- Logbuch der Nordstern -

Im Meer der sieben Winde - Teil 1 - (Piraten in Sicht) - 26. EFFerd, 28 n.H

Früher Abend des 24. EFFerd


An der NORDSTERN angekommen, sucht Torin den Kapitän. Als er ihn gefunden hat, grüßt er ihn freundlich.

"Die Zwölfe zum Gruße, Herr Kapitän. Ich würde gerne noch eine Weile die Dienste eueres Schiffes in Anspruch nehmen. Wir beide würden gerne nach..."

Torin überlegt kurz, doch ihm fällt keine geeignete Stadt ein. Unsicher fährt er sich durch seinen Kinnbart, der jetzt von weiteren unschönen Stoppeln gesäumt wird.

"Tja," sagt er nach einem weiteren Augenblick. "eigentlich wollen wir nur fort aus dieser schrecklichen Stadt. Wenn ihr einverstanden sein, würde ich immer bis zur nächsten Stadt zahlen. Und wir steige dort aus, wo es uns gefällt."

"Das ist kein Problem", erwidert der Kapitän sogleich, wobei er sich innerlich vornimmt, die Gründe für dieses Verhalten irgendwann einmal zu ergründen.

"Das ist gut, das ist sehr gut." murmelt Torin. Dann blickt er Jergan wieder an.

"Nach der Meuterei braucht ihr doch sicher noch ein paar fleißige, helfende Hände. Wenn ihr wollt, könnt ihr über die Dienste meines Schützlings befinden."

"He! Das war nich' abgemacht!" protestiert Ameg lauthals.

"Das ist deine erste Lektion, Ameg. Dukaten fallen nicht vom Himmel, du mußt immer etwas dafür tun."

Der Kapitän grinst zu diesen Worten nur, und nickt dem Jungen aufmunternd zu, dann wendet er sich wieder seiner Arbeit zu, während Torin mit dem grummelnden Jungen unter Deck geht und zeigt diesem sein neues Zuhause zeigt.



Später Abend des 24. EFFerd


Der Abend dieses ereignisreichen 24. EFFerd des Jahres 28 nach Hal bringt der Karavelle aus Riva endlich etwas Ruhe - freilich nicht sofort nach Sonnenuntergang, sondern erst viel später, als der Trubel im Hafen immer weniger wird und dann irgendwann das Gegröle des Matrosen in den zahlreichen Tavernen das einzige Geräusch ist, das noch an die Betriebsamkeit des Tages erinnert. Die NORDSTERN liegt noch unverändert am Pier, doch dieser Tag hat ihr viel gebracht - nicht nur neue Fahrgäste und neue Matrosen, nicht nur einen neuen Koch und neue Ladung, sondern auch die Lösung eines Problems, das noch am Morgen drohend über dem Schiff und der Besatzung schwebte.

Doch auf dem Schiff ist noch längst keine Ruhe eingekehrt. Zu viel ist passiert, als daß man sich über Gewöhnliches unterhalten könnte, als daß man einfach nur plaudern könnte. Fast alles, was geredet wird, bezieht sich auf die Ereignisse in und vor Thorwal. Dazu kommt, daß sich die Schiffsführung komplett in die Messe zurückgezogen hat - mit Ausnahme der Bootsfrau, die die Wache auf dem Deck übernommen hat. Doch auch sie unternimmt nichts, um die Mannschaft zu beschäftigen, einfach, weil sie weiß, daß die derzeitige Ruhe verdient ist. Das einzige "Nutzbringende", das noch stattfindet, ist die Einführung der neuen Mannschaftsangehörigen in die Eigenheiten des Schiffes - und die Neuverteilung der Schlafplätze im Mannschaftsraum, wo jetzt mehr Platz ist als bisher.

In der Messe unter Deck ist es alles andere als ruhig, auch wenn das Gesprächsthema der beiden Offiziere, des Kapitäns und des Schiffsmagiers sich erst einmal um das gleiche dreht, das auch die anderen auf dem Schiff bewegt. Doch sie reden nicht nur, denn sie haben zudem eine Verantwortung zu tragen, und sie müssen den Blick nach vorne richten - das Leben an Bord muß ungeachtet der Ereignisse der letzten Tage weitergehen.

Die Diskussion zieht sich etwas in die Länge, doch im Grunde ist es von Anfang an klar, was das Ergebnis sein wird, und genau das faßt Jergan EFFerdstreu gegen Ende der kleinen Versammlung dann mit folgenden Worten zusammen:

"Gut, dann sind wir uns also einig. Ich fasse es noch mal zusammen, damit wir es so auch im Bordbuch festhalten können."

Ein kurzer Blick trifft an dieser Stelle Lowanger, der selbiges Buch aufgeschlagen vor sich zu liegen hat, und mit der Feder in der Hand darauf wartet, die Worte des Kapitäns in Kurzform festzuhalten.

"Wir haben durch diese Meuterei die fünf Matrosen Rilaf, Laske, Frenjar, Svafnald und Babo und den zweiten Offizier verloren. Dann hat unser Koch von selbst abgeheuert, was irgendwie kein großer Verlust ist. Als Ausgleich konnten wir zwei neue Matrosen und einen neuen Schiffskoch hier in Thorwal anheuern. Damit haben wir drei Matrosen zu wenig, aber wir sind uns - jetzt - einig, nicht noch länger in Thorwal warten zu wollen. Die Offiziersstelle von Thorben Hjalmarson geht auf Wulf Lowanger über, dessen bisherige Stelle als dritter Offizier bis auf weiteres nicht neu besetzt wird."

Wieder macht der Kapitän eine kurze Pause, um die Worte wirken zu lassen, und auch, um Lowanger Zeit zum Schreiben zu geben.

"Weiterhin wird der Schiffsmagier Ottam Trosson..."

.. Jergans Blick trifft diesen, der damit im Verlauf der Diskussion nicht sofort einverstanden gewesen war...

"... die bisherige Kabine des zweiten Offiziers, also die von Thorben, übernehmen, so daß wir wieder beide Einzelkabinen an Fahrgäste vermieten können. Und dann noch..."

.. wieder zögert der Kapitän...

"... werden wir den Elfen Sylvhar weiterhin an Bord behalten. Da uns drei Matrosen fehlen, ist er eine nicht zu unterschätzende Hilfe, auch wenn er nicht der geborene Seemann ist."

"Und", fügt Jergan grinsend hinzu, "können wir von ihm sicher auch einiges lernen - und wenn es nur das Wissen über ein faszinierendes fremdes Volk ist."

Diesmal macht Jergan keine Pause, sondern redet gleich weiter, einfach, um Ottam keine Gelegenheit zu geben, eine neue Diskussion zu diesem Thema zu entfachen:

"Gut, das dazu. Weiter werden wir morgen früh kurz nach Sonnenaufgang mit Ziel Salza auslaufen. Und nach Salza kommen dann wie besprochen Nostria und dann Havena. In diesen Häfen, vor allem aber dann in Havena, sollte es recht problemlos machbar sein, die fehlenden Matrosen anzuheuern, so daß wir uns darum wohl auch nicht mehr lange Gedanken machen müssen."

"Habe ich noch etwas vergessen?" fragt der Kapitän dann abschließend, während er in die Runde blickt.

Man merkt deutlich, daß vor allem Ottam noch etwas sagen möchte, doch auch er schüttelt schließlich den Kopf.

"Gut. Dann ist das also klar, und wir können morgen voller Tatendrang in See stechen."

Die kleine Versammlung in der Messe zerstreut sich recht schnell, einfach, weil alle vier noch einiges zu tun haben. Jergan, der seit seiner "Befreiung" ja kaum in seiner Kabine war, muß dort noch einiges in Ordnung bringen, Fiana fühlt sich sehr zu einigen Seekarten hingezogen, die auf ihrem Tisch liegen, Lowanger eilt sogleich auf die Brücke, um Nirka dort von dem Ergebnis der Versammlung zu informieren, und Ottam schließlich muß sich wohl oder übel an den Gedanken gewöhnen, am nächsten Morgen seine Kabine tauschen zu müssen, was ihm an diesem Abend noch einiges an Arbeit beschert.



Morgen des 25. EFFerd


Die PRAiosscheibe taucht die Hafenstadt Thorwal in das erste Licht des 25. EFFerd 28 nach Hal. Die Straßen der Stadt sind noch sehr ruhig, nur recht vereinzelt laufen Menschen eilig durch die Gegend, die zu dieser frühen Stunde schon etwas zu erledigen haben. Einzig im Hafen ist schon mehr los, denn der beginnende Tag verspricht ein sehr schönes Segelwetter, das jeder Kapitän, der hier nichts mehr zu erledigen hat, auch ausnutzen will.

Auf der NORDSTERN ist die gesamte Besatzung auf den Beinen und fleißig dabei, das Schiff auslaufbereit zu machen. Segel werden auf das Deck geschleppt, für das Setzen vorbereitet, Taue werden nachgespannt oder gelockert - je nachdem, welche Funktion sie im komplizierten Geflecht der Takelage haben. Winden knarren, Flüche werden gebrüllt, es wird gelacht, und vor allem richtig doll gearbeitet. Jergan EFFerdstreu steht zusammen mit Lowanger und Fiana auf der Brücke und sieht zu, wie Nirka die Matrosen ordentlich in Trab hält und das Schiff trotz der verkleinerten Besatzung nahezu in Rekordzeit auslaufbereit hat.

Schließlich schallt ein lautes "Leinen los!" über Deck und Pier, und nur Sekunden wird das Focksegel der kleinen Karavelle gesetzt. Der frische Morgenwind füllt es rasch und drückt die NORDSTERN vom Ufer weg in das Hafenbecken hinein.

"Dichter holen! Groß-Segel setzen!"

Die Matrosen huschen über das Deck, um die Kommandos der Brücke auszuführen, und das tun sie wirklich gut - ganz so, wie es sein soll.

Schneller werdend gleitet die NORDSTERN in die Bodir-Mündung und wendet den Bug dann wieder dem Golf von Prem zu, den sie vor gar nicht so vielen Tagen verlassen hat. Zufrieden tritt Jergan vom Steuer zurück, das er einer nicht weniger zufriedenen Fiana überläßt, die das Schiff weiter aus dem Hafen hinaus steuert und dann auf den neuen Kurs in Richtung Süden bringt.





Mittag des 26. EFFerd


Eineinhalb Tage auf See sind vergangen, in denen das Schiff über einhundertundsechzig Meilen zurückgelegt hat. Der gute Wind, der schon in Thorwal die Abfahrt erleichtert hat, hat kaum nachgelassen, und trägt immer noch sehr dazu bei, daß die Karavelle gut vorankommt - und er sorgt dafür, daß es zwar immer etwas an Bord zu tun gibt, daß es aber auch nie langweilig wird, oder die Arbeit zu stressig wird. Es ist genau die richtige Menge an Arbeit, um in Zufriedenheit verrichtet werden zu können.

Nirka geht die Treppe zum Brückendeck empor, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Jetzt, kurz nach dem mittaglichen Essen, beginnt ihre Wache, zu der sie fast ein klein wenig zu spät ist, was gar nicht so zu der Bootsfrau paßt. Doch... pünktlich ist sie schon noch, nur eben nicht schon die gebräuchliche Zeit vor dem Wechsel auf der Brücke. Ein kurzes Lächeln huscht über ihre Züge, als sie an die Ursache ihrer Verspätung denkt..., und dann steht sie auch schon neben Lowanger, der die Wache vor ihr hatte.

"Bootsfrau Nirka Eiriksdottir meldet sich zur Wachablösung!" sagt sie zackig.

Lowanger geht auf die kleine Verspätung - oder Nicht-ganz-Verspätung - mit keinem Wort ein, sondern sagt nur:

"An Bord ist alles klar. Die Rudermaschine hat immer noch ein wenig zu viel Spiel, aber das werden wir erst in Salza beheben. Der Wind war in den letzten Stunden wie gewohnt, und wir sind gut vorangekommen."

Die Bootsfrau nickt, auch wenn das für sie nichts Neues enthält, denn schließlich hat sie ja auch alles mitbekommen, auch wenn sie nicht auf der Brücke war.

"Weit ist es ja nicht mehr bis Salza", erwidert sie dem zweiten Offizier.

"Ja, das stimmt. Ich glaube, wir werden noch während deiner Wache einlaufen, spätestens aber heute abend. Gut... ich werde dann in meine Kabine gehen - eine ruhige Wache wünsche ich dir."

"Habt vielen Dank! Und Euch wünsche ich eine angenehme Ruhe."

Ohne weitere Worte verläßt Wulf Lowanger die Brücke, und die Bootsfrau stellt sich an das Steuer, dessen Leichtgängigkeit und Spiel sie mit einigen kurzen Bewegungen testet.

Auf dem Deck sind die Matrosen mit den üblichen Arbeiten beschäftigt - es sind Segelstellungen zu ändern, Taue nach zu spannen, ab und zu etwas auszuwechseln und natürlich stets und ständig irgend etwas zu reinigen - zumindest sorgt Nirka dafür, daß niemand offensichtlich gelangweilt herumsteht.



Jergan schreibt einen Brief


Jergan EFFerdstreu dreht das vollgeschriebene Blatt Papier um, und schreibt langsam und sauber auf der Rückseite weiter. Das sanfte Schaukeln des Schiffes stört ihn dabei nicht im geringsten, eher im Gegenteil, verrät es dem erfahrenen Seemann doch, daß die Karavelle gute Fahrt macht, und ordentlich vorankommt.

Er hält kurz mit dem Schreiben inne, und überfliegt die letzten Sätze. Leider werden diese Zeilen, diese gefühlvoll geschriebenen Zeilen, lange brauchen, bis sie in Riva ankommen werden, doch sie sind die einzige Möglichkeit für den Kapitän der NORDSTERN, mit seiner Frau in der fernen Hafenstadt zu kommunizieren.

Er sieht kurz zum Fenster der Kabine, und erfreut sich kurz am günstigen Wetter, ehe er sich wieder seinem Schreiben zuwendet.



Der Kapitän der NORDSTERN nickt zufrieden, als er seinen Namenszug unter das Schreiben setzt, das er soeben beendet hat. Salzerhafen ist nicht mehr weit, und so kann dieser Brief gleich auf die lange Reise zurück nach Riva gehen, sobald die Karavelle angelegt hat.

Er überfliegt die Zeilen noch einmal, auch wenn er das, was er da verfaßt hat, natürlich bereits auswendig kennt, denn er hat lange über jeden Satz nachgedacht, und all der Inhalt ist in den letzten Stunden gereift - und gelesen hat er den Brief auch schon mehr als einmal.

Sorgfältig faltet Jergan die beiden Blätter zusammen und steckt sie in den vorbereiteten Umschlag, den er sogleich versiegelt - zuerst mit seinem persönlichen Siegel, und dann auch noch einmal mit dem der NORDSTERN.

Als das erledigt ist, legt er das Schreiben sorgfältig zu einem zweiten Brief, der bereits auf seinem Tisch wartet, und lehnt sich dann entspannt zurück. Das Schiff macht gute Fahrt, und das trotz der recht geringen Anzahl von Matrosen, und trotz der Tatsache, daß die Rudermaschine leichte Probleme macht. Beides wird man in Salzerhafen angehen müssen, wobei die Hoffnungen des Kapitän sich eher auf eine Lösung des zweiten Problems konzentrieren - mit einer vollständigen Wiederauffüllung der Mannschaft rechnet er in Salzerhafen eigentlich weniger.



Schläfer


So schön es in Thorwal auch war, es hat Joanna anscheinend doch etwas angestrengt und so kam es, daß sie, nachdem sie einige Stunden nur so dagesessen und nachgedacht hatte, plötzlich so von einem Augenblick auf den anderen eingeschlafen war. Glücklich und zufrieden liegt sie nun mit einem Lächeln im Gesicht da.



Auch Darian hatte sich nach dem Essen einen Mittagsschlaf gegönnt. Nun sitzt er in seiner Kabine erneut über einem Schriftstück brütend. Allmählich nähert er sich dem Ziel, allmählich beginnt er die Thesis zu erfassen, die hier niedergeschrieben wurde.



Sylvhar


Die letze Zeit war sehr ruhig, ein paar neue Gesichter sind in der letzten Stadt auf das Schiff gekommen. Geredet hat Sylvhar noch mit keinem, aber diesmal sind es auch sogenannte Matrosen, so wie er, nicht nur Passagiere.

Ihn selber hat das Matrosendasein wieder eingeholt. Er steht nahe der Reling an einer Winde und arbeitet gemütlich daran. Schmieren soll er sie. Und dann auch noch andere. Interessant, daß die Menschen auch hier in warmen Gebieten die Dinge gegen das naß werden und Gefrieren einfetten, wo das doch gar nicht nötig ist. Nun, sie haben schon seltsamere Dinge getan, dies hier ist wenigstens vernünftig, vielleicht kommen sie ja wieder in kältere Regionen.

Da springt plötzlich ein kleiner Schwarm Fische ziemlich nahe am Schiff aus dem Wasser. Entzückt guckt Sylvhar den Tieren auf ihr kurzen Flug nach. Nachdem sie wieder ins Wasser getaucht sind, springen sie einige Augenblicke später erneut. Sylvhar läßt seine Arbeit gelassen ruhen und schaut lieber den Fischen zu.



EFFerds-Sieche


Ganze eineinhalb Tage liegt Fargus nun leichenblaß in seiner Koje. So hatte er sich das nun wirklich nicht vorgestellt. Immer wieder hatte er seinem Magen gut zugeredet, das unvermeidliche doch nicht wahr werden zu lassen. Doch die Anstrengung wurde unerträglich. Und so kam es wie es kommen mußte. Halb aus seinem Nachtlager hängend gibt er seinen körperlichen Bedürfnissen nach....



Anselm hat die Leiden des Druiden miterleben müssen.

'Sensibler Kräuter-Fatzke! Hält nichts aus'

Als Anselm sieht, was Fargus' gefrühstückt hat, muß er angewidert die Kabine verlassen.



Langsam kann Fargus wieder klare Gedanken fassen. Er bemerkt, wie Anselm Feuerbach den Raum fluchtartig verläßt. Das, was er neben seiner Koje sieht, treibt ihm auch die Tränen in die Augen. Fargus fragt sich, ob er die Flucht des Mannes als verständlich oder unmenschlich ansehen soll. Sich den Magen haltend schaut er sich im Raum um, ob mögliche Hilfe anwesend ist. Er sieht eine friedlich schlummernde Frau [Joanna].

"Entschuldigung, entschuldigen Sie, könnten sie bitte mal Hilfe holen, werte Dame?"

Fargus fühlt sich nun zwar schlecht, aber immerhin fühlt er überhaupt wieder etwas.



Hjaldar hat den morgen gemütlich in seiner Koje vor sich hin gedöst. Naja, was man so gemütlich nennt, in einer Koje, in der man sich nicht gescheit strecken kann, ohne sich den Schädel wund zu schlagen.

Mit geschlossenen Augen tagträumt er vor sich hin. ... Wie es wohl wäre mal in Grangor der Geliebten der Göttin zu begegnen. ... Ein anerkennendes Schulterklopfen vom Schwertkönig, nach einer großen Schlacht. ... ein gewonnenes Armdrücken mit einem Troll ...

bis er schließlich von einem wohlbekannten Stöhnen aus den Träumen gerissen wird. 'Landratte.' ist sein erster Gedanke, ohne daß er sich die Mühe machen müßte den Kopf aus der Koje zu stecken um zu sehen, wo es herkommt. Irgendwo vor ihm, auf seiner Seite so wie es klingt.

Angestrengt versucht er sich die schönen Bilder ins Gedächtnis zurückzuholen, doch ist das zum Scheitern verurteilt, als ein Plätschern in Verbindung mit entsprechendem Würgegeräusch jeden Zweifel daran beseitigt: Da leidet einer. Und zwar wirklich schlimm.

Breit grinsend steckt er seinen Kopf doch aus der Koje heraus, gerade in dem Moment, als der Mann die schlafende Frau um Hilfe bittet.

"Da mußt Du einfach was Gescheites essen. Saure Heringe in süßer Sahne und einen kräftigen Schuß Honig und Feuer drauf ... das schmeckt so gut, daß gibt der Magen nie wieder her."



Joanna, die gerade noch so friedlich dagelegen ist und geschlafen hat, wird durch die hilfesuchenden Worte Fargus und einem nicht gerade wohlriechenden Duft geweckt. Noch ganz verschlafen reibt sie sich die Augen und fragt

"Was ist los?"

Als sie dann das Übel selbst sieht ist sie erst einmal angewidert von dem Anblick und verzieht ihr Gesicht zu einer Grimasse, wobei sie versucht so wenig wie möglich von diesem Geruch einzuatmen.

'Nur wo bekommt man diese Hilfe?'

Suchend blickt sie sich in der doch ziemlich vollen Gemeinschaftskabine um und fragt

"Gibt es hier jemanden, der sich auf dem Schiff auskennt?"

Die Druidin beschließt kurz auf eine Antwort abzuwarten, um dann aber möglichst schnell den Raum zu verlassen.



Torin liegt wach in seiner Koje. Die letzten Tage waren eine schwere Prüfung für ihn.

Er fährt mit der Hand immer und immer wieder hadernd durch seinen Kinnbart. Längst ist der Bart von unfeinen Stoppeln im ganzen Gesicht umgeben.

Er riecht wieder den beißenden Geruch von brennendem Holz. Schlagartig sieht er sich wieder in die Zeit auf dem Platz vor der Schneiderei versetzt.

Er wälzt sich herum. Mit offenen Augen sieht er wieder auf die lodernden Flammen, die seinem Freund Harad den Tod brachten.

'Hätte ich doch nur gleich nach Harad gesehen, dann würde er jetzt noch leben. Dann gäbe es die 'flinke Nadel' noch und...' er wälzt sich abermals herum.

'Nein. Dann wäre Ameg tot!'

Torin bleibt still liegen und starrt an die Kojendecke. Wie auch immer er es dreht und wendet, seine Gedanken drehen sich immer nur um Tod und Verderben.

Das Gesicht des Meuchlers erscheint vor seinem Auge. Er grinst ihn an, doch dann platzt die Stirn des Dunklen auf. Blut strömt aus der klaffenden Wunde und fällt platschend zu Boden.

Torin springt auf, er hält es nicht mehr in seiner Koje aus.

Verwirrt blickt er sich um und merkt, daß das platschende Geräusch doch nicht das Blut des Meuchlers, sondern das ausgespiene Essen eines anderen Fahrgastes ist.

Angewidert schüttelt er den Kopf.

'Das ist das Letzte, was ich jetzt brauchen kann. Meine Kleidung ist ohnehin schon fleckig vom Dreck der Gassen. Und ich rieche auch nach Tagen kaum etwas anderes als Rauch. Doch wenn PHEx mir schon diese schwere Prüfung aufbürdet, dann werde ich sie auch meistern.'

Die hämischen Worte des anderen Mitreisenden, der seinen Kommentar nicht zurückhalten konnte, übergeht er einfach. Torin seufzt kurz und fragt dann

"Wie kann ich euch helfen, Fremder?"



Anselm auf dem Weg nach oben


'Spuckt der Kerl mir fast vor die Füße!' denkt sich Anselm als er die Tür der Kabine hinter sich schließt.

'Muß das sein?... Naja, aber je länger der da rum würgt, um so unangenehmer wird's.'

Anselm beschließt sich auf die Suche nach einem Matrosen zu machen, den er um Hilfe bitten kann.

'Und wenn's nur ein Lappen ist....'



Phexane


Phexane steht an der Reling der NORDSTERN und betrachtet das Treiben an Bord. Sie spürt noch immer ihren vollen Magen, immerhin hatte sie beim Mittagessen gut zugelangt, da das Essen hier an Bord neuerdings gut schmeckt.

Sie spürt das Schaukeln des Schiffes, daß ihr nichts auszumachen scheint und der Wind läßt ihre langen schwarzen Haare und ihre blaue, weite Bluse wehen, so daß die weiblichen Konturen, die sonst unter dem weiten Stoff "versteckt" waren, diesmal zur Geltung kommen.

Kurz streicht sie über ihre Rippen und lächelt dabei.

'Das faule Leben hier an Bord tut mir richtig gut. Vor ein paar Wochen konnte ich mir an meinen Knochen glatt was einklemmen. Jetzt nehme ich langsam Gestalt an. Ich muß nur aufpassen, daß mir meine Gewandtheit nicht abhanden kommt.'

Sie beobachtet jetzt wieder die Passagiere. Dabei fällt ihr ein kleiner blonder Junge auf, der auf der gegenüberliegenden Seite auf einem Tau sitzt.

'Das ist doch der Junge, der mit Torin Rotmarder an Bord kam. Hm, ich frage mich, woher sich diese beiden überhaupt kennen. Ob das sein Sohn ist? Von der Kleidung her könnte es gut sein.'

Ihre Neugierde ist nun erwacht und sie nimmt sich vor, den kleinen Passagier etwas genauer zu beobachten.



Phexane erinnert sich, aufgrund Amegs Kleidung, an die Ereignisse im Laderaum und an Torin Rotmarder.

'Warum denke ich bloß so oft an den? Vor allen Dingen jetzt, wo er aussieht wie ein Gammler und die ganze Gemeinschaftskabine mit seinen Klamotten voll stinkt. Überall riecht es dort nach Rauch! Kein Wunder, daß der eine Mann ständig so blaß aussieht.'

Sie dreht sich zur Meerseite um und beobachtet die Wellen, die gegen die Bordwand schlagen und kleine Schaumkronen tragen.

'Ich werde den Kapitän mal bei Gelegenheit fragen, ob ich eine Einzelkabine bekommen kann oder ob in einer Doppelkabine noch was frei ist.'

Doch dann verzieht sie das Gesicht etwas ärgerlich.

'Verflucht! Dafür wird das Geld wohl nicht mehr reichen. Ich müßte mal wieder was für meine Geldkatze tun. Sonst maunzt die noch vor lauter Hunger.'

Phexane entsinnt sich plötzlich an etwas, was eigentlich noch zu tun wäre.

'Das habe ich ganz vergessen, nun, dann frisch ans Werk!' grinst sie.

Mit diesen Gedanken macht sie sich auf zum Niedergang ...



Phexane geht den Niedergang runter und wendet sich dann in Richtung Gemeinschaftskabine.

Unterwegs kommt ihr ein Mann entgegen, der nicht gerade ein fröhliches Gesicht macht. Phexane weicht ihm auf dem Gang kurz aus, geht dann aber weiter zur Kabine.

Sie öffnet die Tür und ihr kommt ein Schwall abgestandener, eklig-riechender Luft entgegen.

"Boah, hier stinkst wie in 'nem voll gekotzten Saufschuppen!" gibt Phexane laut von sich, während sie durch die Kabine geht. Doch dummer Weise achtet sie nicht auf den Boden vor sich, sondern schaut sich diejenigen an, die noch immer in ihren Kojen liegen.

'Diese alten Schnarchnasen. Deshalb ist oben auch nichts los - weil die alle hier herum gammeln.'

Plötzlich macht es 'FLATSCH' und Phexane rutscht einige Spann weiter, wirbelt mit ihren Armen, fängt sich aber wieder und kommt zum Stehen.

Sie dreht sich um, um zu sehen, auf was sie ausgerutscht ist. Sie verzieht angeekelt das Gesicht und würgt leicht - es war der ehemalige Mageninhalt des einen Mannes, der schon die ganze Zeit über etwas grünlich ausgesehen hatte. Unglücklicherweise hat sich nun die ganze "Soße" auf den Boden zu einer Art "Rutschbahn" verteilt.

"Uah, das ist ja ekelhaft!!! Warum habt ihr euch keinen Eimer geholt?" mault sie den sowieso schon "gestraften" Fargus an.

Sie schaut sich ihre Stiefel an und schüttelt den Kopf.

'Meine "Arbeit" kann ich jetzt erstmal vergessen. Ich muß die Stiefel putzen.'

Seufzend geht sie zu ihrem Spind, wobei sie auf dem Boden deutliche Spuren hinterläßt.



Phexane öffnet ihren Spind und kramt kurz in ihrem Tuchbeutel herum. Dann zieht sie einen alten, grauen Lappen hervor.

'Jetzt muß ich mir nur noch einen Eimer mit Wasser besorgen.'

Sie dreht sich um und will zur Tür gehen, da sieht sie die Spuren, die sie hinterlassen hat. Sie zieht daraufhin ihre Stiefel aus und nimmt sie in die Hand.

Dann macht Phexane sich barfuß auf dem Weg zur Tür, wobei sie darauf achtet, wo sie hintritt.

'Ich hoffe, daß die hier den Dreck bald wegmachen! Ist ja wirklich eklig!'



Phexane öffnet die Tür und geht auf den Gang hinaus. Kurz bevor sie die Tür wieder schließt, hört sie ein lautes "ALRIK!".

'Irre ich mich oder kam das vom Ladedeck? Hoffentlich nicht!'

Phexane erinnert sich an das letzte Mal in den Laderäumen: Sie wollte sich dort eigentlich nur "etwas umsehen". Doch unten schien sich das halbe Schiff zu versammeln - ein Händler namens Armen, den sie, wie ihr jetzt einfällt, seit Thorwal nicht mehr gesehen hatte, lauschte unten an einer Tür, hinter der zwei Matrosen den Elfen in einen Verschlag einsperrten und zum Schluß noch Torin Rotmarder, der unten im Dunkeln "lauerte". Am Ende lief alles auf eine Meuterei hinaus ...

Nachdenklich schließt sie die Tür und geht dann den Aufgang zum Oberdeck hinauf.

Auf dem Oberdeck angekommen, schaut sie sich kurz um, entdeckt dann aber den Matrose, der schon vorhin offenbar nichts recht zu tun und mit dem blonden Jungen geplaudert hatte. Sie geht auf ihn zu.



Auf der Suche nach 'Hilfe'


Joanna verläßt den Gemeinschaftsraum. Sie ist sichtlich erleichtert, daß sie den Gestank nicht länger ertragen muß und wendet sich dem Aufgang zum Oberdeck zu. Oben angekommen, sieht sie sich erst einmal um, wo sie eventuell Hilfe auftreiben könnte. Da sieht sie eine schwarzhaarige Frau aufs Unterdeck verschwinden. Die Drudin läßt ihren Blick weiter über das Oberdeck schweifen, und kann den Mann erkennen, der sich mit Fargus unterhalten hat.

'Der wird wohl auch hier sein, um Fargus zu helfen.'

So beschließt Joanna erst einmal abzuwarten, und tritt etwas näher an Anselm heran.



Im Gemeinschaftsraum


Nachdem Joanna den Raum nun verlassen hat, um hoffentlich Hilfe zu holen, registriert Fargus, daß ein weiterer Fahrgast seine Hilfe anbietet. Irgendwie erleichtert, daß in der Stimme dieses Mannes echtes Mitgefühl zu erkennen ist, antwortet er auf dessen Frage

"Danke, mein Herr, vielen Dank, daß ihr mir helfen wollt. Aber ich denke, daß die Dame, die gerade den Raum verließ, Hilfe herbeiholt."

Wenig später öffnet sich auch bereits die Tür, was Fargus zu der Annahme verleitet, daß die Beseitigung seines Mageninhalts kurz bevorsteht. Es tritt jedoch eine andere Frau ein, deren Gesicht ihm gänzlich unbekannt vorkommt, was jedoch möglicherweise auch auf sein eingeschränktes Wahrnehmungsvermögen während der Stunden seit der Abfahrt zurückzuführen ist. Sie schreitet durch den Raum und Fargus schaut sie gebannt an, ohne zu bemerken, daß sie geradewegs auf seine Hinterlassenschaften zuläuft. Als sie plötzlich ins Rutschen gerät, schließt er die Augen vor Schreck. Nur einen Moment später vernimmt er ihre Stimme, deren Tonfall nicht gerade auf Begeisterung hindeutet.

"Tut mir leid, werte Dame, aber es ist bereits jemand unterwegs, die notwendige Hilfe herbeizuholen."

'Ob der Schiffsmagier wohl eine Medizin für solche Fälle vorrätig hat - hm, wenn nicht, werde ich wohl mal in meiner Reiseapotheke nach einem geeigneten Gemisch umsehen - obwohl ich ja nicht weiß, ob diese Art des Unwohlseins mit den mir bekannten verwandt ist.'

Erstmals seit Beginn der Reise fühlt er sich wieder halbwegs wie ein normaler Andergaster.



Bei den dankenden Worten des seekranken Mitreisenden kommt Torin ein leichtes, gequältes Lächeln auf die Lippen.

Er setzt sich auf den Rand seiner Schlafstätte und betrachtet stumm den Boden als sich die Türe öffnet.

Als er die laute, ihm nicht unbekannte Stimme hört, hebt er den Kopf. Er sieht Phexane vorbei rauschen und will sie gerade warnen, als es zu spät ist. Er hört das schlitternde Geräusch, welches aus Phexanes Richtung kommt und sieht sie in Gedanken bereits zu Boden fallen. Doch die schlanke Frau ist geschickt genug, um sich zu fangen.

Torin bleibt noch einen Augenblick auf dem Bett sitzen, dann steht er auf. Die Geschehnisse des Thorwalaufenthaltes sind noch zu frisch, als daß er ruhig hier sitzen könnte. Und der scharfe Geruch, den der noch immer auf dem Boden befindliche Fleck absondert, tut ein Übriges um in Torin den Wunsch einer schnellen Flucht aufkommen zu lassen.

Mit den Worten:

"Ich empfehle mich." und einem leichten Kopfnicken in Richtung der Anwesenden verläßt er die Gemeinschaftskabine.



Armer, 'kranker' Fargus


Nachdem schon eine Weile vergangen ist und Fargus sich langsam aus seiner gekrümmten in eine aufrechte Haltung begeben hat, fragt er sich, wo denn wohl die Hilfe bleibt. Fargus holt ein kleines Säckchen aus seinem Bündel hervor. Er beginnt damit, seine Kräutersammlung zu durchforsten und sortiert sehr gewissenhaft einige der Kräuter auf einem ausgebreiteten Tuch aus. Kurz überlegt er, welche Zutaten in höheren Dosen beigemischt werden müssen, um eine längere Wirkung zu erzielen. War sein bisheriges Handeln und seine Erscheinung bisher mehr von Unsicherheit geprägt, so geht er in dieser Tätigkeit vollkommen auf, was man an der Geschwindigkeit und Präzision seiner Handgriffe leicht erkennen kann. Als er die notwendigen Zutaten ausgebreitet hat, verpackt er penibel die übrigen Kräuter und verstaut sie. Dann zieht er aus seinem Gepäck zwei längliche Gläser hervor, eins davon leer, eins gefüllt mit einer trüben Flüssigkeit, zerkleinert die Kräuter mit seinem Dolch und füllt sie in das leere Glas. Er gibt noch etwas von der Flüssigkeit dazu, verschließt das Glas mit einem Pfropfen, schüttelt es mit schneller Hand und verstaut dann alles wieder.

'So, für alle Fälle, wenn der Schiffsmagus nichts passendes für mich bereithält'.



Ameg


Ameg steht an der Reling und schaut auf das Meer hinaus. Erstaunlicher Weise scheint ihm die Bewegung des Schiffes nichts auszumachen. Von Seekrankheit ist bei ihm jedenfalls nichts zu bemerken.

Die letzten eineinhalb Tage waren recht ruhig für Ameg. Langsam gelingt es ihm die Erinnerungen an die Geschehnisse in Thorwal wenigstens tagsüber zu verdrängen. Somit erwacht auch seine Neugierde langsam wieder. Doch die bisherige Zeit auf der NORDSTERN hat Ameg, bis auf Torin und den Kapitän noch mit Niemandem gesprochen. Letzterem versucht er sowieso aus dem Weg zu gehen. Schließlich könnte mit seinem Erscheinen so etwas wie Arbeit drohen. Wie waren noch gleich Torins Worte zum Kapitän gewesen?

''..Wenn ihr wollt, könnt ihr über die Dienste meines Schützlings befinden...''

Ameg ärgert sich immer noch darüber.

Nach einer Weile dreht er sich wieder um, setzt sich auf ein zusammengerolltes Seil, welches hier rum liegt und beobachtet das Treiben der Besatzung.

'Ich bin kein Seemann. Was sollte es für mich hier schon zu tun geben...? Vielleicht sollte ich mich mal umschauen was hier für Leute an Bord sind... oder nachschauen wo Torin ist...'



Wasuren schlendert gemütlich über das Oberdeck, während er eine Winde poliert und reinigt.

Immer wieder schaut er sich gründlich um. Er sucht nach nicht allzu schwerer Arbeit und danach ob ihm schon wieder Nirka mit ihrem Adlerblick im Nacken hängt.

Dabei paßt er auch schön auf, daß er den anderen Matrosen keinesfalls bei irgend etwas im Weg steht, denn das würde sofort Aufsehen und Ärger nach sich ziehen.

Auch die neuen Passagiere sind eine willkommene Abwechslung zu dem tristen Meer. So schlendert Wasuren also leicht arbeitend an der Reling entlang und als er dann seine Winde fertig poliert hat, baut er sie wieder an den Mast wo sie hingehört.

'Nun brauch ich wieder 'ne neue unschwere Arbeit!' denkt er sich als er wieder zurück Richtung Reling trottet.

Da fällt ihm ein kleiner Junge auf der auf einem aufgerollten Tau sitzt.

'Schau mal einer an! Das Tau ist aber schon alt und abgewetzt. Das bringe ich mal lieber nach unten und hol eben ein neues. Soll doch dann jemand anderes das Seil erneuern.'

Langsam nähert sich Wasuren dem kleinen Schritt um Schritt, wo bei er ihn freundlich an lächelt.

'Wenn ich jetzt noch ein weilchen mit ihm diskutiere, dauert es noch länger.'


Als Ameg so hin- und her schaut stellt er fest, daß einer der Seemänner direkt auf ihn zuhält.

'Was will der nur? Warum grinst der so?'

Als der Seemann näher kommt bemerkt Ameg, daß dieser ziemlich groß ist. Ameg bleibt sitzen und schaut mißtrauisch zu ihm hoch.

'Ich sitz hier am Rand des Schiffes... also wohl nicht im Weg. Mal sehen was er will.'



Wasuren stoppt vor den kleinen Jungen, kniet sich leicht hin und meint dann freundlich:

"SWAfnir zum Gruße, Kleiner. Na is' dir langweilig ?"

Dann beäugt er ihn ein wenig.

'Hmm diese Klamotten hab ich doch schon mal irgend wo geseh'n!'



'Ob mir langweilig ist? Ja, sieht man das denn nicht? Natürlich ist mir... äh...'

Ameg schaut sich noch einmal rasch auf dem Deck um. Auf die Idee, daß vielleicht jemand zum Kapitän geht und ihn dann mit Arbeit versorgt kommt er erst jetzt. Was zu tun läßt sich garantiert immer finden und Ameg sieht nicht ein, warum er seine Langeweile durch Arbeit ersetzt sehen sollte.

Ameg schüttelt beinahe schon ein wenig zu energisch den Kopf:

"Noee...is' furch'bar in'eressant hier..."



"Na wenn das so ist, dann laß dich nicht stören."

'Komischer Kleiner, irgendwie verschreckt. Aber mit dem hab ich bestimmt noch ein wenig Spaß und weniger Zeit zum arbeiten' denkt sich Wasuren in einer kurzen Gesprächspause und meint dann ganz nebenbei:

"Wenn's dir nicht ausmacht würde ich gerne die Seilrolle dort haben."

Dabei zeigt er auf den improvisierten Sitz des Jungen.



'Oh... das Seil.. ich bin im Weg..'

Ameg stolpert fast über das Seil, als er plötzlich aufspringt. Aber er fängt sich, stellt sich neben das Seil und schaut den Seemann an.

"So..", meint er, "is' frei.."

'Hmm.. und was wenn er mich nur ärgern wollte?'

"Was willst'e denn mit'm Seil?", fragt er den Seemann, kurz bevor er bemerkt, daß sich ihnen eine Frau nähert.



Jarun auf der 'faulen Haut'


Den letzten Tag der Reise hatte Jarun mit zwei seiner Lieblingsbeschäftigungen verbracht. Faulenzen und den neuen Matrosen bei der Arbeit zuschauen. Einige Male gab es richtig was zu lachen, wenn einer der neuen Matrosen einen Befehl falsch verstand. Aber insgesamt schien der Kapitän, trotz geringer Zahl der Besatzung, zufrieden zu sein.

Nach dem Essen zog sich Jarun in seine Doppelkabine zurück, die ihm inzwischen scheinbar alleine gehörte, da wohl keiner der neuen Passagiere zusammen mit ihm die Reise verbringen wollte. Penibel korrigierte er seine Schminke, die besonders im Bereich der Lippen durch das Essen gelitten hatte. Während er so in den kleinen Handspiegel schaute und die Linien nachzog, schweifte sein Geist zurück in die Taverne Schwert und Zauberei.

Nur ungern zeigte sich Jarun an diesem Abend ohne Schminke, denn er kannte nur zu gut die Reaktionen der abergläubischen Bevölkerung auf sein Äußeres. Aber an jenen Abend war es nicht anders möglich. Seine Schminke hatte er auf der Nordstern vergessen, was er aber erst bemerkte als es schon zu spät war und die Schminke in dem Eimer mit Wasser schwamm.

'Mal sehen, was sich auf dem Deck tut.'

Vorsichtig legt Jarun den Spiegel zurück in die Truhe und geht zu der Kabinentür.



Hinter sich verschließt Jarun sorgsam die Kabine und verstaut seinen Schlüssel in einer der kleinen Gürteltaschen. Gut gelaunt, mit beschwingtem Gang macht er sich auf den Weg zum Oberdeck.

Der Tumult in der Gemeinschaftskabine weckt allerdings seine Neugier und so beschließt er einen kurzen Blick zu riskieren.

Vorsichtig öffnet er die Kabinentür des Gemeinschaftsraums und streckt seinen Kopf durch den Türspalt. Doch der niederhöllischen Gestank, der in der Kabine herrscht, überzeugt ihn davon, daß ihn die Sache wohl nichts angeht. Sofort zieht er seinen Kopf wieder zurück und schließt die Tür schnell. Vor der Tür atmet er erst einmal tief durch.



Wenige Sekunden nachdem Jarun die Tür wieder geschlossen hatte, aber immer noch neben der Tür verweilte, öffnete sich die Tür des Gemeinschaftsraums erneut.

Eine junge Frau, die er im dunkeln nur schwer zu erkennen war, eilte auf den Gang und verschwand in Richtung Aufgang. Von hinten war sich Jarun nicht sicher, ob es sich bei der Frau um Phexane handelte, deshalb sagte er nichts. Scheinbar hatte sie es eilig und konnte ihn nicht sehen. Gemächlich schlendert Jarun hinter ihr her und stapft die Stufen zum Oberdeck hinauf.



Gemütlich schlendert Jarun über das Oberdeck und schaut sich ein wenig um.



Phexane an Deck


"Äh, 'tschuldigung," spricht Phexane Wasuren an, als sie bei ihm steht, "aber ihr seid doch einer der Matrosen, richtig? Ich brauche nämlich etwas."

Sie hält dabei demonstrativ ihr stinkiges Paar Stiefel hoch, an dem der ehemalige Mageninhalt von Fargus klebt.

"Ich brauche einen Eimer mit 'nem Seil, damit ich mir etwas Wasser hoch holen kann. Könntet ihr mir so etwas geben?"



Nirka und Raschid


Pflichtbewußt zurt Raschid einige der Segeltaue fest. Die Einarbeitung auf dem neuen Schiff ging recht schnell. Die NORDSTERN ist zwar doch etwas anders gebaut, als die Handelsschiffe in Khunchom, auf denen er gearbeitet hat, aber insgesamt kann man sagen, das sich alle Schiffe in gewisser Weise gleichen.

Sobald er das letzte Tau kontrolliert hat, was seine Aufgabe war, geht Raschid zu Nirka auf das Brückendeck.

"Ich habe die Segel kontrolliert. Alle Taue sind festgezurrt.'

Mit seiner rechten Hand deutet er zu dem Segel, an dem er als letztes war.

"Was soll ich jetzt tun?"



Die Bootsfrau beobachtet das Treiben auf dem Oberdeck, während sie ab und zu die Position des Steuers kontrolliert und recht selten Befehle nach vorne ruft, die die Korrektur der Segelstellung betreffen. Momentan ist diese nämlich wirklich ziemlich statisch, da der Wind gleichmäßig weht und auch seine Richtung kaum ändert.

Raschids Meldung nimmt Nirka mit einem Nicken zur Kenntnis, und überlegt kurz, was sie als nächstes für eine Aufgabe vergeben kann. Es ist nicht so, daß ihr nichts einfällt, aber als gute Bootsfrau achtet sie stets darauf, die Arbeit gleichmäßig und gerecht zu verteilen.

Sie denkt kurz an Lowangers Bemerkung bezüglich des Spiels in der Rudermaschine, aber das kann sie unmöglich jemanden überlassen, der noch nicht lange auf dem Schiff ist - und zudem hat der dritte... nein... die Bootsfrau korrigiert sich in Gedanken... der ZWEITE Offizier natürlich recht: Das kann auch in Salza passieren.

Sie entschließt sich, nicht sofort einen neuen Auftrag zu vergeben, sondern fragt:

"Wie gefällt es dir so nach eineinhalb Tagen auf diesem Schiff?"



Ohne lange nachzudenken, antwortet Raschid auf die Ihm gestellte Frage.

"Ein schönes Schiff, wenn es auch ein wenig plumb gegenüber den mir bekannten Schiffen erscheint. Eine Wettfahrt mit der 'Djinn der Meere' würde sie sicherlich ohne Chance verlieren. Aber auch diese Bauweise hat sicher ihre Vorteile."

Mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck und einem anschließenden resignierenden Schulterzucken rückt sich Raschid das Kopftuch zurecht, wobei sich ein paar seiner schwarzen Haare unter dem Tuch hervor kämpfen.

"Der Kapitän ist ein erfahrener und weiser Seemann, der scheinbar immer ein Rat hat. Es ist mir eine Ehre auf seinem Schiff zu segeln. Auch die anderen Matrosen an Bord scheinen durchaus ihr Handwerk zu verstehen, wenn es mich auch etwas verwundert, das doch einige Frau..."

In diesem Moment bemerkt Raschid, das er der Bootsfrau gegenübersteht und sie sicher nicht über seine Meinung erfreut wäre. Deshalb beendet er seinen Satz doch anders, als er es zuerst wollte.

"... das doch alle freundlicher sind, als das ich es von Thorwalern erwartet hätte."



Nirkas Gesicht verfinstert sich bei dem begonnenen Satz, ganz so, wie es immer der Fall ist, wenn jemand so etwas sagt. Sie hält Raschid aber innerlich zugute, daß er sich rechtzeitig bremst, und die fatalen Worte nicht ausspricht und sich damit vor einer Reinigung des besonders ekelhaften Teiles der Bilge rettet.

"Thorwaler können sehr freundlich sein", erwidert sie knapp, um das Thema dann auf den etwas ungefährlicheren Teil dessen zu lenken, das der Matrose sagte:

"Die NORDSTERN ist ein solides Frachtschiff. Sie ist nicht für Wettfahrten gebaut, sondern dafür, Fahrgäste und Waren sicher zu den Häfen Aventurien zu bringen. Und das kann sie sehr gut."

Man hört aus dem Tonfall deutlich den Stolz auf das Schiff heraus, dessen Steuer die Bootsfrau gerade in der Hand hält.



Nirkas Gesichtsausdruck und der Tonfall in ihrer Stimme verdeutlichen Raschid die Problematik des Gesprächsthemas. Bevor er sich den Zorn der hiesigen Bootsfrau zuzieht, hält er es für klüger das Thema zu wechseln und begnügt sich bei Nirkas Worten mit einigen Kopfnicken und einem leichten Lächeln, während er sich seinen Teil denkt. 'Auch die 'Djinn der Meere' ist ein Handelsschiff. Trotzdem strahlt sie eine gewisse Eleganz aus, die der NORDSTERN noch fehlt. Aber es ist ja in ganz Aventurien bekannt, daß die Thorwaler kein besonderes Gefühl für Kunst und Schönheit haben.'

"Wo ihr gerade von dem Hafen sprecht. Der nächste Hafen hörte ich ist Salza? Könnt ihr mir etwas über diese Stadt sagen."



Nirka läßt sich mit keiner Geste anmerken, was sie über die weitere Themenumschwenkung denkt. Sie antwortet aber dennoch nicht gleich, sondern korrigiert den Kurs einige Grad nach Steuerbord und brüllt dann nach vorne:

"Das Groß-Segel etwas dichter holen!"

Während vorne die Matrosen sich daran machen, den Befehl der Bootsfrau mit Hilfe der Winden umzusetzen, wendet sie sich wieder Raschid zu:

"Zu Salza gibt's eigentlich nicht viel zu sagen. Eigentlich legen wir ja auch nicht in Salza an, sondern vielmehr in Salzerhafen. Die Stadt selbst hat nämlich keinen Hafen mehr, in dem Schiffe wie die NORDSTERN anlegen können - dafür haben sie vor einer ganzen Weile Salzerhafen als Hafen direkt am Meer angelegt. Aber... das wirst du sicher noch heute sehen, denn bei diesem Wind werden wir am gar nicht so späten Nachmittag in Salzerhafen anlegen, das ist schon mal ziemlich sicher."

Sie blickt dabei kurz zum Himmel empor, und ihre Erfahrung bestätigt ihr, daß der Wind wohl sicher mitspielen wird und das Schiff in der gleichen Geschwindigkeit weiter vorantreiben wird. Vielleicht sogar im Gegenteil - vielleicht wird es sogar schneller gehen.



Interessiert hört Raschid den Ausführungen der Bootsfrau zu. Als er aber bemerkt, das weitere Personen auf das Brückendeck kommen, um mit Nirka zu sprechen, entschließt er sich, die Matrosin nicht weiter von der Arbeit abzuhalten.

"Es sieht so aus, als würden gerne einiger der Passagiere mit euch reden."

Bei diesen Worten deutet er ein kleines Nicken in Richtung Aufgang an.

"Wenn ihr momentan keine weiter Aufgaben für mich habt, dann werde ich mich etwas mehr mit Schiff und Mannschaft vertraut machen."

Mit einem kurzen Nicken verabschiedet sich Raschid und geht auf das Oberdeck zurück.



Di Vespasio


Herr di Vespasio hat sich in die Messe zurückgezogen. Der große Tisch und die Sitzmöglichkeiten dort erscheinen ihm allemal besser als die enge Kabine. Und das Oberdeck, so schön das Wetter auch sein mag, ist nicht das richtige für die Beschäftigung, die di Vespasio sich ausgesucht hat.

Vor ihm stapeln sich etwa sechs einfache Bücher, meist recht abgegriffen. Abgegriffen, aber wohl von häufigem Gebrauch auf der Reise, nicht durch falsche oder gar grobe Behandlung. Einige Blätter Papier, Federn, Tinte und ein Heft Pergament vervollständigen den Schreibtisch. Der Hut und der Stock, nie fern des Adeligen, sind auf einem Nachbarstuhl plaziert. Ein Tablett mit einem Krug Wasser und einem Becher steht etwas abseits bereit.

Das Schreiben scheint dem Mann nicht so leicht von der Hand zu gehen. Offenbar ist er nicht an den Seegang gewöhnt, er muß daher sehr langsam schreiben, was zwar zu weniger Fehlern führt, aber den Schreiber zu um so mehr leisen Flüchen über die langsam voranschreitende Arbeit. So entsteht das Bild eines völlig in sich versunkenen Arbeiters, der sie Welt um sich so weit vergessen hat, daß er nicht mehr ganz zwischen Denken und Sprechen entscheidet.

' ... resinde ... Ein Restchen? Wovon? ... resinde hola tosqi ... Ein Restchen Erdwasser ... '

"Fademda!"

'Was ist denn Erdwasser? ... oder: Der Rest des Wassers auf der Erde.'

"Horribilis!"

'Dieses Licht ist einfach unmöglich. Man kann ja kaum die Hand vor Augen sehen. Geschweige die blasse Tinte.'

Di Vespasio blickt zu dem kleinen Bullauge auf, unter das er sich so nah wie möglich gesetzt hat. Er reibt sich die Augen, bevor er wieder den Blick zu einem Buch vor sich senkt und darin zu blättern beginnt.

"Eureka!"

'Es ist'

"Resund e hola tosqi"

'... Verspritzte ein wenigWasser auf die Erde.'

"HESinde Hilf!"

'Dieser Satzbau ist bestenfalls pittoresk. Mal sehen, dann bedeutet Ek lingo ...'

Ab und zu hört man einen lauten Fluch, wenn wieder einmal eine Welle die Feder zu weit über das Papier geführt hat. Der Inhalt des Fluches ist zwar nicht zu verstehen, da di Vespasio mehrmal im Satz die Sprache wechselt, aber der Sinn ist unverstanden um so deutlicher. Nach einigen Minuten, wenn die Tinte angetrocknet ist, folgt dann jedem lauten Fluch das Schaben des Bimssteines über das Pergament.

Schließlich legt er die Feder beiseite und nimmt einen Schluck aus dem nahe beistehenden Becher und massiert sich mit der Linken den Nacken.

'Frizzi, langsam wirst Du dieser Arbeit müde. Noch diese Seite, dann entweder etwas Buchhaltung oder ein kleiner Spaziergang über Deck.'



Di Vespasio hat inzwischen die Übersetzungstätigkeit am Ende der übernächsten Seite aufgegeben und sich noch mal ein wenig der Buchhaltung gewidmet. Seine Konzentration nimmt jedoch immer mehr ab. So versucht er zum dritten Mal die Gewinnerwartung für eine zweite Reise nach Lowangen zu berechnen.

'... zweihundert von Dalmarin. Dazu dreimal einhundertfünfzig von Salisar, wenn Hasimal der Kleine dir noch mal die Essenzen von Al'Rukimon herausgibt. Aber Salisar wohnt ...'

- Hektisches Blättern in einem Stapel von Notizzetteln -

' ... noch etwa drei Tagesreisen im Norden, was Mehrkosten von ...'

Schnell erscheinen einige Zahlen auf einem durch einen Schreibfehler verschwendeten Blatt. In dem fortgeschrittenen Zustand der Ermüdung fühlt sich di Vespasio offenbar genötigt auch diese einfachen Multiplikation schriftlich auszuführen.

' ... vierundzwanzig Dukaten, plus die Unkosten durch die Wachen, macht. Dabei stellt sich die Frage, Frizzi:'

"Kann man Salisars Angebot trauen?"

