- Logbuch der NORDSTERN -

Im Hafen von Salzerhaven (Teil 1: Aufregung am Kai) - 26. Efferd, 28

NORDSTERN : Nach Salzerhaven


Die nächsten Stunden vergehen auf den beiden Schiffen relativ ruhig - ruhig gemessen an der Aufregung an Bord, die auf die erste Entdeckung des Wracks gefolgt ist. Im Vergleich zur normalen Routine an Bord sind diese Stunden jedoch alles andere als ruhig: Die NORDSTERN muß mit wesentlich weniger Mannschaftsangehörigen als üblich betrieben werden, und das unter den Bedingungen ständiger Anspannung, denn die Schleppfahrt belastet Schiff und Takelage in gleicher Weise wie die Menschen, die an Bord arbeiten. Dazu kommt noch die Anspannung durch die relative Ungewißheit über das, was wirklich passiert ist. Zwar hat Lowanger von der ZYKLOPENAUGE aus hinüber signalisieren lassen, was man dort vorgefunden und gemacht hat, aber auch damit bleiben sehr viele Rätsel offen und ungelöst - bieten also genug Stoff für Gedanken, Sorgen, Befürchtungen und Hoffnungen.

Auch auf dem anderen Schiff, der ZYKLOPENAUGE, ist die Belastung der Menschen hoch. Zwar haben sie nicht wirklich schwere Arbeit zu verrichten, um das Schiff am Leben zu erhalten, aber sie sind unausweichlich von den traurigen Spuren der Katastrophe umgeben, die die Reise dieses Schiffes so abrupt beendet hat. Die Toten selbst hat man mit den reichlich vorhandenen Segeln abgedeckt, um sie dann in Salzerhaven geweihter Hand zu übergeben, was viel göttergefälliger ist als eine "massenhafte" Seebestattung auf der Fahrt. Aber trotzdem bleibt das Wissen um die Toten, und die übrigen Spuren der Katastrophe sind deutlich an Bord zu sehen. Selbst das ist noch nicht genug, dazu kommt noch die Unsicherheit über den Zustand des Schiffes - wird es bis Salzerhaven durchhalten, oder wird es aus irgendwelchen Gründen doch noch sinken - vielleicht sogar recht plötzlich und unerwartet? Dazu kommen die Sorgen um das bewußtlose Mädchen, das man in die am besten erhaltene Kabine hinuntergebracht hat - zusammen mit dem Bewußtsein, daß alles, was irgendwie getan werden konnte, getan ist. Und gerade das Wissen, daß jemand leidet, man aber nichts für ihn tun kann, ist ziemlich belastend für alle Beteiligten. Dann gibt es noch eine rätselhafte Schnecke, die nach so ziemlich übereinstimmender Meinung derer, die sie betrachtet haben, eine Purpurschnecke ist, und nun in einem Kasten eingesperrt den Rest der Fahrt mitmachen muß - vielleicht mag sich noch jemand finden, der damit etwas anzufangen versteht.

Das einzige, das den sechs von der NORDSTERN kommenden Menschen auf der ZYKLOPENAUGE so etwas wie Sicherheit und Geborgenheit verspricht, sind die beiden Trossen - die eine, die das Schiff mit der schleppenden NORDSTERN verbindet, und die zweite, viel schwächere und kürzere, die das kleine Beiboot der rivaer Karavelle hinter der ZYKLOPENAUGE zieht.

Trotz all der tragischen Ereignisse und der komplizierten Bedingungen bringen die Stunden nach dem Beginn der Schleppfahrt jedoch auch wenigstens einige gute Dinge:

Da ist zum einen der Wind. Seit der Abfahrt in Thorwal, die nun schon zwei volle Tage auf See zurück liegt, hat er stark genug geweht, um das Schiff gut voranzutreiben, wobei ein leichter Trend zum weiteren Auffrischen zu erkennen war. Dieser Trend hat während der Stunden nach der Begegnung mit dem Wrack weiter zugenommen, so daß die See etwas schwerer geworden ist, der Wind zum Segeln aber immer noch sehr gut geeignet ist. Lediglich etwa eine Stunde vor der erwarteten Ankunft in Salzerhaven läßt Jergan die Segelfläche geringfügig reduzieren, um die Masten zu entlasten. Ansonsten stören weder Wind noch Seegang sehr, denn der Druck der Segel verhindert zumindest auf der NORDSTERN das Schaukeln des Schiffes. Auf der ZYKLOPENAUGE ist es eher das Wasser, das die Bilge überflutet hat und trotz der Tatsache, daß einiges davon umher schwappen kann, doch auch eine stabilisierende Wirkung hat, zumal das Schiff durch die fehlenden Masten einen recht niedrigen Schwerpunkt hat. Das einzige, was bei diesem Seegang recht ungemütlich werden würde, wären weitere Bootsmanöver.

Für diese gibt es jedoch während der Fahrt nach Salzerhaven keinen Anlaß, denn der Wassereinbruch auf der ZYKLOPENAUGE hält sich sehr in Grenzen, was das nächste Gute ist, das den Menschen der beiden Schiffe widerfährt. Der Tiefgang steigt zwar um etwa einen weiteren halben Schritt, aber das hat zugleich den positiven Nebeneffekt, daß die Schlagseite, die das Laufen auf dem relinglosen Deck vor allem bei Seegang gefährlich macht, fast völlig verschwindet, weil das sich besser verteilende Wasser für einen Ausgleich sorgt.



Der Beginn der Dämmerung ist bereits deutlich zu erahnen - die Sonne ist bereits vor einer ganzen Weile hinter dem westlichen Horizont verschwunden, aber das hat niemand so gesehen, da die mittlerweile als Folge des stärker gewordenen Windes aufgezogenen Wolken die Sicht verdecken, als Orgen, der die ganze Zeit den Ausguck auf dem Großmast besetzt hat, östlich der NORDSTERN die Gestade des Umlandes von Salza und Salzerhaven entdeckt.

"Land voraus!"

Der Ruf wird ausnahmslos mit Freude begrüßt, vor allem auch auf der ZYKLOPENAUGE, wohin Jergan ihn weiterrufen läßt, denn so etwas wie einen Ausguck kann man sich da nicht leisten - zum einen fehlen die Leute dazu, und zum anderen auch ein geeigneter hoher Punkt auf dem Schiff.

Jergan sieht kurz zu Fiana hinüber, die ebenfalls seit Beginn des Schlepps am Steuer steht, und dann weiter zum Wasser und zu den Segeln. Seit der letzten Kursänderung, die das Schiff in Richtung von Salzerhaven gedreht hat, liegt ein fast exakter Ostkurs an, so daß das Schiff fast genau vor dem Wind läuft. Normalerweise macht es mehr Fahrt, wenn der Wind von dwars (#seitlich#) kommt, aber bei der derzeitigen Windstärke und der Behinderung durch das geschleppte Wrack spielt dieser Unterschied kaum eine Rolle. Knapp fünf Knoten mögen es jetzt sein, eine Geschwindigkeit, die zu Beginn der Schleppfahrt unmöglich erschien, aber jetzt durch den stärkeren Wind möglich ist.

"Ich übernehme!" entscheidet der Kapitän dann, und tritt auch sogleich an das Steuer. Er ist nämlich fest entschlossen, selbst am Steuer zu stehen, wenn die NORDSTERN die nicht ganz einfache Hafeneinfahrt macht, und da möchte er vorher noch ausreichend Gelegenheit haben, sich an das Reaktionsverhalten des Schiffes während des Schlepps zu gewöhnen.

Fiana tritt vom Steuer zurück, einerseits froh, abgelöst zu werden, aber andererseits auch ein wenig traurig, denn sie steht gerne am Steuer. Doch das Wort des Kapitäns ist Gesetz...

Jergans Gedanken sind in dem Moment allerdings weniger bei der ersten Offizierin, sondern beim zweiten Offizier, der drüben auf der ZYKLOPENAUGE die Verantwortung trägt. Der arme Lowanger hatte die morgendliche Wache auf der NORDSTERN, die noch vor dem Morgengrauen begonnen hat, und von der Nirka ihn Mittags abgelöst hat, kurz bevor das Wrack gefunden wurde. Das ist ein langer Tag für den Offizier, der ja kaum Zeit zum Ausruhen hatte, ehe Alrik ihn auf das Geheiß des Kapitäns hin geweckt hat...



In SALZERHAVEN: 'Zur springenden Salzerelle'


Lärm und der Lichtschein einiger Öllampen dringt aus der am Hafen gelegen Kneipe mit dem Namen 'Zur springenden Salzerelle'.

Es ist ein sehr guter Abend für Leif, den Wirt der Kneipe. Er und seine Mädchen haben alle Hände voll zu tun, die vielen Gäste, die sich in der Taverne befinden, zufrieden zu stellen. Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, doch die meisten Gäste halten sich mit den hochprozentigen Spezialitäten des Hauses zurück. Ganz so, als hätten alle noch etwas großes vor, wofür ihre Sinne noch von Nöten sind.

Ungefähr 30 Gäste befinden sich in dem kleinen Schankraum. Einige sitzen an Tischen, aber der Großteil steht an der Theke und zwischen den Tischen. Viele von ihnen tragen Kleidung aus den besten Stoffen der hiesigen Gegend. Und auch die Farben der Stoffe deuten auf einen gehobenen Stand hin. Weiterhin auffällig ist der Schmuck, den sowohl Männer als auch Frauen tragen und den Prunk der dort versammelten Gesellschaft geradezu zur Schau stellt. Insgesamt bieten die Gäste einen für eine Hafenkneipe eher untypischen Anblick.

An einem kleinen Tisch in der hintersten Ecke der Kneipe sitzt eine Gestalt, die genausowenig in diese Lokalität paßt wie die übrigen Gäste. Doch sie ist auf eine ganz andere Art auffällig. Während sich der Rest der Gesellschaft sich anscheinend in die feinsten Sachen gekleidet hat, hat man den Eindruck, daß die kaum 70 Finger große Person sich schon seit einigen Tagen nicht mehr gewaschen hat und sich bestimmt auch nicht einem besonderen Anlaß entsprechend gekleidet hat. Nur die weißen Haare und der Bart sehen nicht so aus, als wären sie schon seit Monaten nicht mehr mit Wasser in Berührung gekommen. Es sieht eher so aus, als ob der Zwerg sich auf eine Horde Schwarzpelze eingestellt hätte, die jeden Moment das Gasthaus überfallen könnten. Neben ihm an der Wand steht eine doppelseitige Axt, die vom Zwergenvolk gerne getragen wird, vor ihm auf dem Tisch liegt eine weitere Axt, ein Lindwurmschläger. An seinem Gurt trägt er zwei Wurfbeile und einen Zwergendolch. Sein Oberkörper wird von einem Spiegelpanzer bedeckt, den er vielleicht schon seit Tagen nicht mehr abgelegt haben könnte. Ob er unter dieser Last noch laufen kann ist fraglich, aber man kann ihm ansehen, welche Kraft er besitzen muß, deutlich kann man die Muskeln an seinen Armen erkennen.

Er fühlt sich nicht sehr wohl inmitten dieser Menschen, die sich wohl auf einen wichtigen Feiertag vorbereitet haben, den er nicht kennt. Und er will auch gar nicht wissen, was sie feiern wollen. Schweigsam sitzt er dort, einen Humpen zu seinen Lippen führend, in der Hoffnung von keinem der Großlinge angesprochen und gestört zu werden.



NORDSTERN - Hafeneinfahrt


Die Dämmerung ist weiter vorangeschritten. Draußen auf dem Meer mag die Helligkeit noch ausreichend erscheinen, aber in den Gassen einer Stadt wird es jetzt schon recht dunkel sein. So sind es auch die Lichter vieler Öllampen, Kerzen und Fackeln aus Salzerhaven, die vor den beiden Schiffen, die weiterhin in Richtung Küste steuern, zu sehen sind - eine gute Hilfe bei der Navigation, zumal dadurch auch die Hafeneinfahrt ausreichend gut zu erkennen ist.

"Refft die Segel!" ruft Jergan schließlich, als das Schiff noch etwa eine halbe Meile von der Hafeneinfahrt entfernt ist. Der Schwung ist groß genug, um diese Strecke zurückzulegen, auch wenn das länger als die übliche Methode dauert, nach der man unter vollen Segeln noch viel weiter heranfahren würde, und erst dann durch Beidrehen abbremsen würde. Aber in diesem Fall muß auf die ZYKLOPENAUGE Rücksicht genommen werden, die diese Möglichkeiten nicht hat. Das andere Schiff hat nur den eigenen Schwung als Antrieb, eventuell mit einiger Nachhilfe durch die Schlepptrosse der NORDSTERN, aber es gibt im Grunde keine sinnvolle Möglichkeit, sie auf diese Weise abzubremsen, ohne die Schiffe dabei kollidieren zu lassen. Der ZYKLOPENAUGE würde das zwar kaum etwas ausmachen, da sie dem Zustand "Wrack" bereits sehr nahe ist, aber Jergan möchte die NORDSTERN auf jeden Fall vor einem solchen Zwischenfall bewahren.

Zeitgleich mit dem Reffen der Segel steuert Jergan die NORDSTERN etwas nach steuerbord, und läßt zur ZYKLOPENAUGE hinüber rufen, daß diese leicht nach backbord steuern soll. Auf diese Weise soll vor allem das Wrack genug Platz zum Manövrieren bekommen, und damit auch die Möglichkeit, die NORDSTERN bei Bedarf zu überholen - und die NORDSTERN hat bessere Möglichkeiten, auszuweichen.

Jergan und Lowanger haben in einem mittels lauter Rufe geführten Gespräch vor etwa zwei Stunden dieses Vorgehen abgestimmt, und sich dabei vor allem auch gegen das Warten auf einen Lotsen ausgesprochen, denn das würde das Problem verdoppeln - man müßte noch einmal neu anschleppen, denn zu dieser Tageszeit - besser vielleicht Nachtzeit - wird das Lotsenboot nicht in Wartestellung liegen, und vielleicht sitzt der Lotse auch schon längst in einem der Hafengasthäuser und ist damit gar nicht mehr so einfach verfügbar. In vielen Häfen würden die beiden Seeleute das nicht wagen, aber Salzerhaven gehört zu denen, die sie beide ausreichend gut kennen, und wo der Schiffsverkehr nicht so extrem stark ist, daß es dadurch vereitelt werden könnte.

Wieder kommen einige Minuten, in denen zwar wichtige Dinge passieren, aber niemand viel machen kann. Im Grunde treiben die beiden Schiffe auf den Hafen zu, angetrieben von ihrem eigenen Schwung, und ein wenig auch vom Wind geschoben. Die Schlepptrosse bleibt dabei recht straff, was im Grunde auch kaum verwundert, denn die ZYKLOPENAUGE liegt tiefer im Wasser, so daß die Bremswirkung höher ist. Ein zusätzliches Abbremsen der NORDSTERN ist ohne Beidrehen in dieser Lage nicht möglich, denn bei Wind von Achtern gibt es keine Segelstellung, die das Schiff bremst, und beidrehen entfällt, solange die Schlepptrosse die beiden Fahrzeuge verbindet. Lowanger und Jergan sind die einzigen, die in diesen Minuten etwas tun - nämlich die beiden Schiffe zu steuern. Der eine tut es so, daß er jede Strömung optimal ausnutzt, um nicht langsamer zu werden, und der andere genau umgekehrt.



In SALZERHAVEN: 'Zur springenden Salzerelle'


Laut knallend fliegt die Tür der "Springenden Salzerelle" auf und ein kleiner Junge steht im Eingang. Seine Kleidung läßt in ihm einen Sohn reicher Eltern vermuten, doch Auftreten und Wortwahl lassen eher auf einen Straßenjungen schließen, der die Kleidung geklaut hat. Wild mit den Armen rudernd verkündet er die Neuigkeiten.

"Dat Schiff kommt! Dat Schiff! Schwingt die Keulen. Sonst sin wa zu spät."

Mit einem Mal herrscht rege Aufbruchsstimmung in der Salzerelle. Bis auf ein paar wenige Gäste stehen alle auf und ziehen sich ihre Jacken über. Schnell werden einige Fackeln entzündet und unter die Leute gebracht. Der Wirt greift unter die Theke und schmeißt einem der Gäste zwei Stockpaare entgegen, die jeweils mit einem Tuch umwickelt sind. An der Tür steht eines der Schankmädchen, das jedem, der den Raum verläßt einen ca. 1 Schritt langen Stock in die Hand drückt, an deren Ende drei lange Bänder in den Farben blau, weiß, rot befestigt sind.

Als der Junge hereinplatzt und seine Botschaft verkündet, wird es für einen Moment sehr viel ruhiger in der Kneipe, nur damit danach ein noch viel größerer Tumult ausbricht. Daß die Wortwahl des Knaben so gar nicht zu seinem Äußeren paßt, fällt dem Zwerg dabei nicht auf.

Nach den Worten läuft in der Salzerelle alles durcheinander. Die einen drängen schon nach draußen, die anderen stehen noch an den Tischen und ziehen sich ihre Jacken über. Wieder andere laufen mit Stöcken und Stäben durch die Wirtschaft. Der Angroschim kann froh sein, daß er nicht mitten im Tumult steht, die Möglichkeit einfach überrannt zu werden ist gerade eben enorm gestiegen, besonders für Personen, die allen anderen nur bis kurz über die Hüften reichen.

Aufgeregtes Stimmenwirrwarr verhindert ein genaues erkennen des Grundes zur Aufregung. Hier und da kann man allerdings einige Wortfetzen auffangen.

"Ich bin so gespannt!"

"Wie er wohl aussieht!"

"Die Frau der Bäckers hat ihn schon einmal gesehen und meinte, daß er wie ein Gesandter der Götter erscheint"

Die Wortfetzen gelangen auch an den Zwergen, und nach kurzer Überlegung steht für ihn fest, daß es sich nur um einen bedeutenden Helden handeln kann, den die Leute hier erwartet haben, und zu dem sie jetzt auch unterwegs sind.

Als beinahe schon alle Menschen die Kneipe verlassen haben, greift er sich seinen Lindwurmschläger, den er sich mit Hilfe seines Schultergurtes am Rücken befestigt.

Als er schließlich damit fertig ist, nimmt er seinen Felsspalter, den er einfach mit beiden Händen hält, während er mit möglichst großen Schritten hinter der Masse herläuft, um deren großen Vorsprung jetzt noch einzuholen.



NORDSTERN - Hafeneinfahrt


Weitere Minuten später, in denen von Land aus die ersten gemerkt haben, daß es sich bei diesem spät einlaufendem Schiff um etwas besonderes handelt - nämlich um einen Schleppzug, ist die Hafenmündung in greifbarer Nähe, und die Geschwindigkeit der Schiffe genau so weit gesunken, wie Lowanger und Jergan sich das ausgedacht haben. Da die ZYKLOPENAUGE nun leicht backbord versetzt schwimmt, und die Hafeneinfahrt eine leichte Kurve nach links erfordert, hat die ZYKLOPENAUGE von nun an den kürzeren Weg, und die NORDSTERN dann auch endlich die Möglichkeit, unter Benutzung der Segel gezielt in den Hafen einzulaufen.

Jergan mustert von der Brücke aus den Hafen und die dort liegenden Schiffe, soweit das bei der immer schlechter werdenden Beleuchtung des verschwindenden Tages möglich ist. Es ist viel freier Platz vorhanden, so daß die ZYKLOPENAUGE wirklich einfach so in den Hafen hineinfahren und an der Kaimauer zum Halten kommen kann, wie es vorgesehen ist - und die NORDSTERN dann ähnlich, aber wohl langsamer. Denn bei einem Schiff, das man nicht mehr segeln kann, kann man auf die Bürokratie der Hafenbeamten nicht wirklich Rücksicht nehmen - man kann nicht warten, bis diese einen Liegeplatz zugewiesen haben. Was aber mühelos geht - man kann das Schiff später immer noch von Hand an einen anderen Kai verlagern, falls das nötig sein sollte.

"Löst die Trosse!" brüllt der Kapitän dann schließlich sehr laut, denn dieses Kommando gilt Trolske, der am Bug der ZYKLOPENAUGE bereit steht. Prinzipiell hätte man das Tau auch auf der NORDSTERN lösen können, aber da man nie weiß, was passiert, wenn man in Hafennähe ein Tau über den Meeresboden schleppt, das sich an Wracks oder ähnlichem verfangen könnte, tut man dies lieber so, daß das besser steuerbare Schiff, das zudem die größere Besatzung hat, die Trosse einholen muß.

Der erfahrene Matrose hat mit den von Ole sorgfältig gemachten Knoten keinerlei Probleme, zumal Lowanger das Schiff eigens dafür etwas weiter nach steuerbord dreht, so daß die Trosse entlastet ist. Schließlich, nach nicht einmal einer Minute, gleitet die Trosse über die Bordwand und verschwindet mit einem leisen Klatschen im Wasser.

"Trosse ist gelöst!"

"Trosse einholen", ist sogleich vom Kapitän zu hören - ein Befehl, der an Efferdan gerichtet ist, der die Trosse vor einigen Stunden auch am achtern Steuerbordpoller der NORDSTERN befestigt hat, und sogleich mit der Ausführung dieses Befehls beginnt.

Damit sind alle Voraussetzungen getroffen, und die beiden Schiffe schwenken nahezu parallel in die Hafeneinfahrt ein, wobei die ZYKLOPENAUGE durch den kürzeren Weg einen kleinen Vorsprung hat. Die Geschwindigkeit ist mittlerweile auf etwa einen Knoten gesunken, was für die beabsichtigte Art des Anlegens langsam genug ist.

Auch die Dunkelheit ist weiter vorangeschritten, ohne die Öllampen und Fackeln im Hafen und die Öllampen auf den Schiffen wären diese Manöver kaum noch möglich.

Und so beginnt das letzte kurze Stück der Fahrt der NORDSTERN nach Salzerhaven, die vor zwei Tagen in Thorwal nach solch aufregenden Ereignissen begonnen hat - eine doppelte Hafeneinfahrt unter den Augen der im Hafen wartenden Menschen - und das sind ungeachtet der fortgeschrittenen Zeit erstaunlich viele.



In SALZERHAVEN: Lichterzug


Die hundert Schritt zum Hafen hat die Gesellschaft schnell überwunden. Einige andere Bürger, die den Weg der Gruppe kreuzen, werden mit wenigen Worten davon überzeugt, sich ihr anzuschließen. Wie eine Lawine, die unbarmherzig alles mitnimmt, was sich ihr in den Weg stellt, wälzt sich die Gruppe Richtung Wasser.

Das Licht der zahlreichen Fackeln erleuchtet den Hafen, so daß der Auflauf auch von den beiden Schiffen aus nicht zu übersehen ist. Alle halten die Stöcke mit den Bändern hoch in die Luft und winken damit der NORDSTERN zu. Die Bänder fliegen durch den Fackelschein und bieten ein farbenprächtiges Schauspiel.

Am Kai angekommen sorgen einige kräftige Männer dafür, daß die beiden Banner, die man aus der Kneipe mitgenommen hat, aufgestellt und in Richtung der NORDSTERN gehalten werden. Die großen Buchstaben auf den Bannern sind durch den Fackelschein auch bis zur NORDSTERN noch gut zu lesen:

'FLIEG FÜR UNS, PAPAGEI! FLIEG FÜR UNS!'

'WILKOMMEN IN SALZA, JARUN'

Nachdem die Gruppe ihr Ziel schon beinahe erreicht hat, sieht man auch den Angroschim aus der 'Springenden Salzerelle' kommen. Lange suchen, um die Gemeinde wieder ausfindig zu machen, muß er nicht. Die Fackeln leuchten bis zur Kneipe und noch darüber hinaus. Auch die Stäbe mit den Bändern kann man von hier aus gut erkennen.

Möglichst schnell, soweit wie es ihm seine Schritte und die Last seiner Ausrüstung erlauben läuft er zu den versammelten Leuten, die nun schon bestimmt über eine halbe Kompanie fassen. Auf dem Weg kann er schon den seltsamen Anblick der beiden Schiffe genießen, die nun in den Hafen einfahren. Sobald er die Menge erreicht hat, ändert sich dies wieder. Bei der Durchschnittsgröße eines Zwerges hat man im Moment nicht viel mehr Sicht als auf eine große Anzahl Rücken und Beine.

Doch noch immer weiß er nicht, wer eigentlich erwartet wird. Um dies endlich in Erfahrung zu bringen, wird der Entschluß gefaßt, den Nachbarn anzusprechen und zu fragen. Der Zwerg dreht sich nach rechts und schaut sich kurz die Person an, die dort neben ihm steht.

Ungefähr dreißig Götterläufe mag der Mann wohl zählen. Seine hellblaue Hose aus Leinen scheint genauso neu zu sein wie das seidene Rüschenhemd und die lederne Weste, die er darüber trägt, und die wohl alle extra für diesen Anlaß gekauft worden zu sein scheinen oder zumindest nicht oft getragen worden zu sein scheinen. Unter dem Hut mit der breiten Krempe und der roten Feder erkennt man kurzes dunkles Haar, erst vor kurzer Zeit geschnitten. Sein Gesicht hat markante Züge und ist frisch rasiert.

An den Fingern trägt er mehrere Ringe und um seinen Hals liegt eine goldene Kette. An seinem Gurt befindet sich ein Dolch mit einem Griff, der viel zu sehr verziert ist, als daß er im Kampf wirklich noch guten Halt bieten könnte, und er scheint wohl auch mehr zur Zierde gedacht zu sein.

Die Finger des Zwerges greifen nach dem Hemd dieses Mannes und ziehen kurz daran um die Aufmerksamkeit auf die kleine Person zu lenken. Als der Mensch seinen Kopf gewendet hat und schließlich nach unten schaut, nachdem ein zweites mal an seinem Hemd gezogen wurde, blickt er in das Gesicht des Angroschim, der ihm etwas zuruft, doch aufgrund des Lärmes, der hier herrscht, kann er nur wenig verstehen bis er sich zu dem Zwerg herunter gebeugt hat und dieser seine Frage wiederholt:

"Wer kommt denn mit dem Schiff an, daß so ein Trubel um ihn veranstaltet wird?"

Die Verwunderung über die Unwissenheit des Zwerges steht dem Mann förmlich ins Gesicht geschrieben.

"Es ist Jarun aus Fasar, der Leiter der Drachentanz-Akademie in Greifenfurt, welche nach seinem Sieg über einen Riesenlindwurm mit drei gigantischen Köpfen benannt wurde. Seit der Schlacht um Greifenfurt, wo er heldenhaft bei der Bekämpfung der Orks geholfen hat, ist er als Offizier in den Stab des Kaisers berufen worden. Außerdem habe ich gehört, daß er ein Fachmann für Vampirologie ist und höchstpersönlich einem guten Dutzend dieser Blutschlürfer den ewigen Frieden gebracht hat. Sein Ruhm muß doch auch zu dem Volk der Zwerge gedrungen sein. Mit ein wenig Glück wird er uns heute noch etwas von seiner Kunst präsentieren."

Nach einer Atempause fährt er fort.

"Niemand anders versteht es so wie er die Schwerter zu schwingen. Niemand anders fliegt so gewand durch die Luft und versteht es die Leute aufs beste zu unterhalten. Ihr werdet sehen."

Der Mann wendet sich ab, um zu sehen, wie weit die Schiffe noch entfernt sind, als er sich noch einmal hinunter beugt.

"Welch ein Glück, daß er auf dem Weg gen Praios in unserem kleinen Städtchen rastet."

Der Zwerg hört zu, was es über den Mann, der hier so freudig empfangen wird, zu erzählen gibt. 'Jarun aus Fasar... Leiter der Drachentanz-Akademie... nach seinem Sieg über einen Riesenlindwurm mit drei gigantischen Köpfen...'

Nur mit halbem Ohr lauscht er den Worten seines Gesprächspartners, nachdem er das erfahren hat, was er erfahren wollte. Hier wird wirklich ein Held und erfahrener Krieger erwartet. Die Drachentanz-Akademie wird wohl eine Kriegerschule der Menschen sein. Einzig verwunderlich ist daran nur, daß er von dieser Akademie noch nichts gehört hat, obwohl er jetzt schon mehr als einmal in Greifenfurt war.

Der Rest des Gesprächs fließt an der kleinen Person einfach so vorbei. Zum einen interessiert es ihn nicht mehr sonderlich, was der Mensch zu sagen hat, er weis, was er wissen wollte; der Lärm, der hier herrscht, tut sein übriges, um die Worte verstummen zu lassen.

Das Gespräch scheint beendet. Der Mann geht wieder aus seiner gebückten Haltung, die er einnehmen mußte, um mit dem Zwerg zu reden, und steht nun wieder wie vorher da.

Dieser überlegt sich gerade, ob er nicht versuchen sollte nach vorne zu kommen, um endlich einen weiteren Blick auf die Schiffe werfen zu können und gleich auch freie Sicht auf diesen Jarun zu haben. Dabei hat sich schon ein klares Bild von dem Helden gemacht: Ein stolzer Krieger mit vollem Haar und kräftigem Bartwuchs, eine Streitaxt in der rechten und ein Schwert in der linken Hand. Dazu einen Kettenpanzer und Muskeln, die jeden anderen vor Neid erblassen lassen. Wahrscheinlich ist er einfach ein zu groß geratener Zwerg, der nur zufällig ein Mensch geworden ist.

Schon will sich der Zwerg daran machen, sich durch die jubelnde Menschenmenge zu drängen, als der neben ihm stehende Mann sich ein weiteres mal zu ihm herunter beugt und ihm mitteilt, daß Jarun auf Weg dem gen Praios ist.

Zuerst murmelt der Angroschim nur ein "Danke", daß eigentlich viel zu leise ist, um gehört zu werden, und will sich danach in die Menge begeben. Doch dann bleibt er mitten in der Bewegung stehen, da ihm etwas einfällt.

Er dreht sich wieder um, kommt den Schritt zurück, den er sich schon von dem Mann, der ihm gerade eben Auskunft gegeben hat, fortbewegt hat, und fragt:

"Ihr sagtet, daß dieser Jarun in Richtung Praios will. Bringt das Schiff ihn weiter dorthin oder wird er ohne dieses weiterziehen?"

Der Gesprächspartner des Zwerges schüttelt heftigst den Kopf.

"Nein, nein. Die NORDSTERN fährt von Riva bis Brabak. Sie wird wahrscheinlich morgen ihre Reise wieder aufnehmen."



NORDSTERN - Hafeneinfahrt


Lowanger schwenkt mit der von Ole so raffiniert konstruierte Behelfspinne das Ruder fast bis zum Anschlag herum. Träge reagiert die ZYKLOPENAUGE - das Schiff hat für eine vernünftige Ruderwirkung schon fast zu wenig Fahrt. Aber dennoch - es genügt, um nach Backbord zu drehen und mit der verbleibenden Geschwindigkeit in das Hafenbecken zu gleiten.

Der zweite Offizier der NORDSTERN späht in das Halbdunkel, bis er einen langen Anleger sieht, der mindestens für zwei Schiffe ausgelegt ist, an dem im Moment aber kein einziges liegt. Dazu befindet sich dieser Anlieger recht weit hinten im Hafen, so daß genug Platz zum Manövrieren ist, und, das beste, er ist von der Seeseite fast parallel zu erreichen - man kann das Schiff also so einlaufen lassen, daß es an der Kaimauer entlang den restlichen Schwung aufbrauchen kann. Ein optimaler Platz also, zumal direkt dahinter dann wohl die NORDSTERN anlegen kann - es ist schon nicht schlecht, wenn die Wege zwischen beiden Fahrzeugen so gering wie möglich sind.

"Dorthin wollen wir", teilt er Trolske mit, der inzwischen vom Bug, wo er die Trosse gelöst hat, wieder zum Heck zurückgekehrt ist, und zeigt dabei auf den Anlieger, der auch gar nicht so weit von der Stelle entfernt ist, wo sich eine größere Menschenmenge - Schaulustige? - versammelt hat. Das gute daran ist natürlich, daß die Fackeln, die sie bei sich haben, bei der Navigation und Steuerung hilfreich sind.

Der Matrose bestätigt mit einem Nicken und wechselt dann einen kurzen Blick mit Ole - im Gegensatz zu Lowanger hat er nämlich nicht vergessen, daß Hjaldar ein Passagier ist, und man ihm deshalb besser keine Befehle gibt.

"Wir werden bereit sein, das Schiff festzumachen und ihm damit die letzte Fahrt zu nehmen."

Lowanger sagt nichts weiter, wozu auch, sondern korrigiert den Kurs ganz sanft, um wirklich genau dort anzukommen. Eine Meldung an die NORDSTERN hält er für überflüssig - sie haben dort Augen, und schließlich war es Jergan, der sich dafür ausgesprochen hat, einen Anlegeplatz zu suchen, an dem die Schiffe einander nahe liegen können.

Einige dutzend Schritt weiter hinten - noch vor wenigen Augenblicke war es einige dutzend Schritt steuerbords - beobachtet man auf der NORDSTERN das Manöver der ZYKLOPENAUGE. Das hohe Brückendeck erlaubt es dem Kapitän mühelos, zu erkennen, was Lowanger plant.

"Gut, und nun wir!"

Er kurbelt das Ruder fast bis zum Anschlag nach Backbord herum, woraufhin die NORDSTERN ebenfalls schwenkt - natürlich viel präziser und auch schneller als das andere Schiff zuvor. Aber der Weg ist um einiges weiter, und so stört das nicht.

"Segel dichter holen!"

Eher im Gegenteil - die gerefften Segel werden dichter geholt, so daß der Wind nun wieder Druck auf die verminderte Fläche ausüben kann, was das Schiff stabilisiert, und auch ein klein wenig wieder beschleunigt. Es besteht dabei natürlich keinerlei Gefahr, auf die ZYKLOPENAUGE aufzufahren, dazu hat diese nun einen zu großen Vorsprung, aber es erlaubt ein halbwegs vernünftiges Einlaufen mit guter Ruderwirkung.

"Seht mal, Kapitän! Diese ganzen Menschen da! Ich hatte ja erwartet, daß so ein ungewöhnlicher Schleppzug Neugierige anlockt, aber gleich so viele!"

Mit diesen Worten macht die erste Offizierin den Kapitän auf den Menschenauflauf im Hafen aufmerksam.

"Das stimmt... das ist ja fast so, als wäre hier eine wichtige Persönlichkeit an Bord. Aber... die Neugierde ist eben wirklich sehr ausgeprägt bei sehr vielen Menschen. Immerhin helfen sie uns mit ihren Fackeln beim Anlegen sehr", erwidert der Kapitän, während auch er diese Erscheinung mustert. Es wird sich sicher bald klären, was genau die Ursache ist, das zumindest ist vollkommen klar. Und so konzentriert sich Jergan Efferdstreu weiter auf die Steuerung des Schiffes.

Die NORDSTERN befindet sich mittlerweile auch im eigentlichen Hafenbecken, vielleicht noch hundert Schritt von der ZYKLOPENAUGE entfernt, die wiederum noch etwa siebzig Schritt bis zum Anleger zurücklegen muß...



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Lowanger am Steuer


Wulf Lowanger steht am Steuer der ZYKLOPENAUGE und tut weiterhin das, was er die letzte Stunde lang getan hat - das Schiff auf Kurs zu halten. Seit der Trennung von der NORDSTERN sind zwar die Möglichkeiten, den Kurs selbst zu bestimmen, immens gestiegen, aber das würde nur ein Dummkopf ausnutzen. Für Lowanger ist der Kurs klar, als wäre er mit einer dicken Linie auf die Wasseroberfläche gezeichnet. Fast geradlinig geht er entlang - vom jetzigen Standort des Schiffes bis in einem extrem spitzen Winkel an die Hafenmauer heran, wo das Schiff dann zur Ruhe kommen wird.

Die kleine Besatzung hat sich gut bewährt in den letzten Stunden - insbesondere der Einsatz des Schiffszimmermanns hat die Fahrt in ihrer relativen Problemlosigkeit erst möglich gemacht. Vielleicht hätte sie zumindest für das Schiff ein vorzeitiges Ende auf dem Meeresgrund gefunden - vielleicht auch nicht. Ole jedenfalls hat aus diesem "vielleicht" ein "ganz sicher nicht" gemacht.

Ein winzige Bewegung mit dem Behelfssteuer korrigiert den Kurs etwas - zuwenig, um vom ungeübten Auge bei der geringen Geschwindigkeit überhaupt wahrgenommen zu werden, aber doch ausreichend, um das Schiff weiterhin auf der nur für Lowanger sichtbaren Linie zu halten.



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Hjaldar macht sich bereit


Nachdem sie das Mädchen behutsam in die Kabine gebracht hatten, hatte Hjaldar sich daran beteiligt die Toten zu bedecken und auch ein wenig herzurichten - die Augen zu schließen und die leblosen Körper in eine für das Auge eines Lebenden halbwegs 'angenehme' Haltung zu verbringen. Bei jedem einzelnen hatte er dabei laut das Gebet gesprochen, das die BORongeweihten im Feld auch den Gefallenen und Sterbenden als letzten Segen mitgaben.

Da er sich als Söldner deutlich abgehärteter wähnt, als die anderen, hatte er sich zunächst um die besonders übel zugerichteten gekümmert - und dabei feststellen müssen, daß es auch für ihn eine Schmerzgrenze gibt, einen Punkt, wo sich Körper und Geist weigern, das Gesehene zu akzeptieren. Daher hatte er sich nach getaner Arbeit auf das Unterdeck zurückgezogen, unter dem Vorwand ein Auge auf das Mädel halten zu wollen - unnötig eigentlich, waren doch zwei erfahrene Heiler zugegen. Aber irgendwie riß ihn der Anblick der Überlebenden aus der tiefen melancholischen Depression, in die er selbst zu versinken drohte, wie schon häufiger nach schlimmen Schlachten, oder wenn ein guter Kamerad Golgaris Schwingen bestiegen hatte.

...

Ein leichtes Zittern im Schiffsrumpf, eine kaum spürbare Veränderung im Rhythmus des Schiffs reißt ihn aus seinen Gedanken. Leise erhebt er sich von der Kiste, die ihm als Sitz dienen mußte, wirft noch einen Blick auf die Schlafende und macht sich auf den Weg auf Deck.

'Hm ... irgendwas ist nicht in Ordnung ... oder wir sind schon bei Salzerhaven'.

Als er schließlich das Oberdeck betritt, sieht er Letzteres bestätigt. Hjaldar braucht nur kurz um die Situation zu erfassen. Lowanger will wohl die restliche Fahrt nutzen, um an einen unbelegten Kai zu kommen und den Pott sich dann an der Mauer tot laufen lassen.

"Na, den hat wohl der Klabautermann gebissen." pfeift er anerkennend durch die Zähne. Ein solches Manöver mit so einem morschen, notdürftig zusammengeflickten Kahn durchführen zu wollen bedarf schon einer ganzen Menge Mut und noch mehr Können, wenn es gelingen soll.

Mit einigen schnellen Schritten steht Hjaldar an der Reling, oder besser dem, was noch davon übrig ist, bereit sofort mit anzupacken, sollten Trolske und Ole ein wenig Unterstützung gebrauchen.



ZYKLOPENAUGE - Draggenssons Erinnerungen


Es ist ein ungeheuer spannender Moment und das ist auch der einzige Grund, warum Ole seine Müdigkeit noch im Zaum halten kann. Seit mehreren Stunden bereits kämpft der Schiffszimmermann vorbeugend gegen Wassereinbrüche. An einigen Stellen der Bordwand der ZYKLOPENAUGE hat er Verstärkungen angebracht, da nicht mehr auszuschließen war, daß das Holz nachgeben könnte, mit fatalen Folgen für das Wrack. Da geht man doch lieber auf Nummer sicher.

Dennoch stieg das Wasser, langsam zwar, dafür stet und unaufhaltbar immer höher im Ladedeck. Das meiste davon drang durch den Abgang zur Bilge auf die Planken des Frachtraumes. Es wurde zwar nie gefährlich, aber ein mulmiges Gefühl blieb da allemal.

Immer wenn ihm seine Arbeit Zeit dazu gelassen hatte, besuchte er das Mädchen, das sie vom Oberdeck in die Kabine getragen hatten, wo sie gut ruhen konnte. Auf Zehenspitzen hat er sich hinein geschlichen in die Kajüte, alle Mahnungen Herrn Durnalds und auch die Bedenken des Druiden ignorierend. Dann hat er sich an den Rand der Koje gesetzt und dem jungen, schönen Mädchen etwas vorgesungen.

Ein war ein kleines Kinderlied, so alt, daß es wahrscheinlich schon die Mütter und Väter in Hjaldingard ihren Kindern vorgesungen haben, welches sich Ole in Erinnerung brachte, als er das junge Ding in ihrer Hilflosigkeit liegen sah.


Kleine Blume, breche nicht,

strebe aufwärts, hin zum Licht.

Entfalte deine Farbenpracht,

hab keine Angst vor dunkler Nacht.


Kleine Blume, schön und rein,

denk daran, bist nicht allein,

niemals kann dir 'was geschehen,

es schützen dich die lieben Feen.


Kleine Blume, komm zurück,

teil mit uns dein Lebensglück.

Auf Regen folgt der Sonnenschein,

laß' Wärme tief in dich hinein.


Kleine Blume, deine Kraft

sei das, was Sicherheit dir schafft,

sei das, was heiter in dir schwingt,

Glückseligkeiten zu dir bringt.


Kleine Blume, laß dich führ'n!

Kannst du nicht die Liebe spür'n,

die dir auf jedem dunklen Pfad

Licht ist und ein guter Rat?


Oft sind dem alten Schiffszimmermann die Augen unter dem Singen zugefallen, so müde ist er gewesen. Doch immer wieder hat er sich aufgerafft, dem Mädchen noch einmal liebevoll das Haar gestreichelt und ist dann anschließend wieder in den Bauch des Wracks gestiegen, um die Wunden des Schiffes zu versorgen, daß sie nicht tödlich werden würden, für alle, die sich hier an Bord befanden.

Und so wurde es immer später und dunkler und war Ole eine Verheißung, als er endlich den Ruf hören konnte: 'Land in Sicht!'

So kam Ole an Deck und sah den Hafen immer näher kommen. Mit eine großen Bewunderung verfolgte er das gewagte Manöver der Einfahrt in den Hafen und seine Hochachtung vor dem Kapitän und den zweiten Offzier wuchs in diesem Augenblick.

Und gerade so, wie er ins einem Lied gesungen hatte, mit einem Text, der empfiehlt keine Angst vor der Nacht und der Dunkelheit zu haben, sieht Ole die flackernden Lichterketten am Kai, welche die letzten Schritte zu überwinden den beiden Steuerleuten eine, geringe zwar, und dennoch wertvolle Hilfe war.

Warum es diese Leute zu diese späten Stunde mit Fackeln in der Hand auf die Straße treiben könnte, ist Ole herzlich egal. Er macht sich bereit auf die Kaimauer zu springen, um die ZYKLOPENAUGE zu vertäuen. Trolske hat die Trosse schon längst gelöst, es kann nicht mehr lange dauern ......



NORDSTERN - Oberdeck: Aleara


Nachdenklich liegt Aleara in ihrer Hängematte im leeren Mannschaftsquartier. Man muß wohl mittlerweile im Hafen angekommen sein, denn keineswegs fährt die NORDSTERN mehr geradeaus.

Aber das braucht die junge Matrosin jetzt nicht zu interessieren, denn ihre Wache ist vorbei. Sie genießt das sanfte, ihr wohlbekannte Rollen des Schiffes und die ihr ebenso bekannte Geräuschkulisse an Bord: Das Knacken und Knirschen im Schiffsrumpf, das Getrappel auf dem Oberdeck und natürlich auch die gerufenen Befehle.

Ja, ja, die Seefahrt. Aber wie viel hat sich geändert seit dem Tag, als sie den Grünwal sah... schweigsam ist sie geworden, und ruhiger in ihrem ganzen Wesen. Schon mehrere ihrer Freunde an Bord hatten das bemerkt. Noch immer denkt sie häufig an die Stunden im Premer Tempel zurück, und genauso häufig sinniert sie über das Leben und die Götter an sich. Sind diese nicht grausam, ihr die Erkenntnis der Unvollkommenheit zu gewähren?

Vielleicht sollte sie wieder einen Tempel besuchen und Rat und Hilfe der Geweihten annehmen? Gar das eigene Leben dem EFFerd verschreiben? Wäre das, was sie wollte?

Ganz sicher nicht, von der Seefahrerei wird sie sich nie lösen können, jetzt weniger denn je! Mit beinahe schmerzhafter Klarheit kommt dieser Gedanke: Sie gehört auf das Wasser, das Element des Lebens. Zufrieden fallen ihr die Augen zu und mit einem Lächeln auf den Lippen schläft sie ein...



NORDSTERN - Oberdeck: Efferdan bei der Arbeit


Als der Befehl des Kapitäns kam, die Trosse einzuholen, hatte sich Efferdan auch sogleich an die Arbeit gemacht. Und so ist er, als die NORDSTERN in den Hafen einläuft, noch damit beschäftigt, die letzten Schritt der Trosse aus dem Wasser zu ziehen.

Aach ja - die Arbeit hatte ihn wieder. Vorhin hatte er sich noch etwas mit Phexane unterhalten - dann, nachdem sie einige Zeit auf das Meer gesehen hatten. Naja, eigentlich hat er sie mehr reden lassen und eher zugehört. Es waren eher belanglose Dinge, über die sie sich unterhalten hatten. Das Leben an Bord, die Reise, Phexanes Erlebnisse an Bord und ähnliches. Wenn sie jemand von der Mannschaft so gesehen hätte, wäre er wohl erstaunt

gewesen: der scheue Efferdan unterhält sich länger als ein paar Augenblicke mit einem Passagier! Sehr ungewöhnlich...

Efferdan zieht weiter an der Trosse, gleich hat er es geschafft.

`Dann muß ich es noch einrollen... das wird eine Arbeit... es ist so schwer...`

Hin und wieder schaut er auf die Masse der Fackeln und der Menschen, die diese haltend am Hafen stehen.

`Was machen die denn alle hier... sooo viele Menschen... hoffentlich wollen die nicht auf das Schiff!`

Beim Anblick all der fremden Menschen wird Efferdan mal wieder unwohl. Also tut er das, was in dieser Situation hilft: Er konzentriert sich wieder verbissen auf seine Arbeit...



`Hau - ruck - hau - ruck - hau - ruck - hau ... `

Die Trosse gleitet durch Efferdans Händen, fällt neben ihm auf das Deck.

` ... ruck - hau - ruck --- Gleich habe ich es oben..`

Und wirklich, kurz darauf hält Efferdan das Ende der Trosse in der Hand. Kurz verharrt Efferdan, verschnauft. Einzelne Schweißtropfen glitzern auf seiner weißen Haut.

`Uff, war das anstrengend!`

Mißmutig wirft er einen Blick auf die Trosse, das nun wirr am Boden herumliegt.

`Und jetzt auch noch aufrollen.. na, was solls...`

Seufzend betrachtet er noch einmal das Trossenende in seiner Hand, dann macht er sich daran, die Trosse aufzuwickeln. Ordnung muß sein auf dem Schiff! Was, wenn die Trosse wieder gebraucht wird? Dann kann man schlecht anfangen, es erst auseinander zu wirren...



Windung um Windung - eifrig rollt Efferdan die lange Trosse auf. Zuerst ist es recht einfach, aber je dicker die "Trossenrolle" schon ist, desto schwieriger ist es, will man die Trosse sauber aufrollen - immerhin muß man aufpassen, daß sich das schon zusammengewickelte nicht wieder aufrollte.

Efferdan hat da seine eigene Methode: Ein Trossenende hat er auf den Boden gelegt und legt nun Windung um Windung der Trosse darauf, so daß zum Schluß die Trosse aufgerollt am Boden liegen wird...



Immer größer wird der ordentliche Seil"haufen", immer kleiner der Trossen-Strang in Efferdans Hand. Efferdan arbeitet schnell und mit Eifer, bald wird er fertig sein...

`Und dann muß die Trosse in die Segellast... aber... alleine ist mir das zu schwer...`



NORDSTERN - Oberdeck: Efferdan und Wasuren


Wasuren hatte sich den Rest des Tages tüchtig ausgeschlafen, nach dem der Faßtransport doch noch glücklich über die Bühne gegangen war. Daß die NORDSTERN ein anderes Schiff in Schlepp genommen hatte, war jedenfalls nicht so interessant, daß es seinen Schlaf hätte verhindern können.

Als aber nun die Einfahrt in den Hafen begann, war Wasuren an Deck gekommen und packte fleißig mit an. Immer den hoffentlich baldigen Landgang vor Augen.

Efferdan schien genauso zu denken und so steuerte Wasuren auf diesen zu.

"Komm, Efferdan ich pack eben mit an, um die Trosse in die Segellast zu bringen. Wird Zeit das wir bald fertig werden mit der Arbeit, meist du nicht auch?"



Gerade ist Efferdan fertig geworden mit dem Aufrollen der Trosse, als auch schon Wasuren zu ihm hintritt und anbietet, dabei zu helfen die Trosse in die Segellast zu tragen.

Zuerst zuckt Efferdan bei Wasurens Worte zusammen, hat er doch diesen gar nicht kommen sehen oder hören, zu beschäftigt war er mit dem Tross - doch dann wendet er sich Wasuren zu, ein unsicheres Lächeln auf den Lippen.

`Bei Efferd, was für eine Fügung... Kann er Gedanken lesen?`

"Ja...äh...danke." ist die gestammelte Antwort Efferdans, was Wasuren durchaus bekannt vorkommen dürfte - Efferdan ist, auch gegenüber den meisten Matrosen, selten gesprächiger. Gerne hört er anderen zu, vor allem wenn einer der erfahrenen Matrosen Seemannsgarn erzählt - aber er selbst hat in den vergangenen eineinhalb Jahren auf der NORDSTERN vergleichsweise wenig gesagt und erzählt.

So kniet sich Efferdan stumm nieder und greift das Trossenbündel an einer Seite, darauf wartend, daß Wasuren die Trossenrolle an der Seite gegenüber packt.



Wasuren läßt sich nicht anmerken, das er bei Efferdans Reaktionen doch noch immer ein wenig verblüfft ist.

'So richtig weiß ich ja immer noch nix mit Efferdan anzufangen. Er ist ja immer voll bei der Arbeit und so, aber sagen tut er nur dat nötigste. Mensch aus dem Kerl, muß ich doch mal ein wenig mehr rausbringen, damit ich mich nicht nur mit den netten Matrosinnen unterhalte.'

Wasuren muß ein wenig schmunzeln. Aber auch nur ganz kurz, da ihm wieder der Tsa Tag von Fiana und die Spekulationen von Alrik in den Sinn kommen.

"Jeder hier an Bord weiß doch, das die Trosse nur von zwei Mann getragen werden kann! Und schließlich wollen wir ja alle bald das Schiff ruhig im Hafen liegen sehen, oder ?"

Wasuren packt während er redet die Trosse auf der anderen Seite an und schaut Efferdan fragend an.

"Auf Drei!"

Wasuren nickt drei mal kurz und hebt die Trosse beim dritten Nicken dann an.



Auf Wasurens Worte nickt Efferdan nur - was sollte er auch sagen? Wasuren hat sicher recht, da muß nichts gesagt werden.

Stumm geht er ebenfalls zum nächsten Arbeitsschritt über, dem Anheben der Trosse. Bei den ersten beiden Kopfnicken federt Efferdan kurz, um etwas Schwung zu holen, um dann bei dritten Nicken ebenfalls die Trosse anzuheben. Dabei muß er sich gehörig anstrengen...

`Die Trosse ist so verflucht schwer...`

... seine nackten Arme zittern leicht, die Anstrengung zaubert etwas Röte auf

Efferdans sonst so blasses Gesicht. Wieder einmal schämt er sich fast dafür, daß er nicht so stark ist, wie die anderen Matrosen an Bord. Doch endlich hat er das Seil oben, hält es fest. Mit einem Kopfnicken bedeutet er Wasuren, daß dieser doch vorgehen möge.



Wasuren ruckt die schwere Trosse mit einem schwungvoll federnden Ruck, scheinbar leicht nach oben.

'Das Timing von Efferdan ist nicht schlecht, nur hat er wirklich wenig Kraft in den Armen.'

Wasuren läßt sich das immer wieder durch den Kopf gehen, wenn er mit Efferdan zusammen arbeiten verrichtet.

'Einerseits ist er nen pfiffiges Kerlchen andererseits nicht gerade Gesprächig und vor allem nicht kräftig genug für nen richtigen Seebären'

Wasurens Gedanken verflüchtigen sich wieder, als er die schwere Trosse in den Oberarmen spürt.

'Oh Mann, Wasuren, nicht denken, sondern arbeiten, ist doch bald Landgang, hoffe ich.'

Wasuren geht zügig voran zum nächst gelegenen Abgang auf das Unterdeck.

'Wenn ich mich nicht ranhalte und noch mal so ne lange Pause mache, läßt mir Efferdan die Trosse auf die Füße fallen.'



`Eins..zwei..drei..vier`

zählt Efferdan in Gedanken und mit zusammengebissenen Zähnen die zurückgelegten Schritte, als er - seine Seite der Trosse mit beiden Händen festhaltend - Wasuren folgt.

`Er geht aber ganz schön flott... vielleicht besser so. Die Trosse ist so verdammt schwer!`

Immer stärker zittern Efferdans Armmuskeln, doch noch geht es. Das mag auch daran liegen, daß wohl Wasuren mit seiner Kraft die Trosse recht sicher hebt und damit auch Efferdan etwas entlastet. Efferdans Gesicht ist gerötet, als die beiden Trossenträger am Niedergang ankommen.

`Jetzt wird's noch schwerer...`



Am Niedergang angekommen blickt sich Wasuren um.

'Efferdan hat scheinbar nicht mehr genug Kraft für den Niedergang. Aber wenn wir hier oben jetzt 'ne Pause einlegen sieht, das nicht so gut aus.'

"Paß auf, Efferdan. Schau doch mal kurz nach, ob der Niedergang frei ist!" sagt Wasuren, schon ein wenig schwerer atmend zu Efferdan. Dann fügt er etwas leise hinzu :

"Dann könnte ich die Trosse nämlich einfach die Niedergang herunter ziehen. Der Weg bis zu Segellast ist noch weit und so kannst du dir deine Kraft besser einteilen."



Efferdan sieht kurz Wasuren an.

`Die Trosse hinunter ziehen? Aber dann löst sich ja die Rolle auf! Bessere wäre es, man reicht sie herunter, oder?`

Dann mustern seine meerblauen Augen erst die Trosse, anschließend den Niedergang.

`Ja, das müßte gehen. Er steigt hinab, ich reiche es ihm herunter. Muß nur aufpassen, daß ich nicht kopfüber hinunterfalle...`

Wieder sieht Efferdan zu Wasuren. Hell und klar klingt seine Stimme, als Efferdan - recht leise allerdings - das Wort an Wasuren richtet.

"Wäre es nicht... ich reiche dir die Trosse runter?"

Efferdans Handgelenke sind noch weißer als sonst, die Unterarme vibrieren in aller Regelmäßigkeit, zittern vor Anstrengung. Feine Schweißtropfen stehen auf Efferdans roter Stirn, sein Atem geht schwer.

`Können wir das Seil nicht kurz absetzen...es ist so schwer... - vielleicht sollte ich wirklich erst mal sehen, ob der Niedergang frei ist...dann können wir ja immer noch entscheiden, was wir machen...frei sein sollte der Niedergang auf jeden Fall...`

"Kannst... kannst du kurz alleine?...ich schau nach..."

Fragend sieht Efferdan zu Wasuren.



Kurz und knapp antwortet Wasuren :

"Klar wir legen die Trosse einfach kurz hier ab und sehen dann weiter!"

'Ich will den armen Kerl ja nicht über fordern. Is echt nur ein bißchen komisch, daß der als echter Matrose nicht so viel aushält. Ob an den Gerüchten an Bord was dran ist? Im Mannschaftsraum heißt es manchmal Efferdan sei kein Mann. also wirklich, bald glaub ich das auch noch. Wolln doch mal schaun, bei so was bin ich noch nie aufn Kopf gefallen.'

Im gegenseitigen Einverständnis legen die beiden Matrosen die Trosse gleichzeitig zu Boden.



NORDSTERN - Oberdeck: Darian's Überlegungen


Darian steht auf dem Oberdeck der ZYKLOPENAUGE und beobachtet in der immer schwärzer werdenden Dunkelheit das Anlegemanöver. Zwar fällt auch ihm die im Hafen auf, doch erklärt er sich dies mit dem

ungewöhnlichen Schleppzug. Was die Menschen dort treiben interessiert ihn momentan auch nicht, seine Gedanken sind noch immer bei Phaylion Kenseîra und dem Überfall auf die ZYKLOPENAUGE. Seine anfängliche Hypothese, der Abgesandte des Seegrafen könne ein Opfer der Magica Controllaria sein, hat sich nicht bewahrheitet. Unter dem ODEM ARCANUM hat sich gezeigt, das eben jener etwa so magisch ist wie zwei Quader Koschbasalt, um es mal so auszudrücken. Der ´Kontrollblick´ hatte dem jungen Magus bestätigt, dasz der ODEM wohlgeraten war, so dasz eine erneute arcana Untersuchung zwecklos wäre.

Auch seine weitere Befragung hatte keine neuen Details ans Tageslicht gefördert, so daß der Adeptus nun vor dem Problem steht, aus den kärglichen Erkenntnissen ein halbwegs plausibles Gesamtbild zu erstellen. Allmählich kommt er zu dem Schlusz, dasz Phaylion Kenseîra wohl zu jenen unangenehmeren Vertretern der Gattung ´Homo nobilis´ gehört, denen der Besitz ihres Lehensherrn und der Erhalt desselben, über alles geht. Der Gewaltsame Tod von Menschen macht diesem offenbar wenig aus, handelte es sich doch ohnehin nur um Gemeine, von denen halt gelegentlich welche Verloren gehen, wie Rinder auf einem Weidener Viehtrieb. Ein weiters Merkmal jener Adligen ist die Ansicht, mit ihrem Namen und ein wenig Gold liesze sich der Lauf der Welt schon regeln, sogar EFFerd würde es nicht wagen ein Schiff sinken zu lassen, nachdem er, Phaylion Kenseîra, 200 D für die Schleppfahrt gezahlt habe. Der junge Magus kann über soviel Verblendung nur den Kopf schütteln, jedes Kind weisz, dasz die Götter sich nicht um Namen und Werte der Sterblichen scheren.

Die zweite kniffelig Frage ist die nach Motiv und Vorgehen der Piraten. Nun gut, die Ladung hatte gewiß ihren Wert, doch hätte ein normaler Handelskapitän angesichts der Übermacht und der Wehrlosigkeit des eigenen Schiffes wohl freiwillig auf die Ladung verzichtet, statt Mannschaft, Passagiere und sich selbst ans Messer zu liefern. Kaum sinnvoll zu erklären ist auch, warum die Seeräuber mit aller Gründlichkeit dafür gesorgt haben, die ZYKLOPENAUGE manövrierunfähig zu machen, Masten gefällt, Ruder zerschlagen, Brücke zerstört, aber darauf verzichtet haben das Schiff einfach zu versenken.

So steht der Adeptus weiterhin grübelnd am Stumpf des ehemaligen Groszmastes und blickt in Richtung Hafen.




ZYKLOPENAUGE - Unterdeck: Krankenwache


Nachdem das Mädchen in die Kabine transportiert wurde, hatte sich Fargus in eine Ecke eben jener verzogen, irgendwo hilflos, denn all seine Bemühungen Kontakt aufzunehmen, waren gescheitert.

Die Lieder des Seemanns jedoch, die schienen in dem Mädchen keine dunklen Träume zu wecken, und so lauschte er stumm seinen Gesängen.

Als das Schiff schließlich in den Hafen einfuhr, war Fargus in einen tiefen Schlaf gefallen, und er verweilte in düsteren Träumen von gigantischen schleimigen Wesen, die sich über seinen Körper schoben und ihn langsam seiner Lebenskraft beraubten. Sein Körper zitterte, seine Lider flatterten,als schließlich einige Stimmen den Druiden aus seinem Traum erwachen ließen..



Das Mädchen liegt mit geschlossenen Augen scheinbar ruhig auf ihrer Koje im Unterdeck der ZYKLOPENAUGE. Dies ist noch nicht lange der Fall, denn die Berührungen, welche nötig waren, um sie nach unten zu transportieren, lösten anscheinend wieder die starken Ängste aus. Vielleicht gaben sie aber auch nur den Anstoß, der ihre Seele aus den tiefen, unteren Schichten der Bewußtlosigkeit hinauftrieben in die Welt der Bilder, Gedanken und Erinnerungen.

Laute Schreie bei weit geöffneten Augen wurden abgelöst von wirrem Gestammel. Dann folgte wieder plötzliches Verstummen, welches jedoch nicht minder erschreckend war, da sich unter den bläulichen Augenlidern lebhafte Bewegungen abzeichneten, und ihre Hände suchend über die Decken glitten. Nach solchen ruhigeren Momenten begann sie plötzlich erneut zu sprechen, rief nach ihrer Schwester und bat diese flehentlich, sie nicht zu verlassen.

Was jedoch weder freundliche Worte noch teilnahmsvolle Berührungen vermochten, nämlich den verschlungenen Weg hinab in ihr Unterbewußtsein zu finden und die verwirrte Seele zu erreichen, das gelang Ole durch seinen Gesang. Vielleicht, daß die Töne und Schwingungen gerade die emotionalen, nicht verstandesgesteuerten Tiefen eines erschrockenen Geistes ansprechen können, die durch Worte nicht zu erreichen sind. Vielleicht, daß die einfache Melodie des Kinderliedes ältere, friedvolle Erinnerungen nach oben spülte, welche die furchtbaren Bilder verdrängten. Vielleicht aber auch, daß Ole ganz besondere, seltene Fähigkeiten besitzt, derer er sich kaum oder nur halb bewußt sein mag...



'Irgend etwas muß geschehen sein, daß ich hier ganz alleine mit dem Mädchen zurück gelassen wurde. Die Geräusche von oben sind aber nicht wirklich beunruhigend.'

Obwohl der Druide sich in Gedanken Mut zuspricht, ganz wohl ist ihm nicht bei dem Gedanken, daß sie beide hier unten ganz alleine sind, ist ja schließlich ein Wrack, auf dem sie sich befinden. Beim Betrachten des Mädchens fällt ihm auf, das dieses ruhig da liegt und schläft.

'Angenehme Träume wünsche ich Dir, und eine bessere Zukunft.'

Ohne einen Laut von sich zugeben, verharrt er in der Kabine.



Noch immer grübelt Darian über diese seltsamen Piraten, deren Opfer die ZYKLOPENAUGE wurde. Das Fortschreiten des Anlegemanövers und nicht zuletzt der Ruf Lowangers, reiszen in jedoch aus seinen wenig neues bringenden Gedanken, so dasz Darian sich nun erstmal einem anderen wichtigen Problem zuwenden kann.

Der Adeptus begibt sich auf das Unterdeck, zu seiner Erleichterung, ist dieses noch trocken. Auch Darian ist nicht entgangen, dasz immer noch mehr Wasser eindringt. Vorsichtig, um unnötigen Lärm zu vermeiden, öffnet er die Tür zur Kabine des Mädchens.

"Keine Veränderungen?" fragt er den dort Wache haltenden Fargus. Zwar sieht der junge Magus selbst, dasz sie sich immer noch nicht rührt, es könnte jedoch sein, dasz dies zwischenzeitlich anders war.



"Nun, werter Herr, um ehrlich zu sein bin ich auch gerade erst vor kurzer Zeit erwacht. Als dieser Seemann hier gesungen hat, hat sich das Mädchen" 'merkwürdigerweise' - "auch seelisch erholt und in dem Gefühl, daß es ihr nun besser geht, hat mein Körper schließlich meinen Geist besiegt. Aufgewacht bin ich durch Stimmen von oben, denke ich - habe ich irgend etwas verpaßt ?".



"Nun, wir haben Salzerhaven erreicht und werden so EFFerd will gleich anlegen. Da es bereits dunkel ist, werden wir heute wohl keine gröszeren Masznahmen zu ihrer," Darians Blick schweift zu Alkinoê, "Rettung mehr ergreifen können."

Der Adeptus macht eine kurze Pause, dann fährt er fort:

"Wir sollten sie für die Nacht besser auf die NORDSTERN schaffen, das Wasser steigt noch immer und wer weisz ob dieses Schiff morgen früh überhaupt noch schwimmt."

Als fiele es ihm jetzt erst auf, fragt er den Druiden:

"Der Gesang hat sie beruhigt, sagtet ihr?"



ZYKLOPENAUGE - Unterdeck: Schwerer, leichter Traum


Die Töne einer sanften Melodie wiegen sie sanft und leise in eine tiefe, angenehme Dunkelheit hinein. Sie muß nicht mehr denken, nicht handeln, kann sich einfach fallenlassen in die dunkle Tiefe. Nach und nach verändern sich die Töne, auch die Stimme wird heller, weicher und klingt dabei unendlich vertraut:


'wawa-y-mi punuy

tukuy ka-n allay

chakra-pi

ljaqta-pi

tuta-pi

chisi-pi

tukuy ka-n allay

wawa-y-mi punuy'

Glatte, dunkle Arme halten sie fest und wiegen sie sanft, sie kann den warmen, guten Körpergeruch wahrnehmen. Das Zimmer ist verdunkelt, aber kleine, helle Lichtreflexe dringen durch die mit Schnitzereien verzierten Holzläden nach innen und malen Muster auf den Steinboden. In der Luft liegt der vertraute, intensiv süße, alles betäubende Duft von Rosen.

'wawa-y-mi punuy...'

Sie soll getröstet werden, einschlafen. Ob sie krank ist? Irgend etwas ganz Schlimmes ist passiert, dessen ist sie sich gewiß, vielleicht auch nur ein furchtbarer Alptraum, aus dem sie schreiend erwachte, an den sie sich aber gar nicht mehr erinnern will...

'wawa-y-mi punuy...'



Langsam verschwimmt das Bild, der Gesang wird immer leiser, und verstummt. Es ist absolut still im Haus. Der frühe Nachmittag, Stunde der Rondra, wo alles auf seinen Zimmern liegt und ruht, Herrschaft wie Dienerschaft. Alkinoê hat diese Zeit immer geliebt: Die Stille, das Sich - selbst - überlassen - sein: Dies ist jetzt ihr Haus, ihr Garten. Die einzige Zeit des Tages, wo sie sich frei und unbeobachtet bewegen kann, wenn es ihr gelingt, sich aus ihrem Zimmer zu schleichen.

Leise, nur leise die schwere Holztür geöffnet und hinaus auf die Galerie, wo so schöne bunte Muster in den Steinboden eingelassen sind. Alkinoê darf nur auf die schmalen, grünen Bänder treten: Wenn ein Schritt daneben geht, hat sie verloren. Das ist gar nicht so einfach, denn die Bänder verlaufen in komplizierten Mäandern und Ranken, denen Alkinoê jetzt folgen muß. Sie genießt die Kühle der glatten kleinen Steinchen unter den nackten Fußsohlen. Dabei fällt ihr Blick auf das Holzgeländer der Galerie, und sie tritt heran, um einen Blick in den Innenhof zu werfen. Plötzlich hat sie Angst vor dem was sie dort sehen könnte, ein merkwürdiges Gefühl der Bedrohung, das nicht in die friedliche Stille passen will...



NORDSTERN - Mannschaftsraum: ALRIK'S Traum


Nachdem der Schiffsjunge noch den einen oder anderen kleinen Auftrag für die Passagiere erledigt hat, beobachtet er von der Reling aus das andere Schiff. Zu Beginn war die Schleppfahrt doch sehr aufregend, neu und spannend, doch nach und nach stellte sich heraus, daß alles sehr reibungslos zu klappen schien. Und auf dieser Entfernung hin konnte man leider auch nichts wahrhaft interessantes auf dem anderen Schiff entdecken. Sicher, wenn man so ein schönes Fernrohr hätte, wie es der Liebfelder mit sich führte, dann schon. Aber doch mit den einfachen Augen eines Schiffsjungen und unter dem zunehmenden Anbruch der Dämmerung ließ sich nichts Neues und Interessantes entdecken.

Müde von dem langen Tag trottet der Schiffsjunge die Stiegen zum Unterdeck hinunter und schleicht sich dann müde gähnend weiter zum Mannschaftsraum. Nur wenige Matrosen befinden sich schon dort, lediglich Sigrun und Aleara schlummern bereits friedlich in ihren leicht schwankenden Hängematten und bieten somit einen Anblick, der Alrik prompt wieder zum Gähnen animiert, bevor er sich schlußendlich in seine eigene Hängematte fallen läßt. Und kaum, daß er die Augen geschlossen hat, fällt er auch schon in einen unruhigen, traumerfüllten Schlaf...



Der vergangene Tag war überaus ereignisreich und so ist auch ALRIK's Schlaf alles andere als friedlich und ruhig. Schon bald nach dem Einschlafen weicht der wohlige feste Schlummer und farbige, wirre Traumbilder geistern durch ALRIK's Unterbewußtsein. Das Schiff ist immer noch auf hoher See, die ZYKLOPENAUGE im Schlepp. Wie gern würde er drüben selbst mal nach dem Rechten sehen. Doch es ist wie immer, denn jedes Mal, wenn es irgendwo spannend wird, dann heißt es, er sei noch zu klein, zu unerfahren und die Angelegenheit sei zu gefährlich und alles in allem sei es zu seinem Besten und zu seinem eigenen Schutz, daß er doch.... damit muß einfach Schluß sein.

'Ich bin doch kein Kind mehr.'

Die kleine, weiße Möwe kreuzt das Deck der NORDSTERN. Mit nur wenigen Flügelschlägen hat sie die Strecke überwunden, die die NORDSTERN von dem anderen Schiff, der ZYKLOPENAUGE, trennt und landet auf dem Deck

Eine grauer, unscheinbarer Mäuserich trippelt auf dem Deck der ZYKLOPENAUGE umher, bis er eine Luke übersieht und unvermittelt auf dem düsteren Unterdeck aufschlägt. Mühsam rappelt sich der Mäuserich auf und weiter geht die Erkundungsreise auf dem fremden Schiff, wo offensichtlich doch mehr Leben ist als bisher angenommen. Auch wenn dieses Leben nicht nicht ganz die Wesenszüge hat, die man von einem gewöhnlichen Passagier oder harmlosen Tierchen erwarten würde.

Es hat die Schleppfahrt mit der gleichen Anspannung verfolgt, wie die menschliche Besatzung und verspürt eine nicht geringe Erleichterung über den Anblick des sicheren Hafens. Im Moment tanzt es auf einer Kiste im Laderaum.

Will ein neugieriger Schiffsjunge dieses Wesen näher kennenlernen, so sollte er sich zunächst erstmal hinknien. Doch auch das ist noch nicht viel besser. Was ein richtiger, riesiger Thorwaler ist, der muß sich zudem auch noch tief bücken, so daß schließlich der Kopf vielleicht gerade eine Unterarmspanne von dem Kistendeckel entfernt ist. Dann sollte er die Augen fest schließen, den Atem anhalten und ganz still sein ... und lauschen ... und wenn er dann Glück hat und auch sonst ein guter Mensch ist, kann er möglicherweise eine leise Stimme triumphierend singen hören:


kriigst niie miin Schiiff

du fiieser Wiicht


hi

ich tritte diich

du fiins'tres Liicht


ha

machst du eiin Loch

wiir stopfens diicht


he

der riisge Mann

mir miir zusammn


ho

das ist eiin Triick

den lernst du niicht


huh

biis alt du biist

un' kriigst diie Giicht


*******************************


"Huaahh!"

Mit diesem Schrei auf den Lippen, wacht ALRIK erschrocken auf und kann nur mühsam das Gleichgewicht halten, um nicht aus der Hängematte zu fallen.



"Puh!" Den Göttern sei's gedankt, es war nur ein Traum. Unheimliche Hutzelmännchen, die teils sichtbar, teils unsichtbar, teils hörbar teils unhörbar leise auf Frachtkisten tanzen und singen, sind zwar nicht wirklich gruselig, aber doch reicht es aus, um einem rechtschaffenen Schiffsjungen für's erste vom nächtlichen Besuch der NORDSTERN'schen düsteren Laderäume fern zu halten.

Ob wohl irgendwer diesen peinlichen, mädchenhaften Aufschrei mitbekommen hat? Verlegen schaukelt ALRIK in seiner Hängematte hin und her und blickt sich dabei unauffällig im Mannschaftsraum um. Nur Aleara und Sigrun dösen in ihren Matten und ansonsten ist es glücklicherweise recht leer hier. Ob es noch gar nicht so spät ist? Richtig ausgeruht fühlt sich der Schiffsjunge jedenfalls noch nicht und die Schaukelbewegungen des Schiffes lassen auf keine sonderlich hohe Geschwindigkeit schließen.

'Salzerhaven... Doch schon... hmmm?'



So einiges deutet darauf hin, daß man den nächsten Hafen, Salzerhaven, erreicht hat. Und schon hat die Neugier den Schiffsjungen doch noch gepackt. Nach diesem seltsamen Traum erscheint ein weiteres Nickerchen nur wenig verlockend. Andererseits ist es hier im Mannschaftsraum zum bloßen Aufenthalt entschieden zu langweilig. Die beiden Weiber schnarchen weiter in ihren Hängematten, und das ist auch schon das einzige, das hier für Abwechslung sorgt.

Doch auf Deck ist erfahrungsgemäß immer mehr los - vor allem dann, wenn es für die Mannschaft Aussichten auf einen möglichen Landgang gibt. Und ein Landgang wäre dem Schiffsjungen gerade recht, warum sollte man sich auch unnötig lange mit dem schweren Gewicht seines Geldbeutels herum quälen. Immerhin gibt es noch dieses gewisse Goldstück, das nur darauf wartet, ausgegeben zu werden.

'Nein, halt, zwei Goldstücke sogar!' verbessert sich ALRIK in Gedanken und huscht mit einem erwartungsfrohen Lächeln schnell aus dem Mannschaftsraum.



ZYKLOPENAUGE - Ladedeck: Meergrün, der Klabauter


Pitsch * Patsch * Pitsch * Patsch * Pitsch * Patsch * Pitsch * Patsch

In finsterster Dunkelheit bewegt sich das fremdartige Wesen durch das Wasser, das im Ladedeck hin und her schwappt. An dieser Stelle ist das Wasser gerade fingertief. Für das Wesen bedeutet dies immerhin noch ein unsicheres Waten, versunken bis fast zu den Knien.

Aller Triumph ist jetzt vergessen, die Schultern hängen von dem stundenlangen Kampf gegen das eindringende Wasser müde herab und von den beiden Ärmel des graugrünen, nassen Kapuzenmantels tropfen kalte Wasserperlen herunter und vermengen sich mit den klammen Fluten zu dessen Füßen.


Eiin heiißes Bad

und dann nur Schlaf


Das Wesen nähert sich einer Kiste, die unscheinbar in einer ganz finsteren Ecke in der Dunkelheit steht. Offenbar haben die Piraten kein Interesse an ihr gehabt. Aber auch die Besatzung der ZYKLOPENAUGE haben sie sich wohl nicht näher angeschaut. Denn auf ein Zeichen des Wesens hin flammt plötzlich ein kleines, heimeliges Licht auf. Es leuchtet aus einer fingergroßen Laterne an der Kistenwand und erhellt eine etwa zehn Finger große (oder kleine) Tür daneben.

Die Tür ist solide aus Holz gearbeitet und blaugrün. In der Mitte der Tür prangt ein golden-blitzender Türklopfer in der Form einer Meeresschildkröte, die sich mit ihrem Maul an einem großen Zeh festgebissen hat. In den Rücken der Schildkröte ist mit grüner Emaille das Wort "Meergrün" kunstvoll eingelegt.


eiin kliick eiin schnapp

dann reiin iins bad


Bei dem Wesen muß es sich denn um den Bewohner der Kiste und den Träger des Namens "Meergrün" handeln, denn es holt einen Schlüssel hervor und steckt ihn in das Schloß der Tür und öffnet sie. Doch die Tür scheint sich zu wehren. Als ob etwas oder jemand von der anderen Seite dagegen drücken würde. Da nimmt Meergrün noch einmal all seine verbliebene Kraft zusammen und stemmt sich dagegen.

Doch ach herrje, wie soll man es schonend sagen. Auch wenn Meergrün seinen Widersacher auf der anderen Seite zurückdrängen kann, so ist es doch nur ein Teilsieg. Denn wo Meergrün hinein wollte, so wollte der andere hinaus. Zu der jetzt offenen Tür drängt dieser mit noch größerer Gewalt endlich ins Freie und das Wasser, daß in der Kiste noch einige Finger höher gestanden hatte, entleert sich nun in den Laderaum.


Oh neiin

meiin heiim


Der Klabauter steht vor den Trümmern seiner Wohnstätte. Noch während er, unfähig etwas zu tun oder zu denken, in das dunkle Loch starrt, das früher seine warme Kajüte war, treibt eine Teekanne vorbei. Mechanisch fängt Meergrün sie ab, leert das darin gesammelte Salzwasser aus und klemmt sie sich unter den Arm, bevor er durch die Türe tritt und ein Licht entzündet.

Auch bei Licht sieht der Inhalt der Kiste nicht besser aus. Er geht zum Tischchen neben dem Sessel und setzt die Teekanne an ihrem Stammplatz ab. Die Tischdecke ist ganz feucht und Meergrün fällt nichts besseres ein, als sie auszuwringen. Doch auch dieses Wasser kann nichts anderes tun, als sich mit dem zu vereinigen, daß immer noch knietief in der Kiste steht. Und für die nunmehr nur noch feuchte Decke findet sich auch nirgendwo ein trockener Platz.

Meergrün läßt sich in den Sessel fallen, vergräbt das Gesicht in der Decke und schluchzt bitterlich.



In SALZERHAVEN - Hafen: Der Mann des 'kleinen Volkes'


Auch wenn er nach außen hin keine Regung zeigt, innerlich fällt dem Zwerg doch ein Stein vom Herzen, nachdem er die Worte des Mannes gehört hat.

'Angrosch sei Dank. Noch ein paar weitere Tage in dieser Stadt, und ich würde bald nach Fisch stinken wie alle hier. Und dann fährt das Schiff auch noch gleich bis nach Brabak. Phex scheint heute ein Auge auf mich geworfen zu haben.'

Diesmal schickt er ein weiteres "Danke!" lauter in Richtung des Menschen, der ihm so bereitwillig Auskunft gegeben hat. Anschließend wendet er sich wieder der Menschenmenge zu und macht sich daran irgendwie durch die Menge nach vorne zu gelangen, damit er die Einfahrt der Schiffe und die Ankunft des berühmten und berüchtigten Jarun nicht verpaßt.



Langsam drängt sich der Zwerg durch die Menschenmenge nach vorne. Wer ihm im Weg steht wird einfach zur Seite geschoben. Beschwerden wegen des rüden Verhaltens gibt es keine, spätestens wenn man den Felsspalter sieht, den der Zwerg immer noch in Händen hält, sieht man ein, daß eine Diskussion wohl keinen Erfolg haben würde.

Vorne angekommen, schaut sich der Sohn des kleinen Volkes erst einmal die beiden Schiffe an, die jetzt ankommen. Daß eines der beiden Schiffe sehr tief im Wasser liegt, bleibt auch von ihm nicht unbemerkt. Überhaupt sieht das erste Schiff nicht so aus, als ob es jemanden sicher bis zum nächsten Hafen geschweige denn nach Brabak bringen würde.

'Darauf bringen mich keine 10 Oger. Lieber schlag ich mich durch eine Armee von Orks, als daß ich auch nur einen Fuß auf dieses Schiff setze. Da kann ich ja gleich nach Brabak schwimmen. Wahrlich, wenn Angrosch gewollt hätte, daß wir uns durchs Wasser schlagen, dann hätte er uns Flossen und Kiemen gegeben.'

Doch da ist ja noch das andere. Das sieht schon ein wenig sicherer aus, zumindest so sehr, daß man nicht gleich auf dem Grund des Meeres angelangt ist, wenn man in die unteren Etagen des Schiffes betritt.

So bleibt ihm also erst einmal die Hoffnung, daß es dieses ist, welches erwartet wird, und mit dem er vielleicht auch seinen Weg fortsetzen kann.



Langsam kommt das erste der Schiffe immer näher. Obwohl der Zwerg die Dunkelheit eigentlich einigermaßen gewohnt ist - seine Kindheit hat er fast nur in finsteren Stollen verbracht, die nur durch wenig Licht erhellt wurden - kann er immer noch nicht viel auf der ZYKLOPENAUGE erkennen. Der Schein der Fackeln, der die gesamte Umgebung erhellt, verhindert, daß sich seine Augen an die Dunkelheit, die über dem Hafenbecken liegt, gewöhnen können.

So starrt er erst einmal auf das Wasser und das Feuer der Fackeln, das sich im Wasser spiegelt und auf den Wellen einen seltsamen Tanz aufführt.



Näher und näher kommt das riesige Gefährt. Nicht mehr weit hat es das Schiff, bis es gegen den Pier stoßen wird. Der Zwerg schätzt die Strecke grob auf zehn Schritt. Jetzt kann er auch erkennen in welchem Zustand sich die ZYKLOPENAUGE befindet. Sogar für jemanden wie ihn, der so gut wie noch nie ein Schiff von nahem gesehen hat, ist ersichtlich, daß dieses Schiff nicht mehr sehr fahrtüchtig ist.

