen regelrechten Schlangentanz mit der ihren auf. Sein Herz pocht laut und schnell als er sie zärtlich aber bestimmt nach hinten drückt.



Mehr und mehr vergisst Phexane ihre Umgebung. Das Schiff, die Kabine, die anderen, hoffentlich noch schlafenden Passagiere - all das ist zur Nebensache geworden, als sie seine wilden Küsse erwidert.

Stattdessen weilt ihr Geist im Reich der Sinne, wo ihre Leidenschaft unter Torins Liebkosungen immer weiter erblüht. Ewig soll dieser Moment währen und ewig möchte sie ihn mit Torin erleben.

Wie lange ist es schon her, dass sie so etwas genoss? Und wie lange ist es her, dass sie jemandem so sehr vertraute?

Was wäre, wenn dieses Vertrauen erneut gebrochen wird?

Unsicherheit, genährt durch Misstrauen, keimt wieder in ihr auf und lässt in ihr Gedanken und Bedenken entstehen, die die Illusion von einer kleinen Welt, in der es nur sie, Torin und diese kleine, aber warme Koje gibt, wie eine Seifenblase zerplatzen. Als er sie dann auch noch nach hinten drückt, damit sie auf der Koje liegt, hält sie plötzlich inne, indem sie ihren Mund von seinem löst und sich leicht gegen seinen Druck stemmt, wobei sie ihren rechten Arm von ihm nimmt, um sich abzustützen.

"Wartet," sagt Phexane leise, "wie kann ich mir sicher sein, dass ihr mich nicht verlassen werdet?"

Erwartungsvoll und auch ein wenig verzweifelt über sich und ihre Bedenken blickt sie Torin an.



Torin spürt, wie sich Phexane sträubt. Wie sie ihm ihre Lippen entreißt und ihm diese Frage stellt. Verwirrt darüber, warum sie ihm gerade jetzt diese Frage stellt, blickt er sie an. Groß und erwartungsvoll schauen Ihre Augen ihn an und unschwer erkennt er, dass ihr diese Frage zu wichtig ist, als dass er sie einfach mit einigen Worten abwimmeln könnte.

"Ihr könnt euch nie ganz sicher sein, Frau Fuxfell."

Tief in ihren Augen vermag er das Feuer ihres Herzens zu erkennen. Hell und Heiß lodert es ihm entgegen, doch vermag er auch zu erkennen, dass eben dieses Feuer mit wenigen Worten zum erlöschen gebracht werden kann.

"Ich kann euch nichts beteuern außer, dass ich diesen Augenblick mit euch erleben möchte."

Sanft umfasst er mit seiner Hand ihr Kinn und blickt sie eindringlich an.

"Im Leben ist nichts von Bestand, nicht einmal das Leben selbst. Doch kann ich es mir sehr gut vorstellen, mit euch über die Dächer zu huschen. Mit euch und Ameg..."



Phexane seufzt leise, als Torin seine Rede endet.

"Ihr redet immer nur davon, mit mir zusammen zu arbeiten, aber das reicht mir nicht! Ich will mehr!"

"Ich habe es satt immer nur auf der Reise zu sein. Kein Zuhause, keine richtige Zuflucht zu haben!"

"Ihr seht in mir nur eine Diebin, doch ich bin in erster Linie eine Frau. Noch dazu eine, die geliebt werden will. Und nicht nur körperlich!"

Phexane holt tief Luft, packt Torin dann an den Schultern und hält ihn - oder sich - fest. Ein kurzer Moment der Überwindung verstreicht, dann jedoch gesteht sie ihm:

"Torin, ich will dich! Ich liebe dich!"

Die anfangs noch fest klingenden Worte werden mit jeder Silbe leiser. Doch nun ist es gesagt, endlich hatte sie ihm gesagt, wie sie für ihn empfindet.



'Torin, ich will dich! Ich liebe dich!'

Diese Worte hat Torin sehr wohl verstanden, doch wie sollte er nur darauf antworten. Für ihn selbst besteht kein Zweifel darin, dass auch sie sein Herz in den Händen hält, doch wie sollte er es ihr sagen?

Fest spürt er ihre Hände an seinen Schultern. Noch immer hält seine Hand ihr Kinn liebevoll gefangen.

'Ich liebe euch auch.' erwidert Torin in Gedanken, während er ihr fest in ihre weit geöffneten Augen blickt. Leise, beinahe schon zu leise um die Geräusche des nun wieder schneller fahrenden Schiffes zu übertönen entgegnet er ihr.

"Ich habe nicht an die Arbeit gedacht, als ich von den Dächern sprach. Ich dachte an unsere erste Begegnung. Daran, wie sehr dieses kurze Treffen mein Leben verändert hat."

Er lässt Phexanes Kinn los und streicht ihr durch die nassen Haare.

"Unverwechselbar und unvergleichlich war diese erste Nacht mit euch. Seit dieser Nacht hatte ich gehofft, euch einmal so nahe sein zu können wie jetzt. Und obwohl ich nicht einmal eueren ganzen Namen kenne, weiß ich schon jetzt..."

Er nickt zur Bestätigung als er es sagt.

"Ich liebe euch auch."



Für einen kurzen Moment keimt in Phexane die Angst davor auf, etwas Falsches gesagt zu haben. Doch dann gesteht auch Torin ihr seine Liebe.

Überrascht, aber auch erleichert, bleibt sie stocksteif sitzen, ohne so recht zu wissen, ob sie ihn nun umarmen oder weglaufen sollte, denn wieder beginnen ihre Wangen wärmer zu werden.

Glücklich lächelt sie ihn an, doch da ist noch etwas, was sie nicht mehr verschweigen mag. Kurz geht ihr Blick hinüber zu den Schlafenden, insbesondere zu Alrik, doch dann schaut sie wieder in Torins braune Augen.

'Schluss mit dieser Lüge! Zumindest ihm gegenüber.'

Langsam zieht sie ihn wieder näher an sich heran und man könnte fast meinen, sie würde den leidenschaftlichen Kuss von eben wieder aufnehmen wollen, doch dann wendet sie ihren Kopf seinem Ohr zu und flüstert leise:

"Níalyn.... Táin - so heiße ich in Wahrheit und es wäre schön, wenn wir uns duzen würden."



"Ihr seid mir ja so Eine." antwortet Torin schelmisch grinsend. "Ich muss euch also erst die Liebe schwören, um eueren Namen zu erfahren."

"Oh, verzeih... Níalyn, 'Deinen' Namen meine ich. Ich hatte mir so etwas schon fast gedacht, aber ich wollte dir auf keinen Fall zu nahe treten."

'Sie vertraut mir ihre wahre Identität an! Miu pikush, dann muss sie mir wirklich sehr vertrauen.'

"Níalyn, das ist ein schöner Name." sinniert er, während er noch immer durch ihr nasses Haar streicht.

'Vielleicht sollte ich ihr auch mein Geheimnis verraten?! Aber bin ich wirklich ein Diener der Phexkirche, nur weil ich dieses Symbol von ihm trage?'

Doch dann wischt Torin die Bedenken endgültig beiseite.

'Das soll sie für sich entscheiden.'

"Dann will ich dir auch etwas anvertrauen."

Beinahe feierlich öffnet Torin das kleine, lederne Beutelchen, das an einem Lederband um seinen Hals baumelt.

"Du weißt sicher, was dieses Zeichen zu bedeuten hat, Níalyn." sagt er leise, als er ihr das Madamalmedalion mit dem Fuchskopf zeigt.



Níalyn berührt den goldenen Anhänger und fährt mit einem Finger das Relief in Form des Fuchskopfes ab.

"Nun ja, entweder erhoffst du dir damit etwas mehr Glück bei deinen Unternehmungen oder du bist... "

Weiter spricht sie nicht, dafür allerdings formt sie mit ihren Fingern auf Atak das Wort 'Phexgeweihter'.

Die anderen Hand derweil, die zuvor noch ruhig auf einer seiner Schultern ruhte, streicht langsam und zärtlich an seinem Hals entlang Richtung Brust. Zudem hat sie sich, nachdem sie ihm ihren wahren Namen zugeflüstert hatte, nicht wieder weiter weg gesetzt, sondern bleibt auch weiterhin so nah wie nur möglich an seinem Körper.

'Wenn das wahr ist, dann scheint er mir wirklich sehr zu vertrauen. Er hat bisher nie über sich geredet und jetzt auf einmal zeigt er mir dieses Medaillon.'

Ein Glücksgefühl entsteht mehr und mehr in ihr und letztendlich ist sie doch froh, dass sie zu ihm gekommen ist und ihm ihre Liebe gestanden hat. Aber mit ein bisschen Liebe und Vertrautheit ist auch ihr Leben noch nicht perfekt. Was soll man als Dieb schon mit Liebe und Vertrauen, wenn man ständig vom Pech verfolgt wird?

Níalyn lächelt ein wenig bitter.

"Wie passend! Ich fühle mich wie von PHEx vergessen und dann tauchst du auf."



Als Níalyn auf Atak die Antwort gibt, nickt Torin wieder. Ihre braunen Augen ziehen die seinen fast magisch an. Als ihre andere Hand sanft von seiner Schulter über seine Brust streicht, stöhnt er leise auf. Immer tiefer wagt sich ihre Hand. Er ist bereits so heiß, dass er sich nun ohne zu zögern für sie in eisiges Wasser stürzen würde. Und die Nähe ihres dünnen, fast dürren, nackten Körpers heizt ihn noch mehr an.

Dann jedoch stoppt Níalyns Hand und auch ihr Blick ändert sich. Plötzlich blickt sie ihn nicht mehr liebend, sondern etwas enttäuscht an.

'...von PHEx vergessen? Wie kann das denn sein?'

Ungläubig senken sich Torins Augenbrauen.

'Wenn ich mit PHEx hadere, dann ist das eine Sache. Aber etwas ganz Anderes ist es, wenn jemand mit Ihm hadert, der Ihm noch nie begegnet ist. Jemand, der Ihn nicht so kennt wie ich.'

"Was bedrückt dein Herz so sehr, dass du mit PHEx haderst, Níalyn? Willst du mir davon erzählen?"



Níalyn seufzt bei Torins Worten leise.

"Ich hadere nicht unbedingt mit PHex. Ich weiß nicht genau, warum mir all diese Dinge geschehen. Vielleicht übersieht mich PHEx tatsächlich oder es ist eine Art Prüfung von ihm. Vielleicht ist es nur eine lange Pechsträhne oder ein Fluch."

Wieder entrinnt ihr ein leiser, resignierender Seufzer.

"Wahrscheinlich ist es wohl Letzteres."

Noch während Níalyn langsam ins Grübeln versinkt, streicht ihre Hand weiter sanft an Torins Oberkörper entlang und ihre Augen heften sich an seine.

'Ein Phexgeweihter also. Ob das was zu bedeuten hat? Vielleicht sollte ich ihm diese Geschichte erzählen... '

Zögerlich beginnt Níalyn:

"Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass hat mit meiner ehemaligen 'Kollegin' zu tun, mit der ich zusammen gearbeitet hatte. Wir lernten uns kennen, als ich Gareth verließ. Das ist jetzt etwa... anderthalb Jahre her. Sie fiel mir auf, weil sie eindeutig eine Elfe beziehungsweise eine Halbelfe war. Sie sah ziemlich gut aus und hatte diese typischen spitzen Ohren. Ihr Name war Avalia und sie war, wie ich, eher diebischer Natur.

Wir taten uns zusammen, da jede von uns über Fähigkeiten verfügte, die die andere nicht besaß. Sie konnte zaubern, kam in der Wildnis gut zurecht und war eine bessere Kämpferin als ich. Ich wiederum bin schneller und gewandter als sie gewesen und hatte außer dem Stehlen noch ein paar andere Tricks auf Lager, um an Geld zu kommen. Wir ergänzten uns somit ganz gut und wurden zudem schnell sehr gute Freundinnen."

'Zu gut.... '

Wie kurze Blitzen zucken Erinnerungen an gemeinsame Nächte mit der Halbelfe vor ihrem geistigen Auge vorbei. Nächte, in denen sie nicht nur miteinander 'gearbeitet' haben....

"So arbeiteten wir erfolgreich zusammen und reisten dabei langsam Richtung Norden. Es war kurz vor der Grenze zum Herzogtum Weiden, als wir einer Reisekutsche auflauerten. Die Kutsche gehörte eindeutig reichen Leuten, wenn nicht sogar Adligen. Normalerweise sind wir immer so vorgegangen, dass niemand getötet oder verletzt wurde. Avalia schien es zwar oft nicht zu kümmern, aber ich habe durchaus gewissenhaft darauf geachtet - schließlich nehme ich den Leuten nur die unnötig schweren Wertsachen, aber nicht deren Gesundheit oder gar Leben! Aber Avalia... ich glaube, sie hat nie zu PHEx gebetet. Wohl eher zu seinem dämonischen Gegner... "

Mehr und mehr geht ihre sowieso schon leise Stimme in ein Flüstern über und auch ihre sanftes Streicheln endet nun.

"Diesmal siegte die Gier über Avalia. Anstatt wie sonst den Kutscher mit Zauberei zu blenden und mich auf die Kutsche springen zu lassen, damit ich mir flugs die Zügel schnappen konnte, schoss sie kaltblütig einen Pfeil auf den Mann - direkt in seine Brust! Ich konnte kaum glauben, was ich sah, und schon war sie dabei die Pferde, die nur im Schritttempo durch das Waldstück zottelten, zu bändigen und so die Kutsche anzuhalten. Ich bin dann laut schimpfend aus dem Versteck gekommen und fragte Avalia, warum sie das getan hatte. Sie allerdings sagte mir, ich solle still sein, da in dieser Kutsche mehr Geld und Gold sein würde, als wir zuvor insgesamt eingenommen hatten.

Ich schwieg verbissen und hielt mich bereit, jeden Moment zu fliehen, falls die Situation eskalieren sollte. Avalia wiederum befahl den Passagieren auszusteigen und uns ihre gesamten Wertsachen zu übergeben. Aus der Kutsche heraus kam eine wahrlich reiche Familie - Vater, Mutter, Sohn und noch ein altes Muttchen, alle in wertvollem Samt und Pelz gekleidet. Bis auf den Mann und die Alte hatte keiner von ihnen Waffen dabei und die beiden besaßen auch nur Dolche. Avalia drohte den beiden daher, indem sie mit einem Pfeil auf den Jungen zielte."

Nìalyn holt kurz Luft und pausiert so einen Moment, doch dann fährt sie, nun noch leiser als zuvor, so dass wirklich nur noch Torin etwas verstehen kann, fort.

"Die beiden legten ihre Dolche zu Boden und ich entspannte mich somit etwas, doch Avalia hielt weiterhin den Bogen auf das Kind. Sie befahl mir dann, dass ich die Kutsche und das Gepäck der Reisenden nach Wertsachen absuchen sollte, während sie auf die Leute aufpassen wollte.

Während ich mich der Kutsche nährte, raste plötzlich der Pfeil, der auf Avalias Bogen gelegt war, an mir vorbei und erwischte den Kopf des Kleinen!"

Wieder seufzend pausiert Níalyn. Sie blickt zwar immer noch in Torins Augen, doch ihr Blick scheint in weite Ferne zu schweifen, während sie sich an das grausige Ereignis erinnert. Ein leichtes Brennen macht sich auf ihrer Wange mit der Narbe breit.



Als Níalyn zu erzählen beginnt, blickt Torin zur Tür der Gemeinschaftskabine. Doch das Lachen, das dort kurz erklungen war, ebbt ebenso schnell wieder ab und so dreht sich Torin wieder zu der erzählenden Níalyn. Noch immer fühlt er das angenehme Gefühl, das ihre Hand auf seinem Oberkörper hinterlässt.

Um sie in ihren Gedanken nicht zu unterbrechen, nickt er nur einige Male mit dem Kopf oder lässt ein 'Hmmm' von sich hören. Als sie jedoch von dieser Avalia zu erzählen beginnt, senken sich seine Augenbrauen tiefer und unwillkürlich fixiert er Níalyns Augen.

'Avalia? - Nein, ich glaube, von ihr habe ich noch nie etwas gehört. Oder doch? Vielleicht einmal in einem Phextempel?'

Doch er kann sich nicht an diesen Namen erinnern und schüttelt leicht den Kopf. Als Níalyn dann davon spricht, dass diese Avalia wohl mehr Tasfarelel denn PHEx zugetan ist, weiß Torin, dass diese Person nur seinen Zorn verdient hat. Gespannt hört er ihrer Erzählung zu und kann sich bald selbst als Beobachter ihrer Szene sehen. Während Níalyn davon berichtet, wie diese Halbelfe den Bogen auf das unschuldige Kind richtet, ballt er wütend seine Hand zur Faust.

'Dieses dämonische Gezücht!'

Als die Schwarzhaarige den an ihr vorbei fliegenden Pfeil erwähnt, kann er sich kaum mehr halten.

"Diese dämonische Hexe hat ihn getötet?!" keucht er. "So war es doch!"



"Pssst! Nicht so laut!"

Níalyn blickt nervös von Torin zu den schlafenden Passagieren. Aber offenbar hat sich immer noch niemand geregt.

'Bitte, bitte schlaft weiter! Das hier sollte keiner von denen hören!'

"Sei bitte leiser. Das, was ich dir erzähle, darf niemand anderes hören," flüstert sie Torin leise zu.

Kurz pausiert sie wieder, um sich zu sammeln und sich zu erinnern, dann jedoch fährt sie weiter fort:

"Ich sah, wie der Junge blutüberströmt zusammenbrach... und dann ging alles ziemlich schnell! Der Mann muss sich wohl den Dolch wieder geschnappt haben und ging damit auf Avalia los, die sich allerdings mit ihrem Schwert zu wehren wusste. Die Mutter wiederum zog aus ihren umständlichen Gewändern einen kleinen, aber scharfen Dolch, mit dem sie mir wohl das Leben aushauchen wollte. Ich wiederum war vor Schock gelähmt und drehte den Kopf gerade so zur Seite, dass sie mich 'nur' an der linken Wange erwischte und meine Maskierung, ein einfaches dreieckiges Tuch, vom Gesicht riss. Ich wusste nicht, was ich tun sollte! Ich wollte nie jemanden töten oder ernsthaft verletzen und lief ich davon. Avalia allerdings kämpfte weiter...

Ich schlug mich danach tagelang durch die Wildnis. Ich mied die belebteren Straßen und wenn ich mich mal einem Dorf näherte, dann nur nachts, um wenigstens für ein paar Stunden in einer warmen Scheune zu schlafen. Doch irgendwann siegte der Hunger und die Sehnsucht nach etwas Zivilisation.

Es waren ein paar Wochen nach diesem Vorfall vergangen und ich weilte gerade in Menzheim, als ich von den örtlichen Gardisten gefasst wurde. Ich wurde daraufhin... "

An dieser Stelle stoppt Níalyn. Wieder geht ihr Blick nervös zu den anderen Passagieren.

'Wenn mich einer belauscht.... '

"I-ich wurde...," wesentlich leiser und unsicherer wird ihre Stimme, "wegen Mordes verurteilt." ängstlich und abwartend blickt sie Torin an.



Als Níalyn ihn ermahnt leiser zu sein, will er erst protestieren. Doch Torin erkennt, dass sie recht hat. Wenn er auch den Rest der Erzählung hören will, so muss er ihren Worten schweigend lauschen. Ihr nervöser Blick zu den Schlafenden steckt auch ihn an und so blickt auch er zu diesen hinüber. Doch weder die leise im Schlaf grummelnde Druidin noch Phexanes angeblicher Bruder scheinen in ihren Träumen gestört worden zu sein. Und auch die nun wieder rhythmischer schlagenden Wellen scheinen ihren Teil dazu beizutragen. Als Níalyn dann endlich wieder zu flüstern beginnt, bestätigt sie seine Ahnung.

'Also doch! Dieses Monster hat den Jungen umgebracht. Ein wehrloses Kind.'

Die weiteren Worte hört Torin wie durch einen Schleier aus Trauer und Zorn. Erst als Níalyn zu flüstern aufhört, wird ihm bewusst, dass er für einen Augenblick wie abwesend war. Das, was sie dann jedoch sagt, lässt ihn nur mehrmals nicken.

"...alles wegen dieser Avalia..." bringt er schließlich hervor. Er fühlt ihren ängstlichen Blick auf sich und so öffnet er seine noch immer geballte Faust wieder und streicht ihr sanft über die Haare. Als seine Hand ihren Nacken erreicht, beginnt er, diesen leicht zu massieren.

"Aber ihr konntet fliehen. Sonst wärt ihr jetzt nicht hier, nicht wahr?" antwortet er ihr leise und mit diesen Worten lächelt er ihr aufmunternd zu.



Níalyn nickt, doch Torins Lächeln ruft bei ihr keine Reaktion hervor. Zwar hat sie nun die Bestätigung, dass er sie nicht als Mörderin ansieht, aber dennoch ist selbst sie sich nicht sicher, ob sie nicht doch schuldig ist. Was wäre, wenn sie auf Avalia und ihren Bogen geachtet hätte? Vielleicht hätte sie den Pfeil aufhalten können? Diese Fragen quälen sie zwar nicht immer, aber manchmal, wenn sie durch irgendein Vorkommnis an das vergangene Ereignis erinnert wird, tauchen diese Fragen immer wieder auf.

Diese Fragen sind es, die nun auch wieder durch ihren Kopf gehen und somit hört sie auch nicht bewusst die förmliche Anrede, die Torin aus irgendeinem Grund wieder aufgenommen hat. Dafür allerdings erzählt sie weiter:

"Ich konnte fliehen... aber unter welchen Umständen! Ich kam in das gleiche Gefängnis, in dem auch Avalia schon seit wenigen Tagen schmorte. Sie war ebenfalls gefasst worden und schien zudem noch mehr Morde bei ihren Raubzügen verübt zu haben. Ich wurde als ihre Komplizin von der alten Frau, die anscheinend als einzige den Überfall und Avalias Gemetzel überlebt hatte, identifiziert und somit, wie auch Avalia, zum Tode verurteilt!"

Bei diesen Worten spürt Níalyn, wie sie am ganzen Körper eine Gänsehaut bekommt. Sie erschaudert - sei es wegen der Kälte, sei es wegen dieser Erinnerung. Wieder rückt sie näher an Torin heran und schmiegt sich in seine Arme, wobei sie ihre um seinen Körper schlingt.

"Wir wurden unglücklicherweise in eine Zelle gesteckt und danach bekämpften wir uns mit Zähnen und Fäusten fast den ganzen Tag lang!."

Níalyn zieht hörbar die Luft durch ihre aufeinander gepressten Zähne ein.

"Ich habe sie so sehr gehasst! Das einzig Gute, was ich meinem zukünftigen Tod abgewinnen konnte, war die Gewissheit, dass sie ebenfalls sterben wird! Aber... dann kam alles anders.

Am späten Abend des Tages, an dem ich in das Gefängnis kam, passierte das, was mir zur Flucht verhalf: ein Feuer brach aus! Zwar waren die Wände und der Boden aus Stein, aber die Decke und der größte Teil der Tür waren aus Holz. Ich weiß nicht genau, wo das Feuer entstand, aber ich sah es durch das kleine vergitterte Fenster meiner Tür hindurch.

Schnell ging das Feuer auf die Tür und das Stroh in der Zelle über. Ich war wie gelähmt vor Furcht und hustete mir die Seele aus dem Leib. Ich konnte kaum was sehen, soviel Rauch war in der kleinen Zelle, aber ich hört wie Avalia zu mir rief, dass ich ihr helfen soll, die Tür aufzubrechen. Ich habe sie zwar abgrundtief gehasst, aber ich wollte natürlich auch nicht sterben. Also schmissen wir uns beide mehrmals gegen die brennende Tür.

Die Flammen zerfraßen dabei unsere Kleidung und verletzten unsere Haut, aber gemeinsam schafften wir es und schnell huschte ich hinaus. Doch direkt hinter mir hörte ich ein lautes Krachen. Ein grosser Teil der Holzdecke war hinabgefallen. Avalia war nicht schnell genug hinausgekommen und hing nun fest unter einem der brennenden Balken. Kurz stoppte ich und überlegte, ob ich sie hinausziehen sollte, aber dann.... entschied ich mich anders! Ich rannte so schnell es ging fort, hörte dabei aber noch, wie Avalia mir lauthals einen Fluch hinterherschickte."

Níalyn pausiert, um sich ein wenig tiefer in Torins Arme zu kuscheln.

"Ich floh so schnell wie möglich aus Menzheim und reiste ebenso schnell auch aus Weiden raus. Wieder musste ich mich durch die Wildnis schlagen, wieder übernachtete ich heimlich in Scheunen, stahl Essbares aus Gärten und reiste so langsam, aber einigermaßen sicher, gen Westen. Was danach kam, war eigentlich recht belanglos. Ich reiste durch Andergast, Nostria und kam dann in Thorwal an. Ich wollte eigentlich nach Phexcaer, von dem ich schon öfters gehört hatte, aber ich fand keine Gruppe, die dorthin reiste und der ich mich anschließen konnte, so dass ich in Thorwal erstmal festhing. Ich zog dann weiter nach Prem und ...."

Wieder blickt sie kurz verstohlen zu Alrik

'Er ist ein Zauberer. Wenn er nun doch irgendwie alles hört.... '

"... tja, und dort haben wir uns getroffen."

Níalyn lächelt Torin an. Zwar ist dieses Lächeln von den Sorgen und der Angst, die sie einst ausgestanden hatte und an der sie sich nun wieder erinnern musste, überschattet, aber dennoch spricht auch Liebe aus diesem Lächeln.



IM OZEAN: Retter und Gerettete - Ole


Gerade hat Ole wieder eine gehörige Menge eiskalten Wassers ins Gesicht bekommen und einen nicht unbeträchtlichen Teil davon schlucken müssen. Tief in seinem Inneren verflucht der alte Schiffszimmermann langsam sein Leidenschaft immer einen 'Fels in der Brandung' darstellen zu müssen. Doch andererseits weiß er auch, dass er gar nicht anders handeln könnte und sollte er für solche Taten eines Tages zu alt werden, dann wäre es wohl an der Zeit an Land zu bleiben, wo er für den Rest seiner Tage die Gäste eines gemütlichen Taverne mit Erzählungen aus seinem Leben unterhalten oder auch langweilen könnte.

Doch kann sich Ole solch abschweifenden Gedanken an einen späteren Ruhestand im Augenblick nicht leisten. Er merkt, dass seine Muskeln langsam verhärten, die Anstrengungen und das eiskalte Wasser fordern ihren Tribut. Die Haut ist ihn schon fast gefühllos geworden und der Körper Sigruns lastet immer schwerer auf ihm.

Der Schiffszimmermann prüft noch einmal den behelfsmäßigen Rückengurt, den er aus seinem Hemd zusammengeknotet hat. Beruhigt stellt er fest, das ganze hält - vorerst! Ole zieht den Körper der jungen Matrosin noch etwas höher an sich heran, so dass ihr Kopf gut auf seiner rechten Schulter zu liegen kommt. Auf diese Weise kann er etwas besser verhindern, dass Sigrun unter die Wasseroberfläche gedrückt wird.

Diese Maßnahme ist auch mehr als bitter nötig. Zwar fährt die NORDSTERN hart steuerbord, so dass die Rettungsleine in einem wesentlich besseren Winkel an Deck gepullt wird, als wenn die Karavelle voll im Wind führe, doch ist das Kielwasser nun deutlich zu spüren.

Ole pumpt seine Lungen voll mit Atemluft, hoffend, dass der Auftrieb verhindern möge, dass er, zusammen mit Sigrun unter die Wasserlinie gezogen würde. Je näher die Rettung kommt, desto gefährlicher wird nun die Situation.

'Nur noch ein paar Schritt ... !'

Ole versucht sich selbst gedanklich noch einmal aufzumuntern und tatsächlich wird ihm dabei wieder etwas

wärmer ....



NORDSTERN - An der Reling: Retter und Gerettete - Nirka und Onaskje


'Jetzt wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis wir die beiden an Deck haben', denkt der Praiosgeweihte, ' und dann wird sicher noch einiges zu tun sein. Mal sehen, die Bootsfrau wird vielleicht die Matrosen herum jagen, um das Schiff wieder in Fahrt zu bekommen. Oder sie kümmert sich um die nassen Matrosen und überlässt das Schiff alleine dem Kapitän? Wie eine Heilerin sieht sie allerdings nicht aus. Was einen gewissen Kenntnisstand natürlich nicht ausschließt. Aber - warum gibt sie keine Order?'

"Bootsfrau?"

'Nicht das ich hier was zu sagen habe. Aber dafür ist sie ja da.'

Jetzt runzeln sich doch die Augenbrauen des Geweihten.

'Und wenn wir die beiden an Deck haben? Das Mädchen wird viel Wasser geschluckt haben. Hat sogar vielleicht das Bewusstsein verloren. Und wer weiß, vielleicht klappt sogar der alte Dummkopf von Rettungsschwimmer zusammen. Ich glaube, ich werde dafür sorgen, dass die beiden in die Messe gebracht werden, wenn sonst niemand auf diese Idee kommt. Der Raum ist groß genug, nah genug und vor allem trocken. Und in der Küche nebenan wird es sicher einen ordentlichen Schnaps geben. Alles in allem also der beste Ort, um jemanden wieder auf die Beine zu stellen.'



Die Bootsfrau ist sehr auf das, was sie tut und anweist, konzentriert, so dass ihr die direkte Anrede des PRAiosgeweihten entgeht - sie hat ihre Aufmerksamkeit schlicht nach der knappen Antwort auf seinen Vorschlag von ihm abgewandt, und dem Meer und dem, was dort passiert, zugewandt.



"Das wohl!" bekommt der PRAios-Geweihte von der Bootsfrau zu hören, auch wenn das nicht wirklich nötig ist, da durch Pervals Sicherung der Rettungsleine schon genug Halt gegeben ist - dass der Matrose einen Seemannsknoten hinbekommt, davon geht Nirka einfach aus, davon kann man bei einem Matrosen, der auf der NORDSTERN arbeitet, einfach ausgehen.

Sie sieht sich kurz um, wobei ihr Blick natürlich am längsten bei Sigrun im Wasser verweilt, die Ole mit Mühe über selbigem zu halten versucht. Dann greift sie das eigentlich für Ole bestimmte Halteseil, schätzt kurz mit den Augen die Länge ab, und bindet es sich mit Pervals Hilfe so um die Taille, dass das Stück zwischen ihr und der Reling vielleicht knapp mehr als einen Schritt betragen mag, und noch vielleicht fünf Schritt auf der anderen Seite übrig sind, die sie kurzerhand über die Reling wirft.

Sie selbst folgt auch - mit einer eleganten Bewegung ist die Bootsfrau auf der anderen Seite der Reling, wo ihre Füße gerade so Halt auf auf der schmalen Kante finden, die das Deck breiter ist als die Reling. Doch das ist ihr vollkommen egal, zum einen hat ist sie angebunden, und zum anderen hat sie nur so eine Möglichkeit, Sigrun und Ole, die nun nur noch zwischen einem und drei Schritt von ihr entfernt sind - je nach Woge - zu erreichen. Mit einer Hand muss sie sich dennoch an der Reling festhalten, um nicht überzukippen, und mit der anderen dirigiert sie das andere Ende ihres Seiles so, dass es in die Nähe der Verunglückten kommt.

Sie blickt kurz noch einmal zu den anderen, und ruft:

"Helft mit den anderen Seilen, und sichert mich! Ole wird gleich auch Hilfe brauchen, um wieder an Deck zu kommen. Sigrun werde ich sicher alleine aus dem Wasser bekommen, Ole ist zu schwer!"

Auch Sigrun ist das sicher im nassen Zustand, aber das sieht Nirka derzeit nicht. Ganz im Gegensatz zu Perval, der ohnehin direkt neben ihr stand, und ihr nun mit Hilfe ihrer Sicherungsleine zusätzlichen Halt gibt.

"Ole, versuch, mir Sigrun zu übergeben!" ruft sie, während sie in die Hocke geht, und sich gefährlich weit vorbeugt, was nur dank Pervals Hilfe überhaupt möglich ist.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Angar und Traviana


Angar vernimmt Nirkas Befehl aus nächster Nähe, und sieht sich dann ebenfalls rasch um. Sofort hellt sich sein Gesicht auf, denn zufällig ist schon jemand unterwegs, Leinen zu holen, und genauso zufällig ist diese Person genau die, mit der er zusammen etwas machen möchte.

"Traviana, komm mit dem Tau her, dann können wir zusammen versuchen, damit Ole einen besseren Halt zu geben!"

Eigentlich wäre es noch besser, wenn noch mehr mit anfassen würden, und auch Nirka noch mehr helfen würden, aber der Matrose wagt es nicht, dem Fahrgast Hjaldar oder gar dem Geweihten des Götterfürsten in dieser Beziehung etwas zu sagen.



Gleich hört Traviana, dass Angar sie mit dem Tau zu sich ruft. Sie macht sich natürlich gleich auf den Weg, da sie sowieso gerade das Tau zu den 'Rettern' bringen wollte. Sie sieht über die Reling nach Ole und Sigrun, und versucht sich eine Möglichkeit auszudenken, die zwei mit dem Tau zu sichern.

"Na dann...wir dürfen keine Zeit verlieren..."



"Das dürfen wir wirklich nicht", erwidert Angar der Matrosin, während er sich vor Augen führt, wie jung und unerfahren sie noch ist, und das das sicher ihre erste derartige Aktion ist. Darum klingt seine Stimme recht weich, als er ihr knapp erläutert, was er tun möchte.

"Mach das Seil an der Reling fest. Das ist bei so etwas das wichtigste überhaupt - sichere jedes Seil, ehe jemand anders oder du dem Seil sein Leben anvertraut. Es kann passieren, dass du loslassen mußt, aber ein Seemannsknoten an der Reling - da reißt eher das Seil, als dass der nachgibt. So... und danach werden wir Ole das andere Ende zuwerfen, damit wir ihm helfen können, sobald er Sigrun der Bootsfrau übergeben hat."



"Ja. Das dürfte wohl die beste Lösung sein. Okay, machen wir das so..."

Traviana streckt Angar das Ende des Taus entgegen, damit dieser es an der Reling festknoten kann. Es scheint ihr sicherer, wenn er das tut. Traviana könnte das sicher auch, aber in so einer Situation, ist sie schon recht aufgeregt. Und für Angar scheint das nicht zum ersten Mal so eine Situation zu sein...



Angar wundert sich fast ein wenig über so viel Schüchternheit. Oder ist es eher die Angst, einen Fehler zu machen, wenn es darauf ankommt? Denn einen Knoten sollte sie doch ganz bestimmt ganz sicher hinbekommen...

Doch jetzt ist nicht die Zeit für Übungen oder Unterricht, jetzt geht es um Menschenleben!

Und so nimmt der Matrose das Ende, das Traviana ihr reicht, und knotet es gekonnt und schnell an der Reling fest, während er sagt:

"Gut, dann wirf derweil den Rest schon mal über Bord, aber nicht so, dass du es Ole auf den Kopf wirfst!"



Die NORDSTERN liegt recht stabil auf dem neuen Kurs, während die Geschwindigkeit weiter sinkt, da die Segel in der derzeitigen Stellung keinerlei Vortrieb erzeugen, die Wellen aber auf der anderen Seite weiterhin bremsend wirken.

Jergan korrigiert den Kurs noch einmal leicht, um dann wieder zur Steuerbordreling des Brückendecks zu gehen - jenem Platz, von dem aus er den Bergungsvorgang am besten im Blick hat.

Kurz grinst er auch über Efferdans Meldung, die zumindest für ihn und die Retter absolut überflüssig ist, aber andererseits weiß so wenigstens jeder Bescheid, ohne alle paar Augenblicke über Bord schauen zu müssen.



Traviana sieht Angar beim Knoten des Seils zu. Das muss er wohl schon logemacht haben, denn er kann das ziemlich schnell. Sie nickt ihm zu, als er meint, sie soll das Seil über die Reling werfen. Aber ein wenig muß sie doch lächeln, als er sagt, sie soll aufpassen, und es Ole nicht auf den Kopf werfen....

Traviana sieht über die Reling, um zu wissen, wo sie das Seil nun hinwerfen muss. Und ohne lang zu zögern tut sie dies auch.



NORDSTERN - Im Ausguck: Retter und Gerettete - Efferdan's Meldungen


Efferdan sieht, wie Ole immer näher an die NORDSTERN herankommt, Sigrun auf dem Rücken, sieht, wie die Bootsfrau über die Reling steigt, um wohl eben jene aus dem Wasser zu holen.

"Sie sind jetzt am Schiff. Die Bootsfrau beginnt damit, sie an Bord zu holen" macht Efferdan seine Meldung nach unten.

Vielleicht erscheint der Ruf unnötig, da die Menschen an Deck, die dies betrifft das mittlerweile wohl selbst sehen. Aber das sind ja noch die Matrosen an den Winden, die auch wissen sollten, wie der Stand der Dinge ist - und der Kapitän steht am Steuer, hat damit wohl auch nicht ständig Blick auf die Retter...

So hat sein Ruf also doch seine Berechtigung - zumal es ja seine, Efferdans, Aufgabe ist Meldung zu machen. Und eine etwas positivere Meldung kann wohl nicht schaden...



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Hjaldar


Nachdem die Rettungstrosse vom Matrosen namens Perval an der Reling festgemacht ist und der Kerle hinter ihm (woher kennt er nur die Stimme?!) das andere Ende scheinbar sicher hat, ist sich Hjaldar eigentlich sicher, dass die Bootsfrau seine Hilfe besser gebrauchen könnte als das man zu zweit ein bereits festgebundenes Seil hält.

"Kerle, halt eemal feste, dat mut gehn. Ich helf Nirka, nich dat dat'n allgemiener Badetach wat." informiert er über die Schulter den hinter ihm Stehenden um läßt dann die Trosse los - erst mit einer Hand, um sich zu vergewissern, dass dann immer noch ausreichend Halt dran ist, dann auch mit der anderen und er tritt nach vorne an die Reling, um das Seil mit dem sich die Bootsfrau gesichert hat kurz hinter Pervals Griff daran zu packen und so um das Handgelenk zu schlingen, dass das Seil ihm zwar das Gelenk quetschen aber trotzdem sicher nicht mehr durch die Finger gleiten könnte, so er es nicht selbst so will.

"So, wenn Du jetzt ins Wooter wüllst, musste uns mitnehmen." tönt Hjaldar selbstsicher nach vorne, ungeachtet der Tatsche, dass ihn das Einholen der Trosse ganz offensichtlich auch Einiges an Kraft gekostet hat. Zumindest läuft ihm der Schweiß in Strömen von der Stirn über das deutlich gerötete Gesicht in seinen Bart und seine Atmung geht um einiges schneller und stoßhafter als sie das bei einem ausgeruhten Menschen tun sollte.



Die Bootsfrau registriert zufrieden, dass Hjaldar hinter ihr Perval dabei hilft, sie zu sichern. Beide zusammen sollten keinerlei Problem haben, sie und Sigrun zusammen zu halten, so dass sie sich, wenn Ole soweit ist, wohl noch viel weiter vorbeugen kann, und versuchen kann, Sigrun den kalten und feuchten Fluten zu entreissen - und ENDLICH in den Arm zu nehmen und zu wärmen!

Dieser Gedanke läßt die Züge der Bootsfrau für einen kleinen Moment weich werden, doch dann kehrt wieder der Ausdruck der Sorge in ihr Gesicht zurück, denn noch ist Sigrun dort unten im Wasser, bewußt- und regungslos, wie es scheint, auch wenn sie fast zum Greifen nahe ist.

'Halt durch, gleich ist es soweit!'

Diesmal brüllt die Bootsfrau nicht, ohne selbst zu wissen, warum sie es nicht tut - oder warum sie es vorher nicht auch nur still getan hat, obwohl sie wusste, dass Sigrun sie nicht hört.



IM OZEAN - Retter und Gerettete - Ole


Bis jetzt sei ja alles gut gegangen, findet Ole, obwohl er schon den Eindruck hat, mittlerweile so viel Wasser aus dem Meer der sieben Winde geschluckt zu haben, dass Manrek vom Festland aus nun schon trockenen Fußes zu erreichen sein müsse.

Ein bohrender Kopfschmerz hat sich im Schädel des Schiffzimmermanns breit gemacht, auch spürt er nun deutliche Zeichen von Schwäche. Er kann nun schon seinen Herzschlag deutlich durch das Tosen der Wellen vernehmen, das Atmen fällt ihm schwerer und schwerer.

Ole hat kaum noch Gefühl in den Händen, das Wasser hat seine Finger taub werden lassen. Das lange Haar hängt ihm störend vor den Augen und läßt sich auch nicht mehr weg schütteln, es liegt schwer und nass auf Ole's Stirn. Ole konzentriert sich, die schwierigste Aufgabe liegt noch vor ihnen.

Die Bordwand der NORDSTERN ist zum Greifen nahe gekommen. Das verheißt Rettung, ist aber auch gleichzeitig eine Bedrohung. EFFerd sein Dank, hängt die Rettungsleine nun so kurz, dass die Gefahr unter den Kiel der Karavelle gespült zu werden nur noch rein theoretischer Natur ist. Die Möglichkeit, von einem mitelschweren Brecher gegen die Bordwand geschlagen zu werden besteht allerdings immer noch.

Ole windet seine Beine nach vorne, dass er einen möglichen Aufprall abfedern könnte, während Sigrun sicher an seinem Rücken hinge. Der graue Riese bemerkt, dass Nirka über die Reling gestiegen ist und ihnen so entgegen kommt.

"HALTET DAS TAU. ICH KOMME EIN STÜCKCHEN HOCH !!"

Ole ist sich nicht sicher ob sein Ruf verstanden wurde, denn einige Wellen haben seine Worte doch ein wenig erstickt, aber der Schiffszimmermann ist sich sicher, dass Nirka auch die Bruchstücke würde gut sortieren können.

Nun kommt das kritischste Manöver: Sigrun muss aus dem Rettungstau gelöst werden. Dann wäre sie nur noch gesichert durch den behelfsmäßigen Rückengurt Ole's, doch der alte Seemann selbst ist ja auch nicht gesichert. Ist wäre also besser, man ließe das Mädchen in der Umarmung der Rettungsleine und befreie sie stattdessen aus dem Rückengurt.

Der Stoff des Hemdes, aus dem Ole den Rückengurt geknotet hat, ist völlig durchnässt, die Knoten würden sich nie lösen lassen. Daher schlüpft der Zimmermann aus der Schlinge heraus und zieht Sigrun auf sein Brust, damit ihr Gesicht über Wasser bliebe. Das gelingt Ole auch recht gut, allerdings um den Preis, dass sein eigenes Gesicht unter Wasser gerät. Damit hatte er nicht gerechnet und er muss fühlen, wie das Wasser in seine Lungen eindringt.

Ole hustet. Aber Husten unter Wasser ist fatal, besonders dann, wenn man die Orientierung verloren hat und vor lauter Husten irgendwie nicht mehr weiß, wo ober und wo unten ist. Doch Ole kann sich an der Rettungsleine hochziehen und schnappt begierig nach Luft, als er wieder auftaucht.

Sigrun ist da besser weggekommen, wie es scheint ist ihr Kopf über Wasser geblieben. Jetzt sollte es schnell gehen, Ole spürt seinen Kräfte schwinden. Ole stemmt sich an der Bordwand mit den Füßen ab, hält das Tau mit der linken weit vorne und hat seinen rechten Arm um Sigrun geschlungen.

Dann legt er beide Füße gegen den Holzschwimmer, der kurz vor Sigrun in das Tau geknotet ist. Dann wartet Ole auf ein kleines Wellental und als die Welle selbst kommt und seinem schweren Körper Auftrieb verleiht, stemmt er sich mit beiden Beinen gegen den Holzschwimmer und fasst mit der linken Hand nach.

Auf diese Weise gelingt es Ole mit Sigrun im Arm ein gutes Stück aus dem Wasser empor zu schnellen. Den letzten Schwung nutzend, reißt Ole den rechten Arm nach oben und hebt die bewusstlose Sigrun Nirka entgegen.

Das ganze hat nur wenige Momente gedauert und es wirkt auch nicht sonderlich stabil. Das Rettungsseil schlingert hin und her und der Schiffszimmermann hat auf dem kleinen Holzstückchen einen nur sehr unsichern Stand, zum einen, da das Holz für Ole's Füße doch um etliches zu kleine ist und vom Wasser schon derart durchfeuchtet, dass es sehr schlüpfrig geworden ist, zum anderen wäre zu vermerken, dass das Meer zornig gegen die Beine des grauen Riesen schlägt und ihn dadurch steigend aus dem Gleichgewicht bringt.



NORDSTERN -An der Reling: Retter und Gerettete - Nirka


Die Bootsfrau sieht, wie Ole Sigrun von dem behelfsmäßigen Tragegurt befreit, und beugt sich ihm immer weiter entgegen, soweit es eben geht, wenn man sich mit einer Hand an der Reling festhält, und mit der anderen auf der Kante unter dieser steht. Doch genügen wird das nicht, zumal sie mit einer Hand in dieser Lage kaum genug Kraft aufbringen wird, um Sigrun wirklich halten zu können.

Ohne jedes Zögern läßt die Bootsfrau darum los, und verlässt sich nur auf das Seil, das um ihre Taille geknotet ist, und das Hjaldar und Perval oben auf dem Deck halten. Sie hat keine Luft und Zeit, um die beiden zu warnen, aber da sie sie ja ohnehin festhalten, und so schwer nicht ist, wagt sie es einfach. Das Seil drückt sich in ihren Bauch und macht das Atmen noch schwerer, doch das ignoriert Nirka vollkommen, sie nimmt es nicht einmal wahr.

Sie beobachtet, zwischen einigen Spann und über zwei Fuß über den Wogen schwebend, die Vorbereitungen des grauen Riesen, und streckt sich ihm gegen den Zug des Seiles im entscheidenden Moment entgegen. Es ist eine ziemliche Entfernung, doch Nirka hat Sigrun direkt vor Augen, gerade außer Reichweite ihrer Arme, und so verrenkt sie sich weiter, und schafft es in einer ungeheueren Anstrengung, bereit zu sein in dem Moment, in dem Ole es schafft, Sigrun, unterstützt von der Woge, soweit wie möglich aus dem Wasser zu heben.

Nirkas Hände greifen gedankenschnell unter die Achseln ihrer Freundin, und dann ist ihr Griff fest wie eh und je. Nichts und niemand wird ihr die Geliebte jetzt entreißen können, denkt sie, als sie dann der ungeheure Ruck der doppelten Last trifft. Das Seil schneidet sich in ihren Bauch, was später sicher schmerzhafte blaue Flecken ergeben wird, und macht das Atmen noch viel schwerer, aber die Bootsfrau denkt nicht daran, den Griff auch nur im Ansatz zu lösen. Nur... alleine kommt sie aus der Lage nicht mehr hoch - nicht aus eigener Kraft, und nicht mit dieser Last.

"Ich hab sie - holt mich hoch" brüllt sie, oder, besser gesagt, will sie brüllen, denn es wird kaum mehr als ein heiseres Krächzen, das der Wind zudem wohl noch etwas verweht. Doch sie hofft, dass Perval und Hjaldar sie dennoch gehört haben.



NORDSTERN - Im Ausguck: Retter und Gerettete - Efferdan's Meldungen


"Ole nimmt Sigrun vor sich..." beschreibt Efferdan vom Mast aus die Handlungen im Wasser, für diejenigen an Deck, die es nicht sehen können

"Jetzt reicht er sie hoch... die Bootsfrau - sie scheint sie zu haben!" macht er Meldung.

Kurz überlegt er, ob er sagen soll, dass die anderen die Bootsfrau hoch ziehen sollen, aber - es steht ihm nicht zu...

Noch vor einer Minute hätte er diesen Rat wohl ohne Bedenken im Befehlston erteilt - doch, mit jedem Augenblick, der die Rettung Sigruns ihrer Vollendung näher rückt, scheint auch sein starkes Selbstbewusstsein zu schwinden. Ganz langsam wird er wieder zu dem, was er normalerweise ist: Ein stiller, sich sorgender, aber zurückhaltender und scheuer Matrose...



NORDSTERN - Oberdeck: Meergrün's Hilfe


Meergrün stellt sich hinter den Mann mit dem weißen Umhang und packt die Sicherungsleine. Mit Mühe kann er das Seil auch tatsächlich mit beiden Händen umfassen. Er stellt sich breitbeinig hin und hebt das Seil etwas an, so etwa einen halben Fingerbreit.


keine sorge

ich hab das seil


jetzt ist schluss mit

dem ertrinken



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Angar und Traviana


Angar tritt neben Traviana an die Reling, nachdem das Seil richtig fest gesichert ist, und verfolgt die riskante Rettung und den Wagemut der Bootsfrau. Kurz huscht sein Blick dabei zu der jungen Frau neben ihm, und leise fragt er:

"Würdest du dich das auch trauen?"

Die Frage klingt eher beiläufig, denn mit der Konzentration ist der Matrose voll bei der Rettung.



Als Traviana das Seil über die Reling geworfen hat, hört sie auch schon, wie Angar sie fragt, ob sie sich das auch trauen würde. Sie denkt selbst kurz darüber nach.

" Ich weiß nicht. Es ist schon sehr mutig, was sie da tut. Aber wenn jemand, den ich so gut kennen würde, wie sie Sigrun, so etwas zugestoßen wäre, würde ich glaube ich nicht lange darüber nachdenken. Ich glaube sie mußte einfach irgendwas tun, um ihr zu helfen."



Angar zuckt mit den Schultern. Jemanden gut kennen ist die eine Sache, aber in dem Zusammenhang ist ihm in den wenigen Tagen, die er an Bord ist, noch nichts besonderes aufgefallen. Allerdings ist er der Bootsfrau bislang auch eher aus dem Wege gegangen, aus gutem Grund.

Während er weiter über die Reling schaut, um mitzubekommen, wie Ole mit dem Seil zurechtkommt, antwortet er leise:

"Ich glaube eher, dass es die Verantwortung ist. Schließlich ist sie die Bootsfrau, und bestimmt ist das bei einer Sache passiert, die sie angewiesen hat. Ich war ja unten, als Sigrun über Bord gegangen ist - weißt du, wobei es passiert ist?"



NORDSTERN - An der Reling: Retter und Gerettete - Hjaldar


Hjaldar versteht zunächst nicht genau, was die Bootsfrau da rufen will, doch Perval vor ihm scheint verstanden zu haben und legt sich mächtig in die Riemen, so dass es Hjaldar ihm ohne nachzufragen gleich tut - es gibt ja auch nur eine Möglichkeit für das Warum, nämlich das der erste Teil der Bergungsaktion erfolgreich von statten ging.

Mit vereinter Kraft haben die beiden Männer die Frauen schnell auf die Höhe der Reling herangezogen und Hjaldar stemmt sich mächtig ein, um die Leine keinen Fingerbreit wieder zurück rutschen zu lassen, so dass Perval seine Hände frei haben kann, um der Bootsfrau mit der bewusstlosen Sigrun beim Anbordgehen zu helfen, wo dies nötig oder auch nur hilfreich erscheint.

"Man hurtig Deerns! Pack door mit an Jung', ich hebb dat Tau!" keucht er zwischen angestrengten tiefen Schnaufern nach vorne.

Da bemerkt er aus den Augenwinkeln den Zwerg ... den hat Ingerimm scheinbar persönlich vorbeigeschickt.

"Alberik, packmal mit an da vürn."

Wobei nicht ganz ersichtlich ist ob er jetzt die Anbordnahme von Nirka und Sigrun meint oder daneben Angbar und Traviane, die sich darauf vorbereiten Ole an Bord zu holen.



Zuerst bemerkt Alberik gar nicht, dass Hjaldar und der Praiosdiener ihn dazu auffordern zu helfen. So sehr ist er mit dem, was weit vom Schiff entfernt ist, beschäftigt, dass das, was direkt um ihn herum passiert, sch nur langsam in seine Gedankengänge einschleichen kann.

Ruckartig, so als ob er alles andere aus seinem Kopf verbannen wolle, wendet er sich dem Thorwaler zu.

"Ja! Wo soll ich mit anpacken?"



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Der Geweihte


Aufmerksam beobachtet der Geweihte wie sich die Bootsfrau über die Reling schwingt.

'Alles in allem scheint mir solch eine Rettung doch recht gefährlich, besonders weil sie teilweise so dilettantisch ausgeführt wird. Vor allem das jetzt bereits drei im Wasser hängen! Und warum? Weil dieser unvernünftige alte Klotz...'

Weiter kommt Onaskje nicht in seinen Überlegungen. Hat da eben nicht die Bootsfrau gerufen? Aber was?

Prüfend zieht Onaskje am Seil, erst mäßig, dann stark und stärker um zu sehen, wie gut die Befestigung durch den Seemann (Perval) ist. Selbst der letzte wirklich sehr kräftige Ruck konnte den Knoten nicht lösen.

'Mal sehen...'

Sicherheitshalber behält Onaske das Seil in der Hand und macht die zwei Schritte zur Reling um hinüberzublicken. Dabei löst er von dem aufgestapelten Seil ein kleines Stück wieder aus dem Haufen heraus, hinter sich her; lässig gleitet eine große Schlaufe, einer Schlange gleich sich windend, hinter dem Geweihten her, schließlich ist der Seegang stark und Onaskje hat das Seil ordentlich im Griff.

'Die Bootsfrau hält jetzt die Matrosin in den Armen! Aber das Seil loslassen? Wenn der Knoten nun doch...? Nein, das geht nicht! Klotz hin oder her, der ältere Matrose hat ja auch auf Befehl des Kapitäns gehandelt.'

"Hjaldar! Ich glaube ihr zwei müsst sie jetzt schnell hinaufziehen. Wenn es sein muß packe ich mit an, aber wer weiß, ob das hier wirklich hält, was?!"

'Wenn sich der Knoten lösen würde und der alte Seemann abtreiben würde, könnte Praios mir das nie verzeihen.'

Noch einmal schaut er sich zu den beiden Männern um, die neben ihm an der Reling stehen und das Seil der Bootsfrau halten. Dann noch ein kurzer Blick über die Schulter und - da steht ja noch einer am Niedergang und guckt so zweifelnd!

"He, Angrosch, kannst Du mal mit zupacken? Hier ist jede kräftige Hand von gutem Nutzen!"



NORDSTERN - Im Ausguck: Efferdan's Meldungen


"Sigrun wieder zurück an Bord" teilt Efferdan freudig (und auch etwas leiser als noch eben) vom Mast aus mit.

Ihm ist, als wäre ihm ein Stein vom Herzen gefallen. Sigrun ist endlich wieder an Bord. Das wäre geschafft.

Doch gleich darauf schießen ihm zwei Gedanken durch den Kopf, die seine Freude wieder etwas dämpfen.

`Ole ist noch im Wasser. Hoffentlich kommt auch er da heil wieder hoch... und wie geht es Sigrun...`

Die Matrosin scheint noch immer ohne Bewusstsein zu sein, vielleicht auch schon auf dem Weg in EFFerds Reich. Ein etwas flaues Gefühl breitet sich in Efferdans Magen aus. Wieder ist da dieser Gedanke, dass möglicherweise alle Anstrengungen umsonst sein waren...

Wieder pochen Erinnerungen schmerzhaft in seinem Kopf. Damals, nach dem Untergang, hatte er sich mit letzter Kraft an eine Planke klammern können. Dann hatte er eine weitere Gestalt gesehen. Sie kam direkt auf die Planke zu, von den Wellen getragen. Zuerst hatte er gehofft, dass dies ein weiterer Überlebender wäre, der die rettende Planke erreichen wollte. Doch als die Gestalt näher kam... Deutlich sieht Efferdan die weit aufgerissenen Augen vor sich, der Mund, zu einer Grimasse verzehrt...

Efferdan schüttelt den Kopf und sieht schnell wieder hinunter zu den Rettern. Die Konzentration auf seine Aufgabe verspricht die unangenehmen Gedanken zu vertreiben - wenigstens vorerst...



NORDSTERN - Auf der Brücke: Retter und Gerettete - Der Kapitän


Von der hohen Position auf dem Brückendeck aus beobachtet der Kapitän das waghalsige Manöver, mit dem Ole der Bootsfrau die verunglückte Matrosin übergibt, und mit dem Perval und Hjaldar diese dann mitsamt ihrer Last auf das Oberdeck befördern. Damit wäre Sigrun so gut wie aus der Gefahr, doch das Manöver ist natürlich noch nicht abgeschlossen, denn der Kapitän weiß genau, wie riskant gerade diese Phase ist, wenn die Beteiligten, erschöpft, aber auch glücklich, dann beginnen, Fehler zu machen. Und die Gefahr, in der Ole jetzt noch schwebt, ist fast genauso groß wie die, die Sigrun so gut wie überstanden hat.

"Holt Ole aus dem Wasser!" ruft der Kapitän darum nach vorne, auch wenn er davon ausgeht, dass die Retter dies auch selbst wissen.



NORDSTERN - An der Reling: Retter und Gerettete - Nirka


Nirka verlässt sich weiter auf den Halt der Sicherungsleine, bis es ihr gelingt, sich mit einem Ellenbogen halbwegs an der Reling fest zu haken, ohne Sigrun dabei loszulassen.

Ganz kurz danach muss sie den Griff aber dennoch lockern, um sie Perval zu übergeben, der einfach auf der anderen Seite direkt hinter der Reling steht. So ungern sie das auch tut, es ist ihr doch bewusst, dass sie mit Sigrun auf den Armen im Moment nicht sicher über die Reling kommen würde. Und so muss sie sie für einen kleinen Moment dem Matrosen überlassen, der sie sanft nur ein Schritt von der Reling entfernt auf das Deck legt. Er kann ihr im Moment nämlich ohnehin nicht weiterhelfen, dazu sind andere befähigter, doch seine Kraft wird ganz bestimmt gebraucht, um Ole aus dem Wasser zu hieven.

Nirka überwindet die Reling mit einiger Mühe, wobei sie vollkommen ignoriert, dass sie sich ein Knie dabei stößt, was sicher einen weiteren blauen Fleck geben wird - doch das ist ihr vollkommen egal.

Das einzige, was es für sie gibt, ist Sigrun, und so endet das Überklettern der Reling gleich in einer Landung auf den Knieen direkt neben der Freundin.



IM OZEAN - Retter und Gerettete - Ole's Sturz


Mit einem fühlbaren Ruck wird ihm die bewusstlose, junge Frau aus dem Arm gerissen. Grenzenlose Erleichterung macht sich in Ole breit und das macht ihn sehr unvorsichtig. Noch immer steht er ja auf dem kleinen, schlüpfrigen Holzschwimmer, in einem nicht gerade stabilem Gleichgewicht.

Nun, da Sigrun nicht mehr auf ihm lastet, neigt sich der alte Schiffszimmermann schwer zu Seite. Er rutscht mit seinen Füßen ab und fällt. Die linke Hand hat sich zwar fest am Tau verkrallt, doch dieses ist naß und rutschig und Ole's Hände sind durch das kalte Wasser sehr ungelenkt geworden - Ole fällt!

Zwar läßt er das Seil nicht los, er landet aber trotzdem im Wasser. Die Hand rutscht ihm am Seil entlang, bis zu dem Punkt, an dem der kleine Holzschwimmer kommt, auf dem Ole erst vorhin noch gestanden hatte. Der Schwimmer stößt ihn sehr kräftig ins Handgelenk. Und dann geschieht es: Ole's Hand öffnet sich kraftlos geworden und der Schiffszimmermann fällt ungesichert ins Meer.

Er fällt genau in ein Wellental, wird gleich darauf von einer Wogen überschwemmt und ist danach verschwunden. Seltsam leer und auf eigenartige Weise ruhig, obwohl von wildem Wasser bewegt, wirkt die Stelle, an der Ole in den Fluten verschwand. Die Rettungsleine baumelt still und unbelastet im Spiel des Fahrwinds und das Stück, das sich noch im Meer befindet windest sich wie eine Natter auf einem heißen Stein.

Doch auf einmal ist die Leine wieder straff und gespannt, als habe sich etwas Großes darin verfangen und ein Teil davon verschwindet von der Wasseroberfläche.

Ist es Ole ... ?



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Meergrün


Die ersten beiden Finger hält Meergrün das Seil noch sicher in den Händen. Wer genau aufpasst kann sehen, wie sich das Seil ein ganz klein wenig spannt. Doch dann ist die Kraft auch schon zu groß für das geringe Gewicht des Leichtmatrosen und die nächsten beiden Finger wird der Klabauter stehend über das Deck gezogen.

Dann bremst ihn der Rand einer Decksplanke. Für die nächsten beiden Finger gleitet das Tau durch seine Hände, die das Seil kaum umfassen können. Für das kleine Wesen, das die Welt nur aus dem niederen Blickwinkel sieht, scheint auch der Weißbemantelte vom Seil davongezogen zu werden.

Der Mut der Verzweiflung läßt Meergrün nochmal richtig zupacken. Doch zieht ihn nur das Seil zwei Schritte über Deck. Da wird es ihm dann zu bunt und er läßt es fahren.


jetzt iist es aus

der mann verlorn'


diie see zu stark

wiir siind zu schwach


Mit einer Träne in den Augen blickt er zu seinem Helfer hoch, doch der beachtet ihn gar nicht und redet mit einem anderen. Das Seil hält er locker in der Hand, da es an der Reling festgebunden ist. Also steht Meergrün auf, klopft sich unsichtbaren Staub von der Kapuze und ist ganz froh, dass nicht nur der Staub unsichtbar ist.


weiitermachen

iihr schafft das schon


iich geh' mal wo

anders helfen



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Hjaldar


Nur für einen ganz kurzen Augenblick gibt sich Hjaldar beinahe der Versuchung hin, sich jetzt einfach auf die Planken zu setzen und sich 'nach getaner Arbeit' auszuruhen. Nur ist ihm natürlich klar, dass diese noch lange nicht erledigt ist. Mit einem Ruck reißt er sich wieder zusammen und wendet sich dem Angroschim zu:

"Helf deene da vürn mal, dee müss'noch 'n ausgewachsenen Seebären an Bord trekken." dabei nickt er in Richtung von Angbar und Traviana.

Dabei macht er selber einen Schritte nach vorne und läßt sich neben Sigrun und Nirka auf die Knie fallen. Mit geschultem Blick sucht er an der Matrosin nach Lebenszeichen -solchen, die auch er als Nichtheiler und -magier erkennen kann, wie Atmung und Herzschlag.

"We mütt'se faas nach unne bringen un' de Heeler rankriege." weist er die Bootsfrau auf das offensichtlich Nächstliegende hin, da diese, wohl von der Anstrengung und dem Hängen am Seil her, noch ein wenig neben der Sache zu stehen (oder besser zu hocken) scheint.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Nirka


Nirka mustert die bewusstlose Freundin lange, fast zu lange, wenn man die Situation bedenkt. Erst die Worte Hjaldars bringen sie wieder zur Besinnung und Vernunft, und sie entscheidet sehr schnell. Von den Menschen hier oben ist niemand der Heilung mächtig, die einzigen, die ihr auf dem Schiff einfallen, sind der junge Magus, der mit auf das Wrack übergesetzt hatte, vielleicht der Hüter der Heiligen Miesmuschel, und natürlich Ottam. Niemand von denen ist auf dem Deck, das für Sigrun im Moment ohnehin nicht der geeignete Ort ist - also hat Hjaldar recht.

"Ich bringe sie sofort in die Messe runter, aber vorher müssen wir ihr helfen, dass Wasser loszuwerden, das sie sicher geschluckt hat!"

Die Angst, dass jetzt noch etwas passieren könnte, greift fast körperlich nach der Bootsfrau, doch sie kämpft energisch dagegen an, denn an ihr liegt es, genau das zu vermeiden.

Sanft, aber mit fast schon wieder gewohnter Kraft, greift Nirka zu, und dreht Sigrun auf die Seite, in eine Lage, die man fast als "stabile Seitenlage" bezeichnen könnte, wenn Nirka diesen Begriff und diese Methode kennen würde.

Sie beugt sich dabei tief über die Geliebte, und achtet sorgsam auf jede Regung, jeden Atemzug, jeden versuchten Atemzug. Und... sie muß heftig gegen das Verlangen ankämpfen, Sigrun einfach nur in die Arme zu nehmen und ohne Ende zu knuddeln.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Angar


Mit Erschrecken beobachtet Angar, wie Ole versinkt, doch ihm entgeht auch der Ruck nicht, der durch die andere, die Rettungsleine geht.

"Wir müssen diese Trosse weiter einholen!" ruft er laut, und weist dabei auf selbige, während er sich schon an die Arbeit macht. Im Augenwinkel hat er gesehen, dass die Bootsfrau und Hjaldar sich um die gerettete Matrosin kümmern, aber sie sind bei weitem noch genug Leute, um den Befehl des Kapitäns, Ole zu bergen, auszuführen - etwas, das eigentlich auch keinen Befehl benötigt.

"Zieht hier!" sagt er zu der kleinen Gestalt, die sich umsieht, als suche sie eine Möglichkeit, zu helfen. dass dies der Zwerg ist, entgeht ihm dabei völlig, denn die Aufmerksamkeit des Matrosen ist bereits wieder kurz Traviana gewidmet:

"Achte du darauf, dass er UNSER Seil zu fassen bekommt, wenn er wieder auftaucht!"

... und dann wendet Angar sich wieder dem Meer und der Suche nach Ole zu.

Direkt hinter ihm legen sich derweil Pervals Hände kraftvoll um die Sicherungstrosse, um nach Kräften zu helfen. Sie alle zusammen haben sicher genug Kraft, um Ole mit dieser Trosse den Wogen zu entreißen - wenn dieser es nur schafft, sich daran festzuhalten...



NORDSTERN - Auf der Brücke: Retter und Gerettete - Der Kapitän


Zufrieden sieht Jergan zu, wie Sigrun rasch auf das Deck kommt, und die Bootsfrau sich sofort um sie kümmert, während die übrigen sich weiter der Rettung des Schiffzimmermanns zuwenden. Die Zuversicht in Jergans Gesicht verschwindet jedoch sofort wieder, als Ole abrutscht und im Wasser verschwindet!

'EFFerd, lass es ihn auch schaffen! Er hat Sigrun so tapfer da rausgeholt, und es ist nur noch so ein kleines Stück!'

Die Matrosen und helfenden Fahrgäste reagieren richtig und schnell, so dass der Kapitän sie nicht weiter mit Ratschlägen nervt, sondern statt dessen nach oben brüllt:

"Efferdan, achte darauf, ob Ole unter Wasser weggetrieben wird!"

Aus dem Blickwinkel des Ausgucks müsste das zu sehen sein - zumindest dann, wenn die Wellen es wieder einmal für ein paar Momente gestatten.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Traviana


"Nein. Ich war selbst gerade nicht an Deck..."

Auch Traviana sieht nach Ole, der wie sie glaubt schon fast wieder an Deck ist, doch als sie mitbekommt, was passiert ist erschrickt sie erst einmal. Er war der Retter, jetzt ist er selbst zum 'Opfer' geworden...

'Ich hoffe, das sie ihn so schnell wie möglich retten können..'

Traviana kann ihn in den Wellen nicht erkennen, was nun wohl los ist???



NORDSTERN - Im Ausguck: Retter und Gerettete - Efferdan's Meldungen


....doch kaum gedacht, kehren die unangenehmen Gedanken zurück. Fassungslos muss Efferdan mit ansehen, wie plötzlich Ole den Halt verliert und unter Wasser gedrückt wird.

Bei allen Götter! Ist es vielleicht so, dass heute eine Seele in das Totenreich einkehren muss? Ist dies der Preis dafür, dass sie Sigrun vor dem beinahe sicheren Tod gerettet haben? Hatten Sie etwas getan, was sie nicht hätten tun dürfen? Können die Götter so unnachgiebig sein, dass sie trotzdem daran festhalten, dass heute einer dahin scheiden muss? Muß jetzt, da Sigrun in Sicherheit ist, Ole sein Leben geben? Alles hat einen Preis - aber ist dieser fair?

Efferdan sieht verzweifelt zum Himmel auf. Könnte jemand in seine Augen sehen, so könnte er eine Mischung von Gefühlen sehen: Angst, Wut, Unverständnis, Starrsinn, Verzweiflung. Er fühlt sie niedergeschlagen, wieder ganz klein.

"Neeiin! Warum???" schreit er seine Gefühle hinaus.

Da holt ihn der Ruf des Kapitäns in die Wirklichkeit zurück. Und dieser Ruf bewirkt noch etwas: Er schürt wieder einen Hoffnungsfunke. Denn in diesen Worten des Kapitäns schwingt noch eine Aussage mit: Es besteht - wie eben bei Sigrun - immer noch Hoffnung. Jetzt nur nicht aufhören, nicht nachlassen, nicht verrückt werden.

Wieder flutet - eine oberflächliche - Ruhe Efferdans Geist, läßt ihn sich konzentrieren, ihn in seine Aufgabe aufgehen. Er könnte im Moment der Einzige sein, der hier den Überblick hat - umso wichtiger ist es, dass er Ruhe bewahrt. Sie haben noch eine Chance, Ole ebenfalls rauszuholen.

`Vielleicht ist alles eine weitere Prüfung?`

"Jawohl Kapitän" bestätigt er den Befehl und macht damit wohl gleichzeitig klar, dass er wieder voll da und auf seinem Posten ist.

Die Zweifel würden wohl später wiederkommen - doch jetzt zählt - wie schon eben - nur das hier und jetzt. Konzentriert sucht er aufmerksam das Wasser mit seinem Augen ab, um zu sehen, wo Ole ist.

`Die Leine ist straff - vielleicht hat er...`



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Sigrun


Vieles ist mit Sigrun geschehen: Ole hat sie aus seiner provisorischen 'Rückentrage' heraus genommen und nach vorne geführt, um sie dann mit einem sehr gewagten Manöver empor zu heben ... direkt in Nirkas Arme. Diese hatten sich in etwas ungewohnter Art, nämlich mit voller Kraft, um sie geschlossen. Dann wurde sie, an Nirka hängend, hochgezogen und anschließend über die Reling befördert und auf dem Oberdeck abgelegt. Gerade hat Nirka sie auf die Seite gedreht und nun beugt sich die Freundin über sie.

Doch all dies hat zwar einige weitere Spuren an Sigruns Körper hinterlassen, aber wahrgenommen hat sie davon nichts.