Erneutes Blättern durch einen anderen Stapel von Zetteln, diese jedoch sind besser geschrieben und enthalten meist ein Siegel oder zumindest eine Unterschrift, offenbar Verträge oder ähnliches.

' ... ein sehr verbogener Charakter, der sich sichtlich Mühe gab, sich dir im besten Licht zu zeigen. Geld hatte er zwar wie Heu. Hier muß man vorsichtig sein, mein Lieber. Die Essenzen sind nicht wirklich illegal, zumindest noch nicht, aber du möchtest nicht das arme Schwein werden, an denen er sie ausprobiert.'

Di Vespasio kann offenbar nicht den gesuchten Vertrag finden und gibt genervt auf. Statt dessen blick er zum Bullauge und beschließt sich etwas Bewegung zu verschaffen.

'Ein kleiner Spaziergang, etwas frische Luft, das wird Dir gut tun und diese düsteren Gedanken vertreiben.'

Er ist schon aufgesprungen, hat Hut und Stock ergriffen und die Tür geöffnet, als ihm auffällt, daß er auf einem fremden Schiff mit lauter einfachen Reisenden nicht seine Dokumente herum liegen lassen kann.

'Es ist wirklich eine Schande, daß Jorbas uns verlassen hat. Er war zwar manchmal unerträglich, aber solche kleinen Aufträge hat er immer gut erledigt. Hach, wenn es nicht nur so schwierig wäre gutes Personal zu finden.'

Also geht er zum Tisch zurück und beginnt einen großen Haufen zu bilden. Zu unterst der Kasten mit den Verträgen, darauf die Bücher, darauf die Pergamentseiten, darauf die losen Notizzetteln, darauf das Tablett, darauf den Krug, den Becher, die Federn und das Tintenfaß.

Der ganze Berg ist etwas unhandlich geworden und di Vespasio muß, um ihn anzuheben, den anderen Arm zu Hilfe nehmen, wodurch der Stock längs in die Waagerechte kommt und seine Bewegungsfreiheit noch stärker einschränkt. Auf die Idee, lieber zweimal zu gehen, kommt der Adelige nicht, er hat wesentlich mehr Erfahrung darinnen, beladene Diener herum zu dirigieren, als die Sachen selbst zu tragen.

Zudem fällt dem Schreibenskundigen auf halben Weg zur Tür auf, daß er vergessen hat das Tintenfaß zu schließen, Becher und Krug waren ebenfalls noch halbvoll. Dies ist jedoch kein Grund zurück zu gehen, eher eine Herausforderung.

'Das wäre doch gelacht, wenn wir nicht dieses Tablett durch die Tür buchsieren könnten. Wer im Vinsalter Kronsaal die Balilere fehlerfrei tanzen kann, wird sich doch von so einem kleine Balanceakt nicht abschrecken lassen. Frizzi, immer ein Auge auf die Tinte, nicht mit dem Stock anstoßen und jetzt ... vorsichtig ... mit dem kleinen Finger die Tür ooooeeeffnen. So.'

Völlig mit seiner selbstgestellten Aufgabe, drei gefüllte Gefäße auf einem rutschigen Papierstapel auf einem Schiff mit leichtem Seegang zu balancieren, beschäftigt, bewegt sich di Vespasio den Gang zwischen Messe und Einzelkabine entlang.



Garulf bei der Arbeit


Garulf, der sich nach der Arbeit und dem anschlieszenden Essen ein wenig in seiner Kabine ausgeruht hat, steht nun auf und verläszt die Kabine Richtung Niedergang. Er begibt sich auf das Ladedeck und dort zum Laderaum 3, wo er noch einmal die Vorräte inspiziert. Nur noch wenige Kisten sind ungeöffnet, die meisten sind bereits leer. Nein, sein Vorgänger war sich wirklich der Verantwortung nicht bewuszt, die der Smutje für das Schiff hat.

Zum Glück ist Salza nicht mehr weit und der Wind günstig, so dasz es wohl noch reichen wird. Weit bedenklicher betrachtet er da schon den geringen Süszwasservorrat - ´war echt ´ne Landratte, glaubte wohl er könnt´ sich Wasser einfach aus dem nächsten Brunnen holen ...´ seine Gedanken werden von einem Kopfschütteln begleitet. Unweigerlich kommen ihm Erinnerungen an die ´Seekuh´, die im PRAios, im Südmeer in einer Flaute festhing und kaum noch Trinkwasser an Bord hatte.

´Welch seltsames Schicksal,´ hatte der Schiffsmagus damals philosophiert, ´verdursten umgeben von Wasser´.

Doch finstere Gedanken helfen ihm jetzt nicht weiter, das letzte verbliebene Wasserfasz musz in die Kombüse hinauf. Da es allein schwierig ist ein Fasz den steilen Aufgang hinauf zu schaffen ruft er den Schiffsjungen heran:

"ALRIK!" schallt es durch die Gänge der NORDSTERN. Ein Grinsen ziert Garulfs Gesicht, als er daran denkt wie der neue Kapitän der ´Windfänger´ damals nach einem solchen Ruf plötzlich die halbe Mannschaft vor sich stehen hatte.



Auf der ´Windfänger´ kamen über ein Dutzend Leute heran geströmt wenn man laut nach Alrik rief - hier und jetzt kommt nicht einmal einer.

´Der Schiffsjunge heiszt Alrik und wenn man ihn ruft kommt er nicht,´ geht es dem Smutje durch den Kopf:

´Typisch.´

Doch Garulf wäre nicht Garulf, wenn ihm das Nichterscheinen des Schiffsjungen die Laune verderben würde.

´Da fühlt man sich doch gleich zu Hause,´ dieser Gedanke wird wieder von einem Schmunzeln begleitet. Aber alle Überlegungen über Namensverteilung und Verhalten von aventurischen Schiffsjungen ändern nichts an der Tatsache, dasz das Fasz hinauf musz. Es allein den Aufgang hinauf zu balancieren kommt aufgrund der Wichtigkeit des Inhalts nicht in Frage, daher wiederholt der Smutje seinen Ruf:

"ALRIK!"



Anselm auf dem Oberdeck


'Auf diesem Kahn sind so viele Leute... Jetzt wo man jemanden braucht, is' niemand da.'

Anselm steigt den Aufgang hoch und steuert die Bootsfrau an, welche sich gerade mit einem Matrosen unterhält.

'rrrr ... jetzt darf ich auch noch warten..."

Stillschweigend, aber mit nervöser Mine hart Anselm der Dinge, die da kommen.



Ottam


Mit einer Mischung aus Griesgram und seiner höchsteigenen Arroganz verläßt Ottam die Kabine, die er endlich zumindest halbwegs so eingerichtet hat, wie er sie haben möchte. Wie so oft hat er einen hervorragenden Grund gefunden mit der Welt zu hadern, die ja so viel besser sein könnte, wenn er nur einer der Mächtigsten wäre.

Immer noch grübelt er über die Entzifferung der Schrift nach, die er im Hafen von Thorwal begonnen hatte.



Orgen


Orgen, der bis jetzt auf dem Unterdeck zu tun hatte, entschließt sich jetzt endlich zu Nirka zu gehen, sein Gewissen läßt es nicht zu, daß er länger wartet. Seit dem Auslaufen war ja ständig etwas zu tun, mit so wenig Matrosen ist das ja auch kein Wunder. Doch jetzt macht die NORDSTERN gute Fahrt und da kann er den Moment investieren.

Guten Mutes macht er sich auf den Weg zum Brückendeck, wo er sieht, daß Nirka gerade in einem Gespräch verwickelt ist.

Daher wartet er am Aufgang bis diese fertig ist. Sein Blick verrät aber, daß er etwas Wichtiges auf dem Herzen hat.



Nirka und Anselm


Nirka entgeht nicht, daß auf Seiten der Passagiere im Moment verstärktes Interesse daran besteht, sich mit ihr zu unterhalten, und so ist sie recht froh, daß Raschid das von selbst bemerkt und sich wieder entfernt.

"Tu das", erwidert sie dem Matrosen, und wendet sich dann dem Passagier zu, der auf das Brückendeck gekommen ist - Anselm, wenn sie Namen noch richtig in Erinnerung hat.

"Wie kann ich Euch helfen?"

Dem Matrosen Orgen, den es ebenfalls auf das Brückendeck verschlagen hat, bedeutet sie mit einer knappen Handbewegung, sich weiter zu gedulden.



Anselm tritt leicht nervös an die Bootsfrau heran:

"Nun, in der Gemeinschaftskabine gibt es einen Krankheitsfall. Dieser Druide scheint Seekrank zu sein. Könnte der Schiffsmagus sich seiner annehmen? Oder gebt uns wenigstens einen Eimer und einen Lappen."



Nirka sieht den Fahrgast ein klein wenig verwundert an - ein Matrose des Schiffes würde in dieser Situation vermutlich eine recht unfreundliche Erwiderung zu hören bekommen. Doch... die Bootsfrau weiß, daß man Passagieren so nicht kommen kann, und so antwortet sie nach einigen Sekunden recht freundlich:

"Was den Magus betrifft - fragt ihn besser selbst - denn dort steht er."

Sie weist in die Richtung Ottams, der vor einigen Augenblicken die Brücke betreten hat.

"Einen Eimer könnt Ihr Euch von den Matrosen dort vorne auf dem Oberdeck geben lassen... oder..."

Sie versteht erst jetzt, worum genau es geht.

"Nein, natürlich nicht. Das machen wir selbstverständlich sauber!"

"RASCHID!"

Der neue Matrose ist der erste, der der Bootsfrau einfällt, und zudem hat er im Moment nicht wirklich was zu tun.

"Einen kleinen Moment bitte", sagt sie in Anselms Richtung dann noch in wesentlich niedrigerer Lautstärke.



Soeben betritt Raschid die letzte Stufe der Niedergangs zum Oberdeck, als er Nirkas Ruf hinter sich vernimmt. Ohne lang zu überlegen, was den passiert sein kann, daß sie ihn nun wieder sprechen möchte, dreht er sich noch auf der Stufe um und läuft, immer zwei Stufen nehmend, den Aufgang hinauf.

Nach weniger Sekunden steht er vor Nirka.

"Ihr habt mich gerufen, Bootsfrau. Gibt es doch etwas zu tun?"



Nirka freut sich, daß der neue Matrose so prompt reagiert, doch sie läßt sich diese Freude nicht anmerken, schließlich ist es ja selbstverständlich, daß so reagiert werden muß, wenn eine Vorgesetzte einen Befehl gibt.

"Ja, Raschid. Nimm dir einen Eimer und einen Lappen, und geh mit diesem Herren..."

.. sie weist auf Anselm...

"... in die Gemeinschaftskabine."

Mehr erklärt sie nicht, denn für einen guten Matrosen muß diese Menge an Informationen genügen.



"Jawohl!" antwortet Raschid kurz und knapp.

Mit einem "Folgt mir bitte."weist Raschid den Passagier an ihm zu folgen, während er sich bereits auf dem Oberdeck nach einem Eimer umschaut.

Nach kurzem Suchen findet er ein Ziel in der Nähe des Vorderdecks, worauf er dann auch sofort zugeht. Kaum den Eimer in der Hand, fliegt er auch schon über die Reling, um wenige Augenblicke später mit dem Seil, das an ihm befestigt ist, und viel Wasser wieder auf das Deck gezogen zu werden.

Mit dem vollen Eimer Wasser in der einen Hand und dem Lappen, der neben dem Eimer lag in der anderen Hand, dreht er sich wieder zu dem Passagier um.

"Wir können."



Anselm, Ottam und Raschid


Anselm, zufrieden, daß diese unangenehme Sache sich zu klären scheint, zieht sich mit einem "Vielen Dank" von Nirka zurück und schreitet auf den Magus zu.

"Ähh ... hättet ihr die Güte, mir einen Moment Gehör zu schenken?"



Kaum hat Anselm den Magus angesprochen, kommt auch schon Raschid daher.

"Was ich sagen wollte, war, daß dieser Druide in der Gemeinschaftskabine unter Seekrankheit leidet. Vielleicht könntet ihr, als Heilkräftiger, ihm helfen."

'Bei PHEx, so viel Trubel um so einen schwachbrüstigen Menschen'

"Ihr seit ein eiliger Mensch!" sagt Anselm zu Raschid und schaut gleichzeitig fragend zu Ottam 'rüber.



Ottam, der schon grundsätzlich mitbekommen hat was los ist, sich dies aber in keinster Weise hat anmerken lassen, schließlich muß ja die Form gewahrt werden, solange niemand im Sterben liegt, blickt zu Anselm hinüber und erwidert dann:

"Ich werde mit euch kommen und sehen was ich tun kann"



Raschid realisierte erst zu spät, das der Passagier ihm gar nicht auf das Oberdeck gefolgt, sondern beim Schiffsmagier geblieben war. So machte er sich auf den Weg zurück auf das Brückendeck. Dort begrüßte ihn der Passagier mit den Worten "Ihr seid ein eiliger Mensch," was Raschid wiederum nur ein müdes Achselzucken abrang.

"Ich war der Meinung, ihr bräuchtet schnell meine Hilfe, sonst hätte die Bootsfrau nicht so eilig nach mir gerufen. Ich habe alles besorgt. Wir können also los."



"Nun, da wir uns einig sind, wer möchte vorangehen?"

'Mein armes Riechorgan....'



"Immer der der fragt" erwidert Ottam kurz



"Das habe ich auch gerade gedacht," fügt Raschid grinsend hinzu.



Anselm fühlt sich leicht veralbert, doch er bleibt ruhig.

"Na gut, dann wollen wir mal" sagt er resigniert und schreitet in Richtung Niedergang, während die andern ihm leicht grinsend folgen.



Als Anselm sich abwendet um voran zu gehen, kann selbst Ottam ein leichtes Grinsen nicht vermeiden, bekommt sich aber schnell wieder unter Kontrolle und folgt dann.



Auch Raschid folgt dem Passagier bis vor die Tür der Gemeinschaftskabine. Er weiß zwar noch nicht so genau, worum es geht, aber durch den Eimer den er besorgen sollte und die Worte die er mitbekommen hat, kann er sich einiges zusammenreimen. Das leuchtende Weiß seiner Zähne hebt sich, selbst in der Dunkelheit des Unterdecks, beim Grinsen deutlich von seinem gebräunten Gesicht ab. So grinsend steht dann auch hinter den beiden anderen vor der Tür der Gemeinschaftskabine.



Nirka und Orgen


Orgen ist zwar der Meinung jetzt an der Reihe zu sein, doch wartet er bis Nirka ihm ein Zeichen gibt.



Die Bootsfrau ist froh, daß der Fall des Fahrgastes, der da anscheinend die Gemeinschaftskabine voll gekotzt hat, sich zu klären scheint, und sie sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe, nämlich der Führung des Schiffes, zuwenden kann.

Oder... noch nicht ganz.

"Ja?" fordert sie Orgen auf, sein Anliegen vorzutragen.



Orgen tritt vor und Blickt Nirka an, man kann seinem Gesicht anmerken, daß er sich durchaus Gedanken gemacht hat hier her zu kommen um DIESES Anliegen vorzubringen.

Bevor er loslegt huscht sein Blick noch kurz über das Deck, als wollte er sich vergewissern, daß eine bestimmte Person oder etwas nicht oder gerade in der Nähe ist.

Offensichtlich zufrieden spricht er Nirka an:

"Nirka ich mache mir ein wenig sorgen. Ich sollte doch diesem Händler beim Holen der Ware behilflich sein, diesem Frizzi di Vespario oder so. Ich habe das Gefühl, daß damit irgend etwas nicht stimmt. Zum einen waren die recht großen Kisten ungewöhnlich leicht und dann war da noch das seltsame Verhalten. Er fiel plötzlich im Hafen in Ohnmacht und als wir die Kisten auf den Eselskarren luden, wünschte mir ein Mann, der offensichtlich die Kisten bewacht hatte herzliches Beileid. Ich möchte niemand unbegründet beschuldigen, aber ich mache mir Sorgen, denn wenn etwas Illegales in den Kisten sein sollte, fällt es letztlich auf den Kapitän zurück."

Erwartungsvoll blickt Orgen Nirka an.



Das ganze Getue des Matrosen, ehe er endlich anfängt, etwas zu sagen, macht Nirka doch etwas mißtrauisch - und auch ein klein wenig neugierig. Immerhin erreicht Orgen so, daß er ihre volle Aufmerksamkeit hat - oder zumindest den größten Teil dieser, denn als gute Bootsfrau vernachlässigt sie natürlich ihre Aufgabe, nämlich das Steuern der Karavelle, nicht einen Augenblick lang.

Das, was der Matrose sagt, läßt sie die Stirn runzeln. Warum interessiert sich Orgen für derartiges? Als Matrose hat er Aufgaben auszuführen, das Denken kann er den Offizieren überlassen. Und denen hat er Dinge zu melden, die ihm fragwürdig erscheinen - doch... tun diese das wirklich?

"Dein Gefühl sagt dabei gar nichts, Orgen. Das ist schlicht irrelevant. Was in den Kisten unserer Fahrgäste ist, geht uns nichts an. Wir transportieren sie, ohne sie zu durchsuchen. Das ist Angelegenheit des Hafenamtes im Zielhafen - wenn sie sich dafür interessieren. Wir haben sie übernommen, und wir transportieren sie. Solange sie die Sicherheit des Schiffes nicht gefährden, geht uns der Rest nichts an - es sei denn, es liegt ein begründeter Verdacht vor. Und was ein begründeter Verdacht ist, das kann einzig und alleine der Kapitän der NORDSTERN entscheiden. Du nicht, und ich auch nicht."

Die Bootsfrau hält erst einmal inne und läßt ihre Worte wirken - und gibt dem Matrosen damit auch Gelegenheit für eine Erwiderung.



Orgen wird mit jedem Wort kleiner, da wollte er doch nur verhindern das der Ruf des Kapitäns noch mal in Frage gestellt werden könnte und dann scheint das Nirka gar nicht recht zu interessieren. Nun ja, sie hat ja gesagt der Kapitän muß es entscheiden und daher muß er wohl mit diesem sprechen.

"Das ist wohl richtig, doch war das Verhalten des Händlers so ungewöhnlich, daß ich mir einfach nicht wohl war den Verdacht für mich zu behalten."

Und jetzt wird er wieder etwas größer und seine Stimme gefestigter...

"Ich sehe es als meine Pflicht an, Dinge die mir merkwürdig vorkommen und, meiner Meinung nach, das ganze Schiff betreffen, zu melden. Vielleicht sollte ich mit dem Kapitän sprechen."

Ein Blick, der sich nicht recht zwischen fragend und feststellend entscheiden kann, trifft Nirka.



Nirka seufzt ein wenig, dann antwortet sie:

"Sicher ist es deine Pflicht, solche Dinge weiter zu melden, was du ja auch getan hast. Aber... es ist nun einmal Fakt, daß wir auf Grundlage deiner Beobachtungen nichts machen können, ohne dem Händler Dinge vorzuwerfen, die unserem Ruf erheblich schaden. Verstehst du?"

Sie spricht das eindringlich aus, doch dann wird ihre Stimme wieder ein wenig weicher.

"Aber sei unbesorgt, ich werde das dem Kapitän ausrichten, was du gesehen hast - und zwar noch vor unserem Anlegen in Salzerhafen. Wenn er der Meinung ist, daß Schritte unternommen werden müssen, oder Fragen dazu hat, dann wird er dich sicher rufen - oder aktiv werden. Bis dahin möchte ich dich bitten, diese Beobachtungen für dich zu behalten. Nichts schadet dem Ruf unseres Schiffes mehr, als Gerüchte, die im Umlauf sind und solche Dinge betreffen."

Die Bootsfrau sieht kurz nach vorne, und korrigiert den Kurs wieder einmal um einige Grad, wobei sie sich langsam fragt, ob diese Abweichungen durch das recht große Spiel in der Rudermaschine verursacht werden.



Orgen ist schon gleich zuversichtlicher.

"Selbstverständlich werde ich es für mich behalten.

Ich gehe dann wieder an meine Arbeit"

Er blickt noch kurz Richtung Nirka, falls diese noch etwas sagen möchte.

'Wenn man Nirka eines nachsagen kann dann das, daß sie zuverlässig ist, der Kapitän wird also sicher informiert' denk er sich dabei bevor er sich zum Gehen wenden will.



Die Bootsfrau betrachtet das Gespräch mit dem Matrosen als beendet, so daß sie sich jetzt wieder vollkommen der Führung des Schiffes zuwendet.

Ihre Gedanken schweifen dabei nach vorne, nach Salzerhafen, wo das Schiff sicher bald eintreffen wird - zumindest sehr sicher im Laufe der nächsten Stunden, wenn der Wind weiter so weht wie im Moment. Doch da macht sie sich keine Sorgen, es sieht eher so aus, als würde er noch etwas stärker werden.

Ebenfalls sicher ist, daß es in Salzerhafen kaum Freizeit für sie als Bootsfrau geben wird, denn die Ausbesserung der Rudermaschine wird ihre Anwesenheit an Bord ganz bestimmt erforderlich machen. Naja... vielleicht läßt es sich ja so einrichten, daß Sigrun zu der Zeit auch auf dem Schiff bleibt...



Da Nirka offensichtlich nichts mehr will, macht sich Orgen umgehend zurück an die Arbeit. Er strafft ein paar Taue, reine Routine, nichts Außergewöhnliches.



Joanna meldet ...


Joanna, die schon die ganze Zeit darauf wartet, ob Anselm auch die gleiche Absicht hat wie sie, kann nun erleichtert feststellen, daß dies der Fall ist. Als die Druidin hört, daß die Arbeit gleich erledigt wird, beschließt sie, zurück in die Gemeinschaftskabine zu gehen. Sie tritt ein und erklärt

"Hilfe ist schon unterwegs."

Sie lächelt den anwesenden Leuten noch einmal zu, und verschwindet dann gleich wieder aufs Oberdeck, wo sie noch einmal tief durchatmet.



'Gut, jetzt müßte ja eigentlich bald Hilfe auftauchen. Merkwürdig nur, wie lange das dauert. Zu dumm, das ich daran vorher nicht gedacht hat, wollte doch eine ruhige Reise verbringen, aber nun bin ich wohl für den Rest der Überfahrt die Witzfigur auf diesem Kahn. Wenn jetzt nicht bald jemand hier auftaucht, werde ich wohl dem Rat des Mannes folgen und aufs Oberdeck gehen.'



ALRIK träumt


Ein lautstarker Ruf hallt durch die Tiefen des Schiffes. Doch das Oberdeck ist fern und noch ferner sind ALRIKs Gedanken, die seit geraumer Zeit im fernen Olport weilen. Und jeden Tag, jede Stunde sind es mehr Meilen, die zwischen ihr und ihm liegen. Oh, Rahjana, Schönste der Schönen, voller Anmut und Liebreiz... und...

"Alrik" erschallt es abermals. Leider hat die Stimme des Rufenden so gar nichts mit Anmut, Liebreiz und süßen Verlockungen gemein. Diese Stimme ist eindeutig befehlsgewohnt, barsch und erfüllt von Ungeduld. Überdies verheißt sie nur eines: Arbeit!

"Jaahaa..." ruft ALRIK, doch längst nicht laut genug, damit seine Antwort über das Oberdeck hinaus auch Gehör findet. Aber so sparen sich die Matrosen auf Deck wenigstens unnütze Ermahnungen.

Mit einem trotzigen Blick auf Wasuren und diesem Dreikäsehoch, die beide fröhlich weiter plaudern, ohne etwas tun zu müssen, steigt ALRIK den Niedergang um Unterdeck hinab.

"Wer will'n was? Und wo?" ruft ALRIK, während er sich orientierungslos auf dem Unterdeck umschaut.



Torin will helfen


Torin schlendert einige Minuten ziellos auf dem Unterdeck umher. Seine Gedanken drehen sich wieder um die Geschehnisse in Thorwal. Immer wieder sieht er die Flammen und er sinkt innerlich zusammen.

'Ich hätte ihn retten können.'

Dieser Gedanke frißt sich tiefer und tiefer in seinem Kopf fest. Er hallt durch seinen Kopf und Torin schüttelt ihn, um den Gedanken zu vertreiben. Doch es hilft nichts.

Erst als ein gellender Ruf durch den Bauch des Schiffes schallt, sieht Torin wieder eine Möglichkeit, zumindest für einige Momente die peinigenden Gedanken zu verdrängen.

'Das kam aus dem unteren Teil des Schiffes. Dort wo Phexane und ich den Elf befreit haben. Wer auch immer dort Hilfe braucht, er soll sie haben.'

Und ungeachtet seines ungepflegten Aussehens, seines befleckten und nach Rauch stinkenden Mantels stiefelt er zum Niedergang.

Als er die Treppe hinuntersteigt, muß er sich an der Wand abstützen, so sehr schwankt das Schiff durch seine Geschwindigkeit.

Am Fuße des Niederganges kann Torin einen ihm bis dato unbekannten Matrosen sehen.

"Ph... Die Zwölfe zum Gruß. Habt ihr hier gerufen?" fragt er ihn freundlich.



Garulf blickt zu dem Mann, der ihn angesprochen hat. Statt des erwarteten Schiffsjungen sieht er jedoch einen der Passagiere, der ihn fragt ob er gerufen hat.

"Ja, das habe ich, aber du bist nicht Alrik und nach ´nem Matrosen siehst Du mir auch nicht aus," antwortet er dem Fragenden.

Plötzlich dringt ein Geruch in Garulfs Nase, den er als Smutje nur allzu gut kennt, der jedoch hier auszerhalb der Kombüse nichts Gutes verheiszt: Rauch! Wo Rauch ist, ist auch Feuer und Schiffe sind aus Holz. Er schnüffelt noch ein, zweimal um sich zu vergewissern, dann ruft er laut:

"Rauch! Ich rieche Rauch! Es brennt!"

Dabei blickt er sich aufmerksam um, um den vermeintlichen Brandherd auszumachen.



'Es brennt!' hallt es in Torins Ohren nach. Er reißt erschrocken die Augen auf. Vor seinen Augen erscheint wieder die Szene aus Thorwal.

Er riecht den Rauch, der aus seiner Kleidung strömt. Er kann den Hauch der gierigen Flammen beinahe auf seiner Haut spüren.

Seine Hände beginnen zu zittern, als er meint, den Todesschrei seines Freundes zu hören. Mit weit aufgerissenen Augen starrt er durch den Matrosen hindurch.

Langsam hebt er seinen Arm und tastet suchend nach der Wand. Als er sie endlich unter seinen Fingern fühlt, stützt er sich daran ab.

"Nein..." keucht Torin.

Langsam verblassen die Bilder in seinem Kopf wieder.

'Ich bin auf dem Schiff... nicht mehr in Thorwal!'

"Es brennt nicht... das bin nur ich..." sagt er mit kraftloser Stimme.

Trotzdem traut er seinen eigenen Worten nicht und so gleiten seine Blicke über das Holz der Wände. '...keine Flammen.' vergewissert er sich nochmals, als er die Wand losläßt.

Dann blickt er den Matrosen wieder an. Sein Blick ist nicht mehr angstverzerrt. Doch noch immer zittern die Finger des Streuners als er den Hut abnimmt.

"Es tut mir leid, wenn ich euch mit meinem Gestank erschreckt habe. Es ist nur..."

Torin stockt. Jedes weitere Wort würde die frischen Wunden wieder aufreißen. Und dieser Matrose ist sicher nicht die geeignete Person, um von ihm seelischen Beistand zu bekommen. Schweren Herzens schluckt er die Worte seines Hilfeschreies wieder herunter.

Dann setzt er noch einmal an.

"Es ist nur so, daß ich euch habe rufen hören und da dachte ich mir, daß hier eine helfende Hand benötigt werden würde. Und so, wie ich es sehe, geht es sicher um das Faß, nicht wahr?"

Ohne auf eine Antwort des Matrosen zu warten, redet Torin weiter. Jedes Wort, das er spricht, treibt die Bilder und die Flammen weiter zurück in die Dunkelheit des Vergessens. Je mehr er redet, desto mehr verdrängt er den Tod seines Freundes und seine eigene Schuld.

"Wie heißt ihr eigentlich, Matrose?"



Die Worte Torins dringen erst mit merklicher Verzögerung in den Kopf des Smutjes.

"Na, du kannst einen ja wahrlich zu Tode erschrecken," Garulf klopf leicht gegen die Wand, "dies Schiff hier ist nämlich aus Holz muszt du wissen," sagt er in einem ironischen Tonfall. "Und nur in der Kombüse geht das Feuer aus," dieser Satz wird mit einem Lachen beendet.

Garulf bemerkt, dasz der Passagier sich an der Wand abstützt und ihm offenbar nicht wohl ist.

´Landratte wird bei dem biszchen Seegang seekrank.´

"Wenn dir nicht wohl ist, solltest du besser an die frische Luft gehen. Am besten bring ich dich gleich an Deck, musz sowieso gucken wo der faule Bengel steckt."

Noch einmal laut "ALRIK" rufend setzt er sich Richtung Aufgang in Bewegung.



Torin blickt dem davon stampfenden Matrosen hinterher.

'Dann kann ich ihm also nicht helfen.'

Betroffen blickt Torin im Laderaum umher.

'Hier fing diese Sache mit dem Elfen an, diesem Sylvhar. Doch der wirkliche Grund, warum ich hierher zurückkam, ist nicht der Elf und auch nicht Thorwal.'

Langsam trottet Torin in der Dunkelheit des Laderaumes umher. Man sieht ihm an, daß er kein bestimmtes Ziel verfolgt, sondern nur seinen Gedanken nachhängt.

'Hätte ich doch wenigstens das Goldeichenherz stehlen können. Dann wäre ich jetzt frei in meiner Entscheidung und könnte...'

Torin seufzt.

Er setzt sich auf den Rand einer Kiste und nimmt seine goldene Kette ab. Er blickt auf das heilige PHExsymbol, das nun auf seinem Handteller liegt. Im spärlichen Licht des Laderaum scheint es so, als ob das PHExsymbol von innen heraus leuchten würde.

Torin schließt die Augen und schüttelt leicht den Kopf.

'Hoher PHEx, ich bin nicht würdig, einer deiner Geweihten zu sein.

Ich habe nie wirklich verstanden, was für eine Verantwortung ich mit dem Titel und der Kette trage.'

Torin öffnet seine Augen wieder und starrt das goldene Symbol an. Es glänzt in der Dunkelheit des Laderaumes und scheint jeden seiner Gedanken aufzusaugen.

'Ich mußte in den letzten Tagen lernen, daß ich nicht immer auf deine Hilfe hoffen kann. Es ist eine sehr schmerzhafte Erfahrung gewesen, PHEx. Doch sie hat mir die Augen geöffnet. In der Stunde meiner größten Not verweigerst du mir deine helfende Hand.'

Torin nickt wie zur Bestätigung, als er ausholt, um die Kette in die Dunkelheit zu werfen. Doch er hält inne und nach einigen Momenten gleitet sein Arm wieder nach unten.

'Doch ich kann nicht dir die Schuld für meine Verfehlung geben. Wäre ich nicht so vermessen gewesen, zu glauben, daß deine Hilfe, dein Schutz nur mir gelten, dann wäre Harad vielleicht noch am Leben. Vielleicht hätte ich ihn und Ameg retten können, wen ich nicht ständig deine Macht in Anspruch genommen hätte.'

Er drückt die Kette an sich heran und schluchzt leise in der Dunkelheit des Laderaumes.

'Warum gerade Harad?' stellt er wieder die Frage, die ihn schon seit Tagen kaum schlafen läßt.

'Warum nicht ich?'



Noch immer sitzt Torin in der düsteren Ecke des Laderaumes und denkt über die Tage in Thorwal nach. Immer wieder starrt er das goldene PHExsymbol an. Gerade so als ob er darauf warten würde, daß es ihm die Antwort auf seine Fragen gibt.

Doch das Symbol, das auf seiner Handfläche liegt, bleibt stumm.

Torin hebt den Kopf und seufzt. Mit der Linken streicht er sich nachdenklich durch seinen Kinnbart. Die kratzigen Stoppeln beiderseits des Kinnbartes, die schon bald in der Lage sind, einen Vollbart zu bilden, bemerkt er kaum.

'Ich kann mich nicht ewig hier unten verkriechen. Ich muß nach Ameg sehen, denn immerhin habe ich ihm versprochen, nach Harads Tod sein Lehrmeister zu sein. Und etwas Zerstreuung kann ich selbst jetzt auch gut gebrauchen.'

Ein leichtes Lächeln kehrt auf die Lippen Torins zurück, als er an den Jungen denkt.

'Jetzt habe ich selbst einen 'Sohn', genau wie Vater Rotmarder damals auch. Scheinbar liegt das in der Sippe.'

Er stemmt sich hoch und steckt das goldene Symbol in die Hosentasche.

'Dann will ich dem jungen Ameg mal ein guter Lehrer sein...' denkt er sich, als er die Treppe hinaufgeht.



Ole im Wind


Es gibt Tage, da gelingt einem Mann alles, was er anpackt. Es gibt aber auch Tage, da geht alles daneben. Ole hat diese Tage womöglich die zweite Sorte erwischt. Schon beim Auslaufen aus dem Hafen von Thorwal geriet ihm eine Hand in die Ankerwinde. Das hat zwar kaum mehr als seinen Stolz verletzt, doch sieht man jetzt noch einen tüchtigen Bluterguß an seinem Handgelenk.

Dann riß ein Seil in der Takelage gerade in dem Moment, da Ole ein verheddertes Segel löste. Der Schiffszimmermann verlor den Halt und wäre beinahe in die Tiefe gestürzt, wenn er nicht noch im letzten Augenblick einen Tampen zu fassen bekommen hätte. Das hatte den Sturz zwar entscheidend gemindert, dennoch konnte Ole nicht verhindern, daß es ihn übel auf den 'Allerwertesten' setzte.

So hatte Ole die Speisen des neuen Smutje, zwar mit Genuß, aber dafür stehend einnehmen müssen. Wenig später trat Ole in einen Nagel, der seinen Schuh durchdrang und sich tief in die Fußsohle bohrte. Aber der Schiffszimmermann ist hart im Nehmen und läßt sich von solchen nebensächlichen Widrigkeiten nicht beeindrucken. Er behandelte die Wunde mit einem Rest 'Premer Feuers' gegen Wundbrand.

Das hat ihm zwar einen gellenden Fluch entlockt, den man gewiß noch in Riva gut hat hören können, dafür war er aber auch wieder völlig 'auf dem Damm', konnte sich also wieder voll in die Arbeit stürzen und selbst der strengen Nirka war nichts aufgefallen, was sie hätte tadeln können.

Jetzt, da das Schiff gute Fahrt macht, gönnt sich Ole ein Pause. Er steht auf dem Vorderdeck und schaut sinnend in die Fahrtrichtung, als wäre er entschlossen Salza als erster zu sichten. Tatsächlich sind aber seine Gedanken dem Schiff schon viel weiter voraus gereist.



Frieden über Frau Reckinde


Sehr lange hat sich die Frau von Beibach und Bruch nicht mehr an Deck sehen lassen und ganz bestimmt ist ihre zänkische und nörgelnde Natur kaum vermißt worden!

Nun aber erscheint sie wieder auf dem Oberdeck, diesmal aber nicht, dies mag viele überraschen, um sich über irgend etwas zu beschweren, sondern da sie momentan ein Problem hat, das sie in dieser Schwere nicht verspürt hatte.

Es ist nämlich so, daß sie eben kein Problem hat, nichts, über das sie sich auch nur im Mindesten hätte aufregend können und das Gefühl der Friedfertigkeit senkt sich über sie, wie ein Fischernetz über einen zappelnden Barsch.

Noch nicht einmal ihren Diener Radisar hatte sie beschimpfen mögen, obwohl dieser ja wohl auf das Gröbste seine Pflichten vernachlässigt hatte. Sie hatte sogar, und dies findet sie noch jetzt als erheblichen, eigenen Makel, Mitleid mit ihm gehabt, als er kurz vor dem Auslaufen der NORDSTERN, wie von Neungehörnten gejagt, die Planke zum Schiff überhastete, zerlumpt, zerschlagen und bitter hergerichtet.

Was mag ihm geschehen sein? Radisar wollte kaum mehr erzählen als von einer mysteriösen, guten Fee, die ihm begegnet sein will. Daraus soll jemand schlau werden. Reckinde erinnert sich an die riesige Beule auf dem kahlen Schädel des kleinen Dieners.

'Das können nur thorwalsche Feen gewesen sein!' denkt sie sich hämisch und hält ihre Nase in den Weg, als ob ihr eine frische Brise jene Neuigkeiten zutragen würde, nach denen es ihr so gewaltig verlangt.



Ameg, Wasuren und Phexane


Ameg schaut zwischen der Frau und dem Matrosen hin und her. Irgendwie fühlt er sich ignoriert. In Thorwal mag das ganz schön gewesen sein, doch auf dem Schiff verstärkt dies nur seine Langeweile.

Ameg schaut von den Stiefeln zu der Frau. Als ein seltsamer Geruch von den Stiefeln zu ihm herüber weht tritt er, das Gesicht verziehend, einen Schritt zurück.

"Was hast'e denn mit'n Schuh'n g'macht?", fragt er sie.



Bevor der Matrose auf Phexane reagieren kann, redet der Junge, mit dem er zuvor gesprochen hat, sie an.

Breit grinsend hält sie ihm die Stiefel etwas näher an die Nase und antwortet:

"Och, das ist nur das, was uns der Smutje heute serviert hat - halb verdaut und wieder ausgespien von einem anderen Passagier! Er hat wohl gedacht, es wäre ganz lustig, wenn ich darauf herum schlittern darf."

Sie zwinkert Ameg zu und wendet sich dann wieder dem Matrosen zu, doch dann sieht sie eine Frau aus der Suite kommen. Phexane schaut schon etwas überrascht, denn die Dame aus der Suite hatte sie bisher nicht recht zu Gesicht bekommen.

'Holla! Die sieht reich aus! Dieser Kahn wird wohl langsam zur Goldgrube für mich.'

Und während Phexane sich wieder zu Wasuren umwendet, reifen in ihr PHExische Pläne ...



Ameg grinst als er die Erklärung der Frau hört, was mit ihren Stiefeln passiert sei. Als der Seemann, eher gelangweilt als arbeitssüchtig und mit übermäßiger und gespielter Höflichkeit, ihr den Eimer vor die Nase hält, lacht Ameg kurz auf.

Ameg findet die beiden witzig und irgendwie sympathisch.

'Ob alle auf dem Schiff hier so sind?'

Gespannt schaut Ameg zwischen dem Seemann und der Frau hin und her.

'Ob die Frau auch wieder witzig antwortet? Hmm... wie heißen die beiden wohl?'

Ameg verlagert nun auch noch unruhig sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, bereit nach den Namen der beiden zu fragen, sobald er eine Möglichkeit sieht.



Wasuren setz gerade an um den Jungen etwas zu antworten und zu erklären, was er mit dem Seil vor hat, da wird er sehr zielstrebig von einer hübschen schwarzhaarigen Frau angesprochen.

"Aber sicher, mit dem größten Vergnügen!" nuschelt Wasuren noch vor sich hin, als der Junge auch schon wieder loslegt zu reden. Seine Blicke streunen über das Deck und werden bald fündig. Nur wenige Schritt entfernt steht einer der typischen Deckschrub-Eimer. Es ist ein robust gebauter Eimer mit einem langen Tau daran.

In dem Augenblick wo sich die Schwarzhaarige weg dreht, geht Wasuren zielstrebig auf seinen Fund zu, schnappt sich den Eimer und geht wieder zu den beiden Personen an der Reling zurück.

"Bitte sehr, ist ihnen damit geholfen? " mit diesen Worten hält er ihr den Eimer hin und mustert mit fröhlichen Schmunzeln in den Augen den neugierigen Jungen.



Phexane grinst bei Wasurens Worten.

'Hauptsache, er muß nicht viel tun! Naja, solange nicht die gesamte Mannschaft so "arbeitswütig" ist ...'

Auf seinen, für einen Matrosen doch etwas ungewöhnlich, höflichen Worten, hält Phexane ihre Stiefel und den freien linken Arm etwas von sich. Dann stellt sie das rechte Bein hinter das linke, knickt beide etwas ein und senkt den Kopf leicht, während sie spricht:

"Habt vielen Dank, edler Herr, daß ihr einer Maid in Not behilflich seid."

Lachend nimmt sie dann wieder eine normale Position ein, legt die Stiefel beiseite und nimmt den Eimer samt Tau an sich.



Zuerst schaut Wasuren ein wenig verdutzt.

'Die will mir doch wohl jetzt nicht etwa die Stiefel unter ..'

Da mach die schwarz Haarige Dame auf einmal einen netten, zierlichen Knicks und Wasuren schaft es gerade so sein leises Lachen in ein nettes Schmunzeln umzuwandeln.

"Das war gut ! Dafür hol ich ihnen auch eben mal nen Eimer Wasser aus´em Meer." meint Wasuren freundlich und spielt einwenig mit seinem muskelbepacktem Arm.



Ameg grinst weiter. Die beiden hätten Schauspieler werden sollen.

'Sind sie vielleicht Gaukler oder so was? .. hmm.. der Mann wohl nicht.. der ist Seemann.. oh.. er holt jetzt Wasser.. die Pause paßt ja gut.. dann kann ich ja jetzt nach den Namen... und vielleicht ist sie ja Gauklerin... oder so was...'

"Wie heis' du?", fragt Ameg die Frau mit den stinkenden Stiefeln.



"Oh, vielen Dank," antwortet Phexane auf Wasurens Angebot hin.

Als er dann seine Muskeln spielen läßt, möchte Phexane am liebsten laut loslachen, doch sie verkneift es sich und meint statt dessen schmunzelnd:

"Ihr seid wahrlich ein besonders starker Mann. Der Kapitän ist sicherlich sehr stolz auf euch und weiß eure unschätzbare Arbeitskraft bestimmt sehr zu schätzen."

Phexane bekommt langsam Bauchweh, dennoch versucht sie das Lachen weiterhin zu unterdrücken.

'Oh Mannomann, so gelogen habe ich wahrscheinlich noch nie! Aber mal sehen, was sich daraus ergibt. Vielleicht putzt er mir sogar noch meine Stiefel.'

Als sie ihm den Eimer gibt, wird sie von dem Jungen angesprochen.

"Ich heiße Phexane," antwortet sie auf seine Frage, "Phexane Fuxfell aus Havena." Sie deutet dabei grinsend eine leichte Verbeugung an.

"Und? Wie heißt du?"



Kaum hat die schwarzhaarige "Danke" gesagt und zu reden fortfährt, zieht Wasuren leise die Luft ein und streckt seinen Brustkorb nach vorne. Wasuren hatte damit gerechnet, daß die Dame ihm höflich antworten würde und so ist er sehr stolz auf sich als sie ihn einen 'wahrlich besonders starken Mann' nennt.

'Oh wie die Dame doch recht hat. Ich bin wirklich sehr stark. Aber was soll diese Anspielung auf den Kapitän und meine Arbeitskraft. Da übertreibt sie aber sehr. Sie wird das doch wohl nicht ...' denkt sich Wasuren als er die Schwarzhaarige bei ihrem weiterreden beobachtet.

Die Luft entweicht wieder aus Wasurens Lungen, er nimmt leicht verstört den Eimer und stellt sich ein paar Schritte entfernt an die Reling. Kurzerhand wickelt er sich das lose Ende ein paarmal um die rechte Hand, nimmt dann den Rest des Seils locker in die Linke und schwingt den Eimer gekonnt mit der Rechten über die Reling. Sofort läßt er das Seil hinterher sausen, packt dann mit beiden Händen kräftig zu, bis sich das Seil strafft und er Widerstand spürt.

Durch die Fahrt des Schiffes driftet das Seil sofort ab und Wasuren muß schnell handeln. Er reißt einmal mit voller Kraft am Seil, so daß der Eimer aus dem Wasser springt, greift dann sofort nach und zieht den Eimer vorsichtig nach oben, wobei er höllisch aufpaßt nicht mit dem Eimer an die Bordwand zu schlagen.



Ameg macht verdammt große Augen. Eigentlich hatte er sich schon vorbereitet stolz zu verkünden, daß er Ameg sei, aber der Name der Frau hat ihn völlig durcheinander gebracht.

"Äh... Ich bin Ameg...", bringt er irgendwie hervor während er sich weiter wundert.

'Wer ist sie? Hat sie wirklich Phexane gesagt, oder träum ich? Ist das ein Zeichen? ...oder Zufall? ... oder...hmm.. völlig ungewöhlich sind solche Namen ja auch nicht, aber.. hier? jetzt? ...hmm.. vielleicht hab ich mich verhört...'

Ameg blinzelt ein paar Mal mit den Augen, als ob er eine Illusion zu vertreiben sucht, die er meint gesehen zu haben. Dann tritt er einen kleinen Schritt näher zu der Frau und fragt flüsternd:

"Heis' du wirklich... PHEx-ane??"



Ameg stellt gerne Fragen, beantworten mag er sie aber nicht so gerne. Und die Frage warum er sich über Phexanes Namen wundert will er bestimmt nicht beantworten. Zumindestens nicht hier.. nicht so lange er diese angebliche Phexane nicht kennt.. nicht so lange er nicht weiß ob er ihr trauen kann.. doch wie redet man sich jetzt heraus?

"Ich..!? öh.. och.. nur so..", stottert Ameg und vermeidet es dabei Phexane anzusehen. Plötzlich findet er es wahnsinnig interessant diesem Seemann zuzuschauen.. 'wenn der jetzt PHExon oder so heißt, dann schrei ich'..

"Guck ma'", sagt Ameg schnell, um abzulenken und zeigt auf den Seemann, "gleich is dat Wassa' da..."

'Ich hoffe der beeilt sich..'



Xenia erwacht


Schlaftrunken verläßt Xenia die Mannschaftskabine. Nachdem sie während der Nacht die anstrengende Nachtschicht mitgemacht hatte, war sie völlig erschöpft auf ihr Lager gesunken. Es macht sich durchaus bemerkbar, daß weniger Matrosen als vorher die Arbeit auf der Nordstern verrichten.

Unentschlossen bleibt sie zunächst an der Tür stehen und fährt sich durchs soeben gekämmte Haar.

'Nachts arbeiten ist widerlich... man bekommt nur die Hälfte mit, weil man tagsüber schläft... und die ganzen neuen Gäste gehen einem durch die Lappen.'

Vernehmlich gähnend betritt sie den Aufgang und steigt ihn zum Oberdeck empor, wo sie wiederum stehenbleibt, um sich kurz zu orientieren.

Als sie bei ihrem Rundblick Wasuren bemerkt, der offenbar gerade nichts zu tun hat und sich mit einer Frau, die - wie sich Xenia erinnert - zu den Fahrgästen gehört, und einem Jungen, den sie bisher noch nicht gesehen hat, offenbar recht angeregt unterhält, steuert sie sofort mit entschlossenen Schritten auf die drei zu.

"Morgen!" begrüßt sie alle drei grinsend, wohl wissend, daß es für diese Art Begrüßung eigentlich schon zu spät ist. Dann streift sie Wasuren mit einem fragenden Blick, und sieht die beiden anderen neugierig an.

"Ich bin Xenia." fügt sie ihrer Begrüßung nach kurzem Zögern noch hinzu.

'Ich wette, ehe ich bis 10 gezählt habe, sieht mich Nirka und hat irgendeine Arbeit für mich'

Im Geiste beginnt sie zu zählen...

'Eins...zwei...drei...vier...'

Nicht, daß es sie sehr stören würde, eine Arbeit zugeteilt zu bekommen, aber es macht ihr Spaß, dieses Spielchen zu spielen und zu sehen, ob sie Recht behält.



'...8...9...10... ok... verloren. Um so besser.'

Xenia nickt Ameg zu.

"Bist du 'n neuer Schiffsjunge oder so was?" fragt sie neugierig.



Ameg und Phexane


Phexane beobachtet Ameg genauer. Sie denkt bei seiner Kleidung kurz an Torin Rotmarder und ihre erste Begegnung mit ihm auf den Dächern Prems.

'Ich weiß nicht genau, was dieser Rotmarder für einer ist, aber er ist sicherlich kein PRAiosanhänger. Genauso wie dieser Junge hier, glaube ich.'

Sie geht neben Ameg in die Hocke und flüstert:

"Ich denke, ich verstehe schon, warum du fragst. Nun," sie flüstert jetzt noch leiser, "diesen Namen trage ich schon zu Recht, denke ich."

Geradezu verschwörerisch zwinkert sie ihm zu.

Dann redet sie wieder etwas lauter.

"Wenn du magst, dann können wir uns gleich noch etwas unterhalten, wenn ich meine Stiefel putze."

Als sie diesen Satz zu Ende gesprochen hat, kommt eine Matrosin auf die Gruppe zu, begrüßt sie und stellt sich vor. Phexane steht wieder auf und nickt ihr zu.

"EFFerd zum Gruße. Ich bin Phexane."



Ameg nickt als Bestätigung auf Phexanes Worte und seine beginnende Panik verschwindet wieder.

'Ich bin ja mal gespannt was Phexane zu erzählen hat. Das sie auch flüstert macht es sehr verschwörerisch. Bestimmt hat sie ein Geheimnis. Es würde mich jetzt sehr wundern, wenn es meinem nicht ein klein wenig gleicht... aber jetzt ist da erst mal noch jemand... oh.. sie sagt sogar gleich ihren Namen.. wie nett'

Nachdem die Matrosin sie begrüßt und sich vorgestellt hatte und Phexane dies auch schon erwidert hat ist wohl auch Ameg an der Reihe. Ameg stemmt die Hände in die Hüften und schaut die Matrosin neugierig (und nach Phexanes Worten noch immer grinsend) an.

"Ich bin Ameg", verkündet Ameg.

'Wie heißt nun eigentlich der Matrose??... hmmm..'



Wasuren lauscht während er den Eimer hochzieht, seinen nur ein paar Schritte entfernt stehenden Geprächspartnern. Und hört wie sie sich einander vorstellen und kurz darauf ein wenig miteinander flüstern.

Er hebt den Eimer, der fast bis zur Oberkante gefüllt ist, über die Reling, da kommt Xenia an Deck und geht auf die andern beiden zu. Auch sie stellt sich gerade vor und der Junge wieder holt noch einmal seinen Namen, so wie auch die Schwarzhaarige.

Wasuren tritt wieder zu den nun drei Personen und stellt den Wassereimer vorsichtig neben Phexane.

"Mein Name ist Wasuren." meint dann er mehr zu Phexane und Ameg gewandt.



"Ah, danke, Wasuren," sagt Phexane zu dem Matrosen, "Sehr nett von euch, mir das Wasser hoch zu holen. Ihr seid der Retter meiner armen, gebeutelten Stiefel!"

Phexane grinst ihn an und greift dann zum Eimer, um ihn hochzuheben.

"Uff! Der ist ja schwer!"

Sie stellt ihn etwas näher an die Reling, setzt sich dann auf den Boden und lehnt sich mit ihrem Rücken an die Bordwand. Dann schnappt sie sich einen der Stiefel, taucht ihren Lappen in das Wasser und fängt an den Dreck wegzuputzen.

Dabei fällt ihr auf, daß mittlerweile noch ein paar Leute aus der Gemeinschaftskabine hochgekommen sind: Der Mann, der Jarun in Thorwal als Farbtopf bezeichnet hat, die eine Frau, deren Namen sie noch nicht kennt und sogar derjenige, der sich in der Kabine übergeben mußte kommt nun auf das Oberdeck, zusammen mit einem weiteren Mann aus der Gemeinschaftskabine.

'Nur Alrik schläft wohl immer noch! Dem scheint dieser ganzer Tumult und dieser niederhöllische Gestank nichts auszumachen. Hm, wo ist eigentlich dieser ...'

Sie schaut zu Ameg.



Ameg schaut kurz zwischen Xenia und Wasuren, dann zwischen diesen beiden und Phexane hin und her. Mit einen Schulterzucken meint er dann:

"Bis dann..." und läuft das kurze Stück rüber zu Phexane.

'Bin ja mal gespannt was sie erzählt. Ob Torin schon mit ihr geredet hat? Ich bin sicher es wird ihn auch interessieren. Aber vielleicht ist es besser, wenn sich nur einer von uns beiden mutig vorwagt und mit ihr spricht... Torin wird stolz auf mich sein... hoffe ich...'

Bei Phexane setzt sich Ameg neben sie; genau wie sie mit den Rücken an die Bordwand gelehnt. Die Knie nimmt er hoch und umklammert sie mit den Armen, dann schaut er sie von der Seite an und grinst:

"'allo..!"



Phexane mustert Ameg kurz, als er sich neben sie setzt.

'Er erinnert mich ein bißchen an Nimion.'

"Na," begrüßt Phexane ihn, "willst du mir beim Stiefel putzen helfen?"

Sie grinst ihn an, während sie einen der Stiefel etwas hochhält.

"Keine Sorge, ich nehme es dir nicht übel, wenn du nicht möchtest. Ist ja auch ziemlich eklig!"

Phexane gerät zwar ins Plaudern, aber eigentlich brennt ihr eine Frage auf der Zunge.

"Sag mal," fängt sie an, "deine Kleidung erinnert mich ein wenig an jemandem. Hilf mal einer 'alten' Tante auf die Sprünge!"



Ameg runzelt mit der Stirn und blickt kurz noch zurück zu der Matrosin. Hatte sie etwas gesagt, als er gerade weg ging? Ein Blick zurück zu den beiden bringt keine Klarheit, aber jetzt ist eh egal. Nun ist er hier bei Phexane und seine Gedanken beschäftigen sich mit ihrer 'Frage'.

"Meins' Du vielleich' Torin?", fragt Ameg. "Sieh' doch fast genauso aus, oda?", fragt Ameg stolz, als er seine Arme hebt und seinen Oberkörper ein wenig dreht, um die Kleidung besser zu zeigen.

'Ob die beiden sich doch schon begegnet sind? Was er ihr wohl erzählt hat über sich? Ich weiß ja auch nicht viel über ihn... hmm... was soll ich eigentlich sagen, wenn mich jemand fragt warum ich mit Torin unterwegs bin? ..oh oh..'



'Na bestens, ein Mini-Rotmarder! Ob der wohl auch arglose Frauen auf Dächern erschreckt und ihnen auf den Po glotzt?' Phexane beobachtet Ameg, wie er stolz seine Kleidung präsentiert.

'Naja, ich denke nicht. Der Kleine ist ja noch ein Kind.'

"Ja, Torin Rotmarder," antwortet Phexane auf Amegs Frage. "Bist du mit dem verwandt?"