'Was wohl passiert sein mag? Vielleicht war es so ein Seeungeheuer, von dem mir die Leute in der Salzerelle erzählt haben.'

"Verfluchte Drachenbrut!"

Mit diesen Worten speit er auf den Boden vor ihm, um das eben Gesagte damit zu bekräftigen.



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Phaylion erwägt


Die Arme vor der Brust verschränkt, steht Phaylion aufrecht und abwesend-überlegen wirkend nahe der Reling. Geschafft, zumindest soweit. Das Schiff ist zwar nicht am Ziel, doch nicht verloren, und, was viel wichtiger ist, gleiches gilt für die Ladung des Schiffes - nicht die offensichtliche Ladung, sondern jene, die wirklich wichtig ist. Es wird zu einer Verzögerung kommen, und zu einem Umweg, um diese Ladung doch noch zum Ziel zu bringen und dem Feind einen möglicherweise empfindlichen Schlag zu versetzen. Lange ist dieses Unternehmen gereift. Und trotzdem ist etwas dazwischen gekommen. Aber mit solchen Schwierigkeiten muß immer gerechnet werden in diesem Krieg. Leer gleitet der Blick des Cyclopaeers über den Hafen, er hat sich offenbar umgezogen und gereinigt, da er frischer aussieht und nun saubere Kleidung hat, von beinahe gleichem Aussehen wie die vorherige auch, die beim Überfall gelitten hat.

Nachdem vor mehreren Stunden die wichtigen Fragen geklärt waren und alles danach aussah, als gäbe es keine weiteren Probleme, hat sich der kleine Mann zurückgezogen. Um sich umzuziehen und zu reinigen und ein wenig auszuruhen. Daß den anwesenden Leuten von der anderen Karavelle nicht ganz wohl ist in seiner Gegenwart, ist ihm nicht weiter verwunderlich. Als einziger Überlebender eines Gemetzels wird man nun mal schief angesehen. Nicht ganz als einziger, verbessert er sich, das Mädchen lebt ja auch noch. Nicht nur angesichts ihres Zustands wäre es besser gewesen, wenn sie tot wäre ...

Phaylion blick sich aufmerksamer um. Ob die Menschenmenge eine Bedeutung für das Unternehmen hat? Eher nicht, aber Gefallen findet er doch keinen daran.



NORDSTERN - Oberdeck: Die Pläne der Phexane


Phexane hatte sich noch eine Zeitlang mit Efferdan unterhalten, wobei sie eher über belanglose Dinge geredet hatten. Dann aber gab es auch für ihn wieder Arbeit und sie kehrte von dem "versteckten" Platz hinter dem Brückendeck und der Luxuskabine zurück zu dem eigentlichen Oberdeck.

Hier stand sie dann an der Reling und betrachtete das Einlaufen des Schiffes in Salzerhaven. Natürlich entging auch ihr die Menschenmenge im Hafen nicht, aber sie vermutete, daß es vielleicht mit dem Wrack zu tun haben könnte. Vielleicht wurde ja jemand Wichtiges erwartet?

Dann aber blickt Phexane weg von der Menschenmenge, hin zu den Häusern der Stadt.

'Ein Bad könnte ich mal gebrauchen und vielleicht auch mal etwas andere Kleidung. Ein wenig amüsieren will ich mich aber auch noch. Hm, viel Geld habe ich seit Thorwal nicht mehr, aber das ist ja kein Problem!'



Phexane freut sich innerlich schon auf das, was ihr Salzerhaven bieten könnte. Sie dreht sich gerade um, um zur Gemeinschaftskabine zu gehen und dort ein paar Sachen zu holen, als sie Alrik auf sich zukommen sieht.

'Hm, in Salzerhaven werde ich ein paar Dinge erledigen müssen, die ihm vielleicht nicht gefallen würden. Ich muß diesmal alleine gehen. Selbst ein Gleichgesinnter würde mich vielleicht stören.'



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Torin's Traum


Die letzten Stunden hatte Torin mit dem Packen seiner Habseligkeiten und einigen Worten an Joanna verbracht. Doch das Gespräch hatte kaum Tiefgang, da immer wieder andere Personen die Gemeinschaftskabine betraten.

Nachdem dann endlich alle Sachen so in seinem alten Rucksack verstaut waren, wie er es wollte, legte er sich in seine Koje. Er zog seinen Hut tief bis über sein Gesicht und dachte nach. Die Gedanken drehten sich um die Reise nach Gareth, Vater Rotmarder und seinen Schützling Ameg.

Eine Weile dachte er noch über das Erlebte während der Schiffsreise nach und schlief dann mit einem Lächeln ein.



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...Torin fühlt das weiche Gras unter seinem Körper. Er genießt den warmen Wind, der süßen Blumenduft zu ihm trägt. Langsam öffnet er die Augen. Er blickt über die grüne Wiese, die sich bis zum Horizont erstreckt.

Eine kleine Biene, die von Blume zu Blume fliegt und Honig sammelt, gerät in seinen Blick. Verträumt schaut er ihr hinterher. Emsig sammelt sie den Honig. Unermüdlich fliegt sie umher.

Als sie sich seiner Aufmerksamkeit entzieht, starrt Torin noch einige Sekunden auf den Fleck, an dem er die Biene als letztes wähnte. Dann richtet er sich langsam auf.

In der Nähe kann Torin rotblühende Rosenbüsche sehen und wie von selbst bewegt er sich darauf zu. Unter seinen Füßen fühlt er bei jedem Schritt das weiche Gras und wie es seine Füße sanft umspielt.

Niemand kann sagen, wie lange Torin für die kurze Strecke zwischen dem Platz, an dem er gelegen hat und den Rosenbüschen brauchte. Doch das ist nicht wichtig. Auf der Blumenwiese summen weiterhin die Bienen. Und auch neckisches Vogelgezwitscher ist jetzt zu hören.

Torin streckt seinen Arm vor, gerade in den großen Rosenbusch hinein. Seine Hand umfaßt vorsichtig einen der Blumenstiele und so zieht er eine der prächtigen, roten Blüten zu sich heran. Ein wenig muß er sich bücken, dann erst kann er den Duft der Blume in sich aufnehmen.

Wie zur Belohnung wird nicht nur seine Nase von dem Aroma der Rose verzückt, beinahe scheint ihm so, als ob auch seine Gedanken wie von einem hellen Licht erfaßt würden. Ein tiefes Glücksgefühl durchdringt ihn, als er die Augen schließt und sich ganz der Rose hingibt. Er seufzt leise. Als er die Augen wieder öffnet, rollt eine Träne des Glücks seine Wange hinab. Während er sich umdreht, läßt er die Blüte zurück gleiten in den großen Rosenbusch. Seine Augen blicken suchend über die große Wiese.

Doch Torin kann nicht finden, nach was er sich so sehnt.

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NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Traurige Joanna


Noch immer liegt Joanna mit offenen Augen in ihrer Koje. Nachdem Torin sich hingelegt hat, wollte auch sie etwas schlafen. Doch noch viel zu viele Gedanken über Torin, ihre Visionen und über vielleicht bestehende Zusammenhänge gingen ihr durch den Kopf.

Nun wirft sie ab und zu einen Blick zu den anderen Passagieren. Einerseits ist sie froh über das baldige Essen mit Torin, andererseits traurig darüber, daß der Moment des Verabschiedens immer näher rückt.



NORDSTERN - Unterdeck: Ameg auf der 'Jagd'


Ameg steht nun, wie schon zuvor auch schon, wieder an der Reling.

Er hatte einige Zeit lang aufs Meer hinaus geblickt und nachgedacht, wobei er versuchte Gedanken an Thorwal zu gut wie möglich zu vermeiden. Es gab ja auch genug andere interessante Dinge die er erfahren hatte und dadurch sogar noch viel mehr Dinge die er noch heraus finden mußte. Da war zum Beispiel die Frage über was die Leute im Mannschaftsraum geredet hatten, oder was Jarun danach mit einem Abenteuer gemeint hat. Oder auch Phexane; denn obwohl Efferdan und Phexane recht leise geredet, teilweise sogar geflüstert hatten, so hatte er doch eine ganze Menge des Gespräches der beiden mitbekommen, solange sie noch in seiner Nähe gestanden hatten.

Doch diese Gedanken sind einige Stunden her und nun beobachtet Ameg wie die NORDSTERN und das andere Schiff, welches sie im Schlepp haben langsam in den Hafen einfahren und dem Kai immer näher kommen an dem eine größere Menschenmenge steht. Sie scheinen extra wegen etwas dorthin gekommen sein, doch weswegen kann Ameg nur vermuten.

'Jedenfalls dürften diese Leute, die da so dicht beisammen stehen, nicht sonderlich aufmerksam sein... man kann ihnen sicherlich den ein oder anderen Gegenstand abnehmen bevor es auch nur irgend jemand annährend mitbekommt... hmm.. dazu müßte man nur an Land sein... wo ist Torin eigentlich? ...ob wir an Land gehen? ...er hat mir gar nicht erzählt wie es nun weiter gehen soll... Ich werde ihn mal suchen...'

Ameg schaut sich auf dem Oberdeck um.. , doch hier scheint Torin nicht zu sein. Trotz des geringfügig weiteren Weges nimmt Ameg den Niedergang näher zum Heck um das Unterdeck zu erreichen, denn dem anderen Niedergang traut er nicht mehr. Schamlos reingelegt hat in dieses steile Ding... das die andere genauso aussieht, darüber denkt Ameg nicht nach.



'Wo mag Torin wohl sein... vielleicht bei seinen Sachen in der Gemeinschaftskabine... oder in der Messe? ...aber da ist es ruhig... ich schau in der Gemeinschaftskabine nach... vielleicht hat ja auch irgendeiner der Mitreisenden was interessantes liegen lassen..'

Grinsend geht Ameg zur Gemeinschaftskabine, öffnet leise die Tür und schlüpft in den Raum. Tatsächlich haben hier einige Leute was liegen gelassen.. nämlich zum Beispiel Torin und Joanna, die sich selbst offensichtlich hier vergessen haben und in aller Ruhe zu schlafen scheinen. Interessiert schaut sich Ameg um...



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Torin und Ameg


Torin erwacht mit einem genüßlichen Räkeln, bei dem er die Arme weit von sich streckt. Ein herzhafter Gähner läßt nun auch die anderen Personen in der Gemeinschaftskabine erfahren, daß Torin Rotmarder erwacht.

Noch verschlafen linst Torin unter seinem Hut hervor. Die Helligkeit, die ihn vorhin kaum einschlafen ließ, ist der Düsternis gewichen. Zwar ist es nicht vollkommen dunkel in der Gemeinschaftskabine, denn irgendwo muß noch eine Lichtquelle brennen, doch einiges dunkler als am Tag ist es auf jeden Fall.

Langsam und noch müde setzt er sich auf die Koje und schiebt seinen Hut wieder zurück auf den Kopf.

"Morg'n." läßt er sich gähnend vernehmen.

Dann sieht er durch die noch vertränten Augen den jungen Ameg und fragt ihn verschlafen:

"Hast du schon gepackt?"



Ameg ist ein wenig verärgert. Da schleicht man ganz leise in einem Raum hinein und gerade da wacht jemand auf. Dabei ist Ameg sich ganz sicher absolut kein Geräusch gemacht zu haben als er hinein kam. Kurz wirft er einen bösen Blick zurück zur Tür, als hätte sie ihn verraten... ...um sich dann erst über Torins Worte zu wundern.

"gepackt?", fragt Ameg Torin. "Was'n?"



Längst ist Torin noch nicht ganz wach. Zu sehr ist er noch geschafft von den paar Stunden Schlaf, mit denen er sich zu begnügen hatte.

Deswegen antwortet er auch nicht sofort auf die überraschte Frage des Jungen, sondern blickt erst einmal zur gegenüberliegenden Koje der jungen, braungelockten Druidin.

Es gefällt Torin, was er sieht. Nun, da sie ihren schwarzen Umhang abgelegt hat, kann er die Form ihres weiblichen Körpers betrachten. Bei jedem ihrer Atemzüge hebt und senkt sich ihr Brustkorb und mit ihm ihre weiblichen Rundungen.

Noch hundemüde grinst Torin schelmisch zu ihr hinüber. Seine Gedanken zeigen sehr wohl, was er jetzt gerade denkt. Dann schweift sein Blick zurück zu Ameg und leiche Furchen zeigen sich auf seiner Stirn.

"Ich hatte dir doch gesagt, daß wir nach Gareth aufbrechen werden."

Die nächsten Worten sind nicht mehr ganz so sicher, wie der Satz davor.

"Oder nicht?"



Ameg öffnet langsam seinen Mund und schaut Torin an als hätte er gerade gesagt, daß sie das Schiff verlassen und nach Gareth weiterreisen und das er glaubt es ihm schon gesagt zu haben...

...doch halt... genau dies hat Torin gerade getan.

"nach Gared? das is' doch ... wieso'n Gared?", fragt Ameg.

'gibt es in Gareth irgend etwas besonderes... wollte er nicht eigentlich weiter mit dem Schiff nach Süden, oder habe ich mich da getäuscht... warum schaut er Joanna so an?'



Torins Stirnfurchen verstärken sich zusehends, als er merkt, daß er Ameg wohl doch nichts gesagt hatte.

'Oha!'

Er wischt sich mit der Hand über die Augen, um auch den letzten Rest seiner Verschlafenheit los zu werden. Dann gähnt er noch einmal heftig, wobei er sofort die Hand vor den Mund hält, als ihm einfällt, daß Joanna ihn beobachten könnte. Doch dann spricht er den Jungen an und es scheint, als habe er in diesem Augenblick keine Scheu, daß Joanna von ihrem Geheimnis erfahren könnte.

"Bist du ganz sicher, daß der Dunkle tot ist?"

Während dieser Worte blickt er Ameg durchdringend an und läßt das Gesagte einige Momente wirken. Dann erst spricht er weiter.

"Hast du dir überlegt, was geschieht, wenn er uns hier auf diesem Schiff findet? Ich kann vielleicht über dich wachen, aber kann ich auch die anderen Passagiere vor seinem Einfluß beschützen?"

Er wird etwas leiser, denn was er ausspricht, lastet noch schwer auf seinen Schultern. Er blickt nicht mehr den Jungen an. Sein Blick verliert sich irgendwo am unteren Ende der gegenüberliegenden Koje.

"Harad konnte ich nicht retten."

Er schüttelt den Kopf um die Bilder der Vergangenheit wieder aus seinem Kopf zu vertreiben. Dann blickt er wieder zu dem stehenden Jungen hoch.

"Du hast noch immer seinen Ring. Wenn er wirklich noch lebt, dann wird er ihn sicher zurück fordern. Denn soviel steht fest: Dieser Ring ist mehr als nur ein Schmuckstück!"

Er atmet tief ein, läßt die Luft jedoch wieder entweichen. Dann erst spricht er weiter.

"Ich will dem Dunklen nicht noch einmal gegenüber stehen."

Den Worten Torins ist mehr als nur reine Vorsicht zu entnehmen.

"Wenn wir von diesem Schiff gehen, können wir unsere Spuren sicher verwischen. Wenn wir erst in Gareth sind, tauchen wir für einige Zeit bei den Rotmardern unter. Und Vater Rotmarder ist ein besserer Lehrmeister, als ich es dir sein kann."



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Joanna erwacht


"Morgen" sagt auch Joanna als Torin erwacht.

'Wie heißt noch mal der Junge?? A...Am...Ameg, ja genau.'

"Hallo Ameg."

Sie setzt sich auf und sieht kurz in Torins Richtung. Seine Blicke sind ihr weder unangenehm noch störend. Die Druidin geniesst es richtig, dass sie seine Aufmerksamkeit auf sich zieht.

'Ameg scheint nicht zu wissen, dass sie das Schiff verlassen müssen und er dürfte etwas traurig darüber zu sein. Ich finde es ja auch schade. '

Joanna hört dem Gespräch der beiden gut zu, obwohl sie sich überhaupt nicht auskennt.

'Der Dunkle? Harad? Welcher Ring? ...'

Verwirrt sieht sie abwechselnd einmal in Torins und einmal in Amegs Richtung.



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Torin und Ameg


Ameg mag es gar nicht, schon wieder über den Dunklen nachdenken zu müssen... betrübt blickt er zu Boden und glaubt wieder einen leisen Vorwurf in Torins Stimme zu hören, daß Harad noch leben würde, wenn er, Ameg, nicht gewesen wäre.

Den Ring jedoch.. den will Ameg nicht hergeben. Obwohl dieser ihm Schwierigkeiten verursacht hat und Torin wohl auch glaubt, daß dies weiterhin der Fall sein wird, so mag Ameg gar nicht daran denken ihn wieder zurück zu geben. Manchmal hat Ameg das Gefühl als sollte ihn der Ring an irgend etwas erinnert, als hätte er früher schon einen solchen Ring gesehen. Aber dieses Gefühl ist schwach und selten...

Schließlich erwähnt Torin wieder diesen Vater Rotmarder. 'wer mag dass sein? sein Vater.... he.. was meint Torin, daß der mich besser unterrichten kann??'

"hallo", sagt Ameg ein wenig freudlos zu Joanna und wendet sich wieder Torin zu.

"wer is' Vater Rotma'der?", fragt Ameg vorsichtig nach...



'Habe ich dem Jungen wirklich noch nichts über den Vater erzählt? Da sieht man, was für ein schlechter Lehrmeister ich bin.'

"Hmm." läßt Torin sich vernehmen. "Vater Rotmarder ist.."

Er stockt..

'Ich kann ihm wohl kaum in Gegenwart der Druidin die ganze Wahrheit sagen.'

"Nun, er nahm mich bei sich auf, als mich meine Eltern an Gaukler verkauft hatten. So wie er auch meine Schwester Selina und meine Brüder Mark und Rinzi aufnahm."

Nachdenklich blickt er zu Boden.

'Wie lange habe ich mich nicht mehr gemeldet. Obwohl ich es mir vorgenommen hatte. Wie lange ist es her, daß ich des Nachts mit Selina und Mark über die Dächer gestreunt bin?'

Auf die Rufe, die vom Oberdeck zu kommen scheinen, achtet er kaum. Die Bewegungen, die das Schiff macht, versucht er in seiner Koje sitzend auszugleichen.

Sein Blick hebt sich. Er blickt zu Joanna. Und doch schaut er nicht sie an, sondern die hölzerne Wand hinter ihr.

Ein weiteres Mal verflucht er den Dämon, der Liasanya und ihn damals getrennt hatte.

'Wäre er nicht gewesen...'

Aber das sind alte Geschichten und so klärt sich sein Blick wieder. Plötzlich wird ihm bewußt, daß er die ganze Zeit in Joannas Gesicht geschaut hatte, ohne es bewußt wahrzunehmen. Die feinen Züge, ihre schwarzen Augen, ihr braunes Haar. Die freche Locke, die sich durch ihr Gesicht wellt.

Das alles nimmt er wahr. Doch nur für einen Augenblick, dann holt ihn die gestellte Frage wieder ein und er blickt zurück zu Ameg.

"Vater Rotmarder war mir ein strenger Lehrmeister. Er hat mir all das beigebracht, was man über Dere wissen muß. Er lehrte mich lesen und schreiben. Er zeigte mir, was es heißt, keinen Heller in den Taschen zu haben. Und er lehrte mich, zu.."

Kurz grübelt Torin über das Ende seines Satzes nach. Beinahe hastig sucht er nach einem Wort, das sich besser anhört als 'stehlen'. Und er findet es auch.

"überleben." beendet er seinen Satz.



NORDSTERN - Oberdeck: Raschid


Lange Zeit hatte Raschid auf dem Oberdeck gestanden und die anderen Matrosen auf der ZYKLOPENAUGE beobachtet. Für ihn gab es auf der NORDSTERN nicht viel zu tun. Daher hatte er auch kein schlechtes Gewissen einige Löcher in die Luft zu starren.

Doch die Ruhephase verging zu schnell. Bald war Land in Sicht und es hieß, Vorbereitungen treffen für das Anlegen im Hafen von Salza. Dort hatte eine Winde festgezogen, an andere Stelle einige Knoten überprüft und schließlich half er beim Einholen der Segel, als man den Hafen erreicht hatte.

Er wußte, daß das Manöver kein leichtes war, selbst für den erfahrenen Kapitän Jergan. Von allen wurde eigentlich äußerste Aufmerksamkeit erwartet. Doch immer wieder siegte seine Neugier über das Pflichtbewußtsein.

Während Raschid die Segel sorgfältig verstaut, schaut er immer wieder zum Hafen hinüber. Erwarten diese Leute die NORDSTERN oder sind sie aus einem anderen Grund dort. Die Augen zu kleinen Schlitzen zusammengekniffen, versucht er die Schrift auf den Stoffbannern zu lesen.

'Etwas zu weit weg. Muß wohl noch etwas Geduld haben, bis ich mehr erfahren kann.'

Nach einem kurzen Blick zum Brückendeck, um sicher zu gehen, das niemand seine Unaufmerksamkeit bemerkt hat, widmet er sich wieder voll und ganz dem Segel.



Raschid's Augen wandern, während er an den Segeln arbeitet, immer wieder zu den Menschen am Kai. Inzwischen ist die Schrift der Banner recht gut zu lesen. Doch sagen ihm die Worte nicht viel. Ihm fehlt auch die Zeit länger über die Worte nachzudenken, denn erneut schallt ein Befehl des Kapitän zu ihm herüber.

Oftmals, so wie gerade in diesem Fall, kommt es vor, daß Raschid die Befehle des Kapitäns nicht vollständig versteht. Zu sehr unterscheiden sie sich von der Seemannssprache auf dem Khunchomer Handelsschiff, auf welchem er bisher gefahren ist. In solchen Fällen bleibt ihm nur die Möglichkeit sich auf sein Verständnis für die Seefahrt zu verlassen und die anderen Matrosen zu beobachten, um es ihnen gleich zu tun.

Der Kapitän fordert die Besatzung bei der Einfahrt in Hafen, mehr, als es bisher nötig war. Schweißtropfen laufen Raschid über die Augen und nehmen ihm für einige Augenblicke die sicht. In einer kurzen Pause zieht er sich das Kopftuch weiter in die Stirn, so daß es den Schweiß komplett auffängt und wendet sich danach wieder dem Segel zu.



NORDSTERN - Oberdeck: Ein 'Held' kehrt zurück


Nur wenige Minuten hatte Jarun auf dem Bett verbracht, zu knapp war die Zeit bemessen. Er entkleidet sich, um die gröbsten Flecken aus seiner Kleidung und anschließend die Falten aus seinem Hemd zu beseitigen. Ordentlich wurde seine Gauklerutensilien auf dem Bett plaziert. Die Hose, das Hemd, der Umhang, der Schultergurt mit den Schwertern, die Bälle und seine Arm- und Beinschellen, alles wurde nach und nach vom Bett genommen und an seinem Körper untergebracht.

Während Jarun die letzten Korrekturen an seiner Schminke unternimmt, entdeckt er durch das kleine 'Fenster', daß sich in seiner Kabine befindet, die ersten Häuser Salzas. Hurtig vervollständigt er die künstlerischen Zeichnungen in seinem Gesicht und legt die Schminke beiseite.

Ein letzter Blick in den kleinen Handspiegel, um sicher zu gehen, daß jeder Stelle makellos ist. Doch trotz seiner Eile, die ihn sichtbar befallen hat, seit er die Nähe Salzas realisiert hat, schweifen seine Gedanken noch einmal ab.



Wie zu Stein erstarrt, sitz Jarun auf seinem Bett. Die Augen weit geöffnet, hängt er vergangen Tagen hinterher.

Viele Götterläufe liegt es zurück, daß er die Weihe des Hochgeweihten erhalten hatte. Die Erinnerungen an diesen Moment sind für ihn immer erreichbar, als läge es nur wenige Stunden zurück. Jung und unerfahren sah er nur eine Möglichkeit den Häschern von Galadin ibn Jafar al Jahlim zu entkommen. Er suchte Schutz in einer noch größeren Gemeinschaft, als die des Sklavenhändlers. Als Gegenleistung für die Hilfe der Geweihten, sollte er sein Leben in den Dienst des Gottes der Diebe stellen. Einfach schien ihm damals die Wahl zwischen Leben und Tod. Würde sich in seinem Leben doch nicht viel ändern. Schon vor der Weihe, fühlte er sich oft dem phexischen Gewerbe näher, als der künstlerischen Unterhaltung.

Doch daß sich noch ganz andere Pflichten mit der Weihe auftun würden, bedachte er nicht. Oft genug zog er sich den Zorn seiner Gefährten zu. Egoistisch und gefühlskalt wurde er betitelt und das schlimmste dabei war, daß er es ihnen nicht einmal verübeln konnte. Denn manchmal trieb er es wirklich auf die Spitze. Hasgar entwickelt damals im Angesicht des Todes einen berechtigten Zorn auf ihn, weil Jarun zuerst den Ring mit dem Edelstein haben wollte, bevor er ihm die Hand reichte, um ihn von dem Abgrund heraufzuziehen. Anschließend mußte Jarun auf der Hut sein, nicht von Hasgar aufs übelste Verprügelt zu werden.

Einsamkeit war wohl eines der ungeschriebenen Gebote der Phex-Geweihten. Wer es mit ihnen aushielt muß wohl ein wahrer Menschenfreund oder Elf sein.

Wieder ruft sich Jarun die Erinnerungen an seine Weihe vor Augen. Es war der Tag, wo er, Yali Ibram, sein altes Leben beendete und Jarun aus Fasar geboren wurde.



NORDSTERN - Oberdeck: Di Vespasio


'Ha wären wir ohne die moderne Forschung. Es ist wirklich ein Meisterwerk der Handwerkskunst, dieses kleine Ding. Und da sagen einige Skeptiker, sie blickten in eine düstere Zukunft. Fürwahr, mein Freund, welch ein Irrtum. Noch ein paar solcher hervorragender Erfindungen und wir werden ... nun ja ... Dinge sehen, die ... jenseits jeder Vorstellung sind... Das wird ja gar nicht mehr scharf.'

Di Vespasio ist möglicherweise ein wenig zu optimistisch. In der fortgeschrittenen Dämmerung hat er mit seinem Fernglas einen sehr düsteren Blick auf die Umgebung. Die Dinge mögen zwar ein wenig größer sein, aber dafür sind sie als schwarze Silhouetten vor dunklem Hintergrund fast nicht zu erkennen.

Als Alrik ihm das Lederetui brachte, stand die Sonne ja noch ein wenig am Himmel, so daß der stolze Fernglasbesitzer sich darauf vorbereitet hatte, jedem Interessiertem die genauen Eigenschaften des Seerohres zu erläutern. Dummerweise waren zu dem Zeitpunkt fast alle Passagiere vom Oberdeck verschwunden und die Mannschaft hatte sich in hektische Aktivitäten gestürzt, als ob das andere Schiff jeden Augenblick untergehen könnte.

Deshalb war der Adelige so ein wenig herumgegangen, hatte das Rohr auf alle möglichen Objekte gerichtet und hin und wieder ein lautes "Oh!" oder ein "Erstaunlich!" von sich gegeben und es schließlich sogar geschafft, einige scharfe Eindrücke von der Spitze des vorderen Mastes zu erhalten. Jetzt aber, in der Dunkelheit, ist das Fernrohr nicht zu gebrauchen, so daß selbst der gelehrte Südländer es wieder in das Etui steckt und sich auf seine Augen besinnt.

'Nun, das ist ja mal eine schöne Stadt. Sie beleuchten die Häuser am Abend. Fast so, wie die Paläste am Wasser in Kuslik.'



Für einen eingefleischten Landbewohner ist ein Anlegemanöver eine aufregende Sache. Etwas, was sich ein alter Seemann kaum noch vorstellen kann. Wie war es das erste Mal? Liegt das nicht Ewigkeiten zurück, vergraben von immer wieder neuem Anlegen und Auslaufen. Kann ein Seebär denn überhaupt wissen, was in dem Kopf einer Landratte vorgeht?

In der Dunkelheit ist es natürlich noch viel spannender. Es ist zwar nur halb so viel zu sehen, dafür ist aber alles doppelt so spannend und viel geheimnisvoller. Die wichtigen Fragen stellen sich um so dringlicher. Kann der Kapitän denn von hinten überhaupt sehen, wohin er fährt? Wie stoppt man ein Segelschiff? Was gibt eher nach, der Pier oder das Schiff? Und, besonders wichtig, wie tief ist das Wasser hier?

Für di Vespasio ist das alles natürlich nicht besonders aufregend.

'Du hast ja auf deiner ersten Reise mit der "Schwanenhals" bestimmt schon dreimal mitbekommen, wie sie das Schiff anbinden. Du kannst dich daher wirklich zu den alten Hasen zählen... Nunja, zweimal warst Du natürlich in den unteren Etagen, wegen ... du weißt schon. Aber du mußt schon zugeben, dieser Kapitän Efferdstreu versteht sein Handwerk. Es besteht wirklich kein Grund, ihn auf unsere Geschwindigkeit hinzuweisen.'

Langsam kommen auch die Transparente in eine Entfernung, die es auch dem Südländer erlauben, sie zu entziffern. Eine willkommene Ablenkung.



Di Vespasio muß wieder die Augen ein wenig zusammenkneifen und den Kopf in den Nacken legen um die Lettern auf den Transparenten erkennen zu können. Das Lesen, eines der wenigen Dinge, die er wirklich meisterhaft beherrscht, gelingt ihm dann auch ohne weiteres. Hingegen ist es mit dem Verständnis um so schwieriger.

FLIEG FÜR UNS, PAPAGEI! FLIEG FÜR UNS!

WILKOMMEN IN SALZA, JARUN

'Hm. Willkommen ist falsch geschrieben, was ja bei diesen Nordlandbarbaren nicht anders zu erwarten war. Aber sonst... was das wohl bedeuten mag? Ein Papagei der Jarun heißt? Nun in jedem Fall scheint es sich um einen berühmten Vogel zu handeln, wenn so spät noch so viele Leute zusammenkommen. Zu gerne würdest du wissen, worum es hier geht. Wer könnte wohl ...'

Di Vespasio blickt sich auf dem Oberdeck um. Neben einigen der Matrosen, die für solche Gespräche selbstverständlich nicht in Frage kommen, stehen noch ein Magier in grauer Robe und ein sehr kleiner Mann in schwarzer Robe auf dem Deck.

'Ork, Troll, Kuh und weg bist du.'



NORDSTERN - Oberdeck: Anselm


Die Stunden bis zum Eintreffen des rivaner Schiffes hat Anselm mehr oder weniger mit rum stehen verbracht. Die eigentliche Tätigkeit ging in seinem Kopf vor.

'Da ich mich schon einige Leute auf mein Reiseziel und ähnliches angesprochen haben, müßte ich eigentlich meine 'Verkleidung' weit genug einstudiert haben. Was jetzt wichtig ist, ist ganz allein Salzerhaven. Mal wieder festen Boden unter den Füßen. Und eine Gelegenheit mich mit dem nötigsten Einzudecken. Vielleicht auch die Chance mal wieder meiner Lieblingstätigkeit nachzugehen...'

Natürlich hat auch Anselm den Mob im Hafen bemerkt.

'Oh, wie schön wäre es, diese Leutchen um ihre Geldsäcke zu erleichtern, während sie wie die Tiere auf dieses Schiff hier starren. Was wollen die überhaupt alle hier? Das ist doch ne Hafenstadt, da müßten die Leute doch den Anblick von Schiffen gewohnt sein. Naja, ein so zerfetztes wie diese 'ZYKLOPENAUGE' sieht man vielleicht nicht so oft, aber das kann doch auch net der Grund sein..'



NORDSTERN - Suite: Die 'große Glocke'


Gleich neben seinem Ohr muß eine Glocke läuten, die von ungeheurer Größe sein muß, so laut und gellend klingt sie, als gälte es einer Stadt nächtens die Gefahr einer drohenden Feuersbrunst nahe zu bringen. Der Schädel will ihm schier dabei zerspringen, einem Kopf, der allem Anschein nach, womöglich sowieso nur noch von klebrigem Schweiß zusammengehalten wird, da er, so zumindest fühlt es sich an, in der letzten Zeit auf den doppelten Umfang angewachsen sein muß.

Und da war zudem noch diese beißende Wüten in seinen Eingeweiden, als würde Magen und Darm von einer feurigen Faust zusammengepreßt werden, so daß, in Folge davon, der Inhalt dort mit Macht, sowohl nach oben, als auch nach unten gedrückt werden würde.

Schon längst wäre er gegangen, diese Problem und auch noch mehr von sich zu geben, aber da gilt es noch die Schwierigkeit zu überwinden, daß sich der Weg jeden Augenblick,der ihm zugemutet wird, wieder verändert, einfach dadurch, da sich der gesamten Raum um den Gepeinigten herum drehte, in einem hämischen Reigen.

Sein Versuch für die nächste Zeit für irgendwelche Vorhaben, welcher Natur auch immer, eine Art Plan zu entwickeln, scheiterte an seinem verflüchtigten Denkvermögen. Dort, wo noch vor kurzem ein Verstand wohnte, wallt nun der Nebel des Vergessens und der Gleichgültigkeit und als sich sein Gekröse wieder einigermaßen beruhigt, fühlt er sich tiefer und tiefer in die Matratze einsinken, als würde er von einem gierigen Moor verschlungen werden.

Doch das macht ihm gar nichts aus, es breitet sich sogar so etwas wie ein innerer Frieden in ihm aus. Angst hat er nicht - nicht mehr - nie mehr! Und so ist ihm, als sänge ihm ein alveranischer Chor ein Wiegenlied.

'Manche Probleme erledigen sich im Schlaf!', denkt sich Radisar und überläßt sich glücklich und zufrieden Bishdariel's Armen.



NORDSTERN - Oberdeck: Alrik Fuxfell


Seid Salza in Sichtweite ist steht Alrik nun schon an der Reling und hatte die näherkommende Küste betrachtet. Ganz ruhig und in Gedanken versunken hält sich der Magus an der Reling fest.

'So weit noch bis zur Geburtsstätte meiner Ahnen, werde ich es noch rechtzeitig schaffen?? Soll ich meine Schwester mitnehmen?'

Diese und einige andere Fragen schwirren durch seinen Kopf. Mit einem Seufzen löst er seinen Blick von der Stadt und schaut sich auf dem Schiff um, zu seinem Erstaunen steht Phexane nicht weit von ihm. Er mustert sie während er langsam hinüber schlendert.

'Ein wahrer Fall der Handschrift von Phex, nur so war es möglich sie zu finden, sie gleicht so unserem Vater, daß es mich schmerzt daran zu denken, daß ich ihn vielleicht nie wiedersehe!'



NORDSTERN - Oberdeck: Garulf


Nachdem das leere Fasz in den Laderaum geschafft war, hatte der Smutje noch einige Zeit mit diversen kleineren Arbeiten in der Kombüse verbracht. Erst als der Ausguck ´Land in Sicht´ ausrief, ist er wieder an Deck gegangen. In der dunkler werdenden Abenddämmerung blickt er zur abgeschleppten ZYKLOPENAUGE hinüber. Ihm entgeht trotz schlechter werdender Sicht nicht, dasz das Wrack noch tiefer eingesunken ist.

´Na, wenn dat man nich hier im Hafenbecken absäuft,´ denkt er sich während er sich umdreht und Richtung Hafen schaut. Im Schein der Fackeln ist die Menschenmenge schnell ausgemacht.

´Was die wohl alle wollen? Komm´ die wegen uns?´



NORDSTERN - Brücke: Jergan und Fiana


Auch auf der NORDSTERN wird das Steuer mit großer Sorgfalt geführt, auch wenn Jergan es weit einfacher hat als sein zweiter Offizier auf dem angeschlagenen anderen Schiff. Die NORDSTERN hat alle Möglichkeiten, die ein Segelschiff hat, und sie macht momentan genug Fahrt, um das Schiff fast spielend dem Steuer gehorchen zu lassen.

Fast zu viel Fahrt...

"Fiert die Segel!"

Die gerade vor kurzem dichter geholten Segel werden wieder etwas weiter freigelassen, was die Belastung der Schoten und damit den Vortrieb sofort spürbar reduziert. Aber... den Matrosen ist schon klar, daß das wohl nicht das letzte kleine Segelmanöver sein wird - das Manövrieren im Hafen hat es nun einmal an sich, daß in relativ kurzer Zeit viele Änderungen an der Segelstellung vorgenommen werden müssen - ganz im Gegensatz zu Fahrten mitten auf dem Ozean, wo manchmal tagelang die Segel in der gleichen Stellung verharren.

"Könnt Ihr schon was erkennen?" fragt der Kapitän seine erste Offizierin, während er weitere Korrekturen am Steuer vornimmt und dabei eigentlich auf alles mögliche im Hafenbecken achtet - aber kaum auf so etwas eher unwichtiges wie die Menschenmenge am Kai.



Fiana achtete eigentlich gemeinsam mit dem Kapitän mehr auf die NORDSTERN, als auf die Menschenmenge, da diese eben ohnehin noch etwas zu weit fort war, um genaueres zu erkennen.

Eigentlich hat sie auch nicht unbedingt Lust sich evtl. heute Abend noch mit so vielen Menschen auseinanderzusetzen, den bisher ging sie davon aus, daß die Leute wegen des ungewöhnlichen Gespanns NORDSTERN und ZYKLOPENAUGE hier sind. Doch auf die Frage des Kapitäns hin schaut sie noch einmal konzentrierter hinüber und tatsächlich sind sie nun nahe genug um die großen Buchstaben erkennen zu können.

'WILKOMMEN IN SALZA, JARUN' liest sie dort.

'Moment Jarun, das ist doch der nette Gaukler, mit dem sie Schatzsuchpläne geschmiedet hat.'

Ziemlich verwundert wegen dieses offensichtlich oppulenten Aufmarsches erwidert sie in Richtung des Kapitäns:

"Da steht -WILLKOMMEN IN SALZA, JARUN!- Das scheint ein Epfangskommite für Jarun den Papagei zu sein. Der scheint hier ja eine echte Berühmtheit zu sein"

'Hmm eigentlich nicht schlecht, dann werden wir eher morgen über die weitere Schatzsuche sprechen, Heute abend ist mir ohnehin nicht so sehr danach.'

Zwei Schichten und eine Nacht mit wenig Schlaf schlaucht schon etwas, denn Fiana konnte in der letzten Nacht irgendwie nicht recht schlafen.



Jergan wendet sich nicht für eine Sekunde vom Steuer und der Betrachtung des nur schwach erleuchteten Wassers um die NORDSTERN herum ab, als er antwortet:

"Das wundert mich eigentlich nur wenig - erinnert Euch nur an seinen Kampfeinsatz während der Niederschlagung der Meuterei. Da stand er doch urplötzlich auf der Reling und hatte Olof sofort in seiner Gewalt."

Er bricht an dieser Stelle ab, denn in seiner Erinnerung ist die Rolle, die Fiana in diesem Kampf gespielt hat, nicht gerade rühmlich und ihre Methoden waren auch nicht gerade angemessen. Statt dessen ergänzt der Kapitän:

"Vielleicht hat er in Salzerhaven ja auch einmal eine Heldentat vollbracht, und die Leute da vorne wollen ihn einfach nur angemessen begrüßen."

Eine kleine Korrektur mit dem Steuer begleitet diese Worte.



Auf die Antwort des Kapitäns reagiert Fiana eher skeptisch.

"Ich weiß nicht, um diesen Auflauf mitten in der Nacht zu rechtfertigen muß es schon eine gewaltige Tat gewesen sein."



"Nun, das werden wir wohl in Kürze wissen", erwidert der Kapitän, während er an der Takelage vorbei beobachtet, wie Lowanger die wrackreife ZYKLOPENAUGE gekonnt an den backbordig liegenden Anlieger heran steuert.

"Segel weiter fieren!" ruft er dann nach vorne, um endlich die restliche Fahrt aus dem Schiff zu nehmen. Lowanger mag sein Schiff mittels der Kollision mit dem Kai bremsen müssen, bei der NORDSTERN ist DAS ganz sicher nicht nötig. Nicht, solange er, Jergan Efferdstreu, auf dieser Brücke etwas zu sagen hat.



"Bergt die Segel!" gibt die Bootsfrau den Befehl des Kapitäns weiter, während sie sich zusammen mit zwei Matrosen auch sogleich am Groß-Segel zu schaffen macht.

Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Segel sorgsam behandelt werden, denn ihr Wert ist nicht unbeträchtlich, und er steigt nahezu ins Unermessliche, wenn das Schiff in gefährlichen Situationen ist, in denen ein zerfetztes Segel über Leben oder Tod entscheiden mag.

So achtet Nirka sehr aufmerksam darauf, daß die Segel auch entsprechend behandelt werden, und nicht einfach nur herunter geholt und in die Segellast gefeuert werden.



"Zweifelsohne" erwidert Fiana kurz auf die Bemerkung des Kapitäns, während sie ihren Blick noch einmal über die inzwischen ruhiger, ja bedrückt wirkenden Mensch... äh ... -Da ist ja ein Zwerg dabei- ... Leute am Kai streifen läßt.

'Sie haben wohl auch begriffen das die zahlreichen Toten nicht unbedingt ein Grund zum Jubeln sind'



NORDSTERN - Oberdeck: Ottam


Ottam hat den Rest des Tages mit Schweigen verbracht. Die ganze Zeit über blickte er auf die ZYKLOPENAUGE und es gelingt ihm einfach nicht einen sinnvollen Grund für das Verhalten des Überlebenden zu finden.

'Da muß mehr dran sein, es muß einfach'

Auch Pläne für eine nächtliche -stille- Untersuchung hat er gefaßt. Darüber hinaus schwelgt er in Genugtuung, allein durch seine Anwesenheit dafür zu Sorgen, daß der Kapitän keinen allzu angenehmen Tag hatte.



Ottam hat sich geradezu in den Gedanken vernarrt, mittels ein wenig Magie näheres über das Wrack heraus zu bekommen, ja, das wird er tun, doch nicht jetzt. Immer noch ist das Wrack zu belebt und der Hafen erst, nein er wird hier warten bis Ruhe eingekehrt ist und, vor allen Dingen, bis der lästige Kapitän hoffentlich bei irgendwelchen Bürokraten aufgehalten wird.



NORDSTERN - Oberdeck: Nirka


Die Bootsfrau der NORDSTERN hat die Diskussionen um die Rotze und den Fehlschuß inzwischen schon wieder weit verdrängt, wenn auch nicht vergessen, denn immerhin ist das Thema von möglichen Übungsschüssen ja noch hochaktuell.

Im Moment jedenfalls steht sie neben der Winde, mit der das Groß-Segel bewegt wird, und bedient diese eigenhändig, denn ihr ist sehr wohl klar, was für Auswirkungen kleine Fehler bei diesem nicht unbeträchtlichen Wind in diesem nicht wirklich großen Hafenbecken haben können. Wenn das große Segel zu lange voll im Wind steht, dann mag das ausreichen, um die NORDSTERN so zu beschleunigen, daß erst die Hafenmauer sie wieder stoppen kann. Und das möchte die Bootsfrau ebensowenig wie der Kapitän, und so hat sie diese wichtige Winde übernommen. Bei der derzeitigen Einstellung - mit teilweise gerefften Segeln und Wind von dwars - ist sie nämlich alleine mit dem Groß-Segel in der Lage, die Vortriebswirkung der anderen Segel aufzuheben.

Doch dazu besteht kein Bedarf, denn Nirka beobachtet die anderen Segel ebenso aufmerksam wie das Groß-Segel, und die, die die anderen Winden bedienen, wissen, daß die Bootsfrau jeden Fehler sofort bemerken wird - und später dann auch angemessen bestrafen, etwas, das niemand erleben möchte.



NORDSTERN - Ladedeck: Traumauge macht 'ernst' ...


Auch die schönste Streicheleinheit geht einmal zu Ende und so hat Traumauge sich irgendwann doch mit etwas anderem beschäftigen müssen. Derweil ist er im Ladedeck, denn dort hat eine offensichtlich noch sehr junge Maus einen großen Fehler begangen. Sie ist offen über das Deck gelaufen obwohl der kleine Kater in der Nähe war.

Rasch erinnert er sich an das bei der Mutter Gelernte und beginnt die für Außenstehende grausame Hatz. Geschickt springt er in Richtung der winzigen Maus und trifft mit seiner Pfote genau auf ihren Kopf. Kurz darauf läßt er sie wieder los, jedoch nur um erneut auf sie zu springen.

Dieses Spiel wiederholt sich ein gutes Dutzend mal, immer wieder und wieder. Die arme Maus weis versteht nicht was da passiert, die Schläge auf den Kopf vernebeln ihren Geist, sie weiß nicht mehr wo sie ist und auch bald nicht mehr wohin sie will. Von Todesangst getrieben läuft sie immer weiter, merkt nicht, daß sie sich nur im Kreis bewegt.

Lange Minuten später hat Traumauge genug von dem Spiel, sein Magen meldet sich und geübt fängt er die Maus ein letztes Mal, ein kräftiger Biß in den Nacken und es wird still für die kleine Maus. Die Maus ist erlöst, Dunkelheit macht sich in ihr breit und jegliche Last fällt auf einmal von ihr...



... Die Dunkelheit hat völlig von der kleinen Maus Besitz ergriffen, sie spürt keinerlei schmerz, weder Wärme noch Kälte, doch langsam weicht das Nichts einem angenehmen Gefühl...

Traumauge merkt von all dem nichts, genüßlich verspeist er seine Beute und ist stolz auf seinen Jagderfolg.

Nach getaner Arbeit macht er sich langsam auch wieder auf den Weg nach oben, denn daß das Schiff gestoppt hat, entgeht auch dem kleinen Kater nicht und man könnte ja etwas verpassen



NORDSTERN - Oberdeck: Die Geschwister


Nach zwei weiteren Schritten steht der Magus vor seiner Schwester, ernst blickt er auf sie hinab.

"..und holdes Schwesterlein was wirst du in der Stadt machen? soll ich dich begleiten??"



"Ähem ..." bringt Phexane erstmal nur hervor, als Alrik sie fragt, was sie in der Stadt zu tun gedenkt.

'Er wird doch wohl nicht Gedanken lesen können, oder? Wenn ja ... Puuuh!'

"Och, nicht nötig! Ich wollte halt ein paar Sachen erledigen ... Frauensachen. Kleider kaufen, mit Männern flirten ... all diese Sachen halt!"

Sie grinst ihn an.

"Aber nicht mehr heute! Morgen erst. Ich werde mich also nachher hinlegen und schlafen."

'Auf das er darauf eingeht! Dann verschwinde ich nachher von Bord und die Nacht gehört mir - den Rest werde ich mir stehlen!'



"Na dann, Phexane, wünsche ich dir eine angenehme Nacht, wir werden uns dann morgen sehen, ich werde noch von Bord gehen" mit diesen Worten wendet sich Alrik etwas ab.

Dann schaut er aber noch mal zu seiner Schwester hinüber und flüstert so das nur sie es hören kann,"... aber laß dich diesmal nicht wieder dabei erwischen!"



Phexane scheint etwas aufzuatmen, als Alrik sich entfernt und ihr eine angenehme Nacht wünscht. Doch dann schaut er noch einmal zu ihr hinüber und fügt hinzu, daß sie diesmal auf sich aufpassen soll.

Kurz schießt eine Erinnerung an Prem vor ihrem geistigen Auge vorbei. Haarige, starke Arme packen sie am Kragen, reißen sie zu einer riesigen, dunklen, gehörnten Gestalt her. Geruch von Bier wird ihr förmlich ins Gesicht gekotzt, und sie hört eine Stimme, tief, düster, grollend und blutdürstig, wie die eines gewaltigen Dämons:

"Du bist Rattenfutter, du dreckige Diebeshure!"

Phexane schluckt bei der üblen Erinnerung, doch weiß sie auch, daß so etwas nun einmal "Berufsrisiko" ist und sie schon in wesentlich gefährlicheren Situationen war ... wie die im brennenden Gefängnis ...

'Egal! Alles Vergangenheit! Ich sollte auf das Hier und Jetzt achten - dann unterlaufen mir auch nicht mehr so leicht Fehler.'

"Ja, ja, ist schon gut, Alrik! Ich habe meinen Verstand und gute Waffen dabei! Mach' dir keine Sorgen!" Aufmunternd lächelt sie ihm zu, doch ein guter Menschenkenner würde die leichte Nervosität in ihrer Stimme erkennen, die verrät, daß auch sie sich nicht hundertprozentig sicher ist.

"Viel Spaß heute abend ... und paß auch du auf dich auf!" ruft sie ihm noch hinterher, dann aber dreht sie sich um und geht zum Niedergang, der in der Nähe des Vordecks liegt, um ihn dann hinunter zu steigen.

'Hmmm, ich frage mich wirklich, ob er meine Gedanken liest ... Immerhin weiß er, was ich vorhabe. Oder vielleicht glaubt er es nur zu wissen ... Aber wenn er sie lesen kann ...'



Einen Augenblick schaut Alrik seiner Schwester hinterher.

'Ich frage mich wie sie sich in Prem ausgerechnet so einen ungehobelten Thorwaler zum flirten suchen mußte?? Na ein weiteres Geheimnis der Frauen.'

Leicht mit dem Kopf schüttelnd wendet er sich wieder der Reling zu und verfolgt das weitere Geschehen.



NORDSTERN - Oberdeck: Frizzi hat eine Frage


Di Vespasio wendet sich zur Seite und geht drei Schritte auf den an der Reling stehenden Magier zu. Dieser wendet sich gerade wieder dem Geschehen auf dem Festland zu, so daß der Adelige einen Moment Zeit hat, sich aufzurichten, den Stock zwischen den Füße auf den Boden knallen zu lassen und die Hände auf dem Knauf zusammenzuführen, bevor er sich an den gelehrten Herren wendet.

"Entschlul. Hrm. Hrm. Entschuldigung. Darf ich es wagen, Euch in einer Angelegenheit um Auskunft zu bitten, die mir keine Ruhe läßt?"



Alrik legt seine Hände auf die Reling und beugt sich etwas vor um einen Blick auf die kleinen Wellen zu erhaschen die am Rumpf des Schiffes entlang laufen, dann starrt er wieder zum Festland hinüber. Als er sich gerade umwenden und ebenfalls, wie seine Schwester vor ihm, den Niedergang zustreben will, wird er angesprochen. Langsam dreht er sich zu dem Sprecher um und mustert ihn kurz.

"Welches ist denn diese Angelegenheit die Euch keine Ruhe läßt, Euer ..?"

Der Magus läßt die Frage im Raum stehen, denn er ist sich unschlüssig wie er den wohlgeborenen Herren anreden soll. Ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht macht deutlich, das es fürwahr keine Absicht ist.



Als hätte er das Stocken des Angesprochenen vorausgeahnt, vervollständigt di Vespasio die angefangene Anrede nach eigenem Gutdünken.

"... und genau damit habt ihr mein Problem auf den Punkt gebracht. Wie Ihr zweifellos wißt, befinde ich mich erst seit Thorwal auf diesem Schiff. Leider haben es mir meine Geschäfte bisher nicht erlaubt, mich mit den anderen Mitreisenden näher bekannt zu machen."

'Vermutlich hättest du doch nicht den Großteil des ersten Tages über den Schriftrollen verbringen sollen, mein Lieber. Wie schon Zaltor sagt: Was man heute von sich schiebt, wird morgen um so schwerer zu tragen sein.'

"Ein Umstand, den ich durchaus bedaure, schließlich hat mich meine bisherige Reise dazu verdammt, meinen Weg durch das rauhe Nordland mit Idioten und Bauern zu teilen. Da ist diese erste Möglichkeit, wieder eine anregende Unterhaltung mit gebildeten Damen und Herren zu führen, geradezu ein alverianisches Glück für mich."

Ganz seiner Gewohnheit entsprechend, beginnt der Südländer mit den Armen wild zu gestikulieren, ohne in diesem Fall sein Anliegen wesentlich verdeutlichen zu können.

"Darf ich es deshalb einfach mal wagen mich ohne weitere Umstände Euch selbst vorzustellen."

Der Händler mach eine kurze Pause, so daß Alrik zumindest theoretisch die Möglichkeit hätte zu antworten, andererseits ist sie gerade so kurz, daß sie nur zum Luftholen reicht. Was soll man auch auf eine Frage antworten, die nicht einmal wie eine Frage betont wurde.

"Comte Frizzi Enrico di Vespasio da Balirii."

Dann folgt, wie das kaum anders zu erwarten war, eine kunstvoll ausgeführte Verbeugung, über die sich auch eine Spektabilität nicht beschweren könnte.

'Und daß die korrekt Anrede für einen Comte Euer Edelhochgeboren zu lauten hat, darüber sollte er doch eigentlich Bescheid wissen, oder Frizzi?'



'Aah ein weiterer dieser liebfelder Gecken, nun ja, lass mich kurz nachdenken, ein Comte. Bei Hesinde, die korrekte Anrede ist... Edelhochgeboren, ja genau die wars! Eines Tages werd ich noch eine Zauberformel über dieses ganze höfige Gehabe vergessen.'

Ein leichte Lächeln umspielt Alrik´s Mund als er eine knappe Verbeugung andeutet.

"Euer Edelhochgeboren, es ist mir eine Ehre Euch kennenzulernen, ich bin Magus Alrik Fuxfell"

Er wirft noch einen kurzen und sehnsüchtigen Blick gen Ufer dann wendet er sich ganz dem Herrn Vespasio zu.

"Ihr hattet ein Anliegen??"



'Oh, wir sind wohl ein wenig schlecht gelaunt? Etwas kurz angebunden heute? Oder etwa eilig, vom Schiff zu kommen? Nun, kein Grund unhöflich zu werden. Kein Grund, sich Feinde zu machen. Wir können auch mit einer kurzen Antwort auf eine einfache Frage auskommen, nicht wahr Frizzi.'

"Aber, nein, die Ehre ist ganz auf meiner Seite, ebenso wie das Vergnügen. Was meine Frage, angeht, so handelt es sich um eine Kleinigkeit. Wie ..."

Di Vespasio stockt. Die Mühlen seines Verstandes haben oft große Mengen zu bewältigen, so daß manchmal die neuesten Lieferungen erst etwas später bearbeitet werden können. Jetzt, wo das Mehl gesiebt wird, bleibt ein Name mit leicht bekanntem Geschmack zurück.

'Fuxfell ... Fuxfell? ... Ach, ja! Fräulein Rosenhains Künstlername. Welch ein Zufall.'

Dies ist natürlich eine Neuigkeit, die sofort verkündet werden muß.

"... ähm ... Wie ... pft ... Wie der Zufall manchmal spielt. Da kenne ich gerade vier meiner edlen Mitreisenden auf diesem doch recht überschaubaren Schiff und zwei von ihnen hören auf den Namen Fuxfell. Es ist wirklich erstaunlich."



' Na so was, da schafft es doch der edle Herr immer noch nicht seine Frage heraus zu bringen, und die Zeit wird allmählich knapp'

Belustigt über die Verwirrung des hohen Herrn, kann sich der Magus ein Lächeln nicht verkneifen als er im Scherz antwortet:

"Gewiß, Euer Edelhochgeboren Vespasio, wenn ihr es einen Zufall nennen möchtet, daß meine verehrte Schwester denselben Nachnamen trägt wie ich! Auch wenn wir uns nur durch eine Laune PHExen's trafen."

Noch einmal schaut Alrik zum Ufer, dann seufzt er kaum hörbar auf und wendet sich dem Herrn de Vespasio zu. Mit dem Rücken lehnt er sich leicht an die Reling.



"Di Vespasio."

Di Vespasio ist im ersten Augenblick so verwundert, daß er nichts anderes herausbringt, als die Korrektur seines Nachnamens.

'Die Schwester? Aber wie? Sie hieß doch Rahjane Fuxfell, nein Phexane Rosenhain, als Schauspielerin. Wie kann er denn dann so heißen?'

Es vergeht ein kurzer Moment, bis der Adelige seine Stimme wiederfindet. Dann äußert er sich mit deutlicher Verwirrung.

"Ähm. Entschuldigt. Dann seid ihr auch ein Schauspieler, der sich auf seine Rolle als Magier vorbereitet?"



Mit einem Schmunzeln schaut Alrik auf den Herrn di Vespasio:

"Nein ich bin schon Magus", kurz hebt er seine Hand um das Gildenzeichen zu zeigen, "Aber sicher würde mein Meister sich vor Lachen nicht halten können über diese Frage."

"Nun sagt mir wie kommt ihr zu dererlei Vermutungen, Euer Edelhochgeboren di Vespasio??"



'Ja, das war ein Gildenzeichen, wenn du je eines gesehen habe. Und welcher Schauspieler würde sich wohl ein solches eintätowieren lassen? ... Nein, welch eine abstruse Vorstellung, mein Lieber, der Gildenrat würde ihn bis hinter das eherne Schwert verfolgen und dann an ihm ein Exempel statuieren.'

Di Vespasio hebt den Blick von der Hand Alriks und mustert dem jungen Mann interessiert, als ob er sich an ein Gesicht erinnern wollte.

'Fuxfell, nein, leider hast du den Namen noch nicht gehört. War das dort eine Schlange im Gildenmal? Schlangen sind ja nicht so selten. Bethana? Nein. Fasar hat doch eine ...'

Bevor sich di Vespasio gedanklich durch alle Gildenzeichen mit Schlangen durch hangelt, gibt er sich einen Ruck und kehrt zu der Frage des Magus zurück.

"Nun, wohlgelehrter Herr Fuxfell, ich habe Eurer Schwester zwar versprochen, sie nur als Fräulein Fuxfell anzusprechen, aber ich denke, Euch gegenüber, als ihrem Bruder, da wird sie schon nichts dagegen haben. Zumal..."

Er tritt in Verschwörermanier ein wenig näher heran und senkt die Stimme ein wenig. Daß das Objekt seiner Rede gerade das Oberdeck betritt, sieht er nicht.

"Sie sagte ihr Name wäre Rahjane Rosenhain, und sie wäre eine Schauspielerin, in Verkleidung unterwegs, die sich auf eine Rolle als ... nun, beim Garether Theater vorbereiten wolle."

Der Südländer führt die Hand zum Kinn und streicht sich darüber, wie um deutlich zu machen, daß jetzt ein tiefgründiger Gedanke folgt.

"Nun, da habe ich eben angenommen, und ich wollte Euch wirklich nicht zu nahe treten, daß auch ihr ... wie soll ich sagen? ... das gleiche Gewerbe treibt. Wegen des falschen Namens. Ihr versteht?"



In SALZERHAVEN - An der Pier: Die 'ZYKLOPENAUGE' legt an ...


Es mögen noch vielleicht dreißig Schritt sein, die die ZYKLOPENAUGE von ihrem Ziel trennen. Linkerhand liegt mittlerweile die Konstruktion des Anlegers, an der die ZYKLOPENAUGE in geringem Abstand parallel vorbeifährt - später wird hier dann wohl die NORDSTERN hinter der ZYKLOPENAUGE vertäut werden. Und dreißig Schritt vor dem Bug befindet sich dann schließlich die quer zum Anleger liegende Hafenmauer, die die Fahrt dann wohl endgültig stoppen wird.

Gefährlich ist momentan nichts mehr - der Abstand zwischen dem Anleger und der Backbordseite der ZYKLOPENAUGE mag geringfügig unter zwei Schritt liegen, man könnte also schon hinüber springen.

"Vorsicht, ich werde gleich nach Backbord steuern, um uns abzubremsen", ruft Lowanger laut, insbesondere, um die Matrosen mit den Halteleinen zu warnen.

Es wird bei der geringen Fahrt zwar kaum einen spürbaren Ruck geben, aber Vorsicht ist dennoch besser - wer weiß, wie morsch das Schiff wirklich ist.

Lowanger hat bei all diesen Manövern keine Zeit, die Leute mit ihren Bannern auf dem Kai zu betrachten - seine einzige Sorge sind diese dreißig Schritt, die jetzt noch zurück zu legen sind.



Trolske steht backbordseitig auf dem Vordeck der ZYKLOPENAUGE, in der Hand das Ende einer Halteleine, deren anderes Ende an einem noch halbwegs brauchbaren Poller des Schiffes befestigt ist.

Seine Blicke sind auf den Anleger gerichtet, der in geringer Nähe an der Bordwand vorbei gleitet - und dann auch immer wieder nach vorne, wo die Menschenmenge auf dem Pier steht - hinter der Mauer, die die Fahrt der ZYKLOPENAUGE wohl endgültig stoppen wird, falls die Halteleinen das nicht schon schaffen.

Auf dem Anleger gibt es ebenfalls eine ganze Reihe von Pollern. Das ist auch notwendig so, da Schiffe ja alle möglichen Größen haben können. Trolske beobachtet diese Poller sehr aufmerksam, und hat sich im Grunde auch schon für einen entschieden, dem er dann in Kürze seine Trosse anvertrauen wird...



Lowanger dreht das Steuer ganz sanft ein Stück weiter, während der Abstand zwischen der Backbordseite der ZYKLOPENAUGE und dem Anleger immer geringer wird - das gleiche gilt für den Abstand zwischen dem Bug und der Mauer des Pier, der nun vielleicht noch zehn Schritt betragen wird.

Die Blicke des zweiten Offiziers wechseln zwischen den verschiedenen Dingen rasch hin und her, wobei erschweren hinzu kommt, daß er die Mauer unmittelbar vor dem Schiff im Grunde gar nicht sehen kann, weil die Höhe des Decks über der Wasserlinie und die Rest der Heckaufbauten die Sicht ziemlich wirksam blockieren. Aber im Grunde stört das nicht sehr - seit vielen Götterläufen ist er es schließlich gewohnt, Schiffe vom Heck aus zu steuern, und da ist die Perspektive immer eine solche.

Mit einem leichten Knirschen, und dann einem deutlich zu spürenden Ruck stößt die ZYKLOPENAUGE gegen den soliden Anleger. Wulf Lowanger merkt an den Geräuschen, daß weder am Schiff noch am Anleger irgend etwas zerbrochen ist, und steuert dann etwas mehr gegen, um das Schiff weiterhin an den Anleger zu drücken.

Mit einiger Geräuschentwicklung, die aber im Grunde weniger zu hören, als durch die Erschütterungen des Rumpfes zu spüren sind, schiebt sich das Wrack am Anleger entlang, wobei es immer langsamer wird. Und der Abstand zwischen Bug und Mauer wird ebenfalls geringer.



Bedingt durch die Krümmung der Bordwand ist der Anleger noch etwa einen halben Schritt von der Bordwand entfernt, als das Schiff die erste Berührung mit dem Land hat.

Trolske, der mit der Trosse am Bug steht, schätzt kurz die Lage des Schiffes ab, dann setzt er den Befehl um, den Lowanger ihm noch vor der Hafeneinfahrt gegeben hat:

Er hält sich an den Resten der Reling fest, und springt dann hinüber auf den vielleicht einen knappen halben Schritt niedrigeren Anleger. Normalerweise wäre der Höhenunterschied sicher mehr als ein Schritt, aber die ZYKLOPENAUGE liegt durch das eingedrungene Wasser eben tiefer als gewöhnlich.

Der Matrose bleibt nur kurz stehen, dann läuft er in Fahrtrichtung auf den nächsten Poller zu.



Die ZYKLOPENAUGE wird nach den ersten Kollisionen mit dem Anleger etwas langsamer, aber es ist klar, daß der Schwung ganz sicher nicht vor der Mauer aufgebraucht sein wird. Zwar ist das Schiff inzwischen sehr, sehr langsam, es mögen vielleicht noch ein halber bis dreiviertel Spann pro Sekunde sein, doch solch eine Karavelle besitzt dennoch eine gehörige Masse, wie Lowanger deutlich weiß.

Darum bewegt er das Steuer wieder in die Neutralposition und ruft laut:

"Trolske: Mach die Bugtrosse fest!"

Auf dem Kai kommt Trolske, der die vordere Leine in der Hand hält, dieser Aufforderung unverzüglich nach: Er hat laufend das Schiff mühelos überholt, und hockt sich nun rasch neben den Poller. Das Seil ist schnell einmal um diesen gelegt, und ein stabiler Seemannsknoten ist für den erfahrenen Matrosen die Angelegenheit weniger Sekunden - und dafür ist bei weitem genug Zeit vorhanden.

Die ZYKLOPENAUGE holt den Matrosen schließlich ein, und dann spannt sich das Seil langsam wieder, bis es schließlich seine maximale Länge erreicht hat, und das ganze Schiff schräg an den Anleger zieht und die restliche Fahrt stoppt.

Mit einer Trosse, die starrer als dieses Seil wäre - also einer Stahltrosse beispielsweise - wäre dieses Manöver nicht ohne Zerstörungen an Kai oder Schiff gelungen, so aber gibt das Seil und der Knoten dem ganzen Vorgang ausreichend Elastizität, um den Ruck des Stopps auszuhalten. Außerdem hat die ZYKLOPENAUGE am Heck noch mehr Bewegungsfreiheit, so daß ein kleiner Teil der Bewegungsenergie das Schiff nun im Heckbereich langsam vom Anleger weg drückt, etwas, gegen das man mit der zweiten Trosse mühelos angehen kann. Und so ruft Lowanger auch schon den nächsten Befehl:

"Macht die Hecktrosse fest!"



Als sich die ZYKLOPENAUGE in steter Weise der Anlegenstelle nähert, ist Ole's Blick abschätzend auf den Pier gerichtet. Als sie sich etwa auf drei Schritt genähert hatten, dachte Ole noch, daß er in jungen Jahren wahrscheinlich jetzt wohl an Land gesprungen wäre. Er könnte es immer noch schaffen, dessen ist er sich sicher, aber er wartet ab. Er muß sich nichts mehr selbst beweisen, das bringt die Lebenserfahrung eines fortgerückteren Alters eben so mit sich.

So wartet er immer noch, als sich das schwer angeschlagene Schiff auf zwei Schritt genähert hat, er wartet sogar noch, als er Trolske auf die Pier springen sieht. Erst als er den Befehl hört, der gebietet, daß die Hecktrosse angelegt werden soll, kommt Bewegung in seinen riesigen Körper.

Mit der Trosse in den Hände hüpft er an Land, nichts hat er verlernt. Sicher, das ganze hat früher sicher etwas eleganter ausgesehen, doch noch immer ist Ole schwer bei Kräften und sehr geschickt bei der Arbeit, auch wenn es nicht mehr so spielerisch einfach aussieht, wie damals, als er, jung an Jahren, wie eine Katze an Land springen konnte. Aber was soll's ....

"Heck gesichert ... !" schreit Ole, nachdem er das reichlich dicke Tau stramm befestigt hatte.



Ganz so, wie Lowanger es von einem so hervorragenden Mitglied der Mannschaft wie Ole erwartet, springt dieser mit der achternen Halteleine auf den Anleger und sichert die ZYKLOPENAUGE, ehe das Heck weiter abtreiben kann.

Damit ist es vollbracht - das Wrack liegt sicher vertäut - zumindest für eine Weile, denn natürlich bricht weiter Wasser ein, so daß da wohl noch Handeln gefragt ist. Aber... das ist ein anderes Problem - er, Lowanger, hat den Auftrag, die Karavelle in den Hafen zu schaffen, vollbracht.

Der zweite Offizier läßt das Behelfssteuer los und geht die wenigen Schritt, bis er neben dem Abgesandten steht.

Leise verkündet er:

"Das Schiff ist im Hafen, wie Ihr es wolltet - und wie es Gegenstand des Handels zwischen Euch und meinem Kapitän war. Allerdings solltet Ihr dafür sorgen, daß sich sehr bald ein Schiffbauer der Sache annimmt, denn wenn der Kahn an dieser Stelle hier versinkt, dann könnte das sehr hohe Kosten verursachen."

Lowanger sagt dies sehr ruhig, denn im Grunde ist er sich sicher, daß Phaylion über dieses Problem auch schon nachgedacht hat, nachdem er die Bergung des Schiffes mit solchem Eifer veranlaßt hat.



Ole kann nicht anders, er muß einfach seiner grenzenlosen Erleichterung Ausdruck verleihen, überglücklich, daß sie es geschafft hatten den havarierten 'Seelenverkäufer' doch noch ÜBER der Wasserlinie heil in den Hafen zu bringen.

Der alte Schiffszimmermann juchzt wie eine erwählte Ehrenjungfer einer ländlichen Gemeinde beim einem Einzug des Reichsbewahrers in einer mittelgroßen Stadt einer entlegeneren Provinz. Wie ein ausgelassenes Kind springt Ole auf den Poller, an dem er die Hecktrossen eben befestigt hatte, und vollführt dort ein neckisches Tänzchen. Er dreht sich um die eigene Achse und schwingt dabei dem Saum seines zerschlissenen Leinenhemdes, als wäre es das seidene Röckchen einer Tänzerin. Dann verharrt er kurz in einer Siegerpose, so wie es die Gladiatoren nach erfolgreichem Kampf zu tun pflegen und springt anschließend wieder auf die Pier zurück.

Leichtfüßig setzt er wieder über auf das Oberdeck der ZYKLOPENAUGE, federt den Sprung allerdings fast ein wenig übertrieben ab, als habe er die Furcht, mit seinem Körpergewicht durch die morschen Planken in das Unterdeck des Schiffes abzusinken. Manchmal kann Ole schon eine rechter Spaßvogel sein. Aber vielleicht weiß der Zimmermann auch etwas mehr über die Stabilität des Holzes, als er bisher zu verkünden bereit gewesen war, um der allgemeinen Unruhe an Bord nicht noch mehr neue Nahrung zu geben.

Keine Spur von Müdigkeit ist nunmehr an dem 'grauen Riesen' noch zu erkennen, als er entschlossen zu Lowanger läuft und dem zweiten Offizier zu raunt:

"Wir sollte das Mädchen zur NORDSTERN tragen, um sie dort unterzubringen. Ich denke, dort ist sie sicherer. Nicht nur, weil dieser Kahn hier noch immer jederzeit absaufen könnte, ich traue auch diesem seltsamen Gesandten nicht. Immerhin ist das Mädchen eine Zeugin der Ereignisse und dieses Wissen könnte ja unter Umständen gefährlich sein .... !"

Mehr will Ole zu seinen Gedanken nicht äußern. Ihm ist hauptsächlich wichtig, daß das Mädchen in Sicherheit gebracht wird, alles andere interessiert ihn nur in zweiter Linie ....



Der zweite Offizier wendet seine Aufmerksamkeit kurz von dem Abgesandten ab und dem Schiffszimmermann zu.

"Das wäre eine Möglichkeit, mir wäre es allerdings lieber, wenn wir sie zuerst zu einem Heiler an Land bringen. Ich habe davon zwar kaum Ahnung, aber sie hat einen Schlag auf den Kopf bekommen - da kann alles mögliche passiert sein. Ole, geh am besten zu dem Magus Darian, und sag ihm das - wenn er und der Herr Fargus das auch so sehen, dann hilf den beiden beim Transport - Trolske kann euch bei Bedarf auch noch helfen. Wenn sie es anders sehen - dann bringt sie auf die NORDSTERN."

Lowanger nickt dem Seemann dabei mit einer bei ihm fast ungewohnten Freundlichkeit zu - ihm ist natürlich nicht entgangen, daß Ole sich sehr für die Sicherheit der Überlebenden einsetzt - etwas, das er sehr ähnlich sieht und auch versteht.

Sehr gerne würde er selbst in dieser Richtung tätig werden, aber das geht leider nicht, denn seine Aufgaben sind andere. Und so wendet er sich auch wieder Phaylion zu.



In SALZERHAVEN: Am Morgen dieses 26. Efferd 28 nach Hal...


Schwer hängt der Tau an den Halmen der Gräser, als Anman aufwacht. Nebelschwaden ziehen sanft über den Boden dahin und die Luft ist eisig. Die ersten Strahlen des morgendlichen Lichtes erhellen zaghaft das Dickicht der Baumkronen, aber bis ihre Wärme den Boden erreichen würde, hat die Sonne noch einen langen Weg vor sich.

Das Lager befindet sich etwas abseits der Straße, auf einer vergessenen, friedlichen Lichtung. Im Gegensatz zu Anman sind die Tiere des Waldes schon lange wach. Vögel zwitschern und singen, und von Zeit zu Zeit hört man das sanfte Röhren eines einzelnen Großwildes.

Sich umblickend, erfaßt Anmans Blick auch gleich seine einzige Begleitung. Esterante weidet am Rande seines kleinen Lagers, dort wo die Grashalme am saftigsten aussehen. Das Pferd hebt den Kopf und blickt zu ihm herüber, sanft kauend wie immer.

´Schade, oh Freude meiner Augen.´, denkt Anman, ´aber heute wirst Du verkauft werden.´

Mit diesem Gedanken sich erhebend, legt er den Verbund von Fell und Wolldecke beiseite, mit dem er sich des Nachts zugedeckt hatte. Nun, da er steht, könnte ein potentieller Betrachter dieser morgendlichen Szene zum ersten Mal einen Blick auf Anmans Gestalt werfen. Seine weit über 95 Stein Gewicht verteilen sich ansehnlich über knappe 9 Spann Körpergröße. Ein wohlgepflegter Bauchansatz rundet eine gemütliche Erscheinung ab, die durch die braunen, halblangen Haare und den wuchernden Bart vollendet wird. Auf den ersten Blick würde man Anman sicherlich für einen schwerfälligen und gemütlichen Menschen halten. Gerade diese nach außen hin zur Schau getragene Gemütlichkeit täuscht jedoch. Flinke, ständig umher suchende Augen zeigen dem aufmerksamen Betrachter, daß Anman sehr wohl energiegeladen ist. Dem einzigen wirklichen Zeugen dieser Szene, dem Pferd Esterante, ist dies zur Zeit jedoch ziemlich egal.

Ein langer Tag liegt vor Anman. Heute würde er Salzerhaven erreichen, und dann würde es südlich gehen, vorzugsweise mit einem Schiff. Leider müßte er Esterante zurücklassen, und auch der Wagen würde verkauft werden. Die Überfahrt ist einfach zu teuer. Ruhendes Kapital ist totes Kapital, also würde er den Erlös des Gespanns auch gleich in Waren umsetzen, die im Süden Geld bringen. Zusätzlich zu seinem ´erworbenen´ Holz gäbe das eine gute Stange Geld.

Sein Blick wandert dabei über Esterante und die Lichtung bis zum vollgepackten Wagen.

´Ja, da ist mein Holz´, denkt Anman mit Genugtuung.

Eine dreiviertel Stunde später ist das Pferd angespannt, hat Anman seine Sachen aufgeladen und auf dem Sitzbrett des Wagens Platz genommen.

"Hühott, du Teufel", schreit er in die morgendliche Ruhe der Lichtung hinein und läßt die Peitsche dazu knallen,"Heia! Wirst Du wohl die lahmen Hufe heben?"

Den Wagen durch dieselbe Stelle im Unterholz lenkend, durch die hindurch er gestern diese Lichtung fand, mühen sich Pferd und Kutscher zu Beginn ihrer letzten gemeinsamen Reise. Später, als das Gespann die Straße erreicht, greift Anman hinter sich in eine kleine Holzkiste und holt einen geräucherten Fisch und etwas Brot hervor. Nachdem er auch noch eine Flasche Fruchtwein zum Vorschein bringen kann, ist er zufrieden und fängt an, laut vor sich hin schmatzend zu essen.

´Wirst mir fehlen, liebes Land.´, denkt Anman sich, als sein Blick über die erwachende Landschaft streift, ´Aber ich werde wiederkommen, sei Dir gewiß. Nur zwei oder drei Sommer im Süden...´


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So gegen Mittag bemerkt Anman, daß der Verkehr zunimmt, und etwa zwei Stunden später sieht er dann langsam die Tore der Stadt - besser gesagt, die des einen Teils der Doppelstadt - sich aus dem flirrenden Dunst der Straße erheben.

´Salza und Salzerhaven´, freut er sich, und knallt fröhlich mit der Peitsche. Als er, etwa eine Stunde später, die Tore passiert und ins Gewühl einer kleinen, aber äußerst geschäftigen Hafenstadt taucht, sieht Anman sich sofort nach einem Schmied um.

´Schmiede können vermitteln´, denkt Anman, ´die wissen immer, wo ich mein Pferd loswerde´, und hält die Augen offen nach den Anzeichen einer Hufschmiede: einem rauchenden Schlot und dem Klirren von Hämmern auf Stahl.....


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Viele Besorgungen und Erkundungen später ist Anman etwa 170 Dukaten reicher, und einen Wagen und ein Pferd ärmer. Die erste Schmiede hatte ihm weitergeholfen, sie hatten das gesamte Gespann gleich selber gekauft. Das Holz und sein eigenes Hab und Gut konnte er im Zuge der Verhandlungen auch dort einlagern, solange, bis er ein Schiff finden würde. Für drei Tage würde es sogar kostenlos sein. Hundertzwanzig seiner neu erworbenen Dukaten hatte er sodann auf dem Markt in Stoffen angelegt, und hatte sechs Ballen Leinen von insgesamt fast zweihundert Quadratschritt dafür bekommen. Die liegen nun ganz oben auf seinen etwa acht Kubikschritt Edelholz, die er in der Scheune der Schmiede eingelagert hat, und zusammen ist seine Ladung nun schon ein ordentliches Sümmchen wert, genug, um im Süden, in einer größeren Stadt, einen glänzenden Start hinzulegen.

Jetzt, gegen Abend, ist Anman unterwegs Richtung Hafen. Er will sich umhören in den Spelunken und Kaschemmen, auch beim Hafenmeister vorbeischauen, falls es dort Aushänge gibt. Der Geruch nach Fisch und Tran kündigt schon lange an, daß er endlich am Ziel ist, und nachdem er zwei weitere Gassen durchläuft, kann er endlich im verschwindenden Licht des fast vergangenen Tages auch die ersten Masten über die Häuserdächer winken sehen. Frohen Mutes beschleunigt Anman seinen Schritt.

Der Anblick eines Hafenbeckens ist auch für Leute vom Lande immer beeindruckend. Der charakteristische Geruch von Tran, Fisch, Öl und abgestandenem Wasser, die vielen Masten und die Geschäftigkeit der Seeleute, Fischer und Hafenarbeiter, Hunderte von Möwen und anderen Vögeln, dazu die vielen aufgehangenen Netze und Leinen und Tücher, all dies zeugt von der üblichen Betriebsamkeit auch zu dieser späten Stunde.

Ungewöhnlich scheint eigentlich nur, daß auf einem Kai Fackeln brennen und sehr viele Menschen warten. Anman versucht zu sehen, welches Schiff denn diese Aufmerksamkeit verdient, und bemerkt auch gleich, daß zwei Schiffe auf diese Menschenmenge zuhalten - das erste davon gar seltsam aussehend, da es keine Masten mehr hat, und auch sonst eher einem Wrack ähnelt.

Die schiere Zahl der Menschen am Hafenbecken überzeugt den Händler dann auch, hinüber zu gehen....

`Wird eh keiner in den Kneipen sein´, denkt Anman sich,´Die stehen ja alle da drüben.´

Mit diesen Gedanken gesellt er sich zu der Menschenmenge... zu den vielen Menschen und dem einen Zwerg inmitten von ihnen.



NORDSTERN - Brücke: Die 'NORDSTERN' legt an ...


Auch wenn Jergan Efferdstreu für die auf dem Kai versammelten Menschen keinerlei Blicke übrig hat, so verfolgt er das Anlegemanöver der ZYKLOPENAUGE sehr aufmerksam, und nickt anerkennend, als er im Halbdunkel sieht, wie die dunkle Masse des anderen Schiffes immer weiter an den Anleger heran fährt, und schließlich zum Stehen kommt. Direkt zu sehen ist letzteres von der Brücke der NORDSTERN aus zwar nicht, aber die Befehle, die gebrüllt werden, sind zu hören, und sie sagen dem Kapitän der NORDSTERN genug.

"Und nun wir", sagt er bereits zum zweiten Mal an diesem Abend, während seine Blicke über Steuer, Deck und Segel schweifen. Letztere sind immer noch in einer Position, die das Schiff verlangsamen, und das ist auch gut so, denn die NORDSTERN ist immer noch weit schneller, als die ZYKLOPENAUGE dies zuletzt war.

Indes... genau, wie die Bootsfrau es sich gedacht hat, weiß Jergan das, und hat alles so abgestimmt, daß die NORDSTERN mit der gewohnten Professionalität genau dort zum Halt kommen wird, wo er das möchte - also ein Stückchen hinter dem Heck der ZYKLOPENAUGE, um das eigene Beiboot nicht zu zerdrücken, und vielleicht einen Schritt vom Anleger entfernt - eine Distanz, über die man das Schiff mühelos mit den Halteleinen heran ziehen kann.

Jergan kurbelt das Steuer während dieser Überlegungen mehrfach in beide Richtungen, denn jetzt ist Präzisionsarbeit gefragt - etwas, das bei dem momentan recht großen Spiel der Rudermaschine nicht gerade einfach ist.



Der Kapitän der NORDSTERN dreht das Steuer ein ganzes Ende nach Backbord, und wartet dann, bis der Bug der Karavelle deutlich in die entsprechende Richtung schwenkt und nun so ziemlich genau auf das Heck der ZYKLOPENAUGE am Anleger zielt. Dieses Schwenken dauert recht lange, was natürlich eine Folge der sehr geringen Geschwindigkeit ist, aber es ist schließlich abgeschlossen, so daß Jergan wieder gegensteuern kann.