Der Körper sieht ziemlich mitgenommen aus. Die Kleidung hängt in Fetzen und darunter läßt sich die leicht bläulich schimmernde Haut unschwer erkennen. In verschiedenen Nuancen aus Rot und Blau leuchten vor allem die Arme und Beine - dort, wo sich Sigrun beim Sturz, an der Rettungsleine und bei der Rettungsaktion gestoßen hat. Deutlich sichtbar sind auch die tiefen Einschnitte, die die Leine an den Fingern und den Stellen verursacht hat, wo Sigrun sie um sich geschlungen hatte.

Das Gesicht ist bleich, abgesehen von den Partien nahe der von Ole bereits entdeckten, und falsch gedeuteten, Wunde. Dort sickert noch immer ein kleines rotes Rinnsal über die Wange. Es ist aber schnell zu erkennen, dass diese Wunde nicht groß ist. Die Augen hat die junge Matrosin geschlossen, der Mund steht halb offen.

Ob es nach einer langen Pause wieder dazu kam oder ob vielleicht ein kleiner Funken vertrauter Wärme seinen Weg gefunden hat in die Tiefen, in denen sich Sigruns Bewusstsein befindet, läßt sich schwer beantworten. Doch mit Sigruns Brustkorb geschieht etwas in diesem Moment: nur um ein ganz kleines Stück - hebt er sich.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Alberik


Als der Matrose ihm sagt, an welchem der vielen Taue er ziehen soll, erkennt auch Alberik, dass dieses angespannt ist, und jemand daran hängen könnte.

'Endlich sagt mir mal jemand, was ich machen kann. Wenn es weiter nichts ist, als nur an dem Seil zu ziehen, dann bin ich der Richtige, der hier helfen kann.'

Sich der kommenden Aufgabe stellend, geht der Zwerg hinter den anderen Matrosen, der schon mit dem Tau in den Händen dort steht. Auch Alberiks Hände legen sich um das Tau. Er atmet noch einmal tief ein und gibt dem Mitziehenden eine letzte Warnung, bevor er anfängt zu ziehen.

"Na gut, los gehts."

Dann legt der Zwerg mit all seiner Kraft los.




Mit aller Kraft, die er hat, zieht Alberik das Tau. Es ist nicht so einfach, wie er gedacht hatte, und so ist er doch froh darüber, dass jemand mit ihm zieht, auch wenn er sich gerade noch gedacht hat, dass er auch ohne den Matrosen den zu Rettenden an Bord ziehen könnte. Aber da hat er sich doch verschätzt. EFFerd ist anscheinend nicht gewillt jemanden so einfach frei zu geben, den er erst einmal in seiner Gewalt hat.

'Wie kann man auch so verrückt sein, und sich freiwillig dem Gott der Meere ausliefern und mit so einem schwimmenden Gefährt sein Reich zu besuchen? Wenn ich erst einmal in Mengbilla bin, werde ich nie wieder ein Schiff betreten.'

Stück für Stück wird das Tau aus dem Wasser und an Bord gezogen. Ein ums andere mal greift der Zwerg wieder nach dem Seil, um es weiter einzuholen. Doch er teilt sich seine Kraft ein. Noch ist die Person am anderen Ende des Seiles nicht aus dem Wasser heraus, und er diese nur mit einer weiteren Person das Stück bis zur Reling hinaufziehen soll, braucht er noch eine ganze Menge Reserven.

Allerdings zweifelt er keine Sekunde daran, dass er dies nicht auch alleine schaffen würde. Doch es wird nicht einfach werden, so einen Kraftakt zu vollbringen.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Nirka


Die Bootsfrau kauert immer noch neben ihrer bewußtlosen Freundin, und untersucht diese mit Blicken. Bei jeder Verletzung und jedem blauen Fleck, den sie entdeckt, zuckt sie ein wenig zusammen, als würde ihr dies Schmerzen bereiten - was es im Grunde auch tut.

'Sigrun... was ist da nur passiert... das ging so ENTSETZLICH SCHNELL!'

Das Schiff schaukelt weiterhin stark, und Wind und Wogen machen gehörig Lärm, doch all das kann nicht verhindern, dass Nirka den schwachen Atemzug Sigruns wahrnimmt - ganz eindeutig ein Atemzug, bei dem sie kein Wasser ausspuckt, was bei der Lage, in der sie im Moment liegt, wohl zwangsläufig passieren müßte, falls sie welches in der Lunge hat. Aber möglicherweise ist sie das schon bei der nicht gerade sanften Bergung schon losgeworden...

Auf jeden Fall ist es wohl an der Zeit, sie nach unten ins Warme und Trockene zu schaffen, und sich dort richtig um sie zu kümmern - raus aus der Kälte und Feuchtigkeit, die hier oben bei diesem Wetter einfach nicht zu vertreiben ist, denn die Gischt weht immer neues Wasser über das Oberdeck der NORDSTERN.

Rasch sieht sich die Bootsfrau um. Sie kann Sigrun alleine nach unten bringen, aber andererseits wäre ihr Platz hier oben, bei der Bergung Oles. Doch dazu ist in erster Linie KRAFT nötig, und davon hat sie nun wirklich nicht mehr viel, und es wäre unverantwortlich, die Rettung Oles zu erschweren. Zumindest redet sich Nirka das so ein, denn natürlich möchte sie Sigrun jetzt nicht mehr aus den Augen lassen, nicht mehr von der Seite der Freundin weichen.

"Hjaldar, hilf mal bitte den anderen, Ole an Bord zu holen. Ihr seid kräftiger als ich, und Ole ist schwer. Ich bringe Sigrun in die Messe - lös' du am besten... Traviana ab, sie kann mir mit den Türen helfen."

Rasch fällt diese Entscheidung, denn für Nirka ist es sonnenklar, dass die junge und unerfahrene Traviana bei der Rettung sicher weniger Nutzen bringt als beispielsweise Hjaldar, und dass sie auf der anderen Seite auch dieser Anweisung sogleich gehorchen wird, und damit einen wirklich nützlichen Beitrag bringen wird.

Wer Nirka kennt, dem wird auch der außergewöhnlich sanfte Tonfall auffallen, was nicht nur daran liegt, dass ihr durchaus bewusst ist, dass Hjaldar ein Fahrgast ist, sondern auch daran, dass sie im Moment voller Hoffnungen und auch Dankbarkeit ist, die einfach alle mit umfasst, die bei der Bergung beteiligt sind.

"Traviana, komm mal her!"

Auch das klingt sanfter, als man es von Nirka gewohnt ist, doch die Bootsfrau achtet nicht weiter auf die Ausführung dieses Kommandos, sondern greift mit beiden Armen sanft nach Sigrun, um sie hochzuheben.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Nirka und Traviana


Ohne die Aufmerksamkeit vom Wasser abzuwenden, antwortet Angar:

"WIR werden ihn zusammen so schnell wie möglich da rausholen. Solange er das Seil nicht losläßt, sollte das möglich sein, wenn er es losläßt..."

Der Matrose bricht ab, denn den Rest möchte er nicht aussprechen, und ist darum auch ganz froh, dass ein Ruf nach Traviana, der der Stimme zufolge eigentlich nur von der Bootsfrau kommen kann, das Gespräch wieder einmal unterbricht.



Traviana war gerade dabei, sich weiter mit Angar zu unterhalten, als sie eine Stimme hört, die sie ruft. Sie dreht sich auch gleich in die Richtung, aus der der Ruf kommt. Es ist die Bootsfrau, die sie ruft.

"Entschuldige mich bitte noch mal...Ich denke, das hier klappt auch ohne mich..."

Sagt sie in Angars Richtung, während sie schon auf dem Weg in Richtung Bootsfrau ist. Gleich steht Traviana auch schon bei der Bootsfrau.

"Wie kann ich helfen?"

Dann sieht Traviana, dass sie mit Sigrun auf dem Arm durch die Tür möchte, also läuft Traviana an ihr vorbei, und öffnet die Tür. Dann sieht sie zu Sigrun. Sie scheint immer noch nicht bei Bewußtsein zu sein, zumindest kann Traviana nicht sehen, das sie sich bewegt, und so vermutet sie, dass diese wohl ihr Bewußtsein noch nicht wiedererlangt hat.



In Richtung der heran eilenden Traviana ruft die Bootsfrau:

"Mach mir mal die Tür vom Niedergang auf, und lauf dann in die Messe vor - ich trage Sigrun runter!"

Wieder achtet die Bootsfrau kaum auf die Ausführung des Kommandos, sondern hebt Sigrun mit beiden Armen sanft, aber mit ausreichend Kraft an, und schiebt den reglosen Körper auf ihren Armen so zurecht, dass Sigruns Kopf weich an ihrer Schulter zu liegen kommt, und nicht etwa herabhängen könnte.

"Gleich bist du in Sicherheit, Sigrun!" flüstert sie dabei, und setzt sich dann langsam und vorsichtig in Richtung des hinteren Niedergangs in Bewegung. Zwar ist die Bootsfrau es gewohnt, selbst bei viel stärkerem Seegang mit schweren Lasten auf dem Deck umherzugehen, ohne sich festzuhalten, aber diese "Last" ist für sie so unendlich kostbar...

Sie spürt durch die dünne Kleidung die Feuchtigkeit und Kälte Sigruns, und hofft, dass diese das bisschen Wärme auch jetzt schon spüren kann, das sie ihr zu geben vermag



Traviana läuft an der Bootsfrau vorbei, um ihr die Tür zu öffnen.

'Hoffentlich geht es Sigrun bald wieder gut...'

Als sie die Tür geöffnet hat, geht sie vor zur Messe herunter, wie die Bootsfrau ihr das gesagt hatte. Auf dem Weg dorthin dreht sie sich noch einmal um, um zu sehen, ob die Bootsfrau ihr folgt, und um nochmal einen Blick auf Sigrun zu werfen...



NORDSTERN - Oberdeck: Pfeifenkraut - Meergrün's Streiche


Etwas Abseits der Reling liegt eine Jacke scheinbar achtlos dahingeworfen auf dem Deck. Das ist doch eine angemessene Aufgabe für den Klabauter.


ordnung machen

das kann iich tun


niiemand soll ja

drüber stolpern



Die Jacke, die da auf Deck liegt, kommt Meergrün bekannt vor. Er sieht sich nach den Menschen um. Aber die beachten ihn nicht. Alle schauen nach der fast-toten Frau. Oder sie schauen noch über die Reling.

Deshalb geht Meergrün die paar Schritte zu der Jacke. Am Geruch kann er sie dann erkennen.


diie haut kenn iich

von dem drachen


von dem riiesen

hiier vergessen



Meergrün steckt vorsichtig seine Nase aus der Jacke. Im Moment schaut niemand her. Der kleine Klabauter huscht schnell hinüber zu einer dunklen Stelle am Beiboot und vergeht in den Schatten.



Meergrün kriecht in die Jacke und sieht sich etwas um.


hiier iist der arm

da der kragen


mal sehen wo

bin iich denn hiier


Sollte gerade ein Matrose sich Oles Jacke genauer ansehen, würde er oder sie eine merkwürdige Ausbeulung bemerken. Die Beule bewegt sich auf einem Zickzackkurs von oben nach unten durch die Jacke.


eiine tasche

keiine frage


beii all dem zeugs

muss er auch seiin


na wer sagt's denn

eiin beutel voll


Mit den Schnüren hat Meergrün kein Problem. Bald ist ein Teil des Tabaks sicher in Meergrüns Besitz. Doch der Klabauter ist kein Dieb. Nie würde er einem so netten Menschen einfach bestehlen. Natürlich läßt er eine Bezahlung zurück, die mindestens eben so viel wert ist.



Meergrün sitzt auf einem Bord und stopft seine Pfeife.

Das Bord ist an der Wand des Gruppenraumes fast direkt unter der Decke befestigt. Wofür das Bord gebraucht wurde, bevor er es in Besitzt genommen hat, weiß Meergrün nicht. Meergrün mußte das Bord nur kurz mit dem roten Tuch, das er an Deck gefunden hat, etwas abstauben und schon war es wohnlich eingerichtet.

Aber das Bord ist wirklich toll. Als Klabauter kann man gerade so darauf sitzen ohne mit dem Kopf oben anzustoßen. Direkt dahinter ist der Großmast und direkt darunter ist der Gang mit der Tür zur Kombüse und zur Messe. Und direkt rechts ist der Aufgang zum Deck.

Bei besserem Wetter, wenn der Aufgang offen ist, weht bestimmt eine erfrischende Brise hinein und vermengt sich genau hier mit köstlichen Essensdüften aus der Kombüse und spannenden Geschichten aus der Messe.


wie kann siich ein

klabautermann


mehr wünschen als

solch eiinen platz


so trocken reiin

und miitten driin



Die Pfeife ist voll und riecht gut. Jetzt braucht Meergrün nur noch Feuer. Für ein Klabauter ist das kein Problem. Meergrün beginnt seinen Daumen an dem Bord zu reiben.



Meergrün reibt immer weiter mit dem Daumen gegen das Bord. Und wird immer schneller. So schnell, daß es fast so aussieht, als hätte er zwei Daumen. Dann steigt ein dünner Rauchfaden auf. Er hört auf zu reiben und pustet gegen den Daumen, bis dort ein kleines Flämmchen wackelt.

Meergrün mag diesen Trick sehr. Er hat ihn sich selbst ausgedacht. Wie immer legt sich auf seine Augen ein Ausdruck diebischer Freude, wenn es an das erste Mal denkt.


was für eiin scheck

war das für ma


siie hat geglaubt

meiin daumen brennt


das war eiin spaß

wiie selten was


Der Klabauter gluckst nochmal vor Freude. Dann hält er den Daumen an den Pfeifenkopf und saugt an dem langen Stiel, bis sich das würzige Kraut entzündet. Er wedelt mit dem Daumen in der Luft bis die Flamme ausgeht und lehnt sich bequem an die Rückwand.


eiin toller stoff

das lob iich miir


iist kwaliitet

und wert den preiis



IM OZEAN - Retter und Gerettete - Ole's Überlebenskampf


Der alte Schiffszimmermann hatte nicht einmal die Zeit zum Fluchen mehr gehabt, schon schlugen die Wellen über seinem Kopf zusammen. Seine Hände haben das Rettungstau nicht halten können, er ist nun ein Spielball der Launen EFFerd's. Er treibt fast regungslos in der Strömung, verliert in dieser wunderbaren Schwerelosigkeit jede Orientierung und sinkt langsam in die Tiefe.

Erstaunlich findet der 'Graue Riese', dass sich keinerlei Panik seiner Seele bemächtigt, es ist eher ein berauschend euphorisches Gefühl, das ihn erfüllt. Er weiß Sigrun gerettet, sein eigenes Schicksal wird ihm immmer bedeutungsloser. Er befiehlt sein Schicksal in die Gnade des Gottes der Meere und ergibt sich getrost dem Kommenden.

Bilder ziehn an ihm vorüber. Er sieht seine Mutter, eine wunderschöne, stolze Frau, die Sonne seiner Kindheit, er erkennt Sollrön Magnusson, den alten Schiffsbauer in Hjalsingor, bei dem Ole die Kunst der Zimmerei erlernte. Ole sieht Freunde, Kameraden, Weggefährten, die meisten davon sind ihm schon über das Nirgendmeer voraus gegangen. Ole hatte ein langes Leben und ein langes Leben bedeutet zwangsläufig, dass man viel Abschied nehmen muss.

Der erste schmerzhafte Abschied, war der von seiner Mutter. Sie hatte sich damals über ihn geworfen, hat die Tod bringende Schwerthiebe auf sich selbst genommen, auf das er lebe. Der letzte schmerzhafte Abschied war der von seiner geliebten Gattin, der er eine letzte Ruhestätte hat bauen müssen, ehe er das gemeinsame Haus abbrannte und von tiefer Trauer getrieben nach Olport wanderte, um dort auf der NORDSTERN anzuheuern.

Ach, Thania! Sehnsucht erfüllt Ole's Herz und der Gedanke sich jetzt einfach gehen zu lassen, wegtragen zu lassen und die Möglichkeit in einer neuen, besseren Welt seine Thania wieder in die Arme schließen zu können, hat für ihn etwas ermutigendes, tröstliches, jede Furcht vor dem Tod entflieht ihm. Das Sterben wird ihm zu einem willkommenen Freund.

Er sieht Thania vor sich und sie streckt die Arme nach ihm aus. Doch sie blickt ihn nicht so freundlich an, wie er sich das erhofft hatte. Sie scheint ärgerlich zu sein, aber wieso denn nur? Ole streckt ihr nun seinen Arm entgegen, fast berühren sich ihre Finger, ein kleinen Stück nur noch, fast kann er die Hand Thania's schon erreichen.

Er gibt einen kleinen, dezenten Stoß an seiner Hand und Ole packt zu, so schnell er kann. Doch hat er nicht Thania's Hand ergriffen, sondern er spürt die Rettungsleine zwischen seinen Fingern. Thania lächelt ihm nun zu, sieht ihn milde und liebevoll noch ein letztes mal in die Augen, dann verblasst ihre Gestalt, sie verschwindet.

Nun ist sich Ole sicher, es ist Thania's Wille, dass er weiterlebe, eben wie der Wille seiner Mutter damals, als sie den Tod an seiner Stelle erdulden musste. Und so zieht der alte Schiffszimmermann an dem Seil, das ihm auf so wunderbare Weise 'geschenkt' worden war. Er bekommt es gut zu fassen. Der Weg zurück ins Leben ist nun solide markiert.


******


Eben hing das Seil noch lose von der Reling herunter, baumelte schwer im Wind hin und her. Doch nun ist es wieder straff und gespannt. Wie ein gerader Strich führt es steuerbord abwärts in die aufgewühlte See, weder Wind noch Welle können das Seil jetzt noch groß bewegen.

Dann taucht aus dem Wasser eine Hand auf, eine große bleiche Hand und dann noch ein Hand, so bleich wie die erste. Nun taucht der Kopf Ole's aus dem Meer. Das lange, graue Haar hängt ihm naß im Gesicht und er sieht ein wenig aus, wie ein gebadeter, alter Troll. Ole lacht und er scheint guter Dinge zu sein, kein Zeichen davon, dass er noch vor kurzer Zeit dem Tod so nah gewesen war.

"HOI, LEUTE! HABT IHR NOCH DIE KRAFT EIN GRAUES STÜCK TREIBGUT AN BORD ZU ZIEHEN??"



NORDSTERN - Im Ausguck: Retter und Gerettete - Efferdan's Meldungen


Bange Augenblicke vergehen, in denen Efferdan aufmerksam das Meer absucht. Sein scharfer Blick versucht den Schiffszimmermann im wilden Spiel der Wellen zu entdecken, doch es scheint aussichtslos.

Dann, auf einmal - ein Ruck scheint durch das Tau an der Reling zu gehen.

`Was ist..? Sollte er? Kann es sein...?`

Efferdan beobachtet voll Spannung das Seil, kann kaum glauben, was er da sieht. Immer stärker straft sich das Seil. Efferdan kommt es so fort, als hätte das Schiff der Zeit ebenfalls aus dem Wind gedrehte Segel. Augenblicke scheinen sich zu Stunden zu dehnen, alle Zeit fließt zusammen in diesen einen Punkt.

Plötzlich durchbricht eine Hand die aufgewühlte Oberfläche, beinahe aufgereckt wie zum Sieg - so kommt es ihm zumindest vor. Schlagartig gewinnt das Schiff der Zeit wieder an Fahrt, die Erstarrung, in der sie eben noch alle gewesen zu sein schienen weicht.

Ein Kopf folgt der Hand nach, ein Kopf, der zu gesuchter Gestalt gehört, von der er beinahe schon glaubte, sie hätte das Schicksal erlitten, dass für Sigrun bestimmt war. Efferdan kommt es beinahe wie ein Wunder vor. Und der Anblick bewirkt noch etwas in ihm: Er wischt die Zweifel weg, die sich in seinem Inneren zu regen begannen, Zweifel, ob dass, was die Götter planen gerecht ist. Es war eine letzte Prüfung, eine Prüfung ihres Glaubens und irgendwie schämt er sich für die Zweifel, die in ihm wisperten.

Doch dann vertreibt die Freude über Oles Auftauchen diese Gedanken und der blasse Matrose hoch oben auf dem Mast ruft fröhlich hinunter:

"Da, er ist aufgetaucht! Ole lebt! Er hat das Seil fest!!!"



NORDSTERN - An der Reling: Retter und Gerettete - Angar


Da! Der Zug auf dem Seil wird spürbar stärker, als Ole aus dem Wasser auftaucht, und ihn dieses nicht mehr so sehr trägt, doch noch ehe Angar etwas rufen kann, brüllt Ole auch schon gegen die Wogen an - mit einem sehr verständlichen Wunsch.

"ZIEHT!" brüllt Angar lediglich, denn er weiß, dass sie jetzt ihren Atem brauchen werden und keine Zeit verlieren dürfen - er, Hjaldar, der Praiosgeweihte und der Zwerg.

Im Grunde ist es sogar viel einfacher als bei Sigruns Bergung, denn zum einen ist Ole bei Bewusstsein und kann darum mithelfen, und zum anderen sind sie zu viert und alle nicht gerade schwach.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Retter und Gerettete - Der Kapitän


Oles Ruf, Efferdans Ruf, und die eigene Beobachtung des Kapitäns decken sich und bestätigen, dass das Glück der NORDSTERN und ihrer Besatzung wieder einmal hold ist. Oder... wie der Kapitän es sieht: Niemand anders als EFFerd hat da seine Finger im Spiel, und hilft, dass diese wichtige Fahrt ohne Tragödien fortgesetzt werden kann.

Jergans Blicke verweilen bei Ole, der aus der Gefahr durch Ertrinken wohl schon gerettet ist, aber damit natürlich noch längst nicht wieder an Bord ist. Aber mit den beiden starken Trossen und den vier Rettern, die ihm helfen, sollte das wohl gut gehen.

Dennoch verzichtet der Kapitän darauf, das Schiff bereits jetzt wieder auf den Kurs zurück zu führen - soviel Zeit muss noch sein, und die Rettung soll durch nichts gestört oder unterbrochen werden.

Gedanklich legt er sich jedoch schon die Manöver zurecht, denn eine stabilere Lage der Karavelle ist für alle besser, insbesondere auch für diejenigen, die sich um Sigrun und sicher auch Ole kümmern.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Ole kommt an Bord


Aufmerksam hat Onaskje zu Sigrun und ihren Bemühungen geschaut, da werden schon wieder Rufe nach mehr Muskelkraft laut. Eine lange Bucht des 'Oleseils' noch in der Hand haltend stellt er sich mit zwei schwankenden Schritten wieder in eine Reihe mit den anderen, da die gemeinsame Zugkraft am besten zum tragen kommt. Direkt hinter dem Zwergen zieht er jetzt als letzter in der Reihe. Viel zu sehr ist er jetzt mit anderen Dingen beschäftigt, als darüber nachzudenken, was passiert wenn ein kurzer kräftig an einem Seil zieht, dass zwischen zwei langen gespannt wird, die ebenfalls kraftvoll an selbigem Seile zerren. Das Schiff schaukelt ordentlich und es ist noch immer nicht leicht, sein Gleichgewicht zu halten.

'Am besten so schnell wie möglich den Mann auf das Deck ziehen! Danach ist die Situation dann endlich wieder kontrollierbarer.'

"Und - Hau-ruck!" ruft er und zieht zugleich mit den anderen mit aller Kraft am Seil. Schließlich ist der zu bergende Mann nicht so ein Hänfling wie die Matrosin. Die Gischt und der feuchte Seewind haben seine Bekleidung bereits sehr durchfeuchtet, so dass sich die Konturen der kräftigen Armmuskulatur gut erahnen lassen.

'Der Bursche braucht dann auch mal sofort was Trockenes und Wärme. Am besten schieben wir ihn gleich mit in die Messe zum aufpäppeln.'



Vielleicht war es doch keine so gute Idee sich halb hin zu setzen. Nachdem Nirka und die andere Matrosin Sigrun gemeinsam abtransportieren, gönnt sich Hjadar eine kurze Verschnaufpause und atmet erst einmal ein paar Züge tief durch. 'ne Pause wär jetzt eigentlich wirklich angebracht...

Bis er plötzlich auf der anderen Seite der Reling die unverkennbare Stimme des Schiffzimmermanns tönen hört, schwach und angestrengt zwar, aber immer noch scherzend. So schlimm kann's also gar nicht stehen. Trotzdem sollte man den Ollen man wieder an Deck holen, also rafft sich Hjaldar auf und stellt sich zu den anderen, die schon mit aller Kraft an der Trosse pullen und packt ebenfalls mit an. Ein schneller Blick über die Reling zeigt ihn, dass Ole die Trosse tatsächlich sicher im Griff hat.

"Mook Di halt net so schwar, Oller Pottwal, oder haste'n Riesenkraken anne Foot?" ruft er an Ole zurück, während zu viert in beachtlicher Geschwindigkeit die Trosse eingeholt wird, so dass der Kopf des fast selbst abgesoffenen Rettungsschwimmers eigentlich jeden Moment über die Reling kommen sollte und Ole sich dann eigentlich recht einfach drüber stemmen könnte ...

"Man Glück, dat keene Kinners an Deck sin' - die würden glatt schreiend von Bord hüpfen, wenn so'n oller Troll über die Reling guckt..." grinst er.

Nebenbei bemerkt er doch erstaunt, dass auch der Praiosgeweihte da ist und sich nicht zu schade ist, mit anzupacken ... da kann man ja gleich dreimal hoffen, dat er den Fluch vorhin nich' gehört hat ...

'Von wem kam der eigentlich?'



Zusammen mit Perval und den insgesamt nun drei Fahrgästen zerrt Angar weiter an der Trosse, um Ole an Deck zu befördern. Sorgen, dass das Seil reißen könnte, hat er dabei keine, weiß er doch genau um die Festigkeit dieses Materials. Und selbst wenn - die zweite Trosse befindet sich ebenfalls außenbords, und da Ole bei Bewusstsein und vermutlich auch ein wenig noch bei Kräften ist, dürfte das kein Problem sein.

Einer der Fahrgäste scherzt sogar schon wieder - eine Einstellung, von der Angar sich fast anstecken lassen möchte, aber im Grunde sieht er dazu noch kaum einen Grund - jedenfalls nicht, ehe bekannt ist, wie es Sigrun geht, und Ole auf den Planken des Oberdecks steht.



Auch wenn er endlich helfen kann, ist Alberik nicht zufrieden mit der Situation. Bald haben sie die Person am anderen Ende des Taus nach oben gezogen. Aber nicht er hat dies vollbracht, sondern er und drei andere. Da wird man ihn als einzelnen kaum verantwortlich machen für eine Rettung. Vielleicht denkt man später sogar gar nicht mehr an ihn, oder er wird mal wieder großzügig übersehen.

Außerdem stört es ihn, dass er gar nicht seine ganze Kraft einsetzen kann. Die anderen drei, die mithelfen, halten das Seil einfach zu hoch. Wenn er ganz vorne oder ganz hinten stehen würde, wäre das ja gar nicht so schlimm, aber dadurch, dass vor ihm ein Matrose steht, und hinter ihm noch zwei Menschen, findet er keinen richtigen Griff.

Trotzdem zieht er wacker weiter. Am besten ist es, das ganze hier schnell hinter sich zu bringen, und dann wieder zu seinem Bier zurückzukehren.



Die Bergung des Schiffszimmermanns geht gut voran, wie der Kapitän deutlich sehen kann.

'EFFerd sei Dank', flüstert er leise in Richtung der tosenden Wogen, während seine Finger langsam über die Reling des Brückendecks gleiten. Eigentlich könnte er jetzt den Kurswechsel einleiten, aber die wenigen Momente, bis Ole sicher wieder an Bord ist, kann er nun wirklich auch noch warten, zumal dann wieder mehr Hände zur Verfügung stehen werden, um die Segel zu bedienen.



"Vorsichtig jetzt, gleich müsste er oben sein," meldet sich der Geweihte "nicht dass er sich gleich ganz übel die Finger quetscht, wenn das Seil über die Reling läuft!"

Besorgt blickt Onaskje nach vorne. Er will wirklich vermeiden, dass sich der Seemann schwer verletzt.

'Ob der das Seil so einfach loslassen kann um schnell selbst an die Reling zu greifen? Gerade erst hat er ja einen richtigen Kraftakt hinter sich gebracht, mit dieser unüberlegten Rettungsmethode. Ist wohl nicht so sein Fall, das Nachdenken...'



Einige bange Augenblicke lang verfolgt Efferdan, wie Ole sich das Seil hocharbeitet, sieht, wie er die Reling umklammert und dann schließlich und endlich, zwar schwach aber wohlbehalten, an Deck klettert.

Efferdan atmet erleichtert aus. Er hatte bis eben gar nicht bemerkt, dass er den Atem angehalten hatte. Doch jetzt ist er erleichtert, eine regelrechte Last scheint ihm von der Seele zu fallen. Zumindest heute ist keiner der Matrosen in EFFerds Reich eingegangen. Noch einmal ist der schwere Schatten der Trauer hinweg geweht worden.

"Ole zurück an Deck" meldet er von ganzem Herzen erfreut und glücklich.

EFFerd hatte sich noch einmal erweichen lassen, hatte das »Opfer« und den tollkühnen Retter noch einmal freigegeben, in seiner Gnade die Wellen angewiesen, sie nicht zu zerschmettern.

Efferdan sieht auf das weite, noch immer wogende Meer heraus. Sein Blick scheint in die Ferne zu schweifen, zu glänzen.

"Danke, oh Herr EFFerd!" wispert er leise.

Sie hatten es geschafft, etwas ist passiert, dass ihm wie ein Wunder vorkommt.

`Wenn ich das nächste Mal die Gelegenheit habe, in einen deiner Tempel zu gehen, werde ich dies tun und dir für deine Gnade danken...`, nimmt er sich tief in seinem Inneren vor. Wer weiß, wie ungerne er an Land geht, mag vielleicht ermessen, was dies für ihn bedeutet.



Jetzt, da Sigrun nicht mehr an seiner Schulter hängt, geht alles ganz einfach. Ole muß nur aufpassen, dass er mit den Füssen nicht wieder abrutscht. Doch diesmal hat er auch beide Hände fest am Seil. Außerdem hat er eien zusätzliche Rettungsleine erfassen können, jene, die er zu Beginn seines Auftrags übersehen wollte, doch nun, da die Zeit nicht mehr drängt, ist auch dem grauen Riesen nach einem gerüttelt Maß an Sicherheit zumute, denn Ole will nun kein Risiko mehr eingehen und läßt sich regungslos hochziehen. Erst als das Geländer der Reling näher kommt, streckt er erst eine, dann die andere Hand aus und hält sich gut fest, an der guten, alten NORDSTERN.

Viel kann er nicht sehen, der alte Schiffszimmermann, das nasse, strähnige Haar hängt ihm über die Augen und läßt nur die Nase, sowie sein breites, strahlende Grinsen frei und sichtbar. Erst als er einigermaßen sicher an der Reling hängt wischt er flüchtig seine Augen frei.

Nirka kann er nicht sehen, Sigrun auch nicht. Man wird die besinnungslose Matrosin wohl schon unter Deck gebracht haben. Aber Hjaldar kann er erkennen und auch Perval. Da stehen auch noch ein Gast und ein, Ole mag seinen Augen nicht trauen, ein Angroschim an Deck.

Ole schüttelt den Kopf, ein Zwerg als ein Retter aus Seenot, seltsame Zeiten gebären eben seltsame Zeichen, da muss man zu jeder Stunde mit dem Unmöglichen rechnen.

"Und?" fragt Ole grinsend in die Runde, "komme ich zur spät zur Feier? War denn viel los, während ich weg war!"

Dann steigt er ächzend über die Reling. Sein Frohsinn und seine gute Laune können nicht darüber hinweg täuschen, Ole ist am Ende seiner Kraft .....




Angar ist froh, als Ole endlich aus dem Wasser ist, und die Höhe der Reling erreicht hat. Es war zwar zu fünft alles andere als schwer, ihn hochzuhieven, aber die Angst und Furcht war ständig dabei.

"Die Bootsfrau hat Sigrun nach unten gebracht", beantwortet der Matrose die recht fröhlich gestellte Frage des Schiffszimmermanns, während er ihm zusammen mit Perval beim Übersteigen der Reling hilft. Seine Stimme klingt dabei ernst, und er lässt sich auch nicht von der Fröhlichkeit des anderen anstecken, auch wenn er diese sehr gut verstehen kann.

"Die Feier wird wohl erst beginnen, wenn sie wieder bei Bewusstsein ist, aber du solltest zusehen, dass du auch so schnell wie möglich nach unten kommst!"



Alberik bemerkt als letzter, dass die Rettungsaktion erfolgreich war. Hinter dem Matrosen sieht er noch nicht, wie der Gerettete über die Reling geklettert kommt. Erst als der Vordermann das Seil in seinen Händen hängen läßt, und auch er selber sich nicht mehr weiter anstrengen muss, kann er einen erstaunten Blick auf den Riesen werfen.

'Der ist ja bestimmt genauso groß, wie Hjaldar.'

Kurz blickt er die anderen Retter an.

'Ob die anderen den wohl ohne mich hoch geschafft hätten. Naja, Hjaldar ist ja sehr kräftig, und die anderen scheinen auch nicht gerade schwach zu sein. Aber ohne meine Hilfe?! Hm. Die wissen bestimmt gar nicht, wie schwer es gewesen wäre, wenn ich nicht dabei gewesen wäre.'

Wartend bleibt der Zwerg mit stehen, nachdem er das Tau auf den Boden fallen gelassen hat, und schaut genau so wartend zu den anderen. Der Praiosgeweihte unterhält sich schon mit jemand anderem, aber vielleicht kommt ja jemand anders auf die Idee, sich bei ihm für die Hilfe zu bedanken.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Retter und Gerettete - Der Kapitän


Wieder einmal sagt Efferdan aus dem Ausguck nichts anderes, als der Kapitän selbst auch sieht, aber für die anderen auf dem Deck, die nicht direkt mit der Rettung befasst sind, ist das natürlich ein wertvoller Kommentar.

Er vergewissert sich mit einem raschen Blick, dass wirklich alles in Ordnung ist, und wendet sich dann wieder dem Steuer zu. Am allerliebsten würde der Kapitän jetzt hinunter gehen, um sich persönlich davon zu überzeugen, wie es Sigrun und auch Ole geht, aber er weiß genau, dass für diese beiden Ruhe jetzt am besten ist, und die ist am einfachsten dadurch zu erreichen, dass die Lage der NORDSTERN wieder stabilisiert wird. Vor dem Zwischenfall hat sie den Wind von Steuerbord bekommen, und dabei ganz leicht von achtern, jetzt bekommt sie ihn von Backbord leicht von vorne - im Grunde ist das Schiff gegenüber dem alten Kurs so ziemlich genau um einhundertachtzig Grad gedreht durch das Manöver, bei dem der Bug durch den Wind gedreht wurde.

Der Schwung der NORDSTERN reicht nun nicht mehr, um auf die gleiche Weise wieder auf den alten Kurs zu kommen, aber das muss er auch nicht, denn Jergan möchte die Wende einfach genauso fortsetzen, und das Schiff im gleichen Drehsinn weiter drehen. Dabei wird das Heck durch den Wind gehen, und das beschleunigt die Karavelle dann wieder...

Doch zuvor ist noch anderes zu tun, nämlich die nötigen Befehle für die Umsetzung dieses Manövers, das natürlich nicht alleine mit Hilfe des Steuers durchführbar ist.

"Efferdan, komm zurück auf das Oberdeck! Ansonsten: Holt die Segel dichter!"

Das Ruder ist noch nach Steuerbord gedreht, sobald die Segel wieder Druck bekommen, sollte die Drehung also weitergehen. Das ist soweit klar, das einzige, was dem Kapitän neben dem Gesundheitszustand der beiden Seeleute jetzt noch Sorgen bereitet, ist der Zustand der Blinde, die mehr oder weniger schlaff unter dem Bugspriet in den Wellen hängt, und nur ab und zu von einer Böe durch die Gegend gewirbelt wird. Klar ist, dass das so nicht bleiben kann, aber erst einmal muss das Schiff wieder auf Kurs kommen.



Der Matrose mag wohl noch einige Augenblicke stumm auf das Meer hinausgesehen haben, um EFFerd für das Wunder zu danken, als ihn der Befehl des Kapitäns aus seiner 'Betrachtung' aufschreckt. Runter auf das Oberdeck soll er kommen.

Das klingt vernünftig (warum sollte es auch nicht, schließlich kam es vom Kapitän). Seine Aufgabe hier oben ist getan, was soll er noch hier oben. Jede weitere Minute birgt bei diesem Seegang nur Gefahren

Und noch einen Grund gibt es - Jetzt, da alles ausgestanden ist, alle wieder wohlbehalten an Bord des Schiffes sind, da beginnt er wieder, die Kälte zu spüren, die unerbittlich über seine haarlose, an Armen und Unterschenkeln unbedeckte Haut streift, den nassen Stoff seiner Kleidung durchdringt, versucht, sich in seine Knochen zu schleichen, sich dort festzusetzen. Erst jetzt bemerkt er, dass sich seine Hände, mit denen er sich hier oben festkrallt, sich klamm, fast etwas steif anfühlen.

Vorsichtig löst er seine linke Hand, bewegt die Finger, um die Kälte in ihnen zu vertreiben. Dann löst er die rechte - nicht ohne sich mit der linken vorher wieder fest zu heben - und tut dasselbe.

Dann schwingt er vorsichtig sein Bein über den Querbalken (auf dem er bis eben noch rittlings saß), sucht mit den Füßen an den Stiegen Halt. Seine Finger klammern sich an das Holz - jetzt nur nicht abstürzen - und beginnt den wackligen, schwankenden Abstieg nach unten.



Spann um Spann arbeitet sich Efferdan nach unten. Immer mal wieder hält er kurz inne, um nachzufassen oder mit den Füßen besseren Halt auf der schmalen »Stiege« zu finden.

Doch geschickt wie er ist kommt er trotzdem gut voran und nach einer Zeit mag er schon etwa die Hälfte des Mastes herabgeklettert sein.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Angar


Angar überlegt kurz, ob er Ole aufhelfen soll, aber da dieser bereits Hjaldar anspricht, und auch keinerlei Gefahr mehr droht, ist das wohl nicht nötig. Nötig ist dafür aber die Ausführung des Befehles des Kapitäns, auch wenn sich in Angar langsam wieder der alte "Fleiss" breit macht. Doch gerade im Moment wäre es zu auffällig, denn der Kapitän muss einfach wissen, wer alles bei der Rettung mitgemacht hat, und da kann er jetzt schlecht untertauchen.

"Komm, Perval, drehen wir die Segel mal wieder in den Wind!"

Die beiden Matrosen setzen sich in Bewegung, um mit den Winden des Grosssegels die gar nicht so grosse Verstellung des Havena-Segels vorzunehmen.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Hjaldar, Alberik und Ole


Hjaldar geht auch erst einmal leicht in die Hocke und atmet wieder ein paarmal gut durch. So langsam entwickeln sich ein paar Bier und Premer Feuer von einer guten Idee zu einer Notwendigkeit, stellt er fest.

Dann richtet er sich wieder auf und hält Ole die Hand hin, um ihm beim Aufstehen zu helfen, obwohl er selber auch nicht mehr so ganz fest auf den Beinen ist.

"Dat ist ja ooch nich' dumm, dat Meer. Wat sollet ooch mit so'nem olden Knooken anfangen. Da beeten sich al de Haie die Zähn ut."

Dann wendet er sich an den hinter (oder auch neben?) ihm stehenden Zwerg

"Albernik, hölp mal mit dat olle Flaggschiff hier unner Deck zu bugsieren, damit er sich hinner den Ohren trockenlegen kannt. Unn' dann wat dat Tiid, dat wir dree uns dat Faß vom Smutje man ansehen!"



Wieder einmal versteht Alberik nicht viel von dem, was der Thorwaler da von sich gibt, aber das Wichtigste vertsteht er von der Botschaft.

"Ein Bier könnten wir jetzt wohl alle vertragen. Ich hoffe, niemand hat uns das Bier weg getrunken, während wir hier oben waren."

'Aber von meinen beiden gebe ich keines ab. Wäre ja noch schöner. Zuerst holt man den Mann aus dem Wasser, und dann soll man ihm auch noch eines seiner Biere spendieren. Umgekehrt sollte es sein.'

Aber erst einmal nimmt sich der Zwerg seinen Felsspalter wieder von dem Seilstapel, wo er ihn vorhin abgelegt hatte. Mit der Waffe in der Hand fühlt er sich gleich wieder ein wenig wohler hier an Deck. Sie gibt ihm etwas Vertrautes auf diesem Schiff, auf das er nicht gehört.

"Na gut, von mir aus können wir jetzt nach unten."

Alberik stellt sich neben den knienden Matrosen, und bietet ihm einen Arm an, um ihm beim Aufstehen helfen zu können. Auch wenn das möglicherweise einmal mehr nicht normal, sondern eher lustig aussehen könnte.



Mit sichtbar schwindender Kraft hebt Ole seinen massigen Körper über die Reling. Zwar bemüht er sich möglichst schwungvoll dabei auszusehen, doch wirkt, trotz seiner Bemühungen, eher schlaff und abgekämpft. Kaum daß seine Füße die Dielen des Oberdeck spüren können, geben dem 'Grauen Riesen' die Knie nach und er plumpst schwerfällig mit dem Hintern auf das Deck.

Ole streicht sich das nasse Haar, das ihm jetzt noch ins Gesicht hängt hinter das Ohr und schüttelt sich wie ein Hund. Dann blickt er auf und erkennt Hjaldar unter den Anwesenden. Er grinst ihn an:

"Na, du alter Eisen-Butt, da bin ich wieder. Man ist das schön, wieder daheim zu sein. Du siehst: Das Meer wollte mich nicht haben, hat mich glatt wieder ausgespuckt!"



NORDSTERN - Auf der Brücke: Retter und Gerettete - Der Kapitän


Jergan tritt noch einmal an die vordere Reling des Brückendecks und ruft hinunter:

"Bringt Ole mal runter, und sagt dem Smutje, dass er ihm was anständiges Heißes zum trinken geben soll!"

Näher spezifiziert der Kapitän das nicht, aber schon der Tonfall verrät, dass es durchaus was ziemlich alkoholisches sein darf.

Derweil wenden sich Perval und Angar dem Grosssegel zu, während zwei andere Matrosen die Fock in die richtige Stellung drehen.

Endlich hört das immer wieder einsetzende Killen der Segel auf, dessen Geräusch zumindest den Kapitän mittlerweile schon ziemlich genervt hat, und die beiden Segel füllen sich mit Wind. Der Klüver hängt noch schlaff herum, ebenso die beschädigte Blinde, doch dazu sind momentan einfach zu wenige Leute an Deck, und das Schiff soll erst einmal auf Kurs kommen.



NORDSTERN - Auf dem Weg zur Messe: Retter und Gerettete- Hjaldar, Alberik und Ole


Ole ergreift Hjaldars Hand dankbar. Irgendwie fühlt er sich sich gut durch gemangelt und geplättet und war schon drauf und dran gewesen um Hilfe zu bitten. Ole's Beine sind noch nicht so ganz dienstbereit. Aber Hjladar's kräftiger Griff bringt ihn wieder nach oben.

Ole schwankt ein bisschen, aber die Aussicht auf einen guten Schluck gibt ihm Auftrieb und Haldar und Alberik geben ihm den nötigen Halt dazu. Dennoch ist es schon eine sehr seltsamer Zug, der da dem Niedergang zum Unterdeck entgegen torkelt. Hjaldar, dessen Kraft zwar unermesslich scheint, nun aber, nach dieser Rettungsaktion dennoch sehr erschöpft wirkt. Dann Alberik, stark und stämmig und dennoch auf ungewohntem Boden. Man sieht ihm an, dass der schwankende Schiffsboden nicht sein zu Hause ist, noch jemals werden wird. Und in ihrer Mitte schwankt Ole, der geradeso wirkt, als habe er gründlich über den Durst getrunken.

Ole hat seine Gehhelfer auch wirklich nötig. Einmal lehnt er sich AN den Thorwaler, das andere Mal lehnt er sich AUF den Zwerg, immer dann wenn ihm die 'weichen' Knie weg zu knicken drohen. Aber langsam kommt Ole wieder zu Kräften und als er mit seinem 'Geleitschutz' den Niedergang erreicht, hält er inne.

"Danke Freunde, aber ich glaub es geht wieder!"

Dann bückt er sich und mancher mag gefürchtet haben, dass er wieder stürzt, aber dem war nicht so. Ole hat seine Jacke auf dem Boden liegen sehen und sie nun aufgehoben. Zum Wärmen taugt dies Jacke kaum noch, denn sie ist tropfnass, doch hat Ole dort noch etwas Tabak einstecken, und wenn er nun außer einem guten Schluck noch etwas nötig hat, dann einen guten Zug aus der Pfeife.

Dann geht er den Niedergang hinab und läßt es auch gerne geschehen, dass Hjladar und Alberik ihm dabei behilflich sind. Die zwei trauen Ole's Beteuerungen, er wäre voll bei Kräften nicht so recht, und sie tun gut daran, denn ohne ihren Beistand hätte sich Ole an der steilen Stiege bestimmt den Hals gebrochen.

Auf dem Unterdeck allerdings kann Ole schon wieder gerade gehen, soweit man dort von gerade gehen reden kann, denn Ole muss sich schon sehr bücken um durch den Gang zu kommen, ohne sich andauernd den Kopf zu stoßen. Umfallen könnte er in diesem engen Gang gar nicht mehr.

"Der erste am Fass, bekommt das erste Thin !!" brüllt Ole.

Und so kommen die drei an die Messe ....



"Das erste was DU bekommst ist 'ne warme Decke und'n Kräutertee, Alterchen." zieht Hjaldar Ole grinsend ein wenig auf.

Doch als er ebenfalls in der Messe angekommen ist, wird er schlagartig wieder ernst. Die Matrosin, die sie aus dem Wasser gezogen haben, wird dort gerade versorgt und bei dem Aufgebot an Leuten, die dabei stehen und helfen wollen, scheint es ihr nicht allzu gut zu gehen.

Still und so unauffällig, wie es halt für einen 2-Schritt-Thorwaler möglich ist, betritt er die Messe. Eine der ersten Sachen, die er bemerkt, ist der Stapel Decken und Ameg, der daneben steht, zusammen mit der jungen Matrosin, die ihm bisher unbekannt vorkommt.

"Giv' mal dem Möchtegern-Wassertroll da vürn een, zwee von den Decken, dat er sich ooch trockenlegen kannt." weist er Ameg in freundlichem Tonfall an, dann stellt er sich zu den Helfern dazu.

"Und wie geht es ihr? Kann man noch wat helpen?" fragt er mit ruhiger Stimme, aus der auch ein wenig Besorgnis heraus klingt. Bier und Schnaps sind jetzt vorerst einmal in den Hintergrund seines Interesses gerückt.



Alberik versteht nicht ganz, was der Seemann, den sie gerade aus dem Wasser gefischt haben, damit meint, als er etwas vom 'ersten Thin für den, der als erster am Fass ist', sagt.

Im Rogolan, der Sprache seines Volkes, sagt man 'Thin' zu dem Ende der Schicht im Bergwerk, wenn man endlich wieder zu seiner Familie zurückkehren kann.

Doch er kommt nicht mehr dazu, den Matrosen, dessen Namen er noch nicht mal kennt, danach zu fragen. Auf dem Tisch, an dem er vorhin noch sein Bier getrunken hat, liegt eine Person. Anscheinend ist sie verletzt oder krank. Seine Vermutungen über die Seekrankheit, die er gerade schon einmal gehabt hat, kommen ihm wieder in den Sinn.

Vorhin war er zu sehr von dem weiten Meer abgelenkt, so daß er gar nicht bemerkt hatte, daß es noch eine andere Person außer dem Seemann neben ihm gab, die aus dem Wasser geholt wurde. Deshalb kann er sich nicht anders erklären, warum jemand auf dem Tisch in Decken gehüllt liegt, und sich ein Magier um diesen kümmert und ihm ein Mittel, eine Medizin einflößen sollte. Das die Person auf dem Tisch eine Frau sein könnte, daran hat Alberik, dessen Volk hauptsächlich aus Männern besteht, noch nicht gedacht. Vielmehr macht er sich Sorgen um eine ausbrechende Epidemie hier an Bord des Schiffes, von dem er nicht mehr so einfach wegkommen kann.

'Wie weit hat sich die Krankheit wohl schon ausgebreitet? Oben wurde doch auch der Praiosgeweihte gerade von einem Mädchen wegen einem Notfall angesprochen. Hat sie nicht auch nach dem Schiffsheiler gefragt?'

Manchmal ist die Gedächtnisleistung eines Zwergen einfach besser, wenn es um gefährliche Situationen gibt, und er ist sich sehr sicher, etwas in der Art gehört zu haben, auch wenn er selber gar nicht angesprochen wurde.

'Also sind es schon mindestens zwei. Und Jarun habe ich heute auch noch nicht gesehen. Vorgestern abend schien er ja noch ganz gesund, aber wie es ihm heute wohl geht? Der Matrose ist vielleicht auch nur deswegen von Bord gestürzt, weil ihm die Krankheit zugesetzt hat.'

Vorsichtig schaut er nach oben zu dem nassen Riesen.

'Ich sollte besser aufpassen, dass ich mich nicht anstecke.'

So unauffällig wie möglich weicht der Angroschim ein paar Schritte von dem Mann, dem er gerade noch geholfen hat, bis zur Messe zu kommen und schaut ihn dabei nach Anzeichen für eine Krankheit suchend an.



NORDSTERN - Oberdeck: Retter und Gerettete - Perval und Angar


Die letzten Minuten während der Rettung und jetzt beim Segelmanöver hatte Perval fast schweigend verbracht. Nur das Notwendigste hatte er gesagt und sich sonst auf seine Tätigkeit konzentriert. Aber jetzt, nachdem das Segel richtig steht und das Kurbeln wieder leichter geht, kommt er wieder dazu, sich zumindest für einen kurzen Moment anderen Gedanken zuzuwenden.

"Woll´n ´s mir mal hoffen. Wer schad gewes´n, wenn ´s eener von bieden nicht geschafft hätt´. Aber EFFerd hat ja noch ma´en Einsehn gehabt. Beim Alten Mann war ´s schon verdammt eng. Dacht´ schon, EFFerd hät ihn sich geholt."

Nach der letzen Umdrehung sichert Perval die Winde und streckt sich erst einmal. Das Ziehen an der Rettungsleine und dann die Kurbelei an der Winde ist doch ganz schön in die Arme und den Rücken gegangen.



Die Segel haben ihre wohl für die nächste Zeit endgültige Stellung erreicht, so dass Angar einige Mühe darauf verwendet, mit Hilfe seiner Winde die ihm als optimal erscheinende Stellung zu finden. Er weiß, dass er das kann, und so wartet er auch keinen Befehl ab, dies zu tun, denn je eher das Schiff wieder richtig auf dem Kurs liegt, desto eher kann er endlich wieder nach unten, und das schon so lange verzögerte Frühstück nachholen.

"Das wohl", antwortet er dabei dem anderen Matrosen, "aber Ole ist so leicht nicht kleinzukriegen!"



NORDSTERN - In der Kombüse: Kräuteraufguss


Wasuren trinkt gerade den letzten Schluck Bier aus seinem ersten Krug und versucht gerade wieder seinen letzten Gedankengang aufzugreifen. Er stellt den leeren Krug zur Seite, da durchfährt ihn der Schrei des kleinen Jungen, namens "Ameg".

Wasuren schaut auf und sieht den Jungen, oder besser gesagt einen Haufen an Decken aus dem der wuschelige Kopf des Kleinen heraus schaut.

'Was ist hier heute vormittag bloß los?' fragt sich Wasuren und guckt dem Jungen hinterher, als er Richtung Küche, oder wohin er auch immer will verschwindet. Dann wendet er sich wieder seinem weiten Bier und einem Bissen Brot zu.



Ganz allmählich beginnt das Wasser Blasen zu schlagen und schließlich ist es soweit, es kocht. Garulf umfasst den Becher vorsichtig und stellt ihn ebenso vorsichtig zur Seite, so, dass keine Welle ihn umwerfen kann. Dann greift er zum dem kleinen Sandeimer neben der Feuerstelle und löscht das Feuer sehr sorgsam. Nachdem das erledigt ist, nimmt er sich wieder des Bechers an. Er gibt ein paar Kräuter ins Wasser und läßt diese nun erst einmal ein wenig ziehen.



Endlich bringt der Schiffsjunge den ersehnten Wasserkrug in die Messe. Sofort, aber auch nicht überstürzt, greift der Adeptus danach und schenkt sich einen Becher voll ein. Anschließend stellt er den Krug wieder an den alten Platz zurück, er bemüht sich dabei ihn ebenfalls wellensicher aufzustellen, was ihm natürlich nicht so elegant gelingt. Aber letztenendes steht das Gefäß doch wieder einigermaßen sicher und Darian setzt sein Frühstück fort.



Nachdem der Kräuteraufguss eine Weile gezogen hat, entfernt Garulf mit Hilfe eines Löffels die gröbsten Blätter aus dem Becher. Zu guter letzt nimmt er eine Flasche Premer Feuer aus dem Regal und gibt einen ordentlichen Schluck davon in den Becher. Dazu kommen noch ein paar Gewürze, so dass das Gemisch nun wohl in der Lage wäre selbst Tote aufzuwecken. Zufrieden mit seinem Werk überlegt der Smutje einen Moment an Deck zu gehen. Da er jedoch nicht weiß ob der oder die über Bord gegangene schon geborgen ist, unterlässt er es. Zu schnell wäre der Trank im Wind erkaltet. Stattdessen befestigt er den Becher erneut über der Feuerstelle, der Stein strahlt noch ein wenig Wärme ab, nicht viel, aber besser als nichts. So bleibt es wenigstens noch eine Weile warm.



Garulf hört das Gerumpel im hinteren Niedergang und tritt an die Tür der Kombüse um zu sehen, wer dort hinunter gestolpert kommt. Erstaunt nimmt er wahr, dass es Nirka ist, mit Sigrun im Arm! Sigrun sieht schlaff und blass aus, ihre Kleidung ist beschädigt und sie ist von oben bis unten nass, Seewasser tropft in dicken Tropfen auf die Planken des Unterdecks. Sigrun ist also diejenige, die über Bord gegangen ist! Von einer tollpatschigen Landratte hätte er so was ja erwartet, aber Sigrun? Sie ist schließlich Matrosin und - was fast noch mehr zählt - Thorwalerin, da ist mit Sicherheit etwas außergewöhnliches passiert. Aber nun ist nicht die Zeit für Spekulation, zumal Sigrun nachher sicher viel besser selbst erzählen kann und dafür muss sie erstmal wieder auf die Beine kommen. Vor Nirka her, geht die junge Matrosin, die erst kürzlich angeheuert hat. Da Nirka genug zu schleppen hat und Traviana wohl aus genau diesem Grunde mitgeht spricht er sie an:

"Sieh man to, dat Sigrun in die Koje kommt, damit wa ihr den Zaubertrank einflößen könn."



NORDSTERN - Unterdeck: Sigrun's Wiederbelebung - Nirka und Traviana


Rasch schlüpft die Bootsfrau mit ihrer lebenden Last durch den Niedergang, und schafft es, die Tür mit dem Ellenbogen zum Zufallen zu bringen. Im Grunde ist ihr das egal, denn das könnte Traviana ja auch machen, aber sie möchte Sigrun so rasch wie möglich im Warmen haben, und da stört die kalte Zugluft nur.

Schon auf der Treppe empfindet sie so die Windstille als sehr angenehm, auch wenn das Laufen auf dem steilen Niedergang mit Sigrun auf den Armen alles andere als leicht ist, zumal sie noch die Bewegungen des Schiffes ausgleichen muss. So kommt es, dass Nirka mehr als einmal an die hölzerne Wand stößt, doch Sigrun stößt nicht ein einziges Mal irgendwo an, das verhindert die Bootsfrau sehr wirksam.

Unten, auf dem Gang des Unterdecks, ist dann wieder mehr Platz, und sie folgt Traviana rasch zum Eingang der Messe.

"Sorg mal dafür, das da drinnen Platz gemacht wird für sie!"

dass es dabei wohl um zahlende Fahrgäste, und nicht um andere Angehörige der Mannschaft geht, beachtet Nirka nicht weiter, und es ist ihr im Moment auch herzlich gleichgültig.



Traviana ist nun am Eingang der Messe angekommen. Sie öffnet der Bootsfrau die Tür und hält sie auf, so das diese mit Sigrun hindurch laufen kann. Dann sieht sie sich dort um, um Platz zu schaffen, für Sigrun. Sie wendet sich zu den Menschen, die sich dort befinden. Sie kennt dort ja so gut wie niemanden, vielleicht so vom sehen, aber nicht persönlich, also wendet sie sich an alle.

"Entschuldigung, könnten sie hier bitte mal etwas Platz machen? Wir haben hier eine Verletzte."

Sicher, ob sie verletzt ist, weis Traviana nicht genau, aber sie denkt, dass die meisten dort wohl nicht mitbekommen haben, was passiert ist, und Traviana wollte sich nicht unnötig mit Erklärungen aufhalten. Sie ist sich nicht sicher, ob sie es alle verstanden haben, oder überhaupt gehört haben, denn Traviana redet eigentlich immer recht leise. Also wiederholt sie sich in einem recht lauten Ton, so dass es jeder da drin verstehen sollte...



Nirka folgt Traviana das kleine Stück Gang, das man vom Niedergang bis zum Eingang der Messe noch zu laufen hat. Im Gegensatz zu der Matrosin entgeht ihr der Smutje nicht, der gerade aus seiner Tür kommt - aber die Worte, die dieser Traviana widmet, bekommt die Bootsfrau auch nicht mit.

"Garulf, sorg mal für was richtig Heißes zu trinken", sagt sie darum, ohne sich darüber im klaren zu sein, dass genau das schon längst in Arbeit ist. Sie achtet jedoch nicht weiter auf den Koch, denn der Weg in die Messe ist frei, und das nutzt sie natürlich, um selbige zu betreten.

Sie mustert sowohl die Anwesenden, als auch die Einrichtung über Sigrun hinweg. Die Stühle sind wohl sehr unbequem, um die Freundin darauf abzulegen, der Tisch ist hart und mit seiner Kante auch nicht so geeignet. Der Fussboden... hartes Holz, gezeichnet von den Spuren etlicher Seemannstiefel. Auch nicht wirklich das richtige.

"Traviana, besorg mal eine Decke aus dem Mannschaftsraum", bekommt die Matrosin eher beiläufig zu hören, während Nirka etwas zur Seite tritt, um die Tür freizugeben. Die anwesenden Fahrgäste bekommen erst einmal nichts zu hören von ihr, was aber eher daran liegt, dass sie nach der Bergung und dem Transport noch etwas außer Atem ist, als daran, dass ihr nichts einfällt. Und so richten sich ihre Blicke insbesondere auf Darian und Hesindian, die sie von denen, die hier sind, für die am besten geeigneten Helfer hält.



"Ist schon fertig", gibt Garulf der Bootsfrau zur Antwort. Dann schreitet er zur Feuerstelle und nimmt den, Dank der Restwärme des Steines noch immer heißen, Becher wieder in die Hand. Damit geht er hinüber in die Messe, in der mittlerweile ein recht großes Gedränge herrscht. Nirka steht noch im Eingang, sie hält Sigrun nach wie vor im Arm und verlangt nach einer Decke. An der Bootsfrau vorbei in die Messe zu gehen, ist für, den nicht gerade schlanken, Schiffskoch unmöglich. So bleibt er erstmal vor der Tür stehen, auch wenn er damit einem Deckentransport potentiell im Weg steht - und auch sonst den Gang ziemlich unpassierbar macht.



NORDSTERN - Unterdeck: Sigrun's Wiederbelebung - Wasuren


Wasuren schafft es schon gar nicht mehr vor lauter Müdigkeit sein Gedanken zu ende zu denken, geschweige denn den Anfang eines Vorherigen wieder aufzugreifen. Das zweite Bier von Garulf ist nun auch schon leer und Wasuren beginnt fast am Rande Neben des Niedergangs zum Frachtraum langsam an der Wand ein zu schlummern.

'Oh nein Wasuren du darfst doch nicht schon wieder irgend wo einschlafen ... nein ... ' versucht er sich die ganze Zeit vom Schlaf abzuhalten, doch da schallt laut und in gewohntem zackigen Befehlston eine Ihm sehr bekannte Stimme über das Unterdeck.

Wasuren ruckt in einem Satz hoch und steht nun fast hell wach und etwas desorientiert da. Zuckend suchen seine Blicke Nirka, denn das konnte nur ihre Stimme gewesen sein. Dann geht er zag halt ein paar Schritte vor und spät den Gang hinunter zur Küche, dann zur anderen Seite. Langsam versucht er sich der Situation hier klar zu werden und sucht bekannte Gesichter. Als er Nirka ausgemacht hat, fragt er etwas müde und halblaut :

"Braucht ihr Hilfe? egal was und wo, ich pack gleich mit an!"

'Hmm, ich denke mit diesem Standartsatz werd ich bei Nirka im Moment nicht weiter auffallen! zumindest besser als verdrücken. Ach wäre ich doch bloß in meiner Koje geblieben.'



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Darian merkt auf


Darian schaut von seinem Frühstück auf, als die junge Frau - offenbar eine neue Matrosin - eintritt und um Platz für eine Verletzte bittet. "Selbstverständlich", gibt er knapp zur Antwort, dann schiebt er schnell die Reste seines Frühstücks beiseite. Auch die verwaisten Bierkrüge von Zwerg und Thorwaler wandern an das hintere Ende des Tisches, wo sie nicht mehr im Wege stehen. Von seiner Seite scheint nun alles notwendige getan, doch ist dem Adeptus klar, dass dem nicht so ist. Falls es sich um eine ernsthaftere Verletzung handeln sollte, dann wird er wohl nicht umhin kommen, seine Kraft einzusetzen. Obwohl er den Zauber recht sicher beherrscht, ruft er sich noch einmal den BALSAMSALABUNDE ins Gedächtnis, schließlich sollte man kein unnötiges Risiko eingehen.



NORDSTERN - Unterdeck: Sigrun's Wiederbelebung - Traviana's Auftrag


Traviana läuft gleich los, um den Befehl der Bootsfrau zu befolgen. Sie nickt ihr zu und läuft wieder raus aus der Messe in Richtung Mannschaftsraum. Sie versucht sich zu beeilen, so gut es geht, und rennt den Gang entlang. Immerhin braucht Sigrun jetzt etwas zum drauflegen. Die Tische und Stühle sind wahrhaftig zu hart und unbequem...

Innerhalb kurzer Augenblicke ist sie auch schon am Mannschaftsraum angelangt. Ohne sich umzusehen, ob sich vielleicht jemand darin aufhält schnappt sie sich einfach die nächste Decke.

'Vielleicht nehme ich lieber gleich zwei mit, man muss sie doch auch zudecken können, dass sich aufwärmen kann...'

Sie findet dann auch ein Stück weiter noch eine Decke, die sie sogleich mitnimmt. Nun beeilt sie sich, um wieder zurück zu der Bootsfrau und vorallem zu Sigrun zu kommen. Raus aus der Tür eilt sie den Gang entlang. Wieder dauert es nicht lange, bis sie wieder die Messe erreicht hat. Sie läuft an den Personen vorbei zur Bootsfrau und legt die eine Decke aus gebreitet hin, damit die Bootsfrau Sigrun erst einmal hinlegen kann. Die andere Decke behält sie noch in der Hand, um zu warten, bis man Sigrun damit wärmen kann...



NORDSTERN - Unterdeck: Sigrun's Wiederbelebung - Ameg's Decken


Wasuren hat sich nun an eine Ecke auf dem Unterdeck gelehnt von der er das ganze Geschehen gut beobachten und wenn notig schnell mal mit anpacken kann.

Kopfschüttelnd sieht er mit an, wie der arme kleine Ameg in dem Trubel zwischen Küche und Messe scheinbar unterzugehen scheint. Nirka plappert irgend etwas von Decken, die neue Matrosin wuselt wie wild hier hin und dort hin und versucht zumindest zu helfen, doch dabei sind die Decken doch vor Ort.

Wasuren schüttelt noch einmal den Kopf, dann denkt er sich. 'Wenn das hier so weiter geht, brauchen die alle noch mal Hilfe !!! So ein geordnetes Chaos hab ich schon lange nicht mehr auf der NORDSTERN erlebt. Tja das sind die Neuen die sich hier noch nicht auskennen, ganz bestimmt.' Ruhig und gelassen, die ganze Aktion im Blick, ruft Wasuren Nirka zu.

"Hey Bootsfrau, der kleine Junge da genau vor eurer Nase, bringt doch schon nen Berg voll Decken!"



Die Anwesenheit Amegs ist der Bootsfrau in der Tat vollkommen entgangen, als sie an Garulf vorbei den Weg in die Messe genommen hat. Die Freundin in die Sicherheit zu bringen, das war für sie das allerwichtigste überhaupt. Auch den Ruf Wasurens, der ihr mehr oder weniger hinterher ruft, nimmt die Bootsfrau kaum wahr - ihr ist es schlicht egal, wo die Decken herkommen, solange sie das tun.

Die Aussage von Garulf, dass der Trank schon fertig ist, verdrängt die Frage der Decken dann weiter aus ihrem Bewusstsein, und sie antwortet nur knapp:

"In Ordnung, dann schaff das Zeug mal rüber in die Messe!"

Die Ankunft Travianas mit den Decken verdrängt dies wiederum, und lenkt wieder auf das andere Problem zurück, und so tritt die Bootsfrau an den Tisch der Messe heran, nachdem Traviana dort die eine Decke ausgebreitet hat.

Vorsichtig stützt Nirka sich mit den Oberschenkeln am Tisch ab, um trotz der Bewegungen des Schiffes einen sicheren Stand zu haben. Dann legt sie die Freundin ganz sanft und vorsichtig auf der Decke ab, und sieht sich dann fast ein wenig gehetzt um. Vieles passiert hier quasi auf einmal, und nicht immer ist klar, welche Reihenfolge die sinnvollste und beste ist. Doch jetzt ist das zumindest für sie klar - Sigrun braucht Hilfe, und zwar die kundiger Art.



Irritiert beobachtet Ameg das ganze Geschehen. Alle rennen an ihm vorbei und keiner sieht ihn. Da scheint es einigen nicht sonderlich gut zu gehen und ganz nass sind die Personen auch. Und dann wird jemand los geschickt um Decken zu holen. Offensichtlich war es das warum Torin zu ihm sagte, dass er Decken holen sollte.

Aber von einem Kind will wohl niemand Hilfe. Wütend und traurig zugleich beobachtet er das Geschehen. Nur Wasuren scheint ihn zu bemerken. Dankend schaut er ihn an, während er gleichzeitig versucht Tränen der Wut zurück zu halten.

Nach Wasurens Kommentar scheint die ... Frau ihn endlich bemerkt zu haben. Aber ihre Gedanken scheinen nicht ganz da zu sein. Wahrscheinlich ist es ihr auch völlig egal.

Ameg stapft mit den Haufen an Decken jetzt endgültig in die Messe. Langsam wird das ganze Zeugs auch schwer. Immer noch ein wenig wütend geht er rüber zu der Frau namens Nirka und läßt die Decken etwa einen Schritt neben ihr fallen, allerdings so geräuschvoll und theatralisch wie es mit Decken noch so gerade eben möglich ist. Er stapft auch kurz mit dem Fuss auf um ja anzudeuten, dass er gerade da ist.

"Da.. die sollt' ich wohl für euch hol'n", spuckt er die Worte aus (kann man Worte spucken?). Dann dreht er sich um und verkriecht sich in eine Ecke der Messe wo kein Trubel herrscht.

Von dort aus schaut er zu. Gern würde er mehr helfen....

'...aber wer will schon die Hilfe eines Kindes?'



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Garulf folgt


Garulf folgt Nirka nun endgültig in die Messe. Als Sigrun liegt, tritt er hinzu mit dem dampfenden Becher in der Hand. Er ist sich etwas unschlüssig, ob er selbst der Verletzten den Trank einflößen soll oder ob er Nirka diesen Schritt überlassen sollte oder vielleicht will Nirka ja auch Sigrun erstmal aufwecken, so dass diese dann selber trinken kann.

"So, hier ist dat Gebräu," gibt er Nirka daher nur zu verstehen und hebt den Becher ein wenig.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Darian


Darian weicht noch ein Stück zurück, um der Bootsfrau nicht im Wege zu stehen. Jetzt erkennt er auch, wen sie dort anschleppt.

`Oha, eine Matrosin. Wenn jetzt schon die Seeleute von Bord fallen, dann sollte ich besser wirklich unter Deck bleiben.`

"Ist sie schwer verletzt? Welche Art Hilfe benötigt sie?" fragt er Nirka, denn eine offene Wunde kann der Adeptus bei Sigrun nicht erkennen.

`Innere Verletzungen womöglich? Oder Erfrierungen?`

Letzteres könnte sich als problematisch erweisen, ersteres würde sehr viel Kraft kosten.



Die Frage Darians lenkt Nirka von dem hektischen Umfeld wieder zurück auf das, was für ihre Freundin jetzt getan werden muss, und da ist der junge Magus wohl so ziemlich der Richtige, um es zu unternehmen. Dass es nicht an ihr ist, ihn als Fahrgast darum zu bitten, ist ihr im Moment vollkommen gleichgültig, ebenso, wie es ihr gleichgültig ist, dass sie nicht im geringsten über die Messe zu verfügen hat.

Von hinten meldet Garulf das Vorhandensein des Tranks, was in Nirka sofort wieder den Wunsch weckt, der Freundin selbst zu helfen und ihn ihr einzuflößen. Doch... die Angst, die Sorge und die Vernunft sind dieses Mal stärker, denn sie weiß genau, dass der Magus dies alles viel besser kann, und vor allem sich mit derlei auch wirklich auskennt.

"Sie ist über Bord gegangen", antwortet sie ihm darum, "und hat einiges von dem Seewasser geschluckt. Und kalt ist das natürlich auch, klar."

Man merkt ihrer Stimme deutlich die Sorge an, und während der Worte tritt sie direkt neben den Tisch, und greift sehr vorsichtig nach Sigruns Hand, die sie in die eigene nimmt.