'Hmm.. kann mich nicht erinnern Torins Nachnamen schon mal gehört zu haben. Aber so viele Torins wird es hier ja wohl nicht geben.'

"Nö..." Ameg schüttelt langsam den Kopf. "hab' auch keine Verwand'en mehr..."

Ameg blickt nun ein wenig traurig zu Boden. Von seiner zuvorigen Fröhlichkeit scheint im Moment nicht viel übrig zu sein.

'Keine Eltern.. keine anderen Verwandten.. aber nun auch keine Freunde mehr, denn die sind alle in Thorwal.. auch kein Harad.. nur Torin.. ich mag Torin.. ..aber.. allein fühl ich mich trotzdem..'



Phexane hört mit dem Putzen ihrer Stiefel auf und blickt zu Ameg, der nun etwas traurig aussieht.

'Der Arme! Offenbar war er wohl ein Straßenkind, wenn er keine Familie hatte. Hat Torin ihn deshalb hierher aufs Schiff gebracht?'

Phexane legt tröstend eine Hand auf seine Schulter und streichelt sie sanft.

'Ich bezweifle aber, daß dieser Rotmarder der Richtige ist, um ein Kind großzuziehen. Dieser Hallodri setzt dem Jungen am Ende noch irgendwelche Flausen in den Kopf!'

"Also, wenn du mal jemanden brauchst, zum Reden oder so, dann kannst du gerne zu mir kommen, Ameg."



Torin taucht wieder auf


Als Torin die Treppen hinaufgeht, überlegt er fieberhaft, was er denn dem jungen Ameg lehren könnte.

'Schreibutensilien habe ich keine bei mir, somit kann ich ihm das Schreiben und Lesen erst später lehren. Für Fechtübungen ist es auch noch zu früh, aber...'

Torin grinst, als er die Türe zum Gemeinschaftsraum öffnet. Er umgeht den dunkelhäutigen Matrosen, der allem Anschein nach endlich für die nötige Sauberkeit in der Kabine sorgt und öffnet seinen Spind.



Aus dem beinahe zu kleinen Spind holt er nach einigem Wühlen seinen Rucksack hervor. Den alten, ledernen Rucksack öffnet er und holt aus ihm ein kleines Ledersäckchen hervor.

'Das ist eine wirklich gute Idee. Mit meinen Würfeln kann Ameg zeigen, ob er schon rechnen kann.'

Dann verstaut er den Rucksack wieder. Mit dem Lederbeutel in der Hand verläßt er dann wieder die Gemeinschaftskabine und geht die Treppe zum Oberdeck empor.



Das Durchpflügen der Wellen läßt die Karavelle immer wieder auf und ab wiegen. Und das merkt auch Torin Rotmarder, denn seine Füße treffen nicht immer genau den gewünschten Punkt. Doch sein Vorhaben will er dadurch nicht abbrechen.

'Ameg wird jetzt eine Lektion im Rechnen bekommen. Das hätte auch Harad so gewollt.'

Und dann entfährt ihm ein Ausdruck, den er in den letzten Tagen sehr oft hören konnte.

"Bei SWAfnir!"

Als er die schützende Dunkelheit des Schiffsrumpfes verläßt, wird Torin von der Sonne geblendet. Sofort zieht er seinen Hut etwas tiefer und läßt seinen Blick über das Deck schweifen.

Sein Blick schweift vorbei an einigen ihm noch unbekannten Matrosen und bleibt für einen Augenblick an dem weißhaarigen Mann und seinem kleinen Gesprächspartner kleben.

'Hoffentlich kommt so eine Schweinerei nicht noch einmal vor.' sagt er sich. 'Es ist ärgerlich, wenn man in einer Kabine mit so jemandem zusammenleben muß. Obwohl...'

Er blickt an sich herab und seufzt.

'Zur Zeit sehe ich selber wie ein Bettler aus, so ungepflegt und schmutzig. Aber in Salza werde ich das ändern!'

Torin blickt wieder auf und laäßt seinen Blick weiter gleiten. Dann endlich entdeckt er den Jungen an der Bordwand sitzend. Und neben ihm die, Torin nur zu gut bekannte Phexane.

Die Gedanken an ihre gemeinsame Elfenbefreiung vor der Meuterei kommen ihm wieder in den Sinn und er kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

'Einen schönen Po hat sie ja! Das muß man ihr lassen.'



Torin und Phexane im Streit


Ameg nickt kaum merklich. Erst nach einer Weile sagt er schließlich auch leise "D'nke.."

'So viel Freundlichkeit.. so viel Freundlichkeit und Grauen in so wenig Tagen.. Muß das immer so sein?'

Ameg blickt auf die Planken am Boden vor sich.

'Irgendwie schön zu wissen, daß man doch nicht soo allein auf der Welt ist... Hmm...'

Amegs Gedanken eilen wieder weiter, springen wieder zurück zu dem weswegen er sich eigentlich zu Phexane gesetzt hatte.

'Eigentlich wollte ich ja mehr über sie erfahren und nicht umgekehrt...'

Ameg reibt sich die Augen und vertreibt Tränen die darin schon lauerten. Dann schaut er wieder auf. Aber als er wieder zu Phexane blicken will wird seine Aufmerksamkeit abgelenkt.

'Steht dort hinten nicht...?'

"Torin!", ruft Ameg.



Phexane schaut zu dem Niedergang, als Ameg nach Torin ruft. Sie sieht Torin Rotmarder dort lächelnd stehen und zu den beiden hinüber blicken.

'Hm, ich denke, ich sollte ihm sagen, daß es nicht einfach ist, allein ein Kind großzuziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich in so etwas auskennt.'

Sie runzelt kurz die Stirn.

'Warum lächelt der so komisch?'

"Warte mal eben einen Moment," sagt sie zu Ameg und steht auf.

Barfuß, wie sie immer noch ist, geht sie zu Torin Rotmarder hinüber. Sie spürt das leichte Schwanken unter ihren Füßen und versucht ihren Gang dem Auf und Ab des Schiffes anzupassen. Es gelingt ihr größtenteils, doch einmal setzt sie einen Fuß zu weit zur Seite und bemüht sich dann ihr Gleichgewicht und den 'Rhythmus' wieder zu finden.

Als sie vor ihm steht, spricht sie ihn an, wobei sie geradezu demonstrativ ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt.

"So, ihr kümmert euch also um Ameg? Meint ihr wirklich, daß ihr es schafft?"

Kritisch betrachtet sie ihn.



Als Torin den erfreuten Ruf des jungen Amegs hört, füllt sich die Dunkelheit in seinem Herzen wieder mit Licht. Er freut sich, daß sein Schützling ihn ruft, denn wenigstens er scheint die Tragödie in Thorwal vergessen zu haben.

Die Diebin, wie er sich beinahe sicher ist, steht auf und kommt auf ihn zu. Mit leicht wackeligen Schritten geht er über das schwankende Oberdeck auf den Jungen zu.

Plötzlich versperrt ihm die knapp einen Kopf kleinere Frau mit verschränkten Armen den Weg und stellt mit frechen Worten seine Erziehungsmethoden in Frage.

Torins Augen ziehen sich im Schatten seiner Hutkrempe zu schmalen Schlitzen zusammen und die Augenbrauen senken sich. Seine Mundwinkel ziehen sich bedrohlich nach unten.

'Was erlaubt sich dieses Frauenzimmer, in aller Öffentlichkeit meine Lehrart als falsch zu titulieren? Dieses Frauenzimmer hat sich nicht in meine Angelegenheiten einzumischen.'

"Das geht euch nichts an, Frau Fuxfell." erwidert Torin leise und scharf. Viel schärfer, als man es eigentlich von ihm gewohnt ist. Dann läßt er Phexane einfach stehen und geht an ihr vorbei.

Kaum ist er an der Schwarzhaarigen vorbei, bessert sich seine Stimmung wieder, denn sein Blick fällt auf seinen Schützling. Das Lächeln erscheint wieder auf seinem Gesicht und nach einigen Schritten steht er vor Ameg.

"Komm, laß uns etwas spielen." sagt er freundlich zu ihm. "Du wirst es nicht bereuen, es ist ein wirklich gutes Spiel."



Phexane denkt nach


Verdutzt bleibt Phexane noch einen Moment dort stehen - mit so einer Reaktion hatte sie nun wirklich nicht gerechnet.

Ihr Gesichtsausdruck hat sich geändert, als sie sich nun zu Ameg und Torin hin umdreht - eine Mischung aus unangenehmer Überraschung und Nachdenklichkeit spiegelt sich in ihrer Miene.

'In Prem habe ich ihm meinen Dolchknauf an den Kopf geschlagen und im Laderaum habe ich ihn mit meinem Florett bedroht. Aber er hat beide Male nicht so reagiert!'

Sie geht langsam auf die kleine Gruppe zu, wobei sie allerdings mehr in Richtung ihrer Stiefel steuert.

'Naja, in Prem konnte er ja auch nicht mehr reagieren, weil ich ihn bewußtlos geschlagen habe. Aber was ist los mit ihm?'

Etwas unsicher setzt sie sich wieder an die Bordwand und schnappt sich einen ihrer Stiefel, um nachdenklich daran weiter zu putzen.



Phexane putzt gedankenverloren ihre Stiefel und schaut dabei zur anderen Seite.

'Vielleicht war es ein Fehler ihm den Dolch an den Kopf zu schlagen. Er hat mich zwar tierisch erschreckt, aber offenbar wollte er mir nichts Böses. Das muß wohl ziemlich weh getan haben.'

Phexane merkt gar nicht, daß die Stelle, auf der sie putzt schon längst glänzt.

'Oder auch im Laderaum. Immerhin hatte er mich vor dem Sturz in die Kisten bewahrt und er hatte den Elfen befreit. Das hätte auch nicht jeder gemacht. Oder Ameg: Das hier ist sicher besser, als ein Leben als Straßenkind.'

Phexane schaut auf ihren Stiefel und bemerkt, daß dieser mittlerweile sauber ist. Sie schnappt sich den zweiten.

'Ich werde mich wohl bei Gelegenheit entschuldigen. Ich bin wohl manchmal etwas zu ruppig.'



Phexane putzt still an ihrem Stiefel weiter. Nach kurzer Zeit ist auch dieser endlich sauber, sogar noch sauberer als zuvor.

Sie spült den Lappen noch einmal kurz im Wasser, wringt ihn aus und hievt dann den Eimer auf die Reling.

Dort hält sie den Eimer noch einmal kurz fest, um Kraft zu sammeln und sich das Seil um die Hand zu wickeln. Dann kippt sie das Schmutzwasser über Bord.

Als der Eimer leer ist, läßt sie ihn vorsichtig ins Meer hinab, um noch einmal etwas Wasser hinauf zu holen.

Eine Welle spült Wasser in den Eimer, reißt aber zugleich auch etwas stärker am Seil, so daß Phexane ein wenig vorrückt und sich einen leisen Schmerzenslaut nicht verkneifen kann.

Dann aber zieht sie den Eimer samt Seil wieder hinauf und stellt ihn auf den Boden ab, um darin ihre Hände, die allerdings jetzt rote Druckstellen aufweisen, zu waschen und um noch einmal den Lappen gründlich auszuspülen.



Phexane kippt nun auch noch das Wasser, das sie zuletzt hochgeholt hat, aus und zieht dann ihre Stiefel an. Zufrieden blickt sie an sich hinunter.

'Fertig! Jetzt kann ich mich endlich dem widmen, was ich schon die ganze Zeit vorhatte!'

Sie nickt kurz Ameg freundlich zu, blickt Torin nur kurz, geradezu verstohlen, an und wendet sich dann dem Niedergang zum Unterdeck zu.



Das Spiel


Ameg war aufgestanden nachdem Phexane zu Torin gegangen war, war aber stehen geblieben. Jetzt schaut er ein wenig verwirrt zwischen Phexane und Torin hin und her.

'Was ist da gerade passiert? Warum sagt sie nichts mehr?'

Ameg versteht nicht was gerade zwischen den beiden geschehen ist, da die Unterhaltung leider doch zu leise war, als das er etwas hätte verstehen können. Er muß sich wohl wieder einmal damit abfinden nicht zu wissen was die Geschehnisse um ihn herum zu bedeuten haben.

'Ich könnte ja mal fragen was los ist... aber irgendwie scheinen beide nicht darüber sprechen zu wollen... zu mindestens jetzt nicht... Hmm.. Was für ein Spiel Torin wohl meint?'

"'N Spiel?", fragt Ameg interessiert. "Was'n für'n Spiel?"



Torin grinst Ameg leicht hintergründig an und setzt sich im Schneidersitz vor ihn. Seinen Hut drückt er fester auf den Kopf, damit der Fahrtwind ihn nicht davon fegt.

"Es ist ein Würfelspiel, so wie es in vielen Kneipen gespielt wird. Und es ist wirklich ganz einfach. Es gewinnt dabei immer der, der mehr Punkte auf seinen beiden Würfeln hat. Und wenn deine beiden Würfel die selben Punkte haben, darfst du noch mal werfen. Dann zählst du die Punkte einfach zu den vorigen hinzu. Schau her."

Torin öffnet das kleine Ledersäckchen und nimmt zwei hölzerne Würfel heraus. Dann steckt er den Beutel wieder weg.

"Jetzt paß auf, es ist wirklich einfach und du kannst damit sogar Geld verdienen, wenn du es richtig gut kannst. Ich fange gleich mal an. Paß auf."

Torin erwürfelt eine Eins und eine Drei.

"So, ich habe jetzt vier Punkte auf meinen Würfeln. Es dürfte für dich nicht schwer sein, das zu überbieten. Jetzt wirf du und sag mir, wie viele Punkte du erwürfelt hast."

'Und wenn du es noch nicht kannst, wirst du hierbei auch noch rechnen lernen.' denkt sich Torin, als er Ameg weiter anlächelt.



Ameg dreht sich zu Phexane um, denn vielleicht möchte sie ja mitspielen, aber es scheint sie nicht weiter zu interessieren, denn sie putzt ihre Stiefel und schaut nicht her.

'na.. dann wollen wir mal sehen'

Ameg nimmt sich die beiden Würfel und schüttelt sie ein wenig in seiner Hand. Dann wirft er sie, wobei er versucht Torins lockere Handbewegung beim Würfeln nachzuahmen. Die Würfel klappern auf das Deck und bleiben schließlich liegen. Sie zeigen eine Drei und eine Zwei.

'So.. eine 3 und ... eine 2.. , keins von beiden ist mehr als was Torin zusammen hat... und wieviel ist 2 und 3 nun zusammen? hmm...'

Ameg ballt die Hände zu Fäusten. Dann beginnt er leise zu zählen, wobei er jedes Mal einen Finger ausstreckt.

"1..2..3"

'So.. den einen Würfel hab ich... weiter geht's'

Ameg schaut den anderen Würfel an und beginnt auch dort abzuzählen. Wieder streckt er jedes Mal einen Finger aus, läßt jedoch die zuvor abgezählten Finger noch ausgestreckt.

"1..2"

Nun blickt er von den Würfeln angestrengt auf seine ausgestreckten Finger und beginnt dort erneut zu zählen...

"1..2..3..4..5"

'h.. das ist mehr als 4...'

"Gewonn'n", sagt Ameg und grinst Torin an. "'hab mehr..", sagt er und zeigt Torin seine eine Hand an der er alle fünf Finger ausstreckt.



Als die Würfel Amegs Hand verlassen, blickt Torin gespannt hin. Und die Würfelzahl ist höher, als die seine, das sieht er mit einem Blick. Er sieht, wie die kleinen Rädchen hinter der Stirn des Jungen zu rotieren beginnen. Leise hört er ihn zählen.

Doch dann blickt er verstohlen zu Phexane herüber die eifrig ihre Stiefel putzt. Ein Gefühl der Reue überkommt ihn und er zieht die Stirn kraus.

'Ich hätte nicht so barsch sein dürfen. Sie weiß ja nichts von den Geschehnissen in Thorwal. Und eigentlich hat sie ja Recht, was weiß ich schon von Erziehung.'

Doch gerade als er die Schwarzhaarige ansprechen will, holt ihn Amegs freudiger Ruf zurück zum Spiel. Sein Kopf zuckt herum und er lacht seinen Schützling an.

"Bravo Ameg. Du hast mich diese Runde wirklich übertroffen, aber mal sehen, ob du auch nächste Runde so viel Glück hast."

Torin schnappt sich die Würfel und wirft sie erneut. Als sie liegen bleiben, zeigen sie eine Drei und eine Sechs.

"So Ameg, jetzt sag mir, wie viele Punkte das sind und versuch, es wieder zu überbieten."



Ameg schaut auf die Würfel und beginnt nach dem gleichen Prinzip zu zählen wie zuvor.

"Neun", sagt er und zeigt Torin kurz neun ausgestreckte Finger.

"Jeds bin'ich dran.."

Dann nimmt er selbst die Würfel und läßt sie über das Deck rollen. Die Würfel zeigen jeweils eine Drei.

'Oh.. ich darf noch mal.. aber zuerst sollte ich wohl zählen.. aber das geht schnell..'

Ameg streckt an jeder Hand drei Finger aus und zählt diese schnell ab..

"Sechs... aba ich da'f ja noch ma'", sagt er erfreut. Sogleich nimmt er wieder die Würfel und wirft sie noch einmal. Eine Vier und eine Fünf. Ameg betrachtet die Würfel mißtrauisch. Irgend etwas gibt ihm ein seltsames Gefühl. Aber er macht trotzdem weiter. Zuerst streckt er wieder seine 6 Finger aus, denn diese Zahl hatte er zuvor erwürfelt. Dann zählt er langsam bis Vier und streckt weitere Finger aus.

'Was nun?'

Ameg blickt zwischen seinen Fingern und dem verbleibenden Würfel hin und her. Er sieht sich um, ob er irgend etwas findet, was er zum weiter zählen benutzen könnte, doch es nichts zu finden. Kleine Steine liegen auch keine herum und er kann ja schlecht Torin fragen, ob dieser ihm vielleicht mal kurz ein paar seiner Finger leiht.

Ameg schaut Torin mit einer Mischung aus Verwirrung und Verlegenheit an. Schließlich zeigt er nur seine 10 Finger und meint ein wenig unsicher:

"...ich hab' mehr..."



Als Ameg ihm die Antwort nennt, nickt Torin zustimmend.

Auch als der Junge einen Pasch würfelt, nickt er nur. Doch als er die danach gefallenen Zahlen sieht, beginnt er zu grinsen.

"Und? Wie viele Augen hast du jetzt erwürfelt? Kannst du mir das sagen?"



'Sie hat sich überhaupt nicht über meine Kleidung oder meinen ungepflegten Bart beschwert. Entweder sieht sie darüber hinweg oder ich bin ihr vollkommen egal. Ich hätte Phexane wirklich nicht so barsch behandeln dürfen. Jetzt ist sie weg und...'

Torin betrachtet nachdenklich die Maserung des Holzbodens vor sich.

'Sie ist nicht weg. Ich könnte aufstehen und zu ihr gehen.'

Er streicht sich durch den Bart. So wie er es immer tut, wenn ihm eine Erkenntnis nicht gefällt.

'Aber was ist, wenn ich wieder alles falsch mache? Wenn wieder irgend etwas Schreckliches passiert, nur weil ich eine falsche Entscheidung treffe?'

Torin schüttelt leicht den Kopf und beißt sich auf die Unterlippe.

'Nein, ich bleibe hier. Solange ich hier sitze, lernt Ameg wenigstens etwas.'



Angestrengt geht Ameg diese ganze Würfel-zähl-Geschichte noch mal durch.

'Also.. Ich habe zweimal gewürfelt. Und gezählt habe ich bisher zehn. Was jetzt schon mehr ist als was Torin hat. Dann gibt's hier noch einen Würfel mit einer Fünf drauf. fünf.. und zehn.. fünf.. zehn.. na was wohl!!'

"15!?", antwortet Ameg endlich Torin und schaut ihn dabei an.

'Ob Torin wohl noch mehr von den Würfeln hat? Diese beiden hatte er in einen kleinem Säckchen. Aber das hat er wieder weggesteckt. Na ja. Vielleicht kann ich irgendwann mal nachschauen.'

"'hab jetz' schon zweima gewonn'n!", freut sich Ameg."Wills' du nochma verliern'", fragt er Torin grinsend.



"Was?" fragt Torin verwirrt als der Junge ihn aus seinen Gedanken reißt. Er hebt den Kopf und starrt geradewegs in das freche Grinsen Amegs.

'Ob ich WAS will? - Noch einmal verlieren?? - Freches Bürschchen! - Na warte! Dir werde ich lehren, wie man mit seinem Lehrmeister umgeht.'

"So," meint er langsam, als er noch immer in das grinsende Gesicht Amegs blickt, "du willst mich also herausfordern..."

Er zieht die Enden seiner Lippen nach oben und schließt die Augenlieder etwas, um angriffslustiger zu wirken.

Mit einem "HA!" öffnet er den Mund und grinst den Jungen seinerseits schelmisch an.

"Glaubst du wirklich, du bist gut genug? Dann werden wir es mit einem Würfel mehr versuchen."

Das Grinsen verebbt wieder, doch die Züge eines stolzen Lächelns bleiben auf seinem Gesicht zurück, als er das kleine Ledersäckchen abermals herausholt. Er entnimmt ihm einen weiteren Würfel und schließt den Beutel.

'Das waren noch Zeiten, als ich mich so mit Vater Rotmarder angelegt habe.'

Nachdem er das Säckchen wieder verstaut hat, nimmt er die beiden herumliegenden Würfel auf und schüttelt die drei Würfel in seiner Hand. Das laute Klackern der Holzwürfel ist gut zu hören. Doch bevor er die Würfel wirft, hält er inne.

"Die Regeln sind noch immer die gleichen, mein Junge. Bei zwei gleichen Zahlen würfeln wir noch einmal. Vergiß das nicht."

Dann wirft er die klackernden Würfel auf das Deck. Als sie liegenbleiben zeigen zwei der Würfel eine Eins, lediglich einer zeigt mit einer Fünf eine höhere Zahl.

'Sieben - und noch mal.'

Ohne ein Wort schnappt sich Torin die Würfel abermals und läßt die Würfel wieder rollen.

Dieses Mal hat er wesentlich mehr Glück, denn nun zeigen zwei der Würfel sechs Augen. Nur auf der Oberseite des Dritten sind nur drei Augen abgebildet.

'Zwanzig - das dürfte ihm sicher einiges abverlangen.'

Als Torin die kleinen Holzquader diesmal aufhebt, stichelt er Ameg an.

"Ich bin mir sicher, du hast dir die Augenzahl gemerkt."

Dann wirft er sie abermals.

Doch das Glück ist ihm nicht gewogen, denn er schafft keinen dritten Pasch. Die drei Würfel vor ihm zeigen eine Zwei, eine Vier und eine Fünf.

'Das war's dann, 31 Punkte also. Gar nicht schlecht.'

Er verschränkt die Arme vor der Brust.

"So, wie viele Punkte hast du jetzt zu schlagen, kleiner Mann?"



Xenia und Wasuren


Wasuren steht ein wenig verdutzt da.

'Hm, nun kenn ich wenigstens ihre Namen und nett sind die beiden ja auch gewesen. Besonders Phexane, die is echt witzig.'

Erst als Xenia irgend was sagt, wobei sie wahrscheinlich nicht einmal gemerkt hat, daß sich die beiden Passagiere aus dem Staub gemacht haben, findet Wasuren wieder ein wenig zu seinen Gedanken und nimmt die Seilrolle auf, auf der der Junge noch bis vor kurzem saß.

Leise flüstert er Xenia zu :

"Hey hast du nicht Lust mit mir zu kommen. Ich werde jetzt erst mal für einige Zeit den Adleraugen Nirkas entfliehen. "

Dann sagt er lauter zu ihr:

"Schau dir mal diese Seil an, das muß aber unbedingt mal erneuert werden. Ich könnte dafür deine Hilfe in der Segellast gebrauchen."



"Ach, ich weiß nicht... ich bin gerade erst hochgekommen und will erst mal ein wenig die frische Luft genießen." antwortet Xenia, lehnt sich an die Reling und schaut zufrieden auf das Meer.



Sylvhar an der Winde


Mittlerweile sind die Fische verschwunden und Sylvhar hat sich wieder ´seiner´ Winde gewidmet. Ganz ungehetzt läßt er sich viel Zeit mit dem Schmieren. Er achtet sehr sorgfältig darauf, daß auch ja nicht der geringste Flecken in der Winde ungeschmiert bleibt. Selbst das Seil schmiert er einige Handbreit unter- und oberhalb der Winde ein. Er ist nun sicherlich schon gut eine Viertelstunde an derselben Winde tätig und er sieht nicht aus, als wolle er seine Arbeit daran bald beenden.



Hjaldar und Joanna auf dem Oberdeck


Mit einem Schulterzucken nimmt Hjaldar zur Kenntnis, daß niemand seinen gutgemeinten Ratschlag aufgreifen mag. Aber diese Landeier haben ja sowieso keine Ahnung von guter thorwalscher Küche, also was soll's.

Mit Schwung wirft er sich aus seiner Koje, deren Holzrahmen bedenklich unter dieser plötzlichen Gewichts- und Krafteinwirkung knirscht.

Kurz überlegt er, ob er die Rüstung und die Axt anlegen soll, verwirft diesen Gedanken dann aber wieder. Zu viel Mühe - und gebrauchen kann er's hier auf dem Pott allerweil nicht. Außerdem - egal wie hart man ist - angenehm ist's hier mit dem Gestank auch nicht mehr.

"Sieh mal zu, daß hier wieder 'ne frische Brise durchkommt." rät er deshalb dem Weißhaarigen und Grüngesichtigen "Und dann geh auf's Deck und laß Dir'n bißchen den Wind um die Nase wehen, das macht munter und gibt 'ne gesündere Farbe im Gesicht, Vadderchen."

Mit einem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht umrundet der Thorwaler die Bescherung am Boden und verläßt die Kabine in Richtung hinterer Aufgang.

Auf dem Oberdeck angekommen, sieht er sich erst einmal um und zieht genußvoll die frische Meeresluft ein.



Joanna geht langsam über das Oberdeck, wobei sie sich genau umsieht und die Leute beobachtet. Sie bleibt dann schließlich stehen und blickt auf das Meer hinaus. Völlig frei und entspannt schließt sie die Augen und atmet tief durch. Als die Druidin die Augen wieder öffnet, bemerkt sie, daß nun auch Hjaldar aus der Gemeinschaftskabine 'geflüchtet' ist. Sie nähert sich ihm.

"Na, wohl auch genug von dem Geruch da unten?"



Etwas unschlüssig steht Hjaldar in der Nähe des hinteren Aufgangs. Frische Luft gut und schön, aber was nun?

Da sieht er Joanna auf sich zukommen und ein freudiges Lächeln erscheint auf seinem Gesicht, als sie ihn anspricht.

"Woll, die Luft da unten kann man mit der Axt in Stücke schneiden und damit Ungeziefer in die Flucht schlagen. Dem Väterchen hat EFFerd kräftig in den Magen geboxt, wie's scheint." antwortet er fröhlich. "Das geht aber vielen so das erste Mal auf EFFerd's Reich."



"Dies ist auch meine erste Schiffreise, aber mir ist es glücklicherweise nicht so ergangen."

Joanna, die ohnehin schon recht zufrieden ist, läßt sich nun von Hjaldars guter Laune anstecken und lächelt auch ihm freundlich zu.

"Ihr reist wohl nicht zum erstenmal auf solch einem Schiff, oder sollte mich da etwa mein Instinkt täuschen?"



Ein herzliches Lachen entrinnt Hjaldar's Kehle.

"Nein, beim ollen SWAfnir, da täuscht Du Dich wirklich nicht. Auch wenn's schon etliche Winter her ist, daß ich das letzte Mal auf EFFerd's Wogen unterwegs war, das wohl."

"Aber sowas hat man im Blut. Und ein Hjaldinger mit EFFerdsieche ist wie ein Feldscher, der kein Blut sehen kann. Oder ein Zwerg, der sich in einer dunklen Höhle fürchtet." grinst Hjaldar. "Jedenfalls bin ich froh mal wieder's Meer riechen zu können, auch wenn's nur für'n paar Tage is'."

Demonstrativ zieht er genießerisch die Luft ein.

"Und wohin treibt's Dich so, daß Du Dich das erste mal auf so'n Pott wagst?"



"Wenn ich doch nur wüßte, wo mich diese Reise eigentlich hinführt."

Joanna seufzt.

"Ich bin nämlich auf der Suche nach jemandem." erklärt sie. "Und hoffe ihn in einer der Städte zu finden, in denen das Schiff anlegt."

Ein leicht gequälter Ausdruck ist auf dem Gesicht der Druidin zu erkennen, doch sie versucht doch etwas fröhlich zu wirken.

"Und gibt es auch für dich einen bestimmten Grund?"



"Außer dem, daß mir die Silberlinge ausgehen und ich wieder wo hin muß, wo man für eine gute Axt auch gut zahlt, eigentlich nicht." antwortet Hjaldar "Ich hab' jetzt den ganzen Winter und 'nen guten Teil vom Sommer alle möglichen alten Freunde und Verwandte in Olport und Thorwal terrorisiert" wobei er breit grinst "und so langsam wird's Zeit wieder die Segel zu setzen."

"Aber wenn Du nur 'hoffst' Deinen Freund irgendwo in'nem Hafen zu finden, dann kann daß 'n ganz schön langes Lied werden ... so wie das vom ollen Thoringer, der seinem Vadder noch 'ne Pulle Feuer schuldet und bis zu den Südmeerinseln segelt, um ihm die zu geben ... wie ging dat doch gleich? ..." summend probiert er einige Melodien aus, um die richtige für das Lied zu finden.



"Ähh..."

Joanna fehlen wirklich die Worte. Noch nie hat sie sich Gedanken darüber gemacht, ob überhaupt eine Chance bestehen könnte, ihren Mentor zu finden. Panische Angst steigt in ihr auf.

'Er könnte sterben.'

Ihre Atmung wird schneller und ihre Augen werden feucht.

'Zurückfahren kann ich doch auch nicht. Wie soll ich denn erklären, daß ich die Suche einfach so abgebrochen habe. Niemand wird mich in meiner Heimat verstehen können. Sie haben alle gesagt, daß nur ich ihn f..'

"Es ist nämlich so, daß uns irgend etwas verbindet. Meine Intuition wird mich leiten. Erleichtert atmet die Druidin wieder durch.

'Jetzt wird mir wieder einiges klar. Diese Visionen müßten eigentlich bedeuten, daß ich mich dem Ziel meiner Reise nähere.'

Nun ist wieder endgültig ein Lächeln auf ihrem Gesicht zu erkennen und erst jetzt bemerkt sie, daß Hjaldar irgendeine Melodie summt.



Hjaldar ist inzwischen dazu übergegangen in das Summen verschiedener Melodien auch einzelne Textpassagen einzubauen ... seinen Gesichtsausdruck kann man nur als angestrengt nachdenkend bezeichnen. Offensichtlich ist er auch nicht ganz zufrieden damit, daß es ihn so schwer fällt sich an dieses Lied zu erinnern.

"... Mmmh ... nach Thorwal ging die Reis', der Heimat zu ... " ein leichtes Kopfschütteln deutet an, daß es wohl nicht das richtige Lied ist.

"Mm.. mmh ... Let je al verteeln ... mm mmh ..." mit einem ärgerlichen Kopfschütteln bricht Hjaldar seine Bemühungen ab.

"Woll, als lütter Jung hab ich's noch ganz aus'm Kopp gewußt." grummelt er enttäuscht in sich hinein, aber bekommt gleich wieder beste Laune, als er Joanna's Lächeln gewahr wird.

"Aber mit'm Kopp ist das wie mit'm Fischernetz ... je älter der wird, desto größer die Löcher." grinst er, wobei er es wohl kaum ganz ernst meinen kann, hat er selbst doch vielleicht über 30, aber sicherlich noch keine 40 Götterläufe gesehen.



Als Hjaldar beginnt die Melodie mit einigen Worten auszuschmücken, hört Joanna gespannt zu, ob er das Lied vervollständigen kann. Doch wie sehr sie das auch interessiert hätte, ihm will es nicht recht gelingen.

"Im Moment scheint es so, als ob ich das Lied nicht zu hören bekomme?"

Die Druidin sieht Hjaldar grinsend in die Augen. Das Problem mit dem Alter mag Joanna wohl kaum mit ihren 20 Götterläufen kennen.

"Aber sobald es dir wieder einfällt,..." Ihre schwarzen Augen beginnen zu funkeln. "...mich würd es schon interessieren. Du mußt doch auf deinen Reisen auch schon einige Abenteuer erlebt haben?" Neugierig wie ein kleines Kind wartet sie gespannt ab, schweift jedoch nicht mit ihrem Blick ab.



"Das wohl, bei SWAfnir." wirft sich Hjaldar in die Brust "Die gefährlichsten Sachen hab' ich schon miterlebt und hab's trotzdem immer geschafft heile wieder herauszukommen."

"Zum Beispiel, als ich bei der schwarzen Katla in Sold stand und des nachts ein bißchen im Lager herum spazierte. Da schlich sich einer um das Zelt der Hauptmännin rum und ich hab ihn kurzerhand gepackt und in den nächsten Teich geworfen, woll. Und als sie dann in ihrem engen Miederröckchen raus gestürmt kam und mich anbrüllte, weil ich ihren 'Süßen' eingeweicht hatte, da hab ich schon Bange bekommen, daß sie mir nicht einfach den Kopf abreißt."

Man merkt Hjaldar deutlich an, wie sehr er sich Mühe gibt möglichst ernsthaft zu wirken - gelingen will ihm das indes kaum.



Joanna beginnt herzhaft zu lachen. Sie stellt sich die ganze Geschichte ziemlich lustig vor. Als sie sich wieder einigermaßen gefasst hat, meint sie verträumt

"Wenn ich doch ein Abenteuer erleben könnte. Ich meine, ich finde diese Reise wirklich aufregend und interessant, aber so ein richtiges Abenteuer..."

Die Druidin seufzt leise und blickt aufs Meer hinaus. Joanna bildet sich ein, ein paar kleine Fische gesehen zu haben und sieht noch einmal hin, aber bis auf ein paar Wellen kann sie nichts mehr erkennen.

"Ich höre gerne zu, wenn mir Leute ihre Abenteuer erzählen. Dann versuche ich mich in die Personen hineinzuversetzen, als ob ich es eben selbst erlebe."

Sie atmet noch einmal tief die frische Luft ein und lächelt Hjaldar an.

"Ach, solch eine Schiffsreise ist doch etwas Herrliches."



Als das junge Mädel so von Herzen zu lachen beginnt, kann Hjaldar beim besten Willen nicht anders als ebenfalls einzustimmen.

Ihre Worte indes machen ihn ein wenig nachdenklich.

"Woll, eine Seereise ist um einiges erholsamer und angenehmer als eine ähnlich weite Fahrt über Land. Aber laß Dich nicht täuschen ... sie ist kaum weniger gefährlich. Stürme, Piraten" er schmunzelt ein wenig bei diesem Wort, ist es doch an vielen Küsten ein Synonym für Thorwaler "Flauten und Seeschlangen können einem ganz schön die Fahrt vermiesen - und die Flauten sind das Schlimmste davon." huscht ein Grinsen über sein Gesicht.

"Aber eins sag ich Dir ganz im Ernst!" wird er schlagartig eben dieses.

"Wenn Du auf Abenteuersuche gehst, such Dir ein paar WIRKLICH vertrauenswürdige Begleiter die mit Schwert oder Axt umgehen können. Ich hab' schon viel zu viele Tote gesehen und wenn es sich um einen alten Kämpen handelt oder um so einen Drachenkopf wie Katla, dann trinkt man auf ihr Wohl und erzählt sich, was für'n toller Kumpel die warn'n, aber wenn's so ein junges, hübsches Ding erwischt, dann weint einem das Herz, daß man daran verzweifeln möcht'."

Er erinnert sich daran, daß schon das Saufgelage am gestrigen abend mit Ole bei ähnlichen Themen endete und schüttelt widerwillig den Kopf. Warum nur kommen ihm immer, wenn er Ruhe und Frieden genießen will, diese Bilder ins Gedächtnis?

Ein leicht gequältes Lächeln erscheint wieder auf seinem Gesicht.

"Aber laß uns besser von was anderem Reden. Der Tag is' viel zu schön für finst're Gedanken. Hast Du da was gesehn im Wasser?"

Neugierig wirft er ebenfalls einen Blick über die Planke und späht hinunter auf die Kielwellen, die dort, wo sie mit dem natürlichem Wogen von EFFerd's Reich kollidieren, schäumende Kronen tragen, aus denen, so sagen es die Legenden, die Meergeister und -elfen enstehen.



Joanna scheint ein bißchen erstaunt darüber, daß dies ein eher unangenehmes Thema für Hjaldar ist, obwohl sie dies überhaupt nicht ist.

'Es kann eben nicht immer alles gut ausgehen. Wahrscheinlich wird er wohl schon einige unangenehme Erlebnisse gehabt haben.'

Dabei muß sie immer wieder daran denken, was passieren könnte, wenn sie ihren Mentor nicht rechtzeitig findet. Doch auch die Druidin hat im Moment keine Lust über so schwerwiegende Geschehnisse nachzudenken, und so ist für sie das Thema ebenfalls abgeschlossen. Joanna sieht noch einmal aufs Meer hinaus.

"Ich bin mir nicht sicher, aber..."

Wieder springen ein paar kleinere Fische aus dem Wasser heraus und sind in dem Bruchteil einer Sekunde schon wieder in der nächsten Welle verschwunden.

"Hast du sie gesehen?"

Die Druidin deutet auf die Stelle hinaus.



"Woll, Sprotten möcht' ich meinen." nickt Hjaldar auf die Frage Joanna's. Aufmerksam sucht sein Auge die Wellen hinter den Schwarmfischen ab.

"Wenn sie springen ist meist ein Jäger in der Näh'..."

"Auf Paillos hat mir mal einer erzählt, daß sie weit draußen im Ozean Fische gesehen haben, die richtige Flügel hatten. Quer über's Schiff sei'n die geflogen, das könnt' er bei EFFerd beschwören."



"Aha, Sprotten also,..."

Joanna sagt das so, als ob sie das zuvor ganz genau gewußt hätte, und sieht Hjaldar dabei absichtlich nicht an. Eigentlich kann sie damit überhaupt nichts anfangen, aber das muß ja niemand wissen. Die Druidin, die bisher die ganze Zeit über zum Meer gewandt war, dreht sich nun wieder dem Oberdeck zu. Dabei rutschen ihr einige Haarsträhnen ins Gesicht und sie streift sie wieder zurück hinter ihre Ohren.

"Fische die richtige Flügel haben und quer über ein Schiff fliegen?"

Joanna weiß nicht so recht, ob sie das glauben soll.

"Naja, warum eigentlich nicht? Wer weiß, was wir hier noch alles sehen werden .... wenn man nur aufmerksam genug ist."

Mit diesen Worten sieht sie noch einmal kurz aufs Meer hinaus und wendet sich dann endgültig wieder Hjaldar zu, in der Hoffnung, daß ihr kleiner 'Schwindel' nicht aufgefallen ist.



Die Schatzkarte


Fiana hat man seit der Hafenausfahrt nur notdürftigst gesehen. Sie hat jede freie Minute damit verbracht in ihrer Kabine Karten zu studieren. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die wunderbare Karte, welche sie vom guten Ole zu ihrem Tsatag bekommen hat. Eine wirklich hervorragende Arbeit.

Je länger sie damit verbringt die Karten zu studieren, desto greifbarer wird ihre Vermutung. Ja, sie wird bald noch einmal mit einem der Gäste, sowie dem Kapitän und dem 2. Offizier sprechen müssen. Dessen ist sie sich vollkommen sicher.



Fiana hat genug vom Studieren der Karten und ist sich jetzt sicher und will ihre Vermutung bestätigen.

Sie verläßt ihre Kabine, nicht ohne diese sorgsam zu verschließen. Bei ihrem Weg durch das Unterdeck hält sie nach Jarun Ausschau, findet diesen aber nicht.

Ihr Weg führt sie weiter auf das Oberdeck, wo sie ebenfalls nach dem Mann Ausschau hält und ihn glücklicher weise auch entdecken kann.

Zielstrebig geht sie in seine Richtung und da dieser wohl gerade mit nichts Wichtigem beschäftigt zu sein scheint, spricht sie ihn auch sogleich mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen an.

"Entschuldigt, habt ihr einen Moment Zeit, ich würde euch gerne etwas fragen?"



Seine Miene, die sowieso schon fröhlich und heiter aussah, steigert sich in ein strahlendes, ehrliches Lächeln.

"Oh, Fiana. Schön euch zu sehen. Natürlich, natürlich. Für euch habe ic immer Zeit."

Doch bevor Fiana zu ihrer Frage ansetzten kann, beginnt Jarun wieder zu reden.

"Ach, ich weiß Bescheid. Ich Dummkopf."

Sich über seine eigene Dummheit aufregend, schlägt sich Jarun mit der rechten Hand gegen die Stirn, wobei er darauf bedacht ist, das Gesicht nicht zu berühren, sondern kurz vor der Stirn abbremst, um seine Schminke nicht zu zerstören.

"Ich hatte euch die Flöte und einige Lehrstunden zum Tsatag geschenkt, sagte aber nicht, wann wir mit den Stunden beginnen. Durchaus, durchaus. Wir können jeder Zeit beginnen. Ich langweile mich momentan eh ein wenig.



Fiana freut sich sichtlich das Jarun offensichtlich Zeit hat, daher spricht sie mit froher Stimme:

"Die Übungsstunden machen wir am besten am Abend, da es nicht gut wäre, wenn ich während der Hafeneinfahrt nicht greifbar wäre. Wenn ihr möchtet auch gerne heute Abend schon. Ich habe jedoch eine Frage. In den Berichten und in Erzählungen fiel mir auf, daß bei dem Trubel in Thorwal auch eine Schatzkarte auftauchte und daß ihr sie evtl. noch habt. Ich bin mir ziemlich sicher daß ich herausbekommen kann, wo dieser Schatz liegt, bzw. wo der Ort ist der auf der Karte dargestellt ist. Wenn ihr möchtet können wir gemeinsam die Karten studieren, das setzt aber voraus, daß ihr die Karte noch habt"



"Meint ihr wirklich es ist eine Schatzkarte? Es könnte alles mögliche sein, vielleicht eine Handelsroute. Aber wenn ihr euch damit befassen wollt, werde ich euch gerne mit Wissen und Ideen zur Seite stehen. Schließlich ist es ja auch meine Karte."

Bei diesen Worten ist ganz klar aus Jaruns Worten zu hören, daß er darauf pocht, daß es sich bei der Karte um seinen Besitz handelt. Schließlich steht ihm dann im Falle eines Schatzes der größte Anteil zu.

"Wenn ihr wollt können wir sie gleich aus meiner Kabine holen?"



"Gerne!"

Man merkt Fiana an, daß sie bei dem Gedanken durchaus Feuer und Flamme ist, weniger wegen dem Schatz, weil wegen der sicher spannende Suche.

"Danach können wir sie dann in meiner Kabine mit den anderen Karten vergleichen."



'In ihrer Kabine?' Ein hinterlistiges Lächeln huscht über Jarun's Gesicht.

Mit einem stummen Nicken stimmt Jarun dem Vorschlag zu und begibt sich auf das Unterdeck, wo er den Tumult in der Gemeinschaftskabine unbeachtet läßt und sich dem Aufschließen seiner Kabine widmet. In seiner Kabine öffnet er die Truhe und bringt die kleine gefaltete Karte ans Licht, soweit man hier überhaupt von Licht reden kann.

Hinter sich verschließt er seine Kabine wieder und wartet anschließend darauf, daß Fiana ihm den Weg zu ihrer Kabine zeigt.



Offensichtlich hat Jarun auch Blut geleckt, wunderbar. dann steht der Schatzsuche ja nur noch das Finden entgegen.

"Gut dann folgt mir bitte."

Auf dem kürzesten Weg macht sich Fiana auf in ihre Kabine, sie schließt die Tür auf und Jarun erwartet eine den Umständen eines Schiffes entsprechend gemütlich ausgestattete Kabine. Auf dem hölzernen Schreibtisch liegt ausgebreitet die Karte, welche sie von Ole zu ihrem Tsatag bekam.

Sie deutet Jarun den Stuhl an welcher am Tisch steht und nimmt sich selbst einen kleinen Schemel zum Sitzen.

"So, dann zeigt doch einmal eure Karte her, wir müssen durch Vergleichen heraus bekommen was gemeint sein könnte"



Jarun nimmt Platz und zückt dabei das kleine sorgfältig gefaltete Stück Pergament. Stolz breitet er seine Schatzkarte, worauf er scheinbar viel Wert legt, neben den anderen auf dem Tisch aus.

"Wo wollen wir anfangen zu suchen? Ich bin ja schon viel in Aventurien herum gekommen, aber auf einer solchen Insel war ich noch nicht. Da bin ich mir sicher."

Nachdenklich schaut er über die Karten und sucht nach Gemeinsamkeiten.

"Meint ihr, es ist ein großer Schatz? Hoffen wir mal, daß die Nordstern zum Transport des ganzen Schatzes ausreicht. Nicht, daß wir einige Juwelen dort lassen müssen..."

"..."

"..."

"... oder einige der anderen Passagiere." beendet er nach kurzem Schweigen seine ausschweifenden Phantasien.



Erfreut betrachtet Fiana eingehend Jaruns Karte, immer wieder schaut sie dabei zu Ihrer Karte und ein Lächeln setzt sich bei ihr fest.

"Ich weiß nicht wie groß der Schatz ist, aber wenn wir so viel finden sollten das wir die NORDSTERN bis an die Grenze der Kapazität beladen können, so können wir sicher sein, daß, selbst wenn jeder an Bord einen gleich großen Anteil bekäme, alle bis an ihr Lebensende reiche Leute wären. SEHR reiche Leute. Mir scheint, ihr habt nicht recht eine Vorstellung davon, wieviel Juwelen man in so ein Schiff packen kann. Genug, daß sich ein jeder einen Palast mit Bediensteten und Luxus bis ans Ende seiner Tage kaufen kann."

Während sie redet scheint sie Jaruns Karte immer wieder mit der einen oder anderen Insel zu vergleichen.



"Hier ich bin mir sicher"

Unterbricht Fiana jeglichen Gedanken und deutet mit dem Finder auf die Insel Baltrea.

"Hier seht" setzt sie zu einer Erklärung an. Sie zeigt auf die Schatzkarte

"Hier oben das Festland, der Fluss und das Symbol an der Mündung soll sicher eine Stadt sein. Genau wie das auf der ungewöhnlich geformten Insel unterhalb davon. Wenn es sich um eine Stadt handelt so ist das oben die mündung des Sikram bei Belhanka. Geht man von dort aus gen PRAios so erkennt man..."

Sie deutet jetzt auf ihre Karte.

"... Die Insel mit dem seltsamen Umriß wieder, es ist Hylailos. Auch die Stadt - Rethis - ist darauf verzeichnet. Daneben liegt Mylamas und daneben Baltrea, die Insel die markiert ist."

Ein überzeugter Blick in Richtung Jarun untermauert ihre folgende Aussage:

"Ich bin davon Überzeugt"



"Ihr sprecht von den Zyklopeninseln, eine unwirtliche Gegend. Wenn ich einen Schatz verstecken wollte, den keiner finden soll, dann würde ich diese Inseln zu meinen favorisierten Orten zählen."

Nachdenklich zieht Jarun die rechte Augenbraue hoch und streicht sich mit einer Hand über das bartlose Kinn.

"Hexen und Stiermenschen sollen dort ihr Unwesen treiben. Von besagten Zykopen will ich gar nicht erst sprechen. Aber ihr habt recht. Die beiden Kartenteile sehen identisch aus. Was meint ihr, wie lange benötigen wir noch bis dorthin? Und wie werden wir den Kapitän zu einem kleinen Aufenthalt an den Inseln überreden können? Und was wohl am wichtigsten ist! Liegen die Inseln Nördlich oder Südlich von Grangor?"

Jarun beginnt in Fianas Karten zu kramen. Immer auf der Suche nach Grangor, dem Ziel seiner Reise.



"Da habt ihr recht, die Inseln sind prädestiniert um einen Schatz zu verstecken."

Sie setzt einen Moment ab

"Das mit dem Kapitän müssen wir sehen, ich denke wir erklären ihm alles und dann wird er entscheiden. Unsere Lage wäre aber sicher besser, wenn wir einen Anhaltspunkt hätten wo auf der Insel der Schatz zu finden ist. Sie ist zwar nicht wirklich groß aber ohne einen Anhaltspunkt buddeln wir mehrere Götterläufe im Sand ohne etwas zu finden."

Erneut setzt sie zu einer Pause an um fortzufahren.

"Von Grangor sind es noch etwa 300 Meilen gen PRAios bis zur Schatzinsel."

Fiana blickt Jarun nun stumm an



"300 Meilen! Das ist eine schöne Strecke vorbei an meinem Ziel. Aber ich habe es ja nicht so eilig. Wenn es gilt ein reicher Mann zu werden, dann müssen private Wünsche erst einmal zurückstecken. Dann werde ich wohl im darauffolgenden Hafen aussteigen."

Jarun scheint die Tatsache, daß er an seinem Ziel vorbeifährt wirklich gelassen hinzunehmen. Schließlich finden sich in jeder großen Stadt Aventuriens ein paar fähige Lehrmeister.

"Die Karte gibt wohl keine genauen Angaben mehr her, außer die Lage der Insel. Aber vielleicht finden wir bei dem restlichen Inhalt der Truhe noch weitere Anhaltspunkte über die Lage des Schatzes. Wenn ich mich richtig erinnere haben die beiden Matrosen Xenia und Wasuren ebenfalls etwas aus der Truhe behalten. Es könnte ja sein, daß wir einen Hinweis in der Eile übersehen haben."

Noch während Jarun den Satz ausspricht, flucht er innerlich, denn jetzt gibt es wahrscheinlich weitere Personen, die ihren Anteil fordern. Sicherlich wäre es möglich gewesen, die Gegenstände zu besorgen, ohne die Matrosen anzusprechen. Auf die eine oder andere Weise. Doch jetzt ist es dafür wohl zu spät, denn Fiana scheint von einer geradezu praiotischen Ehrlichkeit zu sein, die Jarun etwas unbehagen bereitet. Doch schnell beruhigt er sich wieder. Die Erinnerungen an den Besuch im Tempel zu Thorwal besänftigen seinen Zorn.

Mit einem freundlichen Lächeln holt Jarun ein rosa Seidentuch aus seinem Umhang, das mehr zu einer feine Hofdame, als zu einem Gaukler passen würde.

"Dieses Tuch fanden wir ebenfalls in der Truhe. Vielleicht sind die Initialen ein Hinweis auf den Schatz?"



Fianas Gesicht hellt sich auf.

"Wunderbar, es gibt also noch mehr Hinweise. Wir müssen mit Xenia und Wasuren reden. Die beiden sind sicher auch Feuer und Flamme wenn sie von dem Schatz erfahren." sagt sie während sie näher zu Jarun heran rückt, um einen genauen Blick auf das Tuch werfen zu können.



Während sich Fiana mit heller Begeisterung das Seidentuch anschaut, verdreht Jarun leicht die Augen Richtung Decke und hängt seinen letzten Gedanken hinterher.

'Da habe ich die gute Fiana ja mal wieder genau richtig eingeschätzt. Sie denkt keine Sekunde daran, daß unser Anteil durch die Hilfe von Wasuren und Xenia wesentlich verringert wird.'

In Gedanken wägt Jarun noch ein für und wider ab, als ihm Fiana in ihrer Begeisterung das Tuch aus den Händen reißt, um es sich anzuschauen.

"Vielleicht sollten wir in der Angelegenheit, etwas mehr Fingerspitzengefühl beweisen. Wie viele todesmutige Schatzsucher sind schon von geldgierigen Kumpane in BORon's Hallen geschickt worden. Unter Umständen trennen sich die beiden von ihren Habseligkeiten, ohne das man sie vorerst in die Schatzsuche einweiht. Ein paar Silberlinge öffnen doch immer noch die Herzen aller Zweibeiner.

..

..

.. außer vielleicht die Herzen der Elfen."



"Ich verstehe nicht recht was ihr meint. Je mehr Leute an der Expedition teilnehmen, desto sicherer ist sie doch" erwidert sie etwas abwesend auf Jaruns Bemerkung und untersucht dabei das Taschentuch nach Initialen während Jarun dieses noch in Händen hält.



"Nun ja, wie mir scheint ist es eure erste Schatzsuche. Ich erinnere mich noch an die Schatzsuche im Hohen Norden. Wir waren auf der Spur eines Lindwurmhortes. Nicht genug, daß uns Kälte und Nässe eine anstrengende Reise bereitete. Eine Gruppe von skrupellosen Halsabschneidern verfolgte meine Kameraden und mich. Sie versuchten viele Tricks, um uns außer Gefecht zu setzen. Bis es schließlich zu dem entscheidenden Kampf kam. Mit Geschick und Schnelligkeit gelang es uns, die Verfolger davon abzuhalten uns weiterhin zu folgen."

Jaruns Stimme bebt ein wenig und wird bei diesen Erinnerungen um einiges lauter.

"Viele Menschen sind bereit für Edelsteine und Münzen alles zu tun. Sie töten jeden, der zwischen dem Schatz und ihnen steht. Freund oder Feind, das ist ihnen egal. Sie werden von einer Stimme geleitet und sind nicht mehr Herr ihrer Sinne."

Nach einer kurzen Pause setzt Jarun wieder an.

"Jede weitere Person, die wir in unsere Suche einweihen, könnte im Angesicht des Schatzes zu einem Mörder und Verräter werden. Ich für meinen Teil hatte bereits die Erfahrung einen Schatz zu sehen und konnte ihr Dank meines göttergestärktem Willen bestehen. Ich weiß, was mich dort erwartet. Ein unerfahrener Schatzsucher ist eine größere Gefahrenquellen, als die Fallen, die einen solchen Schatz beschützen."