"Matrosen bereitmachen zum Anlegen!" ruft er nach vorne, während seine Augen zugleich die Segelstellungen prüfen. Nein, da ist kein weiteres Kommando nötig - die beiden zum Teil gerefften Havena-Segel stehen genau im richtigen Winkel.

Der Bug der NORDSTERN hat die südliche Kante des Anlegers inzwischen schon passiert, und es mag vielleicht noch eine Schiffslänge sein, die die rivaer Karavelle nun noch von ihrem Liegeplatz hinter der ZYKLOPENAUGE trennt - eine Strecke, die mit einer sehr geringen und weiter abnehmenden Geschwindigkeit zurück gelegt wird.



NORDSTERN - Oberdeck: Garulf


Immer weiter nähert sich die NORDSTERN dem Kai. Noch immer steht Garulf auf dem Oberdeck und beobachtet die Menschenmenge. Angestrengt blickt er auf die Transparente, doch lesen war noch nie seine Stärke. Genau genommen hat er die Kunst des Lesens und Schreibens nie wirklich erlernt, wozu auch, er ist Seemann und Smutje, kein Schriftgelehrter, Magier oder Bücherwurm. Nach einer nur kurzen Zeitspanne des Versuchens gibt er es dann auch auf. Bis er die Buchstaben entziffert hätte, zumal in der fortschreitenden Dunkelheit, wäre man wohl auch schon am Kai und dann kann er die Menschen direkt fragen, falls es dann noch nötig ist.

Vielmehr versteht er da schon von Seefahrt und so richtet er sein Augenmerk auf die ZYKLOPENAUGE, die mittlerweile den Kai erreicht hat und vertäut wird.



NORDSTERN - Oberdeck: Die 'NORDSTERN 'legt an


Langsam werden Raschid's Arme schwerer und schwerer. Die Arbeit an Bord der NORDSTERN ist wahrlich hart. Man war aber wohl auch nicht darauf gefaßt zwei Schiffe nach Salza zu fahren.

Seine Meinung nach sind an Bord der NORDSTERN zu wenig Matrosen. In Khunchom segelte er auf einem Schiff, das wesentlich kleiner war, aber trotzdem eine größere Mannschaft hatte, als die NORDSTERN. Viele Hände sind schneller und kräftiger als wenige. Scheinbar ist er nicht für die nordische Seefahrt gemacht.

Zwar lernt er schnell und ist auch bereit zu arbeiten. Schließlich bekomme er dafür seine Dukaten. Doch die Matrosen der NORDSTERN schienen so erfahren und kräftig, daß er ihr Können nie erreichen würde. Vielleicht sollte er sich einen der Matrosen ausschauen, um von ihm zu lernen. Wer weiß, vielleicht wird er doch noch ein Matrose, auf den der Kapitän der NORDSTERN stolz sein kann.



Immer langsamer werdend gleitet die Karavelle weiter am Anleger vorbei, während der seitliche Abstand ebenfalls immer geringer wird.

Jergan hält das Steuer konzentriert fest und kurbelt es ab und zu in beide Richtungen, so daß zum Schluß das Schiff nahezu parallel zum Anleger auf die ZYKLOPENAUGE zu treibt.

"Halteleinen!" brüllt der Kapitän dann den Matrosen zu, die an Bug und Heck bereit stehen, um das Schiff festzumachen.



Angar - oh Wunder - am Bug, und ein weiterer Matrose am Heck springen auf das Kommando des Kapitäns hin auf den vielleicht vier Spann entfernten Anleger hinüber.

Angar macht einige rasche Schritte, dann hat er den Schwung des Sprunges aufgefangen, und schlingt die Trosse rasch um den Poller. Schnell und geschickt ist der Knoten fertig, und schon sitzt der Matrose in einer seiner gewohnten Haltungen AUF dem Poller. Wer ihn dabei beobachtet hat - bei der Verrichtung der Arbeit - wird wieder einmal festgestellt haben, daß Angar trotz seiner Arbeitsunlust ein sehr fähiger Matrose ist, der, wenn er arbeitet, dies auch sehr gut tut.

Am Heck findet das Festmachen ebenso problemlos statt, und so liegt die NORDSTERN nun endlich am Anleger von Salzerhaven, vielleicht zehn Schritt hinter der ZYKLOPENAUGE - mit dem kleinen Beiboot zwischen den beiden Schiffen.



Zufrieden spürt der Kapitän den sanften Ruck, mit dem das Schiff anlegt. Wieder einmal ist ein Fahrtabschnitt zu Ende, und wieder einmal liegt die Karavelle sicher vertäut in einem Hafen.

"Segel einholen!" lautet das nächste Kommando des Kapitäns, der nun vom Steuer wegtritt und zusieht, wie die Matrosen mit der Umsetzung dieses Kommandos beginnen.

Dabei hat er nun auch endlich Gelegenheit, diese Menschenmenge am Kai zu betrachten, aber da scheint die Fröhlichkeit ein wenig nachgelassen haben - über den Grund muß Jergan kaum nachdenken, schließlich liegt dieser deutlich sichtbar - für ihn aus größerer Nähe als je zuvor sichtbar - zwischen der NORDSTERN und dem Kai.



In SALZERHAVEN - Hafen: Begegnung am Kai


Als Anman die Menschenmenge erreicht und sich unter die enthusiastisch skandierenden Leute mischt, sind die zwei Schiffe schon ein gutes Stück näher herangekommen, so weit, daß Anman erkennen kann, wie knapp eines von beiden dem Untergang entronnen war. Mit steigender Neugier betrachtet er nun die Szene, da er ja selber in Kürze eine Seereise unternehmen wird.

´Sollten Piraten oder Ungeheuer diese Gewässer so unsicher machen ?´, denkt Anman,´Hätte ich nur gewartet, bis ich Esterante verkaufe....´

Mit Besorgnis betrachtet er das Schiff, in der Hoffnung, vielleicht Hinweise auf die Herkunft der Schäden zu erhalten. Gerade in diesem Augenblick hört Anman neben sich die Stimme eines Mannes, die etwas von einem Seeungeheuer erzählt, und fast im selben Atemzug verächtlich ausspuckt. Anman schaut sich um, doch kann er in den Gesichtern der umstehenden Personen niemanden erkennen, dem er die Kraft dieser Stimme zutrauen würde. So stolpert Anman schließlich über etwas....

"Heh. Pass auf.", hört Anman die gesuchte Stimme, und wird auch gleich zur Seite geschubst.

Sein Blick geht zu Boden, und richtig, da steht ein Zwerg, wahrhaft kräftig und erfahren sieht er aus, aber so klein, daß Anman ihn leicht übersah.

"Oh. Entschuldigt meine Unacht.", deutet Anman eine leichte Verbeugung an,"Sagt, habt Ihr von einem Seeungeheuer gesprochen ?"

"Was genau meint Ihr mit Ungeheuer ? Wurde eines gesehen ?", fragt Anman gleich weiter,"Es ist nur, ich plane nämlich, selber auf einem Schiff einzusteigen und gen Süden zu fahren...."



Der Zwerg wendet sich gerade wieder dem Schiff zu, als er plötzlich überrannt wird.

"Heh. Paß auf!" weist er den Rüpel zurecht und schiebt ihn mit einem kräftigen Schubs zur Seite, um danach mit seinen Fingern nach seinem Geldbeutel zu fassen, der aber noch dort ist, wo er hingehört.

'Das war bestimmt Absicht, der kann was erleben.'

Aber als dieser sich entschuldigt und auch keine feindlichen Absichten erkennen läßt, muß der Zwerg einsehen, daß es wohl doch nur ein Versehen war. Als der andere ihn fragt, ob er etwas über die Seeungeheuer weiß, wendet der Angoschim sich kurz wieder zu dem Schiff, das sich jetzt an den Anleger schiebt. Ein wenig enttäuscht darüber, daß er jetzt keinen Grund mehr hat, den anderen ins Wasser vor ihm zu befördern, überlegt er sich:

'Woher weiß er, was ich gerade gedacht habe?'

Auf den Gedanken, daß er das vorhin gedachte leise in seinen Bart gemurmelt hat, ohne es zu bemerken, kommt er nicht. Viel logischer erscheint es ihm, daß er einen Magier - oder schlimmer noch: einen Hexer - vor sich stehen hat, als er sich nun wieder umdreht und den anderen mit mißtrauischen Blicken begutachtet.

"Ich denke mal, daß das Schiff von Seeungeheuern angegriffen wurde und deshalb so aussieht."

Freundlich, damit sein Gegenüber nicht vermuten kann, daß er schon weiß, daß es sich bei ihm um einen Hexer oder Druiden oder noch was schlimmeres handelt, erzählt er weiter:

"Ich wohne seit ein paar Tagen in einer Hafenkneipe dort hinten."

Dabei deutet er mit dem linken ausgestreckten Arm in die Richtung der Kneipe, in der er vorhin noch seinen Abend verbracht hat.

"Ein paar Matrosen dort haben mir erzählt, daß es hier in der Gegend Seeschlangen geben soll. Riesige Geschöpfe, die aussehen wie Schlangen und sich um Schiffe winden, um sie so zwischen ihren Schuppen zu zerdrücken."

Ein bißchen frei erfunden ist diese Geschichte ja schon. Eigentlich hatte der Zwerg nur mal einer Geschichte gelauscht, die ein Matrose am Nachbartisch erzählt hat, und die Seeschlangen, von denen dort die Rede war, sollten auch nicht hier ihr Unwesen treiben, sondern bei Maraskan. Zudem spielte die Geschichte auch schon vor fünfzehn Jahren.

Aber wenn er bald auf Seereise gehen wird, muß er auch zeigen, daß er weiß, was für Gefahren auf hoher See lauern.

"Wart ihr schon einmal auf Maraskan und habt dort eine der riesigen ausgewachsenen Würgeschlangen gesehen? Sicherlich noch zehnmal so groß sollen die Seeschlangen sein."



Sobald der Zwerg zu erzählen beginnt, ziehen sich finstere Wolken über Anman´s Gemüt. Da steht nun also jemand vor ihm, der von riesigen Schlangen und ihrer Würgetechnik spricht, die ganze Schiffe zermartern soll. Und das erzählt man ihm, der seine ganze Jugend auf dem Lande verbrachte, und sein kurzes Leben im Mannesalter in Städten und auf den Straßen, die sie verbinden. Noch nie war Anman zur See gefahren, noch nie war er sich bewußt gewesen, welche Gefahren ihn dort erwarten. Und noch nie hatte er sich Gedanken über diese Gefahren gemacht. Besorgt verflucht er den heutigen Moment, als er sein Pferd und Wagen voreilig an einen Schmied verkauft hatte.

Der Zwerg sprudelt munter drauf los, erzählt weiter von riesigen Monstern, bis er auch noch von einem fernen Orte namens Maraskan redet. Nur eins beginnt Anman zu wundern :

´Seit wann fahren Zwerge zur See ?´, denkt er sich.

"Nein, oh Fahrensmann, ich war noch nicht soweit unterwegs.", antwortet Anman denn auch,"Ich muß gestehen, dies wird meine erste Reise zur See werden."

Er kratzt sich am Ohr, und achtet nebenbei kaum noch auf die Schiffe; nur den umstehenden Menschen gilt sein wachsames Auge, aus Angst vor Dieben, aber natürlich auch seinem Gesprächspartner widmet er einen Großteil seiner Aufmerksamkeit. Froh, endlich jemand für eine Unterhaltung gefunden zu haben, fährt er fort :

"Entschuldigt meine Vergeßlichkeit, mein Name ist Anman Troyn, ich bin Händler und auch ein bißchen ein Jäger des Glücks, wenn man so sagen darf."

Eine leicht angedeutete Verbeugung, und weiter fragt Anman :

"Sagt, seit Ihr wirklich schon zur See gereist ? Es ist nur...", pausiert er, um mit vollem Interesse fortzufahren,"die Zwerge, die ich bisher kannte, waren eher dem Wasser abgetan, mein Herr !"



Der Blicke des Zwergen bleiben auf Anman ruhen, jede Bewegung wird genau beobachtet, damit er sofort sieht, falls dieser irgendwelche magischen Gesten ausführt. Vielleicht hat er ja auch schon einen Zauber gewirkt, als er sich an seinem Ohr gekratzt hat.

"Nun ja, nicht so direkt auf hoher See. Ich bin schon einmal im Bornland auf einem Schiff einen Fluß befahren, aber auf einem Meer noch nicht. Bestimmt gibt es da aber keine sehr großen Unterschiede, Wasser ist Wasser, und da gehört niemand hin, der keine Kiemen und Flossen hat. Und einer Seeschlange bin ich auch noch nicht begegnet, aber die sollen nur kommen. Meine Axt würde bestimmt einmal gerne das Blut eines Seeungeheuers schmecken."

Dabei schaut er auf seinen Felsspalter, den er nun leicht nach oben hebt, zum einen, damit Arman ihn besser sehen kann, aber auch um ihn selber hier im Fackellicht zu betrachten. Wunderschön spielt das Licht mit der Klinge und lassen sie gelb und rot erscheinen. Der Zwerg glaubt schon beinahe fühlen zu können, wie sich seine Axt auf die Begegnung mit einer Seeschlange freuen würde, schon fast so sehr wie er selber.

"Mein Großvater hat immer gesagt: Wenn Du die Dämonen fürchtest, die Dir nach dem Leben trachten, haben sie schon gewonnen. Wahrlich, recht hatte er."

Auch wenn er die Worte laut ausspricht, sind sie doch eigentlich für ihn selber gedacht.

Er blickt wieder zu dem Händler und denkt kurz über das eben gesagte nach.

'Also sollte ich auch keine Angst vor einem Hexer haben, komme was will.'

Dann nimmt er seinen Felsspalter in die linke Hand und reicht seinem Gegenüber die rechte.

"Alberik, Sohn des Atosch ist mein Name. Vielleicht habt ihr schon einmal von mir gehört...?!"



Der Zwerg, mit dem Anman sich unterhalten will, berichtet nun davon, daß er, Anman gleich, auch noch nie zur See fuhr. Zwar erzählt er von einer Flußfahrt, aber die hat Anman nicht gemeint. Ein bißchen wundert sich Anman jedoch über die seltsamen Blicke des Zwerges, und das angedeutete wissende Lächeln, das um seine Lippen spielt.

´Bei allen zwölf Pfaden der Weisheit !´, denkt Anman,´ was weiß er über mich, das er so lachen muß ?´

Als sein Gegenüber dann auch noch mit einer gar fürchterlich anmutenden doppelscheidigen Axt herum spielt, tritt Anman einen halben Schritt zurück und faßt an seinen Gürtel. Auch Anman hat eine Waffe, und kann sie angemessen führen. Sollte jemand genau schauen, so sieht er an seiner Seite ein Rapier baumeln, das auf den ersten Blick nicht unbenutzt erscheint. Anman hat schon viel von kleinen, jähzornigen und Händel suchenden Zwergen gehört und würde nur ungern in Ärger geraten.

Dann jedoch merkt Anman, wie sein kleineres Gegenüber fast verliebt auf die Spiegelung der Lichter in der Klinge seiner Waffe starrt, und beruhigt sich sofort :

´Ich vergaß, Zwerge sind ja Waffennarren..´, kommt ihm ein Gedanke.

Der Zwerg kann sich immer noch nicht vom Anblick der glänzenden Schneide lösen, und in Gedanken murmelt er laut etwas von seinem Großvater und einem Dämon.

Die Axt wandert in die linke, und schon wird Anman die rechte Hand dargeboten. Freundlich ergreift er sie :

"Nein, doch tut dies Eurer Ehre keinen Abbruch. Ich komme von weither und hatte mit dem Volk der Zwerge bisher weniger zu tun, als mir lieb sei.", antwortet Anman, "Sagt, Alberik, was ist Euer Ziel mit dem Schiffe, wenn ich fragen darf."

Dann fügt er an :

"Ich für meinen Teil weiß noch nicht genau, wohin mich die Reise führen wird. Ich will nur erstmal nach Süden, und werde mich vor Ort entscheiden. "

"Die Geschäfte müssen gut gehen,", fügt er mit einem schelmischen Lächeln an," aber leben muß man ja auch."



Freundlich wird die zur Begrüßung dargebotene Hand ergriffen. Es ist schon seltsam, wenn man einem anderen die Hand gibt, der jünger ist als man selber, und in dessen Hand sich die eigene wie eine Kinderhand anfühlt.

Nachdem der Händler ihm erzählt hat, wohin ihn seine Reise führt und ihn anlächelt, zieht der Zwerg seine Hand wieder zurück, nicht schnell oder ängstlich, aber doch entschlossen. Schließlich will er nicht Opfer eines Zaubers werden, und soweit es sich erinnert reicht für manche finstere Zauberei schon die Berührung mit der Hand aus. Zum Glück scheint bisher noch nichts schlimmes mit ihm passiert zu sein, und das soll sich auch nicht ändern.

Die Axt wird nun auf den Boden gestellt, die beiden Hände legen sich auf das andere Ende, an dem die Doppelklinge befestigt ist.

"Nach Süden will ich auch. Eines der beiden Schiffe fährt in diese Richtung, habe ich gehört, da will ich mitfahren."

Er legt eine kurze Pause ein, schaut auf das Schiff, das nun schon am Anleger gehalten hat, und wendet sich wieder zu Anman.

"Sofern es das andere Schiff ist, welches gen Praios fährt, dieses dort," dabei bewegt er seinen Kopf leicht in die Richtung zur ZYKLOPENAUGE, "sieht ja nicht mehr so aus, als würde es weit kommen."



´Na, na.´, denkt Anman,´Nicht sehr gesprächig, seine Hochwohlgeborenheit.´

"Aha, nach Süden. Und Ihr sagt, eins der Schiffe will diesen Kurs nehmen.", antwortet Anman, und dreht sich um, so daß er einen Blick auf seltsam anmutende Armada werfen kann.

Eines der beiden Schiffe, jenes, welches zuerst anlegte, sieht arg mitgenommen aus. Noch viel stärker ist der Eindruck der offensichtlichen Seeuntüchtigkeit nun, da es langsam vertäut wird am Kai. Die Reling ist eindeutig mit Absicht zerstört worden, daran besteht für Anman kein Zweifel.

"Seht nur, das Geländer da.", ruft er aus, und zeigt mit der ausgestreckten Hand auf die Reling, wobei er über seine Schulter zum Zwerg hinab blickt,"Das sieht mir sehr nach einem Kampf unter Waffen aus."

Anman dreht sich wieder zurück. Ein schrecklicher Gedanke kommt ihm :

"Sagt, wißt Ihr, ob Piraterie in diesen Gewässern bekannt ist ?"

Der Gedanke nimmt in Anmans Gehirn immer mehr Gestalt an, ja, er spinnt unaufhörlich weiter : Angestachelt durch all die Umstände, den späten Abend, die begeisterte Bevölkerung und den Anblick des Schiffes, das doch von weitem wie in den Hafen geschleppt aussah, veranlassen Anman besorgt eine weitere Frage zu stellen.

"Verzeiht meine Unwissenheit, aber ich komme von weither, wertester Alberik. Ist es etwa in dieser Gegend sogar geduldet, daß die Piraten ihre Beute in die Häfen schleppen ? Dies Schiff ist doch unmöglich alleine hier her gefahren................."

Voll Schrecken wird Anman, der zwischenzeitlich wieder seinen Kopf in Richtung des Schiffes gedreht hat, nun der mit Segeltuch bedeckten Leichname gewahr, die an Bord der ZYKLOPENAUGE liegen.

"Bei allen Fürsten des Waldes, seht :", ruft er erschreckt," Dort liegen Tote an Bord."

Der Griff um sein Rapier wird fester, gleichwohl Anman nun doch etwas unruhiger wird. Doch trotz seiner vielen Erlebnisse und Abenteuer in den vergangenen zwei Jahren verschlägt es ihm nun erst einmal die Sprache.



Tote? Alberik wendet seine Aufmerksamkeit nun doch einmal genauer dem Schiff zu. Tatsächlich könnten es Tote sein, die dort unter den ehemaligen Segeln liegen.

Doch wenn es Piraten waren, die dieses Schiff so zugerichtet haben, weshalb haben sie es nicht dabei belassen, die Leute dort zu erschlagen, sondern mußten auch noch alles an Bord zerstören? Es hätte doch bestimmt viel Geld eingebracht, wenn man alle Zeugen beseitigt hätte und das Gefährt dann wieder verkauft, irgendwo wird man so etwas bestimmt los. Zumindest hätte er so gehandelt, ein zerstörtes Schiff hat doch keinen weiteren Nutzen.

Noch immer den Blick auf die ZYKLOPENAUGE gerichtet, spricht er wieder zu Anman:

"Mit Piraten kenne ich mich nicht aus, und viel darüber gehört habe ich auch noch nicht. Aber geben tut es die ganz sicher auch in diesen Meeren."

Als er sich dem Händler wieder zuwendet, kann er immer noch die Angst in seinen Augen erkennen, die durch den Gedanken an Piraten ausgelöst wurden.

'Ein Hexer hätte bestimmt keine Angst vor Piraten. Oder ist das nur ein Trick, um mich zu verwirren?'

"Wenn ihr ein wenig Geld überhabt, könnte ich euch meine Dienste als Söldner anbieten. Glaubt mir, vielleicht werde ich nicht mit jedem Meeresungetüm fertig, das dort draußen sein Unwesen treibt, aber mit Piraten allemal. Und wenn ihr bei jemandem sicher seid, dann bei mir und meiner Axt!"

'Wer weiß, vielleicht werde ich auf dieser Reise noch ein paar Taler dazu verdienen, anstatt viel auszugeben.'



´So ein kleiner Mann,´,kommt Anman der Gedanke,´und so ein großes Selbstbewußtsein.´

"Ja, klar.", sagt er dann auch,"Ich werde drüber nachdenken."

´Glaubst Du !´, fügt er in Gedanken an.

Anman merkt, wie die ihn umgebenden Menschen, die doch noch vor wenigen Augenblicken so begeistert waren, still werden. Betroffen schauen die meisten von ihnen auf die ZYKLOPENAUGE, und nur wenige, die in den hinteren Reihen stehen, bringen noch Rufe hervor. Zumindest eins beruhigt Anman, diese Menschen hier sind keine offenen Anhänger der Piraterie. Stumme Wut und Verzweiflung ist spürbar in ihren Mienen, und Trauer und Angst liegen in der Luft.

"Bei den zwölf Pfaden der Barmherzigkeit, laßt ihren Seelen freien Lauf.",

murmelt Anman bedächtig, und hält sich die rechte Hand auf die Herzgegend, wobei er mit festem Blick über das Schiff und die darauf liegenden Toten schaut.

Mit Interesse verfolgt er sodann das Anlegemanöver des anderen Schiffes,darauf bedacht, nicht im Wege zu stehen. Dazu postiert sich Anman nun seitlich neben dem Zwerg, da er ja bisher seitlich vor ihm stand und somit zu nahe des Kai's war.



In SALZERHAVEN - Pier: Bestürzung am Kai


Einige Herumstehende bekommen die Worte des Zwergen mit. Schnell verstummen die Rufe nach Jarun und eine monotones Tuscheln beherrscht den Pier.

"Tote? Tote! Dort drüben auf dem Schiff liegen Leichen. "

"Ein Leichenschiff. Das bedeutet nicht Gutes."

"Was wohl geschehen ist."

Die vormals noch ausgelassene Stimmung schlägt mit einem Mal um. Ratlose und traurige Gesichter blicken in Richtung der ZYKLOPENAUGE. Alle am Pier stehende Bürger haben ihre Stöcke gesenkt und fallen in ein betretenes Schweigen. Einzig die beiden Banner zeigen noch von dem Grund ihres Hierseins.

Einige der Bürgen beten leise zu BORon und EFFerd, in der Hoffnung die Seelen der Toten mögen ihren Frieden finden und sie und ihre Stadt in Ruhe lassen.



NORDSTERN - Kabine D1: Unwilliger Jarun


Das Verstummen der Rufe, reißt Jarun aus sein Gedanken.

"Was zu den Niederhöllen ist denn jetzt wieder los."

Etwas zornig, warum die Rufe verklingen, legt er den Spiegel und die Schminke beiseite. Sorgsam korrigiert er ein letztes Mal seine Kleidung und verläßt die Kabine.

Hinter sich schließt er die Türe ab und geht in Richtung Aufgang. Die Stimmen aus der Gemeinschaftskabine lassen ihn ein kurzen "Oh" ausstoßen.

'Scheinbar sind nicht alle auf Deck!'

Doch dann setzt er sein Weg zum Aufgang fort.



ZYKLOPENAUGE - Unterdeck : Das Schluchzen


"Jawohl, Herr, zu Befehl!" erklärt Ole mit einem freudigen Lächeln und bestätigt den Auftrag der zweiten Offiziers dadurch, daß er sich kurz mit der rechten Faust auf die mächtige Brust klopft, leicht zwar, doch fest genug, daß es tönt, als habe er eine Pauke geschlagen. Dann eilt er davon.

Mit ein paar wenigen, leichten Schritten, es scheint wirklich so zu sein, daß Ole alle Müdigkeit abgestreift hat, erreicht er den Abstieg zum Unterdeck. Dort drunten ist es zwar schon ziemlich finster, die schwache Beleuchtung durch zwei armselige Laternen reicht bei weitem nicht aus den gesamten Raum auszuleuchten, aber Ole findet sich dort schon ziemlich zurecht, auch bei diesem Dämmerlicht, denn er ist in den letzten Stunden dort zahllose Wege gegangen und hat sich dabei jeden Rechtschritt des Unterdecks bestens eingeprägt. Er würde sich dort auch noch blind orientieren können.

Und dennoch bleibt er für einen Moment etwas verwirrt stehen. Doch nicht etwa deshalb, da er sich durch eine unerwartete Barrikade gebremst sehen muß - nein - Ole hat etwas seltsames gehört. Es klingt, als schluchze jemand mit einem hellen, dünne Stimmchen. Forschend hört sich Ole um. Das Schluchzen muß aus dem Ladedeck kommen, doch wer kann das sein?

Ole erschrickt nicht wenig, denn er wird von dem Gedanken überrannt, es könne sich um das kleine Mädchen handeln, daß unter Umstände, aus der Ohnmacht erwacht, nun ohne Übersicht auf dem dunklen Boot herumirren könnte. Der alte Druide hatte vorhin auch so ausgesehen, als könne er sich kaum noch wach halten. Er muß eingeschlafen sein, sonst hätte er das arme Mädchen doch zurückgehalten.

Nun, sollte er eingeschlafen sein, dann wäre es nun ja an der Zeit, daß er wieder aufwache, das Mädchen zu suchen. Das wäre, so meint Ole, nur recht und billig. Also begibt sich der alte Schiffszimmermann zu der Kabine, die als Krankenlager umfunktioniert worden war. Sonst immer so vorsichtig und leise, öffnet er nun die Türe laut und mit Schwung, da ja Eile geboten ist, um gleich darauf erstaunt zu verharren.

In der Kabine sitzt der Druide, wach, fast schon munter und mitnichten schlafend und spricht mit Meister Darian. Und weiter hinten, gerade so, wie er sie vor Stunden verlassen hatte, ruht das Mädchen, noch immer in der Traumwelt gefangen.

Zwar gewinnt Ole schnell wieder die Fassung zurück, dennoch stottert er leicht verlegen, als er ansagt:

"Meister Fragus, Meister Darian - wir haben soeben angelegt. Spräche irgend etwas dagegen, wenn wir das Mädchen nun auf die NORDSTERN brächten, auf der ZYKLOPENAUGE fürchte ich, und Herr Lowanger sieht dies ähnlich, um die Sicherheit der jungen Dame."

Für den Moment hat Ole das Schluchzen, das er aus dem Ladedeck hörte, vergessen.



ZYKLOPENAUGE - Kabine: Am Krankenlager


"Nun, anders kann ich es mir wirklich nicht erklären, denn genau mit Einsetzen des Gesangs wurde das Mädchen zunehmend ruhiger, bis sie schließlich tief und fest geschlafen hat." antwortet der Druide.

Plötzlich stürzt einer der Seeleute in die Kabine und fragt, ob der etwas gegen den Transport des Mädchens auf die NORDSTERN spräche.

"Nun, es sieht derzeit so aus, als könnten wir es wagen - was meint ihr ?" richtet er den fragenden Blick auf Darian.



Darian nickt zur Antwort des Druiden, als plötzlich die Tür aufgerissen wird und der Schiffszimmermann hereintritt. Nachdem dieser sein Anliegen vorgetragen hat, antwortet der junge Magus:

"Da ich selbst bereits die Idee hatte, dasz sie auf der NORDSTERN besser aufgehoben ist, als auf diesem sinkenden Wrack, habe ich gegen den Transport selbstverständlich nichts einzuwenden. Auszer vielleicht, dasz wir versuchen sollten sie sobald wie möglich zu einem Seelenheilkundigen hier in Salza zu bringen, eventuell sogar noch heute Abend."

Nach einer Pause von ein paar Augenblicken fährt er etwas leiser, als fürchte er jemand könnte sie belauschen, fort:

"Und es gibt noch etwas, das ich noch gar nicht erwähnt habe, vorhin wirkte ich, zwecks der Untersuchung des seltsamen Schiffbrüchigen, einen ODEM ARCANUM. Dabei bemerkte ich eine Präsenz von arkaner Kraft, bei unserer Patientin. An und für sich kein Grund zur Beunruhigung, zum einen handelt es sich um keine sehr starke Präsenz, zum anderen, läszt die Verteilung der Kraft nicht auf eine Magica Controllaria oder gar Conjuratio schlieszen. Vielmehr sieht es so aus, als sei sie selbst mit HESindes Kraft gesegnet. Sicher sagen kann ich das natürlich noch nicht, dafür wirkt der ODEM viel zu oberflächlich. Daher wäre es mir lieb, wenn sie möglichst schnell wieder auf die Beine kommt, damit ich mit ihr den hiesigen Hesindetempel aufsuchen kann."

Hier hält der Adeptus erst mal inne um den anderen eine Möglichkeit zur Antwort zu geben.



"So laßt uns denn keine Zeit verlieren" nickt der Druide den anderen beiden zu.

"Am besten holt Ihr noch einen Eurer starken Kollegen und eine Bahre, dann dürfte der Transport des Mädchens besser funktionieren." spricht er zu dem Seemann gewandt.

"Wir beide sollten die junge Dame derweilen zum Transport bereit machen." dann zu Darian gewandt.



Ole tritt an das Lager der kleinen Alkinoê heran und läßt sich vorsichtig am Rand der Koje nieder. Sanft streicht er ihr über Wangen und Haar und er summt dabei die Melodie des hjaldischen Kinderliedes, welches sie nun schon kennt und offensichtlich schätzt, auch wenn sich dabei ihre Augen noch nicht geöffnet haben. Soll sie nur schlafen, die Kleine, das Erwachen wird für sie bitter genug werden.

Alkinoê lächelt ein wenig und Ole lächelt mit. Das Mädchen befindet sich in seiner Traumwelt auf einer Art Insel der Glückseligkeit, das ist schon einmal sicher. Sie fühlt sich wohl dort, doch muß sie auf ihrem Weg zurück zum derischen noch eine gnadenlose Alptraumwelt durchqueren und das wird sehr hart für sie werden, wahrscheinlich scheut sie noch davor zurück.

"Dann bist du also eine Zauberin, kleine Blume. Das ist schon etwas ganz besonderes. DU bist etwas ganz besonderes - der Sinn deines Lebens hat sich noch nicht erfüllt, kleine Blume! Das Leben hat noch großes mit dir vor!"

Mit weicher, sonorer Stimme spricht Ole auf das Mädchen ein. Er erwartete keine Antwort, er weiß: Sie hört, sie versteht! Es ist wohl so als würde er eine Flaschenpost in die Weite des Meeres werfen und er wäre sich dabei sicher, daß die Nachricht gefunden und verstanden werden würde.

"So wirst du, bevor du deine weite Reise zurück in die Welt antreten kannst, noch vorher eine kleinere Reise unternehmen müssen. Es ist nicht weit. Nur von hier zur NORDSTERN hinüber, die ZYKLOPENAUGE ist keine Platz mehr für dich. Keine Angst - ich werde dir helfen, kleine Blume!"

Und dann hebt Ole Alkinoês Oberkörper an, schiebt seinen rechten Arm unter ihre Schultern und den linken Arm unter ihre Kniekehlen und hebt der kräftige Schiffszimmermann das Mädchen sanft von ihrem Lager. Leicht ist sie, leicht wie eine Feder. Ihr Kopf ruht weich an Ole Schulter und der Schiffszimmermann gibt ihr bequemen Halt. Das Mädchen sieht friedlich aus, soweit man dies von außen beurteilen kann, schläft sie ruhig und harmonisch, obgleich ihr Körper manchmal spontan zuckt, als hätte sie sich erschreckt.

Ole beginnt wieder die Melodie zu summen, hin und wieder singt er einen der Verse um die

kleine Blume. Doch unterbricht er kurz, um zu den beiden Gelehrten zu sprechen:

"Geht voraus Meister Darian, doch seid vorsichtig, es ist ist dunkel auf dem Unterdeck und ihr, Meister Fargus, folgt uns bitte. Es ist besser, wenn wir hintereinander gehen."



ZYKLOPENAUGE - Unterdeck: An der Schwelle zwischen Leben und Tod


Bevor sie sich darüber klar werden kann, was sie eigentlich im Innenhof erwartet, verschwimmt das Bild, es wird wieder dunkel und leise hört sie eine Melodie, zugleich fremd und vertraut. Zugleich fühlt sie sich gewiegt, ein leises, sanft rhythmisches Schwanken.

Bald merkt sie, warum es so dunkel ist: Die Vorhänge der Sänfte sind geschlossen, um den Trubel der Stadt und die Hitze auszusperren. Sie sitzt ganz allein auf den blauen Kissen, und genießt die Ruhe, das leichte Schwanken. Erst nach und nach wird sie sich darüber klar, daß sie irgendwohin unterwegs sein muß. Aber sie hat alles vergessen, kann sich nicht an ihre Aufgabe erinnern.

Es ist jedoch sehr wichtig, daß sie alles richtig macht, sonst... - Irgendwo, daß weiß sie, lauert eine schreckliche Bedrohung, wartet nur darauf, daß sie einen Fehler macht.

'Wo ist es nur? Es muß doch irgendwo sein!'

Hastig blickt sie sich um und beginnt, in den Kissen zu suchen.

Plötzlich hat sie daß Gefühl, nicht allein zu sein: Als sie aufblickt, sitzt ihr gegenüber eine schöne, junge Frau.

'Du?' fragt Alkinoê erstaunt.

Die Frau blickt Alkinoê ernst an:

'Du hattest mir doch versprochen, es nie wieder zu tun.'

Dann reicht sie ihr die Hand:

'Komm mit, ich will dir etwas zeigen'

Mit der anderen Hand schlägt sie die Vorhänge der Sänfte beiseite, bereit auszusteigen...



...zögernd ergreift Alkinoê die Hand ihrer Schwester und klettert aus der Sänfte. Um beide herum drängen sich die Menschen, es riecht nach Schweiß, Urin, süßem Parfüm und Gewürzen. Alkinoê hat es nie besonders gemocht, sich durch eine dichte Menge schieben zu müssen und die Berührungen warmer, fremder Körper zu ertragen.

Mühsam quält sich Alkinoê durch das Gedränge. Im Gegensatz zu ihr scheint die Schwester mit Leichtigkeit voran zu kommen, sie ist ihr immer einige Schritte voraus, während es Alkinoê schwer hat, ihr zu folgen. Zusätzlich scheint es ihr, als ob der Boden unter ihren Füßen schwanke und die Menschen um sie herum einen seltsamen, schemenhaften Tanz aufführten.

'Beeil dich, Kina!' ruft ihr Merian zu. 'Wir haben nicht viel Zeit'.

Während sie versucht, den Anschluß nicht zu verlieren, wir Alkinoê langsam von einem zunehmenden Grauen ergriffen: Ihr wird plötzlich bewußt, daß sie die Menschen rund um sich herum schon einmal gesehen hat. Da ist ein reicher Kaufmann, in prächtigen Brokat gekleidet aber das Gesicht blau angelaufen und die Augen glasig. Hier eine Edelfrau im Seidengewand mit leichenblassen, starren Zügen. Dort reihen sich ein paar Matrosen, die Gesichter zu Fratzen verzerrt, ein in den schaurigen Tanz...


* * *


Das Mädchen auf Oles Arm beginnt plötzlich wieder zu sprechen:

"Merian, warte auf mich" murmelt sie leise, kaum vernehmbar.



Ole erschrickt, als es das Mädchen so plötzlich sprechen hört, mit allem hätte er gerechnet, aber nicht damit. Eigentlich war es aber auch kein Sprechen, sondern mehr ein Flüstern, ein Hauchen. Dennoch schilt sich Ole einen Dummkopf, daß er nicht besser aufgemerkt hatte, um auch wirklich zu verstehen, was sie sagte.

Sie wollte etwas sagen, dessen ist sich Ole sicher, das war mehr als nur ein Stöhnen oder Seufzen, das war eine Aussage und Ole hatte nicht hingehört, dummer, alter Schiffszimmermann. Aber vielleicht kann er es sich aus den Fragmenten seiner Erinnerung wieder zusammen setzen.

'Wie war das gleich wieder?' versucht sich Ole zu besinnen 'Ich hörte ein Wort, das so ähnlich klang wie - Merian - ! Wer oder was könnte ein Merian sein? Möglicherweise ist es ein Name, ja ein Name könnte es sein.'

Ole versucht sich angestrengt zu erinnern, wie die anderen Worte lauteten. Zunächst bleibt es dunkel in seinem Gedächtnis. Nichts, aber auch gar nichts will ihm einfallen. Doch dann erkennt er aus dem 'Rauschen' des Vergangenen das Wort 'warten' und nicht lange danach ist ihm der gesamte Satz gegenwärtig.

Irgend jemand scheint sie zu rufen, dort in ihrer Traumwelt. Aber ist es wirklich nur eine Traumwelt oder bereits das Tor zu einer anderen Sphäre? Panik steigt in Ole auf - zu Tode erschrocken starrt er auf das bleiche Mädchen, das er auf seinen Armen trägt und er drückt sie an sich, als könnte sie sich jeden Moment in Rauch auflösen.

'Oh BORon, du grausamer und gerechter Herrscher', denkt sich Ole verzweifelt, 'ist die deine Vorkammer nicht schon reichlich gefüllt? Erspare doch diesem jungen Leben eine allzu frühe Rechenschaft des Schicksals!'

Merian! War nicht die Rede davon, daß die junge Dame ihre Schwester begleitete, auf diesem Schiff des Unglücks? Könnte das diese Merian sein? Ruft SIE das Mädchen? Mit einem mal wird der alte, graue Riese von einer tiefen Melancholie heimgesucht, umrandet von den schmerzenden Dornen eines blanken Entsetzens. Es ist ihm, als wäre ein Tor aufgestoßen worden, ein Durchgang der besser verschlossen geblieben wäre, als würde ein kalte Faust sein Herz umklammern.

Ole stockt der Atem und die Luft wird ihm knapp. Dennoch hält er das Mädchen sicher und fest, er würde sie gegen auch Dämonen verteidigen, sollte ihm das Schicksal einen solchen Gang aufzwingen wollen.

'Nun bleib aber ruhig, es ist keinem geholfen, wenn auch du im Strudel der Verzweiflung versinkst!' mahnt sich Ole selbst und er zwingt sich zu ruhigerem Atmen und die Panik weicht nach und nach von ihm. Dann presst er seine bärtige Wange an die des Mädchens und flüstert ihr mit weicher Stimme ins Ohr, Worte, die er in diesem Moment selbst nicht richtig begreift, die ihm aber ungeheuer wichtig erscheinen:

"Laß sie ziehen - kleine Blume - Merian hat ihren Weg zu gehen und du hast deinen eigenen Weg. Laß dich nicht locken, noch hat sich dein Schicksal nicht erfüllt. Folge dem Lied ...folge dem Lied .. !"

Und Ole singt wieder das Lied der 'kleinen Blume', nicht besonders laut zwar, aber sehr leidenschaftlich und um drei Tonlage tiefer als gewöhnlich, damit es sonorer klingt. Sein mächtiger Brustkorb vibriert dabei und überträgt die Schwingungen auf den Körper des Mädchens.

"Folge dem Lied - kleine Blume - folge dem Lied ..."



Als das Mädchen plötzlich wieder anfängt zu sprechen, wirr, wie der junge Magus findet, steht Darians Entschlusz fest: Die Verletzte musz sobald wie irgend möglich zu einem Heiler, am besten noch Heute. Also wendet er sich an den Schiffszimmermann, der das Mädchen trägt und zu beruhigen versucht:

"Wir sollten sie am besten noch Heute zu einem Heiler bringen. Würdet Ihr das Mädchen auch in die Stadt tragen oder sollen wir noch einen weiteren Träger hinzurufen?"



...und enger schließt sich der Reigen: Da ist kein Durchkommen mehr.

- Tod, Tod, weißt du, wie der Tod schmeckt, meine Kleine?

fruchtig wie der blutrote Wein oder bitter wie schwarzer Tee, vielleicht köstlich wie brauner Paprika?

wie er sich anfühlt , wie Seide auf der Haut oder wie das weiße, samtige Leder von Reithandschuhen?

Ist der Tod nicht vielmehr eine blinkende Axt, ein surrender Säbel, schneidende Schärfe auf weicher Haut, in zuckendem Fleisch, das Innerste nach außen kehrend?

Dachtest du, der Tod käme wie eine samtige Schwärze, mit weichen dunklen Schwingen, dachtest du, man betritt ihn wie ein weiteres Zimmer des Hauses, mit leichtem Schritt oder er sei wie ein Abschied, bei dem man höflich den Kopf neigt, sich umdreht auf dem Absatz und von Marbos zarter Hand geführt davon geht?

Der Tod kommt nicht schnell, sondern quälend und langsam, genüßlich weidet er sich an der Pein seiner Opfer: Widerlich, stinkend und ekelerregend ihnen die Würde raubend.

Warst du zufrieden mit dir, Meine Kleine?

leichten Herzens und leichter Hände, tanzend mit den Sternen?

Jetzt magst du tanzen mit uns den Reigen der Toten. -

Und dichter drängt sich die schwankende Menge, greift nach ihr, wirbelt sie herum mit Flüstern ohne Worte, willenlos, kraftlos dem Treiben ergeben, längst zu keinem Widerstand mehr fähig.

Doch dann, wie das dunkle Erz einer Glocke senken sich Töne nieder, fest und kraftvoll, so wahr und wirklich wie Sumus Leib, wie ihr Atem, immer noch strömend, des Todes Widerpart.

Und vor der farbigen Kraft der Töne verblaßt der wirbelnde Reigen, erscheint plötzlich schemenhaft unwirklich und der Boden wird fest unter ihren Füßen. Weiter, weiter weicht alles was unwirklich ist zurück, zurück ins gesichtlose Grau. Nur eine Gestalt bleibt sichtbar in diesem Meer von Nichts: Wie von weit tönt die Stimme Merians zu ihr herüber:

' Geh weiter, Kina, und blicke nicht mehr hinter dich. Ich muß dich jetzt verlassen. Nun mußt du deinen Weg allein finden. '

Die Angst ist von Alkinoê abgefallen. Zurück bleibt eine unendliche Traurigkeit.

"Bitte, bleib doch bei mir." flüstert das Mädchen.



Allein.

Alles ist verschwunden. Die schrecklichen Toten, welche Alkinoê mit sich ziehen wollten, die Gassen der Stadt, die Häuser und Merian. Auch sie hat Aklinoê verlassen.

Selbst die Melodie, welche eben noch so mächtig ertönte, ist verstummt.

' Nun mußt du deinen Weg allein finden. ' hat sie gesagt.

Nein! Alkinoê will das nicht, nur nicht allein bleiben! Und welchen Weg sollte sie auch finden? Da ist nirgends ein Weg, keine Spur, kein Anhaltspunkt.

Die große Leere: Sie kann sie äußerlich wahrnehmen und innerlich spüren, wie einen starken, heftigen Schmerz. Und doch: Vielleicht kommen sie bald zurück, die Mörder und die Opfer: ' Du gehörst jetzt zu uns -'

' Nach vorne ', hat sie gesagt, ' blick nicht zurück '.

Aber wo ist vorne? Zögernd suchen ihre Füße den Weg, vielleicht, daß schon der nächste Schritt ein Straucheln zur Folge hat, ein Fallen ins Bodenlose.

Und wenn du dich jetzt einfach fallenläßt ? Ins Leere, nicht mehr Hoffen und nicht mehr Verzweifeln? Alkinoê versucht die Leere zu beschwören:

"Komm zurück!" ruft sie jetzt lauter.



...aber ihre Stimme verhallt ungehört: Niemand ist zu sehen, nichts ist zu hören. Alkinoê weiß nicht, wohin der nächste Schritt sie bringen wird:

' Nur nicht zurück zu den Toten und den Mördern ' Sie hat plötzlich Angst, durch ihr Zurückblicken die Erscheinungen heraufzubeschwören.

Ihr Fuß tastet sich durch den Nebel: Sie hat den Eindruck, auf einem schmalen, aber unsichtbaren Pfad zu gehen. Ein Fehltritt, ein Straucheln könnte das Verderben bringen.

' Ob nicht alles vergebens ist? Vielleicht ist es ihr Schicksal, so in alle Ewigkeit durch das Nichts zu wandern, verlassen von den Lebenden wie den Toten, in einer Zwischenwelt gefangen.

Einen Augenblick lang hat sie den Eindruck, als zerreiße plötzlich der Nebel, als würden die Sphären erschüttert durch einen sanften Ruck, und hinter dem Nebel ist Dunkelheit, vermischt mit Lichtern. Vielleicht sind das die Sterne? Ob sie direkt auf dem Weg in die sechste Sphäre ist? Das... das wäre ja... vielleicht die Rettung!

Obwohl sich gleich darauf der Nebel wieder schließt, und alles unverändert bleibt, schöpft Alkinoê neue Hoffnung: Es gibt noch eine Welt außerhalb des Nichts, sie muß nur den Weg dorthin finden. Wenn sie doch nur wüßte, wohin sie sich wenden soll...



NORDSTERN - Unterdeck: Ole's Kampf gegen das drohende Nichts


Irgendwo schlägt eine gelöste Kette in gleichförmigem Takt gegen die Holzwände des Schiffes. Das metallische Klirren klingt wie der Ruf frostiger Glocken, jene, deren Klang nicht Freude und Licht, sondern Verderben und Finsternis verheißen. Auch das Knarren der Planken fügt sich in ein, in diese Harmonie der Hinfälligkeit.

Das Schiff hat angelegt, liegt schwerer denn je im Wasser und dennoch schwankt es wie bei hohem Wellengang auf offener See. Die wenigen schwächlichen Laternen jagen Licht und Schatten hin und her, hin und her, und wieder hin und her, ohne jedoch eine Helligkeit spenden zu können, welche die Räume übersichtlicher werden ließe.

Drei Menschen befinden sich in diesem schaurigen Kabinett, laufen langsam und vorsichtig vorwärts. Sie sind kaum zu erkennen, fast nur als schattige Umrisse sind sie zu erkennen. Vorneweg bewegt sich die Kontur eines riesigen Mannes, eines Riesen, will man meinen, der behutsam ein Bündel trägt, so will es scheinen, aber es ist eine junge Frau.

Dicht dahinter folgen zwei weitere Gestalten, kleiner als die erste Person sehr viel kleiner. Der eine geht forsch und frisch vorwärts, derjenige, der den Zug als Letzter abschließt, geht schwerer und gebückt. Fargus, der Druide hatte alles gegeben und sich mit seiner Kraft freizügig gegen die Not gestemmt, so wie Magus Durenald auch, doch der Zauberer ist halt doch sehr viel jünger an Jahren und sein Rücken trägt noch nicht so sehr die Last der Erfahrung und der Weisheit.

"Meister Darian, das Mädchen ist nicht sehr schwer, ich würde sie von hier bis ins Güldenland tragen, wenn es ihr helfen könnte. Und auch ich fühle, daß es eines Heilers bedarf, sogar sehr dringend. Doch werde ich sie zuerst auf die NORDSTERN bringen, um dort für sie Quartier zu machen. Dann mag man nach einem Heiler schicken, der dann aber auf die NORDSTERN zu dem Mädchen kommen sollte und nicht umgekehrt. Sollte es da Schwierigkeiten geben einen entsprechenden Medicus zu überreden, zur Nacht noch außer Haus zu gehen, ich habe ein wenig Erspartes, das mag genügen einen Heiler in unserem Sinn zu motivieren."

Ole, der 'graue Riese', spricht sehr ernst und nichts an seinem Tonfall kann im Augenblick noch an den rauhbeiningen, thorwalschen Seemann erinnern, der sonst aus ihm heraus spricht. Die schwingende Lichtquelle leuchtete zeitweise und kurz nur sein Gesicht aus. Müde sieht er aus, der alte Ole Draggensson, eingefallen und bleich, aber dennoch kräftig und entschlossen, gereizt wie eine Bärin, die ihr Junges in Gefahr vermutet.

'Laß mich nicht allein!' hat sie gesagt, die Kleine. Ole weißt genau, daß sie ihn damit nicht gemeint haben kann und die Ahnung, mit wem das Mädchen in ihrer Traumwelt sprechen könnte, schnürt ihm fast die Kehle zu, so sehr nimmt es ihn mit, diese Trauer und dieses Leid, das sich ihm da offenbart. Und dennoch raunt er ihr leise ins Ohr:

"Du bist nicht allein, kleine Blume! Du wirst es auch nicht sein! ICH LASSE DICH NICHT ALLEIN !"



ZYKLOPENAUGE - Unterdeck: Fargus und Darian beraten sich


'Welch ein Jammer, ihr Körper scheint geheilt, doch ihr Seelchen kämpft weiterhin mit dem Tod.'

Trübsinnig und von der Last der Anstrengungen und seines Alters geschwächt folgt der Druide den beiden Männern.

"Sagt, werter Herr, kennt ihr denn diese Stadt und wißt, wo wir Hilfe für das kleine Geschöpf erwarten können?" flüstert er zu seinem Vordermann. "Wenn nicht, sollten wir schleunigst den Schiffsmagus aufsuchen, der kennt sich nämlich in der Stadt aus."



Der Adeptus überlegt einen kleinen Moment, bevor er dem alten Schiffszimmermann antwortet.

"Da mögt Ihr Recht haben, wahrscheinlich ist es besser, wir verschonen das Mädchen vor einem weiteren Transport. Allein, ich bezweifle, dasz sich zu dieser Stunde noch ein Heiler dazu bewegen läszt, die NORDSTERN aufzusuchen, doch wir sollten es versuchen. Sollte sich keiner finden, so musz man eben noch eine Nacht abwarten, obwohl dies die denkbar schlechteste Lösung wäre."

Etwas leiser, ja flüsternd, wendet er sich dann an den Druiden: "Normalerweise gehen mich interne Zwistigkeiten der Schiffsführung ja nichts an, schlieszlich steht es einem Diener HESindes nicht an sich allzu sehr in weltliche Belange einzumischen, doch es scheint mir, als sei der Kapitän nicht sonderlich auf seinen Schiffsmagus zu sprechen, warum sonst hat er mich und nicht Magister Trosson zur ZYKLOPENAUGE geschickt?"

Der junge Magier hat derweil bereits den Beschlusz gefaszt, den Offizier zu bitten, einen der Matrosen zu schicken. Er selbst würde sich zu dieser Stunde wohl eher verirren, zumal er diese Stadt nicht kennt.



"Nun, vielleicht habt ihr recht, vielleicht wollte der Kapitän seinen Schiffsmagus aber auch einfach nur an Bord seines Schiffes wissen, schließlich befand sich der Großteil der Passagiere und der Mannschaft noch eben jenem. Über die Beweggründe des Kapitäns kann ich wahrhaft keine Aussage treffen. Ich halte die Idee, zuerst den Schiffsmagus zu befragen, weiterhin für richtig. Die Chance, daß ER dort die richtigen Adressen kennt, scheint mir ungleich höher."

Der Druide unterbricht seine Ausführungen, um die Meinung seines Vordermanns abzuwarten.



"Ich denke, ich werde mich zuerst an den Offizier wenden. Den Schiffsmagus können wir dann immer noch informieren, wenn wir auf der NORDSTERN sind. Dem Kapitän müszen wir ja auch noch Bescheid geben."

Dann wendet Darian sich auch schon von Fargus ab und Lowanger zu:

"Herr Lowanger," spricht er den zweiten Offizier der NORDSTERN an.



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Lowanger und der Gesandte


Mit leichter Geistesabwesenheit - zumindest könnte man es so sehen, und auch falsch ist es nicht ganz, wenngleich er das Anlegen und den Tumult im Hafen durchaus mitverfolgt. Diese Menschenmenge gefällt ihm nicht sonderlich, aber sie wird sich vermutlich rasch wieder zerstreuen, und dann wird der Weg frei sein, diese Mission doch noch erfolgreich fortzuführen.

Mit einem beinahe elfisch-eleganten Nicken bestätigt er den hinzu tretenten Lowanger und wartet mit seiner Antwort noch solange ab, bis der eine Matrose, der nicht gerade so aussieht, als hätte er Gefallen an ihm, sich kurz mit dem Offizier ausgetauscht hat. Sollen sie das Mädchen ruhig umbetten. Mit ihr kann er ohnehin nichts anfangen. Wollte sie ursprünglich nicht nach Thorwal? Aber nun ja, sie kam aus Süden - war es Drol? -, dann soll sie auch ruhig wieder dorthin zurück ...

"Ich danke Euch fuer die ganzen Mühen", setzt er sodann an. "Dem Capitan werde ich meinen Dank noch persönlich aussprechen, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Um das Schiff werde ich mich kümmern, und sobald die Ladung ausgeräumt ist, ist es wahrscheinlich ohnehin nicht mehr viel wert."

Er hält kurz inne.

"Ich muß wohl mehrere Leute anwerben, am besten noch in den nächsten Stunden."



"Das rate ich Euch sehr", erwidert Lowanger. "Denn mehr als ein paar Stunden wird sich dieses Wrack nicht über Wasser halten."

Dann stutzt er, als würde er erst jetzt verstehen, was Phaylion eigentlich gesagt hat,

"Aber die Ladung ist doch geplündert! Da sind nur noch ein paar Kisten mit Erz, wie mir Ole und Hjaldar erzählt haben. Und diverse Dinge, die die Piraten übersehen haben. Da sind die Reste des Schiffes doch bestimmt mehr wert."

Fragend sieht er den Abgesandten dabei an.



"Stimmt wohl", meint Phaylion ruhig. "Aber warum etwas verschwenden? Das Erz müßte auch vom Schiff geschafft werden, wenn ich das Schiff an sich noch losschlage. Vielleicht gibt es einen Aufkäufer in der Stadt, das täte die Verluste der Fahrt verringern."



Während Lowanger sich weiter in der Nähe des Schiffbrüchigen aufhält - es ist ja gut möglich, daß dieser noch weitere Fragen zu dem Umgang mit dem Wrack hat, beobachtet er, wie die aus Fargus, Darian und Ole bestehende Gruppe mit dem Mädchen an Deck kommt. All das komplizierte, das er sich für den Transport überlegt hatte - Trolske zur Hilfe abzustellen, vielleicht aus Wrackteilen eine Bahre zu bauen, das hat der kräftige Schiffszimmermann auf die wohl einfachste Weise gelöst.

Ganz kurz huscht ein Lächeln über die Züge des zweiten Offiziers, als er den großen Seemann so sanft mit dem Mädchen umgehen sieht, doch dieses Lächeln bleibt nicht lange, denn schließlich ist ja immer noch nicht sicher, wie es diesem Mädchen geht, und ob man sie wieder zu Bewußtsein bringen kann. Und noch immer liegen all die Toten auf dem Deck des Wracks, auch wenn sie jetzt mit Segeltuch zugedeckt sind.



Sollte das Schiff jetzt noch sinken, noch bevor die kostbare Fracht entladen ist, wäre das in der Tat eine üble Misere. Doch hat Phaylion hier ein gesundes Vertrauen in die überderischen Mächte.

"Dann werde ich mich jetzt wohl aufmachen und ein paar Leute anwerben müssen, die mit der Entladung beginnen. Je schneller, desto besser ..."



Lowanger wendet seine Aufmerksamkeit wieder Phaylion zu - Darian und die anderen werden sich schon an ihn wenden, wenn sie seine Hilfe benötigen sollten.

Anscheinend hat der Gesandte immer noch nicht verstanden, daß die Ladung weit unwichtiger als das Schiff ist, zumal man...

Genau! Lowanger freut sich über den Gedanken, der ihm gerade gekommen ist, denn das würde alle Probleme wohl lösen. Im Grunde geht ihn dies ja jetzt, nachdem das Schiff vertäut ist, kaum noch etwas an, aber andererseits ist die ZYKLOPENAUGE unter seinem Kommando in den Hafen von Salzerhaven eingelaufen, und da würde es ihn schon persönlich treffen, wenn das Schiff hier unpassenderweise versinken würde.

"Wie wäre es denn, wenn Ihr erst mit einem Schiffbauer redet? Wenn der das Schiff in ein Trockendock holt, oder an einer passenden Stelle auf Grund setzt, dann könnt Ihr euer Erz immer noch in Ruhe ausladen lassen, denn dem schadet das eingedrungene Wasser ja nichts, und so wertvoll, dass es sofort entladen oder weitertransportiert werden muss, ist es ja nun nicht."

Er macht eine kurze Pause, dann sagt er eindringlicher:

"Außerdem wäre es den Zwölfen wesentlich wohlgefälliger, wenn zuerst die Boroni ihre Arbeit verrichten könnten, ehe jemand Ladung von Bord schafft, meint Ihr nicht auch?"



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Besprechungen


Wieder einmal übt sich Lowanger darin, zwei Gespräche parallel zu führen, was im Grunde nichts ungewohntes ist, denn schließlich kommt es für einen Offizier auf einem Schiff sehr oft vor, daß er gerade mit einer Person etwas bespricht, und eine zweite Person derweil eine Auskunft haben möchte, oder daß ein Kommando zu geben ist.

"Ja, Herr Durenald?" erwidert er darum dem hinzutretenden Magus, ohne sich sehr von Phaylion und der Diskussion um sinkende und zu entladene Wracks abzuwenden.



"Wiszt Ihr wo wir hier in Salzerhaven einen Heiler, der etwas von Seelenheilkunde versteht, finden? Einen solchen wird unsere kleine Patientin nämlich nötig haben um wieder zu sich zu finden," antwortet der Adeptus dem zweiten Offizier.



"Hmmm", erwidert der Angesprochene, "ich weiß das nicht, aber Trolske kennt sich, soweit ich weiß, hier sehr gut aus. Wenn Ihr wollt, schicke ich ihn los, damit er einen Heiler holt."

Fragend mustert der Seemann den jungen Adeptus.



"Wenn Ihr dann den Matrosen schicken könntet, ich werde dann dafür sorgen, dasz das Mädchen in meine Kabine kommt. Am besten der Heiler findet sich dann dort ein. Die Behandlung sollte wirklich so bald wie möglich stattfinden," antwortet Darian dem Offizier. Während dessen beobachtet er aus den Augenwinkeln den Abgesandten des Seegrafen, dem ein paar Kisten Erz offenbar wichtiger sind als das Leben eines Menschen.



Ole kann sich diesen Umstand einfach nicht erklären, aber jedesmal, wenn er diesem 'Gesandten' räumlich zu nahe kommt, beginnt es den Schiffszimmermann zu frösteln, als ob von diesem mysteriösen Überlebenden eine Kälte ausginge, die ihren Ursprung nur in der allerschwärzesten Finsternis haben kann.

Furcht und Mißtrauen bewegen den 'grauen Riesen', immer wenn er diesen Mann erblickt, er hält ihn für sehr gefährlich. Wie kann dieser nur so überaus selbstherrlich reden und handeln, nach Allem was auf der ZYKLOPENAUGE passiert ist, ohne daß der Verdacht aufkeimen muß, das Geschehene könnte ihm völlig egal sein. Nicht ein erkennbares Zeichen von Betroffenheit oder gar Mitgefühl sind bei ihm zu erkennen. Noch nicht einmal ein Funken Dankbarkeit dieses Desaster wohlbehalten überstanden zu haben.

Es hat doch bestimmt Leute hier an Bord gegeben haben, die er gekannt haben muß, die ihm vielleicht sogar nahe gestanden waren. Doch wenn dies so gewesen sein sollte, dann scheint er diese Leute nun kaum oder gar nicht zu betrauern und ihr Schicksal wäre ihm komplett unbedeutend, so gleichgültig, wie er die Situation kommentiert.

Sehr bedeutend aber, scheint ihm die Ladung zu sein, welche Ladung auch immer er meinen könnte, denn Ole hatte im Bauch des Schiffes nichts gefunden, was das Abschleppen der ZYKLOPENAUGE in irgendeiner Form wenigstens halbwegs nötig gemacht hätte.

Ole beobachtet den Gesandten während sich Herr Darian und Herr Lowanger unterreden. Der Gesandte zuckt noch nicht einmal mit den Wimpern, seine Gedanken scheinen sehr konkrete, wie geheime Pläne zu verfolgen. Nicht nur, daß er sich über die Art und den Inhalt dieser Pläne ausschweigt, er scheint darüber hinaus auch noch sehr bemüht, daß keiner auch nur den Hauch einer Gewißheit darüber erlangen kann, was auf der ZYKLOPENAUGE wirklich passiert ist oder was noch immer jetzt 'gespielt' wird, nachdem das Wrack, gegen alle Vorhersagen, tatsächlich bis in den Hafen gebracht werden konnte.

Dies alles erregt Abscheu in Ole und der alte, rechtschaffene Schiffszimmermann hätte beinahe seinem Ärger direkt Luft gemacht, doch dann rührt sich die junge Frau wieder und wieder spricht sie wirre Worte. Das erinnert Ole daran, daß es im Augenblick wohl wichtigeres gibt als irgendwelchen Abneigungen nachzuhängen.

"Herr Lowanger, ich bitte um die Erlaubnis das Schiff verlassen zu dürfen, um das Mädchen auf der NORDSTERN unterzubringen. Ich denke es eilt!"



"Natürlich, kein Problem", erwidert Lowanger dem jungen Magus. "Ich werde Trolske sofort los schicken, und ich bin mir sicher, daß er sich sehr beeilen wird."

Mehr Worte verwendet der zweite Offizier darauf nicht, und die nächsten beiden knappen Worte gelten Ole:

"Erlaubnis erteilt!"

Der Abgesandte des Seegrafen ist für Lowanger erst einmal unwichtiger, denn diesem hat er alles gesagt, was er für die Bergung des Schiffes als wichtig empfindet, über den Rest muß er er selbst entscheiden. Die Sache mit dem Mädchen ist da viel wichtiger, und vor allem auch viel eiliger.

"Trolske!"

Der Ruf gilt dem Matrosen, der noch in der Nähe der vorderen Halteleine auf dem Anleger steht, und sogleich in Richtung seines Offiziers blickt.

"Geh in die Stadt und hol so schnell wie möglich einen Heiler für das junge Mädchen. Führe ihn zur Kabine des Herren Durenald auf der NORDSTERN. Für die Kosten wird erst einmal die Schiffskasse aufkommen."

Den letzten Satz fügt er hinzu, weil er weiß, daß ohne sichere Aussicht auf Bezahlung kein Heiler auch nur einen Handschlag macht. Zudem ist er sich recht sicher, daß Jergan damit einverstanden ist - sollte das nicht so sein, so wird es ihm, Lowanger, eine Selbstverständlichkeit sein, diese Kosten selbst zu übernehmen.

Der Matrose bestätigt den Befehl mit einem knappen Nicken, und verschwindet dann im Laufschritt in Richtung der Häuser Salzerhavens.



Darian wartet ab, bis der zweite Offizier dem Matrosen den Befehl zur Heilersuche erteilt hat. Dann wendet er sich noch einmal an Wulf Lowanger:

"Ich selbst werde mich dann wieder auf die NORDSTERN begeben. Ich denke hier gibt es für mich nichts mehr zu tun," dabei macht er eine kurze, auf das Deck der ZYKLOPENAUGE deutende, Handbewegung, "und auszerdem musz ja jemand meine Kabine aufschlieszen."

Der Adeptus bleibt jedoch noch stehen und wartet eine Antwort des Offiziers ab, schlieszlich läszt er, wenn auch er geht, Lowanger allein mit dem seltsamen Schiffbrüchigen zurück.



"Klar, kein Problem", erwidert der zweite Offizier, "das ist ja sehr wichtig. Richtet dem Kapitän bitte einen Gruß von mir aus."

Er selbst wendet seine Aufmerksamkeit wieder dem Geschehen am Kai und auf dem Deck zu - die Boroni werden doch hoffentlich VOR den Leuten kommen, die das Schiff entladen sollen. Naja... die Chancen dafür stehen zumindest nicht schlecht, denn die Verständigung der Boronis ist ja schon im Gange, während Phaylion noch niemanden los geschickt hat.



"Nun wollen wir mal hoffen, daß der Heiler, den der Seemann mitbringt, auch etwas von seinem Handwerk versteht." spricht der Druide zu dem Magier.

'Ich für meinen Teil hätte diese Aufgabe doch eher einem Magiebewanderten zugeteilt, aber nun ist es zu spät' denkt er noch bei sich.

"Verlassen wir also diesen unheilvollen Ort" fügt er hinzu, einen letzten Blick auf die bedeckten Leichen werfend und dabei mit dem Kopf schüttelnd ob der hier begangenen Untaten.



"Ja, das werde ich tun," wirft er dem zweiten Ofiizier noch zu, da tritt auch schon der Druide an ihn heran. "Ja, wir sollten uns beeilen, so wie der Matrosen gelaufen ist, wird er sicher bald mit dem Heiler zurück kehren und dann sollte alles vorbereitet sein."

Der Adeptus wendet sich Richtung Planke und macht sich auf den Weg zur NORDSTERN.



NORDSTERN - Unterdeck: Phexane rüstet sich


Phexane kommt auf dem Unterdeck an und geht dann sofort in Richtung Gemeinschaftskabine.

Im Kopf beginnen schon die genaueren Planungen für diesen Abend bzw. diese Nacht. Die Pläne sind unterschiedlicher Natur, doch laufen sie alle auf ein Ziel hinaus: irgendwie schnell an größere Summen Geld kommen!

Phexane passiert den Schrein, die Messe und die Kombüse.

'Hm, wo wohl der kleine Traumauge steckt? Der war ja furchtbar niedlich!'

Dann hat sie die Tuer zu der Gemeinschaftskabine erreicht. Noch in Gedanken bei dem verschmusten Tier, öffnet sie sie und tritt ein.

Das Bild, das sich ihr hier bietet, erstaunt sie nicht unbedingt. Statt dessen verblassen aber die Gedanken an den kleinen Kater und ihr Gesicht nimmt einen kühlen, unbewegten Ausdruck an, als sie das Dreiergrüppchen sieht.



Als sich die Türe der Gemeinschaftskabine öffnet, dreht Torin den Kopf, um zu sehen, wer denn hereinkommt.

Das erste, was er sieht, ist ein Paar dunkelbrauner Stiefel, eine schwarze Lederhose mit einem roten Tuch, welches diese hält. Mehr braucht er auch nicht zu sehen.. Es ist SIE!

Anfangs hatte er ihre unnahbare Art noch als amüsant empfunden, doch seit er sie mit dem Matrosen auf Deck in inniger Umarmung gesehen hatte, waren seine Gefühle für sie kaum noch existent.

'Und ihr habe ich auch noch geholfen.. Blind wie ich war!'

Trotzdem bekommt er den spitzen Kommentar, der ihm auf der Zunge liegt, nicht über die Lippen. Er bleibt stumm in seiner Koje sitzen, während sein Blick zurück zu Ameg gleitet.



Kurz geht Phexanes Blick zu Torin - suchend nach seinen Augen, doch er blickt sie nicht an ... schuldbewußt? Oder etwas verbergend? Eiskalt wird ihr Blick und ihre braunen Augen scheinen jede Wärme zu verlieren.

Sie geht auf ihren Spind zu - weder übertrieben schnell, noch langsam, noch laut oder leise - sie geht ganz normal, so, als wäre nichts geschehen. Unterwegs zieht sie einen kleinen Schlüssel aus ihrer Hosentasche, spielt leicht nervös mit ihm. Ihr Blick ist stur geradeaus auf den Spind gerichtet - sie achtet auf keinen der Dreien.

Am Spind angekommen, öffnet Phexane ihn und holt ihren Kapuzenumhang heraus, den sie sich umhängt. Dann kramt sie kurz in ihrem Beutel, der hier verwahrt wird und holt ihren Geldbeutel heraus, den sie irgendwo in ihren weiten, dunklen Umhang verschwinden läßt. Dann verschließt sie den Spind und steckt den Schlüssel im Umdrehen wieder weg.

Wieder passiert sie die drei - wieder wortlos mit unbewegter Miene. Kein einziges Gefühl regt sich anscheinend in ihr. Phexane geht auf die Tür zu, öffnet diese und geht hinaus. Danach schließt sie die Tür wieder und bleibt kurz davor stehen - um tief Luft zu holen!

'Siehst du? Es hat keinen Sinn - für ihn bist du ebenso unwichtig, wie für den Mann, für den du einst soviel aufgeben wolltest. Du bist schwach, Níalyn!'

Phexanes Miene verdüstert sich und so manche Phantasie der 'braven' Bürger vom finster dreinblickenden Schurken wird nun anscheinend wahr. Mit großen Schritten strebt sie dem nahen Aufgang entgegen, dort wo auch Jarun offenbar hin will.



NORDSTERN - Unterdeck: Eitelkeit und Launen


Die Schritte, die Jarun hinter sich hört, veranlassen ihn stehen zu bleiben und sich umzudrehen. Erfreut stellt er fest, das es Phexane ist.

"Einen schönen Abend wünsche ich ihnen junge Dame. Wohl auch noch auf dem Weg in die Stadt!?"

Mit einem Blick an sich hinunter dreht er sich im Kreis, wie eine Frau, die ein neues Kleid probiert.

"Wie sehe ich aus? Meint ihr ich kann mich so auf die Straße trauen. Wie ich hörte, wartet am Hafen eine Gruppe von Verehrern auf mich. Sie werden sicher jedes störende Element an meinem Aussehen entdecken. Was meint ihr?"

Trotz des Aufgangs, durch den ein wenig Licht in das Unterdeck dringt, ist es recht dunkel im Gang, so daß zwar Umrisse gut zu erkennen, aber Farben kaum zu unterscheiden sind.



Mißmutig und mit düsteren Gedanken betrachtet Phexane Jarun. Normalerweise mag sie den Gaukler, aber jetzt, in diesem Moment, ist er einfach am falschen Ort zur falschen Zeit, und Phexane ist gerade in der richtigen Stimmung, um Leute vor den Kopf zu stossen.

Sie verschränkt die Arme und grummelt:

"Wie eine Garether Hofschranze, die nichts anderes zu tun hat, als Speichel zu lecken!"



"Ga..., Garether Hofschranze"

Jarun ist fassungslos. Mit weit geöffnetem Mund steht er in der Dunkelheit des Unterdecks und weis nicht genau, was er auf Phexanes verletzende Worte sagen soll. Nur ein paar Worte, die nicht sonderlich gut gewählt sind, bringt er über die Lippe,.

"Und ihr, und ihr seht aus wie eine maraskanisches Krallenäffchen in der Paarungszeit."

Dabei dreht er sich mit wehendem Umhang von Phexane wegt und stapft wütend den Aufgang hinauf.



Phexane steht einen Moment lang wie festgewachsen da und starrt mit zornigem Blick und verschränkten Armen Jarun hinterher.

"Eitler Gockel!" zischt sie ihm noch leise hinterher, dann aber fühlt sie langsam Bedauern in ihr aufkeimen.

Doch dieses Gefühl unterdrückt sie schnell wieder - kein Bedauern, keine Entschuldigung - diesmal - endlich! - will sie hart bleiben. So hart, wie Phexane eigentlich schon immer sein wollte. Aber stets gab es in ihr ein kleines, leises Stimmchen, was sie davon abhielt und sie dazu brachte, Schwäche zu zeigen.

'Es ist mir egal, wenn ich die ganze Welt gegen mich habe! Ich komme alleine sowieso besser klar!'

Sie spürt kurz einen Kloß in ihrem Hals sitzen, doch auch dieser wird hinuntergeschluckt, und sie geht, kurz nach Jarun, ebenfalls den Aufgang zwischen Küche und Gemeinschaftskabine hinauf.



NORDSTERN - Gemeinschaftskabine: Gedämpfte Stimmung


Er hört, wie SIE den Raum durchquert, etwas aus ihrem Spind holt und dann das Zimmer wieder verläßt. Als die Türe der Gemeinschaftskabine schließt, blickt er auf und in die Richtung, in die SIE verschwunden ist.

'Gut.' denkt Torin, doch ein Gefühl des Zorns oder gar des Hasses will sich bei ihm nicht einstellen.

Statt dessen betrachtet er nur schweigend die hölzerne Maserung der Tür.



Phexanes Betreten und wieder verlassen der Gemeinschaftskabine dauert zwar nur einige Minuten, jedoch kommt Joanna das plötzliche Schweigen viel länger vor. Etwas hilflos kommt sie sich vor. Zuerst versteht sie kein Wort, von Torins und Amegs Gespräch und dann noch dieses unheimliche Schweigen.

'Irgendwie kann ich verstehen wie sich Torin fühlt. Auch wenn ich von meinen Eltern nicht verkauft wurde, ...'

Joanna sieht zuerst mitfühlend zu Torin und wendet dann ihren Blick auf den Boden. ' ... ich werde wohl nie eine Möglichkeit haben, meine Eltern kennenzulernen, wenn ich ihn nicht finde. Er ist wahrscheinlich der einzige, der mir die ganze Wahrheit erzählen kann. Doch wenn das nicht bald passiert, wird ... wird es wohl zu spät sein.'



Ameg steht in der Mitte der Gemeinschaftskabine.

'Torin will nicht', denkt er. 'Torin will mich zu seinem ehemaligen strengen Lehrmeister geben... dabei sagte er doch, daß ER mir alles beibringen will... aber er mag mich wohl nicht... wenn wir erstmal in Gareth sind wird er wohl so schnell wie möglich verschwinden'

Zwischendurch kommt Phexane herein und verschwindet wieder...

...doch Ameg steht reglos und traurig in der Gegend herum. Er weiß nicht was er tun oder denken soll.

Als er fast los weinen möchte ringt er sich dazu durch etwas zu tun ..irgend etwas.. und so geht er zu seinem Spind, ohne Torin oder Joanna dabei anzusehen. Mit einem Schlüssel öffnet er den Spind und schaut auf ein kleines Bündel an Sachen, die irgendwie etwas verloren im Spind wirken. Ameg nimmt das Bündel heraus, dreht sich wieder zur Mitte des Raumes um und murmelt nur leise:

"hab' gepackt..."



Lange genug blickt Torin auf die Holztüre, als daß er sich das Muster hätte einprägen können. Doch sein Blick verläuft sich in der Ferne. Die melancholische Stimmung in diesem Raum hat die drei Passagiere scheinbar vergessen lassen, daß die NORDSTERN bereits so gut wie vor Anker liegt.

Seit Stunden lagern Torins Habseligkeiten reisefertig in seinem Spind. Und nun sind auch die wenigen Güter des Jungen zusammen geklaubt. Scheinbar hat er nur auf diese Worte gewartet, denn nun hebt sich seine Laune wieder etwas.

"Das ist gut." gibt er von sich und blickt zu Ameg hinüber.

Doch dann stutzt Torin. Eigentlich hätte er von Ameg etwas mehr Reiselust erwartet. Aufmunternd lächelt er ihm zu.

"Heeey, welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?"

Langsam und auf seine Schritte bedacht steht er auf.

"Ich weiß gar nicht, was du hast. Jetzt geht es endlich runter von diesem engen Kahn und raus in die weite Welt. Und du ziehst ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter."

Das Licht der Öllampe spiegelt sich im Bullauge und so nutzt Torin diese Reflexion, um noch ein letztes Mal den Sitz seines Hutes zu korrigieren. Dann dreht er sich wieder zu Ameg um.

"Du wirst schnell merken, daß es auch dir Spaß macht. Und der Spaß fängt heute Abend gleich an: Wir werden uns zuerst eine Bleibe in einer nahe gelegenen Herberge suchen und dann zusammen mit Frau de Clare zu Abend essen."

"Na, ist das etwa kein Angebot?"



Auch wenn die Druidin etwas abwesend wirkt, registriert sie jedes einzelne Wort, das gewechselt wird.

"Torin hat recht, du solltest dich freuen, das Schiff verlassen zu können"

Joanna ist sich dabei nicht bewußt, wie sie Torin angesprochen hat und lächelt Ameg aufmunternd zu.

'...und dann mit FRAU DE CLARE zu Abend essen?' Überlegt Joanna noch mal seine Worte. Die Druidin zählt 19, höchstens 20. Sie ist es nicht gewohnt so angesprochen zu werden.

Sie sieht sich wieder in ihrer Heimat, den immergrünen Wäldern. Innerlich hört sie noch immer die kindliche Stimme Effeks zu ihr sprechen:

'Hey, Joe, wo gehst du hin? Nimmst du mich mit?'

Das waren die letzten Worte die sie vor ihrer Abreise gehört hat. Effek hatte sie mit ihren strahlend blauen Augen traurig angesehen und Tränen rannen ihr übers Gesicht. Als die Druidin die Kleine umarmt hatte konnte auch Joanna ihre Tränen nicht unterdrücken. Eigentlich war sie für jeden immer die kleine Joanna gewesen, auch wenn sie damals immerhin schon 19 war. Und nun ... Frau de Clare.

'Joe, du wirst schön langsam alt.'

Die Druidin lacht leise.

Und genau dieses Lachen bringt sie wieder in die Realität zurück. Mit leicht geröteten Wangen sieht sie Torin an.

Wie alt er wohl ist?'



Ameg schaut Torin ein wenig gequält an und ringt sich zu einem Lächeln durch. Land unter den Füßen und was Schönes zu essen hören sich gut an, aber das tröstet Ameg nicht über das Gefühl hinweg, daß Torin ihn loswerden will. Wozu sonst will er schließlich auf einmal, daß ihn irgend jemand anderes ausbildet und nicht er selbst.

'nun gut.. ich werde erstmal mitgehen.. sonst kann ich immer noch alleine weiter.. hoffe ich.. dem Dunklen werde ich schon irgendwie entwischen......hmm... wieso kommt Joanna eigentlich mit? ...ist sie der Grund, warum Torin seine Meinung gewechselt hat? ..störe ich etwa? '

Ameg setzt ein gespieltes Lächeln auf, wirft sich den Beutel über die Schulter und schaut Torin an:

"wann geht's los?"



Da Ameg Joanna gar nicht anspricht, ist sie sich nicht sicher, ob sie überhaupt antworten soll. Doch da sie ziemlich bald von dem Schiff wieder einmal hinunter will, wendet sie sich Ameg zu.

"Ich denke so bald wie möglich..."

Dann sieht sie Torin fragend an.

"...oder?"



Als Amegs Lächeln langsam wiederkommt, erfreut das Torin. Und auch als die junge Druidin seinen Vornamen nennt (etwas, das er sonst weniger mag), kann das seine gute Laune nicht stören.

'Immerhin ist sie noch jung und unerfahren. Sie dürfte gut zehn Götterläufe jünger sein als ich... - Was war ich damals noch für ein kindlicher Narr.'

Amegs Frage reißt ihn aus seinen Gedanken und bevor Torin ihm antworten kann tut Joanna dies bereits für ihn. So bleibt ihm nichts zu tun als die Aussage der jungen Druidin zu bestätigen. Er nickt ihr zu.

"Richtig. Als erstes sollten wir eine Unterkunft für die Nacht suchen. Ich hoffe nur, daß wir in diesem Ort noch freie Zimmer finden. Denn eine Nacht unter freiem Himmel mag zwar sehr romantisch sein, aber die werden Ameg und ich wohl noch zu Hauf' haben bis Gareth."

Dann geht er an seinen Spind, oeffnet ihn und schultert seinen alten, ledernen Ranzen.

"Wenn ihr uns begleiten möchtet, Frau de Clare, dann sputet euch. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren."

Mit diesen Worten geht er zu Joanna hinüber und reicht ihr seine Hand um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein.

"Noch ist die Nacht so jung wie ihr!"



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Hjaldar und Lowanger


Tja, da hat er den Weg wohl umsonst gemacht. Außer daneben stehn und zusehen, wie Trolske und Ole das Schiff sicher antäuen, nachdem Lowanger den schwimmenden Badezuber sauber angelandet hat, kann Hjaldar kaum mehr tun.

Also betrachtet er neugierig und wachsam den Pulk Menschen, der sich da mit Fackeln und Bannern am Kai herumflegelt. Fast könnte man meinen, es handele sich um einen wildgewordenen Mob, würden die Leute nicht nahezu allesamt statt Knüppeln, Mistforken, Dreschflegeln und Stuhlbeinen diese albernen Stofffetzen herum schwenken.

"Willkommen Jarun ... Flieg für uns Papagei" äfft er mürrisch (und auch ein wenig neidisch, daß man ihn nicht so begrüßt!). Doch plötzlich hellt sich seine Miene auf und ein gehässiges Grinsen macht sich breit "Das mit dem Fliegen ließe sich arrangieren ... die NORDSTERN hat ihren Ausguck ja noch."