"Wir haben einen heißen Trank für sie bereit...", fügt sie dann noch leise hinzu.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Anselm


Mit dem Bierkrug vor sich stehend, war der kleine Mann ganz in seine Gedanken versunken.

'Wie fange ich da an? ... wo finde ich eine Unterkunft ... sollte ich vielleicht ganz mit dem Diebstahl aufhören und einen "normalen" Beruf ausführen? ...'

Diese und ähnliche Gedanken flogen Anselm schon seit Tagen durch den Kopf und verging auch wieder, aber hier, in der ruhigen Messe, da kamen sie hoch und legten sich wie Gewitterwolken auf seinem Kopf nieder.

So verbrachte Anselm die letzte Zeit damit, in seinen Bierkrug zu starren und über sein Leben nachzudenken. Das Geschehen um ihn herum nahm er nur zum kleinsten Teil wahr.

Doch als diese Verletzte Matrosin hereingebracht wird, ist Anselm zur Stelle. Sofort steht er auf und nimmt seinen Krug mit, so dass auf dem Tisch mehr Platz ist. Während die Bootsfrau diverse Anordnungen gibt stellt sich der kleine Dieb neben den Adeptus, welcher sich wohl schon geistig auf die Behandlung der Verletzten vorbereitet.

Anselm stellt seinen Krug auf einen Stuhl und fragt mehr in die Runde als den Adeptus direkt:

"Nun, kann ich mich irgendwie nützlich machen?"



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Ameg's Decken


Während die Bootsfrau auf eine Reaktion Darians wartet, kommt noch jemand in die Messe hinein... eher ein Stapel Decken, als eine Person. Oder, noch genauer, ein Stapel Decken, der den kleinen Träger fast verdeckt.

Der Bootsfrau ist, auch wenn sie nur sehr flüchtig hinschaut, klar, dass das nur Ameg sein kann, den sie von dem gemeinsamen Abenteuer in Salzerhaven kennt.

"Danke", sagt sie leise in seine Richtung, ohne seine Verbitterung und Wut zu bemerken, denn ihre Gedanken sind beinahe vollständig mit der Sorge um Sigrun ausgefüllt - und der Fehler, ihn auf dem Gang übersehen zu haben, ist ihr nicht einmal im Ansatz bekannt oder bewusst.

Ebenso leise sagt sie zu Traviana:

"Hilf Ameg mal mit den Decken! Wir brauchen hier bestimmt noch eine, dann welche für Ole, und den Rest dann nachher für Sigrun, um ihr ein warmes Lager zu machen!"

Die Bootsfrau weiß auch schon, WO sich dieses Lager befinden wird, aber dazu sagt sie nichts weiter, zumal sie erst einmal hören möchte, was der junge Magus zu Sigruns Befinden zu sagen hat.



Traviana legt die zweite Decke, die sie noch in der Hand hält auf den Boden. Dann geht sie, wie es die Bootsfrau ihr gesagt hatte, die paar Schritte auf den Jungen zu und hat vor ihm bein Tragen der Decken zu helfen.

"Soll ich dir etwas abnehmen?"

Ihre Stimme klingt sehr freundlich. Sie ist das ja schon gewohnt von ihrem kleinen Bruder Ramo, den sie in Salza zurücklassen musste.



'Abnehmen?' Ameg wundert sich ein wenig und deutet dann vor sich auf den Boden wo die Decken herum liegen.

'bemerkt worden bin ich jetzt wohl.. aber auch nicht so ganz.. ich glaube es ist denen völlig egal ob ich hier bin oder nicht.. hmmm'

So unfreundlich und hart wie ein Thorwaler versucht er folgendes zu sagen:

"Wo soll'n die denn nu' hin?"

Aber ganz in dem gewünschten Tonfall kommt es nicht herüber.



Traviana hatte wohl in Gedanken zu lange gezögert, denn der Junge hat die Decken schon auf den Boden gelegt, oder sie eher fallen lassen. Sie sieht ihn einen Moment lang an. Er scheint nicht so gut gelaunt zu sein. Vielleicht, weil Traviana ebenfalls die Decken geholt hatte, obwohl der Junge doch schon welche geholt hatte, aber Traviana war so in eile gewesen, sie hatte darauf überhaupt nicht geachtet...

"Die Bootsfrau kann deine Decken sicher gut brauchen, um Sigrun zu wärmen, wenn du willst helfe ich dir sie rüber zu tragen."

Es ist zwar nur noch ein kleines Stück, aber Traviana will natürlich der Bootsfrau helfen...



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hesindian's Heilkunde


Der plötzlich in der Messe ausgebrochene Trubel hat Hesindian vollkommen überrascht, so dass er sich bislang darauf beschränkt hat, nach Möglichkeit niemandem im Wege zu stehen, während alle Vorbereitungen zur Versorgung der verletzten Matrosin getroffen werden.

"Sie wird sich im kalten Wasser unterkühlt haben." stellt Hesindian schließlich fest. Wie gut, dass er im Heilkundeunterricht im Tempel immer aufgepasst hatte, denkt er sich und kramt in seinem Gedächtnis nach den geeigneten Maßnahmen.

"Das heiße Getränk wird ihr helfen, aber wir sollten sie in die Decken einrollen und sie mit ihnen trocken reiben. Die Reibungswärme wird ihre Glieder wieder auftauen und das Blut zum zirkulieren bringen." schlägt er schließlich vor



Der Blick der Bootsfrau huscht von Sigrun zum Geweihten, von diesem zum Magus, und wieder zurück zu ihrer Freundin. Das, was die beiden da sagen, klingt vernünftig, und vor allem gibt es ihr etwas, das sie machen kann, und das sie zudem Sigrun sehr nahe sein lässt.

"Flößt ihr den Trank ein, ich werde sie warm reiben - und trocken."

Die Bootsfrau hebt eine der Decken auf, und verharrt dann kurz. Solange Sigrun die feuchten Sachen anhat, ist das mit dem Trockenreiben ein reichlich sinnloses Unterfangen, aber andererseits sind sie hier in der Messe alles andere als alleine. Am liebsten würde Nirka die Freundin sofort mit in ihre Kabine nehmen, und dort trockenreiben und warm knuddeln, aber solche Dinge müssen jetzt einfach vor den überlebenswichtigen Dingen zurückstehen. Sigrun würde in einer umgekehrten Lage bestimmt auch nicht zögern, und wird das sicher verstehen.

Und so beginnt die Bootsfrau, Sigrun vorsichtig, aber recht flott aus den feuchten Sachen zu schälen, nachdem sie die zweite Decke griffbereit zurechtgelegt hat.



Darian lauscht den Worten des Geweihten und bestätigt dessen Diagnose mit einem kurzen Nicken.

"Zudem sollte sie ...", er zögert einen Moment, ´von der nassen Kleidung befreit werden´, wie hört sich denn das an? "... etwas trockenes zu Anziehen bekommen", vollendet er den Satz schließlich etwas umständlich. "Am wichtigsten ist jedoch, dass sie erst einmal wieder zu sich kommt. Vielleicht sollten wir versuchen ihr einen Schluck des Tees einzuflößen", schlägt er vor. Der Trank dürfte einen recht intensiven Geschmack haben, zumindest Darian kann ihn deutlich riechen, obwohl der Smutje gut einen Schritt weit entfernt steht.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Garulf und Darian


Die Anweisung der Bootsfrau ist klar, an wen die Anweisung geht, dagegen nicht. Waren ihre Worte jetzt an Garulf oder an den Adeptus gerichtet? Eigentlich wäre Garulf jetzt ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass er Sigrun den Tee einflößen soll, schließlich ist er der Smutje und der andere Passagier. Doch eben jener andere hat gerade eben noch mit der Bootsfrau gesprochen, so dass er durchaus gemeint sein könnte. Außerdem ist der andere ein Zauberer und die kann man sehr leicht verärgern. Wenn er es jetzt selbst tun will, dann sollte man ihm besser nicht die Arbeit aus der Hand nehmen, wenn er aber erwartet, dass er selbst nicht mit Hand anlegen muß, dann verärgert man ihn umso mehr, wenn man ihm denn den Becher übergibt. Garulf hat wenig Lust als Kröte zu enden, so dass er ganz unthorwalsch, unschlüssig und unsicher mit dem für Sigrun bestimmten Gebräu in der Hand herumsteht.



Zauberer sind seltsame Menschen und sehr gefährlich, daher hält man sich von ihnen möglichst fern. Ansonsten reizt man sie bloß und dann verwandeln sie einen in eine Kröte oder man wird von Dämonen gegrillt. Der etwas finstere Schiffsmagus, dessen letzter Kontakt mit Garulf nicht gerade erfreulich für den Smutje war, bildet da keine Ausnahme. Aber dieser hier scheint erstaunlich vernünftige Ansichten zu haben. Ja, am liebsten würde Garulf selbst der Matrosin aus den nassen Klamotten helfen. Ein leichtes Grinsen stiehlt sich in sein Gesicht, als er daran denkt. Der Trank befindet sich immer noch in seiner Hand, zwar schlägt der Magus - auch diesmal geradezu auffällig vernünftig - vor ihn Sigrun einzuflößen, aber niemand schickt sich an, es auch wirklich zu tun. Er tritt an den Tisch heran und hebt den Becher erneut.

"Soll ich ma oder willstes selbst versuchen?"

Ob damit die Bootsfrau oder der Zauberer gemeint ist nicht ganz klar.



Na endlich rückt der Smutje den Becher raus. Er scheint durch irgendwas völlig verunsichert zu sein, etwas, das man von einem solchen Mann nun überhaupt nicht erwartet. Aber es ist natürlich andererseits nur allzu verständlich, schließlich wurden ihnen gerade eben die Gefahren des Meeres deutlich vor Augen geführt. Ein solches Erlebnis mag für einen Seemann eine größere Bedeutung haben als für einen Landmenschen. Aber für psychologische Analysen ist nun wirklich keine Zeit. Ebenso wortlos wie Garulf, nimmt Darian den Becher entgegen. Er tritt an den Tisch heran und führt den Becher vorsichtig an Sigruns Mund. Dieses Vorhaben ist alles andere als einfach, da der Adeptus zum einen der Bootsfrau nicht im Wege stehen möchte, zum anderen dieses damit begonnen hat, die Matrosin auszuziehen und schließlich soll es nicht so aussehen, als schaue der junge Magus auf andere Teile ihres Körpers als den Mund. Schließlich ist es vollbracht und die ersten Tropfen, vielleicht ein Flux, vielleicht auch nur ein halbes, fließen über Sigruns Lippen. Der Adeptus wartet ab, ob die Bewusstlose den Trank schluckt.



Oha, der Zauberer scheint bereits ziemlich gereitzt zu sein, jetzt nur keinen weiteren Fehler machen. Um nicht, wie von Ottam, wegen irgendwelcher Anredefehler zur Rechenschaft gezogen zu werden und auch zur Vermeidung kindischen Gestammels, übergibt der Smutje dem Magus wortlos den Becher und zieht seine Hand dann fast etwas hastig zurück. Besser gar keine so leichte Angriffsfläche bieten, bei Zauberervolk weiß man ja nie, man reicht ihnen den kleinen Finger und im nächsten Moment ist man eine Kröte oder so was ...



Der bewusstlosen Matrosin soll der Trank eingeflößt werden und letztenendes ist es egal, wer es tut, Hauptsache es tut irgendwer und das möglichst bald. Der Smutje, steht noch immer im Raum und guckt Löcher in Luft, während er den Becher hält. Der Adeptus streckt ein Hand Garulfs Richtung:

"Wenn ihr es nicht selber tun wollt, dann lasst es mich tun, mit warten und zögern ist hier keinem gedient".

Darians Tonfall ist freundlich aber bestimmt.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Nirka


Während Nirka Sigrun weiter "auspackt", beobachtet sie die kurze Interaktion zwischen Smutje und dem Magier so aufmerksam, wie es eben nebenbei so möglich ist. Kurz schleicht sich auch ärger in ihr Gesicht, weil der Koch das ganze in ihren Augen überflüssig lange verzögert, indem er nicht einfach zur Tat schreitet, doch in Anwesenheit des Magiers möchte sie da nicht weiter eingreifen.

Schließlich hat sie Sigrun weitgehend entkleidet, und sofort in die Decke eingewickelt, die sie von Amegs Stapel genommen hat. Vermutlich wird das nicht die erste Decke bleiben, aber diese hat jetzt erst einmal die Aufgabe, die verbleibende Nässe aufzunehmen - die nächste Decke wird Sigrun dann wirklich wärmen.

Bei all der Aus- und Einpackerei achtet Nirka darauf, Sigrun nicht zu sehr zu bewegen, um es dem Magier nicht zu schwer zu machen, ihr den Trank einzuflößen - Sigrun soll den schließlich trinken, und nicht darin baden!

"Trink, Sigrun!" flüstert sie dann, in der Hoffnung, dass diese ihre Worte die Bewusstlose irgendwie erreichen können.

Das Eintreten Ole's und seiner beiden Begleiter bekommt die Bootsfrau erst einmal nicht weiter mit, denn jetzt, wo Sigrun in die noch halbwegs trockene Decke gehüllt ist, beginnt sie, die Freundin damit trocken und warm zu reiben.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hesindian's Heilkunde


Mit gerunzelter Stirn verfolgt Hesindian das Aufeinanderprallen von Garulf und Darian. Obwohl die beiden oberflächlich höflich miteinander umgehen, entgeht dem Geweihten nicht, dass zwischen den beiden eine Art von Spannung herrscht, die er jedoch nicht näher definieren kann. Zumindest ist es keine tiefe Freundschaft, die zwischen den beiden Männern fast Funken schlägt.

Eine Explosion ist das letzte, was sie in der ohnehin überfüllten Messe jetzt brauchen können, und so entschließt sich Hesindian, die beiden irgendwie abzulenken.

"Habt Dank für Euren belebenden Trank, hochverehrter Herr Koch." wendet er sich also mit übertriebenem Lächeln an den Smutje, "Ich bin sicher, dass er der armen Matrosin sicherlich helfen wird. Doch hörte ich nicht auch von einem tapferen Matrosen, der diese Frau aus den Fluten zog? Vielleicht solltet ihr einmal nach seinem Befinden sehen und ihm ebenfalls etwas von Eurem Gebräu bringen. Einige Decken wären sicherlich auch nicht schlecht." merkt er an, als sein Blick auf Traviane und den durch den Türspalt verschwindenden Ameg fällt.

"Schließlich wird dieser Held nicht weniger nass geworden sein. Wollt ihr nicht sehen, ob ihr ihm nicht ebenfalls einige dieser Decken bringen könnt?" fragt er Traviane schließlich.

Sollten die beiden auf seine Vorschläge eingehen, würde es in der Messe vielleicht frei genug werden, dass man sich vernünftig um die arme Matrosin kümmern könnte.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Garulf's Befürchtungen


Nicht nur der Zauberer ist gereizt, was alleine schon fast so gefährlich ist, wie ein Faß Hylailer Feuer, auch der Geweihte scheint mit irgendwas unzufrieden zu sein. Zwar verwandeln Hesindegeweihte keine Menschen in Kröten, aber einen Geweihten der Zwölfe verärgert man trotzdem besser nicht, man will schließlich nicht in den Niederhöllen enden. - Außerdem hat er ja sogar Recht mit dem was er sagt, wenn tatsächlich jemand selbst ins Wasser gegangen ist, um Sigrun zu retten, dann ist er wohl ebenso nass und unterkühlt. Also auf in die Kombüse und noch einmal das Feuer entfacht, zum Glück nimmt die Karavelle langsam wieder Fahrt auf und liegt daher wenigstens etwas stabiler im Wasser. Einfach wird es bei diesem Wind trotzdem nicht. Hesindian ein leicht grummelndes "jawohl, sofort", zuwerfend tritt er aus der Messe hinaus und ist im nächsten Augenblick auch schon in der Küche verschwunden um mit der Arbeit zu beginnen.



Einmal mehr tut Garulf das, was er an einem solchen Tag normalerweise niemals tun dürfte und auch nicht tun würde: Er entfacht ein Feuer um Wasser zu erwärmen. Wieder handelt es um eine sehr kleine Flamme, die unter strengster Kontrolle brennt, wieder einmal wird ein Trinkgefäß voll Süßwasser erhitzt, wieder einmal ist das Gebräu für einen über Bord Gegangenen bestimmt.



Auch die zweite Portion Wasser ist erhitzt. Nachdem der Smutje auch diesmal das Feuer mit äußerster Sorgfalt gelöscht hat, wird auch diesmal das heiße Wasser mit einer speziell für solche Fälle vorgesehenen Kräutermischung versetzt, die nun eine Weile ziehen muss, bevor Premer Feuer - als zweiter Hauptbestandteil - und Gewürze den Abschluss bilden können. Garulf nutzt die Zwangspause dazu um die Vorräte hier in der Kombüse, insbesondere die an Premer Feuer, zu begutachten. Missmutig stellt er fest, das die Flasche gerade noch genug für den Trank enthält.

´Fehlt noch was? Nich dass ich hier dauernd hin und her renn muss ...´



Garulf beendet seine Vorratsinspektion, nachdem er festgestellt hat, dass bis auf Feuer nicht weiter fehlt. Der Kräuteraufguss muss noch eine Weile ziehen, daher lehnt sich Garulf erstmal an die Wand und beginnt damit, einen weiteren Apfel zu vertilgen.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Nirka und Darian


Mit kräftigen Bewegungen reibt Nirka die Freundin systematisch trocken, doch wenn jemand ganz genau hingucken würde, könnte er durchaus auch ein wenig Zärtlichkeit in ihren Bewegungen bemerken - in der Art, wie sie deren Lage ändert, wie sie die Decke um Arme und Beine legt.

Ohne diese Tätigkeit zu unterbrechen, sieht sie zu dem jungen Magier auf, und fragt leise:

"Könnt Ihr herausfinden, ob ihr mehr geschehen ist als diese Unterkühlung?"

Hoffnung, aber auch die tiefe Zuneigung zu Sigrun sprechen aus diesen Worten.



Die Bootsfrau fragt ihn nach seiner Diagnose. Darian setzt den Becher mit dem Erweckungstrunk für Sigrun ab und schaut Nirka an.

"Das kann ich so auf die schnelle leider nicht genau feststellen. Sie ist äußerlich nicht verletzt, wenn man von der harmlosen Wunde hier", er zeigt auf die Stelle in Sigruns Gesicht, "absieht. Es ist natürlich nicht völlig auszuschließen, dass sie innerlich verletzt sein könnte. Doch angesichts der Tatsache, dass sie ins Wasser stürtzte - und nicht etwa auf festen Boden - ist eine solche Verwundung hinreichend unwahrscheinlich."

Kaum hat er diesen Satz zu Ende gesprochen, zweifelt er auch schon an seinen Worten.

´Was, wenn sie gegenden Rumpf des Schiffes gedrückt wurde?´

Aufmerksam beobachtet der Adeptus den Atemrhythmus der Matrosin. Ihr Atem ist flach und langsam, aber regelmäßig, so wie man es bei Bewusstlosen erwartet. ´Im Brustbereich scheint sie Unverletzt zu sein, aber sonst? Andererseits, sollte sie wirklich an das Schiff gestoßen sein, dann müssten Blutergüsse sichtbar sein.´ Zwar hat Darian die Frau nicht darauf untersucht - und hat dies auch nicht vor, schließlich will er nicht missverstanden werden - aber der Bootsfrau, die Sigrun so hingebungsvoll trocknet, wären großflächige Blutergüsse sicherlich nicht entgangen.

"Sind Euch beim Trockenreiben Blutergüsse oder gebrochene Rippen aufgefallen?" Fragt er Sicherheitshalber nach. Ob Sigrun den Trank tatsächlich geschluckt hat, ist ihm durch die Ablenkung entgangen.



Während die Bootsfrau liebevoll Sigruns Arme trockenreibt, antwortet sie langsam:

"Ein wenig schon, aber das wundert mich nicht, sie hat sich ja zu Beginn an der Trosse hinterher ziehen lassen."

Dann stockt sie, als ihr bewusst wird, dass der Magus das ja gar nicht wissen kann.

"Wisst Ihr, wir hatten eine Trosse genau für solche Zwischenfälle ausgeworfen, die das Schiff hinterher geschleppt hat. Und das hat sie geretten, und daher kommen diese Spuren - das sieht man deutlich."

Nirka geht da nicht weiter drauf ein, warum sie sich so sicher ist - aber sie hat derlei schon oft genug gesehen, und weiß, dass sie selbst im Moment unter ihrem Hemd auch nicht anders aussehen wird, nachdem ihr Gewicht und das Sigruns nur von der Trosse gehalten wurden, die sie sich um die Taille gelegt hat.

"Ansonsten ist sie geradewegs ins Wasser gefallen, und ich glaube nicht, dass sie irgendwo angestoßen ist."

Auch das begründet die Bootsfrau nicht näher, woher sie diese Sicherheit nimmt, aber sie möchte einfach nicht unnötig Zeit verlieren.

"Sicher ist aber, dass das Wasser verdammt kalt ist."

Nach diesen Worten bettet Nirka den Kopf ihrer Freundin behutsam auf einen Zipfel der Decke, den sie extra dafür trocken gelassen hat, und sieht den Magier dann fragend und auch hoffnungsvoll an.



Wieder hört sich Darian den Bericht der Bootsfrau an.

´Eine Trosse, ... aha daher ... nicht angestoßen, gut ...´

"Nun, wenn sie nirgendwo angestoßen ist, können wir ernsthafte Verletzungen so gut wie ausschließen." gibt er schließlich zur Antwort.

"Gegen die Unterkühlung können wir kaum mehr machen, als sie in warme Decken einzuwickeln, ein Feuer können wir hier wohl kaum entfachen ..." Einen Moment erinnert sich der Adpetus daran, von einer Formel gelesen zu haben, die es erlaubt, die Temperatur eines Körpers nach Belieben zu verändern. Bedauerlicherweise beherrschen den CALDOFRIGO DRACHENBLUT aber nur einige wenige tulamidische Magier, nicht aber ein junger Absolvent der Akademie der Verformungen zu Lowangen ...

"Und der heiße Trank wird ihr ebenfalls helfen. Wenn sie doch nur zu Bewusstsein käme." Sagt er halb zu sich selbst. Er setzt den Becher erneut an doch bevor er der Matrosin den nächsten Schluck einflößt, kommt ihm noch eine weitere Frage in den Sinn:

"Ist sichergestellt, dass sie kein Wasser in die Lungen bekommen hat bzw. dieses entfernt wurde?"



Nirka zuckt etwas zusammen, als der Magus das mit dem Wasser in der Lunge sagt, doch sie wird gleich wieder etwas ruhiger, und antwortet:

"Ich habe sie auf dem Deck auf die Seite gelegt, und sie hat leise geatmet, aber kein Wasser ausgespuckt. Geschluckt hat sie bestimmt welches, aber das hat sie, denke ich, bei der Bergung schon ausgespuckt. Ansonsten hätte ich das doch vorhin merken müssen, oder?"

Es gelingt der Bootsfrau nicht, ihre Angst und Sorge in der Stimme zu verbergen, und auch der fragende Blick, den sie dem Magus zuwirft, ist voller Sorge.

Ihre Hände indes ruhen nicht, sondern reiben Sigrun kräftig weiter trocken - und damit natürlich auch warm. Lange wird es wohl nicht mehr dauern, bis diese Decke für diesen Zweck einfach zu feucht ist, aber es liegt ja auch noch ein größerer Stapel herum.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hesindian's Heilkunde


Verwirrt verfolgt Hesindian den Dialog zwischen Darian und Nirka, wie sie den Zustand der bewusstlosen Matrosin ausdiskutieren. Inzwischen liegt die arme Frau dort schon seit einigen Minuten, ohne dass sie jemand ernsthaft untersucht hätte.

Zwar liegen die Unterrichtsstunden bei Meister Paluksä schon einige Monate zurück, und in der Praxis hat sich Hesindian auch nie wirklich geschickt angestellt, doch hier wird kein Rätselraten die Matrosin von Golgarin's Schwingen holen, sondern nur ein beherztes und entschlossenes Vorgehen. Der Magus scheint mit dieser Aufgabe überfordert zu sein, und von den anderen Anwesenden scheint niemand auch nur annähernd in der Heilkunst bewandert zu sein.

'Unter den Blinden ist der Einäugige König' denkt sich Hesindian und verflucht sich sogleich dafür, derart schlecht von den anderen und sich zu denken, schließlich geht es hier um das Leben einer Unschuldigen. Wütend beisst er die Zähne zusammen und sammelt die Aggression in sich, konzentriert sie und kanalisiert sie in Entschlossenheit.

"Tretet bitte einen Schritt zur Seite," meint er mit einem nachdrücklichem Ton zu dem Adeptus, mit dem anzureden er den Adeptus sonst nie gewagt hätte.

"Das wichtigste ist zunächst, die Lebenszeichen der Patientin zu überwachen. Herzschlag und Atem können immer noch als Folge eines Schocks aussetzen. Außerdem müssen wir die nasse Kleidung entfernen, sonst bekommen wir niemals etwas Wärme in ihre kalten Glieder."

Bei dem Stichwort dreht er sich zu den anderen Anwesenden um.

"Wer hier nichts mehr beisteuern kann, sollte lieber den Raum verlassen. Wir brauchen Platz zum Handeln, ansonsten stört Ihr nur. Wir können aber noch heißes Wasser, Binden und saubere, trockene Kleidung gut brauchen." setzt er hinzu, um den Angesprochenen die Möglichkeit zu geben, sich dennoch irgendwie nützlich zu machen und sich nicht mit dem unschönen Gefühl der Nutzlosigkeit trollen zu müssen. Außerdem können die aufgezählten Dinge durchaus bei der Behandlung hilfreich sein.

"Und Ihr," meint er mit errötendem Gesicht zu Nirka, "müsst mir bei der Entkleidung Eurer Freundin zur Hand gehen."

Dabei geht er natürlich davon aus, dass in erster Linie Nirka die pikanten Handlungen ausführen wird.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hjaldar und Nirka


Aufmerksam verfolgt Hjaldar das Gespräch zwischen Darian und der Bootsfrau. Da seine Frage nicht direkt beantwortet wurde, geht er davon aus, dass er zumindest jetzt gerade nicht helfend mit zupacken kann.

Gut gemeinte Ratschläge kann man jedoch immer geben, zumal Hjaldar sich durchaus einbildet von sowas auch ein wenig zu verstehen.

"Also, wenn'ihr mich fragt, sollt'mer se aaltovoorderst mal wach mooken, wenn dat irgendwie geit. Denn schullt se dat Wooter gliik utspein, wenn'se wat im Rachen hett. Un' denn schluckt se dat ooch," er deutet auf den Becher in des Magiers Hand "anstatt dasse det ooch innen falschen Hals kriegt."



Die Bootsfrau reibt Sigrun weiter warm, während sie dem lauscht, was Hjaldar da vorschlägt. Er hat damit ihrer Meinung nach recht, aber sie weiß, dass der Adeptus sicherlich mehr weiß als sie, so dass sie sich jeden Kommentar dazu spart.

Dann spricht der Geweihte, und sie ist versucht, sofort zur Seite zu treten, auch wenn das zutiefst ihren eigenen Wünschen zuwiderliefe, doch dann stockt sie mitten in der schon begonnenen Bewegung. Erst blickt sie Hesindian fast bestürzt an, als er aufzählt, was alles zu machen ist, das aber zum Teil schon getan ist, dann weicht die Bestürzung jedoch fast einer Andeutung eines Lächelns - und sie tritt nicht wesentlich zur Seite, sondern fährt fort, Sigrun durch kräftiges Reiben zu wärmen.

"Keine Sorge, das ist schon getan."

Sie weist knapp mit der Hand auf den Haufen feuchter Sachen, die sich auf ihrer Seite des Tisches - für den Geweihten damit wohl weitgehend unsichtbar - auf dem Boden stapeln.

'Vermutlich war er so ins Nachdenken vertieft, dass er gar nicht mitbekommen hat, was wir hier getan haben...'

Höflich fährt sie fort:

"Sie atmet schwach, und ihr Herz schlägt auch."

Sie überprüft das jedoch sofort noch einmal, auch wenn sie sich durch den ständigen Körperkontakt beim Warmreiben in dieser Beziehung ziemlich sicher ist.

"Ihr habt aber recht, diese Decke hier ist wohl allmählich wirklich zu nass, aber wir haben ja noch genug trockene - Ameg und Traviana haben ja jeweils nicht gemerkt, dass der jeweils andere schon Decken geholt hat."

Sie macht dabei zwar den Fehler, Ameg zu unterstellen, auch Traviana übersehen zu haben, während es in Wirklichkeit nur anders herum der Fall war, doch dazu ist sie im Moment viel zu sehr gedanklich und körperlich beschäftigt, um das überhaupt mitzubekommen.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Darian wundert sich


Was ist bloß mit dem Geweihten los? Regt sich über die Untätigkeit der Anwesenden auf, tut dabei selbst nichts und bekommt nicht einmal mit, was bereits getan ist. Augenblicklich verfinstert sich die Mine des Adeptus, zwar würde er niemals auf die Idee kommen, einen Geweihten der Zwölfe, noch dazu der Herrin HESinde, mittels Magie zurechtzuweisen oder auch nur an dessen Wort zu zweifeln, doch wer meckert, der soll es selber besser machen.

"Gut, dann versucht IHR doch die Frau wach zu bekommen," erwidert Darian dem Geweihten, wobei er das Wort ´IHR´ sehr stark betont, ohne weiteren Kommentar drückt er Hesindian den Becher in die Hand.

Für einen kurzen Moment überlegt Darian einfach den Raum zu verlassen, doch zum einen wird man ihn hier noch brauchen, falls die herkömmlichen Mittel versagen sollten, zum anderen will er sich nicht entgehen lassen, wie Hesindian sich mit Sigrun anstellt.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hesindian wundert sich


Was ist bloß mit dem Adeptus los? Statt sich um das Wohl der Matrosin zu kümmern, wird er hitzig und verliert jeden Sinn für Höflichkeit. Andererseits bricht er auch keinen Streit vom Zaun, sondern überlässt es Hesindian, sich der Versorgung der Matrosin zu widmen, wofür er ihm sehr dankbar ist.

Dass er übersehen hat, dass Nirka sich bereits um die Entkleidung der Patientin gekümmert hat, lässt seine Gesichtsröte jedoch noch heller erstrahlen. Was für einen Eindruck macht er denn mit seinen großspurigen Worten, wenn er sich dann solche Patzer erlaubt? Wo er doch selbst schon Mühe hat, Sicherheit in sich zu finden, ist es nicht hilfreich, diese Unsicherheit nach außen dringen zu lassen.

'Vertrau in die Götter und hilf dir selbst, dann stehen sie dir bei und es wird dir gelingen.'

"Mutter HESinde, Gütige PERaine, im Vertrauen in Eure Macht bitte ich, steht dieser armen Frau bei, die EFFerds Fluten soeben entkam."

Hesindian spürt, wie neue Zuversicht und Mut ihn durchspült - und die Röte in seinem Gesicht wieder abnimmt. "Wer hier nichts zu suchen hat, sollte jetzt besser gehen." warnt er nochmal, während er Puls und Atem der Patientin selbst nochmal überprüft, indem er an ihrem Hals nach der charakteristisch pochenden Stelle sucht und sein Ohr über ihren Mund hält. Hesindian will zwar Nirkas Bericht nicht in Frage stellen, doch muss er sich selbst einen Eindruck von der Lage verschaffen.

"Wie heißt Eure Freundin?" fragt er Nirka, denn der Name der Patienten ist in diesem Raum noch nicht gefallen.



Nirka runzelt die Stirn, als der Geweihte das nachprüft, was sie ohnehin schon weiß und gesagt hat. Doch sie sagt nichts, schließlich ist ER der Gelehrte, und wird schon wissen, was er tut.

Doch das Stirnrunzeln verschwindet nicht, eher im Gegenteil, es wird stärker. Wie kommt der Geweihte auf "Freundin"? Es stimmt natürlich, aber er kann das im Grunde doch kaum wissen... oder doch? Weiß HESinde es? Sicher... ebenso wie die andere Elf..

Nirka überspielt ihre zunehmende Unsicherheit dem Geweihten der Göttin Hesinde gegenüber, indem sie rasch Auskunft gibt:

"Sie heißt Sigrun Persdotter."

Die Art, wie sie den Namen ausspricht, spricht dagegen sehr wohl von Freundschaft, und auch noch von mehr als Freundschaft...



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Anselm


Stillschweigend hat sich Anselm die Diskussion über die verletzte Frau angehört. Besonder fiel ihm dabei auf, dass meist nur über eine mögliche Behandlung geredet wurde, anstatt dass man wirklich was tut. Ihm kam das ganze vor wie die Diskussion einer Gruppe von Quacksalbern, die in Gegenwart des unglücklichen Patienten beraten, was denn nun zuerst abgeschnitten wird.

Als dann endlich der Geweihten 'zupacken' will und schroff alle auffordert, die Messe zu verlassen wollte, Anselm dies eigentlich auch mit ein paar bösen Worten gegen den Geweihten tun. Aber sein gesunder Menschenverstand warnte ihn davor, einen Kenner der arcanen Künste zu erbosen.

Dafür hat Anselm sich ein, zwei Schritte vom Tisch entfernt, um die Leute arbeiten zu lassen. Nun steht er nahe an der Wand und schaut interessiert zu, wie der Geweihte seine Arbeit verrichtet.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Darian wundert sich weiter

Der Geweihte scheint ja ein rechtes Plappermaul zu sein, erst fordert er lautstark Taten, scheucht jetzt sogar alle anderen aus dem Raum, doch selbst scheint ihm auch nichts einzufallen. Was tut er jetzt? Er fragt nach ihrem Namen! Als wenn DAS eine Rolle spielen würde ...

Darian nimmt das alles mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis. Er wartet jetzt geradezu auf den Augenblick, an dem er Hesindian mit seiner Magie aus der Patsche helfen muß ...



NORDSTERN - In der Messen: Sigrun's Wiederbelebung - Hesindian und Nirka


Hesindian nickt, als Nirka ihm Sigruns Namen nennt. Es ist wichtig, einen Bezug zu der Patientin aufzubauen, und ihr Name ist dabei unentbehrlich.

"Sigrun? Sigrun, hören Sie mich!" fragt er die Matrosin mit ruhiger, aber drängender Stimme. Dabei rüttelt er erst sanft ihre Wange, um ihr dann eine lockere, nicht kraftvolle Ohrfeige zu geben.

"Sigrun!"



Gespannt, aber auch etwas besorgt, sieht Nirka zu, wie Hesindian an Sigruns provisorisches Lager tritt, und sie dann auf eine höchst normale Art zu wecken versucht. Wenn die Situation nicht so ernst wäre, würde die Bootsfrau sogar grinsen, denn genau das hat sie ja auch schon draussen in ähnlicher Form versucht, und das weitaus lauter. Sie hat ihre Freundin zwar nicht geschlagen, aber beim Transport und auch beim Trockenreiben nicht wirklich immer sanft angefasst.

"Verzeiht, aber ich fürchte, dass das SO nichts wird", sagt sie dann, während sie von dem von Ameg mitgebrachten Stapel eine weitere, noch richtig schön trockene Decke aufhebt.

"Dann hätte sie bei dem Krach oben, und beim Runtertragen schon aus der Ohnmacht erwachen müssen!"

Sie tritt bei diesen Worten wieder näher heran, die Decke in der Hand, und anscheinend entschlossen, diese gegen die recht feuchte auszutauschen, in die Sigrun gehüllt ist.



Hesindian blickt kurz auf, als Nirka ihn unterbricht.

"Ich muss mir ein eigenes Urteil bilden, und eine Schilderung der Umstände und Ereignisse, die ich nicht selbst miterlebt habe, sind zwar hilfreich, aber nicht ausreichend." erklärt er kurz angebunden. Seine strenge Miene lockert sich aber, als er die echte Sorge um ihre Freundin in Nirkas Gesicht sieht, und er zwingt sich ein, wie er meint, aufmunterndes Lächeln ab.

"Auch wenn Sigrun sich uns nicht mitteilen kann, so ist sie vielleicht doch in der Lage, uns zu hören. Deshalb ist es wichtig, sie ständig daran zu erinnern, dass wir hier sind, dass wir mit ihr sprechen, damit sie aus ihrem Dämmerzustand erwacht."



Nirka runzelt die Stirn erneut - das weiß sie doch selbst, und schließlich hat sie genau das die ganze Zeit lang immer wieder getan. Und sie glaubt eigentlich sehr sicher, dass ihre Stimme dafür viel geeigneter als jede andere ist, doch das kann sie dem Geweihten unmöglich so sagen.

Also beschränkt sie sich darauf, zu nicken, und tritt noch ein Stück dichter heran, und beginnt, von den Füssen an aufwärts die trockene Decke unter die feuchte zu schieben - so ziemlich die einzige Methode, das zu vollbringen, ohne Sigrun komplett aufzudecken.



Ein leichtes Grinsen stiehlt sich auf das Gesicht des Adeptus, als er die vergeblichen Versuche des Geweihten beobachtet. Jetzt versucht er sie aufzuwecken, wie einen Thorwaler, der einen über den Durst getrunken hat.

Selbst die Bootsfrau, die gewiss keine Heilerin ist, sieht ein, dass es so nicht gehen kann. Der Zauber, den der Heiler in Salzerhaven auf die junge Alkinoê gesprochen hat, der könnte hier gute Dienste leisten. Leider hatte die Freifrau, mit ihrer Überheblichen Art, den Mann vergrault, bevor Darian die Gelegenheit zu einem Gespräch mit ihm hatte. Aber was solls, wenn der Heiler wirklich ein sog. ´Magiedilletant´ war, so hätte er ohnehin keine Formel vermitteln können. Ein leichtes Kopfschütteln begleitet die Beobachtung des Geweihten, der so schnell mit seinem Bosparano am Ende ist.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Traviana entfernt sich


Traviana weiß nicht so recht, was sie hier noch machen soll. Ihre Hilfe wird hier wohl gerade nicht gebraucht, also entschließt sie sich, sich einmal nach anderer Arbeit umzusehen...

Sie sieht noch einmal nach der Bootsfrau, die Sigrun wärmt, und geht dann langsam in Richtung Ausgang der Messe...



Den Blick, den Traviana ihr zuwirft, bemerkt die Bootsfrau nicht, ebenso, wie ihr der langsame und vorsichtige Abgang der Matrosin nicht weiter bewusst wird - ihre Gedanken und Tätigkeiten sind einfach ganz woanders.

Sie hält mit dem Deckentausch kurz inne, als der Geweihte beginnt, Sigrun von der anderen Seite her aufzudecken.

Kurz schleicht sich so etwas wie Verärgerung in ihren Gesichtsausdruck, als ihr klar wird, was genau der Geweihte da vorhat, doch als sie seine Worte hört, und die Röte in seinem Gesicht sieht, weicht diese Verärgerung trotz der ernsten Situation einer gewissen Belustigung - insbesondere, als ihr klar wird, wie albern Bedenken an der Stelle sind, und dass Sigrun das ganz bestimmt genauso sehen wird.

So zieht Nirka die feuchte Decke kurzentschlossen komplett weg, was die Fortsetzung des Tausches sehr vereinfacht: Rasch schiebt sie die neue Decke in Richtung von Sigruns Kopf, und hält dann dicht neben Hesindian inne, um ihn nicht zu behindern.

"Sigrun, wach auf!" flüstert sie dabei leise.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Wärme


Da ist etwas Warmes!

Bisher war alles kalt - kalt und dunkel.

Aber jetzt ist da etwas Warmes. Es stört beim Atmen, ist irgendwie im Weg. Wie bekommt frau es da nur weg? Nur schwer kann Sigrun sich erinnern, was in einem solchen Fall zu tun ist.

Die junge Matrosin hat das Bewusstsein noch nicht wiedererlangt und obwohl ihr Körper sich von außen jetzt sicherlich schon wieder wärmer anfühlt, schließlich hat Nirka fleißig gerieben, kann Sigrun noch keine Wärme spüren außer an dieser einen Stelle - ihrem Mund. Noch hat sie ihn nicht als solchen erkannt und wohl eher reflexartig als gezielt führt sie die Bewegung aus, die den Atemweg wieder freilegt: Sie schluckt.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hjaldar amüsiert sich


Ziemlich amüsiert beobachtet Hjaldar das Ganze hin und her um die bewusstlose Matrosin. Wirklich beunruhigt über deren Zustand ist er eigentlich nicht mehr - die Tatsache, dass sie eindeutig atmet und sie nicht rapide blasser wird - eher im Gegenteil, bei der Bootsfrau Bemühungen, sie trockenzureiben (seines Erachtens zur Zeit die einzig hilfreiche Aktion überhaupt) - sind ihm eigentlich Zeichen genug, dass es nicht mehr allzu kritisch ist. Wenn nicht der olle Langschläfer da oben gezielt anders will, wird's einfach nur noch ein bisschen dauern, bis sie auf ihre Umgebung reagiert.

Grund seiner Erheiterung sind hauptsächlich das albern anmutende Getue der Bootsfrau, dass sich ja nieman(n)d was weg gucken kann an der Matrosin (vielleicht sollte er sie (die Bootsfrau) mal in ein echtes thorwalsches Schwitzbad einladen?), aber auch der Hickhack zwischen den beiden Gelehrten bringt ihn zum Grinsen - das erinnert doch stark an die Quacksalber im Felde, von denen zwei auf einem Haufen gefährlicher als eine bis an die Zähne bewaffnete Axtschwingertruppe sind. Die lustige Gesichtsfarbe des Geweihten, als er seinen Kopf auf deren Brust legt und seine Augen fast nach innen dreht, lässt ihn dann letztendlich kichernd losprusten.

Bei all den Unterhaltsamkeiten drumherum, übersieht er dennoch nicht eine durchaus wichtige Kleinigkeit.

"Ähm ..." beginnt er grinsend und immer noch kichernd "wenn jo denn man Tiid hebbt, dat Deern ook mal an to kieken, wie et ihr geit - sie hett grood 'n Schlucken von em Smutje sin Deibelstrunk 'nommen."



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun's Wiederbelebung - Hesindian's Heilkunde


Erleichtert hebt Hesindian den Kopf wieder. Die Atemgeräusche waren nicht mit dem verräterischen Blubbern versetzt, das selbst geringe Mengen Wasser in der Lunge erzeugten. Jetzt hatte er auch Zeit, sich um andere Unannehmlichkeiten zu kümmern.

"Sind vielleicht noch weitere Medici anwesend, die mich mit ihren Ratschlägen beglücken möchten?" setzt er in einem ätzenden Tonfall in den Raum, um auf die Äußerungen Hjaldars zu antworten, ohne ihn dabei direkt anzusehen oder sich gar nach ihm umzudrehen. "Lachen soll zwar eine gute Medizin sein, aber nur, wenn es der Patient tut, NICHT die gaffende Menge." setzt er mit aufsteigender Wut hinzu, die sich deutlich in seiner Stimme wiederspiegelt.

"Falls Ihr also über fundierte Kenntnisse verfügt, so lasse ich Euch gerne an meiner Statt Sigrun versorgen. Falls nicht," und die Betonung lässt keinen Zweifel offen, dass der Geweihte nicht an erstere Möglichkeit glaubt, "dann wäre ich Euch verbunden, wenn Ihr die Messe verlassen würdet und Euch irgendwo nützlich macht, anstatt hier meine Konzentration zu stören! Das gilt übrigens für alle!"

Nichtsdestotrotz ist die Beobachtung des Thorwalers korrekt, dass Sigrun an dem Gebräu schluckt, das Darian ihr eingeflößt hatte. Verdammt! Wie hatte er übersehen können, dass sich noch etwas von der Flüssigkeit in Sigruns Mund befand? Was war damit gewonnen nachzuprüfen, ob die Matrosin Wasser geschluckt hatte, wenn sie gleichzeitig an dem Trank des Kochs erstickte.

Schnell legt Hesindian Sigruns Kopf zurück und öffnet dadurch ihren Mund einen Spalt, um zu prüfen, ob sich noch ein Rest der Flüssigkeit in ihrem Mund befindet. "Sigrun? Sigrun!" beschwört er nocheinmal die Bewusstlose, schließlich hat der einsetzende Schluckreflex nicht nur ihr Leben gerettet, sondern ist zugleich vielleicht ein Zeichen, dass die Frau ihr Bewusstsein zurückerhält.



Hjaldars Grinsen wird noch ein ganzes Stück breiter,wo sich der Geweihte doch so schön ärgert... "Nee, Du mookst dat al ganz goud! Se wat aber trotzdem gliik oopwaken. Un' denn sollt'mer se wohl inne Koje bringen, hm, Bootsfrau?"

Zwar weiß Hjaldar nicht, was Nirka und Sigrun wirklich verbindet, dass sie aber sehr gut befreundet sein müssen, ist ihm offensichtlich.

Scheinbar im Widerspruch zu seinen Worten geht er ein paar Schritte am Tisch entlang und greift sich die vier Bierkrüge die dort versammelt stehen - dass es tatsächlich die für ihn und den Zwerg sind weiß er zwar nicht, aber es wäre ihm auch andernfalls recht egal.

"Wenn ihr sowiit seid, sacht Bescheid un' ich pack mit an. Bin direkt draussen." mit diesen Worten schickt er sich an, tatsächlich dem 'Befehl' des Geweihten folge zu leisten - nicht ohne diesem noch ein (seiner Meinung nach) aufmunterndes Lächeln zu schenken.



Da der Geweihte nichts in dieser Richtung sagt, sondern auf die Bemerkungen des Thorwalers eingeht, sieht die Bootsfrau ihre Vermutung, dass Sigrun tatsächlich kein Wasser in der Lunge hat, bestätigt. Sie atmet kurz auf, doch das verbale Geplänkel der anderen zerrt sehr an ihren Nerven - am liebsten würde sie der Bitte des Geweihten in Form eines sehr lautstarken Befehls Nachdruck verleihen. Doch... selbst in dieser Situation bleibt ihr bewusst, dass die anderen FAHRGÄSTE sind, die sie weder anbrüllen darf, noch ihnen Befehle zu geben.

So beschränkt sie sich wieder darauf, Sigrun warm und ordentlich komplett zuzudecken und in die wärmende Decke zu hüllen, denn sie weiß genau, dass das im Moment so ziemlich das einzige ist, was sie für die Geliebte tun kann.

Der Geweihte wendet sich Sigruns Kopf zu, weil sie nun doch endlich geschluckt hat, und hilft ihr dabei. Wieder versucht er, Sigrun zu wecken, doch Nirka weiß recht sicher, dass ihre Stimme dazu viel besser geeignet ist, auch wenn sie das Hesindian jetzt ganz sicher nicht erklären möchte.

Statt dessen rückt sie wieder dichter heran, und stützt Sigruns Kopf weich mit einer ihrer Hände, während sie mit der anderen Hand nach der nun nicht mehr feuchten, aber sehr wohl kalten Rechten Sigruns greift, und diese fest drückt.

"Sigrun, du bist in Sicherheit! Ich bin bei dir!"

Den zweiten Satz wollte sie so eigentlich nicht sagen, aber es ist schneller passiert, als sie drüber nachdenken konnte, und so wird auch ihr Gesicht langsam ein wenig rot - wobei man das vielleicht auch auf die Anstrengung und Aufregung schieben könnte... auch wenn diese Reaktion dafür ein wenig spät ist.

'EFFerd und ihr anderen Elf... bitte... lasst sie aufwachen!'



NORDSTERN - Unterdeck: Pfeifenkraut - Meergrün


Da tritt aus der Gemeinschaftskabine ein allzu merkwürdiges Wesen.


was iis denn das

eiin kiind miit bart


Er nimmt einen nachdenklichen Zug aus der Pfeife und bläst einen Rauchring.


helles Haar

tausend Jahr

-Neckerschar


Scheint nicht zu stimmen. Meerjungfrauen sind eher schlank und schön.


Dornenrund

Spießkugel

-Seeigel


Meergrün kratzt sich am Kopf. Die Form stimmt jetzt eher, aber Seeigel haben mehr Spitzen und nicht so eine flauschige Haut.


Hundertarm

Weißgeschlier

-Quallentier


Das würde den Bart erklären, aber andererseits, Quallen leben nur im Wasser und an Bord ist es recht trocken.


Weißes Fell

zittert nie

-Nordyeti


Auch nicht besser, zu warm dafür. Wirklich kein leichtes Problem. Neugierig betrachtet der Klabauter das merkwürdige Fabelwesen.



NORDSTERN - Unterdeck: Pfeifenkraut - Alberik's Wachsamkeit


Nachdem Alberik sich von dem großen Matrosen abgewendet hat, beobachtet er die Szenerie um die vermeintlich Kranke auf dem Tisch.

'Mein Bier kann ich jetzt wohl nicht mehr trinken. Wer weiß, wie ansteckend die Krankheit ist. So nah wie die werde ich mich auf jeden Fall nicht heran wagen. Und ich werde auch nichts anfassen, was dort in der Nähe stand.'

Als der Geweihte der Hesinde, der auch für den Zwergen unschwer als solcher zu erkennen ist, die Personen hier im Raum bittet, aus selbigem herauszugehen, bleibt Alberik für kurze Zeit erst einmal aus Trotz stehen. Niemand sagt Alberik, Sohn des Atosch, wann er zu gehen und wann er zu bleiben hat.

Doch schnell überlegt er es sich anders. Bevor er sich noch ansteckt, verschwindet er lieber aus diesem Raum. Die anderen können ja gerne hier bleiben und sich was auch immer holen. Und irgendwer muss den übrigen, die nicht hier sind, ja auch erzählen, dass hier an Bord eine Krankheit ausgebrochen ist.

Also geht es ab nach draußen. Vielleicht kann man sich gegenüber in der Küche auch noch ein Bier holen? Aber der Geweihte soll nur nicht denken, dass Alberik, Sohn des Atosch, geht, weil irgendwer ihm das sagt.

"So. Viel Erfolg noch beim heilen. Ich....... habe noch etwas wichtiges vor."

Keine sehr gute Ausrede, aber es wird seine Wirkung schon erzielen. Mit dieser Gewissheit geht Alberik schnell nach draußen, bevor noch jemand auf die Idee kommt, nachzufragen, was er denn vorhat. Das geht schließlich niemanden etwas an.



Aus der Messe herausgetreten bleibt Alberik erst einmal stehen und schaut zurück. Niemand scheint sein Verschwinden bemerkt zu haben. Das ist sowohl gut als auch schlecht. Ersteres, weil niemand dumme Fragen stellt, was er denn wichtiges vorhat. Alberik hat nicht vor, denen dort drinnen preiszugeben, dass er sich zum Kapitän aufmachen will, damit dieser von den Kranken an Bord erfährt. Andererseits beweist die Nichtbeachtung seines Verschwindens aber, dass wegen seiner Größe einmal mehr übersehen wurde, was dem Zwerg natürlich nicht gefällt.

'Dagegen muss irgendetwas unternommen werden. Es muss doch eine Möglichkeit geben, den Menschen hier an Bord zu zeigen, dass ich bestimmt mehr leisten kann als die meisten von ihnen.'

Während der Zwerg so vor sich hin überlegt, steigt unbemerkt ein ungutes Gefühl in ihm auf. Seine in den Jahren geschärften Sinne nehmen etwas wahr, was ihm selber noch nicht aufgefallen ist.

'Hier auf dem Schiff sind meine Möglichkeiten natürlich stark eingeschränkt, rundherum gibt es ja nichts außer EFFerds Element. Es müsste schon etwas außergewöhnliches passieren.'

Schon oft hat es ihm das Leben gerettet, wenn er sich von seinen Gefühlen und Instinkten hat leiten lassen, ohne zu wissen, warum sie ihn warnen. Und auch jetzt klopfen sie bei Alberik an, um ihm mitzuteilen, dass er aufpassen soll.

'Vielleicht einen Piratenangriff. Dann würden schon alle sehen, wie meine Axt durch die gegnerischen Reihen fährt.'

Sie teilen ihm mit, dass er bereit sein sollte, dass hier etwas ist, was nicht sein sollte. Sie flüstern und wispern, bis sie vom Zwergen vernommen werden, und auch nachdem dies geschehen ist, flüstern sie weiter in seinem Kopf.

Misstrauisch schaut sich Alberik nun um. Ist die Umgebung schon befremdlich genug für ihn, so gibt es nun irgendetwas, was nicht hierhin passt. Und das sucht er nun. Der Griff um den Axtgriff ist fester geworden, um auf alles vorbereitet zu sein.

'Irgendetwas stimmt hier nicht.'



Auf dem Oberdeck angekommen, legt er rasch die kurze Entfernung zum hinteren Niedergang zurück, um über diesen weiter nach unten zu steigen. Irgendwie ist er froh, aus der Kälte herauszukommen, aber irgendwie ist es jedesmal ein beklemmendes Gefühl für ihn, in die stickige Enge des Schiffsbauchs hinabzusteigen. Unten fehlt ihm immer die Weite des Meeres, irgendwie. Noch einmal sieht er auf das wogende Blau hinaus, atmet tief ein und öffnet dann die Luke hinab, zum Niedergang...



NORDSTERN - Unterdeck: Pfeifenkraut - Meergrün und Alberik


iirgendetwas

stiimmt da so niicht


es iist keiin kind

es iist keiin mann


viielleicht ne frau

miit langem flaum


iich werde mal

von unten schaun


Meergrün springt vom Bord und pirscht sich an das Wesen heran, vorsichtig an die Seite des Ganges gedrängt.


iiih der stiinkt ja

nach altem fett


Jäh bleibt er wie erstarrt stehen.


Schuppenkleid

Stinkebiß

-Basilisk


Doch nach einem Moment des Schreckens, entspannt sich der Klabauter wieder. Der Kapitän würde ja kaum ein solches Monster an Bord nehmen. Sicherheitshalber hält sich Meergrün aber trotzdem die Nase zu.




das iist ja hiier

wie iin nem fass


salzarelen

ganz diicht an diicht


Entsetzt schaut sich Meergrün um. Wie viele Leute so plötzlich den Weg in den Gang im Unterdeck gefunden haben! Zwar hat er keine Angst, niedergetrampelt zu werden. Dafür sind die Großen einfach zu langsam. Aber er mag es nicht, wenn so viele da sind. Besonders um ihm herum und er in der Mitte.

Beim Umschauen bleibt sein Blick an einem blonden Matrosen hängen. Der blickt ihn genau an. Zufällig hat Meergrün seine Kapuze weit über den Kopf gezogen, so dass sein eigenes Gesicht im Schatten bleibt, aber offenen, unschuldigen Augen des blauäugigen Matrosen fahren ihm direkt durch bis in der Herz und halten es gefangen, so dass er vor Schreck nicht einen Finger rühren kann.


der kann miich sehn

was mach iich jetzt


iist schlecht für den

klabautermann


Glücklicherweise wird der blonde, merkwürdige Matrose von jemand anderem gerufen und schaut weg. Schnell huscht der Klabauter in das nächste Versteck, was in diesem Fall die dunkle Stelle zwischen zwei stämmigen Zwergenfüßen und unter einem langen Zwergenbart ist.



diieses wesen

stiinkt von unten


iist ganz fettiig

und ölverschmiiert


es redet laut

und aggressiiv


sollte waschen

den mund es siich

wenn es nötig sein sollte, kann er geschwind zugreifen.



Meergrün holt tief Luft durch die Pfeife. Dann bläst er einen unheimlich dicken Rauchring genau auf den Bart des müffelnden, ungewaschenen Monsters. Der Ring legt sich um die Spitze des mittleren Zopfes. Dann kriecht er langsam an dem Zopf hoch und wird dabei immer dünner und durchsichtiger. Der Zopf hingegen wird immer voller und seidiger.

Ein ganz klein wenig Rauch, kaum noch zu sehen, schafft den weiten Weg bis ganz nach oben und fährt dem brummelnden Wesen genau in das Maul, als es Luft holt. Das nächste, vermutlich unflätige und gewalttätige Wort, das dieses Maul verlässt, tut dies in der Form einen wunderschönen schillernden Seifenblase.




NORDSTERN - Unterdeck: Pfeifenkraut - Alberik und Ameg


'Irgendetwas ist anders als sonst. Aber was?'

Alberik konzentriert sich auf die Umgebung. Es muss etwas geben, was hier nicht hingehört. Der Zwerg schaut sich aufmerksam um, schaut sich jede Kleinigkeit an, die hier in der Nähe ist. Aber entdecken kann er nichts.

Auch besondere Geräusche kann er nicht ausmachen.

Seine Muskeln und der Griff um den Felsspalter entspannen sich ein wenig, wenn auch nicht vollkommen. Doch seine Augen wandern unruhig hin und her, um auch die kleinste Bewegung ausmachen zu können, damit er von nichts überrascht wird.



Auch Ameg, der eine Weile recht unbemerkt herum stand, aber auch selbst kaum etwas bemerkte (zu sehr abgelenkt durch die bewusstlose Matrosin), verschwindet nun langsam aus der Messe. Irgendwie hat er ein seltsames Gefühl wenn er hier noch länger herum steht und zuschaut. Etwas passiert hier. Etwas wovon er kein Teil ist.

Ameg schüttelt kurz den Kopf. Löst sich von dem Anblick und beginnt die Messe leise zu verlassen. Jedoch nicht ohne noch zwei Decken von dem mitgebrachten Haufen mitzunehmen. Er schleift sie hinter sich her, während er ein wenig in Gedanken versunken den Gang des Unterdecks betritt und sich erst einmal umschaut.



Als der Bengel aus der Messe tritt, erkennt Alberik endlich, was ihn hier stört. Es ist ein Geruch, den er wahrnimmt, und der hier nicht so recht hinpasst. Früher einmal hatte er diesen Geruch öfters in der Nase gehabt. Als er selber der Leidenschaft des Pfeife Rauchens verfallen war.

Doch jetzt stört es ihn, dass es hier nach Tabak riecht. Es ist zwar nichts gefährliches, aber es passt hier nicht hin. Alberik sieht niemanden, der Pfeife raucht. Trotzdem liegt das Aroma von frischem Rauch in der Luft, und nicht nach abgestandenem, der an den Wänden und Decken haftet.

Und auch wenn der Zwerg sich jetzt fast wieder ganz entspannt, so bleibt er auf alles vorbereitet.

Den blassen Menschen, der die Treppe dort vorne heruntersteigt, beobachtet er genau, starrt ihn einen Moment an, bis er sicher ist, dass dieser keine Pfeife in der Hand hat. Doch Alberik möchte wissen, wer diesen Rauchgeruch verursacht. Vielleicht weiß das Kind mehr.

"He, Kleiner."

Alberik verdrängt schnell den Gedanken, dass der Junge ihn vorhin auch klein genannt hatte.

"Weißt du, ob hier jemand Pfeife raucht?"



NORDSTERN - Unterdeck: Pfeifenkraut - Meergrün's Genuss


Das Monster kann sprechen! Die Töne sind zwar besonders Dumpf und besonders Langsam für das Ohr des Klabauters, aber es ist ganz sicher Sprache!


erstaunlich das

das monster spriicht


dann iist es wohl

von menschenart


viielleiicht ein troll

ein fieser ork


krummes bein

grünes fell

-orkgesell


Weiter nachdenklich nuckelt Meergrün an seiner Pfeife und bläst einen Mund voll Rauch in Richtung Boden, der sich dort zum einem flachen Nebel verbreitet. Der Junge scheint keine Angst vor dem Weißhaarigem zu haben, während dieser geradezu schreckhaft seine Waffen befingert. Vielleicht ist dieses kleine Wesen ganz harmlos und ängstlich und tut nur gefährlich? Nur was ist Verkleidung und was ist echt?


was passiiert wohl

ganz schreckliiches


wenn am bart iich

dem wesen ziieh


Das Ende der drei weißen Bartzöpfe baumeln verführerisch nur wenige Spann über Meergrüns Kopf.



NORDSTERN - Unterdeck: Pfeifenkraut - Alberik und Ameg


Ameg blinzelt den Zwerg verwundert an. Was will der nur mit einer Pfeife und noch schlimmer: was will der mit der Axt. Ameg läßt die beiden Decken die er hinter sich her zieht gaaanz aus Versehen fallen und beugt sich dann hinunter, um sie wieder aufzuheben und möglichst unbemerkt seinen Dolch aus dem Schuh zu holen.

Dabei fällt auch ihm etwas auf.

'Nach was riecht das hier? Das riecht wie Torin nach den ersten Tagen nach Thorwal. Ist das... Rauch?'

Langsam erhebt sich Ameg wieder, Decken in der Hand, der Dolch dazwischen versteckt.

"Pfei'pfe..?", fragt Ameg noch einmal nach und schüttelt den Kopf. "brennt irgendetwat?", fragt er und schaut kurz in Richtung Kombüse.



Interessiert beobachtet Alberik, was der Junge dort treibt. Verfolgt seine Bewegungen und bemerkt auch, wie seine Hand beim Aufheben der Decken für einen Moment zu seinen Schuhen geht. Auch die verräterische Klinge des Dolches, den die Kinderhände schnell unter den Laken verbergen, bleibt ihm nicht verborgen. Doch der Rauch, der sich kurz neben ihm in Bodennähe bildet, um sich schnell wieder zu verflüchtigen und sich mit der Luft zu vereinigen, bleibt unbemerkt.

Für einen Moment ist der Zwerg irgendwie stolz auf den Jungen.

'Angst hat er wohl nicht. Sich auf einen Kampf vorzubereiten, obwohl der mögliche Gegner haushoch überlegen sein würde. Mutiges Kerlchen. Doch vielleicht sollte man ihm den Umgang mit richtigen Waffen beibringen. Sonst wird ihm sein ganzer Mut nicht viel bringen.'

Doch erst einmal gibt es etwas anderes zu tun. Verwundert hört sich der Zwerg die Antwort des Kleinen an.

'Weiß er nicht was eine Pfeife ist?'

"Nein, hier brennt es nicht."

Alberik schüttelt leicht den Kopf, wobei seine Haare und auch die Zöpfe, zu denen sein Bart verflochten ist, ein wenig hin und her geschwenkt werden.

"Der Geruch kommt von jemandem, der eine Pfeife geraucht hat.

Das ist so ein langes dünnes hölzernes Ding, an dessen einem Ende ein Kopf draufgesetzt ist. Dort tut man Tabak rein, und zündet ihn an. Das andere Ende steckt man in den Mund und saugt den Rauch, den der Tabak verursacht ein. Danach bläst man ihn nach draußen."

Die wenigen Gesten, mit denen der Zwerg seine Erklärung von einer Pfeife unterstützt, müssen alle mit einer Hand ausgeführt werden, da die andere noch die bedrohliche Axt hält.

"Hast du schon mal jemanden mit so einem Ding gesehen?"



NORDSTERN - In der Suite: Der 'blutige' Comte


Das scharfe Messer fährt durch den Käse und trennt fein säuberlich eine hauchdünne Scheibe von dem saftigen Laib des, an jeder Tafel des Nordens gelobten und verehrten Waskir-Käses. Radisar ist der unumstößlichen Meinung, dass das Käseschneiden mehr als nur ein einfacher Akt des Vorlegenes wäre, für ihn ist es eine Kunst.

Darum schwingt er das Käsemesser auch jedesmal so inbrünstig, als gälte es eine rondragefällige Zeremonie zu gestalten, wenn er den guten Käse in mundgerechte Scheiben aufteilt. Radisar ist derart in sein Tun vertieft, dass er von den Ereignissen in der Suite kaum etwas mitbekommt. Gewiss er hört einen Schmerzensschrei, etwas Gepolter und auch eine gewisse Hektik ist da zu vernehmen.

Doch das kann den kleinen Diener nicht stören, der Lärm ist kein Vergleich zu dem Radau auf Schloss Piekenbrook, der sich ereignete, als eine Wildsauenhatz, entgegen aller Planung, durch ein Missgeschick der Treiber, mitten in ein Familienfest des alten Grafen hinein platzte, als die Keiler und Sauen versuchten, sich im Salon des Schlosses vor der Meute und der, ebenfalls einstürmenden Reitergesellschaft zu verbergen.

Radisar dreht ergeben den Blick nach oben, was könnte nun schon wieder passiert sein. Eine gewisse Ahnung hatte Radisar schon vorher gehabt, doch schon der erste Augenschein ließ Gewissheit in ihm entstehen. Natürlich ist der traviaverfluchte Köter der Schuldige. Zorn steigt in dem kleinen, dicken Diener auf. Der Hund stört einfach das Protokoll, Radisar mag es einfach nicht glauben.

Mannhaft und zu allem entschlossen, droht der kleine Diener dem Hund mit dem Finger, sagt aber nichts dazu, er würde sich da hüten, der Hund könnte ihn ja schließlich hören. Auch zieht Radisar blitzschnell den Finger wieder ein, wenn er sich auch nur für wenige Momente vom Hund beobachtet fühlt. Doch, PRAios sein Dank, die junge Herrin beschäftigt sich schon mit dem Untier und so kann Radisar ungestört und nach Herzenslust drohen - mit seinem kleinen, wulstigen, ausgestreckten Finger ....



Die Freifrau schleckt sich gerade die Finger ab, das Fleisch war allzu köstlich, als ihr die tumultartigen Geschehnisse bei Tisch so richtig bewusst werden und sie aus ihrem Traum vom alveranischen Schlemmerland unsanft zurück stoßen.

Was hat der Hund denn nur? Es ist ja schön, dass er im Notfall ein solch guter Beschützer sein könnte, dafür wäre aber allerdings das Vorhandensein eine Notfalls ein ernsthafte Bedingung.

Frau Reckinde ist unwillig, ihr kommt diese Störung außerordentlich ungelegen. Deshalb erhebt sie sich, blickt auf den Hund und ruft mit donnernder Stimme:

"BOTO - PLATZ!!!!"

Dabei deutet sie auf eine Ecke des Raum und will dem Hund damit genau zu verstehen geben, dass sie wünscht, dass er sich sofort von dannen trolle, in die zugewiesene Ecke, wenn möglich, so schnell es geht, ohne Nachmaulen und mit deutlichen Anzeichen aufrichtigen Bereuens ....



Grrrrrrrr!

Das Knurren klingt leise und gefährlich. Boto steht über das am Boden liegende Mädchen gebeugt, beide Vorderpfoten auf ihre Brust gepresst und seine kräftigen Zähne kitzeln die zarte Haut ihrer Kehle. Es war ganz einfach, sie umzuwerfen. Diese Menschen haben wirklich kein Stehvermögen. Nur einen kurzen Moment, nachdem sie den Blick abgewandt hat ist er bereits losgesprungen. Es war wirklich viel leichter als gedacht....

Da dringt plötzlich eine Stimme an sein Ohr, geliebt und vertraut, aber auch streng, ungehalten. Langsam nur kehrt er aus der Welt des Kampfes zurück in die Realität, und eben diese Realität signalisiert, dass sein geliebter Leitmensch momentan gar nicht zufrieden ist. Er ist unzufrieden mit IHM!

Zögernd gibt er die gerade erst eroberte Stellung auf, um sich Reckinde zu nähern. Sein Schwanz, eben noch hoch erhoben senkt sich mit jedem Schritt, bis er zwischen den Beinen angekommen ist und, einen Bogen beschreibend schon fast seinen Bauch kitzelt.

Ein Blick auf die Herrin verrät nichts Gutes: Sie will ihn jetzt nicht bei sich haben, er soll sich in angewiesener Richtung verziehen. Traurig ändert Boto die Laufrichtung und näher sich der Ecke. Kurz bevor er angekommen ist wirft er noch einmal einen fragenden Blick auf Reckinde, aber Handbewegung und Gesichtsausdruck sind eindeutig. So legt er sich hier nieder, die Schnauze zwischen den Pfoten vergraben, voller Kummer über den Zorn der Herrin.



'Nur ein Hund?'

Als er hereinkam, hatte er keinen Hund gesehen. Normalerweise sparen diese haarigen Viehcher ja nicht damit, ihre Anwesenheit kundzutun, indem sie mit ihre sabbernden Zungen über alles hinweg lecken und ganz nebenbei die feinste Kleidung zu einem Wischlappen ruinieren.

Nicht dass der Adlige etwas gegen gut ausgebildete Jagdhunde hätte, aber der neusten Mode seiner Standesgenossen die Vierbeiner als Mitglied der Familie zu betrachten und ihnen Zugang zum Haus zu gewähren ist ihm ein Gräuel. Insbesondere die Art einiger niedrigerer adliger Damen sich kleine, nahezu pelzige Hündchen in die Handtasche zu stecken ... bäh!

Dann sieht di Vespasio den Hund unter dem Tisch hervorkommen. Plötzlich ist all die Ruhe, die der Südländer gefunden hatte, wie weggeblasen. Ein Riese! Ein Troll von einem Hund. Ein vermutlich nur freundlich gemeintes Knurren läßt das Herz di Vespasios schon schneller schlagen, und die dabei nur ansatzweise entblößten Fänge lassen an Zahnreihen denken, die Baumstämme mit Leichtigkeit durchtrennen könnten.

Was diese Kiefer mit einem menschlichen Bein anstellen könnten, will di Vespasio nicht wirklich bedenken. Nur zögerlich zieht das Bein unter dem Tisch hervor.



Alkinoê braucht noch einen Moment, um sich von ihrem Schrecken zu erholen. Ihr Herz, das einen Moment aussetzte, bemüht sich nun, das Versäumte wieder einzuholen und schlägt mit schnellen, kräftigen Schlägen.

'Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn nicht die Freifrau eingegriffen hätte...'

Noch leicht zitternd setzt sich das Mädchen auf, sich mit der einen Hand am Stuhl festhaltend. Als sie aufstehen will, stellt sie fest, dass ihr einer Fuß auf ihrem Kleid steht, und das sie dieses erst mal darunter herausziehe muß um sich wieder auf ihren Platz zu setzen. Zurück bleibt ein staubiger Fleck am Kleid, aber das sind nicht die einzigen Spuren, die jene Angelegenheit darauf hinterlassen hat: Auf dem weißen Spitzenbesatz der Brust sind deutlich die Abdrücke von zwei Hundepfoten zu sehen. Dies fällt ihr jedoch zunächst nicht auf, zu sehr ist sie damit beschäftigt, auf ihren Teller zu starren. Sie wagt es dabei weder Reckinde noch di Vespasio anzublicken. Mit beiden Händen hält sie sich fast krampfhaft an der Tischplatte fest. Ihr Gesicht läuft vor Scham rot an. Es ist wirklich ganz allein ihre Schuld, dass die Sache beinahe schief gegangen ist. Sie hätte es besser wissen müssen, aber sie hat ja ihren Triumph auskosten und den Comto anblicken wollen, statt die Angelegenheit sachgemäß zu beenden.