"Ihr habt recht, ich war noch nie auf Schatzsuche, aber was die Kälte angeht so kann ich euch beruhigen, je weiter wir gen PRAios segeln, desto wärmer wird es und auf den Zyklopeninseln werdet ihr euch nach Abkühlung sehnen. Daß es Leute gibt, die für Geld alles tun, will ich nicht bestreiten, aber Wasuren und Xenia haben erst kürzlich ihre Treue bei der Meuterrei bewiesen. Ich bin mir sicher, daß sie die Nerven behalten. Außerdem frage ich mich, was ihr den anderen Leute erzählen wollt, wenn wir hunderte Meilen ab vom eigentlichen Kurs an en Zyklopeninseln vor Anker gehen und ohne Angabe von Gründen, vielleicht für Tage, verschwinden. Ich will sagen: Falls uns jemand wegen des Schatzes ans Blut will, so wird er das auch tun, wenn wir, beladen mit Gold und Edelsteinen zurück an Bord kommen. Wir sollten zunächst Näheres heraus bekommen und das erfordert es mit Wasuren und Xenia zu reden. Praktischer Weise sind die beiden oft nicht weit auseinander anzutreffen. Wenn wir etwas heraus bekommen müssen, wie uns überlegen, wie wir die Sache dem Kapitän möglichst schmackhaft unterbreiten."

Nach dieser Ansprache macht Fiana eine Pause und gibt Jarun die Möglichkeit etwas zu erwidern.



"Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Ihr habt ja recht. Wasuren und Xenia sind wirklich freundlichen Menschen und wahrscheinlich auch die besten Kumpel, aber ich versuche euch doch nur zu schützen."

Jarun scheint nach der lauten Diskussion über die Schatzsuche wieder ruhiger zu werden. Mit den traurigen Augen eines Darpatbullen schaut er Fiana an. Vorsichtig greift er nach ihrer Hand, die momentan das Seidentuch inspiziert.

"So eine Suche ist gefährlich und ich möchte nicht, das ihr zu Schaden kommt."



"Ihr mögt ja recht haben, daß wir möglichst wenig Leute mit hinein ziehen sollten, doch bleibe ich dabei, wir müssen Xenia und Wasuren als Betroffene und den Kapitän als Entscheidungsträger unbedingt informieren."

Fiana bemerkt wie Jarun nach ihrer Hand greift und sie so anders ansieht. Sie weiß nicht recht, was sie damit anfangen soll, doch Jaruns rührender Blick zwingt ihr geradezu ein friedliches Lächeln auf. Sie unternimmt erst einmal nichts um ihre Hand zu befreien. Statt dessen erklärt sie:

"Ich verstehe eure Sorge und fühle mich geschmeichelt, doch ich sehe nicht mehr Gefahr als täglich auf See um uns ist. Schließlich könnte jeden Moment - EFFerd bewahre - ein Seeungeheuer das Schiff verschlingen. Ihr seht also, egal wo wir sind unser Leben hängt vom Wohlwollen der Zwölf ab. So EFFerd uns hold ist werden wie sicher zu der Insel gelangen und wenn wir erst an Land sind, sollten wir uns überlegt haben, wie wir PHEx auf unsere Seite bekommen, denn davon wird es abhängen auch zu finden, was wir suchen."

Dies alles sagt sie in einem inzwischen sehr sanften Ton. Auch sie hat sich derweil etwas beruhigt.



Kopfschüttelnd lacht Jarun die Offizierin an.

"Ich sehe schon ihr seid ein harter Verhandlungspartner und laßt euch nur schwer von eurer Meinung abbringen. Aber ich denke wir können uns einigen. Wasuren, Xenia und der Kapitän sind vorerst die Einzigen, die von dem Schatz erfahren. Über die anderen an Bord befindlichen Personen können wir uns später Gedanken machen."

Inzwischen hat sich Jarun mit dem Gedanken angefreundet, die beiden Matrosen mit zur Schatzsuche zu nehmen. Mit Wasuren hatte er sich ja in Thorwal sehr gut verstanden.

'Er scheint ein zuverlässiger Kerl zu sein. Ein paar kräftige Arme können bei der Suche wahrhaftig nur von Vorteil sein. Ich habe seine Fähigkeiten ja bereits bei der Schlägerei mit den Gardisten kennengelernt, als wir den guten Ole vor dem Kerker bewahrt haben.'

Xenia kennt er dagegen nicht so gut. 'Bei Fianas Tsatagsfeier hatte sie mich ein paarmal ziemlich dumm aussehen lassen. Allerdings bei der Aufklärung der Vorfälle in Thorwal war sie trotzdem eine große Hilfe.'

"Holt doch die beide hinzu, vielleicht haben sie eine Idee, wie wir den Schatz auf der Insel finden. Wenn ihr sie ruft werden sie sicher direkt mitkommen."



"Gut, aber hier ist es zu eng für alle, ich werde die beiden in die Messe rufen, dort ist Platz genug. Ihr könnt ja schon mal vorgehen, wenn ihr mögt"

Sie löst sich inzwischen von Jarun und packt ihre Karten wieder zusammen, damit diese nicht wir rum liegen.



"Laßt nur. Ich werde eure Karten zusammenpacken und sie dann mit in die Messe nehmen. Geht nur. Ich werde keine vergessen."

Behutsam beginnt Jarun die Karten zusammenzurollen.

"Und vergeßt nicht die Gegenstände direkt mitzubringen. Damit wir sofort nach Hinweisen suchen können."



"Nein, nein" beschwichtigt Fiana. "Ihr beleidigt mich, ich kann von einem Gast nicht verlangen meine Kabine aufzuräumen. Nein, das geht nicht. Ihr könnt gerne hier warten bis ich fertig bin, es dauert nur wenige Minuten. Oder ihr macht es euch bereits in der Messe bequem."

'Irgendwas stimmt hier nicht, warum will er mich los werden'

Diese Gedanken macht sie sich bewußt, als sie sich zum Aufräumen von Jarun abwendet. Damit er ihr nachdenkliches Gesicht nicht bemerken kann.



"Wenn ihr mich nicht helfen lassen wollt, so werde ich schon mal die Messe aufsuchen. Hoffen wir das sie nicht von jemand anderes in Beschlag genommen wird."

Mit diesen Worten, die eingeschnappt klingen, aber trotzdem ein gewisses Maß an Höflichkeit wahren, erhebt sich der Gaukler von seinem Stuhl und verläßt die Offizierskabine. Hinter sich schließt er die Tür und begibt sich schnellstens in die Messe, die er momentan glücklicherweise auch leer vorfindet.

Jarun setzt sich auf den Platz, gegenüberliegend der Tür, denn den Aus- bzw. Eingang im Auge zu haben, kann bei solchen Situation nur von Vorteil sein. Und wenn er schon der Erste am Treffpunkt ist, so möchte er diesen Vorteil natürlich nicht ungenutzt lassen.

Während er auf die anderen wartet, studiert er noch einmal die beiden Gegenstände aus der Truhe.

Eine Schatzkarte und eine Seidentuch mit den Initialen J. A. .



Das Seidentuch


"J. A."

Jarun hat inzwischen die Karte beiseite gelegt und sich voll und ganz dem Seidentuch gewidmet. Zum Spaß geht er im Geiste alle Synonyme durch die ihm zu J. A. einfallen.

'Jambron Aheimsbouven.' Ein breites Grinsen schiebt sich in Jaruns Gesicht. Denn beim besten Willen kann er sich nicht vorstellen, daß dieser stolzer Krieger aus dem Bornland sich mit solch einem Tuch schmücken würde.

'Jasmin Ascham, das Tuch würde gut zu ihr passen, aber was sollte die Edelhure aus Fasar mit einem Schatz auf den Zyklopeninseln zu tun haben.'

'Jelbar der Aal, den habe ich schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen. Habe gehört er soll schon in BORons Hallen sein.'

Ein resignierendes Seufzen ist aus Jaruns Kehle zu hören. So langsam gehen ihm die Namen. Und das Obwohl er schon einige Menschen kennengelernt hat.

Weil ihm momentan nichts besseres einfällt, beginnt Jarun die eingestickten Initialen, nach seinen geringen Kenntnissen, zu begutachten. Vielleicht läßt sich aus der Art und Weise, wie die Stickereien gearbeitet sind, ein Hinweis ableiten.



Das zarte rosa Seidentuch, eines in der Art, wie es edle Damen zu tragen pflegen, hat schräg in einer Ecke die eingestickten Initialen J.A. Die beiden Großbuchstaben sind ein wenig ineinander geschwunden, aber dennoch sehr dezent und keineswegs so reichhaltig verziert, wie so manche kunstvoll gemalten Anfangsbuchstaben in einem kostbaren Buch. Die Stickerei ist sauber und korrekt. Der Faden hat in etwa die Farbe des Tuches, ein wenig dunkler mag er wohl sein.



Immer wieder dreht und wendet Jarun das seidene Tuch auf der Suche nach einem Hinweis über seine Herkunft. Doch zu mehr, als der Feststellung, das es ein schönes Tuch ist, reicht sein Wissen nicht aus. Es ist zwar nicht ganz sein Stil, aber vielleicht bekommt er ja irgendwann die Gelegenheit, das Tuch einer feinen Dame als Andenken an ihn, zu überreichen. Schließlich lassen die Initialen J.A. eindeutig auf Jarun schließen.



Fiana sammelt die 'Truppe'


Fiana räumt noch ein wenig die Karten zusammen und schließt ihre Kabine dann hinter sich ab und geht auf das Oberdeck, wo sie nach Wasuren und Xenia Ausschau hält.

'Aha dort drüben sind sie ja' denkt sie sich. 'Hmm wie praktisch die beiden scheinen eh gerade nichts zu tun zu haben, so verträumt wie sie in die Gegend schauen' denkt sie weiter, denn sie will nicht Matrosen, die etwas zu tun haben von der Arbeit abhalten, der Schatz wird schon nicht weglaufen. Aber momentan ist dem ja nicht so.

"Xenia und Wasuren zu mir!" ruft sie den beiden entgegen.



Von Fiana ziemlich unsanft aus ihren Träumereien und der Betrachtung des Meeres gerissen schreckt Xenia auf, dreht sich in einem Reflex schwungvoll zu Fiana um und richtet sich auf.

"Jawohl, hier!" ruft sie, während sie sich in Fianas Richtung in Bewegung setzt.

'Meine Güte, daß die einen so erschrecken muß!' denkt sie dabei, ärgert sich aber gleichzeitig darüber, daß sie selbst so unaufmerksam war. Aufmerksam schaut sie sich um, ob Wasuren ebenfalls Fianas Ruf folgt.



Fiana ist zwar nicht glücklich über die Träumereien der Matrosin, doch kommt diese wenigstens. Wasuren dagegen scheint geradezu in andere Sphären entrückt. Sie wiederholt daher ihren Ruf nochmals und diesmal etwas lauter

"WASUREN"

Nicht das ihr Anliegen in diesem Fall so wichtig ist, doch könnte ja auch ein Notfall vorliegen und wenn die Matrosen dann schlafen, ist das nicht gut. Sie wird deswegen noch mit ihm sprechen müssen.



Vor Fiana bleibt die Matrosin aufmerksam abwartend stehen.

"Was soll ich tun, Frau Ohldotter?"

'Wo bleibt denn bloß Wasuren?'

Beunruhigt sieht sie sich um. Hoffentlich hat Fiana Wasurens - aber auch ihre eigene - Trägheit nicht die Laune verdorben...

Abschätzend sieht Xenia die Offizierin an.



Wasuren ist total 'gerädert'. Erst rennen ihm alle Passagiere davon, mit denen man sich gerade ein wenig unterhalten hat. Dann schafft er es nicht Xenia zu einem kleinen Spaziergang durchs Schiff zu überreden und somit ein gewisses Thema anzusprechen. Und nun hat er zu guter letzt total vergessen was er gerade tun wollte.

Während er seine Gedanken ordnet und ganz verdutzt bemerkt, wie es um ihn herum auf dem Schiff um einiges lauter und turbulenter wird, registriert Wasuren im Unterbewußtsein, daß irgend wo gerade eben sein Name gefallen ist. Er horcht genauer auf und bekommt mit wie Xenia ein Kommando entgegen nimmt.

Dann trifft es ihn wie einen Schlag: Es war Fiana die gerufen hat.

Und Fianas zweiter Ruf fegt wie ein Orkan durch seine Gehörgaenge. In Windes Eile spurtet Wasuren über das Deck, weicht Hindernissen und Menschen gekonnt aus und meldet sich kaum außer Atem, einige Meter vor Fiana stehend laut und deutlich:

"Jawohl, Matrose Wasuren meldet sich zu Stelle !! "



"Das wurde aber auch Zeit" spricht Fiana mit besonderem Augenmerk auf Wasuren. Dann spricht sie zu beiden:

"Doch was ich von euch will, ist nichts Offizielles, daher werde ich von einer Ermahnung absehen - Ausnahmsweise! Ihr erinnert euch sicherlich an die Ereignisse in Thorwal. Dort habt ihr beide, sowie Jarun jeder etwas aus einer Kiste behalten. Jarun hat eine Karte daraus. Uns ist es gelungen die Insel zu finden welche die Karte zeigt, doch suchen wir noch Hinweise auf die versteckte Stelle, die dort eingezeichnet ist. Unsere Hoffnung ist nun, daß sich auf euren Stücken etwas befindet das weiterhilft. Wir sind uns nicht sicher, glauben aber, daß es sich um einen Schatz handeln könnte. Am besten ihr holt alles, was ihr aus dieser Kiste habt oder wovon ihr glaubt, daß es helfen kann. Kommt dann gleich zur Messe damit wir alles besprechen können."



Xenia zuckt die Schultern und nickt.

"Ja, kein Problem..."

'Ob ich das jetzt abgeben muß? Eigentlich wäre das nicht fair... aber ich kann mich ja sträuben - Fiana hat gesagt, daß es nicht offiziell ist.'

Die Matrosin schickt Wasuren einen prüfenden Blick. Ob der auch was mitgenommen hatte, in Thorwal?



"Gut dann hol schon mal alles was du aus der Kiste hast und komm damit in die Messe. Jarun wartet dort schon. Ich komme dann auch gleich, wenn Wasuren sich entschlossen hat etwas zu sagen. Dann können wir mal schauen, ob es etwas gibt, daß ein Hinweis sein könnte."

'Oh ich werde doch mit Nirka reden, dem Kerl kann man ja nicht nur beim gehen die Schuhe besohlen, sondern ihm auch beim Stehen ein Bett an den Hintern nageln' denkt sie sich inzwischen wieder recht entsetzt über den Zustand der Mannschaft.



"Zu Befehl!" antwortet die Matrosin sofort, dreht sich um und eilt - fast im Laufschritt - zum Niedergang, wo sie die Treppe hinunter verschwindet. Auf dem Weg durch die engen Gänge zur Mannschaftskabine fragt sie sich, ob Fiana es ihr wohl nachtragen wird, daß sie so verträumt reagiert hat...

Als sie in die Mannschaftskabine stürmt, nickt sie nur kurz Sigrun zu - denn sie ist viel zu aufgeregt und hat es viel zu eilig, um jetzt zu plaudern. Das wäre einfach unvorstellbar - ein ECHTER Schatz! Und sie darf bei der Suche zumindest helfen! Wahnsinn!!!

Hektisch beginnt sie, den rostigen Schlüssel aus ihren wenigen Habseligkeiten heraus zu kramen.



Den beiden Matrosen nickt Fiana noch zu und späht dann noch über das Wasser. Sie kann das Schiff, von dem der Ausguck berichtet, noch nicht sehen, das heißt, sie hat noch etwas Zeit bis ihre Anwesenheit auf der Brücke, die im Moment ohnehin gut besetzt ist, benötigt wird.

Daher macht sie sich auf den Weg in die Messe.

Unterwegs nickt sie allen, denen sie begegnet freundlich zu und öffnet schließlich die Tür zur Messe, um sie hinter sich wieder zu schließen.

In der Messe sagt sie:

"So, da bin ich wieder, die beiden werden jeden Moment hier erscheinen"



Wasuren und Xenia


Nach Wasurens verspäteten Sturmantritts, den jawohl fast niemand zu Kenntnis genommen hat, lauscht er aufmerksam Fianas Worten.

Wasuren hat grosse Mühe sich nicht anmerken zulassen, wie verdutzt und überrascht er von Fianas Schilderung ist. Regungslos und stumm steht er eine Zeit lag nur so da und merkt erst gar nicht, daß ihm ein wenig die Kinnlade herunter hängt.

Als dann Xenia sich auf den Weg macht, fängt sich Wasuren wieder etwas und schließt erst einmal seinen Mund, schaut Fiana dann mit seinen verträumten Augen an nickt und trollt sich dann von dannen. Im Moment des Blickaustauschens, flackert fuer Sekundenbruchteile ein kleine hellweiße Flamme in Wasurens Augen, als sei sein Geist erleuchtet worden, auf.

Wasuren marschiert zielstrebig über das Oberdeck, den nächsten Abstieg hinunter und in den Mannschaftsraum. Dort tapert er zu seinem Platz. zieht den Seesack unter seineer Hängematte hervor und kramt darin herum. Er zieht eine Schreibfeder und einen kleinen Behälter, in dem diese steckt, hervor und schiebt es in seiner Hosentasche.



Grübelnd betrachtet Wasuren erst seinen Seesack, schaut dann zu der ebenfalls suchenden Xenia hin über. Dann tritt er ein paar Schritte an sie heran und fragt relativ leise :

"Sag mal, in dieser Truhe war doch noch so eine geschnitzte Walfigur. Die hast du doch an dich genommen oder ?"



Die Matrosin schüttelt erstaunt den Kopf.

"Nein, die habe ich nicht... nur diesen Schlüssel" - Sie hält das soeben heraus gekramte verrostete Etwas hoch -

"..naja, und ein Backenzahn, aber den habe ich weggeschmissen... war ja auch ekelig." stellt sie fest. Dann springt sie unvermittelt auf und stürmt aus dem Mannschaftsraum, ohne weiter auf Wasuren zu achten - zu sehr ist sie mit der Möglichkeit beschäftigt, bei der Entdeckung eines ECHTEN Schatzes zu helfen.

Den Schüssel hält sie fest umklammert, damit sie ihn bloß nicht auf dem letzten Stück verliert. Ein wenig Beklemmung bleibt allerdings - was, wenn Fiana den Schlüssel jetzt einfach an sich nähme???

Ob dieser Überlegung bleibt sie am Aufgang unentschlossen stehen.

'Und wenn ich einfach melde, daß ich den Schlüssel nicht gefunden habe? - Hm... aber Wasuren hat ihn gesehen...'

Seufzend macht sich Xenia eher zögerlich an den Aufstieg zum Oberdeck.



Wasuren zuckt ungläubig mit den Achseln und schaut dann Xenia hinter her als sie den Mannschaftsraum verläßt.

'Sie muß diese Holzfigur noch haben. Bei EFFerd, Ich bin mir ganz sicher, daß sie den geschnitzten Wal in Thorwal eingesteckt hat.'

Wasuren schaut sich vorsichtig im Mannschaftsraum um, geht dann aber nach kurzem zögern zu seinem Schlafplatz zurück und räumt diesen wieder so auf wie er vorher war.

'Wenn Sigrun nun nicht hier wäre, dann könnte ich ja mal einen Blick riskieren. Aber nein, lieber nicht. wenn mich dabei jemand ertappen würde hätte das schlimme, sehr schlimme Folgen für mich.'

Etwas mürrisch verläßt er dann den Mannschaftsraum mit seiner Schreibfeder in der Hand und geht langsam ueber das Unterdeck zur Messe. Dort klopft er kurz an, tritt ein und schließt dann rasch die Tür hinter sich.



'Herrje, was steh' ich hier rum? Wenn ich mich nicht beeile, wird es noch Ärger von Fiana geben!' denkt sich Xenia , ärgerlich über ihre Unentschlossenheit.

'Schließlich ist es nicht mehr, als ein rostiger Schlüssel!... allerdings ein rostiger Schlüssel mit der Möglichkeit, einen Schatz zu finden...'

Mit einem abschließenden Schulterzucken schüttelt die Matrosin ihre Bedenken ab und geht zur Messe. Dort öffnet sie die Tür und betritt - nach Wasuren - die Messe. Hinter sich schließt sie die Tür und bleibt dann erst mal unentschlossen stehen.

"Ja... also... äh... hier ist also der Schlüssel."

Sie hebt ihren rostigen Schlüssel in die Höhe.



In der Messe


"Das ist gut. Dann können wir ja gleich dem Rätsel auf die Spur gehen."

Jarun legt nun auch das Tuch zur Seite und erhebt sich kurz von seinem Stuhl.

"Nehmt doch auch schon einmal Platz."

Deutet er auf den Stuhl rechts neben sich.



"Danke, sehr freundlich", antwortet Fiana auf die höfliche Geste Jaruns und nimmt neben ihm Platz. Kaum, daß sie sitzt, stolpern auch schon Wasuren und Xenia herein.

'Gut, sie scheinen ihre Beine wiedergefunden zu haben'

"Setzt euch nur hin, wir haben Einiges zu besprechen"

Dabei deutet nun Fiana ihrerseits auf die freien Plätze in der Messe. An alle gerichtet spricht sie:

"Ihr wißt, daß wir glauben eine Schatzkarte gefunden zu haben, daher habe ich euch auch gebeten, alle Gegenstände mitzubringen, die etwas damit zu tun haben könnten. Bisher haben wir die Insel gefunden, auf welcher der Schatz liegt. Sie ist gar nicht mal so sehr abseits von unserem Kurs. Es ist eine der Zyklopeninseln. Ich möchte, daß das was wir hier besprechen erst einmal unter uns bleibt, da ich einen Goldrausch an Bord verhindern will. Wenn wir den Schatz finden sollten, wird jeder der an der Suche beteilig ist natürlich einen Anteil bekommen.

Jetzt gilt es jedoch erst einmal soviel Informationen wie möglich zu bekommen, damit ich dem Kapitän etwas mit Hand und Fuß berichten kann, denn der Vermutung, daß auf einer der Zyklopeninseln ein Schatz liegt, wird er kaum genug Aufmerksamkeit schenken, um dort mal eben vorbei zu fahren."



"Wir sollten erst einmal alle Fundstücke auf den Tisch legen. Hier ist die Karte und das Seidentuch."

Mit diesen Worten legt Jarun die beiden Gegenstände vor sich auf den Tisch.

"Das Tuch habe ich mir bereits näher angesehen, konnte aber nichts besonderes entdecken."



Etwas unbeholfen zieht sich Xenia einen freien Stuhl heran und läßt sich vorsichtig darauf nieder. Dann sieht sie Fiana erwartungsvoll an, während diese spricht.

Als Fiana geendet hat, nickt Xenia zustimmend.

'Nein, das würde er sicher nicht... und hinter seinem Rücken wird Fiana doch hoffentlich nichts planen...

- Aber woher sollen die Informationen denn kommen? Die paar Sachen, die wir in der Kiste gefunden haben, hatten außer der Karte nichts mit irgendeinem Schatz zu tun - jedenfalls nichts offensichtliches.'

"Darf ich sprechen, Fiana?" fragt sie vorsichtig, als sich sonst niemand zu Wort meldet.



Di Vespasio's kurvige Wege


Di Vespasio nimmt gerade mit höchster Eleganz die S-Schikane des Ganges vor dem Aufgang zum Oberdeck und geht jetzt auf die lange Gerade in Richtung Einzelkabinen, als ein leichtes Rollen des Schiffes ihn aus dem Gleichgewicht bringt. Das Tablett mit dem offenen Tintenfaß auf dem Bücherstapel neigt sich gefährlich nach vorn und die einzige Möglichkeit dem Desaster auszuweichen ist die Beschleunigung.

So nähert sich di Vespasio eilenden Schrittes der Tür zum Gemeinschaftsraum, doch, wehe, dort steht schon jemand.

"Aus dem Weg! Aus dem Weg!" ruft der Adelige mit alarmierender Stimme.



Immer noch nähert sich di Vespasio mit seiner wackeligen Ladung der Tür zum Gemeinschaftsraum. Glücklicherweise haben zwei der drei Hindernisse bereits den Gemeinschaftsraum aufgesucht. Aber der Dritte, ein kleinerer, drahtiger Matrose mit einem Eimer in der Hand, steht noch im Weg. Es wäre wirklich eine Schande, sollte auf dessen goldbestickter, rote Weste ein schwarzer Tintenfleck entstehen.

"Aus dem Weg! Aus dem Weg!" ruft der Adelige mit alarmierender Stimme.



Glücklicherweise hat sich die Enge im Gang mittlerweile gelichtet und di Vespasio kann an der Tür zur Gemeinschaftskabine vorbeiziehen. Zudem hat er kurz danach auch die Kontrolle über seine Last fast wiedererlangt. Dummerweise macht jedoch der Gang gerade an dieser Stelle einen Knick. Um nicht mit der Tür von Einzelkabine zwei zu kollidieren geht der Händler in eine enge Linkskurve und entschwindet aus dem langen Gangstück.

Kurz danach hört man nur noch ein dumpfes 'Tock'.



Di Vespasio hat endlich den Gang verlassen und zieht nun die Tür hinter sich zu, verschließt diese und läßt den Schlüssel aus Gewohnheit stecken. Dann dreht es sich um und blickt in seine Kabine.

'Mein lieber Frizzi, willkommen im Schraubstock.'

Die Kabine ist etwa zwei und einen halben Schritt tief, etwa zwei Schritt hoch, um auch Thorwaler zuzulassen, aber nur zehn Finger breiter als einen Schritt. Nicht unbedingt das, was man als weitläufig bezeichnen würde. Der Händler ist offenbar anderes gewöhnt, daher fühlt es sich etwas eingezwängt.

'Jetzt müssen wir erst mal sehen, daß wir das hier loswerden und uns einen Blick aufs Auge werfen.'

Er stellt den Bücherstapel mitsamt Tablett vorsichtig auf das Bett.

Das Bett nimmt den Hauptteil des Raumes ein, wieder hat es Thorwalerlängenmaß, jedoch ist es nur etwas viermal zehn Finger breit. Auf der Steuerbordseite stehend läßt es gerade mal einen zwanzig Fingerbreiten Gang daneben frei. Wie ein solch riesiger Mann, wie etwas der Schiffszimmermann sein Leben lang in ein solch enges Lager quetschen kann, ist di Vespasio ein Rätsel.

Das Laken und die Decken auf dem Bett haben eine gräulich, hellblaue Farbe, was zunächst seltene Wäsche erwarten ließ, jedoch sich dem prüfenden Blick des Südländers zu dessen Beruhigung schließlich als die Naturfarbe der Stoffe offenbarte. Anscheinend wird an Bord der Nordstern ein sauberes Regiment geführt. Von daher wäre dem für die Wäsche eingeteilten Matrosen vermutlich eine Verunreinigung mit schwarzer Tinte, wie sie jetzt etwa daumennageldick im Tablett hin- und her schwabt nicht recht.

Die Wände sind einfach und ungeschmückt, gefertigt aus dem inzwischen etwas dunklen Holz aus dem auch die sonstige Nordstern gemacht ist. Lediglich zwei Dinge lockern die Wände etwas auf. Über dem Bett hängt ein Bild eines Zweimasteres unter vollen Segeln, der sich durch eine stürmische See kämpft. Ob es sich dabei um die NORDSTERN handelt, kann der unkundige di Vespasio nicht feststellen. Sein Augenmerk richtet sich auch im Moment auf den auf der Backbordseite angebrachen Spiegel in Form einer polierten Metallscheibe.

'Oh-Oh, das ging ins Auge, mein lieber Freund.'

Gerade dort, wo sich sonst fast blütenweiße Haut - oder zumindest weiß gepuderte - um di Vespasios linkes Auge spannt, prangt nun ein dunkelschwarzer Tintenfleck.



Di Vespasio öffnet zunächst das Bullauge. Dieses ist in keinem Fall mit einem normalen Fenster zu vergleichen. Auch wenn es nicht so einfach gefertigt ist, wie die meisten anderen Bullaugen an Bord, so ist doch seinem ersten Zweck, kein Wasser hineinzulassen, deutlich Vorrang gegeben worden vor allen anderen Nützlichkeiten, wie Luft oder Licht passieren zu lassen. Mit zwei schweren Schraubklemmen läßt es sich jedoch öffnen und von draußen dringt frische Seeluft in die etwas muffige Kabine.

'Dieser Matrose hat uns wirklich wie ein Kind behandelt. Als ob Du nicht wüßtest, daß man auf einem Schiff die Fenster nur aufmacht, wenn man da ist. Diese Ungebildeten können wirklich nicht verstehen, daß manche Leute einen weiteren Horizont haben als sie.'

Er nimmt das Tablett mit der Tinte und stellt es auf das schmale Regal neben dem Kopfende des Bettes. Dann dreht er erst vorsichtig das Tintenfaß zu, nimmt den Krug mit dem Wasser und spült zunächst das Fäßchen, dann auch den Becher und schließlich auch mit dem Becher den Krug ab. Somit verbleibt im Tablett etwa fingerdick eine wässrig-dunkle Tintensuppe, die der Händler kurz entschlossen der blauen See übergibt. Kurz wird noch mal nachgespült.

'So jetzt können wir uns der eigenen Farbe widmen. Wie wäre es Frizzi, wenn ich dir auch das andere Auge dunkel Schminke? - Nein, heute nicht. - Nicht? Nun dann vielleicht eine vornehme, blassere Farbe? - Hm, ja. Wenn es dir nichts ausmacht.'

Der Schiffszimmermann war so freundlich die Einrichtung der Kabine soweit abzuändern, so daß, wo früher die beiden untersten Bretter eines Wandregals angebracht waren, jetzt der Schrankkoffer des Adeligen seinen Platz findet.

Die etwa einen halben Fuß breite Lücke zwischen Tür und Fußende des Bettes wird durch das ebenso tiefe und mehr als doppelt so hohe Ungetüm ganz ausgefüllt. Der Koffer hat zwei Flügeltüren, die von einen schweren Schloß zusammengehalten werden, zu dem di Vespasio jetzt den kompliziert aussehenden Schlüssel an einem Band um seinen Hals hervorzieht.

'Ja, wo iss er denn? Da iss er ja. Klickel-Klackel, simsalabim, öffne dich.'

Die Türen lassen sich nicht vollständig öffnen, so eng ist es in der Kabine. Dennoch kann man erkennen, daß der Schrank ein Meisterwerk der Platzorganisation ist. Fächer in den Türen bieten Platz für allerlei Kleinigkeiten, es gibt eine Kleiderstange, ein Bücherregal, es läßt sich eine Schreibplatte herausziehen, ein zweites Schloß schützt offenbar ein besonders wichtiges Fach, es finden sich Haken und Steckplätze für die Morgentoilette des anspruchsvollen Reisenden und vieles mehr, was sich dem ersten Blick nicht erschließt.

Jetzt ist di Vespasio allein an einem Tuch, einer kleinen Porzellanschale und dem Schminkköfferchen interessiert. Er setzt sich auf das Bett und klappt den an der Backbordwand eingelassenen Tisch herunter, stellt den Spiegel auf, füllt etwas Wasser in die Schale und beginnt sich vorsichtig das Auge zu putzen.



Di Vespasio wirft noch einen letzten Blick in den Spiegel. Wer genau hinsieht, kann man immer noch erkennen, daß das linke Auge ein wenig dunkler ist.

'Hoffentlich ist das Licht draußen nicht zu ungünstig, sonst mußt du dir noch Geschichten ausdenken. HO HO, ja ein riesiger Pirat ist in meinem Zimmer aufgetaucht. Nachdem ich ihm den Zweihänder entwinden konnte, haben wir gegeneinander geboxt und er hat mir -BANG- das verpaßt, bevor ich ihn -PENG- mit einem rechten Haken aus dem Fenster gestoßen habe.'

Der Adelige pudert noch mal nach, greift dann zu Stock und Hut und tritt auf den Gang. Er verschließt die Tür wie gewohnt und spaziert stockschwingend den Gang herunter gen Treppe.

'Oder: OH, das ist nichts. Ein Dämon, der sich in mein Zimmer geschlichen hatte, war etwas widerborstig. Er hat mit seinem Horn nach mir -PIIEK- gestochen, bevor ich ihn -PUFF- dematerialisieren konnte.'



Di Vespasio schlendert weiter durch den Gang und um die Ecke, als sein Blick die offene Tür zur Gemeinschaftskabine trifft.

'Wie interessant. Das ist doch mal was neues, sonst sehen wir immer nur verschlossene Türen.'

Er nähert sich neugierig und wirft unschuldig ein Auge in den Raum.

'Oh, ein ganz großes Zimmer. Hier muß ein wichtiger... nein warte, da sind ja ganz viele Betten, mindesten fünf. O weh. Ein Gemeinschaftszimmer für die Armen. Und die Luft. Frizzi, es stinkt wie in einem Gerberhaus.'

In geübter Geste zieht der feine Mann ein weißes Taschentuch aus dem rechten Ärmel und drückt es geziert gegen seine Nase.

'Schrecklich, die ganze Fahrt in so einem kleine Loch eingesperrt zu sein. Da haben wir es besser, unser Reich ist zwar nicht größer als dein Bettvorleger daheim, aber, um mit Versios zu sprechen, besser zwei Möwen in Bosparan als zwanzig in Kuslik.'

'Dennoch, es wäre interessant, das Schiff mal kennenzulernen. So eine kleine Führung gefiele mir gut. Ich frage dich nur, wen von den Angestellten wir dafür gewinnen könnten.'



Das Räum- und Heilkommando


Bereits an der Tür zur Gemeinschaftskabine sticht Ottam ein Ekel erregender Geruch entgegen. Das Erbrochene liegt wohl nicht erst seit ein paar Sekunden hier. Der Magus geht weiter in Richtung Fargus

Anhand von Gesichtsfarbe, Pupillenstellung und dem Verhalten des Druiden diagnostiziert er recht schnell, was alle bereits vermutet haben es handelt sich wohl um einen Fall der klassischen Seekrankheit.

"Nun ihr müßt erst einmal schnellstens an Deck 'und ich auch - buaeh stinkt das hier' Stellt euch an den Bug und haltet die Nase in den Wind. Ich werde derweil einen Kräutertee brauen lassen der euch helfen wird"



Der 'Händler' und der Druide


"Ich hoffe, euch ist damit geholfen" sagt Anselm, der noch im Türrahmen steht.

"Kommt Druide! Ich gehe mit euch an Deck!"


Die Erleichterung steht dem Druiden in sein doch noch etwas bleiches Gesicht geschrieben.

'Vielleicht hab ich diesen Feuerbach falsch eingeschätzt' denkt er, während er sich mühsam von seiner Koje erhebt.

"Vielen Danke für Eure Hilfe, werter Magus, ich werde Eurem Rate sehr gerne folgen. Und Euer Angebot, Herr Feuerbach nehm ich sehr gerne an".

Fargus setzt ein ehrlich gemeintes Lächeln auf, daß aber dennoch noch etwas gequält wirkt. Aufbruchbereit steht er nun vor seinem Nachtlager.



"Na dann kommt mit!"

Fordert Anselm den Druiden auf.

'Ich will ja nicht als Unmensch da stehen. Außerdem ist Vertrauen gewinnen die einzige Möglichkeit diese Überfahrt heil zu überstehen."

Mit diesen Gedanken geht Anselm den Aufgang zum Oberdeck hoch, darauf achtend, daß Fargus ihm folgen kann.



Mühevoll versucht Fargus, Anselm Feuerbach auf dem Weg ans Oberdeck zu folgen. Er bemerkt, daß der Mann darauf bedacht ist, daß Fargus ihm auch folgen kann.

'Ich muß meine Meinung über diesen Mann wohl endgültig über Bord werfen' denkt er bei sich. Auf dem Oberdeck schlägt ihm erstmal eine frische Brise entgegen. Irgendwie verbindet er mit dem ihn jetzt übermannenden Geruch den Gedanken an Freiheit. Fargus nimmt tiefe Züge, hält sie lange in den Lungen, bevor er dann erleichtert und zufrieden ausatmet.

"Habt nochmals vielen Dank, Herr Feuerbach, ihr seid wirklich sehr hilfsbereit".

'Vielleicht kann ich mich ja eines Tages bei ihm erkenntlich zeigen' fügt er in Gedanken noch an. Als sein Blick über das Meer schweift, verpuffen die Gedanken an die vorangegangenen Qualen. Fargus steht wie angewurzelt am Bug und mit jedem Atemzug nimmt die Faszination der Unendlichkeit des Meeres bei ihm zu.



"Hmm...ja genau..."

Anselm hört dem Mann nur mit einem Ohr zu. Er läßt seinen Blick über das Deck und dann über das Meer schweifen.



Sich fragend, wo wohl der Kräutertee bleibt, der ihm gebracht werden sollte, fängt Fargus ein Gespräch mit Anselm Feuerbach an :

"Sagt, mein Herr, welchem Berufsstande gehört solch ein Edelmann wie ihr an?"



"Ich, mein Herr, bin einfacher Händler."

'Edelmann, wenn du wüßtest...'

"Erfolgreich genug, um davon leben zu können..."



"Nicht, daß Ihr nur hilfsbereit seid, Ihr seid auch noch bescheiden, mein Herr. Sagt, mit welchen Dingen treibt Ihr denn Handel ?"

Fargus merkt, daß er doch gerade etwas dick aufträgt, doch die Worte sind bereits ausgesprochen.

"Sicherlich mit feinen Stoffen, fremdartigen Gewürzen oder etwas Ähnlichem, oder?"



'Was will der Kerl überhaupt? Schmiert mir Honig um den Bart und stellt auter Fragen! So Junge, jetzt laßdir was einfallen...'

"Ich.... bin eigentlich so gesehen kein Händler.... ich führe eine Reihe von Läden.... Süßwaren, Gebäck! Ja genau! FEUERBACH - Zuckergebäck. Wir sind erst eine handvoll Leute..."

'Du bist so genial'

"Wie schon gesagt, man kann davon leben...."



"Süßwaren - Gebäck - hört sich ja wirklich gut an!"

Fargus läuft das Wasser im Munde zusammen bei dem Gedanken an seine geliebten Vanillekipferln.

"Eröffnet Ihr einen neuen Laden in Kuslik oder was führt Euch in diese Stadt ?"



'Wenn sein Mundwerk nur so gut funktionieren würde wie sein Magen. Dann hätten wir den ganzen Ärger nicht.'

"Nein, einen neuen Laden will ich nicht errichten. Vorerst nicht. Diese Reise hat private Gründe."



'Herr Feuerbach ist zwar anscheinend sehr hilfsbereit, doch sehr gesprächig ist er wohl nicht'.

"Ich schau mich mal ein wenig hier um, wir sehen uns, werter Herr" spricht er zu dem Händler und verläßt den Bug des Schiffes.

'Ganz schön was los hier oben', denkt er sich, als er die Reling lang wandert. In einigem Abstand beobachtet er ein Würfelspiel zweier Personen, die Vater und Sohn sein könnten, ein wenig daneben befindet sich eine Dame, die gewissenhaft ihre Stiefel putzt. Er brummt eins seiner Seemannslieder in den seinen Bart, die sein Vater ihm als kleines Kind immer mal wieder vorgesungen hatte. Eigentlich hatte er sich solch eine Seefahrt doch ein wenig anders vorgestellt.

'Wer weiß, was noch alles kommt' denkt er bei sich.



Anselm schaut dem Druiden hinterher, während dieser das Deck entlang wandert.

'So, genug Frag und Antwort gespielt. Ich darf nicht vergessen, was ich dem Kerl erzählt hab. Sonst verzettel ich mich noch.'

Mit diesem Gedanken bleibt Anselm auf dem Deck stehen und blickt weiter raus auf's Meer.



Ottam, der ungeduldige Heiler


Ottam, der eigentlich wieder gehen möchte, bleibt noch einen Moment in der Kabine, wer auch immer dort draußen rum poltert, lieber in Deckung bleiben, sonst passiert noch was.

Einen kleinen Schritt geht er aber zur Seite, damit der Matrose besser putzen kann.



Nachdem im Gang einigermaßen Ruhe eingekehrt zu sein scheint, macht Ottam sich auf den Weg in seine Kabine. Dabei straft er das Unterdeck, so wie seinen Inhalt mit Ignoranz und geht geradewegs in seine Kabine, welche er zunächst einmal aufschließen muß.

Nachdem dies erledigt ist, macht er sich daran aus seiner Habe eines der Säckchen mit getrockneten Kräutern zu suchen und daraus etwas abzufüllen.



Nachdem Ottam die gewünschten Kräuter gefunden hat macht er sich daran diese in ein kleines Leinentuch zu geben und dieses zu zu drehen. Die restlichen Kräuter werden wieder gut verpackt und weggestellt. Mit frohem Mut macht er sich auf den Weg in die Kombüse, um diese leer vorzufinden.

Schon wieder von Ärger gepackt, 'wieso kann dieser Koch nicht ahnen wenn man ihn braucht', brummt er vor sich hin. Kochendes Wasser kann er auch nirgends entdecken, es kommt wie es kommen muß, mit leicht brummigen Unterton brüllt Ottam so laut er kann:

"SMUTJE UND SCHIFFSJUNGE SOFORT ZU MIR IN DIE KOMBÜSE!"



Raschid putzt


Während Raschid noch die Kabine von draußen inspiziert, wird er aus den Gedanken gerissen. Der seltsame Vogel mit der Kleidung, die wohl eher einer feinen Dame zu Gesicht stehen würde, scheint einige Probleme mit dem Tablett zu haben, das er vor sich trägt. Schnell wählt er das kleiner Übel und macht einen großen Schritt in den Raum und neben die Tür, wo er sich sogleich seine weite Hose hoch krempelt und die Sandalen auszieht.

Seine Sandalen schmeißt er in eine Ecke des Raumes, die von den stinkenden Säften verschont geblieben wurde und beginnt vorsichtig und darauf bedacht sie nicht zu beschädigen, die Weste auszuziehen. Sein nackter, braungebrannter Oberkörper wird von einem hellbraunen Flaum geziert und keine Unze Fett bringt die Brust des jungen Matrosen aus der Form. Behutsam legt er die Weste auf eine der freien Kojen.

So für's Saubermachen gerüstet, beginnt Raschid den Boden mit Lappen und Wasser zu reinigen. Dabei versucht er eine möglichst flache Atmung beizubehalten, um die Gerüche in der Kabine nicht gar zu stark in sich aufzunehmen



Inzwischen ist Raschid schwer damit beschäftigt, das letzte Essen des Passagiers vom Boden der Gemeinschaftskabine zu wischen. Sorgfältig verfrachtet er das Erbrochene von den Planken in den Eimer, was den Geruch in der Kabine nicht sonderlich verbessert. Auch an ihm geht der, über der Kabine liegende, Geruch nicht spurlos vorbei. Schmutzig grau und von einigen Schweißperlen benetzt gleicht sein Gesicht mehr dem eines Wasserspeiers, als einem Menschen. Immer wieder muß er schlucken und die Nase in die Höhe strecken, um sich frische Luft um die Nase wehen zu lassen.

Doch schließlich ist der Boden von den letzten Brocken befreit. Mit einem erleichterten Seufzer aus Raschids Kehle, erhebt er sich von den Knien und wankt leicht benebelt zu seiner Kleidung.

Nachdem er seine Weste und seine Sandalen angezogen hat, greift er sich Eimer und Lappen und geht zur Tür der Kabine.

"Sie sollten die Tür eine Weile offen lassen, sonst bekommen wir den Geruch hier nie mehr raus."

Da ja vielleicht noch jemand der Passagiere etwas zu sagen hat, dreht er sich in der offenen Tür noch einmal um.



Raschid verläßt die Kabine und stapft langsam mit schweren Schritten den Aufgang zum Oberdeck hinauf. Denken fällt ihm momentan nicht so leicht, deshalb versucht er erst einmal nur auf das Oberdeck zu kommen. Der Gestank des Erbrochenen, den er während des Putzen einatmen mußte, hat auch seinen Geist ein wenig vernebelt. Er freut sich auf die frische Brise, die auf dem Oberdeck weht.

Nach dem schweißtreibenden Aufstieg erreicht er auch das Deck. Tief zieht er die frische Luft durch die Nase und schaut sich auf dem Deck nach Nirka um.

Sein Gesicht, das die ungesunde Farbe einer Olive angenommen hat, zeigt aber, daß sein Magen sich keineswegs vollkommen erholt hat.



Anselm sieht den leicht benommenen Matrosen und geht auf ihn zu.

"Na, alles wieder sauber?" fragt er grinsend.



Die Frage des Passagiers reißt Raschid aus der Suche nach Nirka. Jetzt wo die frische Luft ihr Arbeit tut, merkt Raschid, wie sein Bauch sich wieder beruhigt und die Schweißtropfen auf deiner Stirn verschwinden.

"Sauber ist die Gemeinschaftskabine. Aber trotzdem duftet es dort noch, als hätte ein Basilisk Blähungen gehabt."



"Tja, hier oben ist die Luft um so besser. Daher werde ich auch noch eine Zeit lang hier verweilen."

'Mit diesem Satz und einem Lächeln auf den Lippen macht Anselm auf dem Absatz kehrt und geht davon.



Aleara erwacht


Aufgeschreckt von di Vespasios Geschrei, daß zwar vom Bug des Schiffes her hallt, aber dennoch laut genug ist, zum Mannschaftsquartier zu dringen, richtet sich Aleara auf und reibt sich die Augen. Hatte sie etwa schon wieder geschlafen?

Ja richtig, und sie hatte sogar einen seltsamen Traum. Während sie über die Bedeutung dieses Traumes nachgrübelt, fällt ihr plötzlich etwas anderes ein:

'Der Dienst! Wie spät mag es sein?'

Hastig blickt sie sich um, springt auf die rauhen Boden des Mannschaftsquartiers und eilt zum Aufgang. Kaum hat sie den Kopf aus der Luke gesteckt, blinzelt sie erst einmal in die Sonne und dann zum Brückendeck, während sie ihre Kleidung grob zurecht zupft.



Nirka's Befehl


Auf dem Deck ist einiges los, und es sieht fast so aus, als hätten gewisse Matrosen nichts besseres zu tun, als mit den Fahrgästen zu plaudern. Doch Nirka ist momentan recht gut gelaunt, was nicht zuletzt auch durch das Wetter und die allgemeine Stimmung auf dem Schiff - nach den überwundenen Gefahren vor und in Thorwal - verursacht ist. So verzichtet sie darauf, sich Arbeiten auszudenken, die nicht wirklich nötig sind, und beschränkt sich auf das reine Beobachten der anderen an Bord, während sie ihrer Pflicht nachkommt, das Steuer der NORDSTERN zu führen.

"Holt die Fock noch etwas dichter!" ruft sie schließlich, als sie merkt, daß die derzeitige Segelstellung für den aktuellen Kurs nicht gerade die optimale ist - was wiederum eine Folge der Tatsache ist, daß der Kurs nicht ganz dem entsprach, der korrekt ist. Und das liegt wiederum an der Ruderanlage, doch jetzt, wo sie das einplanen kann, ist es für Nirka auch kein Problem mehr.



Rasch erklimmt Aleara die letzten Stufen um Oberdeck, als sie Nirka ihren Befehl rufen hört. Ohne weiter nachzudenken läuft sie zum vorderen Teil des Schiffes, um die Segelstellung zu korrigieren.

Dabei blickt sie sich routiniert um, wer denn noch alles dem Ruf Nirkas folgt, denn für eine solche Korrektur ist natürlich nicht die komplette Mannschaft nötig. Unwillkürlich muß sie bei dem Gedanken schmunzeln...



Angar, der Matrose, den Wasuren und Xenia in Thorwal mit an Bord brachten, hört Nirkas Befehl, und kurz danach Schritte, die in die Richtung seines recht gemütlichen Lagers im Windschatten der Rotze auf dem Vordeck führen.

Er hebt den Kopf ein wenig und erblickt die Matrosin Aleara, die offenbar dabei ist, dem Befehl Folge zu leisten. Im Grunde stört ihn das nicht weiter, aber ihr wird dabei nicht entgehen, daß er hier im Moment gerade faulenzt, und das schon seit einer ganzen Weile.

Also springt er recht mißmutig auf und geht dann - betont langsam - in Richtung der Winden, mit denen man die Schoten der Fock einstellen kann - eben dahin, wo man Nirkas Befehl realisieren kann.

"Ich mache mit", meint er dabei recht unmotiviert in Alearas Richtung.



Knapp nickt Aleara dem Matrosen Angar zu. Da sie ihren schnellen Schritt nicht verändert hat, erreicht sie die Winde vor Angar, und sogleich faucht sie ihn an:

"Nu' mach' hin!"

Sie wirft noch einen kurzen Blick zur Brücke hin, dann beginnt sie zu kurbeln.



Angar ignoriert das Fauchen der Matrosin, und läßt sich weiterhin Zeit, auf die andere Seite der Winde zu gelangen und die Trosse vorsichtig nach zu führen, damit sie auch sauber aufgewickelt wird.

Seine Unlust ist dabei weiterhin zu spüren, aber auch, daß er die Arbeit sehr korrekt und ordentlich erledigt.

"Warum so eilig?" fragt er Aleara schließlich.



"Dann sind wir schneller fertig!" antwortet Aleara sofort. Dann wirft sie einen Blick hinauf zur Takelage, und entscheidet, daß das Segel noch nicht genug korrigiert ist. Nicht mehr ganz so eilig kurbelt sie weiter, denn aus den Augenwinkel bemerkt sie, wie Ameg angestrengt zu rechnen scheint. Jedenfalls lassen sein Gesichtsausdruck und die ausgestreckten Finger darauf schließen. Ach, Torin und Ameg sind am Würfeln.

'Na, wenn das mal mit rechten Dingen zugeht!' lacht sie still.



Angar hilft weiter mit, aber sein Gesicht zeigt einen deutlichen Ausdruck der Verwunderung.

"Warum denn - willst du denn gleich die nächste Arbeit haben? Das hier muß ordentlich gemacht werden, und das braucht Zeit. Und auch für die Winde ist viel besser, wenn man sie langsam und mit Bedacht bedient!"

Er verhält sich genau so, wie er es sagt - seine Bewegungen sind sparsam und ziemlich langsam, aber sie sind genau die richtigen und weisen auf einige Erfahrung hin.



"Jetzt hat es sich sowieso erledigt" meint Aleara und hört auf zu kurbeln.

Dann nickt sie in Richtung des Brückendecks und macht sich erst einmal ein Bild von der Situation auf dem beinahe überfüllten Oberdeck.



Aleara wirft noch einen Blick hoch in die Takelage, um zu sehen ob die Position des Segels in Ordnung ist und sie überprüft mit geübtem Blick dabei auch noch das Tuch, als sie von der Brücke die Bestätigung erhält. Also dreht sie sich wieder zu dem Matrosen um und fragt ihn völlig unvermittelt:

"Hast du dich eigentlich schonmal gefragt, warum die Götter dir das Leben als Mensch erlauben und anderen als Vogel oder Fisch oder Riesenspringegel?"



Der Matrose reisst überrascht die Augen auf, als Aleara ihm so eine vollkommen unerwartete Frage stellt.

Nach einer nicht zu übersehenden Pause, in der er sichtlich mit der Überrumpelung kämpft, antwortet Angar dann schließlich:

"Warum sollte ich mich das fragen? Die Zwölfe haben das so eingerichtet, und es ist nicht an mir, das in Frage zu stellen."

Seinem Gesichtsausdruck kann man mühelos entnehmen, daß ihm vollkommen unklar ist, warum eine Matrosin wie Aleara ihn so etwas fragt.



Alrik wird hin und her gerufen


Einige Matrosen und auch Passagiere laufen an ALRIK vorbei, ohne so recht Notiz von ihm zu nehmen. Wenn jemand von ihnen gerufen hätte, dann würde er ihn doch bestimmt nicht so stehen lassen. Vielleicht ist es aber auch schlichtweg nur ein Irrtum, immerhin gibt es noch einen Passagier mit dem gleichen Namen hier an Bord, überlegt der Junge.

Im sicheren Bewußtsein, daß er sich verhört haben muß, schleicht ALRIK über das Unterdeck. Aber vielleicht sollte man sicherheitshalber noch einen kleinen Blick in die Kombüse werfen. Nur für alle Fälle.



Kaum ist ALRIK vor der Kombüsentür angekommen, da weckt alarmierendes Geschrei aus dem Gang vor den Passagierkabinen seine Neugier. Zweifellos ist dort irgendwas im Gange und vielleicht hatte man vorhin von dort aus nach ihm gerufen. Möglich wäre das durchaus und folglich ist es quasi seine Pflicht, dort nach dem Rechten zu sehen, ermahnt sich ALRIK grinsend. Schnell huscht er den Gang hinunter.



"ALRIK!"

Da ist es wieder und dieses Mal ist es bestimmt keine Täuschung! Der Ruf des wohlbekannten Namens reißt ALRIK aus seinen weiteren Überlegungen. Hier bei den Passagierkabinen scheint man jedenfalls nichts von ihm zu wollen, denn inzwischen haben sich die Gänge des Unterdecks wieder geleert. Nun gut, der Ruf kam sowieso aus dem vorderen Teil des Schiffes. Kurzum dreht ALRIK wieder um, allerdings nicht, ohne dabei mit einem lauten

"JAAHAA, hier!"

auf seine Anwesenheit hinzuweisen.



Schon wieder wird nach ihm gerufen! Diesmal allerdings erschallt die Stimme aus einer gänzlich anderen Richtung, oder sollte sich ALRIK abermals täuschen? Wer weiß, vielleicht ist hier ja auch ein bösartiger Klabautermann am Werke, der vorzugsweise üblen Schabernack mit arglosen Schiffsjungen treibt.

Doch was soll's. Dieser letzte Ruf mahnt deutlich zur unverzüglichen Folgsamkeit. Und sollte hier wirklich einer dieser geheimnis umwobenen Kobolde sein Unwesen treiben, dann versteht sich dieser auf eine brilliante Stimmenimitation des hiesigen Schiffsmagus.

"JAAHAA, hier!" ruft ALRIK erneut und eilt den erst eben zurückgelegten Weg zurück, bis er schließlich bei der Tür zu der Kombüse ankommt.



In der Kombüse


Ottams Mine hellt sich etwas auf, als ALRIK so schnell auftaucht. Wenngleich fröhlich man sie nicht nennen kann.

"Ah Alrik da bist du ja. Hör zu. Der Smutje soll sobald er auftaucht einen Tee machen, einem der Gäste ist schlecht und wenn der nicht bald Medizin bekommt, stinkt noch das ganze Schiff nach dem Essen von gestern. Wenn der Koch damit fertig ist wirst du den Tee unverzüglich zu dem Druiden bringen, der jetzt am Bug steht und die Nase in den Wind hält. Er muß ihn heiß trinken! Sag ihm, daß es ihm nach dem Trinken schnell besser geht und er heute Abend wahrscheinlich nichts mehr von Übelkeit wissen wird."

Demonstrativ stellt er das Leinenbündel mit den Kräutern auf den Tisch.