Kurz wird sein Blick von zwei Gestalten am Pier gefangen, die sich ein wenig aus der gaffenden Menge abheben ... der eine allein dadurch, das er deutlich zu klein ist und als einziger mit einer Waffe herumfuchtelt - indes nichts, was Hjaldar bei einem Zwerg sonderlich beunruhigt, solange er nicht gleichzeitig wüste Beschimpfungen in seine Richtung spuckt.

Etwas mulmig wird ihm aber doch, bei all den Menschen da am Kai, denn wie werden die wohl auf die unzähligen Toten hier an Bord der ZYKLOPENAUGE reagieren?

'Es wird wohl am besten sein, alsbald die Hafenwache munter zu treten und einen von den schweigsamen Schwarzkitteln könnten wir auch brauchen...'

Also wendet er sich nach einer längeren Zeit des Nachdenkens um und geht auf Lowanger und den Spinner zu, der das Wrack anscheinend wegen ein paar Steinkisten hat abschleppen lassen.

"Hoi Lowanger. Soll ich schon mal die Büttel wachklopfen und schauen ob ich einen Boroni find, der sich nich' zu schad ist, jetzt noch was zu tun? Besser wär das, bei den Gaffern da."



Lowanger beantwortet zuerst Hjaldars Frage, damit der "Matrose" sogleich mit der Ausführung dessen beginnen kann, was er da gefragt hat.

"Ja, tu das mal, das ist beides sehr wichtig!"

Dann wendet er sich wieder Phaylion zu und antwortet:

"Vor allem müßt Ihr verhindern, daß der Kahn hier an dieser Stelle absäuft. DAS kostet nämlich sehr viel, weil er da einen bestimmt nicht unwichtigen Teil des Hafens blockieren würde."

Lowanger sagt das eindringlich, da ihm sehr wohl bewußt ist, was für ein Hindernis solch ein gesunkenes Schiff an dieser Stelle wäre.



In SALZERHAVEN - Am Kai: Hjaldar, Zwerg und Kaufmann


"Aye Aye" schwungvoll dreht sich Hjaldar um und ist mit ein paar schnellen Schritten an der nur noch in Bruchstücken existenten Reling.

Mit einem gewaltigen Satz, weiter und kräftiger, als es eigentlich notwendig gewesen wäre, so nah wie die ZYKLOPENAUGE am Kai liegt, springt er an Land.

Die inzwischen eingetretene Stille und die betretenen Blicke der Gaffer lassen unschwer den Schluß zu, daß auch die Dümmsten und Blinden inzwischen gerafft haben, was Sache ist.

"Hey Du." blafft er einen nahestehenden Dockarbeiter an "Wo haben sich Eure Hafenbüttel verkrochen?"

Erschrocken fährt der so Angesprochene zusammen und für einen kurzen Moment steht nur Unverständnis und blanke Panik in sein Gesicht geschrieben ... dann hebt er zaghaft die Hand und deutet auf ein etwas zurückgestelltes Steingebäude am Rande des Hafenplatzes.

"Die Wache is' da..."

Ohne ein Dankeswort zu verschwenden wendet sich Hjaldar in die gezeigte Richtung und pflügt durch die im Weg stehenden Schaulustigen auf das Gebäude zu.

Unterwegs besinnt er sich auf die andere, zu erledigende Sache und bleibt kurz stehen - ziemlich nahe des Zwergs und des Händlers.

Da die Menge sowieso schon gesehen hat, daß Tote an Bord sind, kann man ihnen auch genauso gut etwas auftragen, bevor sie hier noch Löcher in die Planken starren. Laut genug, zumindest von den Umstehenden deutlich verstanden werden zu können, ruft er:

"Es wäre vielleicht gar keine so blöde Idee, wenn schon mal jemand ein oder zwei Boronis anschleppen tät'!"



Als der Händler antwortet, ist die Angst in seinen Augen erloschen Dafür meint Alberik in Anmans Augen etwas anderes erkennen zu können. Etwas, das dem Zwerg sagt, daß dieser bestimmt nicht vor hat, auch nur einen Kreuzer zu bezahlen, um sich jemanden zum eigenen Schutze zu leisten.

Dann wendet sich dieser ab und schaut sich in den Reihen der Versammelten hier am Kai um.

Erst jetzt fällt dem Angroschim die bedrückende Ruhe inmitten der Menschen auf. Viele schauen entsetzt oder betroffen zum Schiff, nur noch wenige Rufe sind hinten zu hören, die aber langsam verstummen.

Für einige Zeit schweigt auch Alberik. Um wirklich Bedauern mit den Toten zu zeigen, dazu hat aber er in den vielen Kämpfen und Schlachten schon zu viele sterben sehen, egal ob neben ihm oder durch ihn. Eigentlich nutzt er die kurze Unterbrechung des Gespräches, um sich etwas einfallen zu lassen, wie er diesen geldgierigen Händler, denn um einen solchen scheint es sich wirklich zu handeln, zumindest hat es im Moment den Anschein, doch noch überzeugen kann, sich einen Söldner zu heuern.

Während dessen beobachtet er den Thorwaler auf seinem Weg und hört zu, was er zu sagen hat.

'Das sollte tatsächlich jemand, wenn es dort wirklich so viele Tote gibt, wie angenommen.'

Wenn er wüßte, wo hier ein Geweihter des Totengottes zu finden wäre, würde er ja vielleicht sogar los eilen. Aber die hier versammelten Bewohner werden viel schneller jemanden finden, außerdem hat er hier ja auch noch etwas bei dem Händler zu erledigen.

So schaut er erst einmal in die Runde, ob irgendwer dem Aufruf folge leistet.



Der Junge, der bereits das Kommen der Schiffe ankündigte löst sich aus der Menschenmenge und verschwindet in einer der Seitengassen, um die Boroni darüber zu informieren, das sie am Kai gebraucht werden.



Als ein Matrose vom gerade anlegenden zweiten Schiff springt und sich barsch mit einem Hafenarbeiter an einen Hafenarbeiter wendet, sind Anman´s Gedanken schon wieder bei seinen eigenen Problemen.

Äußerlich immer noch Respekt bezeugend den Toten auf der ZYKLOPENAUGE, hat Anman innerlich doch zu viel Abstand von der Situation, um wirklich mehr als nur betroffen und schockiert zu sein. Wut, Trauer oder Zorn erregen diese Bilder nicht mehr; seit der Nacht, in der das Haus seiner Eltern niedergebrannt wurde, ist ein Teil seines Herzens mit den Seelen seiner Eltern gezogen.

´Wie sagte doch Errun, der Weise, immer ?´, denkt Anman nach,´Ah ja : Abschied nehmen heißt immer ein bißchen sterben.´

Gerade jetzt hatte der junge, schwere Mann in seiner unauffälligen, soliden, jedoch keineswegs protzig oder überteuert wirkenden Kleidung darüber nach zu denken, ob die Reise mit dem Schiff wirklich anzutreten sei. Mehr denn je wird ihm klar, welche Gefahren dieses unbekannte Medium für seine Zukunft birgt. Trotz allem, ihm blieb nur die Flucht nach Süden.

´Und besser immer gleich, als nie.´, überlegt Anman sich.´Irgendwann werden sie wissen, wem sie die faulenden Stämme im Lager verdanken.´

Also, der Entschluß bleibt gefaßt. Er würde mit einem Schiff nach Süden reisen, und zwar besser bald. Nicht, daß Eile not täte, ein paar Wochen blieben ihm sicherlich. Aber wenn viele Meilen südlich auf dem Decke eines sich sanft im Winde wiegenden Schiffes die Sonne auf seinen Wanst brutzeln würde, wäre er alle diese kleinen lästigen Sorgen für immer los, und deswegen wollte er sein Glück versuchen, und hoffen, daß die Weisen sein Schiff sicher an Piraten vorbei durch die Gewässer leiten würden.

"So sei es.", murmelt Anman, dann schaut er wieder zum Zwerg herunter, der in Gedanken versunken neben ihm steht.

"Sagt, werter Alberik, meint Ihr, wir hätten heute nacht noch in diesem Tumulte hier die Chance, mit dem Kapitän des Schiffes die Überfahrt zu verhandeln ?", fragt er ihn halblaut.

"Ich denke wohl kaum.", fügt er an,"So laßt uns denn in einem der Wirtshäuser einkehren und ein paar Karaffen edlen Hopfens oder Weines zu uns nehmen, falls Ihr meiner Einladung folgen möchtet."

"Sagt, ist in dem Gasthause, das Ihr wähltet, noch ein Zimmerlein frei ?", kommt ihm auch gleich der nächste Gedanke,"Ich müßte ja noch ein oder zwei Nächte zu Lande verbringen."



"Hm, ich glaube schon. Gestern waren in der Springenden Salzerelle noch Betten frei, ich weiß aber nicht, ob die auch Einzelzimmer haben," erwidert Alberik noch halb in Gedanken versunken.

"Da gibt es auch etwas zu trinken, nicht zu teuer, und für Menschenbier auch noch annehmbar. Wenn euch der Fischgeruch nicht stört, kann man es einige Zeit dort aushalten. Aber eigentlich wollte ich noch auf den Helden warten, wegen dem alle hierher gekommen sind. Der ist ja noch nicht aufgetaucht."

Eine kurze Pause folgt, in der der Zwerg zu überlegen scheint, ob er nicht doch mitkommen will. Dann zuckt er mit den Schultern.

"Andererseits, wenn ihr mich zu einem Becher Bier einladet, werde ich euch gerne begleiten."

'Bevor Du mir einfach so davon läufst und ich keine Gelegenheit mehr habe, Dir meine Dienste als Söldner erneut anzubieten.'



ZYKLOPENAUGE - Oberdeck: Lowanger und der Gesandte


Hm, Boronis und Büttel, beide können überaus neugierig und äußerst penetrant sein. Man kann ihnen ja leider nicht erzählen, um was es bei dieser Mission geht und was auf dem Spiel steht; nicht wirklich deren Angelegenheiten.

Am Pier wird es allmählich leiser. Anscheinend realisieren die Leute dort, was mit dem Schiff hier geschehen ist. Alles wäre glatt gelaufen, wenn dieser vermaledeite Überfall nicht gewesen wäre. Aber es ist zu spät, es gilt, das beste daraus zu machen. Und der Matrose eilt auch bereits davon.

"Wie lange wird das Schiff sich noch halten können?" fragt er dann, nachdenklich wirkend.



Lowanger nickt zufrieden, als er sieht, mit welchem Eifer der "Matrose" Hjaldar der selbstgestellten Aufgabe nachkommt.

Er wird jedoch durch Phaylions Frage sogleich wieder abgelenkt, und antwortet diesem höflich:

"Das weiß ich nicht genau. Ihr habt ja gesehen, wie sehr unser Zimmermann unterwegs arbeiten mußte, um ein Unglück zu vermeiden, und doch ist das Wasser im Laderaum gestiegen. Momentan ist natürlich die Belastung des Rumpfes geringer, aber dennoch möchte ich keine Vorhersage machen."

Er schweigt kurz, und ergänzt dann:

"Es kann passieren, daß der Kahn in einer Stunde unter unseren Füßen wegsackt, es kann aber auch passieren, daß er morgen früh hier noch schwimmt und kaum tiefer im Wasser liegt als jetzt. Wie gesagt... Ihr solltet das so schnell wie möglich an jemanden übergeben, der Ahnung davon hat, denn der Schaden, den ein Versinken des Schiffes an dieser Stelle anrichtet, ist wohl weit höher als die paar Kisten da unten im Laderaum und das Wrack wert sind."



Das Schiff ist völlig egal, soll es sinken, verbrennen oder gestohlen werden, was zählt ist die Ladung, und sonst nichts. Dieses Wrack hat die letzten Stunden durchgehalten, da wird es jetzt auch keine echten Probleme haben, und wenn ein Teil der schweren Ladung weggeschafft ist, liegt es auch nicht mehr so tief im Wasser. Dennoch nickt er, schließlich gilt es auch, daß die anderen zufrieden sind, um so leichter ist die eigentliche Aufgabe.

Zudem fragt der Zauberer gerade nach einem Seelenheiler, so daß der Navigator sich nicht auf ihn konzentrieren kann. Einen Seelenheiler, Phaylion lächelt kalt, wahrscheinlich gibt es keinen besseren im weiten Umkreis als ihn selbst; aber er hat bestimmt nicht vor, sich um dieses Mädchen zu kümmern.



Die Leute des anderen Schiffes verlassen die ZYKLOPENAUGE nun langsam so nach und nach. So wie Ratten das sinkende Schiff verlassen, könnte man teilweise meinen. Phaylion hat noch nie Gefallen an diesem Sprichwort gefunden, aber je weniger Neugierige anwesend sind, desto leichter fällt es, diese Zwischenetappe erfolgreich - soweit man das noch sagen kann - abzuschließen.

Er wendet sich wieder dem Offizier zu.

"Bis wann seid Ihr im Hafen? Ich möchte vor Eurer Abfahrt dem Capitan noch persönlich meinen Dank aussprechen."

Und bis dahin wird alles andere hoffentlich bereits in die Wege geleitet sein.



Lowanger wendet sich dem Abgesandten wieder ganz zu, nachdem das verletzte Mädchen von Bord geschafft wurde, und damit nur noch sie beide hier auf der ZYKLOPENAUGE sind.

"Ich weiß es nicht genau, aber ich denke mal, wir werden frühestens übermorgen auslaufen. Die Vorräte der NORDSTERN müssen ergänzt werden, es müssen Reparaturen an der Rudermaschine vorgenommen werden, und nicht zuletzt werden wir vielleicht auch noch Ladung aufnehmen. Ihr habt also noch ausreichend Zeit dafür."



"Bis übermorgen ist wahrlich ausreichend Zeit", nickt Phaylion. Tatsächlich hat er natürlich vor, bis dahin bereits aus der Stadt verschwunden zu sein, und eigentlich müßte sich das auch einrichten lassen.

"Ich wünsche viel Erfolg auf Eurer Fahrt ..."



"Habt vielen Dank", erwidert der zweite Offizier.

Er ist sich noch nicht so ganz sicher, was er jetzt tun soll. Einerseits möchte er sehr gerne auf die NORDSTERN zurück gehen, aber andererseits fühlt er sich immer noch sehr verantwortlich für dieses Schiff und ist sich nicht sicher, was damit passieren würde, wenn er es jetzt verlassen würde. Besser ist wohl, noch zu warten, bis jemand kommt, der sich um das Wrack kümmert.

Er, Lowanger, möchte jedenfalls nicht derjenige sein, der als letzter Seemann auf einem Schiff war, das am Kai versinkt.



Noch warten, bis jemand kommt. Ein Gedanke, eine Absicht des Offiziers, der von Phaylion durchaus geteilt wird. Jetzt zu verschwinden, wo bereits nach Boronis und Hafenbeamten geschickt wurde, könnte neugierige Fragen nach sich ziehen. Zudem, warum verschwinden, wenn die anderen doch ohnehin kommen?

Äußerlich wahrhaft zufrieden und selbstbewußt wirkend, legt der seegräfliche Gesandte die Arme nach hinten und verschränkt die Hände im Rücken. Wache Blicke gehen hierhin und schauen dorthin.



NORDSTERN - Brücke: Der Kapitän


Jergan Efferdstreu wirft noch einen Blick auf das nun verwaiste Steuer, dann wendet er sich seiner ersten Offizierin zu.

"Wenn hier Ruhe eingekehrt ist, und wir herausgefunden haben, was es mit dieser Menschenmenge da auf sich hat, dann werde ich wohl ins Hafenamt gehen, um den Vorfall zu melden - es sei denn, vorher taucht hier jemand von dort auf, um nachzufragen, was passiert ist."

Bei der Größe der Menschenmenge und dem Aufsehen, das so eine Schleppfahrt ohnehin erregt, hält der Kapitän das für gar nicht so unwahrscheinlich.

"Und dann müssen wir noch sehen, ob wir hier liegen bleiben dürfen - den Platz haben wir uns ja quasi selbst ausgesucht."



In SALZERHAVEN - Anlegestelle: Bei der NORDSTERN


Als der Zwerg nun zustimmt, der Einladung zu folgen, und auch von den freien Betten in einer Herberge erzählt, kommt Anman ein weiterer Gedanke : Sollte es vielleicht auch die Möglichkeit geben, auf dem Schiff zu übernachten ?

´Es ist zwar schon spät, aber etwas sollten wir doch noch warten.´, denkt Anman sich,´Vielleicht muß der Kapitän Bericht erstatten in der Hafenmeisterei, aber der Erste Offizier wird ja wohl auch über eine Überfahrt verhandeln können.´

"Nun, werter Alberik, den Helden wollen wir uns dann doch nicht entgehen lassen.", antwortet Anman also dem Zwerg."Seid vergewissert, daß ich Euch ein Bier oder zwei schulde; wir werden später noch Gelegenheit haben, diese Schuld zu begleichen."

Er schaut sich über die Schultern um, und dann auf das später angekommene, seetüchtige Schiff und dessen Besatzung. Dort wird routinemäßig das Schiff klar gemacht, und es ist erkennbar, daß ausreichend Leute an Bord sind. Einige klettern durch die Takelage und verholen die Segel, andere arbeiten an der Reling und den Pollern, um das Schiff fest zu täuen. Noch einige andere, und unter ihnen ein paar, die kaum nach Seeleuten aussehen, warten an Deck und mustern neugierig die am Kai wartende Menschenmenge.

"Vielleicht war ich etwas voreilig, als ich sagte, der Kapitän wird keine Zeit für uns haben.", sagt er in Richtung seines Begleiters.

Er kratzt sich wieder am Ohr, und schaut dabei gedankenverloren in Richtung des Zwerges, wie durch ihn hindurchblickend.

"Ich sollte mehr Geduld haben.", spricht er dabei leise zu sich. Nach einer Weile erwacht Anman aus seinen Tagträumen, und seine Augen fokussieren plötzlich auf das Gesicht des Zwerges.

"Sagt, Meister Angroschim, was ist der Zweck Eurer Reise in den Süden ?", fragt er,"Sucht Ihr Auskommen als Kämpfer ?"



Während der Händler mit ihm redet schaut sich Alberik noch einmal in der Menge um. Immer noch ist niemand los geeilt, um die BORonsdiener zu holen. Immer noch stehen sie wie geschockt da, nachdem ihnen klar geworden ist, was dort auf dem Schiff liegt. Auch als er Anman antwortet, schweift sein Blick weiter über die Menge.

"Nein, ich besuche jemanden, Bekannte sozusagen. Weit im Süden, hinter Mengbilla."

Sein Blick bleibt bei dem Thorwaler stehen, der gerade eben von dem Schiff hierhergelaufen ist.

"Vielleicht kann uns der Matrose helfen, wenn wir noch heute mit dem Kapitän sprechen wollen."



ZYKLOPENAUGE - Ladedeck: Schlimme Lage für Klabauter


Meergrün läuft verzweifelt im Laderaum umher. Es ist nicht wirklich so, daß er wohin will oder etwas tut. Im Gegenteil, eigentlich kann man nichts tun. Zumindest nicht mehr als der Klabauter schon während des Schlepps getan hat. So ist es gerade diese Unfähigkeit etwas zu tun, die seine Verzweiflung nährt.

Bei dem Klabauter ist es wie bei den Menschen. Erst nach der Katastrophe, wenn sie Stunden in bester Hoffnung ums Überleben gekämpft haben, merken sie, welche Folgen der Ereignisse noch auf sie warten. Lowanger hatte schon recht, als er der ZYKLOPENAUGE eine düstere Zukunft voraussagte.

Zwar befürchtet Meergrün nicht, daß ihm das Schiff unter den Füßen versinken wird, aber vor einem langen Werftaufenthalt, wird sie das Meer der sieben Winde nicht wieder sehen. Wenn überhaupt.

Und so sehr ein Klabauter auch sein Schiff liebt, er braucht Wasser unter dem Kiel, Wind in den Segeln und Gischt im Bart. Denselben rauft sich Meergrün jetzt gehörig, denn er muß eine Entscheidung treffen, die ihm nicht behagt.


was tu iich nur

was fang iich an


miin stolzes schiiff

so siink doch niicht


miin liiebes aug

wo bleiibt miin herz


das iist eiin leiid

das miich zerteilt


wo soll iich hin

wer bleiibt beii diir


eiin neues heiim

den trocknen platz


fiind iich für miich

was bleiibt für diich


was fang iich an

wo geh iich hiin


So läuft der kleine Mann durch das Ladedeck, die Hände in Verzweiflungsgeste an den Kopf gelegt, die Augen immer noch tränengefüllt und die Gedanken schwer von der unbekannten Zukunft, die ihm und der ZYKLOPENAUGE blüht.


----------


Wie der Wind ist das kleine Klabauter sind sehr flink.

Wesen auf dem Oberdeck.


Zum ersten Mal, seitdem er Klabauter schlafen sehr

sich vor etwa zwei Monaten lange.

zu einem kleinen Nickerchen

hingelegt hatte, betrachtet

Meergrün wieder das

Oberdeck der ZYKLOPENAUGE.


Der Anblick, den ihm die Klabauter können im Dunkeln

Dunkelheit eröffnet, ist sehen.

wahrlich keine Augenweide.


Masten gefällt, Takelage Klabauter sind ordentliche

zerrissen, Deckaufbauten und saubere Wesen.

zerstört. Alles im Chaos,

Durcheinander und voller

Blut.


Auch um die Mannschaft, Klabauter sind nicht

unter den Segeln verborgen, grausam; sie denken nur

ist es schade, es waren zuerst an ihr Schiff.

einige ordentliche Menschen

dabei.


Noch einmal tropft Meergrün Klabauter sind emotional

eine Träne aus dem linken stark.

Augenwinkel und rinnt über

die Wange.


Aber alles in allem Klabauter sind weise.

bestärkt ihn der Zustand (meistens)

der ZYKLOPENAUGE, in seinem

Entschluß, sich 'bis alles

wieder in Ordnung ist' ein

neues Heim zu suchen.


Meergrün schüttelt den Kopf Klabauter, auch die jungen,

und die Träne aus seinem haben ein runzeliges

Schnurrbart. Dann geht er Gesicht und einen langen

zum Heck. Schnurrbart.


Dort geht er über einen Klabauter sind tolle

zerbrochenen Holzbalken, Kletterer, insbesondere,

möglicherweise die Reste wenn sie im gesetzten Alter

der Rahe, auf die Reling etwas Magie zu Hilfe

und springt von dort, etwa nehmen.

ein Schritt weit und zwei

hinunter, auf den Anleger.


Auf dem Anleger geht Klabauter sind unsichtbar.

Meergrün in aller Offenheit Wenn sie es nicht wollen,

entlang Richtung Pier und können nur unschuldige

sieht sich die ZYKLOPENAUGE Herzen und mächtige Magier

von der Seite an. sie sehen.


Das erste andere Schiff, Klabauter sind immer

das ihm unter die Nase neugierig.

kommt, ist das Beiboot der

NORDSTERN. Er bleibt einen

Moment stehen und

betrachtet das Boot.


diies iist niich das Klabauter haben eine eigene

was iich hiier wiill Sprache und reden in Versen.

selbst miir zu kleiin

iist diiser kahn


iich brauche doch

eiin größ'res loch




Damit steht fest: Klabauter sind einfach liebenswert.



NORDSTERN - Oberdeck: Nirka träumt


Die Segel sind zusammengelegt, und auch schon auf dem Weg in die Segellast, so dass die beiden Masten der NORDSTERN nun "nackt" in den abendlichen Himmel von Salzerhaven ragen.

Die Bootsfrau, die all das beaufsichtigt hat, steht nun auf der vom Anlieger abgewandten Seite an der Reling und läßt ihre Blicke über das stille Hafenbecken und die Bauten am Ufer auf der anderen Seite gleiten. Ein schönes, fast schon ruhiges Bild nach einem langen arbeitssamen Tag. Im Moment wirken selbst die Geräusche, die die Menschen auf dem Schiff und an Land machen, in diesem Bild eher störend, aber das kann Nirka gut ignorieren. Sie hat ihre Arbeit getan, und darf jetzt ein klein wenig mit offenen Augen an der Reling stehend träumen.

Ihre Gedanken kehren dabei natürlich immer wieder zu Sigrun zurück, die nach der Frühwache nun bald ausgeschlafen haben dürfte, und damit noch fern und unerreichbar ist, denn niemand würde verstehen, wenn sie die Matrosin jetzt wecken würde - zumindest nicht, solange es keinen Grund gibt...

Fast spielerisch suchen die Gedanken der Bootsfrau nach solch einem Grund, doch auf der anderen Seite ist die Gewißheit, daß der Abend ja noch lang ist.

Und... da ist noch eine andere Gewißheit, daß diese Pause nämlich nicht lange dauern wird, denn es gibt ja noch die Rudermaschine mit den Problemen, die gelöst werden müssen...



Nirkas Untätigkeit dauert nicht lange, denn mit einem Mal wird ihr bewußt, was wohl der nächste Befehl sein wird - oder, besser gesagt, was sie bislang versäumt hatte anzuweisen.

Sie dreht sich rasch um, und geht zu der Stelle der Reling, die dem Platz ihrer Träumerei fast genau gegenüberliegt. Dort befindet sich die Stelle, an der man üblicherweise die Planke auslegt - eben jene Tätigkeit, die bislang unterblieben ist, obwohl das Schiff schon seit einigen Momenten hier liegt. Kein Wunder, daß noch niemand von Bord gegangen ist!

Da kein Matrose in der Nähe ist, und die Bootsfrau nicht noch durch laute Kommandos auf ihre Träumerei aufmerksam machen möchte, verrichtet sie die wenigen Handgriffe selbst, die nötig sind, um das entsprechende Relingstück zu entfernen, und befördert die stabile Planke dann mit einer gekonnten Mischung aus Wurf und Kraftanwendung in die fast korrekte Lage.

"Angar, schieb das Ding mal ein Stück nach achtern!" ruft sie dann dem sich so ziemlich in der Nähe befindlichen Matrosen zu.

Dieser kommt diesem Kommando erstaunlich schnell nach, aber ein großes Wunder ist das auch nicht, denn schließlich findet das unmittelbar vor den Augen der Bootsfrau statt, und schließlich ist die Planke für ihn auch von Nutzen, wenn er wieder an Bord zurück gehen möchte. Zumindest, um sich auf den Landgang vorzubereiten, ist das wohl schon nötig.



NORDSTERN - Doppelkabine zwei: Belvolio geht


Nur eine spärliche Ölfunzel beleuchtet das kleine Tischlein in der zweiten Doppelkabine der NORDSTERN und das aufgeschlagene Buch, das im Grunde sogar größer als der Tisch ist, auf dem es liegt. Ungeachtet der schlechten Beleuchtung und der Enge huscht die Schreibfeder, die der Mann, der vor dem Tischlein sitzt, energisch führt, mit den typischen kratzenden Geräusch über das Papier und bedeckt die bis vor kurzem noch leere Seite mit vielen eng geschriebenen Zeilen, die an Bord des Schiffes wohl nur diejenigen lesen könnten, die des Bosparano mächtig sind.

Das Gekritzel verstummt kurz, und der Schreiber hält inne. Sein Blick huscht zu dem winzigen "Fenster" der Kabine, doch da kann er von hier aus nichts sehen. Dann lauscht er kurz - die Geräuschkulisse, die seine Arbeit während der letzten Stunden begleitet hat, ist verstummt. Und... mehr noch, etwas anderes, das die Arbeit erheblich behindert hat, ist auch verschwunden - das stetige Schaukeln des Schiffes nämlich. Es ist fast absolute Ruhe - nach den Tagen auf See kommt es dem Mann eher so vor, als wäre es genauso ruhig wie in seinem Arbeitszimmer zu Hause. Ganz stimmt das natürlich nicht, denn die Tinte in dem kleinen Tintenfaß zeigt, daß das Schiff immer noch ein wenig schaukelt. Aber... was für den Mann mit der Feder in der Hand sicher ist: Das Schiff liegt ENDLICH vor Anker! Der Kapitän hat also Wort gehalten mit dem, was er ihm vor zwei Stunden versprochen hat, als er ihn darüber informierte, daß neue Erkenntnisse es erfordern, daß er seine Reise hier in Salzerhaven erst einmal unterbricht, vielleicht sogar schon beendet.

"Na endlich!" sagt Belvolio di Acazes, denn um niemanden anders handelt es sich bei dem Mann, der so eifrig die Überlegungen zu einer Zauberthesis zu Papier gebracht hat. "Mal schauen, was der alte Ragnar dazu sagt, und was wir so schaffen in seinem Laboratorium!"

Belvolio überfliegt die letzten Zeilen dessen, was er gerade geschrieben hat, noch einmal. Viel fehlt ganz sicher nicht mehr, bis er seine Überlegungen vollständig aufgeschrieben hat, aber das muß noch etwas warten, denn der Nachweis, daß all das funktioniert, ist ihm im Moment viel wichtiger - wichtiger sogar als diese Reise, die er vielleicht auf einem anderen Schiff zu späterer Zeit fortsetzen wird. Jetzt heißt es erst einmal, all die Ideen bei seinem Salzaer Bekannten im Laboratorium auszuprobieren.

Belvolio verstaut die Schreibfeder und das Tintenfässchen, dann klappt er das Buch zu und verstaut es sehr behutsam in seinem übrigen Gepäck, das schon seit Stunden gepackt auf der Koje liegt.

Ein kurzer Blick, dann verläßt er diesen Raum, den er vor sieben Tagen in Prem bezogen hatte. Er schließt die Kabine nicht ab, sondern läßt den Schlüssel im Schloß stecken, ganz so, wie er es mit dem Kapitän vereinbart hatte.

Rasch legt Belvolio den vertrauten Weg zurück, den Niedergang empor, und dann über das Oberdeck in Richtung Planke. Dort verharrt er jedoch noch einmal kurz, weil eine Matrosin... nein, die Bootsfrau selbst, wie er sieht, die Planke noch ausgelegt.

Diese kurze Wartezeit nutzt er, um sich zum Brückendeck umzudrehen, und dem Kapitän ein "Efferd möge Euch und dieses Schiff stets beschützen!" zuzurufen.

Dann ist der Weg jedoch frei, und der Magier spaziert raschen Schrittes über die Planke auf den Anleger. Dort orientiert er sich nur sehr kurz - anscheinend ist er nicht das erste Mal in Salzerhaven, und marschiert dann sehr zielstrebig und mit hohem Tempo los. Wer es nicht schon vorher erfahren hat, der sollte spätestens jetzt sehen, daß Belvolio di Acazes einer wichtigen Entdeckung auf der Spur ist!



NORDSTERN - An der Planke: Anselm und Nirka


Einen Plan hat er schon. Einen, der alles mit einbezieht, was er innerhalb der Aufenthalts der NORDSTERN verrichten kann. Doch dann entzündet sich ein neues Ideenlicht in seinem Kopf.

'Wenn hier ein paar Leute von Bord gehen, dann wird sicherlich eine von den -privateren- Kabinen frei. Und wer zuerst kommt, malt bekanntlich auch zuerst.... dann hab ich endlich Ruhe und keiner kann mir mehr irgendwelche Fragen über mich und mein Leben stellen.'

Sofort blickt er sich nach einem "Verantwortlichen" auf dem Oberdeck um und entdeckt die dunkelblonde Matrosin, nein halt, Bootsfrau!

'Hey, das war doch die, die mit aus welchem Grund auch so ne Steinkugel in's Wasser geschossen hat. Na die kann mir doch sicherlich helfen.'

Eilenden Schrittes wieselt er zur besagten Bootsfrau welche gerade die Planke ausgezogen hat.



Anselm wirft der Planke einen kurzen Blick zu. Dieser wandertet weiter hoch in die Ferne der Stadt. Er versucht den Mann zu sehen, der da eben so hastig hinuntergestiegen ist.

'Wer war das denn nun schon wieder? Auf diesem Kahn gibt es mehr Leute als ich vermutete.'

Als er die Suche erfolglos abbricht richtet er das Wort an Nirka:

"Entschuldigt, aber so weit meine Erinnerung mich nicht trübt seit ihr doch hier die Bootsfrau. So könnt ihr mir vielleicht bei folgender Frage helfen: Wird von den Passagieren, welche die Einzel- und Doppelkabinen beziehen, heute eine das Schiff hier in Salzerhaven verlassen?"



Nirka, die gerade die Planke ordentlich ausgerichtet hat, richtet sich auf und sieht den Fahrgast an, der sie da fragt.

"Ja, ganz recht, ich bin die Bootsfrau", antwortet sie, und fügt in Gedanken hinzu: 'und als solche für dieses SCHIFF hier zuständig, und nicht für die Belegung der Kabinen...'

Zudem war sie während der letzten Zeit sehr beschäftigt, und hat schon von daher keinerlei Überblick über die Kabinen und die Fahrgäste, die das Schiff verlassen wollen - wenn überhaupt.

"Entschuldigt, aber das weiß ich nicht. Fragt am besten den Kapitän selbst."



NORDSTERN - Auf der Brücke: Jergan und Fiana


"Ich denke alleine schon wegen der ZYKLOPENAUGE werden sich hier bald Leute vom Hafenamt einfinden. Ich kann mir vorstellen, daß sie nicht erfreut wären, wenn die ZYKLOPENAUGE hier im Hafen sinken würde, denn daß kann ja immer noch passieren. Um sicher zu sein, müßten sie sie eigentlich noch heute Nacht in ein Trockendock ziehen."



"Danke! EFFerd möge auch euch beschützen!" ruft Jergan dem rasch enteilenden Magier hinterher, als dieser kurz zum Brückendeck hinauf grüßt.

Dann wendet er seine Aufmerksamkeit wieder der ersten Offizierin zu.

"Nicht ganz korrekt. Für die ZYKLOPENAUGE ist der Besitzer verantwortlich, beziehungsweise jemand, der in dessen Auftrag handelt. Und dies ist ganz eindeutig unser Schiffbrüchiger, der diese Schleppfahrt eingeleitet hat. Er muß also dafür sorgen, daß sie in ein Trockendock kommt, nicht die Leute vom Hafenamt."

Der Kapitän grinst kurz.

"Darin, daß die Gefahr besteht, daß der Kahn hier absäuft, da stimme ich Euch natürlich voll zu, und auch darin, daß das niemand besonders gut finden würde. Aber wir brauchen uns da keine Gedanken machen, denn ich bin mir sehr sicher, daß Wulf das dem Schiffbrüchigen schon längst erklärt hat."



"Ja, ich meinte ja auch nur, daß wegen der ZYKLOPENAUGE sicher bald jemand bei selbiger auftauchen wird. Da ist es ja naheliegend, daß auch hier her jemand kommt"

Als der Kapitän zu grinsen anfängt und über den Arbeitseifer des 2. Offiziers redet stimmt sie ein und fügt hinzu:

"Ja! Ich glaube er wird die ZYKLOPENAUGE nicht verlassen, bis er in dieser Richtung zumindest etwas in die Wege geleitet hat."



NORDSTERN - Auf der Brücke: Anselm und der Kapitän


"Denn Kapitän? Oh ja, natürlich, vielen Dank."

'Wenn die schon das nicht weiß, was denn bitte schön dann?! Hm, na egal...'

Anselm dreht sich auf dem Stiefelabsatz um und geht Richtung Heck um zum Aufgang zu gelangen. Diesen erklommen, erblickt er den Kapitän und eine rothaarige Frau. Wahrscheinlich noch einer der Offiziere oder so.

'Der Kapitän mag wohl Damengesellschaft, wie? Na, wer wird es ihm den verübeln, hehe...'

Anselm tritt an die zwei heran und spricht:

"Entschuldigt, Herr Kapitän, aber ich fragte mich ob vielleicht in diesem Hafen mehrere Passagiere von Bord gehen? Und ob sodann vielleicht eine der "exklusiveren" Kabinen frei würde..."

'Bei Phex, sag ja!'



Der Kapitän wendet sich von Fiana ab, als ein Passagier die Brücke betritt und ihn von der Seite anspricht.

"Nun, ich denke, wie in jedem Hafen, werden auch hier Passagiere von Bord gehen. An was für eine Kabine dachtet Ihr denn konkret?"

Die exklusivste Kabine wäre gewisz die Luxussuite, doch die würde in Salzerhaven mit Sicherheit noch nicht frei werden.



"Oh, hm, naja, alles was "intimer" als die Gemeinschaftskabine ist, ist gut...

Wenn ich mich recht entsinne, so hat dieses Schiff doch Doppel- und Einzelkabinen. Würde da vielleicht ein Plätzchen frei werden?"



Der Kapitän denkt kurz nach, ehe er antwortet. Schließlich gibt es an Bord weit mehr zu bedenken als die Belegung der Kabinen, die vom seemännischen Standpunkt aus sogar eher vollkommen unwichtig ist.

Dann antwortet er:

"Ja, wir haben in der Tat solche Kabinen. Unsere Einzelkabinen sind allerdings beide vergeben. Was die Doppelkabinen betrifft, so ist die eine zur Hälfte belegt, und die andere ist vor kurzem frei geworden - Ihr habt vielleicht den Magier gesehen, der so eilig vom Schiff eilte."

Der Kapitän hält erst einmal inne, wobei seinem Tonfall im Grunde deutlich zu entnehmen ist, daß das noch nicht alles war, was es zur Kabinenfrage zu sagen gibt.



"Ach, dieser Herr hat die Doppelkabine belegt, aha. Nun, wenn diese nun frei wäre, so würde ich diese von nun an gerne belegen. Sofern es keine Probleme mit der Kabine gibt...?"

Anselm schaut fragend zum Kapitän.



Jergan überlegt kurz, dann antwortet er:

"Ehrlich gesagt wäre es mir lieber, wenn Ihr mit dem Herren Jarun reden würdet, ob er die Doppelkabine mit Euch teilen mag. Versteht mich bitte nicht falsch, aber Ihr habt sicher Verständnis, daß es besser ist, eine Doppelkabine ganz zu belegen, und die andere frei zu haben, als beide zur Hälfte zu belegen, denn es kommen oft Fahrgäste, die zu zweit sind."

Der Kapitän sieht Anselm nach diesen Worten fragen an, und fügt dann hinzu:

"Oder wir warten mit der Entscheidung noch, bis wir auslaufen - wenn es bis dahin keine zwei Fahrgäste gab, die eine gemeinsame Kabine wollen, dann könnt Ihr sie gerne haben."



Jergan, der noch in die Verhandlungen mit Anselm bezüglich der zweiten Doppelkabine vertieft ist, nimmt dennoch wahr, daß eine ihm bislang unbekannte Person den Weg auf das Brückendeck findet. Als Kapitän muß man so etwas einfach bemerken, wenn nicht Chaos und Unordnung an Bord ausbrechen sollen. In diesem Fall - im Hafen liegend - ist das natürlich in Ordnung so, vermutlich wurde der Mann von den Leuten unten auf dem Deck hierher geschickt.

Da jedoch Anselm noch nicht "abgefertigt" ist, und Fiana ja vielleicht auch mal etwas tun könnte, beschränkt sich der Kapitän auf eine knappe Antwort, um danach den Blick wieder Anselm zuzuwenden:

"EFFerd zum Gruße. Ich bin Jergan Efferdstreu, Kapitän der NORDSTERN. Es ist gleich jemand für Euch da - bitte wartet einen kleinen Moment."



'Jarun? Jarun...ach ja, der Gaukler. Dieser Kerl, der sich mit dieser Edelfrau so gestritten hat.'

"So? Die eine Kabine wird nur von einem Passagier besetzt? Nun, dann werde ich wohl besagten Jarun einmal fragen, ob er sich bereit erklärt die Kabine mit mir zu teilen. Ich werde noch einmal wiederkehren, sobald sich etwas neuen ergeben hat. Bis dahin, besten Dank Kapitän"

Kaum die Worte ausgesprochen, dreht Anselm sich und verläßt das Brückendeck.

'Bei Phex, hier muß man sich wirklich den Mund fusselig reden!'



"Tut das", erwidert Jergan dem entschwindenden Anselm, um sich dann den neu auf das Brückendeck gekommenen Personen zuzuwenden.

Um den einen, den er gerade vertröstet hat, kümmert sich Fiana bereits, und der andere, ein Zwerg, der seine Waffe in der Hand hat, scheint sich noch nicht so schlüssig zu sein, ob er sprechen soll oder nicht.

"EFFerd zum Gruße!" begrüßt Jergan ihn, und fordert ihn damit zugleich auch auf, sein Anliegen, das sicher darin bestehen wird, auf der NORDSTERN mit zu reisen, vorzutragen.



In SALZERHAVEN - Hafenmauer: Jubel statt Trauer


Ein kleiner Mann mit einem Florett an der Seite und einem breiten Schnurrbart im Gesicht löst sich aus der Menge und stellt sich wie ein Dirigent vor die Menschen.

Mit einer piepsenden Stimme, die wohl eher zu einer Frau passen würde, redet er auf die Bürger am Kai ein.

"Dort vorne kommt Jarun. Also vegeßt nicht den Grund eurer Anwesenheit. Zeit zum Trauern habt ihr später noch genug. Nun denn, Stimmung!"

Mit den Armen schwingend gibt den Bürgern zu verstehen, daß die ausgelassene Stimmung wieder zurückkehren soll. Und tatsächlich. Erst vereinzelt, aber dann vermehrt und später sogar im Chor rufen die Bürger Salzerhavens den Namen ihres Helden und Künstler. Auch die Stäbe mit den Bänder werden wieder hoch in der Luft geschwungen. Kaum einem ist noch die Trauer anzumerken. Entweder sie sind wahre Meister darin, ihre Gefühl zu unterdrücken, oder sie haben ihre Seelen bereits an Borbarad's Anhänger verkauft.



Phexanes Worte haben eine gewisse Unsicherheit bei Jarun bewirkt. Könnte es sein, daß er etwas Auffälliges übersehen hat. Nach einem kurzen Blick in Richtung Phexane, um sich zu vergewissern, daß sie nicht zu ihm herüber schaut, überprüft er noch einmal sorgsam den Sitz seiner Kleidung.

Dann atmet er noch einmal tief durch und tritt an die Reling, um die Menschenmenge zu begutachten.



In SALZERHAVEN - An der Pier: Alberik und Anman


Die Menge verharrt weiterhin lautlos und gelähmt. Nur einige kleine Jungen rennen hin und her, unbetrübt durch den Anblick auf der ZYKLOPENAUGE, und einer von ihnen scheint sich Richtung Städtchen fort zu bewegen. Auf dem anderen Schiff wird eine Planke ausgebracht, die als Bootssteig fungieren soll. Die Leute an Bord scheinen herunter zu wollen, doch Anman erscheint dies fraglich.

´Sollte nicht die Stadtwache, bevor alle verschwinden, diese Leute befragen?´, denkt er sich.

"Trotzdem..........",murmelt er," wir sollten uns in der Nähe der Laufplanke postieren, werter Meister Angroschim."

Eine kurze Pause verstreicht, während derer Anman sinnend auf den Boden starrt.

"Ja. Laßt uns genau an der Laufplanke stehen. So können wir auch genau hören, was es zu sagen gibt.", setzt er das Gespräch fort,"Außerdem sind wir die ersten, die auf das Schiff können, wenn es soweit ist."

Mit diesen Worten schaut er dem Zwerg in die Augen und macht einige Schritte in Richtung der Laufplanke, in der Absicht, sich selber unmittelbar neben das Ende eben jener Planke zu postieren.

Den Matrosen, der noch damit beschäftigt ist, das riesige Stück Holz, das die Laufplanke darstellt, so hin zu rücken, daß es gerade liegt und nicht wackeln kann, klopft er auf die Schulter und spricht ihn an :

"Werter Mann, sagt, gibt es die Möglichkeit Euren Kapitän oder einen der Offiziere zu sprechen ?"



"Huch!"

Angar, der gerade aus dem Weg gegangen ist, um dem von Bord eilenden Belvolio Platz zu machen, zuckt zusammen, als ein Schulterklopfen ihn aus den gerade aufkommenden Gedanken an den bevorstehenden Abend in der Stadt reißt.

"Wie... ja, natürlich. Sie sind dort oben auf dem Brückendeck!"

Der Matrose zeigt dabei vage in die entsprechende Richtung, während er erst einmal neben dem landseitigen Ende der Planke stehenbleibt.



Mit großen Schritten eilt der Zwerg dem Händler hinterher, nachdem sich dieser in Richtung des zweiten Schiffes aufgemacht hat. Trotzdem kann er nur mit Mühe mithalten.

Kurz bevor die beiden die Planke, die das Schiff mit dem Anleger verbindet, erreicht haben, läuft eilig ein Mann an ihnen vorbei.

Alberik schenkt ihm nur wenig Beachtung, aber einen kurzen Augenblick fragt er sich, weshalb der Mann - anscheinend ein Magier, oder zumindest ein Gelehrter - so rennt.

'Ob etwas passiert ist, daß ihn veranlaßt hat, von der Weiterfahrt abzusehen?'

Der Händler hat den Matrosen, der dort vor der Planke steht, zuerst erreicht. So überläßt Alberik ihm auch das Reden, darin war es selber sowieso noch nie so gut. Wenn es ums Kämpfen geht, da macht ihm so schnell keiner was vor, aber Reden, das liegt wohl eher Menschen und Elfen.

Nachdem der Gefragte geantwortet hat, sucht er den Kapitän in der Richtung, in die der Matrose gedeutet hat, und nachdem er ihn gefunden hat, schaut er wieder zu Anman, ob dieser noch etwas weiteres erfahren will. Ansonsten ist er bereit, die ersten Schritte auf das Deck zu setzen.



Als Anman erfährt, wo der Kapitän steht, folgen seine Augen der Richtung des ausgestreckten Zeigefingers, und finden sogleich eine Gruppe von Seeleuten, die auf den hinteren Aufbauten des Schiffes steht.

´Einer derer ist also der Kapitän.´, denkt er sich,´Nun gut. Dann wollen wir mal unser Glück versuchen.´

"Habt Dank für Eure Auskunft, Matrose.", wendet Anman sich jedoch noch einmal an den Seemann vor ihm, "Sagt, was genau ist dem anderen Schiff zugestoßen ?"

Anman beabsichtigt, noch ein bißchen zu warten, so daß eventuell weitere Leute das Schiff verlassen, bevor er an Bord geht. Trotzdem behält er natürlich die Gruppe Menschen im Auge, auf die der Mann gezeigt hatte, um sicher zu gehen, daß der Kapitän nicht von Bord geht.

"Hatte Euer Schiff Kontakt mit Piraten ? Besteht Gefahr in den hiesigen Gewässern ?", fügt er an.



Die Hoffnung Angars, daß der andere ihn in Ruhe läßt, und sich dem Kapitän oder der ersten Offizierin zuwendet, erfüllt sich nicht, es kommt gleich eine nächste Frage. Sieht der Mann denn nicht, daß er vielbeschäftigt ist, und endlich arbeiten.... äh... landgehen will?

"Das andere Schiff?" erwidert er dann, "Das haben wohl Piraten zerpflückt. Wir haben den Kahn so aufgesammelt unterwegs."

Eine recht wortkarge Antwort, aber für Angar ist dies in dienstlichen Belangen schon fast eine kleine Rede.



'Ha, also wirklich Piraten. Da wird sich Anman hoffentlich noch einmal überlegen, ob er nicht doch lieber jemanden neben sich haben will, der es auch versteht mit einer Waffe umzugehen.'

Doch Alberik läßt sich nichts von seiner Freude anmerken. Er schaut sich ein wenig um, beobachtet besonders das Schiff, das als erstes in den Hafen gefahren ist.

Nur wenige Gestalten bewegen sich noch dort. Weniger als fünf, daß kann der Zwerg noch erkennen. Doch die Dunkelheit, die über dem Hafen liegt, macht es unmöglich, etwas näheres zu erkennen, obwohl das Schiff gar nicht so weit entfernt liegt.

Vom Pier ertönen wieder einige Rufe, die dem Helden Jarun gelten, und schon bald hört Alberik wieder die ganze Menge jubeln, als gäbe es kein zerstörtes Schiff und keine Leichen.



´Piraten also.´, denkt sich Anman.

"Habt Dank für Eure.....", er pausiert merklich, dann lächelt er : " ... bereitwillige Auskunft."

Sich umdrehend, kann Anman ein Lächeln in den Mundwinkeln des Zwerges erhaschen. Bevor er anfängt, sich darüber zu wundern, fordert er ihn mit eben solchem Lächeln auf :

"Nun, werter Alberik, sie haben den Vortritt." , und weist mit der Rechten den Weg auf die Planke.

Sobald der Zwerg sich in Bewegung setzt, wird Anman ihm in gesichtertem Abstand folgen, so plant er.

´Solch Planke ist mir gar wenig geheuer.´, denkt er sich,´Soll der Zwerg mal vorgehen.´

Anman schaut sich währenddessen noch einmal zur Menge um, die nun lauter wird und auch die Fahnen und Transparente wieder schwenkt.



In SALZERHAVEN - Hafengelände: Hjaldar bei der Hafenwache


Nachdem sich einige Zeit gar niemand gerührt hat oder auch nur Anstalten gemacht hat, seiner Aufforderung nach zu kommen, dreht sich ein Junge in Hjaldars Nähe um und rennt in Richtung Stadt - wohl zum Borontempel, so es einen gibt - jedenfalls hofft Hjaldar das. Wenn nicht - ändern kann er im Augenblick nichts daran.

Das schaulustige Volk ringsherum jedenfalls ist ganz offensichtlich viel zu sehr damit beschäftigt Maulaffen feil zu halten, als die restlichen, noch nicht versoffenen Hirnteile in Arbeit zu setzen.

Hjaldar nimmt seinen Weg in Richtung Hafenwache wieder auf und spart nicht mit dem Ellbogen, um sich seinen Weg durch die Leute zu bahnen. Dementsprechend einfach könnte man seine Weg anhand der Flüche, Beleidigungen und Schmerzenslaute verfolgen, die ihm hinterher geworfen werden, um die er sich aber im Augenblick nicht kümmert - sehr zum Glück der Urheber.

Als er an das Gebäude heran kommt, bemerkt Hjaldar, daß scheinbar doch schon einige der Gardisten vom Lärm geweckt wurden - nicht weniger als ein halbes Dutzend Bewaffneter kommt gerade zur Tür heraus, angeführt von einem Ungerüsteten, in deutlich bessere Garderobe gekleidet als der Durchschnittsbürger.

'Wohl ein Federhalter und Pergamentkritzler vom Hafenamt.'

So richtig verwundert Hjaldar das nicht - das Anlegen eines nahezu seeuntüchtigen Wracks fällt halt irgendwie schon auf und ruft das Hafenamt auf den Plan - auf der anderen Seite hätte es ihn aber auch nicht übermäßig überrascht, wenn die Papierkrieger die Sache erst mal in ihrer Stube hätten aussitzen wollen.



Der besser Gekleidete, der gerade in Begleitung seiner Bewaffneten das Hafenamt verlassen hat, bemerkt den ankommenden Thorwaler sofort - nicht zuletzt auch anhand der Reaktionen, die dieser auf dem Weg bis zum Hafenamt recht lautstark erzeugt hat.

Der stellvertretende Vorsteher des Hafenamtes, denn niemand anders ist dieser Mann, wendet sich diesem Thorwaler auch sogleich zu, während zwei seiner Bewaffneten rechts und links neben ihm Aufstellung nehmen:

"Kommt Ihr von diesem Schiff, daß gerade dieses mastlose Etwas unter Mißachtung aller Regeln in unseren Hafen geschleppt und ohne Lotsen einfach an irgendeinen Anleger gesetzt hat?"

Der Ärger über die Störung zu dieser Stunde ist seiner Stimme deutlich anzumerken, ebenso die Unlust, sich JETZT mit so etwas zu befassen.



"Wir wollten Euch doch nicht extra wecken." grinst Hjaldar unverschämt auf die verärgerten Worte des Amtsschimmels.

"Das Stück Treibholz ist uns heute Mittag vor die Segel geraten, mit'm Haufen Leichen drauf."

Mit den letzten Worten wird Hjaldars Miene zunehmend ernster.

"Da haben sich ein paar mordlustige Halunken dämonisch ausgetobt."

"Der einzige Überlebende an Deck hat drauf bestanden, das wir den Pott abschleppen. Hat wohl gehörig eins auf den Kopf bekommen."



Der Hafenamts-Beamte nickt langsam, um dann nach zu haken:

"Von denen, die dafür verantwortlich sind, habt Ihr nichts gesehen? Was hat der Überlebende, von dem Ihr spracht, dazu gesagt?"

Piraten hier in der Nähe... das ist etwas, das dem Mann überhaupt nicht gefällt! Wobei... er fragt rasch noch nach:

"Wo war das denn?"



"Hm ... wo ..." überlegend kratzt sich Hjaldar am Hinterkopf. Das 'Wann' ist ja klar, bei der geschätzten Fahrt, die die Schiffe gemacht haben und der dafür benötigten Zeit schätzt Hjaldar die Entfernung schnell ab und nennt die ungefähre Position, wo die NORDSTERN auf die ZYKLOPENAUGE getroffen ist .

"Zwei Drachensegel hab ich noch vom Ausguck aus kieken können, aber ohne Flaggen oder Zeichen ... der Döspaddel mit der Beule konnt' oder wollt' auch nix Genaueres sagen. Aber der kommt mir mir eh aranisch vor ... irgendwas stinkt an der Sache wie'n maraskanischer Nachttopf."



Der Hafenamtsbeamte hört aufmerksam auf das, was der Thorwaler da sagt, während seine Blicke wieder zu den beiden Schiffen schweifen, die da so frech in den Hafen gefahren sind.

"Könnt Ihr das näher erläutern?" fragt er dann ziemlich ruhig.



"Wer wir?" als ob Hjaldar gerade eben erst bemerkt hat, daß er gesiezt wird, dreht er sich suchend um, um sich dann wieder mit breitem Grinsen dem Hafenamtspinkel zu zu wenden.

"Ach, mich meinste. Naja, eigentlich hätt' ich den Pott nie im Leben geschleppt, aber der Spinner hat drauf bestanden, obwohl nur noch Steine im Laderaum sind. Hat viel Gold locker gemacht, damit der Käpt'n da mitmachte."

Langsam verschwindet das Grinsen wieder von seinem Gesicht und mit deutlich ernsterer Stimme fährt er fort:

"Außerdem hab' ich noch von keiner Otta gehört, die Mannschaft und Passagiere ausnahmslos zu Brei schlägt, das Deck komplett in Trümmer legt und unten dann säuberlich die Ladung ausräumt. Die müssen entweder völlige Schlagseite gehabt haben" er wischt sich mit der Rechten einmal vor dem Gesicht lang "oder es stinkt was bis nach Alveran."



"Habt Ihr einen Verdacht?" fragt der Beamte, während seine Blicke zwischen Hjaldar, den beiden Schiffen im Hafen, und seinen bewaffneten Begleitern hin und her wechselt.



Forschend sieht Hjaldar dem schnieken Fragesteller ins Gesicht.

'Will der mich jetzt verkackeiern oder will er wirklich wissen, wat ich denk'?'

Schließlich kommt er zu der Überzeugung, daß es so oder so nix schaden kann - wenn sich der Kerl über ihn lustig machen will, kann er ihn an Bord der ZYKLOPENAUGE immer noch über die Reling werfen.

"Naja" Hjaldar kratzt sich nachdenklich im Nacken "Vielleicht ist ja nich' nur die Ladung 'n Brocken Gold wert gewesen, sondern auch das vorzeitige Abdanken der Lüt? Aber nu frag mich nich' wer und warum - dat mußte selbst raus finden."



"Hm, also ein Auftrags-Mord, das wäre durchaus denkbar, aber in diesem Maße? Und mit welchem Motiv?" spricht der Hafenbeamte seine Gedanken halblaut aus.

'Naja, Was mit der Fracht ist, kann ich mir ja denken, nachdem, was mir berichtet wurde, aber das wird der Matrose von mir nicht erfahren, diese Sache ist viel zu wichtig. Endlich kann ich meinem Herren einmal dienlich sein!' denkt er still bei sich und kann sich ein kurzes Schmunzeln nicht verkneifen.

"Ich denke, ich sollte mir das Wrack erst einmal aus der Nähe ansehen, dann kann ich entscheiden, ob es bis morgen hier im Hafen bleiben kann, oder ob es gleich weggeschafft werden muß. Nicht, daß es hier im Hafen sinkt. Das hatten wir schon einmal, vor einigen Jahren. War ein ziemliches Chaos damals", erklärt er, während er sich langsam der ZYKLOPENAUGE zuwendet und Anstalten macht, los zu gehen. Es scheint so, als würde er nur noch darauf warten, daß der Matrose voraus geht.



Grad will Hjaldar erwidern, daß er die Sache mit dem Motiv SEINE Sache ist, hat er ihm ja schon gesagt, woll, da verfinstert sich seine Miene ins Bedrohliche.

'Hat der Wurm da jetzt tatsächlich gegrinst? Will der mich jetzt auf'n Arm hieven oder wat?' Mit tiefen Ingrimm ballt der Thorwaler seine Hände zu Fäusten und knackt hörbar mit den Knöcheln.

Während dessen plappert der Waghalsige munter weiter, zu seinem Glück von einer Sache, die Hjaldar zweifeln läßt, ob er jetzt nicht eher darüber gegrinst haben mag, als über ihn. Aber so ganz mag sich Hjaldar noch nicht beruhigen.

"Zum Anleger geht's da lang." grummelt er, als ob der Hafenbeamte sich in seinem eigenen Hafen nicht auskennen würde und stapft dann einfach los.



'Hm, warum sieht er mich jetzt so böse an? Ahnt er etwas? Oder hab ich was Falsches gesagt? Ich wollte doch nur wissen, was er, als "Beteiligter" dazu sagt' denkt sich der Hafenbeamte, während er langsam in die Richtung geht, in die Hjaldar gezeigt hat.

"Ach, übrigens, ich hab mich noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Cephiro Randalfson, ich bin der stellvertretende Hafenbeamte" erklärt er Hjaldar freundlich und versucht ihm damit, dessen grimmigen Gesichtsausdruck und das Fingerknacken zu übergehen. Vielleicht, um dessen Stimmung wieder aufzubessern.



'Ha, jetzt will sich die Bangbüx einschleimen!'

Da war Hjaldar grad so schön eingeschnappt, daß er jetzt gar keine rechte Lust hat mal 'vernünftig' drüber nachzudenken. Andererseits will man's sich ja auch nicht gleich mit jedem verscherzen, schon gar nicht, wenn er stellvertretender Hafendinsgbums ist...

Immer noch grummelig wendet er den Kopf nach hinten und tönt:

"Hjaldar Halvarson, die beste Axt, die ihr diesseits des Meers der Sieben Winde für zwei Goldene mieten könnt."

Da er beim Reden trotzdem weitergegangen ist, bleibt es natürlich nicht aus, das er mit dem einen oder anderen am Anleger immer noch Maulaffen feilhaltenden Gaffer zusammenstößt.

Aber ein lautes Knirschen mit den Zähnen, gepaart mit einer furchteinflössenden Grimasse erstickt jeden Protest im Keim ... und steigert Hjaldars Laune nicht unbeträchtlich wieder, bis er schließlich wieder mit dem fröhlichen Grinsen im Gesicht an der ZYKLOPENAUGE ankommt und sich umsieht, ob denn der Bücherwurm mit seinen Stangengarnelen auch Schritt halten konnte.

"Da is' der Pott. 'n lütten Maß Wasser im Bauch, aber noch schwimmt er."



'Aha, Hjaldar Halvarson heißt er also...puh, wenigstens schaut er nicht mehr gar so grimmig. Ich hab schon gedacht, ich muß meine beiden Begleiter um Hilfe bitten...'

Cephiro nickt bestätigend auf Hjaldars Antwort und versucht ihm zu folgen, so gut es bei diesem Menschenauflauf geht. Die Tatsache, daß dieser eine Schneiße in die Menge schneidet, kommt ihm dabei sehr gelegen. Immerhin dauert es ja etwas bis der Durchgang sich schlißt und deshalb kann er sich fast problemlos durch die Menschenmenge bewegen.

'Es ist doch immer gut, wenn man jemanden hat, der voraus läuft und den Weg bahnt. Naja, zur Not hätte ich ja noch meine beiden Wachen'

Dann kommen endlich die beiden Schiffe in Sicht, denn bisher war ja immer der Menschenauflauf im Blickfeld. Das eine Schiff liegt wirklich ziemlich tief im Wasser.

'Hm, das muß dann woll das besagte Wrack sein. Sieht wirklich nicht gut aus, ein Wunder, daß der Kahn sich überhaupt so lange über Wasser gehalten hat, aber bis morgen früh hält er sich bestimmt auch noch über Wasser........ hoffe ich'

"Das sind also die beiden Schiffe. Das eine hat aber wirklich einen tiefen Seegang. Daß Euer Kapitän das noch geschleppt hat..." meint er zu Hjaldar und schüttelt dabei etwas ungläubig den Kopf.



NORDSTERN - Unterdeck: Die 'Stunde' des ALRIK


In stiller Vorfreude auf einen möglichen Landgang marschiert ALRIK auf dem dunklen und nur spärlich mit einer Öllampe ausgeleuchteten Unterdeck entlang. Offensichtlich ist es wirklich schon ziemlich dunkel, denn vom Niedergang hier, fällt so gut wie überhaupt kein Lichtstrahl mehr in die unteren Gefilde des Schiffes. Nur ein paar schemenhafte Gestalten hantieren oben vor dem Niedergang herum und verstopfen offensichtlich den Weg ins Freie. Neugierig bleibt ALRIK unten stehen, wobei er sich etwas schräg an die Seite stellt - und somit etwas getarnt und nicht für jedermann sofort ersichtlich aufhält.



NORDSTERN - Unterdeck: Aufbruch


'na dann los... bloß raus hier... ich werde Torin später noch mal mehr über diesen Vater Rotmarder ausfragen... vielleicht ist es ja doch nicht so schlimm... hoffe ich...'

Ameg geht zur Tür und öffnet diese. Sein gespieltes Lächeln wird durch ein echtes abgelöst, seine schlechte Stimmung ein wenig ersetzt durch die Vorfreude eine fremde Stadt zu sehen...

'was es hier wohl alles zu sehen gibt?'

Ameg verläßt die Gemeinschaftskabine und betritt das Unterdeck, wo er sich nach Torin und Joanna umschaut..

"komm' ihr?", fragt er noch und läuft schon mal die paar Schritte zum hinteren Niedergang vor....

...wo er mit dem Schiffsjungen zusammenstößt, der dort herum steht.



'Eine romantische Nacht unter freiem Himmel?'

Joanna seufzt.

'Ach ja, das waren noch schöne Zeiten in meiner Heimat. Was Novalis wohl jetzt gerade macht?? Er war ja so, so ...'

Verträumt lächelt sie.

'Doch entweder bleibst du mit deinen Gedanken in der Vergangenheit hängen oder du siehst jetzt zu, daß du so schnell wie möglich etwas für deine Zukunft machst!'

Selbstbewußt ergreift Joanna die Ihr angebotene Hand. Ihre zarten Hände, die bis jetzt keinerlei schwere Arbeit ertragen mußten, berühren sanft die Torins. Für einen kurzen Moment schlägt ihr Herz schneller und sie sieht in seine Augen, denn ein AUGENblick kann oft mehr sagen, als tausend Worte. So flüstert sie ein leises "Danke" während sie aufsteht und sich ihren Rucksack nimmt.



Torins Blick folgt Ameg noch ein paar Schritte. Doch als er Joannas leisen Seufzer hört, wendet sich sein Blick wieder der jungen Druidin zu.

'Klar kommen wir.' will Torin noch sagen, als er Joannas verträumtes Lächeln sieht. Als sie ihm ihre zarte, feingliedrige Hand reicht, treffen sich ihre Blicke und sieht er sie nun als das, was sie für ihn ist.

'Sie ist ein wunderschöner Schmetterling. Sie ist so zart und zerbrechlich. Wie ein junger Fuchs, der die Gefährlichkeit der Welt noch nicht kennt.'

Kaum hört er den von ihr geflüsterten Dank, als sie aufsteht und an ihm vorbeigeht. Die lauten Worte, die durch die offene Tür zu ihm dringen, kann er jedoch nicht verdrängen. Sie reißen ihn zurück in die Gegenwart.

Er tritt zur Tür der Gemeinschaftskabine und schaut in die Dunkelheit des Ganges. Gerade will er Ameg schelten als ihm einfällt, daß nicht unbedingt sein Mündel schuld sein muß. So entscheidet er sich, erst einmal das Geschehen im Niedergang ruhig zu beobachten.

'Ganz so, wie es mich Vater Rotmarder gelehrt hat.'



NORDSTERN - Oberdeck: Auf der Spur des Fräulein Rosenhain


Während sich der Herr di Vespasio augenscheinlich das Zeichen betrachtet denkt Alrik an den Tag zurück als er es bekam. Die Aufregung und die Freude es endlich geschafft zu haben, und somit dem Mißmut der anderen Beilunker Studiosi zu entgehen. Dann blinzelt er kurz verwirrt als er die Erklärung des Comtes hört.

'Meine Schwester eine Schauspielerin? Garether Theater? Was geht hier vor?'

Dann beschließt der Magus das Spiel mitzuspielen, zumal er Phexane gerade das Deck betreten sieht!'

"Ähm... ich bitte euch diese Geschichte für euch zu behalten Euer Edelhochgeboren di Vespasio, meine Schwester reist gern und auch oft, und da ist es nur natürlich das sie nicht erkannt werden will."

Nachdem er sich flüsternd an Herrn di Vespasio gewendet hat, blickt er zu Phexane und winkt sie herbei.

" Liebste Schwester hättest du einen Augenblick Zeit??"



Als der Magus seine Schwester herbeiruft dreht sich di Vespasio gewandt auf den Fußspitzen zu ihr um. Eine Andeutung eines Lächelns legt sich auf seine Lippen, als er an ihre letzte, allzu kurze Begegnung denkt.

'Da ist sie ja. Offenbar kann ihr keiner widerstehen. Dieser Seemann versuchte ja schon heute mittag alles, um ihr so nah wie möglich zu kommen. Ach ja, die Jugend.'

Mit einem Seufzen denkt di Vespasio so etwa 30 Jahre zurück, an einen bestimmten Frühlingsabend und eine Laube in einem Winkel des Palastgartens und an ...

'Sie sollte wirklich etwas aufpassen, mit wem sie Umgang pflegt, ihr guter Ruf könnte allzu schnell dahin sein. Und diese rauhen Männer sind kein Umgang für eine Künstlerin.'



NORDSTERN - Oberdeck: Man trifft sich ...


Nachdem die Trosse »zwischengelagert«, also auf dem Boden abgelegt wurde, verschnauft Efferdan einen Moment...

`Was muß er jetzt von mir denken? Warum nur bin ich nicht so stark wie er und die anderen?`

... nickt dann kurz Wasuren zu, so als wollte er sagen

»ich geh dann mal gucken«

und sieht den Niedergang hinunter....

... und muß auch schnell zur Seite treten, da ein Passagier - der bunte Gaukler - den Niedergang hochkommt... mit deutlichen Zügen der Wut auf seinem Gesicht. Und direkt dahinter - eine weitere Person. Efferdan strengt die Augen etwas an - er hat recht gute Augen - und stutzt.

`Das ist doch Níalyn...`

- so hat er begonnen Phexane zu bezeichnen -

`...aber, was macht sie denn für ein Gesicht? Sie sieht auch... zornig aus. Irgendwie trauriger Zorn - schon wieder? Immer noch?`

Efferdan wirft Wasuren einen Blick zu, der in etwa »wir müssen noch kurz warten, siehst ja, was los ist« heißen könnte und scheint nun tatsächlich zu warten, bis die Passagiere oben sind. So lange kann das ja nicht dauern!

Und wirklich, der Buntgekleidete ist auch schon oben und tritt einfach am ihnen beiden vorbei, an die Reling.

`Jetzt noch Nía...`

Efferdan steht neben dem Niedergang. Plötzlich und ohne daß er selbst wirklich weiß, warum er das eigentlich tut, hält Efferdan Phexane die Hand entgegen, um ihr dann von der steilen Stiege auf das Deck zu helfen, so sie seine Hilfe annehmen will.



Phexane hatte zuvor nicht auf die beiden Matrosen geachtet, die vom Oberdeck über diese Stiege, die sie hinaufsteigt, zu dem Unterdeck möchten. Somit zuckt sie auch kurz erschrocken zusammen, als sich plötzlich eine Hand in ihr Sichtfeld schiebt.

Sie blickt an der Hand entlang hinauf zu demjenigen, zu dem die sie gehört und schaut so in die meerblauen Augen Efferdans. Kurz mustert Phexane wieder die Hand, so als würde sie vor einer schweren Entscheidung stehen.

'Für Efferdan werde ich wohl immer Níalyn bleiben.'

Seufzend, wobei sich der Seufzer reichlich resignierend anhört, nimmt sie doch seine Hand an und klettert auch den Rest der steilen Stufen hinauf.

"Danke." murmelt sie leise zu Efferdan. Langsam verraucht der Zorn und weicht von ihrem Gesicht. Dennoch blickt sie weiterhin ernst.



Als Phexane Efferdans Hand ergreift, zieht er seinen Arm dann langsam zurück, ihre Hand festhaltend, um sie so etwas bei ihrer Kletterei zu unterstützen.

`Hat sie wegen mir geseufzt? Habe ich was Falsches getan? ... Was sie wohl bedrückt?... Noch immer derselbe Grund oder ein neuer?`

Als Phexane oben angekommen ist, läßt er ihre Hand los, senkt den leicht Kopf und antwortet mit einem schlichten warmen "Bitte" auf ihren Dank.

Dann, leiser:

"Was bedrückt d..." beinahe hätte er »dich, Níalyn« gesagt, aber dann fällt ihm ein, dass Wasuren ja direkt nebendran steht und Phexane/Níalyn ihn ja gebeten hatte, in Gegenwart anderer den Namen Phexane zu benutzen. Also stockt er kurz und fährt fort:

"... Euch, Frau Phexane? Ihr..ihr seht ernst aus..."

Nebenbei späht er den Niedergang hinunter, wie als Entschuldigung, etwa: »Ich wechsle zwar kurz zwei Sätze mit diesem Gast, schau aber dennoch nach, ob der weg frei ist, ganz wie gewünscht«



'Er hält sich daran. Er nennt mich Phexane. Gut, so ist es besser. Sonst würden noch die falschen Leute noch falscheren Fragen stellen ...'

Phexane lächelt kurz, wobei ein Menschenkenner sehen könnte, daß dieses Lächeln eher erzwungen ist.

"Es ist ... alles in Ordnung, Efferdan." lügt sie.

Doch bevor sie noch ein Wort sagen kann, hört sie Alrik rufen. Phexane blickt zu ihm - und dem dort stehenden Comte, der offensichtlich in ein Gespräch mit dem Magus verwickelt ist. Von einem Moment auf den anderen wird sie kreidebleich und ihr Herz schlägt schneller.

'Oh nein! Jetzt ist es aus! Dieser di Vespasio hat Alrik bestimmt irgendwas über mich erzählt. Er wird die Sache mit dem Namen erwähnt haben! Ich muß weg! Sofort!'

Schreckensbleich blickt sie zur Planke.

'Aber ... das hätte auch keinen Sinn! Das würde einen möglichen Verdacht nur noch nähren. Vielleicht sollte ich doch zu ihm. Wenn ich Glück habe, kann ich mich irgendwie herausreden ... Phex! Steh mir bei!'

"Ich ... muß gehen. Mein ... Bruder ... er ruft mich. Entschuldige!" sagt sie noch zu Efferdan, dann setzt sie sich in Bewegung.

Mit langsamen Schritten, so als würde sie sich auf sehr unsicherem Boden bewegen, geht sie auf die beiden zu. Der Blick ist starr auf die Planken gerichtet und hinter ihrer Stirn gehen ihr mögliche Ausreden durch den Kopf. Allerdings taucht auch immer wieder eine Frage auf:

'Warum bloss passieren mir zur Zeit solche Dinge? Warum habe ich kein Glück mehr? Ist es wirklich ein Fluch?'

Wieder sieht sie vor sich die Bilder von dem brennenden Gefängnis und der Halbelfe, die unter den Trümmern begraben ist. Auch erinnert sie sich an einen anderen Vorfall, wobei ihre Narbe bei der Erinnerung anfängt zu etwas zu brennen. Kurz streicht sie über ihre Wange.

'Dieses Miststück ist sicherlich schuld daran! Avalia konnte zaubern - also wird sie mich verflucht haben!'

Dann erreicht sie die kleine Gruppe. Ein aufgesetztes Lächeln "ziert" ihr Gesicht, sie blickt Alrik an und fragt mit einer geradezu zuckersüßen Stimme:

"Was gibt es denn, Bruderherz?"

Dabei versucht sie den Comte zu ignorieren.



'Oh sah Phexane schon vorhin so bleich aus?'

Überlegend runzelt Alrik die Stirn. Ein bitteres Lächeln umspielt seinen Mund als er seine Schwester anspricht:

"Oh Schwesterherz, schön, daß du dich zu uns gesellst, rate doch einmal, was mir der Edelhochgeboren di Vespasio gerade höchst Interessantes erzählt hat?"

Während er seine Schwester anlächelt schlägt sein Herz laut und hart, sollte es wahr sein und diese Frau hätte ihn hinters Licht geführt? Ihn einen Magier der Beilunker Akademie? Wie konnte sie es wagen? Unbewußt ballt er seine linke Hand zur Faust, Formeln wirbeln durch seinen Kopf und für einen Sekundenbruchteil als er die Faust öffnet züngeln winzige Flammen um seine Fingerspitzen.

".. und weißt du es??"

Alriks Stimme hat einen trockenen und harten Klang, als er seine Schwester erneut fragt.



Phexane blickt bei Alriks Worten zu dem Comte und lächelt so gut es geht, dann schaut sie wieder zurück zu Alrik,

"Hat er dir was erzählt? Nett!" preßt sie hervor, wobei sie sich redlich bemüht das Lächeln aufrecht zu erhalten.

"Also, wir haben uns ja auch über ein paar ganz schoen interessante Dinge unterhalten, nicht wahr? A-Aber ich habe sicher noch nicht von meinem großartigen Bruder erzählt? Also, das ist der große ... Illusionist Alrik Fuxfell ... auch aus Gareth!"

Kurz blickt sie zu Alrik. Ihr Blick ist fast schon flehend, so als würde sie sagen:

'Bitte mach' bei diesem Spiel mit!'.



Di Vespasio kann gerade noch das charmante Lächeln Phexanes erwidern, bevor ihm die neusten Enthüllungen eben dieses vom Gesicht reißen. Sein großer Kopf fährt herum zu dem vermeintlichen Magus und die Nase droht diesen wohl fast aufzuspießen. Zumindest wenn so stechend wäre, wie der Blick mit dem der Adelige nun seinen bisherigen Gesprächspartner mustert.

'Illusionist!? Was soll das? Versucht hier jemand ein Spiel mit mir zu spielen?'



Gerade als die Woge der Wut über Alriks Kopf zusammen zu brechen droht, sieht er in das flehende Gesicht seiner Schwester, schlagartig wird ihm bewußt, daß nicht er der Getäuschte ist, sondern diese Adlige di Vespasio vor ihm.

Der Magus schaut Phexane tief in die Augen, hin und her gerissen zwischen Wahrheit und Lüge. Da schiebt sich plötzlich di Vespasios Kopf zwischen die beiden und Alrik zuckt mit dem Kopf ein Stück zurück, um dem Adligen nicht ins neugierige Gesicht zu schielen, denn dieser bohrt im seine Nase fast mitten ins Gesicht.

"Ähm..., nun ja es tut mir leid Schwesterherz, ich weiß nicht recht wie ich sagen soll. Natürlich bin ich für dich und einen großen Teil der Garether Bevölkerung der große und einzigartige Illusionist Alrik Fuxfell!"

Ein leichtes Nicken und eine angedeutete würdevolle Verbeugung später, denn mehr läßt der Abstand zu Herrn di Vespasios Gesicht nicht zu, fährt der Magus fort.

"Nichts desto trotz bin ich ebenfalls", und hier senkt Alrik die Stimme so das nur die beiden nahestehenden ihn hören können," Magus der Academia Schwert und Stab zu Beilunk und mein Name ist eigentlich Alraschjian Rosenhain, wie mein ehrenwerte Schwester Euch schon offenbarte Reisen wir oft unter dem Namen Fuxfell da alle Welt glaubt dies sei mein wahrer Name."



Der Adelige achtet so sehr darauf, den Magier vor sich durchdringend anzusehen, daß er von der stummen Bitte Phexanes nichts mitbekommt. Deshalb lauscht er der Erklärung Alriks gebannt, während er dessen Miene auf Zeichen von allzu großer Phantasie absucht.

'Oh, so ist das also! Kein Schauspieler aber auch unter falschen Namen unterwegs. Und da wirft man uns aus dem ...'

Di Vespasio merkt bald, daß er dem jungen Mann wohl doch etwas zu nahe gekommen ist. Er dreht sich kurz um, als wie wenn er mögliche Lauscher entdecken wollte, und benutzt diese Bewegung, um seine Nase wieder auf Distanz zu bringen. Wenn auch nur kurz, denn als nächstes beugt er sich vor und flüstert in Verschwörermanier.

"Und da wirft man uns aus dem alten Reich vor, wir würden Geheimbünde gründen und verdeckte Namen tragen! Tss, tss. Nun, ich bin selbst Mitglied mehrerer Logen und Sie können versichert sein, ihr Geheimnis ist bei mir gut aufgehoben."

Wie zum Zeichen seinen Verschwiegenheit zieht di Vespasio sein immer verfügbares Taschentuch aus dem Ärmel und drückt es sich in deutlicher Geste zweimal an die geschlossenen Lippen, während er Phexane und Alrik zunickt. Wer schon einmal im lieblichen Feld war, weiß wie 'wertvoll' solch ein Versprechen unter den Adeligen dieser Region ist.

'Das mußt du dir noch mal durch den Kopf gehen lassen, mein Freund. Hm. Wen kennst Du aus Beilunk, der hiermit was anfangen kann?'

Offenbar hat di Vespasio den Sack ohne nachzuschauen gekauft und beginnt jetzt schon mit der Weiterverwendung.



Von Phexanes Herz fällt das gesamt 'Eherne Schwert'!

'Er spielt mit! Sehr gut! Ich hoffe nur, diesem adligen Pinkel kann man auch wirklich jeden Dreck erzählen.'

Kurz lächelt sie Alrik an, wobei ihn ihren Augen kurz kleine Funken zu tanzen scheinen. Dann aber wendet sie ihren Blick zu di Vespasio. Dieser scheint diese Lügengeschichten ihnen auch tatsächlich abzukaufen. Zumindest hört es sich so an ...

'Logen??? Das sind doch diese Sitzplatzdinger, oder? Aha ... das hat also was mit Theater zu tun.'

Phexane beobachtet auch weiterhin den Adligen, doch als er sein Taschentuch zückt und damit an seinen Lippen herum drückt, hebt sie leicht eine Augenbraue.

'Was soll denn das nun wieder? Versteh' einer diese Adligen!'

"Tja, so ist es," sagt Phexane leicht seufzend, "aber ich muß sagen: es ist wirklich angenehm unter falschem Namen zu leben! Ich habe in Gareth ja so viele Verehrer! Hach! Manchmal weiß ich nicht mehr, wie ich in Ruhe einkaufen gehen kann!"

Phexane ringt sich ein gequältes Lächeln ab, so als würde sie wirklich SEHR unter diesen "Verehrern" leiden ...

"Aber hier haben wir endlich unsere Ruhe!"



"Wie recht ihr habt. Aber dies ist nun mal die Schattenseite des Ruhmes, mit der wir leben müssen. Die öffentlichen Aufmerksamkeit kann schon eine schwere Last sein."

Di Vespasio führt das Taschentuch an die Stirn und tupft diese geziert an den Schläfen ab, als ob er grade jetzt unter einer solchen Last schwitzen muß.

"Wie oft haben wir uns gewünscht, einmal unbehelligt durch die Straßen unserer Stadt gehen zu können. In Ruhe."

'Es sind bei uns natürlich eher Bettler, Bittsteller und Bekannte, die uns stören, mein Freund, ... aber das sollte auch gelten, wenn man eine lokale Größe ist.'



Phexane nickt eifrig bei den Worten di Vespasios.

'Quassel du nur! Du wirst dir vielleicht irgendwann wünschen, nie mit mir geredet zu haben! Dann wirst du noch mehr mit deinem Tüchlein herum fuchteln!'

Phexane lächelt, doch rührt ihr Lächeln eher von ihren Gedanken her, als von den Worten des Comte.

'Schön ... man kann dem Kerl auch jeden Schwachsinn erzählen!'



"Natürlich hat es auch seine Vorteile überall erkannt zu werden. Wenn ich allein an die Sicherheit denke. All zu schnell glauben kleine Gauner, sie könnten sich alles erlauben. Es ist glücklicherweise immer noch so, daß die Garden beherzter eingreifen, wenn eine Dame von Ruf zu verteidigen ist."

Di Vespasio wendet sich an Alrik.

"Daher ist es nur gut, daß ihr eurer Schwester bei ihrer, nun sagen wir mal Studienreise, zur Seite steht und sie vor den allzu widerlichen Widrigkeiten der Welt bewahrt. Ich erwähnte es gerade auch schon ihr gegenüber, es wäre äußerst verhängnisvoll für eine echte Diebin gehalten zu werden, statt für eine Schauspielerin, die sich auf eine Rolle vorbereitet."