Die Gedanken tanzen in ihrem Kopf einen wilden Reigen:

' Ich sollte es wirklich aufgeben. Es kommt einfach nichts Gutes dabei heraus... Ach Merian! Du hast recht gehabt! Aber ich wollte es ja auch - ich wollte es wirklich! Warum hast du mich verlassen? Wenn du auf mich aufpassen würdest, hätte ich es schaffen können, aber so? Ich schaffe es einfach nicht allein - es kommt immer wieder durch... Und was bleibt mir denn anderes übrig, als zurückzukehren...'



Laut war er gewesen und unmissverständlich, der Befehl der Freifrau. Unruhig geht sein Blick hin und her, wo es für ihn die beste Möglichkeit gäbe, PLATZ zu nehmen, die Herrin wünscht für gewöhnlich eine sofortige Umsetzung ihres Befehls.

Es dauert ein kleine Weile, bis Radisar bemerkt, dass der Befehl der Freifrau dem Hund gegolten hatte und nicht ihm. Radisar ist sehr erleichtert, er hätte jetzt doch keinen Platz gefunden, auf den er sich hätte still zurück ziehen können.

Zufrieden, ja fast hämisch sieht er zu, wie sich der Hund in seine Ecke trollt, mit gesenktem Kopf und hängender Rute.

'Das hast du jetzt davon, du blödes Vieh!' stellt Radisar in Gedanken fest 'Warum sollte es dir auch besser ergehen als mir!'



Ängstlich zieht di Vespasio sein Bein unter dem Tisch hervor. Die Tischdecke mit dem darauf zurückgebliebenen Chaos von umgestürzten Gläsern und durcheinander gewirbelten Platten hängt tief über den Tisch und gibt das Objekt der Neugierde nur zögerlich, fingerbreit für fingerbreit, preis.

So sehnt sich der Adlige danach, endlich Gewissheit zu haben und einen Blick auf das Unglück zu werfen, so fürchtet er den Augenblick, in dem er feststellen muss, dass selbst seine schlimmsten Albträume noch übertroffen werden könnten, dass die Bestie den Fuß gleich ganz abgetrennt hat, dass jetzt der Knochen freiliegt und das teure, gelbliche Mark heraus tropft.

'All die Träume, die du dir noch erfüllen wolltest! Bald, mein lieber Freund, bist du ein Krüppel mit einem Holzbein und wirst höchstens noch zwischen Krücken das Haus verlassen können. Keine Tänze mehr! Keine Verbeugungen. Keine Bücher mehr aus den oberen Regalreihen. Ein Ende deinen Reisen, ein Anfang deinem frühen Tod.'

Mit einem Ruck, jetzt auf das Schlimmste gefasst, zieht di Vespasio die Tischdecke beiseite und wirft einen Blick auf die Wunde, nur um gleich darauf den Kopf zur Seite zu werfen und den linken Arm mit der Serviette abwehrend zwischen die Augen und die Verletzung zu ziehen. Sicherheitshalber schließ er auch noch die Augen.

"AAAAAH! Mein Bein! Alles voller Blut! Diese Schmerzen! ZUR HILFE, ein Medicus, schnell, bevor ich verblute! Hesinde, hilf deinem Diener! Es geht zu Ende mit dir ... OhOHoHOhO ..."

Ganz so ernst ist es nicht, der rote Stoff der Beinkleider läßt die Wunde bedrohlicher aussehen, als sie ist. Dennoch ist eine medizinische Behandlung wirklich notwendig, der Hund hat nicht nur gezwickt, sondern durchaus die Haut aufgerissen, so dass die Bisswunde blutet.



Das Jammern und Stöhnen des Adligen reißt Alkinoê auf wohltuende Weise aus ihren Selbstbetrachtungen. Immerhin wird dies nicht nur ihre eigene Aufmerksamkeit ablenken, sondern auch die der Freifrau und des Dieners. Auf Nachfragen oder gar Vorwürfe wegen ihres Leichtsinns ist sie naturgemäß nicht sehr erpicht.

So wendet sie sich dem Bein zu, wo durch den halb zerrissenen roten Stoff tatsächlich nach und nach immer mehr Blut hervor sickert. Eigentlich könnte sie jetzt ihre Hilfe anbieten...vermutlich wäre sie wohl in der Lage ihm zu helfen!

Andererseits verspürt sie kaum Neigung dazu. Weniger, dass sie kein Mitleid mit di Vespasio hätte. Nein, er tut ihr durchaus leid. Andererseits wird er auch nicht gleich sterben, wenn sie nicht aktiv wird! So sie ermahnt sich, endlich auch einmal an die Folgen übereilten Handelns zu denken. Reckinde und Radisar - die werden das vielleicht für sich behalten - di Vespasio bestimmt nicht. Genau so gut könnte sie sich oben auf das Brückendeck stellen, und es über das Schiff hinausposaunen. Außerdem hatte sie sich gerade erst ins Gedächtnis gerufen, dass sie ja einen Schlussstrich hatte ziehen wollen. Sie ist sich zwar noch nicht wirklich über ihre Zukunft im klaren, aber auf jeden Fall ist es besser, die Kraft zu unterdrücken, bis sie einen eindeutigen Entschluss gefasst hat.

So starrt sie eine Weile eher nachdenklich als wirklich entsetzt auf das Bein. Schließlich jedoch nimmt sie sich zusammen.

" Einen Medicus, sagtet ihr? Nun, irgendjemand muss ja an Bord sein, der mit Verletzungen Bescheid weiß..."

Sie blickt nachdenklich vor sich hin -

" Vielleicht einer von den Herren, die mir geholfen haben..."

So ganz sicher ist sie sich noch nicht, was am besten zu tun ist.



"Ja, ein Heiler, ein Magier, nur schnell, ich merke schon, wie ich das Gefühl im Fuß verliere. Ruft sie alle, Geld spielt keine Rolle."

Di Vespasio steckt das Bein von sich. Den Blick hat er immer noch gegen die Decke gerichtet, die rechte Faust hält nach dem Sprechen gegen den Mund gepresst, so dass man seine Schmerzenslaute nur leise hört.

"OhO ... auauauau, mein Bein ... eijeijeija"



Einen Moment lang ist Alkinoê verunsichert.

' Er hat schon kein Gefühl mehr im Fuß?! Aber, das kann doch nicht sein... das wäre ja wirklich furchtbar- vielleicht sollte ich doch...? '

Unwillkürlich zuckt es ihr in den Händen, und sie beugt sich über das verletzte Bein, wo nun noch mehr Blut hervortritt. Aber gleichzeitig spürt sie eine nervöse Unruhe in sich, ein Gefühlsgemisch aus Feigheit, Angst und Unsicherheit. Dabei ist ihr selbst nicht bewusst, wovor sie eigentlich mehr Angst hat: Davor, dass sie sich entgültig verriete oder davor, dass sie vielleicht überfordert wäre, dass sie versagen könnte...

' Gerade, wenn es wirklich schlimmer ist, als es den Anschein hat, ist es wohl besser, ich bemühe mich um einen der Herren, die mir das Leben gerettet haben...'

Wenn sie jetzt jemandem Bescheid gibt und nach einem Heiler ruft, hat sie ja sozusagen auch das Ihrige getan, um di Vespasio zu helfen. Sie richtet sich wieder auf und wirft einen kurzen Blick auf Radisar und Reckinde. Beide scheinen di Vespasios Schreien und Jammern nicht sonderlich ernst zu nehmen.

So erhebt sie sich mit den Worten:

" Ich werde besser mal nach einem der Herren schicken lassen... "



Die Freifrau wirft dem Hund noch einen langen, sehr strafenden Blick zu, doch läßt sie es gut sein, Boto hat sich, mit allen Anzeichen demütigen Bereuens in seiner Ecke zusammen gekauert und seine gelblichen Augen sind so angefüllt mit Trauer, dass es einen Stein zum schmelzen bringen könnte.

So wie sich die Situation darstellt hat der Comte doch etwas mehr abbekommen, als der erste Eindruck glaubhaft machen wollte. Frau Reckinde kennt das Gebrüll der 'Salonlöwen', die gar nicht erst einen Dorn in der Pfote brauchen, um 'entsetzlich' leiden zu müssen. Die Freifrau ist da aus ganz anderem Holz geschnitzt. Ihre Firun gefällige Leidenschaft hat sie mehr als einmal in die Lage gebracht Zeuge ernster Verletzungen zu werden.

Sie erinnert sich genau noch an den Jagdunfall des Barons Ruhnhold zu Bergstrom. dem ein Keiler nicht nur den Oberschenkel zerfetzt hatte, sondern auch noch einen speziellen Verlust zu beklagen hatte, nachdem dieser rasenden Bestien auch noch, mit den Resten der Männlichkeit des unglücklichen Barons auf den Hauern, im Unterholz die Flucht gelang. Damals gelang es Reckinde, obwohl noch jung an Jahren, tatsächlich den Baron vor dem Verbluten zu retten, indem sie ihren Unterrock zu Verbandstoff zerrissen hatte und anschließend, Tage später den Unglückskeiler mit einer Axt zu erschlagen. Der Kopf des Tieres wurde abgetrennt und präpariert. Er hängt nun, noch immer grimmig schauend, an einer Wand im Schlafgemach des Barons, der ihm an jedem Morgen, gleich nach dem Erwachen, in ewig lodernden Rachedurst, einen Wurfpfeil in den Rüssel jagt.

Frau Reckinde erhebt sich aus ihrem Stuhl. Sie ist sich sehr sicher, im Falle des Comte heute ihren Unterrock nicht in Streifen reißen zu müssen. Zu Radisar ruft sie mit donnernder Stimme:

"HOLE ER BANDAGEN, ABER HURTIG !!"

Mit großer Sorge beobachtet die Freifrau Alkinoê's Sorge um Herrn Di Vespasio's Wunde. Sie wird sich doch nicht dazu verleiten lassen ihre besondere Begabung zu offenbaren? Reckinde räupsert sich laut, um dezent auf sich aufmerksam zu machen und das Mädchen durch ein diskretes Kopfschütteln zu warnen.

Gewiss, der Comte ist ein weltoffener Mann, dem hesinde-gefälligen Künste ganz und gar ergeben, doch weiß die Freifrau nur zu gut, dass auch PRAios in den hohen Häusern viel Verehrung genießt und es könnte ja sein, dass Herr Di Vespasio zu diesen Leuten zu rechnen ist. Dann wäre Alkinoê in großer Gefahr und das Mädchen ist der Freifrau in so kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen, also fühlt sich auch Reckinde dabei persönlich betroffen.

"Sehr verehrter Comte, ich bin untröstlich und mir fehlen die Worte meiner Erschütterung Gestalt zu verleihen. Doch ich bewundere ihren Mut und ihre ungebrochene Kraft, der Situation wie ein wahrer Mann gegenüber zu stehen. So etwas ist heute sehr selten geworden. Mach ein anderer hätte sich verzagt dem Wehklagen überantwortet, ihr aber, habt euch wacker gegeben - meine Anerkennung hierfür ... !"

Natürlich hat Reckinde des Comtes Reaktionen in buntesten Farben schöngeredet, doch weiß sie aus Erfahrung, dass Männer, im Besonderen jene von Stande, für

derartige Schmeicheleien höchst empfänglich sind und dann, wenn ihre Eitelkeit sie dabei unterstützt tatsächlich in Zustände eiserner Duldsamkeit geraten können.

"Lasst mich euere Wunde untersuchen und gebt mir die Ehre, sie mit meinen eigenen Händen behandeln zu dürfen. Vertraut mir, ich verstehe mich auf dieses Handwerk und verfüge über einige Erfahrung!"



So ist es im Buch des Lebens, mit dem Siegel der Götter, niedergeschrieben und verewigt: Der Herr ist ein Herr und der Knecht ist ein Knecht! So war es, so ist es und so wird es immer bleiben. Das ist die Ordnung der Welt.

Radisar hat nie daran gezweifelt, dass dies alles gut und recht ist, doch was wären die hohen Herrschaften schon, ohne ihre dienstbaren 'Geister' um sich herum, die ihnen das Leben, immer wieder, noch ein bisschen lebenswerter machen? Aber der kleine, dicke Diener weiß für sich, dass er dafür euch reichlich belohnt wird. Was wäre er schon, ohne die schützende Hand der Freifrau? Dafür hat er, schon seit einer halben Ewigkeit und mehr, ihre stichelnden Grobheiten, ihre polternden Launen und ihre extremen Wünsche gerne ertragen. Es ist sein Lebenszweck geworden, der Freifrau jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Unmögliches hat der kleine Diener schon möglich gemacht, es ist ein wahrhaftiges Organisationstalent. Doch gibt es nun tatsächlich eine Steigerung von unmöglich, die Dinge abgrenzt, zwischen unmöglich, aber machbar und unmöglicher, keine Chance.

Als die Freifrau so lautstark nach Bandagen verlangt, muss der Diener ihren Wunsch leider in die Kategorie 'Unmöglicher' einstufen. Zwar hätte Radisar der Freifrau gerne Bandagen gebracht, nichts lieber als das hätte er gemacht, doch so sehr er in Gedanken die Inventarliste des reichhaltigen Reisegepäcks der Freifrau auch durchgeht, Verbandstoff ist eben nicht dabei. So wird das Ansinnen der Freifrau von unmöglich auf unmöglicher angehoben, bis es bei 'keine Chance' landet.

Nun weiß Radisar aber ganz genau, dass die Herrin nach ganz anderen Richtlinien lebt, als dies ihr kleiner, dicker Diener tut. In ihrem Wortschatz gibt es weder den Begriff 'unmöglich', noch den Begriff 'unmöglicher' und nichts läßt Frau Reckinde als Argument weniger gelte als 'keine Chance'. Ihre verbal logische Kette verläuft völlig anders. Sie will dies oder das und sie bekommt dies oder das, sonst gibt es dies oder das! Das ist eine dumme Lage für Radisar, denn er besorgt nun entweder sofort irgendwo Bandagen oder es gibt auf diesem Schiff keinen mehr, der sie nötiger bräuchte als er.

Nun mag Radisar ein Feigling sein, den schon der eigen Schatten in Panik versetzen kann, seine Weltsicht ist naiv und seine Handlungen haben bisweilen einen Hauch von Groteske, aber er hat immer eine rettende Idee. So schleicht er, so unauffällig wie es ihm gegeben ist, zur Reisetruhe der Freifrau. Er öffnet die Kiste. Nachdem er sie eigenhändig gepackt hat, braucht er auch nicht lange zu suchen. Er zieht einen der herrschaftlichen Unterröcke aus der Truhe und beginnt das Kleidungstück, durch den Schatten der Truhe von Beobachtung geschützt, in kleine Streifen zu reißen.



All die einfühlsam-beruhigenden Worte der Freifrau sind vergeblich gesprochen und das zögerliche Vorgehen der jungen Dame erreicht den Adligen nicht. Der ist nämlich mit es viel wichtigerem beschäftigt, mit sich selbst.

'Ohje, ohje, das ist das Ende. Eiweih, dahingerafft von einem bissigen Köter auf einem Schiff. Welch eine Schmach! OOOhhh, diese furchtbaren Schmerzen. Diese Leiden, mein lieber, die dir aufgebürdet werden.'

Das Hilfsangebot der Dame trifft jedoch auf offene Ohren.

"Ohje, ohje, eiweih, ooohhh, mein Bein, sagt dem Heiler, dass ich im Sterben liege! Und ruft einen Geweihten!"

Für derart geistliche Hilfe ist es vermutlich noch etwas zu früh. Hingegen könnte ein wenig praktische Hilfe, wie sie Reckinde anbietet, nicht falsch sein. Di Vespasio hält ihr das Bein hin, wobei er es vorsichtig mit beiden Händen stützt und aufpaßt, nicht zu genau hinzusehen.

"Seht, was eure verdammte Bestie mit mir gemacht hat. Das ganze Blut! Ohhau. Schnell, Verbände, bevor ich verblute. AAAHHH. Aber vorsichtig, es tut so schrecklich weh!"



Alkinoê ist erleichtert, dass sich nun doch die Freifrau eingeschaltet hat, denn das enthebt sie auf wohltuende Weise der Verantwortung. Deren Kopfschütteln und leises Räuspern in ihre Richtung bezieht sie in der Tat auf das, was sie auch in ihren eigenen Gedanken bewegte, und somit auf das Richtige.

Mit einem beruhigenden Lächeln blickt sie zurück und schüttelt ganz leicht, kaum sichtbar den Kopf. Dann tritt sie beiseite, um der Freifrau Platz zu machen. Im Grunde traut sie ihr schon zu, die Wunde ordentlich zu versorgen, denn dass es so schlimm ist, wie der Comto glauben machen will, hält sie dann doch nicht für möglich.

Andererseits, so überlegt sie, wird ein Mann wie der Comto mit einer Erstversorgung durch ihre Hochgeboren kaum endgültig zufrieden zu stellen sein. Sie kennt den horasischen Adel immerhin gut genug um zu wissen, dass er seine kleinen und größeren Leiden meist außerordentlich wichtig nimmt. Er wird wohl kaum Ruhe geben, bis sich nicht irgendein Gelehrter sein Bein angesehen hat.

Einen Geweihten zu rufen hält sie nicht für nötig und hat zumal keinerlei Neigung dazu. Aber schnell einen Seemann anzusprechen und nach dem Schiffsheilkundigen zu schicken, das macht eigentlich nur eine geringe Mühe. Vielleicht wird di Vespasio ihr gar dankbar sein...

" Ich denke, ich bemühe mich trotzdem um einen der bewussten Herren, und sei es, um seine Edelhochgeboren die nötige Beruhigung über seinen Zustand zu geben."

Sagt sie zu Reckinde gewandt, und zwinkert ihr ganz leicht mit dem rechten Auge zu. Dabei geht sie auf die Außentür der Suite zu, und öffnet diese..



So schlecht schauen sie gar nicht aus, diese Bandagen, so findet zumindest Radisar. In der Tat werden sie ihren Zweck schon erfüllen, auf jeden Fall mehr, als noch der Unterrock dienlich sein kann, den Radisar für die Erschaffung des provisorischen Wundverbandes geopfert hat. Das Kleidungstück wird wohl nur noch dann getragen werden können, wenn die Freifrau wenig Wert darauf legt sich unten herum zu verhüllen.

Radisar hat die Stoffstreifen aufgerollt, auf ein Tablett gelegt und einen kleinen Tiegel mit Wirselkrautsalbe daneben gestellt. Das sollte genügen dem edlen Comte das Leben zu retten.

Schnell eilt er zum Tisch, denn dem Edelmann scheint es gar nicht gut zu gehen. Radisar kann das gut verstehen, er wollte auch nicht von diesem Riesenhund gebissen werden. Das Tier kommt dann vielleicht sogar noch auf den Geschmack und schickt sich danach an am verblieben Rest seines kleinen, feisten Dienerkörpers gütlich zu tun. Ein schrecklicher Gedanke, Radisar erschaudert. Da ist es ihm schon viel lieber, dass die Herrschaft zuerst gefressen wird.



Frau Reckinde schiebt sich die Ärmel nach hinten, zieht sich einen Stuhl her und setzt sich. Sie legt ein Tuch auf ihren Schoß und nimmt das verletzte Bein des Edelmannes und legt es behutsam auf ihren Oberschenkeln ab. Das die Wunde nicht so dramatisch ist sieht sie auf den ersten Blick. Es kommt ihr weder das Blut fontänenartig entgegen, noch hängt der Fuß in einem unnatürlichen Winkel von Bein weg.

Sie zieht das Hosenbein des Comte etwas nach oben, die Farbe der Hose verwirrt sie etwas. Rotes Blut auf rotem Hintergrund kann die Wahrnehmung unter Umständen ganz schön narren. Zuerst drückt sie etwas fester an den Seiten des edelhochgeborenen Unterschenkels und stellt zufrieden fest, dass kein Knochen beschädigt sein kann. Für den Comte dürfte dies eine etwas intensiver zu spürende Prozedur gewesen sein.

Um ihn etwas 'abzulenken' erzählt ihm Frau Reckinde eine Geschichte:

"Da war damals die große Treibjagd des Barons Rotrolf von Lahmingen. Es ging gegen Wölfe. Das war eine Jagd, sag ich euch, zu schade, dass ihr nicht dabei gewesen wart. Die alten Graupelze haben damals riesigen Schaden angerichtet. Es war völlig unklar, woher sie, in derartigen Mengen, hergekommen waren. Viele behaupten heute, sie waren die Vorhut der schwarzen Flut - Möglich wärs!"

Die Freifrau seufzt tief, als ob sie die Erinnerung schwer berühre. Inzwischen prüft sie nach, ob der Fuß noch die volle Beweglichkeit hat, aber die Gelenke scheinen unversehrt zu sein.

"Jedefalls konnten wir der Wolfsplage damals nicht auf übliche, traditionelle Weise loswerden. In den Jahren vorher, wenn die Wölfe da Menschen und Herden bedrohten, da haben wir in Treibjagden einfach einmal gründlich dreingeschlagen und das Wolfspack wacker dezimiert. Doch in diesem besagten Jahr waren es einfach zu viele Tiere und so beschloss Baron Rotrolf Wolfsfallen auszulegen. Oh, ich muss sagen, diese Fallen waren sehr effizient, fast zu effizient, denn der Baron geriet selbst in eine seiner Fallen. Hat nicht gut ausgesehen für ihn damals. Ich musste ihm das Bein abhacken, wir wären sicherlich auf dem Rückweg nicht schneller als der Wundbrand gewesen. Ich finde, ehe das Bein abfault, da ist ein guter, gerader Schnitt doch noch das Bessere!"

Frau Reckinde lacht, während sie mit einem sauberen Tuch die Hautwunden abtupft. Anerkennend stellt sie fest, dass der Hund ein sehr gutes Gebiß hat. Seine Zähne waren in das edle Fleisch gefahren, wie ein heißes Messer in einen Haufen Butter. Die Wunden aber sind nicht so schlimm, als dass besondere Behandlung nötig wäre. Reckinde kann nichts entdecken, was nicht durch Wirselkraut, Öl und eine gute Bandage wirksam bekämpft werden könnte. Frau Reckinde lacht immer noch, als sie fortfährt zu erzählen:

"Wir mussten das Bein damals beerdigen, tief eingraben. Den alte Rotrolf hat es fast verrückt gemacht, daran zu denken, die Wölfe können sich an seinem Unterschenkel laben. Ja und mitnehmen konnten wir das Teil ja auch nicht, es war zwar bitterkalt damals, trotz hält sich so ein abgetrenntes Bein nicht lange frisch. Also haben wir es eingegraben. Rotrolf war schon ein sehr sentimentaler Kerl!"

Dann wendet sich die Freifrau an Alkinoê:

"Ich bräuchte mehr Tücher und kaltes Wasser. Könntet ihr mir dies bringen, mein Kind?"



"AAAAAAAAHHHHHH! Vorsicht, das tat weh!"

'Lahmingen? Das muss wohl im Bornland liegen. Eine Jagd? Wölfe? Was ist das für eine Geschichte?'

Tatsächlich scheint die Geschichte der Freifrau ihren Zweck zu erfüllen, bis sie auf die ´Behandlungsmethoden´ zu sprechen kommt.

'Das Bein abhacken?'

Unauffällig versucht di Vespasio sein Bein zurückzuziehen, was aber nur zu neuen Schmerzen führt.

"Eiijejeijei, aufhören, bitte aufhören."



Man sagt schon seit jeher der Freifrau nach, dass sie das, was sie in den Händen hält so schnell nicht mehr hergeben wird. Das gilt für Waren, Ländereien, Dienstverpflichtung und ähnliches. Daa gilt aber auch für verletzte Beine.

Als der Comte di Vespasio einen ungeschickten Versuch unternimmt, sein Bein zurück zu ziehen, was die unmittelbare Folge verursachte, dass er wieder Schmerz erdulden mußte, den er sich bei einem etwas tapfereren Verhalten durchaus hätte ersparen können.

Freifrau Reckinde spürt einen Anflug von Verärgerung. Zwar ist ihr die degenerierte Geziertheit des südlichen Höfe nichts unbekanntes, man kann es aber auch übertreiben. Frau Reckinde wundert sich schon ein bißchen, dass der Comte sich im Beisein einer jungen Dame derart gehen läßt.

"Verehrter Herr Comte", erklärt sie in strengem Ton "ihr dürft unbesorgt sein! Wenn ich mit euch fertig bin, dann werden euch die Beine noch in kompletter Anzahl zu Verfügung stehen!"

An dieser Stelle mischt sich dorch ein Hauch von Zynismus in die Stimme der Freifrau. Doch gleich darauf wird sie wieder sehr ernst.

"Ich bin überzeugt, ihr werdet nach der Ankunft in Havena durchaus wieder höfische Schreittänzen wagen können. Von einer bäuerlichen Polka würde ich allerdings für die nächsten zwei Wochen noch abraten wollen."

Also nimmt sie fest das verletzte Bein des Comte in die Hände, mit allem, was sie zu mitteilen imstande ist, verdeutlichend, dass sie es so schnell nicht mehr loslassen werden würde ....



"Ja? Ihr meint, es wird wieder alles in Ordnung kommen?"

Die Freifrau kann in vieler Hinsicht sehr überzeugend sein, nicht nur, wenn sie ihre wuchtigen Körperkräfte einbringt, sondern auch mit ihrer Stimme, die keinen Zweifel zulässt. Die bestimmte Hoffnung in der Stimme nimmt di Vespasio nun zum Anlass doch einen etwas genaueren Blick auf seinen Unterschenkel zu werfen.

'Tatsächlich, mein lieber, so schlimm ist es nicht. Aber sieh dir diese Bisswunden an! Bei deiner Ehre, diese Hund hat ein Gebiss, das den Vergleich mit einer Zwergenklinge standzuhalten vermag.'

"Wirklich, es sieht nicht ganz so schlimm aus, wie ... äh wie es sich anfühlt, auch wenn die Bisse recht tief sind. Nun ja, zumindest war es das erste und letzte Stück Menschenfleisch, das dieses Monster kosten durfte."



Radisar tänzelt über die schwankenden Dielen des Suite, als wolle er ein Tablett mit erlesenen Köstlichkeiten servieren. In Wirklichkeit liegen aber nur Salben und Binden auf dem Tablett. Und die Eleganz des Beitragens ist auch keine protokollarische Kür, sondern das ernste Bemühen Radisar, weder der polternden Freifrau, noch dem zeternden Comte, noch dem blutrünstigen 'Mörderhund' zu nahe zu kommen.

Deswegen hält sich der kleine, dicke Diener auch nicht lange auf, stellt in Windeseile seine Last auf den Tisch und entschwirrt noch im selben Moment aus dem Geschehen. Radisar nähert sich Alkinoê. Die junge Herrin sieht ein wenig bleich aus, findet Radisar.



Boto hat sich in einer Ecke unauffällig zusammen gerollt. Der Hund wirkt unbeteiligt, dennoch verfolgt er das Geschehen unauffällig, doch sehr genau. Er ist sich seiner bösen Tat sehr bewusst, nicht umsonst hat er herben Tadel einstecken müssen, das ist ihm klar.

Ebenso klar ist ihm, dass die Menschen dort am Tisch über ihn reden. Er merkt dies an den vielen Seitenblicken, die auf ihn geworfen werden. Das ist Boto auf der einen Seite sehr unangenehm, denn diese Blicke bergen nur wenig freundliches, auf der anderen Seite jedoch sind sie ihm eine willkommene Gelegenheit wieder einen friedlichen Kontakt aufnehmen zu können.

Immer dann, wenn er einen Blick auf sich ruhen spürt, beginnt er leicht mit dem Schwanz zu wedeln, stellt die Ohren nach oben und wirft einen Blick zurück, der so treuherzig Friedensbereitschaft auszudrücken versucht, dass es einen Stein zum Schmelzen bringen könnte.



Die Freifrau hat die Aussage des Comte insofern mit Befriedigung aufgenommen, als sie unterschwellig davon zu künden versucht, dass Herr Di Vespasio wieder Herr seiner Empfindungen sein könnte. Inhaltlich beschäftigt sie des Comtes Rede nur sehr nachrangig, da sie ihre volle Aufmerksamkeit den Hautverletzungen des Comte widmet.

"Ich kann euere Erklärung nur in soweit bestätigen, dass dieser Hund mit Sicherheit kein Menschenfleisch mehr verzehren wird. Darüber hinaus will ich keine Garantie abgeben, dass er es noch nie gemacht hätte. Es ist eine sehr erstaunliche Verletzung dafür, dass es ihm nicht sehr ernst gewesen war. Die Haut scheint nicht gerissen zu sein und die Bisswunden wird, nachdem ich sie ordentlich mit Wirselkrautpaste verschmiert habe, rückstandslos abheilen. Glücklicher weise hat es doch angemessen geblutet, die Wunden sind also rein und die Adern schließen sich ja nun bereits ... "

In dieser Weise murmelt die Freifrau vor sich hin, als des Comtes Bein auf das Genaueste untersucht. Sie reinigt das Bein mit einem Bandagefetzen, ein größeres, zudem, ein feuchtes Tuch wäre ihr dafür lieber gewesen, doch zur Not geht es auch so.

Frau Reckinde hat nun alle Wunden freigelegt und sie scheint sehr zufrieden zu sein, mit dem, was sie dabei sieht. Dann greift sie in den kleinen Tiegel, den Radisar in weiser Vorsaussicht schon bereitgestellt hatte, holt reichlich Paste heraus und verschmiert sie auf des Comtes Bein. Die Salbe kühlt und riecht angenehm nach Kräutern. Allein dieser Geruch kann einer baldigen Genesung nur dienlich sein.

"Diese Salbe wird ordentlich kühlen und die Schmerzen sollten eigentlich jetzt schon deutlich schwinden. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werdet ihr von dem unangenehmen Vorfall nur noch in Gedanken erinnert werden. Ich werde das Bein jetzt noch bandagieren. Ich warne auch allerdings: Wenn es später sehr stark jucken sollte, dann unternehmt nichts, lasst die Bandage dennoch noch für einen Tag und eine Nacht angelegt. Bedenkt: Ohne Juckreiz, keine ordentlicher Heilungsprozess. Wahrscheinlich werden euch nicht einmal Narben zum Andecken bleiben!"

Dann ergreift die Freifrau die Bandagen .....



Mit Interesse Verfolgt di Vespasio, die fachkundige Art der Freifrau. Offenbar hat sie nicht nur im Handel eine geschickte Hand, sonder auch in der Jagd und in der Heilkunst.

'Jaja, im Norden müssen die Menschen noch wirklich viele Künste selbst beherrschen. Wenn der nächste Fachmann drei Tagesritte entfernt wohnt, kann es für das ein oder andere zu spät sein.'

Die grünliche Paste fühlt sich auf der Haut merkwürdig an. Zum einen hat der Adlige das Gefühl einer Betäubung, zum anderen scheint eine gewisse angenehme Kühle von der Stelle auszugehen. Darumherum kräuselt sich die Haut regelrecht und die leichten Hügelchen der Gänsehaut schauen aus, als würden sie sich auch nach der Salbe recken. Es fühlt sich ein wenig an wie ein Kuss, wie ein Prickeln, von dem man nicht weiß, ob der eigene, verliebte Geist sich selbst narrt oder ob die kosenden Lippen jene erregenden Funken versprühen.

'Nicht kratzen. Also ob du diesen weisen Rat nicht schon gehört hättest. Die Ärzte sind immer fein raus, ihnen tut ja nichts weh, keine Wunde juckt, da kann man mit kühler Stimme Empfehlungen aussprechen.'

Di Vespasio ist jedoch so froh über das offenbar gute Ende, das seine Verwundung nimmt, dass er die Worte der Freifrau nicht weiter kommentiert und sich vornimmt, zumindest am ersten Tag nicht zu kratzen.

"Nun ich meine, es war das erste Mal, dass das Monster gewalttätig geworden ist. Wenn es bereits früher Menschen angefallen hätte, dann hätte ihn ja sein Vorbesitzer bereits getötet. Bitte zieht den Verband nicht zu stark an, sonst verliere ich das Gefühl im Fuß, was bei diesem Seegang höchst unangenehm wäre."



Freifrau Reckinde schmunzelt. In gewisser Weise kann sie die Abneigung des Comte gegenüber ihrem Hund schon gut verstehen, aber eben nur in gewisser Weise.

"Ich denke Boto ist weder ein Ungeheuer, noch eine Bestie. Er ist ein Wachhund, und als solcher sicherlich unschlagbar, wenn es gilt, Eindringlinge abzuschrecken. Nur ist er jüngst sehr plötzlich aus seinen Pflichten entlassen worden."

Das der Hund sich quasi selbst von seinen Verpflichtungen entbunden hatte, damals, als ihm die Freifrau in jenem Lager in Salzerhaven als Eindringling gegenüber gestanden hatte, dass sich der Hund, allen vorherigen Gelöbnissen zum Trotze spontan zur Unterwürfigkeit zur Freifrau entschlossen hatte, betont Reckinde dem sichtlich verunsicherten Herrn Di Vespasio gegenüber nicht unbedingt mehr als nötig.

"Ich denke, er wird die neuen Regeln sehr bald begriffen haben, so dass mein Schutz nicht mehr zur Gefahr für die Umstehenden werden muss!"

Frau Reckinde wirft einen liebevollen Blick zu Boto hinüber, dann beginnt sie die Bandagen anzulegen. Sie zieht sie straff, doch dann erinnert sie sich an die Bitte des Comte, lächelt den Edelmann charmant an und legt die Bandagen dann sehr viel lockerer an, doch stramm genug, dass die Binden den wunden Unterschenkel gut zusammen halten.



Di Vespasio ist nicht amüsiert.

'Was wird das? Hat die Dame vor, gutes, altes aventurisches Recht zu beugen? Das ist doch keine Lappalie. Das war immerhin ein tätlicher Angriff auf deine Person!'

"Soll das heißen, ihre Hochgeboren wollen dieses mordgierige Monster nicht für seine Tat zur Rechenschaft ziehen? Wie lange wollt ihr denn warten? Bis es Herrn Radisar die Hand abgebissen hat?"

Verwirrt bis verblüfft schüttelt er den Kopf.

"Entschuldigt, aber es ist gängige Rechtsprechung im ganzen Land, dass ein Tier, das einen Menschen angefallen hat, getötet wird. In manchen Provinzen, was ich jedoch für übertrieben halte, wird sogar ganz formell ein Prozess gemacht."



NORDSTERN - Oberdeck: Die Hilfe der Praioten


" Tücher und kaltes Wasser, ja " wiederholt Alkinoê, sich zur Festigung ihrer Position gegen die Tür lehnend, bevor sie diese endgültig öffnet. Ein heftiger Windstoß reißt ihr diese fast aus den Händen und bläst kalte, salzige Meeresluft und einen Schauer kleiner Wassertröpfchen in die Suite. Im ersten Moment verschlägt es ihr fast den Atem, und sie zögert daher kurz, tatsächlich das Deck zu betreten. Doch ihr wird klar, dass die anderen Anwesenden der Suite es gewiß nicht schätzen, wenn die Tür längere Zeit offen steht. Irgendwie hat sie bereits den Eindruck, sie könnte Reckinde verärgert haben. Diesen Ärger möchte sie nun nicht vertiefen, und außerdem liegt ihr viel daran, der Freifrau zu beweisen, dass auch ein Mädchen aus dem Süden tapfer und hart im Nehmen sein kann. So schiebt sie sich gegen den Wind nach draußen und zieht mit erheblicher Kraftanstrengung die Tür hinter sich zu.

Zum Glück hat sie bereits bemerkt, dass dort zwischen der Suite-Tür und der Reling ein ganzer Haufen Matrosen herumsteht, mindestens vier oder fünf. ' Wie spricht man noch einen Matrosen an? ' überlegt sie, und versucht, sich an den gestrigen Tag zu erinnern. ' Er oder Ihr? ' Aber sie schauert zusammen in dem dünnen Kleid. Es ist einfach zu kalt, um länger über Fragen der Etikette nachzudenken.

" Könnte mich bitte jemand zum Schiffsheiler bringen.... "

Sie bemerkt, dass ihre Stimme vom Wind regelrecht verschluckt wird, und versucht es nochmal lauter:

" He, Matrosen: Könnte mich jemand zum Schiffsheiler bringen! Wasser und Tücher brauchen wir auch, wir haben einen Notfall in der Suite! "

Brüllt Alkinoê und tippt den nächststehenden "Matrosen" auf die Schulter, um auf sich aufmerksam zu machen.



Ein strahlendes Lächeln geht über das Gesicht des Geweihten. 'Wunderbar. Das ist ja alles gutgegangen, alle drei wieder an Bord. PRAios sei Dank! EFFerd sei Dank!' Der Priester geht einen kleinen Schritt zur Seite, um aus dem Gedrängel herauszukommen. Bei dem Wind, den Seilen, die allen zwischen den Füßen liegen, der wilden Schaukelei und der Euphorie an der Reling ist das Risiko, das gerade jetzt noch jemand über Bord fällt nicht gerade kleiner geworden. 'Ein Lärm ist das hier.' Zu dem Geräusch des Windes kommen diverse knarrende Töne des Schiffes, Gesprächsfetzen, das Schlagen des Tauwerkes, das Klappen von Türen und das Klatschen der Wellen an den Rumpf.

"Seemann, so nass wie Du bist, mußt Du sofort runter in die Messe, was heisses trinken, und außerdem darfst du auf kei..." wendet er sich an Ole, als noch andere Töne an seine Ohren dringen.

'Hm?'

"...keinen Fall..."

'Notfall? - Suite?'

Plötzlich spürt er, wie ihm jemand leicht auf die Schulter tippt. Rasch dreht er sich um. Erstaunt hebt er die Augenbrauen, eine recht junge Frau steht vor ihm und hält den Arm noch erhoben.



Der Matrose, den Alkinoê angesprochen hat, dreht sich auch prompt um: Gut so!

GUT SO?!?

Den Mund bereits zu weiteren Erklärungen geöffnet verharrt das Mädchen wie paralysiert und starrt auf das, was sich nur wenige Finger von ihrer Nasenspitze befindet, ein schönes, goldglänzendes rundes Etwas durchaus kunstvoll gestickt, das eine fatale Ähnlichkeit mit der Praiosscheibe hat.

Langsam und qualvoll sickert die Erkenntnis in ihren Geist, WEN sie da gerade angesprochen hat...

' Was tu ich nur, was tu ich nur... ' ihre Gedanken rasen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen und sie, die sonst nicht gerade auf den Mund gefallen ist, steht da, wie ein hypnotisiertes Kaninchen vor einer Schlange.

" Oh....äh......, euer Gnaden,... " stammelt sie, den Blick immer noch auf das Symbol des Götterfürsten gerichtet, " ...entschuldigt...äh...eine dumme Verwechslung..."

Ihr fehlen schlicht die Worte.



Erstaunt bemerkt der Geweihte, wie ihn das Mädchen ansieht, ja geradezu anstarrt.

'Nein, dieses Mädchen kenne ich nicht, sie wird mich gerade wohl kaum wiedererkannt haben. Oder doch?'

Der Blick Onaskjes wandert kurz nach unten und wieder zurück, über das rosarote Kleid, die kleinen Wölbungen der Brüste, die sich unter dem Spitzenbesatz verbergen, weiter über die Schlüsselbeine, den feinen Hals und ruht dann wieder mehrere Augenblicke auf dem Gesicht.

'Sie ist wirklich hübsch', schießt es ihm durch den Kopf, 'Und in einigen Jahren wird sie eine vollendete Perle sein, so hübsch vielleicht wie, wie hieß sie doch? - Diese hohen Wangen, dieser Schwung der Augenbrauen und die etwas bronzene Haut erinnern mich doch leicht an - wie hieß sie doch, Zanya? Nein, Zorena. Die arme, wie es ihr wohl inzwischen ergeht? Hoffentlich hat sie ein gerechtes Verfahren bekommen, ich habe darum gebetet.'

Auch der Priester ist einige Augenblicke seinen Betrachtungen hingegeben. Doch dann erinnert er sich wieder der Situation.

'So wie sie guckt, denkt sie, ich reiße ihr gleich den Kopf ab und fresse sie dann auf. In der vergangenen Zeit musste ich das leider schon mehrfach beobachten, vor allem beim einfachen Landvolk. Hm, besonders bäuerisch sieht sie nicht aus, eher im Gegenteil. Aber wer weiß schon, wer ihr da wieder Unsinn über die Kirche des Götterfürsten erzählt hat.'

Ein schmerzvolles Lächeln lässt für einen kurzen Augenblick seine Züge entgleisen, dann hat er sich jedoch wieder im Griff. Er legt den Kopf leicht schief und fragt:

"Nun, junge Dame, ich selbst glaube eher nicht an eine Verwechslung. Habe ich gerade nicht etwas von einem Notfall vernommen? Mir war zwar so, dass wir den Notfall bereits im Griffe hätten, aber gerade an diesem Morgen scheinen alle Notfälle dieser Überfahrt gehäuft auftreten zu wollen. Und das letzte, was man da tun sollte, ist Zeit zu vergeuden, nicht war?"

Nur leicht beugt sich Onaskje jetzt vor, so dass sein Gesicht dem ihrigen um einige Zentimeter näher ist. Mit festem Blick in ihre Augen und ruhiger aber fester Stimme fügt er hinzu:

"Also sag rasch, um was es geht!"



Alkinoê, die bei den Worten des Geweihten den Blick empor gehoben hat, überläuft ein eisiger Schauer, der sie erzittern läßt, als sie den strengen Blick der blauen Augen auf sich gerichtet fühlt. Allerdings sind auch die äußeren Umstände nicht dazu angetan, Wohlbefinden auszulösen. Der kalte, feuchte Seewind zerrt an dem dünnen roten Stoff ihres Kleides und sie hat das Gefühl, als dränge ihr die Kälte bis unter die Haut.

' Er glaubt nicht an eine Verwechslung?! Aber... '

Doch Alkinoê kommt nicht dazu, eine weitere Entschuldigung zu stammeln und sich abzuwenden. Der Mann vor ihr redet weiter und hält sie im Bann seiner blauen Augen. Als er schließlich nach dem Notfall fragt, muss sie sich erst einen Moment besinnen, was eigentlich in der Suite passiert ist. Es kommt ihr plötzlich völlig lächerlich vor, diesem Mann von einem Hundebiss zu erzählen.

" Ich... ich will Euer Gnaden nicht damit belästigen. Es tut mir leid, ich wollte wirklich nur einen von den Matrosen nach einem Heiler fragen..."

Wie hilfesuchend gleitet ihr Blick zu den anderen Männern. Ein Teil ist bereits wieder fortgegangen, aber einige stehen auch noch dort an der Reling. Unterbewusst registriert sie, dass es sich bei einem von ihnen um einen Zwerg handelt, eine Tatsache, die sie normalerweise sehr aufregend gefunden hätte, der sie jetzt jedoch keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken bereit ist. Kurz bemerkt sie noch, dass sie die beiden anderen bereits vom gestrigen Ausflug her kennt, zwei starke, große Thorwaler, die offensichtlich keine Probleme hatten, ihre Interessen bei anderen Menschen durchzusetzen.

Dann blickt sie tapfer wieder in die Augen ihres Gegenüber:

" Es tut mir leid, euch damit behelligt zu haben " sagt sie etwas entschlossener als zuvor.



Verwundert schaut Onaskje zu der kleinen Person hinab, die da mit großen Augen vor ihm steht.

'Behelligt? Was redet sie da, wenn die da drinnen einen Notfall haben? Sie hat sicher keine Ahnung, was zu tun ist. Immerhin scheint es sich um einen greifbaren Notfall zu handeln, wenn ein Heiler da Abhilfe schaffen kann. Und von Teilen der Materie verstehe ich ja was.'

Schon wendet sich Onaskje leicht zur Türe Der Suite hin, die das Mädchen gerade verlassen hat. Mit einem Ausdruck der Besorgnis und einem Hauch von Mitgefühl spricht er das Mädchen an:

"Beruhige Dich, Kind. Du behelligst mich keinesfalls und ich werde schon zu helfen wissen. Einen gelehrten Heilkundigen oder Feldscher gibt es hier an Bord meines Wissens nach nicht, aber zu suchen würde auf jeden Fall wertvolle Augenblicke kosten."

Mit einem Kopfnicken in Richtung der Türe versucht er zu verstehen zu geben, dass das Mädchen ihm vorausginge, und mit einem Schritt auf die Türe zu unterstreicht er die Notwendigkeit und Dringlichkeit, die hier geboten zu sein scheint. Und schon eilen seine Gedanken wieder zu dem neuen Notfall.

'Auf jeden Fall ist hier draußen nichts zu hören. Das muss aber nichts heißen, bei dem Sturm. In jedem Fall muss ich aber wissen, um was es geht, um effektiv helfen zu können.'



Die Situation ist einfach absurd, so absurd, dass Alkinoê einen kurzen Moment ein aufsteigendes, nervöses Kichern unterdrücken muss. Damit der Geweihte das Zucken um ihre Mundwinkel nicht bemerkt, wendet sie kurz den Kopf ab in Richtung Suite-Tür.

Was nun? Der Praiot scheint wild entschlossen, helfend einzugreifen. Die einzige Möglichkeit, ihn davon abzuhalten wäre vermutlich, ihn über den waren Sachverhalt in der Suite aufzuklären...

Die wilde Panik ebbt allmählich ab und macht ruhigeren Überlegungen Platz: 'Vermutlich wäre ich ihm sowieso irgendwann begegnet, warum also nicht auf diese Weise? Was könnte unauffälliger sein, als ihn um Hilfe zu bitten? Dies ist doch geradezu der Beweis für meine Loyalität und Integrität...'

" Wenn Euer Gnaden wirklich meint..? Seine Edelhochgeboren wird sicherlich erleichtert sein, er hatte wirklich die größte Angst, sein Bein zu verlieren...wenn ihr also so freundlich sein wollt, nach ihm zu sehen? "

Bei den letzten Worten muss sie sich nun deutlich bemühen, ein Zähneklappern zu unterdrücken.

" Ich könnte dann ja schon mal kaltes Wasser und Tücher besorgen. Ihre Hochgeboren sagte, daß beides benötigt würde..."

fügt sie mit einer halb verlegenen, halb entschuldigenden Geste hinzu.



Einen Augenblick lang hat Onaskje das irritierende Gefühl, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt, oder vielleicht eher nicht mit dem Mädchen? Irgendwie scheint sie sich ein wenig unbeholfen zu benehmen.

Und dann -

'Was?! Das Bein verlieren? Das ist wahrlich ernst! Und augenscheinlich werde ich auch noch aufpassen müssen, Edelhochgeboren, Hochgeboren, was ist das für eine Versammlung? Nicht auszudenken, wenn da wirklich ein Baron oder ähnliches am Verbluten ist. Schon so mancher Heilkundige, der sich redlich bemühte, ist später von den wütenden Angehörigen des verstorbenen Kranken aufgeknüpft worden, speziell wenn der Patient ein hoher Herr war.'

Mit einem festen Schritt tritt Onaskje an die Türe zur Suite heran.

'Hoffentlich trete ich niemandem auf die Füße, die Reise wird ja noch ein wenig andauern und das Schiff ist klein.'

"Ja ja, recht so, besorge nur was Du brauchst, doch rasch! Oder besser, lasse es besorgen und folge mir sogleich in das Zimmer, vielleicht muss gleich noch nach anderem geschickt werden."

Mit einem ermunternden Kopfnicken in ihre Richtung schickt er das Mädchen weiter und versucht seine Gedanken in geordnete Bahnen zu lenken.

'Gleich werde ich alle meine Konzentration benötigen.'

Der Praiosgeweihte hebt die Hand zur Türe und verharrt kurz.

'Klopfen? Ach was. Hört eh keiner...'

Mit kräftigem Druck auf die Klinke öffnet er die Türe und stößt sie auf, hält sie jedoch weiterhin fest, damit der Wind sie ihm nicht aus der Hand reißt. Mit zusammengekniffenen Augen späht er in die Kabine und versucht, sich einen ersten Überblick zu verschaffen.



NORDSTERN - Oberdeck: Hart im Wind - Angar und Perval


Für zwei Matrosen ist die Bedienung des Grosssegels eine ziemliche Arbeit, aber da es noch gesetzt war, und nicht gerefft oder eingeholt, beschränkt sich das auf die wechselseitige Bedienung der beiden Winden unter ständiger Beachtung des Winkel, unter dem der Wind das Segel trifft. Und da sich durch den Rudereinschlag dieser Winkel laufend ändert, müssen Angar und Perval auch permanent an den Winden arbeiten.

Aber immerhin hat der Wind das Grosssegel jetzt wieder voll erfasst und aufgebläht. Kräftig werden die Schoten gespannt, was zwar die Arbeit an den Winden erschwert, zugleich aber auch für Vortrieb sorgt und die im Laufe der Bergung fast auf Null gesunkene Geschwindigkeit der Karavelle ganz langsam wieder erhöht.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Hart im Wind - Der Kapitän


Langsam zeigt das Steuer wieder verstärkt Ruderwirkung, und die Karavelle dreht immer rascher weiter mit dem Heck durch den Wind.

Der Kapitän, der das Steuerrad in der Steuerbordanschlagstellung hält, beobachtet das aufmerksam, und als er merkt, dass der Wind genau von achtern kommt, lässt er das Rad ein ganzes Stück zurück rotieren, denn es ist besser, wenn das Schiff erst einmal weiter Fahrt aufnimmt, ehe er es wieder in den Kampf der dann wieder dwars kommenden Wellen schickt. Ganz in die Neutralstellung bringt er es indes nicht, so dass die Kurve fortgesetzt wird, wenn auch sehr viel weniger scharf als zuvor.

Der Zufall verhindert, dass Jergan bei diesem Manöver die klabautersahnebonbonbeschmutzte Speiche des Rades erwischt, und so bleibt dieses Problem auch weiterhin aus seinem Gedächtnis verdrängt.

Am liebsten würde der Kapitän jetzt nach unten gehen, um nach den beiden zu sehen, die im Wasser waren, aber dadurch, dass Nirka im Moment ebenfalls nicht an Deck ist, ist niemand weiter da, dem er das Steuer übergeben kann - Lowanger hat er erst vor kurzem in die Koje geschickt, und Fiana soll sich für den Nachmittag und Abend ausruhen.



NORDSTERN - Oberdeck: Hart im Wind - Efferdan und die 'Blinde'


Efferdan steht still am Mast und sieht sich um. Das Grosssegel wird von zwei Matrosen bedient - der eine ist Angar, der andere der »Neue« - und an der Fock stehen auch schon zwei, so dass die NORDSTERN langsam wieder Fahrt aufnimmt.

Aber da ist noch die Blinde, die so seltsam »schräg« und lose da hängt und die den Vortrieb eher behindert, als ihm nützt. Und anscheinend ist niemand da, um sich das anzusehen - niemand außer ihm.

Obwohl ihm kalt ist, er am ganzen Leibe zittert und sich am liebsten umziehen würde, bleibt er. Hier ist etwas (wichtiges wie er denkt) zu tun, da kann er doch nicht einfach verschwinden!

Also beißt er die Zähne zusammen - damit sie nicht klappern - und versucht die Kälte so gut wie möglich zu ignorieren. In der Hoffnung, dass ihm durch den Weg etwas warm wird, huscht er schnell in Richtung Vordeck.



Rasch hat er den Weg zum Aufgang zurückgelegt und huscht gewandt die Treppe empor. Trotz des Seegangs bewegt er sich so sicher auf den Planken, wie andere Menschen über eine Reichsstraße schreiten.

Oben angekommen, begibt er sich zur Blinde, um zu sehen, was hier zu tun ist. Immer noch zittert er, auf dem kurzen Weg ist ihm nicht wirklich wärmer geworden, und so schlingt er die Arme um den Körper, um sich wenigstens etwas zu isolieren.

Für einen Moment fragt er sich, warum er nur die kurze Kleidung angezogen hat - das ist einfach, denn ihm war, trotz der Jahreszeit, vorher nicht kalt, sondern das Kältegefühl kam erst, als die Kleidung durchnässt war und der kalte Wind hindurch pfiff - doch dann schiebt er den Gedanken beiseite und konzentriert sich auf die Blinde.

Sie bietet ein trauriges Bild. Lose hängt sie herab, ständig spült Wasser über sie hinweg. Das eine Tau wurde ein Stück abgeschnitten und auch am anderen Ende ist sie nicht befestigt. Hier sollte unbedingt etwas getan werden! Doch - alleine?



`Mmh, ich kann die Blinde hier nicht einfach hängen lassen... das geht doch einfach nicht...`

Als Matrose kann er es natürlich nicht sehen, wie die Blinde so nutzlos und unordentlich herunterhängt. Schließlich ist es auf einem Schiff sehr wichtig, darauf zu achten, dass alles Werk im guten Zustand bleibt - und das »hier rumhängen« wird wohl kaum zum Erhalt der Blinde beitragen. Beständig spritzt Wasser heran, durchnässt die Blinde, die auch vom Wind hin und her geworfen wird.

Eigentlich gehört sie geborgen und ordentlich verwahrt - doch Efferdan ist erfahren genug, um zu sehen, dass das alleine zwar nicht unmöglich, aber doch schwierig und unsicher wäre - zu unsicher, als dass man eine Einzelaktion gut heißen könnte.

Also beschließt er, einen Mittelweg zu wählen. Zuerst die Blinde etwas sichern - soweit wie alleine möglich - und dann jemanden fragen, wies weiter gehen soll. Letzteres verursacht bei Efferdan ein ungutes Gefühl im Bauch, bedeutet es doch, dass einer von den Offizieren gefragt werden muss. Und da weder Fiana noch Lowanger an Deck sind und die Bootsfrau sich um Sigrun kümmert, bleibt nur noch eine Person übrig - der Kapitän persönlich!

Efferdan beschließt das ungute Gefühl beiseite zu schieben und anzufangen. Später ist noch genug Zeit, um sich darüber Sorgen zu machen, wie man dem Kapitän am besten fragen soll. Und die Arbeit hilft vielleicht auch, dass unangenehme Kältegefühl zu vertreiben, dass sich immer weiter in ihm ausbreitet...

Mit seinen schlanken Händen greift Efferdan nach den linken, intakten, Schot und beginnt damit, die eine Seite der Blinde heranzuziehen.



Nachdem er die linke Seite der Blinde komplett zu sich hergezogen hat, macht er es am Beschlag fest. Somit hängt die Blinde nun längs gedreht unter dem Bugspriet.

`So. Das ist wohl das Beste, was ich alleine tun kann...`

Da das zweite Schot unbrauchbar ist, müsste jetzt eigentlich jemand auf den Bugspriet kriechen, um das Segel hoch zu binden. Aber allein ist das eindeutig zu unsicher.



NORDSTERN - Oberdeck: Hart im Wind - Perval und Angar


Angar sieht kurz von seiner Winde auf, als Efferdan vorbei eilt.

'Der Junge sollte sich mal was wärmeres anziehen, da friert man ja schon vom Hinschauen!' huscht durch seinen Kopf, doch er beobachtet den anderen Matrosen nicht weiter. Wenn es sich um Traviana handeln würde - dann wäre das etwas anderes, aber Efferdan interessiert Angar schlicht nicht weiter.

Langsam dreht er noch ein wenig weiter an der Kurbel der Winde, die die Schot jetzt fast auf maximale Länge freigegeben hat - der Wind kommt so ziemlich von achtern, und da müssen die Segel quer zur Kiellinie stehen, um optimalen Vortrieb zu bringen.

Aber dem Matrosen ist auch klar, dass das nicht lange so bleiben wird, denn Jergan lässt das Schiff auch schon wieder anluven, wenn auch mit viel geringerem Rudereinschlag, als er zu Beginn des Manövers benutzt hatte.

An der zweiten Winde folgt Perval stumm und fast synchron den Verrichtungen Angars - mit der Sicherheit eines Seemannes, der längst nicht das erste Mal auf den Planken eines Hochseeseglers steht.



Angar und Perval bekommen an den Winden des Grosssegels wieder mehr zu tun, denn die NORDSTERN luvt weiter an, und das bedeutet, dass das Segel herumgeschwenkt und dann allmählich dichter geholt werden muss, um den optimalen Vortrieb zu gewährleisten.

So bemerken sie beide nichts von Efferdans Bemühungen um die Blinde, aber das hätte auch anderenfalls keine weiteren Auswirkungen, einfach, weil im Moment gerade einmal genug Matrosen auf dem Deck sind, um die beiden großen Havena-Segel halbwegs zu bedienen.



NORDSTERN - Auf dem Brückendeck: Hart im Wind - Der Kapitän


In einer sanften Kurve luvt die NORDSTERN wieder an, einer Kurve, die sie sehr langsam wieder auf den alten Kurs zurückführt, der so ziemlich genau in Richtung Süden, und damit in Richtung Havena führt.

Der Kapitän lässt seine Blicke über das jetzt wieder wesentlich menschenleerere Deck schweifen, während er das Steuer in der aktuellen Position festhält. Recht weit achtern auf dem Deck, gar nicht so weit von der bugseitigen Wand des Heckaufbaus entfernt, liegen noch all die Seile und Trossen, die für Sigruns Rettung benutzt wurden, vorne am Bug baumelt noch die Blinde in einer unmöglichen Position. Um beides wird man sich kümmern müssen, doch das ist noch nicht so extrem wichtig - erst einmal soll das Schiff auf den Kurs zurückfinden, und die Gerettete und der Retter versorgt werden. Alles andere kann später passieren - ebenso wie das erneute Ausbringen der Rettungsleine, die ihre Notwendigkeit so eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.



Die Fahrt der NORDSTERN nimmt ständig zu, während der Winkel zur Windrichtung selbiges tut. Bald werden es fünfundvierzig Grad sein, und damit ist dann auch schon in etwa die Hälfte der Kurve geschafft, die das Schiff wieder auf den alten Kurs zurückführt.

Um den Effekt der wachsenden Geschwindigkeit auszugleichen, und die wenigen Matrosen auf dem Oberdeck nicht zu überfordern, nimmt der Kapitän das Steuer ein klein wenig zurück, was den ohnehin schon nicht kleinen Kurvenradius noch größer macht.



NORDSTERN - Vordeck: Hart im Wind - Efferdan und die 'Blinde'


Noch einmal wirft Efferdan einen prüfenden Blick auf »sein Werk«. Dabei schlingt er wieder die Arme um seinen Oberkörper, in der Hoffnung die Kälte, die ihn erfasst hat, etwas zu mildern.

`So, das - ist das kalt - müsste erstmal gehen...`

Kurz überlegt Efferdan, was jetzt zu tun ist.

`Am besten jemanden fragen...`

Efferdan weiß zwar, wie die Blind geborgen werden müsste, aber er kann es nicht alleine machen und angesichts der wenigen Matrosen an Deck kann er auch nicht einfach jemanden auffordern, ihm zu helfen (mal davon abgesehen, dass das nicht seine Art ist).

Also dreht er sich um, um zu sehen, wer ihm eine Antwort geben könnte - und sieht seine »Befürchtung« bestätigt. Immer noch ist nur ein Offizier an Deck - der Kapitän persönlich. Wieder kommt Efferdans Scheu zu Tage und das Zittern, dass seinen Körper erfasst hat, ist nun nicht mehr nur der Kälte zuzuschreiben.

`Den Kapitän fragen...`

Efferdan seufzt. Ihm bleibt wohl nichts anderes übrig. Zögernd macht er sich auf dem Weg hinunter aufs Oberdeck.



Je näher er der Brücke kommt, desto unsicherer wird er.

`Kann ich den Kapitän wirklich stören? Er ist doch so beschäftigt. Aber die Blinde... Sie muss doch geborgen werden...`

Efferdan seufzt.

`Warum immer ich?`

Immer näher kommt die Brücke, unaufhaltsam nähert sich der Moment, da er die Brücke und den Kapitän erreichen wird. Innerlich versucht er sich schon einmal darauf vorzubereiten, den Kapitän anzusprechen. er weiß, dass ihm das nicht wirklich gelingen wird.



NORDSTERN - Oberdeck: Hart im Wind - Perval und Angar


Die NORDSTERN schwenkt weiter auf den richtigen Kurs, und nun, nach dem Herumschwenken des großen Havena-Segels, ist es für Angar und Perval an den Winden desselben auch wieder viel einfacher.

Angar kurbelt ein kleines Stück weiter, blickt zum Segel empor, das einfach ideal steht, und wendet den Blick dann hinüber zu Perval an der anderen Winde.

"So... dann haben wir das hier ja auch bald geschafft... hoffentlich gehts Sigrun und Ole inzwischen wieder besser!"



NORDSTERN - Auf dem Brückendeck: Hart im Wind - Efferdan und der Kapitän


Alles passt perfekt, die beiden Havena-Segel stehen gut im Wind, und erzeugen ordentlichen Vortrieb, der sich in einer immer deutlicher werdenden Kielwasserspur hinter der rivaer Karavelle bemerkbar macht.

Jergans Blicke sind kurz auf den sanften Bogen gerichtet, den diese Spur beschreibt, auch wenn die Wogen sie ziemlich schnell auslöschen und wieder unsichtbar machen. Es geht gut voran, und lange wird es nicht mehr dauern, bis die alte Fahrgeschwindigkeit wieder erreicht ist.

Dann wendet er sich wieder dem Steuer zu, dessen Einstellung noch immer korrekt ist, um die Kurve in der gewünschten Zeit zu beenden. Eine Bewegung weiter vorne erweckt seine Aufmerksamkeit - es ist Efferdan, der da gerade auf dem Weg zum Brückendeck ist, wie es scheint, denn der Mannschaftsraum wird kaum sein Ziel sein, denn in dem Fall hätte er sicher den vorderen Niedergang genommen.



Irgendwann - für Efferdans Empfinden viel zu früh - erreicht der schmale, hellhäutige, zitternde Matrose den Aufgang zur Brücke. Zögernd steigt er hinauf, getrieben einerseits von der Notwendigkeit, den Kapitän fragen zu müssen, was nun geschehen soll, andererseits gehemmt durch den Respekt, ja fast Furcht, die er dem Kapitän entgegenbringt. Wenn möglich vermeidet er es, den Kapitän persönlich anzusprechen, doch jetzt muss es sein.

Wie verloren steht Efferdan am Rande des Brückendecks, nicht nur vor Kälte zitternd, bemüht, so etwas wie Haltung zu bewahren, sich aber doch nichts anderes wünschend als weit weg zu sein, an einem Ort, an dem sich Ruhe und Stille mit der Anwesenheit des Meeres vereinen.

Von dem »zweiten Efferdan«, der eben noch, bei der Rettung, so selbstbewusst versucht hatte zu helfen und die Anstrengungen zu koordinieren, ist nun nichts mehr zu spüren. Alles selbstbewusstes Auftreten scheint verbraucht zu sein, verschwand einfach, wie fortgeweht, als die kritische Situation gemeistert war. Hier steht wieder der »normale« Efferdan, der stille, der scheue. Er selbst weiß kaum, woher er den Mut nimmt, den Mund zu öffnen und in seiner leisen, hellen Stimme den Kapitän anzusprechen:

"Ähm, entschuldigt, Kapitän.."

Dabei sieht er, eigentlich wie gewohnt, dem Kapitän nicht ins Gesicht. Sein Blick ist scheu und respektvoll auf einen Punkt irgendwo auf Jergans Brustkorb gerichtet.



Da der Kapitän auf Efferdan bereits aufmerksam geworden ist, hat dieser fast augenblicklich nach seiner Frage die volle Aufmerksamkeit Jergans.

"Ja, was gibt es?"

Sein Blick huscht dabei über die viel zu leichte Kleidung des Matrosen - sicher eine Folge der Hektik, in der alles passiert ist, seit Sigrun über Bord gefallen ist.



Efferdan kommt es fast so vor, als hätte der Kapitän auf ihn gewartet, so schnell antwortet er ihm. Jergan ist eben ein richtiger Kapitän - scheinbar allwissend über dass, was auf seinem Schiff vorgeht und immer souveräner Herr der Lage.

Efferdan schluckt. Der Kapitän hatte ihn aufgefordert zu sprechen. Dann sollte er das auch schleunigst tun. Aber was? All die Worte, die er während des Weges versucht hatte, sich zurecht zu legen, sind auf einmal verschwunden, leer ist sein Kopf.

Stattdessen kreisen seine Gedanken immer wieder um die Frage, ob es richtig war, den Kapitän anzusprechen, ob es nicht falsch war, ihn zu stören. Er, der Matrose steht nun vor den gestrengen - naja, nicht wirklich strengen - Blicken des Kapitäns und soll ihm antworten...

Dann kommt ihm wie ein Lichtschimmer wieder der Gedanke an die Blinde, deren Zustand und dass etwas getan werden muss. So findet er die Kraft, dem Kapitän zu antworten - wenn auch nur auf seine gewohnt knappe und scheue Art.

"Ähm, ...die Blinde bergen?"

Für Efferdan steckt in dieser einen kurzen Frage so viel. Klar, er könnte noch sagen, dass er dies alleine nicht kann und dass er schon die Blinde provisorisch wieder befestigt hat - aber schließlich spricht er mit dem Kapitän. Und Efferdan ist sich sicher, dass Jergan dies alles sieht und weiß - schließlich ist er ja der Kapitän!

Noch immer sieht er auf den ominösen Punkt auf Jergans Brust. Zitternd schlägt er wieder die Arme um den Körper und wartet ergeben auf Jergans Antwort.

`Hoffentlich habe ich es richtig gemacht...`



Der Kapitän versteht nicht im geringsten, warum der Matrose so eingeschüchtert wirkt, zumal die Frage wirklich berechtigt und sinnvoll ist. Insbesondere jetzt, wo das Schiff fast schon wieder auf dem alten Kurs liegt, und die Geschwindigkeit weiter ansteigt, wird das Problem immer aktueller.

Kurz bückt Jergan sich, um trotz der Sichtbehinderung durch die beiden großen Havena-Segel die Blinde und den Bugspriet sehen zu können.

Jemand, vermutlich Efferdan, hat sie in eine etwas weniger traurige Lage gebracht, aber so kann sie natürlich nicht bleiben.

"Ja, die muss in der Tat geborgen werden. Such dir noch einen anderen Matrosen, und tu das dann."

Mit diesen Worten wendet Jergan sich wieder dem Steuerrad zu, das er wieder einige Grad nach Backbord dreht, um mit dem Ende der langen Kurve zu beginnen. Doch... er blickt noch einmal auf, und ergänzt:

"Aber vorher hol dir was Warmes zum Anziehen, da friert man ja schon vom Hinschauen!"



NORDSTERN - In der Suite: Auftritt des Praioten


Vor den erstaunten Augen Onaskjes breitet sich ein Bild aus, dass einem wüsten Gelage bei den Orken selbst entspräche. Da solche hier allerdings wohl nicht anzutreffen sind, handelt es sich wohl eher um das, was sich der Geweihte unter einer Themen-Orgie vorstellt, schnell unter schwierigen Umgebungsbedingungen improvisiert.

'Mich trifft der Schlag!'

Unsicher tritt er zwei Schritte näher und läßt den Türknauf los, ungeachtet von Wind und Wetter (und Alkinoe).

'Den hohen Leutchen habe ich ja schon immer so einiges zugetraut, aber so, hier? Und die ältere Frau, sie wird dem Mann doch nicht gerade - nein, sie hat sich wohl sein Bein angesehen.'

Bei näherem Hinsehen scheint sich die Situation nun doch etwas zu relativieren. Das allgemeine Chaos sieht eher nach einem gewaltigen Malheur denn einem Exzess aus, und die etwas unglückliche Miene des Dicken scheint dies zu belegen.

"PRAios zum Gruße, mir wurde von einem dringenden Notfall berichtet?"

Der Geweihte wirft einen fragenden Blick auf den einzigen Kandidaten, der für ein halb abgerissenes Bein in frage kommt. Zwar hat sich der Verband - genau kann er diesen aus diesem Abstand noch nicht sehen, aber um einen solchen wird es sich ja schon handeln - schon teilweise rot verfärbt, aber es ist nun nicht gerade so, als winde sich jemand in Todesqualen auf dem Fußboden. Dennoch, man weiß ja nie. Und der aufwendigen Kleidung nach zu schließen, hat die ältere Frau wohl schon eher alles andere gemacht, als Verwundete zu pflegen. Noch zwei Schritte macht er zu den beiden hin, dabei bemerkt er nicht, wie er erst mit seinem rechten Fuß ein Käsestück zu Brei tritt und danach auf einige der Weintrauben, die er sich somit unter den Stiefel heftet.

'Ob ich mich wohl zunächst vorstellen sollte? Na, vielleicht ist es besser, erst mal zu hören, was die beiden zu sagen haben, danach kann ich dann auch die Dringlichkeit beurteilen.'

Aufmerksam schaut er zwischen dem Verband, der Frau und dem Mann hin und her.



'Na das ist ja wohl die Höhe. Nimmt den hier niemand Rücksicht auf einen Kranken?'

Als die Tür aufgerissen wird ist di Vespasio sehr verärgert. Er will schon dem Rüpel ein Donnerwetter entgegenwerfen als er an der weißen Kleidung erkennt, um wen es sich denn handelt, es ist der Geweihte des Sonnengottes selbst.

Im Grunde wäre es jetzt angebracht aufzustehen und er macht auch einige hektische Bewegungen, um sich mit dem Armen vom Stuhl hoch zu stützen, doch noch ist sein Bein ganz in den Händen seiner Wohltäterin, so dass es ihm nichts hilft, aufstehen zu wollen. Er sinkt also wieder in die Polster zurück und hebt die Hände um einige passende Worte für die Situation zu finden.

Diese Situation ist jedoch etwas umständlicher zu erklären: Ein Stuhl im wilden Durcheinander auf dem Boden liegend, das Tischtuch halb vom Tisch heruntergezogen, die Gläser umgestürzt, die Serviertabletts landab, landauf verteilt, besonders böse hat es den Käse erwischt, die geschnittenen Stücke haben es bis zur Zimmermitte auf einen Haufen geschafft, während die restliche Hälfte des Käserades in einer Ecke mit der Dünung auf und abwippt.