"Du kannst derweil ja schon mal Wasser holen, damit es gleich schneller geht" richtet er das Wort nochmals an ALRIK.



daß es auf dem Schiff schon mal nach dem Essen vom Vortag ist, das ist ja an sich nichts Neues. Zumal es vorher oftmals an drei Tagen hintereinander immer denselben Eintopf gab. Doch das tut wohl nichts zur Sache, und im Zweifelsfalle gilt - der Magus hat immer Recht!

Doch vielleicht wird das jetzt mit dem neuen Smutje alles besser.

"Ja, Herr Magistermagus, wird erledigt", erwidert ALRIK prompt und stapft in die Küche.

Ein Blick in den Wasserkübel, der nur noch unten am Boden eine kleine Wasserlache beinhaltet, läßt auf weitere Schwierigkeiten schließen.

"Es ist kein Wasser da", meint ALRIK lapidar, um etwas Zeit zu gewinnen. So viele kräftige Matrosen gibt es hier auf dem Schiff, aber ausgerechnet er soll jetzt allein den Wasserträger spielen.



'Oh selige Weisheit!' denkt sich Ottam und antwortet mit leicht gereiztem Ton

"Na dann hol welches, das kriegst du schon hin, so viel braucht es für einen Tee nicht" und nimmt ALRIK somit gleich profilaktisch die Möglichkeit auf die Nummer mit dem armen kleinen Schiffsjungen vorzuschieben. Denn auch wenn der dies nicht erwähnte, ist sich Ottam sicher, daß die einfältige Bemerkung des sonst eher cleveren Schiffsjungen nur den Weg zum Faulenzen ebnen sollte.



"Tu ich ja schon, herbeizaubern kann ich's ja nicht."

Oups! Derartige Widerworte sind vielleicht etwas unüberlegt, fällt ALRIK dann noch ein, aber da ist es ihm schon herausgerutscht. Also schnell und unauffällig den Blick gesenkt und nach dem Eimer in der Ecke gegriffen, denn ein ganzes Faß wird er allein wohl kaum anschleppen können. Da muß man halt etwas Wasser abschöpfen aus einem Vorratsfaß im Laderaum, aber das kennt man ja inzwischen. Früher, zu Sörens Zeiten, da war es ja auch nie anders. Und überhaupt - wo steckt der neue Smutje bloß? Mit einem mißmutigen Gesichtsausdruck stapft ALRIK zur Küchentüre hinaus.

"Ich geh' dann mal..."



Garulfs erneuter Ruf nach Alrik ist kaum verhallt, da ertönt ein Ruf nach Garulf selbst auf dem Unterdeck der NORDSTERN. Die Stimme klingt eindeutig befehlsgewohnt und keinen Widerspruch duldend, ist aber nicht die des Kapitäns.

´Da ist man kurz auf dem Ladedeck und schon werden die Offiziere ungeduldig ...´

Statt aufs Oberdeck zu gehen und nach dem Schiffsjungen zu suchen begibt sich der Smutje in die Kombüse, wo er zu seinem Erstaunen nicht den ersten oder zweiten Offizier, sondern den Schiffsmagus vorfindet.

´Dem finsteren Zauberervolk sollte man besser nicht widersprechen,´ als er bemerkt, dasz sich Alrik bereits in der Kombüse eingefunden hat, entfährt ihm allerdings erst einmal ein an Alrik gerichtetes:

"Hier steckst du also!" bevor er sich an den Magier wendet:

"Du hast mich gerufen," sagt Garulf in einem bewuszt neutralen, feststellenden Ton.



"Jo."

ALRIK nickt dem Smutje verstehend zu. Dann war es also doch Garulf, der zuerst nach im gerufen hatte. Damit wäre wenigstens das geklärt. Den Holzeimer schwenkt er derweil ein wenig mit der Hand hin und her.

"Du sollst 'nen Tee kochen, für den Alte... älteren Herrn aus der Gemeinschaftskabine, aber das Wasser ist just alle", erklärt ALRIK schon mal vorab, um dem Magus eine Wiederholung seines Auftrags zu ersparen.



'Endlich kommt der Kerl!' denkt sich Ottam als er sich noch mehr aufregt, ob der fatalen Anrede

"Es heißt habt IHR mich gerufen! Und in der Tat: Ich habe! Einer der Gäste ist krank und benötigt Medizin. Hier in diesem Tuch sind getrocknete Kräuter. Bereite daraus einen Tee ALRIK holt gerade Wasser"

Sein wird lauter und er blickt zu ALRIK der ja immer noch da ist.

"Danach wird er ihn zu dem Gast bringen. Oh, der Tee muß kurz kochen und dann sofort vom Feuer und zum Patienten"

So hallt Ottams Ansprache durch die Kombüse. Es ist unmißverständlich, daß er keinerlei Diskussion wünscht und daß es sich um einen Befehl handelt.

Ottam wendet sich bereits zur Tür, auch wenn es sicherlich nicht ratsam ist, könnte man ihn noch ansprechen bevor er entschwindet.



´Was ist denn in den gefahren?´ denkt Garulf sich nachdem Ottam sich abgewandt hat, ´wahrscheinlich stimmt es einfach, was Vater gesagt hat, dasz die Magie den Zauberen das Hirn auffriszt.´

Doch die Arbeit ist erstmal wichtiger, Tee soll er kochen, soviel hat er verstanden. Zum Teekochen braucht man Wasser, ja richtig, deshalb suchte er ja nach Alrik.

"Zuerst musz das Wasserfasz hier rauf, wo warst Du denn die ganze Zeit?" noch mitten im Satz macht er sich auch schon auf den Weg zurück in den Laderaum, mit einer Handbewegung deutet er Alrik ihm zu folgen.



Den Eimer braucht er jetzt also nicht mehr, stellt ALRIK für sich fest. Mit dem Smutje zusammen wird man wohl gleich das ganze Wasserfaß transportieren können, ohne sich mit dem Tragen der einzelnen Wassereimer abzumühen. Erst vergewissert sich der Junge, daß der schnöselige Magier auch nicht guckt, dann stellt er rasch den Eimer wieder beiseite.

"Ich habe Wasuren eben noch geholfen", schwindelt ALRIK, "und dann haben gleich mehrere gleichzeitig gerufen und dann bin ich gleich zum Zauberer hin. Aber jetzt bin ich ja da. Von mir aus kann's losgehen."

Flink folgt ALRIK dem Schiffskoch in die tieferen Gefilde des Schiffes.



Das 'Fasz'


Unten angekommen deutet Garulf auf das Wasserfasz.

"Dieses Fasz hier musz in die Kombüse hinauf," sagt er zu ALRIK, als er bei eben diesem Fasz angekommen ist, "aber vorsichtig, es ist das letzte. Dieser Sören, war wohl ´ne echte Landratte, dachte wohl man könnte das Meerwasser saufen."

Der Smutje macht sich daran das Fasz Richtung Aufgang zu wuchten.



"Jawoll, ich gebe schon Obacht", meint ALRIK und nickt auf Garulfs Anweisungen hin.

"Der olle Sören hielt sich immer für was Besseres, da war aber nix dahinter. Ist nicht schade drum, daß er jetzt fort ist", plaudert ALRIK noch ein wenig von dem üblichen Schiffstratsch aus.

Derweil umfaßt er schon die eine Seite des Fasses.

"Rollen oder tragen?"



Erfreut nimmt Garulf zur Kenntnis, dasz der Schiffsjunge offenbar doch bereit ist mit anzufaszen. Auf ALRIKs Frage antwortet er:

"Erstmal rollen, dann den Aufgang rauf heben, dann weiterrollen."

Dem Schiffsjungen die Richtung deutend, macht er sich daran, dasz Fasz langsam und vorsichtig auf die Seite zu legen.



"Aye, aye", entgegnet ALRIK prompt und stützt das Fass beim Kippen auf der anderen Seite ab.

"Sooo..." 'Und jetzt bloß nicht die Finger einklemmen.'

Der Seegang ist erfreulich ruhig und so macht es auch keine übermäßige Mühe, das Faß auf den Aufgang zu zu rollen.



Der Weg vom Laderaum zum Aufgang erweist sich als erfreulich leicht, so dasz Garulf und ALRIK schon wenige Augenblicke später mit dem Fasz vor dem Aufgang zum Unterdeck stehen. Garulf denkt einen Augenblick über das weitere Vorgehen nach, am besten geht es in diesem Fall, wenn einer das Fasz von unten hoch drückt und der andere oben lenkt. Zwar behagt es Garulf nicht unbedingt, die Lenkung des Faszhebens einem unerfahrene Schiffsjungen zu überlaszen, doch das Kräfteverhältnisz legt es nahe, dasz er die Rolle des ´Drückers´ übernimmt.

"Du faszt um besten oben an, ich schieb´ dann von unten," weist er den Jungen kurz darauf an, dabei zeigt er den Aufgang hinauf.



Flink schlängelt sich der Junge an Garulf und dem Faß vorbei. Dann dreht er sich um, so daß er jetzt mit dem Rücken zum Treppenaufgang steht. Schnell wirft er noch einen Blick über die Schulter; breit ist er ja nicht, der Aufgang, aber das paßt schon. Rein gekommen ist das Fass ja auch auf diese Weise - irgendwie jedenfalls.

"Also, wohl an denn..."

ALRIK beugt sich nach unten, rückt das Faß noch ein bißchen gerade und sucht sich eine passende Stelle zum Anfassen, möglichst weit auf der Unterseite des Gefässes. Einmal noch kurz den Griff korrigieren, ordentlich Luft holen, Faß heben - und dann bloß nicht mehr fallenlassen.

"Hau - ruck."



Garulf sieht, dasz der Junge so etwas wohl doch nicht zum ersten Mal macht. Um so besser, dann kann er sich ganz auf das Schieben und Drücken konzentrieren und musz sich keine Sorgen machen, das Fasz könne gegen die Bordwand schlagen oder gar hinabstürzen. Dank seiner nicht unerheblichen Kraft, übernimmt der Schiffskoch den gröszten Teil der eigentlichen Hubarbeit, Spann um Spann bewegt sich das schwere Gefäsz, trotz Sumus gnadenlosen Griffs, Richtung Unterdeck.



"Uff. Rondrawetter,... pfff... verdammt schwer.... " dringt es zwischen ALRIKs zusammengebissenen Zähnen hervor. Auch wenn er den leichteren Teil des Fasses zu halten und längst nicht so im Krafteinsatz ist, wie sein Hintermann, der Smutje, so werden ALRIKs Arme doch immer länger und länger, je weiter sich die Faßträger dem Unterdeck näheren. Die ersten Adern auf ALRIKs Stirn treten schon deutlich hervor, ob dieser ungewohnten Kraftanstrengung.

Kaum, daß ALRIKS Füße, die Planken des Unterdecks berühren, keucht er mit letzter Kraft:

"Absetzen... uhh... schnell..."

Langsam und Zoll für Zoll beginnt das Faß seinen beiden Händen zu entgleiten, zu dumm, daß man auch an den Händen schwitzen muß.



Der schwierigste Teil des Weges ist geschafft, das Fasz liegt auf dem Unterdeck, bereit in die Kombüse gerollt zu werden. Deshalb sollte es nun auch fix weiter gehen, denn schlieszlich musz das Wasser noch erhitzt und der Tee aufgegossen werden.

"So das Gröbste wär dann ja geschafft," spricht Garulf, während er er die letzten Stufen des Aufgangs erklimmt, "Jetzt nur noch zur Kombüse."

Und schon setzt der Smutje zum Weiterrollen des Gefäszes an.



Der Kapitän


Der Kapitän der NORDSTERN steht langsam auf und geht in Richtung der Tür seiner Kabine - jener Tür, die jetzt ein neues Schloß hat, weil das alte mitsamt einem Teil des Rahmens in Thorwal irreparabel beschädigt wurde, als die Wachen des Hafenamtes hier eindrangen und die Leiche des armen Eilif fanden.

Jergan hält inne und formuliert in Gedanken ein kleines an EFFerd gerichtetes Gebet, das in erster Linie dem ums Leben gekommenen Matrosen dient. Kurz spielt er auch mit dem Gedanken, jetzt gleich einmal hinunter zum EFFerdschrein zu gehen, doch das wird er später machen, wenn das Schiff im Hafen liegt - oder gleich in den EFFerdtempel in Salzerhafen.

Der Kapitän verharrt noch kurz, dann nickt er als Bestätigung dieser Entscheidung.

Er verläßt seine Kabine aber trotzdem noch nicht, sondern geht noch einmal zum Schreibtisch zurück, wo er eine der Schubladen aufzieht und einen größeren Stapel Papier auf den Tisch legt, in dem er rasch zu blättern und zu suchen beginnt. Der Kapitän bleibt dabei am Tisch stehen, ohne sich hinzusetzen, und gleicht die Bewegungen des Schiffes mit einer selbstverständlichen Eleganz aus, die auf sehr lange Übung hinweist.



Jergan hat schließlich gefunden, wonach er gesucht hat. Rasch überfliegt er das Dokument, das wohl schon fast einen Götterlauf alt ist, dann legt er es sorgfältig wieder auf den Stapel, streicht es glatt, und läßt all die Unterlagen wieder in der Schublade verschwinden, die er sorgsam verriegelt.

Der Kapitän der NORDSTERN behält den Schlüssel gleich in der Hand und geht entschlossen in Richtung der Kabinentür, die er öffnet, und hinaustritt auf das Oberdeck. Ganz so, wie er es gewohnt ist, verschließt er die Tür, wobei er sich noch ein wenig an das neue Schloß gewöhnen muß, das doch irgendwie ein anderes Schließgefühl hat als das, das in Thorwal zerstört wurde.

Der Schlüssel verschwindet schließlich in Jergans Tasche, und der Kapitän geht einige Schritt in Richtung des Bugs, so daß er schließlich mitten auf dem Deck steht. Seine wachen Augen erfassen alles - die beiden Matrosen an der Winde, die spielenden Fahrgäste, die Frau, die da mit einem Wassereimer Wasser an Bord holt, Nirka, die am Steuer steht, die korrekte Stellung der Segel, und natürlich auch die gute Fahrt, die die Karavelle macht.

Insbesondere letzteres ist gut dazu geeignet, die ohnehin gute Stimmung des Kapitäns noch weiter zu heben, bedeutet es doch, daß Salzerhafen sicher bald erreicht ist. Und... es ist stets ein gutes Gefühl, wenn das Schiff so segelt wie jetzt.



Darian's Experiment


Abgeschieden von Chaos und Gestank der Gemeinschaftskabine brütet Darian noch immer über seiner Schriftrolle. Nichts in der Welt kann ihn im Moment aus der Ruhe bringen, weder das Schaukeln des Schiffes, noch das allgegenwärtige Stapfen von Füszen, das Knarren von Holz und das laute Rufen von Smutje und Schiffsmagus. Viele Stunden sitzt er jetzt schon hier und noch weitere werden sich anschlieszen, bis er sein Ziel erreicht, die Thesis vollständig erfaszt hat.



Ein letztes Mal überfliegt der Adeptus einige Zeilen der Schriftrolle in seiner Hand, ein letztes Mal läszt er die studierte Thesis in seinem Geist entstehen, ohne dasz seine Kraft tatsächlich flieszt. Gewissermaszen eine letzte ´Trockenübung´ vor dem ersten echten Einsatz. Er legt die Schriftrolle beiseite und steht auf. Zwar erhöht die stehende Position seine Beweglichkeit nicht sonderlich, ist in der engen Kabine doch kaum Platz sich um die eigene Achse zu drehen, so hat es sich doch in all den Jahrhunderten, nein Jahrtausenden, Äonen, seit Mada die Magie in die Welt der Sterblichen brachte, gezeigt, dasz es sich mit beiden Beinen fest auf dem Boden, stehend leichter zaubert als im Sitzen oder gar im Liegen. Langsam und deutlich spricht er die Formel aus:

"AELITUS WINDGEBRAUS - wehe Staub und Rauch hinaus", direkt daran anschlieszend formen seine Hände einen Trichter, durch den Magier einmal kurz pustet.



´V. Wenn die Prüfung vorüber ist, kann der Zauberkundige sich entweder an der Wirkung seiner Magie erfreuen oder aber er wird nur eine grosze Leere und den Verlust eines Teils seiner inneren Kraft verspüren.´

So steht es im Hilffreychen Leytfaden des Wandernden Adepten. Nun, zwar flieszt die Kraft, so wie es vorgesehen war, in die Luft, worauf diese selbst zu flieszen beginnt und der Adeptus kann sehr wohl die Wirkung seines Zaubers beobachten, doch ob er sich wirklich daran erfreut ist fraglich.

Der kleine Luftstosz aus dem Munde des Magiers wird durch die Kraft um ein vielfaches verstärkt, ganz so wie es im Sinne der Formel ist. Doch, oh weh, in der engen Kabine der Karavelle ist nicht viel Platz fürs Flieszen, Strömen, Wehen und so erfaszt der magische Windstosz so manches mehr als die Luft selbst: Papiere, Schriften, Schreibzeug wirbelts durch die Kammer wie´s der Beleman nicht besser könnte. So manches Blatt gerät gefährlich nah ans geöffnete Bullauge, eine Schriftrolle wird gar nur durch ihren hölzernen Kern am gänzlich hinaus wehen gehindert.



"Bei Mada, meine Aufzeichungen!" fast schon kreischend stöszt der Adeptus diese Worte aus, während seine Hände entsetzt an seinen Kopf greifen. Einen kurzen Augenblick später ist er auch schon dabei hektisch die durcheinander liegenden Papiere aufzusammeln. Zunächst gilt es die gefährdetsten Stücke zu bergen und das Bullauge zu schlieszen, dabei bringt er allerdings den Rest nur noch mehr durcheinander.



So, das Bullauge wäre erst mal geschlossen, jetzt nur noch die Blätter zusammen sammeln. Doch das ist einfacher gesagt als getan, nicht ein Stück Papier liegt noch an seinem Platz. Miszmutig beginnt der Adeptus jedes Teil einzeln aufzuheben und zunächst einmal auf der Koje abzulegen. Dabei gehen im unweigerlich die Worte seines Vaters durch den Kopf, die jener sagte, als Darian sein Studium an der Magierakadmie begann:

´Denke stets daran: Wissen ist Macht und wer die Macht hat musz auch die Verantwortung haben damit umzugehen. Das gilt insbesondere für Dich, der Du die Kraft besitzt. Arkanes Wirken kann sehr zum Wohle HESindes sein, doch kann es auch groszen Schaden anrichten, darum bedenke stets bevor Du einen Zauber wirkst, welche Folgen dieser haben wird. Denn die Herrin hat Dir die Kraft verliehen, auf dasz Du sie in IHREM Sinne einsetzest.´

Doch als sich die Unordnung langsam lichtet, kehrt seine gute Laune zurück.

´Aber immerhin hat es funktioniert.´



Die einzelnen Blätter sind aufgesammelt und säuberlich auf der Koje gestapelt. Eine Weile braucht der Adeptus noch um die ursprüngliche Reihenfolge und Anordnung wieder herzustellen und alles wieder ordentlich zu verstauen. Nachdem dies erledigt ist, beschlieszt Darian erst einmal ein wenig an Deck zu gehen, bevor er über die nächste Schriftrolle herfällt.



Erbauung in der Suite


Das Oberdeck konnte Frau Reckindes wohlwollende Aufmerksamkeit nicht lange binden, sie zieht sich wieder in die ruhige Friedfertigkeit ihrer Suite zurück. Mit einer gewissen Sorge erinnert sie sich an diese Frau, die an der Reling ihre Stiefel geputzt hatte, ganz zu schweigen von dem jungen Mann, der von seinem Landaufenthalt in Thorwal mit einem Knaben in der Gefolgschaft auf das Schiff zurückgekehrt war und der vorhin, gerade eben mit jener Frau in einem kurzen, aber heftigen Wortwechsel unbekannten Inhalts verstrickt gewesen ist.

So konnte sich die Frau von Beibach und Bruch des Gefühls nicht erwehren, daß des 'Fuchsens' Brut zur Zeit auf dieses Schiff konzentriert sein könnte. Zwar fühlte sich auch die hochgeborene Frau dem Gott der Nacht und des Handels auf angenehme und ertragreiche Weise zugeneigt, doch konnte sie dieser Umstand nicht beruhigen, sondern eher, im Gegenteil, mit Mißtrauen erfüllen.

Reckinde von Beibach und Bruch versteht sich als eine Frau der Tat, die ihren Standort schon immer mitten im Leben gesehen hat. Sie erwartet von ihrer Umwelt niemals mehr Rücksicht, als sie an Rücksicht zu geben bereit gewesen wäre, was in den letzten Jahren dazu führte, daß Rücksicht als solche nunmehr nur noch eine sehr theoretische Größe in ihrem Dasein darstellen kann.

Gereizt sucht sie in ihrem Gepäck nach Möglichkeiten zur inneren Erbauung, wie immer, wenn sie sich in einer Situation wie dieser, ohne Hoffnung auf unmittelbare Hilfe, einer sorgenträchtigen Ahnung ausgeliefert fühlt. Sie findet einen alten Folianten in ihrer Truhe und ein kurzes Lächeln huscht über ihr Anlitz.

Sie nimmt das große Buch, es ist nicht unbedeutend schwer an Gewicht, trägt es zum Lager ihres schlafenden Dieners und läßt dort ihre gewichtige Traglast aus gut einem Schritt Höhe auf die Magengrube Radisars fallen.

"Ich fühle mich nicht besonders - Les' er mir daraus vor!" erklärt sie lapidar und läßt sich erwartungsvoll in den Sessel fallen.



Radisar hatte ein unverschämtes Glück. Als ihm der schwere Foliant so urplötzlich die Atemluft und den Schlaf raubt, da hatte er seinen angenehmen Traum von den tanzenden Thorwalerinnen, die sich in einem rahjanischem Reigen um ihn herum bewegten schon längst ausgeträumt und hatte einem anderen, sehr viel unangenehmeren Traum Platz gemacht.

Eine Herde rotblonder Thorwaler war nun statt dessen gerade dabei, mit alten Flaschen einen Marsch auf seinem Schädel zu trommeln, als er so unsanft geweckt wird und den kleinen Diener auf diese Weise in die Wirklichkeit zurück speit.

Entsetzt, ja fast panisch, aber auch ein kleine wenig erleichtert, reißt Radisar die Augen und den Mund auf, doch hat er sein verstörtes Zwerchfell noch nicht unter Kontrolle, der Schrei, der sich in seiner Kehle gebildet hatte, bleibt stimmlos und stumm.

Als er gerade wieder ein wenig atmen kann krächzt er:

"Sehr wohl, Herrin! Sofort, Herrin!"

Das Lesezeichen des Folianten ist ihm dabei in den Mund gefallen und verbreitet dort auf seiner Zungen einen bitteren Geschmack, der ihm aber weiter gar nicht auffällt, da er in seinem Gaumen ohnehin ein Aroma wahrnimmt, als habe er ein Stück aus einer Mumie heraus gebissen.

Radisar spuckt das abgegriffene Leinenband aus und richtet sich stöhnend auf ......



Reckinde lehnt sich zurück, in stiller Vorfreude auf das Kommende. Mißbilligend heben sich ihre Augenbrauen, als der kleine Diener so vernehmlich leidend aufstöhnt. Doch unterläßt sie jeden Kommentar, nachdem sie feststellt, daß es sich dabei um keine Wertung über ihren Auftrag handelt. Sie muß sogar ein wenig lächeln darüber, daß der kleine, schwächliche Radisar so viel Mühe hat sich aufzurichten.

"Die Stelle ist markiert, nun beginne er endlich!" befiehlt sie ihrem Diener mit einem säuerlichen Grinsen.



Radisar öffnet das Buch an der Stelle, wo das Lesezeichen eingelegt ist. Er reibt sich den Schlaf aus den Augen, denn noch immer sieht er die Buchstaben nur sehr undeutlich und verschwommen. Dann räuspert er sich und erklärt feierlich ablesend:

"ODE AN DEN REICHTUM - von Monetus Mammon ......... "

'Bei HESindes Herrlichkeiten, nicht schon wieder dieses unerträglich gierige Schmachtstück!' denkt sich Radisar, sehr im Geheimen nur, versteht sich. Äußerlich vermittelt er allerdings den Eindruck, als wäre ihm jedes Wort des vorgetragenen Textes wichtiger als das Blut in seinem Herzen.

"WOHLAN, die ihr euch Söhne und Töchter auf den Pfaden des Fuchses benennt,

die Farbe des Goldes ist grau in der Nacht.

Doch am Tage danach, wenn PRAios lacht,

ist's euch Lohn, wenn ihr das Gleißen der Sonne in eueren Händen erkennt!"

Radisar räuspert wich wieder, er hätte zuvor etwas trinken sollen, seine Stimme wird immer rauher und kratziger, doch wagt er es nicht den Vortrag zu unterbrechen ....



Radisar schluckte ein paar mal und bekommt langsam wieder die Herrschaft über seine Stimme. Inzwischen hat er sich von seinem Lager erhoben. Nun steht er in der Mitte der Suite, mit dem rechten Arm zittrig den schweren Folianten haltend, den Blick starr auf die feinen gedruckten Lettern gerichtet, den linken Arm erhoben, mit dem Zeigerfinger zu Decke deutend.

Im Takt seiner Sprache schwenkt er den ausgestreckten Zeigefinger symbolschwer hin und her, als habe er das Banner einer Ehrenkompanie darum herum gewickelt.

"Doch das Funkeln und Blinken trübe niemals euch Rittern des PHExen den Blick,

daß ihr die ehernen Gesetze verlacht.

Gold bringt den Reichtum und der Reichtum die Macht,

und die Macht wiederum läßt euch günstig gestalten euer Geschick!"

Radisar's Stimme vibriert vor lauter Feierlichkeit ....................



Reckinde lehnt sich zufrieden zurück. Radisar trägt den Text zwar etwas schwülstig vor, doch ist das der Frau von Beibach und Bruch gerade recht. Für sie gibt es nichts heiligeres als Reichtum. Im Laufe der Zeit hat sich ihre Verehrung gegenüber allem, was wertvoll ist derart gesteigert, daß der Lobgesang auf das Gold eine innere Pflicht geworden ist.

Sie schließt die Augen, lächelt still vor sich hin und läßt die abgelesenen Worte ihres Dieners frei und direkt in ihr gieriges Herz fließen.



Radisar ist nun absolut in seinem Element. Er ist ohnehin schon seit jeher der Meinung gewesen, es wäre ein guter Schauspieler und Tragöde an ihm verloren gegangen. Um die Dramatik in seinem Vortrag zu unterstützen windet sich sein kleiner, feister Körper wie eine Speikobra im Todeskampf, während er seine Worte zähflüssig über die gespitzten Lippen süßlich fließen läßt.

"Süß klingen die Lauten, Schalmei'n, doch vergänglich ist aller Lieder Gesang.

Zerstoben, verloren im Winde der Zeit,

bieten sie dir nur flüchtig Geleit,

ewig und hell nur ist des Goldes klimpernder Klang!"

Radisars schwitzende Stirn verzieht sich in zahllose Falten, als habe ihn plötzlicher Kopfschmerz überfallen, wehklagende, ja fast schluchzende Töne mengen sich seiner Stimme bei .......



Als Reckinde ein beifälliges Gemurmeln ertönen läßt, nutzt Radisar die Gelegenheit einen kleinen Schluck zu sich zu nehmen, um die kratzige und ausgedörrte Kehle wieder etwas gefügiger zu machen.

Dann fährt er fort:

"Schwer und erdrückend lastet des Herrschers Hand auf des armen Bürgers Gebein,

doch der goldenen Münzen Klang

sei dem Reichen der Freiheitsgesang,

laßt uns der schmiedende Hammer und nicht der tragende Amboß sein!"

Radisar's gestützte Stimme bricht auch dann nicht, als er bei der letzten Zeile des Vortrags wieder einen stechenden Schmerz an seiner, nur langsam abschwellenden Beule am Kopf spürt.



Reckinde räkelt sich hochzufrieden. Die Stelle mit dem Gleichnis von 'Hammer' und 'Amboß' hat ihr schon immer gut gefallen. Oh ja, sie sieht sich gerne in der Rolle des Hammers und es wäre ihr Traum die Welt, in der Gestalt von rotglühendem Eisen, wenn es sein muß mit bloßer Hand nach ihrem Gutdünken zu formen.

Gedanken an den Amboß als solchen verschwendet sie nicht, das ist nicht ihre Welt. Sie öffnet nur leicht die Augen und beobachtet mit einem trägen Seitenblick ihren, von der Natur nicht unbedingt begünstigten Diener, den sie für das Sinnbild eines Ambosses hält, unansehnlich aber nützlich.



Anselm Feuerbach


'Ach ja, so schön ruhig hier draußen. Ganz anders als in Thorwal. Vor allen Dingen, daß man mit den Leuten um sich quasi eingesperrt ist. Hier kann man nicht flüchten. Aber dafür hat man diese Ruhe....'

Verträumt schaut Anselm auf's Meer.

'Hmm.... was wohl der Fleck auf dem Kabinenboden macht? Ich werd mal nachschauen'

Anselm geht die Treppe runter und in Richtung Gemeinschaftskabine



Feuerbach tritt in die Kabine ein und bemerkt sofort denn nassen Fleck vor seinen Füßen.

"Naja, wenigstens ist die Sauerei jetzt weg."

Als er Luft holt bemerkt er, daß der Duft der Kabine aber noch lange nicht so sauber ist wie der Fußboden.

" -Hust- Äh, ich glaub ich geh noch mal hoch"



Nachdem er ein Weile das Spiel der beiden aus einiger Distanz beobachtet hatte, setzte er seinen Rundgang auf dem Schiff fort. Ihm fiel die junge Dame auf, die die Kabine betreten hatte, als er sich gerade mit Herrn Feuerbach bekannt machte. Sie war in ein Gespräch mit einem anderen Passagier verwickelt. Er versuchte sich an ihren Namen zu erinnern, es gelang ihm jedoch nicht. Ob es an seinem Zustand gelegen hatte, oder einfach nur, daß sie sich gar nicht vorgestellt hatte, vermochte er nicht mehr zu sagen. In der Zwischenzeit ist auch der Kapitän auf dem Oberdeck aufgetaucht.

'Ich glaube, ich sollte mich mal bei ihm für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.'

Er geht in die Richtung des Kapitäns.



Nirka zufrieden


Die Bootsfrau registriert zufrieden, daß Aleara und der in Thorwal neu angeheuerte Angar sich an die Ausführung ihres Befehls machen. Die beiden verändern die Stellung der Fock, und sie merkt am Steuer sogleich den etwas veränderten Gegendruck - ganz so, wie sie es haben wollte, und ganz so, wie es richtig ist, und wie es sein soll.

"In Ordnung!" ruft sie nach vorne, um übereifrige Verstellungen zu verhindern - manchmal passiert so etwas ja durchaus.

Das Klappen einer Tür direkt unter ihr macht Nirka auf eine weitere Änderung aufmerksam - daß nämlich der Kapitän das Deck betreten hat. Fast rechnet sie damit, daß er zu ihr auf das Brückendeck kommt, doch das bleibt aus, er geht lediglich einige Schritt ueber das Oberdeck und bleibt dann auf diesem stehen.

Jergans Anwesenheit an Deck hat auf die am Steuer stehende Bootsfrau nicht den geringsten Einfluß - sie verrichtet ihre Arbeit stets in gleicher Qualität und mit der gleichen Aufmerksamkeit - ob nun ein Vorgesetzter dabei ist, oder

nicht. Nun ja, zumindest tut sie das FAST immer, denn bei einigen Laderaumkontrollen gäbe es diesen Unterschied in der Ausführung der Arbeit durchaus.

Sie grinst kurz, und läßt ihre Blicke dann wieder über die Weiten des Meeres der Sieben Winde gleiten.



Phexane im Schrein


Phexane geht den Niedergang hinab und steuert dann zielstrebig auf die Gemeinschaftskabine zu. Hier unten im Gang laufen zwar ein paar Leute herum, doch Phexane achtet nicht auf sie. Vielmehr ist sie mit dem beschäftigt, was sie vor hat.

Kurz vor der Gemeinschaftskabine wird ihr Gang etwas langsamer und sie öffnet mit einem nachdenklichen Gesicht die Tür.

'Irgendwie auch eine blöde Idee! Wir sind noch mitten auf der See - sollte mich also jemand erwischen, habe ich ein ernstes Problem.'

Sie geht auf ihre Koje zu.

'Außerdem sollte ich wohl erstmal zusehen, daß ich weiter in den Süden komme. Wenn ich dann in einer interessanten Stadt bin, kann ich mich hier an Deck ja mal umsehen. Falls es etwas Gutes abzustauben gibt, kann ich ja verschwinden. Zudem sollte es eine größere Stadt sein; in Salzerhaven würde man mich zu schnell finden.'

Sie setzt sich auf die Koje.

'Und blöderweise habe ich die Dietriche in Olport verhökert! Ich sollte mir am besten bald wieder neue kaufen.

Sie betrachtet die noch Anwesenden in der Kabine, darunter auf ihren Bruder.

'Ich würde ganz gerne oben bei dem Würfelspiel mitmachen, aber Torin ist nicht sehr gut auf mich zu sprechen. Wahrscheinlich würde er mich wieder anpflaumen! Besser, ich suche mir was anderes Sinnvolles.'

Sie steht wieder auf, leise seufzend und macht sich auf in Richtung Tür, wobei sie es sich nicht verkneifen kann, gegen die Koje ihres Bruders kurz zu klopfen und dabei etwas lauter "Alrik! Die Inquisition ist da!" zu rufen.



Phexane geht zu der Tür der Gemeinschaftskabine, öffnet diese und geht hinaus in den Gang.

'Puh, hier riecht es doch wieder angenehmer! Hoffentlich ist der Gestank bis heute abend weg, sonst schlafe ich woanders.'

Sie schlendert ohne ein genaues Ziel durch den Gang, bis sie zu dem EFFerdschrein kommt.

'Hm, hier war ich noch gar nicht drin. Dabei wäre es sicherer, wenn ich auch mal wieder zu ihm beten würde.'

Sie geht durch die geöffnete Tür und betritt den kleinen, aber dennoch beeindruckenden Raum, dessen Wände mit blauen Gobelins und Schnitzereien verziert ist.

Phexane war schon sehr lange nicht mehr in einem EFFerdtempel gewesen. Dennoch ist auch EFFerd für sie eine Gottheit, zu der man beten sollte. Insbesondere wenn man wie sie in einer Stadt aufgewachsen ist, die einst durch eine verheerende Flut fast vollständig zerstört wurde und dessen Ruinen immer noch wie Mahnmale in den kalten, dunklen Gewässern der Havener Unterstadt stehen.

Sie betrachtet die silberne, leuchtende Delphinstatue, die in diesem Raum steht. Unweigerlich sieht sie vor ihrem geistigen Auge das Gesicht eines jungen Mannes mit schwarzen, langen Haaren und braunen Augen. Sie versinkt in Gedanken an früher.



Draußen, auf dem Gang des Unterdecks, bleibt Phexane stehen. Ihr Gesichtsausdruck verrät deutlich ihre Gemütsverfassung.

'Nie wieder soll mir so etwas wie damals passieren! Ich werde nie wieder jemanden so sehr vertrauen!'

Sie lehnt sich an die Wand neben dem Schrein und blickt betrübt zu Boden.



Unruhiger Ole


Seine innere Rastlosigkeit hat zugenommen. Ole war ohne Ziel und ohne Sinn auf dem Oberdeck, später auf dem Unterdeck herumlaufen, beschäftigt mit ungeordneten Gedanken, die ihn von der Wahrnehmung der Geschehnissen um ihn herum geradezu abgeschottet haben.

Erinnerungen an frühere Zeiten, aber auch gleichzeitig die andächtige Vorausschau an das, was kommen wird, haben ihm momentan eine allumfassende Gegenwart aufgezwungen, die ihm seine Vergangenheit und seine Zukunft fast dinglich greifbar machen.

Doch sein Nachdenken klärt nicht, es verwirrt vielmehr und deshalb ist da im Augenblick keine Platz für das, was im Moment um ihn herum geschieht. Hat da Nirka nicht einen Befehl ausgerufen?

'Gut möglich!' denkt sich Ole

'Nicht wichtig!' entscheidet er daraufhin.

Nachdenklich sieht er sich im Mannschaftsraum um, als habe ihn eine geheimnisvolle Macht in eine ferne, unbekannte Umgebung versetzt. Der Schiffszimmermann staunt ein bißchen darüber, sich gerade hier wieder zu finden.

Zwar hat er nicht sehr bewußt auf seinen ziellosen Weg geachtet, doch ist es ihm, als habe er, sowohl im Weg seiner Schritte, als auch im Weg seiner Gedanken einen Kreis beschrieben zu haben, der ihn, ohne jeden Fortschritt, wieder an den Ausgangspunkt zurückgebracht hatte.

Wie immer, wenn sich Ole 'seelisch verknotet' fühlt, führt ihn der nächste Weg an die Tore zur Spiritualität, um sich mit der Bitte um Ratschluß und Erleuchtung an höhere Mächte zu wenden. Der EFFerd-Schrein wartet ....



Brummelnd schlendert der alte Schiffszimmermann durch das Unterdeck, das Mundstück seiner Pfeife fest zwischen die Zähne gepreßt. Die Pfeife selbst ist lange schon kalt, für Ole ist es schon eine reine, unabdingbare Gewohnheit sie am Kiefer zu spüren. Mit den Rauchen selbst muß er sich langsam zurückhalten, das Pfeifenkraut wird ihm langsam knapp.

Kurz vor dem EFFerd.Schrein nimmt er dann doch die Pfeife aus dem Mund, es ist wohl das mindeste Opfer, das dem Herren der Meere gegeben werden sollte, daß man in angemessener Andacht vor sein Angesicht tritt.

Ohne die erforderliche Ehrfurcht vor den Altar des Gebieters aller Wasser zu treten, hätte für Ole denselben Stellenwert, wie etwa in einer voll besetzten Taverne sich einen Platz an der Theke zu erkämpfen ohne einen Durst zu haben.

Auch Ole muß zugeben, daß dieser Vergleich für einen normalen Gläubigen des Zwölf-Götter-Kultes ein wenig weit hergeholt sein dürfte, doch muß man verstehen, daß für einen treuen Anhänger des Walgottes jede Kneipe einen sakralen Charakter hat.

Aus seinen Gedanken aufgeschreckt hält Ole urplötzlich seine ausholenden Schritte an. Völlig überrascht stellt er fest, daß der Schrein nicht unbesetzt ist ............



Die Wahrheit, die reine Wahrheit


'Mir kommt es wie eine halbe Ewigkeit vor, daß ich meine Familie nicht mehr wieder gesehen habe. Aber es sind nur wenige Jahre.'

Phexane seufzt leise und schaut traurig zu Boden.

'Salzerhaven, danach sicher noch ein oder zwei Städte, dann aber kommt Havena. Was soll ich dann machen? Sie aufsuchen? Oder gar nicht erst von Bord gehen? Was werden sie sagen, wenn sie mich sehen? Wahrscheinlich werden sie mich wohl wieder fortschicken. Die einzige, die ich aufsuchen kann, wird wohl Sciba sein.'

Kurz huscht ein Lächeln über ihre Züge.

'Ob Sciba und Gial verlobt sind? Oder sogar verheiratet? Er wollte es ja so gerne.'

Sie blickt auf zur leuchtenden Delphinstatue.

'Vielleicht kann ein Gebet zu EFFerd mir helfen. Aber dazu will ich meine Ruhe haben! Ich verschließe wohl besser die Tür.'

Sie dreht sich um, um die Tür zu schließen, bleibt aber abrupt stehen.

"Huch!" sagt sie, als sie sieht, wer vor dem EFFerdschrein steht.

'Das ist der große Mann aus dem Laderaum, der so wütend war! Oh je ..'

Phexanes Blick drückt einen ziemlichen Schreck aus und mehr als das 'Huch' scheint ihr wohl nicht über die Lippen zu kommen.



Der alte Schiffszimmermann ist nicht schlecht erstaunt, als er den so unerwarteten Gast im Schrein des EFFerd nach einem kurzen Nachdenken dann endlich erkennt. Ole erinnert sich sehr genau an die junge Frau, die damals, kurz vor der Meuterei, ein so auffälliges, wie merkwürdiges Interesse am Ladedeck gezeigt hatte.

Der Verdacht, die junge Frau könnte an jenem Tag von PHExischem Antrieb geleitet gewesen sein, war bis heute nicht von Ole gewichen. Die Dame hat für Ole eben jenen Anschein von versteckter Betriebsamkeit, die einen Mann, sollte er gut beraten sein, ein waches Auge auf seine Habe richten lassen.

Allein, es verwirrte den Zimmermann die Dame eben nicht auf dunklen und geheimnisvollen Wegen anzutreffen, sondern hier im EFFerd-Schrein. Das hatte er nicht erwartet. Doch nicht nur Ole scheint sprachlos zu sein, auch die junge Frau hat nicht mehr als ein leichtes 'Huch' von sich geben können.

'Es ist schon eine sehr vieldeutige Situation!' findet Ole stumm und nimmt die Pfeife aus dem Mund.

"Habe ich euch erschreckt?" fragt er mit einem Unterton versteckten Spotts.



"Äääh," kommt es Phexane endlich von den Lippen, "äh, nein! ... Oder ... doch, schon. Ich wollte hier beten und habe euch nicht kommen hören."



Der alte Schiffszimmermann ist sichtlich überrascht, das ist ihm deutlich anzusehen.

"IHR betet zu dem Herrscher der Gewässer??!"

Die Worte kommen langsam, fast träge und jede Silbe wird betont. Dann kehrt sein verschmitztes Lächeln wieder in Oles Gesicht zurück.

"Bisher wähnte ich unter der schützenden Hand des Fuchses ....."

Aus seinem Tonfall ist es nicht heraus zu hören, ob er seine letzte Bemerkung als Feststellung oder als Frage verstanden haben will ...



Phexane verschränkt mal wieder geradezu demonstrativ ihre Arme.

"Also, warum denn nicht? Ich stamme aus Havena und wenn ihr die Stadt kennt, dann wißt ihr auch sicherlich was dort vor langer Zeit mal geschehen ist."

Sie räuspert sich kurz.

"Außerdem ist einer meiner Brüder EFFerdgeweihter. Ich habe eben an ihn gedacht, als ich die Delphinstatue sah."

Dann allerdings beginnt sie ebenfalls etwas verschmitzter zu grinsen und verschränkt ihre Hände hinter ihrem Rücken.

"Wie kommt ihr eigentlich darauf, daß ich etwas mit PHEx zu tun hätte, hm?"

Irgendwie spürt Phexane, daß es wohl kaum Sinn hat, vor diesem Mann etwas zu verbergen - aber warum sollte man es nicht einfach versuchen?



Der Schiffszimmermann lächelt mild.

"Sagen wir es so - Ich habe einfach so ein Gefühl. Es ist vielleicht euer Auftreten, welches mich zu meiner Annahme lenkt. Ihr gebt euch offen, mutig und tapfer - und dennoch umgibt euch etwas geheimnisvolles, verstecktes, als wollte ihr vor der Welt, bei aller Offenheit, doch Wesentliches euerer Daseins verbergen!"

Ole macht eine kleine Pause, die er nutzt, um seine Pfeife wieder in Brand zu stecken, nachdem er einen kargen Rest knochentrockenen Pfeifenkrautes in den, schon leicht angekokelten Pfeifen hat träufeln lassen.

Dann spricht er weiter, große, blaue Wolken auspustend, sehr darauf achtend, daß er den Tabakqualm auf das Unterdeck hinaus und nicht in die Kammer mit dem Schrein bläst.

"Euere Kleidung scheint wenig modisch, soweit ich das beurteilen kann, dafür scheint sie aber sehr praktisch zu sein, geht man von bestimmten Tätigkeiten aus, die man dem füchsischem Gewerbe zuordnen könnte!"

Der Zimmermann muß kurz husten, der Tabak ist wirklich sehr trocken und beißt in den Lungen wie der Qualm aus einem Strohfeuer.

"Und da wäre euer ständig forschende Blick und euere wache Neugier, die weit über das gewohnte Maß üblichen Wissensdurstes hinausgeht und deren Beweggründe zweifellos PHExisch gesegnet sein müssen!"

Ole verstummt für einen Augenblick, doch es ist unklar, ob er nach weiteren Worten sucht oder erst einmal die Wirkung seiner Rede abwarten will ...



Phexane kann im ersten Moment, in dem Ole ausgeredet hat, nichts sagen.

'Bin ich tatsächlich so auffällig unauffällig? Ohje ... hmmmm ... natürlich! Das ist es!'

Phexane lächelt nun ziemlich hintergründig.

"Ihr seid ein sehr aufmerksamer Beobachter. Aber es tut mir leid: es stimmt nicht!"

Ihr Lächeln wird nun etwas breiter.

"Aber da man euch wohl nicht anlügen kann, sage ich euch die Wahrheit über mich."

Sie räuspert sich kurz.

"Also, ... in Wirklichkeit bin ich auf Studienreise. Ich habe diese Kleidung und dieses Auftreten nur gewählt, um meine Forschungen etwas vorantreiben zu können."

Phexane strafft sich kurz, hebt das Kinn leicht und blickt nun etwas ernster, geradezu wichtig.

"Ich bin eine HESindegeweihte und erforsche das Verhalten der Menschen oder auch Menschenähnlichen, wie z. B. Elfen, auf das Aussehen und Auftreten anderer Menschen. Ich muß sagen, daß mich meine bisherigen Ergebnisse zwar nicht überraschen, aber auch leider enttäuschen. Lediglich der Elf hier an Bord hat mich nicht als Diebin angesehen."

Phexane wippt kurz auf dem Absatz ihrer Stiefel, während sie ihn weiterhin bierernst ansieht und mustert.



Das dezente Lächeln Ole's hat sich während der Erklärung der schwarzhaarigen Frau zu einem breiten Grinsen verformt. Eifrig und überbetont nickt er zu jeder Aussage der jungen Dame. Und als sie verstummt, nimmt er die Pfeife aus dem Mund und spricht:

"Das ist aber eine tolle Geschichte. Es sieht ja nun fast so aus, als müßte ich mich entschuldigen!"

Ole versucht seinen Tonfall mit einem Anflug von Reue anzureichern, es will ihm aber nicht so recht gelingen. Zudem hätte ihn dabei sein breites Grinsen ohnehin Lügen gestraft.

"Das Zusammenleben der Menschen und Elfen wollt ihr also erforschen? Das ist eine noble Aufgabe. Ihr hattet den Ort für euere Untersuchungen gut gewählt. Nirgendwo kann man das menschliche Leben besser beobachten, als in dunklen, einsamen Laderäumen von Karavellen. Oder habt ihr im Bauch des Schiffes etwa eine Bibliothek vermutet?"

Ole lehnt sich lässig an den Türrahmen und bläst wieder ein paar Rauchwolken ins Unterdeck.



Phexane sieht etwas angespannter aus, und als sie wieder anfängt zu reden, verstärkt sich langsam aber sicher ihre Gestik, so als wolle sie Ole mit ihren Bewegungen verwirren.

"Denkt ihr wirklich, ich würde glauben, dort unten wäre eine Bibliothek?"

Phexane sieht aus, als wäre sie etwas empört.

"Nein, nein! Es bestätigt nur, wie gut ich meine Rolle spiele! Ich bin vor 'Publikum' hinunter gegangen und die, die mich gesehen haben, haben gedacht, ich würde da unten was im Schilde führen."

Sie lacht kurz auf.

"Eure Reaktion zeigt mir, daß ich meine Arbeit wirklich gut mache! Fast ein wenig zu gut. Es scheint mir, manche würden mir nicht so recht trauen."

Kurz holt Phexane etwas Luft, fragt aber dann:

"Äh, ... wer seid ihr eigentlich?"



Der Schiffszimmermann verbeugt sich übertrieben tief, als gäbe er einer hochwohlgeborenen Dame die Ehre:

"Ole Draggensson, mein Name! Man nennt mich den 'grauen Riesen', Freunde mit Respekt und Feinde in Furcht.. !"

Ole richtet sich wieder auf, noch immer grinst er wie ein Bartenwal. Mit einer eleganten Geste deutet er auf die schwarzhaarige Frau und spricht mit feierlicher Stimme:

"Ich grüße euch, unbekannte Schöne. Möge euch bei ALLEM, was ihr tut, immer reichlich interessiertes Publikum zugegen sein. Doch sagt, wie ist euer Name? Nicht oft treffe ich auf gewandte Frauen, welche die Menschen studiert, indem sie sich selbst verstellt, um eben jene, die sie beobachten will, zu täuschen. Eine Frau, die dunkle, einsame Orte aufsucht, um das Spiel der Menschen untereinander zu ergründen und die mutig genug ist, im Angesicht EFFerds solche abenteuerlichen Geschichten zu erzählen, die, obwohl gut erzählt, den Zweifel doch mehr nähren als zerstreuen .... !"



Etwas unsicher guckt sich Phexane zu einem der Wandbilder um.

'Uh-oh, ich werde mich wohl wund beten müssen - und das nicht nur in diesem Schrein! Der nächstbeste HESindetempel wird mich wohl oder übel ertragen müssen ...'

Doch Phexanes Lächeln kehrt schnell wieder zurück und nun ist es ein eher ehrliches, freundliches Lächeln.

"Na gut, euch kann man wohl wirklich nichts vormachen! Eine HESindegeweihte bin ich nicht. Aber glaubt mir: ihr braucht euch keine Sorgen zu machen - ich stehle nicht, sondern verdiene mein Geld mit ehrlichen ... Spielen."

Phexane breitet die Arme kurz aus und zuckt mit den Schultern.

"Ich sollte wohl nie zum Theater gehen. Nun, jetzt wo ihr euch vorgestellt habt, wollt ihr wohl meinen Namen auch wissen: Phexane Fuxfell."

Sie grinst.

"Sagt nichts, meine Eltern hatten nun mal einen merkwürdigen Humor!"



Der Schiffszimmermann grinst zurück und wieder verbeugt sich Ole vor Phexane zum Gruß.

"Es ist mir eine Ehre, Frau Phexane Fuxfell! Selbstverständlich vermag ich nicht zu beurteilen, ob eure Eltern euch diesen Namen im Scherz oder aus weiser Voraussicht gaben, ich will nicht in Abrede stellen, daß ihr ihn mit Ehre tragt."

Ole richtet sich wieder auf und blickt Phexane direkt in die Augen.

"Nehmt es mir bitte aber nicht übel, wenn ich erkläre, daß ich mich hüten würde, mich mit euch, auch in 'ehrlichem' Spiel zu messen, denn ich bin sicher, ihr beherrscht eueren Beruf auf das Vortrefflichste."

Jetzt wird Ole etwas ernster.

"Bitte nehmt auch meine tiefste Entschuldigung entgegen, es war nicht meine Absicht gewesen, euch in eurer Andacht zu stören. Mein Anliegen an den Gott des Meeres kann warten, bis ihr euch mit EFFerd im Reinen befindet."



"Namen," sagt Phexane ernst, "sind eh' unwichtig."

Doch dann räuspert sie sich und das Lächeln kehrt wieder zurück.

"Nun, wenn es euch nichts ausmacht, dann würde ich jetzt beten."



Ole verneigt sich wieder und erklärt:

"Wie ihr wünscht, Frau Phexane Fuxfell!"

Dann geht der Schiffszimmermann auf das Unterdeck hinaus und läßt Phexane allein im Schrein zurück. Noch immer schmunzelt er in sich hinein, während er sich auf die Treppe zum Oberdeck zu bewegt.

'Frau Fuxfell wäre sehr talentiert für's Theater' denkt sich Ole 'Sie hat die wunderbare Gabe sich ständig wandeln zu können ..... und außerdem hat sie einen hübschen Hintern!'



Phexane im Schrein


Phexane schaut Ole kurz hinterher, doch dann wendet sie sich mit ernstem Blick der Delphinstatue zu. Einen kurzen Moment besinnt sie sich und bereitet sich innerlich auf ein Gebet vor, dann geht sie, geradezu demütig, auf die Knie, schließt die Augen und senkt den Kopf leicht. Diese Demut ist nicht gespielt, sondern zeugt eher von einer Verbundenheit zu dem launischen Gott. Dann beginnt sie leise zu beten.

"Ewiger EFFerd, Herr der Meere und der Stürme. Verzeih mir bitte diese Lügen in diesem dir geweihten Raum. Ich schwöre, daß mir nie wieder ein falsches Wort in einem deiner Tempel oder Schreine über die Lippen kommt."

Phexane macht eine kurze Pause, um sich an die Gebete in Havena zu erinnern.

"Halte bitte weiterhin deine schützende Hand über dieses Schiff und bitte schütze auch weiterhin meine Familie."

Kurz kommen die Erinnerungen an ihren Bruder in Havena wieder - sie denkt an den Tag zurück, als er EFFerdgeweihter wurde und wie stolz die ganze Familie, insbesondere ihre Mutter, war.

'Alle meine Geschwister haben es zu etwas gebracht - nur ich nicht! Ich reise immer nur durch die Welt und nirgends hält es mich lange! Ich frage mich nur, wann es wieder aufhört, wann ich wieder länger an einem Ort bleiben kann.'

Phexane ist von einem Moment auf den anderen nicht mehr nach einem langen Gebet zumute. Die Erinnerung an den Auslöser ihre Herumreiserei kommt wieder und sie fühlt sich traurig, aber auch wütend zugleich. Sie steht auf und blickt sich noch einmal in dem Raum um, dann geht sie hinaus aus dem Schrein.



Der Kapitän


Der Kapitän der NORDSTERN steht weiterhin still auf dem Oberdeck "seines" Schiffes und genießt die relative Unbeschwertheit des Momentes und natürlich auch das von ihm so sehr geliebte Leben auf See, wo er einen großen Teil seines bisherigen Lebens zugebracht hat.

Ihm gehen viele Dinge durch den Kopf, Erinnerungen an Thorwal in erster Linie, an das, was dort geschehen ist, und an das, was dort fast passiert wäre, aber seine Gedanken schweifen auch wieder nach vorne, in die Zukunft. Was mag sie dem Schiff und den Menschen an Bord bringen, was werden Salzerhafen, Nostria, Havena und all die anderen Häfen, die vor dem Schiff liegen, für sie bereithalten? Was mögen seine, Jergans, Gedanken sein, wenn das Schiff in noch unbestimmter Zukunft wieder hier sein wird, dann jedoch auf dem Weg nach Norden?