Phexane nickt auch weiterhin eifrig zu den Worten des Comte.

'Ja, ja ... Verdammte Garden! Wenn die Reichen oder Adligen ein Problem haben, sind sie sofort zur Stelle, aber wehe ein einfacher oder gar armer Bürger braucht Hilfe. Dann kann es nicht langsam genug gehen!'

Doch als er sich Alrik zuwendet und ihn auf ihre 'Rolle' anspricht, muß sie sich schon schwer anstrengen, um nicht laut loszulachen.

'Oh, heilige Einfalt! Dieser Frizzi ist ja so blind! Ich denke, ich werde dieses kleine Spielchen weitermachen. Ich muß nur aufpassen, daß sich hier an Bord keiner in seiner Gegenwart verplappert.'

Phexane blickt kurz zur Planke rüber, wobei der Blick geradezu sehnsüchtig ist ...



"Ja, es war nicht einfach, mich von meinen Studien loszueisen, nicht wahr Schwesterherz??"

Der Magus zwinkert seiner Schwester zu, dann fällt ihm auf wie sich der Mund seiner Schwester leicht spöttisch verzieht.

'Um alles auf Dere dies darf doch nicht wahr sein, nicht nur das ich diesen Comte belügen muß, nein die Dame hat auch noch ihren Spaß.'

Ein leichtes Lächeln huscht über Alriks Gesicht:

"Vielleicht möchte uns die edle Dame ja mal eine Kostprobe ihres "Könnens" vorführen, warum laßt ihr uns nicht in eine Schenke einkehren und sehen wie du eine Diebin spielst, Schwesterherz! Was meint ihr zu dieser Idee, Comte?".



Di Vespasio verfolgt die kleinen Sticheleien zwischen Bruder und Schwester mit Interesse, auch wenn er nicht wirklich versteht, was vor sich geht.

'Nun, dafür verstehen sich die beiden um so besser. Familie ist schon etwas wunderbares. Meistens. Glücklicherweise ist nicht jeder mit einer solchen Stiefmutter bestraft, wie du, mein lieber. Ekarit sprach weise, als er reimte: Nur die engsten Bande zerdrücken das Herz. Was waren noch mal Bande? ´ateur´, oder ´kaleur´? Hm, klingt unvertraut, das solltest du dringend nachschlagen.'

"Einkehren? Ja, warum nicht. Ich könnte tatsächlich eine kleines Diner einnehmen. Und wenn ihr dies dann noch mit einer Sondervorstellung krönt, Mademoiselle ähm ... Fuxfell, wie könnte ich dann diese Gelegenheit verstreichen lassen."

Der Adelige hat sich beim Sprechen leicht in Richtung der Dame verbeugt. Als er sich wieder gerade aufrichtet fällt ihm offenbar etwas ein und er bleibt für einen kurzen Moment mit offenem Mund stehen, wie jemand, der noch etwas sagen will, aber sich über den Inhalt noch nicht ganz entschieden hat, bevor er weiterspricht.

Er hebt den Stock, um auf die ZYKLOPENAUGE zu deuten, als ob jemand an Bord nicht wüßte, wo sie sich befindet.

"Eigentlich, wollte ich ja noch auf diesem Unglücksschiff vorbeischauen, ob auch ein Verwandter des Seegrafen zu Schaden gekommen ist. Aber, nun ja, das Schiff wird mir schon nicht weglaufen."

"Ach, Moment ..." Di Vespasio greift sich mit tastenden Bewegungen an die Brust, etwa eine Handbreit unter dem Herzen. " ... doch, ich habe alles dabei, wir können instantamente aufbrechen."



'Verflucht! Ich habe ganz gewiß nicht vor den heutigen Abend mit diesem Schnupftuchliebhaber zu verbringen.'

Phexane lächelt den Comte leicht gequält an.

"Ich würde ja gerne ein Mahl mit euch einnehmen und eine Kostprobe meines Könnens geben. Aber," sie seufzt, "ich werde heute abend nur ein wenig durch Salzerhaven flanieren. Alleine. Ich bin die Enge und gezwungene Nähe auf diesem Schiff langsam leid. So leid es mir tut: wir müssen es auf ein anderes Mal verschieben."

Dann legt sie den Kopf etwas schief und lächelt etwas hintergründiger.

"Aber ... keine Sorge! Ich bin mir sicher, daß ihr irgendwann eine kostenlose Vorstellung von mir bekommt."

Sie tritt etwas näher an di Vespasio heran und spricht etwas leiser, damit er es nur hören kann.

"Sozusagen eine Privatvorstellung ... nur für euch!"



'Eine Privatvorstellung, nur für uns? Was meint sie nur? Und warum will sie ihren Bruder nicht dabei haben? Als Gelehrter wird er doch den Künsten nicht abhold sein. ... Oder sollte sie etwa meinen ...? Ein kleines tete-a-tete, ... nur wir beide, ... Ts-ts. Dabei hast du ihr doch kaum Komplimente gemacht. Nun, möglicherweise hat wieder dein natürlicher Charme zugeschlagen.'

"Wenn ihr wüßtet, wie sehr ich diese Stunde schon herbei sehne, holde Dame. Auch wenn die Folter mich zu zerreißen droht, auf die diesen wenigen geflüsterten Worte mein Herz spannen, ertrage ich sie gerne, denn mich tröstet die Verheißung auf das Erlebnis der Darbietung eurer hohen Kunst zu einer stillen Stunde."

Was sollte auf eine solche Rede anderes Folgen als eine erneute Verbeugung. Dann wendet sich di Vespasio an den Magus.

"Natürlich stehe ich euch immer noch zur Verfügung, wenn ihr keine anderen Pläne habt. Auch wenn ich befürchte, daß der Abend ohne eure Schwester viel weniger aufregend werden wird."



Stirnrunzelnd betrachtet der Magier seine beiden Gesprächspartner.

'Wer weiß was sie ihm jetzt wieder einredet, ich glaub ich will's gar nicht wissen'

"Natürlich werden wir uns einen schönen Abend machen und glaubt nicht das es langweilig wird",lächelnd schaut Alrik zum Comte di Vespasio hinüber," wann wollt ihr mir eigentlich eure Frage stellen??"



"Die Frage? Welche Frage? Oh ja, die Frage."

Di Vespasio wendet sich an Phexane und erläutert unter Verwendung vielfältiger Gesten und Deutungen:

"Ihr müßt wissen, ich habe mich ursprünglich an euren Bruder - auch wenn ich zu dem Zeitpunkt nicht wußte, daß er euer Bruder wäre, was er mir dann aber bei der gegenseitigen Vorstellung sofort gesagt hat, worauf ich meine eigentliche Frage zurückstellte und meine Verwirrung in Bezug auf eure Identität entsprechend unserer ersten Begegnung zum Ausdruck brachte und er so freundlich war mich aufzuklären, indem er euch hinzu rief -"

Er zögert einen Augenblick.

" gewandt, um ihm eine Frage zu stellen. Eine Auskunft, besser gesagt. Zu erbitten."

"Es geht um diesen Menschenauflauf dort. Ich kann dem Spruchband entnehmen, daß der Pöbel einen gewissen Jarun erwartet und ich hatte gehofft, daß ihr die anderen Passagiere etwas besser kennen würdet und mir erklären könntet, wer Jarun ist und was er getan hat, um solch eine Sammlung zu rechtfertigen."



'Hoho! Phexane, da hast du jetzt einen echt dicken Fisch an der Angel! Dieser feine Pinkel hat sicherlich was Wertvolles dabei! Hach, ich hoffe, ich habe auch nachher beim Boltan noch soviel Glück!'

Phexane nickt dem Comte lächelnd zu, doch dann spricht Alrik ihn wieder an, und Frizzi beginnt mit einer Arie schier endloser Erklärungen an Phexane.

'Blablablabla,' denkt sich Phexane bei Frizzis Wasserfallrede, 'ist mir doch egal, was die beiden belabern! Hauptsache, die reden nicht über mich hinter meinen Rücken!'

Dann fragt di Vespasio, wer Jarun ist.

"Jarun?" Phexane blickt zu dem Gaukler, der sich zur Zeit anscheinend mit einem Zwerg unterhält.

"Das dort ist Jarun. Jarun der Papagei - ein Gaukler. Was wollen die Menschen denn von ihm?"

Phexane hatte aufgrund des Gespräches mit Alrik und dem Comte, das ihre ganze Aufmerksamkeit erforderte, um sich nicht doch noch zu verhaspeln, nicht so sehr auf die Menschen im Hafen geachtet. Um so überraschter blickt sie nun zu der Menge.

'Bei Phex! Er scheint hier wohl eine Art lokale Berühmtheit zu sein. Und ausgerechnet ich verscherze es mir mit ihm ... aber andererseits ... ich hatte auch meine Gründe ... naja ...'



Di Vespasio dreht sich beim Hinweis auf den Gaukler halb zu diesem um und betrachtet ihn. Damit hat er auch erstmal genug zu tun, zudem ist der zweite und interessantere Teil der Frage noch unbeantwortet geblieben.



Auch der Magus dreht sich zu Jarun um und mustert ihn schweigend.' war dies nicht der unhöfliche Kerl aus der Kantine, egal ich hab sowieso nichts für Pomp übrig'

"Leider kann ich euch diese Frage nicht beantworten Comte di Vespasio, ich wurde diesem, ähm Herrn noch nicht vorgestellt.



Nachdem Alrik gesprochen hat, überlegt Phexane kurz.

'Weiß er wirklich nicht wie Jarun heißt? Hmm, wie auch immer! So langsam sollte ich mich mal vom Acker machen.'

"Tja, was soll's? Jarun ist hier wohl ziemlich berühmt."

Phexane denkt kurz nach. Da ist doch noch eine Sache, die ihr auf dem Herzen liegt. Solange diese Sache noch nicht aus der Welt ist, bzw. beantwortet wurde, kann sie irgendwie noch nicht runter von dem Schiff.

"Sag mal Alrik, weißt du wie ein maraskanisches ... Krallenäffchen aussieht?"



"Ein Krallenäffchen?"

Angesprochen oder nicht, di Vespasio antwortet trotzdem.

"Das ist ja erstaunlich, dass ihr danach fragt, mein Cousin hatte eines. Man nennt sie auch Callitrix pygmae. Furchtbar nervige Biester. Ich meine, sie mögen ja ganz hübsch aussehen, schwarzweißes, seidiges Fell, dazu ein schwarzes Gesichtchen - die Tiere sind nur etwa eineinhalb Spann gross - kreisrund mit zwei riesigen Kulleraugen, die einen traurig anblicken, als hätten sie gerade ihr Herz verloren."

Di Vespasio versucht mit den Händen eine Kreis zu bilden und die Größe des Gesichtes anzudeuten, aber der Stock erschwert dieses Unternehmen ungemein.

"Sehen ganz harmlos aus, aber kaum hat man einen Moment nicht hin gesehen, haben sie mit ihren Krallen den Tisch ruiniert, ein halbes Hähnchen stibitzt und klettern in den Vorhängen umher. Schrecklich. Und übertragen vermutlich Sumpfkrankheiten. Warum fragt ihr?"



'Nervig? Stibitzen?? Sumpfkrankheiten??? Dieser Gaukler kann noch was erleben!!!!'

Wenn Phexanes Blick töten könnte, würde Jarun augenblicklich tot von der Planke fallen! Griesgrämig blickt sie zu ihm hinüber und ihre Augen scheinen kleine Giftpfeile auf ihn zu schießen.

'Dieser Papagei ... daher hat er wohl auch seinen Namen - plappert nur Schwachsinn!'

"Ach," faucht sie leise (wahrscheinlich hören sich Krallenäffchen auch so an, wenn sie mies drauf sind ...) und verschränkt ihre Arme, "nur so!"

Aber etwas echot in ihren Gedanken weiter.

'... als hätten sie gerade ihr Herz verloren.'



"Ja der Comte hat eine erstaunlich gute Beschreibung abgegeben, zu zu fügen wäre nur, daß sie ganz außergewöhnliche Kletterer sind. Sie sind zwar nervige Tierchen, aber nicht wie der große Rest der Insel giftig."



"Ja, ist ja gut! Ich weiß ja jetzt, daß sie nervig sind!"

Phexane will von dem Thema "Krallenäffchen" offenbar nichts mehr hören und entsprechend gereizt reagiert sie nun auch. Sie blickt nochmal zur Planke.

'Na endlich! Dieser Zwerg geht an Deck.'

"So," sagt sie, wobei ihre Gereiztheit aufgrund der Aussicht auf einen Stadtbummel langsam weicht, "ich empfehle mich! Wir sehen uns sicherlich morgen früh zum Frühstück."

Phexane nickt Alrik und di Vespasio kurz zu, dann geht sie zur Planke.

'Wenn ich dem Gaukler einen Tritt gebe ... ach nein! Das ist kindisch! Und Ärger gibt es auch! Aber das mit dem Krallenäffchen lasse ich mir nicht gefallen!'

Ihr Blick ist auf den bunt gekleideten Jarun gerichtet und man kann ihr ansehen, was für Gedanken sie gerade hegt.

'... als hätten sie gerade ihr Herz verloren.'

'Schluß damit! Das ist Unsinn!'



Di Vespasio kann bei Phexanes plötzlichem Weggang grade eben noch eine knappe Verbeugung fertigkriegen, dann ist sie auch schon verschwunden.

'Offenbar hat auch unter den Künstlern in Gareth die Etikette gelitten. Nun, Künstler sind ja ein seltsames Volk und ... ach du Dummerchen, sie wie kannst du das vergessen. Sie spielt doch eine Diebin, die ohne Manieren ist, da kann sie doch nicht anfangen sich zu verbeugen.'

Kopfschüttelnd blickt er er ihr nach.

'Hach, sie muß wirklich eine Meisterin ihres Faches sein, wenn sie eine ganze Reise hindurch die Rolle aufrecht erhalten kann. Rosenhain, Rosenhain. Erstaunlich, daß du noch nichts von ihr gehört hast.'

Di Vespasio beendet seine Gedanken bezüglich der Schwester. Er blickt statt dessen den wohlgelehrten Herren an und hebt fragend die Augenbraue.



NORDSTERN - Oberdeck: Efferdan, Wasuren und die Trosse


`Irgend etwas scheint sie noch zu bedrücken. Ihr... ihr Lächeln... es ist so seltsam... so... so unnatürlich. - Warum wird sie auf einmal so bleich? Hat sie was erschreckt?`

Efferdan sieht sich um, kann aber nichts entdecken, was so erschreckend sein könnte - na ja, beim Anblick der Menschenmenge an Land wird ihm schon etwas mulmig - so viele Menschen auf einem Fleck - aber sonst...

Dann hört er Phexane etwas stammeln und sieht sie davon schwanken.

`Warum geht sie jetzt. Habe ich etwas falsch gemacht?`

Efferdan wirft einen hilfesuchenden Blick in Richtung Wasuren.

`Nein, sie sagte was von ihrem Bruder, der sie gerufen hat... warum schwankt sie? Ob sie krank ist... vielleicht... vielleicht sollte ich später mal fragen, ob es ihr gut geht... wenn sie wieder irgendwo alleine ist... und ich meine Arbeit erledigt habe!`

Efferdan zuckt mit den Schultern, sieht noch einen Moment Phexane hinterher und beginnt dann den Niedergang hinunter zu klettern.

`Nicht das der Smutje gerade ein Faß in den Weg stellt...`



Wasuren tritt anfangs genervt, mit dem rechten Fuß irgend einem Takt folgend, auf den Boden des Oberdecks, während Efferdan scheinbar träge den Niedergang mustert.

'Der Arme scheint ja wirklich jeden Schritt zwei mal zu überdenken. Bei mir würde das nie so lange dauern!'

Dann taucht eine schattenhafte Gestalt im Niedergang auf und entpuppt sich als Phexane.

'Efferdan scheint wenigstens zu wissen wie man eine Dame behandelt, wo er das bloß her hat? Aber irgend wie scheint er bei ihr ein wenig übereifrig am Werke.'

Wasuren muß ein wenig schmunzeln, aber bei der schwachen Beleuchtung fällt das bestimmt niemandem auf. Als Efferdan immer noch schweigt, ihn aber so komisch fragend anschaut, als verstehe er diese Frau nicht so ganz, brummelt Wasuren nur :

"Frauen, ich verstehe sie wohl niemals!!"

Und dann lauscht er wieder stumm den Dingen die da kommen mögen. Auch seine Augen sind aufmerksam auf den Niedergang gerichtet, doch dort ist leider nicht so viel zu erkennen.



Efferdans Augen weiten sich, als er noch mehr Menschen aus der Gemeinschaftskabine strömen sieht.

`Das wären ja dann schon... vier Menschen, nein fünf, ohne mich. Ein.. ein richtiger Menschenauflauf ist das ja hier schon. Vielleicht... vielleicht sollte ich Wasuren vorschlagen, den anderen Niedergang zu nehmen. Da sind bestimmt nicht so viele Menschen...`

Irgendwie macht Efferdan einen zurückhaltenden, fast ängstlichen Eindruck. Er kann sich nicht dagegen wehren, sein Körper fängt an zu zittern wie Espenlaub - so viele, größtenteils fremde, Menschen auf einem engen Fleck machen ihm einfach Angst. Unsicher drückt er sich an den Aufgang, froh, sich an das harte Holz desselben anlehnen zu können.

`Was soll ich jetzt tun? Die Trosse muß in die Segellast und dazu brauchen wir Platz - aber hier sind so viele Menschen... was wollen die alle hier?`



Geschickt klettert Efferdan den Niedergang hinab. Er ist noch kaum unten angekommen, als hinter ihm ein »Heee! Pass doch auf du« ertönt. Verwirrt dreht sich Efferdan zum Sprecher hin. War er eben unversehens jemanden auf die Füße gestiegen? Doch halt, das ist ja Alrik, zusammen mit einem anderen Jungen. Und Alrik scheint eben diesen zu meinen und nicht ihn. Puh!

Kurz blinzelt Efferdan, bis sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt haben, dann sieht er sich um. Neben den beiden Jungen sieht er auch Garulf herum spazieren. Alles in allem schon etwas Betrieb auf dem engen »Gang« des Unterdecks

`Wir werden etwas Platz brauchen. Da ist es nicht gut, wenn hier dauernd jemand vorbei läuft. Mmh - Alrik könnte doch...`

Efferdan sieht Alrik an, räuspert sich kurz und spricht diesen - etwas zögerlich - dann an.

"Ähm Alrik... könntest du... ein bißchen dafür sorgen... das der Niedergang und der Weg zum Ladedeck frei bleibt?...Wasuren und ich... die Schlepptrosse... in die Segellast... du verstehst???"

Hoffnungsvoll blickt Efferd an Alrik an. Hoffentlich hatte der ihn verstanden und macht das auch. Wer weiß, ob er sich nochmals überwinden kann so viele Worte fast flüssig zu sprechen...



NORDSTERN - Unterdeck: Zusammenstöße


ALRIK hat immer noch die Gestalten oben am Niedergang fest im Blick. Dem dünnen Stimmchen nach kann es sich nur um Efferdan handeln - und schon kommt auch dieser munter die Stufen hinab geklettert. Wäre doch ein prima Spaß, den arglosen Matrosen mal ein wenig zu erschrecken. Ein mit verstellter, hohler Stimme und bösem Unterton gegrolltes 'Efferdaaaan' und dazu noch eine kalte Hand von hinten auf die Schulter. Naja, etwas strecken müßte man sich dafür schon, denn Efferdan ist ja auch nicht gerade klein.

Gerade so in diesen Gedanken vertieft, wird ALRIK selbst zum Opfer eines 'Überfalls', als der kleine Bursche, der neuerdings mit den Leuten aus der Gemeinschaftskabine reist, den Schiffsjungen fast umrennt.

"Heee! Paß doch auf, du", mault ALRIK, als seine Tarnung so unvermittelt auffliegt.



So viel Betrieb hat Ameg am Niedergang nicht erwartet und schon gar nicht, daß da jemand so im Schatten herum steht, wie der Schiffsjunge, den er gerade beinahe umgerannt hätte.

Und gerade wo er sich entschuldigen wollte, mault der Schiffsjunge herum, daß er doch aufpassen solle. Und nun kommt auch noch dieser seltsame Matrose herunter, mit dem Phexane vorhin gesprochen hatte. 'Nanu.. der kann ja jetzt plötzlich doch von alleine reden...

...und was versteckt sich der Schiffsjunge eigentlich in den Schatten hier beim Niedergang? ...und wieso wollte ich mich eigentlich bei dem entschuldigen???'

"paß doch selbst auf...", mault Ameg halblaut zurück, jedoch so daß es der Schiffsjunge garantiert gehört hat. Dann wartet Ameg ungeduldig darauf, daß dieser Matrose, der gerade nach mehr Platz verlangt hat, mal selbst den Weg freimacht. Ganz zugehört hat Ameg offensichtlich nicht.



So ein Frechdachs! Anstatt sich bei Erwachsenen - und im Vergleich zu Ameg fühlt sich ALRIK sehr erwachsen - für die Unachtsamkeit zu entschuldigen, gibt der Kleine statt dessen bloß freche Antworten.

So was hat man gerne, pah! Günstiger weise gibt Efferdan gerade einen passenden Wink, der es dem Schiffsjungen erlaubt, den kleinen Bengel noch ein wenig herum zu scheuchen - sozusagen als erzieherische Maßnahme.

"Na los, du hast gehört, was der Herr Matrose gesagt hat! Hier wird gearbeitet und du stehst im Weg herum, klar?! Also husch, husch, aus dem Weg, denn du willst doch nicht, daß wir wegen dir zu spät in Salzerhaven ankommen, oder?!"

ALRIK bemüht sich dabei um ein möglichst ernstes Gesicht und hebt zur Bekräftigung seiner Worte noch tadelnd den Zeigefinger.



Doch so ruhig, wie Torin Rotmarder eigentlich an der Türe stehen bleiben will, kann er nicht. Immerhin muß er mit ansehen, wie der Schiffsjunge seinen Schützling kräftig anpöbelt.

Doch noch zeigt sich nur Neugier in Torins Gesicht. Bevor er dem Halbwüchsigen die Meinung zu seinem frechen Benehmen sagt, will er doch erst einmal sehen was Ameg macht.

'Immerhin kann Ameg dies hier als eine weitere Lektion im Leben werten. Und doch.. wenn wir nicht hier in Salzerhaven von Bord gehen würden, dann hätte sich dieser Bursche eine kräftige Tracht Prügel verdient.'

Er nickt nur leicht in Amegs Richtung.



'Hä?? was hat der denn plötzlich?'

Ameg fühlt sich irgendwie ein wenig herum kommandiert und von einem, der neben ihm selbst, scheinbar der Jüngste hier an Bord ist, gefällt ihm das gar nicht. Ameg wird recht mutig, vor allem da Alrik nicht ganz so brutal aussieht wie die Kinder der Thorwaler mit denen er sonst in 'Auseinandersetzungen' verwickelt war.

"wir sin' doch schon in Salsahawen",

gibt Ameg patzig zurück. "..sonst wür'n wir doch nich' alle an Land woll'n. ..un' wann man hier durch käme, dann hätteste danach auch Platz, um den Bod'n zu schrubben..", erklärt Ameg dem Schiffsjungen auf eine Art und Weise, die sich selbst Ameg und wahrscheinlich auch kein anderer so gefallen lassen würde.

Ameg ballt die Fäuste.. bereit sich zu verteidigen, ... oder aber auch schnell die Flucht zu ergreifen. Ameg ist sich selbst nicht ganz sicher, warum er sich gerade mit dem Schiffsjungen anlegt. Eigentlich hatte er ja vorgehabt sich mit ihm anzufreunden, aber daraus wurde eh nichts mehr. Vielleicht konnte er sich so einen Zusammenstoß leisten, da er ihn eh nicht wieder sehen würde...

...vielleicht aber tat er dies auch nur, weil er sich und Torin etwas beweisen wollte.



Als die das Stimmengewirr in die Gemeinschaftskabine dringt, will auch Joanna unbedingt sehen, was da draußen los ist. So will sie, den Gang am Unterdeck anstrebend, schnellen Schrittes und zielbewußt hinaus eilen. Und da sie wieder mit ihren Gedanken weit weg beim Abendessen ist, bemerkt sie - leider zu spät - daß Torin an der Tür abstoppt. Die Druidin kann sich zwar etwas abbremsen jedoch keinen Zusammenstoß vermeiden. Sie hält sich gerade noch an den Schultern Torins fest, um nicht zu fallen und ihr Kopf läuft rot an. Joanna ist sich bewußt, wie peinlich die ganze Szene gerade war und stammelt:

"Verzeiht mir... Ich war wohl mit meinen Gedanken nicht ganz bei mir."

Etwas ratlos, was sie jetzt machen soll, blickt sie Torin an. Für einen kurzen Moment genießt sie nocheinmal seine Nähe und zieht dann langsam ihre Hände wieder von seinen Schultern zurück. Um von dem unangenehmen Thema abzulenken, und das beste aus der Situation zu machen, lenkt sie ab:

"Was ist denn da draußen los?"



'Harte Worte, die mein Mündel da von sich gibt.' denkt sich Torin, während er noch immer unter dem Türrahmen steht.

'Das war eine eindeutige Herausforderung an den den knapp einen Kopf größeren Jungen. Aber Mut hat er, soviel steht fest. Ich frage mich nur, ob er wirklich Sieger...'

"Miu pikusch!" stößt er gepreßt aus als er von hinten angerempelt wird. Doch die schlanke und nur knapp achtundachtzig Finger große Druidin kann seine Standfestigkeit kaum gefährden.

"Das kann man wohl sagen..." fährt er sie an, bevor er sich eines besseren besinnt und freundlicher hinzufügt:

"Aber zum Glück seid ihr nicht gestürzt."

Als sie ihre Hände von seinen Schultern nimmt, ist er einerseits froh, weil er fürchtet, daß noch etwas Ruß auf seinem Mantel kleben könnte. Andererseits war ihm diese Berührung nicht unangenehm, so daß seine ruppige Antwort wohl mehr instinktive Reaktion als böser Wille ist. Dann jedoch antwortet er auf ihre Frage.

"Der Schiffsbengel hat meinen Jungen angemault und das läßt der sich sicher nicht gefallen."



NORDSTERN - Oberdeck: Efferdan's Probleme


`Was soll das, jetzt fangen sie auch noch an sich zu streiten... aber aber...`

Efferdan zuckt zusammen, als er für einen Augenblick meint die Welle der Aggression und Wut, die sich zwischen den beiden Jungen aufbaut, fast körperlich zu spüren. Noch mehr beginnt sein schlanker Körper zu zittern, seine Augen rollen ängstlich hin und her.

`Was soll ich tun? Ich muß was tun? Aber was... wie? Die werden noch aufeinander losgehen... und ich...?`

»Sei etwas mutiger« flüstert eine leise Stimme tief in Efferdan. Die Stimme einer Frau mit der er vor kurzem gesprochen hatte. War es Níalyn gewesen? Wie lange war das her? Zwei Stunden, einen Tag, drei Monate, vier Jahre, fünf Jahrzehnte?

Efferdan kann kaum einen klaren Gedanken mehr fassen. Mit aufgerissenen Augen verfolgt er die Konzentration der beiden Jungen keinen halben Meter von ihm entfernt. Irgendwie wünscht sich Efferdan zurück an den einsamen Strand von Havena, an dem er als Kind so oft saß - da gab es wenigstens keine streitenden »Menschenmassen«...



In SALZERHAVEN - Innenstadt: Trolske und der Heiler


Zielstrebig laeuft Trolske durch die Straszen Salzerhavens. Nach all den Jahren auf See, sind ihm die Hafenstädte am Meer der Sieben Winde weit genug vertraut, dasz er nicht an jeder zweiten Ecke über den Weg nachgrübeln oder gar fragen musz. Nach ein paar Minuten Fuszmarsch hat er sein Ziel dann auch erreicht, ein kleines unscheinbares Gebäude, in einer ebenso unscheinbaren Gasse. Aus einem Fenster im Obergeschosz dringt der flackernde Schein einer Öllampe.

´Er hat sich noch nicht schlafen gelegt, gut.´

Der Matrose ergreift den eisernen Türklopfer und betätigt diesen lautstark.

Einige Augenblicke später tritt ein Mann aus eben jener Tür, der nicht gerade erfreut ist zu so später Stunde noch gestört zu werden. Doch aufgrund der Dringlichkeit des Falles und natürlich der Aussicht auf ein paar schnell verdiente Dukaten, erklärt sich der Heiler, Ulfried Bellentor, dann doch bereit, die NORDSTERN aufzusuchen.

Trolske und der Heiler machen sich sogleich auf zum Schiff.



Trolske nimmt mit seinem Schrittempo etwas Rücksicht auf den älteren Mann, der zudem körperliche Anstrengung sicher nicht so sehr gewohnt ist, wie ein schwer arbeitender Vollmatrose. Doch nichtsdestotrotz erreicht das ungleiche Paar dann doch den Hafen, dort hinten ist bereits deutlich die Menschenmenge zu erkennen, die noch immer auf "ihren" Jarun wartet.

Ulfried Bellentor folgt dem, wie er findet immer noch "rennenden", Matrosen so gut es eben geht. Als man schlieszlich den Hafenbezirk erreicht, zeigen sich auf seiner Stirn bereits deutlich Schweiszperlen, was in der fortschreitenden Dunkelheit jedoch nicht weiter auffällt.

´Was muszte ich auch so spät am Abend noch einen Auftrag annehmen. Hoffentlich ist die Schiffskasse wirklich so gut gefüllt, wie der Mann behauptet hat - und hoffentlich ist der Kapitän auch bereit sie zu öffnen.´



NORDSTERN - Oberdeck: Raschid und Talisman


Das Verstauen der Segel war keine leichte Angelegenheit und Raschid ist froh sich endlich etwas auszuruhen.

Erschöpft lehnt er sich an die landseitigen Reling und schaut zur Menge am Kai. Nach wenigen Augenblicken wird ihm dies aber zu langweilig und er entdeckt die beiden neuen Passagiere, die vor der Planke der NORDSTERN stehen.

Die Gelegenheit einen echten Zwerg zu sehen, hatte Raschid bis jetzt noch nicht. Natürlich laufen in Khunchom einige herum, aber so nah ist er bis jetzt noch nie an sie herangekommen. Vielleicht kann er ja sogar mit ihm auf der Reise reden. Oder spricht er gar nicht Garethi?

Nachdenklich nimmt er sein Kopftuch ab und geht sich mit der Hand durch die verschwitzten schwarzen Haare.

'Haare!', schießt es ihm durch den Kopf.

'Die Barthaare der Zwerge schützen ihren Besitzer doch vor ...' Raschid kann sich nicht erinnern. Großmutter Nahema sagte doch irgendwas, zu den Barthaaren der Zwerge.

Angestrengt grübelt Raschid nach den Worten der alten Frau.

'Krankheiten und insbesondere Kahlschlag des Haupthaares. So ist es. Vielleicht gibt er mir ja eine kleine Strähne. Genug scheint er ja davon zu haben.'



Neugierig beobachtet Raschid den Zwerg und grübelt darüber nach, wie viele der Barthaare des Zwerges er benötigt, damit der Schutz ausreichend ist.



NORDSTERN - An der Planke: Wiedersehen?


Zufrieden wendet Jarun seinen Blick von den feiernden Manschen am Kai. Beeindruckend, was man dort für ihn auf die Beine gestellt hat. Jetzt heißt es schnell die Menge zu beruhigen, damit die Ruhe der Toten nicht all zu sehr gestört wird.

Schnell sind die wenigen Schritte bis zur Planke zurückgelegt. Doch das Überqueren dieser, scheint momentan nicht möglich, denn ein Mensch und Zwerg beabsichtigen wohl gerade, das Deck der NORDSTERN zu betreten.

So wartet Jarun an der Planke und gibt den beiden mit einem Nicken zu verstehen, daß er ihnen den Vortritt läßt.



Der Zwerg wendet sich von der ZYKLOPENAUGE ab, als er hört, wie Anman sich beim Matrosen bedankt.

Auf Anmans Einladung, als erster die Planke und das Schiff zu betreten, nickt er nur kurz.

'Nun gut, dann werde ich wohl mal ausprobieren müssen, ob dieses Holzding mich auch trägt. Kann doch nicht gefährlich sein, da habe ich schon viel größere Höhen überwunden, und vor dem Wasser braucht man auch keine Angst zu haben.'

Der Zwerg wendet sich der Planke zu und setzt den ersten Fuß auf das Holzbrett, als am anderen Ende der Planke ein Mann auftaucht, viel zu stark geschminkt, wie Alberik mit dem Blick eines Kenners trotz der Dunkelheit erkennt. Auch die Kleidung, viel zu bunt.

'Jetzt gibt es auch noch Zuschauer, und dann auch noch so einen Gaukler. Hoffentlich erspart mir Angrosch die Peinlichkeit, jetzt die Planke brechen und mich im Wasser landen zu lassen.'

In dem Versuch, sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen, betritt der Zwerg das Holzbrett. Und geht einige Schritte vorwärts. Langsam und vorsichtig sind seine Schritte, doch schnell genug, um zu zeigen, daß er keineswegs Angst hat. Dabei schaut er auf das Ende der Planke, das er sicher zu erreichen gedenkt.

Die Hälfte ist nun schon überstanden. Das Brett biegt sich unter den Gewicht des Angroschim und seiner Ausrüstung. Hatte er da nicht auch eben ein Knacken vernommen? Alberik schaut nach unten auf das Brett, kann aber nichts erkennen, was darauf hinweist, daß es gleich brechen könnte.

Den Blick wieder nach vorne gerichtet beginnt er, die zweite Hälfte des Übergangs beschreiten.



"Alberik?"

Als der Zwerg langsam beginnt die Planke zu überquere, erkennt Jarun die groben Gesichtszüge des kleinen Mannes.

In einem kurzen Anfall von Freude ein bekanntes Gesicht zu sehen, tritt er mit dem linken Fuß auf die Planke. Schnell realisiert er aber, daß die Planke das Gewicht beider Männer nicht tragen würde und zieht den Fuß schleunigst wieder zurück.



'Hat der Gaukler gerade meinen Namen ausgesprochen? Woher kennt...?'

Das Gesicht des Mannes dort kommt dem Zwerg irgendwie bekannt vor. Auch die bunte Kleidung, irgendwoher kennt er diesen Mann.

Doch erst einmal will er weg von der Planke und auf das Schiff gelangen, das ihm sichereren Stand verspricht als das Brett, auf dem er gerade steht. Schnell geht er die letzten Schritte hinüber. Die zweite Hälfte des Weges über die Planke scheint leichter gewesen zu sein als die erste.

Endlich mit beiden Füßen auf der NORDSTERN schaut sich Alberik noch einmal zurück auf die Planke und das Wasser darunter, dann dreht er sich zu dem Gaukler um.

"Du scheinst meinen Namen zu kennen. Sind wir uns schon einmal begegnet oder kennt ihr mich aus den Berichten über meine ruhmreichen Kämpfe und Heldentaten?"



"Heldentaten? Sicher! Aber ehrlich gesagt halte ich mehr davon, bei Heldentaten selber zur Tat zur schreiten."

Mit einem Lächeln setzt er noch einen oben drauf.

"Unvergeßlich sind meine Heldentaten während der Belagerung von Greifenfurt, als ICH mit einigen anderen das feige Orkenpack wieder hinter die Hügel vertrieben habe."

Voller Absicht betont er, das er selbst die Orken vertrieben hat und schenkt den Taten der anderen fünfhundert Krieger recht wenig Aufmerksamkeit. Doch bei diesen Worten, hört er nicht auf zu lächeln, um klar zu machen, daß er diese Worte mit einem guten Maß an Ironie würzt.

Denn wer hat schon gerne eine Axt in Brust, für den falschen Scherz in Gegenwart des richtigen Zwerges.



Nachdem sich jemand, der es allem Anschein nach sehr eilig hat, an ihm vorbei geschoben hat, und er den Ruf des Matrosen hört, der ebenfalls auf die Planke und das Schiff zusteuert, geht Alberik von der Planke weg, bevor er noch im Wasser neben der Planke landet. Einmal um den Gaukler herum, während dieser ihm von seinen eigenen Heldentaten in Greifenfurt erzählt.

"Greifenfurt? IHR habt also die Orks...."

Da fällt dem Zwerg endlich auf, wen er vor sich stehen hat.

'Warum ist es mir nicht schon vorher aufgefallen? Die Leute, die einen Helden namens Jarun erwarten, die bunte Kleidung, das Gesicht, Greifenfurt!'

"Jarun," platzt es aus Alberik heraus, "Du bist Jarun! Du bist also derjenige, der hier erwartet wird. Da hätte ich auch schon früher drauf kommen können!"

Sichtlich erfreut, jemanden auf dem Schiff zu sehen, den er von früher kennt, reicht er dem ehemaligen Kampfgefährten die Hand.



"Schön, daß du mich doch noch erkannt hast."

Jarun greift Alberiks ausgestreckt Hand.

"Ich hatte ehrlich gehofft, daß die harten Zeiten während der Belagerung sich stärker in dein Gedächtnis gebrannt haben. Aber vielleicht ist es für uns alle besser diese Ereignisse schnell zu vergessen."

Die Rufe der Leute am Kai veranlassen ihn kurz zu unterbrechen.

"Die Leute? Ja, ich denke ich habe bei meinem letzten Besuch in Salza einen guten Eindruck hinterlassen."

Lächelnd zuckt er mit den Achseln.



Kräftig schüttelt Alberik Jaruns Hand.

"Natürlich sind mir die Tage in Greifenfurt in Erinnerung geblieben. Aber das ist jetzt ja auch schon," der Zwerg überlegt kurz, "beinahe 10 Jahre her."

"Du scheinst Dich gut bewährt zu haben in der Zeit. So einen Aufwand machen die Leute hier bestimmt nicht für jeden."

Immer noch hat der Zwerg die Hand des Gauklers nicht losgelassen, zu groß scheint die Freude nicht alleine auf diesem Schiff reisen zu müssen.

"Wohin führt Dich denn Dein Weg? Ich hoffe, du willst mit dem Schiff weiter reisen!"



In SALZERHAVEN - Auf dem Pier: Der Sprung


Im Grunde genommen ist Ole recht froh sich jetzt entfernen zu dürfen. Zum einen wird es wirklich Zeit, daß das Mädchen ordentlich untergebracht wird, zum anderen ist auch Ole selbst erleichtert den 'schwimmenden Sarg' endlich verlassen zu können.

Natürlich lassen die vielen Fragen, die unbeantwortet auf der ZYKLOPENAUGE zurück bleiben, dem alten Schiffszimmermann auch weiterhin keine Ruhe. Am meisten beschäftigt ihn der Gedanken, welche Ladung selbst ein Wrack noch wertvoll machen könnte. Bei dieser Gelegenheit fällt ihm auch wieder das Schluchzen ein, daß er aus dem Ladedeck heraus tönen hatte hören können.

Da hört Ole, daß der Herr Magister Darian seine Kajüte zur Verfügung stellt, und das ist gut so. Ole hat sich bisher nur wenig Gedanken darüber gemacht, wo das Mädchen auf der NORDSTERN unterzubringen gewesen wäre. Man hätte sie ja nicht so einfach und ohne weiteres in eine der Hängematten im Mannschaftsraum legen können. Nein - da ist Herrn Darian's Angebot schon sehr viel passender.

Ole setzt sich in Bewegung, das Mädchen in den Armen tragend und er nähert sich dem Schiffsrand. Zwei schnelle Schritte und dann springt der Schiffszimmermann auf die Pier hinüber. Es ist ein gewaltiger Satz, kräftig, weit und völlig unerwartet, über mehrere Schritte hinweg. Das lange weißgraue Haar des Seemanns zieht wie eine leuchtende Spur durch die Luft und nach ein paar sehr kurzen Augenblicken, gerde eben die Zeit, die ein Mensch braucht um zwei- dreimal zu zwinkern, kommt der Schiffszimmermann auf festem Boden zu stehen. Er federt den Schwung in den Knien ab, das linke Knie berührt dabei ganz leicht den Untergrund, dann erhebt sich Ole wieder ruhig und gelassen zu voller Größe, als wäre er eben gerade einmal über eine kleine Stufe gegangen.

Das Mädchen liegt noch immer sicher in seinen Armen. Sie dürfte von dem Sprung nur wenig mitbekommen haben, Ole hatte sehr darauf geachtet, daß sich der Schwung des Sprungs und die Erschütterung bei der Ladung nicht übertragen konnte.



"Beeindruckend, wirklich beeindruckend, dieser Seemann, findet Ihr nicht?" befragt er Darian hinsichtlich des gesehenen Sprunges, während er sich ebenfalls anschickt, das Wrack zu verlassen.

"Endlich von Bord" denkt er bei sich, als er wieder Festland unter sich verspürt.



"Wahrlich, zumal er ja auch nicht mehr der jüngste zu sein scheint,"

antwortet der Adeptus dem Druiden. Darian ist sich etwas unschlüszig, ob er voraus eilen sollte, um die Kabine aufzuschlieszen oder ob er auf den älteren Duriden warten sollte.



Da Ole bereits dabei ist, Alkinoê zur NORDSTERN zu tragen und Trolske wohl auf nicht allzu lange brauchen wird mit dem Heiler zurück zu kehren, beschlieszt Darian, dasz es jetzt wohl wirklich Zeit ist, die Kabine aufzuschlieszen. Nicht dasz nachher sowohl der Heiler, als auch Ole mit dem Mädchen auf dem Arm, vor verschloszener Tuer stehen. Der junge Adeptus wendet sich noch einmal kurz zu Fargus um:

"Ich gehe dann schon mal voraus, nicht das Herr Draggensson noch vor meiner Kabine steht und nicht hinein kann," sagt er diesem in einem fast entschuldigenden Tonfall. Dann beschleunigt er seine Schritte etwas, überholt den alkinoêtragenden Schiffszimmermann und steht sodann an der Planke der NORDSTERN. Dort musz er jedoch erstmal warten, denn von beiden Seiten, wird diese bereits beansprucht.



"Kein Problem, geht nur schon voraus" sagt Fargus leise, doch eigentlich ist der Magier schon zu weit weg, daß er es überhaupt hören könnte. Fargus folgt den beiden eher gemächlich, schließlich ist er ja nicht mehr der allerjüngste.



Der alte Schiffszimmermann staunt nicht schlecht, als er von Herrn Durenald im Laufschritt überholt wird, so viel Geschwindigkeit hat er dem Gelehrten gar nicht zugetraut. Gut so!

Da will Ole natürlich nicht nachstehen und beschleunigt nun auch seine Schritte, den Herrn Magus, allerdings, kann er dabei nicht mehr einholen. Das ist auch gar nicht nötig, denn Herr Darian wird von sich aus langsamer. Dies mag mit dem Umstand zu erklären sein, daß sich vor an der Planke zur NORDSTERN allerlei Volk eingefunden hat. Der Zugang zum Schiff ist also momentan sehr erschwert.

Doch der Schiffszimmermann hat keine Lust sich in eine Warteschlange einzureihen. Zum einen ist keine Zeit dafür, das Mädchen braucht so schnell wie möglich wieder ein ruhiges Lager - zum anderen wird die junge Dame, auch für einen sehr kräftigen Mann wie Ole, von Schritt zu Schritt schwerer zu tragen.

"PLATZ DA , BEIM SWAFNIR, MACHT DEN WEG FREI .... !" ruft Ole mit mächtiger Stimme und er verringert sein Tempo nicht ....



"Platz da, ich muß auch noch durch" schreit der Druide der Menschenmenge zu, die gerade Anstalten macht, die Gasse wieder zu verschließen. Schließlich verspürt er keine Lust, sich durch diese wabernde Menschenmenge durch zu quälen.

'Was wohl die Leute alle hier wollen, doch wohl kaum alle auf diesem Schiff mitreisen' fragt er sich. Schon hat er den Seemann im Blick, der immer noch das Mädchen in seinen Armen hält.



Der Angroschim, offenbar ein weiterer Mitreisewilliger, hat die Planke schlieszlich überquert. Zwar kann man nicht wirklich behaupten, dasz der Weg nun frei sei, denn zum Einen bleibt der Zwerg ziemlich genau hinter der Planke stehen, zum Anderen steht dort immer noch der Gaukler, der sich anschickt von Bord zu gehen. Eigentlich wäre Jarun zuerst an der Reihe und eigentlich ist es überhaupt nicht Darians Art, sich irgendwo durch zu drängeln, doch jetzt und hier ist es etwas anderes. Als dann der Schiffszimmermann auch noch lautstark die Freigabe des Weges fordert und allem Anschein nach auch gewaltsam durchsetzen wird, steht für den Adeptus endgültig fest, dasz er wohl nicht umhin kommen wird, etwas unhöflich an Bord zu drängen. Ole wird Alkinoê auch nicht ewig tragen können.

Da er nun bereits etwas mehr Übung im Plankenüberqueren hat, schafft er es auch mit wenigen groszen Schritten auf das Deck der NORDSTERN zu gelangen.

"Entschuldigt Bitte, es eilt!" ruft er den beiden Männer zu, als er sich an ihnen vorbei schiebt. Wahrscheinlich ist es diesen sogar lieber so, als vom Grauen Riesen einfach ohne weitere Vorwarnung überrannt zu werden.

Zielstrebig setzt der junge Magus seinen Weg zum hinteren Niedergang fort, nicht ahnend, dasz dort bereits die nächste Drängelei auf ihn wartet.



Mit Schwung betritt der Schiffszimmermann die Planke. Das Holz biegt sich stark unter dem Gewicht des 'grauen Riesen' und ächzt gequält. Doch nach wenigen Schritten schon, erreicht Ole das Deck der NORDSTERN.

Sofort versucht er, ohne seine Geschwindigkeit zurück zu nehmen, sich an Jarun und einem Zwerg, der bei dem Gaukler aufhält, vorbei zu schlängeln, doch gelingt ihm dies nur ungenügend. Ein Fuß des Mädchens streift Jarun am Oberarm.

'Ork noch mal,' denkt sich Ole ' das könnte weh getan haben ... !'

"Verzeiht, Herr Jarun, aber es eilt ... !" erklärt Ole knapp und ist dabei der festen Meinung, sich, den Umständen entsprechend, völlig ausreichend entschuldigt zu haben.

Dann eilt Ole auch schon weiter, immer Herrn Darian folgend .....



Am hinteren Niedergang angekommen, musz Darian feststellen, dasz dieser gerade jetzt, vollkommen überlaufen ist. Er selbst könnte sich vielleicht noch an dem Auflauf vorbei schlängeln, für den Grauen Riesen, zumal mit Alkinoê auf dem Arm, wäre hier aber kein Durchkommen.

"Macht Platz für Ole Draggensson," ruft er deshalb laut und deutlich, "er musz hier mit einer Verletzten durch!"



NORDSTERN - An der Planke: Jarun und Alberik


"Hier eine Heldentat, dort Dere gerettet. Da kommt so einiges zusammen."

Ein leises, kurzen Lachen entfleucht Jaruns Kehle.

"Nein, wirklich, wahrscheinlich haben sie von meinen Reisen gehört, oder meine letzter Auftritt in Salzerhaven hat ihnen dermaßen gut gefa ... Autsch ... ."

Ärgerlich reibt sich Jarun die getroffene Schulter. Das gibt sicher eine schönen blauen Pferdekuß. Doch Ole scheint in Eile zu sein und so schafft es Jarun Ole nur einen kurzen Fluch hinterher zu schicken.

"Ole, paß doch besser auf. Auch wenn meinen Knochen alt sind, so steckt doch noch Leben in ihnen."

Dann wendet er sich wieder zu Alberik.

"Ich fahre noch weiter. Bis Grangor, so wie es momentan aussieht."

"Besorgt euch doch schnell eine Kabine, dann könnten wir eine Schenke aufsuchen und über alte und neue Zeiten reden."



Alberik schaut sich den Mann an, von dem Jarun gerade eben angerempelt wurde. Er trägt ein Mädchen auf dem Arm, ihr Kleid ist von Blut getränkt. Sie sieht nicht so aus, als ob sie diese Nacht überstehen würde, aber wenn sie schon tot wäre, würden sich die Männer nicht so sehr mit ihrem Transport beeilen. Vielleicht ist ja sogar schon nach einem Heiler geschickt worden.

Der Anblick des Mädchens erschüttert sogar den Zwerg ein wenig. Nur ein wenig natürlich. Er kennt den Tod und er hat schon viele Verletzte gesehen, und solche, die ihren Verletzungen zum Opfer gefallen sind. Aber wer könnte einem so kleinen zarten Geschöpf etwas antun?

Alberik schaut wieder zu Jarun als er ihm antwortet. Den Anblick des Mädchens verdrängt er, das ist das beste, was man in einem solchen Fall machen kann; die Gesichter der Toten zu vergessen.

"Dann werde ich mich mal beeilen und zum Kapitän gehen. Hoffentlich ist noch ein Platz für mich frei."

Er schaut rüber zu der Gruppe, die dort auf dem Brückendeck steht. Dabei entdeckt er auch den Anman, der gerade die Stufen dorthin unterwegs ist.

'Wann hat der sich denn an mir vorbei geschlichen. Will der etwa nichts mehr von mir wissen und lieber alleine mit dem Kapitän reden? Glaubt er etwa wirklich, so einfach würde er Alberik, Sohn des Atosch davonkommen?'

"Du kannst ja solange auf mich warten, ich bin gleich wieder da."

Nach diesen halb gemurmelten Worten, die wohl an Jarun gerichtet waren, stapft Alberik los und beeilt sich möglichst schnell zum Kapitän zu gelangen.



"Sicher, ich werde hier warten."

Beim Anblick der Leute am Kai, fällt Jarun wieder diese ignorante Person aus der Suite ein. Entweder sie hat von dem Tumult noch nichts mitbekommen, oder sie versucht die Menge einfach zu übersehen.

'Um zuzugeben, daß sie falsch liegt, ist sie sowieso viel zu sehr von sich überzeugt.'

Innerlich ärgert sich Jarun wieder über die Ansichten der Händlerin.



NORDSTERN - Oberdeck: Alberik sucht den Kapitän


Schnell hat Alberik den Weg zur Treppe, die das Oberdeck mit dem Brückendeck verbindet, zurückgelegt, und erklimmt nun die Stufen nach oben.

Angrosch sei Dank, die Stufen sind nicht ganz so weit voneinander entfernt, wie sie es bei so vielen menschlichen Behausungen sind, so daß auch ein Zwerg die Treppe recht gemütlich hinauf steigen kann. Dabei hält sich Alberik mit der linken Hand an dem Geländer fest, welches zu hoch für ihn ist, weshalb er den Arm nach oben strecken muß. Doch so kann er sich ein wenig nach oben ziehen, um so ein wenig leichter die Stufen hoch zu kommen.

In der rechten Hand hält er immer noch seinen Felsspalter.

Endlich oben, sieht er, wie Anman schon bei dem Kapitän und einem anderen Mann steht, der wie ein Fahrgast aussieht und wohl gerade dabei ist, das Gespräch zu beenden und die beiden anderen zu verlassen. Langsam geht er auf die anderen zu, damit er hören kann, ob die Männer etwas besprechen, bevor er bei ihnen ist.



NORDSTERN - Unterdeck: Garulf am Schrein


Nun, da sowohl die ZYKLOPENAUGE, als auch die NORDSTERN selbst sicher vertäut im Hafen von Salzerhaven liegen und die Menschenmenge offenbar keine Anstalten macht aufs Schiffs kommen zu wollen, gibt es für Garulf hier nichts mehr zu sehen. Er begibt sich zum vorderen Niedergang und steigt auf das Unterdeck hinab. Unten angekommen, geht er jedoch nicht, wie man jetzt vielleicht erwarten würde, in seine Kabine, sondern weiter Richtung Heck.



Den Menschenauflauf, der sich im Gang am hinteren Niedergang gebildet hat, nimmt der Schiffskoch nur am Rande wahr. Sein Weg führt ihn auch nicht dort vorbei, sondern nur an das vordere Ende des Ganges, also die Seite zum Laderaum hin. Doch nicht die Kombüse, nein der daneben liegende EFFerdschrein ist sein Ziel. Die NORDSTERN hat sicher ihr Ziel erreicht, zudem hat das Schicksal der ZYKLOPENAUGE gezeigt, dasz dies keineswegs selbstverständlich ist. Da ist es an der Zeit, dem Gott der Meere Tribut zu zollen und Dank zu zeigen für seine Gunst, auf daß diese auch auf der nächsten Reise erhalten bleibe.



Während wenige hundert Schritt entfernt. ein älterer Heiler von einem kräftigen Matrosen durch die Stadt gehetzt wird, vielleicht dreiszig oder vierzig Schritt entfernt ein jubelnder Menschenauflauf lautstark die Ankunft ihres Idols erwartet und sich nicht einmal zehn Schritt entfernt der halbwüchsige Schützling eines Passagiers mit dem Schiffsjungen anlegt, zieht sich der Smutje hier an diesen Ort der Ruhe und des Einklangs mit dem Herren der Meere zurück.

Nachdem er seinen, nicht gerade schlanken, Bauch durch die Tür der kleinen Kammer gezwängt hat und sich auf die Knie niedergelassen hat, was aufgrund seiner Leibesfülle gar nicht so leicht fällt, betrachte er erst einmal staunend die Ausstattung des Schreines. Die feinen Mosaikarbeiten, die silbernen und meeresblauen Wandbehänge und nicht zuletzt der auf wundersame Weise kalt leuchtende Delphin schlagen der Schiffskoch in ihren Bann.

Was für ein Unterschied zu der Andachtsstätte auf der "Pfeil von Nostria". Dort muszte eine Ecke, des ohnehin meist leeren, Laderaumes als Schrein dienen. Dort trennten weder kostbare Behänge, noch schwere Holztüren den Betenden vom restlichen Schiffsbetrieb. Dieser war trotz, nein gerade wegen des erbärmlichen Zustandes des Schiffes sehr hektisch. Ständig muszten irgendwo Löcher gestopft werden, sei im Rumpf oder in den Segeln. Nicht selten kam es vor, dasz auf dem Ladedeck eine morsche Planke eiligst notdürftig abgestützt werden muszte, um nicht endgültig dem Durck des Wasser nachzugeben. Da die zum stützen verwendeten Bretter meist ebenso morsch waren, war der Nutzen natürlich nicht von langer Dauer. Das einzige, was auf diesem Seelenverkäufer den EFFerdschrein ausmachte, war die obligatorische Delphinstatue. Diese war jeder kein wertvolles Kunstwerk aus edlem Silber von kundiger Hand geformt, nein ein Leichtmatrose hatte sie während seiner Freiwache geschnitzt, aus einer, wenigstens nicht morschen, Planke.



So erstaunt der Smutje über die kostbare Ausstattung des EFFerdschreines ist, so schnell hat er sich auch wieder gefangen. Schlieszlich ist er kein Praiot, der glaubt, man könne eine Gottheit durch derischen Prunk und Pomp beeindrucken. Und wer weisz, vielleicht hat ja nur der geschnitzte Holzdelphin die ´Pfeil von Nostria´ so lange über Wasser gehalten? Seinen Blick auf den wundersamen Silberdelphin gerichtet, seine Hände zum Gebet gefaltet, beginnt er seine Worte an den Herren der Meere zu richten. Garulf weisz, dasz es ihm nicht leicht fallen wird, den launischen Meeresgott gewogen zu stimmen, schlieszlich hantiert er als Smutje tagtäglich mit Feuer. Wasser und Feuer, die zwei Elemente, die niemals gemeinsam sein können ...



"... dafür will ich Dir von ganzem Herzen danken, oh EFFerd Hüter und Herrscher allen Wassers," endet das Gebet des Smutjes an den Meeresgott. Auch nach dem Ende der Worte verharrt Garulf noch in seiner Gebetshaltung, als erwarte er eine Antwort. Zumindest, will er bereit sein, eine Antwort zu empfangen, falls es eine gibt. Doch es herrscht Stille, nein natürlich ist es nicht wirklich still, auch hier im Hafen ist das klatschen der Wellen zu hören und auch das allgegenwärtige Stimmengewirr und Fuszgetrampel ist selbstverständlich nicht verstummt. Doch der Smutje hat fast sein gesamtes, nun immerhin gut fünzig Götterläufe umfaszendes, Leben auf See verbracht, so dasz er die Geräusche des Schiffes gar nicht mehr wahrnimmt, wenn er nicht bewuszt darauf achtet und momentan achtet Garulf gewisz auf wichtigeres als auf Füsze auf dem Oberdeck ...



Die Augen des Smutje ruhen noch immer blicklos auf der Delphinstatue. Dann plötzlich wandelt sich das Bild vor seinem geistigen Auge. Der Delphin wird breiter, kräftiger und verfärbt sich seltsam, grün? Ja, grün und nun ist auch die Gestalt zu erkenne, die er angenommen hat. Es ist ein Grünwal, ein Tier SWAfnirs, dem Sohn EFFerds und der donnernden Leuin RONdra. Wie im Traum beobachtet Garulf das Tier, dasz nun eine Bewegung macht, als tauche es aus dunkler Tiefe auf. Die Schwanzflosze des Wales bewegt sich, ganz so als schwämme es durch die Wogen des Meeres der Sieben Winde. Es zieht einen Kreis durch die kleine Kammer, dann noch einen. Es ist dunkel hier, das Licht des Tages ist vollständig verschwunden, von den wenigen Lichtquellen auf dem Schiff, dringt kaum etwas bis hierher in den Schrein. Aber im Innern des Kreises, den der grüne Wal durchschwimmt, dort ist es hell, als sei die Praiosstunde des Tages angebrochen. Auszerhalb des Walkreises herrscht nach wie vor Dunkelheit, die nun aufgrund des Gegensatzes um so undurchdringlicher wirkt.



Plötzlich ist der Wal wieder verschwunden und auch der Lichtkreis. Nur noch das schummerige Zwielicht erhält den Schrein, der nun wieder ein ganz normaler, wenn auch prächtig ausgestatteter EFFerdschrein ist. Der Smutje starrt noch immer wie gebannt auf den Delphin, der jetzt wieder eine Delphinstatue ist, die in kaltem Glanz vor sich hin leuchtet. Nur ganz langsam finden seine Gedanken ins hier und jetzt zurück, was hat die seltsame Vision zu bedeuten? Eine Frage, die für den Schiffskoch gewisz nicht leicht zu beantworten sein wird ...



In SALZERHAVEN - Am Kai: Reisender der HESinde


Mit schnellen Schritten hastet die in eine dunkelgrüne Kutte gekleidete Person durch die dunklen Gassen Salzerhavens, verfolgt von dem hämmernden Echo seiner Schritte. Oder war da mehr? Hinter einer Häuserecke bleibt die Person - ein Mann - stehen.

Schwer keuchend und um Atem ringend lehnt Hesindian an der gemauerten Wand des niedrigen Backsteinhauses. Geräuschvoll saugt er Luft in seine Lungen, bis es ihm gelingt, seine Atmung unter Kontrolle zu bringen und in die Dunkelheit zu lauschen.

Er hört Stimmen aus der Ferne, das Klappern von Hufen, den zornigen Fluch eines Wagenlenkers, den die Dunkelheit bei der Verrichtung seiner Aufgaben überrascht hatte. Laute Musik und falscher Gesang klingt aus einer Hafentaverne einige Schritte die Strasse hinunter, wo eine kleine Gruppe von Matrosen oder Hafenarbeitern - für Hesindian ist einer wie der andere - eine Flasche herumgehen lassen, aus der sie abwechselnd trinken, während die anderen über unverständliche Witze lachen.

Doch keine Schritte, die ihm folgen, kein unheimlicher Schatten in der Nacht, der sich durch das Aufblitzen einer Klinge verrät.

'Reiß dich zusammen, Hesindian!' schilt er sich in Gedanken. 'Du hast eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Weiter!'

Er kann schon den Hafen sehen, und das Schiff mit seinen Nachtlichtern. Hesindian ringt um seine Würde und läßt erst seinen Puls zur Ruhe kommen, bevor er mit langsamen Schritten zum Hafenbecken weitergeht. Er ist ein Geweihter der Hesinde, ein Mann der Göttin, dem es Respekt und Achtung zu zollen gilt, und er ist fest entschlossen, diesen Eindruck nicht dadurch zu untergraben, daß er wie von wilden Tieren gehetzt die Planke hinauf stürmt und um eine Passage winselt.

Dennoch beschleunigt sich sein Schritt ein wenig, je näher er der NORDSTERN kommt. Er wünscht sich insgeheim, nicht die unsichtbaren Augen zu spüren, die seinen Rücken mit ihrem starren Blick zu erdolchen versuchen...

"Hesinde zum Gruße!" ruft er schließlich zum Schiff hinüber.



Ottam ist noch in seine Schifferkundungspläne gehüllt, als er plötzlich den Namen der Herrin HESinde vernimmt, wie er mit Überzeugung gerufen wird.

Aus den Gedanken gerissen wendet er sich zum Kai und erblickt einen hinzu Gekommenen, in dunkler Kutte, daß diese dunkelgrün ist vermag er nicht zu erkennen, dazu ist das Licht zu schwach. Genauso ist er selbst nur schwer zu erkennen, da immer noch in schwarze Kleidung gehüllt und das helle Hemd unter dem Schwarzen Umhang verborgen. Lediglich der Silberne Drache reflektiert den schein der Laternen ein wenig.

"HESinde zum Gruß!" erwidert Ottam "Was kann ich für euch tun?"



Hesindian starrt hoch auf das Deck, wo ihn eine ab und an aufblitzende Lichtreflexion angesprochen hat. Gegen den hellen Schein der Schiffslaternen vermag er nicht mehr von der Person zu erkennen, so sehr er sich auch abmüht.

"Hesinde zum Gruß!" wiederholt er noch einmal. "Ich suche Passage in den Süden. Ist das hier die NORDSTERN? Man sagte mir, daß dieses Schiff dorthin führe."

Langsam tritt Hesindian näher an die Planke, die auf das Schiff führt. Beinahe gleitet er in einer kleinen Pfütze aus, kann jedoch noch rechtzeitig sein Gleichgewicht wiederfinden. Mit zitternden Händen streicht er seine Kutte glatt und wirft noch mal einen unsicheren Blick in die Dunkelheit hinter ihm, während er auf Antwort wartet.



"Da seid ihr hier richtig" ruft Ottam zurück

"Kommt an Bord, hier auf der Brücke können wir alles besprechen"

Fährt er fort und stellt sich ein wenig zur Seite, wodurch es seinem Gesprächspartner möglich sein sollte, zumindest die Umrisse seines Körpers zu sehen.



Fröstelnd zieht Hesindian seinen Umhang fester über die Schultern und krallt seine Hand fast schon in den Saum des edlen Kleidungsstückes. Den Blick starr auf den geheimnisvollen, dunklen Schemen auf der Brücke, der mit ihm spricht, erklimmt er die Planke zum Schiff, die unter seinen Schritten unheilvoll knarrt. Zumindest gelingt es ihm, sicher das Deck zu erreichen, wo er erneut nach seinem Ansprechpartner Ausschau hält.

"Seid ihr der Kapitän dieses Schiffes?" fragt er nach oben, während er nach einer Möglichkeit zum erklimmen des Brückendecks sucht.



Ottam hat ebenfalls Probleme recht zu erkennen, wer da auf ihn zu kommt, doch das wird sich bald ändern, da jener ja wohl bald auf die Brücke kommt. Er wartet bis der Mann etwas näher kommt und spricht dann.

"Nein, ich bin der Schiffsmagus, Ottam Trosson ist mein Name. Falls ihr eine Passage sucht kann ich euch jedoch ebenso behilflich sein"

Ruhig wartet er auf einen Antwort seines schwer zu erkennenden Gesprächspartners. Der langsam näher Kommende kann derweil etwas mehr von der sprechenden -Dunkelheit- erkennen. Offensichtlich handelt es sich um einen etwa 85 Finger großen Mann, der in einem edlen, exquisiten Umhang steckt. Das Material ist hochwertige pechschwarze Seide, die Säume und der Verschluß ist mit Silberfäden bestickt. Das auffälligste Merkmal des Umhanges ist jedoch der kunstvoll aufgestickte Silberne Drache auf dem Rücken, der durch die abwechselnd schräge und gerade Stehposition Ottams auch ab und an zu sehen ist. Der Schwanz und Kopf des Drachen reicht ohnehin bis zu jenem Teil des Umhanges, der vorne geschlossen wird, was den Eindruck erweckt, als beiße sich der Drache in den eigenen Schwanz.



Ungeschickt erklimmt Hesindian die steile Treppe, die zum Brückendeck führt. Dabei stößt er sich zweimal schmerzhaft das Schienbein an den in Zwielicht getauchten Stiegen, kann ein Straucheln glücklicherweise aber vermeiden, wenn schon nicht ein leises Aufstöhnen.

Mit denkbar düsterer Laune tritt er schließlich auf den schwarzen Mann zu, der sich ihm als Schiffsmagus vorgestellt hat. Müde stützt er sich auf den gerade geschnittenen Wanderstab mit den ornamentierten Verzierungen, die sich von einem Ende zum anderen um den Stab herum schlängeln und dabei offensichtlich dem Schlangentier nachempfunden sind. Unter dem dunkelgrünen, ansonsten unauffälligen Kapuzenumhang zeigt sich ein in hellerem grün gehaltener Wams und einige Ledertaschen. Die Kleidung trägt deutliche Spuren einer längeren Reise, soweit es das dürftige Licht der Laternen erahnen läßt. Umhang und Wams sind verunreinigt, an den Stiefeln klebt noch Schlamm, der Umhang selbst weist sogar einige Risse auf.

Hesindian wirkt jung, fast jugendlich mit dem wirren dunkelblonden Haarschopf und dem lichten Haarkranz an seinem Kinn, der kaum den Namen Spitzbart verdient. Arroganz blitzt in seinen jungen Augen auf, als er den Magus genauer mustert.

"Ihr könnt also behilflich sein?" fragt er trotzig. "Dann verratet mir als erstes, wann ihr die Fahrt fortzusetzen gedenkt."



Jetzt endlich beginnt Ottam zu erkennen wie der Mann ausschaut, der da auf ihn zu kommt.

'Hmm unter dem Umhang kann man es nicht wirklich gut erkennen, aber die Farben, der Stock eigentlich kann ich nicht falsch liegen. Es muß ein Geweihter der HESinde sein, doch die offenkundige Arroganz dieses Milchbubis läßt Ottam zu dem Entschluß kommen, dies erst einmal zu ignorieren und Anreden wie -Euer Gnaden- zu sparen, wo kämen wir denn da hin, nicht mit Ottam, nein, nein. Falls man ihm daraus Übles will, kann er sich ja immer noch auf die schlechten Lichtverhältnisse berufen.

"Wann wir auslaufen steht noch nicht fest. Es sind noch Reparaturen am Schiff vorzunehmen, die auf jeden Fall den morgigen Tag andauern werden. Wie lange der Kapitän dann noch hier bleibt steht noch nicht fest. Soweit ich informiert bin, haben verschieden Gäste und ich hier etwas zu erledigen. Ein all zu schneller Aufbruch ist also nicht notwendig, da wir auch gerade erst eingelaufen sind. Ihr habt also genügend Zeit eure Sachen zu packen, falls ihr mitfahren wollt."

Inzwischen ist Ottam sich ohnehin nicht mehr sicher, da er kein Schlangenhalsband entdecken kann, möglicherweise steckt es aber auch tief unter der Kleidung, was auch ungewöhnlich ist. Abschätzend mustert er den Mann und wartet auf eine Antwort.



'Da spielt der Zufall mir übel mit,' ärgert sich Hesindian im Stillen. 'Mein Auftrag gestattet keine Verzögerung. Ich muß schnellstmöglich nach Kuslik gelangen, und der Seeweg ist nun mal schneller als eine Reise zu Fuß.'

Und sicherer, wie er betrübt feststellen muß. Die Alternative, eine Kutsche anzumieten oder gar zu kaufen, übersteigt seine begrenzten Mittel bei Weitem.

"Wißt Ihr von einem anderen Schiff, das vielleicht früher abfahren könnte?" Hesindian späht in die Dunkelheit, wo sich die Umrisse der ZYKLOPENAUGE abzeichnen. "Was ist denn mit diesem dort?"



'Oh diese Landratten, der glaubt tatsächlich er könne mit der ZYKLOPENAUGE noch den Hafen verlassen'

"Nun, jenes Schiff, " Ottam deutet auf das Wrack "die ZYKLOPENAUGE wird euch wohl kaum auch nur aus dem Hafen bringen können. Wir haben es auf dem Weg hierher aufgefunden, und abgeschleppt. Es wurde geplündert und zerstört von Piraten. Wenn es nicht bald in ein Trockendock kommt wird es in kurze hier im Hafen sinken. wenn ihr damit fahren wollt, müßt ihr euch eher Monate gedulden, bis es wieder repariert ist, ganz abgesehen davon, daß ich nicht weiß, wohin der Kapitän dann fahren wird. Die NORDSTERN hat bereits sehr kurze Liegezeiten, da wir eine weite Reise vor uns haben. Wir sind eines der wenigen Schiffe die von Riva im Norden bis zum tiefesten Süden Aventuriens segeln."



Enttäuscht wendet sich Hesindian wieder dem Magus zu.

"Nun denn scheint die Herrin HESinde dieses Schiff für mich bestimmt zu haben." seufzt der Geweihte. "Ich wünsche Passage bis nach Kuslik, wenn es beliebt. Habt ihr noch ein geeignetes Zimmer für mich frei?"



Ottam erwidert nur:

"Nun, sicher keine schlechte Wahl. Die beste Kabine, die wir noch frei haben, ist eine Doppelkabinenhälfte. Alle Kategorien darunter sind ebenfalls noch verfügbar. Der Preis richtet sich danach wie ihr reisen wollt."

Er deutet dann auf die Tafel mit den Preisen.

"Nach Kuslik sind es ziemlich genau 900 Meilen" fügt er noch hinzu



Hesindian wirft einen Blick auf die Preisliste, die ihm der Magus zeigt.

"Zweiundsiebzig Silberstücke."

Die leichte Rechenübung nimmt kaum sein Bewußtsein in Anspruch.

"Das ist ein akzeptabler Preis." meint er zufrieden. Zwar

wird ihn die Begleichung des Fahrpreises einen Großteil seines Wegegeldes kosten, daß er im Tempel zu Salza empfangen hatte, aber es mußte ja nur bis nach Kuslik reichen. Die Frage, ob den die Verpflegung im Fahrpreis enthalten sei, kommt ihm nicht in den Sinn.

"Wenn ihr so freundlich wärt, mir meine Unterkunft zeigen zu lassen."

Mit diesen Worten holt er einen Geldbeutel hervor und beginnt, das Fahrtgeld abzuzählen.



Aufgrund der vorangegangenen Unfreundlichkeit ist Ottam nicht gewillt freiwillig mit dem Preis runterzugehen, das ist aber zum Glück auch nicht notwendig.

"Selbstverständlich einen Moment bitte"

Ottam rückt einen Schritt zur Seite, und schaut auf das Deck um einen möglichst unbeschäftigten Matrosen zu suchen.

'Schau mal einer an, ist das nicht der Kerl dessen unfähig plazierte Taurolle mir neulich vor die Füße kam? - Doch das ist er... !'

'Nein, ich bin nicht nachtragend, nein, ich doch nicht, hehe.'

Einem Sturm gleich hallt Ottams Stimme über das Deck:

"ORGEN! HERKOMMEN!"

Bis Orgen da ist, hält sich Ottam bereit das Geld entgegen zu nehmen.



"AHHhh" entfleuchte es Orgen, der sich geistig schon auf das Ende seiner Schicht vorbereitet hat und eigentlich noch an Land wollte, um ein gutes Premer zu Trinken... naja oder auch zwei oder drei... Schließlich war er schon die ganze Zeit im Ausguck und hatte zu vor Schicht. Doch was soll er machen.

Der Schiffsmagus hat gerufen, nicht das er viel von ihm hält, doch Respekt sollte man besser zeigen, allzu schnell findet man sich sonst als Ratte oder ähnlichem wieder. Und nein er will nicht wirklich darüber nachdenken, was es da noch alles für Möglichkeiten gibt, nein nicht bei diesem Mann.

Wie von Gehörnten getrieben macht er sich auf den Weg zum Brückendeck, um den Magus ja nicht zu verärgern.

"Jawohl, hier bin ich" sagt er nur kurz und leicht außer Atem, eine Schweißperle rinnt von seiner Stirn, weniger vor Erschöpfung sondern in Erwartung des Tadels, denn auf nichts anderes kann diese Lautstärke hindeuten.



'Ha, ja so ist's recht, zittere du nur'

Ottam wirkt deutlich größer als zuvor, denn er richtet sich gerade auf und spricht dann mit bestimmten aber leiseren Ton zu Orgen

"Bringe unseren neuen Fahrgast" - dabei deutet er auf den Geldzusammensuchenden - "zu einer der freien Doppelkabinenhälften und gib ihm einen der Schlüssel."

Ohne eine Bestätigung abzuwarten wendet er sich wieder dem Gast zu und meint:

"Er wird euch hinführen"



Orgen ist noch verwirrt wegen dem ausgebliebenen Tadel.

"Jawohl" antwortet er Ottam knapp.

'Was sollte das nur?' denkt er sich, denn er hat den Vorfall mit dem Tau bereits vergessen.

Doch dann besinnt er sich schnell und betrachtet den Mann, dem er da die Kabine zeigen soll genauer. Auch er ist sich wegen des schlechten Lichtes nicht sicher, doch er denkt sich 'Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste und besser zuviel Höflichkeit als zu wenig. Falls er kein Geweihter ist, war ich halt zu eifrig. Orgen wendet sich dem Mann direkt zu und spricht:

"Euer Gnaden wenn ihr mir bitte folgen wollt, ich zeige euch den Weg."

Gerade will er sich umdrehen, da zuckt er zurück und fügt hinzu:

"Habt ihr vielleicht eine Tasche, dann könnt ihr sie mir ruhig geben."



In SALZERHAVEN - Innenstadt: Der Dunkle


In den Schatten zwischen einer Lagerhalle und einem der vielen billigen Kneipen am Hafen lehnt eine dunkle Gestalt an einem Stapel leerer Frachtkisten.

Sein Blick, für einen vorbei Torkelnden, ebenso wie sein Körper gut verborgen, ist in den gerade nachtblau heraufziehenden Himmel gerichtet.

'wenn Gedanken nicht mehr auf mich hören und ihren eigenen Weg ohne zu verstehen gehen, wo kein Glaube, keine Gefühle den Frieden stören ...

dann spürt man das Leben, wie Wasser zwischen den Fingern zerrinnen jeder Pulsschlag wird zum Todesboten, jeder Atem greift nach der Hand der Atemlosigkeit, wo Blicke in die Unendlichkeit ohne Furcht sehen'

Ein Ruf unterbricht den Gedankenverlorenen, einer der nicht wie viele andere Stimmen lallend oder lachend durch die Dunkelheit eilt, nein, einer der unter der Oberfläche von Angst, von Dringlichkeit, von Gefahr oder Bedrohung berichtet.

Die wenigen Worte des Fragenden, die Draknuh erkennen konnte, waren "Tempel", "Hafen" und "Boron", und so löst er sich aus den Schatten, um mit raschen, doch leisen Schritten um die Ecke in den schwachen Schein vor der Kneipe zu treten, wo ein Mann gerade einen sichtlich angetrunkenen Thorwaler nach dem Weg zu befragen versucht.

Nach wenigen Schritten ist er hinter ihm, und legt dem Mann kommentarlos die Hand auf seine rechte Schulter.


*************


"Huch", zuckt der Mann zusammen, dann hellt sich sein Gesicht ungeachtet des Schrecks ein wenig auf, denn derjenige, der ihm da so die Hand auf die Schulter gelegt hat, sieht bei weitem mehr ansprechbar aus, als der betrunkene Thorwaler, bei dem er es eben versucht hat. Und... da ist noch etwas, das den Mann zwar fast frösteln läßt, ihn andererseits aber auch darin bestärkt, seine Frage gleich noch einmal zu stellen.

"Könnt Ihr mir sagen, wo wir am schnellsten einen Boroni finden können? Im Hafen haben sie ein Wrack mit VIELEN Toten..."

Bei dem Wort 'VIELEN' macht der Mann eine ausladende Geste, als seien es einige Hundert, um die es da geht.



"Ein Wrack mit vielen Toten"

Draknuh wiederholt den Satz langsam, fast bedächtig, während sein Blick fragend gegen den schwarzen Himmel wandert. Dann schaut er den Mann unversehrt an:

"Ihr müßt diesen Weg hier bis zu dem EFFerdsbrunnen gehen, dann links. Der Boronsanger liegt am Rande des Orts, die Mauer ist mit Sträuchern und wilden Rosen bewachsen. Am Eingangstor ist ein kleine Glocke. Ihr werdet jemand im Gebäude gleich links vom Eingang finden. Ich werde zu dem Wrack vorgehen - wo liegt es?"

Draknuh streicht dabei seine Robe etwas aus und lehnt seinen Stab mit dem gebrochenen Rad in die linke Armbeuge - der arme Mann ist ja so durcheinander, daß dieser kleine Hinweise wohl angebracht ist.



Der Mann bedankt sich für die Auskunft mit einem heftigen Nicken, dann dreht er sich schon fast um, um weiter zu eilen. Doch glücklicherweise fällt ihm noch rechtzeitig ein, daß der Dunkle eine Frage gestellt hatte, deren Beantwortung für die gestellte Aufgabe ziemlich wichtig ist - insbesondere auch, da der Zufall wollte, daß er einen Boroni vor sich hat - also jemanden, der zum einen helfen kann, und dessen Auskunft zum anderen wohl ganz sicher die richtige ist.

"Im Hafen, an dem langen Anleger, der da quer von der Kaimauer abgeht. Ihr könnt es nicht verfehlen, da hat sich eine Menschenmenge gebildet, und außerdem liegt dahinter noch ein zweites Schiff."

Hastig schnappt er nach Luft, und ergänzt dann noch:

"Ich werde beim Boronsanger Bescheid geben!"

... und verschwindet dann in der Richtung, die der andere ihm gewiesen hat.



Draknuh dreht sich in Richtung des Kais, den angetrunkenen Thorwaler keines weiteren Blickes würdigend -

'Eigentlich sind sie ganz nette Kerle, diese Thorwaler, aber warum bei Marbo müssen sie immer SO VIEL TRINKEN?'

Als es sich dem Kai nähert, sieht eine Gruppe von dunklen Schemen, die sich von dem Licht der wenigen Fackeln und Laternen des Hafens und der Schiffe abheben. Sie stehen vor einem kaum beleuchteten Schiffsrumpf.

'Hoffentlich ist da ein Hafengardist dabei'

Er nähert sich der Gruppe.



NORDSTERN - Oberdeck: Sylvhar geht ...


Befriedigt betrachtet Sylvhar, die kleine Winde, die er gerade ausgiebig mit Schmierfett eingestrichen hat. Ein einzelner Tropfen bildet sich gerade von einer reichlich fettigen Stelle, zieht sich in die Länge und löst sich dann schließlich, um mit einen für Elfenohren gerade noch hörbaren Klatschen auf den Schiffsplanken aufzuschlagen. Ein tiefes Seufzen kommt über des Firnelfs Lippen, das Leben an Bord ist wirklich nicht das richtige für ihn.

So richtig aufgenommen wurde er nicht in die Gemeinschaft der Matrosen, so sehr er sich auch bemühte. Wann immer er sich nützlich machen wollte, wurde er immer nur lapidar übergangen oder mit den Worten

'Das ist nichts für dich, geh' mal lieber 'ne Winde fetten' weggeschickt.

Natürlich gab es auch freundliche Matrosen. Ole war immer sehr nett zu ihm, und auch Sigrun, die nie die Geduld mit ihm verlor und ihm unverzagt immer wieder erklärte, was ihm unverständlich blieb. Doch die meisten waren ihm gegenüber sehr verschlossen und ließen ihn nicht an ihren Späßen teilhaben, oder, und das war viel schlimmer, sie machten gemeine Späße über ihn.

Traurig blickt der Firnelf nach unten. Eine kleine Träne löst sich aus seinem Auge, zieht eine feuchte Spur über seine Wange und tropft dann gleich neben dem Schmierfett auf den Boden. Ach, was vermißt er seine Sippe! Die liebliche Arelia-Schnee-der-sanft-zu-Boden-schwebt und auch den frechen kleinen Oriandel Eiskristall, der damals mit ihm die wunderbare Rutschbahn aus Eis gebaut hatte. Es ist wirklich an der Zeit, wieder Heim zu gehen. Heim Freunden, zu seiner Sippe.

Entschlossen packt Sylvhar das Schmierfett zur Seite. Dann geht er nach unten in den Mannschaftsraum, um sich von Sigrun zu verabschieden. Denn Sigrun versteht ihn gut, jedenfalls für einen Nicht-Elfen, und verspricht dem traurigen Firnelf, daß sie sein Weggehen dann auch Jergan-Kapitän und Ole erklären wird. Ja, so ist es gut. Gut und richtig. Ein letztes Mal drückt Sylvhar Sigrun an sich, dann nimmt er schließlich auch die unscheinbaren, kleinen, runden Scheiben mit, weil Sigrun darauf besteht, daß er das macht.