Mittendrin der Comte mit einem weinrot bekleckertem Rock und einem blutrot verschmiertem Verband über das sich die hohe Dame beugt.

"Ähhhhahhmmmmmm bemhhh ..."



Als der Comte in, wie die Freifrau zu meinen geneigt ist, in sinnloser Wut über ihren Hund herzieht, regt sich auch in Frau Reckinde zuerst ein Hauch von Unmut und dann steigernd ein Anflug von Zorn. So zieht sie die letzte Binde unnötig straff an. Das mag dem edlen Herren etwas weh getan haben, aber was solls

"Das mein verehrter Herr Comte", erklärt Reckinde mit einem drohenden Lächeln "ist in der Tat eine Lappalie!"

Es zieht auf einmal in der Suite, die Türe muss geöffnet worden sein. doch Reckinde mag nicht darauf achten, denn es gilt ihren Hund zu verteidigen und sie würde lieber selbst Herrn Di Vespasio ins andere Bein beißen wollen, als ihren neuen Begleiter im Stich zu lassen.



Di Vespasio blickt zwischen Freifrau von Beibach und Bruch und dem Geweihten hin und her.

'Streng genommen sind wir einander nicht vorgestellt worden, so dass du die beiden kaum miteinander bekannt machen kannst. Zumal man ja sowieso sieht, dass es sich um einen Praiosgeweihten handelt, mehr hättest du auch nicht zu sagen, nicht wahr mein Lieber? Demnach wäre es die Pflicht der Gastgeberin, den dazugekommenen zu begrüßen.'

Mit sich zufrieden, die Situation geklärt zu haben, ohne den Anhänger des PRAios ansprechen zu müssen, lächelt der Adlige in die Runde.



'So, ein Comte ist das also. Aber welch schlechten Geschmack er besitzt bei der Auswahl der Garderobe und deren Farben. Und wie es mir scheint, ist der Titel wohl nicht für überragende Höflichkeit verliehen worden. Nicht, dass sich hier auch nur mal einer bequemen würde, einen Retter in einem Notfall zu begrüßen, einzuweisen oder wenigstens zur Kenntnis zu nehmen.'

Mit einem leicht säuerlichen Lächeln im Gesicht mustert Onaskje nun nicht mehr den Verband, den dei Dame gerade festgezogen hat, sondern die anwesenden Personen und deren Kleidung und Verhalten. Dabei bemüht er sich, sein Gesicht zu entspannen und ihm einen neutralen Ausdruck zu verleihen, was ihm nach wenigen Augenblicken auch gelingt.

'Sitzt einfach da und greint in die Runde, dann ist es wohl doch kein ernster Notfall?'

Missmutig denkt Wulff Onaskje an die adligen Zuckerpüppchen, die ausnahmslos aufgrund ihrer Geburtsstellung in das Garderegiment der Bannstrahl-Anwärter aufgenommen worden sind.

'Die hatten auch weder Mumm noch ehrfurchtsvollen Glauben oder den wahren Willen auf der Seite des Guten zu streiten. Die sahen nur den Glanz für ein schönes Aushängeschild an. Ich wette, der da kann auch nichts außer schwätzen und dabei mit einem Lächeln ganze Familien in ihr verderben stürzen sehen und lassen, während er dann ihren Nachlass beschlagnahmt.'

Er lässt seinen Blick auf der Frau ruhen und beobachtet sie bei ihren letzten Handgriffen, ein zweiter Helfer würde da nur stören.

'Doch erstaunlich routinierter als ich es angenommen hätte. wer weiß, was hinter ihr steckt.'

Der Praiosgeweihte beschließt, doch erst noch einen Augenblick zu warten. Nun, vielleicht wäre ja eine sehr dezente Note nicht unangebracht und so räuspert er sich sehr leise, wie um ein Gespräch unaufdringlich beginnen zu wollen.

'Hr-hrmm.'



'Sie ignoriert ihn einfach! Erstaunlich! Ist das nun Mut oder Dummheit? In jedem Fall eines in unerhörtem Maße. Möglicherweise ist es ihr einfach zur Gewohnheit geworden ihre Gäste zu ignorieren? Möglicherweise ist auch ein dezenter Hinweis angebracht, mein Freund, schließlich willst du ja nicht, dass ihre Regeln der Gastfreundschaft auf dich zurückfallen?'

"Lappalie oder nicht, es ist und bleibt Gesetz. Fragt Euren rechtskundigen Adlatus oder auch Euren neuen, sicherlich ebenfalls rechtskundigen, neuen Gast."

Die Worte 'Neuen Gast' betont der Adlige dabei ganz deutlich.



'NEUER GAST ??'

Verwundert blickt die Freifrau auf. In der Tat, da steht ein Mann im Raum, der mit einem forschenden Blick die Situation begutachtet, aber offensichtlich mit keinem Ton einen Hinweis darüber abgeben will, was er hier überhaupt sucht.

Mit einer unwirschen Bewegung bringt sie den Hund zu Schweigen, der den Eindringling misstrauisch mustert und schon gefährlich zu knurren beginnt. Mit einem argwöhnischen Seitenblick beäugt sie den 'neuen Gast'.

"Was verschafft uns die Ehre eurer Anwesenheit?" bemerkt sie kurz und knapp und kümmert sich kaum darum, dass ihr Tonfall mehr als abweisend klingt.



Ob der Worte der Freifrau hebt di Vespasio die Brauen und blickt erstaunt auf den Geweihten, ob man in ihm denn etwas anderes sehen kann als den zweithöchsten Vertreter der Zwölfgötter an Bord der NORDSTERN.



"Meine Anwesenheit?" säuselt der Praiosgeweihte. "Nun, ich wurde gerade von einer jungen Dame angesprochen, hier hätte sich ein Notfall ereignet. Eine schwerste Verwundung. Mir schien dringlichste Eile angebracht, darum eilte ich sogleich hier her."

Ostentativ blickt der Geweihte noch einmal in der Kabine umher, dann hebt sich leicht seine linke Augenbraue, ebenso wie seine Stimme, die einen Hauch von Verärgerung durchklingen läßt.

'Diese degenerierten impertinenten dekadenten Pfeffersäcke! Was glauben die eigentlich, wen die hier vor sich haben, einen Hampelmann vielleicht?'

"Wahrhaftig, mir scheint, dass hier ein dringender Notfall vorliegt, aber allerhöchstens einer, der durch ein Putzmädchen beseitigt werden könnte. Jedenfalls keiner, der einer sachgerechten Wundbehandlung bedarf.

Es sei denn," jetzt Blickt er den frisch verbundenen Edelmann an, "es wäre noch juristisch zu untersuchen, ob die Behandlung der Verletzung ordnungsgemäß durchgeführt wurde."

Jetzt kann Onaskje nicht ganz verhindern, dass sein Tonfall eine sarkastische Note annimmt. Langsam kommt er in Fahrt. Seine Augen funkeln und er verschränkt die Arme vor der Brust.

"Dazu möchte ich mich zunächst einmal vorstellen, dies ist vor jeder juristischen Beratung durchaus angebracht. Ich bin Wulff Onaskje, Ordentlicher Priester des Garether Tempels des PRAios, unserem allergnädigsten Herren all dessen, was da ist."

Eine größere Woge hebt in diesem Augenblick das Achterschiff an, was den Geweihten dazu nötigt, die Arme wieder zum Ausbalancieren (und nötigenfalls zum Abstützen) zu lockern. Dieselbe Woge läßt auch ein Glas an seinen Stiefel rollen, auf den es in diesem Augenblick die letzten Tropfen einer roten Flüssigkeit entleert, so dass sie dort einen Flecken bilden. Säuerlich guckt der Geweihte auf seinen Stiefel, läßt dann seinen Blick über den Sitzenden auf die Frau schweifen und fragt:

"Und mit wem habe ich das Vergnügen?"



'Er meint dich nicht. Ganz sicher meint er dich nicht, er meint die Freifrau. Kein Grund zur Sorge, sie ist die Gastgeberin und muss dich vorstellen. Einfach nur lächeln und so tun als wäre nichts gewesen.'

Nachdem di Vespasio beim plötzlichen Eintreten des Geweihten zusammengezuckt war, entspannt er sich nun merklich, richtet sich im Stuhl auf, läßt den Sarkasmus in dessen Stimme über sich hinweg wogen und lächelt unverfänglich freundlich zwischen ihrer Gnaden und ihrer Hochgeboren hin und her, ohne ihnen jedoch direkt in die Augen zu blicken.



NORDSTERN - Auf der Brücke: Verklebtes Steuer - Der Kapitän ruft


Jergan sieht dem Matrosen, der sonst - und diesmal - immer so schüchtern ist, noch kurz hinterher. Kurz hat er diese Schüchternheit und Vorsicht vergessen gehabt, wohl durch das sichere Auftreten Efferdans nach Sigruns Überbordfallen, das auch ihm hier auf der Brücke nicht entgangen ist. Doch nun scheint er wieder der alte zu sein, und da der Kapitän - soweit er mit dem Matrosen direkt zu tun hat, was ja sehr selten der Fall ist - sich daran in gewisser Weise schon gewöhnt hat, denkt er auch nicht weiter drüber nach.

Statt dessen lässt er seine Blicke über das Wasser schweifen, achtet auf den Wind und die Wogen, und findet schließlich, dass die Kurve nun ihr Ende erreicht hat, und die NORDSTERN endlich wieder auf dem alten Kurs liegt. Langsam dreht er das Steuer zurück, Speiche um Speiche, bis schließlich...

... seine Hand an etwas Klebrigen hängen bleibt!



Schlagartig fällt Jergan die Beobachtung wieder ein, die er gemacht hatte, als die NORDSTERN unmittelbar nach Sigruns Unfall beidrehen musste.

Wie beim letzten Mal kann er auch diesmal das Ruder nicht in der entsprechenden Stellung stehen lassen, da die NORDSTERN dann folgerichtig zu sehr anluven würde, sondern muss es bis in die Neutralstellung weiterdrehen, so dass das Schiff endlich wieder auf seinen alten Kurs zurückgefunden hat.

Jedoch... kaum ist das getan, bückt der Kapitän sich, und betrachtet die Speiche, die sich nun interessanterweise genau unten befindet.



Jergan kann nicht genau erkennen, was da an der Speiche des Steuerrades klebt - offenbar eine klebrige Masse, aber die Farbe und die Konsistenz sind anders als die von Teer, was seine erste Idee war. Immerhin verwendet man Teer ja für allerlei Abdichtarbeiten auf Schiffen.

Nur... was ist es dann? Und... wie kommt es an das Steuerrad? Die einzige Erklärung, die dem Kapitän einfällt, ist, dass es jemand an den Fingern hatte, und dass es dann am Rad kleben geblieben ist. Nur... außer ihm hat nur Lowanger das Steuer in der letzten Zeit geführt, und den kann er jetzt nicht befragen - zumal der klebrige Klumpen auch ziemlich groß ist - zu groß, um ihn unbemerkt an den Fingern zu kleben zu haben.

Schulterzuckend richtet der Kapitän sich wieder auf - es gibt jetzt wichtigeres zu tun als das - nämlich das Schiff sicher durch die Wellen zu führen.

Er riecht jedoch noch kurz an den Fingern, mit denen er die fragliche Masse berührt hat - es könnte sich fast um irgendwas essbares handeln... Doch... das ist nach wie vor zu unwichtig, um es genauer zu untersuchen - es muss einfach nur beseitigt werden, und für seine Finger wird wohl ein feuchter Lappen genügen.

Mit diesen Gedanken dreht Jergan das Steuer erstmals wieder ein Stück nach Backbord, um die NORDSTERN auf dem idealen Kurs zu halten, und lässt dann die Blicke über das Oberdeck schweifen, um zu sehen, welcher der Matrosen abkömmlich ist.



Schließlich werden Jergans Augen auf dem Oberdeck fündig. Angar und der neue Matrose, dessen Namen dem Kapitän im Moment nicht sofort einfallen will, sind mit dem Nachführen des Groß-Segels fertig. Im Grunde könnte er sie Efferdan für die Bergung der Blinde zuteilen, doch da im Moment ohnehin viele Matrosen unter Deck sind, wird der junge Matrose dort wohl auch jemanden dafür finden. So können diese beiden sich damit anderen Aufgaben zuwenden, und davon hat der Kapitän immerhin gleich zwei parat. Eine, die etwas mehr Verantwortung erfordert, für Angar, der schließlich schon ein paar Tage länger an Bord ist, und eine für den anderen Matrosen.

"Angar!" ruft der Kapitän über das Deck, "wirf mal die Backbordseite Sicherungsleine aus, und schick mir den neuen hierher auf das Brückendeck!"

Absichtlich weist Jergan die Benutzung der anderen Leine an, denn wer weiß, welchen Beanspruchungen die andere Trosse während der Rettung ausgesetzt war, und ob sie dabei nicht vielleicht ein wenig Schaden genommen hat. Auf jeden Fall, das steht fest, ist es bei diesem Seegang und dieser Fahrweise sehr wichtig, wieder eine solche Leine auszuwerfen.



Angar arretiert "seine" Winde in der momentan optimalen Stellung, und ruft dann in Richtung des Brückendecks:

"Zu Befehl Kapitän!"

Immerhin ist er nicht derjenige, der zum Kapitän muss, denn direkt unter dessen Aufsicht oder Befehl erledigt er nur sehr ungerne Aufgaben, denn Probleme, die dabei auftreten, lassen sich so gut wie nicht abschieben auf andere, die sie verursacht haben könnten.

"Perval, du hast es gehört... er kann damit wohl nur dich meinen", sagt er darum, während er sich bereits in Richtung der Backbordseite des Heckaufbaus in Bewegung setzt.



NORDSTERN - Oberdeck: Verklebtes Steuer - Angar's Aufgabe


Der Matrose Angar wirft noch einen Blick in Pervals Richtung, dann geht er in achterner Richtung weiter. Er hat zwar nicht ganz genau mitbekommen, wo die Sicherungsleinen gelagert werden, dazu ist er schlicht noch zu kurz auf dem Schiff, doch eigentlich kann es da nicht viele Orte geben, und die müssen auf jeden Fall achtern liegen.




Ganz in der Nähe des achternen Pollers findet Angar schließlich, was er gesucht hat - nämlich die noch unbenutzte Sicherungsleine der Backbordseite. Rasch greift er danach, um sie aus dem recht unzugänglichen Winkel zwischen dem achternen Poller und der Reling zu ziehen, und stellt prompt genau das gleiche fest, was nicht einmal eine Stunde vor ihm der Schiffszimmermann auf der anderen Seite bemerkt hat: Die Trosse ist ziemlich wirr ineinander verheddert, und die darin eingebundenen Holzstücke machen das Chaos noch perfekter. In dem Zustand könnte man die Trosse höchstens als ganzes über Bord werfen, ganz sicher aber nicht in einem Zustand, in dem sie jemand als Rettungshilfe benutzen könnte.

Seufzend zerrt Angar das verhedderte etwas ein Stück weiter auf das Oberdeck, weil da einfach mehr Platz ist, und macht sich an die ungeliebte, aber anscheinend nicht aufschiebbare Arbeit der Seil-Entwirrung.



Noch immer grummelnd setzt Angar sich auf die unterste Stufe des Aufgangs zum Brückendeck, denn bei den Bewegungen, die das Schiff im Moment macht, ist eine doch recht viel Sorgfalt erfordernde Arbeit wie die Entwirrung einer solchen Trosse eine Arbeit, die man im Stehen kaum erledigen kann. Und in Relingnähe möchte er sich nun wirklich nicht auf die Planken setzen - das ist schlicht zu feucht.

'Welcher Blödling hat nur diese Trosse nach der letzten Benutzung weggeräumt?' fragt sich der Matrose, während er Stück für Stück das Seil und die Holzstücke so sortiert, dass wenigstens Anfang und Ende erkennbar werden, und die eigentliche Entwirrung beginnen kann.

Dabei lässt er außer Acht, dass er selbst im Normalfall natürlich auch zu den Leuten gehört, die sich mit derlei Wegräumarbeiten keinerlei Mühe geben - es ist ja auch ziemlich aufwendig, feucht und anstrengend, die im nassen Zustand nicht gerade leichte Trosse sauber zu verstauen. Und das findet auch immer dann statt, wenn keine Gefahr mehr droht, das einfache "In-die-Ecke-feuern" also als harmlos erscheint.



Langsam stapelt sich zu Angars Füssen etwas auf, das man im Gegensatz zu dem Seilknäuel durchaus als eine Sicherungstrosse erkennen könnte: Ein Holzstück, eine längere Seilschlinge, dann wieder ein Holzstück, und so weiter. Dennoch wird es wohl noch ein wenig dauern, bis der Matrose die ganze Trosse in solch einer verwendbaren Form am unteren Ende des Aufgangs zum Brückendeck zu liegen hat, denn sie ist ebenso wie ihre Steuerbord-"Schwester" immerhin fünfzig Schritt lang und nicht gerade ein dünnes Seil, sondern eine stabile Trosse, die auch bei voller Fahrt unter der Belastung durch zwei Menschen nicht reißt.

'Welcher Idiot war das nur?'

Angar hält auf einmal ein Holzstück in der Hand, das aus dem viel zu lockeren Knoten herausgerutscht ist, und wohl nur noch nicht abhanden gekommen ist, weil die Trosse so schlampig aufbewahrt worden ist.



NORDSTERN - Auf dem Brückendeck: Verklebtes Steuer - Perval und der Kapitän


Natürlich hat Perval den Befehl des Kapitäns auch gehört, schließlich steht er kaum zwei Schritt von Angar entfernt. 'Eigentlich hätte der Kapitän mich auch direkt rufen können. Oder hat Angar etwa eine höhere Stellung an Bord, als ich bisher dachte? Gesagt hat niemand etwas in der Art.'

Kurz schaut Perval sich nochmals um, ob nicht vielleicht doch jemand anderes mit 'dem Neuen' gemeint sein könnte.

"Scheint wohl so."

Damit dreht er der Winde den Rücken zu und begibt sich in Richtung des Brückendecks Oben angekommen, stellt er sich seitlich vom Kapitän hin, der am Ruder steht. Die Hände auf dem Rücken verschränkt, blickt er ihn an, als er sich an ihn wendet:

"Kapitän?"



Der neue Matrose reagiert flott und kommt auch das Brückendeck hinauf, wo der Kapitän sich ihm auch sogleich zuwendet.

"Bring mir einen feuchten Lappen, damit ich mir die Hände DAVON..."

.... bei diesen Worten zeigt der Kapitän seine Linke, die deutliche Spuren des klabauterschen Sahnebonbons zeigt...

"...reinigen kann, und dann mach mal das Steuer sauber."

Wieder zeigt der Kapitän auf die fragliche Stelle, an der der Sahnebonbon des Klabauters klebt - einzig, dass ein Seemann wohl nie erraten würde, was genau das ist.

"Ich weiß nicht genau, wie das da hingekommen ist, aber auf jeden Fall stört es natürlich - und hat nichts auf der Brücke eines Schiffes zu suchen. Du kannst das ja dann mal Ole zeigen, ob der als Schiffszimmermann weiß, was das sein könnte, oder Garulf, denn es könnte auch was Essbares sein - der Geruch könnte zumindest stimmen."

Nach dieser doch etwas längeren Erklärung korrigiert Jergan den Kurs des Schiffes ein klein wenig, ehe er wieder Perval ansieht, falls dieser noch Fragen hat.



"Jawohl, Kapitän" erwidert Perval nur knapp, nachdem der Kapitän ihm den Auftrag erteilt hat, einen Lappen zu holen und das Steuerrad zu säubern, und wendet sich dann ab um Richtung Niedergang zu gehen.

'Wat is´n dat für ´n Schiff hier? Erst muss man hier die Niedergänge ´wischen und dann kommt der Kapitän und will dat man dat Steuer schrubbt. Ja, bin ick denn hier der Putzmann oder wat? Haben denn die keene anständige Abreit für ´n anständigen Seemann? Oder meint der, ick könnt´ nichts and´res? Wofür is´ ´n schließlich der Schiffjung da?'

Wer Pervals Gesicht sieht, könnte ohne Probleme sehen, das ihn irgendetwas mächtig ärgert, aber zum Glück wendet er ja dem Kapitän den Rücken zu und auf Deck sind nicht allzu viele Personen vorhanden, die gerade einen Blick auf das Brückendeck werfen könnten.

Das der Kapitän irgendetwas sehr komisches am Steuerrad kleben hat, ist Perval in seinem Ärger vorerst entgangen.

'Wat schmiert denn der Klebrige auch seinen Popel überall hin. Könnt doch wie jeder andere Anständige auch ´ne Rotzfahne verwenden. Und ich darf den Schnotter jetzt wegmachen. Schöne Schiite is´dat.'



Jergan beobachtet den Matrosen nicht weiter, denn auch wenn dieser ihm den Rücken zuwendet, so hätte er den ärger vielleicht mitbekommen. So ist seine Aufmerksamkeit voll dem Steuer und dem Wasser rings herum gewidmet, und er nach Kräften darum bemüht, die NORDSTERN so ruhig wie nur möglich durch die Wogen zu führen.

Er achtet jedoch noch auf etwas anderes: Beim Drehen am Steuerrad nämlich eine ganz bestimmte Speiche zu vermeiden...



Schnellen Schrittes geht Perval zum Schrank im Unterdeck, in dem sich die ganzen Putzsachen befinden. Dort holt er wieder einmal in kurzer Zeit einen Eimer heraus. Anstelle des Wischmops sind allerdings diesmal zwei Tücher an der Reihe, dem Eimer Gesellschaft zu leisten. Das Eine, um das Steuerrad zu reinigen und das andere für die Hände des Kapitäns.

Auf dem Weg zurück wird schnell der Eimer über Bord gelassen und mit Wasser gefüllt. So wie die Luft aus dem Eimer gewichen ist, ist auch Pervals Ärger über den neuerlichen Mach-mal-Sauber Auftrag zumindest in großen Teilen gewichen. Schließlich ist ein Befehl ein Befehl und es hat selten Sinn gemacht, sich über einen länger aufzuregen. Die beiden Tücher werden achtlos in den gefüllten Eimer geworfen.

Auf dem Weg hoch zum Brückendeck sieht Perval kurz Angar zu, der auf den Stufen hockt und das Tau sortiert. Oben angekommen, stellt er sich wie zuvor seitlich vom Kapitän hin, fischt einen der Lappen aus dem Eimer, wringt ihn kurz aus, damit er nicht tropfnass ist, und hält diesen dem Kapitän mit den Worten:

"Kapitän, der Lapp´n für Eure Hände." hin.



Jergan lässt das Steuer kurz ganz los, als der Matrose wieder auf das Brückendeck kommt.

"Hab Dank!"

Er nimmt den Lappen entgegen, und beginnt, sich damit sehr gründlich diese merkwürdige Substanz von den Händen zu wischen.

'Was kann das nur sein', fragt er sich dabei zum wiederholten Male, 'und wie kommt es nur auf das STEUERRAD?'

Das Steuer bewegt sich unterdessen nur ganz minimal, wenn die Wogen seitlichen Druck gegen das Ruderblatt ausüben, doch der Kapitän ist bei seiner reinigenden Tätigkeit stets bereit, das Steuer zu fangen, falls sich das ändern sollte.



Perval sieht einen Moment zu, wie der Kapitän sich die Hände reinigt. So wie der Kapitän schrubbt, muss das Zeug ganz schön kleben.

Da das Steuerrad im Moment sich kaum bewegt und der Kapitän wohl noch einige Momente benötigen wird, um seine Hände zu reinigen, leitet Perval den zweiten Teil seines Auftrages ein.

"Wenn Ihr nichts dagegen habt, werd´ick dann dat Steuerrad reinig´n." Dabei nickt er leicht in Richtung des Steuers.



"Da habe ich nichts dagegen, fang ruhig an. Es ist die Speiche ganz unten - zumindest im Moment. Ich werde zusehen, dass ich das Steuer nicht bewegen muss, während du da beschäftigt bist."

Er sagt nicht dazu, dass der Matrose das Steuerrad nach Möglichkeit nicht wesentlich hin und her drehen soll, aber das ist vermutlich bei einem älteren Matrosen wie Perval auch nicht nötig - wozu ein Steuer gut ist, wird dieser bestimmt ganz alleine wissen, und würde eine solche Bemerkung eher als Beleidigung auffassen.

Er selbst tritt ein wenig zur Seite, um Perval Platz zu machen, ohne sich dabei zu weit vom Steuer zu entfernen - Dann, nach einer intensiven Schrubberei, ist es endlich vollbracht, und Jergans Hände sind wieder so sauber, wie es sich für einen ordentlichen Kapitän eines ordentlichen Schiffes gehört.

Der Kapitän wirft den Lappen in Pervals Eimer, um den Matrosen mit dieser Nichtigkeit nicht unnötig von der Arbeit abzuhalten, und widmet sich dann wieder der Beobachtung der Umgebung, und zwar sowohl der nahen, die in dem Fall aus dem arbeitenden Matrosen neben ihm besteht, als auch der ferneren, was die wilden Wogen rings herum sind.



NORDSTERN - Oberdeck: Verklebtes Steuer - Angar's Aufgabe


Den vorbeihuschenden Perval nimmt Angar gar nicht wahr. Menschen, die es eilig haben, sind meist mit irgendeiner Arbeit beschäftigt, und da hat sich bei ihm schon ein regelrechter Reflex ausgebildet, derlei konsequent zu ignorieren, nicht, dass er noch bemerkt werden und ebenfalls zur Arbeit herangezogen werden könnte. In dem Fall ist das zwar sinnlos, schließlich ist er ja auch gerade beim Arbeiten, doch solch eine Gewohnheit sitzt einfach sehr tief.

Inzwischen hat er aber das herausgefallene Holzstück wieder eingepasst, und weitere Schritt der langen Rettungstrosse entwirrt, nicht ohne dabei immer wieder verschiedene Flüche abzulassen, die von einem beträchtlichen Wissen über die Tierwelt Deres künden und wenig schmeichelhafte Vergleiche zwischen den Vertretern eben jener Tierwelt und Matrosen ziehen, die sich zuvor mit dieser Trosse beschäftigt haben. Wenig schmeichelhaft für die Matrosen, versteht sich.



Fast die ganze Trosse liegt jetzt zu Füssen der Treppe, die auf das Brückendeck emporführt, und macht es ein wenig schwer, ungehindert passieren zu können. Doch im Moment ist es unwahrscheinlich, dass außer Perval hier jemand passieren muss, und der ist auch "nur" ein Matrose. Der Kapitän muss beim Steuer bleiben, so dass da keine Gefahr droht.

Mit solchen Gedanken beschäftigt, hat Angar nun die letzten Schritt des Taus entwirrt, und ist bereit, es seiner eigentlichen Verwendung zuzuführen.



NORDSTERN - Auf dem Brückendeck: Verklebtes Steuer - Perval, der Säuberer


Nachdem der Kapitän ihm gezeigt hat, welche Speiche des Steuerrades denn verschmiert ist und auch ein wenig zur Seite tritt, kniet Perval vor dem Steuerrad nieder. Den Eimer stellt er dabei neben sich.

Irgendwie sieht dieses Zeug schon komisch aus, und so wie der Kapitän seine Hände schrubbt, kann es wohl doch kein Pobel sein, wie er zu erst vermutet hatte. 'Könnt´ fast Leim sein.' überlegt Perval so bei sich. Aber alles Grübeln über dieses Zeug bringt nichts, schließlich sollte es weg sein, bevor der Kapitän wieder den Kurs korrigieren muss, und das kann bei diesen Wetterbedingungen nicht lange dauern. Schnell ist der zweite Lappen aus dem Eimer gefischt und Perval dabei, die Speiche abzuwischen.

Ganz so einfach geht das allerdings doch nicht. Zumal man ja noch aufpassen muss, dass man das Ruder nicht aus versehen dreht.

Plötzlich platscht etwas neben ihm und Perval spürt einige Wasserspritzer im Gesicht. Ein kurzer Blick in die Richtung, aus der die Spritzer kamen, zeigt, dass der andere Lappen wieder im Eimer liegt. 'Äh, der Kapitän hat den Lappen zurück geworfen. Hätt´ der nich´ ´n bisschen aufpassen können!? Alte Drecksau, erst hier so ´n Zeug dran schmier´n und dann auch noch rum spritzen. Ist ´ne echte Warzenschwein, der Kapitän.'

Da Perval (zu recht) annimmt, das der Kapitän noch immer hinter ihm steht, dreht er sich nicht zu ihm um sondern wendet seinen Blick wieder der Speiche zu. So kann Kapitän Efferdstreu auch nicht den kurzen Anflug von Ärger ihn Pervals Gesicht sehen. Zuerst das dauernde putzen und dann kann er nicht mal aufpassen. Nicht, dass Perval die Wasserspritzer wirklich etwas ausmachen, schließlich wird man bei diesem Wetter so oder so nass, aber ein wenig Rücksicht könnte man doch schon mal erwarten.

Aber eigentlich weiß Perval recht gut, dass von diesen Offizieren nicht viel Gutes zu erwarten ist. Im Grunde sind sie doch alle gleich, vielleicht ein oder zwei Ausnahmen, aber ansonsten eingebildete Schnösel, die meinen, dass man mit einem anständigen Seemann alles machen darf. Damals auf der SILBERVOGEL war es auch nicht anderes. Auch dort wurde ständig auf einem herumgetrampelt und man musste ständig das Dreck schrubben.

So hängt Perval seinen Gedanken nach, während er versucht, dieses klebrige Zeug von der Speiche zu wischen. Da Perval nicht wirklich nachtragend ist und Ärger bei ihm meist nicht lange anhält, kreisen seine Gedanken auch wenige Sekunden später schon wieder um dieses klebrige Zeug an der Speiche.

"Ganz schön klebrig dat Zeug." murmelt er dabei vor sich hin. Nicht laut genug, dass der Kapitän sich angesprochen fühlen könnte, aber doch laut genug, dass er es gehört haben sollte.



Die Spritzer, die der Lappen im Eimer erzeugt, was noch durch eine entsprechende Bewegung des Schiffes verstärkt wird, entgehen dem Kapitän, der sich viel zu sehr auf das Meer und die Lage des Schiffes konzentriert, vollkommen. Sie wären ihm, zumindest, soweit es das Deck betrifft, im Moment auch recht egal, weil die Wogen, die ein ganzes Ende weiter tiefer an den Rumpf klatschen, ihre Spritzer durchaus bis hier oben auszuteilen verstehen, und so das Brückendeck mit Salzwasser befeuchten. Das muss später auf jeden Fall gereinigt werden, denn Salzwasser sollte von von den hölzernen Planken entfernen, aber im Moment ist das keine Sorge, die den Kapitän bewegt.

Die Worte, die der Matrose murmelt, erreichen ungeachtet des Lärms rings herum die Ohren des Kapitäns, der kurz nickt. Dann wird ihm bewusst, dass Perval ja ebenso wie er selbst auf seine Arbeit schaut, und das damit nicht sehen kann, und er ergänzt:

"Das wohl! Ich frage mich wirklich, wie das dahin kommt, und was das ist."

Noch immer ist kein Eingreifen des Kapitäns am Steuer erforderlich, aber das ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit...



Perval tut seine Arbeit, der Kapitän tut die seine, auch wenn man davon im Moment zumindest offensichtlich nichts sieht - doch seine Aufmerksamkeit ist gespannt auf das Meer gerichtet. Selbst Angar am Fuss der nach oben führenden Treppe ist sinnvoll beschäftigt mit der Ausführung eines Befehls.

Die Augen des Kapitäns weiten sich, als er die Tür des hinteren Niederganges klappen hört, und dann eine Gestalt über das Oberdeck marschiert kommt, die er an diesem Tag noch nicht gesehen hat - und die er, wenn er sich selbst gegenüber ehrlich ist, auch gar nicht hier oben sehen möchte.

Natürlich hat der Magier das Brückendeck zum Ziel, und so richtet sich der Blick des Kapitäns angemessen freundlich auf Ottam, zumindest solange, bis dieser den Mund öffnet und grußlos beginnt, irgendetwas hervor zu stoßen, das der Kapitän zwar akustisch vernimmt, aber nur am Rande registriert, so sehr ärgert ihn diese Frechheit.

Kurz überlegt er, ob er dem Magier im Beisein des Matrosen eine Abfuhr erteilen soll, ob das für die Befehlsstrukturen an Bord wirklich gut sind, aber ein dermaßen gotteslästerliches Verhalten kann man nicht übergehen. Das würde seinem, Jergans, Ansehen schaden, und man würde nur darüber tuscheln, was er sich gefallen lässt. Wenn der Magier derlei in Kauf nimmt - seine Sache...

"EFFerd zum Gruße", erwidert er darum höflich, aber mit einem ziemlich kühlen Unterton, der so ziemlich dem Ton ähnelt, den er benutzt, wenn er einmal mit einem Matrosen schimpft.

"Wie Ihr seht, sind wir auch hoher See, und die Lage ist nicht ungefährlich, denn die See ist ziemlich schwer."

Er ist versucht, dem Magier zu sagen, er solle besser in seine Kabine gehen, oder sich an eine Sicherungsleine klammern, aber er lässt es, so etwas hat er nicht nötig.

"Was Nostria betrifft, so muss ich Euch enttäuschen, denn es ist in EFFerds Willen, dass wir nach Havena durchfahren."

Die Stimme des Kapitäns ist dabei schon fast wieder ruhig, eher sogar geschäftsmäßig, und es ist keine Boshaftigkeit in seinen Worten zu spüren. Einzig vermuten mag man, dass er im Grunde noch mehr sagen wollte, das aber erst einmal lässt. Ernst blickt er den Magier an, um dessen Antwort nicht im Tosen der Wellen zu verpassen oder zu überhören.



Das Zeug von der Speiche zu wischen ist mehr als schwierig. Nicht nur, das es kaum von der Speiche geht, viel schwieriger geht es vom Lappen wieder runter, so dass der Lappen bald voll von diesem klebrigen Etwas ist. Die Worte bzw. Frage des Kapitäns nimmt Perval wohl war, aber irgendwie hört er heraus, das der Kapitän wohl keine Antwort auf diese erwartet. So kümmert er sich lieber darum, dass die Speiche schnell sauber wird. Viel fehlt auch nicht mehr.

'Wat dat nur für ´n klebriges Zeug is´?' fragt Perval sich gerade, als eine weitere Person aufs Brückendeck kommt. Er hatte den Schiffmagier wohl zwar am Vortag schon mal kurz gesehen, aber noch nichts über oder von ihm gehört noch selber mit ihm gesprochen. Interessiert hört Perval dem Schiffsmagier zu während er den anderen Lappen, den, mit dem sich der Kapitän die Hände abgewischt hatte und der sauberer als der Lappen zum Speichenputzen ist, nimmt und damit nochmals feucht die Speiche abwischt.

'Scheint auch noch nich´ mitbekomm´ zu hab´n, dat wir direkt Havena ansteuern. Na, die Sachen wird er wohl so schnell nich´ bekommen. Mal seh´n, vielleicht erfahr ich jetzt ja aus erster Hand, ob die andere Geschichte wahr ist.'

Nochmals taucht Perval den Lappen ins Wasser und beginnt die Speiche erneut zu schrubben, obwohl das eigentlich nicht mehr nötig wäre. Aber jetzt scheint sich eine Gelegenheit zu ergeben, mehr zu erfahren, außerdem ist das Verhalten des Schiffsmagiers ziemlich kühl und Perval ist begierig darauf zu erfahren, wie den die Verhältnisse hier an Bord sind. Es ist schließlich immer gut zu wissen, wer mit wem oder wer gegen wen ist.

Und die folgenden Worte von beiden Männern bestätigt Pervals erste Ahnung - diese zwei sind sich nicht grün.

Das der Magier einen Stab in Seil verwandelt, bekommt Perval nicht mit, da seine Augen noch immer auf die Speiche gerichtet sind - schließlich will man ja denen nicht zeigen, dass man aufmerksam zuhört. Hätte Perval diese Magie mitbekommen, er wäre wohl kreidebleich und zitternd davongelaufen vor dieser schwarzen Magie. Wohl hat er früher schon Schiffsmagier gesehen, auch in Ausübung ihrer Tätigkeit, aber trotzdem ist es ihm nicht geheuer. Und wer weiß in was einen diese Magier alles verwandeln können, und als Kröte möchte Perval wirklich nicht enden. So bleibt er noch einen Moment sitzen, untersucht die Speiche, ob nicht doch noch irgendwo ein Rest dieser klebrigen Masse ist und hört diesem doch sehr interessanten Gespräch weiter zu.

Und tatsächlich, der Kapitän bestätigt die Gerüchte an Bord. Es wird tatsächlich ein heiliges Artefakt des EFFerds - die Heilige Miesmuschel - zum Fischerfest nach Havena gebracht. Auch wenn die Bootsfrau nicht besonders kompetent und der Kapitän ein Warzenschwein ist und die Offiziere (wozu Perval auch den Schiffsmagier zählt) sich nicht grün sind, so scheint dieses Schiff doch ein Glücksfall zu sein. Immerhin scheint es unter dem Schutz EFFerds zu stehen. Wie sonst könnte man erklären, dass ein heiliges Artefakt gerade auf diesem Schiff transportiert wird.

Langsam kann Perval dann keine Spuren der klebrigen Masse an der Speiche finden und ein längeres Putzen derselben muss früher oder später unweigerlich auffallen. So nimmt er dann den Eimer in die Eine und die zwei Lappen in die andere Hand und steht auf. Er wendet sich kurz dem Kapitän zu, um anzudeuten, dass er seine Säuberungsarbeit hier beendet hat. Dabei sagt er aber nichts, um das Gespräch der beiden Männer nicht zu unterbrechen.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Nirka


Kurz sieht Nirka auf, als sie Hjaldars Stimme vernimmt, dann fährt sie damit fort, die Freundin warm zu reiben, und darauf zu warten, dass die kleine Trankmenge, die sie geschluckt hat, endlich Wirkung zeigt. So kommt ihre Antwort auch mit einer geringen Verzögerung:

"Klar bringen wir sie dann in die Koje!"

In Gedanken ist ihr bereits auch vollkommen klar, welche Koje das sein wird - doch erst einmal muss Sigrun aufwachen.



Sanft reibt Nirka weiter mit der trockenen Decke über Sigruns Körper. Nun geht es jedoch nicht mehr um das Trocknen, denn trocken ist Sigrun weitgehend, sondern um die Wärme, die sie damit erzeugen kann, um die Freundin nach dem Aufenthalt im ziemlich kalten Meerwasser zu wärmen.

Kurz huschen ihre Blicke dabei auch zu dem Geweihten und dem jungen Adeptus, und am liebsten würde sie beide irgendwie dazu bringen, doch endlich etwas zu tun, damit Sigrun die Augen aufschlägt und aufwacht.

Einzig... ihr ist bewusst, dass ihr die Befehlsgewalt, die sie auf dem Deck so selbstverständlich wahrnehmen kann, ihr hier überhaupt nichts nutzt, und es auch nicht tun würde, wenn sie hier dazu berechtigt wäre, denn es gibt Dinge, die schlicht nicht auf Befehl gehen.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Sigrun kommt zu sich


Etwas Warmes rinnt durch Sigruns Kehle und dann weiter ganz bis hinunter zum Magen. Die Matrosin kann das ganz genau spüren und: Es ist ein angenehmes Gefühl, das in starkem Kontrast zu ihrer sonst vorherrschenden Empfindung - Kälte - steht.

Doch da ist noch etwas Anderes. Immer wieder hat sie für kurze Zeit das Gefühl, dass ein Teil ihres Körpers - mal ist es ein Arm, mal der Bauch, dann wieder ein Oberschenkel - sich etwas wärmer anfühlt als der Rest. Doch das vergeht leider immer wieder schnell und Sigrun kann die gespendete Wärme nicht festhalten, so sehr sie es auch versucht.

Irgendwo sind auch Geräusche, Stimmen, die unverständliches murmeln. Sigrun ist auch viel zu müde, um ihnen zuzuhören. Doch manchmal zwischendurch ist da eine Stimme, die sie kennt: Eine Stimme, die sie unter Tausenden heraushören würde. Und diese Stimme ist verständlich, auch wenn alles andere undeutlich ist.

"Sigrun, du bist in Sicherheit! Ich bin bei dir!"

Das sind die Worte, die in die dunkle Kälte dringen. Und diese Worte lösen etwas aus, das vorher fast unvorstellbar erschien: sie erzeugen eine neue Wärme, eine innere Wärme, die stärker ist als die furchtbare Kälte, die Sigrun in ihrem Griff hat. Ja, vielleicht kann sie mit Hilfe dieser Stimme der Kälte entkommen.

Mit dem Gefühl etwas unendlich Anstrengendes zu vollbringen, sucht Sigrun nach dem Ursprung der helfenden Stimme - und öffnet die Augen.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Nirka


Sanft reibt die Bootsfrau Sigruns Schultern warm, als eine winzige Bewegung am Rande ihres Blickfeldes ihre Aufmerksamkeit erregt - ihre Aufmerksamkeit, die extrem angespannt ist und natürlich auf Sigrun konzentriert ist.

Die Freundin schlägt die Augen auf!

Nach dem schwachen Schlucken vor einigen Augenblicken ist dies das zweite Lebenszeichen, aber es ist weitaus aktiver als das Schlucken, und es kündet vor allem davon, dass es endlich besser wird! Etliche Gefühle durchströmen Nirka, und am liebsten würde sie Sigrun packen und ganz fest an sich drücken, doch dazu ist es wohl noch zu früh, und außerdem kann das der Freundin leicht Schaden zufügen.

Sie möchte ihrer Freude lautstark Ausdruck verleihen, der ganzen Welt mitteilen, dass Sigrun endlich erwacht ist, aber in der Anspannung und Konzentration, die nicht einfach so von einem Moment auf den nächsten vergehen können, bringt sie nur ein einziges Wort hervor:

"Sigrun!"

Es ist überrascht und erfreut zugleich ausgesprochen, und klingt damit auch recht anders als alles, was die Bootsfrau zuvor an Sigruns Lager gesagt hat, und es sagt im Grunde viel mehr als dieses eine Wort: Es drückt Freude und Hoffnung ebenso aus wie Erwartung und Sorge, und wie Liebe und Zuneigung. Und der Tonfall verrät deutlich, dass Nirka dies nicht nur einfach sagt, um Sigrun zu wecken, sondern dass etwas Erfreuliches diesen Ausruf veranlasst hat.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Hesindian

Hesindian entfährt ein Seufzer der Erleichterung, als Sigrun endlich die Augen aufschlägt. Offenbar hatte ihre Bewusstlosigkeit doch nur Gründe der Erschöpfung gehabt, doch noch will der Geweihte nicht ausschließen, dass die Matrosin sich vielleicht doch während ihres feuchtfröhlichen Abenteuers ernsthaft den Kopf gestoßen hat; in dem Falle könnte sie durchaus wieder in Bewusstlosigkeit versinken.

"Hallo Sigrun." spricht er die Frau in einer ruhigeren und sanfteren Stimme als zuvor an, als er noch versuchte, durch verschwommene Traumwelten zu ihr durchzudringen. "Sie sind über Bord gegangen und wären beinahe ertrunken. Sie waren nur einige Minuten bewusstlos. Können Sie sich daran erinnern, was passiert ist?" Hesindian bemüht sich, in einfachen und klaren Sätzen zu sprechen.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Sigrun und Nirka


Bevor Sigrun dazu kommt, sich erst einmal umzusehen, wird sie schon gleich zweimal angesprochen.

"Sigrun!" hört sie neben sich einen Ausruf der Erleichterung und Freude und dreht nahezu reflexartig den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kommt. Das Bild vor ihren Augen ist recht verschwommen, doch sie weiß auch so, wer dort ist.

"Nirka."

Dieses Wort klingt wie eine Feststellung. Sigrun wundert sich nicht über Nirkas Anwesenheit, sie ist auch weder erleichtert über die Wiedererlangung ihres Bewusstseins noch besorgt um ihren Zustand. Einzig die Tatsache, dass Nirka hier neben ihr sitzt, zeigt ihr, dass sie sich keine Sorgen zu machen braucht: alles ist so, wie es sein soll. Die Worte des Geweihten nimmt sie zwar mit den Ohren wahr, sie dringen aber nicht bis in ihr Inneres vor. Daher sieht Sigrun Hesindian weder an noch antwortet sie auf seine Frage. Konzentriert versucht sie, den auf Nirka gerichteten Blick klarer werden zu lassen. Doch je mehr Mühe sie sich gibt, desto schwieriger scheint es zu werden. Schließlich gibt sie der Schwere ihrer Augenlider nach und schließt die Augen erneut.

"Ich bin müde."



Sigruns Antwort zaubert einen Ausdruck der Freude auf das Gesicht der Bootsfrau, aber zugleich weicht die Besorgnis nicht ganz, denn die Freundin antwortet dem Geweihten nicht, obwohl dessen Frage durchaus sinnvoll klingt. Nirka beugt sich weiter über Sigrun, und streichelt mit der Hand sanft über deren Gesicht.

"Sigrun, hast du Schmerzen, tut etwas weh? Kannst du frei atmen?"

Sie versucht, die Sorge aus ihrer Stimme fern zu halten, aber das gelingt nur sehr unzureichend.

"Weißt du, das ist wichtig, danach bringe ich dich dann ins Bett, dann kannst du schlafen, und dich aufwärmen."

Die anderen Personen rings herum sind vergessen, und selbst den Hesindegeweihten nimmt die Bootsfrau höchstens noch sehr peripher wahr.



Nirka streicht über ihr Gesicht und Sigrun würde sich am liebsten räkeln wie eine Katze. Doch ihr Körper fühlt sich noch immer schwer und kalt an und es wäre eine schreckliche Anstrengung, ihn zu bewegen. Mit den Gesichtsmuskeln ist das einfacher und ein leichtes Lächeln erscheint in den Mundwinkeln.

Dann redet Nirka wieder, fragt ob sie Schmerzen hat und frei atmen kann. Natürlich kann sie das! Sie könnte alles, wenn ihr nur nicht so furchtbar kalt wäre!

Nirka erwartet eine Antwort, doch Sprechen ist irgendwie auch furchtbar anstrengend.

"Keine Schmerzen, Atmen geht," antwortet sie daher leise und knapp.

Dann wird das Lächeln etwas deutlicher und sie ergänzt:

"Keine Sorge, ... nur schlafen."

Die Augen sind noch immer geschlossen und Sigrun hat sich auch noch nicht bewegt. Ein genauer Beobachter könnte allerdings feststellen, dass sich die Brust jetzt wieder häufiger und regelmäßiger hebt und senkt - etwa so häufig wie bei einem Schlafenden.



Sigruns Antwort beruhigt die Bootsfrau sehr, entspricht sie doch ihren Hoffnungen, und in Zusammenhang mit dem, was sie sieht, auch ihren Erfahrungen mit ähnlichen Fällen. Von der ganzen Heilkunde hat sie zwar keine Ahnung, aber dass Sigrun erschöpft ist, und dass ihr mörderisch kalt sein muss, dass weiß sie nicht nur, das spürt sie auch unter ihren Fingern, die Sigruns Gesicht streicheln.

"Ich bring dich ins Bett, Liebes!" antwortet sie dann sehr leise, während die anderen, die in der Messe noch herumstehen oder hantieren, immer mehr aus ihren Bewusstsein verschwinden.

Da liegt die Freundin und Geliebte vor ihr, und ihr ist bewusst, wie wenig gefehlt hat, um sie auf eine grausame Weise für immer zu verlieren, sie nie wieder in den Armen halten zu können, oder ihr nie wieder nahe sein zu können.

Und so ist es die Menge der Gefühle, die die Bootsfrau, die sonst in der Öffentlichkeit immer so um Gefühlskälte und Härte bemüht ist, überwältigt:

Rasch beugt sie sich zu Sigrun herunter, überwindet das kleine Stück, dass ihre beiden Gesichter noch voneinander trennt, und drückt dann ihre warmen Lippen auf die eiskalten der Freundin. Es ist kein nur freundschaftlicher Kuss, der da entsteht, es ist ein leidenschaftlicher Kuss voller Liebe, voller tiefer Gefühle und Zuneigung. Und noch immer ist das ganze Umfeld rings herum vergessen, es ist so, als wären sie beide alleine im Laderaum eins, und würden kontrollieren, ob die Ladung richtig verstaut ist.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Hesindian


Erst will Hesindian die Panik übermannen, da Sigrun, kaum dass sie das Bewusstsein zurückerlangt hat, schon wieder in den unseligen Dämmerzustand zurücksinken will. Alles Verlangen nach Schlaf und Ruhe mag für einen Gesunden bedenkenlos sein, doch für eine Frau mit unbekannten Verletzungen kann dies die Überführung durch Golgarin in das Reich des Totengottes bedeuten, ist doch gerade der Widerstand gegen den ewigen Schlaf im Zustand der Träumenden am geringsten.

Hesindian greift schon nach dem Schädel Sigruns, doch Nirkas Bemühungen kommen ihm zuvor. Erstaunt beobachtet der Geweihte, wie die Matrosin offenbar zu Wiederbelebungsmaßnahmen greift und Sigrun beatmet - nicht die Methode, die er angewandt hätte, doch bestimmt ebenso wirksam. Erst allmählich wird ihm klar, dass es nicht nur der Atem ist,den die beiden austauschen, sondern auch Körperflüssigkeiten im Spiel sind.

Der Hesindegeweihte öffnet den Mund, wie um etwas zu sagen, nur um ihn wieder zu schließen. Diese Geste wiederholt er zweimal, ohne größeren Erfolg als zuvor, während Nirka sich über ihre Geliebte beugt.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Der Kuss


Dass sich das Verhalten des Hesinde-Geweihten, zumindest das seines Mundes, mittlerweile sehr dem eines Fisches angeglichen hat, entgeht der Bootsfrau vollkommen, schließlich ist sie vollständig mit Sigrun beschäftigt, und im Moment existiert für sie außer dieser nichts. Weder die Anwesenheit Hesindians nimmt sie wahr, noch das Schwanken des Schiffes, und noch nicht einmal den Umstand, dass die Tür der Messe offen steht und vom Gang aus im Grunde jeder zusehen könnte.

Sanft leckt Nirka über Sigruns Lippen, um sie dann noch intensiver zu küssen, bis sie zumindest an den Lippen der Freundin keine Kälte mehr spürt. Wohl aber, insbesondere jetzt, wo sie über diese gebeugt steht, durch die Decke hindurch spürbar am ganzen Körper. Kurz zuckt der Gedanke, dass Sigrun wirklich sehr schnell in die Koje sollte, durch Nirkas Kopf, doch sie bricht den intensiven Kuss deswegen noch nicht ab.

Die Bootsfrau dreht sich, ohne den Mund von dem Sigruns zu lösen, ein klein wenig, und schiebt ihren linken Arm schon unter Sigruns in die Decke eingepackten Körper, um sie später hochheben zu können. Ihre rechte Hand indes ist noch nicht zu derlei Arbeit bereit, sondern streichelt weiter über Sigruns Gesicht, ist noch nicht bereit, davon abzulassen.

Insgesamt sieht das ganze jedoch schon ein wenig nach Aufbruch aus, auch wenn man das Küssen jetzt wohl kaum noch als Beatmungsversuche fehlinterpretieren könnte.



Warm und weich fühlen sich Nirkas Lippen an. Und wenn Sigrun auch ein sehr starkes Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf hat, hierdurch lässt sie sich gern noch eine Weile davon abhalten, zumal ihr die Geliebte den Schlaf bereits angekündigt hat. Zärtlich und mit nach wie vor geschlossenen Augen beginnt sie Nirkas Kuss zu erwidern.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Darian


Zwei Worte reißen den jungen Magus aus seinen Gedanken, Worte, die nicht einmal an ihn gerichtet sind, es sind zwei Namen, der der Bootsfrau und der verunglückten Matrosin, vom jeweils anderen ausgesprochen.

´TSA sei gepriesen, sie ist erwacht.´

Darian ist fest davon überzeugt, dass es das Ingerimmsgebräu des Smutjes und der Wille der Zwölfe waren, die Sigrun aufwachen ließen und nicht das sinnlose Gebärden des Geweihten. Aussprechen tut er das natürlich nicht, schließlich ist der Geweihte nunmal ein Geweihter - noch dazu einer der Herrin HESinde. Viel Zeit für lästerliche Reden verbleibt ihm auch nicht, denn nur einen Augenblick später wird HESindes hübscher Schwester gehuldigt: Die Bootsfrau küsst die Matrosin, nach Art der Paare, hier, vor aller Augen. Zwar hat der Adeptus nichts gegen Frauen mit sog. amazonischen Neigungen, schließlich ist er kein Lowanger Dualist, doch gerade hier, an Bord eines Schiffes auf ein solches Paar zu treffen, dass erstaunt ihn dann doch. Eigentlich wollte er noch darauf hinweisen, dass es ratsam sei, wenn Sigrun den Rest des Trankes zu sich nähme, schon der Wärme wegen, doch momentan steht er nur dort und starrt mit erstauntem Gesicht auf das, nur allzu gleiche, Paar.



NORDSTERN - In der Messe: Sigrun erwacht - Hesindian und Nirka


Die Bemühungen Nirka's um Sigrun scheinen anzuschlagen, jedoch ist dies keine Behandlungsmethode, die anzuwenden Hesindian jemals in den Sinn gekommen wäre. Einen Augenblick beobachtet er Sigrun und Nirka fassungslos, während immer mehr Blut in seinen Kopf und besonders in sein Gesicht schießt; leider hat er trotzdem immer noch genügend Blut im Körper, um sich in Schwierigkeiten zu bringen, wenn er weiterhin den Beobachter spielt.

"äh... Sigrun scheint außer Gefahr zu sein." meint der Geweihte, während besagte Sigrun den Kuss Nirka's leidenschaftlich erwidert. "Wir sollten sie sofort in ihr Bett bringen. Schafft ihr das, Sigrun?" Der Gedanke, den beiden Frauen in einen ruhigeren Bereich des Schiffes zu folgen, ist zwar kein unangenehmer, aber der Würde eines Geweihten unangemessener.

"Lasst euch doch von zweien der kräftigeren Matrosen helfen." meint Hesindian, während er mit zitternder Hand nach einem Kelch mit irgendeiner kalten Flüssigkeit in der Messe sucht.



Erst die Worte des Hesindegeweihten bringen die Bootsfrau ein klein wenig zur Besinnung, jedoch noch nicht genug, um zu erkennen, in welcher Situation sie sich gerade befindet. So unterbricht sie den intensiven und wärmenden Kuss nur für wenige Augenblicke, um fast abwesend zu antworten:

"Ich trag sie gleich rüber, Ihr könnt mir mit den Türen helfen, und noch zwei von den Decken da mitnehmen."

Eine vage Handbewegung in Richtung der Decken, die Ameg vor einiger Zeit angeliefert hat, begleitet diese Worte, dann findet die Hand zu ihrer Freundin zurück - diesmal jedoch weniger umarmend, als vielmehr schon fast umfassend, um sie wohl demnächst vom Tisch zu heben.

"Kann es losgehen, Sigrun?" fragt sie dann flüsternd, sich dabei nicht einmal ganz sicher seiend, ob die Freundin wirklich antworten mag, oder lieber still und entspannt einfach nur getragen werden möchte.



NORDSTERN - Unterdeck: Sigrun erwacht - Darian und Nirka


Die ungewöhnlichen Liebenden haben ihren Kuss vollendet und das Erstaunen des Adeptus hat sich auch recht schnell wieder gelegt. Nun, da die Bootsfrau sich anschickt Sigrun in die Koje zu tragen, ´rettet´ Darian noch schnell den Becher, auf das er nicht bei der nächsten Welle das Schicksal der zwergischen Bierkrüge teile.

"Der Wärme wegen, wäre es ratsam, den Trank, den der Smutje für Euch braute, möglichst bald auszutrinken, bevor er erkaltet." Darian ist sich nicht ganz sicher, ob Sigrun ihn hört, so dass er die Worte, obwohl für die Matrosin bestimmt, auch halb an Nirka richtet.



"Komm, Sigrun!"

Die Bootsfrau hebt die Geliebte mitsamt der Decke sanft hoch, und dreht sie leicht schräg, so dass Sigruns Kopf weich an ihrer Schulter zu liegen kommt. Wieder einmal spürt sie die Kälte sehr deutlich, die Sigrun noch ausstrahlt, und ihr Plan reift ein klein wenig weiter. Der warme Trank, den der Adeptus da erwähnt, mag schön und gut sein, aber wie soll das kleine bisschen Wärme gegen diese gewaltige Kälte bestehen können? Das kann doch nichts werden... das weiß Nirka, ohne wirklich Ahnung von der Heilkunde zu haben.

"Wenn es Euch nichts ausmacht, dann bringt den Trank am besten mit, ich schaffe sie jetzt erst einmal in ein warmes und gemütliches Lager!"

Wie zum Beweis dreht sie sich mit ihrer menschlichen Last um, und ihr Blick fällt das erste Mal seit einer gar nicht so kurzen Zeit wieder auf die offene Tür der Messe und den Gang davor mit der auch von hier aus nicht zu übersehenden Menschenansammlung vor der Tür der Kombüse, die ja direkt gegenüber der Tür der Messe ist.

Ganz kurz huscht ein unangenehmer Gedanke durch ihr Bewusstsein, und eine kleine Spur von Rot breitet sich in ihrem Gesicht aus, doch das wird durch rein praktische Überlegungen und die Sorge um die Freundin sogleich wieder überdeckt - diese Leute da haben vielleicht gesehen, was in den letzten Augenblicken passiert ist, aber ganz sicher blockieren sie den Durchgang in Richtung Bug. Ein schlanker Mensch würde vielleicht durchkommen, aber nicht jemand, der jemanden anderen trägt. Viel ist es zwar nicht, was die anderen zur Seite gehen müssten, aber durchdrängeln möchte Nirka sich nun wirklich nicht, wenn sie Sigrun trägt.

"Und sorgt bitte dafür, dass da draussen bugwärts mal Platz gemacht wird, Sigrun muss schnell ins warme Lager!"

Ihr fällt kaum noch auf, dass sie dies in Richtung des Geweihten und des Adeptus in einem Tonfall sagt, der sich mit Ausnahme des "bitte" kaum von dem unterscheidet, den sie ihren Matrosen gegenüber benutzt

Ein Schritt in Richtung Tür unterstreicht diese Bitte - diesen Befehl? - noch ein wenig. Dabei bringt sie das für Nichtseeleute wohl kaum schaffbare Kunststück fertig, trotz der nicht unbeträchtlichen Last auf ihren Armen sicher zu stehen, ohne sich irgendwo festzuhalten, und ohne irgendwo anzustoßen.



Nirkas Lippen lösen sich von ihren und sofort scheint die Kälte wieder verstärkt in Sigruns Körper zurückzukehren. Die Matrosin hält die Augen weiterhin geschlossen - sie zu öffnen würde eine grosse Anstrengung bedeuten. Auch um die Anmerkung Darians, sie solle doch den Trank weiter trinken, kümmert Sigrun sich nicht. Sie überlässt sich ganz der Fürsorge der Freundin und verlässt sich darauf, dass Nirka das Richtige tun und über sie wachen wird.

Auf Nirkas Frage hin, ob es losgehen kann, hebt sie leicht den Kopf wie zu einem Nicken, doch sie weiß nicht, ob Nirka das überhaupt noch gesehen hat, denn die Bootsfrau hebt sie bereits an. Doch auch dies hinterfragt Sigrun nicht weiter, sie möchte nur noch ausruhen, schlafen und Nirkas wärmende Nähe spüren.



Die leichte Bewegung von Sigruns Kopf entgeht der Bootsfrau nichts, denn ihre Sinne sind sehr auf die Freundin konzentriert, die da kalt und müde in ihren Armen liegt.

"Du bist gleich im Warmen!" flüstert sie noch einmal, und geht langsam weiter, die Bewegungen des Schiffes so gut wie möglich ausgleichend.

Die Tür der Messe ist rasch erreicht, und dort stoppt sie erst einmal, um die Lage zu erkennen.

Ole, der auf der anderen Seite den Gang blockiert hat, ist mittlerweile verschwunden, der Smutje stört auch nicht, und alle anderen standen nie im Wege, oder sind auch in verschiedene Richtungen entschwunden - der Schiffsjunge beispielsweise in die Kombüse.

Dennoch bleibt Nirka weiterhin stehen, denn es ist besser, wenn einer der beiden Männer vorgeht, sonst haben sie später nur das Problem, an ihr mit ihrer lieben und lebenden Last vorbeizukommen.



"Ja, selbstverständlich", antwortet der Adeptus der Bootsfrau und tritt dann, den Becher in der Hand, auf den Gang hinaus. Ganz so überfüllt wie befürchtet ist es hier gar nicht mehr, so dass die Aufgabe hier für Platz zu sorgen doch einiges einfacher wird als erwartet. Zwar stehen immer noch einige Leute hier im Gang, doch unmittelbar vor der Kombüse - und damit auch vor dem Eingang zur Messe - steht nur das junge Mädchen von der ZYKLOPENAUGE.

"Wenn ihr mal kurz zur Seite treten könntet", spricht er sie an. Die einzigen Möglichkeiten Platz zu machen sind zwar entweder bugwärts voraus zu gehen oder eben die Kombüse zu betreten, aber schließlich muss Nirka mit Sigrun hier durch, sie können sie schlecht in der Messe liegen lassen.



Endlich setzt sich einer der beiden Männer in Bewegung, und die Bootsfrau folgt dem Adeptus sogleich durch die Tür, soweit das geht. Er spricht die junge Frau an, die sie von dem Wrack übernommen haben, auch wenn Nirka denkt, dass sie mit ihrer Last an dieser auch so vorbeikommt, schließlich ist Alkinoe bei weitem nicht breit genug, um den Gang zu blockieren. Vorher, als Ole und Garulf an der Stelle standen... da sah das anders aus, jetzt müsste es aber gehen.

So stoppt Nirka darum auch kaum, sondern verändert lediglich Sigruns Haltung auf ihrem Arm ein klein wenig, so dass das passen sollte. Vielleicht auch nur mit einem kleinen Rempler, aber das ist der Bootsfrau im Moment recht egal.

"Sigrun, es ist nicht mehr weit, nur noch den Gang nach vorne, dann haben wir meine Kabine erreicht!"

Sie ist sich zwar längst nicht sicher, ob die Freundin sie im Moment hört, aber sie weiß, dass ihre Stimme die andere bestimmt irgendwie erreichen wird.



Da die Bootsfrau bereits einen Weg findet um sich an Alkinoê vorbeizuschlängeln, hält sich Darian auch nicht mehr länger mit ihr auf. Flugs eilt er Nirka voraus, um gegebenenfalls Türen öffnen oder evtl. auftauchende Hindernisse zu beseitigen. Der Gang bugwärts zum Mannschaftsraum scheint jedoch soweit frei.



Alkinoe verschwindet aus dem Weg, kaum dass der junge Adeptus zu Ende gesprochen hat, vielleicht sogar schon davor. Im Normalfall hätte sich die Bootsfrau sehr wohl für die Ursache dieses Verhaltens interessiert, im Moment ist es ihr schlicht egal. Der Weg ist frei, und das ist das einzige, was zählt.

Sie passiert mit ihrer kalten, aber doch lebendigen Last rasch das restliche Gangstück, und befindet sich dann im Laderaum auf dem Unterdeck, in dem sich derzeit kaum Ladung befindet, der aber eben Teil des Weges nach vorne zum Mannschaftsraum ist, neben dem ihre eigene Kabine liegt, die ihr eigentliches Ziel ist.

"Viel Wärme wird ihr gut tun, meint Ihr nicht auch?" fragt sie den Adeptus ausreichend laut, um trotz der Entfernung zwischen ihnen beiden, und trotz des nicht unbeträchtlichen Lärmes verstanden zu werden.



Etwa zwei Schritte vor der Bootsfrau hergehend, durchschreitet der Adeptus den oberen Laderaum. Vor dem Durchgang zu den Mannschaftsquatieren angekommen, verlangsamt er seine Schritte deutlich. In diesem Teil des Schiffes kennt er sich nicht aus, schließlich sind dies die Räume der Matrosen und er ist Passagier. Langsam, fast zögerlich betritt er den vorderen Teil des Mannschaftsraumes. Drinnen erwarten ihn vor allem Hängematten, viele Hängematten, in einigen liegen schlafende Matrosen, andere sind leer, zwischen den Schlafstätten stehen Seesäcke auf dem Boden. Welche der Matten ist nun Sigruns?

"Wohin?" fragt er, als Nirka direkt hinter ihm steht.



Der Adeptus scheint die Frage nicht gehört zu haben, doch die Bootsfrau wiederholt sie nicht, schließlich ist es wichtiger, dass Sigrun endlich mal ins Warme kommt.

Sie bleibt direkt neben ihm stehen, als er seine Frage stellt. Ganz kurz huscht ein Lächeln über Nirkas Züge - die Gedanken hinter seiner Frage sind angesichts der vielen Schlafgelegenheiten in diesem Raum wohl sehr unschwer zu erraten.

Sie schüttelt dann kurz den Kopf, und dreht sich nach Backbord um.

"Könnt Ihr mal bitte diese kleine Tür da öffnen?" fragt sie, und weist dabei mit dem Fuss in die Richtung der bugwärts weisenden Tür ihrer kleinen Kabine.

Wieder wartet sie keine Antwort ab, sondern legt die wenigen Schritte bis dahin am Adeptus vorbei schon zurück, und bleibt schräg neben der Tür stehen, so dass genug Platz bleibt, um diese zu öffnen.

Sigrun ruht derweil weiter bewegungslos und kalt auf Nirkas Armen; diese kann jedoch deutlich spüren, dass die Freundin atmet und dass deren Herz schlägt. Bis auf die Kälte scheint alles in Ordnung zu sein...



´Tür? Ach so die da´ Etwas verwundert, warum Nirka die Matrosin nicht im Mannschaftsaal lassen will, öffnet er die genannte Tür. Aber wahrscheinlich ist sie dort besser aufgehoben, als im großen Mannschaftsraum, in dem es beim Wachwechsel wohl doch ziemlich hektisch zugeht. Die Tür mit der freien Hand am zufallen hindern tritt Darian soweit es geht zur Seite um die Bootsfrau passieren zu lassen.



"Habt Dank!"

Die Bootsfrau tritt durch die von Darian aufgehaltene Tür in ihre winzige Kabine, die im Moment nur durch das wenige Licht beleuchtet ist, das die eine Seegang feste Öllampe im Mannschaftsraum verbreitet und bis dahin kommen lässt.

Viel Platz ist in der Tat nicht - nur eine recht schmale Koje, ein kleines Schränkchen, und zwischen Koje und Tür ein wenig Platz, um zu stehen, fast zu wenig, wenn man jemanden auf dem Arm hat.

Nirka legt Sigrun vorsichtig auf die Koje, wobei sie ihre eigenen Decken so zur Seite schiebt, dass Sigrun nicht darauf liegt - als Zudecke machen sie später wohl sehr viel mehr Sinn. Die Matrosin selbst bleibt in die Decke eingewickelt, in der Nirka sie getragen hat.

Ganz kurz steht Nirka reglos neben dem Lager, dann streicht sie mit der Hand einmal über die kalte Stirn der Freundin. 'Gleich', scheinen ihre Augen zu sagen, doch die sieht niemand, da sie mit dem Rücken zur Tür steht.

Dieser Moment ist rasch vorbei, dann dreht die Bootsfrau sich wieder um und lässt sich auf der schmalen freien Kante der Koje neben Sigrun nieder. Ihre Augen richten sich auf den jungen Adeptus, und langsam sagt sie:

"Ich weiß, dass ich um sehr viel bitte, aber könntet Ihr nachher zum Kapitän gehen, und ihm sagen, dass seine Bootsfrau in vielleicht ein oder zwei Stunden wieder zur Verfügung steht - es sei denn, es gibt einen Notfall? Denn Sigrun braucht viel Wärme, sie ist immer noch ganz kalt."

Ohne den Blick von Darian zu wenden, entledigt Nirka sich bei diesen Worten schon der Stiefel, und auch die derbe Jacke, die sie gegen Kälte und Nässe auf dem Deck getragen hat, landet achtlos neben der Koje.

Sie weiß genau, dass sie mit dieser Bitte ihre Kompetenzen weit überschreitet, und im Grunde deutlich gegen die Vorschriften an Bord verstößt, doch das Leben und die Gesundheit ihrer Freundin sind ihr unendlich viel wichtiger als alles andere, auch als eine mögliche Bestrafung für dieses Verhalten.



NORDSTERN - Unterdeck: Sigrun erwacht - Hesindian und Nirka


Hesindian sieht beeindruckt zu, wie Nirka Sigrun allein auf ihre kräftigen Arme hievt. Behutsam hält sie ihre Freundin - Geliebte, korrigiert sich der Geweihte in Gedanken - sicher und dreht sich mit ihr zum Gehen um.

Hesindian starrt den beiden nach, während in seinem hochroten Kopf immer noch die Gedanken ungeordnet herumschwirren. Erst als Darian beginnt, die Leute auf dem Korridor aus dem Weg zu scheuchen, damit Nirka mit ihrer empfindlichen Last die Messe verlassen kann, fällt dem Geweihten ein, dass von ihm erwartet wird, einige der Decken mitzunehmen.

Rasch greift er sich einen dicken Stapel des schweren Wolltuches, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob diese Arbeit eines Geweihten würdig sei oder nicht - schließlich waren es Tatkraft, Überzeugung und Glauben, die diesen Stand auszeichneten, und nicht etwa Eitelkeit oder Stolz.

Während des Zuges durch den Korridor folgt Hesindian Darian, Nirka und Sigrun in Stille. Die Aufregung um die bewusstlose Matrosin und die damit verbundenen Querelen und Streitigkeiten führt er nun auf den immensen Stress zurück, der auf allen Anwesenden gelastet hat.

Als sie das Ziel, die enge Kabine der Bootsfrau, erreichen, legt Hesindian den Deckenstapel säuberlich geordnet neben der Tür ab. Schließlich ist innen kaum noch Platz, nachdem Nirka mit Sigrun hinein getreten ist, und die Bootsfrau wird von nun an allein mit der Betreuung der erschöpften Sigrun zurechtkommen.



Nirka wendet den Blick schließlich wieder von Darian ab, ohne auf eine Bestätigung ihrer Bitte zu warten, und nickt auf dem Geweihten dankbar zu, der mit dem Deckenstapel ankommt, ganz, wie sie ihn gebeten hat.