Gedanken dieser Art sind leicht dazu geeignet, in düstere Stimmungen zu verfallen, doch davon ist Jergan im Moment recht weit entfernt, weiß er doch um die Kameradschaft und Freundschaft der anderen auf dem Schiff, die so sehr geholfen hat, die Probleme in Thorwal zu beheben, und wirkt doch auch das schöne Segelwetter so stimmungshebend...



Von Kräutern und Unwohlsein


Jergan merkt bei seinem Blick in Richtung des Meeres, daß einer der Passagiere, der Druide Fargus, ganz offensichtlich auf dem Weg zu ihm ist.

'Na, dann sollte ich das Träumen mal besser lassen', denkt sich der Kapitän, und dreht sich dann in Richtung des Herankommenden um.

Seine Haltung ist entspannt, der Gesichtsausdruck freundlich - es scheint ihn also nicht im Geringsten zu stören, wenn man ihn jetzt, da er ohnehin nichts zu tun hat, und vielleicht auch gerade nicht tun möchte, anspricht.



Der freundliche Gesichtsausdruck des Kapitäns ermutigt Fargus, seine Entschuldigung sogleich an den Mann zu bringen.

"Hallo, Herr Kapitän, ich grüße Sie. Ich - ich wollte mich bei Ihnen entschuldigen. Ein alter Knochen wie ich hätte sich eigentlich vorher ein paar mehr Gedanken machen können nun, es soll nicht wieder vorkommen."

Etwas nervös ob der eigenen Unzulänglichkeit fährt er sich durch seinen Bart, abwartend, welchen Kommentar der Kapitän zu seiner Äußerung wohl abgeben wird.



Jergan mustert den Druiden ein wenig verwundert. Wovon redet dieser? Weshalb entschuldigt er sich, und wofür? Was ist passiert?

Jergan sieht kurz - und etwas besorgt - in Richtung der Brücke, doch dann wird ihm klar, daß es unmöglich etwas Wichtiges und ernstes sein kann, denn das hätte Nirka ihm unverzüglich gemeldet.

"Ich grüße Euch auch. Aber... verzeiht bitte - warum möchtet Ihr Euch entschuldigen?"

Fragend sieht der Kapitän den Druiden an.



'Hmm, wenn er nicht mal was davon weiß, kann es eigentlich ja auch nicht so schlimm gewesen sein. Und sicherlich hat solch ein erfahrener Seemann schon die ein oder andere Unpäßlichkeit seiner Passagiere miterlebt.'

"Naja, wie das so ist, mit Neulingen zur See, es kam zu einem kleineren Malheur in der Gemeinschaftskabine, doch die Folgen meiner Übelkeit dürften in der Zwischenzeit entfernt worden sein."

Sein Gesicht nimmt eine leicht rötliche Färbung an.



Ein kurzes Grinsen huscht über Jergans Gesicht, dann beherrscht er sich wieder und antwortet mit dem angemessenen Ernst:

"Das macht ja nichts - jedenfalls ist es nichts, für das Ihr Euch entschuldigen müßt. In solchen Fällen hilft es aber meist sehr, sich viel im Freien - also hier an Deck - aufzuhalten."

Der Kapitän schluckt die Bemerkung, daß man da ein solches Mißgeschick auch leicht in Richtung Lee entsorgen kann, herunter, denn die wäre weder höflich, noch angemessen.

"Geht es Euch jetzt schon wieder besser?" fragt er schließlich.



"Danke der Nachfrage, mir geht es jetzt eigentlich ausgezeichnet. Und ganz sicher werden ich mir Ihren Rat zu Herzen nehmen."

Ein Seufzer der Erleichterung bricht aus Fargus heraus. Sogleich verläßt er dieses Thema.

"Sagen Sie, Herr Kapitän, wie lautet unsere nächste Anlaufstelle und wie lange werden wir dort verweilen ?"



Jergan antwortet ohne jedes Nachdenken:

"Wir werden als nächstes in Salzerhaven anlegen. Das wird nicht mehr lange dauern - ich denke, wir legen am Nachmittag an, wenn EFFerd uns weiter so wohlgesonnen ist. Bleiben werden wir da vielleicht einen Tag - je nachdem, ob es viel zu laden gibt, aber das werden wir vor Ort entscheiden. Und danach kommt dann Nostria, da werden wir sicher länger verweilen."

Höflich blickt der Kapitän den Druiden dabei an. Seine Haltung verrät Geduld, und die Bereitschaft, sich durchaus weiter zu unterhalten.



"Dann werde ich wohl erst in Nostria einen längeren Landgang machen - wißt Ihr, diese Reise dient mir dazu, meine Kräutervorräte aufzufüllen. Und obwohl das Hauptziel meiner Reise die Wälder südlich von Chorhop sind - dort und nur dort wächst nämlich das Schmetterlingskraut - möchte ich doch den Rest der Reise nutzen und so viel wie möglich andere Gewächse mit nach Hause bringen. Am besten ist es natürlich, wenn ich sie frisch pflücken kann, aber auch für Hinweise nach Kräuterläden bin ich sehr dankbar. Kennen Sie vielleicht einen in - wie heißt das noch - Salzerhaven?"

'Von wegen Druiden sind in sich gekehrt, ich plappere schon wieder wie ein Wasserfall' grinst der Druide leise in sich rein.



Der Kapitän blickt nun doch erstaunt. Kräuterläden... für so etwas hat er sich in seinem ganzen Leben noch *nie* interessiert! Und er glaubt auch nicht, daß sich das ändern wird. Wenn man ihn nach Details aller möglichen Häfen fragen würde - das könnte er sofort und ohne jedes Problem beantworten, aber so etwas?

Er fasst sich jedoch rasch und antwortet höflich:

"Verzeiht, diese Frage kann ich Euch nicht beantworten. Aber Salzerhaven ist Teil einer, man kann fast sagen, Doppelstadt, die es zusammen mit Salza bildet. Ich will damit sagen, daß es wirklich nicht weit bis nach Salza ist, und da wird es sicher auch Kräuterläden geben - es würde mich jedenfalls sehr wundern, wenn dem nicht so wäre."

Er zögert kurz, und fügt dann hinzu:

"Aber Ihr könnt unseren Schiffsmagus fragen, der weiß das vielleicht."



'Das hätte ich mir ja auch denken können, daß ein Seemann nicht unbedingt über Kräuterläden bescheid weiß - dummer Druide'.

"Vielen Dank für die Hilfe, mein Herr, ich werde gleich den Schiffsmagus befragen."

'Ein wirklich erfreulicher Mensch, dieser Kapitän' , denkt sich der Druide.

"Wissen Sie, ob er in seiner Kabine ist? Und wenn ja, wo finde ich die ?"



Jergan sieht sich sogleich kurz auf dem Deck um, kann den Magier aber nirgends entdecken.

"Ich weiß nicht, wo er sich befindet, aber es kann schon sein, daß er in seiner Kabine ist. Die ist sehr einfach zu finden - ihre Tür ist nämlich so ziemlich genau gegenüber von der der Gemeinschaftskabine, in der Ihr untergebracht seid."



"Habt Dank, mein Herr, ich mache mich gleich auf den Weg."

'Na dann wollen wir mal schauen, ob der Schiffsmagus mir vielleicht weiter helfen kann. Vielleicht wird daraus ja sogar ein kleiner Gedankenaustausch der magischen Art.'

Fargus macht sich gut gelaunt auf den Weg und er spürt, daß er sich und insbesondere seinen Körper samt seiner Eingeweide wieder völlig unter Kontrolle hat.



Nirka und Raschid


Die am Steuer stehende Bootsfrau beobachtet, wie der neue Matrose nach einer angemessen langen Zeitspanne wieder auf dem Oberdeck auftaucht - und prompt von einem der Fahrgäste angesprochen wird. Ein Grinsen huscht über ihr Gesicht, denn sie kann sich ziemlich gut denken, worum es dabei geht.

Sie selbst unternimmt nichts, um Raschid zu sich zu zitieren, denn auch wenn seine Aufgabe nicht unwichtig war, so kann die Vollzugsmeldung so lange warten, bis die Neugierde des Fahrgastes zufriedengestellt ist.



Einige Augenblicke schaut Raschid noch dem Passagier hinterher.

Doch es hat keinen Sinn hier Wurzeln zu schlagen. Schließlich wird er nicht fürs rum stehen und Gaffen bezahlt.

Vorsichtig entledigt er sich des Eimerinhalts, indem er ihn, weit entfernt von Passagieren über, die Reling wirft und zwei, dreimal den Eimer an dem Seil durch das Wasser zieht, um die letzten Reste des Erbrochenen zu beseitigen. Anschließend plaziert er den Eimer neben der Reling und geht strammen Schrittes auf das Brückendeck.

"Auftrag erledigt, Bootsfrau."

Kerzengerade steht Raschid vor Nirka und erwartet die neuen Befehle.



"In Ordnung!" lobt die Bootsfrau den neuen Matrosen, als sich dieser bei ihr rückmeldet. Sie mustert ihn kurz, während sie über einen nächsten Auftrag für ihn nachdenkt.

Im Grunde gibt es im Moment, wo das Schiff so gute Fahrt macht, und es nicht mehr weit bis nach Salzerhaven ist, nicht wirklich viel zu tun an Deck - außer ab und zu einer Korrektur der Segelstellung, oder eben solcher Arbeiten, die die Fahrgäste verursachen.

Dann huscht ein Grinsen über ihre Züge.

"Du kannst ja mal in den Ausguck hoch entern - dann bist du sicher der erste, der nachher Salzerhaven sieht."

Insgeheim fragt sie sich dabei natürlich, ob Raschid das wirklich kann...



Katzenunfall


Wie so oft hadert Ottam mit der Welt und der Unterrepräsentation von HESindes Gaben. Doch was soll es, wären die Anderen nicht so dumm, fiele es viel schwerer sich durch überdurchschnittliche Intelligenz und Genialität davon zu distanzieren, denkt er so, als er durch das Unterdeck in die Richtung des Aufganges schlendert.



Weiterhin in Gedanken versunken tapst Ottam über das Unterdeck weiter in Richtung des Aufganges, wo er dann urplötzlich in die Realität zurück gerissen wird.

Wie aus Stein gemeißelt, steht plötzlich Fargus direkt vor ihm. Er bremst abrupt und weil er nicht schnell ging, kann er einen Zusammenstoß unter heftigem Armgewedel gerade noch vermeiden.

"Huch...... wo kommt ihr den her" stammelt er und ist fortan bemüht sich zu sammeln. Fargus selbst dürfte auch Probleme gehabt haben den dunkel gekleideten Magus im Zwielicht des Unterdecks zu erkennen.



"Maaaauuu" entfleucht es dem kleinen Kater als er erwacht. Genüßlich streckt er alle Beinchen von sich und streckt sich so erst einmal ausgiebig.

Nachdem er sich flüchtig geputzt hat macht er sich auf den Weg zum Unterdeck, wobei er das Oberdeck links liegen lässt. 'Hunger' ist sein treibender Gedanke, bis, ja bis er sich ziemlich erschreckt. Zwar gelingt es ihm problemlos die beiden Personen am Abgang zu erkennen, Katzenaugen helfen da, aber gerade als er sich ungesehen an den beiden vorbei schleichen will fängt der dunkle plötzlich an zu fuchteln und taumelt einen halben Schritt zurück....

.. genau auf Traumauges Schwanz...

"MMMMMMAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAUUUUUUUUUUUUU" kreischt der kleine Kerl, so laut man es nicht vermutet hätte.

Der ohnehin verdatterte Schiffsmagus ist nun total durcheinander der Versuch sich zu fangen kann wohl getrost als gescheitert angesehen werden.

"Verdammt du wandelnder Fellknoten" tönt Ottam während er vor Schreck das Gleichgewicht völlig verliert und unsanft auf seinen vier Buchstaben landet.

"mußt du einem immer zwischen den Füßen herum schlawenzeln."

Der Versuch Ottams den kleinen Kater noch zu packen zu bekommen scheitert ebenso kläglich wie alles in den letzten Sekunden. Jetzt liegt er auch noch rücklings auf dem Boden, während der kleine Kater seine Chance wahrnimmt und in einer dunklen Ecke des Unterdecks verschwindet - eine Ecke die zufälligerweise direkt neben der Kombüsentür liegt.



Di Vespasio tritt um die Ecke und auf die beiden im Gang zu. Er wendet sich auf den beiden im Gang stehen zu.

"Das klang ja schrecklich, habt Ihr Euch schlimm verletzt?"

Jetzt erst hat er Gelegenheit die beiden Magiebegabten ganz zu mustern und fühlt sich ob des Anblicks gemüßigt, das Spitzentaschentuch an den erstaunt geöffneten Mund zu führen.

'Nun wenn das kein Paar ist! Wäre man etwas philosophischer veranlagt, als wir es sind, dann könnte man gar von einem Treffen opponierender Prinzipien sprechen. Ich frage mich, ob den beiden bewußt ist, wie sie zusammen wirken.'



Nachdem der Druide Zeuge einer kleinen Tragödie geworden war, geht er gleich auf die auf dem Boden liegende Person zu :

"Laßt Euch helfen, guter Mann", sagt er zu der Person, bei dem es sich aus kürzerer Distanz betrachtet unzweifelhaft um den Schiffsmagus handelt.

'Wenn das nicht eine schicksalshafte Begegnung ist, dann weiß ich ja auch nicht' schießt es durch Fargus' Kopf. Er streckt dem Magus die Hand entgegen.



Ottam ist etwas hin und her gerissen ob er sich nun Helfen lassen will oder nicht, schließlich hat er es eigentlich nicht nötig, daß ihm jemand beim Aufstehen behilflich ist. Doch bereits beim Versuch sich selbst aufzurichten, bemerkt er einen stechenden Schmerz im Rücken, offensichtlich hat er es ungeschickter Weise geschafft, genau auf den Kopf seines Stabes zu fallen. Kurz entschlossen und von dem Gedanken möglichst kurz in dieser peinlichen Lage zu verweilen, ergreift er also die Hand und zieht sich daran hoch.

Als er steht macht er erstmal ein Hohlkreuz um den Schmerz zu lindern.

"Habt Dank" murmelt er mit etwas verbissenem Gesicht, was aber diesmal wohl vom Schmerz her kommt.



"Bitte, bitte, gern geschehen, mein Herr! Habt Ihr Euch verletzt ?" fragt Fargus sichtlich besorgt den nicht allzu glücklich dreinschauenden Magus.

"Kann ich Euch irgendwie behilflich sein?"

'Vielleicht kann ich ja jetzt mal irgendwem hier helfen' denkt er bei sich.



"Ähm, danke es geht schon wieder" spricht Ottam während etwas sehr seltenes passiert, denn durch den nachlassenden Schmerz ist ein Lächeln auf seinem Mund zu erkennen. Dieses verschwindet aber schnell wieder und Ottam fährt fort.

"Was treibt euch so schnell wieder in die tieferen Lagen des Schiffes? Ich dachte euch am Bug zu finden? Der Koch wird euren Tee bald fertig haben, er muß nur erst neues Wasser aus dem Vorratsraum holen."

Etwas ungelenkig geht er, möglichst ohne den Rücken zu biegen, in die Knie und hebt seinen Stab auf während er auf Antwort wartet.



"Ihr habt recht, ich sollte den Tee noch zu mir nehmen, auch wenn es mir bereits ein ganzes Stück besser geht. Eigentlich wollte ich genau zu Euch. Der Kapitän meinte, Ihr wüßtet sicherlich, wie es um mögliche Kräuterläden auf unserer Reiseroute steht. Meine Reise dient nämlich dazu, meine Vorräte an Kräutern aufzufüllen, müßt Ihr wissen. Vielleicht habt Ihr ja einen Moment Zeit und kommt mit aufs Deck, dort könnten wir ja, auf meinen Kräutertee wartend, ein paar Erfahrungen austauschen. Was haltet Ihr davon ?"

Wieder einmal bemerkt Fargus, daß er in den letzten Jahren doch offensichtlich zu wenig Unterhaltung gehabt hat, wie sonst wohl wäre es zu erklären, wie offen und freudig er, der Druide, hier daherredet.



"Eine gute Idee, laßt uns vorne zum Bug gehen, dort wird der Schiffsjunge auch den Tee hinbringen. In frischer Luft läßt es sich auch gut über Kräuter reden. Geht nur voraus, ich komme mit"sagt er und geht hinter Fargus her, so sich dieser in Bewegung setzt.



Noch auf dem Weg zum Bug :

"Sagt, werter Herr, was ist eigentlich Eure genaue Aufgabe hier auf See? Ihr müßt wissen, dies ist meine erste Schiffsreise und ich bin nicht sehr bewandert in solchen Dingen. Müßt Ihr das Schiff durch Zauberei schützen, wenn eines dieser Seemonster erscheint?"

'Hoffentlich war das mal eine vernünftige Frage' denkt sich Fargus. 'Am Schluß ist er solcher Art Zauber gar nicht mächtig.'

"Oder ist das alles womöglich nur Seemannsgarn" fügt er schnell noch dazu.



"Nun, die Aufgaben eines Schiffsmagus sind vielfältiger Natur." beginnt Ottam mit wichtigem Gesicht zu sprechen, während die beiden langsam ich Richtung Vorderdeck und somit zum Bug schlendern.

"Gefragt sind sowohl praktische Kenntnisse der Seefahrt, als auch wissenschaftlich fundierte. Die Zauberei ist natürlich auch sehr wichtig, wenngleich sie nicht häufig Anwendung findet, eigentlich nur in Ausnahmesituationen. Das sind zum einen schwerere Verletzungen die schnell geheilt werden müssen, zum anderen natürlich die von euch erwähnten Seeungeheuer. Ich kann euch sagen in EFFerds Tiefen hausen Kreaturen, gegen die so mancher Dämon harmlos ist wie ein Schoßhündchen."

Seine Augen funkeln bei dem Thema.

'Ottam der große Bezwinger der Schrecken der Tiefe!' schiessen ihm die Gedanken durch den Kopf.



"Das hört sich aber spannend an. Ihr müßt mir unbedingt mehr darüber erzählen! Welche Arten von Kreaturen hausen in EFFerds Tiefen? Wie sehen sie aus, wie groß sind sie?"

Während er den Magier mit Fragen bombardiert, merkt der Druide, daß sich an der allgemeinen Stimmung auf dem Schiff etwas geändert hat.



"Oh da gibt es unterschiedlichste Kreaturen, jede gefährlicher als die andere. Da wären beispielsweise die Riesenkraken, sie kommen heimtückisch bei Nacht und können ganze Schiffe in die Tiefe reißen indem sie sie einfach in ihre riesigen Fangarme nehmen. Noch grausiger sind natürlich die Riesenseeschlangen, EFFerd schütze uns, es gibt solch riesige Exemplare, daß sie sich mehrfach um den Rumpf eines Schiffes winden können und es einfach zerquetschen. Danach fressen sie einen nach dem Anderen auf. Die Krönung der Schrecken sind jedoch die Wasserdrachen, sie sind obendrein noch hoch intelligent und durchtrieben"

Ottam ist bemüht all dies unglaublich schauerlich und von Gesten untermalt zu berichten. Das derweil Piraten gesichtet wurden, hat er nicht mitbekommen.



"Habt Ihr eines dieser Ungeheuer schon mal leibhaftig gesehen?", fragt Fargus, nun doch etwas unruhiger werdend ob der langsam zu spürenden steigenden Anspannung an Deck.

"Oder wart Ihr gar mal in einen Kampf mit Ihnen verwickelt?"

Fargus will ja nicht unhöflich wirken, aber langsam müßte doch auch der Magus die veränderte Stimmung an Bord bemerken.

'Ob ich ihn wohl darauf aufmerksam machen sollte?'



Philosophie


Di Vespasio gerät ins Philosophieren. Man kann nicht direkt sagen, daß er seine Umgebung vergißt. Für den Adeligen ist es mehr wie das Lesen eines Buches. Man blättert eine Seite um und geht sich ein neues Glas Wein einschenken, bevor man weiterliest. Die Geschichte geht eben in der Zwischenzeit nicht weiter.

'Leider ist den meisten Menschen nicht wirklich bewußt, wie sie aussehen. Die Armen, du wirst es kaum glauben, haben nicht mal einen Spiegel. Noch hat ihnen jemals ein Mensch die grundlegendste Kleider- oder Schminkordnung beigebracht. Vermutlich können sie nicht mal zwischen hellem Karmesin und weißem Puder unterscheiden.'

Di Vespasio bedeckt mit dem Tuch die Augen, beinahe wie unter Schmerzen.

'Und fast der ganze Rest blickt zwar morgens in den Spiegel. Aber dann vergißt er, was er gesehen hat, und denkt keinen Augenblick mehr daran. Ich frage mich wirklich, wie ich bisher in dieser Einöde überleben konnte. Zumindest trage ich etwas zum kulturellen Standard bei.'

Er blickt zufrieden auf die eleganten Ärmel des gelben Überrockes, den er heute angelegt hat, und die daraus hervorragenden Hände mit sauber manikürten Nägeln.

'Wenn diese Oppositionalität, wie wir sie bei dem Weißhaarigem und dem Schwarzhaarigem beobachtet haben, ein universellen Prinzip ist... wie bei PRAios und PHEx, oder Sonne und Mond, oder ... oder ... nun, dann fragt ich dich, wie mag wohl unser Gegenüber aussehen?'

Er hebt der Knauf des Stockes an die Stirn und kratzt sich damit an der Schläfe.

'Vermutlich irgendein nordischer Riese. Mit langem ungepflegten Bart. Ungelenk und ohne Anmut in der Bewegung. Kleidet sich in Sackleinen oder ist gar halbnackt. Niedriger Herkunft, der sein karges Brot mit harter körperlicher Arbeit verdient. Ungebildet, spricht möglicherweise nur seine Muttersprache. Analphabet.'

Hätte Frizzi nicht eine so vollkommene Kontrolle über sich, müßte er sich schon bei der Vorstellung angewidert abwenden. So kehrt er lediglich in die Realität zurück und muß feststellen, daß die beiden Oppositionellen inzwischen den Gang verlassen haben.

'Nun, denn kann die Verletzung nicht ganz so schlimm gewesen sein. Ich frage mich woher dann dieser Schrei kam.'

Die Vespasio geht weiter den Gang nach vorne durch.

'Ah. Hier links ist das Speisezimmer. Und rechts, gegenüber, war die Küche.'

Er steckt den Stab aus und drückt mit dem unteren Ende langsam die nur angelehnte Tür halb auf, um einen Blick hinein zu werfen.



Di Vespasio hat die Tür zur Kombüse leicht aufgedrückt und kann jetzt einen Blick hinein werfen.

"Aha. Was ist das?"



Katzenküche


Mit schmerzender Schwanzspitze kommt Traumauge zu dem Schluß, daß er eine Malzeit jetzt um so nötiger hat. Sicher er könnte sich eine Maus fangen, doch in der Küche gibt es einen neuen Zweibeiner, vielleicht ist der ja freundlicher als der letzte und gibt auch mal was ab. Man weiß ja nie und wenn man es nicht probiert, könnte man ja was verpassen.

Um also aus dem Einflußbereich des wütenden Magus zu gelangen, drückt sich der kleine Kater flach auf dem Bauch über den Gang durch die, nicht richtig

geschlossene Tür der Kombüse. Dort drin riecht es zwar nach dem neuen Zweibeiner, doch ist er nicht hier. Seine Erfahrung zeigt, daß diese Fressenmachzweibeiner oft hier sind, also wird der wohl auch bald wiederkommen.

Beim Warten fällt ihm ein Holzlöffel auf, der noch auf dem Tisch liegt, und als kleiner Kater kann man schließlich mit fast allem spielen. Er springt auf den Tisch und verteilt dort notgedrungen ein paar Katzenhaare. Oben angekommen beißt er in den Griff des Löffels und ist dabei den schweren Kochlöffel zum Tischrand zu ziehen...

Hunger und Schmerz sind erstmal vergessen.



Di Vespasio will gerade seine Betrachtungen zum Thema Schiffsbesichtigung fortsetzen, als ihn ein lauter Tierschrei aufschreckt.

'Was war das den. Es klang ja gar schröcklich.'

Er entfernt sich von der Tür zum Gemeinschaftsraum, geht Richtung Aufgang, dem Ursprung des Lautes entgegen. An der Ecke linst er vorsichtig um dieselbe, sicher ist sicher, bevor er sich in Gefahr begibt.



"Man gut, es hätte auch keine Stufe mehr sein dürfen", murmelt ALRIK, während er sich anschickt, dem Schiffskoch beim Faßrollen behilflich zu sein.

Der Schiffsmagus ist inzwischen fort, was nicht weiter unangenehm auffällt, eher im Gegenteil. Trotzdem ist der Weg zur Kombüse nicht hindernisfrei. Der vornehme Herr-Von-Und-Di aus der Einzelkabine hat gerade seine parfümierte und gepuderte Nasenspitze durch den Türspalt in die Kombüse gesteckt.

Laut räuspert sich ALRIK, um sich bemerkbar zu machen.

"Sucht Ihr irgendwas Bestimmtes, Herr?"



Di Vespasio, noch ganz mit dem in der Kombüse Erblickten beschäftigt, wird von der Frage des Schiffsjungen sehr überrascht.

"Was? Ja. Ahm .. Nein. Da war dieser Schrei. ... Ich sah, daß die Tür offen war und wollte nur kurz ...

'Moment, mein Lieber, du wirst wirklich alt. Wer bist du denn, daß du dich vor einem Gemeinen rechtfertigen müßtest. Es ist doch nur dieser Schiffsknabe.'

Di Vespasio hüstelt in sein Taschentuch, und, während er es wegsteckt, richtet er sich gerade auf und blickt auf Alrik herab.

"Nein, gesucht habe ich nichts bestimmtes. Aber gefunden. Was macht dieses ... dieses Tier dort. Nicht genug, daß diese Bestien einem zwischen den Beinen herum springen, jetzt klettern sie auch noch auf ... in ..."

Er hat inzwischen die Tür ganz aufgestoßen und deutet anklagend auf die kleine Katze, als hätte sie ein Verbrechen begangen. Dort hockt sie auf der Arbeitsplatte, für die di Vespasio im Moment kein Wort findet, und gibt sich ihrem Mahl hin.

"... auf den Tisch. Ich doch hoffe sehr, daß wir heute Abend keine Katzenhaare in dem Essen finden werden!"



"Oh! Nein, nein, natürlich nicht, keine Katzenhaare und auch sonst nichts von der Katze als Abendmahlzeit. Kein Grund zur Sorge, Herr. Ich kümmere mich drum."

Auch das noch! Kaum, daß es keine Mäuse mehr gibt, hier in der Kombüse, schon 'tanzen' statt dessen die Katzen auf dem Tische. An sich nicht weiter schlimm, denn immerhin bleibt so die Küche rattenfrei - und so ein paar Katzenhaare haben ja noch niemandem geschadet. Außerdem reinigt Dreck bekanntlich den Magen. Wie es allerdings um den verwöhnten Gourmetmagen des Von-und-Di-Herrn bestellt ist, das steht gewiss auf einem anderen Blatt. In erster Linie hilft wohl am besten, wenn das Übel in Form der Katze kurzentschlossen entfernt wird. Aus den Augen, aus dem Sinn. So heißt es doch so schön.

"Böser Kater! Ganz böser Kater!"

Mit diesen tadelnden Worten schiebt sich ALRIK an Di Vespasio vorbei in die Küche, um sich die Katze zu schnappen.



'Oh, oh, dumm gelaufen, der neue Zweibeiner hätte nicht auftauchen dürfen. aber vielleicht kann man noch was retten'

Traumauge erkennt den Ernst der Lage und entschließt sich zur aktiven Entwaffnung der Gegenseite.

Er tut das, was nur kleine Katzen können. Er setzt einen so Herz zerreißenden Blick auf, daß man ihm einfach nicht böse sein kann. Er legt sich flach hin und streckt das kleine runde Köpfchen ALRIK entgegen, dabei hat er die beiden Katzenkulleraugen weit geöffnet und gibt mit einem ganz feinen Maunzen gleichzeitig den Wunsch nach Streicheleinheiten und etwas zu Fressen preis. Insgesamt ist er stets bemüht den Eindruck von unglaublicher Niedlichkeit zu erwecken.



'Ganz recht so, bleib' du nur auf dem Tisch und laß dich einfangen,' freut sich ALRIK, als der treue, kleine Kater brav sitzen bleibt, und ihm somit offenbar eine wilde Katzenhatz erspart bleibt.

Untermalt von einem lockenden "Miez-miez-miez" täuscht ALRIK erst einmal ein Streicheln an, um Traumauge in Sicherheit zu wiegen, bevor er den kleinen Kater dann am Nackenfell faßt und rigoros in die Höhe hebt.



Angewidert verzieht di Vespasio das Gesicht, als er sieht, wie der Junge die Katze aufnimmt.

"Am besten wirfst du sie gleich vom Schiff. DeVersanne hat schon vor hundertfünfzig Jahren geschrieben, daß Katzen die Pocken und andere Krankheiten zu den Menschen bringen, und die ganz schwarzen sind besonders schlimm. Ich habe noch nie welche bei mir im Haus geduldet."



"Aber nein, Katzen sind sehr nützlich, das weiß doch jeder. Traumauge hier, hält uns allerlei Ungeziefer von Bord. Ohne unsere brave Katze würdet Ihr Eure Kabine bald mit Ratten und Mäusen teilen. Außerdem schützt sie unser Schiff vorm Untergang. Ob Ihr's glaubt oder nicht, Seeleute sind da sehr eigen, in diesen Dingen. Der letzte, der sich an unserer Schiffskatze vergriffen hatte, den fand man viel später eingesperrt in der Segellast. Kein angenehmer Platz, das kann ich Euch sagen, Herr."

ALRIKs Tonfall wird bei dieser Erzählung zunehmend düsterer.



Der Schiffsjunge verläszt mit der Katze die Kombüse, dabei redet der Vinsalter Stutzer dem Jungen Wirres Zeug ein, dasz Katzen schädlich seien und ähnlichen Unsinn.

´Na, der würde doch am lautesten Schreien, wenn eine Ratte durch seine Kabine huscht,´ unweigerlich musz er an die ´PFEIL VON NOSTRIA´ denken, auf der die Gesellschaft der Nager gang und gebe war. Ohne weiter auf den Schnösel zu achten macht sich der Koch daran das Feuer wieder zu entzünden und ein wenig Wasser über eben jenem zu erhitzen.



In der Tat schafft es ALRIK den armen, kleinen Kater zu täuschen. Doch als er dann grob am Nackenfell gepackt wird, kann er ein erbostes Fauchen nicht vermeiden. Untermalt wird dies durch ein nervöses Zappeln mit allen vier Pfoten.

Dummerweise sind seine Beine noch zu kurz, um in dieser mißlichen Lage kratzen zu können.



Es ist einfach unfaßbar, da packt einen der Mensch nicht nur, sonder fängt auch noch an, mit einem anderen seiner Art, übrigens ein Exemplar mit sehr negativer Aura, für den kleinen Kater, zu reden.

"MMMMMMAAAAUUUU", gefolgt von noch lauterem Fauchen sind Alriks Quittung. Außerdem zappelt der kleine nunmehr so, daß es zunehmend schwieriger wird ihn zu halten.



Amüsiert blickt di Vespasio auf den Schiffsjungen.

'Wer sagt's denn. Droht mir, weil er die Wahrheit nicht ertragen kann. Offenbar hat die Katze den Jungen schon Verdorben. Ein niedlicher Blick, und vorbei ist es mit dem Klaren Denken. Gut, Frizzi, daß wir diese Niederungen hinter uns gelassen haben. Aber was will man von einem Kind anderes erwarten.'

Erst jetzt blickt der Händler den Jungen richtig an. Der abenteuerliche Haarschnitt, der südländische Eindruck, die kleine Gestalt.

'Der arme Junge. Nur von abergläubischen Matrosen umgeben. Niemand, der sich um seine Erziehung kümmert. Wer hat wohl seine Haare so verunstaltet? Wie ist er wohl dazu gekommen, sich auf einem Schiff verdingen zu müssen? Hach! Mein Lieber, das Elend dieser Welt greift uns wirklich tief ins Herz. Der Junge braucht ein paar gute, väterliche Ratschläge.'

"Gut, mein Kleiner, gut. Er ist richtig, für das einzustehen, an das man glaubt. Aber Du bist noch zu jung und solltest nicht alles Glauben, was diese abergläubischen Seeleute dir erzählen. Wenn ein so gelehrter Mann wie DeVersanne jedoch etwas schreibt, dann kannst Du dem vertrauen. Und wenn Du groß werden willst, solltest du dich besser von dieser Katze trennen. Denke daran: Wer die Welt verstehen will, muß belesen sein."

Dazu gibt es eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen oder herum zu deuteln. In dem festen Glauben, an dieser Stelle die Welt verbessert zu haben, lächelt di Vespasio noch einmal den Jungen freundlich an. In Gedanken ist er schon bei der weiteren Erkundung des Schiffes. Eine Tür weiter sind eben zwei Leute herausgekommen und der Raum dahinter sah auch interessant aus.



Ein bißchen verdutzt ist ALRIK ja schon, denn mit so viel Aufmerksamkeit von Seiten des 'hochwohlodersonstwieedelgeborenen' Herrn hätte er gar nicht gerechnet. Leider hat er aber die Wichtigkeit von Katzen auf Schiffen nicht wirklich verstanden. Aber er meint es ja gut, das muß man ihm anrechnen.

"Nun, aber man kann auch nicht über Dinge entscheiden, die einem gar nicht gehören," meint ALRIK und hält die widerspenstige Katze weiter hoch.

"Ich bringe jetzt einfach den Kater weg, ich hoffe, damit ist Euch erst mal gedient, Herr."

Mit diesen Worten schlängelt sich ALRIK wieder an di Vespasio vorbei und aus der Küche heraus. Gleich darauf dreht er sich noch einmal um, setzt eine freundliche Mine auf und erwidert dann noch:

"Meine Schwester hingegen sagte immer: Wer die Welt verstehen will, muß sie bereisen. Und das tue ich, das wohl."

'Das Reisen liegt mir ohnehin besser, als das Lesen.'



Di Vespasio bemüht sich einen Schritt zurück zu weichen, um dem schmutzigen und vermutlich verlausten Jungen auszuweichen. Und nicht zuletzt auch dem gefährlichen Biest, das dieser allzu lose in der Hand hält.

Er ist schließlich nicht nur ein Mann von Bildung, sondern auch einer mit Überzeugungen. In diesem Fall ist er überzeugt, daß das, was DeVersanne von hundertfünfzig Jahren aufschrieb, durchaus wahr ist. Und, um den Jungen nicht zu erschrecken, hatte er eh die schlimmsten Sachen über schwarze Katzen lieber weggelassen.

In diesem Fall ist Alrik jedoch wesentlich schneller als der ältere Mann, so daß jener halb um den Adeligen herum ist, bevor dieser zurück getreten ist. Um das Kind und den Kater weiter im Auge zu behalten - man weiß ja nie - muß der Gelbberobte sich nun ein halbes mal um sich selbst drehen. In der Zwischenzeit ist das geschmeidige Paar aus Katze und Kind natürlich bereits einige Schritte den Gang entlang und läßt seinen Gesprächspartner etwas orientierungslos zurück.

'Ja, wo iss es denn hin, mein Lieber?'

Da erklingt die Stimme des Kindes mit einer spitzbübischen Bemerkung, über die Meinung seiner Schwester, und gibt dem Richtungslosen zwar wieder seinen Bezugspunkt zurück, nimmt ihm aber dafür einen guten Teil seiner geistigen Orientierungssicherheit.

'Wie? Was sagt der Junge? Erdreistet er sich etwa, uns zu belehren? Unglaublich, ich werde ... Nun, warte. Ruhig, mein Freund. Du kannst es dir nicht erlauben zweimal innerhalb von fünf Minuten wegen eines Jungen allen Anstand zu verlieren.'

Di Vespasio holt tief Luft ...

'Sieh es doch mal so, mein Lieber, wäre es dein Sohn gewesen, der eine solch pointierte und dazu noch sprachlich und formal ausgefeilte Antwort gegeben hätte, so wärst du sehr zufrieden gewesen.'

.. zieht seinen rechten Mundwinkel hoch ...

'Obwohl gerade dir klar sein sollte, daß dieser Spruch inhaltlich völlig abwegig ist. Das letzte halbe Jahr hat uns mal wieder gezeigt, daß eigene Reisen lediglich zu einem wunden Rücken verhelfen. Die Reisen anderer, wenn man sie Zuhause nachliest, hingegen mögen durchaus zum Verständnis der Welt beitragen.'

.. und kratzt sich mit der Rechten am Kinn.

Solcherart mir inneren Erörterung beschäftigt, ist es für di Vespasio natürlich viel zu spät, dem Jungen noch etwas hinterher zu rufen. Er wendet sich statt dessen wieder der weiteren Erforschung des Ganges zu.



Da nun keine Stufen oder andere Höhendifferenzen zu bewältigen sind, geht der restliche Weg sehr schnell. Zwar wird es vor dem EFFerdschrein etwas eng im Gang, da man dort schon zum beten Schlange steht, doch schlieszlich ist die Kombüse erreicht. Einer der Passagiere, so ein Vinsalter Stutzer, blickt etwas verstört in die Kombüse und redet irgendwas von einem Tier, aber bevor Garulf dazukommt zu reagieren, hat ALRIK das Problem schon in die Hand genommen und macht sich daran die Katze aus der Küche zu befördern. Ohne den Schiffsjungen, die Katze oder den Passagier weiter zu beachten, bringt der Smutje das Fasz an einen vorläufig endgültigen Platz. In der Kombüse ist es nun reichlich eng geworden: Garulf, ALRIK, das Fasz und das leere Fasz steht ja auch noch hier.



"MEEEEeeeAUuuu" gibt der immer mehr erboste kleine Kater von sich, ein unmißverständliches Zeichen, ihn hinunter zu lassen und sich nicht ohne ausreichend Bestechungsmaterial wieder zu nähern.



Raschid auf dem Ausguck


Raschids armen Magen wird jetzt wohl alles abverlangt. Mit einem ungläubigen Blick schaut Raschid an das obere Ende des Mastes. Dort wo die Querstange des Ausguckes befestigt ist, spürt man die Schläge, die die Nordstern durch die Wellen abbekommt besonders gut. Hin und Her. Hin und Her wankt der Ausguck durch die Luft.

Ein letztes Mal bringt Raschid seine Gesichtszüge unter Kontrolle. Nur ein kurzes stummes Nicken. Zu mehr ist Raschid momentan nicht in der Lage. Normalerweise macht ihm die Höhe eines Ausguckes keine Angst. Aber der angeschlagene Zustand seines Magens und die Geschwindigkeit des Schiffes, wodurch sich der Ausguck um so mehr hin und her bewegt, lassen seine Gedanken nur noch um eines Kreisen.

'Reiß dich zusammen! Dein Magen beruhigt sich schon wieder.'

Er versucht dem Zittern seiner Beine entgegenzuwirken, indem er sie versteift. Wie ein Soldat der Kaiserlichen Armee marschiert Raschid zu der Leiter des Ausgucks.

Unter seiner Weste holt er den Anhänger mit dem Auge hervor. Zärtlich, als würde er seine Geliebte küssen, preßt er seine Lippen auf den Anhänger. Nach einigen geflüsterten tulamidischen Worten verschwindet der Glücksbringer wieder unter der Weste.



Sprosse für Sprosse erklimmt Raschid die die ersten Meter der Strickleiter. Bereits auf diesem kurzen Stück muß er mehrmals innehalten, um sich einen sicheren Griff zu verschaffen. Der Wind und die Bewegung des Schiffes lassen die Leiter ein, zwei Mal schwer gegen den Mast schlagen, wodurch Raschid immer wieder aus dem Gleichgewicht gebracht wird.

Je höher der Tulamide steigt, desto größer werden die Schwierigkeiten sich auf der Leiter zu halten. Eine Unachtsamkeit und der Fall auf die Planken des Oberdecks würde ihn diesen Tag nie mehr vergessen lassen.

Raschids Magen hat sich inzwischen wieder beruhigt. Zu sehr ist er damit beschäftigt, sicher an dem Ausguck anzukommen, als das er sich noch um seine Übelkeit Gedanken machen könnte.

Schwer keuchend und mit letzter Kraft erreicht er nach wenigen Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit vorkamen, die Querstange, die den Ausguck der NORDSTERN bildet. Einiger Maßen sicher, die Arme und Beine um Stange und Mast geschlungen, kommt er endlich wieder dazu einmal richtig durchzuatmen.



Erst nachdem Raschid sich in eine sichere Position auf dem Ausguck verschafft hat, läßt er seinen Blick in die Ferne schweifen. Der kalte Wind peitscht ihm um die Ohren und kleine Tränen bilden sich zum Schutz in seinen Augen. Die ungestümen Schläge, die die Wellen gegen das Schiff austeilen, verstärken sich bis zu dem Ausguck dermaßen stark, daß ein konsequentes Ausschau halten für Raschid unmöglich scheint.

Und dennoch, ein paar Sekunden lang bleiben die Schläge der Wellen aus und Raschid schafft es einen, durch Tränen verschwommen, Blick zum Horizont zu werfen.

Mit einer Hand versucht er die Augen von den Tränen zu befreien, um einen besseren Blick auf das Gesehen zu erhalten. Zwei Schiffe fahren dort am Horizont. Entweder auf die Nordstern zu, oder von ihr weg. Genaues kann er aber auf die Entfernung noch nicht erkennen.

Voller Übermut nimmt er seine ganze Kraft zusammen und ruft, mit einer Hand auf die Schiffe deutend, zum Brückendeck hinunter

"Zwei Schiffe! Zwei Schiffe voraus!" schallt es über Ober- und Brückendeck der NORDSTERN.



Die Bootsfrau blickt bei dem Ruf aus dem Ausguck sofort zu diesem empor, und dann in Fahrtrichtung. Dort ist jedoch nichts zu sehen, was kein Wunder ist, da das Brückendeck ja schließlich ein ganzes Ende niedriger ist als der Ausguck in der Mastspitze, und der Seegang ein übriges tut.

Nirka sieht kurz zum Kapitän vor, der ebenfalls interessiert nach oben blickt, doch da sie momentan am Steuer steht, ist es auch ihre Aufgabe, sich darum zu kümmern. Es sei denn, daß Jergan das anders sieht im Moment...

Sie wendet ihre Aufmerksamkeit wieder nach oben und ruft zurück:

"Was für Schiffe?"



Raschid kneift seine Augen zusammen, um eine genauere Sicht auf die Schiffe zu bekommen. Ein paar Augenblicke vergehen so. Die Schiffe scheinen auch etwas näher zu kommen, aber die Geschwindigkeit, mit der sie es tun, läßt Raschid darauf schließen, daß sie in die selbe Richtung wie die NORDSTERN fahren. Sobald er dieses erkennt meldet er sich wieder, auch wenn er weis, daß es nicht die Antwort auf Nirkas Frage ist. Doch er möchte sie nicht zu lange warten lassen.

"Die beiden Schiffe fahren in die selbe Richtung, wie wir. Aber sie sind etwas langsamer. Die Art der Schiffe kann ich noch nicht erkennen, Bootsfrau."



Dem Kapitän ist der Ruf aus dem Ausguck natürlich nicht entgangen, auch wenn ihm ein wenig unklar ist, warum Nirka einen Matrosen nach da oben geschickt hat. Doch dann, bei der Antwort von oben, wird ihm klar, daß das der neue Matrose ist, und damit versteht er ihre Absicht schon wieder viel besser.

Jergan ist eigentlich sogar erfreut, daß etwas geschieht, denn nach dem doch rechts gefühlsintensiven Schreiben an seine Frau und den vielen Gedanken über die Ereignisse der Vergangenheit ist es nicht verkehrt, daß es jetzt etwas zu tun gibt. Zwar nicht direkt für ihn...

Halt!

Der Kapitän lächelt kurz, dann dreht er sich auf der Stelle um und geht forschen Schrittes zum Aufgang auf das Brückendeck und auf dieses hinaus. Schließlich ist er hier Kapitän, und damit legt er fest, ob er etwas zu tun hat, oder nicht.

Die Tatsache, daß die Schiffe etwas langsamer sind, läßt vermuten, daß die NORDSTERN sie wohl demnächst überholen wird, und das wiederum macht diese Entdeckung doch wichtig.

'Und wir haben eine Gelegenheit, das Beobachtungsvermögen des neuen Matrosen einschätzen zu können!'

Jergan bleibt neben dem Steuer stehen, wo die Bootsfrau sich ihm zuwendet - die Anwesenheit des Kapitäns hier oben und die Zielstrebigkeit, mit der dieser ankommt, macht deutlich, daß er jetzt das Kommando übernimmt.

Gar nicht sehr laut befiehlt er:

"Sag ihm, daß er sofort Bescheid sagen soll, wenn er sehen kann, was das für Schiffe sind! Wenn er sich nicht sicher ist, dann übernehme ich das Steuer, und du gehst nachsehen."



"Zu Befehl, Kapitän!"

Auch wenn der erste Teil von Jergans Kommando schlicht eine Selbstverständlichkeit ist, so ist es das Recht des Kapitäns, auch so etwas zu befehlen. Als viel interessanter empfindet Nirka allerdings den zweiten Teil der Anweisung, denn diese Idee hatte sie bei Raschids Ruf bereits selbst, nur hat sie keine Möglichkeit der Umsetzung gesehen, denn im Gegensatz zu Jergan kann sie diesen Posten nicht einfach verlassen und das Steuer jemanden anders übergeben.

Sie korrigiert den Kurs wieder ein klein wenig, und ruft dann nach oben:

"Sag sofort Bescheid, wenn du mehr über die Schiffe weißt! Typ, Herkunft, so was eben!"

Ihre Blicke huschen kurz zum Kapitän, und dann wieder nach vorne. Ein ganz klein wenig hofft sie sogar, daß Raschid dieser Aufgabe nicht gewachsen ist, denn es ist schon wieder so lange her, seit sie das letzte Mal dort oben war, und das ist so eigentlich sehr gerne...



Je länger Raschid die Schiffe beobachtet, desto weniger ist er davon überzeugt, daß die Schiffe näher kommen. Vielleicht hatte ihn das reflektierende Wassers glauben lassen, die Schiffe wären langsamer. Inzwischen ist er sich sicher. Sie sind schneller und entfernen sich von der Nordstern.

Aber eine andere Sache beschäftigt ihn viel mehr, als die Geschwindigkeit der beiden Schiffe. Irgendwoher kennt er die Form von dem Schiff und dem einzelnen großen Segel.

Einige Sekunden starrt Raschid in die Ferne und grübelt über die letzten Monate. Woher könnte ihm das Schiff bekannt vorkommen. Von zu Hause, der Fahrt nach Thorwal, oder seinem Aufenthalt in der Stadt.

Mit einem Mal erstarrt er wie von Rondras Zorn getroffen. 'Drachenboote!' schießt es ihm durch den Kopf. 'Drachenboote!' Voller Furcht greift er an das Beutelchen, das er immer um seinen Hals trägt und murmelt einige fremde Worte.

"Chaleb dei felfared. Belsharad ib del tefalhal.Teshal fal delelshar ab dul hasradel jehalal."

Diese Worte wiederholt er mehrere Male, wobei er auf seltsame Weise mit dem Oberkörper hin und her wippt. Die Arme hat er um den Maßt geschlungen, wo dann die Hände das Beutelchen umklammern. Das Gemurmel Raschids wird lauter und lauter, so daß ein leises Wispern nach wenigen Minuten auch auf Ober- und Brückendeck zu hören ist.



Ungeduldig schaut die Bootsfrau nach oben. Was braucht der Kerl so lange, um so einen simplen Befehl zu bestätigen?

Als nach einigen Momenten immer noch nichts kommt, läßt sie das Steuer mit einer Hand los, die sie in die Hüfte stemmt. Wer Nirka kennt, weiß, daß das eine Geste anfangender Verärgerung ist, die dann meist in ein Donnerwetter mündet - oder schlimmeres, je nach der Härte des Vergehens.

Sie sieht kurz zu Jergan, aber der ist damit beschäftigt, den Horizont mit den Augen abzusuchen. Außerdem hat er ihr einen sehr klaren Befehl gegeben, und sie wäre nicht die Bootsfrau der NORDSTERN, wenn sie nicht in der Lage wäre, einen solchen auszuführen.

Sie legt den Kopf wieder in den Nacken und sieht zum Ausguck empor. Kurz weht der Wind Stimmfetzen an ihre Ohren, die von da oben kommen könnten... aber sie achtet nicht weiter darauf, sondern brüllt in voller Lautstärke:

"Raschid, wirds bald? So schwer ist der Auftrag ja nun wirklich nicht!"



Nirkas Ruf zeigt Wirkung. Schlagartig beendet Raschid das Gemurmel und öffnet seine Augen. Das Schiff hat sich noch weiter von der Nordstern entfernt und ist nun nur noch schwer am Horizont zu erkennen. Nach einem Kuß auf das Ledersäckchen um seinen Hals, dreht er sich wieder zu Nirka um.

"Es sind zwei Drachenboote der nordischen Piraten. Doch die Götter scheinen ihre schützende Hand über uns zu halten. Sie haben uns nicht bemerkt, denn sie sind schneller geworden und entfernen sich nun von uns."



'Piraten?'

Nirka runzelt die Stirn bei dem, was sie von oben hört, denn das erscheint ihr doch höchst merkwürdig - zumal Raschid erst etwas von einer Annäherung sagte, und nun wieder davon, daß sie sich entfernen.

"Sie müssen uns gesehen haben", wirft der Kapitän von der Seite ein.

Die Bootsfrau nickt langsam:

"Ja, da habt Ihr recht, denn die Karavelle mit ihren großen Segeln und den hohen Masten kann eigentlich nicht übersehen werden! Aber warum fahren sie weg?"

Nirka zuckt es in den Fingern, selbst nachzusehen, doch das muß eine Entscheidung des Kapitäns sein.

Dieser hält sich nicht weiter mit der Befehlskette auf, sondern ruft selbst nach oben:

"Bist du dir da absolut sicher? Es ist keine Schande für dich, wenn jemand anders dich ablöst und nachsieht!"

Danach sagt er leise zu Nirka:

"Mal sehen, wie Raschid sich und seine Fähigkeiten so einschätzt..."



Der Blick in die Ferne


Hjaldar scheint tatsächlich nichts von Joanna's Schwindel mitbekommen zu haben - oder er mißt diesem einfach keinerlei Bedeutung zu. Jedenfalls blickt er noch eine zeitlang auf die Wasserfläche und meint sogar wirklich für einen Augenblick den Schatten eines größeren Fisches gesehen zu haben, doch im nächsten Augenblick ist dieser wieder verschwunden.

Schulterzuckend dreht er sich um, setzt sich wieder auf die Reling und sieht Joanna an.

"Ich halte prinzipiell alles für möglich. Doch glauben tu' ich meist nur das, was ich auch selbst geseh'n hab. So mancher Troll in den Geschichten war meist nur ein etwas kräftigerer Ork." seinem Tonfall und Lächeln kann man entnehmen, daß er prinzipiell gar nichts gegen diese Art der 'Geschichtenveredelung' einzuwenden hat und wohl auch extensiv selbst betreibt.

Als der Matrose oben am Ausguck dann plötzlich etwas von "Schiffen voraus!" brüllt, springt er förmlich auf und schmettert fröhlich:

"Jo, laß uns mal gucken geh'n, ob das ein paar Drachen zum Spaß haben sind."

Festen Schrittes geht er zielstrebig auf den Hauptmast zu, dort wo die Strickleiter zum Ausguck hinauf herunter hängt, dreht sich aber unterdessen noch einmal um, wohl um festzustellen, ob ihm Joanna auch folgt.



Als Hjaldar losgeht, ist Joanna schon etwas erstaunt.

'Denkt er wirklich, daß er von hier aus etwas erkennen kann? Naja, möglich ist es ja.'

Und schon ist sie unterwegs, um Hjaldar zu folgen.

"Glaubst du, ..." 'daß du die Schiffe sehen kannst?' setzt die Druidin so leise fort, daß man es nicht hören kann, als sie den Hauptmast vor ihr sieht.

"Ähh.. Da willst du rauf?" zweifelt sie und lächelt etwas unsicher.



"Klar, warum nicht? Wenn man mich läßt." grinst Hjaldar, als der Matrose oben etwas von 'Piraten' zu faseln beginnt.

Sofort verwirft er den Gedanken, erst einmal zu fragen, ob man ihn da oben überhaupt haben mag, zu sehr ist seine Neugier geweckt.

Schwungvoll erklimmt er die ersten Sprossen am Mast. Daß er da oben auf dem Ausguck sicher keinerlei Platz neben dem Matrosen haben wird, ignoriert er dabei völlig - wenn er sich nur weit genug oben am Mast festhält, wird er schon einen Blick auf die Schiffe voraus ergattern können, dessen ist er sich sicher.

"Na, dann fall' man nicht in Ohnmacht, wenn Du 'nen nordischen Piraten den Mast rauf klettern siehst." ruft er fröhlich dem Tulamiden zu, über dessen Anwesenheit an Bord eines nordischen Handelsschiff er sich schon unlängst gewundert hat.

Während er scheinbar unbekümmert ob des Schwankens des Mastes und der Gefahr herunter zu fallen in beachtlicher Geschwindigkeit nach oben klettert, feixt er noch weiter "Ole wär ganz schön sauer, wenn er wegen Dir das Deck reparieren müßte."

Immer wieder lehnt er sich dabei waghalsig zur Seite vom Mast weg, um festzustellen, ob er schon am Segel vorbei auf das Meer sehen kann, dort wo die Segel sein sollen, doch muß er dazu wohl tatsächlich bis fast ganz nach oben, bis direkt unter den Matrosen.

'Na, hoffentlich macht der Jung' sich nicht in die Büx.'



"Ich kann es euch erklären." Raschid hebt seinen Glücksbeutel auf Kopfhöhe und läßt in hin und her schwingen. "Dieser Glücksbringer schützt uns vor den Piraten. Es ist ein mächtiges Artefakt, daß den Piraten die Sicht auf uns verwehrt. Ihr könnt mir glauben, sie fahren weiter von uns weg."

In diesem Moment entdeckt Raschid den 'herauf stürmenden' Thorwaler. Eine gewisse Hektik bricht in ihm aus und sein panischer Gesichtsausdruck verrät, daß er sich nicht freut den 'Matrosen' zu sehen."Was wollt ihr hier oben.... Geht wieder runter.... Ihr seht doch, das hier nicht genug Platz für uns ist.... Ihr bringt den Mast noch zum Brechen.... Hat sich in eurem Schädel ein Schwarm Borbarad-Moskitos eingenistet, oder hängt ihr nicht an eurem Leben?... Geht runter!... Shaleb terif al shalar!... ... ... ..."