Tief schlägt der Firnelf seine Pelzkapuze ins Gesicht und verläßt unauffällig das Schiff und verschwindet dann irgendwo in der Menge, die ihm keine weitere Beachtung schenkt.



NORDSTERN - Suite: Der Auftrag


Seufzend legt die Freifrau Reckinde von Beibach und Bruch die Schreibfeder beiseite und reckt sich, den schmerzenden Rücken dehnend, auf ihrem Stuhl. Dann streut sie etwas Sand über das Schreiben und bläst danach reinigend über die Oberfläche. Nun dürfte die Tinte trocken sein.

Zufrieden blickt sie über den stattlich großen Stapel Papiers, Briefe, die sie in der letzten Stunde verfaßt hatte. Zwar wollte sie ruhen, doch konnte sie keinen Schlaf finden, um so mehr, als das Schiff wohl gerade in den Hafen einlief. Zuerst die lauten Kommandos von der Brücke, dann erhebliches Geschrei, wie es scheint von Hafenmauer, dort, sich offensichtlich allerlei Volk eingefunden hatte, um, was auch immer, sehr lautstark zu vollbringen.

Reckinde faltet das Papier, läßt flüssiges Wachs darauf träufeln und versiegelt die Briefe. Dann räumt sie Feder, Tintenfaß und Siegelring auf, nur die Briefe bleiben, auf einen Kurier wartend, auf dem Tisch zurück. Dann steht die Freifrau auf und schreitet, in fast feierlichen Schritten auf das Lager Radisars zu.

Der kleine Diener liegt, vom Alkohol noch schwer betäubt, auf seinem Lager und atmet sehr geräuschvoll miasmatische Dünste aus, die wahrscheinlich ausreichen würden ein Mammut zu fällen. Wieder seufzt Reckinde. Es wird nicht einfach werden den Diener wieder arbeitsfähig zu machen. Doch man wird sehen .....

"RADISAR!!" brüllt sie ihm ins Ohr, in einer Lautstärke, da man Wort nur noch als Schmerzen wahrnimmt.



"RADISAR!"

Es ist natürlich nicht so gewesen, daß er das Wort als solches gehört oder gar verstanden hätte, vielmehr spürt er nur einen grandiosen Donnerschlag, als hätte er seinen Kopf auf INGerimms Amboß liegen gelassen und dort vergessen, und zwei mächtige Zyklopen würden mit kräftigen Schlägen aus seinem glühenden Schädel eine Opferschale schmieden, dem Gott zu Ehren und Radisar zur Plage. Kein Mensch kann bei einer solchen 'Behandlung' weiter in süßem Schlummer verweilen.

Gleich nach dem Augenblick, da Radisar bewußt wird, daß es sich um keinen schlimmen Traum,. sondern vielmehr um schlimme Wirklichkeit handelt, dämmert in ihm eine, lange im Stillen bewahrte Erkenntnis. Ein derart beeindruckendes Verfahren, daß so klingt, als wäre das Weltenrund nur der Klöppel einer kosmischen Glocke, könnte eigentlich nur zwei Dinge bedeuten.

So hatte Radisar, zum einen, schon immer den Verdacht, daß Ende der Welt könnte sich gerade so einläuten, so wie es sich ihm just zu diesem Moment widerfährt, in Klängen und Geräuschen, die alle sieben Sphären zu einer einzigen zusammenfallen lassen. Aber die zweite Option, zum anderen, erscheint ihm dann doch wahrscheinlicher, als das Ende aller Zeiten, nämlich eben jene: Frau Reckinde will etwas und hat ihn deshalb gerufen!

Mühsam und wacklig, mit dem Stöhnen eines Sterbenden, richtete sich Radisar auf seinem Lager auf, tapfer gefaßt entweder das Ende der Welt oder Frau Reckindes Befehle zu erwarten.

"Sie haben gerufen, Herrin?"



Frau Reckinde traut ihren Ohren nicht. Ob sie gerufen hätte, fragt dieser Unglückselige. Das war doch wirklich nicht zu überhören gewesen, schließlich hat sie nicht gesäuselt , sondern gebrüllt, daß das Schiff bis ins Rumpfholz gezittert hatte.

"Natürlich habe ich das, denn ich benötige euere Dienste, werter Herr!" spricht langsam, leise und überaus freundlich. Doch sollt niemand denken, daß ihren Worten echte und wahre Freundlichkeit innewohnen könnte, auch wenn es so klingen sollte. So gedämpft spricht sie meistens, kurz bevor sie wie Vulkan explodiert, denn es ist keine Freundlichkeit, die sie da zur Schau stellt, es ist eine kaum zu bändigende Wut. Sanftmut gehört nicht gerade zu den hervorragensten Eigenschaften der Freifrau.

"Ich habe da ein paar Briefe, die noch nach ihrem Empfänger suchen .... !" flötet sie in falscher Höflichkeit. Eben noch klingt ihre Stimme wie ein kleines Glockenspiel, ehe sie, in der gewohnten, ihr so eigenen Weise, polternd fortfährt:

"ABER HEUTE NOCH ...... !!!"



Die Zeit drängt und sie arbeitet gegen ihn, da ist wohl kein Zweifel möglich. Die Situation ist ernst. Radisar beschließt als Maßnahme dem Schicksal einen günstigeren Verlauf abzugewinnen, erst einmal die Augen zu öffnen, sich auf seiner kleinen Koje langsam aufzurichten, um dann, mit brechender, fast sterbender Stimme zu erklären:

"Sehr wohl, Herrin!"

Er ergreift das Bündel Briefe, das ihm Frau Reckinde wie eine 'neunschwänzige Drohung' vor seinen Augen hin und her wedelt, stellt dann beide Beine auf den Boden und schreit dann, mehr zum Zeichen dafür, daß er nun völlig seinem Auftrag ergeben wären, denn als Mitteilung, daß er über der Sache stünde, noch einmal, diesmal allerdings kräftiger und lauter:

"SEHR WOHL, HERRIN!"

Tragen ihn seine Beine schon? Es braucht Mut dies auszuprobieren! Radisar kann nicht hinunter blicken, die Gefahr dabei auf die Briefe, die er dienstbereit in den Händen hält, zu kotzen ist zu groß.

Und so tastet er sich mit forschenden Zehen langsam auf dem Plankenboden vor und verlagert dann, Unze für Unze, sein Körpergewicht, zuerst auf die Fußballen, dann auf die Ferse. Zuletzt hebt er sachte und vorsichtig seinen Hintern vom Bettrand auf, gibt sich kurzfristig der Freude hin, daß ihn offensichtlich beide Beine tragen können, ehe er, aufkeimendes Schwindelgefühl bewältigend, tapfer und brav ein drittes Mal erklärt:

"Sehr wohl, Herrin!"



Mit einem leicht resignierend klingendem Seufzen, dreht Frau Reckinde die Augen nach oben, als wolle sie das Schicksal darüber befragen, was sie sich wohl zu Schulden hatte kommen lassen, daß sie durch die Tölpelhaftigkeit ihres Adlatus ständig so hart geprüft werden müßte.

Nachdenklich betrachtete sie das Bündel an Briefen und ihre Augenlider flackern dabei ängstlich. Wahrscheinlich fürchtet sie um die Unversehrtheit der Schriftstücke. Es will die Ahnung nicht von ihr weichen, Radisar könnte mit allen Briefen in der Hand, von seinem Bett aus schlaf- und weinestrunken direkt ins Meer laufen und alle Nachrichten mit sich in die Tiefe reißen. Und diese Vision erhält sofort neue Nahrung, als sie sieht, wie quälend ungelenk sich ihr Diener aus seiner Koje zu erheben versucht. Jeder Untote verließe seinen Sarg um ein Vielfaches schneller.

Es sind zum einen diese ständigen Sorgen, zum anderen natürlich auch eine starke Übermüdung, die nun Reckinde so ganz anders reagieren lassen als sonst. Normalerweise hätte sie wieder zu einem infernalischen Gebrüll angesetzt, doch dann wälzt sich Radisar schwerfällig über den Rand der Koje und streckte dabei seinen prallen, feisten Hintern der Freifrau entgegen, es ist fast schon eine 'Einladung'. Und die will sich Frau Reckinde nicht entgehen lassen. Also holt sie mit dem Fuß aus, soweit es eben geht und dann tritt sie zu, mit aller Macht. Dieser Tritt hätte aus einem viergehörntem Dämonen sehr wahrscheinlich einen zweigehörnten gemacht, so viel Wut lag darin ...



Schmerz hat er nicht gefühlt, als er den Tritt empfing. Da er noch reichlich Alkohol im Blut hat, scheint Radisars Körper noch sehr unempfindlich gegen solcherlei radikale Einwirkungen von außen zu sein. Das einzige, was er spürt ist ein beträchtlicher Schub, der ihn höher und höher fliegen läßt, bis er eine Höhe erreicht, die der Decke schon ziemlich nahe kommt.

Doch dann geht es wieder abwärts und der Plankenboden kommt rasant näher. Es tut einen dumpfen Schlag und Radisar ist wieder 'auf Grund gegangen'. Höhenflüge dieser Art dauern eben meistens nicht lange.

Stöhnend richtet er sich auf. Mit den Briefen in der Hand, wedelt er sich den Staub und den Dreck von der Kleidung. So ist ihm ja nichts passiert, nur sein langer Schnurrbart, dessen Spitzen sonst immer keck nach ober gezwirbelt sind, starrt nun matt und traurig nach unten.

Dann reibt er sich doch noch den Hintern, denn langsam, aber in steter Beharrlichkeit, dringt nun doch etwas Schmerz in sein Bewußtsein. Das wird wahrscheinlich einen gehörigen blauen Flecken am Sitzfleisch ergeben und das ist vielleicht für einen Krieger so gut wie nichts, für einen Mann wie Radisar aber, dessen 'Schlachtfeld' sich auf irgendwelche Kontore begrenzt, ist eine solchen Verletzung schon erheblich.

Während er sich ausgiebig das 'edelste Körperteil' hält, blickt sich Radisar vorsichtig um, in der Hoffnung, das aufbrausende Temperament der Herrin möge sich inzwischen wieder beruhigt haben. Einen zweiten Angriff dieser Art kann auch das dickste Hinterteil nicht aushalten.



NORDSTERN - Oberdeck: Müde Nirka


Der Ansturm der Menschen auf Planke und Brückendeck reißt nicht ab, so daß die Bootsfrau sich weiter zurück hält. Das, was sie den Kapitän noch fragen muß, kann noch etwas warten.

So geht sie ein kleines Stückchen weiter in Richtung Bug, und setzt sich auf den Sockel einer der Winden, mit denen normalerweise die Segel bewegt werden.

Ihre Gedanken schweifen dabei weit umher - von Sigrun über die Ereignisse in Thorwal und die unterwegs nach Salzerhaven bis hin zu der reparaturbedürftigen Rudermaschine und dann natürlich wieder weiter zu Sigrun.

Wenn man Nirka in dieser eher nachdenklichen Stimmung mit der Bootsfrau vergleichen würde, wenn sie auf dem Deck steht und Befehle brüllt... man würde kaum glauben, daß beides ein und dieselbe Person ist.

'Salzerhaven wird uns wohl keine Gelegenheit lassen', geht ihr durch den Kopf,

'denn dazu ist zu viel zu tun, und die Zeit wohl auch zu kurz. Zumindest für mich.'



NORDSTERN - Oberdeck: Aleara will an Land


Nach kurzer Zeit erwacht Aleara aus einem unruhigen, wenig erholsamen Schlaf; dennoch ist sie hellwach. Zum endgültigen zu Bett gehen ist es eindeutig zu früh... Nach kurzem Schaukeln in der Hängematte springt Aleara in einer eleganten - weil bereits tausende Male gemachten - Bewegung aus der Liegestatt und landet auf dem rauhen Holzboden des Mannschaftsquartieres. Nach der Feststellung, daß die NORDSTERN mittlerweile ruhig am Kai liegt beschließt die junge Matrosin, erst einmal das Oberdeck aufzusuchen, um dann "vor Ort" über einen eventuellen Landgang zu entscheiden...



'Und nun? Landgang? Ob es hier ...'

Jäh wird Aleara in ihren Gedanken unterbrochen als sie Wasurens deutlich vernehmbare Stimme hört. Belustigt sieht sie kurz zum Niedergang hinüber.

"Efferdan, jaja" grinst sie in sich hinein.

Doch dann nehmen andere Geschehnisse an Deck ihre Aufmerksamkeit gefangen: Gerade kommt Ole über die Planke geeilt und drängelt sich an Gaukler und Zwerg vorbei. Augenblick mal - ZWERG???

"Was will DER denn hier?" spricht sie den Gedanken lauter als es eigentlich beabsichtigt war aus.

'Erst dieser Elf und jetzt - so etwas!'

Es ist doch einiges los auf dem Oberdeck der NORDSTERN. Zuviel jedenfalls für den Geschmack der jungen Matrosin. Ohne noch irgend jemanden eines Blickes zu würdigen geht sie zielstrebig auf das Brückendeck zu...



Mit schnellen Schritten ist Aleara unterwegs zum Brückendeck um den Kapitän nach einem Landgang zu fragen - hier auf dem Schiff wird es ihr wesentlich zu voll.

Vor ihr erklettert ein Zwerg das Brückendeck, eine Tatsache die sie für einen Moment ablenkt.

'Was will der bloß hier? Leute, die zu INGerimm beten, können wir hier an Bord wirklich nicht brauchen! Oder sollte er etwa... möglich wäre es... nein, sicher nicht!'

Dieser Gedanke beschäftigt sie lang genug, um unsanft mit einem der Passagiere zusammen zu rasseln, den man auch leicht für einen Zwerg halten könnte: den Händler Anselm rempelt sie ziemlich heftig an, als er auf das Oberdeck zurück kehrt. Die sonst so freundliche Matrosin macht allerdings keine Anstalten, sich irgendwie zu entschuldigen...



Im letzten Moment überlegt Aleara es sich anders und wirft dem Händler ein hastiges "Entschuldigt" hinterher. Dann jedoch hastet sie die Treppe zum Brückendeck hinauf - wenn sie den Kapitän noch um Erlaubnis fragen würde, käme sie wahrscheinlich überhaupt nicht mehr zum Zuge. Dennoch bleibt sie in respektvollem Abstand zum Kapitän stehen und wartet - mehr oder minder geduldig - darauf, daß er sein Gespräch mit dem Zwerg beendet.

'Hoffentlich ist ihm sein Gold zu schade für eine Überfahrt auf unserem schönen Schiff'



NORDSTERN - An der Planke: Alle auf Jarun


Phexane erreicht die Planke und blickt den Gaukler an. Die Augen sind leicht zusammengekniffen und sie hat die Arme, wie zum Schutz, verschränkt.

"Maraskanisches Krallenäffchen, was? Glaubt ihr, ich wüßte nicht, was ein Krallenäffchen ist?"

Ihre Stimme klingt noch immer gereizt. Sie stoppt vor dem Gaukler und versperrt somit die Planke. Doch das ist ihr im Moment egal.

'Eigentlich habe ich doch angefangen ... entschuldigen wäre sinnvoller, dann würde er sich vielleicht auch entschuldigen und die Sache wäre bereinigt.'

'Ach, warum? Ich will mich nicht entschuldigen.'



'So, auf zu diesem Gaukler. Hoffentlich läßt der mit sich reden.'

Auf dem Weg vom Brückendeck entgegnet Anselm ein Zwerg, der ihm doch recht unbekannt erscheint. Da er selbst nur gerade so acht Spann mißt, kann Anselm den Zwerg sehr gut begutachten.

'Nanu? Einer vom Zwergen-Volke auf einem Schiff? Scheint wohl einer der ganz mutigen Sorte zu sein, wie? Auf einen Kampf ist der auf alle Fälle vorbereitet. Naja, mir solls recht sein.'

Wieder auf dem Brückendeck angelangt schreitet der kleine Mann zur Planke wo er, den schon von weiten gut erkennbaren Gaukler sieht. Er stellt sich hinter ihn, tippt ihn von hinten an und fragt:

"Seit ihr Jarun?"



Jarun ist sichtlich überfordert. Erst fragt ihn Phexane etwas und dann wird er noch von einem Mann hinter ihm angesprochen.

Irritiert blickt er zwischen Phexane und dem anderen Passagier hin und her und entschließt sich kurzfristig zu einem:

"Nein, ähm! Ich mein! Ja."



"Ah-ha, äh, ja was denn nun? Seit ihr denn nun Jarun oder nicht?!", fragt Anselm sichtlich verwirrt. Und diese nicht nur aufgrund der unpräzisen Antwort des Gauklers, sonder auch, da offensichtlich gerade ein Elf an ihm vorbei zieht und das Schiff verläßt.

'Pelzmantel.. weißes Haar.. ich mag vielleicht das Gesicht nicht erkennen können, aber bei PHEx, es scheint wirklich ein Firnelf zu sein! Elfen, Zwerge, unfreundliche Matrosen...'

Anselm reibt sich den doch etwas hart getroffenen Arm

'..dieses Schiff wird immer merkwürdiger... Egal, es geht jetzt erstmal um die Kabine. Es scheinen ja doch einige Personen neu auf's Schiff zu kommen, als ist Beeilung angesagt.'



"Ähm nein, das ist ein Mißverständnis. Der erste Teile meiner Antwort bezog sich auf die Frage der jungen Dame."

Dabei deutet er in Richtung Phexane und dreht sich so, daß er keinem der beiden Gesprächspartner den Rücken zudreht, um beiden auf eventuelle Fragen antworten zu geben.

"Ja, in der Tat bin ich Jarun. Was kann ich für euch tun. Und sagt mir bitte nicht, ihr gehört auch zu der Gruppe am Kai."



"Was? Wie? Die Leute da unten?! Nein, nein, ich bin ebenfalls Passagier dieses Schiffes. Mein Anliegen ist folgendes: Wie mir zu Ohren kommt bezieht ihr eine der beiden Doppelkabinen. Des weiteren konnte ich in Erfahrung bringen, daß ihr dort zur Zeit alleine seit. So wollte ich euch fragen, ob es mir gewährt sein, die Doppelkabine mit euch zu teilen..."

'Hoffentlich hab ich das bald hinter mir... ich will doch nur einen stillen Platz an dem ich -fast- allein bin...'



Erfreut reibt sich Jarun die Hände.

"Nein, natürlich habe ich nichts dagegen. Wissen sie, es ist nicht immer unterhaltend mit den Wänden der Kabine zu reden. Ein wenig Abwechslung würde mir sicher gut tun. Und Außerdem ist diese Kabine ja auch für zwei Passagiere vorgesehen."

Kurz grübelt Jarun über die gefallenen Worte.

"Nun ja, ich bin Jarun aus Fasar, Leiter der Drachentanz-Akademie zu Greifenfurt. Das scheint ihr ja zu wissen. Aber ihren Namen haben sie mir, mein ich zumindest, noch nicht gesagt."

Mit diesen Worten streckt er dem anderen Passagier seine Hand entgegen.



'Ha, na also. Damit bin ich befreit von der Gesellschaft all dieser Leute. Daß ich mehr bezahlen soll, stört mich da herzlich wenig. Wenn ich Glück habe, kann ich mit heute nacht oder morgen einen Großteil des Fahrtgeldes -verdienen-. Und meine Rolle hab ich nach den Gesprächen mit den paar Leuten eigentlich auch recht gut einstudiert. Sollte nichts schiefgehen...'

"Feuerbach, Anseln Feuerbach", spricht besagter Mann und ergreift die ausgestreckte Hand Jaruns mit einem erleichterten Lächeln.



Phexane mustert den kleinen Mann, der nun ebenfalls Jarun anspricht.

'Hey, das ist doch der Kerl, den ich verdächtigt habe! So, so, mit Jarun will der sich also eine Kabine teilen. Na, mal sehen, wie lange er dann noch seinen Geldbeutel hat.'

Ein Grinsen huscht kurz über ihr Gesicht doch dann erstirbt es sofort wieder und sie blickt wieder ernst zu Jarun.

'So, der Herr glaubt also, ich wüßte nicht, was ein Krallenäffchen ist! ... Naja, da hat er irgendwie recht ... aber jetzt weiß ich es! Muß er aber nicht unbedingt wissen ...'

Sie verfolgt das Gespräch der beiden, wobei die Augen immer wieder hin und her gehen.

'Anselm Feuerbach heißt er also. Na, mal sehen, was er noch so über sich erzählt.'

Phexane bewegt sich nicht, während sie Anselm und Jarun beobachtet. In gewisser Weise genießt sie im Moment ihre unfreiwillige Unsichtbarkeit.



NORDSTERN - Brücke: Verhandlungen und Musterungen


Sobald der Zwerg das Schiff betreten hatte, wollte Anman ihm folgen. Gerade als er jedoch einen ersten zaghaften Schritt Richtung Planke machte, sich dabei sicher am Geländer festhaltend, kommt Bewegung in die Szene. Ein Seemann, der ein Mädchen trägt, verschafft sich den Vorrang, indem er einfach an Anman vorbei über die Planke rennt, und auch noch den Zwerg und einen anderen Menschen beiseite stößt.

Anman schaut sich erstmal um, ob eventuell noch weitere Seeleute so schnell aufs Schiff wollen. Da er aber niemanden sieht, der die Absicht haben könnte, nun auch noch seinen Weg zu kreuzen, will Anman es endlich wagen und zum ersten Mal in seinem Leben ein Schiff betreten. Er faßt das Geländer und überquert die Planke.

´Na, siehste.´, denkt er sich, ´Geht doch alles.´

An Bord angekommen, schaut er sich um. Die Gerüche des Hafens, die Algen und Fischreste im Hafenwasser, die ständig schreienden und zankenden Möwen, dazu immer eine Brise salzige Luft, all das macht also Seefahrt aus. Das Holz des Deckes ist ausgebleicht und warm und glatt. Es riecht nach Talg und Tee, auch verfaulter Fisch und immer der Salzgeruch dabei.

´Wunderschön.´, kommt ihm der Gedanke.

Anman bahnt sich seinen Weg Richtung Brückendeck, wo ihm der Matrose den Kapitän gezeigt hatte. Der Zwerg blieb zurück, sich mit einem bunt angezogenen Menschen unterhaltend, aber das war Anman auch ganz recht. Er wollte sich erstmal alleine mit dem Kapitän über die Preise unterhalten.

´Ich kann ja später noch mein Wort einlösen, und dem werten Alberik ein Bier spendieren.´, nimmt er sich vor.

Zwar hat Anman keine Absicht, den Zwerg als Söldner anzuheuern, trotzdem wollte er die Bekanntschaft vertiefen. Immerhin war der Zwerg die einzige Person, zu der er in dieser Stadt Kontakt hatte, außer dem mürrischen Schmied. Und außerdem würde er mit eben diesem Zwerg aller Voraussicht nach auch noch diese Seereise auf demselben Schiff verbringen.

Seine Schritte haben Anman im Verlaufe seiner Gedanken bis zum Aufgang des Brückendecks gebracht, und, nachdem er sich versichert hat, daß niemand im Weg stand, stieg er diesen hinauf und weiter Richtung der Gruppe von Menschen, die ihm der Matrose an Land gewiesen hatte. Mit lauter, ruhiger Stimme sprach er dann eben diese Gruppe an :

"Verzeiht, wackere Seeleute, ich suche den Kapitän oder Ersten Offizier dieses Schiffes.", beginnt Anman, "Ich bin auf der Suche nach einer Überfahrt gen Süden, für mich und meine Güter."

Noch ein Gedanke kommt ihm :

"Oh, vergebt mir meine fehlenden Manieren. Mein Name ist Anman Troyn.", fügt er an.



Einer der angesprochenen Seeleute antwortet Anman, ohne ihn jedoch genauer zu mustern, und bittet um etwas Geduld, da sogleich jemand zur Verfügung stehen werde.

´Das scheint einer der höheren Offiziere zu sein.´, ist sich Anman sofort klar,´Befehlsgewohnte Stimme, und ein sicheres Auftreten. Vielleicht sogar der Herr Kapitano selbst.´

Anman begibt sich also in der Nähe der zwei sich unterhaltenden Personen an die Reling des Brückendecks, so daß unter ihm sich das Deck ausbreitet und er die Geschehnisse beobachten kann. Anman dreht sich jedoch etwas zur Seite, so daß er nur den Kopf ein bißchen wenden bräuchte, sollte ihn der Kapitän oder Offizier ansprechen, der ihn ebend auf kurze Zeit später vertröstete.

´Da kommt ja auch schon dieser Zwerg.´, denkt Anman sich, als er den kleinwüchsigen Bekannten sich die letzten Stufe der Treppe hinauf mühen sieht,´Tja, so Schiffe haben steile Aufgänge, mein kleiner Freund. Schwer für Dich, tut mir leid.´

In Gedanken überschlägt Anman noch einmal, wieviel er bereit ist, für die Reise zu zahlen, und wie weit er gehen könnte, falls es mehr kosten sollte. Äußerlich sieht er gelassen dem Treiben an Deck zu und läßt seinen Blick zeitweise über die immer noch frenetisch singende Menschenmasse auf dem Kai schweifen. Mit den Ohren lauscht er dem Gespräch des Offizieres mit der anderen Person.



"Willkommen an Bord der NORDSTERN, Herr Troyn, ich bin Fiana Ohldotter, die 1.Offizierin hier an Bord."

Eine kurze Pause später fährt Fiana fort

"Wo genau möchtet ihr denn hin. Die NORDSTERN fährt bis Brabak. Auch haben wir unterschiedliche Unterbringungsmöglichkeiten, Das Beste, was noch frei ist, ist ein Platz in unseren Doppelkabinen."

Bei diesen Worten deutet Fiana auf die Tafel mit den Preisen.

"Was habt ihr den für Güter zu transportieren. Ich benötige das Gewicht und den Platzbedarf".



`So, eine Frau als Erste Offizierin.´, denkt sich Anman,´Na, ihr müßt es ja wissen. Wie die See es will.´

"Werte Fiana, ich bin mir noch nicht so sicher über das genaue Ziel meiner Reisen.", antwortet Anman mit ruhigem Ton,"Ich weiss nur, daß ich erstmal südlich will und werde mich dann im jeweiligen Hafen entscheiden. Es wäre also gut, wenn wir von Hafen zu Hafen verhandeln könnten."

Er schaut der ersten Offizierin dabei fest in die Augen und läßt anschließend seinen Blick langsam und völlig ungeniert über ihren weiblichen Körper gleiten.

"Vielleicht wird dies eine sehr lange Reise, werteste Fiana....", sagt er gedankenversunken, aber mit einem freundlichen Lächeln und hält seine Augen weiterhin auf den Körper der vor ihm stehenden Frau gerichtet, "Aber um beim Thema zu bleiben : Ich habe etwa 10 Kubikschritt edelstes Holz in einem Lager in dieser Stadt und auch einige Ballen Stoffe."

Anman blickt, nachdem er offensichtlich genug gesehen hat, auf und schaut Fiana in die Augen, "Und diese Waren sollten natürlich wassergeschützt gelagert werden. Des weiteren habe ich noch zwei kleinere Kisten persönliche Sachen, die ich aber in meiner Kabine unterbringen möchte."

´Ihr habt doch Einzelkabinen hier ?´, kommt Anman ein frivoler Gedanke,´Wäre schade, wenn man sich nicht zurückziehen könnte, Werteste.....´

"Sagt, werte Offizierin, sind denn noch Einzelkabinen verfüglich ?", fragt er denn auch.



Fiana bleibt nicht verborgen, daß ihr Gegenüber mehr oder weniger offensichtlich ihren Körper betrachtet. Doch Fiana ist keine Stadtgöre, sie weiß, was sie ist und daß sie keinen Grund hat sich zu verstecken.

Sie wendet sich nicht ab oder wird gar rot, nein, im Gegenteil ihre smaragdgrünen Augen mustern nun ihrerseits den Händler, um dann bei seinen Augen hängen zu bleiben. Sie passen nicht recht zu der ansonsten eher gemütlichen Erscheinung und es scheint das sich unter dieser Hülle einiges mehr verbirgt als es momentan den Anschein hat.

Er dagegen hat die Gelegenheit eine Frau zu erblicken, deren schlanker und durchtrainierter Körper trotz der vorhandenen Muskeln jegliche weiblichen Form im genau rechten Maß besitzt. Die lange, rote Haarpracht hat sie, wie eigentlich immer wenn sie Dienst ist, in einem überhüftlangen Zopf gebändigt.

Mit ruhiger aber bestimmter Tonlage antwortet Fiana auf die gestellten Fragen.

"Da ihr Ware mitführt ist es kein Problem erst beim Verlassen des Schiffes, bzw. beim Entladen für den Transport zu zahlen. Die Ware ist Sicherheit genug. Es könnte ja auch sein, daß ihr, früher als erwartet, in einem der nächsten Häfen ein gutes Geschäft macht und Teile eurer Ware bereits verkaufen wollt. Dann könnt ihr deren Transport bezahlen, wenn die Waren vom Schiff gebracht werden. Es ist also kein Problem, wenn ihr noch nicht wißt wie weit ihr reisen möchtet."

Einen Moment später fährt sie mit freundlicher Miene fort.

"Ja, die Reise ist lang... Jedoch sind im Moment alle Einzelkabinen belegt. Ein Platz in einer Doppelkabine ist das Beste, was ich euch anbieten kann. Falls jedoch unterwegs ein Gast, der eine Einzelkabine belegt das Schiff verläßt, könnt ihr selbstverständlich umziehen."

"Eure Ware wird selbstverständlich sicher untergebracht. Sobald sie hier am Kai ist kann sie verladen werden."



Was Fiana da betrachtet, ist ein Mann in seinen besten Jahren. Würde Fiana Ohldotter so denken wie Anman und alle anderen Männer, so würde sie vor sich ein kräftiges, saftiges Stück Fleisch sehen, und ihr würde das Wasser im Munde zusammen laufen von dem betörenden Duft, der davon ausgeht. Über den Charakter würde sie erst später Fragen stellen, sozusagen nach dem ersten Bissen, der auf ihrer Zunge zergangen wäre.

Anman ist nicht wunderschön, dies hat ihm Fiana zu seiner augenscheinlichen Freude voraus, jedoch ist er groß und äußerst kräftig gebaut und außerdem weit davon entfernt häßlich zu sein. Er sieht nicht durchgetrimmt aus, wie so manche Schausteller und Söldner, die für ihren Lebensunterhalt ihren Körper verdingen, aber verfettet wie zum Beispiel eine Bäckersfrau ist er bei weitem nicht. Gepaart mit seiner soliden Kleidung, die aus einem knielangen, braunen Mantel, einer ledernen Hose und einem schreiend blauen Hemd besteht, und die auch auf den zweiten Blick gut gepflegt und nicht billig erstanden aussieht, macht Anman doch schon etwas her, wenn auch nur, wenn er ein Lächeln aufsetzt wie das, das er gerade in diesem Moment für Fiana reserviert hat.

Seine graugrünen Augen halten ihrem Blick stand, und in ihnen setzt sich das Lächeln fort. Eine Sekunde zu lange blickt er sie so an, bevor er schließlich antwortet :

"Gut, werte Erste Offizierin. Ich nehme ein Bett in einer Doppelkabine. Mir wäre es allerdings lieber, ich könnte den ersten Teil der Fahrt jetzt schon bezahlen.", führt Anman aus,"Ich will mindestens bis Harben, besser noch bis Kuslik. So laßt mich denn bis Harben bezahlen, und dann sehen wir weiter."

Er deutet mit einer Hand fast unmerklich in Richtung der Reling, die das Brückendeck gegen den Kai abschirmt und macht einen Schritt dorthin, so als wolle er sich mit der Ersten Offizierin hinüber begeben. Der Wind von See hat zugenommen, ohne jedoch den schönen warmen Abend zu verderben. Immer noch kann man am Horizont die Stelle sehen, wo vor kurzer Zeit die Sonne ins Meer getaucht ist, und die letzten zaghaften Lichtstrahlen erhellen das abendliche Dunkel des Hafens. Fackeln und Kerzen in ihren gläsernen Lampen beleuchten den Hafen und die Leute auf dem Kai und verleihen der Szene zusätzliche Wärme.

"Was den Transport des Holzes und der anderen Sachen angeht, so denke ich, daß sie morgen gegen Mittag hier sein können, wenn das recht ist.", fährt Anman dabei fort," Eine Sache fällt mir auf der Stelle noch ein : Könnte ich die Kabine heute nacht schon beziehen ?"

Während sie sich langsam Richtung der Reling bewegen, wird Anman wieder der Menge gewahr. Und mit dieser Erinnerung kommt ihm auch der Gedanke an die ZYKLOPENAUGE wieder. Die Gefahr eines Piratenüberfalls auf hoher See ergreift ein zweites Mal an diesem Abend Besitz von ihm, so sehr, daß er Fiana keine Zeit zum Antworten läßt und noch eine Frage stellt :

"Sagt, wie gut seid Ihr auf hoher See vor Piraten gefeit ?"



'Hmm, mal eine Abwechslung. Die letzten Kerle, die sie so angeschaut haben, waren entweder Muskelprotze, Milchbubis oder Weicheier. Vielleicht entpuppt sich dieser Gast ja als interessant'

Fiana erwidert das Lächeln, und wendet sich etwas zur Seite, um ihr Gegenüber nicht aus den Augen zu verlieren, als dieser einen Schritt zur Reling macht 'all zu einfach sollte es ja auch nicht sein... , das wäre auch langweilig...'

"Also bis Kuslik sind es 900 Meilen, bis Harben etwa 250 weniger, also 650. Die Kabine könnt ihr selbstverständlich sogleich beziehen. Das macht dann 52 Silber für die Fahrt nach Harben, sagen wir 50 Silber. Den Preis für die Fracht kann ich erst endgültig bestimmen, wenn ich weiß, wieviel Ballen ihr mitbringt."

"Gegen Piraten, das kommt drauf an, wir sind kein Kriegsschiff, auch wenn wir eine Rotze haben. Gegen einen Angriff wie er der ZYKLOPENAUGE widerfahren ist, hätten wir auch wenig ausrichten können, da sie von mindestens zwei Drachen angegriffen wurde. Auf der anderen Seite haben wir auf dieser Fahrt ungewöhnlich viele Magiekundige an Bord. Mit Magie kenne ich mich nicht gut aus, aber vielleicht hätten sie die entscheidenden Rolle gespielt. Doch genug der Gedanken an Piraten, danken wir EFFerd, daß er uns geschützt hat und stimmen wir ihn wohlgesonnen, damit er uns weiter beschützt. Das ist der beste Weg mit Piraten keine Probleme zu bekommen."



´EFFerd sei Dank.´, denkt Anman,`Ich hoffe, das reicht. Etwas realer Schutz wäre trotzdem nicht schlecht, meine Guteste.´

"Tja, EFFerd sei Dank.", antwortet Anman mit fester Stimme,"Sagt, Offizierin, werden in diesen Gewässern oft Schiffe überfallen ?"

Beide haben nun die Reling erreicht, die das Brückendeck in Richtung Hafen absichert, es waren ja auch nur einige wenige Schritte. Anman stellt sich direkt an die Reling und legt seine Hände auf. Sein Blick wandert über die Menschenmenge, deren Fackeln sein Gesicht anleuchten und warme Farben darauf werfen. Seine Augen funkeln, als er sich umdreht und der Ersten Offizierin in die Augen blickt.

"Ich fahre das erstemal zur See.", fährt Anman fort, "Und ich möchte nicht, daß es das letzte Mal ist."

In diesem Moment hört er die tiefe Stimme des Zwergen seinen Namen rufen, und wendet seinen Blick in Richtung des Rufes. Der kleine, aber äußerst kräftige Mann des anderen Volkes eilt auch schon mit festem Schritte herüber. Anmans Blick wandert zurück zu Fiana und beobachtet die feinen Züge ihres Gesicht im Schein der Fackeln, während er auf eine Antwort wartet.



"Nicht öfters als in anderen auch, Pech kann man überall haben, die Wahrscheinlichkeit an Land von Räubern überfallen zu werden ist immer noch höher, als Opfer von Piraten zu werden." beschwichtig Fiana die bekennende Landratte mit einem herzlichen Lächeln.

Gerade als Fiana wieder Anmans Augen fixiert - 'sie haben dieses Funkeln...' - platzt unhöflich jemand von der Seite in das Gespräch.

Einen Augenblick keimt Wut über diese Unhöflichkeit hoch, dann sieht Fiana aber daß es sich offensichtlich um einen noch unbekannten Gast handelt, der auch noch Zwerg ist und die Typische Waffe eines Zwerges bei sich hat. Das vertreibt die Wut gleich wieder, denn falls dieser auch an Bord kommt, hat sie vielleicht endlich jemand mit dem sie ihre Begeisterung für Äxte teilen, und das eine oder andere Interessante Gespräch führen kann.



NORDSTERN - Brücke: Jergan und der Zwerg


Überrascht schaut Alberik zu dem Mann hoch, der ihn freundlich begrüßt hat. Eigentlich hatte er gerade den Händler beobachtet, den die Matrosin, die er gerade noch übersehen hatte, angesprochen hatte.

"Ähh, ja, EFFerd zum Gruße," grüßt er zurück.

Kurz muß er wieder seine Gedanken ordnen, bevor er weiter spricht, was der andere zu erwarten scheint. Doch schnell hat er seine Sicherheit wiedergefunden.

"Ich habe gehört, dieses Schiff fährt nach Süden und nimmt auch Passagiere mit. Und da ich auf dem Weg nach Praios bin, würde ich gerne mitfahren, sofern es mich nicht zu viel Taler kosten würde."

Bei diesen Worten schaut er sich schon einmal die Tafel an, die die Matrosin dem Händler neben ihnen gezeigt hat.



Zufrieden registriert Jergan, dass sich die erste Offizierin des anderen Mannes annimmt, und wendet seine Aufmerksamkeit so ganz dem Zwergen zu.

"Ja, das ist korrekt, wir fahren nach Süden. Genauer gesagt, wir fahren sehr weit nach Süden, nämlich bis nach Brabak. Wie weit würdet Ihr denn mitfahren wollen, denn davon hängt natürlich ab, wie teuer die Reise für Euch wird. Und auch davon, ob Ihr Euch mit einer Koje in unserer Gemeinschaftskabine zufrieden geben möchtet, oder ob Ihr lieber eine Hälfte einer Doppelkabine beziehen wollt."

Fragend sieht der Kapitän den Angroschim an, während er kurz die Stirn runzelt, denn Alearas etwas merkwürdige Art, auf das Brückendeck zu gelangen, entgeht ihm nicht. Das Anliegen der Matrosin muß wirklich äußerst wichtig sein, wenn sie so vorgeht, doch für den Kapitän ist dies die Höflichkeit einem Fahrgast gegenüber natürlich auch, so daß Aleara von ihm noch keinerlei Reaktion erntet.



Alberik schaut sich die Preise auf der Tafel an und rechnet, während er mit halbem Ohr dem Kapitän, um den es sich offenbar handelt, zuhört.

Angestrengt rechnet er nach, schätzt die Entfernung von hier bis Mengbilla, und rechnet wieder. Dabei hat er die Klinge der Axt auf den Boden gestellt und den Griff an seine Hüfte gelehnt, um beide Hände frei zu haben, damit die kleinen Finger ihm beim zählen helfen.

'Von hier bis Havena.... bestimmt 250 Meilen....10 Taler... bis Mengbilla.... Das sind mindestens 1000 Meilen, Umwege wie die Menschen machen, bestimmt das doppelte...!'

Der Zwerg reißt entsetzt die Augen auf.

'Das sind ja schon 8 Dukaten!!'

Für einen kurzen Moment bleibt ihm die Luft weg. Erst nach wenigen Sekunden hat er sich wieder erholt. Noch ein wenig außer Atem und mit ungläubigen Augen fragt er lieber noch einmal nach dem Preis.

"Von hier bis nach Mengbilla, wieviel würde mich das kosten, wenn ich mich in der Gemeinschaftskabine einquartieren würde?"



"Bis Mengbilla", wiederholt der Kapitän, während er im Kopf rasch rechnet.

'Etwa eineinhalb Tausend Meilen, das sollte hinkommen. Eher etwas weniger, aber viel wohl nicht. Egal, der Fahrgast wird bei uns immer bevorzugt behandelt.'

"Das sind etwa eintausendvierhundert Meilen", sagt der Kapitän dann die abgerundete Zahl, "das kostet Euch in der Gemeinschaftskabine sechsundfünfzig Silber."

Sein Blick ruht dabei ruhig auf dem Gesicht des Zwergen.



Ein wenig beruhigt von der Aussicht, nicht ganz soviel zu bezahlen, wie er selber ausgerechnet hatte, versucht Alberik noch einen Weg zu finden, irgendwie doch noch ein paar Taler zu sparen, während die Finger seiner linken Hand nervös mit den Haaren seines weißen Bartes spielen und sein Blick auf den Boden gerichtet ist.

'Was wenn ich es gar nicht bis Mengbilla auf diesem Schiff aushalte und schon im nächsten Hafen wieder aussteigen will? Dann hätte ich ja viel zu viel bezahlt! Nein, erst einmal werde ich nur den Weg bis zum nächsten Haltepunkt bezahlen, dann kann ich immer noch sehen, ob es sich lohnt auf diese Art und Weise weiterzureisen.'

Er hebt den Kopf wieder und schaut zu seinem Gegenüber. Die Hand wird aus dem Bart genommen und nach hinten zum Nacken geführt, um sich dort zu kratzen.

"Wäre es denn auch möglich erst einmal nur bis zum nächsten Hafen mitzufahren, um dort dann zu entscheiden, ob ich den Rest des Weges auch noch bezahlen will? Und was kostet es mich bis dahin?"



Der Kapitän zuckt mit den Schultern - dies ist im grundsätzlich egal, auch wenn es schon besser ist, wenn die Fahrgäste in einem Stück bezahlen, und nicht in jedem Hafen neu beginnen.

"Das könnt Ihr machen, wie Ihr wollt. Selbstverständlich erhaltet Ihr Geld, das Ihr zu viel gezahlt habt, zurück, wenn Ihr uns eher verlaßt."

Er überlegt kurz, und fährt dann fort:

"Der nächste Hafen ist Nostria. Bis dorthin sind es einhundertachtzig Meilen, das wären dann also sieben Silber und zwei Heller. Wenn Ihr jedoch plant, tatsächlich bis Mengbilla mitzufahren, dann ist es billiger, das im Stück zu bezahlen, denn ich habe die Strecke da schon gehörig abgerundet."

Diesmal hat Jergan die Summe sehr genau ausgerechnet, um den Unterschied schon anhand der Berechnung zu verdeutlichen.



'Gehörig abgerundet?! Will er damit etwa andeuten, daß ich geizig wäre?'

Alberik schaut sich das Gesicht seines Gegenübers genau an, um möglicherweise etwas zu entdecken, daß seine Vermutung bestätigen könnte, damit er auch entsprechend darauf reagieren könnte.

'Aber wenn er mir das Geld, das ich zuviel bezahlt hätte, sowieso zurück zahlen würde, und er die Strecke nach Mengbilla schon abgerundet hat, dann kann ich ja auch jetzt schon bezahlen. Und außerdem ist die Verpflegung auch schon mit drin. Ob er wohl mit sich handeln läßt?'

Doch ein Blick auf den Kapitän macht Alberik deutlich, daß dieser bestimmt nicht mit sich handeln läßt, und bevor es sich dieser anders überlegt, und aufrundet statt abzurunden, willigt der Zwerg ein.

"Also gut, dann bezahle ich gleich bis nach Mengbilla. Das waren fünfzig...,"

'Nein, Alberik, versuch lieber nicht mehr, den Preis nach unten zu drücken, sonst mußt du gleich die acht Dukaten bezahlen, die du dir ausgerechnet hattest.'

"...sechsundfünfzig Silbertaler für einen Platz in der Gemeinschaftskabine. Soll ich sofort bezahlen, oder reicht es, wenn ich beim Ablegen bezahle? Und wann fährt das Schiff los?"



Jergan unterläßt es, die Augenbrauen hoch zu ziehen, auch wenn der Drang dazu recht stark ist. Diese Zwerge sind manchmal wirklich seltsam...

"Ihr könnt jetzt bezahlen, oder beim Ablegen - das ist mir egal. Ablegen werden wir wohl übermorgen früh, es sei denn, es ergeben sich Probleme bei einigen Arbeiten hier auf dem Schiff, die wir vorm Auslaufen noch verrichten müssen. Ist das für Euch so in Ordnung?"



'Übermorgen geht die Fahrt los? Soll mir recht sein, ich bezahle ja für die Strecke und nicht für die Nächte, die das Schiff braucht, bis es in Mengbilla ist.'

"Übermorgen früh? In Ordnung. Ich werde dann morgen im Laufe des Tages meine Sachen aufs Schiff bringen, dann werde ich auch bezahlen."

Damit ist das Gespräch für Alberik beendet. Ohne eine mögliche Antwort abzuwarten, hebt er seinen Felsspalter hoch und legt ihn sich auf die Schulter, die Klinge nach hinten. Seinen rechten Unterarm legt er auf den Axtstiel, um ein Gegengewicht zu dem schweren Axtblatt zu haben.

Zu dem Händler, der mit einer Matrosin nur wenige Schritte von ihm weg steht, ruft er "He, Anman!" und eilt dann mit weiten Schritten zu ihm hinüber.



NORDSTERN - Brücke: Jergan und Aleara


Ohne den Kapitän zur Ruhe kommen zu lassen wendet sich Aleara sofort an ihren Vorgesetzten.

"Kapitän, ich halte es hier an Bord nicht mehr aus. Wenn ihr gestattet würde ich heute abend gerne das Schiff verlassen. Ich brauche ein wenig..."

sie zögert kurz

"...Zerstreuung nach den Ereignissen der letzten Tage"

Mit großen fragenden Augen blickt sie Jergan an.



"In Ordnung", bekommt der Zwerg noch als Antwort zu hören. Der Kapitän will sich dann zu Fiana umwenden, um zu sehen, ob dort alles klar ist, als Aleara ihren Ansturm auf die Brücke fortsetzt und ihn sofort und nicht wirklich sehr angemessen anspricht. Und das dazu noch mit einem absolut nichtigen Problem, für das eigentlich die Bootsfrau zuständig ist!

Jergan ist jedoch nicht der Mann, der in solchen Situationen herum brüllt, das würde eher zu Nirka passen. So bleibt seine Stimme leise und verhältnismäßig ruhig, auch wenn der Ärger durchaus zu hören ist, wenn man aufmerksam ist.

"Warum belästigst du mich damit? Das ist eine Frage, die Nirka entscheiden kann! Oder hat SIE dich zu mir geschickt?"

Der Blick des Kapitäns fixiert die Matrosin dabei hart. Insbesondere die Art, wie er "SIE" betont, läßt kaum einen Zweifel darüber, daß Jergan sich sehr sicher ist, daß Nirka dies nicht getan hat, denn in solch einem Fall wäre sie entweder mitgekommen, oder würde zumindest jetzt die Brücke mustern, und nicht dort vorne auf einer Winde sitzen.



NORDSTERN - Unterdeck: Versammlung an der Treppe


Wasuren dauert die angeblich kurze Aktion von Efferdan zu lange und er tritt etwas näher an den Niedergang heran.

'Der Kerl will wohl Zeit schinden und wieder etwas zu Kräften zu kommen. Aber nicht mit mir so werden wir ja nie fertig.'

Wasuren spricht mit seiner starken, rauhen Stimme gut hörbar für so manche Leute in der Umgebung in den Niedergang hinunter :

"Efferdan wie lange dauert das denn da unten. Jetzt komm endlich mal her und nimm die Trosse hier am Niedergang in Empfang. Wenn da unten wer im Weg steht wird er das schon merken !!"

Etwas aufgebracht stampft Wasuren wieder zur Trosse zurück und zieht sie vorsichtig ganz nah an den Niedergang heran.



Vor ihm Streit, über ihm Wasuren, der langsam ungeduldig wird - und immer noch der Menschenauflauf vor der Kabine. Wenigstens ist Garulf nicht mehr im Gang zu sehen...

Noch immer scheint Efferdan wie gelähmt, unfähig sich zu bewegen, starrt auf die beiden Jungs. Erst als sich Alrik zu ihm umdreht und ihn tadelnd mustert, kommt ihm wieder zu Bewußtsein, daß er etwas zu erledigen hat und er es sich nicht erlauben kann, hier herumzustehen - zumal er selbst die Treppe blockiert.

` »Du mußt etwas mutiger sein...« `

So nimmt er seinen Mut zusammen, schüttelt den Kopf, wie um die Furcht abzuschütteln, die ihn inmitten dieser Menschen eingefangen hatte und ruft dann - mehr halblaut und mit etwas heiserer Stimme als sonst - nach oben:

"Ja... ja, ich.. komme. Moment.."

Hastig dreht er sich um, und beginnt, die Treppe wieder ein Stück hochzusteigen, um dann oben die Trosse in Empfang zu nehmen.



`So, daß müßte reichen, jetzt müßte Wasuren mir die Trosse reichen können, hoffentlich kann ich es heben...`

Efferdan steht nun halb auf der Treppe nach oben, streckt die Hand durch die Öffnung zum Oberdeck und seine helle Stimme dringt nach oben:

"Bin soweit... kannst mir ein Ende reichen..."

`Ich muß dann schnell runter klettern , sonst falle ich noch mit der schweren Trosse runter...`



Nach diesen weiteren Widerworten läßt ALRIK jetzt endlich den Zeigefinger sinken und funkelt den aufmüpfigen Bengel nun erst recht wütend an. Den Verweis auf den zweiten, vermutlich freien Aufgang spart sich ALRIK an dieser Stelle. Aber darum geht es hier ja auch gar nicht, denn eigentlich bettelt der Kleine momentan ja förmlich um Schläge. Aber wozu sich prügeln? Das hätte ja doch nur zur Folge, daß ihm der Landgang gestrichen wird. Und das ist der Wicht nun wirklich nicht wert.

"Um den Boden mach dir mal keine Sorgen. Da finde ich morgen schon noch was passendes, um ihn blitzeblank zu schrubben, verlaß dich drauf."

Der drohende Unterton in ALRIKs Stimme läßt den leisen Verdacht aufkommen, daß der Schiffsjunge möglicherweise Amegs Haarschopf für so eine Tätigkeit als perfekt geeignet ansieht.

"Aber der andere Aufgang dürfte frei sein. Du mußt nur einmal kurz allein dort hinten entlang durch's Dunkle. Sonst mußt du eben hier warten bis die Matrosen mit ihrer Arbeit fertig sind, wenn du dich nicht allein traust", fügt ALRIK noch mit einem fiesen Grinsen hinzu.

Da bliebe jetzt eigentlich nur noch die Frage, wann Efferdan hier gedenkt fertig zu werden, denn noch steht der blonde Matrose auf der Treppe als hätte er dort Wurzeln geschlagen und guckt dabei nur verschreckt Löcher in die Luft. Na, das ist wieder typisch Efferdan. Aber so langsam müßte er sich doch auch mal an den rauhen Ton, der hier bisweilen an Bord herrscht, gewöhnt haben. Aber bei manchen dauert das halt länger und bei einigen wenigen wird das halt nie was. Aber sagte Efferdan nicht eben, daß Wasuren auch mit beschäftigt sei. Das läßt dann ja doch wieder Hoffnung aufkommen, daß das hier bald zackig weiter geht.

"Ho, Wassy! Bist du's dort oben? Hier ist frei, aber ich weiß nicht wie lang noch. Mach halt hin, desto eher sind wir an Land," ruft ALRIK nach oben. Während dessen wird auch noch der arme Efferdan mit einem tadelnden Blick bedacht.



Mit einem Anflug von Genugtuung nimmt ALRIK zur Kenntnis, daß sein hochnäsiger, tadelnder Blick wenigstens bei Efferdan Wirkung zeigt.

Vielleicht wird es dann ja wirklich noch was mit dem Landgang. Hauptsache Wasuren kommt mit. Immerhin hat ALRIK noch ein Goldstück zu verprassen und da ist doch eine lustige Gesellschaft eher willkommen als der zurückhaltende, scheue Efferdan. Außerdem juckt es ALRIK förmlich in den Fingern, Wasuren noch ein wenig mit dem geheimnisvollen Stelldichein mit der ominösen Unbekannten nach Fianas Tsatag ein wenig aufzuziehen.

Dann fällt ALRIKs Blick wieder auf den frechen Knaben vor ihm und seine spontane Vorfreude auf einen gemütlichen Abend wird wieder spürbar getrübt.

'Rotzbengel... warte mal ab bis morgen.... das klären wir dann schon...'



NORDSTERN - Unterdeck: Torin geht zur Seite


Torin beobachtet die Szenerie am hinteren Niedergang gespannt. Noch immer brennt er darauf, zu erfahren, was sein Mündel als Reaktion auf die herausfordernden Worte des Schiffsjungen entgegnen wird.

Doch noch während er auf Amegs Antwort wartet, schallt ein Ruf vom Oberdeck herab. Torin versucht zu erkennen, wer da ruft, doch die hölzerne Decke des Schiffes versperrt ihm den Weg. Und doch reagiert er auf diese gerufene Bitte beinahe sofort. Er löst sich vom Türrahmen und tritt zurück in die Gemeinschaftskabine.

'Dort ist am meisten Platz und ich behindere niemanden.'

Dort stellt er den alten Rucksack vor 'seine' Koje und setzt sich hinein.

'Das Gedränge da draußen dauert hoffentlich nicht mehr lange. Und dann können wir noch immer von Bord gehen.'

Er blickt hinüber zur Tür, an der noch immer die junge Druidin steht. Der schwarze Umhang, den sie trägt, kaschiert nun einen Großteil ihrer weiblichen Form, doch selbst ihr braunes Haar scheint im Schein der Öllampe zu glänzen. Falten bilden sich auf seiner Stirn als er seine Hand zum Kinn führt und durch seinen Kinnbart streicht.

'Hmmm.'



NORDSTERN - Unterdeck: ALRIK und Ameg im Streit


Ameg schafft es nach einer Weile seinen, vor Erstaunen geöffneten Mund zu schließen. Eigentlich hatte er irgendwie mit einer etwas anders gearteten Reaktion gerechnet, aber vielleicht hatte er auch zu viel Zeit auf den Straßen Thorwals verbracht. Jedenfalls war die Reaktion des Schiffsjungen bis auf ein wenig Beleidigung und Schärfe in der Stimme ziemlich flach ausgefallen. So dachte jedenfalls Ameg. Was der Schiffsjunge wirklich dachte konnte Ameg natürlich nicht ahnen.

Nachdem Ameg es also geschafft hat seinen Mund zu schließen schaut er den Niedergang hoch und ärgert sich, daß der Schiffsjunge offensichtlich auch noch Recht hat und da wirklich kein Durchkommen ist. Aber es gab ja noch einen netten anderen Ausweg um keine echte Niederlage einstecken zu müssen...

'hmm.. ich kann nicht so einfach hier aufgeben. Er hat zwar recht schwach geantwortet, aber eine Herausforderung war auch darin. Er meinte ich habe Angst vor der Dunkelheit... ha... kein Stück'

Ameg schaut in die tiefere Dunkelheit des Unterdecks.

'Wenn doch da nur Sterne leuchten würden... oder das Licht aus Häusern... dann wäre es nicht sooo dunkel da... wer weiß was sich da jetzt rum treibt.... vielleicht liegen da ein paar Besoffene Mannschaftsmitglieder herum und warten nur darauf mal wieder ihre Waffen auszuprobieren, nachdem wir keinen Piraten begegnet sind.. oder diese Katze frißt mich..... QUATSCH... die Katze ist klein und süß... ich habe keine Angst!'

"pfff", macht Ameg und meint dann, " i' hab' keine Angst vor der Dunk'lheid un' so lang' wart'n bis ihr hier durch seid tu' ich auch nich'"

Und so macht Ameg sich auf den Weg in die tieferen Tiefen der dunkleren Dunkelheit... unten.. im Unterdeck des im Hafen liegenden Schiffes, aber nicht ohne vorher noch leise

"Langweiler" zu murmeln als er an Alrik vorbei geht.



"Kojenpupser", lautet ALRIKS Antwort an Ameg, denn irgendwie paßt es dem Schiffsjungen doch nicht so recht, dem kleineren Jungen das letzte Wort zu überlassen.

Dann plötzlich herrscht oben eine gewisse Unruhe und zudem ist auch noch die Rede von Verletzten. Was mag da wohl vorgefallen sein? Hoffentlich ist den Matrosen auf dem fremden Schiff nichts zugestoßen, hofft der Schiffsjunge und springt seinerseits schell zur Seite und gibt den Weg zu den Kabinen somit weitestgehend frei.



"Schiffsratte", zischt Ameg zurück als er sich in der Schummrigkeit des Unterdecks langsam von der Schiffsratte.. ehmm.. dem Schiffsjungen entfernt.

Weiter und weiter setzt er vorsichtig einen Fuß vor den anderen, wobei er das Unterdeck schräg durchquert, weil er einerseits schnell zum vorderen Aufgang will, andererseits aber auch nicht unbedingt den Niedergang in der Nähe hinunter fallen will.

Die Strecke kommt ihm wie eine Ewigkeit vor... endlos setzt er einen Fuß vor den anderen. Er hat das Gefühl sich immer weiter und weiter zu entfernen und schon irgendwo außerhalb des Schiffes zu sein.. ja.. eigentlich schon irgendwo in Havena oder so... werden nicht selbst die Geräusche immer leiser? .. und die Dunkelheit immer dunkler? ... Ewigkeiten vergehen.. bis schließlich:

*TOCK* ..

"aua!"



NORDSTERN - Oberdeck: Ungeduld


So schnell kann der Druide dann doch nicht folgen. Schwer atmend betritt er das Oberdeck der NORDSTERN, Schweißtropfen rinnen die Stirn herab und dunkle Augenringe verraten dem geübten Beobachter, daß die Rettungsaktion auf der ZYKLOPENAUGE nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist.

Er läßt seinen Blick an den verschiedenen Personen auf dem Oberdeck vorbei gleiten auf der Suche nach dem Seemann mit dem Mädchen und dem Zauberer. Schließlich sieht er, wie sie gerade auf den hinteren Niedergang zusteuern. Fargus nimmt erneut die Verfolgung auf, allerdings nun mit deutlich gedrosselter Geschwindigkeit.

'Auf ein paar Sekunden wird es gerade jetzt wohl nicht ankommen' denkt er bei sich.



Für wenige Momente erwärmt den alten Schiffszimmermann wirklich noch eine kleine Glut Verständnis dafür, daß der Niedergang blockiert erscheint, doch als sich, trotz der Intervention des Herren Durenald nichts bewegen will, dort am Niedergang, wird er dann doch ungeduldigt. Und mit dieser Ungeduld kommt ein gehöriger Teil Unmut in seine Befinden. Und mit diesem steigenden Unmut wird er merklich zorniger. Und Zorn kann Ole nicht lange für sich behalten, ohne ihn mitteilen zu müssen:

"AUGENBLICKLICH IST DER WEG FREI ODER ICH WERDE OHNE RÜCKSICHT MEINEN WEG

GEHEN !!"

Es könnte gut möglich sein, daß man Ole auch noch in Festum gut verstanden haben könnte, laut genug hätte er jedenfalls gesprochen. Es scheint ihm sehr ernst zu sein. Dennoch stürmt er nicht vorwärts, wie man das hätte erwarten können, nach seiner aggressiven Ankündigung, sondern er bleibt stehen, ruhig und gelassen, verdächtig ruhig und gelassen, wendet sich zu Herrn Darian und fragt mit zurückhaltender Stimme:

"Wollt ihr vorangehen oder soll ich erst Platz machen?"



Aufgrund des Menschenauflaufs scheinen die beiden Mitstreiter gerade nicht voran zu kommen, so daß der Druide kurze Zeit später bereits wieder zu ihnen aufgeschlossen hat. Auf halbem Weg vernimmt er noch die Worte des Seemanns, der sichtlich verärgert zu sein scheint, daß ihm keine Gasse frei gemacht wird. Schließlich erreicht er die beiden, nachdem er zwischenzeitlich auch wieder seine Laufgeschwindigkeit erhöht hatte.

"Hört ihr denn nicht, macht Platz für die Verletzte" ruft er aus.



Auch Darian hatte mit wachsender Ungeduld den immer noch blockierten Niedergang beobachtet, als der Schiffszimmermann zu ihm aufschlieszt und lautstark sein Wegrecht einfordert.

"Laszt mich am besten vorangehen, sonst steht Ihr vor verschloszener Tuer," antwortet er Ole. Aus den Augenwinkeln nimmt der Adeptus wahr, dasz Trolske zurück an Bord gekommen ist und offensichtlich einen Heiler mitgebracht hat. Daß sich im Niedergang noch immer nichts tut, bestätigt er noch einmal seine und Oles Worte, zwar nicht ganz so laut, wie der Graue Riese, doch schon sehr ungehalten für einen hesindegefälligen Magier:

"Wir haben hier eine Verletzte, nun gebt endlich den Weg frei!"



Efferdan steht immer noch auf der Leiter und blinzelt nach oben, wartet, bis Wasuren ihm die Trosse reicht.

Da hört er plötzlich den Tumult, der oben auf dem Deck entsteht.

`Was ist das los? Warum? Sie sehen doch, daß... Verletzte? Wer? Wo? Warum?`

Efferdans Augen weiten sich

`Was jetzt. äh`

Efferdan blinzelt nach oben, dann nach unten.

`Vielleicht gehe ich... mal runter...`

"Äh Wasuren, wart mal, ich gehe mal..."

klingt Efferdans helle Stimme den Aufgang hoch. Dann beginnt Efferdan wieder hinunterzusteigen..



SALZERHAVEN - Am Pier: Trolske und der Heiler


Als Trolske merkt, dasz der Heiler noch immer Mühe hat seinen Schritten zu folgen, verlangsamt er sein Tempo noch mehr. Seine Laufgeschwindigkeit erinnert jetzt schon eher an gemütliches Schlendern zur Taverne auf Landgang, als an die Erledigung eines wichtigen Auftrags. Aber es ist ja nicht mehr weit.

"Es ist nicht mehr weit, die zweimastige Karavelle dort hinten ist es," teilt er dem Heiler mit.

Erleichtert stellt Ulfried fest, dasz der Matrose doch noch Erbamen mit einem alten Mann zeigt. Als Trolske ihn anspricht wird er nicht nur der NORDSTERN, sondern auch der ZYKLOPENAUGE gewahr, deren Bug man nun bald erreicht haben wird.

"Was," ... schnauf ...,"ist denn mit dem anderen Schiff passiert?" fragt er daraufhin.



"Das wurde von Piraten aufgebracht und wir habens später in Schlepp genommen. Die junge Frau war auch auf dem Schiff deshalb braucht sie ja Eure Hilfe."

Trolske setzt seinen Weg Richtung NORDSTERN unbeirrt fort, während er dem Heiler antwortet. Wenn dieser unbedingt genaueres wissen will, kann er ja später noch den zweiten Offizier fragen.

Ulfried bestätigt die Worte des Matrosen nur mit einem kurzen "Aha", das von einem Nicken begleitet wird. Schlieszlich haben die beiden Männer die Planke der NORDSTERN erreicht.



Als Trolske und der Heiler die Planke erreichen, ist der Andrang dort soweit vorbei, dasz der Matrose nicht lange warten musz, um seinen Weg zum Oberdeck der NORDSTERN anzutreten. Mit wenigen flotten Schritten hat er das schmale Brett überquert.

Ulfried tut sich da schon etwas schwerer, zwar hat er einen Groszteil seines Lebens in der Hafenstadt verbracht, doch dasz er selbst ein Schiff betreten hätte, das kam dann doch eher selten vor. Schwankend und leise vor sich hin fluchend kommt er jedoch auch trockenen Fuszes auf der NORDSTERN an.

Trolske sieht sich kurz um, dort steht Ole ja noch, zwischen Planke und hinterem Niedergang.

´Warum geht er denn nicht weiter? Der Magier scheint ja auch noch auf etwas zu warten.´

Wie dem auch sei:

"Da vorne ist die junge Frau," deutet er dem Heiler.



NORDSTERN - Oberdeck: Sigrun und Nirka


Die Bootsfrau der NORDSTERN steht etwas abseits von all dem Gedränge, das sich auf dem Oberdeck und insbesondere an der Planke gebildet hat. Es zuckt ihr in der Zunge, mit einigen lauten Worten dem Transport der Verletzten den nötigen Platz zu verschaffen, aber das Problem hat sich ja schon fast von selbst gelöst, während es eine Reihe anderer Probleme gibt, um die sie sich wohl kümmern muß.

Da ist zum einen das Beiboot der NORDSTERN, das immer noch am Heck der ZYKLOPENAUGE festgemacht ist, und zwischen den beiden Schiffen liegt. Es wird nicht einfach sein, das nasse und schwere Fahrzeug wieder auf das Deck der NORDSTERN zu befördern, doch hier im Hafen ist diese Arbeit wohl weitaus einfacher, als sie das auf hoher See wäre.

Und dann gibt es weiterhin das Problem mit der Rudermaschine, das nun endlich gelöst werden muß - allerdings wohl leider nicht mehr an diesem Abend, denn die Schiffbauer der Werften Salzerhavens werden schon längst Feierabend gemacht haben und in einer der Hafenschenken sitzen. Dies wird dann wohl die allererste Arbeit des nächsten Morgens werden...



Erst die eine und dann die andere Hand finden den Weg zu den Augen, über die sie langsam zu reiben beginnen. Ein herzhaftes Gähnen unterstützt diese Tätigkeit, bis sich Sigrun plötzlich schwungvoll aufrichtet und die Augen aufschlägt. Ob der Tag schon vorüber ist? Es fällt Sigrun immer wieder schwer, sich an die Bedingungen des Nachtdienstes anzupassen und sie entwickelt einfach kein Gefühl dafür, wie lange sie über Tag schläft.

'Na, macht nichts! Schließlich muß ich heute nacht nicht wieder arbeiten, endlich hat es damit ein Ende.'

Diesmal hatte es Sigrun aber auch wirklich hart getroffen: die ganze Strecke seit Thorwal hatte Jergan sie zum Nachtdienst eingeteilt, so daß sie kaum eine Möglichkeit hatte, die neuen Matrosen und Mitreisenden kennenzulernen und auch Nirka hatte sie nur von weitem gesehen.

Entschlossen schwingt sie sich aus dem Bett, fährt einmal mit den Fingern durch das Haar und macht sich auf den Weg zum Oberdeck. Dort angekommen, sieht sie, daß sich der Tag wirklich schon seinem Ende zuneigt. Ein leiser Fluch droht ihr zu entschlüpfen, doch da gleitet ein plötzliches Grinsen über ihr Gesicht. Da vorne sitzt ja Nirka! Und sie sieht aus, als hätte sie sogar ein wenig Zeit!

Zielstrebig steuert Sigrun auf die Freundin zu, die Umgebung und die vielen anwesenden Menschen, die ja eh im Halbdunkel schwer zu erkennen sind, kaum beachtend. Lächelnd blickt sie auf Nirka herunter, als sie fragt:

"Na, wie war der Tag?"



Die Gedanken der Bootsfrau folgen weiter den Kreisen, die sie in den letzten Augenblicken gefolgt sind, als eine sehr vertraute Stimme, die Nirka ungeachtet all des Lärms und des Geredes der anderen auf dem Oberdeck sofort identifiziert, sie anspricht. Ein strahlendes Lächeln huscht über die Gesichtszüge der Bootsfrau, als sie auf dem Gehäuse der Winde etwas zur Seite rutscht, und damit genug Platz für Sigrun macht.

'Zumindest kurz scheint Salzerhaven uns ja doch Gelegenheit zu geben...', huscht durch ihre Gedanken.

"Der Tag?" Sie muß ganz kurz nachdenken. Der Tag war LANG, sehr LANG. Sigrun hat sie nur früh ganz kurz erblickt, als sie auf das Deck gekommen ist, und die andere es betreten hat. Und danach... da ist dann SOVIEL passiert.

"Er war anstrengend, spannend, aufregend, eigentlich all dieses. Immerhin waren wir scheinbar leise genug, um deinen Schlaf nicht zu stören, aber den hattest du ja auch redlich verdient."

Nirkas Stimme hat wieder diese Wärme, die man bei der Bootsfrau eigentlich kaum kennt, und die sie auch kaum jemanden anderen als Sigrun gegenüber benutzt. Gut, Sylvhar, der Elf, hat von ihr in den letzten Tagen auch ab und zu mal Worte in dieser Wärme zu hören bekommen, wenn Sigrun oder sie ihm menschliches Verhalten erklärt haben, aber alle anderen kennen nur die harte und kalte Stimme der Bootsfrau.

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", fährt sie dann fort. "Vielleicht damit, daß wir in den letzten Stunden ein Wrack hierher in den Hafen geschleppt haben, das wir unterwegs aufgefunden haben - wohl kurz nachdem Piraten ihr scheußliches Werk beendet haben."

Sie zeigt dabei nach vorne, wo vor dem Bugspriet der NORDSTERN das Wrack der ZYKLOPENAUGE im Halbdunkel zu erkennen ist - das Wrack ohne Masten, mit zerstörten Aufbauten, und tief im Wasser liegend. Und den beiden Gestalten, die von hier aus deutlich auf Deck zu sehen sind - einer davon der zweite Offizier Lowanger.



NORDSTERN - Oberdeck: Alrik Fuxfell und Herr di Vespasio


Verwundert blickt Alrik seiner Schwester nach, dann wendet er sich an den Comte.

" Ich werde jetzt nach Salza gehen, aber allein loszuziehen ist doch etwas langweilig. was sagt ihr wollt ihr Euch vielleicht auf der suche nach einem guten Gasthaus anschließen? Allmählich bin ich es leid in den Schlaf gewiegt zu werden. Mein Körper und mein Geist sehnen sich nach einem festen Bett. Und nicht zu vergessen einem schönen Glas Wein."

Der Magus deutet eine leichte Verbeugung an und schaut seinen Gegenüber erwartungsvoll an.



Di Vespasio erwidert zunächst die leichte Verbeugung mit eben einer solchen.

"Und mein Gaumen sehnt sich nach einem wirklich guten Essen, eines das nicht in einem Topf gekocht wurde, möglicherweise gar etwas Gebratenes. Dazu eine Eispeise. Eine cremige Sahnesauce. Lamm, ja Lamm wäre gut. Ach, mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Natürlich begleite ich euch, wenn solcher Gewinn wartet. Laßt uns schnell aufbrechen."

Während er noch mit der linken den Stock festhält, überläßt er mit einer eleganten Geste der rechten Alrik den Vortritt. Seine Gedanken sind eh schon weit voraus, bei dem nächsten Thema, an dem er Freude gefunden hat.

"Sagt, als in der Illusionsmagie Kundiger, habt ihr euch doch sicherlich auch mit Optik beschäftigt, oder?"


"Optik war nämlich immer eines meiner besonderen Steckenpferde, und da habe ich mich gefragt, ob ihr möglicherweise auch das Werk von Sumpitzcka gelesen habt. Er schreibt, daß Licht ..."

Über dieses und andere Themen diskutieren die beiden edlen Herren und verlassen völlig in ihre Unterhaltung vertieft das Schiff. Die Menschen vor der NORDSTERN sehen, daß die beiden nicht gestört werden möchten und machen schnell Platz. Da beide es nicht eilig haben und der etwas windige, aber dennoch laue Abend zum Flanieren einlädt, schlagen sie ein lässiges Spaziergängertempo an, das die Diskussion erleichtert.

Am Pier angekommen wenden sich die Gelehrten zunächst nach rechts und bewegen sich auf demselben voran, dorthin, wo der Hauptteil der Stadt zu warten scheint. Das Gehen in der Dämmerung ist nicht ganz so einfach, zumal da bei einem Fehltritt gleich rechts das Meer dunkel und schmatzend auf einen leckeren Bissen wartet.

Das Pflaster des Piers ist jedoch gut und recht frei von Löchern. Überhaupt macht ganz Salzerhaven einen guten, gepflegten Eindruck, was auch daran liegen mag, daß die Stadt eine gerade mal hundert Jahre junge Tochter von Salza ist.

So sind die Seemannsspelunken, die in diesem Teil des Hafens zwischen die Kontore und Warenlager gedrängt am Pier stehen, nicht ganz so baufällig wie ihre Pendants in anderen Hafenstädten. Aber das Gegröhle, das aus den offenen Türen dringt, kann das Ohr eines wohlgelehrten Herren nur beleidigen und ein kurzer Blick durch die hell erleuchteten Fenster eines Etablissements wie 'Die betrunkene Möwe' oder 'Zum offenen Faß' läßt jeden Adeligen ahnen, daß er hier falsch ist.

Da fügt es sich gut, daß nur ein Stückchen weiter ein kleinerer Platz die Häuserfront durchbricht. Die auf der einen Seite zum Meer hin offene Freifläche mag tagsüber als Marktplatz genutzt werden, jetzt liegt sie leer und dunkel da. Auf den anderen drei Seiten wird sie von mehrgeschossigen Steinhäusern umgrenzt. Schon die noble Architektur zeugt vom Reichtum der Hauseigner, da ist es nicht notwendig 'vom Berg', 'Stoerrebrandt' oder 'Liegerfeld' auf den Türbalken zu entziffern.

Beherrscht wird der Platz jedoch von dem auf der gegenüberliegenden Seite dreistöckig emporragendem Gebäude. Die Front wird von fünf Lampen erhellt, die einen prächtigen, reich verzierten Bau aus der Dunkelheit erheben, der sich auch in Kuslik oder Gareth nicht zu verstecken bräuchte.

Der Stil mag Neu-Garethisch sein, jedoch mit einigen lokalen Einflüssen. Die verwendeten Materialen müssen von weit her zusammengetragen worden sein. Die rötlichen Farben geben ihm im Kontrast mit dem grauen Naturstein ein sehr anziehendes Aussehen. Sogar am Blumenschmuck der Fenster hat man nicht gespart. Kein Traviatempel könnte einladender sein. Das beste ist jedoch, daß ein großes goldfarbenes Schild mit der Aufschrift 'Der neue Admiral' das Haus eindeutig als ein Gasthaus ausmacht. Mehr als nur ein Gasthaus, das erste Haus am Platz.

"... weshalb die Tulamiden wohl auch warmen Sand nehmen, andererseits haben sie vermutlich einfach zuviel davon. Aber, wohlgelehrter Herr Fuxfell, was haltet ihr davon, wenn wir bei jenem gastlichen Haus dort vorne einkehren."



Gerade noch mit den Gedanken in der Wüste und in den Anwendungsmöglichkeiten des Sandes verstrickt, sieht sich Alrik plötzlich einem prächtigen Gasthaus gegenüber.

Sofort verschwinden alle Gesprächsstoffe aus seinen Gedanken und vor seinem inneren Auge entsteht der Anblick eines herrlich weichen Bettes, ganz in blau, mit seidenen Laken und einem beruhigenden hellblauen Himmel.

Ohne auch nur eine Sekunde auf den verblüfften Comte zu achten, läßt er diesen einfach stehen und betritt das Gasthaus.



In SALZERHAVEN - Pier: Meergrün und NORDSTERN


Nachdem Meergrün sich an dem Beiboot der NORDSTERN satt gesehen hat, geht er weiter den Anleger entlang und gelangt so zu dem vorderen Poller, an dem die NORDSTERN befestigt ist. Er springt behende auf den Pfahl und wirft einen ersten Blick auf das Schiff.


es iist das schiiff

das meiin aug griiff


und zog biis hiier

siie siicher ruht


eiin guter zug

das macht miir mut


so wiill iich denn

diies schiiff besehn.


Der kleine Klabauter springt von dem Poller direkt auf das Tau, mit dem die NORDSTERN befestigt ist. Das Tau gibt unter seinem geringen Gewicht nur unmerklich nach, so daß wohl niemandem auffällt, daß hier jemand neben der Planke einen zweiten Weg auf das Schiff gefunden hat. Einen Weg zumindest für die, die mühelos darauf balancieren können.


wiie sprach diie Ma

zum miir als kiind


sieben ding das merke dir

sucht ein klug klabautermann

an schiffen fein für sein heim


dii dum tii dum

wiie giing das noch


ram pum pa dum

auf segelloch



Meergrün konnte sich endlich an den ersten Vers der Lehrweise seiner Mutter erinnern und hat sich zum Lager für die Segel aufgemacht. Dort steht er nun von den verschiedenen gerollten und gefalteten Segeln und Ersatzsegeln und überlegt was zu tun ist.


das segel sauber gelegt

ohne loch und ungesplißt


Die Segel sind so etwas wie die Kleider des Schiffes. Und ein stolzes Schiff kann sich da keine Flecken, Knitterfalten oder gar Löcher leisten. Wenn die Seeleute erst anfangen das Segel wie einen Putzlappen zu behandeln, ist der Ruf schnell ruiniert. Und das hat Meergrün nicht vor mit seinem Schiff geschehen zu lassen.

Er zupft sich am Schnurrbart und macht sich daran, seine Prüfung gewissenhaft durchzuführen. Schließlich hat er vor, ein ordentliches Schiff zu übernehmen. Die Pflichten eines Klabauters sind keinesfalls leicht, da heißt es mit gebotener Gründlichkeit vorzugehen.

Zunächst fährt er mal mit der Hand die Falten des Großsegels ab und schaut, ob diese ordentlich aufeinandergelegt sind.


eiin fiinger breiit

niicht ganz genau


das kann so seiin

da sag iich niichts


Die nächste Aufgabe ist schon etwas schwieriger, denn um den Vorsaum zu untersuchen muß das Segel etwas aufgefaltet werden. Meergrün legt den Zeigefinger auf einen Knoten, worauf sich dieser von selbst öffnet und das Segel freigibt. Nun ist nur noch ein kräftiger Stoß mit Fuß notwendig und die Naht liegt auf einem genügend langen Stück frei.


eiin fester stiich

ganz ohne fehl


das lob iich mir

da sag iich niix


Nun folgt der schwerste Teil, Meergrün muß das Segeltuch selbst prüfen. Das geht natürlich nur, wenn man das gute Stück ein wenig weiter auf faltet, was für ein Wesen seinen Größe ein gehöriges Stück Arbeit ist. Doch er beklagt sich nicht, reibt hier und da an dem Stoff, wo er zunächst einen Flecken vermutet, zieht kritisch an den Reffbändseln und kriecht schließlich sogar unter das Segel, um die andere Seite gründlich zu untersuchen.


das segeltuch

iist eiinwandfreii


eiin schönes stück

das nenn iich feiin


Zufrieden blickt Meergrün auf sein bisheriges Werk und denkt bei sich, daß ihm das Schiff zu gefallen beginnt, zumindest sind die Matrosen ordentliche und gewissenhafte Leute. Aber es gibt ja noch sechs andere Dinge zu überprüfen, bevor er ein endgültiges Urteil abgeben kann.


diie nächste tat

wartet niicht lang


auf hohen höhn

iist miir niicht bang


Und schon springt Meergrün auf zu neuen Orten und verläßt die Segellast nicht ganz so ordentlich wie er sie vorgefunden hat.



NORDSTERN - Brücke: Der aufdringliche Zwerg


Die Worte, die Fiana an Anman richtet, beschwichtigen ihn nur wegen des Klangs ihrer Stimme. Seine Gedanken sind in Wirklichkeit dabei, einen oder besser mehrere Wege zu finden, daß Gespräch mit der Ersten Offizierin in die Länge zu ziehen. Ihre sonnengebräunte Haut, ihre smaragdgrünen Augen und das Lächeln, das um ihre weichen Lippen spielt, haben Anman zumindest zeitweilig in ihren Bann gezogen.

´Ich denke, das wird eine amüsante Fahrt, Anman.´, frohlocken seine Gedanken.

Ohne zu antworten, hält er zum zweiten Mal im Verlaufe dieses Gespräches ihrem Blick stand. Auch diesmal dauert dieser Augenblick zu lange, um bedeutungslos verronnen zu sein. Zaghaft lächelt er, und wendet seinen Blick wieder Richtung Kai.

"Nun gut. So wollen wir denn hoffen, daß EFFerd dieses Schiff und all die Reisenden auf ihm auch weiterhin beschützt, werte Fiana.", spricht er endlich weiter.

"Aber nun verzeiht meinem neuen Freund seine Ungeduld : Hier kommt Alberik, Sohn des Angosch.", deutet er mit seiner Linken in Richtung des heran stampfenden Zwerges,"Und wir dürfen gespannt sein, was er uns zu sagen hat."

Dabei zwinkert er mit fröhlich mit einem Auge und lächelt.



"Alberik, Sohn des Atosch," korrigiert eben dieser den Händler. Bei den letzten Schritten konnte er einen Teil des Gespräches zwischen ihm und der Matrosin, von der er gerade neugierig betrachtet wird, mitbekommen, in dem es offenbar um Piraten ging.

Freundlich lächelt er zu Anman hoch.

"Ich hoffe, ich störe nicht."

'Vermutlich schon.'

Sein Lächeln wird noch etwas breiter.

"Du errätst nie, wen ich gerade eben getroffen habe. Erinnerst Du Dich noch an den Namen des Helden, den die Leute da unten am Kai erwarten? Jarun hieß er. Und was meinst Du, wen ich gerade unten an der Planke getroffen habe, und wer auch noch ein Bekannter von mir ist!"

Für einen kurzen Moment schweigt Alberik, doch für eine mögliche Antwort, die der Zwerg auch eigentlich gar nicht erwartet, ist diese Pause zu kurz.