"Habt vielen Dank!"

Sie erhebt sich, um sich ihrer Hose zu entledigen, und nimmt bei der Gelegenheit die Decken, die er mitgebracht hat, und legt sie zu ihrer eigenen auf die schmale Koje, auf der Sigrun bereits liegt. Kurz huscht ihr Blick durch die Kabine, als würde sie etwas suchen, dann greift sie nach der kleinen Tür.

"Bis später dann, wenn sich Sigruns Lage verschlechtern sollte, werde ich Euch Bescheid geben!"

Eine Antwort wartet sie nicht ab, sondern zieht die Tür ins Schloss. Es ist jedoch deutlich zu hören - oder, besser gesagt, nicht zu hören - dass sie diese nur einklinkt, aber nicht verriegelt.

Im Inneren der nun dunklen Kabine fallen einige weitere Kleidungsstücke auf den Boden, dann sortiert die Bootsfrau kurz die Decken um, und kriecht dann unter selbige. Ihr Körper, warm von all der Arbeit der letzten Zeit, presst sich eng an Sigruns kalten Leib, und ihre Arme umschlingen die Freundin fest. Zwar ist die Kälte auch für Nirka nicht gerade angenehm, aber das nimmt sie nicht einmal wahr, es ist viel wichtiger, die vorhandene Wärme zu teilen und Sigrun an ihr zu beteiligen...

Viel Platz ist auf dieser Koje wirklich nicht, aber den braucht Nirka auch nicht, sie möchte ohnehin nichts anderes, als ihrer Freundin derart nahe zu sein... und die Wogen, die die NORDSTERN tüchtig durch schaukeln, haben damit noch weniger Chancen, sie zu trennen...



NORDSTERN - Mannschaftraum: Sigrun erwacht - Darian und Nirka


Ein schlichtes "selbstverständlich", jedoch nicht in einem unterwürfigen, sondern feststellend neutralen Tonfall, ist Darians Antwort auf Nirkas Bitte. "Ach ja, hier, der Wärme wegen", mit diesen Worten überreicht er der Bootsfrau den Becher, den er noch immer in der Hand gehalten hat. Dem Decken tragenden Geweihten, der mittlerweile ebenfalls den Mannschaftsraum erreicht hat, kurz zunickend, macht er sich auf den Weg zur Messe - nein, erst aufs Brückendeck korrigiert er sich in Gedanken. Als er gerade aus dem Mannschaftsaal in den oberen Laderaum tritt, hört er eine dröhnende Stimme aus der Kombüse nach ALRIK rufen. Obwohl die Stimme kaum einen Zweifel daran läßt, dass ihr Besitzer seine Drohung wahr machen wird, stillt sich ein Lächeln auf Darians Lippen ´Laut "Alrik" brüllen, das sollte er mal in Gareth auf dem Marktplatz tun ...´



Die Bootsfrau reagiert mit einem dankbaren Nicken auf die Antwort des Adeptus, und nimmt den Becher entgegen, den sie nahe des Kopfendes der Koje zwischen Wand und der fest verankerten Truhe abstellt - später wohl leicht erreichbar.

"Ich werde ihr das geben!" verspricht sie.



NORDSTERN - Unterdeck: Zusammentreffen - Efferdan


Efferdan atmet erleichtert aus. Offensichtlich hat er alles richtig gemacht, denn der Kapitän läßt keine Zeichen der Unmut ob der Störung oder ähnliches bemerken. Im Gegenteil - er stimmt ihm sogar zu.

Aber natürlich wäre Jergan nicht Kapitän, wenn er nicht gleich dazu sagen würde, was gemacht werden soll. Dabei stellen die Worte Jergans ihn vor ein weiteres Problem: Er soll sich einen anderen Matrosen suchen. Suchen, das bedeutet, ansprechen und den Wunsch des Kapitäns mitteilen.

Efferdan hatte gehofft, dass er Kapitän einen Matrosen bestimmen würde, ihm zu helfen - doch nun... Aber Befehl ist Befehl und so wispert Efferdan ein helles, gerade noch verständliches "Jawohl" bevor er sich umdreht und sich anschickt, wieder zum Oberdeck hinab zu steigen.

Dabei bezieht sich diese Bestätigung sowohl auf den Befehl Jergans, die Blinde zu bergen als auch auf seine Aufforderung, sich etwas wärmeres anzuziehen. Über letzteres ist er froh. Normalerweise macht ihm das Klima in diesen Breiten nicht viel aus, doch bei diesem Wind und fast vollkommen nassem Stoff spürt er die kühle Luft schon. Jetzt hat er endlich die Erlaubnis, sich umzuziehen. Und es verschafft ihm noch etwas Luft, bis er das unausweichliche tun muss - einem Matrosen zu sagen, er soll ihm helfen.

Rasch steigt er nach unten...



Hin und wieder hält Efferdan innen, wenn eine besonders große Welle das Schiff trifft und er befürchten müsste, trotz seiner Kletterkünste den Halt zu verlieren. doch nichts desto trotz kommt Efferdan gut voran. Sprosse um Sprosse arbeitet er sich sicher nach unten.

Dann, nach einer kleinen Weile ist er unten angekommen. Fest steht der helle Matrose nun wieder auf den Planken des Oberdecks. Für einen Moment lehnt er sich an den Mast um auszuruhen, und um die geglückte Rettung nochmal ins Bewusstsein kommen zu lassen.

`Es hat geklappt. Wir haben es geschafft...`

Dann holt er nocheinmal tief Luft und sieht sich - wieder scheu, stumm und unauffällig - um, wo noch eine Winde zu besetzen ist...



Auf dem Oberdeck angekommen, legt er rasch die kurze Entfernung zum hinteren Niedergang zurück, um über diesen weiter nach unten zu steigen. Irgendwie ist er froh, aus der Kälte herauszukommen, aber irgendwie ist es jedesmal ein beklemmendes Gefühl für ihn, in die stickige Enge des Schiffsbauch hinabzusteigen. Unten fehlt ihm immer die Weite des Meeres, irgendwie. Noch einmal sieht er auf das wogende Blau hinaus, atmet tief ein und öffnet dann die Luke hinab, zum Niedergang...



Wieder umfängt ihn dumpfe Schwärze, als er vom hellen Oberdeck mit seinem weiten Blick hinab steigt - jedenfalls kommt es Efferdan so vor. Stück für Stück schiebt er sich tiefer in das Zwielicht, fast meint er, wieder in eine andere Welt einzutauchen.

Doch zum Glück ist das - ach so ferne - Branden des Meeres zu hören. beruhigt ihn, dient ihm als eine Art Wegweiser seiner selbst, sagt ihm, dass er nicht abgeschlossen ist. Dann schließt er die Luke und sperrt so die Lichstrahlen aus, die das Dämmerlicht hier unten durchdrangen und für Verbindung zu oben sorgten.

Sicher, Efferdan ist schon lange Zeit als Matrose auf einem Schiff und von daher die Enge, Düsternis und Abgeschlossenheit, die naturgemäß im Bauch eines Schiffes herrscht gewohnt. Doch noch immer ist es für ihn jedesmal wenn er hinabsteigt einen Augenblick lang so, als würde er von etwas weggerissen, eingesperrt, als verlöre er etwas. Natürlich ist das irrational - doch wer kann sich schon gegen seine Gefühle wehren?

zwei, drei Augenblick lang blinzelt er in die Dunkelheit, bis sich seine Augen an sie gewöhnt haben - was bei ihm immer recht schnell geschieht.

Was ist das? Kommt da nicht wer aus der Messe?

Efferdan steht noch still da, nur ein leichtes Zittern durchläuft seinen immer noch (leicht) frierenden Körper. Aber natürlich ist er mit seiner fahlen Haut und seinen hellen Haare auch in diesem Dämmerlicht gut zu sehen...



NORDSTERN - Unterdeck: Zusammentreffen - Traviana


Traviana ist nun zum Ausgang der Messe raus und überlegt gerade, was sie jetzt tun oder helfen könnte. Eigentlich hat sie ja noch immer nicht gefrühstückt, aber das hat sie in der ganzen Aufregung wegen der Rettungsaktion vergessen. Sie sieht sich im Gang um, und da sieht sie rechts im Gang einen Matrosen stehen.

'vielleicht kann er mir sagen, was ich tun kann?'

Sie läuft ein paar Schritte in seine Richtung...



NORDSTERN - Unterdeck: Zusammentreffen - Efferdan und Traviana


Nein, in einer Hinsicht hatte er sich geirrt. Da kommt nicht nur eine Person aus der Messe. Anscheinend versammelt sich wieder eine ganze Masse hier unten. Der Junge - der Passagier, nicht der Schiffsjunge - kommt aus der Messe. Aber im Gang steht schon eine »Person«. Ein kleiner Mann - wohl der, der seit kurzem an Bord ist.

`Was sieht der mich so an?`

Starr sieht Efferdan mit seinen großen Augen zurück, unsicher, scheu.

`Was kann er nur von mir wollen?`

Doch dann sieht der Zwerg glücklicherweise weg und spricht den Jungen an. Erleichtert atmet Efferdan aus. Zum Glück will der Passagier anscheinend doch nichts von ihm. Doch was sagt er da? Er fragt, ob jemand Pfeife raucht.

`Warum denn das? Ole raucht Pfeife - aber ob der dazu schon wieder fit ist?`

Efferdan ist verwirrt. Was die Gäste nur immer wollen...

Und dann ist da noch eine Person. Stand sie schon die ganze Zeit da oder kam sie eben erst heraus. Efferdan weiß es nicht. Aber eins sieht er. Die Person - wohl die neue Matrosin, die er vorhin an Deck sah - kommt auf ihn zu!!!

`WARUM???`

Efferdan sieht kurz mit großen Augen sie an, dann zu Boden. Eine leise Stimme meldet sich in seinem Kopf:

`Sie könnte dir doch bei der Blinde helfen...` während etwas in ihm hofft, dass sie nicht zu ihm will - wieso denn auch - sondern vorbeigeht...



Traviana ist nun fast bei den Matrosen angekommen, der in ihrer Nähe im Gang steht. Sie sieht ihn kurz an. Er sieht sie irgendwie recht unsicher an. Aber Traviana denkt nicht weiter darüber nach.

" Ähm..." beginnt sie, " weist du vielleicht, wo es im Moment was zu tun gibt?"



Seine Hoffnung erfüllt sich nicht, sie geht nicht vorbei! Stattdessen spricht sie ihn sogar an. Doch was im ersten Augenblick wie ein »Unglück« aussieht, könnte doch in gewisser Weise als Glück erweisen, wie Efferdan nach einem kurzen Schreckmoment feststellen muss.

Schließlich fragt sie nach Arbeit - und hatte er nicht vom Kapitän den Befehl bekommen, noch jemanden für die Bergung der Blinde zu suchen? Das »die Neue« in so anspricht, bedeutet, dass er nicht lange suchen und fragen muss.

Doch sagen muss er auch jetzt etwas und es kostet Efferdan einiges an Überwindung, den Mund zu öffnen.

Leise und schüchtern antwortet er mit seiner hellen Stimme:

"Du... könntest...mir helfen, gleich...Blinde berg--..."

Efferdan stockt. Mit einem Mal ist ihm ein merkwürdiger Geruch in seine feine Nase gestiegen. Das riecht doch...

`Was ist hier - es riecht wirklich nach Rauch...`

Hatte deswegen der Zwerg gefragt? Irritiert hebt er den Blick und sieht an Traviana - die für den Moment vergessen ist, ebenso wie die Kälte - vorbei in Richtung des Zwerges...



Traviana lächelt.

"Ja gut. Ich komm mit..."

Traviana sieht noch einmal zurück in Richtung Messe, um zu sehen, ob es etwas neues bezüglich Sigrun gibt. Also ob sie vielleicht ihr Bewusstsein wiedererlangt hat, oder so... Dann wendet sie sich wieder dem Matrosen zu......



Mit großen Augen starrt Efferdan auf an Traviana vorbei auf die Geschehnisse vor ihm. Dabei nimmt er nicht einmal war, dass die Matrosin ihm antwortet. Er sieht den Zwerg, den Jungen und - wer ist das dort, beim Zwerg?

Der Blick seiner großen, hellblauen Augen fixiert die Stelle knapp unter dem Bart des Zwerges. Erstaunen breitet sich auf seinem Gesicht aus. Das ist ja ein kleiner Mann - noch kleiner als der Zwerg - und: er raucht Pfeife. Dann ist er wohl die Quelle des merkwürdigen Rauchgeruchs, der ihm in seine feine Nase dringt. Aber warum fragt der Zwerg nach, ob jemand raucht, erklärt sogar, was eine Pfeife ist? Und warum sieht der Junge in Richtung Kombüse? Ja, sehen sie denn den kleinen Mann nicht? Er steht doch direkt vor ihrer Nase?

Noch bevor Efferdan etwas sagen oder sich weiter Gedanken machen kann, ertönt plötzlich ein Lachen hinter ihm - (für ihn) laut und unerwartet.

"Aaah" stößt Efferdan, erschrocken bis ins Mark, aus. Sein ganzer Körper zuckt zusammen. Vorsichtig und scheu dreht er sich halb um, um zu sehen, wer da so lacht...

Am liebsten wäre er wohl nach vorne gerannt - aber der Weg ist ja versperrt.



Traviana wundert sich, dass der Matrose sie nicht verstanden hat, aber sie wiederholt es noch einmal.

"Ja, ich helfe dir. Was genau soll ich tun?"

Nun hat sie sehr deutlich gesprochen, der Matrose müsste sie eigentlich verstanden haben, aber er scheint etwas abweisend. Er sieht sie nicht einmal an. Traviana wartet einfach ab...



NORDSTERN - Unterdeck: Zusammentreffen - Efferdan und Alkinoê


' lasse es besorgen... hm..'

Halb amüsiert, halb durch das Tempo überwältigt, das der Geweihte an den Tag legt, beobachtet Alkinoê, wie dieser in die Suite stürmt. Im Grunde entspricht das ihrer Mentalität, jemanden nach dem Benötigten zu schicken. Nichts anderes hatte sie ja vorgehabt. Nun allerdings haben sich die Verhältnisse ein wenig geändert. Sie hat zur Zeit nicht die allergeringste Lust, in die Suite zurückzukehren - ist sie doch im Gegenteil herzlich froh darüber, den Geweihten so rasch losgeworden zu sein.

Mit einem prüfenden Blick über Deck überzeugt sie sich, dass auch niemand da ist, den sie schicken könnte. Es ist schon merkwürdig: Eben, als sie ins Freie trat, erschien ihr das Deck noch voller Menschen. Jetzt sind alle verschwunden bis auf zwei Matrosen, die aber einen sehr beschäftigten Eindruck machen.

Da die eisige Kälte ihr einen längeren Aufenthalt im Freien nicht ratsam erscheinen läßt, huscht sie eilig zur nahen Treppe des hinteren Niederganges, und steigt die steilen Stufen hinunter. Nur noch rasch die Tür geöffnet und hinein. Erleichtert lehnt sie sich von innen gegen die Tür. Geschafft!!



Allein das Ausbleiben des schneidend kalten Windes läßt Alkinoê die warme Dunkelheit des Unterdecks angenehm erscheinen. Sie stellt sich in diesem Moment die Gesichter der Anwesenden in der Suite vor, wenn der Geweihte hineinstürmt und offensichtlich von IHR geschickt wurde. Langsam steigt das bislang unterdrückte Kichern in ihr hoch und bricht sich Bahn.

'Nein, wie ist das verrückt! '

Alkinoê steht im Halbdunkel an die Tür gelehnt und lacht und lacht, während langsam die aufgestaute Spannung nachlässt.



Noch eine Weile dauert es, bis das helle Lachen langsam verebbt. Alkinoê realisiert, dass vor ihr im Gang eine Reihe von Leuten stehen und sie kann auch einzelne Stimmen unterscheiden. Dies ist ja nun nichts Besonderes: Auf so einem kleinen Schiff gibt es wohl kaum einen Ort, an dem keine Menschen anzutreffen sind. Nun jedoch, wo ihre Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt haben, erkennt sie, dass einer von ihnen sich zu ihr umgedreht hat und sie anblickt.

Sie schluckt noch einmal den Rest eines Lachens hinunter und spricht mit einer Stimme, die immer noch ganz weich und hell vom Lachen ist, den Unbekannten an:

" Verzeiht die Störung, aber könntet ihr mir vielleicht behilflich sein? "

Dabei versucht sie einzuschätzen, um wen es sich handelt. Da das Licht vom Gang her kommt, kann sie ihn nicht genau sehen. Für einen Seemann ist er zu klein und zu schmal und seine Kleidung ist schwer zu erkennen. Allerdings, besonders vornehm scheint er auch nicht zu sein. Nun, ein wenig Höflichkeit schadet ja wohl in keinem Fall...




Für einen Augenblick sieht Efferdan Alkinoê mit seinen großen, meerblauen Augen an - doch wirklich nur kurz, bis er schüchtern den Blick senkt.

`Das ist doch die junge Frau von der Zyklopenauge, oder? Meint sie mich??`

Unsicher wirft Efferdan rechts und links einen schnellen Blick zurück, ob da noch jemand anderes zu der jungen Dame hinsieht und dementsprechend gemeint sein könnte. Unglücklicherweise ist dem nicht so...

`Anscheinend... Warum muss immer mir...` Heute ist wirklich ein schwieriger, unruhiger und aufregender Tag. Warum bei allen Zwölfen müssen »alle« ausgerechnet immer ihn etwas fragen?

Scheu blickt er zu Boden, sein schmaler Körper schlottert immer noch leicht. Unsicher sind die Arme vor den Bauch verschränkt. Eng klebt die kurze - und für diese Zeit und in diesen Breiten - wohl zu kühle Kleidung an seinem blassen Leib. Deutlich sind unter dem Hemd am Hals der Abdruck von einem oder mehreren Schmuckstück(en) oder Amulett(en) zu erkennen. Das flachsblonde Haar, durchsetzt mit noch helleren Strähnen, klebt ungeordnet am Kopf. Zögernd und unsicher klingt seine Stimme, glockenhell, rein und dabei melodiös, als er schließlich antwortet:

"Ähm... wie?"

Dabei macht er durchaus den Eindruck, die Frage verstanden zu haben, möchte also nicht wissen, was sie gesagt hat, sondern vielmehr, wie er denn helfen soll. Denn das er sich das Anliegen der Passagierin wohl oder übel anhören und wenn möglich für Hilfe sorgen muss, steht wohl außer Frage. Schließlich ist sie Passagier - und er nur ein einfacher Matrose...

Das hinter ihm anscheinend ein weiterer Passagier dazugekommen ist - wie er aus dem Stimmen und dem Plätschern einer ausgegossenen Flüssigkeit vermutet - und die anderen den kleinen Mann mit der Pfeife anscheinend immer noch nicht entdeckt haben, jedenfalls hört es sich nicht so an, wobei er natürlich sowieso kaum hinhört, da seine Aufmerksamkeit momentan nach vorne, zur neu Hinzugekommenen, gerichtet ist - macht ihn auch nicht gerade ruhiger.

Na wenigstens hat die junge Frau eben gelacht, ganz so schlimm ganz also nicht werden. Hoffentlich!



Langsam kann Alkinoê etwas mehr als nur Schattenrisse erkennen: Auffallend große, blaue Augen und eine offensichtlich einfache Kleidung. Also doch ein Matrose?

Wie dem auch sei, sie sollte sich um Reckindes Anliegen kümmern. Kaltes Wasser und Tücher. Warum eigentlich? Es ist ihr nicht klar, wozu Reckinde diese Dinge brauchen könnte, aber das muss ja auch nicht sein: Sie hat gelernt, Aufträge ohne Nachfragen oder Überlegen zu befolgen.

Hat ihr Gegenüber sie nun verstanden, oder nicht?

" Ich brauche kaltes Wasser und Tücher. Wisst ihr, wo ich so etwas erhalten könnte, oder könntet ihr mir vielleicht bei der Beschaffung behilflich sein?"

Dabei schaut sie ihn mit einem Lächeln so liebenswürdig wie möglich an. Ganz gleich, ob er nun ein Matrose ist oder ein einfacher Passagier - er ist ein Mann, und damit muss er ihr auf jeden Fall helfen...



Was für ein Morgen! Efferdan beschließt diesen Morgen als einer der schlimmsten zu verbuchen, die er erlebt hat seit... seit, ja mindestens seit er an Bord der NORDSTERN ist. Der Rest vom Tag kann eigentlich nur noch besser werden, oder?

Erst die Aufregung an Deck, die aufwühlende Bergung - und jetzt das hier. Hier steht er, im Dunkeln des Unterdecks, frierend und alles stürmt auf ihn ein. Vor ihm die Passagierin, die ihn um Hilfe bittet, hinter ihm die neue Matrosin, die noch Fragen hat - und weiter vorne, auf dem Weg zum Mannschaftsraum stehen auch noch einmal Personen, die den Weg verstopfen.

Efferdan verspürt mit einem Mal ein Gefühl der Enge. Unter Deck mit so vielen Menschen, kein weites Meer, an dem man sich festhalten kann, keine Ruhe, nur Lärm und Fragen.

Efferdan drückt sich zitternd mit dem Rücken an die Wand, beinahe wie ein verschrecktes Tier. Unschlüssig, fast gehetzt schwirrt sein Blick zwischen Alkinoê und der Matrosin hin und her. Zu der Gruppe vor der Messe zu sehen, wagt er gar nicht. Was soll er tun, wem soll er antworten?

Sein Herz pocht wie wild, eigentlich will er weg laufen, doch wo hin? Und irgendwie verspürt er das ungewisse Gefühl, dass seine Beine ihn nicht weit tragen würden. Vielleicht, wenn er der Frau mit dem netten Lächeln etwas sagen würde, vielleicht würde sie dann Platz machen, weg gehen? Scheu sieht er vor ihr auf dem Boden und wispert stockend und irgendwie verängstigt:

"Vielleicht...die Kombüse... Ga...rulf..."

Dann linst er schräg nach oben zu Traviana. Sie wollte ihm helfen. Wenn sie das doch nur übernehmen könnte... Doch das bleibt unausgesprochen.



' Was ist denn mit dem los? '

Alkinoê ist verdutzt und kann sich das seltsame Verhalten nicht ganz erklären.

' Das sieht ja fast aus, als hätte er Angst vor mir '

Einen Augenblick reitet sie der Übermut, und da das Lachen bei ihr noch ganz locker sitzt hat sie nicht übel Lust, ihn weiter zu provozieren:

' Sieh dich vor, ich bin ein Feylamia ' aber im gleichen Moment kommt ihr der Gedanke, dass vielleicht etwas Schlimmes passiert sein könnte. Immerhin stehen auffällig viele Leute hier im Gang herum und debattieren.

" Ist euch nicht gut? Oder ist etwas anderes Unangenehmes vorgefallen? "

Besser erst einmal vortasten, bevor sie sich mitten zwischen die anderen Leute begibt, ein Vorhaben, das ihr sowieso unangenehm ist und das sie lieber vermeiden würde.



Ob ihm nicht gut sei? Ob etwas unangenehmes vorgefallen sei? Er ist umringt von vielen, wildfremden Menschen. und Sigrun und Ole wurden gerade aus dem Wasser gefischt. Wie es ihnen und vor allem Sigrun wohl geht?

Efferdan starrt zu Boden.

Was soll er auf diese Frage antworten? Am Liebsten würde er gar nicht antworten, am Liebsten wäre er weit weg... Doch die junge Frau ist eine Passagierin...

Leise, kaum hörbar, wie ein Wispern, ein Windhauch flüstert Efferdan:

"Äh...ganz...gut. Ähm, aber... Sigrun...über... Bord"

Wenn er jetzt schon dabei ist, kann er auch noch die andere Frage beantworten. Oder es versuchen...

`Ich soll mutiger werden` schwebt ihm kurz die Erinnerung an Níalyns Worte durch das Gedächtnis. Efferdan holt tief Luft, um gleichzeitig mit der Luft etwas Mut aufzunehmen. Vage blickt er in Travianas Richtung, sie jedoch nicht an, ganz so weit reicht der Mut doch nicht, sondern vor ihr auf den Boden. Scheu und leise wispert er:

"Äh... gleich... die Blinde..."

Es hätte ja doch keinen Zweck gehabt, es hinaus zu zögern. Vielleicht gehen sie jetzt endlich alle und lassen ihn in Ruhe?



Es ist nicht ganz einfach, das leise Flüstern zu verstehen, aber einige Worte erreichen immerhin Alkinoês Ohren. Was sie aber hört, ist Entsetzliches:

' Über Bord gefallen und auch noch blind! '

" Das ist ja furchtbar. Aber warum versucht denn niemand, sie zu retten?!"

Allmählich klärt sich das Chaos in Alkinoês Geist. Der junge Mann ist vermutlich deshalb so verstört, weil er auf die blinde Frau aufpassen musste. Und durch sein Versehen ist sie über Bord gestürzt. Sie kann sich das Geschehen recht gut ausmalen. Ihre Phantasie gaukelt ihr das Bild einer halb verhüllten Gestalt vor, die, hilflos mit den Händen um sich greifend, in Richtung Reling stolpert und mit einem letzten Aufschrei hinunterstürzt. Die Ruhe hier unten erscheint ihr aber der Situation nicht angemessen.

" Wann war denn das... " fügt sie nachdenklich hinzu.



Nein, natürlich wird er nicht in Ruhe gelassen. Wieso denn auch - das wäre mal etwas erfreuliches an diesem merkwürdigem Morgen. Was er wohl falsch gemacht hat, dass er so gestraft wird? Oder sollte alles eine neue Prüfung sein? Hach ja, es ist wirklich nicht möglich, die Wege der Götter zu verstehen...

Die Frage der Passagierin ist wirklich verblüffend. Denkt sie wirklich, »alle« - nach Efferdans Dafürhalten hat sich fast das ganze Schiff hier unten versammelt - würden hier unten herumstehen, wenn oben jemand über Bord gegangen wäre? Verdutzt schaut er einen Moment auf, in Alkinoes Richtung. Seine großen, meerblauen Augen ruhen fast in ihrem Gesicht, doch nur ganz kurz, bevor er wieder scheu - und vielleicht auch etwas ängstlich - den Blick senkt.

Was soll er sagen? Muss er etwas sagen? Was wäre, wenn die Passagierin dächte, sie würden nichts tun, wenn jemand über Bord fiele? Das würde dem Kapitän wohl gar nicht gefallen. Also muss er wohl antworten. auch ist die junge Dame eine Passagierin und darf deshalb Antworten erwarten... Nur, warum immer von ihm? So viele Leute - viel zu viele Leute hier - und wen frägt sie?

Der Matrose schlingt die Arme um seinen zitternden Körper und antwortet, den Blick zu Boden, mit seiner hellen, schüchternen, leisen Stimme:

"Äh, vor kurzem. Und sie...gerettet, in der... Messe..."

Efferdan hofft, dass es reicht. Es war die besten Antwort, die er in dieser Situation zusammenbrachte. Warum müssen sie auch nur alle so eng stehen hier?

`Bitte geht. Platz! Ruhe! Bitte lasst mich doch allein...` fleht er innerlich...



Für einen kurzen Moment sind die dunklen Augen der Südländerin voll auf die meerblauen des Mannes vor ihr gerichtet, von denen etwas Merkwürdiges, fast wie ein Sog ausgeht.

' Ich habe noch nie so blaue Augen gesehen... '

Aber schon blickt er wieder zu Boden und mit seiner stammelnden Antwort ist der Reiz gebrochen.

' Aber, dann ist doch alles gut! Was hat er denn noch? ', denkt Alkinoê ein wenig ärgerlich. Die Vorstellung, sich nun wie eine Bittstellerin durch den engen, wenig wohlriechenden Gang durchschlagen zu müssen, und die anderen vermutlich primitiven und ebenso ungefälligen Menschen einen nach dem anderen um Hilfe zu bitten, hat nur wenig Reiz für sie.

" Ja, nun, dann brauch er sich ja weiter keine Sorgen zu machen. "

Unwillkürlich fällt sie in ihrem Ärger in die Domestikenanrede *Er*.

" Was sagte er soeben? Wohin soll ich mich wenden? "



Efferdan zuckt wie von der Peitsche getroffen zusammen. Das harte »er« in ihren Worten hat ihn erschreckt. Fest drückt er sich gegen die Holzwand hinter ihm, wünscht, er könnte einfach hindurchgleiten und dahinter verschwinden.

In der Stimme der Passagierin schwingt Ärger mit, das vermeint Efferdan deutlich, beinahe körperlich, zu spüren. Wie eine harte Wand scheint sich der Ärger aufzubauen, greift mit kalten Fingern in seine Richtung. Efferdan zieht etwas den Kopf ein, geduckt wie ein Hund, der jederzeit Prügel erwartet. Kaum wagt er es zu atmen. Zaghaft, ängstlich, scheu deutet er mit zittrigem Finger in Richtung Kombüse und bringt mit Mühe wenige Worte über die Lippen:

"Der... Smutje... Garulf..."

Dann kommt plötzlich Alrik hinzu. sollte er ihn auch noch ansprechen wollen? doch nein, er scheint ihn gar nicht zu bemerken. Gut so. Stattdessen spricht er die Passagierin an. Die beiden scheinen sich zu kennen. Vielleicht kann Alrik sich ihrer annehmen, sie wegführen, ihn allein lassen? Efferdan hebt den Kopf etwas. Ein flehentlicher Blick trifft den Schiffsjungen. Nur ein einziges Wort scheint in ihm zu schwingen: »Hilfe«...



Traviana wundert sich ein wenig. Kann sie dem Matrosen jetzt helfen oder nicht? Sie weis doch gar nicht so recht, was sie jetzt tun soll....

Er hatte ja eine Arbeit für sie, dachte sie, aber jetzt scheint er sich mehr um andere zu kümmern....

'vielleicht sollte ich mich wo anders nach Arbeit umsehen...'

Aber Traviana weis im Moment nicht, wo sie das tun sollte. Also wartet sie erst einmal ab. Er wird mir wohl sagen, wenn ich etwas tun kann......



NORDSTERN - Unterdeck: Zusammentreffen - Alrik


Es ist eine verdammt mühselige Arbeit diese vielen kleinen - und daher wohl minderwertigen - Kartoffeln aufzusuchen. Aber heißt es nicht, die dümmsten Bornländer haben die dicksten Kartoffeln? Nun ja, so gesehen hat der Smutje wirklich schlau eingekauft.

So langsam keimt in ALRIK der Gedanke auf, dass eine Unterrichtsstunde bei Hesindian wohl doch nicht die schlechteste Alternative zu dieser Tätigkeit gewesen wäre.

"Verdammte Orkerei, dieser Arbeit, das wohl", flucht der Schiffsjunge.



Und auch die letzte Kartoffel ist endlich eingefangen und landet bei ihren unzähligen andere Kollegen, die in einem großen, groben Sack aufbewahrt werden.

Ächzend erhebt sich ALRIK. Auch wenn er nicht gerade penibel auf äußerste Reinlichkeit achtet, so hat diese schmuddelige Arbeit doch ihre bräunlich schwarzen Schmutzspuren auf ALRIKs Kleidung und vor allem auch an seinen Händen hinterlassen. Gedankenverloren wischt er sich noch den Schweiß aus dem Gesicht - und hinterlasst damit noch unbeabsichtigt einen breiten Dreckstreifen mitten auf der Stirn.

'Am besten erst mal bei Garulf abmelden', beschließt der Schiffsjunge und marschiert los. Gewissenhaft schließt der Junge den Laderaum wieder ab, immerhin hatte man ihm oft genug eingebläut, dass die wertvolle Fracht, wie z.B. Premer Feuer immer unter Verschluss zu halten ist.

Auf dem Unterdeck scheint schon wieder einiges los zu sein. Matrosen huschen durch die Gänge, Passagiere versperren fast den Weg und auch der hintere Niedergang ist mal wieder verstopft - durch Efferdan 'Na, wer auch sonst...' - und Alkinoê 'Wie schön, sie wiederzusehen... Führt Efferdan da etwa was im Schilde? Er wird sie doch wohl nicht belästigen...'

"Guten Morgen, Fräulein Alkinoê", grüßt der schmutzige ALRIK, Efferdan hingegen, wird mit Nichtbeachtung gestraft.



NORDSTERN - Kabine: Der Zauberer kehrt zurück - Ottam und ALRIK


Recht spät erwacht Ottam aus seinem Schlaf, kein angenehmer Schlaf, denn er fühlt seinen Kopf - schwer und Dumpf Eingenickt ist er, über jenem Buch, dass er in letzter Zeit nur allzu häufig aufschlug. Etwas stimmt nicht, die Bewegung, ja das Schiff, es kann kaum noch im Hafen liegen, dafür ist der Seegang viel zu auffällig. Irritiert ob dieser Situation erhebt sich Ottam von seinem Schemel und will sich auf den Weg zur Brücke machen.

Man kann von Glück sprechen das er am Abend einschlief, denn so ist er gekleidet wie es sich für einen Magus gehört, nachgedacht hat er über diesen Umstand derzeit nämlich in keinster Weise. Sein stürmischer Gang zur Brücke wird jäh gebremst als er die zahlreichen Personen auf dem Unterdeck erblickt.

Schnell verschafft er sich einen Überblick und macht sich sein ganz eigenes Bild der Situation. 'Gäste, Matrosen, der Schiffsjunge, UND EINE SCHWEINEREI AUF DEM BODEN !'

Ohne sich durch Fragen Klarheit zu verschaffen schnauzt er in Richtung ALRIK, auch wenn er einen Moment den schüchternen Efferdan im Visier hatte, belässt er es jedoch bei ihm mit einem Blick, noch kälter als man es sonst von ihm gewöhnt ist.

"ALRIK!, was stehst du hier rum und belästigst die Passagiere! Los schnapp die einen Putzlappen und mach die Schweinerei auf dem Gang weg"

Die Worte Ottams treffen mit einer Härte bei ALRIK ein, die selbst von dem ewig grummigen und seltsamen Magus selten zu hören ist. Jedem sollte klar sein, dass alles, außer einem: "Jawohl ich eile", Ottam dazu veranlassen könnte Dinge zu tun die sich kein Schiffsjunge Deres wünschen würde.

Weshalb Ottam zu gereizt ist weis er selbst nicht so recht, doch irgendetwas in seinem Inneren sagt ihm, dass ihn etwas sehr unangenehmes erwartet. Elegant windet er sich durch die im Gang stehenden und bewegt sich weiter Richtung Aufgang.



Innerlich zufrieden das seine Anfuhr die gewünschte Wirkung gezeigt hat vernimmt Ottam die Antwort des Schiffsjungen nur beiläufig, denn sie war so wie er sie erwartet hat.

Weiter eilt er den Aufgang empor, umkurvt dabei auch Treppensitzer geschickt und ohne Worte, zu konzentriert auf sein Vorhaben ist er. Weiter begibt er sich auf das Brückendeck wo gerade ein Matrose putzt und der Kapitän tatenlos rumsteht.

In gemäßigterem Ton, aber sicher nicht Höflich oder respektvoll Sprudelt Ottam los, denn erstens sagt niemand etwas - und wenn, hätte dieser jemand halt zu warten denkt er sich.

"Jergan weshalb sind wir schon auf See? und wann werden wir in Nostria eintreffen? Ich hoffe ihr rechnet durch die verfrühte Abfahrt nicht mit einer vorzeitigen Weiterreise, denn ich erwarte in Nostria eine HÖCHST WICHTIGE Warenlieferung!"

Das Höchst betont er dabei so sehr, das man davon ausgehen kann, dass die Ware nicht nur selten sondern auch ungemein kostspielig und schwer zu beschaffen ist. Erwartungsvoll blicken seine Augen zum Kapitän und sein Blick strahlt eine Kälte aus, welche die Niederhöllen im vergleich wie das Südmeer erscheinen lassen.



NORDSTERN - Unterdeck: Der Schiffsjunge und die junge Dame


Bei Alriks Antwort verzieht sich Alkinoês Gesicht zu einem Lachen und sie ist gerade im Begriff, ihm zu antworten als eine scharfe harte Stimme sie zusammenfahren läßt. Abrupt fährt sie herum und starrt den Mann an, der es wagt, in solcher Weise dazwischen zu fahren. Natürlich erkennt sie ihn sofort als Magier, ein Umstand, der ihr jedoch weit weniger Respekt abnötigt, als man vermuten sollte.

Während sie noch empört nach Worten sucht, ist der seltsame Gesell schon die Treppe zum Oberdeck empor geeilt und aus ihrem Gesichtskreis entschwunden. Als sie sich wieder zu Alrik umwendet, hat sich ihr Gesichtsausdruck völlig verändert. Ihre Augen sind ganz schmal vor Zorn.

" Was ist denn das für ein fürchterlicher Mensch?! Ich hoffe, du läßt dich von ihm gar nicht beeindrucken. Schließlich brauche ich dich! Das da " - sie wirft einen Blick auf die Bierlache - kann auch irgendjemand anderes beseitigen. "



"Das ist unser Schiffsmagier, der Gelehrte Herr Tronsson. Er hat hier an Bord den Stand eines Offiziers und seinen Befehlen muss ich natürlich auch folgen. So ist das nun einmal. Aber so lange hier so viele Leute im Gang sind, kann sowieso niemand sauber machen. Das kann also warten, du bist tausendmal wichtiger", erklärt der Schiffsjunge mit der festen Überzeugung hier die Prioritäten richtig gesetzt zu haben. Schließlich merkt der Kapitän immer wieder an, dass die Wünsche der Passagiere jederzeit Vorrang haben, es sei denn das Schiff befindet sich gerade in einer gefährlichen Situation.

Offen schaut er Alkinoê in die Augen, in deren Glanz sich immer noch die rechtschaffene Empörung über diese freche und unangemessene Art des Magiers spiegelt. Der Schiffsjunge hingegen hat sich wieder völlig gefasst und strahlt jetzt sogar eine gewisse Ruhe aus. Immerhin ist es nicht das erste Mal, dass höherrangige Besatzungsmitglieder ihre Launen an ihm auslassen....

"Nun, beruhige dich doch und lass dich nicht weiter davon ärgern. Außerdem siehst du viel hübscher aus, wenn du lächelst. Wie kann ich dir jetzt helfen?"



' So. Schiffsmagier ist er also. Und Alriks Vorgesetzter. Aber als Schiffsangestellter hat auch er die Pflicht, sich in erster Linie um die Belange der Fahrgäste zu kümmern. '

Denkt Alkinoê. dass sie ja im eigentlichen Sinne gar kein Fahrgast ist, entgeht in diesem Zusammenhang ihrer Aufmerksamkeit. Nicht entgeht ihr jedoch das Gebrüll der verschiedenen Fahrgäste hinter dem Schiffsjungen. Und eine Luft ist das hier unten! Sie möchte gar nicht so genau über die verschiedenen Duftkomponenten nachdenken.

Als Alrik nun schließlich nach ihrem Begehr fragt, muss sie sich einen Moment besinnen. ' Ach ja! '

" Ihre Hochwohlgeboren hat mich gebeten, Eine Schüssel mit kaltem Wasser und ein paar Tücher in die Suite bringen zu lassen. "

Alkinoê lächelt Alrik nun wieder verschmitzt an:

" So etwas könntest du allerdings auch ganz gut gebrauchen! "



Betreten schaut ALRIK auf seine Hände herunter. Wie Recht Alkinoê doch hat! Nun, ein wenig Sauberkeit könnte allerdings nicht schaden, jedoch ist es damit immer schnell vorbei, wenn man üblicherweise der ist, der in den meisten Fällen die Drecksarbeit zu erledigen hat.

Wenn es jetzt jemand anderes gewesen wäre, der ihn darauf angesprochen hätte, so hätte ALRIK gewiss ein wenig angegeben und damit herum geprahlt, dass er die Notwendigkeit verspüre in Havena mal wieder ein gepflegtes Badehaus aufzusuchen. Doch ALRIKS Badehauserfahrungen halten sich leider noch in bescheidenen Grenzen und Alkinoê könnte das unter Umständen ja auch missverstehen.

"Damit hast du allerdings vollkommen recht," gibt ALRIK stattdessen offen zu und ergänzt grinsend, "halt also besser Abstand zu mir, sonst mache ich dich noch dreckig."

ALRIK deutet mit der Hand den Gang hinunter, wo noch immer einige Leute den Weg versperren.

"Wasser haben wir in der Kombüse und auch ein paar saubere Leinentücher gibt es dort auch. Vielleicht kommst du gleich besser mit, denn wenn ich sie anfasse, sind sie bestimmt nicht mehr so sauber. Oder brauchst du sehr grosse Tücher? Tischdecken?"



Alkinoês hochgewölbte schwarze Augenbrauen heben sich ein wenig, und über ihrer Nasenwurzel bildet sich der Ansatz einer kleinen, steilen Falte des Missmutes. Was soll das denn heißen? Meint Alrik etwa, sie wolle SELBER mit einer Waschschüssel und ein paar Tüchern über Deck stolpern? Da würde sie sich ja lächerlich machen!

Aber dieser Ausdruck hält nur einen Wimpernschlag an, und weicht sofort wieder dem Lächeln. Kurz, fast geistesabwesend macht sie dem schüchternen Jüngling Platz, der sich gerade an ihr vorbei quetscht, als hätte sie die Zorgan-Pocken.

" Ja, lass uns rasch in die Kombüse gehen, " - ' was auch immer das ist ' - " hier herrscht ja ein schreckliches Gedränge und man versteht kaum sein eigenes Wort. Ich glaube übrigens nicht, dass es Tischtücher sein müssten, aber wenn sie etwas sauberer wären als du, dass könnte nichts schaden. "

Dann wartet sie darauf, Alrik in den bezeichneten Raum zu folgen.



Fest entschlossen, Alrik nicht aus den Augen zu verlieren folgt ihm Alkinoê auf seinem Hindernislauf durchs Unterdeck, vorbei an dem großen Thorwaler, der, wenn sie sich recht erinnert, Jalda, oder so ähnlich heißt. Dann stoppt Alrik gezwungenermaßen, und so kommt auch Alkinoê zu stehen, ausgerechnet neben dem schüchternen Jüngling, den der Schiffsjunge eben so unwirsch beiseite geschoben hat und der anscheinend auch hier stecken geblieben ist.

Allmählich findet sie die Situation komisch. Nun schon zum dritten Mal quetschen sie sich in dem engen Gang aneinander vorbei, dabei zeigt der Ärmste alle Anzeichen eines gequälten Individuums.

Amüsiert blickt sie ihn an und zwinkert ihm zu, während sie darauf wartet, dass die zwei anderen Riesen die Tür freigeben.



ALRIK grinst - halb amüsiert, halb verlegen.

"Oh, ich bin sicher, es lässt sich wieder abwaschen. Ansonsten müsste ich mich bald Sorgen machen, dass sie mich als Moha verkaufen, wenn wir in den Süden kommen."

'Wobei das allerdings keinen wirklichen Unterschied macht - die Mohaarbeiten mach' ich ja eh schon.'

Mit einem Blick über die Schulter vergewissert sich ALRIK, dass Alkinoê ihm durch den engen Gang auch folgen kann. Während Efferdan mit einem schroffen "mach-mal-platz" wieder verbal in die Ecke gedrängt wird, wartet der Schiffsjunge beim nächsten Hindernis, Hjaldar genannt, bis sich eine günstige Gelegenheit ergibt, den Engpass im Gang zu überwinden.

Vor der Tür zu der Kombüse hält ALRIK schließlich inne. Mit Ole und Garulf ist der Kombüsendurchgang nämlich gleich mit zwei ganzen Kerlen verstopft. Höchstens eine Maus könnte sich jetzt noch in die Küche zwängen, aber gewiss nicht der Schiffsjunge und schon gar nicht mit Alkinoê zusammen.

"Ho, da bin ich wieder. Im Laderaum herrscht wieder Ordnung, Smutje," macht sich ALRIK bei den Männern bemerkbar. Prüfend blickt sich ALRIK nochmals um, ob Alkinoê es auch bis zur Kombüse geschafft hat.

"Die Herrschaften aus der Suite brauchen dringend kaltes Wasser und saubere Tücher. Ein paar Leinentücher haben wir doch hier immer unten im Schrank, was?"

Abwartend bleibt ALRIK stehen, denn das Wasserfass, das in der Ecke hinter der Kombüsentür steht, ist für ihn unerreichbar, so lange nicht einer der Seebären wenigstens mal 'den Bauch einzieht'.



NORDSTERN - Auf dem Brückendeck: Der Zauberer kehrt zurück - Jergan und Ottam


Perval tut seine Arbeit, der Kapitän tut die seine, auch wenn man davon im Moment zumindest offensichtlich nichts sieht - doch seine Aufmerksamkeit ist gespannt auf das Meer gerichtet. Selbst Angar am Fuss der nach oben führenden Treppe ist sinnvoll beschäftigt mit der Ausführung eines Befehls.

Die Augen des Kapitäns weiten sich, als er die Tuer des hinteren Niederganges klappen hört, und dann eine Gestalt über das Oberdeck marschiert kommt, die er an diesem Tag noch nicht gesehen hat - und die er, wenn er sich selbst gegenüber ehrlich ist, auch gar nicht hier oben sehen möchte.

Natürlich hat der Magier das Brückendeck zum Ziel, und so richtet sich der Blick des Kapitäns angemessen freundlich auf Ottam, zumindest solange, bis dieser den Mund öffnet und grußlos beginnt, irgendetwas hervor zu stoßen, das der Kapitän zwar akustisch vernimmt, aber nur am Rande registriert, so sehr ärgert ihn diese Frechheit.

Kurz überlegt er, ob er dem Magier im Beisein des Matrosen eine Abfuhr erteilen soll, ob das für die Befehlsstrukturen an Bord wirklich gut ist, aber ein dermaßen gotteslästerliches Verhalten kann man nicht übergehen. Das würde seinem, Jergans, Ansehen schaden, und man würde nur darüber tuscheln, was er sich gefallen läßt. Wenn der Magier derlei in Kauf nimmt - seine Sache...

"EFFerd zum Gruße", erwidert er darum höflich, aber mit einem ziemlich kühlen Unterton, der so ziemlich dem Ton ähnelt, den er benutzt, wenn er einmal mit einem Matrosen schimpft.

"Wie Ihr seht, sind wir auch hoher See, und die Lage ist nicht ungefährlich, denn die See ist ziemlich schwer."

Er ist versucht, dem Magier zu sagen, er solle besser in seine Kabine gehen, oder sich an eine Sicherungsleine klammern, aber er läßt es, so etwas hat er nicht nötig.

"Was Nostria betrifft, so muss ich Euch enttäuschen, denn es ist in EFFerds Willen, dass wir nach Havena durchfahren."

Die Stimme des Kapitäns ist dabei schon fast wieder ruhig, eher sogar geschäftsmäßig, und es ist keine Boshaftigkeit in seinen Worten zu spüren. Einzig vermuten mag man, dass er im Grunde noch mehr sagen wollte, das aber erst einmal läßt. Ernst blickt er den Magier an, um dessen Antwort nicht im Tosen der Wellen zu verpassen oder zu überhören.



Ottams Gesicht verfärbt sich mehrmals während der Kapitän redet. Zunächst hin zu dunkelrotem Zorn, aber diesmal kein Zorn über den Kapitän sondern über sich selbst, denn warum gibt er ihm auch immer wieder Ansatzpunkte zum kontern. Als dieser aber dann von EFFerds Willen und vor allem Havena anfängt wird sein Gesicht Kalkweis.

'Was erlaubt der sich'

'Vorsicht Ottam, erstmal die Fronten klären'

"HESinde, EFFerd und die andern 10 zum Gruße"

Bringt er mit freundlichstem Blümchenton hervor, dann betrachtet er den Seegang und erkennt die Notwendigkeit sich festzuhalten, denn in seiner Eile hatte er nicht bemerkt wie stark der Seegang ist. Doch währe er nicht Ottam selbst so etwas simples imposant und beiläufig erscheinen zu lassen.

Sein Stab ist es, der sich plötzlich in ein Seil wandelt. Einer Al'Anfanischen Riesenschlange gleich windet es sich von selbst um das Geländer der Brücke und das andere Ende um seine Hand.

"Was um der Götter willen lässt euch glauben das EFFerd ein Interesse daran hat das wir jetzt bei schwerer See mit großem Tempo nach Havena fahren? Habt ihr eigentlich eine Ahnung WIE WERTVOLL meine BEREITS GROSSTEILS BEZAHLTEN Waren sind?"

"Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, das HESinde erfreut darüber ist wenn seltenste und wertvollste, magische Komponenten am Hafen vergammeln weil das Schiff bereits fort ist!"

Die Antwort Ottams ist scharf und selbstbewusst, als wenn EFFerd gerade DEN DA, wobei er geistig auf Jergan deutet, für eines seiner Anliegen benötigte.



Jergan würde, wenn es nicht so ernst wäre, grinsen, aber so unterdrückt er diesen Impuls, als der Magier den Gruß dann doch noch wiederholt, so, als wäre ihm dieser Fehler erst bei seinem Gruß aufgefallen.

Die Sorgen, die Ottam ausspricht, lassen ihn vollkommen kalt - eher im Gegenteil, sie machen es dem Kapitän sogar viel einfacher. Schließlich ist der Wert irgendwelcher Waren, die von irgendwelchem Geld bezahlt wurden, den Zwölfen wohl vollkommen gleichgültig, allenfalls PHEx könnte vielleicht eine kleine Spur von Interesse dafür aufbringen, aber bei den mutmaßlichen Waren, um die es hier geht, zweifelt der Kapitän doch sehr heftig daran.

"Ihr habt es wahrscheinlich noch nicht erfahren: Dieses Schiff transportiert ein EFFerd geweihtes Artefakt nach Havena, ein Artefakt von hoher Wichtigkeit für den dortigen Tempel und eine Zeremonie, die ÜBERMORGEN anlässlich des Fischerfestes dort stattfindet. Dieses Artefakt ist die Heilige Miesmuschel, und wenn Ihr an deren Bedeutung zweifelt, dann zweifelt Ihr an der Bedeutung von EFFerd selbst."

Bei diesen Worten - den Namen des Artefakts spricht der Kapitän ohne jedes Stocken aus - schweift sein Blick kurz zu der aufgewühlten See. Nur ein Dummkopf würde es bei solch einem Wetter wagen, sich gegen EFFerd zu stellen, wenn er sich auf einer Nussschale von Schiff befindet!

"Und Ihr könnt davon ausgehen, dass auch der Herrin HESinde ein Artefakt der Zwölfgötter mehr bedeutet als irgendwelche Waren, die ein paar Tage später ihren Empfänger erreichen. Wenn ihr wollt, könnt Ihr dazu aber auch gerne ihre Gnaden Hesindian befragen, der sich an Bord dieses Schiffes befindet."

Jergan stellt sich wieder etwas mehr seitlich neben das Steuer, dabei den Abstand zu diesem verkleinernd, und den zu Ottam vergrößernd. Es ist eine mehr unterbewusste Handlung, die aber deutlich zeigt, was er von der "Störung" durch den Magier hält.



Gelassen und kalt nimmt Ottam die Worte des Kapitäns entgegen, innerlich bereits zum Konter bereit wartet er ab bis die letzte Silbe verklungen ist...

"Die Heilige Miesmuschel! DAS ist sehr wohl ein Grund früher aufzubrechen"

Eine kleine theatralische Pause einfügend fährt Ottam fort:

"ABER es ist definitiv KEIN Grund mich nicht zu informieren und mir so die Möglichkeit zu nehmen eine Nachricht zu hinterlassen und einen neuen Zielort für die Ware zu bestimmen UND mich PERSÖNLICH von der Echtheit des Artefakts und seines Überbringers zu überzeugen!"

"Die Sache wird in jedem Fall ein Nachspiel haben und wenn ich mein Ware nicht erhalten sollte, dann wird es Beistand aller Götter brauchen, um meinem Zorn zu entgehen"

Spricht er betont gelassen solch mit einem inneren Zorn der die Sphären erschüttern könnte.



Ehe der Kapitän dem Magie antwortet, tritt er wieder an das Steuer, das der Matrose nun im sauberen Zustand freigegeben hat - zumindest interpretiert er die Handlungen und Gesten Pervals so.

"Danke, das war es mit dieser Arbeit. Falls du rausbekommst, was das war, dann sag mir das mal."

Damit ist das erledigt, und Jergan dreht das Steuer etwa eine Viertelumdrehung nach backbord, eine Kursänderung, die eigentlich schon fast überfällig war, aber die Beendigung der Reinigung des Steuers war dem Kapitän dann doch wichtiger.

Erst, nachdem auch das getan ist, ist der Magier an der Reihe.

"Zweifelt Ihr an den Worten des Tempelvorstehers des EFFerdtempels von Salzerhaven oder dessen Identität?"

Die Stimme des Kapitäns ist härter geworden, denn alles, was gegen EFFerd oder dessen Tempel geht, nimmt er sehr persönlich, und empfindet es als eine bösartige Götterlästerung. Auf die Ware geht er nicht weiter ein, ebenso schenkt er sich jedes Wort zu der Ware, mit der der Magier schon wieder anfängt.



"Interpretiert nicht Dinge, die nicht sind, werter Kapitän!" spricht er betont langsam

"Wenn es sich denn um den Tempelvorstehers des EFFerdtempels handelt so würde ich natürlich keinesfalls Zweifel hegen. Da ich den Mann aber nicht einmal zu sehen bekam kann ich das ja nicht wissen und muss alles in Betracht ziehen, z.B. einen anderen Magier der von meinen Waren wind bekommen hat und euch mit einem Zauber belegt hat damit ihr schwups in einer Nacht und Nebelaktion ablegt! Habt ihr daran schon einmal gedacht? Ich tue nur meine Pflicht und mittels meiner Magie habe ich nun einmal bessere Möglichkeiten in dieser Richtung etwas zu erfahren."

Ottam holt tief Luft und redet alsbald weiter

"Wertvoll genug für eine solche Tat sind die Dinge, die mich erwarteten. Viele Magier im Lande würden deutlich mehr geben als dieses Schiff samt Ladung wert ist, um an sie zu gelangen."

Den Matrosen beachtet Ottam nicht weiter sondern notiert sich diese neuerliche Unverschämtheit des Kapitäns im Geiste auf seiner bereits SEHR langen Liste



Langsam schleicht sich der Ärger immer deutlicher in das Gesicht des Kapitäns. Will dieser Krämer von einem Magier denn nicht verstehen, dass die heilige Miesmuschel unendlich wichtiger ist als seine albernen Waren?

"Ihr meint also, jemand würde einen Zauber sprechen, der auf schätzungsweise ein Dutzend Leute wirkt, diese dazu bringt, in ganz Salzerhaven nach einem Artefakt zu suchen, dabei ganz nebenbei noch den Tempelvorsteher und andere Geweihte des Tempels in Salzerhaven 'fälscht', den Tempel selbst natürlich auch, und als Nebenprodukt ein göttliches Artefakt erzeugt? Ich rate Euch sehr, meinem Wort, dass diese Mission von höchster Wichtigkeit für EFFerd ist, zu vertrauen, und den Herrn der Gezeiten nicht noch mehr zu erzürnen, indem Ihr an seinem Artefakt zweifelt!"

Deutlicher möchte es der Kapitän wirklich nicht sagen, aber der Blick, den er vom Magier abschweifend in die aufgewühlte See wirft, spricht Bände.



'Wie verblendet ist dieser Stümper eigentlich' denkt sich Ottam angesichts des völlig verrückten Kapitäns, da muss am Ende wirklich einer einen Zauber gesprochen haben, aber das lässt sich ja feststellen, wenn auch nicht der rechte Zeitpunkt dafür ist - dafür ist ja noch Zeit wenn er schläft und fast muss Ottam grinsen, beherrscht sich jedoch und Antwortet.

"Nein natürlich nicht, warum sollte er auch, es sit doch bedeutend einfacher euch das alles glauben zu machen, vielleicht habt ihr geschlafen und in der Nacht hat euch jemand all das mittels Magie glaubhaft gemacht. Das währe jedenfalls möglich und wesentlich einfacher als den halben Hafen zu bezaubern. Zugegeben es ist sehr unwahrscheinlich, aber wenn ihr mich nicht informiert kann ich meiner Pflicht nicht nachgehen und dazu zählt auch in ungewöhnlichen Situationen sicherzugehen ob nicht Magie ihre Finger im Spiel hat."

Das bringt Ottam völlig ruhig und sachlich vor, denn er braucht sich hier nichts auszudenken, es könnte wirklich sein das der Kapitän einer suggestion zum Opfer viel. Nicht, dass Ottam wirklich daran glaubt, aber es ist en Grund den Kapitän darüber nachdenken zu lassen das er das Schiff in Gefahr hätte bringen können weil er IHN nicht informiert hat und das kostet Ottam als persönlichen Triumph aus.



Jergan schüttelt den Kopf, während er das Steuer wieder in die Neutralposition zurückdreht.

"Meint Ihr, jemand hätte nachts hier an Bord auf so ziemlich jeden auf dem Schiff einen Zauber gesprochen, der uns genau das glauben lassen soll, und Ihr hättet das nicht gemerkt?"

Der Kapitän blickt während dieser Worte konzentriert auf das Meer hinaus, so dass es ihm recht leicht fällt, nicht zu grinsen - mit diesen Worten packt er den Magus schließlich an seiner Ehre. Andererseits aber... diese Diskussion geht ihm gehörig auf den Geist, insbesondere, weil sie so unnötig ist.

"Ich als Kapitän dieses Schiffes habe in der Nacht jedenfalls beschlossen, dass die ganze Angelegenheit extrem dringend und wichtig ist, und dass kein Zweifel daran besteht, dass es wirklich EFFerd ist, dessen Artefakt wir an Bord haben, und dass wir es seinem Willen folgend nach Havena bringen. Das war so sicher, dass mir Euer ungestörter Schlaf weit wichtiger war als eine weitere sachkundige Bestätigung."



"Macht euch um meinen Schlaf nur keine Sorgen, wenn es um die Sicherheit des Schiffs geht mache ich mir keine großen Gedanken darum, ob ich auch ausschlafen kann. Was ihr nicht verstehen wollt ist, dass diese ganze Situation völlig unnötig wäre, wenn ihr mich einfach informiert hättet!" antwortet Ottam kurz und ohne weiter auf die magischen Theorien einzugehen, die der Kapitän unwissender Weise aufstellt



Wieder einmal vergehen einige Augenblicke, in denen der Kapitän sich ausschließlich der Schiffsführung widmet, und noch keine Antwort gibt - zu der er im Moment auch keine wirkliche Lust hat.

"Das hätte ja nichts geändert daran, dass wir Nostria nicht anlaufen können. Und da die Sicherheit des Schiffes niemals bedroht war, gab es auch von daher keine Veranlassung, Euch zu wecken."

'Wann kapiert der das endlich?' fragt sich der Kapitän nicht zum ersten Mal in diesen Minuten. Dann jedoch fährt er fort, in einem weit freundlicheren Ton:

"Die Tempelvorsteherin des Tempels in Salzerhaven hat uns versprochen, dass der Tempel Probleme lösen helfen wird, die wir haben, wenn Fahrgäste in Nostria aussteigen wollen - oder eben Ladung nach dort muss, oder von dort kommt. Wir werden sicher ein paar Tage in Havena vor Anker liegen, Ihr könnt also einen Beilunker Reiter schicken, und habt Eure Lieferung dann kaum später, als Ihr gedacht hattet."

Fast versöhnlich ist der Blick, die Jergan dem Schiffsmagier dabei zuwirft, doch im Untergrund ist da immer noch der ärger über diese Nichtigkeit, mit der er hier von der Arbeit abgehalten wird.



NORDSTERN - Brückendeck: Der Zauberer kehrt zurück - Perval


Perval wendet sich in Richtung des Niedergangs, nicht ohne dabei den Schiffsmagier kurz zu betrachten, und begibt sich langsam in Richtung des Oberdecks. Keine übermäßige Eile treibt ihn, da der Kapitän ihm ja keine neue Arbeit aufgetragen hat und er noch etwas von dem Gespräch zwischen Kapitän und Schiffsmagier mitbekommen möchte. Interessant ist es schon zu hören, was da so zwischen den Zweien abgeht.

Die für ihn wichtigste Information bekommt Perval gerade noch mit, bevor er den Niedergang hinunter geht und damit außer Hörweite kommt.

'Mensch, 'en paar Tage in Havena. Nich´ schlecht.'

Nachdem er die weitere Unterhaltung der Offiziere nicht mehr mitbekommt, erinnert er sich auch wieder daran, was der Kapitän noch gesagt hatte.

'Das Warzenschwein wollt wiss´n, wat dat für ´n Zeug is´. Mhhh, den Smutje oder Schiffszimmermann sollt´ ick fragen. Der Alte wird wohl noch nich´ wieder fit sein. Aber der Smutje is´ jut, vielleicht kann ick dann auch gleich dat Frühstück nachholen. Da fällt mir in, dat wollt ick doch mit der kleenen Süßen zusammen machen. Wo die nur steckt? Is´doch bei der Rettung von Sigrun ganz vergessen gegang´n.'



NORDSTERN - Brückend: Der Zauberer kehrt zurück - Jergan und Ottam


"Wenngleich es unnötige Kosten verursacht, werde ich denn versuchen mittels der Beilunker Reiter meine Ware noch zu erhalten - wenn sie nicht inzwischen gestohlen wurde. Ich werde mich dann zurück in meine Kabine begeben, wobei ich für die Zukunft darauf bestehe bei dererlei Aktionen geweckt zu werden, denn selbst wenn wir diesmal Glück haben heist das ja nicht das wir immer so davon kommen."



Der Matrose verlässt die Brücke, ohne dass der Kapitän durch die Ablenkung durch den Magier dazu gekommen ist, ihn nach seinem Namen zu fragen. Das ist ihm im Moment fast noch wichtiger als die nun wirklich unwichtige Diskussion mit diesem nervigen Magus, legt er doch einigen Wert darauf, die Matrosen alle mit Namen anreden zu können. Nur... diesen einen, der erst in Salzerhaven angeheuert hat... da ist ihm der Name leider entfallen...

"Ist in Ordnung", bekommt der Magus dann zu hören, "ich werde Euch wecken lassen, wenn es noch einmal einen Grund geben sollte, vorfristig auszulaufen. Aber beschwert Euch dann nicht bei mir, wenn Ihr feststellt, dass es keinen Unterschied macht. Was..."

Er unterbricht sich, denn kurz erfordert eine besonders gemein anrollende Woge seine volle Aufmerksamkeit, so dass er das Steuer hart herumwirbeln und dann kräftig festhalten muss, damit die See es ihm nicht unter dem Heck des Schiffes weg dreht.

Dann, als hätte es diese Störung nicht gegeben, fährt er fort:

"Was die Waren betrifft, so macht Euch keine unnötigen Gedanken. Wir wären vermutlich erst spät am heutigen Tag oder morgen ausgelaufen, wenn es die Sache mit der Heiligen Miesmuschel nicht gegeben hätte, und Nostria hätten wir bestimmt erst nach zwei Tagen langsamer Fahrt erreicht. Oder noch später - vielleicht wären wir angesichts des Wetters ja noch länger in Salzerhaven geblieben. Es ist also gut möglich, dass Ihr sie trotz dieser Umwege sogar eher in den Händen haltet, als das sonst der Fall gewesen wäre."

Ein abschließendes Nicken begleitet diese Worte, doch dann wendet er sich dem Magier noch einmal zu.

"Da wäre noch etwas..."



"Gut, dann denke ich sind wir uns einig."

Ottam bringt die Worte deutlich entspannter hervor als noch die letzten, denn offensichtlich keinem in ihm doch die Hoffnung auf seine Waren noch zu erhalten, notfalls heuert er ein paar Söldner an die der Sache Nachdruck verpassen. Glücklicherweise ist seine Sendung nicht sehr gross und auch nicht sehr schwer, so dass ein Reiter sie problemlos schnell transportieren kann. Im Geiste rechnet sich Ottam aus wie lange es wohl dauert mit Pferdewechsel hin und zurück zu Reiten. Er ist sich zwar nicht sicher, kommt aber doch zu dem Schluss das es machbar ist.

Durchaus zufrieden über den Ausgang des Gespräches, entspannt sich auch Ottams Mine etwas und er ist fast ein wenig verwundert über das nachfragen, er hatte damit gerechnet das der Kapitän ihn möglichst schnell loswerden will, erwidert er in normal freundlichem Ton, der nichteinmal gespielt klingt:

"Worum geht es ?"



"Seid vorsichtig in Euer Kabine! Es würde mich nicht wundern, wenn die See im Laufe des Tages noch schwerer wird, und da kann allerlei durcheinander oder durch die Gegend fliegen."

'...und da hoffe ich, dass du da nicht mit irgendwelchem Mist rum spielst, der uns dann allen um die Ohren fliegt.'

Fast zum Beweis dieser Worte klatscht das Heck der NORDSTERN in ein Wellental, und die Spritzer kommen bis hinauf auf das Brückendeck. Wieder hat der Kapitän zu tun, dass der Sog ihm das Steuer nicht wegzieht, und dieses Mal hält er noch energischer gegen und zwingt die NORDSTERN ein klein wenig höher an den Wind. Derlei Brecher sind als Demonstration für den Schiffsmagier zwar gut geeignet, aber dem Schiff und den Fahrgästen bekommen sie sicher nicht so gut.



Ottam ist froh das er sich angeseilt hat, wenngleich auch er einen guten Stand an Bord hat, schließlich ist das nicht die erste schwere See die er erlebt.

An den Kapitän richtet er jedoch die Worte "Ich werde nochmal alles prüfen, aber ihr wisst ja selbst das das nicht die erste schwere See ist, normalerweise ist alles fest verstaut, wäre auch nicht gut, wenn mehrere Tinkturen sich vermischten, wenn sie runterfielen und die Phiolen zerbersten. Das könnte unvorhergesehene Ergebnisse nach sich ziehen."

Mit diesen ebenso entspannten Worten wendet er sich langsam zum Gehen, bewusst so langsam, dass der Kapitän noch etwas Antworten könnte wenn er will.



Jergan Efferdstreu nickt.

"In Ordnung, tut das."

Damit ist das Gespräch für den Kapitän beendet, und das Steuer hat wieder seine volle Aufmerksamkeit. Das ist bei diesem Seegang auch wirklich nötig, und es ist auch gut, dass es jetzt wieder sauber ist, denn die Kurbelei, zu der der Kapitän gezwungen ist, bringt es mit sich, dass sicher jede Speiche einmal Kontakt mit seiner Hand hat. Spätestens jetzt wäre jenes merkwürdige klebrige Etwas wohl sehr störend aufgefallen.



Dem Kapitän noch zunickend wendet sich Ottam gänzlich ab und macht sich auf den Weg hinunter zum Oberdeck, wobei er das Seil mit dem er sich sicherte beiläufig erst verlängert und dann wieder in den Stab verwandelt.

Schlendernd geht er Richtung Abgang, nicht jedoch ohne dabei einen ausgiebigen Blick auf die Wogen zu tun, denn die Macht des Elements fasziniert ihn innerlich.



NORDSTERN - Unterdeck: Traumauge erwacht


Nachdem Traumauge große Teile der Nacht damit verbracht hat im Ladedeck nach Mäusen zu jagen - ohne dabei Heute sonderlich erfolgreich zu sein - schlief der kleine Kater bis gerade eben. Doch mittlerweile hat die Bewegung des Schiffes sich verändert und neugierig wie ein kleiner Schiffskater nunmal ist muss das sofort genauer untersucht werden, zudem könnte es ja sein das sich unterwegs etwas Essbares auftreiben lässt.

So Tapst der haarige Geselle genüsslich den Aufgang zum Unterdeck empor, wo ihm der Geruch der Kombüse in die Nase fährt. Gerade will er sich entschließen dieser einen Besuch abzustatten, macht sich Unbehagen in ihm breit, viel zu viele Zweibeiner auf einem Fleck, die zertreten mich noch denkt er sich und wendet sich auch sogleich wieder an und steuert lieber den vorderen Aufgang zum Oberdeck an.

Geschickt und unauffällig bewegt er sich und erreicht schließlich das Tageslicht. Hier oben ist es verhältnismäßig leer. zwar bringt Traumauge das nicht mit der Anzahl von Zweibeinern weiter unten im Schiff in Zusammenhang, doch ist er sichtlich zufrieden und inspiziert peinlich genau die Umgebung. Nun ja, das Inspizieren bedeute für ihn alle Gerüche wahrzunehmen und ungewohntes herauszufiltern.

Je weiter sich Traumauge vom Bug in Richtung des Hecks bewegt, desto überzeugter ist er, dass er sich gleich zwei interessanten Gerüchen nähert, Zum einen - und das ist eindeutig - ist es ein sehr angenehmer Geruch, nach Fleisch, Schinken um genau zu sein. JA DAS ist auf jeden Fall ein Grund weitere Untersuchungen anzustreben! Obendrein gibt es da noch diesen neuen, völlig unbekannten Geruch, ein seltsamer Geruch, kein Zweibeiner, soviel ist sicher, aber auch keine Maus oder Ratte. Irgendetwas in Traumauges Kopf signalisiert: Vorsicht! Doch hat diese nicht die geringste Chance gegen die Neugier und den Hunger eins kleinen Katers...

Nach genauer Peilung ist klar das der Geruch aus genau der Kabine kommt, in die ihn die Zweibeiner immer nicht reinlassen wollen - doch jetzt ist die Lage anders, zum einen ist gerade kein Zweibeiner zwischen ihm und der Tür und zum anderen scheint es so als sei die Tür nicht völlig verschlossen.

Traumauge nutzt die Gunst der Stunde und huscht hinüber, drückt sein kleines Köpfchen in den Spalt und weitet ihn so, dass er hindurch schlüpfen kann, denn glücklicherweise ist sie nicht ins Schloss gesprungen.

Im Inneren sondiert Traumauge erst einmal die Lage, und die gefällt ihm gar nicht schlecht. Es sind zwar Zweibeiner da, aber keiner den er sich als unfreundlich gemerkt hätte. Futter liegt überall auf dem Boden verstreut, darunter auch der begehter Schinken. Doch dann schweift sein Blick in eine Ecke des Raumes, aus der dieser seltsame Geruch kommt. Sin Blick trifft den Hund und Traumauge hält inne.



Das Innehalten hält jedoch nicht lange vor, denn der wundervolle Geruch des Schinkens schleicht sich wieder in die Nase des kleinen Katers und lenkt schnell von dem Hund ab, der da in der Ecke hockt.