Raschid klammert sich mit all seiner Kraft an dem Mast und scheint keineswegs gewillt zu sein für den Barbar auch nur einen Finger Platz zu machen. Aus Furcht vor dem ungezügelten Zorn des Hünen, den er bereits mit Äxten herum rennen gesehen hat, spricht er die wirklich schlimmen Flüche und Verwünschungen in seiner Heimatsprache aus.



Nirka will aufbrausen, als sie die in ihren Augen völlig sinnlose Erklärung Raschids hört, doch da passiert schon das nächste - einer der Fahrgäste entert rasant und nicht ungeschickt den Mast empor - auf jeden Fall viel eleganter, als Rschid das getan hat.

Sie schwankt zwischen Wut und Lachen, doch die Entscheidung, welches von beiden sie tun soll, nimmt Jergan ihr ab, der laut loslacht.

Die Bootsfrau fällt in das Lachen fast sofort ein, doch sie beherrscht sich sofort wieder, denn immerhin ist die gefährliche Situation ja noch nicht gebannt, und das, was da im Mast passiert, entspricht auch nicht so ganz den an Bord geltenden Regeln. Aber... immerhin hat der Kapitän das jetzt ganz deutlich übernommen, und das beschränkt ihre Pflichten darauf, das Steuer zu führen, und das ist etwas, das sie sehr gut kann.

Jergans Lachen verklingt auch sehr schnell, und er brüllt nach oben:

"Schau du mal nach, was es da wirklich zu sehen gibt, Hjaldar! Aber wirf den Matrosen nicht runter, den brauchen wir noch!"

Seine Fröhlichkeit täuscht dabei nicht darüber hinweg, daß er ehrlich froh ist, daß mit dem Thorwaler jetzt jemand auf dem Weg nach oben ist, der sich mit Drachenschiffen wirklich auskennt.



"Nu' mach Dir mal nicht ins Hemd." grinst Hjaldar den aufgeregten Tulamiden von unten an "Bevor der Mast bricht müssen mindestens noch Ole und der Smutje hier rauf kommen und runter werfen tu' ich Dich auch nicht .. jedenfalls nicht absichtlich."

Schließlich ist er so weit oben, daß er über den Rand des Segels hinweg einen Blick auf die Schiffe werfen kann, kaum einen kopfbreit unter dem eigentlichen Ausguck, auf dem Raschid wie von einer Maraske gestochen herumturnt.

Wieder hält er sich waghalsig mit nur einer Hand an den Sprossen fest, während er mit den anderen die Augen beschattet, um trotz des grellen PRAiosmals möglichst viel erkennen zu können.

"Rondrawetter, die ham's ganz schön eilig." meint er dann nach kurzer Zeit und ruft - fast ebenso laut wie vorhin die Bootsfrau - auf die Brücke runter:

"Zwei Drachen. Gleiche Segel, aber keine Zeichen. Stehen voll unter Wind und Ruder."

Zufrieden damit, daß daraus der Käpt'n alles ableiten kann, was er wissen muß, späht Hjaldar wieder nach vorn.

"Sag mal, siehst Du das da auch ... zwischen uns und den Drachen?" fragt er plötzlich Raschid und deutet mit der freien Hand in die entsprechende Richtung "Sieht fast so aus, als hätten die schon ihren Spaß gehabt."



Etwas irritiert schaut Raschid den Thorwaler mit großen Augen an. Keine Reaktion auf seine Flüche! Das hätte er nicht erwartet. Von anderen Seefahrern hatte er gehört, daß die Angehörigen dieses Volkes bei der kleinsten Beleidigung mit Fäusten oder Äxten auf den Gegenüber losgehen. Ähnlich, wie die Beni Novad. Mit einem Unterschied, sie scheren sich nicht um lästige Dinge wie Fairness. Wenn der Gegner keine Waffe zur Hand hat, sollte er zusehen, das er schnell das Weite sucht, weil er sonst die scharfe Schneide der Thorwaleraxt zu spüren bekommt.

Nach wenigen Sekunden, in denen Raschid den Thorwaler anstarrt, richtet er seinen Blick in die Ferne. Entlang am Arm des Thorwalers schaut er zum Horizont.

"Ihr habt recht, dort ist ein weiteres Schiff." Raschid kneift die Augen zusammen, um das Schiff etwas genauer beschreiben zu können. "Es schein ein Feuer an Bord zu sein. Ich sehe eine Rauchwolke."

Schnell dreht er sich wieder zur Brücke und informiert Nirka und den Kapitän über die neuesten Entdeckungen. "Dort ist ein drittes Schiff zwischen uns und den Piraten. Ein Rauschwolke ist über ihm zu sehen. Es scheint beschädigt."



Der Kapitän ist über Hjaldars präzise Angaben froh, ebenso über den Inhalt, denn, obwohl die Beobachtung deutlich auf Piraten hinweist, so ist die Tatsache, daß diese es sehr eilig zu haben scheinen, sich zu entfernen, doch sehr beruhigend.

"Gut, Hjaldar!" ruft er sogleich nach oben, während er kurz überlegt, die Segel etwas wegnehmen zu lassen, um den Abstand noch mehr zu vergrößern. Aber andererseits hat das ja nicht wirklich Sinn, denn die anderen haben die NORDSTERN sicher schon gesehen, und sich gegen einen Angriff entschieden - sonst wären sie jetzt wohl auf Gegenkurs.

Neben ihm versucht Nirka, zu lauschen, was die beiden Männer da oben im Mast miteinander reden, doch der Wind und der allgemeine Geräuschpegel auf dem Schiff machen das recht unmöglich. Zumindest hört sie nicht mehr als einige Wortfetzen, die keinerlei Sinn ergeben.

Doch dann ruft der Matrose Raschid wieder etwas, das die Aufmerksamkeit von Kapitän und Bootsfrau sofort wieder auf sich zieht.

"Dann hatten sie ihre Beute schon", sagt Jergan in Nirkas Richtung, "und sind deswegen wohl nicht weiter an uns interessiert."

Dann ruft der Kapitän nach oben:

"Sind Menschen auf dem anderen Schiff zu sehen? Hjaldar, für was hältst du das?"

Der zweite Teil der Frage ist Ausdruck dessen, daß Jergan EFFerdstreu in dieser Frage den Worten des Thorwalers weit mehr traut...



Um auf Raschid's tulamidische Beleidigungen einzugehen, dazu müßte Hjaldar erst einmal verstehen was dieser da gesagt hat (und dann müßt' er es noch ernst nehmen), doch eine Sache bringt ihn schon in Rage: das jener ihn zum wiederholten Male Siezt.

Doch da Hjaldar's Aufmerksamkeit gerade von wichtigeren Dingen verlangt wird, knurrt er Raschid nur kurz mit funkelnden Augen an.

"Hjaldar heiß' ich. Und wenn Du mich noch einmal 'Ihr' nennst, als wäre ich ein heraus geputzer Pfauenhintern, muß man Deine Reste mit'm Wischeimer vom Deck sammeln." bevor er sich wieder voll auf das Schiff vor ihnen konzentriert.

Als dann der Kapitän Genaueres über das Schiff vor ihnen wissen will, ruft Hjaldar fast sofort zurück "Eine Karavelle von diesen geschniegelten Süßwassermatrosen, möcht' ich meinen. Es scheint Bewegung auf Deck zu sein, zumindest wird das Feuer nicht größer."

Beim Rufen hat er sich allerdings wohl etwas zu weit vor gelehnt, denn er scheint offensichtlich etwas Schwierigkeiten zu haben, sich mit einer Hand wieder an den Mast zurück zu ziehen und rudert mit der Freien schwungvoll in der Luft herum, um mit dieser ebenfalls irgendwie Halt zu bekommen.

"Orksch!"

Schließlich bekommt er aber tatsächlich eine Sprosse zu greifen und zieht sich wieder an den Mast. Hörbar (zumindest für Raschid) atmet er einmal durch.

"Puh, na das hätt' was zum Lachen gebn'".



"Lachen???" Zwischen Raschids Augen wird eine kleine Falte sichtbar, die sonst in seinem Gesicht nicht zu sehen ist.

'Eine seltsame Vorstellung von Spaß scheinen die seefahrenden Barbaren zu haben.'

Etwas verständnislos zieht er die rechte Augenbraun hoch und stellt eine völlig ernst gemeinte Frage.

"Glaubst du wirklich, daß dich jemand ausgelacht hätte, wenn du dir sämtliche Knochen gebrochen hättest?"



"Naja, wenn einer von Euch vom Gaul fällt ist das doch auch Grund zur Erheiterung." antwortet Hjaldar "Und dabei kann man sich genauso gut den Hals brechen."

Obwohl Hjaldar deutlich versucht, sich nichts anmerken zu lassen, wird Raschid feststellen, daß sich dieser jetzt doch etwas fester und sicherer am Mast und den Klettersprossen hält, als noch vor kurzem.

Aufmerksam späht er weiterhin in Richtung des angeschlagenen Schiffes hin, ob jetzt bald eindeutig zu erkennen ist, ob dort an Bord noch jemand lebt, anzunehmen ist es ja.



Auch Raschid richtet seinen Blick wieder in die Ferne, wobei seine Gedanken sich immer noch mit der Antwort des Hünen befassen.

'Gaul? Was bedeutet Gaul?'

Als er so über das Wort grübelt, fällt ihm eine passende Anekdote aus seiner Kindheit ein, die er sofort als passendes Beispiel anführt.

"Als kleinen Junge bin ich mal von einem Gaul gefallen. Es war gar nicht so einfach auf ihn rauf zu kommen. Als ich auf halber Strecke zum höchsten Punkt war, konnte ich mich nicht mehr halten und viel unsanft auf den sandigen Boden. Meine Freunde haben sich wirklich vor Lachen die Bäuche gehalten. Den Göttern sei dank, daß er allerhöchstens 3,5 bis 4 Schritt hoch war. Aber einem Fall aus einer dieser Höhe hier, ..."

Schmerzhaft verzieht er das Gesicht, bei dem Gedanken an seinen damals schmerzenden Hosenboden.

"Ihr müßt wissen. Olivenbäume sind alt, werden aber glücklicherweise nicht sonderlich hoch."



Jetzt ist es an Hjaldar verständnislos zu gucken. Tatsächlich braucht es etliche Sekunden, bis er die Worte des Tulamiden richtig deutet. Ein prustendes Gekicher ist die Folge.

"Ein Gaul ist ein Pferd, Kleiner." bringt er halbwegs verständlich hervor, bis er sich wieder beruhigt hat.

"Ich dachte ihr werdet alle gleich mit so'nem Vieh unterm Hintern geboren."

Während seiner Worte späht er aufmerksam auf das manövrierunfähige Boot, dem sich die Nordstern weiter nähert. Kurz beugt er sich noch mal vor um dem Käpt'n Lagebericht zu geben:

"'s Feuer ist fast aus, viel los is drüben auf'm Deck aber nich' mehr." brüllt er runter und wendet sein Augenmerk wieder auf die See vor ihnen, während er leise murmelt:

"Na, die Süßwassergarnelen werden doch wohl nich' versucht ham, sich zu wehren."



Während Hjaldar dem Kapitän seine neue Entdeckung zuruft, versucht Raschid die Worte des Thorwalers zu deuten. Als dieser seine Satz beendet hat, spricht er ihn noch einmal auf das letzte Thema an.

"Ach, ein Pferd meint ihr. Nein, also in Khunchom hat keineswegs jeder ein Pferd. Die Beni Novad sind diejenigen, die an ihrem Gaul festgewachsen sind."

Kurz schweigt er und fügt dann hinzu:

"Das solltet ihr aber keinem Sohn der Wüste sagen, sonst habt ihr schneller, als euch lieb ist, einen Waquiff zwischen den Rippen."



Diesmal ist es an Hjaldar, ein Wort nicht zu verstehen. Aber von der Formulierung her kann es sich bei einem Wakwiff ja eigentlich nur um eine Waffe handeln.

"Das hat man nu schon öfter versucht, mir was zwischen die Rippen zu schieben und lieb war mir das nie. Den meisten, die's versucht haben ist's aber auch nicht gut bekommen." strahlt er selbstgefällig, bevor er sich wieder dem fremden Schiff zuwendet, wo man jetzt schon Einiges mehr an Details erkennen kann.

"Siehst Du mehr als diese eine Langnase da drüben herumwuseln?" fragt er dann Raschid.





Ende des 'Spiels'


'Das dauert ja ewig...' denkt sich Torin, als er auf die Antwort des Jungen wartet.

'Habe ich damals etwa auch so lange gebraucht? - Nein... ganz sicher nicht. Ich hätte damals sicher wieder die Weidenrute Vater Rotmarders abbekommen, wenn ich so getrödelt hätte...'

Dann aber entspannt er sich wieder etwas.

'Aber ich bin nicht Vater Rotmarder! Ich werde Ameg nicht so schinden, wie der Vater mich geschunden hat. Ich möchte, daß der Junge es aus freien Stücken lernt, und nicht aus Angst, die Nacht wieder hungrig schlafen zu gehen. - Wenn ich denn schlafen konnte...'

Seine Mundwinkel zucken kurz nach unten.

'Und doch verdanke ich dem Vater alles, was ich bin...'

Ein lauter Ruf läßt Torin aufschrecken. Er reißt den Kopf in die Höhe und blickt in die Richtung des Rufes.

Doch als er in das helle Licht der Sonne blickt, wendet er schnell seine schmerzenden Augen ab.

Erst als er die Sonne mit der Hand abschirmt, kann er sehen, woher der Ruf kam: Vom Ausguck.



'So so... 20, sagte Torin... und dazu nun eine 2, eine 4 und eine 5... hmm... das muß ich anders probieren... wenn ich nun einfach die Augen auf den Würfeln zum zählen benutze statt meiner Finger... das müßte eigentlich auch gehen...'

Nach einigen weiteren Überlegungen dieser Art fängt Ameg endlich an weiter zu zählen. Er hofft nur, daß er heute nicht noch über einhundert zählen muß. Denn nur bis zu dieser Zahl hatte Martha ihm damals das Zählen erklärt, als ihn seine Freunde mehrfach beim Spielen mit Holzmurmeln herein gelegt hatten.

'Martha ist nett... ich hoffe ich sehe sie und die anderen irgendwann noch mal.... aber Torin wird ungeduldig... so.. 28..29..30..31 alle Würfel durch.'

Gerade als er die Zahl sagen will ruft jemand von oben, daß Schiffe zu sehen sind.

'Torin ist abgelenkt.. ist das nicht DIE Gelegenheit?'

Ameg schnappt sich die drei Würfel und versteckt sie in seiner Faust. Dann springt er auf und fragt Torin voller Begeisterung:

"Soll'n wir mal gugg'n ob wir die Schiffe auch von hier unt'n seh'n?"



Torin lauscht aufmerksam dem nicht zu überhörenden Gespräch zwischen der Bootsfrau und dem Matrosen im Ausguck, als Ameg aufspringt.

'Zwei Schiffe also - und langsamer als wir. Das können wohl kaum die Drachenboote von Krull und Kaptaine sein...'

"Ich glaube nicht, daß wir von hier schon etwas sehen können, mein Freund." antwortet Torin dem Jungen. "Aber sicher wird in einigen Minuten deine Neugier gestillt. Dann sind die Schiffe sicher in Sichtweite."

'Und ich werde unter Deck sein... Allein für den Fall, daß es Piraten sind... Dann kann ich die Piraten überwältigen und mein Leben für einen guten Zweck riskieren.'

Er nickt. Sein Plan steht fest.

Dann steht Torin auf. Die Entschlossenheit ist ihm anzusehen, doch er dreht sich nicht um, als er Ameg anspricht.

"Ich muß im Gemeinschaftsraum noch meine Koje richten. Wie steht es mit dir, hast du deine schon gemacht? Wir wollen doch nicht, daß Fremde glauben, wir seien unordentlich."

'Allein die Idee mit der ungemachten Koje dürfte für ihn Grund genug sein, nicht mitzukommen. Und seine Neugier dürfte den Rest erledigen.'

Torin geht in Richtung des hinteren Niedergangs. Als er die Hälfte des Weges hinter sich gebracht hat, dreht er sich noch einmal um und ruft:

"Und wenn du kommst, vergiß nicht die Würfel..."



Ameg und Joanna


'Der Kapitän findet es anscheinend recht lustig, daß Hjaldar den Hauptmasten empor klettert, also dürfte er auch nichts dagegen haben.'

Eigentlich würde Joanna ja auch gerne selbst nachsehen, was da oben so vor sich geht, doch wenn sie ehrlich ist, ist sie schon etwas ängstlich und hat damit noch keine Erfahrung - es könnte doch etwas passieren. Außerdem wäre da oben nicht wirklich noch Platz für eine dritte Person.

'Was das wohl für Schiffe sind? Vielleicht sind es ja wirklich Piraten. Dann wäre endlich mal die Chance auf ein "Abenteuer" - hoffentlich geht das ganze aber auch gut aus."

Joanna sieht erwartungsvoll nach oben, denn bald wird sie ja mehr erfahren.



Ameg nickt Torin nur sehr andeutungsweise zu,als dieser von einer Koje redet, die er richten soll.

"Komm' gleich.. will erst noch seh'n was'n das für Schiffe sin'", meint er und vermeidet es Torin anzusehen. Die Koje möchte Ameg im Moment wirklich nicht 'richten' und die Würfel würde er gerne behalten und außerdem ist es hier oben im Moment viel interessanter. Nur das Geschrei macht ihn unruhig. Aber so lange er nicht Grund des Schreiens ist, macht er sich keine Sorgen.

Einen Moment lang schaut er sich an Deck um und sieht dann einen mächtigen Thorwaler den Mast hochklettern.

'Hoffentlich fällt der nicht runter... das gäbe ein mächtiges Loch...'

Ameg geht ein wenig näher an das Geschehen heran, stellt sich neben die Frau, die dort steht und schaut nach oben.

"Da könnt' ich auch rauf klettern...", murmelt Ameg, gerade noch laut genug, daß die Frau es gehört haben könnte.



Noch während Joanna nach oben sieht und den Geschehnissen zuhört, bemerkt sie, daß jemand an sie herangetreten ist. Die Druidin lächelt den Jungen an.

"Ja, das wäre jetzt schon interessant, was da oben so vor sich geht, aber ich glaube noch jemand würde da nur im Weg sein."

Ihre Stimme ist sanft und freundlich, jedoch keineswegs enttäuscht, obwohl sie das ganze nur von hier unten beobachten kann.

"Ich bin Joanna und wie heißt du?"



Ameg schaut vom Hauptmast zu Joanna und direkt in ihre dunklen Augen. Eine kurze Weile sagt er nichts. Er scheint in ihrem Gesicht zu forschen, als wolle er heraus finden ob ihre freundliche Stimme echt oder nur gespielt ist.

'..ihre Stimme ist freundlich.. sie sieht nett aus.. und sie ist schön..'

Ameg brauch nicht lange um sich zu entscheiden. Er lächelt sie an und sagt, nicht ohne ein wenig Stolz:

"'allo Joan'a... ich bin Ameg... ...Has' du schon'ma Piraten geseh'n?"



"Piraten? Nein, bis jetzt noch nicht, aber so wie es aussieht wird es nicht mehr so lange dauern."

Joanna sieht nach oben zum Ausguck und dann wieder zu Ameg.

"Aber erzähl mal, du hast doch sicher schon einmal Piraten gesehen, oder etwa nicht?"



Ameg nickt. "ja.. hab' schon Pirat'n geseh'n.. in Tho'wal.. Da lauf'n n paar rum.. aber die meis'n sin' besoff'n, wenn ich sie seh'.. und dann kann ich den'n ..."

'ab und zu ein paar Münzen klauen.. ja klar, Ameg.. erzähl das.. Torin wird stolz auf dich sein..'

Ameg beendet den Satz nicht und schaut zum Mast hoch, während er versucht sich was einfallen zu lassen.

Nach ein paar Momenten schaut er wieder Joanna an und redet weiter:

"..kann den'n manchmal bei Schlägerei'n zuguck'n.. wenn die beim Entern genauso wüt'n dann möcht' ich eigentlich nich' näher an deren Schiffe..."

Wieder schaut er zum Ausguck hoch..

'Der Thorwaler da oben könnte aber es wohl leicht mit ein paar Piraten aufnehmen.. wäre schon irgendwie interessant einen großen Kampf zu sehen.'



'Piraten,............Besoffen,.........Schlägereien,.....................und das ist noch nicht alles.'

Ein leicht entsetzter Ausdruck ist auf Joannas Gesicht zu sehen. Ihr ist es vergangen, Piraten zu treffen.

'Aber das wird wohl noch eines der harmlosen Dinge sein wenn man reist.'

"Sag mal Ameg, du bist doch auch sicher schon öfter gereist. Was hat man da so an Gefahren zu erwarten? Es ist nämlich meine erste Reise auf einem Schiff."

Gespannt wartet die Druidin ab, ob der Junge interessante Geschichten zu erzählen hat, oder ob so eine Reise doch nicht so gefährlich ist. Dabei kann man in ihren schwarzen Augen ein Funkeln erkennen.



Torin bereitet sich vor ...


Als Torin Rotmarder die schmale Treppe des hinteren Niederganges erreicht, hört er die Worte des Thorwaler Matrosen. Dieser spricht von Piraten und einem dritten Schiff.

'Also hatte ich recht. Es sind Piraten!' denkt er sich, als er die hölzerne Treppe hinuntersteigt. 'Drei Schiffe voller Piraten... Das wird ein Spaß!'

Als Torin das untere Ende der Treppe erreicht, sieht er an der Kombüsentür einen gutgekleideten Herren verweilen. Nun kommt Torin auch wieder der leicht stechende, ihm noch immer anhaftende Geruch von verkohltem Holz in die Nase und er zieht die Nase kraus.

Doch die Vorbereitung gegen die Piraten geht vor, und so unterdrückt er einen spitzen Kommentar und geht weiter auf die offene Tür des Gemeinschaftsraumes zu, als ihn ein leichter Windhauch streift. Für einen kurzen Augenblick verliert sich der rauchige Gestank, den Torin seit Thorwal in der Nase hat.

Doch als er die Türe der Gemeinschaftskabine passiert, steigt ihm der Geruch sofort wieder in die Nase.



Leise durchquert er den Raum, um nicht die noch immer schlafende Person zu wecken.

'Es ist jetzt heller Tag und dieser Magier hat nichts besseres zu tun, als herumzuliegen und zu schlafen. Wenn die Piraten erst entern wird auch er aus seinem Schlaf gerissen.'

Als er seinen Spind öffnet fallen ihm die beiden Florette ins Auge.

Er beißt die Zähne zusammen und zieht die Luft hörbar durch die Nase ein um sie dann auf dem gleichen Wege wieder zu entlassen.

'Harads Florett...' Er nimmt die Waffe aus dem Schrank und betrachtet sie genau. Die Waffenscheide, in der das Florett ruht, ist aus rotem Samt. In dieses Samtgewebe sind fünf Smaragde einpaßt.

Torin zieht das Florett aus seiner schützenden Umhüllung heraus und betrachtet ehrfurchtsvoll die feinen Verzierungen der Waffe. Der harte Rundstahl scheint im ersten Augenblick geschunden und verkratzt, doch Torin weiß, daß die Verzierungen des Griffes bis fast zur Spitze der Waffe reichen.

Er blickt auf den Korb der Waffe. Wie Schlangen winden sich die beiden Parierstangen aus dem Material des Handschutzes dem Gegner entgegen.

'...solange du in Thorwal bist, möchte ich, daß du es bei dir trägst...' hört er die Worte Harads in seinem Ohr.

Mit Tränen in den Augen legt die Waffe wieder zurück in den Spind.

'Ich wünschte, ich könnte euch die Waffe zurückbringen, mein Freund. Doch das ist mir wohl nicht vergönnt.'



Mit dem Ärmel streift sich Torin die Tränen aus den Augen und nimmt sein eigenes Florett an sich.

Das einfache, schmucklose Florett kann sich in keiner Hinsicht mit der anderen Waffe messen. Der einfachen Dreikantklinge wurde ein eher schützender denn schmückender Korb beigefügt und die beiden kleinen Parierstangen an den Seiten haben bereits einige Scharten zu verzeichnen.

Und doch zieht Torin diese Waffe der anderen vor, denn es ist seine eigene Waffe, mit der er schon einige Orks getötet und mehrere Räuber zur Aufgabe gezwungen hat. Und an dieser Waffe hängen auch keine ungewollten Erinnerungen.

"Und damit bekommen die Piraten jetzt eine Lektion erteilt." murmelt er leise, als er die braune Lederscheide an seinem Gürtel befestigt.

Torin sperrt gerade seinen Spind wieder zu, als er leises Gebrummel hinter sich hört. Blitzschnell wendet er sich um. Bereit, sofort die Waffe zu ziehen, falls es die Piraten geschafft haben sollten, das Schiff zu entern.

Doch es ist nur der schlafende Magier, der im Schlaf etwas murmelt.

"Tut so etwas nie wieder..." murmelt Torin, um seinen eigenen, lauten Herzschlag zu übertönen.

Dann macht er sich auf, die Gemeinschaftskabine zu verlassen.



'Doch wo könnte man die Piraten am Besten überrumpeln? Im Laderaum oder der Segellast? - Nein, wenn sie bis dorthin kommen, dann ist es schon zu spät. Doch wo dann? - An der Rotze? Das ist sicher einer der ersten Plätze, den sie einzunehmen versuchen werden.'

Torin nickt bestätigend.

'Auf dem Vordeck ist die Gefahr sicher am Größten. Dort werde ich die Piraten erwarten. Wenn mich schon PHEx verstößt, will ich wenigstens Rondra die Ehre erweisen!'

Mit hängenden Lippen aufgrund seiner eigenen dunklen Gedanken verläßt er die Gemeinschaftskabine. Hinter ihm grummelt der Magier noch immer.

Phexane und dem feinen Pinkel schenkt er keine Zeit, als er vorsichtigen Schrittes die Treppe erklimmt. Lediglich der rauchige Geruch seiner Kleidung bleibt zurück.

'Vielleicht sind die Piraten längst an Bord? Mir wäre viel wohler, wenn Krull hier wäre.'

Gespannt linst er über den Rand der Treppe. Doch noch immer blicken alle wie gebannt zum Vordeck und wohl darüber hinaus.

'Sie sind noch nicht hier.' schlußfolgert er.

Auf dem Brückendeck sieht Torin die Bootsfrau und den Kapitän, deren Blicke zwischen dem Vordeck und dem Mast pendeln. Torin hebt seinen Kopf und blickt zum Mast hoch. Noch immer 'hängen' die beiden Matrosen oben am Mast.

'Ob die beiden sich wohl bewußt sind, daß sie ein perfektes Ziel für einen Bogenschützen abgeben? Ich würde nie freiwillig da hochklettern.'

Dann jedoch entspannt sich Torin etwas und er betritt das Oberdeck. Nach einem weiteren kritischen Blick in die Runde steuert er auf das Vordeck zu.



Anselm


Das bunte Treiben auf dem Deck wird von Anselm interessiert beäugt.

'Der Kräuterfritze unterhält sich mit dem Magus... dieser Ottam wird sich noch wünschen er wäre die Treppe runtergefallen. Dann müßte er sich nicht die tausenden von Fragen anhören.'

Anselm grinst. Als nächstes schaut er zum Ausguck hoch, den er hat vorhin irgendwas wie "Piraten" gehört.

'Na was ist denn da los? Reicht es nicht wenn EIN Mann da oben guckt? Naja, mich soll's nicht stören. Aber Piraten würden mich schon stören...höhö...naja, Hauptsache wir erreichen bald den nächsten Hafen. Endlich wieder in einer Stadt. Wäre nicht das schlechteste mal ein bißchen "Gepäck" zu kaufen. Wenigstens ein paar Hemden. Mag sein, daß ich ein Lump bin, aber in Lumpen will ich nicht rum laufen. Geld hab ich genug retten können...'



Sylvhar


Nachdem Sylvhar fast den ganzen Schmiermittelbehälter für 'seine' Winde geleert hatte, ging plötzlich ein Geschrei auf dem Boot los. Da er nicht weit von der Brücke entfernt an der Reling stand, konnte er der Kommunikation von Nirka mit dem ganz dunkelhäutigen oben auf dem Mast gut zuhören. Auch das was Jergan-Kapitän und Nirka zueinander sagten, konnte er gut hören.

Aber irgendwie versteht er wieder mal nicht so ganz, was die Menschen bewegt. Andere Schiffe wurden gesehen, ja aber wieso löste das auf dem Schiff so ein Treiben aus? Und warum einige auf den Mast rauf wollen, um diese Schiffe zu sehen? Und was wohl Piraten sind??

Nachdenklich blickt er zwischen der Brücke, den Leuten auf Deck und denen auf dem Mast oben hin und her. Er lauscht weiterhin, ob er vielleicht doch noch raus kriegt, was los ist. Dabei bleibt er regungslos am Ort stehen während hinter ihm die Schmiere leicht von der sehr gut gemeint eingeschmierten Winde runter tröpfelt.



Noch immer grübelnd tritt Sylvhar näher an die Brücke heran.

"Was ist denn los?"

Die Frage richtet sich nicht an eine der beiden Personen auf der Brücke. Irgendeiner wird ihm sicher eine Antwort darauf geben. Außer vielleicht, wenn auch den anderen nicht klar ist, was vor sich geht.

Aber bis jetzt war es eigentlich immer er, der das Verhalten der Menschen an Bord als einziger nicht richtig deuten konnte.



Ein Schläfer erwacht


`Das blaue Wasser liegt glatt wie ein Spiegel. Kein Lüftchen regt sich. Die Strahlen der gelben Sonne scheinen warm, ein leises Plätschern ist zu vernehmen, streift die Haut wie ein Hauch und hinterläßt ein zartes Kribbeln. Mein Blick dringt durch die Wasseroberfläche, immer tiefer hinab. Vorbei an einem Schwarm kleiner silberne Fische, die wild durcheinander zu schwimmen scheinen. Doch nur auf den ersten Blick. Wer genauer hinsieht, der kann ein Ordnung entdecken, ein fein gewebtes Muster. Die Fische verdichten sich zu Linien, Kreise, Klumpen. Blitzschnell lösen sich Fischlein voneinander, nur um sich bald darauf wieder zu einer Traube zu vereinigen.

Einige Zeit schaue ich dem Treiben zu, doch dann wandert mein Blick weiter. Und ich mit ihm. Tiefer und tiefer. Ich sehe bunte Korallen. Rote, blaue, gelbe. Wie ein Flickenteppich liegen sie da. Hier und dort flitzen kleine Papageienfische durch die Äste des bizarr anmutenden Riffs. Glücklich über die Schönheit des Meeres verharre ich. Da, plötzlich eine Bewegung im Wasser. Ein schlanker, stromlinienförmiger Körper. Und dort - noch einer. Und dort, dort und dort. Eine ganze Schule Delphine. Näher kommen sie. Sie umkreisen mich, scheinen mich anzulächeln. Vorsichtig schwimme ich zu einem dieser wunderschönen Geschöpfe, meine Hand fühlt die glatte haut des Meeresgeschöpfs.

Ein fast zärtlicher Stupser des Delphins berührt mich an der Brust. Ganz sachte greife ich nach der sanft gebogenen Rückenflosse. Kaum habe ich mich daran festgehalten, als wieder Bewegung in das schlanke Geschöpf kommt. Mit schnellen Flossenschlägen strebt es nach oben. Immer schneller und schneller.

Das helle Licht der Wasseroberfläche kommt immer näher, das tiefe Blau, das mich - das uns - umgibt, wird immer heller und heller. Dann, mit einem Ruck durchstoßen wir die Oberfläche, schweben. Tropfen perlen, Wasserspritzer gleiten durch die Luft. warm brennt die Sonne auf meiner Haut. Seine Lungen scheinen die Luft aufzusaugen. Doch schon ist der Flug wieder vorbei, die Oberfläche - schimmernd wie Saphir - kommt immer näher und näher, bis...`

Ein lautes Chrrr dringt zu dem Schläfer durch, stört ihn in seinen Träumen. Seufzend schlägt der Schläfer im Mannschaftsraum die Augen auf...



In einer der Hängematten in der hinteren linken Ecke des Mannschaftsraum regt sich der gerade erwachte Schläfer. Trotz des engen Raums hier unten scheint es, als läge der eben erwachte etwas abseits. Die nächste Hängematte hängt ungewöhnlich weit entfernt.

`Oouh, wie spät es wohl sein mag. Warum muß er auch nur so schnarchen..`

Anklagend blickt der aus seinen Träumen gerissene Efferdan auf seinen schnarchenden »Nachbarn«.

`Was solls. Schlafen werd ich wohl eh nicht mehr können. Dann kann ich auch aufstehen und an Deck gehen. EFFerd sei gepriesen - glücklicherweise habe ich dann noch etwas Zeit, bis meine Schicht beginnt...`

Ein schmaler, schlanker Bursche von etwas mehr als 8 1/2 Spann Größe steigt flink aus seiner Hängematte. Er wirkt nicht besonders kräftig, dafür aber schnell, flink und gewandt. Wer ihn zum ersten Mal sieht, der findet diesen Jüngling gewiß seltsam: Seine Wangen sind breit, sein Kinn kaum ausgeprägt. Seine Lippen sind voll und werden von keinem Bart geziert - nicht einmal Bartstoppeln. Efferdans Augen sind blau - so blau mit das weite Meer.

Sein flachsblondes, schulterlanges Kopfhaar ist hier und da von einer noch helleren Strähne durchzogen. Auffällig ist auch die Hautfarbe: bläßlich weiß. Auch scheint die Haut seltsam glatt, seidig-weich und haarlos zu sein. Doch trotz dieses befremdlichen Aussehens wirkt der junge Mann anziehend, ja fast begehrenswert. Momentan umgibt ihn eine Aura der Ruhe und Sicherheit - wenn er auch noch etwas verschlafen wirkt.

An Kleidung trägt der Jüngling - er wirkt nicht älter als Anfang zwanzig- eine derbe Leinenhose sowie ein weißes, ärmelloses Hemd. Um den Hals baumeln, an einem Lederband, ein hölzerner Delphin, eines Seeschlange aus Metall und eine Rose aus Lapislazuli. In den feinen Corpus der Rose scheinen zudem Wellenlinien und fremdartige Ornamente eingeschnitten zu sein.

Seufzend greift der Jüngling zu einem Lederriemen, an dem, in einer Art Lederscheide, ein Dolch - mehr Werkzeug als Waffe - hängt und legt ihn sich um die Hüfte, wo er mit einem beherzten Knoten befestigt wird.

Kurz fährt er sich mit der schlanken Rechten durch das Haar, dann beginnt er, sich mit flinken, sicheren Schritten durch die Hängematten hindurch zum Durchgang zu schlängeln.



Am Durchgang angekommen, blickt Efferdan sich noch einmal kurz um...

`Schlafen alle noch - und schnarchen wie..., wie... sicher sind einige betrunken!!! Wenn das der Kapitän wüßte...`

.. dann tritt der schlanke Jüngling durch den Durchgang hindurch. Schlendernd macht Efferdan sich auf den Weg nach oben, die nackten Füße verursachen kaum ein Geräusch auf dem hölzernen Boden.

Am Aufgang angekommen, verharrt er kurz. Efferdan schließt die Augen. Seine Ohren vernehmen das Knacken im Gebälk. Das Plätschern der Wellen am Bug, das Knirschen der Seile. Die salzige Seeluft dringt in seine Nase, Efferdan schnuppert die Frische des Meeres. So steht er da, die Eindrücke um sich herum genießend. Ein Lächeln hat sich in seinem breit gemacht, ein Lächeln voller Seligkeit...



Efferdan steht noch immer regungslos am Aufgang. Er spürt den sanften Luftzug, der herunter dringt, er riecht das Meer, die Gerüche von Freiheit, Abenteuer... Geborgenheit, Sehnsucht und Wehmut. Er nimmt das sanfte Schaukeln des Schiffes auf den Wellen unter seinen Füßen wahr, seine Ohren lauschen auf das sanfte Plätschern und Rauschen des Meeres.

Doch er nimmt auch noch andere Geräusche wahr: Stimmen. Stimmen vom Oberdeck. Diese Stimmen reißen ihn aus seinen Gedanken. Efferdan öffnet die Augen.

Seufzend beginnt er den Aufgang hinauf zu laufen. Oben angekommen, blinzelt er ob des hellen Lichtes erst einen Augenblick - es mögen auch zwei sein - doch dann sieht er sich um.

`Aha auf der Brücke stehen der Kapitän und Nirka. Raschid - ja es müßte Raschid sein - sitzt im Ausguck. Was macht der Thorwaler dort? Warum schauen alle aufs Meer hinaus. Ist da was? Tsja.`

Mit kleinen, flinke Schritten macht Efferdan sich auf dem Weg zum Aufgang zum Vordeck. Seine nackten Füße verursachen dabei nur ein leises `TapTap` auf den Planken. Überhaupt scheint er bemüht, sich möglichst unbemerkt von den Passagieren und möglichst weit von ihnen entfernt zu bewegen.



Schon hat Efferdan den Aufgang zum Vordeck erreicht. Flink steigt er diesen hinauf. Doch als er - noch nicht ganz oben - den Schiffsmagier mit einem der Passagiere dort im Gespräch vertieft sieht, bleibt er ruckartig stehen.

`Der Schiffsmagus - ausgerechnet... warum mußte auch nur ein neuer an Bord kommen. Irgendwie ist er mir unheimlich... am besten, ich verschwinde wieder!`

Kurz starren seine tiefblauen, geweiteten Augen noch auf den Magier, dann dreht Efferdan sich um und beginnt den Aufgang möglichst lautlos wieder nach unten zu gehen.

Dabei legt Efferdan seine rechte Hand auf die Brust, in der Meinung, sein Herzschlag müßte durch das ganze Schiff hallen.

`Beruhig dich, beruhig dich...`

Das der hölzerne Aufgang doch knarrt, kann er natürlich nicht verhindern...



Das schöne Fräulein 'Rosenhain'


Nicht weit von der Kombüse, nähert sich di Vespasio jetzt dem EFFerdschrein.

'Nun, wen haben wir denn da? Sie erinnert mich doch an jemanden ... Mein Lieber, tu nicht so, dein Hirn ist noch nicht ganz so verstaubt. Sie hat Dir beim Essen schräg gegenüber gesessen und du hast nur versucht, das Essen, beziehungsweise ihren Umgang damit, zu vergessen.'

'Zumindest ihre Kleidung läßt auf einen besseren Geschmack schließen. Die Farbzusammenstellung ist sicherlich avantgarde. Ich habe diese Schwarz-Rot-Blau schon mal bei einem Wappenschild gesehen. Di Baliddin? Oder von Arnt?'

'Oh, Frizzi, sie scheint betrübt zu sein. Noch ein junges Mädchen, daß väterlichen Rat und Trost benötigt?'

Di Vespasio tritt einen Schritt näher heran und verneigt sich kurz, bevor er zu sprechen beginnt.

"Was sehe ich da. Sollten gar Tränen eure Wangen benetzen? Wer könnte derart böse sein, einem so schönen Mädchen das Lachen vom Anlitz zu stehlen."

Di Vespasio macht einen tänzelnden Doppelschritt, mit dem er Stand- und Spielbein wechselt, und von dem er weiß, daß er auf die meisten Leute erheiternd wirkt. Dann zieht er den Hut, drückt ihn mit übertrieben dramatischer Geste eines ritterlichen Jünglings ans Herz und spricht mit freundlich neckendem Unterton weiter.

"Sagt mir, wer das wagte, Mensch oder Monster, und ich werde nicht eher ruh'n, sei denn dem Lächeln wieder auf euren Lippen."



Phexane will sich gerade dazu bewegen auf das Oberdeck zu gehen, um dort etwas frische Luft zu schnappen, als plötzlich ein gut und, vor allen Dingen, sauber gekleideter Mann auf sie zu kommt und sie anspricht.

Sie schreckt kurz auf und will auf seine Frage, welcher "Bösewicht ihr das Lachen gestohlen hätte" antworten, doch mehr als ein leicht verwundertes und langgezogenes "Ääh" kommt ihr nicht von den Lippen.

Doch der Mann macht nun einen tänzelnden Schritt, drückt sich dann mit einer übertriebenen Geste den Hut an die Brust und spricht sogleich weiter.

Diese kleine "Aufführung" zeigt auch sofort ihre Wirkung und zaubert ihr tatsächlich ein amüsiertes Lächeln auf das Gesicht.

"Nun," antwortet Phexane ihm, "es ... waren nur Gedanken an Vergangenes. Etwas, was sich sowieso nicht mehr ändern läßt."

Sie deutet einen leichten Knicks an und fährt weiter fort:

"Doch habt vielen Dank, edler Herr, für euer Angebot!"

Sie grinst ihn nun an und an ihren frechen, glänzenden Augen läßt sich ablesen, daß sie dieses übertriebene Spiel auch gerne spielt.



Di Vespasio ist offenbar nicht sonderlich betrübt, daß er keine Monster erschlagen muß. Statt dessen erwidert er das grinsende Lächeln der jungen Frau mit einem höflichen Schmunzeln.

'Nun offenbar ist das ein Fräulein, das seine Stimmungen schnell wechseln kann. Wie Baischa. Wann haben wir sie nur zuletzt gesehen? Das muß fast zwei Jahre her sein, Frizzi.'

"In dem Fall, bitte gestattet mir denn, Eure neugewonnene Freude bis zum letzten Mann ritterlich gegen alle Feinde zu verteidigen."

Er legt eine kleine Sprechpause ein.

"Ich erlaube mir ... Di Vespasio, Frizzi di Vespasio da Balirii."

Er entschließt sich zu einer schwungvollen, gestenreichen Verbeugung, die einer unverheirateten Hofdame am Kaiserhof zugekommen wäre, obwohl der schmale, dunkle Gang die Bewegungen nicht gerade gut zur Geltung bringt. Nachdem er sich aufgerichtet hat, blickt er sie erwartungsvoll an.



Phexane lächelt leicht gequält, als dieser ... dieser ... ääh ... di ... Dingsbums sich vorstellt - bedeutet doch das, daß auch sie wieder mal ihren Namen nennen muß.

'Ja, toll! Jetzt nenne ich meinen Namen und er denkt sich, ich will an seine Barschaft ... naja, was ja eigentlich schon stimmen könnte ... Andererseits ... natürlich! Warum nicht? Ich erzähle ihm irgendwas!'

"Angenehm!"

'So, am besten strecke ich dabei die rechte Hand aus, so wie es immer die Hochwohledelgeborenen machen'

Phexane streckt ihre rechte Hand mit einer ziemlich eleganten Bewegung aus.

'Und jetzt irgendein Name ... Ja, das ist es!'

"Rahjane Rosenhain! ... Ich bin Schauspielerin aus .. Gareth!"

'Verflucht! Wie hieß bloß noch mal dieses eine Theater in Gareth? Es hatte einen Turm ... irgendwas mit einem Fuchs ... Hoffentlich kennt er sich dort nicht aus!'

Doch dann lächelt sie ihn geradezu verschwörerisch an und beugt sich leicht vor, um dann etwas leiser zu sprechen.

"Aber hier kennt man mich nur als Phexane Fuxfell - ein Künstlername, versteht ihr?"



Di Vespasio zögert ein wenig, als ihm die ausgestreckte Hand dargeboten wird.

'Mein Lieber, was ist das? Sollten sich die Sitten während unserer Abwesenheit so geändert haben? Eine Aufwartung in dieser Form wäre jetzt niemals angebracht. De penser! Nein, das kannst Du nicht glauben. Zumal die ebenfalls aus Gareth hierher gekommen ist und ebenso das letzte Jahr nicht in der Gesellschaft verbracht hat.'

'Was nun, Freund Frizzi. Unmöglich kannst du sie so mit dem ausgestreckten Arm stehen lassen. Ich denke, du wirst am besten ...'

Frizzi ergreift die Hand Pexanes mit der Rechten, zieht sie ein wenig noch oben und führt so etwas wie ein Handkuß darüber aus, obwohl die Fußstellung natürlich völlig daneben ist und auch der Abstand nicht stimmt.

'Der Hauslehrer deines Vaters würde sich im Grab umdrehen. Ich hoffe all die Leute, die eben durch den Gang gelaufen sind, wissen nichts über die sonst üblichen Formen.'

'Wie auch immer, Frizzi, sie hat feine Finger, die eines Goldschmiedes würdig wären, und doch ist Kraft dahinter ... Nun gerate mal nicht gleich ins Schwärmen, mein Freund. Offenbar hat dich das rauhe Nordland zu zu starker Abstinenz verurteilt, daß Du die zarte Hand einer Frau nicht mehr gewohnt bist.'

"Oh, ihr seid eine Künstlerin. Leider konnte ich in Gareth nur einmal in das Schauspielhaus, da mein damaliger Diener mir einige Probleme bereitete und mich meine Arbeit über Gebühr beanspruchte. Es war eine Aufführung von 'Die Rose aus Fasar' und ich war auf Einladung eines entfernten Verwandten dort. Ihr wißt ja, wie schwer es ist kurzfristig eine Loge zu erhalten."

Di Vespasio öffnet seine eigene Hand und gibt so Phexane die Möglichkeit, ihre wieder an sich zu bringen.

"Die Dramatik hat mich durchaus beeindruckt - Ihr kennt das Stück? - Insbesondere dieser, na, wie heißt er noch, in der Rolle des Brautvaters, ist eine die Bühne erobernde Gestalt. Ein wenig enttäuscht hat mich die musikalische Untermalung."

Di Vespasio hebt abwehrend beide Hände, in der linken noch den Stock haltend.

"Oh versteht mich nicht falsch. Ich halte Maszeck für einen hervorragenden Dirigenten, aber möglicherweise hat er einfach nicht das Rohmaterial an fähigen Musikern um damit etwas Angemessenes auf die Beine zu stellen. Es ist natürlich schwer, die südländisch- fremdartige Musik einem Publikum nahezubringen, daß strengere Töne gewohnt ist, aber man sagt ja, er habe extra eine Reise nach Kunchom angetreten, um an dem dortigen Musikseminar einige Impressionen aufzunehmen."

Er blickt Phexane ins Gesicht, um zu sehen, wie sie zu Maszeck steht und ob sie seine Ausführungen als Beleidigung des Hauses angesehen hat.

"Möglicherweise habe ich auch einfach was anderes erwartet. In Gareth ist der Stil doch ein wenig anders als in Kuslik."

'Halt, Frizzi, du bist wieder ins Reden gekommen. Laß doch die Dame auch mal etwas sagen.'

"Nun, äh, Fräulein Rosenhain, darf ich mir erlauben zu sagen, daß ihr eurem Namen alle Ehre macht. Ich würde euch jede Blüte aus meinem Rosengarten versprechen, würdet ihr nur zusagen einmal mit mir eine Stunde auf dessen Wegen zu wandeln. Ich hoffe Euch nicht zu nahe zu treten, fragend, was euch dazu geführt hat, einen solchen Künstlernamen anzunehmen?"



Während di Vespasio redet, nickt Phexane immer nur kurz und gibt ein kurzes, zustimmendes "Hm" von sich. Zu mehr ist sie einerseits aufgrund seiner "Quasselitis" und andererseits aufgrund ihrer Unwissenheit bezüglich der Theaterwelt Gareths nicht fähig.

Doch dann beendet er seinen Redeschwall und spricht sie nun, recht charmant, auf ihren "Künstlernamen" an.

'Jepp, darauf hab' ich nur gewartet! Dem Herrn zeige ich mal, was eine "echte" Schauspielerin ist. Hach, diese Rollenspiele machen richtig Spaß!'

"Nun, meine nächste Rolle, wenn ich wieder in Gareth bin, wird die einer gewitzten und geschickten Diebin sein. Da ich mich stets gründlich auf meine Rollen vorbereite, habe ich mich entschlossen, kurzzeitig so zu tun, als ob ich eine Diebin wäre. Daher meine etwas.... schlampigere Kleidung und dieser doch sehr PHExgefällige Name!"

Phexane blickt ihn nun sehr ernst an.

"Aber um eines muß ich euch bitten: Nennt mich in Gegenwart anderer bitte stets bei meinen Künstlernamen!"

Sie grinst ihn nun äußerst frech an und sagt leise zu ihm:

"Es gibt hier tatsächlich Trottel, die glauben, ich wäre eine Diebin! Lachhaft, nicht wahr? Offenbar spiele ich wohl jetzt schon meine Rolle sehr gut!"



Noch während Phexane redet legt di Vespasio den Kopf etwas schief, als ob er überlegen würde, und mustert die vermeintliche Schauspielerin vor ihm von unten bis oben. Es ist gerade wieder bei ihren Augen angekommen, als sie ihn zunächst sehr ernst um einen Gefallen bittet, um dann, schon im nächsten Satz, frech anzugrinsen.

'In der Tat, mein Lieber, dieses Mädchen hat Launen wie Baischa.'

"Ihr solltet nicht so hart ins Gericht mit diesen Leuten gehen. Betrachtet es als Kompliment für euer Talent. Selbst ich, der bestens mit Ricconsos Kritik an Phenontos' Formenlehre vertraut ist, - ich habe sie neu ins Garethi übersetzt - konnte mich nur mit Mühe davon abhalten, ein vorschnelles Urteil zu fällen. Und wenn andere dann noch euren sehr phantasievollen Künstlernamen fälschlich in das Gesamtbild einbeziehen... ."

Di Vespasio blickt sich kurz um. Offenbar ist der Gang im Moment leer. Die erste Offizierin ist in die Messe verschwunden und auch die Schritte der Person, die sich in di Vespasios Rücken auf dem Weg zum Oberdeck befunden hatte, sind verklungen. Dennoch senkt der Gelbberobte seine Stimme, schließlich arbeitet der Koch nur wenige Schritte entfernt an einem Tee.

"Aber seid gewiß, Fräulein Rosenhain, wenn ihr es wünscht, werde ich euch gerne anderen gegenüber als Phexane Fuxfell anreden. Aber ihr müßt mir versprechen, sehr vorsichtig zu sein. Denn es ist schwierig einen solchen Ruf wieder loszuwerden, was manchmal sehr wünschenswert ist, insbesondere wenn es heißt, 'Reo castis atteste'."

Der Händler hebt die Stimme wieder.

"Ich habe gerade gestern zufällig den Kapitän gefragt, wie Verbrecher auf einem Schiff bestraft werden. Und er sagte mir, man würde sie an einem Seil unter den Schiff hindurch ziehen. Ober besser an zwei Seilen, weil der Mann sonst einfach die Luft anhalten und auftauchen würde. Das wird so lange und so langsam wiederho ... Nun ja, möglicherweise sind die Details nicht so interessant."

'Erst denken, dann sprechen. Wie konntest Du einer Dame gegenüber nur so ein Thema anschneiden, mein Freund. Wie wechsle ich jetzt ...'

"Nun, aber das braucht uns ja keine Sorgen zu machen. Nun, ähm, beim Stichwort verwegenes Aussehen bin ich nicht umhin gekommen, eure Narbe zu bewundern. Sie ist doch vermutlich falsch? Wie schminkt man so etwas auf."



Phexanes Augen weiten sich leicht, als er etwas in einer anderen Sprache sagt.

'Wovon redet der da bloß? Hat das was mit Theater zu tun?'

Doch gerade als sie wieder nicken möchte, um ihm unwissender weise zu zu stimmen, erzählt di Vespasio von der auf diesem Schiff offenbar üblichen Strafe. Ihre Augen weiten sich noch etwas und sie wird etwas blasser - das Grinsen ist ihr nun wirklich vergangen!

'Oh PHEx! Sollte das die Strafe für Diebestaten sein, dann werde ich mich hier wohl vorerst zurückhalten müssen!'

Eine Erinnerung schiebt sich nun plötzlich vor ihrem geistigen Auge - dunkle Ruinen, die wie die riesigen Zähne eines gewaltigen Ungeheuers aus dem schwarzen, stinkigen Wasser ragen und schwerer, dicker Nebel, der sich träge vorwärts schiebt.

Sie sieht sich selber als Fünfzehnjährige, die sich während einer ach-so-abenteuerlustigen Schatzsuche in der Unterstadt Havenas verirrt hat. Sie hört sich verzweifelnd rufen:

"Gial! Niamh!"

Sie stolpert, fällt in den feuchten, kalten Schlamm, rappelt sich aber wieder auf und geht vorsichtig weiter, bis sie nicht weit von sich ein lautes Platschen hört. Als sie zu der Stelle kommt, sieht sie jemanden ...

Während Phexane in Gedanken ganz woanders in einer ganz anderen Zeit ist, spricht di Vespasio sie nun auf ihre Narbe an.

"Äh, wie? Meine Narbe? ....."

'.... bläulich angelaufen, weil keine Luft mehr gekriegt ...'

"Äh, also die Narbe ..."

'.... Fische, die Menschen essen ....'

"Die ... die habe ich ...."

'Oh, mir wird schlecht!'

"Die ist ... also ... .... ich muß an die frische Luft!!!"

Schnell dreht sich Phexane zum Aufgang hin und rennt den Gang entlang.



Di Vespasio hat mir Sorge die immer blasser werdende Gesichtsfarbe der jungen Frau vor ihm verfolgt. Offenbar war die Idee, sie vor den möglichen Folgen einer falschen Verdächtigung als Diebin zu warnen, nicht so gut.

Dennoch ist er überrascht, als sie in ihrer Antwort stockt und plötzlich die Treppe hinauf stürmt.

"Aber Fräulein, was habt ihr denn? ...", ruft er ihr noch nach, doch sie scheint nicht auf ihn zu achten. Daher macht er sich daran, ihr schnellen Schrittes zu folgen.



Phexane läuft den Aufgang hinauf, immer noch mit den Bildern von einst vor den Augen.

Oben, auf dem Oberdeck angekommen, bleibt sie kurz stehen und holt tief Luft.

'Ganz ruhig, es ist vorbei! Es ist Vergangenheit.'

Dann aber schaut sie sich mit verwundertem Blick um

'Was ist hier los? Alle schauen zur einen Meerseite hin und oben beim Ausguck sind gleich zwei Männer.'

Kurz läßt sie den Blick über die Anwesenden schweifen, dann aber sieht sie ihren Bruder Alrik.

'Oh, er ist wach und zudem redet er mit dem Kapitän - also wird er wohl wissen, was hier los ist.'

Phexane geht auf Alrik zu, wobei sie sich immer noch nicht ganz wohl fühlt. Aber diese seltsame Betriebsamkeit hier an Bord und das Verhalten der anderen Passagiere machen sie durchaus neugierig.