"Genau diesen Jarun, den ich schon damals in Greifenfurt als Kampfgefährten neben mir hatte, als die Schwarzpelze die Stadt monatelang belagert haben."

Dabei lächelt er Anman weiterhin an, als ob etwas von dem Ruhm, den Jarun hier geerntet hat, auf ihn abfärben würde. Natürlich ist er selber bekannt genug, zumindest unter den Zwergen und Söldnern, aber vielleicht zeigt diese Bekanntschaft ja dem Händler, daß er, Alberik, Sohn des Atosch, tatsächlich ein bekannter Kämpfer ist, der auch manche Berühmtheit kennt.



Für einen Wimpernschlag verliert sich Fianas Blick in Anmans funkelnden Augen,

doch dann antwortet sie.

"Ja, mögen EFFerd und die anderen Elf diese Schiff schützen", erwidert Fiana und blickt dann in Richtung des ankommenden Zwerges.

Als dieser ihr vorgestellt wird nickt sie anerkennend und spricht dann selbst

"Angenehm, ich bin Fiana Ohldotter, die erste Offizierin hier an Bord."

Höflich wartet sie was Alberik erwidert.



"Nein ?", fragt Anman fröhlich und schaut in Richtung der Planke. Eine Gruppe von drei Menschen scheint dort in ein Gespräch vertieft zu sein. Sein Blick wandert zurück zu Fiana, um kurz in das funkelnde Licht ihrer Augen zu schauen, dann wendet sich Anman wieder zu dem Zwerg.

"Ist dem so ?", fährt Anman fort. Sein Blick wandert zurück zur Ersten Offizierin, um kurz in den smaragdgrünen, klaren Tiefen Fiana´s Augen zu verweilen.

´Gepriesen seit Ihr, Feen der Liebe,´,dankt er seinen Göttern in Gedanken,´dafür, daß Ihr meine Pfade in Richtung dieses Schiffes und seiner Ersten Offizierin lenkt. GEPRIESEN SEIT IHR !´

"Groß ist Euer Ruhm, Alberik Sohn des Atosch und vielfach ist der Hall Eurer Taten.", wendet sich Anman sodann wieder an Alberik, der voller Stolz seiner Antwort harrt,"Ich hoffe ebenso groß ist Euer Durst, mein heldenhafter Freund. Laßt uns feiern, laßt uns den Tag dieser Begegnung preisen !"

Fast ruft er den letzten Satz und hebt dabei die Hände gen Himmel. Seine Augen sind wieder bei Fiana, und mit einem Zwinkern und einem Lächeln hofft er, ihr die wahre Bedeutung seiner Rede zu verdeutlichen.



Die Worte des Händlers sprechen das an, was Alberik gefällt. Egal was Anman feiern will, Alberik könnte jetzt mal ein Bier gebrauchen, denn sein Durst ist seit einiger Zeit stetig gewachsen. Das Bier wird zwar nicht so schmecken, wie in den Bergkönigreichen seines eigenen Volkes, aber dafür wird es auch billig sein.

Bei dem Gedanken an Bier legt er seine linke Hand auf seinen Bauch.

"Ein Bierchen wäre jetzt genau das richtige für mich. Wir könnten ja zusammen eine Wirtschaft suchen, ich, Du und die Offizierin. Jarun wird sich uns bestimmt anschließen. Und bei dem ein oder anderen Becher könnten wir beide euch dann ein wenig von unseren Taten in Greifenfurt erzählen, als wir den Orks ordentlich ihre Pelze über die Köpfe gezogen haben."

"Und ihr," dabei wendet er sich Anmans neuer Bekanntschaft, der Offizierin zu, "könntet uns noch ein wenig über die Gefahren der Seefahrt aufklären."

Alberik schaut hinüber zur Planke, an der Jarun immer noch auf ihn wartet. Auch dieser befindet sich im Gespräch mit zwei anderen Menschen, dem Mann, der ihm vorhin auf der Treppe entgegengekommen ist, und eine Frau mit langen schwarzen Haaren und viel zu weiten Sachen.

"Wenn ihr noch etwas zu besprechen habt, könnt ihr das gerne noch tun. Ich werde schon einmal vorgehen, um Jarun von unserem Vorhaben zu berichten. Wir treffen uns dort unten bei der Planke oder auf dem Pier."

Mit diesen Worten wendet sich der Zwerg zum gehen.



Während der Zwerg munter antwortet, wandert Anmans Blick über das Schiff und den Hafen. Obwohl die Nacht naht, bleibt die Luft warm und angenehm. Selbst der Wind, der von der See her weht, ist um diese Jahreszeit angenehm und duftet frisch nach Salz und Meer. Ein Blick in den Himmel zeigt Anman, daß in der Nacht die Sterne funkeln werden, nur einige wenige Wolken ziehen am Horizont über das Meer. Das Hafenbacken liegt, ins warme Licht der Fackeln getaucht, friedlich vor ihm und auch die Menschen auf dem Kai scheinen wieder froheren Mutes. Fast vergessen könnte man in diesem Augenblick das benachbarte Todesschiff.

"Verzeiht meinen Übermut, Erste Offizierin, ich vergaß für einen Augenblick den Ernst Eurer Situation.", wendet sich Anman an Fiana, nachdem der Zwerg zu Ende gesprochen hat und deutet dabei in Richtung der ZYKLOPENAUGE.

"Aber es wäre mir trotzdem eine große Ehre, solltet Ihr in der Lage sein, unserer Einladung zu folgen, werte Fiana.", fährt er nach einer kurzen Pause fort.

"Wir sehen uns, Alberik.", ruft er sodann dem Zwerg hinterher, wendet seinen Blick jedoch gleich wieder auf Fiana in Erwartung einer Antwort.



Fiana antwortet so, das die Antwort sowohl an Anman als auch Alberik gerichtet ist.

"Sehr gerne würde ich eurer Einladung folgen, doch muß ich zunächst mit dem Kapitän abklären ob noch dringliche Dinge, die das Schiff betreffen, anliegen".

"Wenn ihr also einen Moment warten wollt, oder vielleicht in der Zwischenzeit euere Schlafstätte in Augenschein nehmen wollt, kann ich derweilen mit dem Kapitän sprechen"

...endet Fiana weiterhin lächelnd



In SALZERHAVEN - Taverne 'Neuer Admiral': Die schöne Kellnerin


Berine ist schön.

Berine ist nicht nur einfach schön, schön wie die Dorfschönheit oder schön nur in den Augen eines verliebten Jungen. Nicht schön mit dem Anflug einer schon im nächsten Frühling vergangenen Schönheit. Nicht lediglich perfekt oder makellos oder ein Abbild von Idealen; hierin liegt nur für den simplen Geist Schönheit.

Es reicht auch nicht zu sagen, ihr Haar habe diese oder jene schwer zu beschreibende Farbe, ihre Augen wären grün oder sie würde aufrecht, schlank und anmutig dahin gleiten, auf Füßen so zart wie ... Blütenknospen der einen oder anderen Blume. Gut, es würde wohl für den Moment stimmen, aber im nächsten würde alles verblassen gegen ihre glockenhelle Stimme oder ihr Lächeln, nur um dann der nächsten, aufregenden, bezaubernden Facette ihrer wandelbaren Schönheit Platz machen zu müssen.

Berine ist wie eine Prinzessin aus den Geschichten. Ein Wesen göttlicher Schönheit, so daß einige bereits über die Identität des Vaters Vermutungen anstellten, auch wenn ihre Mutter beteuerte, es sei ein Seemann gewesen, wenn auch ein Offizier, jedoch nicht so anständig, daß er zurückgekommen wäre.

Dennoch ist Berine nicht glücklich. Den Berine ist Schankmagd. Nicht Prinzessin, sondern eine Kellnerin. Zwar zahlt der 'Neue Admiral' besser als die Spelunken am Hafenpier, aber das bessert ihre Stimmung nicht. Denn das bißchen Geld, das sie hier verdient, wird ihr nicht helfen, sich ihre ehrgeizigen Wünsche zu erfüllen, Wünsche, für die man viel Geld braucht.

Mehr Geld als ihre Bewunderer ihr bisher versprechen konnten, mehr Geld als die reichen Kaufleute in Salza hatten, von den armen Dichtern und Schönlingen gar nicht zu reden. Deshalb steht die schöne Berine im 'Neuen Admiral' hinter dem Tresen und wartet auf die Gelegenheit, ihre Schönheit für viel Geld zu verkaufen. Jeder neue Gast könnte derjenige sein, der Goldesel, den ihr die Götter schicken werden. Und wenn nicht, gibt es andere Möglichkeiten, zumindest etwas zu verdienen.

Im Moment ist nicht viel los. Im Hinterzimmer treffen sich die Schiffsbauer, aber Rahji kümmert sich um die. Und im Schankraum sitzen nur ein verliebtes Pärchen, ein reisender Geschäftsmann, der über seinen Büchern brütet, und ein andergastrischer Holzverkäufer mit seinen Kunden, die Preise aushandeln und versuchen sich gegenseitig betrunken zu machen. Und Have, der eigentlich Havewein heißt, und im Admiral singen darf, aber statt dessen meist nur sie anstarrt.

Als die Tür aufspringt, ist sie daher sofort bereit den neuen Gast zu empfangen und eilt zum Eingang. Eintritt ein attraktiver, junger Mann. Er ist gut gekleidet, groß, kräftig und hat längeres, feingelocktes, schwarzes Haar. Aus seinem männlich geschnittenem Gesicht blicken sie zwei blaue Augen aufmerksam an und bilden einen aufregenden Kontrast mit dem etwas dunklen, exotischen Teint.

'Bei diesem', denkt sich Berine, 'würde ich sogar auf unendlichen Reichtum verzichten und mich mit unermeßlichem zufrieden geben.'

"Einen schönen, guten Abend und willkommen im 'Neuen Admiral'."

Bevor sie weiter sprechen kann, geht die Tür erneut auf und ein weiterer Gast tritt ein. Dieser mag zwanzig Jahre älter als der erste sein. Auch er ist gut gekleidet, doch in eine unmögliche gelbseidene Kombination. Dazu trägt er einen großen, breitkrempligen Hut, der zwar seinem großen Kopf gerecht wird, aber den eher mittelgroßen Mann noch kleiner aussehen läßt. Sein Gesicht ist mehr kantig als weich, aber auf eine unmännliche, unattraktive Weise, zumal es von einer riesigen, nach unten gebogenen Nase verunstaltet wird.

Auch wenn die Beiden nacheinander eingetreten sind, gehören sie augenscheinlich zusammen, zumal der Gelbe den Jungen etwas verärgert anblickt, bevor er sich ihr zuwendet.

"Auch euch einen guten Abend. Meine Herren, was kann ich für sie tun?"



Völlig in seinen Gedanken und seinen Begleiter vergessend tritt Alrik in den 'Neuen Admiral' hinein. Aufmerksam schaut er sich um, nur um vor seinem inneren Auge eine große Wildkeule in Preißelbeeresauce auftauchen zu sehen. Ein Lächeln huscht bei diesem verführerischen Gedanken über sein Gesicht, unbewußt fährt er sich durchs Haar und kurz blitzt die weiße Strähne im Licht auf.

Noch völlig in Gedanken an ein schönes Abendmahl gefangen blickt er plötzlich in zwei meergrüne Augen. Bewundernd beobachtet er den geschmeidigen Gang der jungen Frau. Sie scheint die Bedienung zu sein, denn sie fragt nach seinen Wünschen.

Zweifelsohne ist die junge Frau eine der hübschesten Frauen die er seid langem erblickt, so als habe Tsa sich einmal durchgerungen und einen Menschen nach den Vorstellungen Rahjas geschaffen.

Mit etwas rauher Stimme, die nicht allein vom Durst herrührt antwortet Alrik:

" Wir hätten gern einen Tisch für den Edelhochgeboren Comte und für mich, schöne Dame."

Alrik zwinkert der Kellnerin zu und wendet sich dann an den Comte:

"Oder habt ihr einen anderen Wunsch?"



Es ist nicht so einfach einen reichen Mann als solchen auszumachen. Zunächst hatte sich Berine von solchen Dingen wie Schmuck oder edlen Pferden fehl leiten lassen, bis sie erkannte, daß diese lediglich eine gewisse Stufe des Wohlstandes bedeuten.

Als nächstes hatte sie auf die Qualität der Kleidung gesetzt, bis sie eines Nachts einen dahergelaufenen Gaukler in bunten Flicken beim Spiel soviel Geld verlieren sah, wie sie in ihrem bisherigem Leben nicht verdient hatte.

Danach war sie auf die Sprache verfallen. Denn wirkliches Geld bedeutet hervorragende Erziehung und vervollkommnete Redegewandtheit. Sie hatte mindestens drei ekelhafte Küsse eines vertrockneten alten Gelehrten ertragen müssen, der sie ohne Entgelt in der Kunst des feines Benimms unterrichtete, bis sie sich sicher genug gefühlt hatte, diese Art der Sprache zu erkennen und notfalls nachzuahmen.

Beim vierten und letzten Mal hatte sie dem Greis in die Zunge gebissen, nur um die Dinge wieder etwas zurechtzurücken. Aber langsam schien sich die Investition auszuzahlen, zumal sie jetzt solche Worte wie Investition denken konnte ohne in Gedanken über ihre Zunge zu stolpern.

Und schon die wenigen Worte des jungen Mannes lassen Berine sicher sein, dieser ist kein Dahergelaufener, sondern ein gelehrter Herr, zudem hat seine Stimme eine angenehmen Beiklang. Auch erkennt sie erst jetzt, daß sein feingelocktes, schwarzes Haar eine weiße Strähne aufweist, die ihn geheimnisvoll und weise aussehen läßt.

Es entgeht ihr nicht, daß sie diesem Mann wohl gefällt. Das mag für sie keine ungewöhnliche Erfahrung sein, aber dennoch ist es schön die bewundernden Blicke der richtigen Männer auf sich zu wissen. Und wenn diese einem dann noch zuzwinkern, dann hat das schon ein strahlendes Lächeln als Antwort verdient.

Als der Titel des Gelbgekleideten fällt, kann sich Berine zum ersten Mal vom Anblick des jungen Mannes losreissen und blickt den Adligen mit neuen Augen an. Auf einmal ist der greuliche, gelbe Rock ein edles Stück, nach vermutlich neuster fremdländischer Mode und die große Nase ein genealogisches Familienmerkmal.

'Ein Comte!' denkt sich die Schankmagd, 'Das war doch so was wie ein Graf, nur daß ihm was fehlte? Nun, sehr vermutlich nicht das Geld. Zumindest ist dies das beste, was mir seit langer Zeit passiert ist.'

Auch der Comte besteht Berines Sprachtest, auch wenn sie von seiner Art erschreckt ist. Er beachtet sie gar nicht. Als wäre sie gar nicht da. Nein, schlimmer. Er bemerkt sie schon, aber wie ein Möbelstück. Eben zum Geschäft gehörig und sonst uninteressant. Soviel Distanz ist selbst ihr fremd und sie mußte sich häufig als kaltherzig bezeichnen lassen.

'Na warte, dich werde ich schon dazu bringen, mich anzublicken!'

"Einen Tisch. Gerne, wenn die hohen Herren mir folgen wollen."

Berine wendet sich um und achtet darauf, daß die Beiden ihr etwa in zwei Schritt Abstand folgen können. Die zwei Schritt sind besonders geeignet, ihren sehr hüftbetonten Gang voll zur Geltung zu bringen.

"Leider sind unsere separaten Speisezimmer von einer Gesellschaft belegt. Aber ich hoffe, sie mit diesem abgeteilten Tisch zufriedenstellen zu können."

Der so bezeichnete Tisch ist einer von zweien, die in einer Ecke neben dem Tresen auf einer Empore stehen. Die beiden Tische sind voneinander und vom Rest des Raumes durch kunstvoll geschnitzte Halbwände getrennt, die eine Meeresgrotte vortäuschen.

Doch ihr aufreizender Gang hat offenbar nichts bewirkt. Der Comte drückt ihr lediglich den Hut in die Hand, als ob er ihn auf einem Kleiderständer abstellen würde und sagt zum anderen Mann:

"Dies scheint mir wirklich ein Gasthaus der besseren Klasse zu sein. Schon bei dem Gedanken an eine ordentlich gebratene Keule läuft mir der Saft im Munde zusammen."



Mit großem Getue nimmt di Vespasio den Hut vom Kopf und klopft ihn, auch wenn er schon vorher makellos sauber war, ab.

"Einen anderen Wunsch, mein verehrter Magus? Ja, natürlich, etwas um es auf den Tisch zu stellen. Etwas eßbares. Aber ein Tisch ist ein guter Anfang."

Er legt den Hut an die Brust und macht die Andeutung einer Verbeugung in Richtung Fuxfells.

'Ein hübsches Kind. Gut, daß dein Sohn nicht hier ist, der konnte es nie lassen, den Schankdirnen hinterher zu jagen. Du hast ihm aber auch keine Funken Standesbewußtsein vererben können, mein Lieber.'



Kurz werden alle weiteren Gedanken Alriks vom aufreizenden Gang der Kellnerin unterbunden. woran er auch immer gedacht hatte nun war es verschwunden. Aber dann nähert sich das ungleiche Paar schon im Gefolge des jungen Mädchen einem Tisch und man setzt sich zufrieden.

"Nun denn so lasset uns speisen und trinken, wohl an hübsche Maid so bringet uns die Karte"

Ein leichte Lächeln liegt bei diesen Worten um Alriks Mund.



Gerne erwidert Berine das Lächeln des Jüngeren, dummerweise hat aber der Adlige kein Auge für sie übrig, statt dessen fängt er an über Sand zu reden.

Sie nickt daher beiden noch einmal zu und geht zur Küche um die Karten zu holen. Die werden nur selten verlangt. Die meisten Leute aus der Gegend sind erstaunt, wenn sie hören, daß es im Admiral nicht nur ein Essen gibt, sondern daß man aus fast einem Dutzend auswählen kann, jedes dazu noch mit verschiedenen Variationen. Und das jeden Tag.

In der Küche kontrolliert sie erst mal noch in einem Handspiegel, den ihr ein Verehrer vermacht hat, den Sitz der Haare und rückt ihren Ausschnitt zurecht.

'Dich krieg ich schon dazu, mich anzusehen.'

Dann geht sie zum Tisch zurück und überreicht tief vorgebeugt die Karten mit den Speisen. Die meisten Gäste brauchen etwas länger um den Text zu buchstabieren, daher fragt sie erst mal mit dem freundlichstem Lächeln:

"Darf es derweil etwas zu trinken sein?"



"Um noch mal auf den Sand zurück zu kommen, man hat mir berichtet, daß die Novadis nicht nur zwanzig Wörter für Sand haben, sondern daß sie auch noch wesentlich mehr Unterarten unterscheiden."

Di Vespasio rückt sich am Tisch zurecht und fährt fort, mindestens zehn der zwanzig Worte für Sand genauer zu erklären, Aussprache, Wortstamm und Betonung, ohne zu beachten, was die junge Frau tut oder wohin sie mit seinem Hut entschwindet.

"Reedmann hat mal einen Aufsatz über die Eigenschaften von Sand geschrieben, aber vermutlich war er darin genauso wenig gründlich, wie in anderen Dingen, die von ihm stammen. Wie waren wir eigentlich darauf gekommen? Ach ja richtig, der Metallguß, jetzt fällt es mir wieder ein. Wie sieht es denn damit in Ostaventurien aus?"

Inzwischen ist die Kellnerin mit der Karte zurück und jetzt kann es di Vespasio nicht vermeiden einen Blick auf das schöne Wesen zu werfen.

'Also dieses Kleid ist ja ungehörig weit ausgeschnitten. Da hast du ja schon in Rahjatempeln geschlossener bekleidete Damen gesehen. Sie wird doch wohl nicht ein Auge auf den armen Herrn Fuxfell geworfen haben? Erinnerst du dich, wie die junge achtbare Dame Serikaine mit ihren Reizen den jungen Erbbaron von Grangor einwickeln wollte, ungeachtet ihrer Herkunft.'

"Danke mein Kind. Ich hätte gern einen Rotwein, ein einfacher Vinsalter wäre schön." sagt der Adlige und beginnt die Karte zu überfliegen und nach Braten Ausschau zu halten.



Nach nur wenigen Sekunden hört Alrik den weitschweifigen Erklärungen seines Gegenübers nicht mehr zu. Ein ganz andere wichtige Entscheidung nimmt sein ganzes Denken in Anspruch.

Es war aber auch eine vertrackte Sache sollte er sich lieber für Wachteln entscheiden oder doch lieber einen Braten, und wenn ja welchen, gespannt wartet er bis die Schankmaid ihm die Karte reicht, schnell überfliegt er die dargebotenen Speisen und schaut dann zur Kellnerin.

" Ich schließe mich dem Wunsch des Comte an, was den Wein betrifft, ansonsten bringt mir bitte die gefüllten Wachteln. Eine Nachspeise ziehe ich später in Betracht." zufrieden lächelnd lehnt der Magus sich zurück und schaut zum Comte di Vespasio.



'Wachteln. Das wäre ja auch mal eine Abwechslung. Zumal du seit mindestens vier Jahren keine Wachteln mehr hattest. Nein, sogar seit fünf, als damals auf dem Empfang des selemitischen Botschafters der arme Enrico di Stocco mit Wachteln vergiftet wurde.'

Di Vespasio schüttelt sich leicht bei der Erinnerung an die Schmerzensschreie und die verzerrte Grimasse des Sterbenden, die ihm damals das Fest und bis heute die Wachteln verdorben hatte, so daß er jetzt lieber etwas anderes wählen will. Auch er muß nicht erst mühsam die Karte buchstabieren, sondern überfliegt sie nur, bis er das findet, was er eigentlich suchte.

"Eine vorzügliche Wahl, aber ich denke ich werde dennoch den Lammbraten in Weinsauce nehmen. Dazu hätte ich gerne Brot und Zuckergebäck."

Er reicht daraufhin die Karte an Berine zurück. Sie greift danach und berührt dabei seine Hand, aber so, daß die Berührung unter der Karte verborgen bleibt.

Zuerst ist di Vespasio erschrocken. Fast reflexhaft fürchtet er einen Angriff, ein feindliches Eindringen in seine Privatsphäre. Doch andererseits, was kann ihm die bloße Berührung einer Kellnerin schon schaden. Im Gegenteil, die warme, weiche und durchaus zärtliche Berührung ist durchaus angenehm.

Verdutzt blickt er auf, direkt in die herrlichen, grünen Augen der Berine. Dort kann er keine Feindschaft lesen, eher eine stumme Bitte, eine freundliche Aufforderung oder ein Angebot, das sich kaum in Worte fassen läßt. Es fehlt eigentlich nur noch, daß die Magd zu ihrem verführerischen Lächeln auch noch die Augenbraue hebt.

Ein anderer Mann hätte an seiner Stelle möglicherweise anders gehandelt. Doch der Adlige ist ein Mann mit Prinzipien, einem festen Glauben an die Ordnung der Menschen und durchdrungen von echter Galanterie.

'Eine Schande sie abzuweisen, mein Lieber, solch ein schönes Mädchen, denk nur daran, wie sie in einem Ballkleid aussehen würde. Doch ach, allein der Skandal würde euch beide auf Jahre zum Gespött der Höfe machen.'

'Nein, mein Freund, dir ist eine Verpflichtung auferlegt, auch wenn andere sie übertreten, hast du doch nicht das Recht die Gesetze der Götter in Frage zu stellen. Jetzt sind deutliche Worte von nöten.'

'Außerdem fing die Diskussion gerade an, spannend zu werden, Frizzi!'

Er kneift die Augen zusammen, so daß die ernste Absicht seiner Worte deutlich wird und spricht zum ersten Mal Berine direkt an:

"Das war alles. Du darfst dich entfernen."

Er wendet sich von ihr ab und wieder dem Magus zu und fährt fort, mit ihm zu diskutieren, bzw. auf ihn einzureden, als wäre nicht passiert.

"Habe ich nicht irgendwo gelesen... nein, nein, jemand hat es mir gesagt, daß eine Gruppe von Zwergen in der Nähe von Beilunk eine neue Unificatio von Silber und Gold hergestellt haben sollen, ich weiß wirklich nicht mehr, wer das mir sagte, aber er meinte, das neue Metall ..."



'OOOOrrgrmm, du &%!§§kerl'

Berine kann sich grade noch beherrschen, als der blödelige Comte, wenn er überhaupt einer ist, sie einfach fortschickt. Das ist ihr noch nie passiert. Nie.

Die dumme Karte muß nun ihre Wut aushalten und erdulden, wie sich Berines Fingernägel in die Pappe bohren. Es gelingt ihr nur mühsam, wieder klar zu denken. Dann wendet sich sich dem jüngeren Gast zu, um dessen Karte aufzunehmen.

'Hoffentlich hat er nichts mitbekommen', denkt sie sich verschämt und mustert den Dunkelhaarigen, während sie die Karte aufnimmt.

'Ein falscher Laut, und vergehe vor Scham.'



Berine blickt in die Augen des jungen Mannes. Doch dort kann sie nur wenig Sympathie erkennen. Ja geradezu scheint es, als würde ein Lächeln um die Mundwinkel des Mannes spielen.

'Hat er doch etwas gemerkt? Und lacht jetzt über mich?'

Berine greift zur Karte und verläßt fluchtartig den Tisch, wie eine getretener Hund hetzt sie zur Küche. Dort drückt sie sich mit dem Rücken an die Wand neben der Tür und preßt die Karten gegen die bebende Brust. Die Fäuste umschließen diese immer noch fest und ihre Nägel hinterlassen bereits tiefe Spuren in der Pappe.

Die Schankmagd muß mehrmals tief schlucken um den Kloß in ihrem Hals wegzubekommen. Jemand der sie nicht kennt könnte fast denken, daß sich da eine Träne in ihrem Auge bildet.

'Das ist einfach nicht fair', geht es ihr durch den Kopf. 'Der Abend hatte so schön angefangen. Endlich kommt man jemand wichtiges und ich hätte heute wirklich Zeit gehabt, mich ganz ihm zu widmen, und dann ist das so ein arrogantes Schwein, der mich nur rum kommandiert, und mich vor seinem Freund auch noch lächerlich macht, das ist nicht fair. Was sollt ich denn noch machen? Wie lange soll ich denn noch warten?'

Nach einiger Zeit holt die junge Frau tief Luft, legt die Karten beiseite und streicht sich mit der Linken die Haare aus dem Gesicht.

'Sei Stark. Das Leben ist nicht fair. Ich muß stärker und unfairer als das Leben sein, um gegen es zu gewinnen. Wer sich selbst hilft, dem helfen die Götter.'

Neben den Karten sieht Berine den Hut des Comte liegen. Mit einem bösartigem Lächeln schiebt sie ihn langsam über die Tischkante, so daß er auf den Boden fällt. Dann hebt sie den Fuß und tritt genüßlich mit dem Absatz auf das Objekt ihrer Wut.



Di Vespasio lehnt sich im Stuhl zurück, um Berine das Abräumen des Essens zu erleichtern. Das Essen war, wider Erwarten, für diese doch recht provinzielle Gegend, sehr gut, der Wein nicht ohne Klasse, die Sauce hervorragend abgeschmeckt und das Fleisch saftig und schön fettig.

Auch sein Gegenüber schien seine Mahlzeit genossen zu haben, so hingebungsvoll hatte er sich den Wachteln zugewandt, daß einem die Tiere fast leid taten.

Aber auch die Unterhaltung ist ein Genuß, wie der Adelige ihn lange nicht empfunden hatte. Sein Gesprächspartner verfügt tatsächlich über umfangreiche Kenntnisse in allen Fachgebieten und scheut sich nicht, ihm zu widersprechen, auch wenn er wesentlich schweigsamer ist, als notwendig. Aber di Vespasio hat keine Schwierigkeit damit, den Hauptteil der Unterhaltung zu bestreiten.

Mit der Serviette tupft er sich noch einmal den Mund ab, während er der Argumentation des Magus lauscht. Seine gerunzelte Stirn deutet darauf hin, daß er die Worte des Magiekundigen gar nicht akzeptieren kann.

"Nein, nein, nein, das ist aber nun wirklich nicht korrekt. Es gibt deutliche Hinweise in Merrilikes Tractatus als auch eine genaue Auflistung in diesem Standardwerk, dessen Name mir nicht einfallen will."

Di Vespasio wirft die Serviette auf den Teller und beginnt den Zeigefinger der Rechten aufgerichtet von links nach rechts schwingen zu lassen.

"Natürlich ist Arkanium schwerer als Gold, darf verwette ich meinen Hut. Na gut, vielleicht nicht meinen Hut, aber, sagen wir, ähm ... wetten wir doch darum, wer dieses Essen bezahlen darf. Nun, wohlgelehrter Herr, schlagt ein, wenn ihr eurer Sache so sicher seid."

Dazu streckt er die Hand aus. Als Alrik sie mit einem siegesgewissen Lächeln ergreift, drückt er sie kurz.

"Es stellt sich jetzt nur die Frage, wie wir unseren Disput entscheiden können."

Di Vespasio blickt ein wenig ratlos zu Alrik hinüber.



Berine ist mit dem Verlauf des Abends sehr unzufrieden. Es gibt kaum Gäste, das bedeutet kaum Trinkgeld. Die beiden Herren am Tisch haben sie nach dem peinlichen Vorfall kaum beachtet. Selbst daß sie den Teller des Comte mit Staub vom Küchenboden bestreut hat, ist dem eitlen Gimpel nicht aufgefallen.

Die beiden reden den ganzen Abend über irgendwelche gelehrten Dinge, Unsinn über Metall und Glas und Sand. Lediglich die letzte Minute verfolgt die Schankmagd mit Interesse, während sie die Teller zusammenstellt. Da keine anderen Gäste da sind, kann sie sich ruhig etwas Zeit lassen, die beiden beobachten und ihrem Lieblingsthema lauschen: Gold.

Der Comte hat gerade mit dem Jüngeren eine verrückte Wette über das Gewicht von Gold und einem anderen Stoff abgeschlossen. Jetzt führt er die Hand zur Schläfe, kratzt sich nachdenklich und fährt in seiner komplizierten Art zu sprechen fort:

"Es ist schwer vorzustellen, daß wir hier in Salzerhaven einen Experten in Metallurgie finden. Und eine andere Quelle entzieht sich meinem Ratschluß. Mit einer ordentlichen Bibliothek wäre uns natürlich geholfen. Leider habe ich meine Reiseapotheke, wie ich die paar Bücher, die ich mit mir führe, scherzhaft nenne, notwendigerweise im Umfang etwas eingeschränkt, so daß ich im Moment kein Buch über Metalle mein eigen nennen kann."

'Das ist die Idee! Warum bin ich nicht vorher darauf gekommen! Dabei war es so naheliegend!'

Berine ist so aufgeregt, daß sie die gerade aufgenommenen Teller fast wieder fallenläßt.

"Entschuldigt, hohe Herren, daß ich mich einmische, aber in Salza gibt es einen HESindetempel. Ich könnte den Herren eine Kutsche bestellen, dann wären die hohen Herrn in nur dem Viertel einer Stunde dort und könnten die Bibliothek des Tempels befragen. Wenn es recht ist."

Berine traut sich kaum, einen der Beiden direkt anzublicken, so nervös ist sie.

'Oh, bitte, laß sie zustimmen, ich kann das Geld so dringend gebrauchen.'

Doch der Attraktive, der die Wachteln hatte, ein offenbar gebildeter Mann, der so ähnlich heißt wie Fuchsfell, ist dem Vorschlag gar nicht zugeneigt und es kostet den Comte etwas Überredungskunst, ihn doch zu überzeugen, während Berine dabeisteht und mit zittert.

"Ja, ich weiß, eine Nachtfahrt ist nicht ungefährlich, aber der Kutscher wird den Weg schon tausende Male gefahren sein."

"Ja, natürlich ist es bequemer im Gasthast sitzen zu bleiben, aber dafür sehen wird Salza bei Nacht. Seid ihr denn nicht ein bißchen neugierig?"

"Gut, wenn ihr recht haben solltest, lege ich gerne noch zwei Flachen des Weises hinzu."

"Bendenkt, wenn wir in einer Viertelstunde dort sein können, dann können wir auch in einer Halben zurück sein."

Das letzte Argument gibt offenbar den Ausschlag und Berine hastet los, um eine Unzahl von Erledigungen zu machen. Der Kutscher muß bestellt werden, aber nicht irgendwer, sondern ein bestimmter. Sie muß noch eine neue Flasche Wein öffnen. Und dann braucht sie noch das kleine Fläschchen ganz hinten aus der Schublade ihres Nachttisches, das ohne Beschriftung, das Anon ihr in einer stillen Stunde zugesteckt hat.

'Von dem Geld, das mir Anon für einen echten Comte gibt, kann ich mir eine ganz neue Ausstattung kaufen. Ach was, nicht nur eine, gleich ein Dutzend.'



"Natürlich kann man die Bibliothek des Kaisers nicht mit den Hallen des Wissens vergleichen. Aber ..."

Di Vespasio schaft es grade noch, die Hand zum Mund zu führen, bevor ein in ein herzhaftes und längeres Gähnen einfällt.

'Wirklich schlimm, Frizzi, das ist dir lange nicht passiert, mitten im Satz so zu gähnen. Muß wohl an der frischen Seeluft liegen. Oder du hast das letzte Glas Wein zu schnell getrunken.'

Der Adlige schüttelt den Kopf, um die Müdigkeit aus den Augen zu treiben - vergeblich.

'Glücklicherweise sitzt Herr Fuxfell neben dir, wie blamabel wäre es, ihm direkt ins Gesicht zu gähnen. Aber er scheint im Moment auch nicht sehr gesprächig zu sein.'

"Aber man findet dort einige Schätze, die in der Zeit Retros zusammengetragen wurden. Der dahmahhhligee Bibliothekar muß einen grooohhhsen Einfluß auf ihn gehabt haben. Verzeiht."



NORDSTERN - Oberdeck: Das Angebot


Des kleinen Dieners Hinterteil mag ja rund und weich sein, dennoch hat sich Reckinde mit ihrem Tritt nach der Kehrseite Radisars gehörig den Fuß verstaucht. Mit einigen derben Flüche auf den Lippen, Worte, die man, um die Gunst der Götter nicht zu verlieren, besser nicht wiederholt, humpelt sie zur Türe, um sie ihrem Diener aufzuhalten.

Es ist nicht so, als wäre Frau Reckinde plötzlich höflich oder zuvorkommend geworden, vielmehr sorgt sie sich darum, daß Radisar, der in seinem Zustand wahrhaftig den doppelten Beistand der heiligen Noiona nötig hat, den Ausgang verfehlen könnte. Es ist schon wirklich eine Last mit dem Personal.

Die Möglichkeit selbst zu gehen, um sicher zu stellen, daß die Post auch wirklich bei den Beilunkern ankommt, hat sie sich ja selbst genommen, denn ihr Fuß ist unglaublich schnell sehr dick angeschwollen, einen längeren Fußmarsch will sie sich jetzt nicht zumuten.

Als sie die Türe öffnet, dringt massiv Lärm von Oberdeck in die Suite hinein. Es scheint ganz schön was los zu sein da draußen, daß hat Reckinde bisher noch gar nicht gemerkt, in ihrer Wut. Neugierig schleppt sie sich nach draußen, zwischendurch stöhnt und flucht sie wieder.

Als sie jedoch die Suite verlassen hat, vergißt sie ihren Kummer, ihre Wut und ihren Schmerz. Sie sieht die merkwürdige Menschenansammlung vor dem vorderen Niedergang und hat sich dabei sehr schnell einen Überblick über die Situation verschafft. Es scheint so zu sein, daß eine Schwerverletzte zu einem Krankenlager gebracht werden soll und dort am Niedergang ist der Zug dann zum Anhalten gekommen.

Frau Reckinde ist erschüttert. Sie betrachtet die Verletzte, die stumm in den Armen des großen Schiffszimmermanns hängt. Und schließlich passiert etwas, daß nur sehr, sehr selten geschieht: Frau Reckinde wird von Mitleid überrannt!



'Bei Mutter TRAvia, sie ist noch so jung!'

Erschüttert betrachtet Frau Reckinde das leblos wirkende Mädchen, das schlaff in den Armen Ole's hängt. Bleich ist sie, doch unverwundet, wie es scheint. Doch die Freifrau weiß sehr wohl, daß dieser Eindruck täuscht.

Die zerrissene Kleidung des Mädchens ist mit Blut durchtränkt und gibt so Aufschluß darüber, wie es noch vor Kurzem um das Mädchen gestanden habe mag. Daß nun keine Wunden mehr zu erkennen sind, ist zweifellos das Verdienst des jungen Magus, der immer noch, und immer noch erfolglos, versucht, den Durchgang freizumachen.

Kopfschüttelnd humpelt Frau Reckinde vorwärts. Der Fuß schmerzt immer noch, doch spielt das nun keine Rolle mehr, denn das junge Mädchen braucht Hilfe und dies so schnell wie möglich.

"Herr Durenald, Herr Draggensson, bringen sie das Mädchen doch hier herein!" ruft Frau Reckinde und deutet auf die offenstehende Türe zur Suite.

Ihr Rufen scheint nicht laut genug gewesen zu sein, daß es durch den Lärm, hier an Bord und draußen auf dem Kai, auch wirklich die Ohren des Magiers und des Schiffszimmermanns hätte erreichen können.

"MÄNNER ... !" murmelt Frau Reckinde mißbilligend vor sich hin. Dann nimmt sie zwei Zeigefinger in den Mund und gibt einen derart gellenden Pfiff von sich, daß es selbst einen schreienden Greif übertönt hätte.

Frau Reckinde winkt.

"Bringt das Mädchen hier herein, nun macht schon ... !"



Radisar ist verwirrt - erheblich sogar. Das liegt aber nicht nur daran, daß er nur langsam wieder die Kontrolle über sein Bewußtsein, so wie über sein Gefühlsleben wieder gewinnt und nur schwer alle Trübungen seiner Wahrnehmung durch den Alkohol nur mühsam wieder abstreifen kann , sondern vielmehr daran, daß er Frau Reckinde draußen vor der Türe zur Suite stehen sieht und die Freifrau gerade dabei ist, mit einem grellen Pfiff zu versuchen, irgendwelche Leute in ihre Kammer zu lotsen.

Es geht offensichtlich um ein Mädchen, soviel versteht Radisar gerade noch. Und wenn man dem allgemeinen Gemurmel vom Oberdeck trauen kann, geht es sogar um ein verletztes Mädchen und dieser Umstand ist es, der den kleinen Diener so nachdenklich macht.

Wer wurde verletzt? - das Mädchen? Aber wie wurde sie verletzt, durch wen und vor allen Dingen: Wo wurde sie verletzt? Sollte seine Schreckensvision von einem Piratenüberfall gegen die NORDSTERN doch noch Wirklichkeit geworden sein?

Radisar mag allgemein wie ein ungeschickter Tölpel wirken, doch zählt es zu seinen stärksten Begabungen, immer dann, wenn es darauf ankommt, geradezu zwanghaft das Richtige zu tun.

In Windeseile hat er seine Koje, zu einem Krankenlager umgeschlichtet, hat eine Schale mit frischen Wasser und einen kleinen Stapel sauberer Tücher bereitgestellt und ist schon wieder unterwegs, um noch etwas Wasser warm zu machen, für den Fall, daß auch heißes Wasser gebraucht werden würde.

Die Briefe der Herrin hat er einstweilen in seinen Gürtel gesteckt - die Zustellung dieser Schreiben wird sich noch ein wenig gedulden müssen ...





- 117 -

geht ...


Befriedigt betrachtet Sylvhar, die kleine Winde, die er gerade ausgiebig mit Schmierfett eingestrichen hat. Ein einzelner Tropfen bildet sich gerade von einer reichlich fettigen Stelle, zieht sich in die Länge und löst sich dann schließlich, um mit einen für Elfenohren gerade noch hörbaren Klatschen auf den Schiffsplanken aufzuschlagen. Ein tiefes Seufzen kommt über des Firnelfs Lippen, das Leben an Bord ist wirklich nicht das richtige für ihn.

So richtig aufgenommen wurde er nicht in die Gemeinschaft der Matrosen, so sehr er sich auch bemühte. Wann immer er sich nützlich machen wollte, wurde er immer nur lapidar übergangen oder mit den Worten

'Das ist nichts für dich, geh' mal lieber 'ne Winde fetten' weggeschickt.

Natürlich gab es auch freundliche Matrosen. Ole war immer sehr nett zu ihm, und auch Sigrun, die nie die Geduld mit ihm verlor und ihm unverzagt immer wieder erklärte, was ihm unverständlich blieb. Doch die meisten waren ihm gegenüber sehr verschlossen und ließen ihn nicht an ihren Späßen teilhaben, oder, und das war viel schlimmer, sie machten gemeine Späße über ihn.

Traurig blickt der Firnelf nach unten. Eine kleine Träne löst sich aus seinem Auge, zieht eine feuchte Spur über seine Wange und tropft dann gleich neben dem Schmierfett auf den Boden. Ach, was vermißt er seine Sippe! Die liebliche Arelia-Schnee-der-sanft-zu-Boden-schwebt und auch den frechen kleinen Oriandel Eiskristall, der damals mit ihm die wunderbare Rutschbahn aus Eis gebaut hatte. Es ist wirklich an der Zeit, wieder Heim zu gehen. Heim Freunden, zu seiner Sippe.

Entschlossen packt Sylvhar das Schmierfett zur Seite. Dann geht er nach unten in den Mannschaftsraum, um sich von Sigrun zu verabschieden. Denn Sigrun versteht ihn gut, jedenfalls für einen Nicht-Elfen, und verspricht dem traurigen Firnelf, daß sie sein Weggehen dann auch Jergan-Kapitän und Ole erklären wird. Ja, so ist es gut. Gut und richtig. Ein letztes Mal drückt Sylvhar Sigrun an sich, dann nimmt er schließlich auch die unscheinbaren, kleinen, runden Scheiben mit, weil Sigrun darauf besteht, daß er das macht.

Tief schlägt der Firnelf seine Pelzkapuze ins Gesicht und verläßt unauffällig das Schiff und verschwindet dann irgendwo in der Menge, die ihm keine weitere Beachtung schenkt.



NORDSTERN - Suite: Der Auftrag


Seufzend legt die Freifrau Reckinde von Beibach und Bruch die Schreibfeder beiseite und reckt sich, den schmerzenden Rücken dehnend, auf ihrem Stuhl. Dann streut sie etwas Sand über das Schreiben und bläst danach reinigend über die Oberfläche. Nun dürfte die Tinte trocken sein.

Zufrieden blickt sie über den stattlich großen Stapel Papiers, Briefe, die sie in der letzten Stunde verfaßt hatte. Zwar wollte sie ruhen, doch konnte sie keinen Schlaf finden, um so mehr, als das Schiff wohl gerade in den Hafen einlief. Zuerst die lauten Kommandos von der Brücke, dann erhebliches Geschrei, wie es scheint von Hafenmauer, dort, sich offensichtlich allerlei Volk eingefunden hatte, um, was auch immer, sehr lautstark zu vollbringen.

Reckinde faltet das Papier, läßt flüssiges Wachs darauf träufeln und versiegelt die Briefe. Dann räumt sie Feder, Tintenfaß und Siegelring auf, nur die Briefe bleiben, auf einen Kurier wartend, auf dem Tisch zurück. Dann steht die Freifrau auf und schreitet, in fast feierlichen Schritten auf das Lager Radisars zu.

Der kleine Diener liegt, vom Alkohol noch schwer betäubt, auf seinem Lager und atmet sehr geräuschvoll miasmatische Dünste aus, die wahrscheinlich ausreichen würden ein Mammut zu fällen. Wieder seufzt Reckinde. Es wird nicht einfach werden den Diener wieder arbeitsfähig zu machen. Doch man wird sehen .....

"RADISAR!!" brüllt sie ihm ins Ohr, in einer Lautstärke, da man Wort nur noch als Schmerzen wahrnimmt.



"RADISAR!"

Es ist natürlich nicht so gewesen, daß er das Wort als solches gehört oder gar verstanden hätte, vielmehr spürt er nur einen grandiosen Donnerschlag, als hätte er seinen Kopf auf INGerimms Amboß liegen gelassen und dort vergessen, und zwei mächtige Zyklopen würden mit kräftigen Schlägen aus seinem glühenden Schädel eine Opferschale schmieden, dem Gott zu Ehren und Radisar zur Plage. Kein Mensch kann bei einer solchen 'Behandlung' weiter in süßem Schlummer verweilen.

Gleich nach dem Augenblick, da Radisar bewußt wird, daß es sich um keinen schlimmen Traum,. sondern vielmehr um schlimme Wirklichkeit handelt, dämmert in ihm eine, lange im Stillen bewahrte Erkenntnis. Ein derart beeindruckendes Verfahren, daß so klingt, als wäre das Weltenrund nur der Klöppel einer kosmischen Glocke, könnte eigentlich nur zwei Dinge bedeuten.

So hatte Radisar, zum einen, schon immer den Verdacht, daß Ende der Welt könnte sich gerade so einläuten, so wie es sich ihm just zu diesem Moment widerfährt, in Klängen und Geräuschen, die alle sieben Sphären zu einer einzigen zusammenfallen lassen. Aber die zweite Option, zum anderen, erscheint ihm dann doch wahrscheinlicher, als das Ende aller Zeiten, nämlich eben jene: Frau Reckinde will etwas und hat ihn deshalb gerufen!

Mühsam und wacklig, mit dem Stöhnen eines Sterbenden, richtete sich Radisar auf seinem Lager auf, tapfer gefaßt entweder das Ende der Welt oder Frau Reckindes Befehle zu erwarten.

"Sie haben gerufen, Herrin?"



Frau Reckinde traut ihren Ohren nicht. Ob sie gerufen hätte, fragt dieser Unglückselige. Das war doch wirklich nicht zu überhören gewesen, schließlich hat sie nicht gesäuselt , sondern gebrüllt, daß das Schiff bis ins Rumpfholz gezittert hatte.

"Natürlich habe ich das, denn ich benötige euere Dienste, werter Herr!" spricht langsam, leise und überaus freundlich. Doch sollt niemand denken, daß ihren Worten echte und wahre Freundlichkeit innewohnen könnte, auch wenn es so klingen sollte. So gedämpft spricht sie meistens, kurz bevor sie wie Vulkan explodiert, denn es ist keine Freundlichkeit, die sie da zur Schau stellt, es ist eine kaum zu bändigende Wut. Sanftmut gehört nicht gerade zu den hervorragensten Eigenschaften der Freifrau.

"Ich habe da ein paar Briefe, die noch nach ihrem Empfänger suchen .... !" flötet sie in falscher Höflichkeit. Eben noch klingt ihre Stimme wie ein kleines Glockenspiel, ehe sie, in der gewohnten, ihr so eigenen Weise, polternd fortfährt:

"ABER HEUTE NOCH ...... !!!"



Die Zeit drängt und sie arbeitet gegen ihn, da ist wohl kein Zweifel möglich. Die Situation ist ernst. Radisar beschließt als Maßnahme dem Schicksal einen günstigeren Verlauf abzugewinnen, erst einmal die Augen zu öffnen, sich auf seiner kleinen Koje langsam aufzurichten, um dann, mit brechender, fast sterbender Stimme zu erklären:

"Sehr wohl, Herrin!"

Er ergreift das Bündel Briefe, das ihm Frau Reckinde wie eine 'neunschwänzige Drohung' vor seinen Augen hin und her wedelt, stellt dann beide Beine auf den Boden und schreit dann, mehr zum Zeichen dafür, daß er nun völlig seinem Auftrag ergeben wären, denn als Mitteilung, daß er über der Sache stünde, noch einmal, diesmal allerdings kräftiger und lauter:

"SEHR WOHL, HERRIN!"

Tragen ihn seine Beine schon? Es braucht Mut dies auszuprobieren! Radisar kann nicht hinunter blicken, die Gefahr dabei auf die Briefe, die er dienstbereit in den Händen hält, zu kotzen ist zu groß.

Und so tastet er sich mit forschenden Zehen langsam auf dem Plankenboden vor und verlagert dann, Unze für Unze, sein Körpergewicht, zuerst auf die Fußballen, dann auf die Ferse. Zuletzt hebt er sachte und vorsichtig seinen Hintern vom Bettrand auf, gibt sich kurzfristig der Freude hin, daß ihn offensichtlich beide Beine tragen können, ehe er, aufkeimendes Schwindelgefühl bewältigend, tapfer und brav ein drittes Mal erklärt:

"Sehr wohl, Herrin!"



Mit einem leicht resignierend klingendem Seufzen, dreht Frau Reckinde die Augen nach oben, als wolle sie das Schicksal darüber befragen, was sie sich wohl zu Schulden hatte kommen lassen, daß sie durch die Tölpelhaftigkeit ihres Adlatus ständig so hart geprüft werden müßte.

Nachdenklich betrachtete sie das Bündel an Briefen und ihre Augenlider flackern dabei ängstlich. Wahrscheinlich fürchtet sie um die Unversehrtheit der Schriftstücke. Es will die Ahnung nicht von ihr weichen, Radisar könnte mit allen Briefen in der Hand, von seinem Bett aus schlaf- und weinestrunken direkt ins Meer laufen und alle Nachrichten mit sich in die Tiefe reißen. Und diese Vision erhält sofort neue Nahrung, als sie sieht, wie quälend ungelenk sich ihr Diener aus seiner Koje zu erheben versucht. Jeder Untote verließe seinen Sarg um ein Vielfaches schneller.

Es sind zum einen diese ständigen Sorgen, zum anderen natürlich auch eine starke Übermüdung, die nun Reckinde so ganz anders reagieren lassen als sonst. Normalerweise hätte sie wieder zu einem infernalischen Gebrüll angesetzt, doch dann wälzt sich Radisar schwerfällig über den Rand der Koje und streckte dabei seinen prallen, feisten Hintern der Freifrau entgegen, es ist fast schon eine 'Einladung'. Und die will sich Frau Reckinde nicht entgehen lassen. Also holt sie mit dem Fuß aus, soweit es eben geht und dann tritt sie zu, mit aller Macht. Dieser Tritt hätte aus einem viergehörntem Dämonen sehr wahrscheinlich einen zweigehörnten gemacht, so viel Wut lag darin ...



Schmerz hat er nicht gefühlt, als er den Tritt empfing. Da er noch reichlich Alkohol im Blut hat, scheint Radisars Körper noch sehr unempfindlich gegen solcherlei radikale Einwirkungen von außen zu sein. Das einzige, was er spürt ist ein beträchtlicher Schub, der ihn höher und höher fliegen läßt, bis er eine Höhe erreicht, die der Decke schon ziemlich nahe kommt.

Doch dann geht es wieder abwärts und der Plankenboden kommt rasant näher. Es tut einen dumpfen Schlag und Radisar ist wieder 'auf Grund gegangen'. Höhenflüge dieser Art dauern eben meistens nicht lange.

Stöhnend richtet er sich auf. Mit den Briefen in der Hand, wedelt er sich den Staub und den Dreck von der Kleidung. So ist ihm ja nichts passiert, nur sein langer Schnurrbart, dessen Spitzen sonst immer keck nach ober gezwirbelt sind, starrt nun matt und traurig nach unten.

Dann reibt er sich doch noch den Hintern, denn langsam, aber in steter Beharrlichkeit, dringt nun doch etwas Schmerz in sein Bewußtsein. Das wird wahrscheinlich einen gehörigen blauen Flecken am Sitzfleisch ergeben und das ist vielleicht für einen Krieger so gut wie nichts, für einen Mann wie Radisar aber, dessen 'Schlachtfeld' sich auf irgendwelche Kontore begrenzt, ist eine solchen Verletzung schon erheblich.

Während er sich ausgiebig das 'edelste Körperteil' hält, blickt sich Radisar vorsichtig um, in der Hoffnung, das aufbrausende Temperament der Herrin möge sich inzwischen wieder beruhigt haben. Einen zweiten Angriff dieser Art kann auch das dickste Hinterteil nicht aushalten.



NORDSTERN - Oberdeck: Müde Nirka


Der Ansturm der Menschen auf Planke und Brückendeck reißt nicht ab, so daß die Bootsfrau sich weiter zurück hält. Das, was sie den Kapitän noch fragen muß, kann noch etwas warten.

So geht sie ein kleines Stückchen weiter in Richtung Bug, und setzt sich auf den Sockel einer der Winden, mit denen normalerweise die Segel bewegt werden.

Ihre Gedanken schweifen dabei weit umher - von Sigrun über die Ereignisse in Thorwal und die unterwegs nach Salzerhaven bis hin zu der reparaturbedürftigen Rudermaschine und dann natürlich wieder weiter zu Sigrun.

Wenn man Nirka in dieser eher nachdenklichen Stimmung mit der Bootsfrau vergleichen würde, wenn sie auf dem Deck steht und Befehle brüllt... man würde kaum glauben, daß beides ein und dieselbe Person ist.

'Salzerhaven wird uns wohl keine Gelegenheit lassen', geht ihr durch den Kopf,

'denn dazu ist zu viel zu tun, und die Zeit wohl auch zu kurz. Zumindest für mich.'



NORDSTERN - Oberdeck: Aleara will an Land


Nach kurzer Zeit erwacht Aleara aus einem unruhigen, wenig erholsamen Schlaf; dennoch ist sie hellwach. Zum endgültigen zu Bett gehen ist es eindeutig zu früh... Nach kurzem Schaukeln in der Hängematte springt Aleara in einer eleganten - weil bereits tausende Male gemachten - Bewegung aus der Liegestatt und landet auf dem rauhen Holzboden des Mannschaftsquartieres. Nach der Feststellung, daß die NORDSTERN mittlerweile ruhig am Kai liegt beschließt die junge Matrosin, erst einmal das Oberdeck aufzusuchen, um dann "vor Ort" über einen eventuellen Landgang zu entscheiden...



'Und nun? Landgang? Ob es hier ...'

Jäh wird Aleara in ihren Gedanken unterbrochen als sie Wasurens deutlich vernehmbare Stimme hört. Belustigt sieht sie kurz zum Niedergang hinüber.

"Efferdan, jaja" grinst sie in sich hinein.

Doch dann nehmen andere Geschehnisse an Deck ihre Aufmerksamkeit gefangen: Gerade kommt Ole über die Planke geeilt und drängelt sich an Gaukler und Zwerg vorbei. Augenblick mal - ZWERG???

"Was will DER denn hier?" spricht sie den Gedanken lauter als es eigentlich beabsichtigt war aus.

'Erst dieser Elf und jetzt - so etwas!'

Es ist doch einiges los auf dem Oberdeck der NORDSTERN. Zuviel jedenfalls für den Geschmack der jungen Matrosin. Ohne noch irgend jemanden eines Blickes zu würdigen geht sie zielstrebig auf das Brückendeck zu...



Mit schnellen Schritten ist Aleara unterwegs zum Brückendeck um den Kapitän nach einem Landgang zu fragen - hier auf dem Schiff wird es ihr wesentlich zu voll.

Vor ihr erklettert ein Zwerg das Brückendeck, eine Tatsache die sie für einen Moment ablenkt.

'Was will der bloß hier? Leute, die zu INGerimm beten, können wir hier an Bord wirklich nicht brauchen! Oder sollte er etwa... möglich wäre es... nein, sicher nicht!'

Dieser Gedanke beschäftigt sie lang genug, um unsanft mit einem der Passagiere zusammen zu rasseln, den man auch leicht für einen Zwerg halten könnte: den Händler Anselm rempelt sie ziemlich heftig an, als er auf das Oberdeck zurück kehrt. Die sonst so freundliche Matrosin macht allerdings keine Anstalten, sich irgendwie zu entschuldigen...



Im letzten Moment überlegt Aleara es sich anders und wirft dem Händler ein hastiges "Entschuldigt" hinterher. Dann jedoch hastet sie die Treppe zum Brückendeck hinauf - wenn sie den Kapitän noch um Erlaubnis fragen würde, käme sie wahrscheinlich überhaupt nicht mehr zum Zuge. Dennoch bleibt sie in respektvollem Abstand zum Kapitän stehen und wartet - mehr oder minder geduldig - darauf, daß er sein Gespräch mit dem Zwerg beendet.

'Hoffentlich ist ihm sein Gold zu schade für eine Überfahrt auf unserem schönen Schiff'



NORDSTERN - An der Planke: Alle auf Jarun


Phexane erreicht die Planke und blickt den Gaukler an. Die Augen sind leicht zusammengekniffen und sie hat die Arme, wie zum Schutz, verschränkt.

"Maraskanisches Krallenäffchen, was? Glaubt ihr, ich wüßte nicht, was ein Krallenäffchen ist?"

Ihre Stimme klingt noch immer gereizt. Sie stoppt vor dem Gaukler und versperrt somit die Planke. Doch das ist ihr im Moment egal.

'Eigentlich habe ich doch angefangen ... entschuldigen wäre sinnvoller, dann würde er sich vielleicht auch entschuldigen und die Sache wäre bereinigt.'

'Ach, warum? Ich will mich nicht entschuldigen.'



'So, auf zu diesem Gaukler. Hoffentlich läßt der mit sich reden.'

Auf dem Weg vom Brückendeck entgegnet Anselm ein Zwerg, der ihm doch recht unbekannt erscheint. Da er selbst nur gerade so acht Spann mißt, kann Anselm den Zwerg sehr gut begutachten.

'Nanu? Einer vom Zwergen-Volke auf einem Schiff? Scheint wohl einer der ganz mutigen Sorte zu sein, wie? Auf einen Kampf ist der auf alle Fälle vorbereitet. Naja, mir solls recht sein.'

Wieder auf dem Brückendeck angelangt schreitet der kleine Mann zur Planke wo er, den schon von weiten gut erkennbaren Gaukler sieht. Er stellt sich hinter ihn, tippt ihn von hinten an und fragt:

"Seit ihr Jarun?"



Jarun ist sichtlich überfordert. Erst fragt ihn Phexane etwas und dann wird er noch von einem Mann hinter ihm angesprochen.

Irritiert blickt er zwischen Phexane und dem anderen Passagier hin und her und entschließt sich kurzfristig zu einem:

"Nein, ähm! Ich mein! Ja."



"Ah-ha, äh, ja was denn nun? Seit ihr denn nun Jarun oder nicht?!", fragt Anselm sichtlich verwirrt. Und diese nicht nur aufgrund der unpräzisen Antwort des Gauklers, sonder auch, da offensichtlich gerade ein Elf an ihm vorbei zieht und das Schiff verläßt.

'Pelzmantel.. weißes Haar.. ich mag vielleicht das Gesicht nicht erkennen können, aber bei PHEx, es scheint wirklich ein Firnelf zu sein! Elfen, Zwerge, unfreundliche Matrosen...'

Anselm reibt sich den doch etwas hart getroffenen Arm

'..dieses Schiff wird immer merkwürdiger... Egal, es geht jetzt erstmal um die Kabine. Es scheinen ja doch einige Personen neu auf's Schiff zu kommen, als ist Beeilung angesagt.'



"Ähm nein, das ist ein Mißverständnis. Der erste Teile meiner Antwort bezog sich auf die Frage der jungen Dame."

Dabei deutet er in Richtung Phexane und dreht sich so, daß er keinem der beiden Gesprächspartner den Rücken zudreht, um beiden auf eventuelle Fragen antworten zu geben.

"Ja, in der Tat bin ich Jarun. Was kann ich für euch tun. Und sagt mir bitte nicht, ihr gehört auch zu der Gruppe am Kai."



"Was? Wie? Die Leute da unten?! Nein, nein, ich bin ebenfalls Passagier dieses Schiffes. Mein Anliegen ist folgendes: Wie mir zu Ohren kommt bezieht ihr eine der beiden Doppelkabinen. Des weiteren konnte ich in Erfahrung bringen, daß ihr dort zur Zeit alleine seit. So wollte ich euch fragen, ob es mir gewährt sein, die Doppelkabine mit euch zu teilen..."

'Hoffentlich hab ich das bald hinter mir... ich will doch nur einen stillen Platz an dem ich -fast- allein bin...'



Erfreut reibt sich Jarun die Hände.

"Nein, natürlich habe ich nichts dagegen. Wissen sie, es ist nicht immer unterhaltend mit den Wänden der Kabine zu reden. Ein wenig Abwechslung würde mir sicher gut tun. Und Außerdem ist diese Kabine ja auch für zwei Passagiere vorgesehen."

Kurz grübelt Jarun über die gefallenen Worte.

"Nun ja, ich bin Jarun aus Fasar, Leiter der Drachentanz-Akademie zu Greifenfurt. Das scheint ihr ja zu wissen. Aber ihren Namen haben sie mir, mein ich zumindest, noch nicht gesagt."

Mit diesen Worten streckt er dem anderen Passagier seine Hand entgegen.



'Ha, na also. Damit bin ich befreit von der Gesellschaft all dieser Leute. Daß ich mehr bezahlen soll, stört mich da herzlich wenig. Wenn ich Glück habe, kann ich mit heute nacht oder morgen einen Großteil des Fahrtgeldes -verdienen-. Und meine Rolle hab ich nach den Gesprächen mit den paar Leuten eigentlich auch recht gut einstudiert. Sollte nichts schiefgehen...'

"Feuerbach, Anseln Feuerbach", spricht besagter Mann und ergreift die ausgestreckte Hand Jaruns mit einem erleichterten Lächeln.



Phexane mustert den kleinen Mann, der nun ebenfalls Jarun anspricht.

'Hey, das ist doch der Kerl, den ich verdächtigt habe! So, so, mit Jarun will der sich also eine Kabine teilen. Na, mal sehen, wie lange er dann noch seinen Geldbeutel hat.'

Ein Grinsen huscht kurz über ihr Gesicht doch dann erstirbt es sofort wieder und sie blickt wieder ernst zu Jarun.

'So, der Herr glaubt also, ich wüßte nicht, was ein Krallenäffchen ist! ... Naja, da hat er irgendwie recht ... aber jetzt weiß ich es! Muß er aber nicht unbedingt wissen ...'

Sie verfolgt das Gespräch der beiden, wobei die Augen immer wieder hin und her gehen.

'Anselm Feuerbach heißt er also. Na, mal sehen, was er noch so über sich erzählt.'

Phexane bewegt sich nicht, während sie Anselm und Jarun beobachtet. In gewisser Weise genießt sie im Moment ihre unfreiwillige Unsichtbarkeit.



NORDSTERN - Brücke: Verhandlungen und Musterungen


Sobald der Zwerg das Schiff betreten hatte, wollte Anman ihm folgen. Gerade als er jedoch einen ersten zaghaften Schritt Richtung Planke machte, sich dabei sicher am Geländer festhaltend, kommt Bewegung in die Szene. Ein Seemann, der ein Mädchen trägt, verschafft sich den Vorrang, indem er einfach an Anman vorbei über die Planke rennt, und auch noch den Zwerg und einen anderen Menschen beiseite stößt.

Anman schaut sich erstmal um, ob eventuell noch weitere Seeleute so schnell aufs Schiff wollen. Da er aber niemanden sieht, der die Absicht haben könnte, nun auch noch seinen Weg zu kreuzen, will Anman es endlich wagen und zum ersten Mal in seinem Leben ein Schiff betreten. Er faßt das Geländer und überquert die Planke.

´Na, siehste.´, denkt er sich, ´Geht doch alles.´

An Bord angekommen, schaut er sich um. Die Gerüche des Hafens, die Algen und Fischreste im Hafenwasser, die ständig schreienden und zankenden Möwen, dazu immer eine Brise salzige Luft, all das macht also Seefahrt aus. Das Holz des Deckes ist ausgebleicht und warm und glatt. Es riecht nach Talg und Tee, auch verfaulter Fisch und immer der Salzgeruch dabei.

´Wunderschön.´, kommt ihm der Gedanke.

Anman bahnt sich seinen Weg Richtung Brückendeck, wo ihm der Matrose den Kapitän gezeigt hatte. Der Zwerg blieb zurück, sich mit einem bunt angezogenen Menschen unterhaltend, aber das war Anman auch ganz recht. Er wollte sich erstmal alleine mit dem Kapitän über die Preise unterhalten.

´Ich kann ja später noch mein Wort einlösen, und dem werten Alberik ein Bier spendieren.´, nimmt er sich vor.

Zwar hat Anman keine Absicht, den Zwerg als Söldner anzuheuern, trotzdem wollte er die Bekanntschaft vertiefen. Immerhin war der Zwerg die einzige Person, zu der er in dieser Stadt Kontakt hatte, außer dem mürrischen Schmied. Und außerdem würde er mit eben diesem Zwerg aller Voraussicht nach auch noch diese Seereise auf demselben Schiff verbringen.

Seine Schritte haben Anman im Verlaufe seiner Gedanken bis zum Aufgang des Brückendecks gebracht, und, nachdem er sich versichert hat, daß niemand im Weg stand, stieg er diesen hinauf und weiter Richtung der Gruppe von Menschen, die ihm der Matrose an Land gewiesen hatte. Mit lauter, ruhiger Stimme sprach er dann eben diese Gruppe an :

"Verzeiht, wackere Seeleute, ich suche den Kapitän oder Ersten Offizier dieses Schiffes.", beginnt Anman, "Ich bin auf der Suche nach einer Überfahrt gen Süden, für mich und meine Güter."

Noch ein Gedanke kommt ihm :

"Oh, vergebt mir meine fehlenden Manieren. Mein Name ist Anman Troyn.", fügt er an.



Einer der angesprochenen Seeleute antwortet Anman, ohne ihn jedoch genauer zu mustern, und bittet um etwas Geduld, da sogleich jemand zur Verfügung stehen werde.

´Das scheint einer der höheren Offiziere zu sein.´, ist sich Anman sofort klar,´Befehlsgewohnte Stimme, und ein sicheres Auftreten. Vielleicht sogar der Herr Kapitano selbst.´

Anman begibt sich also in der Nähe der zwei sich unterhaltenden Personen an die Reling des Brückendecks, so daß unter ihm sich das Deck ausbreitet und er die Geschehnisse beobachten kann. Anman dreht sich jedoch etwas zur Seite, so daß er nur den Kopf ein bißchen wenden bräuchte, sollte ihn der Kapitän oder Offizier ansprechen, der ihn ebend auf kurze Zeit später vertröstete.

´Da kommt ja auch schon dieser Zwerg.´, denkt Anman sich, als er den kleinwüchsigen Bekannten sich die letzten Stufe der Treppe hinauf mühen sieht,´Tja, so Schiffe haben steile Aufgänge, mein kleiner Freund. Schwer für Dich, tut mir leid.´

In Gedanken überschlägt Anman noch einmal, wieviel er bereit ist, für die Reise zu zahlen, und wie weit er gehen könnte, falls es mehr kosten sollte. Äußerlich sieht er gelassen dem Treiben an Deck zu und läßt seinen Blick zeitweise über die immer noch frenetisch singende Menschenmasse auf dem Kai schweifen. Mit den Ohren lauscht er dem Gespräch des Offizieres mit der anderen Person.



"Willkommen an Bord der NORDSTERN, Herr Troyn, ich bin Fiana Ohldotter, die 1.Offizierin hier an Bord."

Eine kurze Pause später fährt Fiana fort

"Wo genau möchtet ihr denn hin. Die NORDSTERN fährt bis Brabak. Auch haben wir unterschiedliche Unterbringungsmöglichkeiten, Das Beste, was noch frei ist, ist ein Platz in unseren Doppelkabinen."

Bei diesen Worten deutet Fiana auf die Tafel mit den Preisen.

"Was habt ihr den für Güter zu transportieren. Ich benötige das Gewicht und den Platzbedarf".



`So, eine Frau als Erste Offizierin.´, denkt sich Anman,´Na, ihr müßt es ja wissen. Wie die See es will.´

"Werte Fiana, ich bin mir noch nicht so sicher über das genaue Ziel meiner Reisen.", antwortet Anman mit ruhigem Ton,"Ich weiss nur, daß ich erstmal südlich will und werde mich dann im jeweiligen Hafen entscheiden. Es wäre also gut, wenn wir von Hafen zu Hafen verhandeln könnten."

Er schaut der ersten Offizierin dabei fest in die Augen und läßt anschließend seinen Blick langsam und völlig ungeniert über ihren weiblichen Körper gleiten.

"Vielleicht wird dies eine sehr lange Reise, werteste Fiana....", sagt er gedankenversunken, aber mit einem freundlichen Lächeln und hält seine Augen weiterhin auf den Körper der vor ihm stehenden Frau gerichtet, "Aber um beim Thema zu bleiben : Ich habe etwa 10 Kubikschritt edelstes Holz in einem Lager in dieser Stadt und auch einige Ballen Stoffe."

Anman blickt, nachdem er offensichtlich genug gesehen hat, auf und schaut Fiana in die Augen, "Und diese Waren sollten natürlich wassergeschützt gelagert werden. Des weiteren habe ich noch zwei kleinere Kisten persönliche Sachen, die ich aber in meiner Kabine unterbringen möchte."

´Ihr habt doch Einzelkabinen hier ?´, kommt Anman ein frivoler Gedanke,´Wäre schade, wenn man sich nicht zurückziehen könnte, Werteste.....´

"Sagt, werte Offizierin, sind denn noch Einzelkabinen verfüglich ?", fragt er denn auch.



Fiana bleibt nicht verborgen, daß ihr Gegenüber mehr oder weniger offensichtlich ihren Körper betrachtet. Doch Fiana ist keine Stadtgöre, sie weiß, was sie ist und daß sie keinen Grund hat sich zu verstecken.

Sie wendet sich nicht ab oder wird gar rot, nein, im Gegenteil ihre smaragdgrünen Augen mustern nun ihrerseits den Händler, um dann bei seinen Augen hängen zu bleiben. Sie passen nicht recht zu der ansonsten eher gemütlichen Erscheinung und es scheint das sich unter dieser Hülle einiges mehr verbirgt als es momentan den Anschein hat.

Er dagegen hat die Gelegenheit eine Frau zu erblicken, deren schlanker und durchtrainierter Körper trotz der vorhandenen Muskeln jegliche weiblichen Form im genau rechten Maß besitzt. Die lange, rote Haarpracht hat sie, wie eigentlich immer wenn sie Dienst ist, in einem überhüftlangen Zopf gebändigt.

Mit ruhiger aber bestimmter Tonlage antwortet Fiana auf die gestellten Fragen.

"Da ihr Ware mitführt ist es kein Problem erst beim Verlassen des Schiffes, bzw. beim Entladen für den Transport zu zahlen. Die Ware ist Sicherheit genug. Es könnte ja auch sein, daß ihr, früher als erwartet, in einem der nächsten Häfen ein gutes Geschäft macht und Teile eurer Ware bereits verkaufen wollt. Dann könnt ihr deren Transport bezahlen, wenn die Waren vom Schiff gebracht werden. Es ist also kein Problem, wenn ihr noch nicht wißt wie weit ihr reisen möchtet."

Einen Moment später fährt sie mit freundlicher Miene fort.

"Ja, die Reise ist lang... Jedoch sind im Moment alle Einzelkabinen belegt. Ein Platz in einer Doppelkabine ist das Beste, was ich euch anbieten kann. Falls jedoch unterwegs ein Gast, der eine Einzelkabine belegt das Schiff verläßt, könnt ihr selbstverständlich umziehen."

"Eure Ware wird selbstverständlich sicher untergebracht. Sobald sie hier am Kai ist kann sie verladen werden."



Was Fiana da betrachtet, ist ein Mann in seinen besten Jahren. Würde Fiana Ohldotter so denken wie Anman und alle anderen Männer, so würde sie vor sich ein kräftiges, saftiges Stück Fleisch sehen, und ihr würde das Wasser im Munde zusammen laufen von dem betörenden Duft, der davon ausgeht. Über den Charakter würde sie erst später Fragen stellen, sozusagen nach dem ersten Bissen, der auf ihrer Zunge zergangen wäre.

Anman ist nicht wunderschön, dies hat ihm Fiana zu seiner augenscheinlichen Freude voraus, jedoch ist er groß und äußerst kräftig gebaut und außerdem weit davon entfernt häßlich zu sein. Er sieht nicht durchgetrimmt aus, wie so manche Schausteller und Söldner, die für ihren Lebensunterhalt ihren Körper verdingen, aber verfettet wie zum Beispiel eine Bäckersfrau ist er bei weitem nicht. Gepaart mit seiner soliden Kleidung, die aus einem knielangen, braunen Mantel, einer ledernen Hose und einem schreiend blauen Hemd besteht, und die auch auf den zweiten Blick gut gepflegt und nicht billig erstanden aussieht, macht Anman doch schon etwas her, wenn auch nur, wenn er ein Lächeln aufsetzt wie das, das er gerade in diesem Moment für Fiana reserviert hat.

Seine graugrünen Augen halten ihrem Blick stand, und in ihnen setzt sich das Lächeln fort. Eine Sekunde zu lange blickt er sie so an, bevor er schließlich antwortet :

"Gut, werte Erste Offizierin. Ich nehme ein Bett in einer Doppelkabine. Mir wäre es allerdings lieber, ich könnte den ersten Teil der Fahrt jetzt schon bezahlen.", führt Anman aus,"Ich will mindestens bis Harben, besser noch bis Kuslik. So laßt mich denn bis Harben bezahlen, und dann sehen wir weiter."

Er deutet mit einer Hand fast unmerklich in Richtung der Reling, die das Brückendeck gegen den Kai abschirmt und macht einen Schritt dorthin, so als wolle er sich mit der Ersten Offizierin hinüber begeben. Der Wind von See hat zugenommen, ohne jedoch den schönen warmen Abend zu verderben. Immer noch kann man am Horizont die Stelle sehen, wo vor kurzer Zeit die Sonne ins Meer getaucht ist, und die letzten zaghaften Lichtstrahlen erhellen das abendliche Dunkel des Hafens. Fackeln und Kerzen in ihren gläsernen Lampen beleuchten den Hafen und die Leute auf dem Kai und verleihen der Szene zusätzliche Wärme.

"Was den Transport des Holzes und der anderen Sachen angeht, so denke ich, daß sie morgen gegen Mittag hier sein können, wenn das recht ist.", fährt Anman dabei fort," Eine Sache fällt mir auf der Stelle noch ein : Könnte ich die Kabine heute nacht schon beziehen ?"

Während sie sich langsam Richtung der Reling bewegen, wird Anman wieder der Menge gewahr. Und mit dieser Erinnerung kommt ihm auch der Gedanke an die ZYKLOPENAUGE wieder. Die Gefahr eines Piratenüberfalls auf hoher See ergreift ein zweites Mal an diesem Abend Besitz von ihm, so sehr, daß er Fiana keine Zeit zum Antworten läßt und noch eine Frage stellt :

"Sagt, wie gut seid Ihr auf hoher See vor Piraten gefeit ?"



'Hmm, mal eine Abwechslung. Die letzten Kerle, die sie so angeschaut haben, waren entweder Muskelprotze, Milchbubis oder Weicheier. Vielleicht entpuppt sich dieser Gast ja als interessant'

Fiana erwidert das Lächeln, und wendet sich etwas zur Seite, um ihr Gegenüber nicht aus den Augen zu verlieren, als dieser einen Schritt zur Reling macht 'all zu einfach sollte es ja auch nicht sein... , das wäre auch langweilig...'

"Also bis Kuslik sind es 900 Meilen, bis Harben etwa 250 weniger, also 650. Die Kabine könnt ihr selbstverständlich sogleich beziehen. Das macht dann 52 Silber für die Fahrt nach Harben, sagen wir 50 Silber. Den Preis für die Fracht kann ich erst endgültig bestimmen, wenn ich weiß, wieviel Ballen ihr mitbringt."

"Gegen Piraten, das kommt drauf an, wir sind kein Kriegsschiff, auch wenn wir eine Rotze haben. Gegen einen Angriff wie er der ZYKLOPENAUGE widerfahren ist, hätten wir auch wenig ausrichten können, da sie von mindestens zwei Drachen angegriffen wurde. Auf der anderen Seite haben wir auf dieser Fahrt ungewöhnlich viele Magiekundige an Bord. Mit Magie kenne ich mich nicht gut aus, aber vielleicht hätten sie die entscheidenden Rolle gespielt. Doch genug der Gedanken an Piraten, danken wir EFFerd, daß er uns geschützt hat und stimmen wir ihn wohlgesonnen, damit er uns weiter beschützt. Das ist der beste Weg mit Piraten keine Probleme zu bekommen."



´EFFerd sei Dank.´, denkt Anman,`Ich hoffe, das reicht. Etwas realer Schutz wäre trotzdem nicht schlecht, meine Guteste.´

"Tja, EFFerd sei Dank.", antwortet Anman mit fester Stimme,"Sagt, Offizierin, werden in diesen Gewässern oft Schiffe überfallen ?"

Beide haben nun die Reling erreicht, die das Brückendeck in Richtung Hafen absichert, es waren ja auch nur einige wenige Schritte. Anman stellt sich direkt an die Reling und legt seine Hände auf. Sein Blick wandert über die Menschenmenge, deren Fackeln sein Gesicht anleuchten und warme Farben darauf werfen. Seine Augen funkeln, als er sich umdreht und der Ersten Offizierin in die Augen blickt.

"Ich fahre das erstemal zur See.", fährt Anman fort, "Und ich möchte nicht, daß es das letzte Mal ist."

In diesem Moment hört er die tiefe Stimme des Zwergen seinen Namen rufen, und wendet seinen Blick in Richtung des Rufes. Der kleine, aber äußerst kräftige Mann des anderen Volkes eilt auch schon mit festem Schritte herüber. Anmans Blick wandert zurück zu Fiana und beobachtet die feinen Züge ihres Gesicht im Schein der Fackeln, während er auf eine Antwort wartet.



"Nicht öfters als in anderen auch, Pech kann man überall haben, die Wahrscheinlichkeit an Land von Räubern überfallen zu werden ist immer noch höher, als Opfer von Piraten zu werden." beschwichtig Fiana die bekennende Landratte mit einem herzlichen Lächeln.

Gerade als Fiana wieder Anmans Augen fixiert - 'sie haben dieses Funkeln...' - platzt unhöflich jemand von der Seite in das Gespräch.

Einen Augenblick keimt Wut über diese Unhöflichkeit hoch, dann sieht Fiana aber daß es sich offensichtlich um einen noch unbekannten Gast handelt, der auch noch Zwerg ist und die Typische Waffe eines Zwerges bei sich hat. Das vertreibt die Wut gleich wieder, denn falls dieser auch an Bord kommt, hat sie vielleicht endlich jemand mit dem sie ihre Begeisterung für Äxte teilen, und das eine oder andere Interessante Gespräch führen kann.



NORDSTERN - Brücke: Jergan und der Zwerg


Überrascht schaut Alberik zu dem Mann hoch, der ihn freundlich begrüßt hat. Eigentlich hatte er gerade den Händler beobachtet, den die Matrosin, die er gerade noch übersehen hatte, angesprochen hatte.

"Ähh, ja, EFFerd zum Gruße," grüßt er zurück.

Kurz muß er wieder seine Gedanken ordnen, bevor er weiter spricht, was der andere zu erwarten scheint. Doch schnell hat er seine Sicherheit wiedergefunden.

"Ich habe gehört, dieses Schiff fährt nach Süden und nimmt auch Passagiere mit. Und da ich auf dem Weg nach Praios bin, würde ich gerne mitfahren, sofern es mich nicht zu viel Taler kosten würde."

Bei diesen Worten schaut er sich schon einmal die Tafel an, die die Matrosin dem Händler neben ihnen gezeigt hat.



Zufrieden registriert Jergan, dass sich die erste Offizierin des anderen Mannes annimmt, und wendet seine Aufmerksamkeit so ganz dem Zwergen zu.

"Ja, das ist korrekt, wir fahren nach Süden. Genauer gesagt, wir fahren sehr weit nach Süden, nämlich bis nach Brabak. Wie weit würdet Ihr denn mitfahren wollen, denn davon hängt natürlich ab, wie teuer die Reise für Euch wird. Und auch davon, ob Ihr Euch mit einer Koje in unserer Gemeinschaftskabine zufrieden geben möchtet, oder ob Ihr lieber eine Hälfte einer Doppelkabine beziehen wollt."

Fragend sieht der Kapitän den Angroschim an, während er kurz die Stirn runzelt, denn Alearas etwas merkwürdige Art, auf das Brückendeck zu gelangen, entgeht ihm nicht. Das Anliegen der Matrosin muß wirklich äußerst wichtig sein, wenn sie so vorgeht, doch für den Kapitän ist dies die Höflichkeit einem Fahrgast gegenüber natürlich auch, so daß Aleara von ihm noch keinerlei Reaktion erntet.



Alberik schaut sich die Preise auf der Tafel an und rechnet, während er mit halbem Ohr dem Kapitän, um den es sich offenbar handelt, zuhört.

Angestrengt rechnet er nach, schätzt die Entfernung von hier bis Mengbilla, und rechnet wieder. Dabei hat er die Klinge der Axt auf den Boden gestellt und den Griff an seine Hüfte gelehnt, um beide Hände frei zu haben, damit die kleinen Finger ihm beim zählen helfen.

'Von hier bis Havena.... bestimmt 250 Meilen....10 Taler... bis Mengbilla.... Das sind mindestens 1000 Meilen, Umwege wie die Menschen machen, bestimmt das doppelte...!'

Der Zwerg reißt entsetzt die Augen auf.

'Das sind ja schon 8 Dukaten!!'