Nicht weit entfernt von den Füßen des Zweibeiners in der nähe der Tür liegen gleich drei appetitliche Schinkenröllchen, von denen jetzt eines dabei ist einen kleinen Kater satt und glücklich zu machen. Die anderen werden sicherlich nicht lange darauf warten müssen ihrerseits zum Festmahl des Schiffskaters beizutragen.



Während Onaskje die Frau mustert, bemerkt er aus dem Augenwinkel eine Bewegung, die nicht so ganz zu den schwankenden Einrichtungsgegenständen passen.

'Na so was, das wird wohl die Schiffskatze sein...'

Doch diese ist im Augenblick viel zu unwichtig, als dass der Geweihte ihr mehr als einen Augenblick seiner Aufmerksamkeit schenkt. So erwartet er eine Antwort, währenddessen sich seine Brauen schon wieder leicht bedrohlich zusammenschieben.



NORDSTERN - Kombüse: Garulf wartet


Auch der zweite Trank ist nun vollendet, die Flasche Premer Feuer nun gänzlich leer und ein weiterer Apfel vertilgt. Der Smutje steht etwas verloren in der Kombüse herum. Derjenige für den der Trank bestimmt ist, ist noch nicht aufgetaucht, vielleicht sollte er ihn suchen gehen? Ach nein, dann läuft man nur aneinander vorbei. Lieber weiter abwarten - oder den Schiffsjungen schicken, falls er wieder auftauchen sollte. Angesichts des Gedränges draußen auf dem Gang, verzichtet Garulf auch darauf einen Blick in die Messe zu werfen, schließlich braucht er allein bereits fast die volle Breite des Ganges.



NORDSTERN - Unterdeck: Krankheit und Streit


Einen kurzen Moment bleibt Hjaldar noch stehen und wartet auf einen wütenden Kommentar des Geweihten, der ihm zeigt, dass der letzte (verbale) Hieb saß ... doch dieser ist schon wieder voller Konzentration 'am Objekt'.

Etwas unbefriedigt geht Hjaldar also hinaus, nicht zuletzt auch weil sich hinter ihm schon 'der Stille' von vorhin auf den Weg macht, den Raum zu verlassen und dafür mus Hjaldar nun mal erstmal aus der Tür heraus sein. Im Gang sieht er kurz nach rechts und links und sieht dort auch gleich den Zwerg im Gespräch mit dem Jungen ...

'Schall der net dem Ole die Deck'n gem, oder wat hebb ich em verteelt?'

Missmutig zieht er die Stirn kraus, doch auf der anderen Seite: wat solls. Ole ist alt genug und noch ein gutes Stück von 'zu alt dafür' entfernt, dass er weiß wat er braucht. Der wird schon schreien, wenn er 'ne Decke, 'n Beer und 'n Feuer haben will und wenn er lieber in der Messe steht und vor sich hin tropft, auch gut. Hjaldar wird ihn schon dran erinnern, wenn er in den nächsten Tagen vor sich hin bellt, dass sich die 'Wilde Jagd' eingeschüchtert von dannen schleichen tät...

"Hai Alberik, ik heff mool dat Beer g'rettet. Nich' dat dat ooch über Bord geht. Jedenfalls nich' bevor wir's gesoffen ham." Mit diesen Worten hält er dem Zwerg die eine Hand mit zwei Bierkrügen unter die Nase.



Das Bier, dass Hjaldar ihm so vors Gesicht hält, kommt Alberik gerade recht, nachdem er sich bei der langen Erklärung für den Jungen den Mund trocken geredet hat.

"Ah, danke. Gut das du daran gedacht hast. Das brauche ich jetzt."

Er nimmt dem Thorwaler einen der Krüge ab, setzt ihn an seine Lippen und trinkt das Bier mit großen Schlucken.

'Warum habe ich eigentlich nicht mein Bier mit aus dem Raum genommen? Irgendetwas war da doch....'

Fast hat er den Krug schon geleert, als ihm wieder einfällt, wo der Krug gestanden hatte.

'Die Kranke auf dem Tisch. Deswegen habe ich es dagelassen.'

Entsetzt spuckt er das Bier das sich gerade im Mund befindet neben sich. Auch das restliche Bier aus dem Krug in seiner Hand landet an der gleichen Stelle, während er Hjaldar anfährt.

"Das stand doch neben der Kranken. Bis du denn wahnsinnig, mir das noch zu trinken zu geben? Willst du, dass ich auch krank werde?“



"Na, dut mut ja'n Brannd haben..." kommentiert Hjaldar das gierige Verhalten Alberiks, so ganz ohne Anstossen und Zuprosten das Zeugs runter zu stürzen ... umso mehr verwundert ihn dann das plötzliche Ausspucken und Verschütten des guten Bieres.

'Ob det al schaal is???'

Die entrüstete Frage des Zwergen erwidert er mit einem verständnislosen "Häh?! Bisse al fiebrig?" bis er so ganz langsam dahinter kommt, was Alberik wohl meinen könnte ... fast könnte man meinen die einzelnen Zahnräder in seinem Kopf langsam arbeiten zu sehen

'Neben der Kranken? ... auch krank? ... Sigrun krank? Häh? ...' bis ihm dann doch letztendlich die Erleuchtung kommt... warum allerdings Alberik meint, das Überbordgehen Sigruns könnte mit einer ansteckenden Krankheit zu tun haben, ist ihm schleierhaft ... aber Zwerge sind nun mal seltsam, wie ja Elfen auch. Muss am Alter liegen ... jeder der mehr als 50 Winter mitmacht wird einfach ein bisschen komisch mit der Zeit und das soll ja auch immer schlimmer werden...

"Mook di mal nit ins Hemd. Nur weil mal eene über Bord geht, hat dee nich' gliik die Zorganpocken. Sowat passiert iimol, wenn man net uffpasst, wollweil Efferd si'n Grantigen hett'."

Immer noch leicht kopfschüttelnd über diese absurde Idee führt er den in seiner Hand verbliebenen einzelnen Krug zum Mund, während die anderen beiden immer noch locker mit der anderen gestemmt werden, ungefähr auf Kopfhöhe des Zwergen.

"Ick sech denn man erstmool Prost!" und nimmt einen guten Schluck.



Konzentriert lauscht Alberik dem, was Hjaldar ihm erzählt, aber der Thorwaler redet einfach zu kompliziert für den Zwergen. Nicht genug damit, dass die Sprache der Menschen eine Fremdsprache für den Angroschim ist; der Hüne scheint selber nicht von Geburt an diese Sprache gelernt zu haben, und redet sehr undeutlich.

'Er hat mich wohl nicht verstanden. Ich meinte nicht den Kerl, der ins Wasser gefallen ist, sondern die Frau, die auf dem Tisch lag.'

Doch er bekommt noch keine Gelegenheit, dem Thorwaler dies zu erklären. Der Mann, der vorhin in der Messe neben dem Magier saß, motzt ihn an. Böse schaut Alberik ihm in die Augen. So etwas kann er sich nicht gefallen lassen. Die Schuhe, von denen die Rede ist., schaut er nicht einmal an.

"Selber Schuld, wenn du mit deinen Füßen dahin trittst, wo ich mein Bier hin kippe. Das kann ich ausspucken und auskippen, wohin ich will."

Weiterhin böse und mittlerweile auch kampfeslustig schaut der Zwerg seinem Gegenüber direkt in die Augen.

'Wenn du Ärger willst, den kannst du gerne haben.'



NORDSTERN - Unterdeck: Anselm und das 'fliegende Bier'


Anselm ist es entgültig Leid den giftigen Ton des Geweihten zu ertragen. Als der Thorwaler durch die Tür nach draussen entschwunden ist, folgt Anselm ihm missmutig, den Bierkrug auf dem Stuhl hinterlassend.

Seinen Weg begleitet ein wütendes "..Quacksalber..", gerade laut genug gesprochen, als dass nur Anselm selbst es verstehen kann.


Kaum aus der Messe 'entfleucht', will Anselm sich auf den Weg zu seiner Kabine machen. Das Gespräch der anderen Passagiere vor der Messe über Bier und Tabak wecken nicht sehr viel Interesse bei ihm.

Als Anselm losschreiten will, spuckt just in der selben Sekunde der Zwerg eine beträchtliche Menge Bier genau neben Anselm, wobei nicht gerade wenig davon auf seinen Stiefeln landet. Erbost meckert er den Zwerg an:

"Wenn euch das Bier nicht schmeckt, dann kippt es über Bord oder spuckt es dem Smutje vor die Füße aber nicht mir! Schaut euch meine Stiefel an!"



NORDSTERN - Unterdeck: Konflikt


Ruhig lässt Anselm den Angroschim sprechen. Dabei steht er ihm Aug' in Aug' gegenüber. Für den Außenstehenden wird jetzt besonders deutlich, dass Anselm wirklich ungewöhnlich klein ist.

Sein Augenpaar liegt fast auf der gleichen Ebene wie das des Zwerges. Als dieser zu Ende gesprochen hat, antwortet Anselm ihm in einem strengen, wenn auch nicht aggressiven Ton:

"Nein, das kannst DU nicht. Wir sind hier schließlich nicht einer schmutzigen kleinen Taverne, sondern auf einem Schiff. Und da ist es wohl kaum angebracht seinen Müll einfach so in die Gegend zu schleudern!"



Dass ein Ring aus Rauch an seinem Bart hochklettert, und sogar von ihm eingeatmet wird, bekommt Alberik nicht mit. Auch die Veränderung seines Bartes bemerkt er nicht. Viel zu sehr beschäftigt ihn der kleine Mann vor ihm, der denkt, IHM, Alberik, Sohn des Atosch, sagen zu wollen, was er zu tun und zu lassen hat.

Wenn man Alberik kennt, weiß man, dass Verständnis und Zurückhaltung keine Eigenschaften sind, die man mit dem Zwergen verbindet. Manch einer hätte schon jetzt zumindest die Fäuste des Zwerge gespürt. Doch in dieser fremden Umgebung ist der Angroschim nicht bereit, sich auf einen Kampf einzulassen. Dies liegt nicht nur an den seltsamen Bewegungen des Schiffes, und das schreckliche auf und ab des Bodens, an das er nicht gewohnt ist bei einem Kampf. Alberik ist sich sicher, dass er trotzdem den Kampf für sich entscheiden würde.

Doch er ist trotzdem unsicher. Dies ist eine unbekannten Welt, und er ist nur ein Fremder, der sich sehr bewusst ist, dass er eigentlich nicht hier hin gehört.

Trotzdem läßt sich Alberik die Worte des anderen nicht einfach gefallen. In einem Wortgefecht war er noch nie besonders gut, aber wenn es hart auf hart kommen sollte.... ein paar Sachen hat ihm sein Vater schon beigebracht. Unter anderem auch, wie man einen Menschen wirklich beleidigen kann.

Aber noch will Alberik diesen Trumpf nicht ausspielen.

"Aber DU kannst hier bestimmen, wer hier was darf? Soll ich dir zeigen, wie ich das Bier hin kippe, wohin ich will?"

Mit diesen Worten schnappt sich der Zwerg einen weiteren der Bierkrüge aus Hjaldars Hand, hält ihn an seinem ausgestreckten Arm möglichst weit von sich, und dreht ihn demonstrativ um, so dass der gesamte Inhalt auf dem Boden landet.

Alberiks Augen wenden sich dabei keine Sekunde von denen des Menschen ab, um ihn auffordernd anzuschauen.



Jetzt fängt der Kleine auch noch das rumstänkern an ... Hjaldar verdreht die Augen gen Decke. Aber immerhin greift der Zwerg schon mal zum nächsten Bier also so schlimm kann's ja nicht sein, oder doch?!

Mit zusammengekniffenen Augen sieht er, wie Alberik den ganzen Humpen ausschüttet, etwas das weder das Bier noch der Matrose, der das aufwischen darf wirklich verdient hat. Und das macht ihn jetzt doch sauer - ein Zustand den man besser vermieden hätte, denn Hjaldar ist zwar kein Swafskari aber gemütsmäßig auch nicht wirklich weit davon entfernt...

Nahezu schlagartig wechselt seine Gesichtsfarbe ins zornrote und sein Gesicht verzieht sich zu einer wütenden Grimasse:

"HEI,SACH MAL, Du hess wohl di'n Mors offen, du loofender Schritthoch?" fängt er an los zu poltern, mit einer Lautstärke die einen Garether Marktschreier blass aussehen lassen würde

"Nu pack Dir man schnell een Lumpen und mach det sauber, oller Grantelwichtel, oder ich mach det un' nimm di'n Bart davör es Wischmop."

Hjaldar hat sich bei seinem Brüller halb über den Zwerg gebeugt, damit seine Worte auch ja ihren Weg in dessen Gehörgang finden.



Erst sieht es ja gefährlich aus. Meergrün muss hinter dem Bein in Deckung gehen, um nicht biernass zu werden. Und die Menschen beginnen schon das Wesen anzubrüllen. Ein Kampf liegt in der Luft. Aber dann beginnt der Zauber zu wirken. Auch Meergrün verfolgt die Seifenblase und die Reaktion der Umstehenden.


oh eiine so

schöne blase


entstanden aus

dem monsterschlund


aus brummelgrund

das schiillern kommt


das macht alle

lustiig und froh


wiie purzelbaum

der kampf iist aus


Meergrün grinst froh in die Runde. Das gefährliche Monster hat er vergessen. Ebenso den merkwürdigen Matrosen.



Nicht genug damit, dass der kleine Mann Ärger macht, jetzt wird Alberik auch noch von dem Thorwaler angebrüllt.

Jetzt reicht es! Die Geduld des Zwergen ist deutlich strapaziert worden. Wenn sie Ärger haben wollen - den können sie bekommen.

Verächtlich schnaubt er Hjaldar an, setzt seinen Zeigefinger auf dessen Brust, die durch das Herunterbeugen des Thorwalers in Reichweite gekommen ist, und will ihm die Kampferklärung verkünden.

Doch als der Zwerg den Mund aufmacht, um dem Gegner dies mitzuteilen, passiert etwas seltsames. Aus dem geöffneten Rachen des Angroschim bildet sich eine große Blase, die nun in vor den beiden Kontrahenten in die Lüfte steigt, um in allen Tsafarben zu schimmern.

Verwundert und erschrocken spricht Alberik den angefangenen und bisher nicht hörbaren Satz zu Ende, als er der Seifenblase mit den Augen folgt.

„...... wenn du dich traust.“



Ungläubig starrt Alberik der Seifenblase hinterher, während sie schillernd zur Decke emporsteigt.

'Nein, das darf nicht wahr sein.'

Langsam schwebt sie über Hjaldars Kopf hinweg, um sich dem Lufthauch anzuschließen, den der schwache Durchzug, der hier im Gang herrscht, verursacht. So als wüsste sie, dass es dort vorne zum Aufgang und in die Freiheit gehen würde, schlägt sie diesen Weg ein.

'Ich habe mich tatsächlich angesteckt. Ich bin krank. Was soll ich jetzt machen? Wer weiß, wie sich die Seekrankheit auf Zwerge auswirkt?'

Die Sonne und der Himmel sind nicht sehr weit. Verzweifelt strengt sich die Seifenblase an, um ihr Ziel zu erreichen. Sie will noch viel farbenfroher schillern, will sich vom Wind meilenweit tragen lassen. Doch die Decke kommt immer näher. Und sie würde das Ende der kleinen Seifenblase bedeuten.

'Vielleicht werde ich sogar sterben. Der Mensch, der auf dem Essenstisch lag, sah auch wie tot aus. Wenn es schon den Menschen so schlimm geht, wie wird es dann erst einem wie mir ergehen? Angrosch hat uns aus dem Feuer geschaffen. Wie konnte ich nur so verrückt sein, und mich dem Wasser ausliefern?'

Einen scheinbar aussichtslosen Kampf kämpft die kleine Seifenblase. Es war schon schwierig genug, einen Weg zwischen den Körpern der Menschen hindurchzufinden. Verletzlich und schwach ist sie, und doch hat sie das Stück bis hier hin geschafft. Jeder Berührung ausweichend gelangt sie immer näher an den Aufgang.

Aber ihr Ziel wird sie niemals erreichen. So mutig, wie sie auch kämpft, viel zu schnell steigt sie nach oben. Und als ihre dünne und feine Haut die raue und feste Decke berührt, genügt eine kleine Wunde, um ihren Traum von der Sonne und dem Wind in Nichts aufgehen zu lassen. Die kleine Wunde wird schnell größer, die Seifenblase zerfällt. Nur die vielen kleinen Tropfen, die nun zum Boden fallen, bleiben übrig.

Alberik schaut sich den Flug und das Ende der Seifenblase an. Es scheint ihm, als ob er viel mit ihr gemeinsam hätte. Mit müdem und schwachem Blick schaut er Hjaldar wieder an. Über seinen Witz kann er nicht lachen, aber auch ein Zornausbruch ist nicht mehr zu erwarten.

"Vielleicht....."

Alberik muss schlucken. Wer hätte gedacht, dass es so schnell mit ihm zu Ende gehen soll?

"Vielleicht sollte ich mich für eine Weile hinlegen. Ja, das wird das beste sein. Ich werde mich einfach zu meiner Koje begeben und mich dort hinlegen."

Ein paar kleine Seifenblasen, die bei weitem nicht so groß sind, wie die erste, begleiten diese Worte. Auch Alberik Stimme scheint nicht mehr die gleiche wie noch vorhin zu sein. Sie ist nicht mehr so rau und hart, wie man es von dem Zwergen gewohnt ist. Es scheint so, als ob sie zarter und jünger geworden wäre.

Nur unter Anstrengung kann er die beiden Krüge, die sich noch in seiner Hand befinden, hochheben, um sie Hjaldar hinzuhalten.

"Kannst du die beiden vielleicht wieder zurückstellen?"



Dem ganzen Gehabe des Zwergen entnimmt Hjaldar, das dieser nicht gewillt ist klein beizugeben und erholt schon einmal tief Luft um den Kleinen beim nächsten Mal endgültig in Grund und Boden, bzw. wohl eher in die Planken, zu brüllen.

Doch dazu kommt es nicht, denn statt der erwarteten Kampfansage entweicht dem Mund des Zwergen zunächst lediglich eine schillernd bunte Seifenblase und dann erst ein paar Worte, die Hjaldar aber auch nur mehr am Rande wahrnimmt.

Denn das Gesicht, das der Zwerg macht, wie er mit seinen Augen ungläubig und perplex die Seifenblase verfolgt, ist einfach alveranisch. Obwohl Hjaldar es krampfhaft versucht, kann er seine wutverzerrte Miene nicht aufrechterhalten.

Erst zucken nur verräterisch seine Mundwinkel, doch dann breitet sich immer mehr ein Grinsen aus und ein anfangs leises Kichern wandelt sich immer mehr in prustendes Gelächter "Hol dir man faas... <kichern> een Lappen ... <lautes Kichern> Seife has ja wol <lachen> al ... <lautes Lachen>."


Anselm hatte zwar nicht mit einer solchen Reaktion des Zwerges gerechnet, trotzdem konnte er sich weiteren Bierflecken auf Stiefel und Hose durch einen galanten Schritt rückwärts entziehen. Da der Zwerg ja nicht gerade lange Arme hat, landet das Gebräu sowieso eher auf dessen Schuhen, als auf denen der anderen Passagiere.

Eigentlich wollte Anselm die Sache nun beenden, da er eine Prügelei oder ähnlich vermeiden wollte, doch als der Schiffszauberer zuerst den armen Schiffsjungen zum Aufwischen verdonnert, und dann der Thorwaler den Zwerg deswegen anschreit, entwickelt die ganze Sache aus Anselm's Sicht eine gewisse Komik.

Da er sich diesen Spaß nicht entgehen lassen will, stellt er sich grinsend hin und wartet ab, was passiert. Als der Zwerg dann zu sprechen versucht und nur eine Seifenblase aus seinem Mund kommt, muss Anselm leise lachen....



Immer noch lachend nimmt Hjaldar die beiden leeren Krüge entgegen. Den Zwerg einfach so davon kommen zu lassen, fällt ihm jedoch nicht ein. Immer wieder unterbrochen von leisem Kichern empfiehlt er Alberik noch einmal

"Nu mach man vors di'n Swiinkram wieder wech, bevor de Dich poofen legst. Sonst kriegs'de Stunk midde Besatzung. Un' des Argste wat eenem passieren kunnt uff See, is' 'n Smutje, der di grantig is'. Dat is wie inne Niederhöllen, nur schlimmer."

Inzwischen hat sich Hjaldar wieder zu seiner vollen Größe aufgerichtet ... naja fast, wie Ole muss auch er ein wenig den Kopf einziehen um nicht an der Decke entlang zu schrammen und sieht sich in Richtung Kombüse um - denn da wird er mit ziemlicher Sicherheit die beiden Leerkrüge los. Zu seiner Freude sieht er jetzt, dass auch Ole wieder auf den Beinen is' und sich grad vom Smutje verköstigen läßt.



'Erkennt er nicht, wie schlecht es mir geht? Oder warum hat er kein Erbarmen mit mir?'

Alberik ärgert sich über den Thorwaler. Als ob es jetzt nichts wichtigeres gäbe, als die Pfütze aus Bier aufzuwischen. Oben an Deck ist es nass genug, und auch hier unten findet sich ein wenig Wasser, das von den Menschen mit herunter getragen wurde. Da fällt dieses bisschen ausgeschüttetes Bier doch kaum auf.

Und schließlich ist er krank. Vielleicht sogar todkrank. Da kann man ihm doch wenigstens noch die letzten Tage, wenn nicht nur Stunden, gönnen. Menschen sind einfach rücksichtslos.

"Erwähne nur nicht mehr diese Pfütze!" Er versucht einen möglichst barschen Ton in den Satz hineinzulegen, was ihm aber wegen der leichten Veränderung seiner Stimme nicht ganz leicht fällt. Genau genommen klingt er nicht barscher als der Junge, der schon eine ganze Weile wortlos neben ihm steht.

"Sag mir lieber, wie ich diese Krankheit wieder loswerde. Gibt es hier einen Heiler auf dem Schiff?"



'Krankheit? Wovon snackt der Kleene...?' fragt sich Hladar verwundert, als es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen oder wie das oft besungene Brett vom Kopf fällt:

Der Kleene hat sich die Efferdsieche eingefangen ... darum mag er auch sein Bier nicht!

"Ha, efferdsiech isser, dat isses!" grient er Alberik an "Denn musste an Deck, anne frische Luft, di'n beeten den Wind durch'en Kopp weh'n lassen, bevür di dat so geit, wie dem ollen Vadderchen inne Kojen."

Nun gut, damit wird er sein Bier wohl nicht mehr an den Zwerg los und Ole schiebt sich gerade leise in Richtung seiner Koje, wie Hjaldar nebenbei bemerkt. Aber es waren ja sowieso zwei der Biere für ihn, also passt das schon so.

Nur:

'Wat wat dat voll hier?' wundert er sich ein wenig über die zunehmende Ansammlung von Menschen in dem engen Gang. Wo doch so langsam Sigrun wach werden dürfte und man 'se dann hier durchschleppen müsst.

Wo er ja mit anpacken wollt...

Wofür er beide Hände frei bräucht'...

Weswegen er jetzt erstmal die leeren Krüge loswerden muss! Dieserart zu einem Entschluss gekommen, was jetzt das dringlichst Anliegende ist, nickt er dem Zwerg nochmal aufmunternd zu, geht die paar Schritt zur Kombüsentür, steckt seinen Kopf rein und hält dem Smutje die beiden Leerkrüge hin "Hier Smutje, der Kleene hett si'n Beer ool verkleckert un' wat al gröönlich im Gesicht." grinst er diesen dabei an.



Die letzte Minute hat Anselm mit Bauchhalten verbracht. Die völlig überdrehten Vorstellungen des Zwerges, gepaart mit seinem aggressiv-trotzigen Verhalten sind für Anselm eine wahre Freude.

Als immer mehr Leute dazukommen und es in dem schmalen gang nun doch recht eng wird, fällt Anselm wieder ein, dass er ja eigentlich nach dem Frühstück noch ein bisschen ausruhen wollte.

Gesagt - getan, und so drängelt sich der kleine Mann zwischen den anderen Matrosen, Passagieren, etc. durch und macht sich auf in Richtung Doppelkabine. (Während er kopfschüttelnd leise kichert "...komisches Bergvolk...")

Er öffnet die Tür, wirft sich auf's Bett und schließt genüsslich die Augen. Noch ein bisschen über das Frühstück und die Vorkommnisse sinnierend, kriecht langsam wieder der Schlaf in Anselm's Bewusstsein....



So kann's gehen. Grad wird noch herumgealbert und dann wird auf einmal rum gebrüllt, wie ein wildgewordener Rondrikan. Hjaldar muss grinsen, als dem Smutje wegen des davon eilenden Schiffsjungen der Kragen platzt, grad so wie ihm vorhin beim biervergeudenden Zwerg. Wobei ihm der Hintergrund für Garulfs Rage herzlich egal sein kann.

Da dieser ganz offensichtlich nicht in der Stimmung ist, die leeren Krüge anzunehmen, beugt sich Hjaldar noch ein wenig weiter in die Kombüse hinein und stellt das Leergut kurzerhand auf die nächst greifbare Abstellfläche und dreht sich wieder um in den Gang hinein. Von hinten sieht er dabei grade noch die Bootsfrau mit der Matrosin in Richtung Mannschaftsquartier verschwinden ... 'gut, wenn'se meent sie aleen schleppen to müssen.' zuckt er gedanklich mit den Schultern. Aber was dann jetzt tun?

'Dem Kleenen is übel, Arbeit giffet keene mehr ... dat Boot is al wedder so staad im Wind wie vor der Unterbrechung des Frühstücks... Frühstück! Woll!'

Sich daran erinnernd, das er dieses ja gar nicht richtig beginnen konnte (es fehlte ja unter anderem noch das Bier) begibt er sich wieder in die Messe, die jetzt ja wieder so gut wie leer ist, sieht man einmal von dem verhinderten geweihten Heilkundler ab.

"Maahltiedt!" nickt er dem Hesindegeweihten grinsend zu und läßt sich auf einen der freien Plätze fallen. Mit lauten Knall stellt einen der beiden noch vollen Bierkrüge auf den Tisch und gönnt sich nach all der Anstrengung einen guten Schluck aus dem anderen, bevor er sich wieder über Brote und Wurst hermacht, als ob außer einer kleinen unwichtigen Störung nichts weiter passiert sei.



NORDSTERN - Brückendeck: Der Kapitän


Wieder einmal ist der Kapitän alleine auf dem Brückendeck, doch langweilig ist das damit längst nicht. Im Gegenteil, das Steuern erfordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration, denn nur selten verhält sich eine Woge so wie ihre Vorgänger, und ab und zu kommen auch vollkommen unerwartete Ereignisse wie beispielsweise eine übermäßig starke Strömung im Gefolge einer großen Woge, die das Steuer wegzudrehen versucht, oder die Karavelle als ganzes einfach aus dem Kurs dreht.

Mit solchen Problemen hat Jergan zu kämpfen, doch er empfindet das nicht als eine Last, sondern als eine Herausforderung, deren Annahme ihm zudem Freude bereitet.



NORDSTERN - Oberdeck: Ottam


Ottam hat derweil das Meer ausgiebig betrachtet und macht sich weiter auf den Weg den Niedergang hinunter, zum Unterdeck.

Im Unterdeck angekommen bemerkt er erfreut wie ALRIK bereits mir Wasser und Lappen in der Hand herumläuft und offensichtlich seinen Befehl befolgen wird. Zufrieden mit sich macht er sich weiter daran zu seiner Kabine zu gelangen, was jedoch noch etwas dauert da immer noch viele Leute im weg stehen.

'Was wollen die n nur alle hier, ist ja so als gäbe es etwas umsonst, oben ist die Luft doch viel besser'



Weiter geht der Schiffsmagus in Richtung seiner Kabine und aufmerksame Beobachter werden feststellen, dass sich seine Laune durchaus etwas gebessert hat, seit er hier das letzte mal vorbeiging.

Vorsichtig öffnet er die Tür seiner Kabine und verschließt sie dann von innen wieder sorgsam. Erfreut stellt er fest das die Befestigungen seiner zahlreichen Gefäße, Rollen, Beutel und Bücher hervorragend halten und nichts durch die Starken Wogen von gerade hinunter fiel.

Das große Buch in dem er immer öfters zu Lesen pflegt liegt indessen ohne jegliche Sicherung still und Starr an seinem Platz.



NORDSTERN - Oberdeck: Angar's schweres Arbeiten


Angar weicht etwas zurück, als der Magier auf das Brückendeck eilt, und glücklicherweise keinerlei Kommentar zu dem wirklich ungünstig gewählten Platz hier auf der Treppe ablässt.

Dann entwirrt er auch die letzten Schritt der Trosse und steht auf, um das eine Ende der Trosse zu dem backbord achtern befindlichen Poller zu bringen, als seine Bewegungen plötzlich deutlich langsamer werden.

'Sieh an, was da abgeht!'

Während er das Seilende um den Poller knotet, versucht der Matrose, so viel wie nur möglich von dem Gespräch auf dem Brückendeck mitzubekommen. Leicht ist das nicht, denn gerade hier am Heck lärmt die See besonders laut, wenn Querseen sich am Achtersteven brechen, oder das Heck in ein Wellental klatscht.



Endlich hat Angar die Trosse am Poller fest geknotet. Mit einem kurzen, aber sehr kräftigen Ruck prüft er, ob der sachkundig geknüpfte Seemannsknoten der Belastung standhält, dann nickt er zufrieden. Auch diese Trosse sollte, genauso wie die andere, die jetzt feucht und sicher wieder ziemlich verheddert auf der anderen Seite des Decks liegt, auch bei voller Fahrt in der Lage sein, mindestens zwei Personen das Leben in den Fluten von EFFerds Element zu retten.

Angar wartet kurz, bis Perval den Niedergang passiert hat, um diesen nicht zufällig mit dem dort noch herumliegenden Tau von den Füssen zu reißen, und beginnt dann, die Trosse mit den eingeknoteten Holzstücken langsam und systematisch über die Reling zu befördern.



Noch ehe das erste der Holzstücke, die momentan die Trosse beschweren, und später helfen sollen, sie über Wasser zu halten, die Wasseroberfläche berührt, kommt diese dem Holzstück in Form einer großen Woge entgegen. Während das Seilende eintaucht, klatscht die Woge an das Heck des Schiffes, und ergießt sich zum Teil auf das Oberdeck und sorgt dafür, dass Angar, der sich bislang immer recht fern der Reling aufgehalten hat, nun auch richtig nass ist.

"Verdammter Mist", flucht der Matrose, und lässt die Trosse einfach los. Fahrgeschwindigkeit des Schiffes und Gewicht der Trosse tun ein übriges, und so gleitet sie über Bord, während die Holzstücke polternd gegen die Reling schlagen.

Auf diese Weise befördert sich etwa ein Drittel der Rettungstrosse in den Ozean, dann verhakt sich eines der Holzstücke an der Reling, und die Ausbringung ist erst einmal wieder gestoppt.



Methoden, die auf den ersten Blick einfach scheinen, haben in den meisten Fällen ihre verborgenen Haken und Probleme. So ist das auch bei der Ausbringung der Rettungstrosse, denn so rasch wie das erste Drittel über Bord gegangen ist, so mühsam ist es nun, das Holzstück aus dem Gewirr von Trosse, anderen Holzstücken, der Festmachleine und der Reling zu befreien.

Zu allem Überfluss folgt eine weitere Welle dem Vorbild der ersten, die Angar zu dieser scheinbar rascheren Methode gebracht hat, so dass er noch eine unfreiwillige und kalte Dusche abbekommt, die noch stärker als ihre Vorgängerin ausfällt, weil er für das Freimachen des Holzstückes noch weiter an die Reling gehen musste.

Seine Ungeduld und seinen ärger wenigstens im Ansatz beherrschend, fährt Angar nun mit dem langsamen Ausbringen fort, Schritt um Schritt, Holzstück um Holzstück.



Geduld wird manchmal sogar belohnt, und solche ein Erlebnis hat nun auch der Matrose Angar: Er bekommt die Trosse in ihrer ganzen Länge in das Wasser, und das ohne weitere Zwangsduschen mit kalten, salzigem Wasser.

Fast schon zufrieden tritt er zurück, nachdem die letzten Schritt der Trosse den Weg über die Reling gefunden haben, und betrachtet sein Werk noch einmal wie eine lange Schlange liegt die Trosse nun hinter dem Heck der NORDSTERN im Wasser, nur sehr selten in ihrer vollen Länge sichtbar, weil die Wogen mit ihr ebenso wild spielen wie mit der Karavelle.

'Das wäre geschafft, jetzt endlich was essen!' denkt der Matrose, und wendet sich sofort wieder bugwärts. Doch... eine Kleinigkeit ist noch zu tun zuvor. Er bleibt nämlich bereits nach einigen Schritt stehen, und ruft in Richtung des Brückendecks:

"Kapitän, ich melde: Sicherungstrosse wie angewiesen ausgebracht!"



Die Fertigmeldung des Matrosen Angar unterbricht die konzentrierte Arbeit des Kapitäns nur kurz, und er ruft zurück:

"In Ordnung!"

Im Moment gibt es nichts weiter zu tun, so dass der Kapitän dem Matrosen keinen neuen Befehl gibt, was genau genommen ja auch ohnehin mehr die Aufgabe der Bootsfrau ist - doch die ist ja gerade unter Deck beschäftigt. Kurz spielt er mit dem Gedanken, den Matrosen nach unten zu schicken, um endlich zu erfahren, was mit der Matrosin Sigrun passiert ist, aber er unterdrückt diesen Wunsch - Ungeduld an dieser Stelle wäre fast so etwas wie Misstrauen seinen Untergebenen gegenüber, wissen diese doch selbst, wie sie ihre Arbeit zu machen haben, und dass er als Kapitän über alle besonderen Geschehnisse informiert werden muss.

Genauso, wie die anderen an Bord ihre Arbeit ordentlich verrichten, tut dies auch der Kapitän - und wendet sich wieder voll dem Steuer zu.



Die Meldung ist erledigt, und wie es aussieht, hat der Kapitän keine weiteren Befehle. Das ist Angar so sehr recht, schließlich fühlt er den Hunger schon sehr deutlich, und für seinen Geschmack hat er an diesem Tag schon mehr als genug Arbeit geleistet - auch wenn er unterschwellig das Gefühl hat, dass es noch nicht alles gewesen ist, und da noch mehr Arbeit lauern wird, ehe die Dunkelheit kommen wird.

Er dreht sich fast zackig um, und geht in Richtung Bug davon - mit den Schritten eines Mannes, der etwas wichtiges zu tun hat. Erst auf halbem Weg wird ihm klar, dass der hintere Niedergang dafür wohl die weit bessere Möglichkeit ist, das Deck zu verlassen, doch umkehren möchte er auch nicht, denn das würde nicht zu diesem "arbeitsamen" Abgang passen.

So geht er zügig auf den vorderen Niedergang zum, und öffnet die spritzwasserdichte Tür, um gleich darauf von Deck zu verschwinden.

Geschafft - raus aus der Kälte, und weg von der Arbeit!



Rasch geht Angar weiter nach unten, und will schon nach vorne in den Mannschaftsraum abbiegen, als er eine Stimme hört, die verdammt nach der Bootsfrau klingt. Rasch entscheidet er sich nun anders, und setzt seinen Weg erst einmal heckwärts fort, denn da hat er genauso einen guten Grund, sich aufzuhalten, schließlich befindet sich dort die Kombüse und damit die Quelle eines hoffentlich bald stattfindenden Frühstückes.



NORDSTERN - Unterdeck: Klaubauter's Rückzug


Irgendwie ist in diesem Gang sehr viel los. Normalerweise findet Meergrün das gut. Aber jetzt steht er mitten dazwischen. Kein guter Platz für jemanden, der nur einen Menschenunterarm lang ist.


der kampf vorbeii

der friieden siiegt


klabautermann

kann wiieder geh'n


Der laute Ruf aus der Kombüse schließlich gibt den Ausschlag. Meergrün zieht sich auf das Bord zurück und nuckelt weiter an seiner Pfeife.



NORDSTERN - Unterdeck: Ole's Schlummertrunk


Warm ist es geworden, immer wärmer, immer behaglicher und die Kälte floh aus dem Gebein. Der Kampf hatte entkräftet, doch die Wärme brachte den Frieden kein weiterer Kraftaufwand wird nötig sein. Wie schön, der Erschöpfung endlich den geforderten Preis zahlen zu können, sich sinken lassen in die zärtliche Dunkelheit. Doch auch dort ist die Welt belebt, auch dort kann man nicht einsam bleiben.

Da war zuerst eine unglaubliche Unruhe...... Stimmen redeten wirr durcheinander. Dann polterte es, brüllte es, - Streit, Streit, Streit - zuletzt lachte jemand dröhnend...... Irgendwie ging es dabei um Bier.

Ole schreckt auf:

"WIE ... WAS ... !"

Der Schiffszimmermann reibt sich die Augen, er ist wohl eingeschlafen, als er auf sein Bier wartete. Müde blickt er sich um. Da ist nirgendwo ein Bier oder etwas ähnliches zu entdecken. Ole erhebt sich ächzend. Die wohltuende Wärme, die er noch bis vor kurzem zu spüren glaubte, hat sich mittlerweile verflüchtig. Ist ja kein Wunder - er ist ja noch immer in seine nassen Kleider gehüllt.

Doch erstmal eine Pfeife. Ole greift in die Tasche und holt sich den Beutel mit Pfeifenkraut. Als er den Beutel in der Hand wiegt, stellt er fest, dass sein Vorrat an Tabak überraschend schnell dahin geschmolzen war. Ole kratzt sich am Kopf. Das war doch vor ein paar Stunden noch erheblich mehr gewesen und er hat unterdessen höchsten zwei Pfeifen verschmaucht.

Ole schüttelt den Kopf. Er beschließt dieser Frage erst am nächsten Morgen nach zu gehen - Pfeife oder nicht - er braucht jetzt erst einmal trockene Tücher und ein Abstecher in die Hängematte dürfte auch nicht schlecht sein.

Um den Tisch stehen ein Haufen Leute rum, Ole kann nichts erkennen, aber wenn er die Worte, die dort gesprochen wurden richtig verstanden hatte, dann ist Sigrun nun über den Berg. Ole lächelt erleichtert, war wohl doch nicht alles so schlimm, wie es da draußen ausgesehen hatte.

"EFFerd sein geprießen, SWAfnir sei innigster Dank!" murmelt er tonlos vor sich hin, dann verlässt er leise den Raum. Draußen trifft er auf vile Leute. Hjaldar ist da, der Zwerg und noch mehr. Hier geht es ja zu wie auf einem Jahrmarkt.

Ole verspürt zwar schon die Lust auf ausgelassene Gesellschaft, doch fühlt er sich ausgelaugt und erschöpft, das setzt seinem Trieb zum Feier doch enge Grenzen. Er schlurcht ein paar Schritt vorwärts und sieht dann Garulf da stehen. Hat der nicht eine Flasche in der Hand? Das weckt Ole's Interesse.

"Hoi Smu - was haste denn da Feines?"



Als der durchnässte Schiffszimmermann in die Kombüse tritt und nach der Flasche in Garulfs Hand fragt, streckt der Smutje ihm diese mit einem Grinsen entgegen.

"Hier, willst die ham? Kannste n Buddelschiff rinstecken", denn die Flasche, die bis vor kurzem noch Premer Feuer enthielt, ist mittlerweile bis auf den letzten Tropfen geleert. Das Feuer befindet sich derweil, zusammen mit einigen anderen Bestandteilen, in einem dampfenden Becher, der, durch den noch warmen Stein der Feuerstelle vor allzu schnellem Auskühlen bewahrt, auf seinen Empfänger wartet.

"Nenene, wat Du brauchst,ist dat hier", Garulf greift eben jenen Becher und reicht ihn, noch immer grinsend, Ole, "altes Hausrezept von Muddern, dat treibt dir dat Salzwasser ausse Kiemen."



Ole grinst und nimmt den Becher, den ihm Garulf reicht. Das Grinsen vergeht ihm gleich darauf wieder, denn der Becher ist verdammt heiß und bringen die Finger schier zum Glühen.

Aber Ole ist nicht der Kerl, der sich von solchen nebensächlichen Widrigkeiten aus dem Tritt bringen läßt und schon bald verzieht sich sein Mund wieder zu einem spöttischen Lächeln.

"Nun woll'n wir doch mal sehen, ob die 'Mudder' recht hat. Feurig genug ist es ja, dein altes Hausrezept, mal sehen ob es auch genug Feuer hat. Alles, was weniger ist als 'bärenstark' dürfte zu wenig sein, denn ich habe jede Menge Salzwasser in meinen Kiemen. Und wenn's gut ist, denn würde ich das Buddelschiff glatt mittrinken!"

Ole hebt den Becher.

"Auf die 'Mudder' !"



NORDSTERN - Kombüse: Süßwasser - Garulf und ALRIK


"Das wohl!" Ist alles, was Garulf dem Schiffszimmermann auf dessen Trinkspruch antworten kann. Die Flasche in seiner Hand ist leer, der Krug Bier, den er sich mitgebracht hatte ist in den Wirren um Sigruns Rettung verschollen, andere gefüllte Krüge gehören den Passagieren oder wurden auf die Planken des Unterdecks entleert. So hebt Garulf nur symbolisch die leere Premerflasche und hofft darauf, bald einen Moment Zeit zu finden, um in den Laderaum zu gehen und einen weiteren Krug zu befüllen.

Noch während Ole mit dem zum Munde führen und schlucken des Trankes beschäftigt ist, ersucht ALRIK um Einlass in die Kombüse. Die Passagierin, die ihn begleitet, benötigt kaltes Wasser und Tücher. Nicht, dass es einen großen Arbeitsaufwand bedeuten würde, diesem Wunsch nachzukommen, aber den Schiffsjungen ein wenig necken wird man doch noch dürfen: "Ho, Wasser is buten in de See un de Tüchers hängn all anne Masten dran", ruft er dem Jungen fröhlich an Ole vorbei zu.



ALRIK verdreht die Augen gen Alveran. Irgendwie scheint es Garulf momentan an der notwendigen Ernsthaftigkeit zu fehlen. Eine, wie ALRIK findet, durchaus dringliche Bitte (immerhin geht es hier um die reizende Alkinoê) wird nur mit einer Antwort im Thorwaler Langhaus-Jargon geantwortet.

Aber - halt! Was ist das?

Garulf schwenkt eine leere Premerflasche mit einem nicht unerheblichen Fassungsvermögen. Dabei hat die Praiosscheibe noch nicht einmal ihren höchsten Stand erreicht...

Das erklärt natürlich einiges!

"Nee Smutje, jetzt sag nich', dass du dir die gerade eben weggehauen hast. Nee, nicht, was?"



Etwas ungeduldig wartet Alkinoê, das Alrik die Angelegenheit mit dem großen, Dicken abklärt.

' Wenn er uns doch wenigstens hineinließe ', denkt sie. Allmählich geht ihr das Gedränge hier unten auf die Nerven. Die körperliche Nähe vieler, womöglich nicht ganz sauberer, schwitzender Leiber, das Gefühl, dieselbe Luft einatmen zu müssen wie diese, löst in ihr Beklemmungen aus. Nervös klopft ihr kleiner, seidenbeschuhter Fuß auf die Planken.

Dabei fällt ihr Blick auf den jungen Mann neben ihr, der sich immer noch gegen die Wand drückt.

' Götter! Wenn ich es hier unten aushalte, dann wird der das ja wohl auch können.'

Mit resigniertem Gesichtsausdruck lehnt sie sich gegen die Wand hinter ihr.



Der Junge glaubt wirklich, Garulf hätte sich eine ganze Flasche Premer Feuer zum Frühstück genehmigt. Nicht, dass der Thorwaler Garulf Nellgardson das nicht gerne täte, doch die meisten Kapitäne, unter denen er so im Laufe seines Seemannslebens gefahren ist, mochten zweierlei Dinge nicht: Mannschaftsmitglieder, die während der Wache saufen und Schiffsköche, die sich über die Maßen selbst aus den Vorräten bedienen. Natürlich gibt es von dieser Regel Ausnahmen, z.B. dem alten Torge, Kapitän der "Seekeiler", mit dem Beinamen Tausendfass, der stets selbst besoffen wie Bardo über seine Planken torkelte, war es sch...egal, was auf seinen Schiff vor sich ging - er bekam es ja auch meist gar nicht mehr mit. Jergan dagegen gehört nicht zu jenen Ausnahmen und ist stets bemüht, der Mannschaft ein Vorbild zu sein und zudem wurde der Inhalt der Flasche für die beiden "Erweckungstränke" gebraucht.

"Hahaha ... eine Flasche haut doch noch ken Seeman um ... hohoho", gibt der Smutje lachend zur Antwort, "Schon gor nich, wenn er se nich sölber soffen tut ... hahaha."

Zwar macht Garulf noch keine sichtbaren Anstalten, seinen Lachanfall zu beenden und den Passagierwunsch zu erfüllen, seine Augen suchen jedoch bereits nebenbei nach einem Wasserkrug.



ALRIK hingegen ist sich nach Garulfs Lachanfall gar nicht mal mehr so sicher, ob Garulf nicht doch ein bisschen zu viel von dem feurigen Getränk genascht hat.

"Was du nicht sagen tust, Smutje", meint ALRIK ohne den verqueren Humor Garulfs teilen zu können. Dem patschnassen Ole wirft er jedoch noch einen aufmunternden Blick zu, während dieser langsam gen Mannschaftsraum schleicht. Leider scheint es dem Schiffszimmermann nicht wirklich gut zu gehen - und was viel schlimmer ist: auch auf Alkinoês Gesicht zeichnet sich langsam ein deutliches Anzeichen einer aufkommenden Gereiztheit ab.

Wenigstens ist der Weg in die Kombüse nun halbwegs frei. Der freundschaftliche Hieb in Garulfs Speckrollen wäre zwar nicht wirklich notwendig gewesen, um sich Einlass in die Kombüse zu verschaffen, dennoch wird der Smutje davon gewisslich keinen Schaden nehmen.

"Lass man gut sein, du musst die Buddel wegen mir nicht vom Hals nehmen. Ich guck' schon selbst."

ALRIK tritt in die Kombüse ein. Mit einem alten Lappen, der in einem Putzeimer liegt, wischt er sich zuerst einmal sporadisch die Hände ab. Dann macht er sich an dem Unterschrank der Kombüseneinrichtung zu schaffen, denn wenn es hier Leinentücher gibt, dann werden sie wohl dort gelagert sein. Und tatsächlich: ALRIK wird fündig.



NORDSTERN - Unterdeck: Ole's Schlummertrunk


Das 'feurige' Getränk rinnt durch den Gaumen langsam in den Magen, verbreitet unterwegs und letztlich auch dort angekommen eine sehr angenehme Wärme. Auch der schwere, salzige Geschmack wird aus dem Mund gespült und es tut Ole erheblich gut, nicht nun noch Meereswasser, von dem er hat reichlich schlucken müssen, im Magen zu haben. Jedoch, je wärmer es ihm in seinem Inneren wird, desto massiver spürt Ole wie kühl es ihm in seinen nassen Kleidern geworden ist. Es ist wohl höchste Zeit sich umzuziehen.

Da der Smutje mittlerweile von ALRIK und der 'kleinen Blume' beschäftigt wird, verlässt Ole die Gesellschaft leise und unauffällig, soweit dies dem 'grauen Riesen' in den beengten Verhältnissen des Unterdecks überhaupt möglich ist und geht auf leisen Sohlen seiner Wege.

Ole nimmt immer wieder einen Schluck und etwa ein halbes Dutzend Schlucke später befindet sich Ole im Mannschaftsraum. Ausgelaugt, schlaff und müde läßt er sich in seine Hängematte fallen. Nach Feiern und Frohsinn ist ihm nun gar nicht mehr zumute, nur noch nach Ruhe und Schlaf, die hat er sich verdient, findet Ole. und er schläft ein, bevor er noch dazu kommt sich auszukleiden, um danach in trockene Sachen zu schlüpfen. Eine warme Decke ist alles was sich der alte Schiffszimmermann noch gönnen kann, ehe Bishdariel, geschmückt in seinem schönsten Federkleid, dem müden Ole die angenehmsten Dinge ins Ohr raunt.



NORDSTERN - Unterdeck: Süßwasser - Garulf und ALRIK


Der Schiffsjunge ist wohl gerade gar nicht zum Spaßen aufgelegt, jedenfalls macht er sich resigniert selbst auf die Suche nach Tüchern. Der nasse Schiffszimmermann schleicht derweil wortlos aus der Kombüse, was von einem Schulterzucken Garulfs begleitet wird, ´wird in de Koje wolln´. So, jetzt aber dem Jungen keinen falschen Eindruck hinterlassen. Flugs landet die leere Flasche bei anderen, gefüllten wie leeren, im Regal und ein ebenfalls - noch - leerer Wasserkrug wird gegriffen. Nachdem ALRIKs Stoß mit einem, gespielt resignierten, "Nu hetz en alten Mann doch nüch so rum", kommentiert ist, will Garulf den Krug füllen, fragt aber - der Smutje trägt die Verantwortung für die Vorräte - vorsichtshalber noch einmal nach:

"Oder tuts auch Salzwasser?"

Die Frage richtet er, schon aus dem Grunde, weil sich Alrik jetzt fast genau hinter seinem Rücken befindet, an Alkinoê, die draußen auf dem Gang wartet.



"Du bist doch nich' alt, Smutje. Nun werd' mal nich' komisch", schmiert ALRIK dem erfahrenden Seemann eine gehörige Portion Honig um den Bart. Während dessen zieht der Schiffsjunge zwei säuberlich zusammengefaltete Leinentücher aus dem Schrank hervor. Die sollten wohl genügen, um sich damit abzutrocknen oder könnten auch als Deckchen für einen kleinen Tisch geeignet sein. ALRIK fällt dabei ein, dass er eigentlich noch gar nicht genau weiß, wozu Alkinoê diese Gegenstände benötigt, aber vermutlich ist es nicht sie selbst, sondern die Freifrau, die wieder Extrawünsche hat. Aber warum sie dann nicht lieber ihren Diener Radisar für so eine Aufgabe schickt, wer weiß das schon?

Zufrieden mit dem Handtuchfund, richtet sich ALRIK wieder auf, dreht sich um, und hält dann die Tücher in die Höhe, damit Alkinoê sie auch sehen kann.

"Sind die recht so?"



Ein wenig erschöpft dreht sich Alkinoê zum großen, dicken Thorwaler um.

" Salzwasser? " Fragt sie bestürzt. Sie findet seine Späße zur Zeit ein wenig unangebracht.

" Nein, äh, ich glaube nicht, ganz normales Wasser wäre gut. "

Dann fragt Alrik nach den Tüchern. Eigentlich hatte sie ihn bitten wollen, sich doch erst zu waschen, aber je länger sie hier in dem muffigen, nach Rauch, Bier und Schweiß stinkenden Gang steht, desto mehr ist ihr alles gleichgültig, Hauptsache, sie kommt hier bald wieder heraus.

" Ja, ja, genau richtig" antwortet sie ihm. Und dann etwas leiser, fast geflüstert:

" Ich glaube ich würde jetzt gerne nach oben gehen... - hier ist so ein Gedränge und so wenig Luft..." Und die großen, dunklen Augen blicken ihn hilfesuchend an.



"Gewiss doch, Alkinoê. Ich begleite dich sofort nach oben," antwortet ALRIK rasch und auch etwas besorgt. Immerhin ist sie erst vor sehr kurzer Zeit einem schweren Schicksalschlag ausgeliefert gewesen und das plötzliche Unwohlsein und die leichte Blässe können durchaus ernsthaftere Ursachen haben als das Gedränge in einem dämmerigen Gang.

"Du hältst ja deine Vorräte besser zusammen, als der Störrebrandt seine Dukaten, Garulf. Los doch, nun hab dich nicht so, es ist doch nur Wasser. Und jetzt gib mir dem Krug..."

Entschlossen nimmt ALRIK dem Schiffskoch das Gefäß aus der Hand und schöpft dann aus dem Wasserfass so viel ab, so dass der Krug fast randvoll gefüllt ist.

"Na, bitte, geht doch," meint ALRIK mehr zu sich selbst, als der die Kombüse verlässt und dabei auch gleich schon wieder dem nächsten Matrosen ausweichen muss. Hjaldar. Nein, auch ein Passagier, korrigiert sich ALRIK im Geiste.

"Bin gleich zurück," ruft ALRIK Garulf noch hinterher, dann verschwindet er, mit dem Krug in der Hand und den Tüchern über den Unterarm gelegt, im Gang des Unterdecks.

"Komm, Alkinoê. Oben ist die Luft viel frischer, da fühlst du dich gleich besser," meint ALRIK als er vorgeht.



dass die Passagierin auf Süßwasser besteht ist ja völlig verständlich, schließlich weiß Garulf ja auch gar nicht, wofür das Wasser benötigt wird. Aber dass ALRIK ihm den Krug förmlich aus der Hand reißt und dann einfach verschwindet, das geht dann doch zuweit. Zwar gibt Garulf als Thorwaler wenig auf korrekte Einhaltung von Hierarchien, aber er trägt als Smutje die Verantwortung für die Schiffsvorräte und gerade Süßwasser ist auf See unersetzbar. Von einem Augenblick auf den nächsten springt Garulfs Stimmung auf wütend.

"ALRIK, KOMM SOFORT ZURÜCK!" brüllt er dem entschwindenden Schiffsjungen nach. Vergessen ist die Tatsache, dass ALRIK einen Passagierwunsch zu erfüllen hat, schließlich geht es hier um grundlegende Dinge des Schiffsbetriebs.



Erleichtert beobachtet Alkinoê, wie Alrik die Angelegenheit energisch in die Hand nimmt. Ein kleines Glücksgefühl steigt in ihr auf. Irgendwie fühlt sie sich durch seine Aufmerksamkeit getröstet.

' Wenigstens Alrik versteht mich und behandelt mich, wie es sich gehört. Für alle anderen bin ich ja doch bloß ein kleines Mädchen, das man nicht ernst nehmen muss. '

Es gefällt ihr, dass der Schiffsjunge weiß was er will. Ein Mann sollte Entscheidungen treffen können! Außerdem hat er es dem dicken Mann mit dem merkwürdigen Humor gezeigt. Ohne diesen noch eines Blickes zu würdigen, dreht sie sich auf dem Absatz herum und folgt Alrik zum Aufgang.

Schon fast dort angelangt, hört sie das unwillige Gebrüll des Koches. Sie beschließt, dies zu ignorieren und hofft, dass Alrik das Gleiche tun wird.



Die Praiosscheibe steht hoch erhoben am strahlend blauen Himmel, kein Wölkchen ist zu sehen, kein Lüftchen rührt sich. Eine Wasserfläche so weit das Auge reicht, erstreckt sich in alle Richtungen, endlos wie es scheint. Verloren in dieser Weite treibt hilflos ein kleines Schifflein, Segel hängen schlaff von den Rahen hinab, erzeugen bei fast senkrechtem Sonnenstand nicht einmal mehr Schatten, geschweige denn Vortrieb. Ein ungesichert auf dem Deck liegendes Ruderboot zeugt noch von einem verzweifelten Versuch, den Holken mittels Muskelkraft voranzutreiben. Fünf Gestalten kriechen aus einem Niedergang hervor, falsch, vier kriechen, sie schleifen einen leblosen Körper mit sich. Es ist die Leiche einer Frau, doch darauf weisen kaum noch mehr als die fehlenden Barthaare hin. Völlig ausgedörrt sieht sie aus, wie eine Pflaume, die viel zu lange in der Sonne gelegen hat. Mit vereinten Kräften schaffen es die vier die Tote über die Reling zu wuchten. Die Wellen, die sie beim eintauchen schlägt, sind die einzigen weit und breit, in ihre Kleidung gestopfte Ballaststeine ziehen sie rasch in die Tiefe. Die vier Männer schauen ihr noch einen kurzen Augenblick hinterher, wieder einer weniger, wie oft haben sie das nun schon getan? Wie lange liegen sie hier schon fest? Die Tage zählt schon lange niemand mehr, die Toten auch nicht. Vier entkräftete Matrosen schleppen sich zurück zum Niedergang, um unter Deck wenigstens vor der schlimmsten Hitze Schutz zu suchen. Einer der vier ist ein junger Thorwaler, sein Name: Garulf Nellgardsson ...

Eben jener steht nun, viele Götterläufe später, in der Kombüse der NORDSTERN und musste gerade mit ansehen wie sich der Schiffsjunge sorglos aus dem Süßwasserfass bediente, als sei es der Brunnen eines horasischen Landgasthauses.

"ALRIK, DU HIRNVERTROCKNETE LANDRATTE!!! KOMM SOFORT HER ODER ICH BRECH DIR ALLE KNOCHEN EINZELN!!!"

Die donnernde Stimme des Schiffskochs übertönt dabei selbst Wind und Wellen, was sind schon EFFerds Wogen gegen einen zornigen Thorwaler?



Kaum hat der Schiffsjunge die junge Passagierin zum Aufgang geleitet, schon ertönt der Rückmarschbefehl aus der Küche. In der Tat ist es so, dass ALRIK einen Augenblick verharrt, in dem er am unteren Ende des Niedergangs wartet und Alkinoê somit die Gelegenheit gibt, die Stufen als erste zu erklimmen.

"Sobald ich hiermit fertig bin..." murmelt ALRIK, doch offenkundig nicht laut genug, so dass es nicht weiter verwunderlich ist, dass Garulf ihn so nicht hört.

An eine Umkehr denkt ALRIK jedoch nicht im geringsten, denn Alkinoê sieht gar sehr blass aus und es wäre gar nicht auszudenken, wenn sie hier noch auf dem Niedergang einen Schwächeanfall bekäme. So reicht der Schiffsjunge dem Mädchen die Hand, gerade so wie er es letztlich gesehen hat, als so ein eitler Schönling einer edlen Dame aus einer Kutsche geholfen hat, um ihr bei dem steilen Aufstieg zum Oberdeck behilflich zu sein.

Und gerade in dem Moment erschallt aus der Küche ein Rondrawetter, wie man es nicht alle Tage hört. Der Schiffskoch macht seinen Unmut durch wüste Drohungen Luft, die bei ALRIK durchaus nicht eine gewisse Wirkung verfehlen, wenn auch nicht, die vom Smutje beabsichtigte. Denn auch in ALRIKs Magen brodelt eine leichte Wut auf, die nach der Knochenbrech-Androhung weiter aufschäumt, die durch die Erinnerung an die gemeine und schikanierende Kartoffel-Aufsuch-Arbeit weiter hochkocht und die ihm zu guter Letzt angesichts der sich langsam verteilenden Bierpfütze unter Deck endgültig zu Kopfe steigt.

So sieht das also aus! Erst nimmt ihn dieser tumbe Schiffskoch nicht für voll und schwafelt dummes Zeug anstatt sich um die Bedienung der Passagiere zu kümmern und dann spielt er sich hier auf, wie ein bis an die Zähne bewaffneter Ork!

Um Beherrschung bemüht, ruft ALRIK zurück:

"Wenn du meinst, dass es denn was zu klären gibt, dann können wir das gern tun! Gleich!! Sobald ich zurück bin!!!"

Und nach diesen Worten steigt ALRIK endgültig auf das Oberdeck, um Alkinoê nun endlich zur Suite zurück zu bringen. Vor der Suite angekommen, überreicht er ihr den Wasserkrug und die Tücher und öffnet ihr schließlich die Tür zur Suite, damit sie eintreten kann.

"Auf bald. Vielleicht sehen wir uns ja in Havena. Du weißt ja, zum Fischerfest im EFFerdtempel," verabschiedet sich ALRIK von Alkinoê.

'Wollen wir doch mal gucken, wer zum Landgang noch laufen kann. Der Koch oder ich. Na, wer setzt eine Dublone auf den Schiffsjungen?'

Grimmig tritt ALRIK den Rückweg an. Man wird sehen.



Als der törichte Schiffsjunge nicht nur seinen Befehl ignoriert, sondern auch noch die Frechheit besitzt ihm zu widersprechen, platzt dem Smutje endgültig der Kragen.

´Er hat nicht nur vergessen WO er ist, sondern auch WER er ist!´

"WENN ICH DICH KRIEGE, DANN GNADE DIR EFFERD - ICH WERDE ES NICHT TUN!!!" brüllt er dem Flüchtigen hinterher, lauter als der stärkste Rondrikan, dann stapft er wutentbrannt aus der Kombüse in Richtung des hinteren Niedergangs. Seine Schritte hätten auf der ´Pfeil von Nostria´ mit Sicherheit zum Bruch der Planken geführt, hier halten die stabilen Steineichenbohlen zwar, doch auch sie geben mit einem Ächzen zu verstehen, was sie von einer solchen Behandlung halten. Die von Alberik verursachte Bierlache ignoriert der Zornige auf seinem Weg ebenso, wie evtl. noch im Gang stehende Personen.



Kaum hat der Schiffsjunge die junge Alkinoe nach oben zur Suite begleitet, taucht auch schon der Smutje im Niedergang auf, einen wilden Ausdruck im Gesicht, der so manchem Ork das Fürchten lehren würde. Voller Wut stürzt er sich auf den überrumpelten Schiffsjungen, packt ihn und schleudert ihn an die Wand des Heckaufbaus und presst ihn mittels seiner gewaltigen Wampe an eben jene, damit er nicht abhauen kann - was angesichts des Gewichtes des Smutjes und des stechenden Schmerzes im Rücken für ALRIK ohnehin unmöglich wäre.

ALRIK hat keine Chance, auch nur im Ansatz etwas zu sagen, denn da legt Garulf auch schon los:

"NUR WASSER? NUR WASSER? DIR HATS WOHL DAS HIRN ZERFRESSEN!! WEISST DU ÜBERHAUPT, WO DU HIER BIST? DAS HIER IST EIN SCHIFF! EIN SCHIFF, HÖRST DU? DAS IST HIER KEIN LANDHAUS, WO DU MAL EBEN ZUM BRUNNEN AUF DEM HOF GEHEN KANNST!! ELENDES LANDEI, WARST DU ÜBERHAUPT SCHONMAL INNER FLAUTE? NEIN? DACHT ICHS MIR DOCH! KANNST DU DIR VORSTELLEN WIE DAS IST, WOCHENLANG FESTZUHÄNGEN, OHNE WAT ZU FRESSEN, OHNE WAT ZU SAUFEN???..."

Trotzig blickt der Schiffsjunge bei diesem Wutausbruch nach oben, wehren kann er sich nicht, soviel ist klar. Doch kann man an seiner Mine deutlich erkennen, dass er der Wortgewalt des Schiffskochs nichts entgegensetzen kann, aber das zornige Funkeln in ALRIKs Augen zeigt ungebrochenen Stolz und eine gehörige Portion Sturheit.

So liegt es dann an dem beherzten Eingriff zweier Matrosen, die beiden Zerstrittenen zu trennen, bevor es zu weiteren Handgreiflichkeiten kommt. Gelöst ist das Problem damit noch nicht, aber es ist auch nicht ganz unbemerkt geblieben, denn der Kapitän selbst ist darauf aufmerksam geworden, was da fast direkt unter seinen Füssen geschieht. Da er jedoch jetzt, mitten im Sturm, keinen dringenden Handlungsbedarf sieht, nachdem er ungefähr erfahren hat, worum es geht, und derlei Dinge zudem ohnehin eher Angelegenheit der Bootsfrau sind, befiehlt er den beiden, sich damit NACH dem Sturm an Nirka zu wenden, damit diese darüber befinden kann.



NORDSTERN - Suite: Wie Hund und Katze


Niemand, aber auch wirklich niemand, überschüttet eine von Beibach und Bruch mit süßlichem Zynismus. Das sollte auch kein Vertreter des Götterfürsten hinieden versuchen, ohne mit den mittleren Naturgewalten rechnen zu müssen, wenn es in der mächtigen Brust der Freifrau zu brodeln beginnt, in ihr der Druck des Zorns mit drohenden Eruptionen vornehmster Wut eine lodernde Gefahr für ihre gesamte Umwelt provoziert. Da kann die Freifrau sehr heikel werden und stünde auch ein leibhaftiger Greif vor ihr, sie würde zweifelsohne versuchen ihn zu rupfen.

Ihr Augen blitzen wie die einer verwundeten Wölfin, als sie dem geistlichen Herren antwortet und die Freundlichkeit in ihrer Wortwahl wird durch den grimmen Unterton in ihrer Stimme ordentlich relativiert.

"Euer Gnaden, ihr befindet euch in den Räumen der Freifrau Reckinde von Beibach und Bruch, meiner Wenigkeit. Der edler Herr, mir gegenüber, ist der edelhochgeborene Comte Di Vespasio, ein lieber und verehrter Gast in meinem

Hause! Ich grüße euch!"

Reckindes Ausführungen haben eine latente Aggressivität, es klingt fast so, als gälte es den Comte zu verteidigen. In der Tat ist die Freifrau fast außer sich vor Zorn. Selbst wenn ein kundiger Heiler gekommen wäre, statt eines Dieners der Sonne, dem Recht und Ordnung ohnehin sehr viel näher steht, als die Natur des Seins, könnte dieser wohl kaum mit einem herzlicheren Willkommengruß gerechnet haben.

Nach der Vorstellung der Gelehrten Herren, die vor wenigen Tagen versucht haben, die kleine Alkinoê zu heilen und dabei nicht mehr vollbrachten, so denkt die Freifrau noch heute eisern und vertritt den Gedanken mit Nachdruck, als das trauriges Szenario einer billigen Tragikomödie, in Reckindes Erinnerung die Gestalt eines lächerlichen Versuchs, Hilflosigkeit als Kompetenz verkaufen zu wollen, hat das Vertrauen der Freifrau in das wissen studierter Herren schweren Schaden genommen.

"In der Tat bedarf ich eurer Dienste nicht, es sei denn ihr brächtet mir Tücher und kühles Wasser - solche Hilfe könnte ich allerdings gebrauchen!"

Die Freifrau lächelt freundlich und ihre Mimik gibt überdeutliche Zeichen, das es dem Geweihten gestattet ist, sich wieder zurückzuziehen.

"PRAios möge euch allzeit erleuchten und immerfort den rechten Weg zeigen ... "

' ... vor allem den Weg hier heraus!' vollendet die Freifrau den Satz in Gedanken.



Boto ist eigentlich ein sehr kluger Hund. Auf jeden Fall hat er gut erkannt, dasses besser wäre im Moment unbemerkt, ja sogar unsichtbar zu bleiben. Er legt seinen massigen Kopf auf seine Vorderpfoten und blinzelt treuselig mit den Augen. Doch sollte sich der Betrachter nicht täuschen lassen, auch wenn es so aussieht, als läge der Hund in entspannter Ruhe und gönne sich ein wohltuende Ruhepause, in Wirklichkeit ist er gespannt wie eine Rotze. Nichts entgeht seinen Sinnen und er ist allzeit bereit aufzuspringen um seiner Herrin zu dienen.

Der Disput zwischen dem Gast und der Herrin ist ihm nicht entgangen und er beobachtete aufmerksam die Entwicklungen. Dieser Mann ist nicht sehr freundlich zur Herrin, das steht schon einmal fest. Sollte er sie angreifen, dann würde Boto ihm ganz bestimmt auch in das andere Bein beißen, diesmal aber richtig, ohne Spaß, mit vollem Ernst. Wird doch da auf einmal die Türe aufgerissen und ein weiterer Mann kommt herein!! Sofort ist Boto auf den Beinen und mustert den Eindringling. Nein, nicht knurren, mahnt sich der Hund, der sich erst noch mit der seltsamen Sitte der Herrin vertraut machen muss, dass nicht jeder, der in das Revier eindringt, gleichzeitig und immer ein Feind sein muss -also abwarten. Nun ja ... vielleicht ein bisschen knurren, nicht viel, mehr ein Grummeln.

Zwar drohend und doch zurückhaltend zugleich zu sein, war bisher nicht unbedingt Botos Art. Bei seinem früheren Herren, damals, als er noch 'Dämon' gerufen wurde, war alles etwas einfacher und unkompliziert gewesen. Jeder der kam, war gleichzeitig Beute - Schluss und Aus. Das ist nunmehr offensichtlich ganz anders. Auch die Herrin ist ganz anders. Sie hat ihn lieb, das spürt er. Das spürt er zum ersten mal in seinem Leben. Zum erstenmal fühlt er sich angenommen und zu Hause. Da nimmt man schon ganz gerne ein paar Komplikationen in Kauf.

Doch auf einmal streckt Boto die Ohren nach oben. Das darf doch nicht wahr sein. Gleich nach dem eintretenden Mann kommt doch tatsächlich eine Katze mit in den Raum.

EINE KATZE, MAN STELLE SICH DAS VOR !!

Gut, es gibt neue Spielregeln, alte Spielregeln, zukünftige Spielregeln, aber wenn etwas seit Ewigkeiten und für alle Ewigkeit klar sein sollte:

KATZEN HABEN HIER NICHTS VERLOREN, ES SEI DENN SIE SIND AUS DEM FELL GESCHÜTTELT!

Wild kläffend fährt Boto auf. Mit gefletschten Zähnen fährt er der Katze entgegen.....



Gerade noch lag das seltsam riechende Ding ruhig in der Ecke und Traumauge konnte sich ganz auf den Schinken konzentrieren.

Plötzlich jedoch ändert sich die Lage drastisch. Just in dem Moment wo der kleine Kater sich dem zweiten Stück Schinken zuwenden will ertönt Gebell aus der Ecke und Traumauge reagiert instinktiv so wie er es von seiner Mutter gelernt hat: "Flucht" und "Rauf" sind die Gedanken, die ihm durch den Kopf gehen und panikartig springt er auf. Es ist kaum zu glauben welches Geschick so ein Kater an den Tag legen kann, wenn er Angst um sein Leben hat.

'Höhe, ein Baum, doch nein hier ist kein Baum, wo kann ich hin'

frisst sich in deinen Geist, da der Zweibeiner, er ist das höchste hier im Raum und Mutter sagte mit Höhe haben es diese Kläffer nicht so. Das Ungeheuer kommt auf ihn zu, echte Panik macht sich in dem kleinen Kater breit, der aufgrund seiner selbst für kleine Katzen ungewöhnlichen Niedlichkeit bisher praktisch keine schlechten Erfahrungen machen musste.