Di Vespasio steigt den Aufgang zu Oberdeck etwas gemessener und ruhiger hinauf als seine Vorgängerin und ist dementsprechend auch erst etwas später oben.

'Immer mit der Ruhe. So groß ist ein Schiff ja nicht. Ich hoffe, du hast sie nicht durch deine Frage gekränkt, Frizzi.'

Auf dem Oberdeck angekommen stützt sich der Adelige erstmal auf seinen Stab und blickt in die Runde.

'Groß mag ja solch ein Schiff nicht sein, aber unübersichtlich. Wofür die wohl all die Seile brauchen. Und alle sind miteinander verknoten und dazwischen sind diese lustigen Holzblöcke. Manche gehen sogar hoch und runter und wieder hoch. Hups, da sind ja zwei Leute ganz oben auf dem Mast. Mein lieber Frizzi, das ist aber nicht ganz ungefährlich.'

Er hebt die Hand über die Augen, um gegen den hellen Himmel einen besseren Blick auf die beiden Seeleute im Mast zu werfen.



Tee


Nach einer Weile ist es soweit: Das Wasser kocht. Garulf greift sich einen Becher und die Kräuter des Magiers. Zuerst gibt er die Kräuter in den Becher, dann gieszt er den Tee auf und dreht die Sanduhr um. Anschlieszend schaut er sich nach einem geeigneten Gegenstand um, um die Blätter nachher wieder aus dem Wasser zu entfernen. Alrik ist derweil schon wieder verschwunden, dabei musz er doch den Tee zum Passagier bringen, Garulf weisz ja gar nicht für wen das Getränk bestimmt ist.



Fargus und Ottam


Langsam dämmert es Ottam was hier gerade passiert und er kann einer Frage, die er nur ungern beantwortet geschickt ausweichen.

"Ich glaube wir haben gerade Glück gehabt einer anderen sehr menschlichen Gefahr nicht ausgesetzt zu sein. Die Piraten sind weit häufiger als Seeungeheuer anzutreffen."

Dies sagt er, während die beiden endlich am Bug ankommen.



"Piraten - wie aufregend." bemerkt Fargus, sichtlich nervöser werdend, während er den Horizont nach Schiffen absucht.

"Habt Ihr schon viel mit Piraten zu tun gehabt?"

'Ein bißchen Abwechslung von meinem Arbeitsalltag ist mir ja willkommen, doch mein Leben hier auf dem Meer zu lassen, das war gewiß nicht meine Absicht. Aber gewiß wird dieser Kapitän uns sicher über die Meere bringen' redet Fargus auf sich selber ein.



"Oh ja, Piraten sind eine Plage und tauchen im allgemeinen im ungünstigsten Moment auf. Auf der NORDSTERN hatte ich persönlich das Problem noch nicht, auf der WESTWINDBRAUT sind wir mal in ein Scharmützel geraten. Es war mir nur unter Aufbietung von reichlich Magie möglich, den ständigen Beschuß mit Brandgeschossen entgegen zu wirken."



"Dann seid Ihr wohl ein wahrhaft mächtiger Zauberer. Eigentlich wollte ich Euch sowieso die ganze Zeit schon fragen, ob Ihr mir vielleicht einen vernünftigen Kräuterladen in der nächsten Hafenstadt verraten könnt. Ich bin nämlich dabei, meine Vorräte aufzufüllen. Vielleicht habt Ihr dann sogar Lust mich zu begleiten. Was sagt Ihr dazu? Wir könnten dann auch unsere Erfahrungen in der Herstellung von Heiltinkturen austauschen."



"Oh sicher, einen Kräuterladen gibt es, zwar nicht im Hafen, der eine eigene Stadt ist, aber in der eigentlichen Stadt kenne ich einen guten. Wir müssen sehen wie lange der Aufenthalt dauert. Ich habe meine Vorräte zwar gerade erst aufgefüllt, aber man weiß ja nie, was man für ausgefallene Ware finden kann. Ich werde gerne mit euch dort hingehen und ein wenig einkaufen. Was die Tinkturen angeht, worauf habt ihr euch denn spezialisiert ?"



"Mein eigentliches Spezialgebiet sind Wundheilungsmittel. So ist es mir beispielsweise gelungen, durch eine besondere Behandlung der vierblättrigen Einbeere deren Wirkkraft deutlich zu steigern. Aber ich beschäftige mich durchaus mit anderen Mitteln zur Heilung von Gift und Krankheit. Derzeit versuche ich, die Wirkung des gewöhnlichen Heiltranks zu steigern, in dem ich statt dem Wirselkraut Schmetterlingskraut zufüge. Es freut mich außerordentlich, daß Ihr mich begleiten werdet, denn es fehlen mir inzwischen doch einige Zutaten. Auf welchen Gebieten der Tinkturenzubereitung habt Ihr denn Erfahrungen ?"



"Ich beschäftige mich intensiv mit der Bündelung von astraler Energie, ich bin seit langem auf der Suche nach einer ungemein seltenen Pflanze, der Südwaldalraune. Ich habe Hinweise in der Literatur gefunden, daß sie existieren soll, wenngleich kaum jemand je etwas davon hörte.

Die Pflanze könnte eurem Vorhaben auch behilflich sein. Ihre Haupteigenschaft ist nämlich die Wirkungsverstärkung von fast allen Tinkturen."



"Die Südwaldalraune wird manchmal auch Blaue Alraune genannt, da ihre Wurzel von sehr dunkelblauer Farbe ist. Sie wächst nur in schwül warmen Klima, unter alten Baumriesen die ihr Schatten spenden. Die Form ihrer Wurzel sieht der gemeinen Alraune zum Verwechseln ähnlich, nur ist sie eben von jener tiefblauen Farbe, fast schwarzen Farbe"

Ottam macht eine kurze Pause und nutzt sie um einen halben Schritt zur Seite zu gehen, um nicht von dem anstürmenden Matrosen umgerannt zu werden. Wenngleich er sich sogleich selber dafür tadelt:

'Er ist derjenige der auszuweichen hat, wo komme ich hin wenn ich für jeden einfach so Platz mache'

Dann spricht er weiter:

"Ich war ebenso erstaunt wie ihr als ich das erste mal hörte das es südlich der Khom Alraunen geben soll. Doch nachdem ich weiter forschte fand ich weitere Hinweise die den Bericht bestätigen. Sie scheinen aber von derartiger Seltenheit zu sein, daß es ohne die Hilfe der Waldmenschen praktisch unmöglich ist sie zu finden. Das Dumme daran ist, daß sie die Pflanze für irgendein Religiöses Ritual benötigen und sie ihnen heilig ist. Ihr könnt euch vorstellen, daß ich bereits länger überlege, wie ich einen Waldmenschen dazu bringe mir zu helfen"

Ein leichtes Funkeln flammt kurz in Ottams Augen auf, verschwindet aber sogleich wieder.



Fargus Gesichtsausdruck verrät, daß er angestrengt nachdenkt.

"Alraunen sind mir wohl ein Begriff - schließlich sind sie Bestandteil selbst geläufiger Tinkturen und Tränke. Doch von einer Südwaldalraune las ich nie, kann mich zumindest nicht daran erinnern. Bezeichnet dieser Name ein konkretes Waldgebiet oder soll er gar bedeuten, daß wir südlich der Khom-Wüste auch derartige Pflanzen finden können? Meines Wissens nach sind bisher doch nur nördlich davon Alraunen zu finden."

'Fargus, Fargus, da sieht man es mal wieder, alleine das Studium der Bücher macht noch keinen Meister - auch der Erfahrungsaustausch ist ein wichtiger Bestandteil einer jeden Forscherei. Diese Reise scheint sich mehr zu lohnen wie angedacht.'



"Was gedenkt Ihr zu unternehmen? Stellt Ihr eine Expedition auf die Beine oder werdet Ihr Eure magischen Kräfte an einem Waldmenschen einsetzen? Ich bin ja nicht sehr erfahren, was die Waldmenschen angeht."

'Um es genauer zu sagen, bis auf ein paar Reiseberichte hab ich keinerlei Informationen' fügt der Druide in Gedanken dazu.

"Solltet Ihr Euch wirklich auf die Suche nach der Südwaldalraune begeben, so wäre ich sehr an einer Zusammenarbeit interessiert. Wenn dieser Pflanze wirklich derartige Kräfte inne wohnen, wird sie sicherlich zu großartigen Erkenntnissen führen."

Die Augen des Druiden leuchten, malt er sich doch bereits in schillerndsten Farben aus, welche Anerkennung seine Studien in der Druidenzunft erhalten werden.



"Ich hoffe eine Expedition auf die Beine stellen zu können. wenn ihr daran Interesse habt teilzunehmen, so sollte sich das einrichten lassen. Inwieweit ich Magie für die Waldmenschen benötige wird sich zeigen, doch werde ich eine solche Entdeckung für die Wissenschaft sicher nicht wegen etwas Aberglauben aufgeben."

Im Geiste fährt er fort:

'Und mein Ruhm wird grenzenlos sein!'



"Natürlich bin ich dabei. Wo soll denn der Beginn der Expedition sein? Habt Ihr da schon eine günstige Stadt im Auge?"

In Gedanken sieht sich Fargus bereits im tiefsten Dschungel, Perlen von Schweiß haben sich auf seiner Stirn breitgemacht, überall kreucht und fleucht etwas.

'Das scheint sich ja zu einem richtigen Abenteuer auszuwachsen. Und ich, der einsame Forscher, mittendrin.'



"Ich bin noch nicht ganz sicher, aber ich denke Al'Anfa ist ein guter Ausgangspunkt. Dort gibt es Leute, die man für solche Expeditionen mieten kann."

'Hmm eine Expedition, warum dreizehnfach verflucht ist mir das nicht eingefallen' grübelt Ottam und beginnt einen Plan zu schmieden



Angar und Aleara


"Aber... aber... aber... es muß doch... einen...SINN haben... fragst du dich nie danach?" erwidert Aleara sichtlich entgeistert ob der Antwort ihres Gegenüber.

Doch dann nehmen die Geschehnisse an Deck ihre Aufmerksamkeit gefangen, besonders die Piraten beunruhigen sie.

'Wie kann man nur...!'

Flugs läuft sie zur Reling und sucht mit geübtem Blick den Horizont ab.



Angar will zu einer Antwort ansetzen, doch da läuft Aleara auch schon davon um nach den Piraten Ausschau zu halten.

Kopfschüttelnd dreht sich der Matrose ebenfalls um und mustert eher gelangweilt den Horizont vor dem Schiff, soweit das von seiner Position aus möglich ist. Er sieht jedoch nichts, ebenso, wie das auch von Alearas Standpunkt aus noch nicht möglich ist, da das mastlose Schiff einfach zu niedrig über den Wasser ist.

Angar schüttelt noch einmal den Kopf, und setzt sich dann in der Nähe der Winde auf das Oberdeck.



Erneut fragt Aleara sich, was sie jetzt tun soll, und da es im Moment wenig zu erledigen gibt, beschließt sie - ja was eigentlich. Während sie nachdenkt läuft sie beinahe automatisch zum Mast hinüber, bevor sie es sich anders überlegt und sich wie so oft rücklings an die Reling stellt und dem Treiben auf dem Oberdeck zusieht....



Auf der Brücke


Jergan nimmt die Meldung Hjaldars mit einem Nicken zur Kenntnis, während sich vor seinem inneren Auge Bilder der möglichen Vorgänge formen - und sich bei ihm allmählich das Gefühl der Erleichterung breit macht, daß jene fremde Karavelle und nicht die NORDSTERN das Ziel der Piraten gewesen ist. Ungeachtet des Geredes gewisser Thorwaler an Bord weiß der Kapitän nämlich ganz genau, daß die Riva'er Karavelle nicht die Spur einer Chance gegen zwei mit zu allem entschlossenen Kämpfern besetzte Drachenschiffe hat.

Doch neben der Erleichterung gibt es auch eine neue Besorgnis, denn ganz offensichtlich ist die NORDSTERN das erste Schiff, das den Kampfschauplatz erreicht, und auf dem besiegten Schiff scheint noch jemand am Leben zu sein, wenn Hjaldar richtig gesehen hat.

Jergan sagt leise in Nirkas Richtung:

"Sobald wir die andere Karavelle von hier aus sehen können, dann korrigiere den Kurs so, daß wir in einem ausreichenden Sicherheitsabstand bleiben können und genug sehen können, um Entscheidungen zu fällen."

Welche Entscheidungen er meint, sagt er nicht, aber das ist der Bootsfrau auch so vollkommen klar.

"Zu Befehl, Kapitän!" erwidert sie darum auch nur knapp, während sie versucht, an der Takelage der der NORDSTERN vorbei etwas zu sehen - ein Unterfangen, das vorerst noch nicht von Erfolg gekrönt ist.

Jergan EFFerdstreu blickt wieder nach oben und ruft:

"Beobachtet weiter und sagt sofort Bescheid, wenn ihr mehr wißt, oder sich die Lage irgendwie ändert!"

Immerhin ist Jergan sich recht sicher, von neugierigen Nachfragen verschont zu bleiben, denn durch das laute Gebrüll zwischen Brückendeck und Ausguck sollte jeder, der sich auf dem Oberdeck aufhält, genauso viel wissen wie Kapitän und Bootsfrau.



Die Bootsfrau blickt, wie viele andere auch, aufmerksam an der Takelage vorbei nach vorne, denn irgendwann muß das Wrack ja auch vom Deck aus zu sehen sein.

Doch noch immer sind diese Versuche erfolglos, auch wenn die Chancen hier auf dem Brückendeck höher sind als auf dem Oberdeck, da das Brückendeck einfach zwei Schritt höher ist. Aber das ist nicht mit der Höhe des Mastes über Deck vergleichbar, und so müssen die Menschen auf der NORDSTERN sich weiterhin auf das verlassen, was die beiden vom Mast aus sehen.

Nirkas Hände halten derweil die Karavelle exakt auf dem alten Kurs, auch wenn sie jederzeit bereit ist, den Kurs zu ändern - entweder so, daß sie das Wrack weiträumig umfahren, oder eben so, daß sie auf selbiges direkt zuhalten. Welche der beiden Entscheidungen es wird... das muß die Zukunft erweisen.



Der Kapitän der NORDSTERN bekommt nicht mit, daß der Elf in Richtung des Brückendecks gekommen ist, und eine Frage gestellt hat, ebenso, wie das scheinbar auch der Bootsfrau am Steuer nicht aufgefallen ist - zu sehr sind beide auf die Kommunikation mit dem Ausguck konzentriert, und zu wichtig ist das, was dort beobachtet wird.

Jergan ruft zur Hjaldar empor, als dieser meldet, daß das Feuer verloschen ist:

"Weist etwas darauf hin, daß man uns schon gesehen hat?"

Anscheinend muß bald eine Entscheidung gefällt werden, die einige Tragweite besitzen mag - und die auch die Fahrt noch erheblich aufhalten kann, was dem Kapitän der riva'schen Karavelle gar nicht so sehr gefällt, weil ja schließlich in Salzerhaven die Rudermaschine noch dringend überholt werden muß, was wohl besser im Hellen stattfinden sollte.

Jergan läßt seine Blicke über das Deck wandern, als würde er da eine Antwort, oder einen Hinweis, finden, doch dabei fällt sein Blick auf Sylvhar, der scheinbar etwas gefragt hat. Oder auch nur neugierig guckt... bei diesen Elfen weiß man das ja nie so genau.

Der Kapitän wirft ihm dennoch einen aufmunternden Blick zu - vielleicht löst sich ja wenigstens dieses kleine Problem rasch und schnell.



Überall auf dem Deck laufen die Menschen herum, und das Wort Piraten ist in den Mündern fast aller. Es scheint so, als würden sich selbst einige der Fahrgäste auf eine Schlacht einstellen, obwohl der Kapitän nach den Worten des Ausgucks eher der Meinung ist, daß die Piraten schon längst das Weite gesucht haben.

Sein Blick gleitet weiter über das Deck, und bleibt dann an Nirka hängen. Dann huscht ein Grinsen über sein Gesicht, und er tritt näher an das Steuer heran.

"Nirka, ich übernehme das Steuer. Mach du die Rotze einsatzklar... ich glaube zwar nicht, daß wir die brauchen, aber besser ist das."

Das Leuchten in den Augen der Bootsfrau verrät ihm, daß dieser Befehl genau ihren Geschmack trifft, und sie tritt flugs vom Steuer zurück, das er sogleich übernimmt.

"Zu Befehl, Kapitän!" ruft sie, und geht dann um ihn herum bis zum Niedergang, der vom Brückendeck hinunter auf das Oberdeck führt. Dort hält sie kurz nach verfügbaren Matrosen Ausschau, und ruft dann:

"Aleara, Efferdan und S... äh... Angar sofort zur Rotze!"

Deutlich ist zu merken, daß sie statt Angar einen anderen Namen, nämlich den des Elfen, rufen wollte, doch sie beherrscht sich rasch, denn an der Rotze will sie den Elfen nun wirklich nicht haben!

Diese drei, die sie gerufen hat, gehören zwar nicht zu denen, die im Normalfall das Geschütz bedienen, doch noch geht es ja nur um die Vorbereitungen, nicht um die Bedienung selbst, bei der sie lieber erfahrene Matrosen hat - und selbst natürlich das Ziel bestimmen möchte.

Da vom Brückendeck aus der Überblick wesentlich besser ist, bleibt Nirka erst einmal an dieser Stelle stehen, um die Reaktionen der Matrosen abzuwarten.



Efferdan und Torin


Wieder »unten« angekommen, sieht sich Efferdan ein weiteres Mal um.

`Der Kapitän und Nirka sind immer noch beschäftigt, ebenso Raschid und der Thorwaler...`

Da fällt sein Blick auf Torin, der sich ihm nähert Efferdans Augen weiten sich, als er sieht, daß dieser bewaffnet ist.

`Was hat er vor???`

Ein leichtes Zittern durchläuft Efferdan.

`Erwartet er einem Kampf? Aber wieso?`

Endlich dämmert es Efferdan

`Oder - nach was die alle Ausschau halten - etwa Piraten?!? Oder Al`Anfaner? Nein, hier nicht, also Piraten! Oh EFFerd...`

Hastig stürmt Efferdan zu Reling und beginnt angestrengt Ausschau zu halten. Mit der blassen rechten Hand schirmt er seine Augen ab und starrt angestrengt in Richtung Horizont. Seine Blicke scheinen die Luft zu durchbohren. Ohne es zu bemerken hat Efferdan unwillkürlich den Atem angehalten.



Torin läßt seinen Blick immer wieder mißtrauisch nach links und rechts schweifen, während er auf den Aufgang zum Oberdeck zugeht. Doch dann merkt er, daß der blonde Bursche, der gerade den Aufgang herunterkam, ihn mit den Augen fixiert.

Torins Augenbrauen senken sich. Er merkt, wie sich seine Nackenhaare aufstellen und atmet ruckartig ein.

'Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann ist es wenn man mich beobachtet. Und dazu noch so auffällig wie dieser Strohkopf.'

Doch als sich der Bursche abwendet und zur Reling hastet, atmet Torin wieder aus. Er bleibt mitten auf dem Oberdeck stehen und blickt dem Blondschopf hinterher. Die gefüllte Dolchscheide an der Seite des schmalen Burschens zieht wie von selbst die Aufmerksamkeit Torins auf sich.

'Aha, zumindest ist er bewaffnet. Wenngleich dieser Dolch kaum genügen wird, um sich im Nahkampf gegen einen Piraten wehren zu können.'

Torin ändert seine Richtung und gesellt sich zu dem Blondschopf, der noch immer wie gebannt über die Reling starrt.

Als der Rotmarder neben Efferdan steht, hebt auch er die Hand um seine Augen vor der Sonne abzuschirmen. Doch als er das Meer leer vorfindet, senkt er die Hand wieder und fragt den hellhäutigen Burschen.

"Was glaubt ihr, wie viele es sein werden?"



Als Efferdan bemerkt, daß sich Torin zu ihm gesellt hat, zuckt er erst unmerklich zusammen. Fast reflexartig macht Efferdan einen halben Schritt zur Seite - von Torin weg.

Er senkt die Hand und sieht Torin an. Die meerblauen Augen sind auf Torin gerichtet, die breiten Wangen unterstreichen sein merkwürdiges Aussehen noch. Trocken schluckt Efferdan einmal - zweimal.

Seine Kehle fühlt sich trocken an - genauso wie die Lippen.

`Was..? Hat er mich was gefragt? Ach ja, wie viele... Was meint er nur? Piraten???`

Fast zaghaft fängt Efferdan an zu sprechen. Seine Stimme klingt dabei melodiös, rein und sehr hell, fast wie eine feine Glocke. Der aufmerksame Zuhörer wird einen albernischen Akzent in seiner Stimme bemerken.

"Wie? Wen... Wen meint ihr? Wenn ihr Piraten meint... in diesen Breiten... als Thorwalerschiffe haben etwa 50 Mann Besatzung... wenn es überhaupt Thorwaler sind... "

`Und wenn da überhaupt Piraten sind...`

Unsicher blickt Efferdan kurz zu Boden, dann wieder fragend zu Torin...



Noch immer blickt Torin über die Reling hinaus, doch seine Augen erfassen nichts anderes als leere Wellen. Der salzige Geschmack des frischen Windes bleibt in seiner Nase, als er einatmet.

Die Stimme des Blonden hallt in seinem Kopf nach, als er dessen Worte sortiert. Etwas in Torin scheint sich rühren zu wollen, doch Torin unterdrückt dieses ungewollte Gefühl.

"Natürlich meine ich Piraten." entgegnet Torin fest, als er sich zu Efferdan wendet. Unwillkürlich blickt er dem fast einen Kopf kleineren Burschen in die Augen. Für einen kurzen Augenblick meint Torin, auch darin nur die blaue Leere des Meeres zu erkennen und er blinzelt.

Dann setzt er nach.

"Wer sonst würde ein verlassenes Schiff auf den Wellen treiben lassen, damit es so aussieht, als ob es geplündert wäre?"

Er greift mit der Linken nach seinem Hut, damit dieser nicht weg geweht wird. Seine Haare wehen unter dem Hut im Fahrtwind.

"Ich bin mir sicher, daß sich in diesem Schiff noch Piraten versteckt halten, um uns allen die Kehle auf zu schlitzen. Aber habt keine Angst, sie werden euch nichts tun, falls ihr das befürchtet. Nicht euch noch einem anderen auf diesem Schiff. Und ob es Thorwaler oder andere sind ist mir gleich."

Doch dann werden Torins Züge weicher und er streckt seine Rechte dem Blondschopf entgegen.

"Wir haben uns noch gar nicht bekannt gemacht. Ich bin Torin Rotmarder aus Gareth."



Als Torin ein verlassenes Schiff erwähnt, sieht Efferdan ihn erst irritiert an, dann auf die glitzernde Wasseroberfläche hinaus.

`Verlassenes Schiff??? Zurückgelassen??? Versteckte Piraten ??? Auf den Wellen treiben??? Bei EFFerd, wovon redet er???`

So sehr er sich auch anstrengt - er kann kein treibendes Schiff entdecken. Statt dessen spürt er den salzigen Wind, die Spritzer der Gischt, sieht das Glitzern der Wogen, hört das rauschen der Wellen. Diese Eindrücke wirken beruhigend auf ihn, er fühlt sich wohl. Doch nur für einen kurzen Augenblick, dann streckt sein Gegenüber ihm die hand entgegen und stellt sich vor - und reißt Efferdan damit aus »der Welt von Wind und Wogen«

Für einen Moment scheint es, als wolle er vor der ausgestreckten Hand Torins zurück weichen - doch dann fängt er sich wieder und reicht dem Anderen seine Rechte. Efferdans Hand fühlt sich seltsam glatt und sanft an - trotz der Spuren, die harte Seemannsarbeit auf ihr hinterlassen hat.

"Ähh... ja... ich bin Effer.. Efferdan.... aus Havena.... bin Matrose hier.." stammelt er. Kurz blickt er verlegen zu Boden.

Doch dann blickt er wieder auf, sieht Torin an, ein Ruck scheint durch die schmale Gestalt zu gehen.

"Verzeiht, ich kam gerade an Deck - von was für einem Schiff sprecht Ihr. Alle sind in Aufruhr - und und Ihr seid bewaffnet. Ich dachte, da wäre ein Piratenschiff in der Nähe - aber jetzt sprecht Ihr von einem geplünderten Schiff..."

Fragend blickt Efferdan Torin an.



Kaum hat Efferdan geendet und seinen fragenden Blick auf Torin gerichtet, als die Bootsfrau ihren Befehl brüllt.

`Wo soll ich hin... zur Rotze! Also doch Piraten...`

Hastig zieht ers eine Hand zurück, dreht sich in Richtung Vordeck und stammelt:

"Ver..zeiht, aber .. Ihr habt es gehört. Ich muß zum .. Vordeck..." etwas lauter (und selbstsicherer) ruft er in Richtung Nirka:

"Aye, aye - bin unterwegs"

Dann hastet Efferdan schnellen Schrittes davon (allerdings ohne wirklich zu rennen), in Richtung Vordeck, ohne eine eventuelle Antwort Torins abzuwarten - schließlich sagte Nirka »sofort«!

Dabei bewegt er sich flink und geschickt, immer das Rollen des Schiffes ausgleichend. Sein blondes Haar flattert hinter ihm her, die Füße trommeln ein TapTap auf die Planken. Schon ist er beim Aufgang zum Vordeck angelangt...



'Habt ihr Schwielen auf den Ohren? Die beiden vom Mast brüllen es doch so laut, daß man es sicher im Laderaum noch hören kann. Wißt ihr es denn noch nicht? Wir halten direkt auf ein geplündertes Schiff zu. Und bei PHEx, es sind sicher noch Piraten darauf!'

Das alles will Torin Efferdan noch sagen, als sich dieser geschwind entschuldigt und davonläuft.

"Hmmm." brummt Torin leise. 'Immer am Flitzen, der Blonde.'

Er sieht ihm noch hinterher, wie er wieselflink und behende über das Oberdeck huscht, dann jedoch dreht er sich wieder dem Meer zu.

'Ein seltsamer Mensch, dieser Efferdan aus Havena. Wenn ich es mir recht überlege, der Klang seiner Stimme ist fast wie der eines Elfen, nur... etwas in darin ist... seltsam fremd. Er sieht auch nicht aus wie ein Elf... oder ist er ein See-Elf??'

Doch Torin ist mit seinen eigenen Überlegungen nicht ganz zufrieden. Beide Hände fest an der Reling, so steht er da und betrachtet mit zusammengekniffenen Augen das Meer. Doch noch immer hängen seine Gedanken bei der Begegnung mit Efferdan.

'Irgendwie sah er krank aus. So bleich wie ein Bettlerjunge unter der letzten Schmutzschicht. Aber was mache ich mir Gedanken um ihn? Wichtig ist doch das Schiff und der Kampf!'



Alrik Fuxfell


"ÜÜAAARRRGGGÄÄÄÄÄÄHHHNNN" mit einem urtümlichen Laut wacht der Magus auf.

Erst gestern vor kurzem war er an wieder an Bord gegangen und hatte sich lieber hingelegt und jetzt war er nach einem ausgiebigem Schläfchen wieder erwacht. Als Alrik aufsteht um nach seinem Magierstab zu greifen erschallt in der Kabine ein lautes *gggggrrrrruuummmbbbuuummbeeeellll* erschrocken schaut der Magus sich um und blickt dann skeptisch auf seinen Bauch.

"Tja alter Freund ich versteh dich zwar nicht immer, aber ich glaube ich werde in die Kombüse folgen" mit einem schmunzeln auf den Lippen macht sich der hungrige Magus auf den angestrebten Ort zu erreichen.



'Ach vergiß den knurrenden Magen, zuerst werd ich mich an Deck umschauen'

Gedacht, getan. Der Magus steigt die Treppen zum Deck hinauf, geht zur Reling und wirft einen Blick auf das Meer rundherum, als ihm auffällt das die Besatzung ziemlich nervös zu sein scheint. Fragend schaut er zum Kapitän und beschließt, sich zu erkundigen was hier vorgeht.



'Schon komisch, diese Nervosität, nun läßt der Kapitän auch noch die Rotze klarmachen. Es wird Zeit sich nach dem Stand der dinge zu erkundigen'

Alrik dreht sich auf dem Stiefelabsatz herum und strebt in Richtung des Steuerrads.

Dort angekommen stellt er sich höflich etwas abseits und wartet einen Augenblick bis es günstig erscheint und fragt dann den am Steuerrad Stehenden:

"Herr Kapitän könnt ihr mir sagen welches der Grund für die ganze Aufregung ist? ich habe bis eben geschlafen und denke das ich irgend etwas Wichtiges verpaßt habe?"



Jergan und Alrik Fuxfell


Der Kapitän der NORDSTERN fühlt sich am Steuer seines Schiffes sehr wohl, auch wenn das Spiel der Rudermaschine die Freude ein klein wenig lindert. Doch das wird bald in Ordnung kommen, sehr bald. Wobei... so sicher ist das angesichts dessen, was da draußen vor dem Schiff wartet, andererseits natürlich auch wieder nicht...

Die Frage des mitreisenden Magiers reißt ihn schließlich aus diesen Gedanken.

Er grinst kurz, und sagt dann:

"Ob es wichtig ist, wird sich noch erweisen. Auf jeden Fall haben wir zwei Drachenschiffe gesichtet, die sich ganz offensichtlich von uns entfernen. Vor uns treibt ein steuerloses Wrack, und wir vermuten derzeit, daß dieses ein Werk der beiden Drachenschiffe war. Genügt Euch dies als Auskunft?"

Er sieht den anderen fragend an, ohne hinzu zu fügen, daß er bereits alles gesagt hat, was es insgesamt nur zu dieser Frage zu sagen gibt.



"Danke Kapitän, sollte sich das Wrack als etwas anderes herausstellen, sagt mir Bescheid und ich schicke ihnen eine flammende Überraschung hinüber, ich hoffe nur es wird nicht nötig sein. Ich wende diesen Zauber nämlich nur sehr ungern an."

Mit einer Verbeugung verabschiedet sich der Magier vom Kapitän und eilt die Treppe hinab zum Oberdeck. Dort sieht er Phexane auf sich zu kommen. Alrik fällt die unnatürliche Blässe seiner Schwester auf, kurz zieht er eine Augenbraue hoch, dann geht er rasch zu ihr und umarmt sie.

"Es könnte Ärger geben,ein Schiffswrack wurde vielleicht von zwei Drachenbooten zurückgelassen, zweifellos Piraten. Denkst du, du kannst mir während eines Kampfes den Rücken decken??"

Der Magus schlägt die Kapuze zurück und blickt Phexane tief in die Augen. Durch einen kurzen Lichtreflex scheint die weiße gezackte Strähne im Haar der Magiers aufzuflammen.



An der 'Rotze'


Wie praktisch, daß die Winde, neben der Angar sitzt, quasi direkt neben dem Aufgang zum Vordeck steht!

So braucht der Matrose sich nur zu erheben, und träge einige Schritte in Richtung der Rotze zu gehen, wo er stehenbleibt, und das leichte Torsionsgeschütz betrachtet.



Am Aufgang zum Vordeck angekommen, beginnt Efferdan diesen wieselflink hinaufzusteigen.

Oben angekommen, stellt er sich wie Angar, den er mit einem Kopfnicken grüßt, neben das Torsionsgeschütz, allerdings soweit wie nur möglich von Ottam und dessen Gesprächspartner entfernt.

Efferdans Atem klingt nicht sonderlich schnell oder laut, ganz so, als sei er derartige »Märsche« gewöhnt.

Mit der Rechten kratzt er sich nun kurz am Hinterkopf, um sich dann wartend an die Rotze zu lehnen.

`Wahrscheinlich sollen wir wohl die Rotze laden - aber besser erst einmal hören, was Nirka sagt...`

Während er so steht, schweift sein Blick wieder auf das Meer hinaus, in der Hoffnung etwas in den Weiten des Horizonts zu erkennen. Doch im Moment ist nichts anderes zu entdecken als blinkendes Wasser... oder...



Nirka geht langsam zum Oberdeck hinunter, als sie sieht, daß Efferdan und Angar ihren Befehl ausgeführt haben. Am unteren Ende der Treppe bleibt sie noch einmal kurz stehen und mustert die Menschen auf dem Deck.

Sie erwartet eigentlich keine Schlacht, aber das hat nicht viel zu heißen, denn Überraschungen gibt es immer wieder, und es wäre nicht das erste Mal, daß Dinge eben nicht so stattfinden, wie man sie erwartet, oder wie man sie sich vorstellt. Selbst Kleinigkeiten, die als sehr sicher gelten, können anders kommen, und dann kann eine eigentlich harmlose Situation zu weit mehr werden, als man vermuten würde. Und darum ist die Bootsfrau über den Befehl des Kapitäns wirklich froh - zum einen, um auf genau so etwas vorbereitet zu sein, und zum anderen, weil es schon wieder so sehr lange her ist, seit sie sich das letzte Mal mit der Rotze beschäftigt hat - einem höchst faszinierenden Gerät auf dem Deck dieser Karavelle.

Schließlich setzt Nirka sich wieder in Bewegung und geht über das Oberdeck nach vorne, wobei sie geschickt all den lebenden und nichtlebenden Hindernissen auf dem Deck ausweicht. Ihr Gang ist so, als würde sie irgendwo an Land unterwegs sein, vollkommen unbeeinträchtigt vom Schwanken des Schiffes und den Bewegungen des Decks.



Das Wrack


Stöhnend taumelt die blutüberströmte Gestalt zur Reling hin, auf der Seite, an welcher sich ein anderes Schiff über den Horizont schiebt. Die werden doch hoffentlich kommen und ihn retten, und das Schiff!

Verfluchte Piraten! Der Mann fasst sich an die Stirn, wo eine tüchtige Beule leuchtet, sie schmerzt schon heftig. Zweifelnd blickt er über das Wasser, die einzige Möglichkeit segelt dort drüben. Kurz entschlossen richtet der Mann sich zu seiner vollen Größe von knapp achteinhalb Spann auf und winkt mit beiden, hoch erhobenen Armen und weit ausholend. Seltsam, die linke Schulter schmerzt nicht einmal, und das, wo sie doch ebenso wie der ganze linke Oberkörper von Blut nur so trieft und das Rot das naturweiße Hemd und die achatgraue Weste darüber verunstaltet. Auch beeinträchtigt ist die Bewegung nicht.

"HILFE! HIERHER!" brüllt er so laut wie möglich und winkt immer wieder. Kurz schweift der Blick über Deck, hier und da steigt noch Rauch auf, ein Wirrwarr von Tauen, Fetzen von Stoff, gesplittertes Holz und vor allem verstreute Körper, Lachen von Blut und stinkende Gedärme lassen auf ein brutales Gemetzel schließen, der Geruch von Tod liegt in der Luft.



Ole und Nirka


Als Ole das Oberdeck betritt ist ihm, als könne er die Unruhe der Menschen hier gegenständlich spüren. Irgend etwas muß passiert sein. Der Kapitän selbst steht am Steuer und starrt, obwohl er von der Seite her angesprochen wird, nervös nach oben.

Ole blickt nun auch nach oben und sieht Hjaldar und den neuen Matrosen am Ausguck hängen. Nur kurz wundert sich Ole über dieses seltsame Paar am Mast, das, so ganz und gar nicht, zusammenpassend scheint. Dann bemerkt der alte Schiffszimmermann, daß offensichtlich die Rotze klar gemacht wird.

Und als dann auch noch Nirka wild entschlossen zum Vordeck stürmt, wird dem grauen Riese das Besondere der Situation schon klar, auch wenn ihm noch keine Einzelheiten gegenwärtig sind. Die Ahnung, die ihn nun befällt, allein, reicht aus, um Ole den Ernst der Lage zu verdeutlichen.

Er nimmt die Pfeife aus dem Mund und fragt die vorübereilende Nirka:

"Irgendwelche Befehle, Bootsfrau?"



Die nach vorne eilende Bootsfrau bleibt kurz stehen, als Ole sie anspricht. Kurz überlegt sie, ihn mit zur Rotze zu nehmen, der wesentlich erfahrener als die anderen ist, doch seine Erfahrung wird sicher auch an anderer Stelle gebraucht, falls es wirklich heiß hergehen sollte.

Sie sieht ihm kurz in die Augen, und sagt dann leise:

"Sorg bitte mit dafür, daß die Leute ruhig bleiben - es ist vermutlich wirklich kein Grund zur Aufregung vorhanden."

Sie übersieht dabei ganz, daß Ole noch nicht einmal genau weiß, was los ist, denn sie hat nicht bemerkt, daß er gerade erst auf das Deck gekommen ist. Und so spricht sie weiter:

"Falls doch etwas sein sollte... dann hilf den anderen mit deiner Erfahrung!"

Nach einem weiteren Blick in die Augen des anderen verharrt die Bootsfrau noch kurz. Ihr selbst ist nicht aufgefallen, daß sie ihren erster "Befehl" in Form einer Bitte ausgesprochen hat, etwas, das bei ihr sonst nur sehr, sehr selten vorkommt...



"Jawohl, Bootsfrau!" erklärt Ole zackig, obwohl ihm der Auftrag nur sehr undeutlich klar werden kann. Noch hat er ja nicht die geringste Ahnung was im Moment vor sich geht.

Da hört der Schiffszimmermann Nachricht aus dem Ausguck. Von einem Überlebenden ist da die Rede, verletzt gar. Langsam verdichten sich in Ole's Vorstellungen die erkennbaren Anzeichen zu einem erklärenden Bild.

Ole blinzelt gegen das Licht an die Spitze des Hauptmastes.

'Nun', denkt er sich 'Hjaldar ist dort sicher nicht aus Jux und Vergnügen hinauf geklettert!'

Es wird Ole langsam klar, was passiert sein könnte. Da haben sicher ein oder mehrere 'Drachen' gewütet und Reste gelassen. Aus dem Benehmen Nirka's und Jergans zu schließen, besteht keine unmittelbare Gefahr für die NORDSTERN, dennoch scheint die Situation noch kritisch zu sein.

Der alte Schiffszimmermann beschließt seine Ahnung für gegenständlich zu erklären und hastet hin zur Brücke. Er ruft zum Kapitän hinauf:

"Käpt'n, werden beidrehen und entern? Soll ich mich bereit machen?"



Geschwister


Phexane schluckt kurz trocken.

"Rücken decken? Wrack? Piraten?"

Phexane fühlt sich nun noch unwohler und blickt etwas verwirrt. Es dauert einen Moment bis sie die von ihrem Bruder gesagten Worte einordnen kann.

"Ääh, da ist auf dem Meer also ein Wrack, oder wie? Und es wird einen Kampf geben?" Sie schaut zum Meer hinaus, sieht dort aber nichts.

"Ich seh' nichts! Außerdem solltest du nicht erwarten, daß ich Rücken an Rücken mit dir kämpfe. Wenn dort wirklich Piraten sind, verschwinde ich!"



Phexane steht auf dem Deck direkt vor ihrem Bruder Alrik und blickt sich um. Sie hört, was der Ausguck ruft.

'Überlebende? Moment .... Piraten würden doch nicht einfach so einen Überlebenden zurücklassen, oder? .... Das ist eine Falle! Wenn wir dort ankommen, werden wir von den Piraten angegriffen!'

"Alrik," hektisch packt sie ihn an seiner Robe und zieht ihn etwas näher zu sich, "das ist eine Falle! Die Piraten wollen, daß wir zu diesem Wrack segeln und dann überfallen die uns!"

'Aber nicht mit mir!'

Aufgeregt blickt sie zum Meer.

'Wenn ich ein Piratenschiff sehe, bin ich weg! Am besten in der Segellast! Dort werden die wohl nicht reingucken.'



"Eine Falle?! Hast du eine Ahnung wieviel Piraten in ein Drachenboot gehen?? Nun beruhige dich erstmal wieder geliebtes Schwesterherz, deswegen sollst du mir ja den Rücken decken, denn dort ist ein ziemlich sicherer Platz."

Verschmitzt zwinkert Alrik seiner Schwester zu. Nichts auf Dere könnte ihn dazu bringen das mulmige Gefühl, Phexane zu zeigen. Sanft streicht er über ihre Arme."

So beruhige dich doch uns wird nichts geschehen".

Nachdenklich reibt er über seine linke Schulter, noch nie hat irgend jemand seine Tätowierung zu Gesicht bekommen, welche ihn als Mitglied eines bestimmten Schiffes der Daspotaer Piraten ausweist. Und es soll auch ganz gewiß ein gutgehütetes Geheimnis bleiben, denn dieses Abenteuer möchte er am liebsten für immer vergessen.



Im Mast


Nachdenklich schaut Raschid in Richtung des Wracks. Der Rauch hat sich inzwischen fast vollkommen verzogen. Nur hier und da sind noch kleine qualmende Stellen zu sehen. Der Überlebende auf dem Schiff, scheint die Nordstern just in diesem Moment entdeckt zu haben und macht mit Rufen und Winken auf sich aufmerksam.

"Dort seht. Er hat uns entdeckt. Er ruft um Hilfe."

Raschid wendet sich zur Brücke, um die Offiziere über den neusten Stand zu informieren.

"Der Überlebende ruft uns und bittet um Hilfe. Er scheint verletzt zu sein."





Der Kapitän antwortet


"Verstanden", ruft Jergan den beiden Männern im Ausguck zu, dann gehen seine Blicke wieder über das Deck und insbesondere an den Segeln vorbei nach vorne.

Ist da nicht etwas?

Der Kapitän kneift die Augen etwas zusammen, dann nickt er. Fast genau vor der NORDSTERN, nur leicht nach backbord versetzt, sieht nun auch er das treibende Wrack - zwar sicher nicht so gut wie vom Ausguck aus, aber gut genug, um einschätzen zu können, daß die NORDSTERN ohne Kursänderung das Wrack in schätzungsweise dreihundert Schritt Entfernung passieren dürfte - in vielleicht zwanzig Minuten. Aber natürlich nur unter der Voraussetzung, daß Kurs und Geschwindigkeit unverändert bleiben - etwas, das recht unwahrscheinlich ist.

Von unten kommt nun auch der Zimmermann zur Brücke gelaufen, für den der Kapitän nur ein kurzes "Abwarten!" übrig hat, und dann wieder nach vorne schaut.



"Das wohl, Käpt'n!" brummelt Ole vor sich hin "Abwarten - Alles klar.....!"

Doch nichts war ihm klar, noch nicht! Der Gedanke ohne Gewißheit in die nahenden Ereignisse zu schlittern behagt ihm gar nicht. Ole hat das Gefühl, daß jeder hier an Deck mehr weiß als er. Doch wen soll er fragen?

Da steht dieser seltsame Edelmann, für den Ole die Kabine hatte umrüsten müssen, dicht neben dem jungen Herren, der sich Ole seinerzeit mit dem Namen 'Rotmarder' vorgestellt hatte. Der Adelige wirkt etwas ratlos, während sich sein Nachbar offensichtlich schon auf einen bewaffneten Konflikt vorbereitet.

Der Schiffszimmermann kann nicht glauben von diesen Männern angemessen unterrichtet zu werden. Der eine scheint noch weniger zu wissen als Ole selbst und der andere hat sich wahrscheinlich schon zu sehr auf eine ganz bestimmte Vorausschau festgelegt.

In seiner Not sieht Ole wieder aufwärts am Hauptmast entlang, formt die Hände vor seinem Mund zu einem Trichter, damit er um so lauter rufen kann:

"Hey Hjaldar, hast du deine 'Instrumente' bei, für den Fall, daß hier an Deck 'zum Tanz' aufgespielt werden sollte oder soll ich dir etwas bringen, damit du mitspielen kannst?"



Am Geschütz


Während auf der Brücke der Kapitän nun auch das Wrack sieht, hat Nirka das Vordeck erreicht und hastet die Stufen mit einem Satz empor, bis sie schließlich neben den beiden Matrosen steht, die sich schon an der Rotze eingefunden haben.

"Packt sie aus!" befiehlt sie mit einer knappen Geste auf das Segeltuch, daß das Torsionsgeschütz verhüllt, während sie sich bereits bückt, und an den Halterungen hantiert, die die Schwenkmechanik der Waffe blockieren - schließlich soll das wertvolle Gerät sich ja bei Seegang nicht selbstständig machen.

Die Rotze ist natürlich in einem hervorragenden Zustand: Die Holzteile sind sauber und gepflegt, die Metallteile glänzen, und alle Gelenke und Scharniere sind gefettet und damit sehr leichtgängig. Die Taue, die für die Funktion des Geschützes lebenswichtig sind, sind mindestens in einem ebenso guten Zustand wie all die Taue der Takelage - vielleicht sogar in einem geringfügig besseren, denn schließlich werden sie nur sehr selten wirklich benutzt, und sind meist von der Segeltuchverhüllung der Rotze geschützt.



Gerade schält sich ein Umriss aus dem Silberstreifen des Horizonts - wahrscheinlich das ominöse Schiffswrack - als Efferdan durch die Stimme der hinzugekommenen Bootsfrau aus seinen Betrachtungen gerissen wird. Kurz zuckt er zusammen, doch dann beeilt er sich, Nirkas Befehl Folge zu leisten.

"Jawohl Bootsfrau!" erklingt die glockenhelle Stimme Efferdans; eine feine Glocke, die einem Sturm Antwort gibt...

Eilig fängt Efferdan an, die Verschnürungen der Segeltuchumhüllung zu lösen und die Hülle abzustreifen. Dabei ist er relativ geschickt, ganz so als erledige er diese Arbeit - oder ein ähnliche? - nicht zum ersten Mal...





Sylvhar


Als Sylvhar noch versuchte Jergan-Kapitän's Lächeln zu deuten, während er ihm zurück lächelte, überstürzten sich plötzlich die Ereignisse. Auf Einmal sind sehr viele Leute an Deck, Nirka bewegt sich schnell von Hinten nach Vorn und wirft ihm einen seltsamen Blick zu ehe sie zwei andere Matrosen ruft. Überall stellen sich die Menschen an den Rand und schauen auf's Meer hinaus.

'Jetzt wird mir wohl jemand mal sagen müssen, was hier los ist'.

Er geht zu den ihm am nächsten stehenden Leuten, eine Frau und ein Mann, und stellt sich neben die Frau. Jetzt, da er ihr Gesicht sieht, erkennt er sie wieder als eine seiner Retter aus der Segellast. Der Mann ist jedoch nicht derselbe.

"Was ist hier los?"

Gleich als er seine Frage an Phexane beendet hat, ruft der Dunkelhäutige vom Ausguck herunter.

'Verletzt? Hilfe? Wrack?'

Mit rätselndem Gesichtsausdruck blickt er Phexane an, die aber schaut angestrengt aufs Meer. Er folgt ihrem Blick und sieht das andere Menschenschiff, oder was davon übrig blieb. Langsam versteht er gar nichts mehr.



Darian an Deck


Der Adeptus verschlieszt seine Kabine, begibt sich direkt zum Aufgang und steigt diesen hinauf. Oben angekommen wendet er erstmal geblendet den Blick zu Boden, er hatte ganz vergessen, wie hell die Sonne doch ist. Als er sich an die Helligkeit gewöhnt hat, fällt ihm auf, dasz sich recht viele Leute auf dem Oberdeck aufhalten und gleich zwei Matrosen den Ausguck besetzen. Er sucht mit seinen Augen den Horizont ab, kann jedoch nichts erkennen. ´Offenbar hat der Ausguck da drauszen irgendwas entdeckt, interessant. Ob ich den Kapitän fragen sollte, was dort gesichtet wurde?´

Darian sieht sich nach Jergan um und erblickt ihn auf dem Brückendeck am Steuer stehend,

´Vielleicht kann man ja von der Brücke aus sogar schon direkt was sehen?´



Darian wendet sich zum Brückendeck um, bemerkt dann aber, dasz der Kapitän sehr beschäftigt ist und überlegt es sich anders. Er bleibt an der Reling stehen und beobachtet weiter den Horizont.

Kurze Zeit später ist dann das fremde Schiff auch vom Oberdeck aus zu sehen, aufmerksam beobachtet der Adeptus das Wrack.



Aufregung in der Suite


Reckinde von Beibach und Bruch trommelt nervös mit den Fingern auf dem Tisch herum. Irgend etwas stimmt hier nicht auf diesem Schiff! Sie wäre niemals ein solch erfolgreiche Kauffrau geworden, könnte sie belastende Schwingungen nicht sinnlich wahrnehmen, notfalls auch durch dicke Wände hindurch.

So ist es ihr natürlich auch nicht entgangen, daß die Stimmung der Leute, draußen auf dem Oberdeck aufgeregter wurde, richtiggehend unheilschwanger. Was ist nur vorgefallen? Sinkt das Schiff etwa?

Nein, das kann es nicht sein! Der Wein in ihrem Glas ist eben und glatt, die Oberfläche neigt sich nicht zum Rande. Es wird doch nicht schon wieder eine Meuterei sein? Das darf doch nicht wahr sein! Wo ist sie da nur hingeraten!

Nach kurzem Überlegen allerdings, hat sie den Gedanken an einen erneuten Aufstand an Bord wieder verworfen. Doch was ist nun wirklich geschehen! Die Leute draußen werden immer aufgeregter.

Reckinde schneidet dem vortragenden Radisar mitten im Satz das Wort ab.

"Begebe er sich schleunigst nach draußen und teile er mir die Begebenheiten der jüngsten Ereignisse mit!" befahl sie ihrem Diener kurz und knapp.



Der Auftrag Reckindes trifft Radisar mitten in den schmückenden Ausführungen, warum Rubine majestätischer leuchten als die Glut der alten Drachen. Unvermittelt sieht er sich plötzlich, entfernt von den Feuern der echsischen Könige, der verzehrenden Glut der ungeduldigen Herrin gegenüber.

Dem kleinen, dicken Diener ist klar, daß die Wut eines Drachen ihn weniger anhaben könnte, als die Wut seiner Gebieterin, also springt er auf, so heftig, daß das Buch mit lautem Knall zusammenklappt.

"Wird sofort erledigt, Herrin!" sagt er beflissen, noch ehe er sich über Sinn und Inhalt seines Auftrages Gedanken gemacht hat. Nach draußen sollte er gehen, sich zu erkundigen, soviel ist ihm klar, mehr eigentlich nicht, denn die Aufregung, die auf dem Oberdeck herrscht, war ihm völlig entgangen.

Eifrig tippelt er zur Türe. Er öffnet sie, nein, er reißt sie auf, als ein Zeichen seiner unbedingten Loyalität. Das erste was er von draußen hört ist das Wort "Piraten"! Irgend jemand hat es irgend jemandem zugerufen.

Nun hat Radisar gar keine Lust mehr Näheres zu erfahren. Er schließt die Türe wieder und erklärt seiner Herrin mit bleichem Gesicht lapidar:

"Piraten!"



Anselm, oh Anselm


'Tralalala...oh PHEx, wie langweilig! Alle laufen wild umher und keiner nutzt die Gelegenheit die Leute um ihre güldene Last zu erleichtern. Piraten, pfff... und was ruft der Dunkle da von wegen Verletzte?'

Anselm wippt mit den Füßen und beobachtet wie Matrosen und Passagiere über's Deck hechten.

'Andererseits, wer sollte hier an Deck seinen Geldbeutel mitnehmen? Die werden ihre Schätze in den Kabinen gelassen haben'

*plink*

'Jetzt ist der Dukat gefallen! In den Kabinen! So viel Leute, wie hier herum laufen, dürfte jetzt eine Menge Geld unbewacht sein. Oh verflixt, wenn ich nicht auf einem Schiff wäre....dann könnte ich jetzt wieder auf Beute-Fang gehen. Zu schade. Naja, im nächsten Hafen gibt's mit Sicherheit genug Möglichkeiten, sich mit fremden Eigentum einzudecken....'



Torin und Di Vespasio


Di Vespasio sieht sich weiter auf den Schiff um, kann aber seine geflohene Gesprächspartnerin weiterhin nicht sehen, da er sich auf der ihr abgewandten Seite des Mastes befindet. Dem hingegen bleibt ihm die Stimmung auf dem Deck nicht verborgen.

'Mal Schauen, mit etwas klarem Denken sollte diese Rätsel zu Lösen sein. Die Vorarbeiterin rennt wie von der Tarantel verfolgt nach vorn. Der Mann oben auf dem Mast ruft etwas von jemandem, der verletzt um Hilfe ruft. Der Zimmermann spricht von Umdrehen und Entern. Mir ist nicht ganz klar, was er mit Entern meint, ...'

Der adelige Herr hält einen Moment inne, um die Fakten auf sich wirken zu lassen.

'Nein, bei allen Zwoelfen, sie wird doch wohl nicht ins Wasser gesprungen ...'

Er stürmt zur Reling, dort wo auch Torin sorgenvoll das Meer betrachtet, stellt sich neben ihn und fragt mit belegter Stimme:

"Wie schrecklich, kann man denn nichts tun?"



Torin steht noch immer an der Reling und sucht mit zusammengekniffenen Augen das Meer ab. Doch von dem Schiff ist nichts zu sehen.

Als ihn Raschids Worte erreichen, brummt er kurz.

'Natürlich gibt es Überlebende! Wie sonst sollte wohl solch eine Falle zu bewerkstelligen sein. In dem Augenblick, in dem wir bei dem Schiff ankommen, wird man uns einen heißen Empfang bereiten.'

Er brummt nochmals und seine Hände umklammern das Holz der Bordwand etwas fester.

'Aber nicht mit mir!'

Abermals starrt Torin über das Meer, doch ohne Erfolg. Auf der weiten, leeren Wasserfläche will einfach kein Schiff erscheinen.

Dann bemerkt er eine schnelle Bewegung hinter sich und in seiner Drehung fährt seine Hand instinktiv zur Waffe.

Doch als di Vespasio neben ihm an die Reling stürmt und auf das Meer hinaus schaut, merkt er, daß es sich nicht um einen Angreifer handelt, sondern nur um den feinen Pinkel und er nimmt die Hand wieder von der Waffe.

'Ob man nichts tun könne?' fragt ihn dieser.

"...nichts tun kann?" echot Torin etwas erstaunt ob der unsinnigen Frage des Adeligen.

"Natürlich kann man etwas tun!"

Er schüttelt den Kopf.

"Glaubt ihr etwa, ich lasse mich von den Piraten einfach so aufschlitzen?!"



Di Vespasio ist ein wenig verwirrt ob der Aggressivität des von ihm angesprochen Torin.

"Piraten? Wieso Piraten? Wovon sprechen Sie eigentlich?"






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