Für einen kurzen Moment bleibt ihm die Luft weg. Erst nach wenigen Sekunden hat er sich wieder erholt. Noch ein wenig außer Atem und mit ungläubigen Augen fragt er lieber noch einmal nach dem Preis.

"Von hier bis nach Mengbilla, wieviel würde mich das kosten, wenn ich mich in der Gemeinschaftskabine einquartieren würde?"



"Bis Mengbilla", wiederholt der Kapitän, während er im Kopf rasch rechnet.

'Etwa eineinhalb Tausend Meilen, das sollte hinkommen. Eher etwas weniger, aber viel wohl nicht. Egal, der Fahrgast wird bei uns immer bevorzugt behandelt.'

"Das sind etwa eintausendvierhundert Meilen", sagt der Kapitän dann die abgerundete Zahl, "das kostet Euch in der Gemeinschaftskabine sechsundfünfzig Silber."

Sein Blick ruht dabei ruhig auf dem Gesicht des Zwergen.



Ein wenig beruhigt von der Aussicht, nicht ganz soviel zu bezahlen, wie er selber ausgerechnet hatte, versucht Alberik noch einen Weg zu finden, irgendwie doch noch ein paar Taler zu sparen, während die Finger seiner linken Hand nervös mit den Haaren seines weißen Bartes spielen und sein Blick auf den Boden gerichtet ist.

'Was wenn ich es gar nicht bis Mengbilla auf diesem Schiff aushalte und schon im nächsten Hafen wieder aussteigen will? Dann hätte ich ja viel zu viel bezahlt! Nein, erst einmal werde ich nur den Weg bis zum nächsten Haltepunkt bezahlen, dann kann ich immer noch sehen, ob es sich lohnt auf diese Art und Weise weiterzureisen.'

Er hebt den Kopf wieder und schaut zu seinem Gegenüber. Die Hand wird aus dem Bart genommen und nach hinten zum Nacken geführt, um sich dort zu kratzen.

"Wäre es denn auch möglich erst einmal nur bis zum nächsten Hafen mitzufahren, um dort dann zu entscheiden, ob ich den Rest des Weges auch noch bezahlen will? Und was kostet es mich bis dahin?"



Der Kapitän zuckt mit den Schultern - dies ist im grundsätzlich egal, auch wenn es schon besser ist, wenn die Fahrgäste in einem Stück bezahlen, und nicht in jedem Hafen neu beginnen.

"Das könnt Ihr machen, wie Ihr wollt. Selbstverständlich erhaltet Ihr Geld, das Ihr zu viel gezahlt habt, zurück, wenn Ihr uns eher verlaßt."

Er überlegt kurz, und fährt dann fort:

"Der nächste Hafen ist Nostria. Bis dorthin sind es einhundertachtzig Meilen, das wären dann also sieben Silber und zwei Heller. Wenn Ihr jedoch plant, tatsächlich bis Mengbilla mitzufahren, dann ist es billiger, das im Stück zu bezahlen, denn ich habe die Strecke da schon gehörig abgerundet."

Diesmal hat Jergan die Summe sehr genau ausgerechnet, um den Unterschied schon anhand der Berechnung zu verdeutlichen.



'Gehörig abgerundet?! Will er damit etwa andeuten, daß ich geizig wäre?'

Alberik schaut sich das Gesicht seines Gegenübers genau an, um möglicherweise etwas zu entdecken, daß seine Vermutung bestätigen könnte, damit er auch entsprechend darauf reagieren könnte.

'Aber wenn er mir das Geld, das ich zuviel bezahlt hätte, sowieso zurück zahlen würde, und er die Strecke nach Mengbilla schon abgerundet hat, dann kann ich ja auch jetzt schon bezahlen. Und außerdem ist die Verpflegung auch schon mit drin. Ob er wohl mit sich handeln läßt?'

Doch ein Blick auf den Kapitän macht Alberik deutlich, daß dieser bestimmt nicht mit sich handeln läßt, und bevor es sich dieser anders überlegt, und aufrundet statt abzurunden, willigt der Zwerg ein.

"Also gut, dann bezahle ich gleich bis nach Mengbilla. Das waren fünfzig...,"

'Nein, Alberik, versuch lieber nicht mehr, den Preis nach unten zu drücken, sonst mußt du gleich die acht Dukaten bezahlen, die du dir ausgerechnet hattest.'

"...sechsundfünfzig Silbertaler für einen Platz in der Gemeinschaftskabine. Soll ich sofort bezahlen, oder reicht es, wenn ich beim Ablegen bezahle? Und wann fährt das Schiff los?"



Jergan unterläßt es, die Augenbrauen hoch zu ziehen, auch wenn der Drang dazu recht stark ist. Diese Zwerge sind manchmal wirklich seltsam...

"Ihr könnt jetzt bezahlen, oder beim Ablegen - das ist mir egal. Ablegen werden wir wohl übermorgen früh, es sei denn, es ergeben sich Probleme bei einigen Arbeiten hier auf dem Schiff, die wir vorm Auslaufen noch verrichten müssen. Ist das für Euch so in Ordnung?"



'Übermorgen geht die Fahrt los? Soll mir recht sein, ich bezahle ja für die Strecke und nicht für die Nächte, die das Schiff braucht, bis es in Mengbilla ist.'

"Übermorgen früh? In Ordnung. Ich werde dann morgen im Laufe des Tages meine Sachen aufs Schiff bringen, dann werde ich auch bezahlen."

Damit ist das Gespräch für Alberik beendet. Ohne eine mögliche Antwort abzuwarten, hebt er seinen Felsspalter hoch und legt ihn sich auf die Schulter, die Klinge nach hinten. Seinen rechten Unterarm legt er auf den Axtstiel, um ein Gegengewicht zu dem schweren Axtblatt zu haben.

Zu dem Händler, der mit einer Matrosin nur wenige Schritte von ihm weg steht, ruft er "He, Anman!" und eilt dann mit weiten Schritten zu ihm hinüber.



NORDSTERN - Brücke: Jergan und Aleara


Ohne den Kapitän zur Ruhe kommen zu lassen wendet sich Aleara sofort an ihren Vorgesetzten.

"Kapitän, ich halte es hier an Bord nicht mehr aus. Wenn ihr gestattet würde ich heute abend gerne das Schiff verlassen. Ich brauche ein wenig..."

sie zögert kurz

"...Zerstreuung nach den Ereignissen der letzten Tage"

Mit großen fragenden Augen blickt sie Jergan an.



"In Ordnung", bekommt der Zwerg noch als Antwort zu hören. Der Kapitän will sich dann zu Fiana umwenden, um zu sehen, ob dort alles klar ist, als Aleara ihren Ansturm auf die Brücke fortsetzt und ihn sofort und nicht wirklich sehr angemessen anspricht. Und das dazu noch mit einem absolut nichtigen Problem, für das eigentlich die Bootsfrau zuständig ist!

Jergan ist jedoch nicht der Mann, der in solchen Situationen herum brüllt, das würde eher zu Nirka passen. So bleibt seine Stimme leise und verhältnismäßig ruhig, auch wenn der Ärger durchaus zu hören ist, wenn man aufmerksam ist.

"Warum belästigst du mich damit? Das ist eine Frage, die Nirka entscheiden kann! Oder hat SIE dich zu mir geschickt?"

Der Blick des Kapitäns fixiert die Matrosin dabei hart. Insbesondere die Art, wie er "SIE" betont, läßt kaum einen Zweifel darüber, daß Jergan sich sehr sicher ist, daß Nirka dies nicht getan hat, denn in solch einem Fall wäre sie entweder mitgekommen, oder würde zumindest jetzt die Brücke mustern, und nicht dort vorne auf einer Winde sitzen.



NORDSTERN - Unterdeck: Versammlung an der Treppe


Wasuren dauert die angeblich kurze Aktion von Efferdan zu lange und er tritt etwas näher an den Niedergang heran.

'Der Kerl will wohl Zeit schinden und wieder etwas zu Kräften zu kommen. Aber nicht mit mir so werden wir ja nie fertig.'

Wasuren spricht mit seiner starken, rauhen Stimme gut hörbar für so manche Leute in der Umgebung in den Niedergang hinunter :

"Efferdan wie lange dauert das denn da unten. Jetzt komm endlich mal her und nimm die Trosse hier am Niedergang in Empfang. Wenn da unten wer im Weg steht wird er das schon merken !!"

Etwas aufgebracht stampft Wasuren wieder zur Trosse zurück und zieht sie vorsichtig ganz nah an den Niedergang heran.



Vor ihm Streit, über ihm Wasuren, der langsam ungeduldig wird - und immer noch der Menschenauflauf vor der Kabine. Wenigstens ist Garulf nicht mehr im Gang zu sehen...

Noch immer scheint Efferdan wie gelähmt, unfähig sich zu bewegen, starrt auf die beiden Jungs. Erst als sich Alrik zu ihm umdreht und ihn tadelnd mustert, kommt ihm wieder zu Bewußtsein, daß er etwas zu erledigen hat und er es sich nicht erlauben kann, hier herumzustehen - zumal er selbst die Treppe blockiert.

` »Du mußt etwas mutiger sein...« `

So nimmt er seinen Mut zusammen, schüttelt den Kopf, wie um die Furcht abzuschütteln, die ihn inmitten dieser Menschen eingefangen hatte und ruft dann - mehr halblaut und mit etwas heiserer Stimme als sonst - nach oben:

"Ja... ja, ich.. komme. Moment.."

Hastig dreht er sich um, und beginnt, die Treppe wieder ein Stück hochzusteigen, um dann oben die Trosse in Empfang zu nehmen.



`So, daß müßte reichen, jetzt müßte Wasuren mir die Trosse reichen können, hoffentlich kann ich es heben...`

Efferdan steht nun halb auf der Treppe nach oben, streckt die Hand durch die Öffnung zum Oberdeck und seine helle Stimme dringt nach oben:

"Bin soweit... kannst mir ein Ende reichen..."

`Ich muß dann schnell runter klettern , sonst falle ich noch mit der schweren Trosse runter...`



Nach diesen weiteren Widerworten läßt ALRIK jetzt endlich den Zeigefinger sinken und funkelt den aufmüpfigen Bengel nun erst recht wütend an. Den Verweis auf den zweiten, vermutlich freien Aufgang spart sich ALRIK an dieser Stelle. Aber darum geht es hier ja auch gar nicht, denn eigentlich bettelt der Kleine momentan ja förmlich um Schläge. Aber wozu sich prügeln? Das hätte ja doch nur zur Folge, daß ihm der Landgang gestrichen wird. Und das ist der Wicht nun wirklich nicht wert.

"Um den Boden mach dir mal keine Sorgen. Da finde ich morgen schon noch was passendes, um ihn blitzeblank zu schrubben, verlaß dich drauf."

Der drohende Unterton in ALRIKs Stimme läßt den leisen Verdacht aufkommen, daß der Schiffsjunge möglicherweise Amegs Haarschopf für so eine Tätigkeit als perfekt geeignet ansieht.

"Aber der andere Aufgang dürfte frei sein. Du mußt nur einmal kurz allein dort hinten entlang durch's Dunkle. Sonst mußt du eben hier warten bis die Matrosen mit ihrer Arbeit fertig sind, wenn du dich nicht allein traust", fügt ALRIK noch mit einem fiesen Grinsen hinzu.

Da bliebe jetzt eigentlich nur noch die Frage, wann Efferdan hier gedenkt fertig zu werden, denn noch steht der blonde Matrose auf der Treppe als hätte er dort Wurzeln geschlagen und guckt dabei nur verschreckt Löcher in die Luft. Na, das ist wieder typisch Efferdan. Aber so langsam müßte er sich doch auch mal an den rauhen Ton, der hier bisweilen an Bord herrscht, gewöhnt haben. Aber bei manchen dauert das halt länger und bei einigen wenigen wird das halt nie was. Aber sagte Efferdan nicht eben, daß Wasuren auch mit beschäftigt sei. Das läßt dann ja doch wieder Hoffnung aufkommen, daß das hier bald zackig weiter geht.

"Ho, Wassy! Bist du's dort oben? Hier ist frei, aber ich weiß nicht wie lang noch. Mach halt hin, desto eher sind wir an Land," ruft ALRIK nach oben. Während dessen wird auch noch der arme Efferdan mit einem tadelnden Blick bedacht.



Mit einem Anflug von Genugtuung nimmt ALRIK zur Kenntnis, daß sein hochnäsiger, tadelnder Blick wenigstens bei Efferdan Wirkung zeigt.

Vielleicht wird es dann ja wirklich noch was mit dem Landgang. Hauptsache Wasuren kommt mit. Immerhin hat ALRIK noch ein Goldstück zu verprassen und da ist doch eine lustige Gesellschaft eher willkommen als der zurückhaltende, scheue Efferdan. Außerdem juckt es ALRIK förmlich in den Fingern, Wasuren noch ein wenig mit dem geheimnisvollen Stelldichein mit der ominösen Unbekannten nach Fianas Tsatag ein wenig aufzuziehen.

Dann fällt ALRIKs Blick wieder auf den frechen Knaben vor ihm und seine spontane Vorfreude auf einen gemütlichen Abend wird wieder spürbar getrübt.

'Rotzbengel... warte mal ab bis morgen.... das klären wir dann schon...'



NORDSTERN - Unterdeck: Torin geht zur Seite


Torin beobachtet die Szenerie am hinteren Niedergang gespannt. Noch immer brennt er darauf, zu erfahren, was sein Mündel als Reaktion auf die herausfordernden Worte des Schiffsjungen entgegnen wird.

Doch noch während er auf Amegs Antwort wartet, schallt ein Ruf vom Oberdeck herab. Torin versucht zu erkennen, wer da ruft, doch die hölzerne Decke des Schiffes versperrt ihm den Weg. Und doch reagiert er auf diese gerufene Bitte beinahe sofort. Er löst sich vom Türrahmen und tritt zurück in die Gemeinschaftskabine.

'Dort ist am meisten Platz und ich behindere niemanden.'

Dort stellt er den alten Rucksack vor 'seine' Koje und setzt sich hinein.

'Das Gedränge da draußen dauert hoffentlich nicht mehr lange. Und dann können wir noch immer von Bord gehen.'

Er blickt hinüber zur Tür, an der noch immer die junge Druidin steht. Der schwarze Umhang, den sie trägt, kaschiert nun einen Großteil ihrer weiblichen Form, doch selbst ihr braunes Haar scheint im Schein der Öllampe zu glänzen. Falten bilden sich auf seiner Stirn als er seine Hand zum Kinn führt und durch seinen Kinnbart streicht.

'Hmmm.'



NORDSTERN - Unterdeck: ALRIK und Ameg im Streit


Ameg schafft es nach einer Weile seinen, vor Erstaunen geöffneten Mund zu schließen. Eigentlich hatte er irgendwie mit einer etwas anders gearteten Reaktion gerechnet, aber vielleicht hatte er auch zu viel Zeit auf den Straßen Thorwals verbracht. Jedenfalls war die Reaktion des Schiffsjungen bis auf ein wenig Beleidigung und Schärfe in der Stimme ziemlich flach ausgefallen. So dachte jedenfalls Ameg. Was der Schiffsjunge wirklich dachte konnte Ameg natürlich nicht ahnen.

Nachdem Ameg es also geschafft hat seinen Mund zu schließen schaut er den Niedergang hoch und ärgert sich, daß der Schiffsjunge offensichtlich auch noch Recht hat und da wirklich kein Durchkommen ist. Aber es gab ja noch einen netten anderen Ausweg um keine echte Niederlage einstecken zu müssen...

'hmm.. ich kann nicht so einfach hier aufgeben. Er hat zwar recht schwach geantwortet, aber eine Herausforderung war auch darin. Er meinte ich habe Angst vor der Dunkelheit... ha... kein Stück'

Ameg schaut in die tiefere Dunkelheit des Unterdecks.

'Wenn doch da nur Sterne leuchten würden... oder das Licht aus Häusern... dann wäre es nicht sooo dunkel da... wer weiß was sich da jetzt rum treibt.... vielleicht liegen da ein paar Besoffene Mannschaftsmitglieder herum und warten nur darauf mal wieder ihre Waffen auszuprobieren, nachdem wir keinen Piraten begegnet sind.. oder diese Katze frißt mich..... QUATSCH... die Katze ist klein und süß... ich habe keine Angst!'

"pfff", macht Ameg und meint dann, " i' hab' keine Angst vor der Dunk'lheid un' so lang' wart'n bis ihr hier durch seid tu' ich auch nich'"

Und so macht Ameg sich auf den Weg in die tieferen Tiefen der dunkleren Dunkelheit... unten.. im Unterdeck des im Hafen liegenden Schiffes, aber nicht ohne vorher noch leise

"Langweiler" zu murmeln als er an Alrik vorbei geht.



"Kojenpupser", lautet ALRIKS Antwort an Ameg, denn irgendwie paßt es dem Schiffsjungen doch nicht so recht, dem kleineren Jungen das letzte Wort zu überlassen.

Dann plötzlich herrscht oben eine gewisse Unruhe und zudem ist auch noch die Rede von Verletzten. Was mag da wohl vorgefallen sein? Hoffentlich ist den Matrosen auf dem fremden Schiff nichts zugestoßen, hofft der Schiffsjunge und springt seinerseits schell zur Seite und gibt den Weg zu den Kabinen somit weitestgehend frei.



"Schiffsratte", zischt Ameg zurück als er sich in der Schummrigkeit des Unterdecks langsam von der Schiffsratte.. ehmm.. dem Schiffsjungen entfernt.

Weiter und weiter setzt er vorsichtig einen Fuß vor den anderen, wobei er das Unterdeck schräg durchquert, weil er einerseits schnell zum vorderen Aufgang will, andererseits aber auch nicht unbedingt den Niedergang in der Nähe hinunter fallen will.

Die Strecke kommt ihm wie eine Ewigkeit vor... endlos setzt er einen Fuß vor den anderen. Er hat das Gefühl sich immer weiter und weiter zu entfernen und schon irgendwo außerhalb des Schiffes zu sein.. ja.. eigentlich schon irgendwo in Havena oder so... werden nicht selbst die Geräusche immer leiser? .. und die Dunkelheit immer dunkler? ... Ewigkeiten vergehen.. bis schließlich:

*TOCK* ..

"aua!"



NORDSTERN - Oberdeck: Ungeduld


So schnell kann der Druide dann doch nicht folgen. Schwer atmend betritt er das Oberdeck der NORDSTERN, Schweißtropfen rinnen die Stirn herab und dunkle Augenringe verraten dem geübten Beobachter, daß die Rettungsaktion auf der ZYKLOPENAUGE nicht spurlos an ihm vorübergegangen ist.

Er läßt seinen Blick an den verschiedenen Personen auf dem Oberdeck vorbei gleiten auf der Suche nach dem Seemann mit dem Mädchen und dem Zauberer. Schließlich sieht er, wie sie gerade auf den hinteren Niedergang zusteuern. Fargus nimmt erneut die Verfolgung auf, allerdings nun mit deutlich gedrosselter Geschwindigkeit.

'Auf ein paar Sekunden wird es gerade jetzt wohl nicht ankommen' denkt er bei sich.



Für wenige Momente erwärmt den alten Schiffszimmermann wirklich noch eine kleine Glut Verständnis dafür, daß der Niedergang blockiert erscheint, doch als sich, trotz der Intervention des Herren Durenald nichts bewegen will, dort am Niedergang, wird er dann doch ungeduldigt. Und mit dieser Ungeduld kommt ein gehöriger Teil Unmut in seine Befinden. Und mit diesem steigenden Unmut wird er merklich zorniger. Und Zorn kann Ole nicht lange für sich behalten, ohne ihn mitteilen zu müssen:

"AUGENBLICKLICH IST DER WEG FREI ODER ICH WERDE OHNE RÜCKSICHT MEINEN WEG

GEHEN !!"

Es könnte gut möglich sein, daß man Ole auch noch in Festum gut verstanden haben könnte, laut genug hätte er jedenfalls gesprochen. Es scheint ihm sehr ernst zu sein. Dennoch stürmt er nicht vorwärts, wie man das hätte erwarten können, nach seiner aggressiven Ankündigung, sondern er bleibt stehen, ruhig und gelassen, verdächtig ruhig und gelassen, wendet sich zu Herrn Darian und fragt mit zurückhaltender Stimme:

"Wollt ihr vorangehen oder soll ich erst Platz machen?"



Aufgrund des Menschenauflaufs scheinen die beiden Mitstreiter gerade nicht voran zu kommen, so daß der Druide kurze Zeit später bereits wieder zu ihnen aufgeschlossen hat. Auf halbem Weg vernimmt er noch die Worte des Seemanns, der sichtlich verärgert zu sein scheint, daß ihm keine Gasse frei gemacht wird. Schließlich erreicht er die beiden, nachdem er zwischenzeitlich auch wieder seine Laufgeschwindigkeit erhöht hatte.

"Hört ihr denn nicht, macht Platz für die Verletzte" ruft er aus.



Auch Darian hatte mit wachsender Ungeduld den immer noch blockierten Niedergang beobachtet, als der Schiffszimmermann zu ihm aufschlieszt und lautstark sein Wegrecht einfordert.

"Laszt mich am besten vorangehen, sonst steht Ihr vor verschloszener Tuer," antwortet er Ole. Aus den Augenwinkeln nimmt der Adeptus wahr, dasz Trolske zurück an Bord gekommen ist und offensichtlich einen Heiler mitgebracht hat. Daß sich im Niedergang noch immer nichts tut, bestätigt er noch einmal seine und Oles Worte, zwar nicht ganz so laut, wie der Graue Riese, doch schon sehr ungehalten für einen hesindegefälligen Magier:

"Wir haben hier eine Verletzte, nun gebt endlich den Weg frei!"



Efferdan steht immer noch auf der Leiter und blinzelt nach oben, wartet, bis Wasuren ihm die Trosse reicht.

Da hört er plötzlich den Tumult, der oben auf dem Deck entsteht.

`Was ist das los? Warum? Sie sehen doch, daß... Verletzte? Wer? Wo? Warum?`

Efferdans Augen weiten sich

`Was jetzt. äh`

Efferdan blinzelt nach oben, dann nach unten.

`Vielleicht gehe ich... mal runter...`

"Äh Wasuren, wart mal, ich gehe mal..."

klingt Efferdans helle Stimme den Aufgang hoch. Dann beginnt Efferdan wieder hinunterzusteigen..



SALZERHAVEN - Am Pier: Trolske und der Heiler


Als Trolske merkt, dasz der Heiler noch immer Mühe hat seinen Schritten zu folgen, verlangsamt er sein Tempo noch mehr. Seine Laufgeschwindigkeit erinnert jetzt schon eher an gemütliches Schlendern zur Taverne auf Landgang, als an die Erledigung eines wichtigen Auftrags. Aber es ist ja nicht mehr weit.

"Es ist nicht mehr weit, die zweimastige Karavelle dort hinten ist es," teilt er dem Heiler mit.

Erleichtert stellt Ulfried fest, dasz der Matrose doch noch Erbamen mit einem alten Mann zeigt. Als Trolske ihn anspricht wird er nicht nur der NORDSTERN, sondern auch der ZYKLOPENAUGE gewahr, deren Bug man nun bald erreicht haben wird.

"Was," ... schnauf ...,"ist denn mit dem anderen Schiff passiert?" fragt er daraufhin.



"Das wurde von Piraten aufgebracht und wir habens später in Schlepp genommen. Die junge Frau war auch auf dem Schiff deshalb braucht sie ja Eure Hilfe."

Trolske setzt seinen Weg Richtung NORDSTERN unbeirrt fort, während er dem Heiler antwortet. Wenn dieser unbedingt genaueres wissen will, kann er ja später noch den zweiten Offizier fragen.

Ulfried bestätigt die Worte des Matrosen nur mit einem kurzen "Aha", das von einem Nicken begleitet wird. Schlieszlich haben die beiden Männer die Planke der NORDSTERN erreicht.



Als Trolske und der Heiler die Planke erreichen, ist der Andrang dort soweit vorbei, dasz der Matrose nicht lange warten musz, um seinen Weg zum Oberdeck der NORDSTERN anzutreten. Mit wenigen flotten Schritten hat er das schmale Brett überquert.

Ulfried tut sich da schon etwas schwerer, zwar hat er einen Groszteil seines Lebens in der Hafenstadt verbracht, doch dasz er selbst ein Schiff betreten hätte, das kam dann doch eher selten vor. Schwankend und leise vor sich hin fluchend kommt er jedoch auch trockenen Fuszes auf der NORDSTERN an.

Trolske sieht sich kurz um, dort steht Ole ja noch, zwischen Planke und hinterem Niedergang.

´Warum geht er denn nicht weiter? Der Magier scheint ja auch noch auf etwas zu warten.´

Wie dem auch sei:

"Da vorne ist die junge Frau," deutet er dem Heiler.



NORDSTERN - Oberdeck: Sigrun und Nirka


Die Bootsfrau der NORDSTERN steht etwas abseits von all dem Gedränge, das sich auf dem Oberdeck und insbesondere an der Planke gebildet hat. Es zuckt ihr in der Zunge, mit einigen lauten Worten dem Transport der Verletzten den nötigen Platz zu verschaffen, aber das Problem hat sich ja schon fast von selbst gelöst, während es eine Reihe anderer Probleme gibt, um die sie sich wohl kümmern muß.

Da ist zum einen das Beiboot der NORDSTERN, das immer noch am Heck der ZYKLOPENAUGE festgemacht ist, und zwischen den beiden Schiffen liegt. Es wird nicht einfach sein, das nasse und schwere Fahrzeug wieder auf das Deck der NORDSTERN zu befördern, doch hier im Hafen ist diese Arbeit wohl weitaus einfacher, als sie das auf hoher See wäre.

Und dann gibt es weiterhin das Problem mit der Rudermaschine, das nun endlich gelöst werden muß - allerdings wohl leider nicht mehr an diesem Abend, denn die Schiffbauer der Werften Salzerhavens werden schon längst Feierabend gemacht haben und in einer der Hafenschenken sitzen. Dies wird dann wohl die allererste Arbeit des nächsten Morgens werden...



Erst die eine und dann die andere Hand finden den Weg zu den Augen, über die sie langsam zu reiben beginnen. Ein herzhaftes Gähnen unterstützt diese Tätigkeit, bis sich Sigrun plötzlich schwungvoll aufrichtet und die Augen aufschlägt. Ob der Tag schon vorüber ist? Es fällt Sigrun immer wieder schwer, sich an die Bedingungen des Nachtdienstes anzupassen und sie entwickelt einfach kein Gefühl dafür, wie lange sie über Tag schläft.

'Na, macht nichts! Schließlich muß ich heute nacht nicht wieder arbeiten, endlich hat es damit ein Ende.'

Diesmal hatte es Sigrun aber auch wirklich hart getroffen: die ganze Strecke seit Thorwal hatte Jergan sie zum Nachtdienst eingeteilt, so daß sie kaum eine Möglichkeit hatte, die neuen Matrosen und Mitreisenden kennenzulernen und auch Nirka hatte sie nur von weitem gesehen.

Entschlossen schwingt sie sich aus dem Bett, fährt einmal mit den Fingern durch das Haar und macht sich auf den Weg zum Oberdeck. Dort angekommen, sieht sie, daß sich der Tag wirklich schon seinem Ende zuneigt. Ein leiser Fluch droht ihr zu entschlüpfen, doch da gleitet ein plötzliches Grinsen über ihr Gesicht. Da vorne sitzt ja Nirka! Und sie sieht aus, als hätte sie sogar ein wenig Zeit!

Zielstrebig steuert Sigrun auf die Freundin zu, die Umgebung und die vielen anwesenden Menschen, die ja eh im Halbdunkel schwer zu erkennen sind, kaum beachtend. Lächelnd blickt sie auf Nirka herunter, als sie fragt:

"Na, wie war der Tag?"



Die Gedanken der Bootsfrau folgen weiter den Kreisen, die sie in den letzten Augenblicken gefolgt sind, als eine sehr vertraute Stimme, die Nirka ungeachtet all des Lärms und des Geredes der anderen auf dem Oberdeck sofort identifiziert, sie anspricht. Ein strahlendes Lächeln huscht über die Gesichtszüge der Bootsfrau, als sie auf dem Gehäuse der Winde etwas zur Seite rutscht, und damit genug Platz für Sigrun macht.

'Zumindest kurz scheint Salzerhaven uns ja doch Gelegenheit zu geben...', huscht durch ihre Gedanken.

"Der Tag?" Sie muß ganz kurz nachdenken. Der Tag war LANG, sehr LANG. Sigrun hat sie nur früh ganz kurz erblickt, als sie auf das Deck gekommen ist, und die andere es betreten hat. Und danach... da ist dann SOVIEL passiert.

"Er war anstrengend, spannend, aufregend, eigentlich all dieses. Immerhin waren wir scheinbar leise genug, um deinen Schlaf nicht zu stören, aber den hattest du ja auch redlich verdient."

Nirkas Stimme hat wieder diese Wärme, die man bei der Bootsfrau eigentlich kaum kennt, und die sie auch kaum jemanden anderen als Sigrun gegenüber benutzt. Gut, Sylvhar, der Elf, hat von ihr in den letzten Tagen auch ab und zu mal Worte in dieser Wärme zu hören bekommen, wenn Sigrun oder sie ihm menschliches Verhalten erklärt haben, aber alle anderen kennen nur die harte und kalte Stimme der Bootsfrau.

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll", fährt sie dann fort. "Vielleicht damit, daß wir in den letzten Stunden ein Wrack hierher in den Hafen geschleppt haben, das wir unterwegs aufgefunden haben - wohl kurz nachdem Piraten ihr scheußliches Werk beendet haben."

Sie zeigt dabei nach vorne, wo vor dem Bugspriet der NORDSTERN das Wrack der ZYKLOPENAUGE im Halbdunkel zu erkennen ist - das Wrack ohne Masten, mit zerstörten Aufbauten, und tief im Wasser liegend. Und den beiden Gestalten, die von hier aus deutlich auf Deck zu sehen sind - einer davon der zweite Offizier Lowanger.



NORDSTERN - Oberdeck: Alrik Fuxfell und Herr di Vespasio


Verwundert blickt Alrik seiner Schwester nach, dann wendet er sich an den Comte.

" Ich werde jetzt nach Salza gehen, aber allein loszuziehen ist doch etwas langweilig. was sagt ihr wollt ihr Euch vielleicht auf der suche nach einem guten Gasthaus anschließen? Allmählich bin ich es leid in den Schlaf gewiegt zu werden. Mein Körper und mein Geist sehnen sich nach einem festen Bett. Und nicht zu vergessen einem schönen Glas Wein."

Der Magus deutet eine leichte Verbeugung an und schaut seinen Gegenüber erwartungsvoll an.



Di Vespasio erwidert zunächst die leichte Verbeugung mit eben einer solchen.

"Und mein Gaumen sehnt sich nach einem wirklich guten Essen, eines das nicht in einem Topf gekocht wurde, möglicherweise gar etwas Gebratenes. Dazu eine Eispeise. Eine cremige Sahnesauce. Lamm, ja Lamm wäre gut. Ach, mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Natürlich begleite ich euch, wenn solcher Gewinn wartet. Laßt uns schnell aufbrechen."

Während er noch mit der linken den Stock festhält, überläßt er mit einer eleganten Geste der rechten Alrik den Vortritt. Seine Gedanken sind eh schon weit voraus, bei dem nächsten Thema, an dem er Freude gefunden hat.

"Sagt, als in der Illusionsmagie Kundiger, habt ihr euch doch sicherlich auch mit Optik beschäftigt, oder?"



"Optik war nämlich immer eines meiner besonderen Steckenpferde, und da habe ich mich gefragt, ob ihr möglicherweise auch das Werk von Sumpitzcka gelesen habt. Er schreibt, daß Licht ..."

Über dieses und andere Themen diskutieren die beiden edlen Herren und verlassen völlig in ihre Unterhaltung vertieft das Schiff. Die Menschen vor der NORDSTERN sehen, daß die beiden nicht gestört werden möchten und machen schnell Platz. Da beide es nicht eilig haben und der etwas windige, aber dennoch laue Abend zum Flanieren einlädt, schlagen sie ein lässiges Spaziergängertempo an, das die Diskussion erleichtert.

Am Pier angekommen wenden sich die Gelehrten zunächst nach rechts und bewegen sich auf demselben voran, dorthin, wo der Hauptteil der Stadt zu warten scheint. Das Gehen in der Dämmerung ist nicht ganz so einfach, zumal da bei einem Fehltritt gleich rechts das Meer dunkel und schmatzend auf einen leckeren Bissen wartet.

Das Pflaster des Piers ist jedoch gut und recht frei von Löchern. Überhaupt macht ganz Salzerhaven einen guten, gepflegten Eindruck, was auch daran liegen mag, daß die Stadt eine gerade mal hundert Jahre junge Tochter von Salza ist.

So sind die Seemannsspelunken, die in diesem Teil des Hafens zwischen die Kontore und Warenlager gedrängt am Pier stehen, nicht ganz so baufällig wie ihre Pendants in anderen Hafenstädten. Aber das Gegröhle, das aus den offenen Türen dringt, kann das Ohr eines wohlgelehrten Herren nur beleidigen und ein kurzer Blick durch die hell erleuchteten Fenster eines Etablissements wie 'Die betrunkene Möwe' oder 'Zum offenen Faß' läßt jeden Adeligen ahnen, daß er hier falsch ist.

Da fügt es sich gut, daß nur ein Stückchen weiter ein kleinerer Platz die Häuserfront durchbricht. Die auf der einen Seite zum Meer hin offene Freifläche mag tagsüber als Marktplatz genutzt werden, jetzt liegt sie leer und dunkel da. Auf den anderen drei Seiten wird sie von mehrgeschossigen Steinhäusern umgrenzt. Schon die noble Architektur zeugt vom Reichtum der Hauseigner, da ist es nicht notwendig 'vom Berg', 'Stoerrebrandt' oder 'Liegerfeld' auf den Türbalken zu entziffern.

Beherrscht wird der Platz jedoch von dem auf der gegenüberliegenden Seite dreistöckig emporragendem Gebäude. Die Front wird von fünf Lampen erhellt, die einen prächtigen, reich verzierten Bau aus der Dunkelheit erheben, der sich auch in Kuslik oder Gareth nicht zu verstecken bräuchte.

Der Stil mag Neu-Garethisch sein, jedoch mit einigen lokalen Einflüssen. Die verwendeten Materialen müssen von weit her zusammengetragen worden sein. Die rötlichen Farben geben ihm im Kontrast mit dem grauen Naturstein ein sehr anziehendes Aussehen. Sogar am Blumenschmuck der Fenster hat man nicht gespart. Kein Traviatempel könnte einladender sein. Das beste ist jedoch, daß ein großes goldfarbenes Schild mit der Aufschrift 'Der neue Admiral' das Haus eindeutig als ein Gasthaus ausmacht. Mehr als nur ein Gasthaus, das erste Haus am Platz.

"... weshalb die Tulamiden wohl auch warmen Sand nehmen, andererseits haben sie vermutlich einfach zuviel davon. Aber, wohlgelehrter Herr Fuxfell, was haltet ihr davon, wenn wir bei jenem gastlichen Haus dort vorne einkehren."



Gerade noch mit den Gedanken in der Wüste und in den Anwendungsmöglichkeiten des Sandes verstrickt, sieht sich Alrik plötzlich einem prächtigen Gasthaus gegenüber.

Sofort verschwinden alle Gesprächsstoffe aus seinen Gedanken und vor seinem inneren Auge entsteht der Anblick eines herrlich weichen Bettes, ganz in blau, mit seidenen Laken und einem beruhigenden hellblauen Himmel.

Ohne auch nur eine Sekunde auf den verblüfften Comte zu achten, läßt er diesen einfach stehen und betritt das Gasthaus.



In SALZERHAVEN - Pier: Meergrün und NORDSTERN


Nachdem Meergrün sich an dem Beiboot der NORDSTERN satt gesehen hat, geht er weiter den Anleger entlang und gelangt so zu dem vorderen Poller, an dem die NORDSTERN befestigt ist. Er springt behende auf den Pfahl und wirft einen ersten Blick auf das Schiff.


es iist das schiiff

das meiin aug griiff


und zog biis hiier

siie siicher ruht


eiin guter zug

das macht miir mut


so wiill iich denn

diies schiiff besehn.


Der kleine Klabauter springt von dem Poller direkt auf das Tau, mit dem die NORDSTERN befestigt ist. Das Tau gibt unter seinem geringen Gewicht nur unmerklich nach, so daß wohl niemandem auffällt, daß hier jemand neben der Planke einen zweiten Weg auf das Schiff gefunden hat. Einen Weg zumindest für die, die mühelos darauf balancieren können.


wiie sprach diie Ma

zum miir als kiind


sieben ding das merke dir

sucht ein klug klabautermann

an schiffen fein für sein heim


dii dum tii dum

wiie giing das noch


ram pum pa dum

auf segelloch



Meergrün konnte sich endlich an den ersten Vers der Lehrweise seiner Mutter erinnern und hat sich zum Lager für die Segel aufgemacht. Dort steht er nun von den verschiedenen gerollten und gefalteten Segeln und Ersatzsegeln und überlegt was zu tun ist.


das segel sauber gelegt

ohne loch und ungesplißt


Die Segel sind so etwas wie die Kleider des Schiffes. Und ein stolzes Schiff kann sich da keine Flecken, Knitterfalten oder gar Löcher leisten. Wenn die Seeleute erst anfangen das Segel wie einen Putzlappen zu behandeln, ist der Ruf schnell ruiniert. Und das hat Meergrün nicht vor mit seinem Schiff geschehen zu lassen.

Er zupft sich am Schnurrbart und macht sich daran, seine Prüfung gewissenhaft durchzuführen. Schließlich hat er vor, ein ordentliches Schiff zu übernehmen. Die Pflichten eines Klabauters sind keinesfalls leicht, da heißt es mit gebotener Gründlichkeit vorzugehen.

Zunächst fährt er mal mit der Hand die Falten des Großsegels ab und schaut, ob diese ordentlich aufeinandergelegt sind.


eiin fiinger breiit

niicht ganz genau


das kann so seiin

da sag iich niichts


Die nächste Aufgabe ist schon etwas schwieriger, denn um den Vorsaum zu untersuchen muß das Segel etwas aufgefaltet werden. Meergrün legt den Zeigefinger auf einen Knoten, worauf sich dieser von selbst öffnet und das Segel freigibt. Nun ist nur noch ein kräftiger Stoß mit Fuß notwendig und die Naht liegt auf einem genügend langen Stück frei.


eiin fester stiich

ganz ohne fehl


das lob iich mir

da sag iich niix


Nun folgt der schwerste Teil, Meergrün muß das Segeltuch selbst prüfen. Das geht natürlich nur, wenn man das gute Stück ein wenig weiter auf faltet, was für ein Wesen seinen Größe ein gehöriges Stück Arbeit ist. Doch er beklagt sich nicht, reibt hier und da an dem Stoff, wo er zunächst einen Flecken vermutet, zieht kritisch an den Reffbändseln und kriecht schließlich sogar unter das Segel, um die andere Seite gründlich zu untersuchen.


das segeltuch

iist eiinwandfreii


eiin schönes stück

das nenn iich feiin


Zufrieden blickt Meergrün auf sein bisheriges Werk und denkt bei sich, daß ihm das Schiff zu gefallen beginnt, zumindest sind die Matrosen ordentliche und gewissenhafte Leute. Aber es gibt ja noch sechs andere Dinge zu überprüfen, bevor er ein endgültiges Urteil abgeben kann.


diie nächste tat

wartet niicht lang


auf hohen höhn

iist miir niicht bang


Und schon springt Meergrün auf zu neuen Orten und verläßt die Segellast nicht ganz so ordentlich wie er sie vorgefunden hat.



NORDSTERN - Brücke: Der aufdringliche Zwerg


Die Worte, die Fiana an Anman richtet, beschwichtigen ihn nur wegen des Klangs ihrer Stimme. Seine Gedanken sind in Wirklichkeit dabei, einen oder besser mehrere Wege zu finden, daß Gespräch mit der Ersten Offizierin in die Länge zu ziehen. Ihre sonnengebräunte Haut, ihre smaragdgrünen Augen und das Lächeln, das um ihre weichen Lippen spielt, haben Anman zumindest zeitweilig in ihren Bann gezogen.

´Ich denke, das wird eine amüsante Fahrt, Anman.´, frohlocken seine Gedanken.

Ohne zu antworten, hält er zum zweiten Mal im Verlaufe dieses Gespräches ihrem Blick stand. Auch diesmal dauert dieser Augenblick zu lange, um bedeutungslos verronnen zu sein. Zaghaft lächelt er, und wendet seinen Blick wieder Richtung Kai.

"Nun gut. So wollen wir denn hoffen, daß EFFerd dieses Schiff und all die Reisenden auf ihm auch weiterhin beschützt, werte Fiana.", spricht er endlich weiter.

"Aber nun verzeiht meinem neuen Freund seine Ungeduld : Hier kommt Alberik, Sohn des Angosch.", deutet er mit seiner Linken in Richtung des heran stampfenden Zwerges,"Und wir dürfen gespannt sein, was er uns zu sagen hat."

Dabei zwinkert er mit fröhlich mit einem Auge und lächelt.



"Alberik, Sohn des Atosch," korrigiert eben dieser den Händler. Bei den letzten Schritten konnte er einen Teil des Gespräches zwischen ihm und der Matrosin, von der er gerade neugierig betrachtet wird, mitbekommen, in dem es offenbar um Piraten ging.

Freundlich lächelt er zu Anman hoch.

"Ich hoffe, ich störe nicht."

'Vermutlich schon.'

Sein Lächeln wird noch etwas breiter.

"Du errätst nie, wen ich gerade eben getroffen habe. Erinnerst Du Dich noch an den Namen des Helden, den die Leute da unten am Kai erwarten? Jarun hieß er. Und was meinst Du, wen ich gerade unten an der Planke getroffen habe, und wer auch noch ein Bekannter von mir ist!"

Für einen kurzen Moment schweigt Alberik, doch für eine mögliche Antwort, die der Zwerg auch eigentlich gar nicht erwartet, ist diese Pause zu kurz.

"Genau diesen Jarun, den ich schon damals in Greifenfurt als Kampfgefährten neben mir hatte, als die Schwarzpelze die Stadt monatelang belagert haben."

Dabei lächelt er Anman weiterhin an, als ob etwas von dem Ruhm, den Jarun hier geerntet hat, auf ihn abfärben würde. Natürlich ist er selber bekannt genug, zumindest unter den Zwergen und Söldnern, aber vielleicht zeigt diese Bekanntschaft ja dem Händler, daß er, Alberik, Sohn des Atosch, tatsächlich ein bekannter Kämpfer ist, der auch manche Berühmtheit kennt.



Für einen Wimpernschlag verliert sich Fianas Blick in Anmans funkelnden Augen,

doch dann antwortet sie.

"Ja, mögen EFFerd und die anderen Elf diese Schiff schützen", erwidert Fiana und blickt dann in Richtung des ankommenden Zwerges.

Als dieser ihr vorgestellt wird nickt sie anerkennend und spricht dann selbst

"Angenehm, ich bin Fiana Ohldotter, die erste Offizierin hier an Bord."

Höflich wartet sie was Alberik erwidert.



"Nein ?", fragt Anman fröhlich und schaut in Richtung der Planke. Eine Gruppe von drei Menschen scheint dort in ein Gespräch vertieft zu sein. Sein Blick wandert zurück zu Fiana, um kurz in das funkelnde Licht ihrer Augen zu schauen, dann wendet sich Anman wieder zu dem Zwerg.

"Ist dem so ?", fährt Anman fort. Sein Blick wandert zurück zur Ersten Offizierin, um kurz in den smaragdgrünen, klaren Tiefen Fiana´s Augen zu verweilen.

´Gepriesen seit Ihr, Feen der Liebe,´,dankt er seinen Göttern in Gedanken,´dafür, daß Ihr meine Pfade in Richtung dieses Schiffes und seiner Ersten Offizierin lenkt. GEPRIESEN SEIT IHR !´

"Groß ist Euer Ruhm, Alberik Sohn des Atosch und vielfach ist der Hall Eurer Taten.", wendet sich Anman sodann wieder an Alberik, der voller Stolz seiner Antwort harrt,"Ich hoffe ebenso groß ist Euer Durst, mein heldenhafter Freund. Laßt uns feiern, laßt uns den Tag dieser Begegnung preisen !"

Fast ruft er den letzten Satz und hebt dabei die Hände gen Himmel. Seine Augen sind wieder bei Fiana, und mit einem Zwinkern und einem Lächeln hofft er, ihr die wahre Bedeutung seiner Rede zu verdeutlichen.



Die Worte des Händlers sprechen das an, was Alberik gefällt. Egal was Anman feiern will, Alberik könnte jetzt mal ein Bier gebrauchen, denn sein Durst ist seit einiger Zeit stetig gewachsen. Das Bier wird zwar nicht so schmecken, wie in den Bergkönigreichen seines eigenen Volkes, aber dafür wird es auch billig sein.

Bei dem Gedanken an Bier legt er seine linke Hand auf seinen Bauch.

"Ein Bierchen wäre jetzt genau das richtige für mich. Wir könnten ja zusammen eine Wirtschaft suchen, ich, Du und die Offizierin. Jarun wird sich uns bestimmt anschließen. Und bei dem ein oder anderen Becher könnten wir beide euch dann ein wenig von unseren Taten in Greifenfurt erzählen, als wir den Orks ordentlich ihre Pelze über die Köpfe gezogen haben."

"Und ihr," dabei wendet er sich Anmans neuer Bekanntschaft, der Offizierin zu, "könntet uns noch ein wenig über die Gefahren der Seefahrt aufklären."

Alberik schaut hinüber zur Planke, an der Jarun immer noch auf ihn wartet. Auch dieser befindet sich im Gespräch mit zwei anderen Menschen, dem Mann, der ihm vorhin auf der Treppe entgegengekommen ist, und eine Frau mit langen schwarzen Haaren und viel zu weiten Sachen.

"Wenn ihr noch etwas zu besprechen habt, könnt ihr das gerne noch tun. Ich werde schon einmal vorgehen, um Jarun von unserem Vorhaben zu berichten. Wir treffen uns dort unten bei der Planke oder auf dem Pier."

Mit diesen Worten wendet sich der Zwerg zum gehen.



Während der Zwerg munter antwortet, wandert Anmans Blick über das Schiff und den Hafen. Obwohl die Nacht naht, bleibt die Luft warm und angenehm. Selbst der Wind, der von der See her weht, ist um diese Jahreszeit angenehm und duftet frisch nach Salz und Meer. Ein Blick in den Himmel zeigt Anman, daß in der Nacht die Sterne funkeln werden, nur einige wenige Wolken ziehen am Horizont über das Meer. Das Hafenbacken liegt, ins warme Licht der Fackeln getaucht, friedlich vor ihm und auch die Menschen auf dem Kai scheinen wieder froheren Mutes. Fast vergessen könnte man in diesem Augenblick das benachbarte Todesschiff.

"Verzeiht meinen Übermut, Erste Offizierin, ich vergaß für einen Augenblick den Ernst Eurer Situation.", wendet sich Anman an Fiana, nachdem der Zwerg zu Ende gesprochen hat und deutet dabei in Richtung der ZYKLOPENAUGE.

"Aber es wäre mir trotzdem eine große Ehre, solltet Ihr in der Lage sein, unserer Einladung zu folgen, werte Fiana.", fährt er nach einer kurzen Pause fort.

"Wir sehen uns, Alberik.", ruft er sodann dem Zwerg hinterher, wendet seinen Blick jedoch gleich wieder auf Fiana in Erwartung einer Antwort.



Fiana antwortet so, das die Antwort sowohl an Anman als auch Alberik gerichtet ist.

"Sehr gerne würde ich eurer Einladung folgen, doch muß ich zunächst mit dem Kapitän abklären ob noch dringliche Dinge, die das Schiff betreffen, anliegen".

"Wenn ihr also einen Moment warten wollt, oder vielleicht in der Zwischenzeit euere Schlafstätte in Augenschein nehmen wollt, kann ich derweilen mit dem Kapitän sprechen"

...endet Fiana weiterhin lächelnd



In SALZERHAVEN - Taverne 'Neuer Admiral': Die schöne Kellnerin


Berine ist schön.

Berine ist nicht nur einfach schön, schön wie die Dorfschönheit oder schön nur in den Augen eines verliebten Jungen. Nicht schön mit dem Anflug einer schon im nächsten Frühling vergangenen Schönheit. Nicht lediglich perfekt oder makellos oder ein Abbild von Idealen; hierin liegt nur für den simplen Geist Schönheit.

Es reicht auch nicht zu sagen, ihr Haar habe diese oder jene schwer zu beschreibende Farbe, ihre Augen wären grün oder sie würde aufrecht, schlank und anmutig dahin gleiten, auf Füßen so zart wie ... Blütenknospen der einen oder anderen Blume. Gut, es würde wohl für den Moment stimmen, aber im nächsten würde alles verblassen gegen ihre glockenhelle Stimme oder ihr Lächeln, nur um dann der nächsten, aufregenden, bezaubernden Facette ihrer wandelbaren Schönheit Platz machen zu müssen.

Berine ist wie eine Prinzessin aus den Geschichten. Ein Wesen göttlicher Schönheit, so daß einige bereits über die Identität des Vaters Vermutungen anstellten, auch wenn ihre Mutter beteuerte, es sei ein Seemann gewesen, wenn auch ein Offizier, jedoch nicht so anständig, daß er zurückgekommen wäre.

Dennoch ist Berine nicht glücklich. Den Berine ist Schankmagd. Nicht Prinzessin, sondern eine Kellnerin. Zwar zahlt der 'Neue Admiral' besser als die Spelunken am Hafenpier, aber das bessert ihre Stimmung nicht. Denn das bißchen Geld, das sie hier verdient, wird ihr nicht helfen, sich ihre ehrgeizigen Wünsche zu erfüllen, Wünsche, für die man viel Geld braucht.

Mehr Geld als ihre Bewunderer ihr bisher versprechen konnten, mehr Geld als die reichen Kaufleute in Salza hatten, von den armen Dichtern und Schönlingen gar nicht zu reden. Deshalb steht die schöne Berine im 'Neuen Admiral' hinter dem Tresen und wartet auf die Gelegenheit, ihre Schönheit für viel Geld zu verkaufen. Jeder neue Gast könnte derjenige sein, der Goldesel, den ihr die Götter schicken werden. Und wenn nicht, gibt es andere Möglichkeiten, zumindest etwas zu verdienen.

Im Moment ist nicht viel los. Im Hinterzimmer treffen sich die Schiffsbauer, aber Rahji kümmert sich um die. Und im Schankraum sitzen nur ein verliebtes Pärchen, ein reisender Geschäftsmann, der über seinen Büchern brütet, und ein andergastrischer Holzverkäufer mit seinen Kunden, die Preise aushandeln und versuchen sich gegenseitig betrunken zu machen. Und Have, der eigentlich Havewein heißt, und im Admiral singen darf, aber statt dessen meist nur sie anstarrt.

Als die Tür aufspringt, ist sie daher sofort bereit den neuen Gast zu empfangen und eilt zum Eingang. Eintritt ein attraktiver, junger Mann. Er ist gut gekleidet, groß, kräftig und hat längeres, feingelocktes, schwarzes Haar. Aus seinem männlich geschnittenem Gesicht blicken sie zwei blaue Augen aufmerksam an und bilden einen aufregenden Kontrast mit dem etwas dunklen, exotischen Teint.

'Bei diesem', denkt sich Berine, 'würde ich sogar auf unendlichen Reichtum verzichten und mich mit unermeßlichem zufrieden geben.'

"Einen schönen, guten Abend und willkommen im 'Neuen Admiral'."

Bevor sie weiter sprechen kann, geht die Tür erneut auf und ein weiterer Gast tritt ein. Dieser mag zwanzig Jahre älter als der erste sein. Auch er ist gut gekleidet, doch in eine unmögliche gelbseidene Kombination. Dazu trägt er einen großen, breitkrempligen Hut, der zwar seinem großen Kopf gerecht wird, aber den eher mittelgroßen Mann noch kleiner aussehen läßt. Sein Gesicht ist mehr kantig als weich, aber auf eine unmännliche, unattraktive Weise, zumal es von einer riesigen, nach unten gebogenen Nase verunstaltet wird.

Auch wenn die Beiden nacheinander eingetreten sind, gehören sie augenscheinlich zusammen, zumal der Gelbe den Jungen etwas verärgert anblickt, bevor er sich ihr zuwendet.

"Auch euch einen guten Abend. Meine Herren, was kann ich für sie tun?"



Völlig in seinen Gedanken und seinen Begleiter vergessend tritt Alrik in den 'Neuen Admiral' hinein. Aufmerksam schaut er sich um, nur um vor seinem inneren Auge eine große Wildkeule in Preißelbeeresauce auftauchen zu sehen. Ein Lächeln huscht bei diesem verführerischen Gedanken über sein Gesicht, unbewußt fährt er sich durchs Haar und kurz blitzt die weiße Strähne im Licht auf.

Noch völlig in Gedanken an ein schönes Abendmahl gefangen blickt er plötzlich in zwei meergrüne Augen. Bewundernd beobachtet er den geschmeidigen Gang der jungen Frau. Sie scheint die Bedienung zu sein, denn sie fragt nach seinen Wünschen.

Zweifelsohne ist die junge Frau eine der hübschesten Frauen die er seid langem erblickt, so als habe Tsa sich einmal durchgerungen und einen Menschen nach den Vorstellungen Rahjas geschaffen.

Mit etwas rauher Stimme, die nicht allein vom Durst herrührt antwortet Alrik:

" Wir hätten gern einen Tisch für den Edelhochgeboren Comte und für mich, schöne Dame."

Alrik zwinkert der Kellnerin zu und wendet sich dann an den Comte:

"Oder habt ihr einen anderen Wunsch?"



Es ist nicht so einfach einen reichen Mann als solchen auszumachen. Zunächst hatte sich Berine von solchen Dingen wie Schmuck oder edlen Pferden fehl leiten lassen, bis sie erkannte, daß diese lediglich eine gewisse Stufe des Wohlstandes bedeuten.

Als nächstes hatte sie auf die Qualität der Kleidung gesetzt, bis sie eines Nachts einen dahergelaufenen Gaukler in bunten Flicken beim Spiel soviel Geld verlieren sah, wie sie in ihrem bisherigem Leben nicht verdient hatte.

Danach war sie auf die Sprache verfallen. Denn wirkliches Geld bedeutet hervorragende Erziehung und vervollkommnete Redegewandtheit. Sie hatte mindestens drei ekelhafte Küsse eines vertrockneten alten Gelehrten ertragen müssen, der sie ohne Entgelt in der Kunst des feines Benimms unterrichtete, bis sie sich sicher genug gefühlt hatte, diese Art der Sprache zu erkennen und notfalls nachzuahmen.

Beim vierten und letzten Mal hatte sie dem Greis in die Zunge gebissen, nur um die Dinge wieder etwas zurechtzurücken. Aber langsam schien sich die Investition auszuzahlen, zumal sie jetzt solche Worte wie Investition denken konnte ohne in Gedanken über ihre Zunge zu stolpern.

Und schon die wenigen Worte des jungen Mannes lassen Berine sicher sein, dieser ist kein Dahergelaufener, sondern ein gelehrter Herr, zudem hat seine Stimme eine angenehmen Beiklang. Auch erkennt sie erst jetzt, daß sein feingelocktes, schwarzes Haar eine weiße Strähne aufweist, die ihn geheimnisvoll und weise aussehen läßt.

Es entgeht ihr nicht, daß sie diesem Mann wohl gefällt. Das mag für sie keine ungewöhnliche Erfahrung sein, aber dennoch ist es schön die bewundernden Blicke der richtigen Männer auf sich zu wissen. Und wenn diese einem dann noch zuzwinkern, dann hat das schon ein strahlendes Lächeln als Antwort verdient.

Als der Titel des Gelbgekleideten fällt, kann sich Berine zum ersten Mal vom Anblick des jungen Mannes losreissen und blickt den Adligen mit neuen Augen an. Auf einmal ist der greuliche, gelbe Rock ein edles Stück, nach vermutlich neuster fremdländischer Mode und die große Nase ein genealogisches Familienmerkmal.

'Ein Comte!' denkt sich die Schankmagd, 'Das war doch so was wie ein Graf, nur daß ihm was fehlte? Nun, sehr vermutlich nicht das Geld. Zumindest ist dies das beste, was mir seit langer Zeit passiert ist.'

Auch der Comte besteht Berines Sprachtest, auch wenn sie von seiner Art erschreckt ist. Er beachtet sie gar nicht. Als wäre sie gar nicht da. Nein, schlimmer. Er bemerkt sie schon, aber wie ein Möbelstück. Eben zum Geschäft gehörig und sonst uninteressant. Soviel Distanz ist selbst ihr fremd und sie mußte sich häufig als kaltherzig bezeichnen lassen.

'Na warte, dich werde ich schon dazu bringen, mich anzublicken!'

"Einen Tisch. Gerne, wenn die hohen Herren mir folgen wollen."

Berine wendet sich um und achtet darauf, daß die Beiden ihr etwa in zwei Schritt Abstand folgen können. Die zwei Schritt sind besonders geeignet, ihren sehr hüftbetonten Gang voll zur Geltung zu bringen.

"Leider sind unsere separaten Speisezimmer von einer Gesellschaft belegt. Aber ich hoffe, sie mit diesem abgeteilten Tisch zufriedenstellen zu können."

Der so bezeichnete Tisch ist einer von zweien, die in einer Ecke neben dem Tresen auf einer Empore stehen. Die beiden Tische sind voneinander und vom Rest des Raumes durch kunstvoll geschnitzte Halbwände getrennt, die eine Meeresgrotte vortäuschen.

Doch ihr aufreizender Gang hat offenbar nichts bewirkt. Der Comte drückt ihr lediglich den Hut in die Hand, als ob er ihn auf einem Kleiderständer abstellen würde und sagt zum anderen Mann:

"Dies scheint mir wirklich ein Gasthaus der besseren Klasse zu sein. Schon bei dem Gedanken an eine ordentlich gebratene Keule läuft mir der Saft im Munde zusammen."



Mit großem Getue nimmt di Vespasio den Hut vom Kopf und klopft ihn, auch wenn er schon vorher makellos sauber war, ab.

"Einen anderen Wunsch, mein verehrter Magus? Ja, natürlich, etwas um es auf den Tisch zu stellen. Etwas eßbares. Aber ein Tisch ist ein guter Anfang."

Er legt den Hut an die Brust und macht die Andeutung einer Verbeugung in Richtung Fuxfells.

'Ein hübsches Kind. Gut, daß dein Sohn nicht hier ist, der konnte es nie lassen, den Schankdirnen hinterher zu jagen. Du hast ihm aber auch keine Funken Standesbewußtsein vererben können, mein Lieber.'



Kurz werden alle weiteren Gedanken Alriks vom aufreizenden Gang der Kellnerin unterbunden. woran er auch immer gedacht hatte nun war es verschwunden. Aber dann nähert sich das ungleiche Paar schon im Gefolge des jungen Mädchen einem Tisch und man setzt sich zufrieden.

"Nun denn so lasset uns speisen und trinken, wohl an hübsche Maid so bringet uns die Karte"

Ein leichte Lächeln liegt bei diesen Worten um Alriks Mund.



Gerne erwidert Berine das Lächeln des Jüngeren, dummerweise hat aber der Adlige kein Auge für sie übrig, statt dessen fängt er an über Sand zu reden.

Sie nickt daher beiden noch einmal zu und geht zur Küche um die Karten zu holen. Die werden nur selten verlangt. Die meisten Leute aus der Gegend sind erstaunt, wenn sie hören, daß es im Admiral nicht nur ein Essen gibt, sondern daß man aus fast einem Dutzend auswählen kann, jedes dazu noch mit verschiedenen Variationen. Und das jeden Tag.

In der Küche kontrolliert sie erst mal noch in einem Handspiegel, den ihr ein Verehrer vermacht hat, den Sitz der Haare und rückt ihren Ausschnitt zurecht.

'Dich krieg ich schon dazu, mich anzusehen.'

Dann geht sie zum Tisch zurück und überreicht tief vorgebeugt die Karten mit den Speisen. Die meisten Gäste brauchen etwas länger um den Text zu buchstabieren, daher fragt sie erst mal mit dem freundlichstem Lächeln:

"Darf es derweil etwas zu trinken sein?"



"Um noch mal auf den Sand zurück zu kommen, man hat mir berichtet, daß die Novadis nicht nur zwanzig Wörter für Sand haben, sondern daß sie auch noch wesentlich mehr Unterarten unterscheiden."

Di Vespasio rückt sich am Tisch zurecht und fährt fort, mindestens zehn der zwanzig Worte für Sand genauer zu erklären, Aussprache, Wortstamm und Betonung, ohne zu beachten, was die junge Frau tut oder wohin sie mit seinem Hut entschwindet.

"Reedmann hat mal einen Aufsatz über die Eigenschaften von Sand geschrieben, aber vermutlich war er darin genauso wenig gründlich, wie in anderen Dingen, die von ihm stammen. Wie waren wir eigentlich darauf gekommen? Ach ja richtig, der Metallguß, jetzt fällt es mir wieder ein. Wie sieht es denn damit in Ostaventurien aus?"

Inzwischen ist die Kellnerin mit der Karte zurück und jetzt kann es di Vespasio nicht vermeiden einen Blick auf das schöne Wesen zu werfen.

'Also dieses Kleid ist ja ungehörig weit ausgeschnitten. Da hast du ja schon in Rahjatempeln geschlossener bekleidete Damen gesehen. Sie wird doch wohl nicht ein Auge auf den armen Herrn Fuxfell geworfen haben? Erinnerst du dich, wie die junge achtbare Dame Serikaine mit ihren Reizen den jungen Erbbaron von Grangor einwickeln wollte, ungeachtet ihrer Herkunft.'

"Danke mein Kind. Ich hätte gern einen Rotwein, ein einfacher Vinsalter wäre schön." sagt der Adlige und beginnt die Karte zu überfliegen und nach Braten Ausschau zu halten.



Nach nur wenigen Sekunden hört Alrik den weitschweifigen Erklärungen seines Gegenübers nicht mehr zu. Ein ganz andere wichtige Entscheidung nimmt sein ganzes Denken in Anspruch.

Es war aber auch eine vertrackte Sache sollte er sich lieber für Wachteln entscheiden oder doch lieber einen Braten, und wenn ja welchen, gespannt wartet er bis die Schankmaid ihm die Karte reicht, schnell überfliegt er die dargebotenen Speisen und schaut dann zur Kellnerin.

" Ich schließe mich dem Wunsch des Comte an, was den Wein betrifft, ansonsten bringt mir bitte die gefüllten Wachteln. Eine Nachspeise ziehe ich später in Betracht." zufrieden lächelnd lehnt der Magus sich zurück und schaut zum Comte di Vespasio.



'Wachteln. Das wäre ja auch mal eine Abwechslung. Zumal du seit mindestens vier Jahren keine Wachteln mehr hattest. Nein, sogar seit fünf, als damals auf dem Empfang des selemitischen Botschafters der arme Enrico di Stocco mit Wachteln vergiftet wurde.'

Di Vespasio schüttelt sich leicht bei der Erinnerung an die Schmerzensschreie und die verzerrte Grimasse des Sterbenden, die ihm damals das Fest und bis heute die Wachteln verdorben hatte, so daß er jetzt lieber etwas anderes wählen will. Auch er muß nicht erst mühsam die Karte buchstabieren, sondern überfliegt sie nur, bis er das findet, was er eigentlich suchte.

"Eine vorzügliche Wahl, aber ich denke ich werde dennoch den Lammbraten in Weinsauce nehmen. Dazu hätte ich gerne Brot und Zuckergebäck."

Er reicht daraufhin die Karte an Berine zurück. Sie greift danach und berührt dabei seine Hand, aber so, daß die Berührung unter der Karte verborgen bleibt.

Zuerst ist di Vespasio erschrocken. Fast reflexhaft fürchtet er einen Angriff, ein feindliches Eindringen in seine Privatsphäre. Doch andererseits, was kann ihm die bloße Berührung einer Kellnerin schon schaden. Im Gegenteil, die warme, weiche und durchaus zärtliche Berührung ist durchaus angenehm.

Verdutzt blickt er auf, direkt in die herrlichen, grünen Augen der Berine. Dort kann er keine Feindschaft lesen, eher eine stumme Bitte, eine freundliche Aufforderung oder ein Angebot, das sich kaum in Worte fassen läßt. Es fehlt eigentlich nur noch, daß die Magd zu ihrem verführerischen Lächeln auch noch die Augenbraue hebt.

Ein anderer Mann hätte an seiner Stelle möglicherweise anders gehandelt. Doch der Adlige ist ein Mann mit Prinzipien, einem festen Glauben an die Ordnung der Menschen und durchdrungen von echter Galanterie.

'Eine Schande sie abzuweisen, mein Lieber, solch ein schönes Mädchen, denk nur daran, wie sie in einem Ballkleid aussehen würde. Doch ach, allein der Skandal würde euch beide auf Jahre zum Gespött der Höfe machen.'

'Nein, mein Freund, dir ist eine Verpflichtung auferlegt, auch wenn andere sie übertreten, hast du doch nicht das Recht die Gesetze der Götter in Frage zu stellen. Jetzt sind deutliche Worte von nöten.'

'Außerdem fing die Diskussion gerade an, spannend zu werden, Frizzi!'

Er kneift die Augen zusammen, so daß die ernste Absicht seiner Worte deutlich wird und spricht zum ersten Mal Berine direkt an:

"Das war alles. Du darfst dich entfernen."

Er wendet sich von ihr ab und wieder dem Magus zu und fährt fort, mit ihm zu diskutieren, bzw. auf ihn einzureden, als wäre nicht passiert.

"Habe ich nicht irgendwo gelesen... nein, nein, jemand hat es mir gesagt, daß eine Gruppe von Zwergen in der Nähe von Beilunk eine neue Unificatio von Silber und Gold hergestellt haben sollen, ich weiß wirklich nicht mehr, wer das mir sagte, aber er meinte, das neue Metall ..."



'OOOOrrgrmm, du &%!§§kerl'

Berine kann sich grade noch beherrschen, als der blödelige Comte, wenn er überhaupt einer ist, sie einfach fortschickt. Das ist ihr noch nie passiert. Nie.

Die dumme Karte muß nun ihre Wut aushalten und erdulden, wie sich Berines Fingernägel in die Pappe bohren. Es gelingt ihr nur mühsam, wieder klar zu denken. Dann wendet sich sich dem jüngeren Gast zu, um dessen Karte aufzunehmen.

'Hoffentlich hat er nichts mitbekommen', denkt sie sich verschämt und mustert den Dunkelhaarigen, während sie die Karte aufnimmt.

'Ein falscher Laut, und vergehe vor Scham.'



Berine blickt in die Augen des jungen Mannes. Doch dort kann sie nur wenig Sympathie erkennen. Ja geradezu scheint es, als würde ein Lächeln um die Mundwinkel des Mannes spielen.

'Hat er doch etwas gemerkt? Und lacht jetzt über mich?'

Berine greift zur Karte und verläßt fluchtartig den Tisch, wie eine getretener Hund hetzt sie zur Küche. Dort drückt sie sich mit dem Rücken an die Wand neben der Tür und preßt die Karten gegen die bebende Brust. Die Fäuste umschließen diese immer noch fest und ihre Nägel hinterlassen bereits tiefe Spuren in der Pappe.

Die Schankmagd muß mehrmals tief schlucken um den Kloß in ihrem Hals wegzubekommen. Jemand der sie nicht kennt könnte fast denken, daß sich da eine Träne in ihrem Auge bildet.

'Das ist einfach nicht fair', geht es ihr durch den Kopf. 'Der Abend hatte so schön angefangen. Endlich kommt man jemand wichtiges und ich hätte heute wirklich Zeit gehabt, mich ganz ihm zu widmen, und dann ist das so ein arrogantes Schwein, der mich nur rum kommandiert, und mich vor seinem Freund auch noch lächerlich macht, das ist nicht fair. Was sollt ich denn noch machen? Wie lange soll ich denn noch warten?'

Nach einiger Zeit holt die junge Frau tief Luft, legt die Karten beiseite und streicht sich mit der Linken die Haare aus dem Gesicht.

'Sei Stark. Das Leben ist nicht fair. Ich muß stärker und unfairer als das Leben sein, um gegen es zu gewinnen. Wer sich selbst hilft, dem helfen die Götter.'

Neben den Karten sieht Berine den Hut des Comte liegen. Mit einem bösartigem Lächeln schiebt sie ihn langsam über die Tischkante, so daß er auf den Boden fällt. Dann hebt sie den Fuß und tritt genüßlich mit dem Absatz auf das Objekt ihrer Wut.



Di Vespasio lehnt sich im Stuhl zurück, um Berine das Abräumen des Essens zu erleichtern. Das Essen war, wider Erwarten, für diese doch recht provinzielle Gegend, sehr gut, der Wein nicht ohne Klasse, die Sauce hervorragend abgeschmeckt und das Fleisch saftig und schön fettig.

Auch sein Gegenüber schien seine Mahlzeit genossen zu haben, so hingebungsvoll hatte er sich den Wachteln zugewandt, daß einem die Tiere fast leid taten.

Aber auch die Unterhaltung ist ein Genuß, wie der Adelige ihn lange nicht empfunden hatte. Sein Gesprächspartner verfügt tatsächlich über umfangreiche Kenntnisse in allen Fachgebieten und scheut sich nicht, ihm zu widersprechen, auch wenn er wesentlich schweigsamer ist, als notwendig. Aber di Vespasio hat keine Schwierigkeit damit, den Hauptteil der Unterhaltung zu bestreiten.

Mit der Serviette tupft er sich noch einmal den Mund ab, während er der Argumentation des Magus lauscht. Seine gerunzelte Stirn deutet darauf hin, daß er die Worte des Magiekundigen gar nicht akzeptieren kann.

"Nein, nein, nein, das ist aber nun wirklich nicht korrekt. Es gibt deutliche Hinweise in Merrilikes Tractatus als auch eine genaue Auflistung in diesem Standardwerk, dessen Name mir nicht einfallen will."

Di Vespasio wirft die Serviette auf den Teller und beginnt den Zeigefinger der Rechten aufgerichtet von links nach rechts schwingen zu lassen.

"Natürlich ist Arkanium schwerer als Gold, darf verwette ich meinen Hut. Na gut, vielleicht nicht meinen Hut, aber, sagen wir, ähm ... wetten wir doch darum, wer dieses Essen bezahlen darf. Nun, wohlgelehrter Herr, schlagt ein, wenn ihr eurer Sache so sicher seid."

Dazu streckt er die Hand aus. Als Alrik sie mit einem siegesgewissen Lächeln ergreift, drückt er sie kurz.

"Es stellt sich jetzt nur die Frage, wie wir unseren Disput entscheiden können."

Di Vespasio blickt ein wenig ratlos zu Alrik hinüber.



Berine ist mit dem Verlauf des Abends sehr unzufrieden. Es gibt kaum Gäste, das bedeutet kaum Trinkgeld. Die beiden Herren am Tisch haben sie nach dem peinlichen Vorfall kaum beachtet. Selbst daß sie den Teller des Comte mit Staub vom Küchenboden bestreut hat, ist dem eitlen Gimpel nicht aufgefallen.

Die beiden reden den ganzen Abend über irgendwelche gelehrten Dinge, Unsinn über Metall und Glas und Sand. Lediglich die letzte Minute verfolgt die Schankmagd mit Interesse, während sie die Teller zusammenstellt. Da keine anderen Gäste da sind, kann sie sich ruhig etwas Zeit lassen, die beiden beobachten und ihrem Lieblingsthema lauschen: Gold.

Der Comte hat gerade mit dem Jüngeren eine verrückte Wette über das Gewicht von Gold und einem anderen Stoff abgeschlossen. Jetzt führt er die Hand zur Schläfe, kratzt sich nachdenklich und fährt in seiner komplizierten Art zu sprechen fort:

"Es ist schwer vorzustellen, daß wir hier in Salzerhaven einen Experten in Metallurgie finden. Und eine andere Quelle entzieht sich meinem Ratschluß. Mit einer ordentlichen Bibliothek wäre uns natürlich geholfen. Leider habe ich meine Reiseapotheke, wie ich die paar Bücher, die ich mit mir führe, scherzhaft nenne, notwendigerweise im Umfang etwas eingeschränkt, so daß ich im Moment kein Buch über Metalle mein eigen nennen kann."

'Das ist die Idee! Warum bin ich nicht vorher darauf gekommen! Dabei war es so naheliegend!'

Berine ist so aufgeregt, daß sie die gerade aufgenommenen Teller fast wieder fallenläßt.

"Entschuldigt, hohe Herren, daß ich mich einmische, aber in Salza gibt es einen HESindetempel. Ich könnte den Herren eine Kutsche bestellen, dann wären die hohen Herrn in nur dem Viertel einer Stunde dort und könnten die Bibliothek des Tempels befragen. Wenn es recht ist."

Berine traut sich kaum, einen der Beiden direkt anzublicken, so nervös ist sie.

'Oh, bitte, laß sie zustimmen, ich kann das Geld so dringend gebrauchen.'

Doch der Attraktive, der die Wachteln hatte, ein offenbar gebildeter Mann, der so ähnlich heißt wie Fuchsfell, ist dem Vorschlag gar nicht zugeneigt und es kostet den Comte etwas Überredungskunst, ihn doch zu überzeugen, während Berine dabeisteht und mit zittert.

"Ja, ich weiß, eine Nachtfahrt ist nicht ungefährlich, aber der Kutscher wird den Weg schon tausende Male gefahren sein."

"Ja, natürlich ist es bequemer im Gasthast sitzen zu bleiben, aber dafür sehen wird Salza bei Nacht. Seid ihr denn nicht ein bißchen neugierig?"

"Gut, wenn ihr recht haben solltest, lege ich gerne noch zwei Flachen des Weises hinzu."

"Bendenkt, wenn wir in einer Viertelstunde dort sein können, dann können wir auch in einer Halben zurück sein."

Das letzte Argument gibt offenbar den Ausschlag und Berine hastet los, um eine Unzahl von Erledigungen zu machen. Der Kutscher muß bestellt werden, aber nicht irgendwer, sondern ein bestimmter. Sie muß noch eine neue Flasche Wein öffnen. Und dann braucht sie noch das kleine Fläschchen ganz hinten aus der Schublade ihres Nachttisches, das ohne Beschriftung, das Anon ihr in einer stillen Stunde zugesteckt hat.

'Von dem Geld, das mir Anon für einen echten Comte gibt, kann ich mir eine ganz neue Ausstattung kaufen. Ach was, nicht nur eine, gleich ein Dutzend.'



"Natürlich kann man die Bibliothek des Kaisers nicht mit den Hallen des Wissens vergleichen. Aber ..."

Di Vespasio schaft es grade noch, die Hand zum Mund zu führen, bevor ein in ein herzhaftes und längeres Gähnen einfällt.

'Wirklich schlimm, Frizzi, das ist dir lange nicht passiert, mitten im Satz so zu gähnen. Muß wohl an der frischen Seeluft liegen. Oder du hast das letzte Glas Wein zu schnell getrunken.'

Der Adlige schüttelt den Kopf, um die Müdigkeit aus den Augen zu treiben - vergeblich.

'Glücklicherweise sitzt Herr Fuxfell neben dir, wie blamabel wäre es, ihm direkt ins Gesicht zu gähnen. Aber er scheint im Moment auch nicht sehr gesprächig zu sein.'

"Aber man findet dort einige Schätze, die in der Zeit Retros zusammengetragen wurden. Der dahmahhhligee Bibliothekar muß einen grooohhhsen Einfluß auf ihn gehabt haben. Verzeiht."



NORDSTERN - Oberdeck: Das Angebot


Des kleinen Dieners Hinterteil mag ja rund und weich sein, dennoch hat sich Reckinde mit ihrem Tritt nach der Kehrseite Radisars gehörig den Fuß verstaucht. Mit einigen derben Flüche auf den Lippen, Worte, die man, um die Gunst der Götter nicht zu verlieren, besser nicht wiederholt, humpelt sie zur Türe, um sie ihrem Diener aufzuhalten.

Es ist nicht so, als wäre Frau Reckinde plötzlich höflich oder zuvorkommend geworden, vielmehr sorgt sie sich darum, daß Radisar, der in seinem Zustand wahrhaftig den doppelten Beistand der heiligen Noiona nötig hat, den Ausgang verfehlen könnte. Es ist schon wirklich eine Last mit dem Personal.

Die Möglichkeit selbst zu gehen, um sicher zu stellen, daß die Post auch wirklich bei den Beilunkern ankommt, hat sie sich ja selbst genommen, denn ihr Fuß ist unglaublich schnell sehr dick angeschwollen, einen längeren Fußmarsch will sie sich jetzt nicht zumuten.

Als sie die Türe öffnet, dringt massiv Lärm von Oberdeck in die Suite hinein. Es scheint ganz schön was los zu sein da draußen, daß hat Reckinde bisher noch gar nicht gemerkt, in ihrer Wut. Neugierig schleppt sie sich nach draußen, zwischendurch stöhnt und flucht sie wieder.

Als sie jedoch die Suite verlassen hat, vergißt sie ihren Kummer, ihre Wut und ihren Schmerz. Sie sieht die merkwürdige Menschenansammlung vor dem vorderen Niedergang und hat sich dabei sehr schnell einen Überblick über die Situation verschafft. Es scheint so zu sein, daß eine Schwerverletzte zu einem Krankenlager gebracht werden soll und dort am Niedergang ist der Zug dann zum Anhalten gekommen.

Frau Reckinde ist erschüttert. Sie betrachtet die Verletzte, die stumm in den Armen des großen Schiffszimmermanns hängt. Und schließlich passiert etwas, daß nur sehr, sehr selten geschieht: Frau Reckinde wird von Mitleid überrannt!



'Bei Mutter TRAvia, sie ist noch so jung!'

Erschüttert betrachtet Frau Reckinde das leblos wirkende Mädchen, das schlaff in den Armen Ole's hängt. Bleich ist sie, doch unverwundet, wie es scheint. Doch die Freifrau weiß sehr wohl, daß dieser Eindruck täuscht.

Die zerrissene Kleidung des Mädchens ist mit Blut durchtränkt und gibt so Aufschluß darüber, wie es noch vor Kurzem um das Mädchen gestanden habe mag. Daß nun keine Wunden mehr zu erkennen sind, ist zweifellos das Verdienst des jungen Magus, der immer noch, und immer noch erfolglos, versucht, den Durchgang freizumachen.

Kopfschüttelnd humpelt Frau Reckinde vorwärts. Der Fuß schmerzt immer noch, doch spielt das nun keine Rolle mehr, denn das junge Mädchen braucht Hilfe und dies so schnell wie möglich.

"Herr Durenald, Herr Draggensson, bringen sie das Mädchen doch hier herein!" ruft Frau Reckinde und deutet auf die offenstehende Türe zur Suite.

Ihr Rufen scheint nicht laut genug gewesen zu sein, daß es durch den Lärm, hier an Bord und draußen auf dem Kai, auch wirklich die Ohren des Magiers und des Schiffszimmermanns hätte erreichen können.

"MÄNNER ... !" murmelt Frau Reckinde mißbilligend vor sich hin. Dann nimmt sie zwei Zeigefinger in den Mund und gibt einen derart gellenden Pfiff von sich, daß es selbst einen schreienden Greif übertönt hätte.

Frau Reckinde winkt.

"Bringt das Mädchen hier herein, nun macht schon ... !"



Radisar ist verwirrt - erheblich sogar. Das liegt aber nicht nur daran, daß er nur langsam wieder die Kontrolle über sein Bewußtsein, so wie über sein Gefühlsleben wieder gewinnt und nur schwer alle Trübungen seiner Wahrnehmung durch den Alkohol nur mühsam wieder abstreifen kann , sondern vielmehr daran, daß er Frau Reckinde draußen vor der Türe zur Suite stehen sieht und die Freifrau gerade dabei ist, mit einem grellen Pfiff zu versuchen, irgendwelche Leute in ihre Kammer zu lotsen.

Es geht offensichtlich um ein Mädchen, soviel versteht Radisar gerade noch. Und wenn man dem allgemeinen Gemurmel vom Oberdeck trauen kann, geht es sogar um ein verletztes Mädchen und dieser Umstand ist es, der den kleinen Diener so nachdenklich macht.

Wer wurde verletzt? - das Mädchen? Aber wie wurde sie verletzt, durch wen und vor allen Dingen: Wo wurde sie verletzt? Sollte seine Schreckensvision von einem Piratenüberfall gegen die NORDSTERN doch noch Wirklichkeit geworden sein?

Radisar mag allgemein wie ein ungeschickter Tölpel wirken, doch zählt es zu seinen stärksten Begabungen, immer dann, wenn es darauf ankommt, geradezu zwanghaft das Richtige zu tun.

In Windeseile hat er seine Koje, zu einem Krankenlager umgeschlichtet, hat eine Schale mit frischen Wasser und einen kleinen Stapel sauberer Tücher bereitgestellt und ist schon wieder unterwegs, um noch etwas Wasser warm zu machen, für den Fall, daß auch heißes Wasser gebraucht werden würde.

Die Briefe der Herrin hat er einstweilen in seinen Gürtel gesteckt - die Zustellung dieser Schreiben wird sich noch ein wenig gedulden müssen ...





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