Ein gezielter Sprung aus dem Stand befördert ihn auf den Tisch, von Dort kraftvoll mit den Hinterpfoten abgedrückt landet Traumauge praktisch punktgenau auf der linken Schulter des PRAios Geweihten.

Völlig verängstig kauert er sich dort an dessen Kopf, hält sich an seiner Gewandung fest und blickt in Richtung des Hundes um im falle eines näher Kommens noch höher klettern zu können.



Di Vespasio richtet sich von einer im Sitzen ausgeführten improvisierten Verbeugung auf - schließlich hat die Freifrau immer noch sein Bein fest in Händen, unabhängig davon, dass er vermutlich nicht selbst stehen könnte, ganz zu schweigen von einer Verbeugung - und will gerade einige erklärende Worte sprechen, die die Situation in etwas anderem Licht darstellen würden.

'... lieber und verehrter Gast ... Das hört sich ja geradezu so an, als würdest du ihre wenig respektvolle Art unterstützen. Nein, nein, das kannst du nicht so stehen lassen, nachher fällt es auf dich zurück. Diese Praiosjünger vergessen ja nie eine Kränkung und am wenigsten kannst du jetzt Probleme mit der Praioskirche gebrauchen.'

Plötzlich erhebt sich jedoch ein infernalischer Lärm und die blutrünstige Hundebestie geht auf diesen widerlichen, pestilenzischen Katzendämon los, den der Junge doch über Bord werfen sollte.

"Ah! Die Dämonenbestie!"

Ein spitzer Schrei entfährt di Vespasio und er versucht sich auf den Stuhl zu retten.



Auf die Vorstellung der Freifrau reagiert der Geweihte erst einmal mit einem routinierten Lächeln, dass seine Augen jedoch nicht erreicht.

'So, eine Freifrau ist sie, von Beibach und Bruch? Noch nie gehört...

Und der andere, ein Comte. di Vespasio, hm, sagt mir auch nichts. Die beiden gehören nicht zu den wirklich wichtigen Personen, obwohl sie es wohl gerne wollten.'

Als dann die Erläuterungen zu den Tüchern erfolgen, nimmt das Lächeln einen grimmigen Zug an. Gerade setzt er zu einer scharfen Erwiderung an, hat doch niemand das Recht einen Praiosgeweihten wegen einer Hand voll nasser Lappen unter Vorgaukelung eines dringlichen Notfalls herbei zu zitieren und ihm dann eine kaltschnäuzige Abfuhr zu erteilen! Plötzlich ändert sich jedoch die Lage, war die Stimmung bisher durch eine latente Spannung geprägt, so bricht plötzlich das reinste Chaos aus!

Lautes Hundegeknurre, und die Schiffskatze greift an!

Reflexartig saust die Rechte des Geweihten an seinen Gurt und löst die Schlaufe, die das Sonnenszepter hält, während er mit der linken zum vermeintlichen Angreifer fährt, als er erkennt, dass die Katze ihm gar nicht das Gesicht zerkratzen will, sondern vielmehr vor dem wahrlich imponierenden Hundevieh geflüchtet ist. Schnell führt er die Hand weiter, einerseits um sicherzugehen, dass die Katze es sich mit seinem Gesicht nicht anders überlegt, andererseits um sie auf der Schulter festzuhalten, auf dem Fußboden hätte sie keine Chance. Zu allem Überfluss fängt der Comte auch noch an herum zu kreischen wie eine ferdorker Putzfrau, die zum ersten mal im Leben eine Maus sieht.

Da der Hund im Augenblick eine potenzielle Gefahrenquelle darstellt, behält er ihn - die Hand immer noch am Szepter - genau im Auge, während er mit lauerndem Unterton der Freifrau entgegnet:

"Freut mich, Euer Wohlgeboren. Und dies ist gewiss Euer Schoßhund?"



Frau Reckinde ist eine Frau der Tat. Alles, was sie tut, ist wohldurchdacht, fast alles. Die Freifrau verlässt sich aber auch gerne auf ihre Intuition und ist dabei sehr erfolgreich damit gewesen. Doch ob sie nun ihrer Strategie oder auch ihren Ahnungen folgt, manchmal macht ihr ihre Leidenschaft, böse Zungen behaupten, es wäre ihr Jähzorn, einen Strich durch die Rechnung. Doch eine ist immer sicher, ob abwartend oder spontan: Die Freifrau handelt, so oder so!

So vergeht nur der Bruchteil eines Momentes nach dem lautstarken Aufbegehren ihres Hundes, da hat die Freifrau die Situation auch schon wieder überblickt und schreitet ohne weitere Verzögerung zur Tat. Gleich nachdem ihr die Katze auf der Schulter des Geweihten aufgefallen war, führt sie den Zeigefinger und den Daumen an ihre Lippen und sogleich erschallt ein Pfiff, der stark genug ist, sensiblen Gehören das Trommelfell zu zerbröseln. Den Anwesenden dürfte es noch sehr lange in den Ohren pfeifen danach.

Auch der Hund reagiert wie vom Blitz getroffen. Er hatte schon zum einem Sprung angesetzt, der, obgleich er der Katze gegolten hätte, sicherlich auch den hohen geistlichen Herren umgerissen hätte, als ihn der laute Pfiff erreicht. Er hält inne und es hätte ihn beinahe umgerissen, so sehr ist er bemüht dem Signal der Herrin folge zu leisten. Die Katze hat er jetzt völlig vergessen und mit geducktem Haupt, schleicht er leise winselnd auf seinen Ausgangspunkt zurück.

'Schoßhund'!

Die Freifrau glaubt fast sich verhört zu haben. Aber genau das hatte der Geweihte gesagt. Reckinde blickt ihn gering schätzend an und denkt sich:

'Da will wohl 'Euer Gnaden' besonders kaltblütig erscheinen, dabei hatte er doch, mit allen Anzeichen des Erschreckens schon die Hand an seiner Sonnenkeule. OB das mein Schoßhund wäre, der sollte sich lieber mehr Sorgen um seinen eigenen Schoß machen. Wenn ich den Hund nicht zurück gerufen hätte, dann wäre das Zepter wohl das einzige gewesen, was er danach noch hätte aufrichten können .... !'

Der Gedanke erheitert die Freifrau und sie lächelt.

"Euer Gnaden, ich hoffe ihr seid wohlauf. Der Hund vermag wohl das Fürchten zu lehren und unser verehrter Comte ist, im Gegesatz zu euch, nicht ganz nur dem Schrecken davon gekommen. Seine Verletzungen sind aber, in der Tat, nicht schwerwiegend. Also gäbe es keinen Grund das Mahl, das wir begonnen haben, fortzusetzen, sobald mein Diener wieder etwas Ordnung geschafft hat."

Und etwas lauter, etwas strenger und etwas offensichtlicher an Radisar gerichtet, wiederholt sie:

" .... SOBALD MEIN DIENER WIEDER ETWAS ORDNUNG GESCHAFFT HAT!"

Wieder freundlicher und gewinnend lächelnd erklärt sie dem Geweihten:

"Es wäre uns eine Ehre, euer Gnaden, würdet ihr an unserer bescheidenen Tafel Platz nehmen! Ich denke, ich sprechen da auch im Namen des Comte Di Vespasio!"

Aufmerksam mustert Reckinde dem Comte, auf eine Zustimmung wartend.



Noch schrillen ihm die Ohren von dem energischen Pfiff, als er erkennt, das die Gefahr gebannt ist. Wie beiläufig läßt er seine Hand vom Sonnenszepter gleiten.

'Es ist schon seltsam, gerade hatte ich noch das Gefühl, die Situation hier würde etwas aus dem Ruder laufen, doch offensichtlich läuft hier höchstens mal das Schiff dem Käpten aus dem Ruder.'

Auf die freundliche Einladung der Freifrau hin entspannt er sich und wie von selbst findet auch ein natürliches Lächeln den Weg in sein Gesicht. Zwar hat er schon einige Bissen gefrühstückt, aber dabei wurde er ja rüde durch den Unfall unterbrochen.

'Sie scheint mir ja doch noch ganz annehmbare Züge aufzuweisen. Steht eben jeder mal mit dem falschen Fuß auf.'

"Vielen Dank für die freundliche Einladung."

Kurz unterbricht er sich, um dem Comte die Gelegenheit zu geben, auch etwas zu sagen. Je nach dem, was dieser sagt, kann er so entscheiden, ob er hier bei allen willkommen wäre oder nicht. Erwartungsvoll blickt Onaskje den Comte an, dabei beginnt er, sich den kleinen Schiffskater von der Schulter zu pflücken. Mit der Hand, mit der er die Katze eh schon hält, rutscht er ins Genick des Tieres und packt ihn dort am Schlawittchen, so etwa wie es die Katzenmütter mit ihren Jungen auch tun würden. Dann hebt er das Tier hinunter und hält es vor seiner Brust.



Di Vespasio bemüht sich unauffällig aus der etwas peinlichen Stellung auf dem Stuhl herunterzurutschen, die er im ersten Schrecken eingenommen hat.

"Ja, setzen wir uns. Es wäre doch schade, wenn wir diesen Tag ohne Frühstück beginnen würden. Nie hätte ich erwartet, hier an Bord eine solch erlauchte Gesellschaft finden zu können. Bitte schließt doch die Tür und lasst den Sturm draußen."

'Wohlgeboren? Er muss doch wissen, dass sie als Freifrau eine Hochgeboren ist. Warum verwendet er dann ...? Erstaunlich! Will er sie reizen, etwas falschen zu tun? Immerhin hat sie zwei Zeugen. In dieser Lage sollte es selbst ein PRAiosjünger nicht verhindern können vor einem Ehrengericht, die volle Wahrheit zu sagen.'

Er zieht sein Taschentuch aus dem Ärmel. Manierlich versucht er, allerdings vergeblich, von oben nach unten die Flecken aus seinem Rock zu tupfen, während er den Geweihten lächelnd musternd fortfährt.

"Leider bin ich im Moment kaum in einem Zustand, der euer Gnaden gerecht werden könnte. Normalerweise würde ich mich ja so nicht in Gesellschaft begeben, aber es hilft wohl nichts, jetzt wo das Unglück geschehen ist."

'Es sei denn, er kennt sie und weiß, dass sie keine Freifrau ist. Dann allerdings könnte er eine solche Anmaßung von Titel und Würde nicht ungeahndet lassen. Oh Götter! Es ist dir ja schon bei der Predigt aufgefallen, dass es sich nicht um einen der üblichen Geweihten handelt. Oft sind dies ja die gefährlichsten, also Vorsicht mein Freund.'

Beim Bein angekommen drückt er vorsichtig tastend gegen den Verband, jedoch nicht auf die wirklich schmerzenden Stellen, bevor er sich wieder aufrichtet, das Tuch wegsteckt und mit einer wegwerfenden Handbewegung meint:

"Ach, die Verletzung ist halb so schlimm. Aber seht euch vor, der Hund ist wirklich gefährlich. Man sollte ihn nicht so frei herumlaufen lassen."

Der letzte Satz wird von einem mahnenden Blick in Richtung der Freifrau begleitet.



'Das ist ja widerlich! Überall diese Katze! Will er ihr etwa noch etwas zu essen geben? Welche Einfalt, dabei wäre das mal ein sinnvoller Verwendungszweck für das Sonnenzepter!'

Di Vespasio schüttelt leicht angewidert den Kopf, vorsichtig darauf bedacht, dass ihn der Geweihte nicht sehen kann.



Traumauge ist völlig verängstigt und drückt sich flach auf die Schulter des Geweihten, als dieser ihn festhält weiß er nicht recht was das soll, doch besser als da unten bei dem Bellenden ding ist er hier allemal aufgehoben, weshalb er auch Stocksteif und regungslos auf der Schulter verweilt.



Für Radisar entwickelt die Folge des Geschehens eindeutig zu rasant. Kaum, dass er das momentane Ereignisse einigermaßen gedanklich erfasst hat, wird dieses auch schon wieder vom nächstfolgenden verdrängt. So bleibt Radisar ein ordentliche Zeit lang nur ein stummer Beobachter und flüchtiger Zeuge der hektische und chaotischen Situation. Bei aller Verunsicherung, die den kleinen, dicken Diner heimsucht, ist er im Grund seiner Seele heilfroh in diesen Wirren des Augenblicks nur ein 'Zaungast' zu sein.

Noch mehr als überblickende Aspekte fehlen Radisar Blicke auf die Details, die sich im wahnwitzigen Tempo des Geschehens außerordentlich erfolgreich hinter Radisars Begriffsstutzigkeiten zu verbergen wissen. Als ihm die Freifrau einen Auftrag erteilt, antwortet er knapp mit einem:

"Sehr wohl, Herrin!"

Das will aber nicht heißen, dass Radisar auch nur ein Wort des Ansinnens Frau Reckindes auch wirklich verstanden hätte, die Gewohnheit allein treibt ihn zu dieser sinnentleerten Antwort. Und als die Freifrau ihre Anweisung mit lauter, fester, unnachgiebiger, streitbarer, unmissverständlicher, fast drohender Stimme wiederholt, fällt ihm wiederum nichts weiter dazu ein, als ein erneutes:

"Sehr wohl, Herrin!"

So wie allen anderen Einzelheiten ist Radisar auch die Tatsache entgangen, dass sich eine Katze auf leisen Pfoten in die Suite geschlichen hat. Dieser Umstand bleibt ihm auch noch dann verborgen, als sich der dämonische Riesenhund wie ein entfesselter Heshthot auf den plötzlichen und unerwarteten Gast zu stürzen scheint. In stiller und aufrichtiger Bewunderung beobachtet Radisar die gelassene Ruhe ihrer Gnaden, den Mäusefänger allerdings entdeckt er nicht.

Vielleicht war Radisar bis zu diesem Zeitpunkt gedanklich auch zu sehr abgelenkt. Noch immer schwirren ihm Erörterungen durch den Geist, betreffend die Aussage des Comte, es gäbe Regionen Aventuriens, in denen auffälligen Tieren der Prozess gemacht werden würde. So sehr dem kleinen, dicken Diener der Gedanke auch angenehm wäre, dieser unheimlichen Bestie von einem Hund den Prozess zu, womöglicher Weise mit ihm sogar einen 'kurzen Prozess' zu machen, so regen sich aber auch mahnende Aspekte gegen diese Art der Rechtsprechung in Radisar, dem Redlichen. Der kleine Rechtsgelehrte weiß um etliche Begebenheiten, bei dem eine solche Praxis der Rechtsprechung sehr problematische Folgen hatte, indem sie der Vermutung Nahrung gaben, hinter diesem Brauch könnte sich dämonische Paktiererei oder gar die magische Nutzung verbotener Pforten verbergen.

In nicht wenigen Fällen haben entsprechende Ermittlungen ergeben, dass sich diese Annahmen durchaus bestätigten. In Zeiten, wie den heutigen dererlei Rechtsgewohnheiten überhaupt zu erwähnen oder darüber hinaus auch noch für gut zu heißen, ist entweder vermessen und tollkühn oder aber auch feste Ansicht und Philosophie. Im zweiten Fall wäre außerordentliche Vorsicht geboten und Radisar mustert den Comte nunmehr mit einem sehr argwöhnischen Blick. Von der ursprünglichen Verehrung für den weltgewandten und wohl gelehrten Herren ist momentan nicht sehr viel übrig geblieben in dem kleinen, dicken Radisar, der auf einmal die überschwere Last der Verantwortung für die Rettung und Verteidigung der 'freien Welt' Aventuriens auf seinen schmalen, mit Speck gepolsterten Schultern fühlt.

Gerade als Radisar beschließt den geweihten Herren zu konsultieren, auf dass der ihm aus seinem intellektuellen Dilemma führe, da werden Radisar's übrige Wahrnehmungen durch einen Umstand angeregt, der sich bisher seinem Auge entzogen hatte: Die Katze! Noch kann sich Radisar den Vorgang nicht erklären. Zuerst kitzelt es in der Nase immer heftiger, den wird sein kleiner, feister Körper von einem immensen Juckreiz überzogen. Der Schweiß bricht ihm aus, seine Schleimhäute schwellen an und seine Zunge wird ganz dick und geschwollen. Jetzt erst dämmert es dem Radisar, es könnte sich womöglich eine Katze in der Nähe befinden.

Doch sicher ist sich der kleine Diener erst, als er auf den Geweihten zugeht. In dem Augenblick, da er ihn erreicht und die Katze eigentlich schon hätte sehen müssen, fährt ihm ein ungewöhnlich starker Impuls durch Nase und Gaumen und schneller, als ein 'Difar' 'Blopp' machen kann, fährt ihm ein gewaltiges Niesen aus dem Gesicht, der dem Geweihten mit der Stärke eines Orkans erreicht.



Offensichtlich hat auch der Comte nichts gegen das Verbleiben des Praiosgeweihten einzuwenden. So freut sich Onaskje auf einen zweiten stärkenden Happen, denn selbst die Reste auf dem Fußboden lassen erahnen, welch ein Mahl vorher auf dem Tisch gestanden haben muss:

"Es ist wird mir eine Ehre sein und ein Vergnügen, mit ihnen zu speisen. Und je länger ich darüber nachdenke bin sicher, dass es sich bei dem dringenden Notfall um eine - " 'Verwechslung? (Beleidigung?)' " - ein Missverständnis gehandelt hat, da ja die Wunde schon recht professionell versorgt worden zu sein scheint. Wenn es Euer Wunsch ist, werde ich sie mir dennoch noch einmal ansehen..."

"Ja, das scheint mir durchaus richtig," entgegnet Onaskje auf die Aufforderung, die Türe zu schließen. In diesem Augenblick nähert sich auch der Diener, der sich bisher unauffällig im Hintergrund gehalten hatte und mit einem lauten Niesen seine Anwesenheit verkündet.

'Guter Mann, das, denkt mit. Da werde ich ihm auch gleich die Katze geben können. Allerdings sollte er doch wissen, dass man sich bei solchen Bedürfnissen abwendet.'

Ohne nachzudenken wischt er sich mit dem rechten Ärmel über das Gesicht, um es von dem einen oder anderen ekligen Tröpfchen zu befreien. Sodann drückt er dem Diener die Katze in die Hand "Schön festhalten" und bückt sich mit einem verschmitzten Lächeln in Richtung der Freifrau nach einem der Schinkenröllchen. Während er danach angelt sagt er, noch an den Diener denkend:

"Wo sie schon hierher gefunden hat und auf den Schrecken, soll sie doch nicht ganz ohne losziehen, bei dem Wetter, wie?"

Nur um sicher zu gehen wirft er, noch von Fußbodennähe aus spähend, noch einen kurzen prüfenden Blick auf den Hund, ob dieser sich auch ruhig verhält.



Traumauge ist recht irritiert ob des herumreichen und gerade will er sich dagegen zur wehr setzen dem kleinen Zweibeiner übergeben zu werden, denn der ist viel niedriger und kein sicherer Schutz gegen den Kläffer. Aber da nähert sich der grosse bereits mir einem Schinkenröllchen, das wiederum lenkt den kleinen Kater soweit ab das Radisar ohne zu wissen wie nahe er einigen Katzenkrallen im Gesicht war ohne Blessuren davonkommt.



Er ist wahrlich ein Bild des Jammers. Mit rot geränderten Augen und einer triefenden Nase steht er in der Mitte des Raumes und hält eine Katze vor sich hin, angewiedert, als hätte ihm der Geweihte die Unterhose eines Ogers in die Hand gedrückt.

Schon als Kind, damals, als Radisar noch kleiner war als heute, hat er Katzen nicht leiden können. Nicht, dass er prinzipiell etwas gegen Katzen gehabt hätte, es war eben schon damals so, und so ist es auch noch heute, dass Radisar nur in die Nähe einer Katze hat kommen müssen und schon 'blühten' auf seinem ganzen Körpern Pusteln auf, als hätte er sich soeben mit der Duglum-Pest angesteckt. Und immer hat es ihm niederhöllisch gejuckt, an allen Körperstellen die er hatte, auch an den unaussprechlichen. Das hat natürlich seiner Begeisterung für Katzen arg in Grenzen gehalten und so hat Radisar allzeit immer gerne dafür gesorgt, dass immer ausreichend Distanz zwischen ihm in den Katzen geblieben ist.

Und nun steht er da und hat eines dieser Viecher sogar im Arm. Schon wieder muss er gewaltig niesen, diesmal trifft es die Katze. Boto knurrt ganz leise und zum ersten Mal kann Radisar so etwas wie Sympathie für den Hund empfinden.



Was ist das? Ein feuchter Sturmwind bläst Traumauge entgegen, heftiger als alles, was er bisher auf diesem Schiff erlebt hat.

Panikartig fuchtelt er mit den Pfoten umher und kann sich sogar los reißen, doch rennt er nicht weg, denn da ist ja immer noch die Bestie, nein vielmehr sucht e einen seiner Meinung nach besseren Platz.

Unter Einsatz seiner Krallen findet er Halt an des Dieners Kleidung und robbt sich bis auf dessen Kopf, wo er versucht sich festzuhalten, was aufgrund der mangelnden Haarpracht des kleinen Zweibeiners nicht recht gelingen will, so zappelt Traumauge unruhig auf dessen Kopf herum.



Zielsicher haben Onaskjes Finger eine Schinkenrolle gegriffen und diese dann noch einmal in eine wohlig duftende Creme von einer zerbrochenen schlä gesteckt, die dem Geruch nach zu schließen durchaus Geflügelpastete sein könnte.

Den missbilligenden Blick des Comte kann er nicht wahrnehmen, schließlich dreht er diesem grade mehr oder weniger den Rücken zu. Erstaunt öffnet er weit die Augen, als er sieht, wie das Kätzchen dem verdutzten Diener auf den Kopf krabbelt und dabei seine liebe Not hat. Um den guten Mann aus seiner Lage zu befreien, wedelt er der Katze mit dem Schinken vor der Nase herum und pflückt kurzerhand das Tier wieder von des Dieners Kopf.

"So, Ausflug beendet, würde ich sagen."

Mit einigen zielstrebigen Schritten geht er zur Kabinentüre, öffnet diese und setzt das Katzentier auf den Boden. Schnell fährt er ihm noch über das Fell, darauf bedacht, die Hand dann zwischen Katze und Kabine zu lassen.

'Ganz süß, das Vieh. Hat so ein schönes weiches Fell. Wie dass wohl wäre, wenn die Frauen so weiche Haare hätten...?'

Aufreizend hält er den Leckerbissen vor die Katzenschnauze, damit sich der Kleine auch zufrieden trollen kann.



Froh von dem Untier und dem seltsamen Orkanzweibeiner befreit zu sein leistet Traumauge keinen weiteren Widerstand, ja er schnurrt sogar als man ihn streichelt.

Freudig kommt er auf das Schinkenröllchen zugelaufen und schnappt es sich um sogleich daran zu knabbern.



Rasch schiebt Onaskje die Katze zur Türe hinaus und schließt diese dann hinter ihr.

'So, wieder jemand glücklich.'

Wieder tritt er näher an die anderen Personen heran und wartet darauf, dass das Frühstück beginnen werde, beziehungsweise die vorher notwendigen Aufräumarbeiten.

'Danach werde ich erstmal einen kleinen Rundgang durch das Schiff machen, ich kenne es ja schließlich noch kaum. Seegang hin, Sturm her, besser, man weiß gleich zu beginn, woran man ist. Ein umfangreiches Wissen ist, so sagte schon Radagard der Schöne die solide Grundlage einer jeden göttergefälligen Tat. Und hinterher werde ich vielleicht in die Kabine gehen und versuchen, ein wenig zu lesen. Oder notfalls etwas dösen.'

Derart mit seinen Gedanken beschäftigt, beobachtet der Praiosgeweihte entspannt den Fortlauf der Dinge.



Natürlich behält di Vespasio seine Hände bei sich und hilft nicht etwa beim Aufräumen der Tafel, das wäre ja noch schöner. Stattdessen spielt er weiter mit seinem Spitzentüchlein und beobachtet den Praiosgeweihten scharf. Sobald sich dieser aber zu ihm umdreht, ist er die Freundlichkeit selbst, lächelt und beginnt mit näselnder Stimme zu reden,

"Äch, ja, däs Wätter! Äs ist schon schlimm. Auf dem Mär pfeift der Wind ja noch viel schlimmär als über Land. Däs ist zwär recht präktisch für die Seefahrt, ..."

was ihm aber erst nach zweieinhalb Sätzen auffällt, worauf sich seine Stimme wieder normalisiert.

" ... schließlich sind die Schiffe viel schneller, aber für uns arme Passagiere ist es eine Strafe. Ich hoffe ja, dass es gen Praios etwas besser damit wird."



Di Vespasio hat gerade seinen Satz über den stürmischen Wind beendet, als die Tür zur Suite wieder aufgeht und eine kalte, nasse Bö in den Raum fährt.

"Herein mein Fräulein, herein. Es ist schon kalt genug hier drinnen. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand erkältet."



Der kleine, dicke Diener hat, so gut es ihm möglich war, alle störenden Reste der hektischen Geschehnisse, die sich, wenig zierend, auf dem Boden oder sonst wo verbreitet hatten, entfernt und entsorgt. Es wird eigentlich schon wieder sehr gemütlich in der 'guten Stube'. Die Katze ist endlich dort wo sie hingehört, also nicht hier in der Suite, der Hund gibt, PRAios sei Dank, wohltuenden Frieden, die Herrschaften haben sich wieder um die Tafel versammelt und es scheint so zu werden, wie es sich für ein gesittetes Früchstück gehört, ein Schwätzchen hier, ein auch einmal ein Scherzchen dort, aber alles im protokollarischen Rahmen. Radisar fühlt sich sehr entspannt. Die Freifrau und ihre Gäste genießen das Mahl und Herrschaften, die zufrieden sind, haben nichts an einem Diener auszusetzen. Vielleicht nimmt der Tag doch noch einen angenehmeren Fortgang, als sich dies bisher angedeutet hatte.

Auch die junge Herrin ist mittlerweile zurück gekehrt. Radisar freut sich sie zu sehen, ihre frische, ungezwungene Art, mit allem Verständnis dafür, was sich gehört und was nicht, hat den kleinen Diener sehr beeindruckt.

Die Plaudereien am Tisch nimmt Radisar kaum noch wahr, es interessiert ihn nur wenig, was dort gesprochen wird. Er ist damit zufrieden, dass sich offensichtlich alle gut verstehen und keiner dem anderen, aus welchen Gründe auch immer, Gram sein könnte. Die Freifrau hat doch so ihre besonderen Vorstellungen und eine nahezu unverrückbares Weltbild, von dem sie selten, eigentlich gar nicht abweichen will, seine die Auseinandersetzungen darüber auch allzu heftig. Und so ist es auch schon passiert, dass solche Treffen, die zunächst friedfertig begannen, aber dann doch in Fehde und Streit endeten. Dass dies heute nicht so ist, beruhigt Radisar.

Der kleine Diener zieht sich unauffällig in ein dunkles Eck der Suite zurück. Von dort kann er jederzeit aufmerken, sollte er gewahren, dass nach seinen Diensten verlangt wird. Auf der anderen Seite hat er sich an jenem, doch mehr versteckten Ort, der allgemeinen Aufmerksamkeit soweit entzogen, dass er sich auch noch das eine oder andere Glas Wein genehmigen kann. Zwar hatte sich der kleine, dicken Diener unlängst geschworen, dem Alkohol zu widersagen, nachdem er damit sehr schmerzhafte Erfahrungen hatte machen müssen, aber Wein ist ja nicht wirklich Alkohol, meint zumindest Radisar .....

'Auf den Tag, möge er so harmonisch enden, so wie sich dies nunmehr andeutet!'



NORDSTERN - Oberdeck: Traumauges Rückzug


Bei einem solchen Wetter sollte eine kleine Katze nicht an Deck bleiben hat Mutter immer gesagt. Und jetzt wo sie nicht mehr da ist um ihn zu retten mus er sich wohl daran halten, will er nicht über bord gehen denkt sich Traumauge, der durch die Spritzer der letzten gewaltigen Woge doch ein wenig Nass wurde.

Flux tippelt er auf sanften Pfoten den Abgang hinab um in den schattigen Ecken es Unterdecks einen sicheren und Windgeschützten Schlafplatz zu finden.



NORDSTERN - Oberdeck: Perval's Tricks


Bevor Perval nach unten zum Smutje geht, kippt er den Inhalt des Eimers über Bord, nicht ohne allerdings vorher die zwei Lappen rauszunehmen. Oft, wenn er einen Eimer Wasser über Bord kippt, erinnert er sich an einen Spruch, den so mancher Passagier hätte vielleicht beachten sollen, bevor er des gleichen getan hat. - Spuck´ste nach Luv kommt ´s wieder ruf, spuck´ste nach Lee geht ´s in die See.



NORDSTERN - Oberdeck: Perval


Als Perval sich umdreht, entdeckt er Traviana, die in der Nähe des hinteren Niedergang steht. Kurz nickt er ihr zu, bevor sich zum vorderen Niedergang aufmacht. Der Seegang ist noch nicht stark genug, als das er besonders vorsichtig sein müsste und so kommt er schnell dorthin, wohin er möchte. Nämlich zum Schrank im Unterdeck, wo er den Eimer verstaut.

Mit den zwei alten Lappen, die jetzt so schmierig sind, dass man sie nicht wieder benutzen kann, in der Hand begibt er sich Richtung Kombüse. Auf dem Weg sieht er gerade noch den Riesen im Mannschaftsraum verschwinden. 'Immer noch völlig nass, der Alte. Soll´ man schleunigst seh´n, dat der in wat trockenes kämt und sich ´n wenig ausruht.'

Im Gang vor der Kombüse sieht Perval, dass sich dort noch einige Leute aufhalten. Auch sieht er wie die Bootsfrau in der Tür zur Messe steht, mit Sirgun im Arm. 'Na, da wird ick ma´ nich´ jetzt in de Gang luffen. Die Bootsfru will doch sicher hier jetzt durch, un´ die Sigrun in die Koje bringen. Muss ganz schön durchgefroren seen.'

So bleibt dann Perval zum zweitenmal innerhalb kurzer Zeit mit irgendwelchen Putzzeug in den Händen am Gangende stehen und wartet, das sich der Auflauf im Gang lichtet. 'Scheint irgendwie der beliebteste Platz hier `uf ´m Schiff zu sein. Hab´n wohl alle ´n ordentliches Magengknurren. Wat zwischen die Kiemen wär jetzt uch wirklich nich´ schlecht. Ma sehn´, ob der Smutje wat für ´n armen Seemann hät.'



Alles aufmerksam beobachtend steht Perval am Gangende. Nachdem kurz hintereinander dieser hellhäutige Matrose vor der Bootsfrau mit Sigrun im Arm und von einem Passagier begleitet an ihm vorbei Richtung Mannschaftsraum gehen und sich der Gang weiter leert, da noch andere Passagiere in der Messe und den Kabinen der Passagiere verschwinden und auch dieser unhöfliche Magier, den, den das Warzenschwein auch nicht ausstehen kann, aus dem Gang verschwindet, geht Perval nun endlich auf den Smutje zu und will ihn gerade ansprechen, als dieser nach dem davoneilenden Schiffsjungen brüllt.

'Upps, schient ´in schlechter Moment zu sin. Wenn ´s biem Smutje nich´ nur aus ´n Kesseln kocht, der Maat ma´ besser nich nach Essen fragt. - Werd´ ma´ besser warten, bis der abgekühlt is. Wer wiss, wat der inem sonst zum Essen gebt.'



NORDSTERN - Vordeck: Tribunal - Nirka ermittelt


Die Matrosen der NORDSTERN laufen eifrig auf dem Deck umher, und drehen das Gross-Segel in die Position, in der es den besten Vortrieb liefern kann. Dieser ist zwar verschwindend gering, wenn man ihn mit dem vergleicht, den das Segel noch vor gar nicht so langer Zeit auf dem offenen Meer geschafft hat, doch es genügt, um die Karavelle mit ausreichender Geschwindigkeit durch den Kanal zu treiben, der den Großen Fluss und das grosse Hafenbecken miteinander verbinden.

Die Bootsfrau lehnt am Sockel der Rotze und sieht zu, wie ihr knapper Befehl ausgeführt wird. Eingreifen muss sie nicht, denn die Bedienung eines einzelnen Segels ist wirklich extrem einfach, und die wichtige Steuerführung wird ohnehin von der Brücke aus gemacht.

So huschen ihre Gedanken kurz zu Sigrun nach unten, der sie einfach nach dem gefährlichen Sturz ins Wasser eine ganz lange Ruhepause "verordnet" hat, und ihr auch für diesen Tag ihre kleine Kabine überlassen hat. Doch auch eine etwas unangenehmere Pflicht wartet noch auf sie, die unbedingt vor dem Landgang und dem Verlassen des Schiffes noch erledigt werden soll - nämlich die Klärung des Streits zwischen dem Smutje und dem Schiffsjungen am Vortag, gerade zu der Zeit, als sie mit der Wärmung Sigruns beschäftigt war.

Die Bootsfrau hat die beiden bereits rufen lassen, und das ist auch der Grund, warum sie sich auf das Vordeck zur Rotze zurückgezogen hat - Gespräche dieser Art müssen nun wirklich nicht unter all den Matrosen auf dem Oberdeck geführt werden, die ungeachtet des Nieselregens hier oben arbeiten.



NORDSTERN - Unterdeck: Efferdan's Scheu


Uff, der Magier ist weg und die Passagierin hat ihn wohl endgültig vergessen. Gut! Efferdan löst sich wieder etwas von der Wand, an die er sich eben so flach wie möglich gepresst hatte.

Die neue Matrosin steht immer noch da.

Für einen Moment schreit ein Instinkt in ihm nach weglaufen, hinaus, weg von der Enge, den vielen Menschen, hin zur Stille, zur Weite, zur Kraft. Doch dann fällt dem Matrosen wieder ein, was er tun soll - und dass sich diese Matrosin gerade angeboten hat ihm zu helfen. Eigentlich hätte er viel lieber - wenn schon notwendig - mit jemandem zusammengearbeitet, den er schon etwas länger kennt... aber andererseits: erst einmal finden, fragen und so weiter. Da ist das hier einfacher, schließlich hat sie ihn gefragt, ob sie etwas helfen kann.

Wieder kommen ihm vier Worte in den Sinn, die eine gewisse Person vor gar nicht allzu langer Zeit zu ihm sagte: »Ihr solltet mutiger werden!«

Efferdan schluckt. Die Blinde muss unbedingt bald geborgen werden. Der Kapitän würde es bestimmt nicht gerne sehen, wenn er unbotmäßig lange bräuchte, um den Auftrag auszuführen. Also Mut gefasst - auch wenn Efferdan nicht wirklich weiß, woher er den nehmen soll.

Efferdan dreht sich etwas, so dass er Traviana wieder genau vor sich stehen hat, sieht scheu zu Boden und spricht sie dann aber, leise zwar, aber doch vernehmlich, mit seiner glockenhellen Stimme an:

"Nun... ihr könntet... gleich mir helfen, die Blinde... bergen. Mag mich nur... kurz ...umziehen."

Naja, das war doch schon ganz gut. Jedenfalls für seine Verhältnisse, oder?

Efferdan blinzelt hoffnungsvoll etwas vom Boden zur Matrosin auf. Hoffentlich hatte sie verstanden und würde gleich zur Blinde gehen um dort auf ihn zu warten. Er weiß nämlich nicht, ob er noch einmal soviel Mut aufbringen würde, sollte sie noch Fragen haben. Und außerdem hat der Kapitän gesagt, er soll sich noch was wärmeres anziehen...



Traviana sieht wie sich der Matrose ihr wieder zuwendet.

'ah, jetzt geht's wieder ans arbeiten...denke ich...'

Als der Matrose ihr sagt, was sie tun kann, wirkt er ziemlich zurückhaltend. Ja, er kennt sie schließlich kaum, aber er scheint sogar etwas ängstlich ihr gegenüber.

" Ja, okay. Ich kann ja schon mal vor gehen, und da auf dich warten..."

'Na endlich, jetzt hab ich wieder was zu tun...'

Traviana läuft auch gleich ein paar Schritte von dem Matrosen weg.....



Wenn er nicht über das Deck marschieren will, was wohl etwas komisch aussehen würde, besonders in den gestrengen Augen des Kapitäns, dann wird er wohl DA durch müssen. Außerdem ist ja der launische Magier an Deck, wie Efferdan einfällt.

So also ist der Beschluss gefasst. Es war ein Abwägen der Übel - und Efferdan hofft das kleinere gewählt zu haben...

er atmet zwei-, dreimal tief ein und aus, schluckt und macht sich - mit zugegebenermaßen weichen Knien - auf, den Gang zu durchqueren, um zum Mannschaftsquatier zu gelangen.

Da sind auch schon der Schiffsjunge und die junge Passagierin. Efferdan wispert ein schüchternes ..."Entschuldigung..." und versucht sich ganz schmal zu machen, um sich so weit wie nur möglich an den beiden vorbei zu quetschen...



Hatte er jemanden - die Götter? - verärgert, dass ihm nun auch noch so etwas passiert? Ausgerechnet ihm. Gerade hatte er sich glücklich an der jungen Passagierin vorbeimanövriert, als der Schiffsjunge sich mit einem scharfen Kommentar - das ihn ob des barschen Tons mal wieder zusammen zucken lässt - wieder an ihm vorbeischiebt. Und zu allem Überfluss ist der weitere Weg immer noch durch die Passagiergruppe vor der Messe versperrt. So bleibt ihm also gar nichts übrig, als stehen zu bleiben, wobei plötzlich wieder die junge Passagierin neben ihm steht. Auch das noch!

Hoffentlich gehen die Passagiere endlich alle dort hin, wo sie hingehören - weg von hier. Wo wollen die denn überhaupt alle hin? Und diese junge Frau...

Warum zwinkert sie ihm so zu? Will sie ihm etwa sagen? Aber was? Unsicher wirft Efferdan einen kurzen Seitenblick zur der Passagierin und sieht dann wieder verlegen zu Boden.

Vorsichtshalber drückt er sich wieder etwas gegen die Wand, um Abstand zu gewinnen. Sie war vorhin schon sauer auf ihn... hatte er wieder was falsch gemacht? Oder will sie sich entschuldigen? Nein, warum sollte sie? sie ist ja immerhin eine Passagierin und er nur ein einfacher Matrose.

»Bitte geht doch endlich alle« fleht Efferdan innerlich. Warum kann er nicht einfach in Ruhe und ungestört seine Arbeit machen?

Na wenigstens hat ihn niemand angesprochen. Noch! Efferdan hofft, dass es auch so bleibt.



Scheu aber doch aufmerksam hatte Efferdan gewartet. Eng an die Wand gepresst, bemüht so unauffällig wie möglich zu sein. Der Blick der jungen Passagierin hatte ihn einen eisigen Schauer über den Rücken jagen lasse. Sie scheint verärgert. Doch hoffentlich nicht über ihn. Warum sieht sie ihn so an?

Plötzlich ist da die Chance, auf die er gewartet hat. Der Thorwaler tritt etwas zur Seite, lang in die Kombüse hinein und der Zwerg ist auch nicht mehr direkt mitten im Weg. An dem jungen müsste er sich vorbei schlängeln gehen.

Und so stößt sich Efferdan etwas von der Wand ab und huscht - hast du nicht gesehen - durch die Lücke in der Menschenansammlung hindurch, darauf bedacht niemanden anzurempeln und - natürlich - leise "Entschuldigung" murmelnd...



Uff, das hat ja glücklicherweise geklappt. Jetzt aber etwas Beeilung, nicht das der Kapitän noch denkt, er würde trödeln.

Flink huscht Efferdan auch an dem auftauchenden Perval vorbei - natürlich so weit wie möglich Abstand haltend - und hofft, jetzt ohne Probleme die Mannschaftsquatiere erreichen zu können.

`Den Zwölfen sei dank`

Jetzt, da nicht mehr so viele Menschen um ihn herum stehen, fühlt er sich richtig erleichtert.

Aber oh weh - von hinten hört er bereits schon wieder Schritte. Verfolgt man ihn etwa? Efferdan beschleunigt seinen Schritt noch etwas, um wirklich gleich im Mannschaftsraum anzukommen.



Nach einigen wenigen Schritten hatte Efferdan den Mannschaftsraum erreicht und war eingetreten. Rasch war er durch das Halbdunkel in einer der hinteren Ecken, wo - vergleichsweise etwas abseits - seine Hängematte hängt gehuscht. Bemerkenswert sicher fand er seinen Weg durch das Gewirr der Hängematten, Seesäcke und anderer Dinge. Zum einen ist er den Weg schon hunderte Male gegangen, zum anderen mag es auch daran liegen, dass er schon immer gute Augen hatte, die ihn auch noch in diesem Zwielicht einigermaßen etwas erkennen lassen.

Bei seinen Sachen angekommen, kniet er sich hin, um seinen Seesack zu öffnen, alsauch schon weitere Personen den Mannschaftsraum betreten. Von seiner Warte aus kann er sie nicht richtig erkennen - und sie dürften, den Zwölfen sei Dank, ihn wohl auch nicht so einfach entdecken - doch er erkennt eine der Stimmen wieder. Die der Bootsfrau.

`Hoffentlich sieht sie mich nicht und denkt ich drücke mich vor der Arbeit.`

Rasch öffnet er die Riemen seines Seesacks, in dem sich seine andere Kleidung befindet, darauf achtend so still und unauffällig wie möglich zu sein...



So, die Bootsfrau und ihr... Begleiter haben ihn anscheinend nicht bemerkt. Soweit er es von hier aus erkennen kann, müssten sie vor der Kabine der Bootsfrau stehen. Oder sind sie vielleicht sogar schon drin? Efferdan vermeint zu vernehmen, wie die Bootsfrau von Sigrun spricht. Ob sie Sigrun sich dort ausruhen lassen?

Wieso nicht. Si braucht sicher Ruhe und in der Kabine der Bootsfrau ist es sicher ruhiger als im Mannschaftsraum. Was ihn überrascht, ist das die Bootsfrau ihre Kabine zur Verfügung stellt. Das hätte er nicht gedacht. Sie ist doch sonst immer so hart und streng... Man erlebt doch immer wieder Überraschungen. Obwohl... irgendwie hatte er sich schon oft gedacht, dass die Bootsfrau eigentlich doch ein gutes Herz hat...

Aber, was macht er sich da für Gedanken. Eigentlich geht ihn das ja nichts an. Stattdessen hat er noch etwas zu erledigen. Und vor allem sollte er sich umziehen. Die Matrosin wartet sicher schon auf ihn.

Efferdan kniet sich nieder und greift nach seinem Seesack. Schnell ist er mit flinken Fingern aufgebunden und geöffnet. Der Matrose greift hinein und holt eine sorgfältig zusammengelegte lange Hose, einen Lendenschurz und ein Hemd mit Ärmeln hervor.

Sorgsam sieht er sich um, dass niemand auf ihn achtet, dann schlüpft er aus dem Hemd. Ein Beobachter könnte nun an einem Lederband um den Hals mehrere Anhänger auf seiner schmalen, haarlosen Brust baumeln sehen. Ein hölzerner, schon ziemlich abgegriffener Delphin, eine metallene, sich windende Seeschlange und eine sorgsam gearbeitete Rose aus Lapislazuli, in die jemand seltsam anmutende Zeichen eingeschnitten (?) hat. Amulette, wie sie so viele Seefahrer tragen, um vor den Gefahren des Meeres geschützt zu sein.

Gleich darauf hat er sich auch seiner Hose und des feuchten Lendenschurzes entledigt. Eigentlich würde er sich nun gerne etwas abrubbeln, doch irgendjemand hat seine Decke weg genommen, wohl, um die beiden über Bord gegangenen zu wärmen.

Leise seufzend schlüpft er eben so in die frische Kleidung. Seine Haut ist ja nicht mehr wirklich nass...



Rasch hat Efferdan seine Sachen übergestreift. So ist es doch gleich besser, wärmer.

Jetzt sollte er sich auf den Weg zur Blinde machen, die Arbeit wartet.

Und so wie das Schiff schaukelt, ist der Seegang noch immer recht ordentlich. Hoffentlich reißt die Blinde nicht ab. Umso wichtiger ist es also, sie zu bergen.

Wenn nur die Menschen dort vorne nicht wären. Wie es scheint, ist noch eine weitere Person dort vorne angekommen. Und der Stimme nach bestimmt kein Matrose.

Aber die Pflicht ruft und es ist wichtig, das die Blinde geborgen wird. Und was soll der Kapitän von ihm denken, wenn er so lange braucht? Efferdan erschreckt die Vorstellung, der Kapitän könnte denken er wäre faul oder unzufrieden mit ihm sein.

Also macht er sich - trotz der Passagiere im Mannschaftsraum - auf den Weg. er versucht so leise und unauffällig wie möglich den "Ausgang" zu erreichen. Vielleicht sind sie ja so beschäftigt, dass sie ihn nicht bemerken..

'Und hoffentlich erholt sich Sigrun wieder' fügt er in Gedanken hinzu. Was wäre, wenn man sie erfolgreich aus dem Wasser gefischt hätte und sie schlussendlich doch durch Krankheit verlöre? Schrecklich!

Vorsichtig schiebt sich Efferdan an den Hängematten vorbei, huscht die letzen paar Schritte zum Durchgang und geht flink hindurch. Rasch legt er den Weg zum vorderen Aufgang zurück, hofft, dass er von herumstehenden Personen nicht beachtet wird - dann muss er sie nämlich auch nicht um sie kümmern - und steigt flink dann flink hinauf, zum Oberdeck.

Dort bliebt er für einige Augenblicke stehen, blinzelt in das Licht und versucht sich einen Überblick zu verschaffen.

'Es ist wohl wirklich an der Zeit die Blinde zu bergen.'

Glücklicherweise - naja, wenigstens im Sinne der Arbeit - steht die neue Matrosin schon an Deck und wartet. Schüchtern nickt er ihr zu, quasi eine Aufforderung, ihm zu folgen, und läuft dann flink und sicher über das Deck, zum Aufgang, der auf das Vordeck führt. An der Blinde bleibt er stehen, tritt etwas nach backbord und wartet, bis die Matrosin eintrifft um dann gleich mit der Arbeit anfangen zu können...



NORDSTERN - Oberdeck: Traviana


Traviana läuft also in Richtung des hinteren Aufgangs. Sie ist recht schnell dort angekommen, und läuft diesen dann auch hinauf. Schon auf dem Weg spürt sie, wie von Oben die kühle Luft herunter kommt. Es fröstelt sie kurz. Aber sie gewöhnt sie schnell an die Kälte.

Nun steht sie oben an Deck. Sie sieht sich zuerst kurz um. Es ist nicht sehr viel los. Vorallem, wenn man bedenkt, dass sie das letzte Mal an Deck gewesen ist, als die Rettungsaktion lief, da war es natürlich schon recht voll an Deck.

Aber jetzt nicht.

Traviana wartet oben an Deck nun auf den Matrosen. Zum ersten Mal hat sie ein bisschen Zeit für sich. Sie war die ganze zeit beschäftigt gewesen. Sie sieht eine Zeit lang auf das weite Meer hinaus. Es scheint unendlich weit. Sie denkt an ihre Familie und ihre Heimat.

Der Wind weht in ihre Haare, und obwohl diese zu einem Zopf geflochten sind, wehen sie im Wind.

Auch in ihr Gesicht weht der Wind. Sie blickt weiter auf das Meer. Die Wellen verteilen sich über das Wasser. Traviana sieht einigen Wellen ein Stück nach. Sie kann ist nicht ganz verfolgen, denn sie sieht nicht über die Reling. Aber manchmal hört man, wie die Wellen das Schiff berühren. Sie schließt ihre Augen für einen Moment und genießt nur den Wind, der ihren ganzen Körper abkühlt.

Und wieder hört sie die Wellen. Eine, und noch eine, und dann eine dritte.

'das ist ja ein Wetter.....'

....



..... Traviana sieht noch einen Moment aufs Meer.

'es ist einfach wunderschön....'

Vorallem beeindruckt sie wohl diese unendlich scheinende Weite. Und dieses Schiff ist mittendrin. Außen herum nichts. Sie ist früher zwar auch schon oft auf dem Meer gewesen, aber das Meer hatte auf sie nie so einen Eindruck gemacht...

Sie ist noch einige Momente abwesend, aber kehrt dann wieder zurück aus dieser Gedankenwelt. Wieder zurück an Bord der NORDSTERN. Wahrscheinlich war das, als Perval in ihrer Nähe vorbeiläuft. Er nickt ihr zu. Traviana lächelt ihm zu.

'ach ja, richtig...'

sie erinnert sich an das Frühstück, dass wegen der Rettungsaktion nicht stattgefunden hat. Naja, jetzt hat sie zu tun...

"Wo bleibt nur dieser Matrose?"

Sagt sie leise zu sich selbst. Sie sieht sich auf dem Deck um.

'ahja, ich soll ihm bei der Blinde helfen. Aber ich warte lieber auf ihn...'

Sie läuft aber schon mal ein paar Schritte dorthin, nur ein Stück in die Richtung. Denn da gleitet ihr Blick noch einmal über das Meer.....



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Rahja's Segen - Torin und Níalyn


Doch Torins aufmunternde Worte scheinen bei Níalyn nicht auf fruchtbaren Boden zu fallen. Das zumindest muss er bei den ersten Silben, die sie spricht, merken. Ihre traurige Stimme und die Gänsehaut auf ihrem Rücken, die er nun unter seiner Hand spüren kann lassen sein Lächeln verschwinden.

Stumm und gespannt hört er ihren leisen Worten zu. Als sie sich an ihn schmiegt, kann er nicht anders, als sie wie ein kleines, verängstigtes Kind an sich zu drücken. Körperlich kann er ihren Hilfeschrei spüren, als sich ihr noch immer feuchter Körper an den seinen schmiegt. Deutlich spürt er ihre kalten Brüste auf seiner Haut. Und nicht nur er scheint diese mehr als nur angenehme Berührung zu merken. Auch jener Teil seines Körpers, der in den letzten Minuten eher ruhig auf seinen Auftritt gewartet hat, sieht seine Zeit jetzt als gekommen an.

'Miu pikusch! Wie kann ich gerade jetzt heiß werden? Wieso passiert gerade mir immer so etwas?'

Bisher scheint die sich tiefer in seine Arme kuschelnde Níalyn nichts von Torins aufkommenden Problemen zu merken. Doch wie lange liesse sich so etwas verbergen? Und nicht nur das, zudem meint Torin zu spüren, dass sich seine Wangen leicht erwärmen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sich auch dort mehr Blut ansammelt als gewöhnlich.

Froh darüber, dass sich Níalyn sich wieder etwas von ihm löst um zu ihrem vermeintlichen Bruder zu blicken, glaubt Torin die Situation glimpflich überstanden zu haben. Jedoch nur, um im nächsten Augenblick zu merken, dass sie sich nun wieder zu ihm hinwendet.

Ihr Lächeln dringt tief in ihn ein. Mitten in sein Herz scheint sie nun blicken zu können und die Wärme in Torins Gesicht nimmt schlagartig zu.

Torin muss erst einmal trocken schlucken, bevor er sprechen kann.

"Ja."

Mehr bringt er erst einmal nicht über die Lippen. Dann jedoch drängt sich ihm ein Gedanke auf die Lippen und bevor er sich versehen kann, hat er ihn auch schon ausgesprochen.

"Und das ist der Grund, warum ihr nicht mehr zurück in euere Heimat und zu euerem Kind könnt?"



'Er ist rot im Gesicht. Direkt niedlich so etwas bei einem erwachsenen Mann zu sehen!'

Níalyn lächelt Torin noch herzlicher an, als sie seine Röte entdeckt. Mehr und mehr kommt eine angenehme Wärme in ihr auf, die nicht nur körperlich wirkt. Doch dann spricht Torin etwas an, was sie bis eben verdrängt hatte.

"Mein Kind?"

Langsam löst sie sich wieder etwas von ihm, denn dieses Thema, ist in diesem Moment höchst unpassend! Aber dennoch bleibt sie noch nah genug bei ihm. Lediglich ihr Oberkörper hat sich ein wenig von seinem gelöst.

"Nun," beginnt sie langsam, "was meine 'Heimat' angeht, so kehre ich zurück - mehr oder weniger freiwillig. Ich stamme aus Havena - die Stadt, die wir als nächste anlaufen."

Ein eiskalter Schauer erfasst ihren dünnen Körper.

"Ich würde gerne meine Heimatstadt wiedersehen, aber andererseits... ich fürchte mich ein wenig davor, bekannte Gesichter zu sehen. Sie werden mich fragen, was ich mache! Aber vielleicht werden sie mich übersehen, weil ich mich verändert habe oder sie erinnern sich nicht mehr an mich."

'Warum muss er mich jetzt gerade daran erinnern?'

"Ach Torin," seufzt sie leise, "warum soll ich mir darum hier und jetzt Sorgen machen?"

Mit diesen Worten drückt sie sich wieder etwas näher an ihn heran, blickt ihm tief in die Augen und ... spürt etwas. Irgendwas scheint von unten gegen seine Wolldecke zu drücken. Irgendwas in seinem Schoss... Höllische Hitze macht sich auf ihren Wangen breit, denn es ist ihr sehr wohl klar, was 'es' ist. Doch gleichzeitig lähmt sie diese Erkenntnis kurzzeitig.

'Er ist.... scharf auf mich? Auf mich dürre Bohnenstange? Aber ... naja ... andererseits ... wir sind ja sowieso schon recht weit gegangen. Das war eigentlich gar nicht so unangenehm... im Gegenteil!'

"Sag, Torin," fängt sie bedächtig an, "wo waren wir eigentlich vorhin stehen geblieben?"

Bei diesen Worten gleitet ihre Hand wie zufällig kurz über seinen Schoß.



Als sich Níalyns Oberkörper von dem seinen entfernt, spürt Torin wieder die kühle Kabinenluft auf seiner Haut. Sehr wohl hat er bemerkt, dass das von ihm gewählte Thema nicht unbedingt in die Stimmung passt. Aber zu gross war seine Neugier gewesen als dass diese Frage hätte unausgesprochen hätte bleiben dürfen. Wie gerne würde er mehr über sie und ihr Seelenleben erfahren, doch Níalyns Antwort fällt mehr als dürftig aus. Dafür nähert sie sich ihm leise seufzend. Doch noch bevor er sie wieder an sich drücken kann verändert sich ihr Blick abermals.

'Was hat sie? Will sie mir nun doch verraten, was mit ihrem Kind ist?'

Doch die plötzliche Röte in ihrem Gesicht lässt ihn schnell erkennen, dass sie ihm diese Antwort auch weiterhin schuldig bleiben wird. Dafür schießt ihm ein anderer Gedanke in den Kopf.

'Oh nein! Sie wird doch nicht. - Miu pikusch ist das peinlich!!!'

Und wirklich! Kaum dass er diesen Gedanken zu Ende gebracht hat, streicht sie auch schon über seine Wolldecke. Das leichte Zucken, welches sich für einige Momente darunter abspielt, kann Torin nicht kontrollieren. Eben so wenig wie die knallige Röte, die seine Wangen nun letztendlich angenommen haben.

Unfähig, im Augenblick etwas zu sagen, blickt Torin über Níalyns Schulter auf den Boden. Ihr nasse Kleidung liegt noch immer unberührt vor ihrer Koje. Nur die dunkleren Streifen auf dem hölzernen Boden zeugen von der Nässe, die noch immer darin enthalten ist. Durch das Geschaukel des Schiffes verteilen sich die dunklen Streifen wie ein Netzwerk über den Boden. Als er zwischen all den kleinen Wasseradern die fast schon getrockneten Fussabdrücke seiner Níalyn entdeckt, kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Und mit diesem Lächeln kehrt nicht nur seine Sprache wieder zu ihm zurück.

"Níalyn, meine Holde." flüstert er leise. "Ich hatte keine Ahnung, wie leer mein Leben war bis ich dich traf."

Wie hatte Vater Rotmarder immer wieder gesagt:

'Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss!'

Sanft zieht Torin Níalyn zu sich heran und drückt seine leicht geöffneten Lippen auf die ihren.



Torins Worte füllen Níalyns Herz mit einem solchen Glücksgefühl, wie sie es schon lange nicht mehr gespürt hat - so kommt es ihr zumindest vor. Auch sie erwidert seinen leidenschaftlichen Kuss und presst ihren Körper näher an seinen heran.

'Torin Rotmarder - hätte ich gewusst, wie du wirklich bist, hätte ich dir wohl nicht meinen Dolch an die Stirn gerammt!'

Ganz leicht verziehen sich ihre Mundwinkel, während sie ihn auch weiterhin küsst.

'Irgendwie ziemlich verrückt....'

Noch während sie an die vergangenen Begegnungen mit ihm denkt, streicht sie ihm zärtlich über seinen Rücken.



Auch Níalyn presst ihre Lippen gegen die seinen. Und nicht nur das, schon spürt er, wie ihre Zunge den Weg zu der seinen sucht und findet. Das Gefühl der beiden spielenden Zungen breitet sich wellenartig in seinem ganzen Körper aus. Wohlige, angenehme Wellen der Leidenschaft lassen Torin die kalte und schaukelnde Umgebung vergessen.

Sekunden oder Minuten mögen vergangen sein, er könnte es nicht sagen als er sie schließlich leicht nach hinten drückt und sich von ihrer verlangenden Zunge löst.

"Du meine kleine Diebin." flüstert er verliebt.

'Ihre Augen, sie glänzen so schön.'

Vorsichtig tasten sich seine Finger zu ihren Brüsten. Heiß ist ihm, und doch zittern seine Finger als er über die weiche Haut streicht.

'Sie hat kleine Brüste.' kommt ihm in den Sinn. Doch seine unwillkürlich zuckende Schulter gibt ihm die Antwort auf die nicht gestellte Frage, ob dies wirklich von Bedeutung ist.

Torin spürt die Hitze in seinem Körper und er weiß, dass seine Níalyn ebenso fühlt wie er.



Wieder bekommt Níalyn eine Gänsehaut, als Torin sie an ihren Brüsten berührt. Sie lässt sich vollkommen nach hinten fallen. Möge passieren, was passieren möchte - sie will jetzt nur noch Torins Nähe genießen! Dabei vergisst sie auch langsam die anderen Gäste in der Kabine und auch die Tatsache, dass vielleicht ein anderer hinein gestürmt kommen könnte, schiebt sie weit nach hinten.

"Ich hab' dein Herz gestohlen," flüstert sie leise.

Auch wenn Níalyn bzw. Phexane vielleicht nicht gerade immer einen besonders attraktiven Eindruck auf Männer macht, so ist die Art und Weise wie sie nun, bis auf die Decke nackt, auf der Koje liegt, mit den feuchten schwarzen Haarsträhnen um sie herum wild verteilt und dem reichlich lüsternen Blick in ihren braunen Augen mehr als nur attraktiv...

Sanft zieht sie Torin zu sich hinab und öffnet ihren Mund wieder leicht, um ihm den nächsten, längeren Kuss auf seine Lippen zu geben.



Als sie sich nach hinten fallen lässt, hat Torin Gelegenheit ihren schönen Körper zu betrachten. Ihre weiche Haut, ihre kleinen Brüste und deren Spitzen, die sich ihm erwartungsvoll entgegenrecken. Die leichte Gänsehaut, die ihre Brüste umspannt, all das nimmt er auf, bevor er spürt, wie sich dieses kribbelnde Gefühl auch in seinem Körper ausbreitet.

Torins Blicke streichen sanft von ihren Brüsten hinauf über ihren Hals mit dem Anhänger bis zu ihrem schönen Gesicht. Laut kann er sein Herz schlagen hören. Gefüllt mit einem Glücksgefühl, welches schon so lange nicht mehr über ihn gekommen war. Aufregung und Wollust begleiten dieses Glücksgefühl und Torin wünscht sich nichts sehnlicher, als dass dieser Augenblick nie mehr endet.

"Gib es nimmer her." ist alles, was Torin noch über seine Lippen bringt, bevor Níalyn ihn zu sich hinunter zieht und ihn mit einem weiteren leidenschaftlichen Kuss empfängt.



Níalyn spürt, wie sie auf den Wellen der Lust vollkommen weggetragen wird. Sie umarmt Torin und drückt ihn, während sie ihn küsst, näher an sich heran.

'Mehr... ich will mehr von ihm... '

Langsam streichen ihre Hände 'zufällig' zu seiner Wolldecke, die noch immer seine Lendengegend verdeckt.

"Die brauchst du nicht wirklich," flüstert sie ihm leise ins Ohr, während sie versucht die Decke zur Seite zu schieben.



Als Níalyn die wollene Decke über seinen Po zu Boden gleiten lässt, merkt Torin sehr wohl wie sehr ihn diese gewärmt hat. Doch er denkt sich nur: 'Was solls!', während er zärtlich an Níalyns Ohr knabbert.

Sanft streicht er mit der Hand durch ihr langes, schwarzes Haar. "Du bist wirklich sehr schön." spricht er seine Gedanken aus. Langsam rutscht er tiefer auf der schmalen Liegestätte. Sanft küsst er ihren Hals um sich dann langsam bis zu ihren erregten Brüsten zu wagen.

Wogen der Hitze durchfahren ihn als seine Zunge endlich mit ihren erregten Knospen spielt. Er hört die leisen und doch spitzen Seufzer Níalyns und weiß, dass sie dieses Spiel ebenso genießt wie er.

Immer schneller und verlangender werden die Bewegungen seiner Zunge und seiner Lippen an ihren Brüsten. "Lass uns Rahja huldigen." bringt Torin noch keuchend hervor, dann saugen sich seine Lippen auch schon wieder verlangend an ihren Brüsten fest.



Níalyn antwortet Torin auf seine Aufforderung auf ihre Weise - sie schiebt auch ihre Decke zur Seite. Sie spürt kurz die Kühle der Gemeinschaftskabine, aber die ist angesichts Torins Liebkosungen schnell überwunden.

Während er ihre Brüste verwöhnt, streichelt sie verspielt durch seine Haare und lässt sich dabei genießerisch fallen. Ein leiser, erregter Seufzer entgleitet ihren Lippen, der sich dann allerdings in einen kurzen Klang wandelt, der sich wohl am ehesten mit dem Schnurren einer rolligen Katze vergleichen liesse.

In ihren gesamten Körper kommt auf einmal und unvorhersehbar Bewegung - sie packt sich Torin an seinen Schultern, rollt herum und legt sich dann auf seinen Körper. Frech und wollüstig gleichzeitig lächelt sie ihn an, während ihre Hände von seinen Schultern hinab an seinen muskulösen Armen hinab streichen. Dann erreicht sie seine Handgelenke, die sie rasch umfasst und leicht auf die Koje drückt.

"Glaube aber nicht, dass ich nur untätig daliege," haucht Níalyn ihm zu und küsst sie ihn wieder leidenschaftlich auf seinen Mund, wandert küssend hinab über sein bärtiges Kinn, seinen Hals, seine Brust, seine Brustwarzen, die sie kurz mit ihrer Zunge umkreist, seinen Bauch ....



Torin spürt, wie sich seine Nackenhaare bei Níalyns Schnurren aufstellen. Die wohligen Schauer auf seiner Haut wollen scheinbar nicht mehr enden. Begierig atmet er ihren Duft ein. Nie mehr wird er diese Frau gehen lassen. Einer Aufforderung gleich streichen ihre Hände durch sein Haupthaar. Leidenschaftlich küsst er ihre Brüste und merkt dabei nicht, dass das kleine Biest ihre Wolldecke längst von ihrem schmächtigen Körper gestreift hat.

Dann reißt sie ihn plötzlich herum und Torin kann nur von Glück sagen, dass er mehr aus Reflex als aus Reaktion den Kopf eingezogen hat. Kaum mehr als eine Hand hätte noch zwischen die Kojendecke und seinen Kopf gepasst. Und ehe er sich versieht, liegt diese zierliche Person auf ihm und schmiegt sich schamlos an ihn.

Ihr braunen Augen funkeln ihn frech an. Ihr Mund zeigt eine geradezu kindliche Freude darüber, dass sie ihm bewiesen hat, dass er sie nicht unterschätzen sollte. Er fühlt, wie ihre Hände sanft auf der Suche nach den Seinen über seine Arme fahren. Doch schon bei den Handgelenken greift Níalyn - oder sollte es Phexane sein? - zu und drückt ihn auf die Koje.

Den danach folgenden Satz hat sie kaum ausgesprochen, als sie sich schon wieder zu ihm hinunterbeugt um ihn abermals leidenschaftlich zu küssen. Doch das Spiel der Zungen dauert dieses Mal nur kurz, denn schon löst Níalyn ihre weichen Lippen wieder von den seinen.

Als ihre Küsse über seinen ganzen Körper wandern, hat er endlich Zeit, ihr ein leises "Das ist mir ganz recht, du Wildkatze!" zu zu hauchen. Torin schließt genießerisch seine Augen als ihre spielerische Zunge seinen Bauchnabel erreicht. Doch nur, damit er sie schlagartig wieder aufreißen kann. Er spürt, wie sein Körper die abgestandene Kabinenluft einsaugt. Langsam scheint ihm die Kontrolle über dieses Spiel abhanden gekommen zu sein.

'Das wollen wir doch mal sehen, du kleines Biest!' schießt es ihm durch den Kopf und so löst sich Torin gewandt aus Níalyns Griff und zieht die Schwarzhaarige zu sich hoch.

"Ich will dich!" keucht er atemlos. "Ich will dich mehr als ich sonst etwas will!"



Níalyn hat nicht unbedingt erwartet, dass Torin sie 'im letzten Moment' zu sich hochzieht. Kurz blickt sie ihn überrascht und ein wenig verwundert an. Doch die Worte, die er nun über seine Lippen bringt, lassen sie wieder lächeln.

"Nun," antwortet sie ihm ebenso, "worauf wartest du dann noch?"

Sie spürt den erregten Körper Torins unter sich. Seine Brust und auch sein Bauch auf dem sie noch sitzt, heben und senken sich mit jedem seiner schnellen Atemzüge. Sie fühlt die Hitze in sich und spürt seine Erregung.

Frech und lüstern spielen sie und Torin in ihren Gedanken schon die tollsten Liebesspiele. Ungebändigt fallen sie übereinander her und sie kann nicht umhin, ihren Mund leicht zu öffnen und mit der Zunge leicht ihre eigenen Lippen zu befeuchten. Dann grinst sie ihn an und rutscht vorsichtig über seinen Körper nach hinten. Tief saugt sie die Luft ein als er endlich in sie eindringt. Ihr Körper taumelt wie in Trance nach vorne. Der laute Seufzer, den sie mit der eingeatmeten Luft ausstösst, hallt überlaut durch die Gemeinschaftskabine.

"Torin..." keucht sie kaum hörbar. "Mach mit mir, was du willst."



NORDSTERN - Auf der Brücke: Der Kapitän auf Sturmfahrt


Donnernd klatscht ein Brecher an den Bug der NORDSTERN, wirft die nicht wirklich festgemachte Blinde wild durch die Gegend, und ergießt sich schließlich als Sturzregen auf das Vordeck.

Knapp zwanzig Schritt weiter achtern kurbelt der Kapitän das Steuer hart herum, um das Schiff gegen den seitlichen Zug der Welle, die den Bug herumzudrehen versucht, auf dem Kurs zu halten. Es gelingt ihm knapp auf Kosten einiger recht harter Bewegungen der Karavelle, dann muss er das Steuer rasch wieder in die entgegengesetzte Richtung rotieren lassen, damit das gedrehte Ruderblatt das Schiff im Wellental nicht vollkommen aus der Richtung kommen lässt.

Es ist eine harte und verantwortungsvolle Arbeit, aber sie macht Jergan Spaß - dieser ständige Kampf mit den Elementen um das Schiff und dessen Kurs.



Gebrülle von weiter unten, trotz der tosenden Wogen zu hören, lässt den Kapitän kurz aufhorchen, doch dann wendet er sich wieder dem Steuer zu. Es ist recht normal, dass auf einem Schiff rum gebrüllt wird, und so genau hat er nun auch nicht hingehört, um einzelne Worte zu verstehen. Außerdem weiß er, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen kann, und sie ihn verständigen werden, wenn es ein Problem gibt, das nur er zu klären vermag.

So sind die lauten Worte fast sofort wieder vergessen, denn natürlich erfordert schon die nächste Woge wieder extrem viel Aufmerksamkeit von ihm, wenn er nicht möchte, dass es die angeschlagene und noch nicht geborgene Blinde vollends weg reißt, oder dass das ganze Deck überflutet wird.



NORDSTERN - Vordeck: Tribunal - Nirka ermittelt


Die Matrosen der NORDSTERN laufen eifrig auf dem Deck umher, und drehen das Gross-Segel in die Position, in der es den besten Vortrieb liefern kann. Dieser ist zwar verschwindend gering, wenn man ihn mit dem vergleicht, den das Segel noch vor gar nicht so langer Zeit auf dem offenen Meer geschafft hat, doch es genügt, um die Karavelle mit ausreichender Geschwindigkeit durch den Kanal zu treiben, der den Großen Fluss und das grosse Hafenbecken miteinander verbinden.

Die Bootsfrau lehnt am Sockel der Rotze und sieht zu, wie ihr knapper Befehl ausgeführt wird. Eingreifen muss sie nicht, denn die Bedienung eines einzelnen Segels ist wirklich extrem einfach, und die wichtige Steuerführung wird ohnehin von der Brücke aus gemacht.

So huschen ihre Gedanken kurz zu Sigrun nach unten, der sie einfach nach dem gefährlichen Sturz ins Wasser eine ganz lange Ruhepause "verordnet" hat, und ihr auch für diesen Tag ihre kleine Kabine überlassen hat. Doch auch eine etwas unangenehmere Pflicht wartet noch auf sie, die unbedingt vor dem Landgang und dem Verlassen des Schiffes noch erledigt werden soll - nämlich die Klärung des Streits zwischen dem Smutje und dem Schiffsjungen am Vortag, gerade zu der Zeit, als sie mit der Wärmung Sigruns beschäftigt war.

Die Bootsfrau hat die beiden bereits rufen lassen, und das ist auch der Grund, warum sie sich auf das Vordeck zur Rotze zurückgezogen hat - Gespräche dieser Art müssen nun wirklich nicht unter all den Matrosen auf dem Oberdeck geführt werden, die ungeachtet des Nieselregens hier oben arbeiten.




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